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                    <text>AMERIKA - DIENST Sonderbeilagen1958

Ä

3.

I»

Rueckschau und Ausblick 1957/58

15»

I«

Praesident Eisenhower ueber die Lage der Nation.

9»

I«

12«

I,

7*

I«

praesident Eisenhower legt neuen US-Haushalt vor.
Auszuege aus der Budget-Kongresabotschaft

13«

I«

John Forster Dulles: Gipfelkonferenz nur bei
wirklicher Aussicht auf Erfolg»
Wortlaut der Rede vor dem amerikanischen Presseklub in Washington»
/

16«

I,

24«

I&lt;

Fraesident Eisenhower antwortet Bulganin«
Amerika und seine Fuehrungsrolle in der Technik»
Wortlaut einer Rede von James R. Killian
W

A

15«

22»

X«

I»

W

22«

I, praesident Eisenhower unterbreitet Kongress Wirtschaf tsbericht.
1« Text des Begleitschreibens
2, Auszuege aus dem Wirtschaftsbericht
/

A

29»

X«

Forschungsergebnisse auf dem Gebiet der Kernverschmelzung«
Wortlaut der Erklaerung v«n Lewis L. Strauss
Vorsitzender der amerikanischen AEC - ^

Die Amerikanischen Forschungsarbeiten auf dem Gebiet
der kontrollierten Kernverschmelzungspr«zesse.
Hintergrundmaterial, vorgelegt von Dr. Arthur E. Ruark,
Leiter der Forschungsabteilung der AEC fuer Kontrollierte Kernverschmelzungsprozesso»
^

A

5» II»

Ziel der USAi Aufrechterhaltung der nationalen
Unabhaengigkeit der Voelker im mittleren Osten,
Wortlaut einer Rede v«n John Forster Dulles v«r der
Bagdadpakt-Konferena.
_^

27* I«

Da» amerikanisch- sowjetische Abkommen ueber den
kulturellen 'ustausch
*

2f •

A

12. II.

Der Griff nach den Sternen

W

12» II.

Die Zivilluftfahrt in den Vereinigten Staaten-"^

A

19» II»

Wortlaut des Antwortschreibens Praesiden Eisenhowers
an Ministerpraesident Bulganin
'

17« II.

Eisenhower tritt fuer Staerkung des gemeinsamen
Sicherheitsprogramines der USA ein.

25. II.

W

26. II.

�W 26» II*

Praesident Eisenhower unterbreitet Auslands hilfeprogramm

A 2i»III»

Bruecken der Verstaendigung.
Die Rolle der amerikanischen Stiftungen»

W 28.III*

^

s

Atompolitik im Zeitalter der Raumfahrt»
Auszug einer Rede, die Robert M. McKinney in
Chicago gehalten hat.
/

18* III»

A

3« IV»

Einfuehrung in die Probleme und Möglichkeiten
der Raumfahrt»
Auf Veranlassung Dwight D. Eisenhewers Terfasst
und herausgegeben vom Wissenschaftlichen Beirat des
US-Praesidenten.
**'

W

3* IV»

Aussenminister Dulles fordert Verlaengerung des
Gesetzes ueber gegenseitige Handelsabkommen,
Wortlaut einer Rede« die US-Aussenminister Dulles
am 27. Maerz 1958 in Washington gehalten hat. ^

27* III.

A IL» IV*

Die Abruestung - ein amerikanisches Anliegen
(Hintergrundmaterial)
^

A 25» IV.

Die Gruende der USA fuer die vorlaeufige Fortsetzung der Kernwaffenversuche.
Auszuege aus einer Erklaerung des Vorsitzenden
der amerikanischen Atomenergie-Kommission,
AAmiral Lewis L* Strauss, vom 17»IV-^

17«

IV»

Praesident Eisenhower antwortet Chruschtschow.
Wortlaut des Antwortschreibens
^

28»

IT«

A
W

2.
2*

V»
V»

Gemeinsame Sicherheit und Welthandel.
Wortlaut einer Rede des stellvertretenden Staatssekretaers fuer Wirtschaftsfragen im US-Aussen«
ministerium, C. Douglas Dillon»
'
Die OEEC und der wirtschaftliche Fortschritt in
Westeuropa.
Wortlaut der Rede des Staatssekretaers im US-Aussen«
ministerium, Christian A* Herter, anlaesslich der
Feierlichkeiten zum zehnjaehrigen Bestehen des
europaeischen Wirtschaftsrates»
/

A

9*

V»

Sicherheitsmassnahmen der USA fuer die Kernwaffenversuche im Pazifik.
Wortlaut der Verlautbarung der US-Atomenergie-kommission
und des US-Verteidigungsministeriums.
_^
Lodge erlaeutert amerikanischen Inspektionsplan fuer die Arktis
Wortlaut der Erklaerung des US-Chefdelegierten bei den
Voreinten Nationen
29, IV.
^

*

�A

9»

V»

John Forster Dulles umreisst amerikanische
Aussenpolitik»
Wortlaut einer Rede vor dem Institut fuer
Atomenergiewirtschaft der Universitaet New
Hampshire

2»

V

3»

V.

Probleme der Entwicklung und Stabilitaet der
Wirtschaft»
Rede des Wirtschaftsberaters des US-Praesidenten,
Dr» Gabriel Hauge, v«r der deutschen Gruppe
der internationalen Handelskammer in Berlin
^ 30»

IV«

USA: Rapaki-Plan nicht umfassend genug«
Wortlaut der US-Note an Polen
W

W

9»

23«

30»

V»

V«

V«

^

US-Auslandshilfe eine Investition fuer den
Aufbau einer friedlichen Welt.
Wortlaut einer Rede des US-Chefdelegierten
bei den Vereinten Nationen, Henry Cabot L«dge.

/6. v.

Eisenhower schlaegt Sachverstaendigen-Besprechung
in Genf v»r»
Wortlaut des Schreibens Praesident Eisenhowers
an den sowjetischen Ministerpraesidenten
Chruschtschow, ueberreicht an Meskau
24»

V»

13»

VI. Eisenhower: Die hoechste Aufgabe des Offiziers
ist die Verhinderung des Krieges»
W»rtlaut-Auszuege aus der Ansprache Praesident Eisenhowers
vor den Absolventen der US-Marineakademie in
Annapelis ( Maryland) vom
-^ 4«
VI»

27*

VI. USA veroeffentlichen Dokumente zu den vorbereitenden Besprechungen fuer eine Gipfel»
konferenz ( 16« Juni 1958)
1) Wortlaut des westlichen Memorandums vom
Wortlaut des westlichen *ide Memoire vom
Verschlag zur Oeberpruefung der einzelnen
Punkte zur Tagesordnung, der der UdSSR am
zugestellt worden ist.
^

4»

11»

28»
28»

V.
V»

31»

V»

VII. Herbert Hoover, ehemaliger Praesident der
Vereinigten Staaten, spricht am 4« Juli
in Bruessel:
Ueber die amerikanischen Ideale. ^
VII* Murphy: USA jederzeit zu Verhandlungen bereit.
Wortlaut einer Rede des stellvertretenden
Staatssekretaers im US-Aussenministerium
Robert Murphy vom 1. Juli
in Hamilton ( New York).
*&lt;

1, VII»

�lli VII»

25» VII»

Praesident Eisenhower ersucht Kongress um
gesetzliche Regelung der Befugnisse des
Aussenrainisters bezueglich der Beschraenkung
v»n Reisepaessen»
Wortlaut der Botschaft vom

7»

VII*

Praesident Eisenhower gibt Entsendung amerikanischer Truppen nach dem Libanon bekannt»
Wortlaut der Erklaerung.
Lodge informiert Vereinte Nationen ueber
amerikanische Truppenlandung im Libanon»
Wortlaut der Erklaerung.
Rundfunk und Fernsehansprache Praesident Eisenhowers
ueber die Lage im nahen Osten»
Wortlaut.
Eisenhower begruendet den amerikanischen
Schritt in nah Ost vor dem Kongress»
Wortlaut der Botschaft»
US-Aussenministerium gibt Einzelheiten der
Infiltration im Libanon bekannt.
,
Wprtlaut des Berichts»
^
UN-Ausschuss fordert Wiederherstellung der
Menschenrechte in Ungarn.
^s~
Wortlaut des Berichts,

l.VIII»

Dulles: Entwicklungen in Nahost unterstreichen
Notwendigkeit der Auslandshilfe.
^
Wortlaut der Erklaerung v«m
/

18» VII»

Briefwechsel zur Frage einer Gipfelkonferenz
ueber die Situation im nahen Osten.
Antwortschreiben Praesident Eisenh«wers v»m
22.7» 58 auf das Schreiben Ministerpraesident
Chruschtschows vom 19»7»58»
Beide Schreiben im Wortlaut.
Die Zusammenarbeit zwischen Euratom und USA.
Wortlaut einer Erklaerung vtn C» Bauglas Dill»n ' 2 2. VII»
US-Aussenminister ersucht Kongress um Befugnis zur
Verminderung v«n Auslandsreisen amerik. Kommunisten.
Wortlaut einer Erklaerung von Robert D. Murphy
16» VII»
8.VIII.

Praesident Eisenh»wer schlaegt Sicherheitsratsitzung fuer 12. August v«r.
Wortlaut des Schreibens
'

l.VIII»

�A

A

8* VIII»

15» Till»

Atome fuer den Frieden.
Ausstellung unÄ Filmprogramm fuer die
II» Genfer Atomkonferenx«
lortlaut der Bede praeaident Eisenhowera
Tor der UR-Yollveraammlung.

/
'
/
15» Till«

US^i veroeffentlicien Memorandum ueber OhinaPolitik,
Wortlaut des vom Uß-Aussenministerium herausgegebenen Memorandums
/

11« Till«

A

221 Till« John Forrter Bullesi Frieden nur durch Recht
und Gerechtigkeit«
Wortlaut einer Ansprache vor der Jahrestagung
des Kr_egsteilnehinerverbandes
"Teterans of Foreign War8 of the US" in New York / 1 8 . Till.

A

29, Till« Eisenhower sohlaegt Einstellung der Kirnivaffen.
versuche vor.
Wortlaut der Erklaerung vom

22» Till.

Konferenz der Atomsachverstaendigen in Genf
beendet»
Wortlaut des Kommuniques
Wortlaut einer Erklaerung von Dr.James
Brown Fisk, Leiter der westlichen Bxpertengruppe»^-

ij

John Forster Bullest Sicherheit der kleinen
lationen iruss gewaehrt werden.
Wortlaut dei Rede zum arabischen Kompromissvorschlag vor der Tollversammlung der Tereinten
lationem«
S
IX. Atomsaohvarstaendige veroeffentlichen Bericht«
Erlaeuterungen der US-Regierung zu dem Bericht,
den die technischen Experten aus Ost und West
als Ergebnis ihrer Genfer Besprechungen aa
/
veroeffentllcht haben.
A

19.

IX. Praesiden Eisenhower unterstreicht feste Haltung
der USA. in der Fernostkriese«
Wortlaut der Rede des US-Praesidenten vom
/
Praeaident Eisenhower ant./ortet Chruschtschow.
Wortlaut des Schreibens vom
/

A

26.

IX« Bulles umre-'.sst Aussenpjlitik der USA
vor der UH-Tollversammlung in lew York*
Wortlaut der Rede des US-Aussenministera vom

21. Till.

50» Till.

11.

IX.

15.

IX,

18.

IX.

25«

IX.

/

A

3,

X. Bulles umreis3t Fernostpolitik der USA»
Wortlaut der Rede vor dem Fernost-Amerikarat
fuer Eandel und Industrie in New York.

�A

1

A

A

3*

10»

17*

X. Formosakrise
NATO.
Wortlaut der
John Forster
Gesellschaft

beruehrt die Grundprinzien der
Rede des JS-Au-senministers
Dulxes vor der Atlantikpaktin Boston.

27«

IX*

4»

X*

X* Lodge umreisst US-Einstellung zur Abruastungzfrage,
fsrtlaut eir?«r Rade des US-Chefdeiegierten
büi den Vereinten Rationen vom lO.X.^Ö vor
dem Ersten Politischen Ausschuss der UR-Yell« Versammlung in Bew Yerk.
10»

X*

X. Eisenhower umreisst Ziele der amerikanischen
FerrOstpolitik,
Wortlaut des Antwortschreibens praesident
Eisenhowers an Senator Theodore Green,
Vorsitzender des Aussenpolitischen Senats*
Ausschusses» Tom

12« XII* Bulles umrdisst US-Aussenpolitik»
Wortlaut einer Reue des US-Aussenministers,
gehalten ver der Hände1ska; mer in Kalifornien
in Sun Francisco am

s

A

19* XII* Das internationale geophysikalische Jahr 1957/58
Die Wissenschaft machte Inventur«
*

A

22* XII* USA-Memorandum zu Berlin*
Wortlaut des vom US-Ministerium veroeffantliehten
Memorandums ueber die rechtlichen Aspekte der
Berlinfraje«

4* XII*

20* XII*

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XI. Jahrgang, Nr. 1

Allgemeines
8. Januar 1958

INHALTSVERZEICHNIS

AMERIKANISCHE GROSSSTÄDTE IM ULIBAU
Ein Jahrzehnt städtebaulicher Neugestaltung
in den USA
(85 Zeilen, 3 Bilder)

Seite

AUS DER MEDIZINISCHEN FORSCHUNG
Serumähnliche Substanz hemmt Wachstum
der Krebszellen
(22 Zeilen)

Seite

1

Der Virulenzursache von Tuberkelbazillen
auf der Spur
(19 Zeilen)

Seite

Chemischer Stoff verursacht Bluthochdruck
(9 Zeilen)

Seite

Rheumatoid-Faktor isoliert
(17 Zeilen)

Seite

6

Seite

7

WIE DER SCHREI EINES GEFANGENE»
Tennessee Williams über seine Beziehung zu
den Mitmenschen
(98 teilen)

* * * * *

5

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XI. Jahrgang. Nr. 2

15. Januar

1958

INHALTSVERZEICHNIS
POLITIK
ZU PRÄSIDENT EISENHOWERS BOTSCHAFT ÜBER
DIE LAGE DER NATION
Kommentar von John Kerigan
(82 Zeilen)
FORSCHUNG UND TECHNIK
MIKROANALYSE ÜBER DEN FERNSEHSCHIRM
(14 Zeilen, 1 Bild)
EBWR-KRAFTWERKSREAKTOR EIN JAHR IN BETRIEB
Leistung weit höher als erwartet
(40 Zeilen)
VAKUUMSCHMELZVERFAHREN FÜR NIOB
(15 Zeilen)
VON KUNST UND KÜNSTLERN
EINE GROSSE FERNSEHNACHT
(42 Zeilen, 3 Bilder)
DAS RELATIVE UND DAS ABSOLUTE
Zur Uraufführung von Aaron Coplands
Piano Fantasy
(56 Zeilen)
ANHANG
PRÄSIDENT EISENKOWER ÜBER DIE LAGE DER NATION
Wortlaut der Botschaft vom 9« Januar 1958}
PRÄSIDENT EISENHOWER ANTWORTET BULGANIN
Wortlaut des Schreibens vom 12. Januar 1958
AMERIKA UND SEINE FÜHRUNGSROLLE IN DER TECHNIK
Wortlaut einer Rede von James R. Killian vom
7. Januar 1958

* * * * *

Seite

Seite

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XI. Jahrgang, Nr. 5

22. Januar

1958

INHALTSVERZEICHNIS
POLITIK
... UND 98 PROZENT MUSSEN GEHORCHEN
Die Kommunistische Partei in China findet
wenig Zuneigung
(98 Zeilen, 1 Bild)

Seite

1

ISOTOPE KLÄREN RÄTSEL DER MEDIZIN
Wertvolle Helfer für Diagnose und Therapie
(82 Zeilen, 2 Bilder)

Seite

5

FERNSEHSCHIRM ERLEICHTERT STRAHLENBEHANDLUNG
BEI KREBS
(14 Zeilen)

Seite

8

Seite

9

AUS DER MEDIZINISCHEN FORSCHUNG

VON KUNST UND KÜNSTLERN
FESTIVAL ZWEIER WELTEN
Italien ist in diesem Jahr Schauplatz
europäisch-amerikanischer Festspiele
(70 Zeilen)
KURZ BERICHTET
PRINCETON-UNIVERSITÄT ERHIELT DEUTSCHE BIBLIOTHEK
(12 Zeilen)
Seite
LEONARD BERNSTEIN NEUER LEITER DER
NEW YORKER PHILHARMONIE
(6 Zeilen)
Seite

12

12

ANHANG
JOHN FOSTER DULLES: GIPFELKONFERENZ NUR BEI WIRKLICHER
AUSSICHT AUF ERFOLG
Wortlaut der Rede vom 16. Januar 1958 vor dem amerikanischen
Pressekluh in Washington

* * * * *

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Allgemeines
29. Januar

XI. J a h r g a n g . Nr. 4

1958

INHALTSVERZEICHNIS

ARTIKEL
MEILENSTEINE
ABRAHAM LINCOLN, DIE PERSONIFIZIERUNG
DES BESSEREN AMERIKA
Zum Geburtstag Abraham Lincolns am 12. Februar
(85 Zeilen, 1 Bild)

Seite

HOCHSCHULWESEN
DER TYP DES NEUEN AMERIKANISCHEN
HOCHSCHULPROFESSORS: LEHRER UND GELEHRTER
Von John B. Oakes
(110 Zeilen, 1 Bild)

Seite

VON
DIE
Von
(90

Seite

KUNST UND KÜNSTLERN
BROADWAY MUSICALS UND DER FILM
Norman Smith
Zeilen)

KURZ BERICHTET
DAS DEUTSCHE THEATER IN SALT LAKE CITY
(17 Zeilen)

Seite

4

LISTE DER GEDENKTAGE IM FEBRUAR 1958

Seite

12

ANHANG
FORSCHUNGSERGEBNISSE AUF DEM GEBIET DER KERNVERSCHMELZUNG
Neue Perspektiven für die Lösung des Energieproblems
Wortlaut der Erklärung von Lewis L. Strauss, Vorsitzender
der amerikanischen AEC, vom 24. Januar 1958
DIE AMERIKANISCHEN FORSCHUNGSARBEITEN AUF DEM GEBIET DER
KONTROLLIERTEN KERNVERSCHMELZUNGSPROZESSE
Hintergrundmaterial, vorgelegt von Dr. Arthur E. Ruark, Leiter
der Forschungsabteilung der AEC für kontrollierte Kernverschmelzungsprozesse
ZIEL DER USA: AUFRECHTERHALTUNG DER NATIONALEN UNABHÄNGIGKEIT
DER VÖLKER IM MITTLEREN OSTEN
Wortlaut einer Rede von John Foster Dulles vor der BagdadpaktKonferenz vom 27. Januar 1958

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XI. Jahrgang« Nr. 5

5. Februar 1958
INHALTSVERZEICHNIS

ZUM INTERNATIONALEN GEOPHYSIKALISCHEN JAHR
REPORTAGE AUS DEM WELTRAUM
Erdsatelliten als Mittler neuen Wissens
(76 Zeilen, 1 Bild)
•nV.*TOFOT.GREICHESTART DES US-ERDSATELLITEN
ist vor allem drei Wissenschaftlern zu verdanken:
William H. Pickering
James A. van Allen
Wernher von Braun
(Hintergrundmaterial)
(98 Zeilen)
"OPERATION M00NWATCH" ANGELAUFEN
Amateurgruppen liefern wichtige Hinweise
zur Beobachtung von "Explorer" auf seiner
Umlaufbahn
(90 Zeilen, 3 Bilder)
ZWEITE JUPITER-C-RAKETE IN KÜRZE STARTKLAR
Verwendung als Postrakete geplant
(32 Zeilen)

Seite

Seite

Seite

8

Seite

12

KERNPHYSIKALISCHE FORSCHUNG
GESTEUERTE KERNFUSION
Der Weg zu einer endgültigen Lösung des
Energieproblems (95 Zeilen, 3 Fotos, 1 Schaubild) Seite

15

KURZNACHRICHT
US-LUFTWAFFE ENTWICKELT SCHUTZANZUG
FÜR WELTRAUMFAHRER
(14 Zeilen)
ANHANG
DAS AMERIKANISCH-SOWJETISCHE ABKOMMEN ÜBER DEN
KULTURELLEN AUSTAUSCH VOM 27. JANUAR 1958
(Wortlaut)

* * * * *

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XI.Jahrgang. Nr. 6

12. Februar

1958

INHALTSVERZEICHNIS

ZUM INTERNATIONALEN GEOPHYSIKALISCHEN JAHR
1958 - ALPHA
Leicht gekürzte Passung eines Artikels aus
der amerikanischen Wochenzeitschrift "TIME"
(165 Zeilen, 2 Bilder)

Seite

1

VOLLAUTOMATISCHE NAVIGATION BEI AMERIKANISCHEN
FERNRAKETEN
Keine Kursablenkung durch Störmanöver möglich
(65 Zeilen, 2 Bilder)

Seite

7

Seite

10

VON KUNST UND KÜNSTLERN
AM PULTs DER KOMPONIST
Igor Strawinskijs' Schallplattenaufnahmen
eigener Werke als Ergänzung der Partitur
Von Alfred Frankenstein
(75 Zeilen)

ANHANG
DER GRIFF NACH DEN STERNEN

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XI. Jahrgang. Nr. 7

19. Februar

1958

INHALTSVERZEICHNIS
ARTIKEL
DIE FERNSEHUNIVERSITÄT: EINE NEUE FORM
DER HOCHSCHULBILDUNG?
Zwei Experimente, die von sich reden machen
(95 Zeilen, 2 Bilder)

Seite

GEWEBEBANK ERWEITERT MÖGLICHKEITEN DER
KREBSFORSCHUNG
Kältekonservierung bei minus 76 Grad
(69 Zeilen)

Seite

DIE GUTENBERGBIBEL IN EINER PRIVATSAMMLUNG
Bibliophile Leidenschaften eines
amerikanischen Mäzens
(63 Zeilen)

Seite

KURZNACHRICHTEN
CHLOROTHIAZID, EIN NEUES MEDIKAMENT
GEGEN BLUTHOCHDRUCK
(10 Zeilen)
CARL-SANDBURG-AUSSTELLUNG DER STAATSUNIVERSITÄT
VON ILLINOIS
(6 Zeilen)

8

Seite

Seite

ANHANG
WORTLAUT DES ANTWORTSCHREIBENS PRÄSIDENT EISENHOWERS AN DEN
SOWJETISCHEN MINISTERPRÄSIDENTEN BULGANIN V. 17. FEBRUAR 1958

* # * * *

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26. Februar 1958

XI. Jahrgang, Nr» 8

INHALTSVERZEICHNIS
ZUM INTERNATIONALEN GEOPHYSIKALISCHEN JAHR
DIE ERSCHLIESSUNG DER ATMOSPHÄRE FÜR
DIE GEOPHYSIKALISCHE WISSENSCHAFT
Raketen als unentbehrliches Hilfsmittel
(120 Zeilen, 3 Bilder)

Seite

FERNSEHEN
GEBÜHRENPFLICHTIGE ODER GEBÜHRENFREIE
FERNSEHPROGRAMME
Das Publikum hat die Wahl
Von John Kerigan
(58 Zeilen)

Seite

VON KUNST UND KÜNSTLERN
ART t USA t 58
Überblick über das zeitgenössische
Kunstschaffen in USA
(50 Zeilen)

Seite

AMERIKAS SCHÖNSTER KONZERTSAAL
Die Konzerte der Washingtoner National Gallery
of Art
(58 Zeilen, 1 Bild)

Seite

10

Seite

12

LISTE DER GEDENKTAGE IM MÄRZ 1958

*

*

#

*

*

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5. März

XI. Jahrgang. Nr. 9

1958

INHALTSVERZEICHNIS

ARTIKEL
DAS KULTURELLE LEBEN EINER AMERIKANISCHEN
PROVINZSTADT
Von Norman Smith
(73 Zeilen)

Seite

1

STEINE FALLEN VOM HIMMEL
Zeugen längst versunkener Welten
(110 Zeilen)

Seite

4

SCHtlLERBESUCH IN FORSCHUNGSSTÄTTEN DER AEC
(37 Zeilen)

Seite

8

PLUTONIUM ALS KERNBRENNSTOFF
(21 Zeilen)

Seite

9

FAST 7000 AUSLANDSÄRZTE KAMEN 1957
ZUR FORTBILDUNG NACH USA
(11 Zeilen)

Seite

10

LANDEBREMSVORRICHTUNG FÜR ÜBERSCHALLFLUGZEUGE
(10 Zeilen)

Seite

10

ATOM - WISSENSCHAFT - TECHNIK

KURZ BERICHTET
ERGEBNIS EINER MEINUNGSUMFRAGE über die
Gleichberechtigung von Mann und Frau, durchgeführt
in 13 Ländern der freien Welt
(14 Zeilen)

* * * * *

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XI. Jahrgang. Nr. 10

Allgemeines
14. März

1958

INHALTSVERZEICHNIS
ZUM INTERNATIONALEN GEOPHYSIKALISCHEN JAHR
BESTANDSAUFNAHME AN DEN EISMASSEN UNSERER ERDE
Gletscherforschungen von 2f Ländern im IGJ
(98 Zeilen, 3 Bilder)

Seite

1

Seite

5

Seite

5

Seite

8

ARCHITEKTUR
ARCHITEKTUR MUSS IM LEBEN SELBST WF 7.ELN
Eero Saarinen ist heute einer der führenden
Architekten der Vereinigten Staaten
(90 Zeilen, 3 Bilder)
POLITIK
GLEICHBERECHTIGUNG DER FRAUEN
und was die Kommunisten darunter verstehen
Betrachtung zum Internationalen Frauentag
der IDFF
(86 Zeilen)
KURZNACHRICHTEN
MRS. R00SEVELT ERNEUT AUSGEZEICHNET
(10 Zeilen)

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XI. Jahrgang, Nr. 11

Allgemeines
21. März 1958

INHALTSVERZEICHNIS

ARTIKEL
DAS EISENHOWER-NIXON-ABKOMMEN
über den "amtierenden Präsidenten"
Von John Kerigan
(90 Zeilen, 1 Bild)

Seite

1

ATOM-FORSCHUNG-TECHNIK
Brief aus Argonne
Die Merkmale des EBWR-Reaktors
Unkompliziert - zuverlässig - billig
(58 Zeilen)

Seite

5

Seite

7

Seite

10

Seite

4

Seite

11

Neuer Elektronenbeschleuniger für
radiochemische Forschung
(80 Zeilen, 2 Bilder)
BIBELFUND BEGRÜNDET FREUNDSCHAFT
Düsseldorfer Dekan widmet seine Bibel
amerikanischem Kongreßabgeordneten
(20 Zeilen)
KULTURNOTIZEN
SKULPTUREN FÜR BRÜSSEL
US-KONGRESSBIBLIOTHEK VERÖFFENTLICHT ERSTEN
NATIONAL UNION CATALOGUE IN BUCHFORM
(9 Zeilen)
LISTE DER GEDENKTAGE FÜR APRIL 1958

* * * * *

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X I . Jahrgang, N r . 12

Allgemeines
28. März 1958

INHALTSVERZEICHNIS
ARTIKEL
AUFGABEN DER NATO IN DER ZUKUNFT
Zum 9» Jahrestag der Gründung des
NATO-Bündnisses am 4. April
(135 Zeilen)

Seite

\

DIE ERNTE DER ERNTE
Die Huntington Library in San
Marino (Kalifornien)
(75 Zeilen)

Seite

6

ZUM INTERNATIONALEN GEOPHYSIKALISCHEN JAHR
Sonnenstrahlen als Energiequelle für
VANGUARD-1-Sender
Temperaturmessung mit Hilfe elektrischer
Schwingungen
(70 Zeilen)

Seite

9

Seite

8

KURZNACHRICHTEN
LITERATURPREIS FÜR KATHRYN HULME
(8 Zeilen)
ANHANG
BRÜCKEN DER VERSTÄNDIGUNG
Die Rolle der amerikanischen Stiftungen
Vorwort - Textteil - Anhang

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XI. Jahrgang, Nr« 13

3. April 1958

INHALTSVERZEICHNIS

ARTIKEL
DAS ERZIEHUNGSWESEN DER SOWJETUNION
Versuch einer kritischen Wertung
Von Alexander Korol, Mitarbeiter des
Instituts für Internationale Studien
der Technischen Hochschule von Massachusetts
(MIT)
(145 Zeilen)

Seite

VON KUNST UND KÜNSTLERN
Leonard Bernstein - der neue Musikdirektor
der New Yorker Philharmoniker
(115 Zeilen, 1 Bild)

Seite

7

Ehrung für acht Millionen Sonntagsmaler
Metropolitan Museum of Art stellt
Churchill aus
(46 Zeilen)

Seite

11

KURZNACHRICHTEN
Neues William Inge-Stück in New York uraufgeführt
(10 Zeilen)

Seite

ANHANG
EINFÜHRUNG IN DIE PROBLEME UND MÖGLICHKEITEN DER RAUMFAHRT
Auf Veranlassung Dwight D. Eisenhowers verfaßt und herausgegeben
vom Wissenschaftlichen Beirat des US-Präsidenten

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11 . April 1958

XI. Jahrgang. Nr. 14
INHALTSVERZEICHNIS

DIE WISSEHSCHAFT NOTIERT
THEORIE ÜBER VIREN ALS KREBSERREGER WEITER ERHÄRTET
Ergebnisse einer internationalen Wissenschaftlertagung in New York
(62 Zeilen)

Seite 1

KRYPT0N-85 ZUR DIAGNOSE VON HERZKAMMERTRENNWANDSCHÄDEN
(52 Zeilen)

Seite 3

NEUES ANTIBIOTIKUM ZUR BEKÄMPFUNG
VON STAPHYLOKOKKEN
(12 Zeilen)

Seite

4

VON KUNST UND KÜNSTLERN
AMERIKA AUF DEM WEGE ZU EINER EIGENEN
BODENSTÄNDIGEN OPER
Von Howard Taubmann, Musikkritiker der
"New York Times"
(115 Zeilen, 2 Bilder)

Seite

5

DER NEUE BROADWAY HIT; "SCHAU HEIMWÄRTS.ENGEL"
Thomas Wolfes erster Roman als Bühnenstück
(58 Zeilen, 2 Bilder)

Seite

10

MAHALIA JACKSON ALS BESSIE MAY IM PARAMOUNT-FILM
"ST. LOUIS BLUES"
(5 Zeilen)

Seite

12

ANHANG
DIE ABRÜSTUNG - EIN AMERIKANISCHES ANLIEGEN
(Hintergrundmaterial)

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18. April 1958

XI. Jahrgang. Nr. 15
INHALTSVERZEICHNIS

FAMILIENZUSAMMENFÜHRUNG IST EIN GEBOT DER MENSCHLICHKEIT
Das Kennedy-Gesetz und seine Auswirkungen
(60 Zeilen)

Seite

1

BRÜSSELER WELTAUSSTELLUNG
165 .junge Amerikaner als Fremdenführer in Brüssel
(12 Zeilen)

Seite

3

ATOM - WISSENSCHAFT - TECHNIK
Ionenmotor für Raumraketen
(40 Zeilen)

Seite

4

Dispersionsverfahren erleichtert Behandlung
radioaktiver- Abfälle
(20 Zeilen)

Seite

5

Hochreines Uran-Metall
(12 Zeilen)

Seite

6

Tonband und Kleinempfänger als Museumsführer
(60 Zeilen, 1 Bild)

Seite

6.

VON KUNST UND KUNSTLERN
Poesie - Eine Liebhaberzeitschrift mit Tradition
Von Norman Smith
(56 Zeilen)

Seite

3

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XI. Jahrgang, Nr. 16

Allgemeines
25. April 1958

INHALTSVERZEICHNIS

ZUM INTERNATIONALEN GEOPHYSIKALISCHEN JAHR
ATOMREAKTOR SONNE
Energieströme beeinflussen Lebensrhythmus
und Umwelt
(125 Zeilen, 3 Bilder)

Seite

1

POLITIK
ZWEIERLEI MASSSTÄBE FÜR NATURWISSENSCHAFTLER
UND GEISTESWISSENSCHAFTLER IN DER UdSSR
Die relative Freiheit der sowjetischen Naturwissenschaftler
(86 Zeilen)

Seite

6

WELTAUSSTELLUNG BRÜSSEL
Der kulturelle Beitrag der USA zur Brüsseler
Weltausstellung
(55 Zeilen)

Seite

9

LISTE DER GEDENKTAGE IM MAI 1958

Seite

11

ANHANG
DIE GRÜNDE DER USA FÜR DIE VORLÄUFIGE
FORTSETZUNG DER KERNWAFFENVERSUCHE
Auszüge aus einer Erklärung des Vorsitzenden
der amerikanischen Atomenergie-Kommission,
Admiral Lewis L. Strauss, vom 17« April 1958
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XI. Jahrgang, Nr. 17

2. Mai 1958
INHALTSVERZEICHNIS

ARTIKEL
REORGANISATION DER MILITÄRISCHEN FÜHRUNG
IN DEN USA
Präsident Eisenhower unterbreitet dem Kongreß
umfassenden Plan
Von John Kerigan
(78 Zeilen)

Seite

"EKMY" FÜR "REQUIEM FÜR EINEN SCHWERGEWICHTLER"
Wege des amerikanischen Fernsehens
(95 Zeilen, 1 Bild)

Seite

VON KUNST UND KÜNSTLERN
Der Vater des Blues
William C. Handy lebt im amerikanischen
Jazz weiter
(62 Zeilen, 1 Bild)

Seite

8

AUSLÄNDISCHE JOURNALISTEN BESICHTIGEN ARGONNE
unter ihnen auch Vertreter der Bundesrepublik
(16 Zeilen)

Seite

11

ANHANG
PRÄSIDENT EISENHOWER ANTWORTET CHRUSCHTSCHOW
Wortlaut des Antwortschreibens vom 28. April 1958

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XI. Jahrgang. Nr. 18

9. Mai 1958
INHALTSVERZEICHNIS

SPORT
BLICKRICHTUNG KALIFORNIEN
Zwei der großen Baseballvereine Amerikas haben
neues Heim in Kalifornien bezogen
(55 Zeilen, 1 Bild)
DIE WISSENSCHAFT NOTIERT
PLAZENTA-UNTERSUCHUNGEN ZUM SCHUTZ DES NEUGEBORENEN
(45 Zeilen)
HEPARIN STEIGERT WIRKSAMKEIT VON ANTIBIOTIKAS
(20 Zeilen)
SZINTILLATIONSZÄHLER ALS WICHTIGES HILFSMITTEL
BEI METASTASENLOKALISIERUNG
(24 Zeilen)

Seite

Seite

3

Seite

4

Seite

5

MINIATUR-SCHWIMMGÜRTEL
6
(10 Zeilen)
Seite
VON KUNST UND KÜNSTLERN
KLYTÄMNESTRA TRÄGT MODERNE ABENDKLEIDUNG
Martha Grahams ehrgeizigster Tanzzyklus
"Klytämnestra" begeisterte New York
(68 Zeilen, 2 Bilder)
Seite
ANHANG
SICHERHEITSMASSNAHMEN DER USA FÜR DIE KERNWAFFENVERSUCHE IM PAZIFIK
Wortlaut der Verlautbarung der US-Atomenergie-Kommission und des
US-Verteidigungsministeriums
LODGE ERLÄUTERT AMERIKANISCHEN INSPEKTIONSPLAN FÜR DIE ARKTIS
Wortlaut der Erklärung des US-Chefdelegierten bei den Vereinten
Nationen vom 29. April 1958
JOHN FOSTER DULLES UMREISST AMERIKANISCHE AUSSENPOLITIK
Wortlaut einer Rede vom 2. Mai 1958 v o r dem Institut für
Atomenergiewirtschaft der Universität von New Hampshire
USA; RAPACKI-PLAN NICHT UMFASSEND GENUG
Wortlaut der US-Note an Polen, überreicht am 3. Mai 1958

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16. Mai 1958

X I . J a h r g a n g , N r . 19

INHALTSVERZEICHNIS

ZUM INTERNATIONALEN GEOPHYSIKALISCHEN JAHR
Das Rätsel der kosmischen Strahlen
Erdsatelliten bewähren sich als wertvolle
Hilfsmittel der wissenschaftlichen Untersuchungen
(120 Zeilen, 3 Bilder)

Seite

1

Verleihung am 3• Juni 1958
(68 Zeilen)

Seite

6

Weinberg-Stiftung stiftet 100 000 Dollar für
Bibliotheksbau der Cornell-Universität,
Ithaca (New York)
(13 Zeilen)

Seite

8

Amerika ehrt James Monroe anläßlich seines
200. Geburtstages
(56 Zeilen, 1 Bild)

Seite

9

Seite

11

PREISE - STIFTUNGEN - EHRUNGEN
V/eltbrüderlichkeits-Preise
Städte

für

amerikanische

VON KUNST UND KÜNSTLERN
Gutes Theater ist Sache der Kritiker
Zur Stiftung des George-Jean-Nathan-Preises
für Theaterkritik
Von Norman Smith
(90 Zeilen)

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XI. Jahrgang, Nr. 20

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23. Mai

1958

INHALTSVERZEICHNIS

M S PORTRÄT
LEE DE FOREST
Ein Leben für die Entv/icklung der Radiound Tontechnik
(125 Zeilen, 1 Bild)

Seite

1

Seite

6

Seite

8

DIE BRÜSSELER V/ELTAUSSTELLUNG
KULTURELLE VERANSTALTUNGEN DER USA
Liste der Programme, chronologisch geordnet
(66 Zeilen)

Seite

9

LISTE DER GEDENKTAGE FÜR JUNI 1958

Seite

11

WISSENSCHAFT UND FORSCHUNG
LANDWIRTSCHAFTLICHE FORSCHUNG
Die ersten beiden GrundlagenforschungsLaboratorien eröffnet - Reine Forschung
regt angewandte Forschung an
(50 Zeilen, 2 Bilder)
ÖFFENTLICHER GESUNDHEITSDIENST IN DEN USA
UNTERSTÜTZT FORSCHUNG IM AUSLAND
(12 Zeilen)

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30. Mai

XI. Jahrgang, Nr. 21

1958

INHALTSVERZEICHNIS

DER KAMPF UM DIE EINHEIT EUROPAS
Professor Zürcher von der New York Universitär
unterstreicht die Einzigartigkeit der europäischen Integrationsbestrebungen
(62 Zeilen)

Seite

ATOM - WISSENSCHAFT - TECHNIK
NEUE ERKENNTNISSE ÜBER DEN RADIOAKTIVEN
ZERFALL DER NEUTRONEN
(120 Zeilen)

Seite

4

VON KUNST UND KÜNSTLERN
MITTWOCHS IST MALTAG
Kurse für die Kunsterziehung der
Hausfrauen machen Schule
(34 Zeilen, 1 Bild)

Seite

8

GELDPREISE FÜR SAMUEL BARBER UND ARTHUR HONEGGER
(9 Zeilen)

Seite

3

FRIEDRICH GULDA SPIELT JAZZ
im Rahmen der "Music-USA"-Reihe der
"Stimme Amerikas"
(18 Zeilen, 1 Bild)

Seite

10

ANHANG
EISENHOWER SCHLÄGT SACHVERSTÄNDIGEN-BESPRECHUNGEN IN GENF VOR
Wortlaut des Schreibens Präsident Eisenhowers an den sowjetischen Ministerpräsidenten Chruschtschow, überreicht in Moskau
am 24. Mai 1958.

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6. Juni

XI. Jahrgang. Nr. 22

1958

INHALTSVERZEICHNIS

SCHULWESEN
UNTERRICHT VIA FERNSEHSCHIRM
Die jüngsten Entwicklungen in den USA
Inwieweit wird der Fernsehschirm den
Katheder ersetzen?
Von John Kerigan
(76 Zeilen)

Seite

1

DIE WISSENSCHAFT NOTIERT
REAKTORABDÄMPFE ZUR KÜNSTLICHEN HERBEIFÜHRUNG
VON REGEN VERWENDBAR?
(80 Zeilen)

Seite

4

ZUM INTERNATIONALEN GEOPHYSIKALISCHEN JAHR
DIE BEDEUTUNG KÜNSTLICHER ERDSATELLITEN
FÜR DIE GEODÄSIE
Erdvermessung mit neuen Methoden
(110 Zeilen, 2 Bilder)

Seite

7

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13. Juni

X I . J a h r g a n g . N r . 23

1958

INHALTSVERZEICHNIS

DIE KERNPHYSIKALISCHE FORSCHUNG
NEUE THEORIEN AMERIKANISCHER WISSENSCHAFTLER
ZUM PROBLEM DER KONTROLLIERTEN KERNVERSCHMELZUNG
(54 Zeilen)

Seite 1

FERNKURSE IN KERNTECHNIK
(11 Zeilen)

Seite

TRITIUM ALS STRAHLENQUELLE IN WISSENSCHAFTLICHEN
INSTRUMENTEN
(12 Zeilen)

Seite 3

WISSENSCHAFT
HUNDERT JAHRE AMERIKANISCHE GESELLSCHAFT
ZUR FÖRDERUNG DER WISSENSCHAFTEN (AAAS)
Das Parlament der amerikanischen Naturwissenschaftler
(95 Zeilen)

3

Seite

4

Seite

7

Seite

8

KURZNACHRICHTEN
ELEKTRONENHIRNE VERDRÄNGEN ROUTINEARBEIT
(16 Zeilen)
VON KUNST UND KÜNSTLERN
BESEELTER DRAHT
Mobiles von Alexander Calder in der CorcoranGalerie - Zum 60. Geburtstag A. Calders am
22. Juli 1958
(70 Zeilen, 3 Bilder)

ANHANG
EISENHOWER: DIE HÖCHSTE AUFGABE DES OFFIZIERS IST
DIE VERHINDERUNG DES KRIEGES
Wortlaut-Azszüge aus der Ansprache Präsident Eisenhowers
vor den Absolventen der US-Marineakademie in Annapolis
(Maryland) vom 4. Juni 1958
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20. Juni 1958

XI. Jahrgang, Nr. 24
INHALTSVERZEICHNIS

ZUM INTERNATIONALEN GEOPHYSIKALISCHEN JAHR
S C EWERKRAFTI.1ES S UN GEN
(54 Zeilen)

Seite

T

DIE ERSTEN AUFNAHMEN V.OM GRUND D E D SÜDATLANTIK
(23 Zeilen)

Seite

3

DIE "STILLE REVOLTE" DER UNGARISCHEN SCHRIFTSTELLER
I. Teil
Von Paul Landy, Wien
(92 Zeilen)

Seite

4

EIN DOLLAR FÜR DIE PARTEI
Wähler sollen Wahlkampagnen mitfinanzieren
Von John Kerigan
(66 Zeilen)

Seite

7

POLITIK

VON KUNST UND KÜNSTLERN
PHANTASIE UND GESCHMACXAN DEN KLASSIKERN GEBILDET
"King-Coit", Schule und Theater für Kinder
(75 Zeilen, 2 Bilder)

Seite 10

KURZNACHRICHT
IAEA PLANT HANDBUCH FÜR DIE VERWENDUNG VON
RADIOISOTOPEN
(13 Zeilen)

* * * * *

Seite

9

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27. Juni 19J\Q

XI. Jahrgang. Nr. 25
INHALTSVERZEICHNIS
ARTIKEL
DIE "STILLE REVOLTE" DER UNGARISCHEN
SCHRIFTSTELLER (II und Schluß)
"Volks"- oder "Bauern"-Schriftsteller
Von Paul Landy, Wien
(98 Zeilen)

Seite

1

75 JAHRE AMERIKANISCHER BUNDESDIENST
Rund 2,4 Millionen Bedienstete in 16 000
Berufssparten
(90 Zeilen, 2 Bilder)

Seite

5

GEISTESTRAINING IN NEW YORK
Unterricht für überdurchschnittlich begabte
Schüler
(78 Zeilen)

Seite

9

AMERIKANISCHE PÄDAGOGEN BESUCHEN DEUTSCHLAND
(9 Zeilen)

Seite

12

AMERIKANISCHE GESELLSCHAFT FÜR DIE
SCHÖNEN KÜNSTE VERTEILT KUNSTPREISE
(10 Zeilen)

Seite

12

Seite

13

KURZ BERICHTET

LISTE DER GEDENKTAGE FÜR JULI 1958
ANHANG

USA VERÖFFENTLICHEN DOKUMENTE ZU DEN VORBEREITENDEN
BESPRECHUNGEN FÜR EINE GIPFELKONFERENZ (16. Juni 1958)
1) Wortlaut des westlichen Memorandums vom 28. Mai
2) Wortlaut des westlichen Aide Memoire vom 28. Mai
3) Vorschlag zur Überprüfung der einzelnen Punkte zur
Tagesordnung, der der UdSSR am 31. Mai zugestellt
worden ist.

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XJ. Jahrgang« Nr. 26.

Allgemeines
4. Juli 1958

INHALTSVERZEICHNIS
ATOM - WISSENSCHAFT r- TECHNIK
AMERIKANISCHES AUSSTELLUNGSPROGRAMM
FÜR GENFER ATOMKONFERENZ
(65 Zeilen)

Seite

TATKRÄFTIGE UNTERSTÜTZUNG AMERIKANISCHER
UNIVERSITÄTEN DURCH DIE AEC
(16 Zeilen)

Seite

HERZDIAGNOSE MIT ULTRASCHALL UND RADIOJOD
(17 Zeilen)

Seite

1

4

DER AMERIKANISCHE LUFTRETTUNGSDIENST
(55 Zeilen, 2 Bilder)

Seite

VON KUNST UND KÜNSTLERN
MUSIKERZIEHUNG EINMAL ANDERS
Van Vactor dirigiert vor deutschen Schülern
(50 Zeilen)

Seite

8

KULTURELLE KURZNACHRICHTEN
(12 Zeilen)

Seite

7

ANHANG
HERBERT HOOVER, EHEMALIGER PRÄSIDENT DER VEREINIGTEN STAATEN,
SPRICHT AM 4. JULI 1958 IN BRÜSSEL:
ÜBER DIE AMERIKANISCHEN IDEALE
ACHTUNG REDAKTIONEN:

Wir bitten Sie um Einhaltung der
angegebenen Sperrfrist

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XI. Jahrgang. Nr» 27

11

J u l i 1958

INHALTSVERZEICHNIS

ARTIKEL
AUSLÄNDERN ZUTRITT VERBOTEN
Sperrzonen in der Sowjetunion
(140 Zeilen, 1 Schaubild)

Seite 1

LEHRBUCH SCHALLPLATTE
Freiwilliges Hilfswerk hilft blinden
Studenten
Von Meyer Berger, New York
(52 Zeilen)

Seite

7

AMERIKA RICHTET LUFTKORRIDORE FÜR DEN
INNERAMERIKANISCHEN FLUGVERKEHR EIN
Präsident Eisenhower schlägt Schaffung
eines zentralen Luftfahrtamtes vor
Von John Kerigan
(85 Zeilen)

Seite

9

ANHANG
MURPHY; USA JEDERZEIT ZU VERHANDLUNGEN BEREIT
Wortlaut einer Rede des stellvertretenden Staatssekretärs
im US-Außenministerium Robert Murphy vom 1. Juli 1958
in Hamilton (New York)
PRÄSIDENT EISENHOWER ERSUCHT KONGRESS
um gesetzliche Regelung der Befugnisse des Außenministers
bezüglich der Beschränkung von Reisepässen (Wortlaut der
Botschaft vom 7. Juli 1958)

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XI. Jahrgang, Nr. 28

Allgemeines
18. Juli 1958

INHALTSVERZEICHNIS
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ZUM INTERNATIONALEN GEOPHYSIKALISCHEN JAHR
EXPLORER III ERFORSCHTE WISSENSCHAFTLICHES NEULAND
(60 Zeilen, 1 Bild)

Seile

PARALLELSTROM ZUM ÄQUATOR IM STILLEN OZEAN
(28 Zeilen)

Seite

POLARLICHTBEOBACHTUNGEN IM ANTARKTISCHEN WINTER
(26 Zeilen)

Seite

TECHNISCHER FORTSCHRITT
HANDELS-UNTERSEEBOOTE UND FLÜGELSCHIFFE
Amerikanische Forschung auf der Suche nach
neuen Möglichkeiten im Schiffbau
(60 Zeilen)

Seite

POLITIK
DIE FEINDE DES REGIMES
Die Minderheiten machen Peking zu schaffen
Von James W. Berner
I. Teil
(130 Zeilen, 1 Schaubild)

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Seite

1

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XI» Jahrgang, N r . 29
INHALTSVERZEICHNIS

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2 5 . J u l T 1958

AUS DER MEDIZINISCHEN FORSCHUNG
BIOCHEMISCHE FORSCHUNG AUF NEUEN WEGEN
(48 Zeilen)
NEUES DIAGNOSEVERFAHREN BEI ARTHRITIS
(6 Zeilen)
BROT FÜR REKONVALESZENTEN
(20 Zeilen)
KIEFERANÄSTHESIE DURCH SPRÜHINJEKTION
(14 Zeilen)
FARBTEST AUF SCHUPPENFLECHTE
(15 Zeilen)

Seite

1

Seite

2

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3

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4

POLITIK
DIE FEINDE DES REGIMES
Die Minderheiten machen Peking zu schaffen
Von James W. Berner - II. Teil
(100 Zeilen)

Seite

VON KUNST UND KÜNSTLERN
MODERNES WOHNEN
Ausstellung in der Corcoran Gallery in Washington
Von Norman Smith
(60 Zeilen, 2 Bilder)

Seite

LISTE DER GEDENKTAGE IM AUGUST 1958
ANHANG
PRÄSIDENT EISENHOWER GIBT ENTSENDUNG AMERIKANISCHER
TRUPPEN NACH DEM LIBANON BEKANNT
(Wortlaut der Erklärung)
LODGE INFORMIERT VEREINTE NATIONEN ÜBER AMERIKANISCHE
TRUPPENLANDUNG IM LIBANON
(Wortlaut der Erklärung)
RUNDFUNK- UND FERNSEHANSPRACHE PRÄSIDENT EISENHOWERS
ÜBER DIE LAGE IM NAHEN OSTEN
(Wortlaut)
EISENHOWER BEGRÜNDET DEN AMERIKANISCHEN SCHRITT IN
NAHOST VOR DEM KONGRESS
(Wortlaut der Botschaft)
US-AUSSENMINISTERIUM GIBT EINZELHEITEN DER INFILTRATION
IM LIBANON BEKANNT
(Wortlaut des Berichts)
UN-AUSSCHUSS FORDERT WIEDERHERSTELLUNG DER MENSCHENRECHTE IN UNGARN
(Wortlaut des Bericht«)

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1 . August 1958

XI. Jahrgang, Nr. 50
INHALTSVERZEICHNIS
DIE KERNPHYSIKALISCHE FORSCHUNG

ATOMZERTRÜMMERER ERFORSCHEN DAS INNERSTE DER MATERIE
Leitsätze von gestern müssen neuer Erkenntnis
weichen
Von Robert K. Plumb
(130 Zeilen, 1 Bild)

Seite

POLITIK
DIE FEINDE DES REGIMES
Die Minderheiten machen Peking zu schaffen
Von James W. Berner III. Teil und Schluß
(126 Zeilen)

Seite

VON KUNST UND KÜNSTLERN
DIE SCHALLPLATTE IM BÜCHERSCHRANK
Die neuesten literarischen Aufnahmen
in den USA
Von Norman Smith
(62 Zeilen)

Seite

11

Seite

10

Seite

13

KURZNACHRICHTEN
STARKES INTERESSE FÜR ERWACHSENENBILDUNG
(18 Zeilen)
KATALOG ZUM AMERIKANISCHEN PAVILLON
(13 Zeilen)
ANHANG
DULLES: ENTWICKLUNGEN IN NAK0ST UNTERSTREICHEN
NOTWENDIGKEIT DER AUSLANDSHILFE
(Wortlaut der Erklärung
vom 18. Juli 1958)
BRIEFWECHSEL ZUR FRAGE EINER GIPFELKONFERENZ ÜBER
DIE SITUATION IM NAHEN OSTEN
(Antwortschreiben Präsident Eisenhowers vom 22. Juli 1958
auf das Schreiben Ministerpräsident Chruschtschows vom
19. Juli 1958; beide Schreiben im Wortlaut)
DIE ZUSAMMENARBEIT ZWISCHEN EURATOM UND USA
(Wortlaut einer Erklärung von C. Douglas Dillon vom 22. 7. 1958)
US-AUSSENMINISTER ERSUCHT KONGRESS UM BEFUGNIS ZUR VERMINDERUNG
VON AUSLANDSREISEN AMERIKANISCHER KOMMUNISTEN
(Wortlaut einer Erklärung von Robert D. Murphy vom 16. 7~» 1958)
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8. Äug

XI. Jahrgang, Nr. 31
INHALTSVERZEICHNIS
AUS WISSENSCHAFT UND FORSCHUNG
STIMMEN DER TIEFE
Die Fische sind nicht stumm
Von Marie Poland Fish
(98 Zeilen, 1 Bild)

Seite

EXPLORER IV ERKUNDET INTENSIVE STRAHLUNG
IN 1000 KM HÖHE
(40 Zeilen)

Sei*«

5

WINDTUNNEL FÜR DIE RAUMFORSCHUNG
(14 Zeilen)

Seite

6

POLITIK
400 000 AMERIKANER STAMMEN AUS DEM LIBANON
Skizze der libanesisch-amerikanischen
Beziehungen
Von John Kerigan
(52 Zeilen)

Seite

VON KUNST UND KÜNSTLERN
VON DER KAMERA FASZINIERT
Alfred-Stieglitz-Ausstellung in der National
Gallery of Art in Washington
Von Norman Smith
(85 Zeilen, 2 Bilder)

Seite

10

ERFOLGREICHE TOURNEE DER NEW YORKER
PHILHARMONIKER
(6 Zeilen)

Seite

15

EHRENDOKTOR FÜR MARIAN ANDERSON
(5 Zeilen)

Seite

13

ANHANG
PRÄSIDENT EISENHOWER SCHLÄGT SICHERHEITSRATSITZUNG
FÜR 1 2 . AUGUST VOR
(Wortlaut des Schreibens vom 1. August 1958)
ATOME FÜR DEN FRIEDEN
(Ausstellungs- und Filmprogramm der USA für die II,
Genfer Atomkonferenz)
* * * * *

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XI. Jahrgang. Nr. 52

15- August 1958
INHALTSVERZEICHNIS

AUS DER KERNPHYSIKALISCHEN FORSCHUNG
AT0MF0RSCKUNCSZENTRUM ARGONNE NATIONAL LAB0RAT0RY
Treffpunkt für Wissenschaftler aus aller Welt
'(120 Zeilen, 2 Bilder)

Seite

GESUNDHEITSWESEN
GESUNDHEITSFÜRSORGE IM AMERIKANISCHEN
PAZIFIK-TREUHANDGEBIET
Die einheimischen Hilfsärzte haben sich
ausgezeichnet bewährt
(110 Zeilen, 3 Bilder)

Seite

6

DIE ERSTEN ZEHN JAHRE DER WELTGESUNDHEITSORGANISATION
(5 Zeilen)
Seite

10

VON KUNST UND KÜNSTLERN
JAZZ-IMPRESSIONEN AUS EUROPA UND ASIEN
Dave Brubeck kündigt Schallplattenalbum mit
musikalischen Reminiszenzen seiner Tournee an
(36 Zeilen, 2 Bilder)

Seite

ANHANG
WORTLAUT DER REDE PRÄSIDENT EISENHOWERS VOR DER
UN-VOLLVERSAMMLUNG VOM 13.8.1958
USA VERÖFFENTLICHEN MEMORANDUM ÜBER CHINAPOLITIK
Wortlaut des am 11. August 1958 vom US-Außenministerium
herausgegebenen Memorandums

* * * * *

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XI. Jahrgang, Nr. 55

22. August 1958
INHALTSVERZEICHNIS

AUS DER KERNPHYSIKALISCHEN FORSCHUNG
BROOKHAVEN NATIONAL LABORATORY
Arbeitsstätte neun amerikanischer Universitäten
zur Förderung der Atomforschung
(115 Zeilen, 3 Bilder)

Seite 1

SEEWEG LONDON - TOKIO UM 5000 MEILEN KÜRZER
Die Pionierfahrt der "Nautilus" und ihre möglichen
Auswirkungen auf den gesamten internationalen Handel
Von John Kerigan
(56 Zeilen)

Seite

VON KUNST UND KÜNSTLERN
AMERIKAS KOMPONISTEN SYMPHONISCHER MUSIK
Über die deutsche Tradition zum eigenen musikalischen
Stil
Von Paul Henry Lang, Professor für Musikwissenschaft
an der Columbia-Universität und Musikkritiker der
"New York Herald Tribüne", New York
(140 Zeilen)
Seite
KURZ BERICHTET
STARKER SCHIFFSVERKEHR DURCH NEUE US-SCHLEUSEN
AUF DEM ST. LORENZSTROM
(7 Zeilen)

Seite

LISTE DER GEDENKTAGE FÜR SEPTEMBER 1958

Seite 14

ANHANG
JOHN FOSTER DULLES: FRIEDEN NUR DURCH RECHT UND GERECHTIGKEIT
Wortlaut einer Ansprache des US-Außenministers vom 18. August
1958 vor der Jahrestagung des Kriegsteilnehmerverbandes
'TVeterans of Foreign Wars of the US"
in New York

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29. August 1958

! XI. Jahrgang, Nr. 34
INHALTSVERZEICHNIS
AUS DER MEDIZINISCHEN FORSCHUNG
HERZDIAGNOSE MIT RADIOAKTIVEM GAS
Operationen zur Korrektur angeborener
Herzfehler erleichtert
Von Nate Haseltine
(95 Zeilen)

Seite 1

SUPEREMPFINDLICHER STRAHLENDETEKTOR
(11. Zeilen)

Seite

4

Seite

5

Seite

8

LUFTFAHRT
US-ZIVILLUFTFAHRT AN DER SCHWELLE DES
DÜSENZEITALTERS
Transatlantikverkehr mit Düsenflugzeugen
beginnt im November
(74 Zeilen, 2 Bilder)
VON KUNST UND KÜNSTLERN
AM PULT» DIE DIRIGENTEN AMERIKAS
Von Paul Henry Lang
(130 Zeilen)
ANHANG
EISENHOWER SCHLÄGT EINSTELLUNG DER
KERNWAFFENVERSUCHE FÜR EIN JAHR VOR
Wortlaut der Erklärung des US-Präsidenten
vom 22. August 1958
KONFERENZ DER ATOMSACHVERSTÄNDIGEN IN
GENF BEENDET
1) Wortlaut des Kommuniques
2) Wortlaut einer Erklärung von Dr. James
Brown Fisk, Leiter der westlichen Expertengruppe
JOHN FOSTER DULLESJ SICHERHEIT DER KLEINEN
NATIONEN MUSS GEWÄHRLEISTET WERDEN
Wortlaut der Rede zum arabischen Kompromißvorschlag
vom 21. August 1958 vor der Vollversammlung
Ho-n Veraintsn Nationen

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5. September 1958

X I . J a h r g a n g . N r . 35
INHALTSVERZEICHNIS

DIE RASSENTRENNUNG IN EINER INDUSTRIALISIERTEN GESELLSCHAFT
Von J. Milton Yinger und George E. Simpson,
Professoren für Soziologie und Anthropologie
am Oberlin College
(200 Zeilen)
ATOM

Seite 1

FORSCHUNG TECHNIK
PLUTONIUM-SPALTSTOFF FÜR MTR-REAKTOR
(34 Zeilen)

Seite

8

BAKTERIENKULTUREN FABRIZIEREN SCHWERES WASSER
(8 Zeilen)

Seite

9

MOLEKÜLSTRÖME BESEITIGEN ELEKTROMAGNETISCHE
STÖRFELDER
(15 Zeilen)

Seite

9

ALPR-REAKTOR IM BETRIEB
(22 Zeilen)

Seite 10

VON KUNST UND KÜNSTLERN
DIE FREER-GALERIE ERFORSCHT DIE ALTEN KULTUREN
DES ORIENTS
(58 Zeilen, 3 Bilder)

Seite 11

AMERIKAREISE DER AUSLANDSKORRESPONDENTEN
(10 Zeilen)

Seite 13

ANHANG
ATOMSACHVERSTÄNDIGE VERÖFFENTLICHEN BERICHT
Erläuterungen der US-Regierung zu dem Bericht, den die
technischen Experten aus Ost und West als Ergebnis ihrer
Genfer Besprechungen am 30« August 1958 veröffentlicht haben

* * * * *

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XI. Jahrgang. Nr. 56

12. September 1958
INHALTSVERZEICHNIS

POLITIK
GETREU DER TRADITION UND DEN DEMOKRATISCHEN
PRINZIPIEN
USA gewähren Territorien die Selbstbestimmung
Von John Kerigan
(47 Zeilen)

Seite

1

AUS DER MEDIZINISCHEN FORSCHUNG
KÖ'RPERKQNSTITUTION UND BLUTDRUCK
Fettleibigkeit vermutlich Ursache für
ungenaue Messungen
(32 Zeilen)

Seite

3.

GEWEBEPRODENENTNAHME AM DÜNNDARM OHNE OPERATION
(25 Zeilen)

Seite

4

MIKROFILTER ERLEICHTERT KREBSDIAGNOSE
(28 Zeilen)

Seite

5

VON KUNST UND KÜNSTLERN
EINE KAMERA UNTER DEN STREICHERN
Adrian Siegel, Cellist des Philadelphia Orchestra,
photographiert berühmte Dirigenten und Solisten
(26 Zeilen, 4 Bilder)

Sei te

ISLÄNDISCHER KOMPONIST FINDET AMERIKAS
MUSIKLEBEN "ERSTAUNLICH"
Jon Thorarinsson berichtet über seine Amerikareise
(30 Zeilen)

Seite

* * * * *

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19. September

XI. Jahrgang, Fr. 37

1958

INHALTSVERZEICHNIS

HOCHSCHULWESEN
AKA.DELIISCHE TRADITION UND 9U0-MILLI0NEND0LLAR-GE5ETZ
Erster Schritt zu einer B ndes-Hochschulpolitik
in den USA
(130 Zeilen)

Seite

1

Seite

6

GEORGE GERSHWIN. DER MUSIKALISCHE INTERPRET AMERIKAS
Gf-rshvvin wäre nun 60 Jahre alt
(70 Zfcilen, 2 Bilder)
Seite

12

Seite

15

VEREINTE NATIONEN
GROSSE WTEPERAUK3AULEISTUMG DEF UN IN SÜDKOREA
Nacix Abwphr der Aggression Leisteten 39 Länder
tatxräftxge Hilfe
(190 Zeilen, 2 Bilder)
VON KUNST UND KÜNSTLERN

LISTE DER GEDENKTAGE FÜR OKTOBER 1953
ANHANG

PRÄSIDENT EISENHOWER UNTERSTREICHT FESTE HALTUNG DER USA
IN DER FERNOSTKRISE
Wortlaut der Rede des US-Präsidenten vom 11. September 1958

PRÄSIDENT EISENHOWER ANTWORTET CHRUSCHTSCHOW
Wortlaut des Schreibens vom 13. September 1958

* * * * *

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26. September 1°58

X I . J a h r g a n g » N r . 58

INHALTSVERZEICHNIS
DAS BUCH- UND ZEITSCHRIFTENWESEN
IN DEN VEREINIGTEN STAATEN (i)
Erster in einer Serie von drei Artikeln über die
amerikanischen Buch- und Zeitschriftenverlage und
die Rolle, die diese im Leben des Amerikaners
spielen
(85 Zeilen)

Seite

WISSENSCHAFT - FORSCHUNG - TECHNIK
NEUBESTIMMUNG DER SCHWERKRAFT-FALLBESCHLEUNIGUNG
FÜR WASHINGTON
(30 Zeilen)

Seite

AUTOMATISCHE WETTERFRÖSCHE BERICHTEN
NACH WASHINGTON
(45 Zeilen)

Seite

6

IDEALER MAGNETKREIS FÜR EIN SYNCHROTRON
(24 Zeilen)

Seite

8

VON KUNST UND KÜNSTLERN
NEUNZEHNHUNDERT JAHRE ABSTRAKTE KUNST IN AMERIKA
Die indianischen Felsmalereien in Wyoming
Von David Gebhard, Direktor des Roswell Museum
(Neu-Mexiko)
(80 Zeilen, 3 Bilder)
ANHANG
DULLES UMREISST AUSSENPOLITIK DER USA
VOR DER UN-VOLLVERSAMMLUNG IN NEW YORK
Wortlaut der Rede des US-Außenministers
vom 1 a. September 1958

* * * * *

Seite

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XI, Jahrgang. Nr. 59

Allgemeines
3. Oktober

1958

INHALTSVERZEICHNIS
DAS BUCH- UND ZEITSCHRIFTENWESEN
IN DEN VEREINIGTEN STAATEN (il)
Die Buchklubs, die Buchexporte und -importe,
die Universitätsverlage
(140 Zeilen)

Seite

AMERIKAS INDIANER HEUTE
Von Glenn L. Emmons
Leiter des US-Bundesamtes für indianische
Angelegenheiten im US-Innenministerium
(120 Zeilen, 3 Bilder)

Seite

6

VON KUNST UND KUNSTLERN
ZUM 75. GEBURTSTAG DER "MET"
Die Geschichte der Metropolitan Opera
Von David Ewen
(130 Zeilen, 1 Bild)

Seite

11

ANHANG
DULLES UMREISST FERNOSTPQLITIK DER USA
V/ortlaut der Rede des US-Außenministers vom 25. September 1958
vor dem Fernost-Amerikarat für Handel und Industrie in New York
FQRMOSAKRISE BERÜHRT DIE GRUNDPRINZIPIEN DER NATO
Wortlaut der Rede des US-Außenministers John Foster Dulles vom
27. September 1958 vor der Atlantikpakt-Gesellschaft in Boston

# * * * *

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10. Oktober

XI. J a h r g a n g . Nr. 40
INHALTSVERZEICHNIS
DAS BUCH- UND ZEITSCHRIFTENWESEN IN DEN USA (III)
Dritter und letzter Artikel dieser Reihe.
Die US-Zeitschriften - wirtschaftliche Seite des
Verlagswesens - Auswirkungen des Fernsehens und
der kürzeren Arbeitszeiten auf das Buchgeschäft
(98 Zeilen)

Seite

AUS DER MEDIZINISCHEN FORSCHUNG
IM KAMPF GEGEN DEN KREBS
Ergebnisse von Tierversuchen stützen Virustheorie
(90 Zeilen)

Seite

VON KUNST UND KUNSTLERN
"JUNGE AMERIKANER 1958"
Zeitgenössisches Kunsthandwerk in New York
(60 Zeilen, 3 Bilder)

Seite

ANHANG
EISENHOWER UMREISST ZIELE DER AMERIKANISCHEN
FERNOST-POLITIK
Wortlaut des Antwortschreibens Präsident Eisenhowers an
Senator Theodore Green, Vorsitzender des Außenpolitischen
Senatsausschusses, vom 4« Oktober 1958

* * * * *

1958

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17. Oktober 1958

X I . J a h r g a n g . Mr. 41
INHALTSVERZEICHNIS

ZUM 23. OKTOBER 1958, DEM 2. JAHRESTAG DES
BEGINNS DER VOLKSERHEBUNG IN UNGARN
Chronologie der Ereignisse in den Oktober- und
Novembertagen des Jahres 1956 und kurze Zusammenfassung der Zustände in Ungarn heute - Zwei Jahre danach
(270 Zeilen, 3 Bilder)

Seite 1.

ZUM TAG DER VEREINTEN NATIONEN (24. Oktober)
DIE AUTORITÄT DER GEMEINSCHAFT
Ansätze zu einer neuen Ordnung
(95 Zeilen, 4 Bilder)

Seite

11

IM HAMEN DER UNPARTEILICHKEIT DES RECHTS
Betrachtungen zur Ernennung des neuen
Bundesrichters Potter Stewart
Von John Kerigan
(68 Zeilen)

Seite

16

ANHANG
LQDGE UMREISST US-EINSTELLUNG ZUR ABRÜSTUNGSFRAGE
Wortlaut einer Rede des US-Chefdelegierten bei den
Vereinten Nationen vom 10. Oktober 1958 vor dem
Ersten Politischen Ausschuß der UN-Vollversammlung
in New York

* * * * *

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XI. Jahrgang. Nr. 42

24. Oktober

1958

INHALTSVERZEICHNIS
NEUES AUS DER RAÜMFAHRTFORSCKUNG
PIONIER-I ALS WEGBEREITER
Keine unüberwindlichen Hindernisse für
den Raumflug
Von John Kerigan (74 Zeilen, 1 Foto, 1 Schaubild)

Seite

ATOM-U-BOOTSNAVIGATION LIEFERT WICHTIGES
ERFAHRUNGSGUT FÜR KÜNFTIGEN RAUMFLUG
(18 Zeilen)

Seite

A

IST DER MENSCH PSYCHISCH DER RAUMFAHRT GEWACHSEN?
(23 Zeilen)

Seite

5

NEUE RAKETENTRIEBWERKE IN DER ENTWICKLUNG
(12 Zeilen]

Seite

6

1

AUS DER ARBEIT DER VEREINTEN NATIONEN
DAS NEUE STÄNDIGE HAUPTQUARTIER DER UNESCO IN PARIS
wird am 3• November 1958 eingeweiht
(52 Zeilen, 3 Bilder)
VON KUNST UND KÜNSTLERN
KULTURELLE KURZNACHRICHTEN
Richard-Strauss-Erstaufführung in Amerika
(9 Zeilen)
20 000 Jahre altes Relief entdeckt
(8 Zeilen)
Das neue New Yorker Kulturzentrum
(15 Zeilen)
Fernsehen als Lehrer
(16 Zeilen)
San Franciscos Symphoniker geben 54 Konzerte
(6 Zeilen)
Die neue Konzertsaison des New York Philharmonie
Orchestra
(17 Zeilen)
LISTE DER GEDENKTAGE IM NOVEMBER 1958
* * * * *

Seite

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31. Oktober

XI. Jahrgang. Nr. 43

1958

INHALTSVERZEICHNIS

ZUM INTERNATIONALEN GEOPHYSIKALISCHEN JAHR
RADIOISOTOPE IN DER ATMOSPHÄRE
Ein Hilfsmittel der meteorologischen
Forschung
(80 Zeilen, 1 Bild)

Seite

1

VON KUNST UND KÜNSTLERN
DIE WIEDERENTDECKUNG EUGENE O'NEILLS
Von Joseph Wood Krutch, Professor für
Theaterliteratur an der Columbia-Universität, New York
(170 Zeilen)

Seite

4

ATOMTECHNIK
REAKTOR FÜR ATOMKRAFTWERK KAHL IN AUFTRAG
GEGEBEN
(30 Zeilen)

Seite

10

Seite

11

ACHTER LEHRGANG DER INTERNATIONALEN AKADEMIE
FÜR KERNWISSENSCHAFT UND KERNTECHNIK (ISNSE)
(8 Zeilen)

* * * * *

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X I . Jahrgang, Nr. 44

7. November 1958
INHALTSVERZEICHNIS

HOCHSCHULWESEN
EMPFEHLUNGEN DES AMERIKANISCHEN ERZIEHUNGSRATS
ZUR HOCHSCHULREFORM
Strukturanalyse zeigt Mentalitätswandel der
Studentenschaft
Von John Kerigan
(78 Zeilen)

Seite

DIE WELT DER FRAU
FRAUEN IM ÖFFENTLICHEN DIENST DER USA
Jahresbericht 1958 enthüllt interessantes
Zahlenmaterial
(72 Zeilen)

Seite

4

Seite

7

Seite

11

Höhenforschung mit Riesenballons
(25 Zeilen)

Seite

11

Raketentechnik braucht besondere Baustoffe
(8 Zeilen)

Seite

12

Seite

13

Drei neue Lincoln-Briefmarken
(14 Zeilen)

Seite

13

Konstantin Stannislawskij-Aussteilung
in der New York Public Library
(5 Zeilen)

Seite

13

UNTER DEM ZAUBER DES GESCHRIEBENEN WORTS
(90 Zeilen, 2 Bilder)
NEUES AUS DER RAUMFAHRTFORSCHUNG
Lenkflugkörper mit vierfacher Schallgeschwindigkeit
(9 Zeilen}

NACHRICHTEN AUS DEM KULTURELLEN LEBEN DER USA
Prokofieffs "Peter und der Wolf" im
amerikanischen Fernsehen
(4 Zeilen)

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14. November 1958

XI. Jahr^anff, Nr f **&gt;
INHALTSVERZEICHNIS

ZUM INTERNATIONALEN GEOPHYSIKALISCHEN JAHR
Sonnenbeobaiphtung mit Raketen
ElektrischeiStröme in der Erdrinde
Tiefste gemessene Temperatur - minus 95 Grad
(90 Zeilen)

Seite

1

TECHNIK UND FORSCHUNG
ROBOTER MIT' LERNVERMÖGEN
Neues Prinz ip für den Bau elektronischer
Rechenanlag sn
(80 Zeilen)

Seite

5

Seite

8

VON KUNST UND KÜNSTLERN
DIE ZAUBERKRAFT DER MUSIK
oder "Das gar nicht so geheimnisvolle
musikalisch e Leben Danny Kayes"
(75 Zeilen, 2 Bilder)

* * * * *

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X I . J a h r g a n g . N r . 46

Allgemeines
21 . November 1 958

INHALTSVERZEICHNIS

)

POLITIK
MILITARISIERUNG DER ARBEIT DURCH DIE
"VOLKSKOMMUNEN"

Die v i e r t e Etappe der c h i n e s i s c h e n Revolution
(160 Z e i l e n , 1 B i l d )

Seite

1,

AUS DER MEDIZINISCHEN FORSCHUNG
RADIOISOTOPE ZUR DIAGNOSTIZIERUNG VON
FUNKTIONSSTÖRUNGEN DER LEBER UND NIERE
(52 Zeilen)

Seite

VON KUNST UND KÜNSTLERN
BROADWAY 1958/59
Neue Werke bekannter Dramatiker
Von Norman Smith
(86 Zeilen, 2 Bilder)

Seite

KURZNACHRICHTEN
Amerikareise für Auslandskorrespondenten
in den USA
__^
(18 Zeilen)

Seite

12

Seite

12

UNICEF wünscht "Fröhliche Weihnachten"
(20 Zeilen)
* * * * *

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XI. Jahrgang, Nr» 47

Allgemeines
28. November

1958

Seite

1

Seite

4

STUDIUM-ARBEIT-PROGRAMME ALS MITTEL
ZUR STUDENTENFÖRDERUNG
Ein neuer Typ des Werkstudenten
(46 Zeilen, 2 Bilder)

Seite

7

ZUM INTERNATIONALEN GEOPHYSIKALISCHEN JAHR
KORALLENFUND IM NÖRDLICHEN EISMEER
Wertvolle wissenschaftliche Ausbeute der
amerikanischen EisinselStationen
(120 Zeilen, 1 Bild)

Seite

9

KURZNACHRICHT
Uraufführung von Norman Corwins Lincoln-Drama
zum 150. Geburtstag Abraham Lincolns am
12. Februar 1959
(8 Zeilen)

Seite

3

INHALTSVERZEICHNIS
POLITIK
AKADEMIKER ALS POLITIKER
Hochschulprofessoren im US-Senat
Von John Kerigan
(68 Zeilen)
HOCHSCHULWESEN
UNI WASHINGTON BERÄT UNI LAHORE
Die akademische Auslandshilfe
amerikanischer Hochschulen
(83 Zeilen)

LISTE DER GEDENKTAGE FÜR DEZEMBER 1958

* * * * *

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Allgemeines
5. Dezember

1958

GIBT ES IHN WIRKLICH, DEN WEIHNACHTSMANN?
Eine Betrachtung für große und kleine Leute
(58 Zeilen, 1 Bild)

Seite

1

WEIHNACHTEN IN DER HEIMATLICHEN HÜTTE EINES
GROSSEN MANNES
Eine Weihnachtsgeschichte aus der Kinderzeit
Abe Lincolns
(63 Zeilen)

Seite

POSTSTEMPEL: SANTA CLAUS
Hochbetrieb im Hauptpostamt des
amerikanischen Weihnachtsmannes
(85 Zeilen)

Seite

WEIHNACHTEN IN EINER KLEINEN STADT
Camden im Neuenglandstaat Maine feiert Weihnachten
(98 Zeilen, 1 Bild)

Seite

9

DIE AMERIKANISCHE WEIHNACHT IM BILD

Seite

13

XI. Jahrgang, Nr. 48
INHALTSVERZEICHNIS

* * * * *

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XI. Jahrgang, Nr. 4 9

12. Dezember 1958

INHALTSVERZEICHNIS
WISSENSCHAFT UND TECHNIK
STRAHLENCHEMIE VON NAHRUNGSMITTELN
Zur industriellen Strahlenkonservierung
ist noch ein weiter Weg
(140 Zeilen)

Seite

US-BUNDESANSTALT FÜR TECHNISCHE NORMEN
ENTWICKELT PRÜFGERÄT FÜR HÖRAPPARATE
(55 Zeilen)

Seite

ÜS-WETTERAMT UNTERSUCHT VERHALTEN VON
TORNADOS AN HAND PHOTOGRAPHISCHER AUFNAHMEN
(32 Zeilen)

Seite

KUNSTSPRACHE FÜR ELEKTRONENANLAGEN
"Bündige" Sprache soll "unbändige" Umgangssprache "maschinengerecht" machen
(50 Zeilen)

Seite

10

Seite

12

VON KUNST UND KÜNSTLERN
ZWECKMÄSSIGKEIT - WÄRME - PERSÖNLICHKEIT
Der Architekt Richard Joseph Neutra und sein
Einfluß auf die Entwicklung der Architektur
in den USA
(110 Zeilen, 1 Bild)
ANHANG
DULLES UMREISST US-AUSSENPOLITIK
Wortlaut einer Rede des US-Außenministers,
gehalten vor der Handelskammer von Kalifornien
in San Francisco am 4*12.1958
* * * » *

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XI. Jahrgang, Nr. 50

19. Dezember 1958
INHALTSVERZEICHNIS

POLITIK
SIE KOMMUNISTISCHE STUDENTEN-INTERNATIONALE
ISB verlor binnen drei Jahren fast drei
Millionen Mitglieder
(150 Zeilen, 2 Bilder)

Seite

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
DIE WELTMEERE ALS ROHSTOFFQUELLE VON MORGEN
Unerschöpfliche Mineralvorkommen geringer
Ergiebigkeit
(120 Zeilen)

Seite

VON KUNST UND KÜNSTLERN
ZWISCHEN 1908 UND 1958
Der Tanz als Bestandteil der amerikanischen
Kultur
(100 Zeilen, 2 Bilder)
LISTE DER GEDENKTAGE FÜR JANUAR 1959
ANHANG
DAS INTERNATIONALE GEOPHYSIKALISCHE JAHR 1957/58
Die Wissenschaft machte Inventur
(5 Bilder)
ZUR BEACHTUNG:

Unsere nächste Ausgabe ALLGEMEINES
erscheint am 9• Januar 1959
# * * # *

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8. Januar

1958

INHALTSVERZEICHNIS
WIRTSCHAFTSREPORTAGE
ERFINDUNGEN. DIE GESCHICHTE MACHTEN (i)
Die Mähmaschine des Cyrus McCormick
(72 Zeilen, 1 Bild)

Seite

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
DIE US-LANDWIRTSCHAFT AM JAHRESANFANG
Ein Überblick über die wichtigsten landwirtschaftlichen Märkte
(67 Zeilen)

Seite

AUSSENHANDEL WICHTIGER BESTANDTEIL
DES US-WIRTSCHAFTSLEBENS
US-Handelsministerium veröffentlicht vier
Studien zu Import-Exportfragen - 4»5 Mio
Amerikaner durch den Export beschäftigt
(72 Zeilen)

Seite

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
STRUKTURUNTERSUCHUNG UND STAHLANALYSE
MIT RÖNTGENGERÄT
(20 Zeilen)
WELT DER ARBEIT
GEWERKSCHAFTSFUNKTIONÄRE STUDIEREN
ARBEITSBEWERTUNGSMETHODEN
Erste Studienwoche im ersten von der AFL-CIO
geförderten Zeitstudieninstitut - Sachkenntnis
wichtig bei Abschluß von Tarifverträgen
(65 Zeilen, 2 Bilder)

* * * * *

Seite

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X. J a h r g a n g , Nr. 2/c

15. Januar

1958

INHALTSVERZEICHNIS

'.VIRT S G HA FT SREP ORT AGE
ERFINDUNGEN. DIE GESCHICHTE MACHTEN (ll^
Die Nähmaschine des Elias Howe
(90 Zeilen, 1 Bild)

Seite

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
US-IMPORTE DÜRFTEN AUCH 1958 BISHERIGEN
TREND FORTSETZEN
Bisher noch keine Anzeichen für eine rückläufige Bewegung
(64 Zeilen)

Seite

GROSSES INTERESSE VON US-FIRMEN AN DER ERRICHTUNG
VON PRODUKTIONSSTÄTTEN IN EUROPA
(12 Zeilen)

Seite

7

STARKE ZUNAHME DES TRANSATLANTIK-LUFTVERKEHRS
(11 Zeilen)

Seite

7

145 NEUE SCHIFFE LIEFEN 1957 NEW YORK AN
(l6 Zeilen)

Seite

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
MASCHINELLE REGISTRIERUNG HANDGESCHRIEBENER ZEICHEN
(32 Zeilen, 1 Bild)

Seite

WELT DER ARBEIT
DIE US-GEWERKSCHAFTEN UND DAS VERGANGENE JAHR
Innere Spannungen wegen Korruptionsfällenüberwunden Mitgliederbestand stieg auf 18,5 Millionen an
(53 Zeilen, 2 Bilder)
Seite
ANHANG
PRÄSIDENT EISENHQWER LEGT NEUEN US-HAUSHALT VOR
Auszüge aus der Budget-Kongreßbotschaft Präsident Eisenhowers
vom 13« Januar 1958.

* * * * *

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X. Jahrgang. Nr. 3/C

22. Januar

1958

INHALTSVERZEICHNIS
WIRTSCHAFTSREPORTAGE
ERFINDUNGEN. DIE GESCHICHTE MACHTEN (Hl)
Die "Cotton Gin" des Eli Whitney revolutionierte
die Landwirtschaft der amerikanischen Südstaaten Schuf Voraussetzungen der industriellen Massenproduktion
(78 Zeilen, 1 Bild)

Seite

1

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
"FEDERAL RESERVE BOARD" LOCKERTE ERNEUT KREDITPOLITIK
Bareinzahlungssatz bei Kauf von Wertpapieren von
70 auf 50 Prozent herabgesetzt - Überraschende
Maßnahme wurde in Finanzkreisen begrüßt
(64 Zeilen)
Seite

4

DIE LANDWIRTSCHAFTSBOTSCHAFT PRÄSIDENT EISENHOWERS
Der amerikanische Präsident legte Neun-Punkte-Programm zur Gesundung der Landwirtschaft vor
(85 Zeilen)
.
AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
"GENERAL ELECTRIC" VERÖFFENTLICHTE EINZELHEITEN
ÜBER DEN J-79-MOTOR .
(13 Zeilen)
MAGNESIUMSTAB VERLÄNGERT LEBENSDAUER VON MOTOREN
(11 Zeilen)

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6

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9

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9

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10

WELT DER ARBEIT
BETRÄCHTLICHE FORTSCHRITTE DER NEGERBEVÖLKERUNG
AUF WIRTSCHAFTLICHEM UND SOZIALEM GEBIET
(43 Zeilen)
ANHANG
PRÄSIDENT EISENHOWER UNTERBREITET . KONGRESS WIRTSCHAFTSBERICHT
1.

Text des Begleitschreibens

2.

Auszüge aus dem Wirtschaftsbericht

* * * * *

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und Arbeit

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X. Jahrgang. Nr. 4/C

29. Januar 1958
INHALTSVERZEICHNIS

WIRTSCHAFTSREPORTAGE
ERFINDUNGEN. DIE GESCHICHTE MACHTEN (IV)
Das Dampfschiff von Robert Fulton leitete eine
neue Epoche in der Schiffahrt ein
(95 Zeilen, 1 Bild)
STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
PRÄSIDENT EISENHOWER LEGTE REFORMVORSCHLÄGE
ZUR ARBEITSGESETZGEBUNG VOR
Schließung bestehender Gesetzeslücken angestrebt
Ziels Schutz der Öffentlichkeit vor negativen
Auswirkungen
(60 Zeilen)
STARK AUSGEWEITETER MARKT FÜR
M0T0RWAS SERSPORTFAHRZEUGE
New Yorker Motorbootausstellung offenbarte
starkes ausländisches Interesse am US-Markt
(27 Zeilen)
AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
TRANSISTOREN FÜR STÄRKSTE BEANSPRUCHUNG
(24 Zeilen)

Seite

Seite

5

Seite

Seite

WELT DER ARBEIT
WALTER REUTHER UMRISS FORDERUNGEN SEINER GEWERKSCHAFT
Gewinnbeteiligung und höhere Löhne - Industrie lehnte
ab - Neue Kollektivverhandlungen beginnen am 1.April
(36 Zeilen)
Seite
KURZER STREIK DER HUTMACHERGEWERKSCHAFT
NACH 25 JAHREN
(26 Zeilen)

* * * * *

Seite

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5. Februar 1958

X. Jahrgang. Nr. 5/C
INHALTSVERZEICHNIS
WIRTSCHAFTSREPORTAGE
ERFINDUNGEN, DIE GESCHICHTE MACHTEN (V)
Die "Line o'Type" von Ottmar Mergenthaler
revolutionierte die Druckereitechnik
(94 Zeilen, 1 Bild)

Seite

1

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCKAFT
DIE US-WIRTSCHAFTSLAGE IM SPIEGEL
DER BESCHÄFTIGUNGSSTATISTIKEN
Trotz Zunahme der Erwerbslosenziffer auf rund
. 4 Mio nur 6 Prozent aller Werktätigen ohne
Beschäftigung
(78 Zeilen)

Seite

4

Seite

7

Seite

10

Seite

11

DIE WIRTSCHAFTSPOLITISCHEN ZIELE DER US-REGIERUNG
Das Regierungsprogramm für das kommende Jahr
(68 Zeilen)
AUS 7/ISSENSCHAFT UND TECHNIK
BESTIMMUNG DER ZIELGENAUIGKEIT VON BORDWAFFEN
IN KNAPP DREI MINUTEN
(30 Zeilen)
WELT DER ARBEIT
ZIELE UND AUFGABEN DES US-ARBEITSMINISTERIUMS (i)
Von James P. Mitchell, US-Arbeitsminister
(72 Zeilen)

* * * * *

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12. Februar 1958

X. J a h r g a n g . Nr. 6/c
INHALTSVERZEICHNIS
WIRTSCHAFTSREPORTAGE
ERFINDUNGEN. DIE GESCHICHTE MACHTEN (Vi)
Die Schreibmaschine des Christopher Sholes
revolutionierte die Büros, brachte dem Erfinder
aber nur einige Tausend Dollar
(70 Zeilen, 1 Bild)

Seite

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
DIE KQNJUNKTUREINDÄMMENDEN UND BELEBENDEN
FAKTOREN DER US-WIRTSCHAFT
Faktoren, die das derzeitige Konjunkturbild
bestimmen
(80 Zeilen)

Seite

WOHNUNGSBAU UND WIRTSCHAFTSKONJUNKTUR
Die möglichen Einflüsse der Bauwirtschaft
auf die Gesamtkonjunktur
(50 Zeilen)

Seite

6

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
FLUGZEUG MIT DREIFACHER SCHALLGESCHWINDIGKEIT
(7 Zeilen)

Seite

9

Seite

9

Seite

10

CHEMISCHER SCHUTZ GEGEN WASSERDUNSTUNG
(8 Zeilen)
WELT DER ARBEIT
ZIELE UND AUFGABEN DES US-ARBEITSMINISTERIUMS
(II und Schluß)
Von James P. Mitchell, US-Arbeitsminister
(98 Zeilen)
ANHANG
DIE ZIVILLUFTFAHRT IN DEN VEREINIGTEN STAATEN

* * * * *

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7/C

19. Februar

1958

INHALTSVERZEICHNIS
WIRTSCHAFTSREPORTAGE
ERFINDUNGEN. DIE GESCHICHTE MACHTEN (VIl)
Der elektromagnetische Telegraph von Samuel
Morse eröffnete das Zeitalter der schnellen
Nachrichtenübermittlung
(98 Zeilen, 1 Bild)
STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
DIE WACHSTUMSRATE IN DER US-WIRTSCHAFT
Die Wandlung der stimulierenden Faktoren •
Durchschnittliche Wachstumsrate zwischen
1909 und 1945 3,2 - seitdem 3,38 Prozent
(96 Zeilen)
VERSTÄRKTE ENTWICKLUNGSHILFE DER US-REGIERUNG
Ausleihebefugnisse der Export-Importbank sollen
erhöht werden - Entwicklungsfonds nimmt Tätigkeit
auf
(57 Zeilen)

Seite

Seite

Seite

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
ELEKTRONISCHES ZEHNSPRACHEN-GESCHICHTSARCHIV
(23 Zeilen)

Seite

10

WELT DER ARBEIT
GEWERKSCHAFTEN IN DEN VEREINIGTEN STAATEN (i)
Ein Überblick über Geschichte, Entwicklung,
Struktur und Stellung der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung
(130 Zeilen)

Seite

11

* * * * *

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X. Jahrgang. Nr. 8/C

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26. Februar 1958

INHALTSVERZEICHNIS
WIRTSCHAFTSREPORTAGE
ERFINDUNGEN. DIE GESCHICHTE MACHTEN (VIII)
Der Gummivulkanisierungsprozeß schuf die Grundlage für eine neue Industrie - Charles Goodyear,
ein Erfinder aus Leidenschaft
(120 Zeilen, 1 Bild)

Seite

1

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
ENTSCHEIDENDE WOCHEN
Umfang des konjunkturellen Aufschwungs im
März wird über weitere wirtschaftsfordernde
Maßnahmen der Regierung entscheiden
(80 Zeilen)

Seite

DIE MINDESTRESERVESÄTZE WURDEN GESENKT
"Federal Reserve Board" hofft Kreditgeschäft
zu aktivieren
(54 Zeilen)

Seite

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
NEUE MINIATUR-TROCKENZELLENBATTERIE
(9 Zeilen)
DER PERFEKTE SCHUH
(10 Zeilen)
WELT DER ARBEIT
GEWERKSCHAFTEN IN DEN VEREINIGTEN STAATEN (il)
Ideologische Einflüsse und Trends
ANHANG
PRÄSIDENT EISENH0WER UNTERBREITET AUSLANDSHILFEPROGRAMM *

#

#

#

*

*

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10

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X. Jahrgang. Nr. 9/C

5. März 1958
INHALTSVERZEICHNIS

faadui k»&gt;
WIRT SCHAFTSREPORTAGE
ERFINDUNGEN. DIE GESCHICHTE MACHTEN (IX)
George Westinghouse bremst Züge mit Luft
meinte: "Keine Zeit für solchen Quatsch"
(75. Zeilen, 1 Bild)

Vanderbilt

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
US-IMPORTE ERREICHTEN 1957 NEUE REKORDHÖHE
Gesamtwert fast 15 Mrd. Dollar - Dezember mit
höchstem Monatsergebnis - Auch im Januar noch
keine Abschwächung
(68 Zeilen)
DIE AMERIKANISCHE LANDWIRTSCHAFT IM FEBRUAR
Ein Überblick über die wichtigsten landwirtschaftlichen Märkte
(45 Zeilen)

Seite

Seite

Seite

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
USA ERSTELLEN GROSSE PRODUKTIONSKAPAZITÄTEN
FÜR RAKETENTREIBSTOFFE
(35 Zeilen)

Seite

WELT DER ARBEIT
GEWERKSCHAFTEN IN DEN VEREINIGTEN STAATEN (ill)
Die Struktur der amerikanischen Gewerkschaften
(98 Zeilen)

* * * * *

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6

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10/C

14. März

1958

INHALTSVERZEICHNIS
WIRTSCHAFTSREPORTAGE
ERFINDUNGEN. SIE GESCHICHTE MACHTEN (X)
Das erste brauchbare Telefon des Alexander Bell
(85 Zeilen, 1 Bild)

Seite 1

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
AMERIKANISCHE REGIERUNG KÄMPFT UM AUSLANDSHILFE
Beantragte 3»9 Mrd, Dollar als dringend erforderlich erachtet
(62 Zeilen)

Seite

KONGRESSAUSSCHUSS LEGTE WIRTSCHAFTSBERICHT VOR
Weitgehende Übereinstimmung mit der Wirtschaftsbotschaft des Präsidenten
(75 Zeilen)
AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
PHOTOZELLEN-RELAISSYSTEM MIT ATOMSTRAHLEN
(16 Zeilen)
NEUE TITANLEGIERUNG FÜR DEN RAKETENBAU
(13 Zeilen)

4

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11

WELT DER ARBEIT
DIE AMERIKANISCHE GEWERKSCHAFTSBEWEGUNG (IV)
Gewerkschaften und Arbeitsgesetzgebung
(87 Zeilen)

*****

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.

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21. März

1958

INHALTSVERZEICHNIS

WIRTSCHAFTSREPORTAGE
ERFINDUNGEN, DIE GESCHICHTE MACHTEN (Xl)
Der Drehstrommotor von Nikola Tesla leitete die
Ära der Elektroenergie ein
(58 Zeilen, 1 Bild)
STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
STEIGENDE PRIVATE AUSLANDSINVESTITIONEN
Durchschnittsinvestitionen der vergangenen
zwei Jahre 4»3 Mrd. Dollar
(58 Zeilen)
WIRTSCHAFTSPROGNOSEN UND TATSÄCHLICHE ENTWICKLUNGEN
Ein Vergleich zwischen gemachten Voraussagen und
den wirklichen Trends
(82 Zeilen)
AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
"GENERAL ELECTRIC" FÜHRTE NEUES DÜSENAGGREGAT VOR
(10 Zeilen)
ELEKTRONISCHES SUPERSCHREIBGERÄT
(12 Zeilen)
WELT DER ARBEIT
GEWERKSCHAFTEN IN DEN VEREINIGTEN STAATEN (V)
Das Kollektivverhandlungswesen
(110 Zeilen)

* * * * *

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5

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28. März 1958
INHALTSVERZEICHNIS

WIRTSCHAFTSREPORTAGE
ERFINDUNGEN. DIE GESCHICHTE MACHTEN (XIl)
George Eastman als Wegbereiter der Amateurphotographie - Von einer Wissenschaft zum
Millionenhobby
(120 Zeilen, 2 Bilder)

Seite 1

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
DIE GEWANDELTE KAPAZITÄTSKONZEPTION
Investitionen der Wirtschaft folgten nicht dem
klassischen Konjunkturzyklus - Überraschend hohe
Investitionen der US-Wirtschaft für 1958
(82 Zeilen)

Seite

6

Seite

9

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
. CHRYSLER ENTWICKELTE NEUE BENZIN-EINSPRITZPUMPE
(32 Zeilen)

Seite

12

WELT DER ARBEIT
GEWERKSCHAFTEN IN DEN VEREINIGTEN STAATEN
(VI und Schluß)
Die Beziehungen zwischen den Sozialpartnern
(78 Zeilen)

Seite

13

AMERIKANISCHE UND SOWJETISCHE AUSLANDSHILFE
US-Auslandshilfe von wirtschaftlichen, sowjetische
von politischen Motiven getragen
(80 Zeilen)

ANHANG
ATOMPQLITIK IM ZEITALTER DER RAUMFAHRT
Auszug aus einer Rede, die Robert M. McKinney
am 18. März 1958 in Chicago gehalten hat

* * * * *

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X. Jahrgang, Nr. 13/c

3. April

1958

INHALTSVERZEICHNIS
WIRTSCHAFTSREPORTAGE
ERFINDUNGEN. DIE GESCHICHTE MACHTEN (XIIl)
Der Phonograph Thomas A. Edisons - Die menschliche
Stimme von einem Stückchen Silberpapier
(98 Zeilen, 1 Bild)

Seite 1

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
EUROPÄISCHE INVASION AUF DEM NEW YORKER AUTOSALON
Großbritannien am stärksten vertreten, aber auch
Bundesrepublik zeigt repräsentativen Querschnitt
(65 Zeilen)

Seite

5

NUTZUNG VON ATOMEXPLOSIONEN FÜR FRIEDLICHE
ZWECKE IN SICHT?
Revolutionäre Aspekte für einige Industrien Radioaktive Auswirkungen lassen sich auf ein
Mindestmaß zurückführen
(82 Zeilen)

Seite

7

Seite

10

Seite

10

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
BEFRACHTUNG EINES FLUGZEUGES IN 40 SEKUNDEN
(12 Zeilen, 2 Bilder)
DIAMANTEN IN MASSENFABRIKATION
(13 Zeilen)
WELT DER ARBEIT
GEWERKSCHAFTEN UND KRANKENFÜRSORGE
Die Gesundheitszentren und Kliniken der ILGW
behandeln mehr als 100 000 Patienten pro Jahr Allein in New York 170 Ärzte in der Gfewerkschaftsklinik tätig
(70 Zeilen, 2 Bilder)

Seite 11.

ANHANG
AUSSENMINISTER DULLES FORDERT VERLÄNGERUNG DES GESETZES ÜBER
GEGENSEITIGE HANDELSABKOMMEN
Wortlaut einer Rede, die US-Außenminister Dulles am 27. März
1958 in Washington gehalten hat.
* * * * *

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11 . April 1958
INHALTSVERZEICHNIS

WIRTSCHAFTSREPORTAGE
ERFINDUNGEN. DIE GESCHICHTE MACHTEN (XIV)
Das Elektrolyseverfahren von Tonerde schuf die
Grundlagen für die Aluminiumindustrie
(78 Zeilen, 1 Bild)

Seite 1

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
WERTPAPIERBÖRSEN VON DER REZESSION UNBEEINDRUCKT
Die Gründe für die Stabilität der Wertpapierpreise
(68 Zeilen)

Seite

ARBEITSLOSENVERSICHERUNG SOLL AUSGEDEHNT WERDEN
Präsident Eisenhower unterbreitete Kongreß Vorschläge
zur Verlängerung der Versicherungsdauer
(76 Zeilen)

4

Seite 6

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
STQSSFREIE AUTOBAHNEN DURCH "GUMMIFUGEN"
(20 Zeilen, 2 Bilder)

Seite

9

WELT DER ARBEIT
DIE AMERIKANISCHE ARBEITSGESETZGEBUNG
Geschichtliche Entwicklung und Inhalt der
wichtigsten Gesetze
(140 Zeilen)

Seite

10

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18. April

1958

INHALTSVERZEICHNIS
WIRTSCHAFTSREPORTAGE
ERFINDUNGEN. DIE GESCHICHTE MACHTEN (XVl
Wilbur und Orville Wright erobern die Luft
durch Motorenkraft
(90 Zeilen, 1 Bild)

Seite

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
WAS IST MIT DEN PREISEN LOS?
Trotz Rückgang der wirtschaftlichen Aktivität
ist der Lebenshaltungskostenindex weiter
angestiegen
(70 Zeilen)

Seite

DIE AMERIKANISCHEN IMPORTE ZEIGTEN BISHER
NOCH KEINE ABSCIIWÄCKUNGEN
Gesamtentwicklung für 1958 allgemein günstig
beurteilt
(58 Zeilen)
AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
WIRTSCHAFTLICHES KUNSTSTOFFSPRITZVERFAHREN
(20 Zeilen, 2 Bilder)

Seite

Seite

WELT DER ARBEIT
"CAFETERIA ZUR VERABREICHUNG GEISTIGER NAHRUNG"
Bücherständer erfreuen sich immer größerer Beliebtheit 1500 amerikanische Betriebe stellen ihren Mitarbeitern
ausgewählten Lesestoff kostenlos zur Verfügung
(62 Zeilen, 1 Bild)
Seite

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Wirtschaft
und Arbeit
25. April 1958

INHALTSVERZEICHNIS
WIRTSCHAFTSREPORTAGE
ERFINDUNGEN. DIE GESCHICHTE MACHTEN (XVl)
Die synthetische Harzpolymerisierung leitete das
KunststoffZeitalter ein - Das Bakelit von Leo H.
Baekeland als Wegbereiter
(72 Zeilen, 1 Bild)

Seite

1

BESCHÄFTIGUNGSSTATISTIK MIT ZWEIERLEI AKZENTEN
Bedeutender Anstieg der Zahl der Beschäftigten
im März bei gleichzeitiger geringer Zunahme der
Erwerbslosenziffer
(80 Zeilen)

Seite

4

WIRTSCHAFTLICHE ENTWICKLUNG UND SOWJETISCHES
WIRTSCHAFTSSYSTEM
Die Leistungen in einer freien und einer
Zwangswirtschaft
(80 Zeilen)

Seite

7

Seite

9

Seite

11

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
ELEKTRONEN-MIKROSKOPE ALS HELFER DER WISSENSCHAFT
"Radio Corporation of America" will Massenproduktion von Elektronen-Mikroskopen aufnehmen
(45 Zeilen, 1 Bild)
WELT DER ARBEIT
GEWERKSCHAFT ENTWICKELTE ZUSAMMEN MIT UNTERNEHMEN
NEUES ERNTEGERÄT
Ernte von Rizinussamen jetzt rationell durch
Maschineneinsatz möglich
(60 Zeilen, 1 Bild)
* » * * #

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2. Mai

195®

INHALTSVERZEICHNIS
WIRTSCHAFTSREPORTAGE
DIREKTE UMWANDLUNG VON WÄRME IN ELEKTRIZITÄT
Der therm-ionische Konverter eröffnet neue Möglichkeiten zur Elektrizitätserzeugung - Wissenschaftler
glauben Nutzeffekt auf 50 7° steigern zu können
(50 Zeilen, 2 Bilder)

Seite 1

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
DIE DERZEITIGE WIRTSCHAFTSLAGE DER USA
UND DIE KÜNFTIGE ENTWICKLUNG
Führende V/irtschaftsexperten untersuchten
Möglichkeiten zur Aktivierung der Wirtschaft
und künftige Wachstumstrends
(56 Zeilen)
WANDLUNG IN DER INVESTITIONSPOLITIK ZEICHNET SICH AB
Geringere Aufwendungen für Kapazitätsausweitungen
bei zunehmenden Ausgaben für Forschung und
Entwicklung (67 Zeilen)

Seite

3

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5

Seite

7

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8

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
MINIATUR-WASSERAUFBEREITUNGSANLAGE
Tagesleistung 1900 Liter Trinkwasser
(18 Zeilen)
WELT DER ARBEIT
SCHÖPFERISCHE FREIZEITPROGRAMME FÜR PENSIONÄRE
Amerikanische Gewerkschaften wollen älteren Mitgliedern Übergang in den Ruhestand erleichtern
helfen (64 Zeilen, 3 Bilder)

ANHANG
GEMEINSAME SICHERHEIT UND WELTHANDEL
Wortlaut einer Rede des stellvertretenden Staatssekretärs für
Wirtschaftsfragen im US-Außenministerium, C. Douglas Dillon.
DIE OEEC UND
Wortlaut der
Christian A.
Bestehen des

DER WIRTSCHAFTLICHE FORTSCHRITT IN WESTEUROPA
Rede des Staatssekretärs im US-Aussenministerium,
Herter, anläßlich der Feierlichkeiten zum zehnjährigen
Europäischen Wirtschaftsrates.

* * * * *

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X» Jahrgang, Nr. 18/C

Wirtschaft
und Arbeit
9. Mai 1958

INHALTSVERZEICHNIS
WIRTSCHAFTSREPORTAGE
TROTZ TEILAUSLASTUNG HOHE INVESTITIONSRATE
DER STAHLINDUSTRIE
Gesamtinvestitionen rund 1 Mrd. Dollar in 1958 Gegenwärtige Kapazität 140 Mio Tonnen
(78 Zeilen)

Seite

1

MASSENEINKOMMEN NUR UNWESENTLICH ZURÜCKGEGANGEN
Gegenüber Mitte vorigen Jahres nur um 1,5 f°
abgesunken - Auch Verbrauchsrausgaben gut behauptet
(75 Zeilen)

Seite

4

US-REGIERUNG WILL LAGE DES ERZBERGBAUES VERBESSERN
Preisstützungsprogramm für fünf wichtige Metalle
vorgeschlagen
(70 Zeilen)

Seite

7

Seite

9

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
WINDKANAL FÜR GESCHWINDIGKEITEN BIS 5700 MEILEN
(24 Zeilen, 2 Bilder)
WELT DER ARBEIT
INDUSTRIELLE FÖRDERUNGSPROGRAMME FÜR HANDWERKLICHEN
UND TECHNISCHEN NACHWUCHS
Wachsendes Interesse und steigenue finanzielle Zuwendungen der amerikanischen Industrie für Er^iehungsund Ausbildungsprojekte
(42 Zeilen, 5 Bilder)
ANHANG
PROBLEME DER ENTWICKLUNG UND STABILITÄT DER WIRTSCHAFT
Rede des Wirtschaftsberaters des US-Präsiuenten, Dr.
Gabriel Hauge, vor der Deutschen Gruppe der Internationalen Handelskammer in Berlin am '0.4.1958
* * * * *

Seite 11

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Wirtschaft
undArbeit
16. Mai 1958

INHALTSVERZEICHNIS
WIRTSCHAFTSREPORTAGE
INNERBETRIEBLICHE SCHULUNGSMASSNAHMEN SORGEN
FÜR NACHSCHUB AN FACHKRÄFTEN
Umschichtungen innerhalb der amerikanischen
Arbeiterschaft - Größere Aufstiegsmöglichkeiten
für den einzelnen
(63 Zeilen, 2 Bilder)

Seit«

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
"AUFWEICHUNG" DER INTERNATIONALEN ROHSTOFFMÄRKTE
DURCH DIE SOWJETBLOCKSTAATEN
Nach dem Baumwoll- und Aluminiummarkt ist jetzt
der Zinnmarkt an der Reihe - Stark forcierte Exporte
seit Beginn dieses Jahres
(80 Zeilen)
Seite
EINSTELLUNG DES AMERIKANERS GEGENÜBER DEM "BIG
BUSINESS" HAT SICH GEWANDELT
Positivere Beurteilung als früher - Interessante
Studie der "National Planning Association"
(52 Zeilen)

Seite

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
NEUE STAHLTYPE FÜR ÜBERSCHALLFLUGZEUGE
(14 Zeilen)

Seite

KOHLEVERKOKUNG UNTER TAGE
(15 Zeilen)

Seite

WELT DER ARBEIT
JOHN L. LEWIS FORDERT AUSWEITUNG DER SICHERHEITSBESTIMMUNGEN IM BERGBAU
Auch Kleinzechen sollen erfaßt werden - Erheblicher
Rückgang der Unfallrate in den vergangenen 25 Jahren
(50 Zeilen)
Seite
* * * # #

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Wirtschaft
undArbeit
23. Mai

1958

INHALTSVERZEICHNIS
WIRTSCHAFTSREPORTAGE
"DIGITAPE"-VERFAHREN ERMÖGLICHT AUTOMATION
BEI KLEINSERIEN
Umrüsten der Maschinengruppen entfällt praktisch
Durch Umwechseln der Lochstreifen erfolgt Produktionsumstellung (62 Zeilen, 3 Bilder)

Seite

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
VERSCHIEDENE FAKTOREN LEUTEN BALDIGES ENDE
DES WIRTSCHAFTLICHEN RÜCKGANGS AN
Das Schlimmste scheint überstanden - Stärkerer
Auftrieb allerdings nicht vor Spätsommer erwartet
(65 Zeilen)

Seite

4

Seite

£

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9

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Seite

11

DER EINFLUSS DER VERTEIDIGUNGSAUSGABEN AUF DIE
WIRTSCHAFTLICHE AKTIVITÄT
.Anteil nur 10 Prozent am Bruttosozialprodukt Konjunktureller Einfluß unbedeutend (85 Zeilen)
AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
NEUARTIGER VERSTÄRKER FÜR RADIOTELESKOPE
(18 Zeilen)
CHEMISCHES "BERUHIGUNGSMITTEL" FÜR PFLANZEN
ERHÖHT ERTRÄGE
(19 Zeilen)
WELT DER ARBEIT
DISNEYLAND IST VOLL GEWERKSCHAFTLICH ORGANISIERT
(2a Zeilen, 1 Bild)
ANHANG

US-AUSLANDSHILFE EINE INVESTITION FÜR DEN AUFBAU EINER
FRIEDLICHEN WELT
Wortlaut einer Rede des US-Chefdelegierten bei den Vereinten
Nationen, Henry Cabot Lodge.

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Wirtschaft
und Arbeit
30. Mai

1958

INHALTSVERZEICHNIS

WIRTSCHAFTSREPQRTAGE
DIE AMERIKANISCHE LANDWIRTSCHAFT HEUTE (i)
Wirtschaftliche Stellung und Agrarstruktur
(98 Zeilen, 2 Bilder)

Seite

1

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
NEW YORKER MESSE ALS SPRUNGBRETT FÜR US-MARKT
Diesjährige "World Trade Fair" übertraf Vorjahresergebnis beträchtlich - 3000 Aussteller aus
60 Ländern (50 Zeilen)

Seite

5

PROSPERIERENDE LANDWIRTSCHAFT IN ZEITEN
RÜCKLÄUFIGER WIRTSCHAFTLICHER AKTIVITÄT
Farmereinkommen gegenwärtig um 10 Prozent
höher als im Vorjahr - Landmaschinenindustrie
verzeichnet starke Belebung
(80 Zeilen)

Seite

7

Seite

9

Seite

10

Seite

11

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
NEUES OPTISCHES GERÄT ERMÖGLICHT GENAUERES
STUDIUM DES UNIVERSUMS
(14 Zeilen)
NEUES CHEMISCHES PRÄPARAT GEGEN BLUTGERINNSEL
(12 Zeilen)
WELT DER ARBEIT
AUS DEM AMERIKANISCHEN GEWERKSCHAFTSLEBEN
Stahlarbeiter melden Tarifforderungen an Textilarbeiter-Wohlfahrtsfonds 142 Mio Dollar Petrillo lehnt erneute Kandidatur ab - Gewerkschaftsversicherung mit 1,0 Mrd. Dollar Bestand
(55 Zeilen)

* * * * *

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X. Jahrgang:. Nr. 22/c

Wirtschaft
undArbeit
6. Juni

1958

INHALTSVERZEICHNIS

WIRTSCHAFTSREPORTAGE
DIE AMERIKANISCHE LANDWIRTSCHAFT HEUTE (il)
Die Produktivität und der Einfluß auf die
Mechanisierung (98 Zeilen, 2 Bilder)

Seite

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
AKTIENSTREUUNG WIRD IMMER BREITER
Aktiensparprogramme tragen sehr zur Popularisierung
des Wertpapiers bei - Erhebliche Steigerung in der
Zahl der Aktionäre bei Großunternehmen
(70 Zeilen)

Seite

US-WIRTSCHAFT VERTRAUT AUF SELBSTHILFE
Rationalisierung von Produktion und Verkauf
sowie verstärkte Forschungs- und Entwicklungsprogramme sollen Konjunkturauftrieb einleiten
(54 Zeilen)

Seite

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK •
EINFLUSS VON KUNSTDÜNGER UND BEWÄSSERUNG
AUF DIE ERTRÄGE
Ausgedehnte Versuche des US-Landwirtschaftsministeriums offenbarten auffallende Wechselbeziehung zwischen Kunstdünger und Bodenfeuchtigkeit
(35 Zeilen)

Seite

10

WELT DER ARBEIT
GEWERKSCHAFT UNTERHÄLT EIGENE BLUTBANK ZUM
WOHLE DER GEMEINDE
Als Ergänzung wurde jetzt fahrbare Blutsammelstelle in Betrieb genommen
(37 Zeilen, 1 Bild)

Seite

11

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Wirtschaft
und Arbeit

• Telefon Bad Godeiberg 7 1 3 2 5 7

13. Juni 1958

X. J a h r g a n g . N r . 23/C

INHALTSVERZEICHNIS
WIRTSCHAFTSREPORTAGE
DIE AMERIKANISCHE LANDWIRTSCHAFT HEUTE (ill)
Absatzorganisationen, Agrarpreise und wirtschaftliche
Lage der Farmer (98 Zeilen, 2 Bilder)

Seite 1

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
LAGE IN DER STAHLINDUSTRIE HAT SICH GEBESSERT
Erhöhte Auftragseingänge und höhere Produktionsrate Ausdruck allgemeiner Belebung der Wirtschaft
(65 Zeilen)
ELEKTRIZITÄT AUS ATOMKRAFTWERKEN
Shippingport leitete neue Ära ein - Vier weitere
A-Kraftwerke bis 196O fertiggestellt
(70 Zeilen)

Seite 7

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
GELÄNDEGÄNGIGE "RAKETEN-SELBSTFAHRLAFETTE" MIT
"SCHLUMMERROLLEN"
(22 Zeilen, 1 Bild)

Seite 10

WELT DER ARBEIT
STUDIE UMREISST FORTSCHRITTE DER
AMERIKANISCHEN ARBEITNEHMER
(28 Zeilen)

Seite 11

IAM-GEWERKSCHAFT FEIERTE 70. GRUNDUNGSTAG
(16 Zeilen)

* * * * *

Seite 5

Seite 12

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und Arbeit

3 0 0 • Telefon Bad Godesbert; 713240

X. Jahrgang. Nr. 24/c

20. Juni 1958
INHALTSVERZEICHNIS

WIRTSCHAFTSREPORTAGE
Mr. KELLY VERMIETET BÜROFACHKRÄFTE ALLER ART
50 000 Angestellte in 81 Städten der USA - Ein Anruf
genügt, und Mr. Kelly beseitigt plötzliche Personalschwierigkeiten
(76 Zeilen, 2 Bilder)

Seite

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
EIE ENTWICKLUNG DER FAMILIENEINKOMMEN ZWISCHEN
1947 ÜKD 1957
Zunahme der durchschnittlichen Realeinkommen von
461O auf 5480 Dollar - Aufrücken der unteren
Einkommengruppen in die höheren Klassen
(57 Zeilen)

Seite

4

KONJUNKTURPROBLEME HEUTE UND GESTERN
Die grundlegenden Unterschiede zwischen wirtschaftlichen ALschwächungspe rioden der Vor- und Nachkriegszeit
(98 Zeilen)
Seite

£

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
CIIEMIKALIE GEGEN V/ASSERVERDÜNSTUNG
(15 Zeilen)

Seite

SCHNELLSTE FIRNSCHRSIBMASCHINE DER Y.ELT
(7 Zeilen)

Seite

10

Seite

10

V&gt;ELT DER ARBEIT
AUSBILDUNG VON GEWERKSCHAFTLICHEM NACHWUCHS
AN DER Hi&gt;R7i.RD-UNIVERSIT£T
Gewerkschaftliche Schulungo- und Fortbildungsprogramme gev/innen immer mehr an Bedeutung
(52 Zeilen)

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X. Jahrgang. Nr. 25/C

27. Juni

1958

INHALTSVERZEICHNIS
WIRTSCHAFTSREPORTAGE
DIE REORGANISATION DER SOWJETISCHEN LANDWIRTSCHAFT
UND IHRE BEDEUTUNG (i)
\
Die Traktorenstationen und ihre wirtschaftlichen und
politischen Aufgaben
(165 Zeilen, 2 Bilder)

Seite

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
DIE US-WIRTSCHAFT ZUR JAHRESMITTE
Allgemeine wirtschaftliche Aktivität nimmt wieder
zu - Zufriedenstellende Entwicklung im Mai und Juni
(62 Zeilen)

Seite

AMERIKANISCHE UND SOWJETISCHE AUSLANDSHILFE
US-Aussenministerium veröffentlichte Studie über
Umfang und Ziel der sowjetischen Hilfe- und
Wirtschaftsoffensive
(98 Zeilen)

Seite

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
MODELL EINER RAUMSTATION
Wissenschaftliche Forschungsstation in 720 km Etfg. von
der Erde - Vier Mann Besatzung - 500 Mio DollarProjekt
(30 Zeilen, 2 Bilder)
Seite

13

WELT DER ARBEIT
20 JAHRE "FAIR LABOR STANDARDS ACT"
Vor 20 Jahren wurde eines der wichtigsten Arbeitsgesetze der USA in Kraft gesetzt
(56 Zeilen)

15

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Seite

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X. J a h r g a n g . Nr, 26/C

Wirtschaft
und Arbeit
4. Juli 1958

INHALTSVERZEICHNIS
WIRTSCHAFTSREPORTAGE
DIE REORGANISATION DER SOWJETISCHEN LANDWIRTSCHAFT
UND IHRE BEDEUTUNG (il)
Die strukturellen Veränderungen im Kolchossystem
(120 Zeilen)
STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
MODIFIZIERTES STÜTZUNGSPROGRAMM FÜR MINERALIEN
Weitgehende Rücksichtnahme auf ausländische
Erzeuger - Kleinbetriebe am meisten begünstigt
(86 Zeilen)
LAGE IM AUSSENHANDEL SCHEINT SICH ZU STABILISIEREN
Importe konnten hohes Volumen halten - Exporte
hatten beträchtliche Rückgänge im ersten Quartal
1958 zu verzeichnen
(80 Zeilen)

Seite

Seite

Seite

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
MESSUNG DES VERSCHLEISSES VON KOLBENRINGEN
MITTELS RADIOAKTIVER SPURENELEMENTE
(14 Zeilen)

Seite

11

WELT DER ARBEIT
SENAT VERABSCHIEDETE WICHTIGEN ARBEITSGESETZENTWURF
(35 Zeilen)

Seite

12

Seite

13

HERMAN D. KENIN ZUM NACHFOLGER PETRILLOS GEWÄHLT
(28 Zeilen)

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Wirtschaft
und Arbeit

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X. Jahrgang. Hr. 27/C

11 . Juli 1958
INHALTSVERZEICHNIS

WIRTSCHAFTSREPORTAGE
DIE REORGANISATION DER SOWJETISCHEN LANDWIRTSCHAFT
UND IHRE BEDEUTUNC (III UND SCHLUSS)
Übergangsprobleme und Einfluß auf die Erzeugung
und Gesamtstruktur (120 Zeilen, 2 Karikaturen)

Seite

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
DIE WIRTSCHAFTLICHE HILFE DER USA AN DIE PHILIPPINEN
Philippinen mit größter wirtschaftlicher Wachstumsrate
aller fernöstlichen Staaten (75 Zeilen)
Seite
AMERIKANER GABEN 1957 INSGESAMT 1,8 MRD. DOLLAR
FÜR AUSLANDSREISEN AUS
Auch für 1958 mit weiterem Anstieg zu rechnen
(60 Zeilen)

Seite

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
BEOBACHTUNGS-FERNSEHKAMERA IN DER NEUEN "B-52G"
(15 Zeilen)

Seite

11

WELT DER ARBEIT
INVESTITIONEN PRO ARBEITSPLATZ 16 000 DOLLAR
MITTE 1957
Steigende Investitionen pro Produktionsarbeiter
in den USA - Doppelte Summe gegenüber 194&amp;
(40 Zeilen)

Seite

12

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und Arbeit

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X. Jahrgang, Nr. 28/C

18. Juli 1958
INHALTSVERZEICHNIS

WIRTSCHAFTSREPORTAGE
DIE GESCHICHTE DER AMERIKANISCHEN PRODUKTIVITÄT (i)
Die historischen Hintergründe - Größerer Anteil
aller am Bruttosozialprodukt
(76 Zeilen, 1 Bild)
Seite
STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
ZUNEHMENDE ENTSPANNUNG IN DER US-WIRTSCHAFT
Auch bei den Fabrikationsbetrieben zeichnet sich
jetzt ein Aufschwung ab - Dauergüterindustrie
mit größten Zunahmen
(64 Zeilen)
Seite
WICHTIGSTE INDICES FOLGTEN WIEDER AUFWÄRTSTREND
"Führungsfaktoren" zeigen erneuten Auftrieb für
die nächsten Monate an
(84 Zeilen)

Seite

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
NEUARTIGES ELEKTRONISCHES RECHENGERÄT FÜR
KLEINERE BETRIEBE
Anschaffungspreis zwischen 8000 und 15 000
Dollar - Leichte Bedienung
(46 Zeilen, 1 Bild)

Seite

WELT DER ARBEIT
DIE US-GEWERKSCHAFTEN V/ENDEN SICH AN DIE ]
KUNST UND DIE KÜNSTLER
Immer stärkere Heranziehung von Künstlern
zur Ausgestaltung von Gewerkschaftsbauten
(46 Zeilen, 3 Bilder)

Seite

* # * * *

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J/Q

Wirtschaft
und Arbeit
25. Juli 1958

INHALTSVERZEICHNIS

WIRTSCHAFTSREPORT G^
DIE GESCHICHTE DER AMEi IRANISCHEN PRODUKTIVITÄT (il)
Die sozio og:sehen und wirtschaftlichen Faktoren
(90 Zeilen 1 ,cnaubild)
Seite
STREIFLICHTER AUS DLR US-' IR'T'SCl^FT
DIE WIRTSCHAFmLTCHE B^DEUTrNG ALASKAS
Unermeßlic . • Bodenschätze - aber nur wenige
Menschen
(52 Zeilen)

Seite

T

STARK VERBESSERTE E£^CHA&gt;T G JNGSLAGE IM JUNI
Anstieg der Besehaf t-g .en am 920 000
(82 Zeilen)

Seite

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
GRÜSSTER LASTKRAFTWAGEN DER WELT
Gewicht im beladenen Zustand fast 200 Tonnen
(16 Zeilen, 2 Bilder)

Seite

WELT DER ARBEIT
AUS DEM AMERIKANISCHEN GEWERKSCHAFTLICHEN LEBEN
Durchschnittslöhne weiter angestiegen - Niedrigste Streikziffer der Nachkriegszeit für Mai Alaska gewerkschaftlich stark organisiert
(52 Zeilen)
# # * * *

Seite

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und Arbeit

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X. Jahrgang. Nr. 50/C

1 . August 1958
INHALTSVERZEICHNIS

WIRTSCHAFTSREPORTAGE
DIE GESCHICHTE DER AMERIKANISCHEN PRODUKTIVITÄT

IUI}
Maschinenkraft, Erziehung und Fähigkeiten von
Management und Arbeitern
(98 Zeilen, 1 Schaubild)
STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
EINE "NEUE DIMENSION" IM US-EINZELHANDEL
Supermarkets mit Warenhausangebot probeweise
gestartet - Abkehr vom reinen Lebensmittelladen - Supermarketumsatz jährlich 25,2 Mrd.
Dollar (88 Zeilen, 2 Bilder)
VERSTÄRKTER WIRTSCHAFTLICHER AUFTRIEB IM JUNI
Wirtschaftlicher Auftrieb zeichnet sich immer
klarer ab - Zunahmen berühren fast alle Sektoren
(63 Zeilen)
AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
SPURELEMENTE UND ATOMSTRAHLEN IN DER
LANDWIRTSCHAFTSFORSCHUNG
Künstlich hervorgerufene Mutationen führen zu
ertragreicheren und widerstandsfähigeren Sorten
(70 Zeilen, 2 Bilder)

Seite

Seite

Seite

Seite

10

DIE PRAXIS DER ZAHLUNG VON ENTLASSUNGSGELDERN
IN DER US-WIRTSCHAFT (i)
Verstärkte Bemühungen der Gewerkschaften um
Aufnahme von Abfindungsplänen in die Tarifverträge
(90 Zeilen)
Seite

14

WELT DER ARBEIT

* * * * *

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8 . August

X. J a h r g a n g . N r . 51/C

1958

INHALTSVERZEICHNIS

V/IRTSCHAFTSREPORTAGE
DIE GESCHICHTE DER AMERIKANISCHEN PRODUKTIVITÄT

im

Die Einflüsse von Arbeits- und Kapitalmobilität
und der Spezialisierung (68 Zeilen, 1 Schaubild)

Seite

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
ROHSTOFFMÄRKTE ZEIGEN STABILISIERUNGSTENDENZEN
Stärkste Einflüsse auf die künftige Preisstruktur
von der wirtschaftlichen Erholung in den USA zu
erwarten
(64 Zeilen)

Seite

DIE LAGE AUF DEN LANDWIRTSCHAFTLICHEN
MÄRKTEN IM JULI
Stark veränderte Verbrauchergewohnheiten
bei Kartoffeln - Viertgrößte Weizenernte
in diesem Jahr zu erwarten (68 Zeilen)

Seite

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
NEUARTIGE KÜCHENGERÄTE MIT "PFIFF"
(28 Zeilen, 5 Bilder)

Seite

10

WELT DER ARBEIT
DIE PRAXIS DER ZAHLUNG VON ENTLASSUNGSGELDERN
IN DER US-WIRTSCHAFT (il)
Die verschiedenen Pläne in Wirtschafts- und
Industrieunternehmen (98 Zeilen)

Seite

12

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X. Jahrgang. Nr. 52/c

Wirtschaft
und Arbeit
15. August 1958

INHALTSVERZEICHNIS
WIRTSCHAFTSREPORTAGE
DIE GESCHICHTE DER AMERIKANISCHEN PRODUKTIVITÄT
(V und Schluß)
Die Rolle von Wissenschaft und Erfindungen
(70 Zeilen, 1 Schaubild)

Seite

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
DIE AUSWIRKUNGEN VON FORSCHUNG UND ENTWICKLUNG
AUF DIE CHEMISCHE INDUSTRIE
Industriezweig mit weitaus größter Wachstumsrate Trotz rückläufiger wirtschaftlicher Entwicklung
wurden hohe Investitionen vorgenommen
(78 Zeilen)
^
Seite
ÄUSSERST GÜNSTIGE ZUKUNFTSAUSSICHTEN FÜR
DIE BAUWIRTSCHAFT
"Architectural Forum" erwartet Zunahme der
Aufwendungen für Neubauten aller Art um ^&gt;0ffo
in den nächsten zehn Jahren
(58 Zeilen)

Seite

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
SCHNELLERE AUFTRAGSENTWICKLUNG DURCH
?o PCO km LAN3ES FERNSCHREIBNETZ
Neuartiger Kundendienst - Mobilisierung
der Hersteller- und Händlerläger
(50'Zeilen, 1 Bild)

Seite

WELT DER ARBEIT
DIE PRAXIS DER ZAHLUNG VON ENTLASSUNGSGELDERN
IN DER US-WIRTSCHAFT (III und Schluß)
Verstärkte Bemühungen der Gewerkschaften um
Aufnahme von Abfindungsplänen in die
Tarifverträge
(98 Zeilen)

Seite

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22. August 1958

X. Jahrgang. Nr. 35/C
INHALTSVERZEICHNIS

WELT DER ARBEIT
SONDERREPORTAGE
TAG DER ARBEIT 1956 : US-GEWERKSCHAFTEN ZIEHEN BILANZ
Feiertag des ganzen Volkes - Soziale Gerechtigkeit
bleibt das Ziel (220 Zeilen , 3 Bilder)
Seite
STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
VIERJÄHRIGE VERLÄNGERUNG DES US-GESETZES
ÜBER GEGENSEITIGE HANDELSABKOMMEN
Erfolg der liberalen Kräfte der amerikanischen
Handelspolitik - 20prozentige Zollsenkung bis
1962
(65 Zeilen)
MEHR ARBEITSPARENDE MASCHINEN FÜR DIE
US-LANDWIRTSCHAFT
Trends in der amerikanischen Landmaschinenindustrie
Mechanisierung - ein Mittel zur Leistungs- und
Rentabilitätssteigerung (90 Zeilen, 1 Bild)
AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
NEUER REAKTOR FÜR MEDIZINISCHE ZWECKE
Therapie und Forschung auf neuen Wegen Möglichkeiten der Krebsbekämpfung (52 Zeilen)

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5

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8

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und Arbeit

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X. Jahrgang, Nr. 34/C

29. August 1958
INHALTSVERZEICHNIS

WIRTSCHAFTSREPORTAGE
DAS PROBLEM DER WIRTSCHAFTLICHEN ENTWICKLUNG UND
DIE GEGENSEITIGE ABHÄNGIGKEIT DER STAATEN (i)
Die Welt als wirtschaftlich-soziale Einheit Neuordnung des internationalen Wirtschaftsgefüges
unaufschiebbar
(98 Zeilen)
STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
ANZEICHEN EINER WIEDERBELEBUNG DER WIRTSCHAFTSTXTIGKEIT MEHREN SICH
Geld wird teurer - Mehr Aufträge erwartet Beendigung des Lagerabbaus
(92 Zeilen)

Seite

1,

Seite

DAS WIRTSCHAFTLICHE ENTWICKLUNGSPROGRAMM DER
USA NIMMT GESTALT AN
Eisenhowers Vorschlag zur Errichtung einer
Entwicklungsbehörde für den Nahen Osten Lateinamerika ein weiterer Schwerpunkt
(92 Zeilen)

Seite

8

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
EIN NEUES PAPIER - ELASTISCH UND REISSFEST
(18 Zeilen)

Seite

11

Seite

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Seite

12

Seite

12

Seite

13

BRUCHSICHERE KUNSTSTOFF-FENSTER
(10 Zeilen)
EIN "KUGELSCHREIBER" FÜR LEIM
(8 Zeilen)
EINE FARBE. DIE GEFÄHRLICHE HITZE ANZEIGT
(6 Zeilen)
WELT DER ARBEIT
INDUSTRIEUNTERNEHMEN WIRBT UM ÖFFENTLICHES
VERTRAUEN
Tag der offenen Tür hat großen Erfolg Partnerschaftsprogramm findet Unterstützung
der Gewerkschaften
(72 Zeilen, 1 Bild)

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5. September

X» Jahrgang. Nr. 55/C

1958

INHALTSVERZEICHNIS
WIRTSCHAFTSREPORTAGE
DAS PROBLEM DER WIRTSCHAFTLICHEN ENTWICKLUNG
UND DIE GEGENSEITIGE ABHÄNGIGKEIT DER STAATEN (II)
Enorme Investitionsmöglichkeiten in Europa - Auslandskapital als Anstoß zu selbständigem Wachstum
in den Entwicklungsländern (118 Zeilen)
Seite
STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
ZAHLEN DES US-HANDELSMINISTERIUMS BEWEISEN
ENDE DER REZESSION
Neue Rekordhöhe des Personaleinkommens Verteidigungsausgaben kein Anti-Rezessionsmittel
(76 Zeilen)
DREI-PUNKTE-PROGRAMM FÜR WELTBANK UND
WAHRUNGSFONDS
Eisenhowers neue Initiative - Entwicklungsinstitut
als Tochtergesellschaft der Weltbank vorgeschlagen
(68 Zeilen)

Seite

Seite

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
EIN NEUES ELEKTRONENGEHIRN, DAS SICH SELBST
SEINE INSTRUKTIONEN SCHREIBT
(20 Zeilen)
Seite
ELEKTRONENMASCHINE LIEST ADRESSEN UND SORTIERT POST
(20 Zeilen)
Saite
WELT DER ARBEIT
GEWERKSCHAFTLER BESUCHEN DIE UNIVERSITÄT
Erstklassige Ausbildung für Funktionäre und
Gewerkschaftsmitarbeiter - Grundlage für Rolle
im öffentlichen Leben
(52 Zeilen, 1 Bild)

* * * * *

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12. September 1958

X. Jahrgang« Nr. 56/C
INHALTSVERZEICHNIS

V/IRTSCHAFTSREPORTAGE
WISSENSCHAFTLER VERHELFEN HOLZ UND HOLZPRODUKTEN
ZU NEUER BEDEUTUNG
US-Holzindustrie produziert nach Rezepten eines
Staatslaboratoriums - Erfolg: ein Material, das
billiger, aber widerstandsfähiger ist als Sperrholz
(98 Zeilen, 2 Bilder)

Seite

1

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
ERHOLUNG DES US-AUSSENHANDELS ALS FOLGE
DES V/IRTSCIIAFTSAUFSCHWUNGS
Juni-Einfuhren höher als die des Vergleichsmonats
1957 - Hauptwirkung der steigenden Wirtschaftstätigkeit auf den Außenhandel erst 1959 zu erwarten
(65 Zeilen)

Seite

5

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8

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
RENTABILITÄTSGRENZE FÜR ATOMSCHIFFE IN SICHT
Betriebskosten für Atom- und konventionelle
Schiffe 1980 etwa auf gleicher Höhe - Unterseetanker bieten große Vorteile
(40 Zeilen, 1 Bild)

Seite

11,

WELT DER ARBEIT
20 JAHRE US-GESETZ ÜBER DIE ARBEITSBEDINGUNGEN
UND LÖHNE
Bestimmungen, die für den amerikanischen Arbeiter
bares Geld bedeuten
(54 Zeilen)

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15

NEUES US-GESETZ ZUR FÖRDERUNG DER KLEIN- UND
MITTELBETRIEBE
Bessere Kreditversorgung und Steuererleichterungen Selbständiges Amt für Klein- und Mittelbetriebe
(85 Zeilen)

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19. S

temb^r 1958

INHALTSVERZEICHNIS
WIRTSCHAFTEREPORTAGE
PliERTO RICO RUNDET WIRTSCHAFTLICHES Al'FBAUPRQGRAMM AB
Verstärkte Bemühungen zur Verbreiterung der landwirtschaftlichen Struktur - Schaffung von Verarbeitungsanlagcn landwirtschaftlicher Erzeugnisse und Ausbau
von Absatzorganisationen (98 Zeilen, 2 Bilder)

Seite

STREIFLICHTER AIS DER US-WIRTSCKAFT
WACHSENDES AUSLANDSANLEIHEGESCHÄFT DER
US-KANDELSBANKEN

Durchschnittliche Gesamthöhe der langfristigen
Anleihen gegenwärtig bereits 1,0 Mrd. Dollar pro Jahr
(60 Zeilen)

Seite

DIE ATOMVERSICHERÜ'NG GEWINNT ILILIKR i.lEHR AN BEDEUTUNG
Amerikanische Versicherungounternehmen bieten bereits
umfassende Risikodeckung (80 Zeilen)

Seite

7

AMERIKANISCHE KOLLEKTIVSCHAU AUF DER IKOFA
(28 Zeilen)

Seite

10

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
WIDERSTANDSFÄHIGE VERSANDBEHÄLTER AUS ZUCKERROHRBACASSE
(16 Zeilen)
Seite 11;
UNSINK3ARES BOOT AUS EINEM GUMMI- UND KUNSTSTOFFQEMISCH
(18 Zeilen)
Seite 12
WELT DER ARBEIT
UNFALLVERHÜTUNGSMASSNAHMEN MIT GEWERKSCHAFTLICHER
UNTERSTÜTZUNG FÜHREN ZUM ERFOLG
Eigene Sicherheitsausschüsat; der Gewerkschaften Sicherheitsbestimmungen in den Tarifverträgen
(72 Zeilen, 2 Bilder)

* * * * *

Seite

13

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26. September 1958

X. Jahrgang. Nr. 38/c
INHALTSVERZEICHNIS

WIRTSCHAFTSREPORTAGE
ANTIBIOTIKA ALS HELFER DER LANDWIRTSCHAFT
Schnellere und wirtschaftlichere Tieraufzucht Wirksame Bekämpfung von Pflanzenkrankheiten Große Erfolge auf dem Gebiet der Nahrungsmittelkonservierung
(98 Zeilen)

Seite 1

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
WIRTSCHAFTLICHER AUFTRIEB SETZT SICH VERSTÄRKT FORT
Produktionsindex bereits wieder um 11 Punkte
gestiegen - Stahlindustrie weist höhere Auftragseingänge auf
(78 Zeilen)
Seite
REKORDWEIZENERNTE TROTZ*VERMINDERUNG DER ANBAUFLÄCHE
Gesamtertrag 1,4 Mrd. Bushel - Gesamtvorrat an
Weizen 2,3 Mrd. Bushel - Eigenverbrauch nur 610
Mio Bushel - Auch andere Getreidearten im Überfluß
(50 Zeilen)
Seite
AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
ARMBANDUHRGROSSE. AUFLADBARE TROCKENZELLENBATTERIE
Große Unempfindlichkeit - Lebensdauer von zehn Jahren
(30 Zeilen, 1 Bild)
Seite

10

WELT DER ARBEIT
TROTZ WIRTSCHAFTLICHER ABSCHWÄCHUNG STIEGEN
DIE LÖHNE WEITER AN
(28 Zeilen)

Seite

12

Seite

13

Seite

14

GERINGFÜGIGER ANSTIEG DER UNFALLRATE IM II.QUARTAL
(23 Zeilen)
GÜNSTIGE ENTWICKLUNG DER BESCHAFTIGUNGSLAGE
IM AUGUST
(14 Zeilen)

* * * * *

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39/C

3. Oktober

1958

INHALTSVERZEICHNIS
WIRTSCHAFTSREPORTAGE
PRAKTISCHE ANWENDUNGSMÖGLICHKEITEN FÜR
SONNENENERGIE
Verschiedene Geräte werden bereits auf kommerzieller
Basis hergestellt - "Sonnenuhr", Radios und Warnlampen - Viele neuen Anwendungsmöglichkeiten
(76 Zeilen, 2 Bilder)
STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
EINE VIEL BEACHTETE ENTSCHEIDUNG
Präsident Eisenhower verfügte Importquoten für
Blei und Zink
(62 Zeilen)
SELBST AUF DEM INVESTITIONSSEKTOR IST SCHON
EINE BELEBUNG FESTZUSTELLEN
Schnellere Erholung als erwartet - Investitionen
folgen diesmal nicht dem "klassischen" Trend
(78 Zeilen)
.
AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
"KQDEL" - EINE NEUE CHEMIEFASER
(20 Zeilen)
NEUES LEICHTES MILITÄRFAHRZEUG
(16 Zeilen)
WELT DER ARBEIT
MECHANIKER IM AÜT0HANDWERK ERRINGEN ANERKENNUNG
ALS FACHARBEITER
IAM-Gewerkschaft stellte sich hinter die Automechaniker - Verbesserung der Arbeitsbedingungen auch
für unorganisierte Automechaniker erwartet
(53 Zeilen, 2 Bilder)

* * * * *

Seite

Seite

4

Seite

7

Seite

10

Seite

11:

Seite

12

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X. Jahrgang. Nr. 40/C

10. Oktober 1958

INHALTSVERZEICHNIS
WIRTSCHAFTSREPORTAGE
WUNDER AUS MOLEKÜLEN (i)
Von der Schießbaumwolle bis zum Bakelit
(62 Zeilen, 1 Bild)

Seite

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
ÜBERRASCHEND HOHER ANSTIEG DER PRODUKTIVITÄT
IN DEN USA
W a c h s t u m s r a t e im I I . Q a r t a l um s i e b e n P r o z e n t
h ö h e r a l s 1957 - N i c h t u n e r h e b l i c h e Auswirkungen
a u f den A r b e i t s m a r k t
(90 Z e i l e n )

Seite

STEIGENDE TÄTIGKEIT DER EXPORT-IMPORT-BANK
ERWARTET

Gesamtkreditsumme im Rechnungsjahr 1959 a^f
1,1 Mrd. Dollar geschätzt - Ausweitung des
Welthandels im Sog des neuen Konjunkturaufschwungs in den USA
(60 Zeilen)

Seite

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
"PIPEMOBILE" - EIN NEUARTIGES GERÄT FÜR
DEN KANALISATIONSBAU
(14 Zeilen, 2 Bilder)

Seite

9

NEUE VERWENDUNGSZWECKE FÜR "PYROCERAM"
(12 Zeilen)

Seite

10

Seite

11

WELT DER ARBEIT
FERNSEHFILME ZEIGEN "AMERIKANER BEI DER ARBEIT"
Gewerkschaften kommen über TV ins Haus - Gewerkschaftliche Öffentlichkeitsarbeit auf neuen Wegen
(44 Zeilen)
* * * * *

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17. Oktober

X. J a h r g a n g . N r . 41/C

1958

IMIIALT SVERZEI CiiNI S

WIRTSCKAFTSREPORTAGE
WUNDER AUS MOLEKILEN (II)
Die Geheimnisse der Riesenmoleküle
(95 Zeilen, 2 Bilder)

Seite

1

' ERSTES ABSINKEN DER LEBENSHALTUNGSKOSTEN
SEIT ZWEI JAHREN
Stabilisierung des Verbraucherpreisindexes
trotz Konjunkturaufschwung - Aber leichte
Preiserhöhungen bei einigen wichtigen Metallen
(70 Zeilen)

Seite

5

STÜRMISCHE ENTWICKLUNG DER PETROCHEMISCHEN
INDUSTRIE
Weltproduktion bis 1965 verdoppelt - Gesamtinvestitionen in der petrochemischen Industrie
Westeuropas 196O auf 1,2 Mrd. Dollar geschätzt
(55 Zeilen)

Seite

8

NEUARTIGER KLEINER, ABER KOCHLEISTUNGSFÄHIGER
GASTURBINENMOTOR
(16 Zeilen)

Seite

10

SPSZIALBINDEMITIEL FÜR METALLTEILE
(13 Zeilen)

Seite

11

BRACHTE TARIFABKOMMEN MIT DEN
"GROSSEN DREI" UNTER DACH
|
(26 Zeilen)

Seite

12

EINNAHMERÜCKGANG DER "APL-CIO" IM LETZTEN
FINANZJAHR
(19 Zeilen)

Seite

13

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK

WELT DER ARBEIT
UAW-GEV/ERKSCHAFT

* * * * #

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X. Jahrgang. Nr. 42/c

24. Oktober

1958

INHALTSVERZEICHNIS
WIRTSCHAFTSREPORTAGE
WUNDER AUS MOLEKÜLEN (ill)
Die Invasion der Kunstharze und Silikone
(95 Zeilen, 2 Bilder)

Seite

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
EIN NEUER ABSCHNITT IN DER INTERNATIONALEN
ZUSAMMENARBEIT
Verstärkte Bemühungen des Westens zur Förderung
des wirtschaftlichen Aufbaues in den Entwicklungsländern
(62 Zeilen)

Seite

WIRTSCHAFTLICHE EXPANSION, ERHÖHTE SOZIALE
SICHERHEIT UND BEVÖLKERUNGSZUWACHS
Bevölkerungszahl der USA stieg in den vergangenen
neun Jahren um 25 Millionen an - Folge der
NachkriegsProsperität
(85 Zeilen)
AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
"AUTO-ABSTRACT,, - SCHREIBT KURZFASSUNGEN VON
ARTIKELN AUTOMATISCH
(15 Zeilen)

Seite

Seite

11

Seite

11

WELT DER ARBEIT
NEUE TARIFVERTRÄGE IN DER US-AUTOMOBILINDUSTRIE
MIT BEDEUTENDEN VERBESSERUNGEN
"Jährlicher Verbesserungsfaktor" und "Steigerungsbonus"
gewährleisten regelmäßige Lohnaufbesserungen - Vorteile
für Arbeitgeber, Arbeitnehmer und Verbraucher
(82 Zeilen)
Seite

12

NEUER INDUSTRIE-RÖNTGENFILM
(8 Zeilen)

* * * * *

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X. Jahrgang, Nr. 45/c

31. Oktober
INHALTSVERZEICHNIS

WIRTSCHAFTSREPORTAGE
WUNDER AUS MOLEKÜLEN (IV)
Von der Kunstseide zu den Chemiefasern
(98 Zeilen, 3 Bilder)

Seite

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
DIE VEREINIGTEN STAATEN UND DAS GATT
USA auf neue Zollsenkungsrunde vorbereitet
(74 Zeilen)
'

Seite

BUDGETDEFIZIT UND WIRTSCHAFTLICHE ENTWICKLUNG
Geringeres Defizit auf Grund der günstigen
Einnahaeentwicklung möglich
(64 Zeilen)

• Seite

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
FERNSEHTELESKOP FÜR HIMMELSAUFNAHMEN
(16 Zeilen)

Seite

NEUES ANTIBIOTIKUM GEGEN PFLANZENKRANKHEITEN
(10 Zeilen)

Seite

SOJABOHNE "SHELBY" VERSPRICHT PRODUKTIONSREKORDE
(5 Zeilen)

Seite

WELT DER ARBEIT
DIE ENTWICKLUNG VON LOHN, PRODUKTIVITÄT
UND BEZAHLTEM URLAUB IN DEN USA
Zwei Studien des Bundesamts für Arbeitsstatistik
- Lohnanstieg 2,9 Prozent, Produktivitätszuwachs
2,5 Prozent pro Jahr
(52 Zeilen)

Seite

*

* * * *

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X. J a h r g a n g , H r . 44/C

7 . November 1958
INHALTSVERZEICHNIS

WIRTSCHAFTSREPORTAGE
STROM AUS RADIOISOTOPEN
Reaktor-Rückstände a l s Kraftquelle
(86 Z e i l e n , 2 S c h a u b i l d e r )

Seite

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
ENTWICKLUNGS-ANLEIHEFONDS HAT SICH BEWAHRT
Seit Januar Anleihen in Höhe von 464 Mio
Dollar an Entwicklungsländer vergeben
(60 Zeilen)

Seite

BINNENKONJUNKTUR HAUPTANTRIEBSFEDER FÜR
WIRTSCHAFTLICHE ERHOLUNG IN DEN USA
Exporte hatten bisher keinen Einfluß Rückgang gegenüber 1957 um 18 Prozent
(80 Zeilen)

Seite

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
ERWEITERTE ISOTOPENANWENDUNG IN DER INDUSTRIE
Gemeinschaftsprogramm von US-Regierung und
Privatwirtschaft'
(JO Zeilen)

Seite

WELT DER ARBEIT
FRAUENARBEIT IN DEN USA GE.VINNT AN BEDEUTUNG
22 Mio weibliche Arbeitskräfte - Die meisten
gut bezahlten Stellen von 45-54jährigen bekleidet
(52 Zeilen)
Seite 11
* * * * *

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14. November 1958
INHALTSVERZEICHNIS

WIRTSCHAFTSREPORTAGE
MEHR AKTIONÄRE ALS ARBEITNEHMER
Die 100 größten US-Unternehmen demonstrieren
Wesen und Wirken des "Jedermannskapitalismus"
(120 Zeilen)

Seite

1

US-ANTITRUSTGESETZGEBUNG ZEITIGTE GÜNSTIGE
AUSWIRKUNGEN
Ergebnisse einer Studie - Sicherung der Gleichheit der Chancen und fairer Geschäftsbedingungen
(86 Zeilen)

Seite

6

AUSSICHTEN FÜR DAS JAHR 1959 SIND GUT
Allgemein stetige Aufwärtsentwicklung vorausgesagt Preise und Lebenshaltungskosten dürften weiterhin
stabil bleiben (70 Zeilen)

Seite

9

Seite

12

AUTOMATISCHE BLINDLANDUNG MIT 10OPR0ZENTIGER SICHERHEIT
(16 Zeilen)
" Seite

13

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
NEUES VERFAHREN ZUR GASGEWINNUNG AUS ÖLSCHIEFER
(16 Zeilen)

WELT DER ARBEIT
JÄHRLICH 26 MILLIARDEN DOLLAR FÜR FREIWILLIGE
SOZIALLEISTUNGEN
(24 Zeilen)

Seite

14

DIE STREIKGELDER DER US-GEWERKSCHAFTEN
(18 Zeilen)

Seite

15

FAST 210 000 PERSONEN ERHIELTEN 1957/58 ZUWENDUNGEN
AUS DEM PEKSIONSFQNDS DER UMW-GEWERKSCHAFT
(18 Zeilen)

Seite

15

* * x * *

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21 . November 1958
INHALTSVERZEICHNIS

WIRTSCHAFTSREPORTAGE
WASHINGTON ERHÄLT EINEN NEUEN DÜSENFLUGPLATZ
Vollkommen neuer Platz - Baukosten 100 Millionen
Dollar - Inbetriebnahme 1961
(48 Zeilen, 1 Schaubild)

Seite

1;

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
FÜNF-PUNKTE- PROGRAMM FÜR EINE INTERNATIONALE
WIRTSCHAFTLICHE ZUSAMMENARBEIT
Die Vorschläge Präsident Eisenhowers auf der
Ministerratstagung der Colomboplanstaaten
(76 Zeilen)

Seite

EIGEN-ERSATZKAPITAL FÜR KLEIN- UND MITTELBETRIEBE
Gedanken zum "Small Business Investment Act"
(84 Zeilen)

Seite

AUS WISSENSCHAFT -UND TECHNIK
NEUE ALUMINIUMLEGIERUNG ALS SCHUTZHÜLSE FÜR
BRENNSTOFFELEMENTE
(24 Zeilen)

Seite

WELT DER ARBEIT
16 MILLIONEN DOLLAR FÜR VERBESSERUNGSVORSCHLÄGE
(20 Zeilen)

Seite

10

GEWERKSCHAFTS- UND ARBEITGEBERVERTRETER
FORDERN LEHRLINGSWOCHE
(14 Zeilen)

Seite

11

ERSTES HALBJAHR 1958: NIEDRIGSTER STREIKSTAND
DER NACHKRIEGSZEIT
(9 Zeilen)

Seite

11,

* * * * *

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28. November

1958

INHALTSVERZEICHNIS

WIRTSCHAFTSREPORTAGE
DER VERBRAUCHERSCHUTZ IN DEN VEREINIGTEN STAATEN (i)
Die Nahrungsmittel- und Drogenschutzgesetze
(120 Zeilen)
Seite

1

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
DIE ANSTRENGUNGEN DER USA AUF DEM GEBIET DER
INTERNATIONALEN WIRTSCHAFT
Dulles1 Konzept einer internationalen Wirtschaftspolitik - Schaffung einer Weltgemeinschaft
unerläßlich
(72 Zeilen)

Seite

6

Seite

9

Seite

11

Seite

12

Seite

15

Seite

14

US-AUSSENWIRTSCHAFTSPOLITIK AUS DER PERSPEKTIVE
DER PRIVATWIRTSCHAFT
Meinungen und Ansichten auf der 45» Jahrestagung
des "National Foreign Trade Council"
(62 Zeilen)
AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
NEUE METHODE ZUR FRÜHZEITIGEN LOKALISIERUNG
EINES HURRIKANS
(24 Zeilen)
1500 ASBESTFASERN DÜNNER ALS EIN MENSCHENHAAR
(14 Zeilen)
WELT DER ARBEIT
NEUES EINSTELLUNGSSYSTEM FÜR HAFENARBEITER
($2 Zeilen)
ZWEI NEU-ERNENNUNGEN IM US-ARBEITSMINISTERIUM
(18 Zeilen)

* * * * *

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5. Dezember

1958

INHALTSVERZEICHNIS

WIRTSCHAFTSREPORTAGE
DER YERBRAUCHERSCHUTZ IN DEN VEREINIGTEN STAATEN (il)
Die Antitrustgesetzgebung und ihr Einfluß auf die
Wirtschaftsstruktur
(120 Zeilen)
Seite
STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
AMERIKAS WIRTSCHAFTLICHE VORMACHTSTELLUNG
NICHT BEDROHT
US-Bericht über die Sowjetwirtschaft - Unterschied
zwischen Verbrauchs- und investitionsorientiertem
Wirtschaftssystem (90 Zeilen)
NUN AUCH AUFSCHWUNG IN DEN US-INVESTITIONSGÜTERINDUSTRIEN
25prozentige Auftragszunahme im Maschinenbau Kontinuierlicher Aufwärtstrend vorausgesagt
(75 Zeilen)
AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
NEUES INSTRUMENT ZUR ERFORSCHUNG DER ERDSTRUKTUR
(22 Zeilen)
WASSER-ENTSALZUNGSANLAGE HILFT KOSTEN SPAREN
(18 Zeilen)
WELT DER ARBEIT
STÄNDIG STEIGENDER LEBENSSTANDARD
Ergebnisse einer Untersuchung in US-Unternehmen
Mehr materieller Wohlstand, aber auch größeres
Interesse an öffentlichen und ku-lturellen Angelegenheiten (64 Zeilen)

* *- * * *

Seite

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11

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12 . Dezember 1958
INHALTSVERZEICHNIS

WIRTSCHAFTSREPORTAGE
DER VERBRAUCHERSCHUTZ IN DEN VEREINIGTEN
STAATEN (III)
Die Gesetze zur Verhinderung des Mißbrauchs
von Rauschgiften - Die Aufgaben des USBundesamtes für Normen
(98 Zeilen)

Seite

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
LETZTE REZESSION VERMITTELTE NEUE WIRTSCHAFTSWISSENSCHAFTLICHE ERKENNTNISSE
Amerikas Wirtschaftswissenschaftler analysierten
Ablauf der konjunkturellen Entwicklung im
vergangenen Jahr
(78 Zeilen)
Seite
MIT ZUNEHMENDEN VERBRAUCHERAUSGABEN ZU RECHNEN
Jüngste Verbraucheranalyse deutet auf höhere
Ausgaben, aber nicht auf Ausgabenboom hin
(68 Zeilen)

Seite

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
ELEKTRONENHIRN FÜR SEENOTDIENST EINGESETZT
(15 Zeilen)

Seite

10

ZELLULOSEBILDUNG MIT RADIOAKTIVEM KOHLENSTOFF
UNTERSUCHT
(14 Zeilen)

Seite

10

Seite

11.

Seite

12

WELT DER ARBEIT
GEWERKSCHAFT MUSS ANDERE ARBEITNEHMER ÜBER
STREIKGRÜNDE INFORMIEREN
(24 Zeilen)
10 000-DOLLAR-PRÄMIE FÜR VERBESSERUNGSVORSCHLAG
(22 Zeilen)
WAHL VON SPITZENFUNKTIONÄREN UND GEHÄLTER
VON GEWERKSCHAFTSFÜHRERN

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50/C

19. Dezember 1958
INHALTSVERZEICHNIS

WIRTSCHAFTSREPORTAGE
DER VERBRAUCHERSCHUTZ IN DEN VEREINIGTEN STAATEN (IV)
Schutz von Spareinlagen und Hypotheken
(130 Zeilen)

Seite

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
AUSSENHANDELSBILANZ 1958
Starker Rückgang der Exporte bei behaupteten
Importen - Erhöhung der Gold- und Dollarreserven
der anderen Länder um rund 3»5 Mrd. Dollar
(88 Zeilen)

Seite

INVESTITIONEN FOLGEN DEFINITIV DEM'AUFWARTSTREND
Jahresrate im IV. Quartal 1958 rund 29,9 Mrd.
Dollar - Anstieg im I. Vierteljahr 1959 a u f
30,5 Mrd. Dollar erwartet
(46 Zeilen)
AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
NEUES FRISCHHALTEVERFAHREN FÜR SEEFISCHE
(19 Zeilen)
"THERMALINE"
EINZELRAUM
(14 Zeilen)

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11

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14

Seite

15

DIE KLIMAANLAGE FÜR DEN

WELT DER ARBEIT
MITCHELL WILL "FAIR LABOR STANDARDS ACT"
VERBESSERN
(32 Zeilen)
"UMW"-GEWERKSCHAFT SCHLOSS NEUEN TARIFVERTRAG
(20 Zeilen)
AUCH "STUDEBAKER-PACKARD" SCHLOSS NUN NEUEN
VERTRAG MIT "UAW"-GEWERKSCHAFT
(30 Zeilen)
ZUR BEACHTUNG:

Seite

Unsere nächste Ausgabe WIRTSCHAFT
UND ARBEIT erscheint am 9. Januar 1959
* * * # *

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IX. Jahrgang, Nr. 1/Y

Für die Jugend
Januar

1958

INHALTSVERZEICHNIS

ARTIKEL
AUS SEM KULTURELLEN LEBEN AMERIKAS (l)
Emily Dickinson, die dichtende Jungfer mit
dem strengen, wilden Herzen wurde zum Vorläufer der modernen Lyrik
(90 Zeilen, 1 Bild)

Seite

BABYSITTER STARK GEFRAGT
Ein Nebenberuf wird zum Milliardengeschäft
(45 Zeilen, 1 Bild)

Seite

DER AMERIKANISCHE TEENAGER
Der amerikanische Jugendliche unter
20 Jahren und was ihn beschäftigt
(54 Zeilen, 4 Bilder)

Seite

DAS SCHWARZE BRETT
NOTIZEN VON DRÜBEN UND HÜBEN
(45 Zeilen)

* * * * *

Seite

1

10

�AM K K I K A D I L N S T
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IX. Jahrgang. Nr. 2/Y

F Ü T CÜC J u S C I l C t

Februar

1958

INHALTSVERZEICHNIS
MEILENSTEINE IN DER GESCHICHTE DER USA
Abraham Lincoln (zum Geburtstag des 16. Präsidenten
der USA am 12. Februar)
George Washington (zum Geburtstag des 1. Präsidenten
der USA am 22. Februar, der in
Amerika als Nationalfeiertag
begangen wird)
(128 Zeilen, 2 Bilder)
Seite

1

ÜBER DEN STUFEN DES KAPITOLS
Wo die amerikanischen Gesetze entstehen
(80 Zeilen, 3 Bilder)

Seite

6

TEILE DEINE GEBURTSTAGSGESCHENKE
Die Freundschaft unserer Kinder sichert
den Frieden von Morgen
(30 Zeilen, 1 Bild)

Seite

9

Seite

11

IMMER EINE FREUDE

Seite

12

FÜNFZIG JAHRE HOLLYWOOD

Seite

12

"GULLIVERS REISEN" WERDEN VERFILMT

Seite

13

EINE FRAU AM RADIOTELESKOP

Seite

13

DIEBSTAHL VON STAATSEIGENTUM EIN
KAPITALVERBRECHEN
(69 Zeilen)

Seite

13

DAS SCHWARZE BRETT
WIE ENTSTEHEN SCHNEEFLOCKEN?
KÜNSTLICHE NIEDERSCHLÄGE - NICHT

* * * * *

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Für die Jugend

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IX. Jahrgang, Nr.

3/Y

März 1958

INHALTSVERZEICHNIS

ARTIKEL

AUS DEM KULTURELLEN LEBEN AMERIKAS (il)
Der Mensch in Auflehnung gegen ein blindes
Schicksal - Das Tragische in Herman Melvilles
Werk und Leben
(86 Zeilen, 3 Bilder)

Seite

DIE
Die
Von
(60

Seite

BESTEN AMERIKANISCHEN FILME VON 1957
Filmindustrie umwirbt das Publikum
Norman Smith
Zeilen)

ERDSATELLITEN ENTHÜLLEN GEHEIMNISSE DER IONOSPHÄRE
Wissenschaftliche "Überraschungen" durch EXPLORER
(94 Zeilen, 2 Bilder)

Seite

DAS SCHWARZE BRETT
WUSSTEIT IHR DAS.
(24 Z e i l e n )

Seite

#

*

*

*

*

1.0

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IX. J a h r g a n g . N r . 4/Y

Für die Jugend
April 1958

INHALTSVERZEICHNIS
AUS DEM KULTURELLEN LEBEN AMERIKAS (ill)
Robert Frost - ein Dichter des Alltags
Zum 84- Geburtstag des Nestors der
amerikanischen Lyriker
(98 Zeilen, 1 Bild)

Seite

LAND UND LEUTE
Osterbräuche in den Vereinigten Staaten
(65 Zeilen, 2 Bilder)

Seite

DIE BRÜSSELER WELTAUSSTELLUNG
Ein Gang durch den Pavillon der Vereinigten Staaten
(90 Zeilen, 1 Bild)

Seite

DAS INTERNATIONALE JUGENDFORUM IN NEW YORK
"Die Welt, die wir erstreben"
(38 Zeilen)

Seite

»
11

DAS SCHWARZE BRETT
Kinder
adoptieren Großeltern
Kinder aflopl
(15 Zeilen)

Seite

12

Seite

13

Hundert Millionen selbstgeschneiderte
Kleidungss tücke
(10 Zeilen)
* * * * * * *

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IX. J a h r g a n g . Nr. 5/Y

Für die Jugend
Mai 1958

INHALTSVERZEICHNIS

AUS DEM KULTURELLEN LEBEN AMERIKAS (IV)
über den Jordan und ins Paradies
Die Spirituals der amerikanischen Neger
(64 Zeilen, 3 Bilder)

Seite

1

Seite

4

Seite

6

DIE WELT. DIE WIR ERSTREBEN
Das 12. Jugendforum der "New York
Herald Tribüne"
(60 Zeilen, 1 Bild)
VIEHZUCHT UND FUTTERKUNDE
I

I

!

I

Die Lieblingsfächer der Cecilia Marks
aus Louisiana
(36 Zeilen, 1 Bild)

DAS SCHWARZE BRETT
Amerikanische Filme auf der Weltausstellung
(14 Zeilen)

Seite

Unser Freund, das Atom - ein neuer
Dokumentarfilm
(4 Zeilen)

Seite

8

Was lesen die Amerikaner zur Zeit?
(15 Zeilen)

Seite

9

Amerikanische Geschichte in Wachs
(7 Zeilen)

Seite

9

Neuer Schallplattenjockei für "Music USA"
(9 Zeilen, 1 Bild)

Seite

10

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IX. J a h r g a n g , N r . 6/Y

Für die Jugend
Juni 1958

INHALTSVERZEICHNIS

DAS INTERNATIONALE GEOPHYSIKALISCHE JAHR
WINTER AM SÜDPOL
Wissenschaftliche Arbeit unter Strapazen
und Entbehrungen
(120 Zeilen, 3 Bilder)

Seite

1,

Seite

6

Seite

8

Der Büchermarkt Amerikas im Jahre 1957
(10 Zeilen)

Seite

10

Mehr Museumsbesuche als Baseballbegeisterte
(11, Zeilen)

Seite

U

Welturaufführung einer Menottioper in Brüssel
(6 Zeilen)

Seite

11

Erfolgreiches "Sonnenaufgangs"-Semester
(9 Zeilen)

Seite

12

ASTRONOMIE
ZEHN JAHRE RIESENAUGE AUF DEM MOUNT PALOMAR
Die Erfindung eines deutschen Optikers ermöglicht die Konstruktion des größten Teleskops der Welt
(65 Zeilen, 2 Bilder)
FARMJUGEND
JUGEND ZWISCHEN FARM UND FELDERN - DIE
A-E CLUBS
(46 Zeilen, 1 Bild)
DAS SCHWARZE BRETT

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IX. J a h r g a n g . Nr.

Für die Jugend
Juli

7/Y

1958

INHALTSVERZEICHNIS

MEILENSTEINE IN DER GESCHICKTE DER USA
STATIONEN AUF DEM 7/EGE ZUR DEMOKRATIE
Zum amerikanischen Unabhängigkeitstag
am 4« Juli
(85 Zeilen, 5 Bilder)

Seite 1

ZUM INTERNATIONALEN GEOPHYSIKALISCHEN JAHR
UTOPIE '.VIRD '.7IRKLICHKEIT
Flug zum Mond technisch bereits möglich
(98 Zeilen, 2 Bilder)

Seite

5

DAS PORTRAT
IRVING BERLIN - EIN AMERIKANISCHES EPOS
Er komponiert nur in Fis-Dur und kann nicht
Noten lesen
(58 Zeilen, 1 Bild)

Seite

9

DAS SCHWÄRZE BRETT
MIT 82 JAHREN AUF DER SCHULBANK
(16 Zeilen)

Seite

11

Seite

12

WUSSTET IHR SCHON?
(26 Zeilen)

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IX. Jahrgang. Nr. 8/Y

Für die Jugend
August 1958

INHALTSVERZEICHNIS

ARTIKEL
ALASKA - DER 49. STERN IN DER AMERIKANISCHEN
FLAGGE
Das "Große Land" im Norden der Vereinigten
Staaten
(156 Zeilen, 5 Bilder)

Seite

1

WUNDER DER WISSENSCHAFT AUF DER BRÜSSELER
WELTAUSSTELLUNG
Bunte Schneeflocken, künstliche Diamanten
und ein gummiweiches Metall
(120 Zeilen)

Seite

5

TEENAGER BRAUCHEN IMMER GELD
Nebenbeschäftigung für Jugendliche
(82 Zeilen)

Seite

10

Seite

13

DAS SCHWARZE BRETT
Europäer wählen Lincoln
(6 Zeilen)
Verständnis für zeitgenössische Kunst
(9 Zeilen)
Lateinisch-amerikanischer Plautus
(9 Zeilen)

Seite

13

Seite

1

Orientalistik gefragt
(9 Zeilen)

Seite

14

Hausfrauen springen für Lehrer ein
(10 Zeilen)

Seite

14

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Für die Jugend
September 1958

IX. Jahrgang, Nr. 9/Y
INHALTSVERZEICHNIS
ARTIKEL
KONZERTE, DISKUSSIONSFCREN UND EINE
INTERNATIONALE BAND
Rückblick auf das Newport Jazz Festival 1958
Von Norman Smith
(60 Zeilen, 1 Bilc.

Seite

1

GRANDMA MOSES
Eine Sonntagsmalerin von 98 Jahren
(64 Zeilen, 2 Bilder)

Seite

3

JUNGE FORSCHERTALENTE STELLEN SICH VOR
"Science Shows" als wirksames Mittel der
Begabtenförderung
(66 Zeilen, 3 Bilder)

Seite

6

DAS SCHWARZE BRETT
165 Jahre Kapitol in Washington
(16 Zeilen, 1 Bild)

Seite

Vor hundert Jahren« Erste Postkutschenverbindung
Kutschenvorbindung St. Louis-San Francisco
(6 Zeilen, 1 Bild)

Seite

10

Gershwin wäre sechzig Jahre alt
(15 Zeilen, 1 Bild)

Seite

10

Universität von Südkalifornien vergibt
Doktortitel für Filmkunst
(20 Zeilen)

Seite

11

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Für die Jugend

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Oktober 1958

IX. Jahrgang. Nr. 1 Q/Y
INHALTSVERZEICHNIS

AUS DEM KULTURELLEN LEBEN AMERIKAS (v)
• 75 JAHRE "MET"
Glorreiche Operntradition zwischen Wolkenkratzern
(60 Zeilen, 1 Bild)

Seite 1

1850 MEILEN TAUCHFAHRT UNTER DEM POLAREIS
Die große Pionierfahrt der USS Nautilus
(120 Zeilen, 5 Bilder)

Seite

4

VIER MILLIONEN ALIERIKANIS CHE MÄDCHEN SCHNEIDERN SELBST
(12 Zeilen)

Seite

9

DAS SCHWARZE BRETT
DENKWÜRDIGE DATEN
TT)Germantown
(20 Zeilen)

Seite 10

(2) Fragen Sie Herrn Webster
(16 Zeilen, 1 Bild)

Seite 11

(3) Theodore-Roosevelt-Gedenkjähr
(16 Zeilen)

Seite 12

(4) 51. Oktober, Halloween - Nacht der
Hexen und Geister
(35 Zeilen)

Seite 12

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Für die Jugend
November

IX. Jahrgang. Nr. 11/Y

1958

INHALTSVERZEICHNIS
MEILENSTEINE IN DER ALIERIKANISCHEN GESCHICHTE
THANKSGIVING - DER AN TRADITION REICHSTE
FESTTAG AMERIKAS
Zum 27« November 1958
(78 Zeilen, 2 Bilder)

Seite

1

KREUZ UND QUER DURCH DIE USA
MASSACHUSETTS - KEIMZELLE DER USA
Glückliche Synthese von Vergangenheit
und Gegenwart
(100 Zeilen, 4 Bilder)

Seite

4

ZUM INTERNATIONALEN GEOPHYSIKALISCHEN JAHR
DAVID MORRISON - EIN JUNIOR DER WISSENSCHAFT
Beobachtung der Sonnenfinsternis im Pazifik
(75 Zeilen, 2 Bilder)

Seite

8

DAS SCHWARZE BRETT
KINDER ILLUSTRIEREN "ANDERSONS MÄRCHEN1
(5 Zeilen)

Seite

11

DISNEY STÖSST IN "WEISSE WILDNIS" VOR
(5 Zeilen)

Seite

11

UNICEF-BUCH ÜBER KINDER IN ALLER WELT
(12 Zeilen)

Seite

11

DER COWBOY BEKOMMT EIN DENKMAL
(7 Zeilen)

Seite

12

KATHOLISCHE KNABENSCHULE IN DER
JÜDISCHEN GEMEINDE
(9 Zeilen)

Seite , 12

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IX. Jahrgang. Nr. 12/Y

Für die Jugend
Dezember

1958

INHALTSVERZEICHNIS
ARTIKEL
"PUTZ" HEISST "KRIPPE"
Weihnachten im amerikanischen Bethlehem
(60 Zeilen, 2 Bilder)

Seite

1

AUS DER ARBEIT EINES AMERIKANISCHEN
JUGKND-ROT-KREUZ-KLUBS
Weihnachtsfest für Ungarnflüchtlinge
(40 Zeilen, 1 Bild)

Seite

4

SCHULE AM RANDE DER WÜSTE
Das Leben auf einer Ranchschule in Arizona
(54 Zeilen, 1 Bild)

Seite

6

DAS SCHWARZE BRETT
Eine Schule reist um die Welt
(9 Zeilen)

Seite

Weihnachtssingen mit Bing Crosby
(8 Zeilen)

Seite

Flugschüler der Brüder Wright gründet
Luftfahrthistorisches Museum auf Long Island
(8 Zeilen)

Seite

Alte Indianersiedlungen in Colorado werden
freigelegt
(8 Zeilen)

Seite

Kinder senden für Kinder
(12 Zeilen)

Seite

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                <text>Sonderbeilagen 1958</text>
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                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
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                <text>&lt;p&gt;&lt;strong&gt;3. I. &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Rückschau und Ausblick 1957/58&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 15. I. &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Eisenhower über die Lage der Nation&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Präsident Eisenhower antwortet Bulganin&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Amerika und seine Führungsrolle in der Technik&lt;br /&gt;Wortlaut einer Rede von James R. Killian&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;W 15. I.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Eisenhower legt neuen US-Haushalt vor&lt;br /&gt;Auszüge aus der Budget-Kongressbotschaft&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 22. I.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;John Forster Dulles: Gipfelkonferenz nur bei wirklicher Aussicht auf Erfolg&lt;br /&gt;Wortlaut der Rede vor dem amerikanischen Presseklub in Washington&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;W 22. I.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Eisenhower unterbreitet Kongress Wirtschaftsbericht&lt;br /&gt;1. Text des Begleitschreibens&lt;br /&gt;2. Auszüge aus dem Wirtschaftsbericht&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 29. I.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Forschungsergebnisse auf dem Gebiet der Kernverschmelzung&amp;nbsp;&lt;br /&gt;Wortlaut der Erklärung von Lewis L. Strauss&amp;nbsp;&lt;br /&gt;Vorsitzender der amerikanischen AEC&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die amerikanischen Forschungsarbeiten auf dem Gebiet der kontrollierten Kernverschmelzungsprozesse&lt;br /&gt;Hintergrundmaterial, vorgelegt von Dr. Arthur E. Ruark, Leiter der Forschungsabteilung der AEC für Kontrollierte Kernverschmelzungsprozesse&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ziel der USA: Aufrechterhaltung der nationalen Unabhängigkeit der Völker im mittleren Osten&lt;br /&gt;Wortlaut einer Rede von John Forster Dulles vor der Bagdadpakt-Konferenz&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 5. II.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Das amerikanisch-sowjetische Abkommen über den kulturellen Austausch&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 12. II.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Der Griff nach den Sternen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;W 12. II.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Zivilluftfahrt in den Vereinigten Staaten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 19. II.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wortlaut des Antwortschreibens Präsident Eisenhowers an Ministerpräsident Bulganin&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;W 26. II.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Eisenhower tritt für Stärkung des gemeinsamen Sicherheitsprogrammes der USA ein&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;W 26. II.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Eisenhower unterbreitet Auslandshilfeprogramm&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 28. III.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Brücken der Verständigung&lt;br /&gt;Die Rolle amerikanischer Stiftungen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;W 28. III.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Atompolitik im Zeitalter der Raumfahrt&amp;nbsp;&lt;br /&gt;Auszug einer Rede, die Robert M. McKinney in Chicago gehalten hat&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 3. IV.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Einführung in die Probleme und Möglichkeiten der Raumfahrt&lt;br /&gt;Auf Veranlassung Dwight D. Eisenhowers verfasst und herausgegeben vom Wissenschaftlichen Beirat des US-Präsidenten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;W 3. IV.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Außenminister Dulles fordert Verlängerung des Gesetzes über gegenseitige Handelsabkommen&lt;br /&gt;Wortlaut einer Rede, die US-Außenminister Dulles am 27. März 1958 in Washington gehalten hat&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 11. IV.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Abrüstung - ein amerikanisches Anliegen&lt;br /&gt;(Hintergrundmaterial)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 25. IV.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Gründe der USA für die vorläufige Fortsetzung der Kernwaffenversuche&lt;br /&gt;Auszüge aus einer Erklärung des Vorsitzenden der amerikanischen Atomenergie-Kommission, Admiral Lewis L. Strauss, vom 17.IV.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 2.V.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Eisenhower antwortet Chruschtschow&amp;nbsp;&lt;br /&gt;Wortlaut des Antwortschreibens&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;W 2.V.&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Gemeinsame Sicherheit und Welthandel&lt;br /&gt;Wortlaut einer Rede des stellvertretenden Staatssekretärs für Wirtschaftsfragen im US-Außenministerium, C. Douglas Dillon&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die OEEC und der wirtschaftliche Fortschritt in Westeuropa&lt;br /&gt;Wortlaut der Rede des Staatssekretärs im US-Außenministerium, Christian A. Herter, anlässlich der Feierlichkeiten zum zehnjährigen Bestehen des europäischen Wirtschaftsrates&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 9. V.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Sicherheitsmaßnahmen der USA für die Kernwaffenversuche im Pazifik&lt;br /&gt;Wortlaut der Verlautbarung der US-Atomenergie-kommission und des US-Verteidigungsministeriums&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Lodge erläutert amerikanischen Inspektionsplan für die Arktis&amp;nbsp;&lt;br /&gt;Wortlaut der Erklärung des US-Chefdelegierten bei den Vereinten Nationen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 9. V.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;John Forster Dulles umreißt amerikanische Außenpolitik&lt;br /&gt;Wortlaut einer Rede vor dem Institut für Atomenergiewirtschaft der Universität New Hampshire&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA: Rapaki-Plan nicht umfassend genug&lt;br /&gt;Wortlaut der US-Note an Polen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;W 9. V.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Probleme der Entwicklung und Stabilität der Wirtschaft&lt;br /&gt;Rede des Wirtschaftsberaters des US-Präsidenten, Dr. Gabriel Hauge, vor der deutschen Gruppe der internationalen Handelskammer in Berlin&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;W 23. V.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;US-Auslandshilfe eine Investition für den Aufbau einer friedlichen Welt&lt;br /&gt;Wortlaut einer Rede des US-Chefdelegierten bei den Vereinten Nationen, Henry Cabot Lodge&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 30. V.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Eisenhower schlägt Sachverständigen-Besprechung in Genf vor&lt;br /&gt;Wortlaut des Schreibens Präsident Eisenhowers an den sowjetischen Ministerpräsidenten Chruschtschow, überreicht an Moskau&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 13. VI.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Eisenhower: Die höchste Aufgabe des Offiziers ist die Verhinderung des Krieges&lt;br /&gt;Wortlaut-Auszüge aus der Ansprache Präsident Eisenhowers vor den Absolventen der US-Marineakademie in Annapolis (Maryland)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 27. VI.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA veröffentlichen Dokumente zu den vorbereitenden Besprechungen für eine Gipfelkonferenz (16. Juni 1958) vom 04.06.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;1. Wortlaut des westlichen Memorandums vom 28.05&lt;br /&gt;2. Wortlaut des westlichen Aide Memoire vom 28.05&lt;br /&gt;3. Vorschlag zur Überprüfung der einzelnen Punkte zur Tagesordnung, der der UdSSR am 31.05 zugestellt worden ist&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 4. VII.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Herbert Hoover, ehemaliger Präsident der Vereinigten Staaten, spricht am 4. Juli in Brüssel: Über die amerikanischen Ideale&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 11. VII.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Murphy: USA jederzeit zu Verhandlungen bereit&lt;br /&gt;Wortlaut einer Rede des stellvertretenden Staatssekretärs im US-Außenministerium&amp;nbsp;&lt;br /&gt;Robert Murphy vom 1. Juli in Hamilton (New York)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 11. VII.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Eisenhower ersucht Kongress um gesetzliche Regelung der Befugnisse des Außenministers bezüglich der Beschränkung von Reisepässen&lt;br /&gt;Wortlaut der Botschaft vom 07.07.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 25. VII.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Eisenhower gibt Entsendung amerikanischer Truppen nach dem Libanon bekannt&lt;br /&gt;Wortlaut der Erklärung&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Lodge informiert Vereinte Nationen über amerikanische Truppenlandung im Libanon&lt;br /&gt;Wortlaut der Erklärung&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Rundfunk und Fernsehansprache Präsident Eisenhowers über die Lage im nahen Osten&lt;br /&gt;Wortlaut&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Eisenhower begründet den amerikanischen Schritt in nah Ost vor dem Kongress&lt;br /&gt;Wortlaut der Botschaft&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;US-Außenministerium gibt Einzelheiten der Infiltration im Libanon bekannt&lt;br /&gt;Wortlaut des Berichts&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;UN-Ausschuss fordert Wiederherstellung der Menschenrechte in Ungarn&lt;br /&gt;Wortlaut des Berichts&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 1. VIII.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Dulles: Entwicklungen in Nahost unterstreichen Notwendigkeit der Auslandshilfe&lt;br /&gt;Wortlaut der Erklärung vom 18.07.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Briefwechsel zur Frage einer Gipfelkonferenz über die Situation im nahen Osten&lt;br /&gt;Antwortschreiben Präsident Eisenhowers vom 22.07.58 auf das Schreiben Ministerpräsident Chruschtschows vom 19.07.58&lt;br /&gt;Beide Schreiben im Wortlaut&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Zusammenarbeit zwischen Euratom und USA&lt;br /&gt;Wortlaut einer Erklärung von C. Douglas Dillon&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&#13;
&lt;p&gt;US-Außenminister ersucht Kongress um Befugnis zur Verminderung von Auslandsreisen amerik. Kommunisten&amp;nbsp;&lt;br /&gt;Wortlaut einer Erklärung von Robert D. Murphy&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 8. VIII.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Eisenhower schlägt Sicherheitsratsitzung für 12. August vor&lt;br /&gt;Wortlaut des Schreibens&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 8. VIII.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Atome für den Frieden&lt;br /&gt;Ausstellungs und Filmprogramm für die II. Genfer Atomkonferenz&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 15. VIII.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wortlaut der Rede Präsident Eisenhowers vor der UN-Vollversammlung&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA veröffentlichen Memorandum über Chinapolitik&lt;br /&gt;Wortlaut des vom US-Außenministerium herausgegebenen Memorandums&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 22 VIII.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;John Forster Dulles: Frieden nur durch Recht und Gerechtigkeit&lt;br /&gt;Wortlaut einer Ansprache vor der Jahrestagung des Kriegsteilnehmerverbandes&lt;br /&gt;"Veterans of Foreign Wars of the US" in New York&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 29. VIII.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Eisenhower schlägt Einstellung der Kernwaffenversuche vor&lt;br /&gt;Wortlaut der Erklärung vom 22.08.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Konferenz der Atomsachverständigen in Genf beendet&lt;br /&gt;1. Wortlaut des Kommuniqués&lt;br /&gt;2. Wortlaut einer Erklärung von Dr. James Brown Fisk, Leiter der westlichen Expertengruppe&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;John Forster Dulles: Sicherheit der kleinen Nationen muss gewährt werden&lt;br /&gt;Wortlaut der Rede zum arabischen Kompromissvorschlag vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 5. IX.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Atomsachverständige veröffentlichen Bericht&lt;br /&gt;Erläuterungen der US-Regierung zu dem Bericht, als Ergebnis ihrer Genfer Besprechungen am 30.08. veröffentlicht haben&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 19. IX.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Eisenhower unterstreicht feste Haltung der USA in der Fernostkrise&lt;br /&gt;Wortlaut der Rede des US-Präsidenten vom 11.09.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Präsident Eisenhower antwortet Chruschtschow&lt;br /&gt;Wortlaut des Schreibens vom 13.09.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 26. IX.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Dulles umreißt Außenpolitik der USA vor der UN-Vollversammlung in New York&lt;br /&gt;Wortlaut des Schreibens vom 13.09.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 3. X.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Dulles umreißt Fernostpolitik der USA&lt;br /&gt;Wortlaut der Rede vor dem Fernost-Amerikarat für Handel und Industrie in New York&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 3. X.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Formosakrise berührt die Grundprinzipien der NATO&lt;br /&gt;Wortlaut der Rede des US-Außenministers John Forster Dulles vor der Atlantikpakt-Gesellschaft in Boston&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 10. X.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Eisenhower umreißt Ziele der amerikanischen Fernostpolitik&amp;nbsp;&lt;br /&gt;Wortlaut des Antwortschreibens Präsident Eisenhowers an Senator Theodore Green, Vorsitzender des außenpolitischen Senats-Ausschusses vom 04.10.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 17. X.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Lodge umreißt US-Einstellung zur Abrüstungsfrage&amp;nbsp;&lt;br /&gt;Wortlaut einer Rede des US-Chefdelegierten bei den Vereinten Nationen vom 10.10.58 vor dem Ersten Politischen Ausschuss der UN-Vollversammlung in New York&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 12. XII.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Dulles umreißt US-Außenpolitik&amp;nbsp;&lt;br /&gt;Wortlaut einer Rede des US-Außenministers, gehalten vor der Handelskammer in Kalifornien in San Francisco am 04.12.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 19. XII.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Das internationale geophysikalische Jahr 1957/58&lt;br /&gt;Die Wissenschaft machte Inventur&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 22. XII.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA-Memorandum zu Berlin&lt;br /&gt;Wortlaut des vom US-Ministerium veröffentlichten Memorandums über die rechtlichen Aspekte der Berlinfrage&lt;/p&gt;</text>
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• Sondertet lagen i960

8.

X«

Praeaident Eissnhoweri Betschaft ueber dl« Lagt dar Nation
Wortlaut dar dam US-Kongresa aa 7* Jan. i960 in Washington
unterbreiteten Boteohaft.

w 22.

I.

Eisenhowar lagt neuen US-Haushalt vor

1

22,

I.

Eisenhower lagt Wirtsohaftaberloht vor

V 19.

IX.

Eisenhowar unterbreitet Koagrees Aualandshilfeprogramm

A 26.

II.

Herten Amerikanisches Streben nach kontrollierter Abruostung

A 26.

II.

Risenhowen Gerechter Friede nur im Schutse militaerisoher
Staerke aa erhoffen

A

18,

XII.

Westmaechte veroeffentliehen gemeinsamen Abruestungsplan
US-Auseenminieteriuw veroeffentlichte aa 15* Haars i960
den Fuenf-Maechte-Arbeitsplan fuer Genf

A

8«

XV«

Herten Ziele der amerikanischen Auseenpolitik
Wortlaut der Bede des US-Aus^enoinistors vom 4.April i960
auf der in Chicago tagenden Jahresversammlung dss Rundfunk»
Verbandes der USA

A

15.

IT.

Abruestung-aber wie?
Die Vorschlaege des Westens und des Sowjetblocks
im vergleichenden TJeberblick

A

29«

IT.

Mllon: Die amerikanische Auseenpolitik von heute
Wortlaut der Ansprache das eteilvertretenden US-Auesenninisters
C. Douglas Dillen vom 20.Apr.i960 vor der AFL-CIO-Konfsrens
in New York

A

6.

7.

Weltraaa - Neuland der praktischen Forschung
Ergebnisse des slvilen Weltraunprograaas der Vereinigten Staaten

A

3.

Tl.

Eisenhowari Ziel der W3A weiterhin Frieden und Gerechtigkeit
Wortlaut der Rundfunk- und Fernsehansprache voa 25« Wai i960

A

3.

FI,

u

A

5.

FI*

erter» Wortlaut der Auefuehrungen de« US-Aussenrainiuters
vor dem ausaenpclltischen Ausschuss des aaerikanischen Senats
aa 2?« M*i i960
Praeeldentschaftswahlen in den USA
Fragen und Antworten su Wahlrecht, Wahlverfahren und politischer
Tradition der USA

�A

1«

VII,

Ostblock "brach G*»ufer Abrüstungsverhandlungen ab«
1* Wortlaut der Krklaerung des aaerikaniechen Chefdelegierten
Frederiok 11« Eaton voa 27« Juni 19^0
2« Wortlaut de« Koasuniquds der Abruestungskonferens.
3« Wortlaut ä*r Erklasrung de« TO-Anssenminieteriuae,
4« der neue aaerlkanieehs Abrueetungsplan.
5« Chronologleone Zueaanenfaeeung der juengeten
Entwicklungen in Genf.

1

1«

VII«

Pra»eident Eieenhower berichtet «eher seine Fernoetrelee«
Wortlaut der Rundfunk- und Ferneehanapraehe de« aaerikanleohen
Praeaidenten roa ?7« Juni 19^0

A

29«

VII«

Trioden durch Abrueetung«
Der neue aaerlkanisohe ?oroehlag»

A

2»

IX«

Da« Goduldeaniel in Genf«
Seit 22 Sonaten Verhandlungen ueher Einstellung
von Atomversuchen»

A

?0«

IX«

Frieden und Gerechtigkeit fuer alle.
Wortlaut der ~ed« dosffS-PraesideiatenSisenhower -roa
22« Soptenber i960 vor dor 15« Vollvorsaaalung der
Vereinten Stationen in Her York.

W

2$«

XI«

Direktive Praeeidont Bleenhovers sur Verbesserung dor
aaarlkanlaßhen Sahlungebllans«
Wortlaut der Direktive dos tJS-Praesidenton voa 18« !fov« i960

W

2«

XII«

Praoeldent Eissnhovar su dem deutsoh*aaerikanisohen Finansverkandlungea*

�A M E R I K A

D I E N S T

Allg./8.1 .1960

PRÄSIDENT EI3ENH0WER: BOTSCHAFT ÜBER DIE LAGE DER NATION

WASHINGTON - (AD) - Nachstehend übermitteln
wir Ihnen den V/ortlaut der "Botschaft über
die Lage der Nation" (State of the Union
Message), in der er am 7« Januar 196O das
außen- und innenpolitische Programm seiner
Regierung für das kommende Jahr umriß.

Herr Senatspräsident, Herr Sprecher des Repräsentantenhauses,
Mitglieder des 86. Kongresses, meine Mitbürger

Vor sieben Jahren habe ich mein jetziges Amt mit einem Entschluß
übernommen, den ich seit langem hegte und der über allem anderen stand.
Ich war damals und bin noch heute entschlossen, die Vereinigten Staaten zu einer immer stärkeren Quelle der Kraft für die Sache des Friedens zu machen, in der Erkenntnis, daß es den Frieden nicht nur für
uns allein geben kann, sondern daß er für alle Völker der Welt da
sein muß. Diese Entschlossenheit wird von dem gesamten Kongreß, ja
von allen Amerikanern geteilt.
Ich beabsichtige, heute einige Grundzüge der Position Amerikas in
der Innenpolitik wie auch in seinen auswärtigen Beziehungen zu erörtern.
Erstens möchte ich hervorheben, daß die alljährliche Selbstprüfung
für uns zu einer definitiven Notwendigkeit geworden ist, und zwar auf
Grund der Tatsache, daß wir heute in einer geteilten und in unsicherem
Gleichgewicht befindlichen Welt leben, wobei unsere Seite sich zu ihrem eigenen Schutz und gegen eine Aggression durch die andere Seite
verbunden hat.
Da beide Seiten dieser geteilten Welt im Besitz von Waffen mit
unvorstellbarer Zerstörungskraft sind, nähert sich die Welt einem Zustand, in dem die beiderseitige Vernichtung zu einer Möglichkeit wird.
Kein anderes Faktum unserer heutigen Welt kommt diesem an Bedeutung

�'AMERIKA DIENST"

8. Januar i960

Bedeutung gleich - alles, was wir sagen, planen und tun, wird dadurch beeinflußt.
Von uns wird Wachsamkeit und Entschlossenheit gefordert und
der Einsatz all der Hilfsmittel, die für eine angemessene Sicherheit notwendig sind - vor allem für eine wirkliche Abschreckung
gegen eine Aggression. Dies alles tun wir#
All diese Tatsachen unterstreichen, wie wichtig es ist, unablässig nach einem gerechten Frieden zu streben.
Nur durch die Stä.rkung der geistigen, intellektuellen, wirtschaftlichen und defensivem Hilfsquellen der freien Welt können wir
in Zuversicht einen Fortschritt in Richtung auf dieses Ziel machen.
Zweitens stellen wir fest, daß das Verhalten sowie die Erklärungen der Sowjets in jüngster Zeit auf den möglichen Beginn einer
etwas weniger spannungsgeladenen Periode in den Beziehungen zwischen
der Sowjetunion und der freien Welt schließen lassen. 'Wenn diese
Erklärungen aufrichtig gemeint sind, dann besteht eine größere
Hoffnung, die Schärfe der Rivalität der vergangenen Jahre zu verringern und schließlich an die Stelle des Zwangs die Überredung zu
setzen. Ob dies nun eine Ära von Verheißungen werden wird, die Bestand haben, muß erst durch Taten erhärtet werden.
Drittens stehen wir jetzt am Anfang eines großen neuen Zeitalters der Technik - eines Zeitalters, das trotz seiner Möglichkeiten zur Zerstörung der Menschheit gleich große Möglichkeiten bietet, um Armut und menschliches Elend zu beseitigen. Wenn unsere Bemühungen klug gelenkt und geleitet werden und wenn unsere unermüdlichen Anstrengungen um einen verläßlichen Frieden Früchte zu
tragen beginnen, dann werden wir zweifellos am Aufbau eines Zeitalters Anteil haben, das durch Gerechtigkeit und einen immer größer
werdenden Wohlstand der Menschheit gekennzeichnet ist.
Im Laufe des vergangenen Jahres hat sich die Sowjetunion an
Maßnahmen zur Verminderung der allgemeinen Kriegsgefahr interessiert
gezeigt.
Wenn auch weder wir noch irgendeine andere Nation der freien
Welt es uns erlauben können, durch freundliche Versprechungen irregeführt zu werden, solange diese nicht durch Taten erhärtet sind,
so gehen wir doch an diese offenbar neue Möglichkeit mit dem
äußersten Ernst heran. 'Wir müssen uns darum bemühen, den unglückseligen Zyklus der Enttäuschungen und Krisen zu durchbrechen, der
sich - wenn wir nicht etwas gegen ihn unternehmen - zur nuklearen
Katastrophe, einem nicht mehr überbietbaren Wahnsinn, entwickeln
könnte .

Obgleich

2 -

�"AMERIKA DIENST"

8. Januar

1S60

Obgleich die Notwendigkeit verläßlicher Abkommen gegen Gewaltanwendung zur Beilegung von Streitigkeiten auf beiden Seiten erkannt
wird, dürfen wir hier, wie in anderen Fragen, die die Menschen und Nationen spalten, keine plötzlichen und revolutionären Ergebnisse erwarten. Aber wir müssen irgendwo einen Punkt finden, an dem wir beginnen.
Zweifellos besteht ein Weg, auf dem man einen zweckmäßigen und nützlichen Anfang machen könnte, in der Ausweitung der Verbindungen zwischen
unseren beiden Völkern. Auf diesem Gebiet gibt es bei gutem Willen auf
beiden Seiten zahllose Möglichkeiten - von denen uns die meisten sehr gut
bekannt sind -, um gegenseitiges Verständnis, dieses wahre Fundament des
Friedens, zu entwickeln«
Ein anderer Weg mag in der Wiederaufnahme der Verhandlungen am
12. Januar bestehen, deren Ziel ein kontrolliertes Verbot der Erprobung von Kernwaffen ist. Unglücklicherweise hinterläßt die abschließende Erklärung der sowjetischen Wissenschaftler, die in Genf mit unseren Wissenschaftlern zu einem Srfolglosen Versuch, eine vereinbarte
Baois für ein Versuchsverbot zu schaffen, zusammengekommen waren, ganz
eindeutig den Eindruck, daß ihre Schlußfolgerungen politisch beeinflußt
sird. Die Schlußfolgerungen der wissenschaftlichen Vertreter Großbritanniens und der USA stellen dagegen ihre eigene, frei gebildete, individuelle urd kollektive Ansicht dar. Ich hoffe, daß jetzt, wenn neue
Verhandlungen beginnen, die Wanrheit - und nicht politischer Opportunismus - die Beratungen leiten wird.
Noch ein anderer Weg konnte auf dem Gebiet der Abrüstung gefunden
werden, auf dem die Sowjets eine Bereitschaft zu ernsthaften Verhandlungen bekundet haben. Sie haben jedoch nicht die Pläne bekanntgegeben, die
sie - wenn überhaupt - für eine gegenseitige Inspektion und Verifizierung
haben, die die unerläßliche.. Bedingungen für jede umfassende Abrüstung
sind .
Es gibt.einen Fall, in dem unsere Initiative ^u^ den Frieden sich
kürzlich als erfolgreich erwiesen hat. Im vergangenen Monat wurd^ ein
multilateraler Vertrag unterzeichnet, der die ausschließliche friedliche
Nutzung der Antarktis vorsieht, die durch ein Syste.. iron Inspektionen
abgesichert wird. Er ermöglicht eine freie und auf Zusammenarbeit beruhende wissenschaftliche Forschung auf diesem Kontinent und verbietet dort
jegliche Kernexplosionen, bis ein allgemeines internationales Abkommen
über diese Frage erreicht worden ist. Dieser Vertrag stellt einen bedeutsamen Beitrag zum Frieden, zur internationalen Zusammenarbeit und
zur Förderung der Wissenschaft dar. Ich werde dem Senat in Kürze den
Vertragstext zur Begutachtung und Billigung zuleiten.
Die Vereinigten Staaten sind immer bereit, diese oder irgendwelche
anderen Fragen, die zu einem Frieden in Gerechtigkeit führen können,
mit der Sowjetunion ernsthaft zu erörtern.

Ihnen

7

�"AMERIKA DIENST"

8. Januar 196O

Es braucht gewiß nicht wiederholt zu werden, daß die Vereinigten
Staaten nicht beabsichtigen, sich in die inneren Angelegenheiten irgendeines Staates einzumischen; in gleicher Weise weisen wir aber auch
jeden Versuch zurück, uns oder unseren Völkern durch Gewalt oder Subversion ein System aufzuzwingen.
Diese Besorgnis um die Freiheit anderer Völker ist das geistige
und ethische Band, das uns mit über vierzig anderen Staaten in einer
gemeinsamen Verteidigungsbemühung zusammenhält. Wir vergessen keinen
Augenblick, daß unser eigenes Schicksal eng mit dem dieser Länder
verknüpft ist; wir werden nichts tun, was unsere feierlichen Verpflichtungen ihnen gegenüber gefährden könnte.
Selbstverständlich sind wir und unsere Freunde um unsere eigene
Verteidigung besorgt. Aus dieser Sorge erwächst die Einsicht, daß für
alle Völker der freien Welt Großes bei dem Fortschritt in Freiheit
jener sich neu entwickelnden Staaten auf dem Spiel steht, die sich
nach keiner Seite gebunden haben. Diese Völker, die verzweifelt hoffen,
sich auf einen anständigen Lebensstandard erheben zu können, dürfen
nicht durch unser Versäumnis dazu gezwungen werden, bei denen Hilfe
zu suchen - und schließlich praktisch zu deren Satelliten zu werden -,
die ihre Feindseligkeit gegenüber der Freiheit immer wieder bekunden.
Ihr natürlicher Wunsch nach einem besseren Leben darf nicht dadurch
vereitelt werden, daß ihnen die notwendige technische und finanzielle
Hilfe vorenthalten wird. Dies ist ein Problem, das nicht von Amerika
allein, sondern von allen Nationen gelöst werden muß, die denselben
Idealen anhängen und in der Lage sind, Unterstützung zu gewähren.
In den letzten Jahren haben die Partner und Freunde Amerikas in
Westeuropa und in Japan große wirtschaftliche Fortschritte erzielt.
Ihre neuerlangte wirtschaftliche Stärke ist ein überzeugender Beweis
für den beachtlichen Erfolg der Politik der wirtschaftlichen Zusammenarbeit, die wir und sie verfolgt haben.
Die Weltwirtschaft des Jahres i960 unterscheidet sich beträchtlich
von der der ersten Nachkriegs jähre. Die Vereinigten Staaten sind nicht
mehr das einzige wichtige Industrieland, das in der Lage ist, die in
den Entwicklungsländern so dringend benötigten erheblichen Mittel und
Hilfsquellen zur Verfügung zu stellen.
Um selbst Sicherheit und Wohlstand zu behalten, müssen die wohlhabenden Nationen die Art der Zusammenarbeit auf die weniger glücklichen
Mitglieder ausdehnen, die Hoffnung, Zuversicht und Fortschritt verheißt.
Ein reiches Volk kann ohne merklichen Schaden eine Zeitlang einen Weg de
Genußsucht verfolgen und sich als einziges Ziel materielle Erleichterungen und Komfort für seine eigenen Bürger setzen - und damit seine eigene
geistige und materielle Stellung in einer friedlichen und blühenden
Völkergemeinschaft entwerten. Aber die feindselige Einstellung, auf die
es stoßen, und die Isolierung, in die es geraten wird, und die daraus
sich ergebende innere moralische und physische Verweichlichung werden
es - auf lange Sicht gesehen - ins Unglück führen.
Amerika

�"AMERIKA DIENST"
8. Januar 196O
Amerika ist nicht durch Verweichlichung und Genußsucht groß geworden. Amerikas wunderbarer Fortschritt und seine Errungenschaften haben ihren Ursprung in anderen, weitaus wertvolleren und gediegeneren
Eigenschaften: nämlich in dem Festhalten an Grundsätzen und Methoden,
die mit unserer religiösen Denkungsart in Einklang stehen; der Freude
an harter Arbeit; der Bereitschaft, für wertvolle Ziele Opfer zu bringen;
und dem Mut, jedes Problem, das sich seinem Fortschritt in den Weg stellt,
anzupacken; der geistigen Redlichkeit und dem Vermögen, den für seine
eigenen besten Interessen richtigen Weg zu erkennen.
Diese Eigenschaften sind für uns wie für jede andere Nation der
freien Welt - arm oder reich - heute notwendiger
denn je, wenn wir
gemeinsam auf dem Weg zu größerer Sicherheit, größerem Wohlstand und
Frieden vorankommen wollen.
Ich glaube, daß die Industrieländer bereit sind, sich aktiv an einer
Unterstützung der Bemühungen der Entwicklungsländer um einen Fortschritt
zu beteiligen.
Die dringende Notwendigkeit dieser Art von Zusammenarbeit wird durch
die gegenwärtige Belastung unserer internationalen Zahlungsbilanz unterstrichen. Unser Überschuß aus wirtschaftlichen Transaktionen mit dem
Ausland ist in den letzten Jahren wesentlich hinter den Ausgaben zurückgeblieben, die wir im Ausland zur Unterhaltung unserer militärischen Einrichtungen in Übersee, zur Finanzierung privater Investitionen sowie
für die Hilfe an die Entwicklungsländer haben. Im Jahre 1959 belief sich
unser Defizit in der Zahlungsbilanz auf annähernd vier Milliarden Dollar.
Weitere Defizite von einer solchen Größenordnung würden auf die
Dauer unser eigenes wirtschaftliches Wachstum beeinträchtigen und dem
Fortschritt der freien Welt Einhalt gebieten.
Wir müssen dieser Situation begegnen, indem wir uns um eine Ausweitung der Exporte und des Welthandels bemühen. Wir müssen ferner alle
Industrieländer der freien Welt dazu bringen, in einem neuen gemeinsamen
Bemühen zusammenzuarbeiten, die Geißel der Armut in den weniger glücklichen Ländern beseitigen zu helfen. Dadurch wird eine bessere Aufteilung
dieser Lasten und ein noch nutzbringenderer Handel möglich gemacht.
Die neuen Nationen sowie andere Länder, die sich mit den Problemen
der Entwicklung auseinandersetzen müssen, können nur Fortschritte erzielen, wenn sie an ihr eigenes Schicksal glauben, den nötigen Willen haben
und ihre eigenen Möglichkeiten zur Verwirklichung dieses Willens einsetzen. Darüber hinaus können Fortschritte bei der Umwandlung zu einem
Staatswesen nur allmählich erzielt werden; es gibt keinen einfachen
und schnellen Weg vom Ochsenkarren zum Düsenflugzeug. Aber genauso, wie
wir einst von Europa Unterstützung erhielten, verdienen die neuen und
sich entwickelnden Länder, die diesen Glauben und diese Entschlossenheit
besitzen, unsere Hilfe.
Im Verlaufe der vergangenen 15 Jahre haben 20 Länder ihre politische
Unabhängigkeit erlangt. In jedem Jahr folgen ihnen weitere. Den meisten
von ihnen mangelt es in beklagenswerter Weise an technischen Möglichkeiten
und an Investitionskapital. Ohne die Unterstützung der freien Welt in
diesen Dingen könnten sie keine wirksamen Fortschritte in Freiheit erzielen.
Bezüglich

-

5 -

�"AMERIKA DIENST

8. Januar i960

Bezüglich dieser Erfordernisse richtet sich unser Hauptaugenmerk vor allem auf Südostasien. Hier haben wir allein in zwei
Ländern fast 500 Millionen Menschen, die sich alle darum bemühen und zwar mit allen Kräften bemühen -, ihren Lebensstandard zu
erhöhen und dadurch ihre Länder zu einem starken Bollwerk gegen
die Verbreitung einer Ideologie zu machen, die die Freiheit zerstören würde.
Ich kann Ihnen nicht sagen, wie tief ich davon überzeugt bin,
daß wir - in unserem eigenen wie im Interesse der freien Welt - in
Zusammenarbeit mit anderen mithelfen müssen, daß diese Völker
ihre legitimen Ziele und Ansprüche - wie sie in den verschiedenen
Mehrjahresplänen ihren Ausdruck finden - erreichen. '.Vir müssen uns
entschlossen an diese titanische Aufgabe heranmachen, sei es durch
die Weltbank und andere Einrichtungen, sei es durch Sinzelmaßnahmen
all der Nationen, die in der Lage sind, zu helfen.
Wir alle müssen natürlich erkennen, daß die Entwicklung dieser
jungen Nationen in Freiheit nicht lediglich eine Frage ist, wie sie
finanzielle Unterstützung von außen erhalten können. Ein unerläßliches Element bei diesem Prozeß ist die starke und nicht nachlassende Entschlossenheit ihrerseits, die nationale Disziplin zu
halten, die für eine längere und stetige Entwicklungsperiode erforderlich ist. Diese Fähigkeiten zur Entschlossenheit sind deshalb besonders wesentlich, weil der Prozeß der Verbesserung der
Lebensbedingungen notwendigerweise langsam vonstatten gehen und
eher mühsam als revolutionär sein wird. Außerdem aber sollte sich
jedermann darüber im klaren sein, daß ein Entwicklungsprozeß kein
kurzfristiges Phänomen ist. Selbst für die am günstigsten situierten Staaten wird er viele Jahre dauern.
Ich werde auch weiterhin das amerikanische Volk auffordern,
im Interesse seiner eigenen Sicherheit, seines Wohlstandes und
des Friedens dafür zu sorgen, daß seine eigene Beteiligung an
diesem großen Projekt eine starke und begeisterte Unterstützung
findet. Die Entscheidungen der freien Welt in dieser Frage werden
vielleicht den Unterschied zwischen einer Weltkatastrcphe und einem
Fortschritt der Welt in Freiheit bedeuten.
Andere Länder, von denen ich einige im letzten Monat besucht
habe, haben ähnliche Nöte.
Es ist wünschenswert, daß die Länder, die zu einer Unterstützung
der Bemühungen um eine Entwicklung bereit sind, eine gemeinsame Basis
haben. Während des vergangenen Jahres habe ich diese Frage mit den
führenden Männern mehrerer westlicher Länder erörtert.

Wegen

- 6-

�"AMERIKA DIENST"

8. Januar i960

Wegen seines Reichtums an Erfahrung könnte der Europäische Wirtschaftsrat (OEEC) mit ersten vorbereitenden Studien helfen. Das Ziel
besteht in der Erfassung aller in den Industrieländern der freien Welt
verfügbaren wirtschaftlichen Hilfsquellen - vor allem des privaten Investitionskapitals. Aber ich betone nochmals, daß diese Hilfe, so groß
und bedeutend sie auch sein mag, nur dann von anhaltender Wirkung sein
kann, wenn sie als Ergänzung zu der Stärke des Geistes und des Willens
der Bevölkerung dieser aufstrebenden Länder tritt.
Wir hoffen, daß es durch Gewährung dieser Hilfe möglich sein wird,
die Völker dazu zu bringen, daß sie sich mit Begeisterung um das Banner
der Freiheit scharen. Kein stärkerer Kontrast zu einem System widerwilliger Satellitenstaaten ließe sich denken.
"Wenn wir diese Gelegenheit ergreifen, um ein Zeitalter der produktiven Partnerschaft zwischen den weniger vom Glück begünstigten Nationen
und denjenigen aufzubauen, die bereits einen hohen Stand des wirtschaftlichen Fortschritts erreicht haben, dann werden wir die Aussichten für
eine auf Sicherheit, Freiheit und Frieden beruhende Weltordnung verbessern. Andernfalls könnte der Ausblick wahrhaft düster sein. Wir stehen
an einem möglichen Wendepunkt der Geschichte, und wir müssen mit Entschlossenheit handeln."
Als Staat können wir diese Ziele nur von der Position einer auf
breiter Grundlage beruhenden Stärke aus verfolgen.
Wie aufrichtig und ernst unsere Bemühung um einen gesicherten Frieden auch immer sein mag, wir müssen zur selben Zeit, da wir über das
Problem der Abrüstung Verhandlungen führen, doch auch ein hohes Maß an
militärischer Stärke beibehalten. Solange nicht konkrete und auf beiden
Seiten durchsetzbare Abrüstungsmaßnahmen ausgearbeitet sind, werden wir
die Mittel zur Verteidigung unserer Institutionen nicht schwächen.
Amerika verfügt über eine gewaltige Verteidigungsmacht. Es ist
meine feste Überzeugung, daß kein Land jemals einen allgemeinen Krieg
gegen uns wagen wird, es sei denn, wir wären so töricht und vernachlässigten die Verteidigungskräfte, die wir gegenwärtig so machtvoll
ausstatten. Alle Welt weiß, daß jede Nation, die versucht sein könnte,
die Vereinigten Staaten anzugreifen - auch wenn unser Land vielleicht
große Verluste erleidet -, selbst sofort eine schreckliche Vernichtung
erfahren würde. Aber noch einmal versichere ich allen Völkern und allen
Nationen, daß die Vereinigten Staaten, außer zur Verteidigung, niemals
diese zerstörende Kraft entfesseln werden.
Während des vergangenen Jahres hat unser Fernwaffenpotential - hinsichtlich der bemannten Bomber heute unerreicht - dadurch eine weitere
Stärkung erfahren, daß die interkontinentale ballistische Rakete vom
Typ ATLAS jetzt für den' Einsatz zur Verfügung steht. In 14 kürzlich durchgeführten Erprobungen über Entfernungen von mehr als 8000 Kilometern hat
die ATLAS mit einer Streuung von nur drei Kilometern im Ziel gelegen.
Dies ist weniger als die Länge einer Startbahn für Düsenflugzeuge und
liegt absolut im Bereich der völligen Zerstörung. Eine solche Leistung
ist ein großer Erfolg für die amerikanischen Wissenschaftler und Ingenieure, die in den letzten fünf Jahren die Zeit und die Technik zusammenraffen mußten, um diese Langstreckenraketen zu entwickeln - wo Amerika
vorher derartiges nicht besessen hatte.
_ ...
ö
Darüber

�"AMERIKA DIENST

8. Januar 1 960

Darüber hinaus werden unsere aktiven Verbände dieses Jahr
immer mehr Atom-Unterseeboote zugeteilt bekommen, von denen einige
mit POLARIS-Raketen ausgerüstet sein werden. Diese bemerkenswerten Schiffe und Waffen mit einem Aktionsradius über die Ozeane
hinweg werden in der Lage sein, Ziele praktisch an jedem Punkt
der Erde unter genaues Feuer zu nehmen. Da es unmöglich ist, sie
durch einen Überraschungsangriff zu vernichten, werden diese
Schiffe zu unseren wirksamsten Wächtern und Hütern des Friedens
gehören.
Um Situationen begegnen zu können, in denen es nicht zu
einem allgemeinen Atomkrieg kommt, werden wir auch weiterhin unsere Flugzeugträgerverbände, unsere zahlreichen im Ausland stationierten Einheiten, unsere stets einsatzbereiten strategischen
Heeresverbände und Marinekorpsdivisionen sowie die dazugehörigen
zivilen Stellen aufrechterhalten. Die laufende Modernisierung
dieser Verbände ist ein kostspieliger, aber notwendiger Prozeß
und soll in einem Umfang durchgeführt werden, durch den unsere
Stärke ständig vergrößert wird.
Die Stationierung eines Teiles dieser Streitkräfte im Ausland
- und zwar zu Lande wie zur See - ist ein überzeugender Beweis für
unsere Entschlossenheit, Schulter an Schulter mit unseren Alliierten für die kollektive Sicherheit einzustehen. Darüber hinaus habe
ich angeordnet, daß Maßnahmen ergriffen werden, um die militärische Unterstützung für unsere Alliierten auf eine langfristigere
Basis zu stellen. Dies ist für ein wirksameres kollektives Verteidigungssystem notwendig.
Ich möchte'nunmehr auf unsere Bemühungen auf dem Gebiete der
Weltraumforschung eingehen, die oft fälschlicherweise für einen
integralen Teil der Verteidigungsforschung und -entwicklung gehalten wird.
Erstens: Amerika hat in den beiden letzten Jahren große
Beiträge zu dem Wissensschatz der Welt auf dem Gebiet der Astrophysik und der Weltraumkunde geleistet. Diese Entdeckungen sind
gegenwärtig in erster Linie für die Wissenschaftler von Interesse,
sie sind jedoch auch wichtige Grundsteine für eine extensivere
Erforschung des Weltraums zum letztlichen Nutzen und 7/ohle allen
Menschen.
Zweitens: Unser so erfolgreich voranschreitendes militärisches
Raketenprogramm leidet nicht unter dem zur Zeit bei uns bestehenden Mangel an sehr großen Raketenantriebsmotoren, wie sie für die
Erforschung ferner Räume so notwendig sind. Mir wurde von Fachleuten versichert, daß die Schubleistung unserer gegenwärtigen
Raketen für die Erfordernisse der Verteidigung voll ausreichend
ist •
Drittens: Die Vereinigten Staaten drängen bei der Entwicklung
von großen Raketenmotoren voran, um mit ihnen viel schwerere Flugkörper zu Forschungszwecken in den Raum zu senden.
Viertens:

�"AMERIKA DIENST

8. Januar 1960

Viertens* Man darf inzwischen nicht vergessen, daß wir«eben erst
begonnen haben, in die unmittelbare Umgebung unserer Erde vorzustoßen.
Unter Verwendung der zur Zeit verfügbaren Abschußsysteme entwickeln
wir Satelliten zur Welt-Wettererforschung; zum Aufbau von Relaisstationen, die die globale Nachrichtenverbindung erleichtern und erweitern sollen; als Navigationshilfe, um Schiffen und Plugzeugen genaue
Peilungen zu ermöglichenjund zur Vervollkommnung der für die Aufzeichnung und Übermittlung der von uns gesuchten Daten erforderlichen Instrumente. Es ist dies das erfolgversprechendste Gebiet für eine erste
und nutzbringende Anwendung der Weltraumtechnik.
Fünftens: Wir blicken jetzt auf das erste Jahr unserer Erfahrungen
mit dem neuen Weltraumgesetz zurück. Ich glaube, daß es in bezug auf
bestimmte Einzelheiten Mängel zeigt, und es werden daher in Kürze Verbesserungsvorschläge gemacht werden.
Die Erfüllung der zahlreichen Aufgaben, die ich hier angeführt
habe, erfordert die laufende Stärkung der geistigen, intellektuellen
und wirtschaftlichen Kräfte des amerikanischen Lebens. Das Ziel, das
unserer Gesellschaft ständig vor Augen schwebt, ist es, im Angesicht
Gottes jedem einzelnen Gerechtigkeit zukommen zu lassen. Wir müssen
uns immer davor hüten, die Freiheit durch gedankenlose und allzuviele
restriktive Kontrollen oder dadurch zu ersticken, daß es uns an Mut
fehlt, die großen Aufgaben unserer Zeit kühn anzupacken.
Als ich vor einem Jahr vor Sie hintrat, erholte sich unser Land
gerade von einem wirtschaftlichen Rückschlag, obwohl die Zweifler die
Anzeichen der wiedererstarkenden Prosperität als nicht genügend überzeugend ansahen. Heute ist unsere ständig wachsende Stärke für jeden
ersichtlich. Das Jahr 1960 verspricht das Jahr der größten Prosperität
in unserer bisherigen Geschichte zu werden.
Und doch werden wir auch weiterhin störenden Einflüssen ausgesetzt
sein.
Zu den gegenwärtigen Problemen, die eine Lösung fordern, gehören:
die Notwendigkeit, die Interessen der Öffentlichkeit in Situationen
zu schützen, in denen es zu längeren Auseinandersetzungen zwischen Gewerkschaften und Arbeitgebern kommt; die hartnäckige Weigerung, ein
kritisches Problem in einem Sektor der amerikanischen Landwirtschaft
zu bereinigen; die anhaltende Inflationsgefahr im Verein mit der ständigen Tendenz zu einem verantwortungslosen Finanzgebaren; die Weigerung, in bestimmten Fällen einigen unserer Bürger gleichen Rechtsschutz zu
gewähren.
Jeder Amerikaner war über den langen Konflikt in der Stahlindustrie
sowie über seine so lange hinausgezogene Beilegung beunruhigt. Wir sind
alle froh, daß in diesem Industriezweig endlich eine Lösung erreicht wurde.
Prozentual gesehen ist die Erhöhung der Lohnkosten für die Stahlgesellschaften bei dieser Regelung niedriger als bei allen früheren Lohnabkommen seit dem zweiten Weltkrieg. Es ist ferner erfreulich, festzustellen, daß mehrere der großen Stahlproduzenten angekündigt haben, daß
es trotz der höheren Löhne und Sozialleistungen im gegenwärtigen Zeitpunkt keine Erhöhung der Stahlpreise geben wird. Das nationale Interesse
erfordert es, daß in der Zeit des industriellen Friedens, der durch den neuen
Kontrakt sichergestellt ist, sowohl die Unternehmer als auch die Gewerkschaften alle nur möglichen
n

�ALIERIKA DIENST,

8. Januar i960

möglichen Anstrengungen machen, um die Leistungen und die Produktivität in der Stahlindustrie so zu steigern, daß Preiserhöhungen
vermieden werden können.
Eine der hieraus zu ziehenden Lehren besteht darin, daß der
bei längeren und bedeutenderen Streiks für die gesamte Nation
erwachsenden potentiellen Gefahr begegnet werden muß. Bei der
Sicherung gegen derartige Möglichkeiten muß man sich allerdings
in erster Linie auf den gesunden Menschenverstand der verantwortungsbewußten einzelnen Bürger verlassen. Ich beabsichtige, die
Arbeitgeber und Arbeitnehmer zu regelmäßigen Besprechungen aufzufordern, die nicht am Verhandlungstisch geführt werden, damit sie
hierbei das Interesse der Öffentlichkeit genauso in Erwägung
ziehen wie ihr eigenes gegenseitiges Interesse bei der Aufrechterhaltung des industriellen Friedens, der Preisstabilität und des
wirtschaftlichen Wachstums.
Es erscheint mir gleichsam absurd, daß die Vereinigten Staaten die Notwendigkeit einer Zusammenarbeit zwischen den Nationen
erkennen und sich so aufrichtig darum bemühen, wenn sie nicht auch
zwischen den wichtigen Gruppen ihrer eigenen freien Gesellschaft
eine freiwillige, zuverlässige und dauerhafte Zusammenarbeit
erreichen können.
Wenn wir uns auf anderen Gebieten als den Beziehungen zwischen
den Sozialpartnern den Grundproblemen nicht stellen, dann kann dies
zu einer ernsthaften Belastung der Freiheit führen, auf der unsere
Gesellschaft beruht.
Eines dieser Gebiete, von denen ich spreche, ist die Landwirtschaft .
Unsere grundlegende Landwirtschafts-Gesetzgebung wurde vor 27
Jahren formuliert, als wir aus einer Notlage heraus darangehen
mußten, die durch die weltweite Depression verursachten Härten
wieder auszugleichen. Sie wurde auch während des zweiten Weltkrieges
beibehalten - und ihre wirtschaftliche Diskrepanz noch verstärkt -,
um einen Anreiz für die Nahrungsmittelerzeugung zu bieten, die zur
Versorgung einer vom Krieg betroffenen freien Welt nötig war.
Heute ist unser Landwirtschaftsproblem völlig anders gelagert.
Es geht darum, sich den durch eine wissenschaftliche Revolution hervorgerufenen Veränderungen in wirksamer Form anzupassen. Als die
ursprünglichen Landwirtschaftsgesetze geschrieben wurden, wurde in
der Landwirtschaft in einer Arbeitsstunde nur ein Viertel der Menge
an Weizen geerntet wie heute. Die Landwirtschaftsgesetze sind
schrecklich veraltet, unwirksam und kostspielig.
Seit Jahren haben wir ein überholtes System beibehalten, das
nicht einmal in der Lage war, die Einkommen in der Landwirtschaft
zu schützen, und noch dazu immer größere, bedrohliche Überschüsse
hervorbrachte. Unsere Landwirtschaft blieb bei einer Kriegsproduktion stehen, während Amerika seit langem Frieden hatte.
Ich

�"AMERIKA DIENST"

8 . Januar 1960

Ich ersuche den Kongreß erneut, Gesetze zu verabschieden, damit die Erzeugung in stärkerem Maße den Märkten angepaßt wird und
die kostspieligen üb erschüsse leichter gehandhabt werden können,
Gesetze, die in der Bewirtschaftung der Farmen größere Freiheit
lassen und durch die die Nettoeinkommen in der Landwirtschaft
stetig erhöht werden.
Ein weiteres Problem, mit dem wir uns ohne Umschweife befassen müssen, ist die Notwendigkeit, im Rahmen unserer Verhältnisse zu leben. Dies erfordert Maßhalten bei den Ausgaben, eine
ständige Überprüfung, welchen Dingen Vorrang einzuräumen ist, und
die Beibehaltung stabiler Preise.
Wir müssen eine Inflation verhindern. Hier stehen wir vor
einem Widersacher unter so vielerlei Masken, daß es zuweilen
schwerfällt, ihn zu erkennen. Aber es ist für uns absolut notwendig, einer kontinuierlichen und allgemeinen Preissteigerung
Einhalt zu gebieten - dies ist eine Notwendigkeit, die alle von
uns sehen und spüren können.
Das ständige Ansteigen der Kosten und Preise zu verhindern
erfordert eine strenge Selbstzucht von seiten jedes Bürgers.
Niemand, keine Stadt und kein Staat, keine organisierte Gruppe,
darf sich der Pflicht zum Widerstand gegen die Inflation entziehen, denn jeder Amerikaner müßte bitter dafür zahlen.
Die verheerenden Auswirkungen einer Inflation machen nicht
an einem bestimmten Punkte halt. Preissteigerungen bei den Gütern,
die wir an das Ausland verkaufen, beschwören die Gefahr herauf,
daß wir von den Märkten vertrieben werden, die uns einst sicher
waren. Cb nun so hoch ansteigende und damit nicht mehr wettbewerbsfähige einheimische Preise die Folge von Forderungen nach
zu großen Gewinnspannen oder die Folge höherer Lohnkosten sind,
die den Produktivitätszuwachs übersteigen, das Endergebnis ist
jedenfalls ein schwerer Schaden für die Nation.
Wir müssen die Inflation in der gleichen Weise bekämpfen, wie
ein Feuer, das unser Haus bedroht. Nur so können wir verhindern,
daß der Wert unserer Gehälter, Ersparnisse, Pensionen und .Versicherungen vernichtet wird und die Grundlagen einer freien, gesunden Wirtschaft sowie der Sicherheit des Landes zermürbt werden.
Eine wichtige Methode, wie die Bundesregierung der Inflation
und den steigenden Preisen begegnen kann, ist, sicherzustellen,
daß ihre Ausgaben unter den Einnahmen liegen. Die Staatsschuld,
der wir -ietzt gegenüberstehen, liegt bei 290 Milliarden Dollar.
Die Zinsleistungen allein kosten den Steuerzahler gegenwärtig rund
9,5 Milliarden Dollar, und es ist klar, daß der weiteren Erhöhung
der Staatsverschuldung ein Ende gemacht werden muß. Sie werden
froh sein, zu erfahren, daß unsere Konten trotz der noch nicht
bereinigten Auswirkungen des jüngsten Stahlstreiks nach unseren
Schätzungen mit dem 30. Juni dieses Jahres einen Überschuß von rund
200 Millionen Dollar aufweisen werden.
Ich

- 11 -

�8. Januar

"AMERIKA DIENST

196O

Ich werde dem Kongreß für 1961 ein ausgewogenes Budget vorlegen.
Auf dem Gebiet der Verteidigung bleiben die Ausgaben weiterhin auf
dem Rekord-Friedenszeitenniveau der vergangenen letzten Jahre. Mit
einer einzigen Ausnahme werden auch die Ausgaben auf allen wichtigen
Sektoren des Gesundheits-, Erziehungs- und Wohlfahrtswesens gleich
oder größer als im vergangenen Jahr sein. Die Ausgaben für die Weltraumforschung sind praktisch auf das Doppelte gestiegen. Aber die über
allem stehende Richtlinie dieses Budgets wird durch den Bedarf der
Nation als Ganzes vorgezeichnet - nicht durch das Eingehen auf die
Forderungen bestimmter Gruppen oder auf lokale oder politische Forderungen .
Andere Ausgabenerhöhungen als die von mir soeben angedeuteten sind
weitgehend auf die erhöhten Kosten der früher bereits verabschiedeten
Gesetze zurückzuführen.
Ich wiederhole noch einmal, dieser Haushalt wird ausgeglichen sein.
Die Ausgaben werden 79&gt;8 Milliarden Dollar betragen. Der die Ausgaben
übersteigende Betrag der Einnahmen, der in dem Haushalt als Überschuß
ausgewiesen ist und gegen unsere Staatsschuld aufgerechnet werden soll,
beträgt 4»2 Milliarden Dollar. Ich persönlich bin der Ansicht, daß
kein Betrag mit Recht als Überschuß bezeichnet werden kann, solange
die Nation Schulden hat. Ich möchte lieber einen solchen Posten als
"Reduzierung der unseren Kindern vererbten Hypothek" nennen. Sobald
wir erst einmal solche Zahlungen als eine normale Praxis eingeführt
haben, können wir auch nutzbringende Verbesserungen in unserer Steuerstruktur vornehmen und damit wirklich die schweren Steuerlasten vermindern.
Auf jeden Fall wird diese Reduzierung dem Steuerzahler jedes Jahr
etwa 200 Millionen Dollar an Zinskosten einsparen.
Dieses Budget wird zu einer Verminderung des Druckes auf unsere
Kredit- und Kapitalmärkte beitragen. Es wird in aller Welt das Vertrauen
in die Stärke unserer Wirtschaft und unserer Währung sowie in unsere
individuelle und kollektive Fähigkeit für eine verantwortungsbewußte
Finanzgebarung fördern.
Bei der Verwaltung unserer großen öffentlichen Schuld hat das
Schatzamt unglücklicherweise keine freie Hand. Seine Möglichkeiten, sich
mit den schwierigen Problemen auf diesem Gebiet zu befassen, sind weitgehend dadurch eingeengt worden, daß der Kongreß nicht bereit ist, die
veralteten Restriktionen zu beseitigen. Die Notwendigkeit, bei der Verwaltung der Staatsschuld eine freiere Hand zu haben, ist heute sogar
noch dringlicher, weil die Kosten der unerwünschten Finanzpraktiken,
zu denen das Schatzamt gezwungen wurde, immer mehr anwachsen. Die
Beseitigung dieses Hindernisses hat unter meinen gesetzgeberischen
Empfehlungen großen Vorrang.
Ein weiteres Gebiet ist das der Bürgerrechte.
Bei all unseren Hoffnungen und Plänen für eine bessere Welt sind
wir uns darüber im klaren, daß provinzielle und rassische Vorurteile bekämpft werden müssen. Im langen Lauf der Geschichte ist das Wahlrecht einer
- 12 -

�"AMERIKA DIENST"

8. Januar

196O

einer der stärksten Eckpfeiler einer freien Gesellschaft gewesen.
Unsere erste Pflicht ist es, dieses Recht gegen jeden Übergriff zu
schützen. Trotz der verfassungsmäßigen Garantien und ungeachtet des
großen Fortschritts der letzten Jahre sind einige Menschen in unserem
Lande durch Vorurteile immer noch des gleichen Schutzes durch das Gesetz beraubt.
Zu Anfang der letzten Sitzungsperiode des Kongresses empfahl ich
eine Gesetzgebung, die zur Beseitigung verschiedener diskriminierender
Praktiken hinsichtlich der Grundrechte der Amerikaner beitragen würde.
Die Bürgerrechtskommission hat zusätzliche konstruktive Empfehlungen
unterbreitet. Ich hoffe, daß diese Vorschläge zu den Fragen gehören
werden, die in der gegenwärtigen Sitzung ernsthaft erörtert werden.
Ich bin fest davon überzeugt, daß der Kongreß auf diese Weise der Welt
vor Augen führen wird, daß unsere Regierung sich für alle Menschen
um die Gleichheit vor dem Gesetz bemüht.
In jedem Jahr erlebt unser Land in vieler Hinsicht grundlegende
Veränderungen und weiteres Wachstum.
In den letzten 18 Monaten haben wir uns über die Aufnahme von zwei
weiteren Staaten - Alaska und Hawaii - in die Union freuen können. Wir
begrüßen die beiden neuen Sterne in unserer Flagge mit großem Stolz.
Unsere kraftvolle Weiterentwicklung, die wir alle als ein Zeichen
der Gesundheit und der Vitalität begrüßen, ist vielseitig. So erleben
wir zum Beispiel jetzt ein gewaltiges Wachstum unserer Großstädte.
Bis zum Jahre 1975 werden die Großstadtgebiete in den Vereinigten
Staaten etwa die doppelte Fläche einnehmen wie heute. Die Zahl der
daraus erwachsenden städtischen Probleme, mit denen man fertig werden
muß, ist bestürzend. Zu ihnen zählen die Frage der Wasserversorgung,
der Reinigung der Luft, die Anpassung der lokalen Steuersysteme, die
Bereitstellung der wesentlichen Schul-, Kultur- und Sozialinstitutionen
und die Ausmerzung solcher Verhältnisse, die zu Kriminalität und Verbrechen führen.
Bei der Lösung dieser Probleme müssen wir - wenn wir unsere historischen Freiheiten hochhalten - im traditionellen Rahmen unseres bundesstaatlichen Systems bleiben, bei dem die Macht zwischen der nationalen
Regierung und den einzelstaatlichen Regierungen geteilt ist. Die Einmaligkeit und Besonderheit dieses Systems mag den oberflächlichen Betrachter
verwirren, es hat sich jedoch seit fast 200 Jahren durchaus bewährt.
Ich zweifle nicht daran, daß unsere städtischen und anderen komplizierten Probleme auf die traditionelle amerikanische Weise gelöst werden
können. V/ir müssen uns jedoch hierbei darüber im klaren sein, daß nichts
wirklich gelöst ist und nur ruinöse Entwicklungen in Gang gesetzt werden,
wenn wir den verführerischen Verlockungen des "leichtverdienten" Steuerdollars nachgeben.
Unser Erziehungssystem ist ein gutes Beispiel hierfür. Alle erkennen die entscheidende Notwendigkeit an, daß wir moderne Schulen sowie
hochqualifizierte und ausreichend bezahlte Lehrer haben müssen und daß

�"AMERIKA DIENST

8. Januar

1960

daß die besten Lehrmethoden und Lehrpläne angewandt werden müssen.
Wir dürfen nicht selbstzufrieden auf die Erziehung unserer Jugend
blicken.
Aber der Weg zu einer besseren Erziehung läßt sich nicht durch
die schnelle Anwendung einer Kräftigungsspritze oder auch einer längeren finanziellen Transfusion seitens des Bundes bahnen. Der Erziehungsprozeß, der im wesentlichen eine lokale und persönliche Aufgabe ist,
läßt sich nicht durch gewaltsame, zentralgelenkte Aktion seitens der
Regierung sprunghaft beschleunigen.
Die Regierung hat ein sorgfältig begründetes Programm vorgeschlagen, das dazu beitragen soll, die derzeit vorhandenen Mängel abzustellen. Es soll den Bau von Schulen fördern, nicht indem es die Dollar
des Bundes an die Stelle der staatlichen oder lokalen Fonds treten
läßt, sondern durch Anreiz zur Erweiterung und Unterstützung der einzelstaatlichen oder lokalen Anstrengungen. Bei dieser Methode wird die
Idee einer Beherrschung oder Kontrolle durch den Bund ausgeschaltet.
Sie ist brauchbar und sollte jeden Amerikaner ansprechen, der an einem
Fortschritt unseres Erziehungssystems in der traditionellen amerikanischen Art interessiert ist. Ich fordere den Kongreß auf, entsprechende Maßnahmen zu ergreifen.
Es gibt noch einen weiteren Komplex, hinsichtlich dessen ich eine
Empfehlung erneuern möchte, die ich bereits in meiner Botschaft über
die Lage der Nation im Januar vergangenen Jahres gemacht habe. Ich setzte
damals den Kongreß von meiner Absicht in Kenntnis, unsere Anstrengungen,
an die Stelle der Gewalt die Herrschaft des Rechts unter den Völkern
zu setzen, zu intensivieren. Zahlreiche Gespräche im Ausland haben mich
davon überzeugt, daß dieses Ziel von anderen Völkern und Nationen in
der Welt weitgehend und mit großem Ernst geteilt wird.
In derselben Botschaft erklärte ich, daß unsere Bemühungen eine
Überprüfung des Verhältnisses der USA zum Internationalen Gerichtshof
einschließen würden. Der Gerichtshof wurde von den Vereinten Nationen
geschaffen, um über internationale juristische Streitfragen zwischen den
einzelnen Ländern zu entscheiden. Im Jahre 194-6 akzeptierten wir die
Jurisdiktion des Gerichtshofes, allerdings unter Vorbehalt des Rechtes,
einseitig entscheiden zu können, ob ein gegebener Fall in seinen wesentlichen Aspekten nicht eigentlich unter die Jurisdiktion der USA fällt.
Dem Senat liegt gegenwärtig eine Resolution vor, die diesen juristischen
Vorbehalt beseitigen würde. Ich unterstütze diese Resolution und ersuche
nachdrücklich um ihre baldige Verabschiedung. Wenn dies geschehen ist,
werde ich alle Mitglieder der Vereinten Nationen auffordern, in entsprechender Weise die Jurisdiktion des Gerichtshofes zu akzeptieren.

Und

�"AMERIKA DIENST"

8. Januar i960

Und vielleicht ist es nicht verfehlt, wenn ich hier an dieser
Stelle, im letzten Jahr meiner Amtszeit, an die Hitglieder des
Kongresses ein Wort über die Institutionen richte, die wir jeweils
repräsentieren, sowie über die Bedeutung, die den Beziehungen
zwischen unseren beiden Zweigen der Regierung für die beverstehende
Zeit zukommt.
Ich bin nicht der einzige Präsident, der mit einem von der
Oppositionspartei kontrollierten Kongreß zusammengearbeitet hat nur hat kein anderer Präsident dies so lange Zeit getan. Und doch
haben wir sowohl in den persönlichen wie auch den offiziellen
Beziehungen die Stürme der vergangenen fünf Jahre gemeistert. Hierfür bin ich dankbar.
Meine tiefe Sorge in den kommenden 12 Monaten, bevor mein
Nachfolger sein Amt antritt, gilt unseren gemeinsam vom Kongreß
und der Exekutive gegenüber unserem eigenen Volke und gegenüber
den übrigen Völkern wahrzunehmenden Pflichten. Entsprechend den
von mir heute hier dargelegten Anschauungen werde ich meine ganze
Kraft den vorliegenden Aufgaben widmen, ob dies nun Reisen zur
Förderung einer besseren internationalen Verständigung, Verhandlungen zur Verminderung internationaler Unstimmigkeiten oder ständige Aussprachen und Fühlungnahmen mit dem Kongreß und dem amerikanischen Volk sowohl in innen- wie auch in außenpolitischen Fragen
erfordert„
Bei der Verfolgung dieser Ziele sehe ich einer engen und konstruktiven Zusammenarbeit mit dem Kongreß entgegen und werde mich
selbst hierfür einsetzen.
Jede Hillute, die mit belanglosem Streit zwischen den einzelnen
Regierungszweigen vergeudet wird, ist kostbare Zeit, die von der
klugen Ausarbeitung und Annahme in sich zusammenhängender politischer
Maßnahmen für den Fortbestand und den Fortschritt unserer Nation
abgeht.
Wir streben nach einem gemeinsamen Ziel - bessere Chancen für
unsere Bürger und einen Weltfrieden in Gerechtigkeit für alle zu
schaffen.
Wir und unsere Freunde sehen sich von einer Ideologie herausgefordert, die seit mehr als vier Jahrzehnten ihr Ziel des letztlichen
Sieges über alle Regierungsformen hinausposaunt, die nicht im Einklang mit ihrer eigenen stehen.
Wir sind uns darüber im klaren, daß - so sehr wir auch die
Lehren des imperialistischen Kommunismus ablehnen - dieser ein gewaltiges Vorhaben darstellt, das verbissen von Machthabern durchgeführt
wird, die ihre Untertanen dazu zwingen, die Freiheit des Geistes sowie die persönlichen Wünsche irgendwelchen erhofften und in der Zukunft liegenden Vorteilen unterzuordnen.
Die

�&lt;

"ALIERIKA DIENST"

8. Januar 1 960

Die Kommunisten können eine Menge materieller Leistungen
während der letzten 15 Jahre aufweisen, die ihren glitzernden
Versprechungen gegenüber den politisch nicht festgelegten Völkern
eine irreführende Überzeugungskraft verleihen.
Was jedoch die Reihenfolge der ffert« anbetrifft, so steht
für uns die Freiheit an oberster Stelle - unsere ganze Existenz
und unsere Entwicklung als Nation sind auf diese grundlegende
Konzeption ausgerichtet und haben bewirkt, daß wir die führende
Position innerhalb der freien Welt erlangt haben, zu der wir
emporgestiegen sind. Sie ist der höchste Preis, den irgendeine
Nation erlangen kannj sie ist ein Preis, den die Kommunisten
niemals bieten können. Und die Geschichte der von Amerika in Freiheit erzielten materiellen Leistungen ist nicht nur vor dem Hintergrund einer noch nie dagewesenen Prosperität unserer eigenen
Nation, sondern auch in den unzähligen Milliarden geschrieben,
die wir für den Wiederaufbau der durch den zweiten Weltkrieg zerstörten Volkswirtschaften der freien Welt gaben, sowie in der
wirksamen Hilfe durch zahlreiche weitere Milliarden, die wir
für die Rettung der Unabhängigkeit zahlreicher anderer von einer
ausländischen Macht bedrohten Länder ausgegeben haben. Und selbstverständlich verfügen wir auch über die Fähigkeit, mit den Problemen der neuen Epoche der Weltgeschichte fertig zu werden, in die
wir jetzt eintreten.
Aber wir müssen diese Fähigkeit klug und unermüdlich, ohne
Rücksicht auf persönliche Opfer, nutzen.
Die Kluft, die unseren Planeten in politischer Hinsicht teilt,
ist tief und weit.
Wir leben außerdem in einem Meer der Begriffsverwirrung, bei
dem alte Bezeichnungen nicht mehr länger stimmen:
Polizeistaaten werden "Volksdemokratien" genannt.
Die Unterjochung eines freien Volkes mi.t Waffengewalt heißt
"Befreiung" .
Solche verwirrende Schlagworte machen das Problem der Mitteilung von echtem Vertrauen, wahren Tatsachen und Ansichten noch
schwieriger.
Wir müssen unsere friedlichen Absichten und unser Streben nach
einer besseren Welt klarmachen. Hierfür müssen wir die Sprache benutzen, und zwar um den Verstand zu erhellen, nicht aber als ein
Mittel für bewußte Verfälschungen und zur Entstellung der V/ahrheit.
Und wir müssen zu unseren Worten stehen. Während meines kürzlichen Besuches in fernen Ländern erlebte ich immer wieder, wie
ein Staatsmann nach dem anderen bestrebt war, mir von den Faktoren
und Grundzügen zu berichten, die seine Regierung der amerikanischen
Verfassung entliehen habe, sowie von den unzerstörbaren Idealen, die
in unserer Unabhängigkeitserklärung niedergelegt sind.
Als

- 16 -

�"AMERIKA DIENST"

8. Januar i960

Als Nation sind wir stolz darauf, daß unser Verf assungs syst ein
sowie die Ideale, die dieses System tragen, schon seit langem als
ein Urquell der Freiheit angesehen werden.
Mit jeder Maßnahme müssen wir bemüht sein, uns dieses Vertrauens würdig zu erweisen, und uns immer vor Augen halten, daß
eine Häufung scheinbar geringfügiger Eingriffe in die Freiheit
allmählich das gesamte Gebäude einer freien Gesellschaft zum
Einsturz bringen kann.
Wenn wir davon überzeugt sind, dann werden wir die vor uns
liegenden Aufgaben bewältigen. Wenn wir uns mit aller Kraft einr
setzen und an Gott glauben, dann wird die Menschheit eines Tages
die Einigkeit in Freiheit erreichen, nach der sich alle Menschen
seit Urzeiten gesehnt haben.
gez. Dwight L. Eisenhower

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�A M E R I K A

D I E N S T

Wic/2201 ,1960
EISENHOWER LEGT NEUEN US-HAUSHALT VOR

WASHINGTON - (AD) - Präsident Eisenhower unterbreitete dem
amerikanischen Kongreß am 18. Januar i960 den neuen US-Haushalt für das am 1. Juli beginnende Haushaltsjahr 1960/61, der
bei Ausgaben von 79*816 Milliarden Dollar und Einnahmen von
84 Milliarden Dollar einen Überschuß von 4»184 Milliarden
Dollar aufweist.

Präsident Eisenhower forderte in seiner Haushaltsbotschaft den Kongreß auf, gemeinsam mit ihm einen entschlossenen Versuch zu unternehmen,
durch Erzielung eines wesentlichen Haushaltsüberschusses einen Abbau der
Staatsverschuldung zu ermöglichen. Die in seiner Botschaft enthaltenen
Vorschläge, so betont der Präsident, zeigten, daß dieses Ziel auch bei
Aufrechterhaltung der erforderlichen militärischen Stärke sowie e.iner
nationalen Wohlstandes durchaus erreichbar sei. Gleichzeitig sei'der
Haushalt auf eine weitere Stärkung der amerikanischen Wirtschaft sowie
eine Förderung des künftigen wirtschaftlichen Wachstums ohne Inflation
abgestellt.
Die wesentlichsten Punkte des neuen US-Hau^halts sind:
1. Haushaltsansätze, die einen Überschuß von rund 4,2 Milliarden
Dollar vorsehen. Dieser soll zur Schuldentilgung verwendet werden, die wie Eisenhower erklärt - "für die USA zum gegenwärtigen Zeitpunkt ein
Hauptelement einer gesunden Finanzpolitik ist".
2. Neue Bewilligungen für die militärischen Aufgaben des Verteidigijngsministeriums, die sich auf 40»6 Milliarden Dollar belaufen, während
die veranschlagten Ausgaben während des neuen Haushaltsjahres etwa 41
Milliarden Dollar betragen werden. Sie werden damit etwas höher als im
laufenden Haushaltsjahr liegen und "eine starke und bewegliche Verteidigung gewährleisten, wie sie die gegenwärtige internationale Weltlage
erfordert".
3. Erhöhte Bewilligungen und praktisch eine Verdoppelung aar Ausgaben für die vom US-Bundesamt für Aeronautik und Raumfahrt (NASA) durchgeführten nichtmilitärischen Weltraumprojekte.
'
4. Neue

�"AMERIKA DIENST"

,

22. Januar 1960

4. Neue Bewilligungen in Höhe von 4,175 Milliarden Dollar für das
Gemeinsame Sicherheitsprogramm oder 949 Millionen Dollar mehr, als für
das laufende Haushaltsjahr bewilligt wurden, wobei die tatsächlichen Ausgaben im neuen Haushaltsjahr um rund 100 Millionen Dollar höher als im
Haushaltsjahr 1959/60 liegen werden. Diese Ausweitung des Programms sei
nötig, so betont der Präsident, um die wirtschaftliche und technische
Hilfe zu beschleunigen und die Streitkräfte der freien Welt, vor allem
der NATO-Staaten, verstärken und mit den neuesten Waffen ausrüsten zu
können.
5. Gesamtausgaben von 1,2 Milliarden Dollar für die Wasserwirtschaft.
6. Wesentlich höhere Ausgaben für die Bedienung der Staatsschuld, das
Landwirtschaftliche Stützprogramm, die Kriegsveteranenentschädigung und
Pensionen sowie für Zuschüsse zu den sozialen Programmen der einzelnen
Bundesstaaten.
7. Ausgaben für die Forschung und Entwicklung in Höhe von rund 8,4
Milliarden Dollar - etwas über die Hälfte der gesamten staatlichen und
privaten Ausgaben für diese Zwecke -, durch die eine starke und moderne
Verteidigung gewährleistet sowie die Grundlagenforschung und der technische
Fortschritt gefördert werden sollen.
8. Empfehlungen für eine Erhöhung der Straßensteuer und der Besteuerung
des Flugbenzins sowie eine Heraufsetzung der Postgebühren.
9. Beibehaltung der gegenwärtigen Körperschafts- und Verbrauchssteuersätze für ein weiteres Jahr.
10. Empfehlungen für ein konstruktives Gesetzgebungsprogramm, das den
Interessen der gesamten Bevölkerung Rechnung trägt.
59,9 Prozent für Sicherheit und internationale Aufgaben
Von den Gesamtausgaben des neuen Haushalts sind 59,9 Prozent oder
47,81 Milliarden Dollar für Programme, die direkt oder indirekt dem Schutz
der USA dienen, sowie für internationale Aufgaben bestimmt. Weitere 25,4
Prozent oder 20,51 Milliarden Dollar entfallen auf inneramerikanische Programme. Die Bedienung der Staatsschuld erfordert 12 Prozent der Gesamtausgaben oder 9,585 Milliarden Dollar, und für allgemeine Regierungsausgaben
sind 2,4 Prozent der Gesamtausgaben oder 1,911 Milliarden Dollar bestimmt.
Der Rest entfällt auf'verschiedene kleinere Posten.
HAUSHALTSAUSGABEN
(in Prozent)

n M i l l i a i•den D o l l a r )
Wationale Sicherheit
Internationale Aufgaben
Handel und Wohnungsbau
Landwirtschaft
Natürliche Hilfsquellen
Sozialprogramme

1958/59

1959/60

1960/61

1960/61

46,426
3,780
3,421
6,529
1,669
4,421

45,650
2,066
3,002
5,113
1,785
4,441

45,568
2,242
2,709
5,623
1,938
4,569

•57,1
2,8
3,4
7,0
2,4
5,7
KriegsVeteranen

2

-

�"AMERIKA DIENST"
Kriegsveteranen
Zinsendienst
Allgemeine Regierungsausgaben
Sonstige Posten

22. Januar 1960
5,174
7,671

5,157
9,385

5,471
9,585

6,9
12,0

1,606
-

1,711
0,073

1,911
0,200

2,4
0,3

80,6,9"

78,383

79,816

100,0

Ausweitung des Bruttosozialprodukts um 50 Milliarden Dollar
Bei der Aufstellung des Einnahmenvoranschlags geht der Haushalt davon aus, daß sich der derzeitige hohe Stand der Wirtschaftstätigkeit 1961
noch weiter erhöhen und das Bruttosozialprodukt im Kalenderjahr 196O um
rund 30 Milliarden Dollar auf 510 Milliarden Dollar ansteigen wird. Dementsprechend werden auch die Erträge der Einkommens- sowie der Körperschaftssteuer höher als im laufenden Haushaltsjahr veranschlagt.
HAUSHALTSEIHNAHMEN
(in Milliarden Dollar)

1959/60*

1960/61*

40,306
9,100
1,803
1,176

43,706
23,500
9,523
1,960
1,376

3,160

4,015

3,935

68,270

78,600

84,000

1958/59*
Einkommenssteuer;:
KörperSchaftssteuer
Verbrauchssteuern
Sonstige Steuern
Zölle
Sonstige Haushaltseinnahmen

36,719
17,309
8,504
1,653
0,925

22,200

*

1950/59 tatsächliche Einnahmen
1959/60 und 1960/61 veranschlagte Einnahmen.
Eisenhower mahnt zur Ausfcaberteinschränkung
Bei der Erläuterung seines neuen Haushaltes betont Eisenhower, daß
während des laufenden Haushaltsjahres ermutigende Fortschritte in Richtung
auf eine gesunde Finanzpolitik gemacht worden sind. Nach dem Haushaltsdefizit von 12,4 Milliarden Dollar des Haushaltsjahres 1958/59, das zu einem
großen Teil durch die damalige Rezession bedingt war, sei nunmehr für das
laufende Haushaltsjahr 1959/60 mit einem Überschuß von 217 Millionen Dollar
zu rechnen. In diesem Zusammenhang appelliert der Präsident an alle Bundesdienststellen, eine strenge Kontrolle über alle Ausgaben auszuüben, damit
wenigstens dieser kleine Überschuß erhalten bleibt, was ohnehin nur möglich sei, wenn der Expansionsprozeß in der Wirtschaft nicht unterbrochen
werde. Im neuen Haushaltsjahr, so unterstreicht der Präsident, sei es unbedingt notwendig, den erzielten Haushaltsüberschuß für die Abtragung dei

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der Staatsschuld zu verwenden. Wenn dies in Zeiten des Wohlstands nicht
getan werde, dann müsse damit gerechnet werden, daß die Staatsverschuldung in künftigen Notzeiten oder Rezessionen noch weit über den derzeitigen Stand hinaus ansteigen werde. Wörtlich führte der Präsident aus:
"Sine gesunde Finanz- und Wirtschaftspolitik bedingt in Zeiten des Wohlstandes, wie wir sie für das kommende Jahr erwarten, daß ein Haushaltsüberschuß dazu verwendet wird, dem inflationären Druck entgegenzuwirken,
die Bedingungen auf dem Kapital- und Kreditmarkt zu erleichtern sowie
die für produktive Investitionen - wie sie für ein stetiges wirtschaftliches Wachstum unerläßlich sind - verfügbaren Spareinlagen weiter zu
vermehren. Die Haushaltsempfehlungen für 1960/61 legen die Grundlage
für eine gesunde und flexible Finanzpolitik in den kommenden Jahren. Es
ist damit zu rechnen, daß eine Fortdauer der wirtschaftlichen Prosperität
im Jahre 1962 und den darauffolgenden Jahren eine weitere Erhöhung der
Bundeseinnahmen zur Folge haben wird. Wenn die Ausgaben auf dem von mir
für 1960/61 vorgeschlagenen Stand gehalten werden und wenn in Zukunft
eine vernünftige Zurückhaltung geübt wird, dann werden die höheren Einnahmen die neue Regierung und den neuen Kongreß vor die Entscheidung
stellen, ob die Staatsschuld weiter abgebaut oder die Steuerbelastung
gemildert werden oder ob beides zugleich geschehen soll. Statt hier
und dort vereinzelte übereilte Änderungen vorzunehmen, kann dann eine
vernünftige Steuerrevision auf einer umfassenden und ordnungsgemäßen
Basis in Angriff genommen und im Rahmen einer wirtschaftlichen und fiskalischen Stabilität verwirklicht werden."
Frieden in Gerechtigkeit für alle Völker
Das Hauptziel der USA, so unterstreicht der Präsident in seiner Botschaft, sei auch weiterhin ein Frieden in Gerechtigkeit für alle Völker.
Dabei sei es die Hoffnung der USA, daß die auf der Welt ruhenden schweren
Rüstungslasten verringert werden mögen. Die Vereinigten Staaten dürften
sich jedoch keinen Illusionen hingeben. In der gegenwärtigen Zeit der
Atomwaffen und der Interkontinentalraketen müsse jede Abrüstung kontrollie
bar und verifizierbar sein. Es seien noch schwerste Probleme zu lösen,
wenn man zu einer Abrüstung gelangen wolle, die Sicherheit und Gerechtigkeit für alle Nationen mit sich bringe. Aber diese Probleme müßten gelöst werden, wenn die Welt nicht ständig an der Klippe des Unheils leben
soll.
Der Präsident hebt hervor, daß die Vereinigten Staaten stark bleiben
müßten, während sie sich um einen Weg bemühen, der zu Frieden und Abrüstung führt. Das derzeitige Ziel der Vereinigten Staaten sei es, einen
Grad militärischer Stärke zu besitzen, der zusammen mit der militärischen
Macht der Verbündeten Amerikas jeden Gegner von der Entfesselung eines
kleinen oder großen Krieges abschreckt, gleichzeitig aber,nach einem Weg
zur Verminderung der Kriegsgefahr zu suchen. Das vorliegende Budget, so
erklärt Eisenhower, erfülle seiner Ansicht nach diesen Zweck. Bei den
Ausgaben des Verteidigungsministeriums für das Jahr 1960/61 sei der Nachdruck weiterhin auf die Modernisierung der bewaffneten Streitkräfte der
Vereinigten Staaten gelegt worden. Auch in der Militärhilfe für die Verbündeten der Vereinigten Staaten und im Gemeinsamen Sicherheitsprogramm
werde die wachsende Bedeutung der modernen Waffen und Raketen für die
weitere Verstärkung der Verteidigungskräfte der freien Welt zum Ausdruck
kommen. Die Atomenergie-Kommission führe ihr Wa£fenentwicklungsprogramm

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Waffenentwicklungsprogramm mit aller Intensität fort und werde sich auch
auf dem Gebiet der friedlichen Anwendung der Atomenergie energisch um
die Förderung der Forschungs- und Entwicklungsprojekte bemühen. Die Ausgaben für die Auffüllung der Waffenarsenale und Material-Vorratsläger sowie
für die Erweiterung der Verteidigungsproduktion würden im Finanzjahr
1960/61 weiter sinken, da die meisten Ziele dieser Programme erfüllt seien.
Verteidigungsministerium
"Militärische Aufgaben: Für die militärischen Aufgaben des Verteidigungsministeriums im Haushaltsjahr 1960/61 werden neue Bewilligungen
in Höhe von 40,577 Milliarden Dollar empfohlen. Die Ausgaben für 1960/61
werden auf 40*995 Milliarden Dollar veranschlagt. Diese Beträge schließen
die Mittel für die Entwicklung des Saturn-Weltraumpro jokts n.i sht mit ein,
das nach meinem Vorschlag an das ÜS-Bundesamt für Aeronautik und Raumfahrt
(NASA) übert ragen werden soll.
Strategie und Taktik der amerikanischen Streitkräfte machen gegenwärtig eine der stärksten Wandlungen in der Geschichte durch. Die Verlagerung
des Nachdrucks von der konventionellen' zur ^Raketenkriegführung muß mit Sorgfalt vollzogen werden, wobei im Auge behalten werden muß, daß die eine Art
der Kriegführung nicht ohne Gefahr zugunsten der anderen vernachlässigt
werden darf. Unsere Streitkräfte müssen in .der Lage sein, erfolgreich mit
jedem Notfall fertig zu werden, der uns aufgezwungen werden könnte, angefangen von begrenzten Notständen bis- zu einem weltweiten, »allgemeinen Atomkrieg."
Von dem Gesamtetat des Verteidigungsministeriums entfallen auf die
US-Armee 9,3^3 Milliarden Dollar - 34 Millionen Dollar mehr als 195^/60 -,
auf die US-Marine 11,683 Milliarden Dollar - 112 Millionen Dollar mehr
als 1959/60 - und auf die Luftstreitkräfte•18,614 Milliarden Dollar 209 Millionen Dollar weniger als 1959/60. Dagegen werden die Mittel für
die Raketenprogramme um 16 Prozent oder fast 1 Milliarde Dollar erhöht.
Im einzelnen werden folgende Unterteilungen der Aufgaben vorgenommen:
Zahlenmäßige Stärke der Streitkräfte und des militärischen Personals:
"Dieses Budget wird für das Haushaltsjahr 1960/61 .die Mittel für die
weitere Aufrechterhaltung unserer Streitkräfte auf etwa dem gegenwärtigen
Stand beschaffen - einem Stand am Jahresende von 2 489 000 Männern und
Frauen im aktiven Dienst. Die zu unterhaltenden Streitkräfte schließen ein:
eine Armee von 14 Divisionen mit 870 000 Mann; eine Marine mit 817 Schiffen
im aktiven Dienst und 619 000 Mann; ein Marinekorps von 3 Divisionen und
3 Luftgeschwadern mit 175 000 Mann; und eine Luftwaffe von 91 Kampfgeschwadern und 825 000 Mann."
Bezüglich der Reserve betont Eisenhower in seiner Botschaft, daß Ausbildungsstand und Einsatzbereitschaft über die zahlenmäßige Stärke zu stellen
seien. "Ich habe", so heißt es in der Botschaft, "den Verteidigungsminister
ersucht, die Rolle und Aufgabe der Reserveeinheiten im Verhältnis zu den
aktiven Einheiten und im Lichte der sich wandelnden Erfordernisse der modernen Kriegführung zu überprüfen." Eisenhower wendet sich gegen eine

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eine gesetzliche Festlegung einer Mindeststärke der Armeereserve und
der Nationalgarde, um der Regierung eine elastische "Anpassung an die
militärischen Notwendigkeiten" zu ermöglichen. Der Präsident schlägt
dann eine weitere "Reduzierung der Nationalgarde und der Armeereserve von ihrem gegenwärtigen Stand von 400 000 bzw. 300 000 Mann auf 36O 000
bzw. 270 000 Mann bis Ende des Haushaltsjahres 1960/61 vor.
Beschaffung, Forschung und Bauprogramme:
"Rund 45 Prozent der Ausgaben des Verteidigungsministeriums entfallen auf Beschaffung, Forschung sowie Entwicklungs- und Bauprogramme.
Für das Haushaltsjahr 1960/61 werden diese Ausgaben mit 18,9 Milliarden
Dollar veranschlagt, gegenüber 19*3 Milliarden Dollar im Haushaltsjahr
1960/61. Die Verringerung der Mittel, die hauptsächlich beim Bau und der
Beschaffung von Flugzeugen eintritt, wird teilweise durch eine Erhöhung
für die Forschung und Entwicklung sowie für die Beschaffung von anderen
militärischen Ausrüstungen - wie Panzer, Fahrzeuge, Kanonen und Hochfrequenzgeräte - ausgeglichen. Die Ausgaben für den Schiffbau werden etwa
in der gleichen Höhe wie im Haushaltsjahr 1959/60 angesetzt.
Die in diesem Haushalt für 1960/61 empfohlenen neuen Ausgabenermächtigungen für die Beschaffung von Flugzeugen (ausschließlich der Mittel für die diesbezügliche Forschung und Konstruktion) belaufen sich auf
insgesamt 4»753 Milliarden Dollar, was 1,390 Milliarden Dollar unter den
für 1959/60 bewilligten Mittel liegt. Auf der anderen Seite steht die
1960/61 für die Raketenbeschaffung (ausschließlich Forschung und Konstruktion) vorgeschlagene Ausgabeermächtigung von 3,825 Milliarden Dollar
um 581 Millionen Dollar über der Summe für 1959/60. Diese gegensätzliche
Entwicklung in der Beschaffung spiegelt die vorgesehene Umwandlung in
der Zusammensetzung und den Aufgaben unserer Streitkräfte in den kommenden
Jahren wieder."
Der Präsident wendet sich gegen die Ausschaltung ausländischer Firmen
bei der Ausschreibung bestimmter militärischer Versorgungsgüter und geht
dann auf die ungeheuer rasche technische Entwicklung auf dem Gebiet neuer
Waffen ein. Manche Waffen seien bereits im Stadium der Entwicklung, wieder
unmodern geworden. Weiter habe oft die rasche Entwicklung irgendeiner
Waffe die Bedeutung einer parallellaufenden Entwicklung vermindert. Dies
habe eine ständige Überprüfung und Neubewertung des Verteidigungsprogramms
notwendig gemacht. So sei zum Beispiel die Bedeutung der REGULU3 II - einer
von aufgetauchten Unterseebooten abzufeuernden Rakete - durch die P0LARISRakete in den Hintergrund gedrängt worden, die von getauchten Unterseebooten abgeschossen werden kann. Weiter habe der wesentliche Fortschritt auf
dem Gebiet ballistischer Raketen zur Einstellung der Produktion der Auffangjäger vom Typ F-108 geführt, die bei großer Reichweite mit dreifacher
Schallgeschwindigkeit gegen bemannte Bomber eingesetzt werden sollen.
Die Hauptgefahr bestehe heute nicht mehr in bemannten Bombern, sondern
in Fernraketen.
Weiter sei das Programm für die erfolgreich erprobten und in den
Truppendienst gestellten Raketen mittlerer Reichweite vom Typ JUPITER
und THOR reduziert worden, da die Interkontinentalrakete vom Typ ATLAS
in steigendem Maße zur Verfügung stehe. Ebenso sei die Entwicklung energiereicher Brennstoffe für Flugzeuge auf Grund anderer Entwicklungen

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Entwicklungen scharf gebremst worden.
Strategische Streitkräfte;
Die Abschreckungswirkung unserer Streitkräfte beruht sowohl auf
ihrer Fähigkeit, mit Kernwaffen zurückzuschlagen, als auch auf ihrer
Fähigkeit, andere wesentliche und notwendige Operationen in jeder Form
eines Krieges durchzuführen. Diese erste Fähigkeit kommt in einer Kombination von bemannten Bombern, auf Flugzeugträgern stationierten Flugzeugen, Interkontinentalraketen sowie Raketen mittlerer Reichweite zum
Ausdruck, die zweite in den in wichtigen vorgeschobenen Gebieten stationierten Land-, See- und Luftstreitkräften zusammen mit einsatzbereiten
Reserven, die eine rasche Verstärkung im Notfalle ermöglichen."
Eisenhower bezeichnet hier das Strategische Luftkommando als "das
Eauptelement unserer nuklearen Kapazität mit großer Reichweite". Die
schwierigste Entscheidung in diesem Zusammenhang, so heißt es, betreffe den
Langstreckenbomber vom Typ B-70 mit Überschallgeschwindigkeit. Der strategische Wert dieses Bombers, der bis 19&amp;5 einsatzbereit sein soll, werde
angesichts der Entwicklung der Interkontinentalraketen bezweifelt. Die
Entwicklungsarbeit für die B-70 solle jedoch fortgesetzt werden, da die
letzte Entscheidung bezüglich ihrer Verwendung noch im Jahre 1963 nach
einem Flugtest mit Versuchsmaschinen getroffen werden könne.
Weiter empfiehlt der Präsident die weitere Beschaffung des Bombers
vom Typ B-52H sowie des mit Überschallgeschwindigkeit fliegenden Mittelstreckenbombers vom Typ B-58 sowie der dazugehörigen Tankflugzeuge. Die
modernen Bomber sollen zum Teil die Mittelstreckenbomber vom Typ B-47
ersetzen.
"Im kommenden Haushaltsjahr", so heißt es in der Botschaft weiter,
"werden weitere Mengen an Raketen vom Typ ATLAS, TITAN und POLARIS hergestellt werden. Ich empfehle die Bewilligung von Mitteln für drei weitere
POLARIS-Unterseeboote, deren Bau im kommenden Haushaltsjahr beginnen soll,
und für die Vorausbeschaffung von Bauteilen mit langer Herstellungsdauer
für drei weitere Boote - um damit die Gesamtzahl der POLARIS-Unterseeboote
auf 15» zuzüglich der notwendigen Raketen, zu erhöhen. Im Haushalt werden
ferner Mittel für die Entwicklung und Herstellung der Rakete vom Typ
MINUTEMAN aufgeführt.
Eisenhower berichtet in diesem Zusammenhang, daß der Aufbau und die
räumliche Aufgliederung der Einheiten des Strategischen Luftkommandos
sowie der Aufbau der Warn- und Alarmeinrichtungen im wesentlichen abgeschlossen sind, wodurch innerhalb von 15 Minuten nach Eingang der Warnung
die Bomber und Tankflugzeuge in der Luft sein können.
Weiter soll vom Verteidigungsministerium die Möglichkeit einer ständigen Alarmbereitschaft für die schweren Bomber geprüft werden. "Es ist
weder notwendig noch praktisch, zum gegenwärtigen Zeitpunkt eine ständige
Alarmbereitschaft in der Luft aufrechtzuerhalten", so heißt es in der Botschaft,, Eine solche Maßnahme würde in relativ kurzer Zeit die Gesamtkapazität für die Abwehr eines Angriffs beeinträchtigen. Das Strategische Luftkommando soll nach den Empfehlungen Eisenhowers in die Lage versetzt
werden, im Notfall eine solche Alarmbsreitschaft in der Luft aufrechtzuerhalten, bis die Lage geklärt ist.
Luftverteidigungsstreitkräfte?

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Luftverteidigungsstreitkräftei
"Ein großer Fortschritt ist bei der Erhöhung der Wirksamkeit des
nordamerikanischen Luftverteidigungskommandos erzielt worden, das im
Jahre 1957 als integriertes Kommando der amerikanischen und kanadischen
Streitkräfte errichtet wurde. Die amerikanischen militärischen Elemente bestehend aus Teilen aller unserer Waffengattungen - sind mit dem kanadischen Luftverteidigungskommando integriert, um eine Luftverteidigungskapazität für den gesamten nordamerikanischen Kontinent aufrechtzuerhalten."
In der Botschaft wird auf die zunehmende Gefahr eines Raketenangriffs
hingewiesen. Jedoch dürfe, so heißt es, die Tatsache nicht übersehen werden, daß zum gegenwärtigen Zeitpunkt die bemannten Bomber noch die Hauptdrohung bilden. Bisher seien 17 Milliarden Dollar in die Verteidigung
gegen bemannte Bomber investiert worden, jedoch seien noch einige Vervollständigungen des Luftabwehrprogramms notwendig. Die für das kommende
Haushaltsjahr angeforderten Mittel, so wird betont, sollten im wesentlichen für den Abschluß des Programms genügen. Dabei werden die NIKE-HERKULESRaketen und die BOMARC-Flugraketen als wichtige Abwehrwaffen herausgestellt. Ferner soll das gesamte Radar- und Funknetz weiter modernisiert
werden.
Die Warneinrichtungen vor einem Angriff mit ballistischen Raketen,
die sich seit zwei Jahren im Bau befinden, sollen zum Teil innerhalb eines
Jahren in Dienst gestellt werden. Eisenhower weist in diesem Zusammenhang
darauf hin, daß die Abwehr von ballistischen Raketen mit Hilfe des
NIKE-ZEUS-Systems eine ungeheure Aufgabe ist. Dieses System bedürfe einer
außerordentlich sorgfältigen Erprobung- Die im vergangenen Jahr bewilligten
137 Millionen Dollar für das Anlaufen des Beschaffungsprogramms sollen
vorläufig noch nicht genutzt werden.
Seekontrollstreitkräfte:
"Die Kontrolle der Seegebiete und Ozeane sowie der Seewege ist ein
integraler Bestandteil für die Aufrechterhaltung unserer nationalen Sicherheit. Die Seestreitkräfte, die die Hauptverantwortung für diese Aufgabe
tragen, werden aus 817 Kriegs- und Versorgungsschiffen, 16 auf Flugzeugträgern stationierten Jagdbombergruppen, 11 Fluggruppen für die Unterseebootabwehr und 41 Patrouillen- und Aufklärungsluftgeschwadern bestehen."
Im Haushaltsjahr 1960/61 werden die Seestreitkräfte, wie aus der Botschaft hervorgeht, den fünften und sechsten Flugzeugträger der ForrestalKlasse, den ersten atomgetriebenen Kreuzer, 9 Raketenzerstörer, 7 Raketenfregatten und 6 atomgetriebene Unterseeboote erhalten. Ferner sollen 3 weitere POLARIS-Unterseeboote und ein umgebauter Raketenkreuzer in Dienst gestellt werden. Weiter ist der Neubau von 20 Schiffen und der Umbau von 15
Schiffen geplant.
Militärhilfe
In dem der Militärhilfe gewidmeten Abschnitt weist Eisenhower darauf
hin, daß die Fähigkeit der freien Welt, einen potentiellen Feind von einer

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einer Aggression abzuschrecken, die 'kombinierte Stärke und Entschlossenheit vieler Staaten erfordert. Die Gesamtstreitmacht der Länder, die im
Rahmen des Militärhilfe-Programms von den Vereinigten Staaten unterstützt
werden, beläuft sich nach den Angaben des Präsidenten auf rund 5 Millionen Mann, 2200 Kriegsschiffe und 25 000 Flugzeuge, die Hälfte davon
Düsenmaschinen.
Die Ausgabeermächtigung von 2 Milliarden Dollar für das Militärhilfe-Programm im Jahre 1960/61, die Eisenhower in seiner Botschaft fordert, wird nach Ansicht des Präsidenten für die Ausbildung und das erforderliche Material zur Unterstützung der Streitkräfte ausreichen, die
von den Vereinigten Staaten Militärhilfe erhalten.
Auf die Militärhilfe für Westeuropa eingehend, erklärte Eisenhower
wörtlich: "Die Verteidigung Westeuropas in diesem Zeitalter der modernen
Waffen ist kostspielig und muß durch die gemeinsamen Anstrengungen aller
NATO-Staaten erreicht werden. Viele dieser Staaten haben jetzt die Verantwortung für die Produktion oder den Ankauf konventioneller Waffen und
Ausrüstungsgegenstände übernommen, die früher von den Vereinigten Staaten
geliefert worden waren. Das Militärhilfe-Programm 196O/61 sieht sich aber
zur gleichen Zeit einem dringenden Bedarf an neuen und kostspieligen Waffen gegenüber, bei denen die freie Welt immer noch eine Hilfe von seiten
der USA erwartet. Außerdem sieht die Militärhilfe intensivierte Ausbildungsprogramme vor, die eine wirksame Anwendung und eine entsprechende
Pflege des neuen Materials durch die Streitkräfte der Verbündeten gewährleisten."
Abschließend erklärt Eisenhower, daß sein Budget auch eine entsprechende Militärhilfe für Staaten in anderen Teilen der Welt vorsieht,
die eine Verteidigungskapazität gegen Aggression und Subversion aufbauen.
Bei diesen Staaten, die sich zum Teil bereits zu kollektiven Verteidigungsbündnissen wie SEAT0 oder CENT0 zusammengeschlossen hätten, werde
die Militärhilfe hauptsächlich in der Stärkung der konventionellen Streitkräfte bestehen, wie sie - je nach der Art der in den einzelnen Räumen
bestehenden Gefahren - zur Verhinderung von Aggressionen erforderlich sind.
Auslandshilfe
Für das Gemeinsame Sicherheitsprogramm der USA - die amerikanische
Auslandshilfe - fordert Präsident Eisenhower für das neue Haushaltsjahr
insgesamt 4,175 Milliarden Dollar an. Dieser Betrag liegt um 949 Millionen
Dollar über der Summe, die der amerikanische Kongreß für das gegenwärtig
laufende Haushaltsjahr bewilligt hat. Der größte Teil dieses Mehrbetrages - nämlich 700 Millionen Dollar - soll für die militärische Unterstützung ausgegeben werden. Die im Rahmen der Auslandshilfe im Haushaltsjahr 196O/61
.sächlich anfallenden Ausgaben werden auf 3,45 Milliarden
Dollar veranschlagt. Das sind 100 Millionen Dollar mehr als im gegenwärtigen Rechnungsjahr.
Im einzelnen teilt sich die Auslandshilfe - wie aus der -Haushaltsbotschaft ersichtlich wird - in 2 Milliarden Dollar für die militärische
Unterstützung und 2,175 Milliarden Dollar für die Wirtschaftshilfe auf.
Im Rahmen der wirtschaftlichen Hilfe sind unter anderem 724 Millionen Dollar

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Dollar für die sogenannte Verteidigungsunterstützung, 700 Millionen Dollar
für den Entwicklungsanleihefonds und 268 Millionen Dollar für Sonderhilfsprogramme vorgesehen. Diese Beträge liegen hei der Verteidigungsunterstützung um 29 Millionen Dollar, beim Entwicklungsanleihefonds um 150
Millionen Dollar und hei der Sonderhilfe um 23 Millionen Dollar über den
Summen, die für das gegenwärtige Rechnungsjahr jeweils vom Kongreß bewilligt
wurden.
Präsident Eisenhower weist in seiner Botschaft darauf hin, daß die USA
durch ihr Gemeinsames Sicherheitsprogramm wesentlich zur Förderung der Stabilität und des wirtschaftlichen Wachstums der Entwicklungsländer sowie zur
Stärkung der Verteidigung der freien Welt beitragen.
"Viele der Entwicklungsländer", so heißt es in dem Abschnitt über die
Verteidigungsunterstützung wörtlich, "die an der gemeinsamen Verteidigung
teilhaben, unterhalten große militärische Streitkräfte, deren Kosten eine
gewaltige Belastung für ihre begrenzten wirtschaftlichen Hilfsquellen darstellen. Um bei der Sicherung der politischen und wirtschaftlichen Stabilität dieser Länder zu helfen sowie zu verhindern, daß die Kosten der notwendigen Verteidigungsstreitkräfte die wirtschaftliche Entwicklung über Gebühr beeinträchtigen, gewähren die USA wirtschaftliche Hilfe, und zwar in
erster Linie dadurch, daß Verbrauchsgüter sowie Rohmaterialien und Maschinen
für die industrielle Produktion geliefert werden."
Bei seinem Überblick über die Tätigkeit des Entwicklungsanleihefonds,
der im Jahre 1957 ins Leben gerufen wurde, um den Entwicklungsländern zu
günstigen Bedingungen Kapital zur Verfügung zu stellen, hebt Eisenhower hervor, daß bis Ende des Finanzjahres 1959/60 rund 148 Anleihezusagen in Gesamthöhe von etwa 1,4 Milliarden Dollar gemacht sein werden, Über 75 Prozent
der aus dem Fonds finanzierten Projekte entfallen auf den Bau von Straßen,
Eisenbahnen, Elektrizitätswerken sowie auf. industrielle Vorhaben und die
Schaffung von industriellen Entwicklungsbanken. Da sich die meisten dieser
Projekte über mehrere Jahre erstrecken, so heißt es in der Botschaft des
amerikanischen Präsidenten weiter, seien die tatsächlichen Auszahlungen
bisher relativ klein gewesen. Für das neue Haushaltsjahr würden diese jedoch auf rund 300 Millionen Dollar veranschlagt - 125 Millionen Dollar mehr
als im laufenden Haushaltsjahr. Die neu angeforderten Mittel würden die Anleihen sicherstellen, die für das wirtschaftliche Wachstum der Entwicklungsländer der freien Welt - eines der Ziele der amerikanischen Außenpolitik notwendig seien.
Unter die Sonderhilfsprogramme fällt in erster Linie die Wirtschaftshilfe an verschiedene Länder der freien Welt, deren militärische Streitkräfte die USA nicht direkt unterstützen. Weitere Programme, die unter dieser Rubrik rangieren, sind für die Verbesserung der Verhältnisse in Afrika,
vor allem auf dem Erziehungs-, Gesundheits- und Verwaltungssektor, gedacht.
AtomenergieProgramm
"Es wird damit gerechnet, daß die Ausgaben für die Atomenergie-Kommission
(AEG) im Jahre 1960/61 mit etwa 2,7 Milliarden Dollar auf der Höhe des Jahres.
1959/60 bleiben. Eine beträchtliche Steigerung der Aufwendungen für Forschungs- und Entwicklungsaufgaben wird durch Reduzierung der Ausgaben für
die Beschaffung von Uranerzkonzentraten von amerikanischen und kanadischen
Produzenten ausgeglichen werden. Durch diese Reduzierungen werden die Erzlieferungen in ein besser ausgewogenes Verhältnis zu den Produktionserfordernissen gelangen.

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Die Entwicklung und Produktion von Kernwaffen wird im Jahre 1960/61
a.uf der hohen Stufe der vergangenen Jahre bleiben. Die Entwicklung von
militärischen Reaktoren für eine Vielzahl von Antriebs- und Energieerzeugungszwecken wird weiterhin energisch vorangetrieben werden. Mit der
Inbetriebnahme des auf dem Lande aufgebauten Modellreaktors für einen
Zerstörer im Jahre 1961, zusammen mit den 4 anderen schon fertigen Modellreaktoren der Marine, werden Atomantriebsanlagen für größere Kriegsschiffe zur Verfügung stehen. Bei der Entwicklung von Kernreaktoren für die
Marine wird im Jahre 1960/61 der Nachdruck in erster Linie auf der Herstellung von verbessertem und länger verwendbarem Reaktorbrennstoff liegen.
Die Entwicklung von Atom-Düsenantriebsaggregaten für Raketen sowie die Entwicklungsarbeiten für Atomflugzeuge und Atomkraftanlagen zur Elektrizitätserzeugung auf weit abgelegenen Militärstützpunkten werden weiter fortgeführt werden."
Atomenergie für friedliche Zwecke
"Die Ausgaben für die Entwicklung von Atomkraftstrom auf dem zivilen
Sektor sind für das Jahr 1960/61 auf 250 Millionen Dollar veranschlagt.
Von diesem Betrage sind 185 Millionen Dollar für die eigentliche Forschung
und Entwicklung und 65 Millionen Dollar für den Bau von Kraftreaktoren und
den dazugehörigen Entwicklungsanlagen für den zivilen Bedarf vorgesehen.
In den veranschlagten Ausgaben sind die Beträge aus den vorgeschlagenen
neuen Bewilligungen in Höhe von 40 Millionen Dollar enthalten, die für
die Unterstützung privater oder öffentlicher Elektrizitätswerke zur Entwicklung und für den Bau von Probe-Atomkraftwerken vorgesehen sind oder
für solche direkt von der Regierung unternommenen Bauten, die sich als
notwendig erweisen könnten. Die Zahl, die Typen und die Größe der zu
bauenden Reaktoren und die Art der gewährten Unterstützung wird von der
AEC nach Überprüfung des technischen Standes und der von der Industrie
vorgeschlagenen Zusammenarbeit festgelegt werden."
Physikalische und physiologische Forschung
"Die Ausgaben der Atomenergie-Kommission für physikalische und
physiologische Forschungen werden im Jahre I96O/61 erneut beträchtlich
ansteigen und auf über 210 Millionen Dollar klettern. Eine derartig intensive Forschung wird mithelfen, den Vereinigten Staaten weiterhin die
führende Position beim Studium der Verhaltensweise der Grundbestandteile
der kosmischen Materie und der Auswirkungen energiereicher Strahlung auf
den Menschen und seine Umwelt zu erhalten. Der größte Teil der erhöhten
Finanzmittel wird dazu verwendet werden, innerhalb der nächsten 18 Monate
drei neue Teilchenbeschleuniger mit einem Energiebereich von mehreren
Milliarden Elektronenvolt in Betrieb zu nehmen, darunter das A-G-Synchrotron (Alternating Gradient Synchrotron) im Staatslaboratorium von Brookhaven."
Unterstützung des .Zivilen '.Veitraumprogramms
"Zur Unterstützung des Zivilen Weltraumprogramms wird die AEC die
Entwicklungsarbeiten an den atomgetriebenen Raketen und den kleinen Atomenergieaggregaten mit langer Betriebsdauer für Raumfahrzeuge weiterführen.
Auch die Entwicklungsarbeiten auf dem Gebiet der thermonuklearen Energie- D1-

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Energiegewinnung und der Anwendung von Atom-Explosivmitteln für eine ganze
Reihe von Aufgaben im zivilen Bereich werden im Jahre 1960/61 fortgesetzt
werden.
Erweiterung der Arsenalbestände und der Verteidigungsproduktion
Die meisten der Ziele, die in bezug auf die Einlagerung von strategisch und anderweitig wichtigem Material gesetzt worden waren, sind jetzt
erreicht. Weiteres Material - aus den Kontrakten zur Förderung der Erweiterung der Verteidigungsproduktion - kommt in reduziertem Maße herein,
da die Zahl der noch bestehenden Kontrakte abnimmt. Man rechnet daher mit
einem Absinken der für die Einlagerung von Material und für die Erweiterung
der Verteidigungsproduktion verausgabten Mittel von 230 Millionen Dollar
im Jahre 1959/60 auf 134 Millionen Dollar im Haushaltsjahr 1960/61.
Wo es möglich ist, verhandelt man zur Zeit über Zusätze zu den noch
laufenden Kontrakten, um die Auslieferung der für die Arsenale nicht länger benötigten Materialien, soweit es geht, zu drosseln. Außerdem werden
Vorkehrungen getroffen, um Materialvorräte, die über den für die Arsenale
festgesetzten Zielen liegen, abzustoßen, soweit der Markt dadurch nicht
ernsthaft gestört oder unsere internationalen Beziehungen nicht ungünstig
beeinflußt werden."
Nichtmilitärische Weltraumpro.jekte
Die Ausgaben für nichtmilitärische Weltraumprojekte werden im neuen
Finanzjahr "praktisch verdoppelt" werden. Dadurch soll ein energischer
und systematischer Ausbau der wissenschaftlichen Weltraum-Forschungsprogramme und die Entwicklung der für den Vorstoß in den Weltenraum so
wichtigen überstarken Raketen-Treibsätze möglich gemacht werden.
Eisenhower fordert zur Finanzierung der Programme des amerikanischen
Bundesamtes für Aeronautik und Raumfahrt (NASA) im Finanzjahr 1960/61 einen
Gesamtbetrag von 545 153 000 Dollar, während der NASA im laufenden Haushaltsjahr nur 320 350 000 Dollar zur Verfügung standen.
Bei dem Arbeitsprogramm der NASA soll der Nachdruck im Jahr 1960/61
vor allem auf das "Projekt Merkur" - Abschuß eines bemannten Weltraumflugkörpers - gelegt werden. Falls die Versuche und technischen Tests weiterhin so erfolgreich wie bisher verlaufen, könne vielleicht schon im Jahre
1960/61 der Versuch gemacht werden, einen bemannten Flugkörper in den
Weltraum zu schicken. Außerdem wird die NASA die "Saturn"-Raketenkombination weiter erproben, die Entwicklungsarbeiten an einem Einkamm«xtriebwerk mit hoher Schubleistung weiterführen und im Rahmen des Projekts
"Centaur" eine Raketenkombination erproben, bei der die letzten Stufen
einen neuartigen Treibstoff von besonders hohem Energiegrad benutzen.
Schließlich wird das Amt für Aeronautik und Raumfahrt weitere künstliche
Satelliten und "Raketensonden" zur Fortsetzung der wissenschaftlichen
Arbeiten in der Meteorologie, der Weltraumphysik, der Aerodynamik und
der Funktechnik in den Raum schießen.
Internationale Aufgaben
"Die Vereinigten Staaten", so heißt es hierzu in der Botschaft Präsident Eisenhowers wörtlich, "werden auch weiterhin Programme unterstützen.

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unterstützen, die den Weltfrieden fördern und die wirtschaftlichen Verhältnisse in der freien Welt verbessern sollen. Unserem Beitrag zur Verbesserung der wirtschaftlichen Bedingungen schließen sich in immer größerem Maße unsere Freunde in der freien Welt an, die nunmehr - nachdem
sie sich von den Zerstörungen des Krieges erholt haben - einen hohen
Grad an Prosperität erreicht haben. Daher werden die multilateralen
Programme entsprechend erweitert..."
Für die Durchführung internationaler Aufgaben wie für amerikanische
Beitragszahlungen an internationale Gremien sowie andere zwischenstaatliche Verpflichtungen der USA fordert Präsident Eisenhower im neuen Haushaltsjahr 2,2 Milliarden Dollar. Dieser Betrag liegt um 177 Millionen
Dollar über den geschätzten Ausgaben des gegenwärtigen Finanzjahres.
(Weitere Angaben siehe "Auslandshilfe")
Aufgaben des amerikanischen Außenministeriums
Zur Durchführung der Aufgaben des amerikanischen Außenministeriums
im Ausland wird eine Ausgabeermächtigung in Höhe von 205 Millionen Dollar
beantragt. Eisenhower weist im Zusammenhang mit dieser Forderung darauf
hin, daß der Stab der amerikanischen Abrüstungssachverständigen angesichts
der im März in Genf beginnenden Abrüstungsbesprechungen sowie der gegenwärtigen Atomverhandlungen erweitert werden müsse. Ferner würden die
USA neue diplomatische und konsularische Vertretungen in Afrika, Lateinamerika, Südasien und Osteuropa einrichten. Auch das Sprachenprogramm des
amerikanischen Außenministeriums soll im kommenden Finanzjahr intensiviert
werden.
Informations- und Austauschprogramme
Für Informations- und Austauschprogramme werden in dem neuen Haushalt
insgesamt 168 Millionen Dollar eingesetzt. Eisenhower begründet diesen
Posten vor allem mit der geplanten Erweiterung der Tätigkeit des amerikanischen Informationsamtes (USIA) in Afrika und Lateinamerika, wozu auch
die Errichtung eines neuen Senders für die ''Stimme Amerikas" in Afrika
gehört. Ferner sollen die Sendeeinrichtungen in den USA verbessert und
verstärkt werden, um einen besseren Empfang im Ausland zu gewährleisten.
Weiter will das amerikanische Informationsamt auch die Tätigkeit auf dem
Gebiete des Fernsehens im Ausland intensivieren. Das Austauschprogramm
der USA mit insgesamt 80 Ländern soll ebenfalls erweitert werden, wobei
in erster Linie an den Austausch von Erziehern und führenden Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens gedacht ist.

* • * *

*

�A M E R I K A

D I E N S T

Wi./22.1 .1960
EISENHOWER LEGT WIRT SCHAFTSBERICHT VOR

WASHINGTON -- AD -- Als dritte große Botschaft
dieses Jahres unterbreitete Präsident Eisenhower dem amerikanischen Kongreß am 20. Januar
-196O seinen traditionellen Wirtschaftsbericht,
in dem er den gegenwärtigen Stand der amerikanischen Wirtschaft aufzeigt und einen Ausblick auf die wirtschaftlichen Aussichten des
kommenden Jahres gibt. Nachstehend bringen wir
das Begleitschreiben des Präsidenten und eine
Zusammenfassung des Wirtschaftsberichts.

Wortlaut des Begleitschreibens
Weißes Ha„us, 20. Januar i960
An den Kongreß der Vereinigten Staaten
Ich unterbreite hiermit meinen Wirtschaftsbericht, wie
dies in Absatz JA des Beschäftigungsgesetzes (Employment Act)
von 1946 gefordert wird.
Bei der Ausarbeitung des Berichtes standen mir der Wirtschaftsbeirat sowie die Leiter der Ministerien und unabhängigen Bundesbehörden, die von den hier erörterten Fragen direkt
betroffen werden, mit Rat und Unterstützung zur Seite. Der
Bericht gibt einen Überblick über die wirtschaftlichen Entwicklungert des Jahres sowie über die Maßnahmen, die auf den
wichtigsten Gebieten der Wirtschaftspolitik ergriffen wurden,
um eine gesunde Expansion der Beschäftigung, der Produktion
und des Einkommens zu fördern. Er zeigt ferner ein Programm
für das Jahr 196O auf, das in Zusammenhang mit den gegenwärtigen und zukünftigen wirtschaftlichen Verhältnissen und Bedingungen die Zielsetzungen des Beschäftigungsgesetzes in
wirksamer Weise realisieren wird.
Die wichtigsten Schlußfolgerungen und Empfehlungen des
Berichtes werden anschließend aufgeführt, zum Teil mit den
Worten des Berichtes selbst.
Im

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22. Januar i960

Im ersten Quartal des Jahres 1959 hatte die Anfang 1958 einsetzende wirtschaftliche Erholung Produktion und Einkommen "bereits
auf einen Stand gebracht, der höher war als jemals zuvor in der
amerikanischen Wirtschaft. Ein weit«rer beträchtlicher Fortechritt
konnte im Verlauf des Jahre» 1959 erzielt werden, und zwar trotz
der tiefgreifenden Auswirkungen des 1l6tägigen Streiks in der
Stahlindustrie.
Die Erzeugung an Gütern und Dienstleistungen der USA erreichte
im vierten Quartal 1959 eine Jahresrate von 482 Milliarden Dollar.
Nach Ausschaltung der inzwischen eingetretenen Preisänderungen lag
diese Produktionsrate um 3»5 Prozent höher als die im Vergleichszeitraum des Jahres 1958 erzielte Rate. Im Dezember 1959 erreichte
der Gesamtbeschäftigtenstand unter Berücksichtigung der saisonbedingten Einflüsse mit 66,2 Millionen «ine Rekordhöhe und das Personaleinkommen eine Jahresrate von 591 Milliarden Dollar - 24 Milliarden Dollar mehr als ein Jahr zuvor. Unter Berücksichtigung des
Preisanstiegs bedeutet diese Zunahme des gesamten Personaleinkommens
im Jahre 1959 eine Erhöhung der tatsächlichen Kaufkraft unserer
Nation um nahezu 5 Prozent.
Wir haben bei unserem Ausblick guten Grund, darauf zu vertrauen, daß dieser wirtschaftliche Fortschritt auch im Jahre i960
anhält. Darüber hinaus kann er sich bei angemessenen privaten Maßnahmen und einer entsprechenden Politik der öffentlichen Hand sehr
wohl auch über das laufende Jahr hinaus erstrecken.
Wie immer in Zeiten einer schnellen wirtschaftlichen Expansion
müssen wir jedoch spekulative Maßlosigkeit sowie alle Handlungen vermeiden, die die Erfolge auf einen so kurzen Zeitraum zusammendrängen
würden, daß diese Wachstumsrate dann nicht weiter aufrechterhalten
werden könnte. 'Wir müssen sowohl durch private Maßnahmen als auch
durch öffentliche Politik den inflationären Druck, der die Grundlage
einer hohen und anhaltenden Wachstumsrate unterminieren könnte, auf
ein Mindestmaß zu begrenzen und auf diesem Mindestmaß zu halten
suchen.
Drei Faktoren sind im Regierungsprogramm zur Verwirklichung
des Ziels einer hohen Produktion und Beschäftigung sowie eines
hohen Einkommens, wie dies im Beschäftigungsgesetz dargelegt ist,
von "besonderer Bedeutung!
1. Positive Maßnahmen zu den im Budget für das Finanzjahr 1960/61
niedergelegten Empfehlungen hinsichtlich der Bewilligungen und der
die Bundeseinnahmen betreffenden Ansätze durch den Kongreß.
2. Die Verwendung des erzielten Überschusses, der gegenwärtig
auf 4»2 Milliarden Dollar veranschlagt wird, für den Abbau der Staatsschuld.
3. Maßnahmen seitens des Kongresses zur Beseitigung der Zinssat zbegrenzungen, die gegenwärtig eine antiinflationär wirkende Handhabung der Bundesschuld verhindern.
Ferner

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22. Januar i960

Ferner werden zahlreiche weitere Vorschläge, von denen eine
ganze Reihe in Abschnitt 4 des Wirtschaftsberichtes aufgeführt wird,
unterbreitet werden, die die bereits bestehenden Wirtschafts- und
Finanzprogramme der Bundesregierung ergänzen sollen.
Nach dem Ausgleich des Budgets, mit dem für das Finanzjahr
1959/60 gerechnet werden kann, werden diese drei im Regierungsprogramm für i960 niedergelegten Faktoren die im Zuge der Politik des
unabhängigen Federal-Reserve-Bankensystems zur Aufrechterhaltung
eines wirtschaftlichen Wachstums geleisteten unerläßlichen Beiträge
fördern - und durch sie auch ihrerseits gefördert werden. Fiskalische und monetäre Maßnahmen, die machtvolle Instrumente zur Verhinderung der Weiterentwicklung eines inflationären Druckes darstellen, können einander überaus wirksam ergänzen.
Diese Regierungspolitik muß jedoch durch angemessene private
Maßnahmen, insbesondere hinsichtlich der Gewinne und Löhne, ergänzt werden. In unserem System der freien Wettbewerbswirtschaft
und der geteilten Verantwortung verlassen wir uns bei dem Bemühen,
ein inflationsfreies Wachstum zu erreichen, nicht allein auf die
Regierung. Im Gegenteil, wenn ein solches Wachstum erreicht werden
soll, dann ist ein Zusammenwirken geeigneter privater Maßnahmen und
öffentlicher Politik unerläßlich. Die erfolgreiche Verwirklichung
der vor uns liegenden Möglichkeiten wird daher in großem Maße davon
abhängen, wie die Industrie, die Gewerkschaften und" die Verbraucher
ihre Aufgaben in der Wirtschaft erfüllen.
In unserer freien Gesellschaft ist eine gut informierte und
wachsame öffentliche Meinung zur Erreichung der für die Preisstabilität und ein kräftiges wirtschaftliches Wachstum notwendigen
Bedingungen unerläßlich. Eine solche öffentliche Meinung kann eine
wirksame Sicherung gegen Versuche sein, Preise und Löhne willkürlich auf eine Höhe zu bringen, die mit dem allgemeinen Wohl unvereinbar ist. Eine informierte öffentliche Meinung ist ebenfalls zur
Unterstützung der Gesetze und Bestimmungen notwendig, die den
Rahmen für die Führung unserer Wirtschaftspolitik bilden.
Ferner ist es erforderlich, in der breiten Öffentlichkeit ein
größeres verständnis dafür zu erreichen, daß zwischen Produktivität
und Gewinn sowie Kosten und Preisen ein fester Zusammenhang besteht.
Es wäre ein schwerer Fehler, würde man annehmen, daß wir mit Erfolg
an die Stelle eines solchen Verständnisses einfach entsprechende
Gesetze oder Kontrollen setzen könnten. Ja, der umfassende Zusammenhang, um den es hier geht, kann gar nicht durch Gesetze fixiert werden, und alle Versuche, diesen Zusammenhang durch restriktive Regierungsmaßnahmen festzulegen, würden unsere Freiheit und die übrigen für ein gesundes wirtschaftliches Wachstum notwendigen Bedingungen gefährden.
Unser System der freien Einrichtungen und der geteilten Verantwortung hat uns bei der Erreichung des wirtschaftlichen Wachstums und
der Verbesserung der wirtschaftlichen Verhältnisse gute Dienste geleistet. Auf Grund unserer in der Vergangenheit gewonnenen Erfahrungen vertrauen wir darauf, daß wir in Zukunft den sich ändernden und

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22. Januar 196O

und vergrößernden Anforderungen im Rahmen dieses flexiblen Systems
gerecht werden können - eines Systems, das seine Stärke aus dem
Anreiz gewinnt, den es für den einzelnen bietet, aus dem Spielraum,
den es der Initiative und den Maßnahmen des einzelnen läßt, sowie
aus der sicheren Gewißheit, daß die Regierung dem Willen des Volkes
auch weiterhin entsprechen wird.
Dwight D. Eisenhower

Zusammenfassung der Wirtschaftsbotschaft
Gute Aussichten für 1960
In seinem zwei Tage nach der Vorlage des neuen amerikanischen
Haushalts dem Kongreß unterbreiteten Wirtschaftsbericht, der von
zahlreichen Tabellen und Statistiken untermauert wird, betont Eisenhower, daß auf Grund der vorliegenden Anzeichen die derzeitige wirtschaftliche Expansion auch über das Jahr i960 hinaus andauern dürfte
- vorausgesetzt, daß die Regierung und die Privatwirtschaft sich
entsprechend verhalten. Einschränkend fügt Eisenhower hinzu, daß es
allerdings in einer dynamischen freien Wirtschaft stets schwierig
sei, die genaue Entwicklung von Produktion, Beschäftigtenstand
und Einkommen über einen längeren Zeitraum hinweg vorauszusagen.
Die letzten Ereignisse und die gegenwärtige Wirtschaftslage ließen
jedoch eindeutig darauf schließen, daß die Nachfrage der Wirtschaft
nach Kapitalgütern sowie die Aufstockung der Lagerbestsnde sich im
kommenden Jahr als die entscheidenden Faktoren erweisen werden.
Vor allem in den nächsten Monaten werde diese Nachfrage besonders
stark sein, da zahlreiche infolge des Stahlstreiks hinausgeschobene
oder verzögerte Projekte nunmehr zur Ausführung kämen. Erhebungen
über die Absichten der Wirtschaft sowie die erhöhte Auftragsvergebung bestätigten diesen Trend. Auch in der Landwirtschaft sei
mit einer erheblichen Nachfrage nach Maschinen und Geräten zu
rechnen. Dagegen würden die Aufwendungen für den Wohnungsbau
nicht mehr ganz so hoch wie 1959 sein. Allerdings werde der Rückgang auf diesem Sektor nur begrenzt und die Bautätigkeit immer noch
höher als in den meisten letzten Jahren sein. Bei den Ausgaben der
Bundesregierung würden sich in der ersten Hälfte des Jahres kaum
Änderungen ergeben. Im weiteren Verlauf des Jahres sei allerdings
mit einer leichten Zunahme zu rechnen, sobald die in dem neuen
Bundeshaushalt für 1960/61 vorgesehene Entwicklung der Wasserwirtschaft» die anderen öffentlichen Aufträge sowie die Raumfahrtprogramme zum Tragen kommen. Dagegen sei eine weitere Ausgabenausweitung
auf einzelstaatlicher und kommunaler Ebene zu erwarten, vor allem
infolge der ständigen Bevölkerungszunahme und des hierdurch bedingten größeren Bedarfs an Dienstleistungen, Schulen und sonstigen
öffentlichen Einrichtungen.
Die erhöhten Aufwendungen der Wirtschaft, so betont der Bericht,
würden im Zusammenwirken mit den übrigen Trends zu einer starken
Ausweitung von Produktion, Beschäftigtenstand und Einkommen führen.
Damit werde die Arbeitslosigkeit weiter zurückgehen, und die Verbraucher-

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22. Januar 196O

Verbrauchereinkommen und -ausgaben dürften sich im Verlaufe des
Jahres wesentlich erhöhen. Der Bedarf an Investitionsmitteln
sowie ein beträchtliches Volumen an Konsumentenkrediten werde
zu einer erheblichen Nachfrage auf dem Kapitalmarkt führen. Auf
der anderen Seite dürften auf Grund der hohen Einkommen und Sparleistungen auch mehr Gelder für Investitionszwecke zur Verfügung
stehen. Hier dürfte der im Haushaltsjahr 1960/61 zu erwartende
beträchtliche Haushaltsüberschuß ausgleichend wirken.
Eisenhower unterstreicht weiter, daß die Bundesregierung einen
grundlegenden Beitrag zur Schaffung eines für ein wirtschaftliches
Wachstum günstigen Klimas leisten kann, und zwar durch eine konstruktive und vorausschauende Finanz- und Steuerpolitik. In Zeiten
der Prosperität und steigender Produktion, Beschäftigtenzahlen und
Einkommen bestehe die richtige Finanzpolitik darin, einen wesentlichen Einnahmenüberschuß zu erwirtschaften, und angesichts der für
die nächste Zukunft zu erwartenden wirtschaftlichen Entwicklung
sollte dieser Überschuß zur Tilgung der Staatsschuld verwandt
werden. Auf diese Weise werde den inflationären Tendenzen entgegengewirkt und ein gesundes wirtschaftliches Wachstum gefördert.
Aber auch die Privatindustrie, so fährt Eisenhower fort,
könne durch richtige Handhabung der von ihr kontrollierten Hilfsquellen zur Stärkung der Gesamtwirtschaft beitragen. Sie könne unter
anderem den Produktivitätszuwachs auf dem privaten Sektor dadurch
beschleunigen, daß sie einen größeren Prozentsatz ihrer Mittel für
Investitionen und die Forschung bereitstellt. Weiter sollte die
Industrie eine für die Marktausweitung günstige Preispolitik verfolgen und durch Verbesserung des Ausbildungsstandes der Belegschaften
jegliches unrationelles Arbeiten ausschalten. Gleichzeitig appelliert
Eisenhower an Gewerkschaften und Arbeitgeber - die eine gemeinsame
Verantwortung für die Förderung des wirtschaftlichen Wachstums tragen
-»auftretende Unstimmigkeiten umgehend und ohne eine Unterbrechung
der Arbeit beizulegen. Solche Unstimmigkeiten sollten zu Bedingungen
beigelegt werden, die sowohl für die Allgemeinheit wie auch für die
direkt beteiligten Parteien fair sind... Gerade die Ereignisse des
vergangenen Jahres hätten gezeigt, welcher Schaden entstehen kann,
wenn die für die Beilegung von Streitigkeiten in der Industrie
festgelegten Methoden zusammenbrechen. Darüber hinaus, so betont
Eisenhower, sei eine wachsame und gutunterrichtete Öffentlichkeit
vonnöten, die zur Schaffung der für Preisstabilität und eine dynamische Wirtschaftsexpansion erforderlichen Bedingungen beitragt.
Wirtschaftliche Entwicklung im Jahre 1959
Der wirtschaftliche Wiederaufschwung in den Vereinigten Staaten,
der Anfang 1958 begann, brachte die Produktion und die Einkommen im
ersten Quartal 1959 erneut auf einen hohen Stand. Die Produktionsleistung;
der Nation überschritt, an der Menge der erzeugten Güter
und Dienstleistungen gemessen, die früheren Höchststände. Die Einkommen lagen ebenfalls über dem bisherigen Rekord und die Zahl der
in der zivilen Wirtschaft Beschäftigten war - wenn auch immer noch
unter dem im zweiten Quartal 1957 erreichten Höchststand liegend - unter

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22. Januar 196O

unter Berücksichtigung der saisonbedingten Schwankungen um 1,2 Millionen
höher als Mitte 1958.
Diese Aufwärtsentwicklung setzte sich im ganzen Jahr 1959 fort, wenn
auch die Wirtschaftstätigkeit durch den 1l6tägigen Stahlstreik, der am
15« Juli begann, stark in Mitleidenschaft gezogen wurde. Die Entwicklungen
in der Stahlindustrie hatten zuerst einen expansiven, dann jedoch einen
zunehmend kontraktiven Einfluß. Vorgreifende Einkäufe von Stahl und Stahlerzeugnissen beschleunigten die Steigerung der Produktionsleistung der
Nation im ersten Halbjahr, führten jedoch zu einem Absinken des Bruttosozialprodukts im dritten Quartal, da etwa 85 Prozent der Stahlkapazität
still lag und die Produktion der stahlverarbeitenden Industrie im wesentlichen mit vorher produziertem Stahl aufrechterhalten werden mußte. Trotzdem belief sich die gesamte Produktionsleistung der Nation zum Jahresende auf Jahresbasis umgerechnet - auf 482 Milliarden Dollar; der Beschäftigtenstand war - unter Berücksichtigung der saisonbedingten Schwankungen auf 66,2 Millionen angestiegen, was einen Höchststand in unserer Geschichte
bedeutet; und das Personaleinkommen erreichte zum Jahresende eine Jahresrate von 591 Milliarden Dollar und lag damit (nach Anpassung an preisliche
Verändei'ungen) um 5 Prozent höher als im letzten Monat des Jahres 1958..."
Beschäftigtenstand und Einkommen
"Das Ansteigen des Beschäftigtenstandes und der Einkommen, das sich
an die Aufwärtsentwicklung der Wirtschaft im Jahre 1958 anschloß, erfuhr
im Jahre 1959 eine weitere rasche Beschleunigung, Im Januar erhöhte sich
die durchschnittliche Länge der Arbeitswoche in der Industrie auf 40,1
Stunden (unter Berücksichtigung der saisonbedingten Schwankungen) gegenüber
einem Tiefstand von 38,7 Stunden während der Rezession. Der Gesamtbeschäftigtenstand in der zivilen Wirtschaft war um über 1 Million angestiegen (unter
Berücksichtigung der saisonbedingten Schwankungen) gegenüber seinem zyklischen Tiefstand, und die Arbeitslosigkeit war von einem Höchststand während
der Rezession von 7»5 Prozent der zivilen Arbeitskräfte auf 6 Prozent zurückgegangen .
Im Laufe des Jahres brachte die wirtschaftliche Expansion einen immer
stärkeren Bedarf an Arbeitskräften. Die durchschnittliche Länge der Arbeitswoche in der Fertigungsindustrie stieg auf 40,7 Stunden im April - dem
Höchststand seit April 1956 - und die durchschnittliche Zahl der Überstunden in der Fertigungsindustrie stieg im Juni scharf auf fast 3 Stunden in
der Woche an. Längere Arbeitswochen und mehr Überstunden waren auch in den
meisten anderen Industrien die Regel.
Die Arbeitslosigkeit änderte sich während der ersten Monate des Jahres
1959 nur sehr wenig, da die Zunahme des Beschäftigtenstandes durch das Anwachsen des Arbeitskräftepotentials beinahe ausgeglichen wurde. Zu Beginn
des Frühjahres jedoch, als die Produktion Rekordstände erreichte, stieg die
Zahl der Beschäftigten rasch an, überschritt das Wachstum des Arbeitskräftepotentials, und die Arbeitslosigkeit ging zurück. Die Gesamtzahl der nicht
in der Landwirtschaft Beschäftigten stieg (unter Berücksichtigung der
saisonbedingten Schwankungen) in den vier Monaten von Februar bis Juni 1959
um fast 1,3 Millionen an, und die Zahl der Arbeitslosen ging um 75O 000
zurück. Bis Mitte des Jahres war die Zahl der Arbeitslosen auf etwa 5 Prozent

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5 Prozent des Arbeitskräftepotentials gefallen; die langfristige Arbeitslosigkeit - die Zahl der Personen, die 15 Wochen oder länger Arbeit suchen lag um 1 Million unter dem Höchststand von fast 2 Millionen während der Rezession; die Arbeitslosigkeit unter Männern im Alter von 25 Jahren und •darüber war wesentlich niedriger als im Jahre 1958» und die Arbeitslosenrate
für verheiratete Männer lag im Juni 1959 mi~t 2,7 Prozent ebenfalls weit
unter dem Höchststand während der Rezession. Dessen ungeachtet lagen diese
Zahlen über denen, die vor der Rezession 1957/58 zu verzeichnen waren, und
die Arbeitslosenzahl blieb, besonders bei Personen ohne Arbeitserfahrung,
bei Bergleuten und bei Farbigen,verhältnismäßig hoch. Der Gesamtstand der
Arbeitslosen wurde jedoch in raschein Maße reduziert, bis diese Entwicklung
im Juli durch den Beginn des Stahlstreiks eine Umkehrung erfuhr...".
Internationale Entwicklungen
Unter dieser Überschrift wird in dem Wirtschaftsbericht eine kurze Darstellung der weltwirtschaftlichen Entwicklungen, insbesondere im Hinblick
auf den internationalen Zahlungsverkehr, gegeben. "Im Jahre 1959"» sc lwiß-t
es, "überstiegen im internationalen Zahlungsverkehr wie im Jahre 1958 die
Zahlungen der Vereinigten Staaten die Einnahmen bei weitem. Die Exporte
fielen - unter Berücksichtigung der saisonbedingten Schwankungen - im ersten Quartal des Jahres auf einen Tiefstand, begannen sich dann zu erholen
und stiegen im dritten Quartal wieder rasch an." Trotz des Stahlstreiks, so
wird weiter berichtet, blieb der Wert der US-Exporte von Januar bis einschließlich November gegenüber dem entsprechenden Zeitraum des Jahres 1958
gleich. Die US-Importe, von der Rezession 1957/58 fast unbeeinflußt, nahmen
bis Mitte 1959 in außergewöhnlicher Weise zu und blieben dann auf einem sehr
viel höheren Stand als in den Vorjahren stehen.
Zu diesen Entwicklungen, so wird betont, kamen eine starke Kapitalabwanderung und hohe militärische Ausgaben, wenn auch, besonders auf dem Sektor des privaten Kapitals, im Jahre 1959 eine Abschwächung gegenüber 1958 zu
verzeichnen war. Die Transferierung von Gold und flüssigen Dollarguthaben,
die sich als Folge der Lücke zwischen den Gesamtzahlungen und Einnahmen ergab, erreichte im zweiten Quartal 1959 eine Jahresrate von 4»5 Milliarden
Dollar. Die Situation habe sich dann, so heißt es in dem Bericht, teilweise
)
dank einer vorzeitigen britischen Rückzahlung von 25O Millionen Dollar an
die Export-Import-Bank, verbessert.
Die Veränderungen in der amerikanischen Zahlungsbilanz werden in dem
Bericht zum Teil auf das wirtschaftliche Wiedererstarken anderer Länder
zurückgeführt. In einigen Fällen habe sich die neuaufgetretene internationale Disparität von Kosten und Preisen zugunsten der anderen Länder ausgewirkt.
Auch das Absinken der Seefrachtraten habe den Zustrom ausländischer Güter
nach den USA erleichtert. Diese Einflüsse, so heißt es weiter, hätten sich
jedoch nicht ausschließlich in einer Richtung ausgewirkt. Eine Studie des
Handelsministeriums über die jüngsten Veränderungen des amerikanischen Anteils
an den Exportmärkten habe sowohl Gewinne als auch Verluste aufgezeigt. Die
Exportrückgänge hätten sich auf wenige Warensorten, darunter vor allem Automobile und Stahl, bei denen der Import zunahm, beschränkt.
Weiter

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196O

V/eiter seien in diesem Zusammenhang die wirtschaftlichen Fluktuationen im eigenen Land sowie im Ausland in Rechnung zu stellen. So gehe ein
Rückgang der Ausfuhr mit einer Schwächung der Importkapazität der anderen
Länder Hand in Hand. Umgekehrt spiegele der Aufschwung im amerikanischen
Exportgeschäft im Jahre 1959 e i n Wiederaufleben der wirtschaftlichen Expansion im Ausland wider. Daher müsse die Expansion in den Hauptabnehmerländern der USA ständig beobachtet werden.
Änderungen der Weltmarktlage
In einem Überblick über die Weltmarktlage weist Eisenhower in seinem
Bericht darauf hin, daß "sich die Wirtschaftsbedingungen im Jahre 1959
in praktisch allen Industrieländern verbessert haben." In Kanada wie in
den Vereinigten Staaten habe die Produktionsbelebung bereits im Jahre 1958
eingesetzt. Auch in Japan sei ein scharfer Anstieg der Produktionskurve
seit 1958 zu verzeichnen gewesen. Die Expansionsrate der Produktion sei
gerade in diesem Lande seither außerordentlich gestiegen.
Auch in Westeuropa habe die Wirtschaft nach Überwindung gewisser rückläufiger Tendenzen, die sich auch auf den Exportbedarf im Jahre 1958 ausgewirkt hätten, dann zu Beginn des Jahres 1959 eine kräftige Belebung der
Produktion zu verzeichnen gehabt. Der hierbei aufgetretene Zeitunterschied von neun Monaten zwischen dem Produktionsaufschwung in Nordamerika
und in Westeuropa habe für die E fcwicklung des Handels- und Zahlungsverkehrs auf beiden Seiten eine gewisse Bedeutung gehabt.
In der zweiten Hälfte des Jahres 1959 s e i ^ e i den meisten industriell
stärker entwickelten Ländern eine eindrucksvolle Belebung der Wirtschaftstätigkeit gegenüber dem Vorjahre festzustellen gewesen. Die Belebung habe
sich auf die meisten Industriezweige eistreckt, wobei die Kohlengruben aller
dings eine Ausnahme bildeten, was wiederum gewisse ungünstige Auswirkungen
auf die amerikanischen Kohlenverkäufe in Europa zur Folge hatte. Bei dem
Wirtschaftsaufschwung scheinen die Kapitalinvestitionen der Industrie eine
verhältnismäßig kleine Rolle gegenüber den Anforderungen auf anderen Sek- •
toren gespielt zu haben, der Kapitalmarkt habe sich zu Begihn des Jahres
auch im allgemeinen als recht schwach gezeigt. Dies habe sich dann aber
im Verlauf des Jahres in den meisten Industrieländern - vor allem aber in
Deutschland und Japan - geändert, als die Produktionsexpansion immer stärker
wurde.
Als einen der Gründe für die starke Ausweitung der Produktion in den
anderen Industrieländern führt der Bericht des Präsidenten die wachsende
Nachfrage nach Industrieerzeugnissen dieser Länder auf ihren Exportmärkten
an.
Die stärkste Exportnachfrage hätte sich anfänglich allerdings auf den
kanadischen Märkten gezeigt, während die Exporte nach den eigentlichen
Nicht-Industrieländern im ersten Quartal des Jahres 1959 noch 12 Prozent
unter den Exporten im gleichen Zeitraum des Vorjahres lagen und auch im
zweiten Quartal noch nicht über die des Vorjahres hinausgegangen waren.
Die schwache Nachfrage nach Exportgütern auf den Märkten der NichtIndustrieländer zu Beginn des Jahres 1959 s e i a u f z u knappe Devisenbestände

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22. Januar 196O

Devisenbestände auf Grund einer nur langsamen Anpassung ihres Imports an
die seit Mitte 1957 ständig weiter gesunkenen Preise ihrer Exportgüter
zurückzuführen. So sei zum Beispiel in Lateinamerika während dieser zwei
Jahre ein Absinken der Exportpreise - mit Ausnahme des Erdöls - um 20 Prozent zu beobachten gewesen. Nachdem sich das Exportvolumen der Nicht-Industrieländer dann aber Ende 1958 erweitert habe, habe sich auch ihre Devisenlage gebessert. Die Länder des Sterling-Blocks hätten in dieser Hinsicht
besonders durch die Belebung der Woll- und Gummimärkte profitiert.
Der amerikanische Außenhandel
Der Bericht hebt hervor, daß sich in den Exporten der Vereinigten Staaten in den ersten Monaten des Jahres 1959 die relativ geringe Nachfrage auf
den Weltmärkten und gewisse andere ungünstige Umstände widerspiegelten. So
stießen die amerikanischen Kohlenexporte zum Beispiel, trotz des günstigen
Preisangebotes, infolge der übermäßigen Haldenbestände in Europa auf Schwierigkeiten. Im zweiten und vor allem aber im dritten Quartal seien diese
widrigen Umstände weitgehend durch die Wirtschaftsexpansion der industriell
hochentwickelten Länder ausgeglichen worden. Auch die amerikanischen Agrarexporte seien in den beiden letzten Quartalen des Jahres 1959 angestiegen.
Die amerikanischen Warenkäufe haben dem Bericht Eisenhowers zufolge
in knapp einem Jahr um etwa 25 Prozent gegenüber dem Rezessionstiefstand
im ersten Quartal 1958 zugenommen. Demgegenüber seien die Ausgaben der Vereinigten Staaten im Ausland - vor allem die Ausgaben für die Truppen - in
den ersten drei Quartalen etwas niedriger als im Vergleichszeitraum 1958 gewesen, während die Ausgaben der amerikanischen Touristen wiederum etwas
höher lagen. Die Einnahmen aus den amerikanischen Auslandsinvestitionen hätten sich zwar unter denen des Jahres 1958 gehalten, jedoch im Verlauf des
Jahres eine gewisse steigende Tendenz gezeigt. Durch den Anstieg des amerikanischen Zinssatzes bedingt, sei der Kapitalfluß ins Ausland während der
ersten drei Quartale des Jahres 1959 erheblich hinter dem des voraufgegangenen Jahres zurückgeblieben. Die für das vierte Quartal noch nicht vollständig
vorhandenen Unterlagen zeigten einen gewissen Abfall in der Rate des Goldund Dollartransfers, der zum Teil auf die großen Vorauszahlungen der Auslandsschuldner an die Vereinigten Staaten zurückzuführen sei.
Aussichten für die Zahlungsbilanz
"Für das Jahr 196O", so heißt es in dem Wirtschaftsbericht weiter,
"scheint sich eine leichte Verbesserung der internationalen Zahlungsbilanz
der Vereinigten Staaten abzuzeichnen." Die Einfuhren an Rohstoffen für die
Industrie könnten mit der weiteren Produktionssteigerung zwar noch zunehmen,
jedoch in geringerem Maße als bisher. Auch die Importe auf anderen Gebieten
würden voraussichtlich langsamer ansteigen, so daß die Zunahme der Gesamtimporte 196O geringer sein werde als in der Zeit von Anfang 1958 bis Mitte

1959In dem Bericht wird weiter auf Grund der wirtschaftlichen Expansion im
Ausland, wie schon vorher aufgezeigt, eine Ausweitung der Exporte erwartet.
Weiter wird mit einem stärkeren Anwachsen der Exporte als der Importe gerechnet sowie ebenso mit einem schnelleren Ansteigen der Einnahmen aus Dienstleistungen als der Zahlungen für Dienstleistungen und der militärischen Ausgaben
im Ausland. Insgesamt dürfte sich also bei Gütern und Dienstleistungen Ende
1960 ein positiver Saldo ergeben. Demgegenüber, so wird in dem Bericht ausgeführt, dürften sich die Kapitalausfuhren weiter erhöhen, so daß das Gesamtzahlungsdefizit auch 196O noch relativ hoch sein werde. Um eine Verbesserung dieser Situation zu erzielen, müsse also eine starke Ankurbelung des Exports vorg€

�A M E R I K A

D I E N S T

Wi./l9.2.1960
EISENHOWER UNTERBREITET KONGRESS AUSLANDSHILFEPROGRAMM

WASHINGTON - (AD) - Präsident Eisenhower hat am 1£.
Februar i960 dem amerikanischen Kongreß seine jährliche
Botschaft über das Auslandshilfeprogramm der Vereinigten Staaten - das Programm für Gemeinsame Sicherheit unterbreitet. Die Botschaft des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
An den Kongreß der Vereinigten Staaten
In meiner Botschaft an den Kongreß über das Gemeinsame Sicherheitsprogramm im vergangenen Jahr habe ich das Programm sowohl als entscheidend wichtig für unsere Sicherheit als auch wichtig für unsere Prosperität beschrieben. Mit dem Hinweis, daß unsere Ausgaben für die Gemeinsame
Sicherheit genauso wichtig für unsere nationale Verteidigung sind wie die
Ausgaben für unsere eigenen; Streitkräfte, habe ich festgestellt, daß das
Gemeinsame Sicherheitsprogramm nicht nur in unserem eigensten Interesse
liegt, sondern auch dem Idealismus des amerikanischen Volkes entspringt,
der die wahre Grundlage unserer Größe ist. Das Programm beruht auf fünf
fundamentalen Erkenntnissen:
Erstens, daß der Friede eine Sache ist, die die ganze Menschheit zutiefst angeht;
Zweitens, daß zur Erhaltung des Friedens die freie V/elt in ihrer Verteidigung stark bleiben muß;
Drittens, daß die Erreichung eines gerechten Friedens von der Erzielung einer Entwicklungsrate des wirtschaftlichen Fortschritts in der
Welt - insbesondere bei den Völkern der weniger entwickelten Länder abhängt, der die Hoffnung auf die Erfüllung ihrer Wünsche in sich birgt;
Viertens, daß die Aufrechterhaltung der Verteidigungsstärke der freien
»Veit sowie die Unterstützung der weniger entwickelten, jedoch entschlossen und hart arbeitenden Völker, die nach einer vernünftigen Rate den
wirtschaftlichen Wachstums streben, eine gemeinsame Verpflichtung der
Gemeinschaft der freien Welt sind;
Fünftens, daß die Vereinigten Staaten ihre Verpflichtung, in dieser
Hinsicht mit allen anderen freien Nationen zusammenzuarbeiten, nicht abschütteln können.
*
Ich

1

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19. Februar i960

Die Völker Europas steuern in zunehmendem Maße ihren Anteil zu der
gemeinsamen Verteidigungsaufgabe bei. Keiner unserer NATO-Partner, außer
Griechenland, der Türkei und Island, fordert oder erhält noch irgendwelche
Wirtschaftshilfe. Vielmehr gewähren jetzt diese Länder in wachsendem Maße
anderen wirtschaftliche Hilfe. Unsere NATO-Verbündeten decken ebenfalls
in immer stärkerem Maße ihren militärischen Bedarf selbst; mehrere größere
Länder benötigen jetzt keine Hilfe mehr. Unsere militärischen Programme
in den NATO-Ländern sind heute in erster Linie Vereinbarungen über eine
Aufteilung der Kosten und werden in dieser Form abgewickelt, wobei wichtige
zusätzliche Verteidigungserfordernisse durch gemeinsame Anstrengungen befriedigt werden.
Während jede Möglichkeit zur Erreichung verläßlicher Abkommen ausgeschöpft werden muß, ist es doch klar, daß es völlig töricht wäre, unsere
Position einer gemeinsamen Abschreckungsstärke aufzugeben oder zu schwächen,
die eine so wichtige Vorbedingung dafür ist, solche Möglichkeiten prüfen
zu können. Es ist notwendig, daß wir standhaft, ohne Dramatik und gedulddg
in unseren Anstrengungen zur Erhaltung unserer gemeinsamen Verteidigung
fortfahren, während wir gleichzeitig darauf hinarbeiten, Lösungen für die
Probleme zu finden, die die Welt spalten und den Frieden bedrohen.
Das Gemeinsame Sicherheitsprogramm ist ein für den Fortschritt der
Welt in Freiheit unerläßliches Programm. Neben seinen gemeinsamen Verttidigungsaspekten stellt es ferner den amerikanischen Teil eines gemeinsamen Unterfangens seitens freier Menschen dar, den Lebensstandard von
Millionen von Menschen von einem untragbar niedrigen und mit der Menschenwürde und Freiheit nicht zu vereinbarenden Stand zu heben.
Hunderte von Millionen Menschen auf der ganzen Welt haben erkannt, daß
es nicht ihr Schicksal zu sein braucht, in ewiger Armut und Krankheit am
Rande des Verhungerns leben zu müssen. Ihre maßgebenden Politiker führen
ihnen dies immer wieder eindringlich vor Augen. In vielen Fällen vollzieht
sich diese Bewegung nur ruckweise und ungleichmäßig und ist in ihrer Richtung unsicher. Manchmal fällt sie mit dem Kampf der freien Welt gegen den
Kommunismus zusammen, manchmal nicht. Es liegt ganz im Interesse der Vereinigten Staaten, daß wir diese Bewegung unterstützen, damit diese Länder
ihren Platz als freie, unabhängige, fortschrittliche und stabile Mitglieder der Völkergemeinschaft einnehmen können. In gleicher Weise ist es klar,
daß es gegen unsere Interessen wäre, wenn diese fortschrittliche Bewegung
unterdrückt oder behindert würde. Das Ergebnis wäre Enttäuschung sowie eine
gefährliche Bedrohung der politischen und wirtschaftlichen Stabilität überall auf der Welt.
Genauso wie die militärische Sicherheit ist auch die wirtschaftliche
Entwicklung eine gemeinsame Notwendigkeit und eine gemeinsame Verpflichtung.
Eine Investition in die Entwicklung eines Teiles der freien Welt ist gleichzeitig eine Investition in die Entwicklung der gesamten freien Welt. Unser
Wohlergehen und das Wohlergehen aller freien Menschen können nicht geteilt
werden - wir sind alle voneinander abhängig. Wir alle - die Starken und
die Schwachen, die Entwickelten und die weniger Entwickelten - müssen uns
in dem großen Bemühen zusammenschließen, der gesamten Menschheit die Möglichkeit eines lohnenden Lebens in Freiheit und Frieden zu bieten. Eine
Expansion der Weltwirtschaft und ein Anwachsen des Handels wird auch eine
gesteigerte Prosperität für jedes Land der freien Welt mit sich bringen.
Neue

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19, Februar i960

Neue Aufgaben mit entsprechenden Gelegenheiten und Möglichkeiten zeichnen sich jetzt vor uns ab: der immer raschere Erfolg des Unabhängigkeitsstrebens der Völker in Afrika; die wachsende Unruhe in den weniger entwickelten Gebieten sowie als Folge des anhaltenden Wachstums der jetzt gesunden Wirtschaften der industrialisierten westeuropäischen Länder sowie
Japans, Kanadas und Australiens das zunehmende Vermögen dieser Länder, mit
diesen Gebieten als Partner zusammenzuarbeiten und ihnen zu helfen.
Das Zusammenwirken der freien Welt ist zum Losungswort für diese Bemühung geworden. Im vergangenen Jahr wurde das Kapital der Weltbank verdoppelt und das des Internationalen Währungsfonds um die Hälfte vermehrt.
Außerdem wurde ein Vorschlag der Vereinigten Staaten zur Schaffung einer
Internationalen Entwicklungsgesellschaft (IDA) als Tochtergesellschaft der
Weltbank im Prinzip angenommen, und ein entsprechender Charta-Entwurf vor
kurzem den Mitgliedstaaten unterbreitet. Ich werde dem Kongreß in Kürze
Empfehlungen in dieser Angelegenheit unterbreiten, Die Beteiligung der
Industrieländer Europas im Verein mit Japan und Kanada an den kooperativen Bemühungen untereinander und mit den weniger entwickelten Ländern zur
Steigerung des wirtschaftlichen Wachstums hat in bemerkenswerter Weise zugenommen. Über ähnliche Wege und Methoden soll auf einer im März in Washington stattfindenden Konferenz, an der Vertreter einer Reihe von Staaten teilnehmen werden, verhandelt werden.
In unserer Gemeinschaft der Nationen der westlichen Hemisphäre haben
wir uns jetzt zu einem neuen großen Unterfangen zusammengeschlossen - der
Interamerikanischen Entwicklungsbank. Diese neue Institution, die in Partnerschaft mit unseren Nachbarländern gebildet wurde, dürfte sich für die
Förderung einer schnelleren Entwicklung der Mitgliedstaaten als von sehr
großem Wert erweisen. Unsere Teilnahme an diesem gemeinsamen Unterfangen
zeigt, welches besondere Interesse wir an der progressiven Entwicklung unserei
Nachbarn nehmen. Zusammen mit dem sehr beachtlichen Ausmaß an privaten und
staatlichen Investitionen in dieser Hemisphäre und der beiderseits nutzbringenden technischen Zusammenarbeit, wie wir sie so lange mit unseren
Nachbarn durchführen konnten, sollte dies zu einer Beschleunigung des
Fortschritts beitragen.
Auf diese Weise helfen die von uns im Rahmen des Gemeinsamen Sicherheitsprogramms zur Verfügung gestellten militärischen und wirtschaftlichen
Hilfsquellen, Positionen der Stärke zu schaffen und zu erhalten, die als
das angesehen werden müssen, was sie sind, nämlich Investitionen für die
gemeinsame Verteidigung und das gemeinsame Wohl und damit für unsere eigene
Sicherheit und unser eigenes Wohl. Dies ist ein gemeinsames Sicherheitsprogramm.
Unsere Konzeptionen sind vernünftig, unsere Politik ist von erwiesenem
Wert, und unser Wille, unseren Verpflichtungen nachzukommen, ist unvermindert und fest.
Die Vorschläge für das Finanzjahr 1960/61
Die Form und die allgemeine Struktur des Gemeinsamen Sicherheitsprogramms für das Finanzjahr 1960/61 bleiben im wesentlichen die gleichen,
wie sie sich in der Vergangenheit bewährt haben. Was die Verwaltung der
verschiedenen gemeinsamen Sicherheitsprogramme anbetrifft, so sind hinsichtlich der Organisation, der Programmgestaltung und der Durchführungs-

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19. Februar i960

Durchführungskontrollen Änderungen eingeführt worden. Wenn ich im vergangenen
Jahr eine Gruppe namhafter Bürger unter dem Vorsitz von General Draper
berufen habe, so ist dies zum Teil deshalb gesohehen, um die Verwaltung des
Programms zu analysieren und Empfehlungen für ihre Verbesserung auszuarbeiten. Viele dieser von ihnen gemachten Empfehlungen sind bereits verwirklicht
worden. Wir bemühen uns ständig um eine weitere Verbesserung der Verwaltung,
um den Erfordernissen des Programmes und den schwierigen Problemen bei der
Durchführung dieser verschiedenartigen Programme auf einer weltweiten Basis
gerecht zu werden. Die verschiedenen Kategorien von Programmen sind dieselben wie die, mit denen der Kongreß bereits vertraut ist. Es sind Anpassungen
hinsichtlich der Art und des Umfanges der Programme vorgeschlagen worden,
die die Veränderungen der Weltlage widerspiegeln und diesen Rechnung tragen,
und zwar in dem Ausmaß, wie die Notwendigkeit und die Fähigkeit zur Selbsthilfe gegeben sind. Diese vorausschauende Analyse erfolgte zum Teil im Einklang mit den gesetzlichen Erfordernissen, wonach Pläne für künftige Wirtschaftshilfe aufgestellt und dem Kongreß unterbreitet werden sollen. Die
detaillierten Pläne und Schlußfolgerungen werden dem Kongreß in Kürze vorgelegt werden.
Militärhilfe
Für die Militärhilfe fordere ich in dem noch nicht verabschiedeten Budget
des Verteidigungsministeriums die Bewilligung von 2 Milliarden Dollar. Dies
ist mehr, als für das Finanzjahr 1959/60 beantragt und aufgebracht wurde.
Die erhöhte Forderung erfolgt weder, um den proportionalen Anteil der Vereinigten Staaten an der gemeinsamen Verteidigung zu vergrößern, noch kommt
darin die Absicht zum Ausdruck, das Militärhilfeprogramm stark auszuweiten.
Der im Verteidigungsbudget geforderte Betrag für die Militärhilfe ist
nach meinem wohlüberlegten Urteil und dem der Stabschefs ein Erfordernis
unserer Verteidigung, das genauso zwingend und von der gleichen Bedeutung
wie die Bedürfnisse unserer eigenen Streitkräfte ist, für die im Verteidigungsbudget an anderer Stelle gesorgt ist.
Der angeforderte Betrag resultiert aus einer sorgfältigen und detaillierten Prüfung der Erfordernisse unserer Verbündeten, damit sie die durch frühere
militärische Unterstützung gewonnene Kampfstärke aufrechterhalten und - in den
meisten Fällen auf der Basis der Kostenteilung - an gewissen wichtigen Verbesserungsprojekten für die Streitkräfte teilhaben können. Ohne angemessene
Vorkehrungen für die Aufrechterhaltung dieser Stärke wären die in der Vergangenheit ausgegebenen Gelder weitgehend verschwendet. Und ohne eine Verbesserung der Streitkräfte, ohne die Bereitstellung modernerer Waffen, würden die Streitkräfte der freien Welt in ihrer Fähigkeit, modernisierten Streitkräften eines Aggressors Widerstand zu leisten, unvermeidlich hintanbleiben.
Die Tatsache - wenn es überhaupt eine Tatsache ist -, daß die Sowjetunion
ihre militärische Mannschaftsstärke reduziert, ändert nichts an der Notwendigkeit, unsere kollektive Verteidigung aufrechtzuerhalten. Die militärische Macht
der Sowjetunion bleibt - wie dies Herr Chruschtschow in seinen Erklärungen
selbst klargestellt hat - weiterhin groß. Wir haben mit unseren Planungen
niemals versucht, der sowjetischen Mannschaftsstärke genau gleichzukommen.
Unsere Pläne waren und sind vielmehr darauf abgestellt, vor einer Aggression
abzuschrecken. Von besonderer Bedeutung ist die Aufrechterhaltung einer
starken und wirksamen Abschreckungsposition der NATO-Allianz. Wie ich bereits

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19. Februar i960

bereits vorhin angedeutet habe, wird es Europa auf Grund der sich ständig
bessernden wirtschaftlichen Lage Westeuropas als Gesamtheit möglich, sich
in gesteigertem Maße in die Kosten der gemeinsamen Verteidigung zu teilen,
und bestimmte wichtige europäische Länder sind in der Lage, ihre Verteidigungsanstrengungen ohne Unterstützung der Vereinigten Staaten aufrechtzuerhalten. Gleichzeitig haben die Modernisierungs- und Verbesserungserfordernisse ein solches Ausmaß, daß unsere Beteiligung an gemeinsamen
Projekten der Kostenteilung mit bestimmten europäischen Ländern in absehbarer Zukunft immer noch erforderlich ist. Für derartige Beiträge ist
in dem vorgeschlagenen Programm Vorsorge getroffen.
Der für das Finanzjahr 196O/61'geforderte Betrag steht im Einklang
mit den Empfehlungen des überparteilichen Ausschusses prominenter amerikanischer Bürger unter Leitung von General Draper, den ich im vergangenen
Jahr beauftragte, unsere einzelnen Maßnahmen und Programme zu überprüfen.
Dieser Ausschuß empfiehlt nachdrücklich die Beibehaltung eines Belieferungsprogramms in Höhe von etwa 2 Milliarden Dollar; jährlich. In den vergangenen
Jahren belief sich das jährliche Belieferungsprogramm im Durchschnitt auf
rund 2,2 Milliarden Dollar. Die Belieferungen im Finanzjahr 1959/60 jedoch,
in denen sich die reduzierten Bewilligungen der jüngsten Jahre abzeichnen,
werden auf 1,8 Milliarden Dollar oder noch weniger zurückfallen. Die Ausgabenüberhänge aus den früheren Jahren sind nunmehr auf ein Minimum reduziert, und die Belieferungen in den kommenden Jahren werden sich der Höhe
der jährlichen Bewilligungen eng annähern.
Nach meinem wohlüberlegten Urteil ist die Bewilligung von 2 Milliarden
Dollar für das Finanzjahr 1960/61 das Minimum, das sich mit der Aufrechterhai tung einer starken und angemessenen kollektiven Verteidigungsposition
vereinbaren läßt. Ein geringerer Betrag würde in der Tat die entscheidend
wichtige Modernisierung und Verbesserung der Streitmacht verhindern und
uns auf ein Programm beschränken, in dessen Rahmen lediglich das Vorhandene
erhalten bleibt.
Wirtschaftshilfe
VerteidigungsunterStützung

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Zwölf Ländern, mit denen wir in kollektiven oder gemeinsamen Sicherheitsabkommen zusammengeschlossen sind, haben wir seit Jahren nicht nur die
für die gemeinsame Verteidigung erforderlichen militärischen Hilfsquellen
zur Verfügung gestellt, sondern auch in dem Maße wirtschaftliche Hilfsquellen, wie diese benötigt wurden, um die Aufrechterhaltung einer solchen
Verteidigung zu ermöglichen, ohne daß dies zu politischer oder wirtschaftlicher Instabilität führt. Diese Art der Bereitstellung von Hilfsquellen
bezeichnen wir als Verteidigungsunterstützung - wirtschaftliche Hilfe zur
Gewährleistung einer Verteidigungsposition.
Diese

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�"AMERIKA DIEflST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

19. Februar i960

Diese zwölf Länder unterhalten Streitkräfte in Stärke von über 3
Millionen Mann - mehr als die Gesamtstärke der amerikanischen Streitkräfte -, und jedes dieser Entwicklungsländer - mit Ausnahme Spaniens gehört zu dem Gürtel von besonders exponierten Ländern und dem Festland vorgelagerten Inseln, der die unmittelbare Süd- und Ostgrenze
des chinesisch-sowjetischen Machtbereichs bildet. Der Bedarf in dieser
Kategorie der Verteidigungsunterstützung ist etwas zurückgegangen.
Für das Finanzjahr 1960/61 habe ich für diese Programme 724
Millionen Dollar oder 111 Millionen Dollar weniger als im vergangenen
Jahr angefordert. Dieser geringere Bedarf spiegelt in gewissem Maße
eine allmähliche, aber merkliche Verbesserung der wirtschaftlichen
Lage in diesen Ländern wider. Mehr als die Hälfte - 56 Prozent - ist
für die drei fernöstlichen Länder Korea, die Republik China und Vietnam
bestimmt, deren gemeinsames Charakteristikum es ist, daß sie geteilte
Länder sind, denen überlegene kommunistische Streitkräfte an ihren
Grenzen gegenüberstehen - Streitkräfte, mit denen die Kommunisten
in der Vergangenheit bewiesen haben, da£ sie gewillt sind, sie einzusetzen, wodurch diese Grenzstaaten zur Unterhaltung von Streitkräften
gezwungen werden, deren Aufrechterhaltung ohne eine Unterstützung ihr
Vermögen übersteigen würde. Die für diese Zwecke angeforderten Mittel
stellen das-Minimum dar, das wir beitragen können, und stärken das
Vertrauen, daß eine ausreichende Verteidigung aufrechterhalten wird.
Sonderhilfe
Eine andere Kategorie der internationalen Zusammenarbeit in dem
Gemeinsamen Sicherheitsprogramm ist die Bereitstellung wirtschaftlicher Hilfsmittel für solche Staaten, für die diese Mittel zur Erhaltung ihrer Freiheit und Stabilität wesentlich sind. Wir bezeichnen
diese Kategorie der Zusammenarbeit als Sonderhilfe. Ich ersuche um
268 Millionen Dollar für diese Zwecke im Finanzjahr 1960/61. Die
Bereitstellung derartiger Mittel wird uns zum Beispiel die Möglichkeit geben, den jungen Staaten Marokko, Libyen und Tunis weiterhin
zu helfen, die Stabilität in Jordanien und dem Mittleren Osten zu
erhalten, die Ausbreitung des kommunistischen Einflusses in Afghanistan
zu bekämpfen und die Wirtschaft in Bolivien und Haiti zu festigen. Die
Sonderhilfe wird uns ferner in die Lage versetzen, an solchen lebenswichtigen Programmen wie dem weltweiten Feldzug gegen die Malaria
weiter teilzunehmen»
Entwicklungshilfe
Die Erreichung eines wirtschaftlichen Fortschritts und Wachstums
hängt von vielerlei Dingen ab. Durch kollektive Sicherheitsvorkehrungen,
durch Maßnahmen für die Verteidigung und durch die Gewährung militärischer Hilfe und wirtschaftlicher Verteidigungsunterstützung können
wir und andere Länder ein Maß an Sicherheit und Stabilität erreichen,
innerhalb dessen ein Entwicklungsprozeß möglich ist und gefördert
werden kann..*Sie erste und entscheidende interne Voraussetzung ist die
Entschlossenheit, Fortschritte zu machen, die erforderlichen Maßnahmen
zu ergreifen und die notwendigen Opfer zu bringen, Wie. groß aber auch
immer die Entschlossenheit sein mag, es wird immer noch ein gewaltiger
Bedarf an technischen Verbesserungen und Kenntnissen und an Entwicklung-

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�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

19. Februar i960

Entwicklungskapital "bleiben. Wenn ein Tempo der Entwicklung erreicht
werden soll, das den wesentlichen Forderungen dieser Völker gerecht wird,
dann ist Unterstützung von außen unbedingt notwendig.
Technische Zusammenarbeit
Durch unser seit langem bestehendes Programm der Technischen Zusammenarbeit und durch unsere Beiträge zu den Programmen der Vereinten Nationen
auf dem Gebiet der technischen Unterstützung leisten wir einen bedeutenden
Beitrag zur Stillung dieses Durstes und Verlangens nach Erweiterung des
Wissens und der technischen Fähigkeiten. Das für das Finanzjahr 1960/61
vorgeschlagene Gemeinsame Sicherheitsprogramm führt diese entscheidend
wichtigen Projekte fort und sieht die Erweiterung und Ausdehnung unserer
technischen Hilfsprogramme in den neu entstehenden Nationen Afrikas vor.
Für die bilaterale technische Hilfe fordere ich 172,5 Millionen Dollar an;
für unsere Beteiligung an den technischen Unterstützungsprogrammen der
Vereinten Nationen ersuche ich um 33»5 Millionen Dollar, und zur Ergänzung
unseres viel umfangreicheren bilateralen Programmes mit unseren Nachbarn
im Süden ersuche ich um 1,5 Millionen Dollar für das Programm der technischen Unterstützung, das wir in Zusammenarbeit mit ihnen mittels der Organisation der Amerikanischen Staaten (OAS) durchführen.
Afrika
In der Welt von heute ist es für die Vereinigten Staaten von unumgänglichem Interesse, daß die Völker des großen Afrikanischen Kontinents,
vor allem in dem Gebiet südlich der Sahara, in steigendem Maße die Selbstregierung übernehmen. Dieses gewaltige Gebiet verdient und erfordert die
volle Aufmerksamkeit und Unterstützung der freien Welt, wenn es seine Institutionen und seine Wirtschaft in Freiheit entwickeln soll. Zur gleichen
Zeit, da der Bedarf Afrikas südlich der Sahara an Entwicklungskapital real
ist und noch größer werden dürfte, besteht ein zwingendes und sofortiges
Bedürfnis für umfassendere Erziehung und Ausbildung. Das Ersuchen um die
Bewilligungen für die Sonderhilfe enthält den Betrag von 20 Millionen
Dollar für ein Sonderprogramm, das zur Verbesserung der Erziehung und
Ausbildung in Afrika südlich der Sahara eingerichtet werden soll, wobei
besonderer Nachdruck auf die Befriedigung der Bedürfnisse gelegt wird,
die alle Länder dieses Gebietes gemeinsam haben. Ich bin der Ansicht, daß •
dieses erste Bemühen in den vor uns liegenden Jahren wesentlich verstärkt
werden und ähnliche Anstrengungen von selten der anderen Länder der freien
Welt ergänzen muß, damit die Fähigkeit der neuen und weiteren Entwicklungsländer in Afrika, ihre Entwicklung in die Hand zu nehmen und zu lenken,
schnell und wirksam gefördert und gesteigert werden kann. Ohne eine solche
Stärkung und Förderung der Erziehung und Ausbildung können die Voraussetzungen für ein kräftiges wirtschaftliches Wachstum nicht geschaffen werden.

Entwicklungs-Anleihefonds

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�"AMERIKA DIENST* - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

19« Februar 1960

Entwicklungs-Anleihefonds
Auf dem Gebiet der Entwicklungshilfe erweist sich der Entwicklungsanleihefonds als ein immer wirksameres Instrument, um die
Bedürfnisse zu befriedigen, die auf dem Wege über private Investitionen, die Weltbank oder andere entsprechende Stellen nicht gedeckt
werden können. Er hat den Aufbau grundlegender Wirtschaftszweige, wie
Energiewirtschaft und Verkehrswesen, unterstützt, die für das wirtschaftliche Wachstum der Entwicklungsgebiete unerläßlich sind. Besondere Bedeutung kommt der Ausweitung der Tätigkeit des EntwicklungsAnleihefonds auf das Gebiet der Privatwirtschaft zu. Der EntwicklungsAnleihefonds erschließt neue Möglichkeiten, um eine wirksame Partnerschaft mit privaten amerikanischen Firmen aufzubauen, so daß die privaten Hilfsquellen des Landes einen immer größeren Beitrag zum Aufschwung der Entwicklungsländer leisten können. Die Geschichte des
Entwicklungs-Anleihefonds während der beiden letzten Jahre zeigt, daß
der Fluß solchen Anleihekapitals dahin tendiert, sich dem Bedarf und
den Fähigkeiten anzupassen. Anders ausgedrückt, die Gebiete, in denen
die Entschlossenheit und der Wille zum Fortschritt sowie die Fähigkeit,
solche Hilfsquellen wirksam einzusetzen, am größten sind, standen
unter den Empfängern der Kredithilfe des Entwicklungs-Anleihefonds
an erster Stelle. Ich fordere für den Entwicklungs-Anleihefonds 700
Killionen Dollar an, die mit Beginn des Finanzjahres 1960/61 eingesetzt werden sollen.
Südasien
Ein bedeutender Teil der Kredite des Entwicklungs-Anleihefonds
wurde in den vergangenen beiden Jahren an die beiden großen Nationen
Südasiens - Indien und Pakistan - vergeben, wo eine halbe Milliarde
Menschen mit tiefer Hingabe und unwiderruflicher Entschlossenheit
darangehen, Institutionen nach ihrer eigenen Wahl zu entwickeln und
zu erhalten und ihren Lebensstandard auf ein angemessenes Niveau zu
heben. Die Kraft und Energie dieser gewaltigen Anstrengung ist unverkennbar, sie verdient die volle und wärmste Unterstützung seitens der
freien Welt. Wir haben uns mit anderen Staaten vereint, um diesen
Ländern zu helfen, wir glauben, daß die Anstrengungen öffentlicher
und privater Natur zur Unterstützung Südasiens nicht nur anhalten,
sondern noch zunehmen werden« Man rechnet damit, daß ein größerer
Betrag für diese bedeutende Aufgabe aus den Mitteln bereitgestellt
wird, die für den Entwicklungs-Anleihefonds für das Finanzjahr 1960/61
gefordert werden, wobei diese Länder zugleich ihre eigenen Selbsthilfeaktionen noch weiter steigern.

Die

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"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

19. Februar

196O

Die wirtschaftliche Erschließung des Indus-Beckens
Eine Entwicklung von besonderer Bedeutung in Südasien ist der große
Fortschritt, der gegenwärtig unter den Auspizien der Weltbank in Richtung
auf eine Lösung des umfassenden und schwierigen Problems der wasserwirtschaftlichen Nutzung des Indus-Flußbeckens zwischen Indien und Pakistan
erzielt wird. Hier werden wichtige Interessen der beiden Länder berührt;
die Lösung erfordert einen Plan, in dessen Rahmen das Wasser des Indus,
von dem die Landwirtschaft, die Lebensmittelvorräte und die Wirtschaft
dieses Gebietes abhängen, gerecht genutzt und geteilt werden wird. Es
wird erwartet, daß ein Abkommen über einen solchen Entwicklungsplan in
naher Zukunft erreicht werden kann. Wesentlich für das Gelingen ist, daß
die Länder außerhalb Südasiens bereit sind, diesen Entwicklungsplan zu
unterstützen, dessen Kosten von den betroffenen Ländern allein nicht getragen werden können. Unter den Auspizien der Weltbank werden gegenwärtig
Pläne ausgearbeitet, wonach die Bank, Länder des britischen Commonwealth,
die Bundesrepublik Deutschland und die Vereinigten Staaten einen Anteil
an den Kosten des Entwicklungsplans übernehmen und wonach die Weltbank
die Überwachung und Leitung dieses Projektes in Händen hat. Wir gedenken
dieses Vorhaben im Rahmen des Gemeinsamen Sicherheitsprogrammes für das
Finanzjahr 1960/61 und die nachfolgenden Jahre - wie sich dies als notwenig erweist - zu unterstützen. Um unsere wirksame Beteiligung an diesem
multilateralen Vorhaben zu gewährleisten, ersuche ich um die Ermächtigung,
die normalerweise für bilaterale Projekte gültigen Bestimmungen elastisch
anwenden zu können, falls eine solche außergewöhnliche Maßnahme für dieses
große Vorhaben erforderlich ist. Die Lösung dieser schwierigen internationalen Angelegenheit sollte wesentlich zur Förderung einer friedlichen und
kooperativen Regelung auch anderer Streitfragen und zu einer möglichst
großen Konzentration auf die Hauptziele des Friedens und Wohlstands beitragen.
Republik China
Das Gemeinsame Sicherheitsprogramm muß auch den Erfordernissen anderer
Gebiete und Länder Rechnung tragen, soweit deren Entschlossenheit und Fähigkeit, Entwicklungskapital zu gebrauchen, wächst. Wir haben von der Regierung
der Republik China Vorschläge für ein erweitertes und beschleunigtes Wirtschaftsreform- und -entwicklungsprogramm erhalten, dem wir genaue und sorgfältige Beachtung schenken. Die energische und tüchtige Bevölkerung Formosas,
die bisherige Zunahme der Investitionen und der Produktion sowie das durchaus
vorhandene Vermögen einer weiteren Beschleunigung bieten die Aussicht auf
eine überzeugende Demonstration, daß unter freien Institutionen ein Tempo
und Ausmaß an Leistungen erreicht werden kann, die weit über die aus einem
totalitären Regime entspringenden Leistungen hinausgehen. Zu diesem Zweck
sehen wir den vollen Einsatz sowohl der Hilfe in Form von nichtrückzahlbaren
Zuwendungen als auch von Anleihen vor, um die Herankunft des Tages zu beschleunigen, an dem die Republik schließlich aus eigenen Kräften wachsen und
sich erhalten kann.

Sonderfonds

�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

19 . Februar i960

Sonderfonds und sonstige Programme
Zusätzlich zu den von mir erwähnten Hauptformen der Zusammenarbeit, wie Militärhilfe und Verteidigungsunterstützung, Sonderhilfe,
technische Zusammenarbeit und Entwicklungs-Anleihefonds, ersuche ich
ferner um einen Sonderfonds in Höhe von 175 Millionen Dollar sowie um
101 Millionen Dollar, um eine Vielzahl kleiner, aber wichtiger Programme
fortzuführen.
Der Sonderfonds ist eine unerläßliche Rücklage für unvorhergesehene
und nicht ohne weiteres vorauszusagende Notfälle. Die Geschichte der
vergangenen Jahre beweist eindeutig seinen Wert insofern, als er sofortige und wirksame Gegenmaßnahmen bei einer Änderung des Ablaufs
der internationalen Ereignisse ermöglicht.
Die für andere Programme angeforderten 101 Millionen Dollar
werden es uns ermöglichen, weiter an der UNICEF, den Flüchtlingsprogrammen und den Auslandsprogrammen für eine friedliche Nutzung
der Atomenergie mitzuarbeiten. Ferner werden damit die administrativen Kosten bei der Verwaltung der wirtschaftlichen und technischen
Programme bestritten werden.
Für das gesamte Gemeinsame Sicherheitsprogramm fordere ich
4175 Millionen Dollar an. Die Notwendigkeit dieser Ausgabe ist von
der Regierung immer wieder mit großer Sorgfalt geprüft worden. Ich
bin voll und ganz überzeugt, daß Notfälle, für die diese Mittel
beantragt werden, wirkliche Notfälle sind, denen entsprochen werden
muß, und daß die beantragten Mittel der wohl realistischsten Einschätzung des Bedarfs entsprechen, die wir vornehmen können. Es
steht außer Zweifel, daß sich die Nation die Ausgaben, um die es
hier geht, leisten kann; ich bin sicher, daß wir es uns nicht
leisten können, die Notfälle zu ignorieren, für die sie angefordert
werden.
Zusammenfassung
Die Vereinigten Staaten sind eine privilegierte Nation. Ihre
Bürger erfreuen sich eines Maßes an Prosperität und Wohlergehen
sowie eines Ausmaßes an Freiheit unter freien Institutionen, wie
es in der Weltgeschichte einmalig ist. Unsere Ideale und unsere
Überzeugungen legen uns eine Verpflichtung zur Führerschaft und zur
Zusammenarbeit mit anderen Nationen und anderen Völkern auf, die
wir bereitwillig und mit Stolz auf uns nehmen.
Meine Reisen in jüngster Zeit brachten mir in noch stärkerem
Maße als bisher die Tatsache vor Augen, daß die freien Menschen
überall in der Welt auf uns blicken - nicht mit Neid oder Mißgunst,
sondern voller Hoffnung und Vertrauen, daß wir in Zukunft wie in der
Vergangenheit zur Vorhut jener gehören, die an das Recht des Einzelmenschen, die Früchte seiner Arbeit in Frieden und Freiheit zu genießen, glauben und es verteidigen werden. Zusammen mit unseren Mitmenschen werden wir es nicht daran fehlen lassen, unseren Verpflichtungen
nachzukommen.
gez. Dwight D. Eisenhower

�Allg./ 26 «2 • 1.9^0
EISENHOWER; GERECHTER FRIEDE NUR IM SCHUTZE MILITÄRISCHER
STÄRKE ZU ERHOFFEN

WASHINGTON - (AD) - Nachstehend übermitteln wir
Ihnen den V/ortlaut einer Rundfunk- und Fernsehansprache des amerikanischen Präsidenten Dwight
D. Eisenhower, die er kurz vor seinem Abflug nach
Südamerika in Washington gehalten hat.

Morgen früh begebe ich mich auf eine Reise zu mehreren unserer
lateinamerikanischen Nachbarn, *?obei mir drei Hauptziele vor Augen
schweben. Diese Ziele sind 2
mehr über unsere Freunde im Süden zu lernenj ihnen erneut zu versichern, daß die Vereinigten Staaten um eine Zusammenarbeit mit ihnen
bei der Sicherung eines besseren Lebens für jeden in der westlichen
Hemisphäre bemüht sind, und den Wunsch der USA deutlich zu machen, mit
ihnen bei der Schaffung eines weltweiten Friedens in Gerechtigkeit eng
zusammenzuarbeiten.
Unser Interesse an unseren Schwesterrepubliken besteht seit vielen
Jahren und ist zutiefst verwurzelt. Dies allein schon ist'Grund genug
für diese Reise. Aber in diesen Tagen der internationalen Spannung, der
erwachenden Ambitionen und der durch die wachsende gegenseitige Abhängigkeit der Nationen hervorgerufenen Probleme ist es von entscheidender
Bedeutung für gute Partner, ein besseres gegenseitiges Verständnis zu
entwickeln und gemeinsame Programme zu verbessern.
Die Bande zwischen den amerikanischen Republiken sind nicht nur
geographischer Natur, sondern sie beruhen noch mehr auf gemeinsamen
Grundsätzen und Überzeugungen. Wir glauben alle an Gott, an die Würde
und die Rechte des Menschen, an Frieden in Gerechtigkeit und an das
Recht eines jeden Volkes, übersein eigenes Schicksal zu bestimmen. In
solchen Überzeugungen ist unsere Freundschaft verwurzelt.
Aber selbst unter guten Kameraden wird die Freundschaft allzuoft als
etwas Selbstverständliches angesehen. Wir dürfen unseren Nachbarn in
Lateinamerika keinen Grund zu der Annahme geben, daß dies bei uns genauso der Fall ist.

Ich

�"AMERIKA DIENST"

26. Februar i960

Ich werde daher unseren Schwesterrepubliken erneut die Versicherung
geben, daß wir unverrückbar an unserem Ziel festhalten, mit ihnen Hand
in Hand an der Förderung der Sicherheit und des Wohlergehens für alle
Yölker dieser Hemisphäre zusammenzuarbeiten.
Dies aber erfordert eine ununterbrochene Anstrengung, die unglücklicherweise zuweilen durch Mißverständnisse beeinträchtigt wird.
Eines dieser Mißverständnisse, von dem hin und wieder in Lateinamerika
die Rede ist, besagt, wir seien mit der Drohung des kommunistischen Imperialismus und den sich daraus ergebenden Verteidigungsproblemen so sehr
beschäftig* gewesen, daß die Neigung bestand, unsere Nachbarn im Süden
darüber zu vergessen. Einige haben zu verstehen gegeben, daß unsere Aufmerksamkeit so sehr auf unsere eigene Sicherheit sowie auf die Probleme
zwischen West und Ost jenseits des Ozeans gerichtet gewesen sei, daß wir
die Zusammenarbeit und den Fortschritt innerhalb der westlichen Hemisphäre
deshalb vernachlässigt hätten.
Es stimmt, daß wir weltweiten Maßnahmen zum Schutze gegen eine mögliche militärische Aggression eine Hauptvorrangstellung eingeräumt haben.
Wir haben zahlreiche Opfer gebracht, um sicherzustellen, daß diese Sicherheit erhalten blieb und erhalten bleiben wird.
Ich hoffe, auf meiner Reise klarmachen zu können, daß unsere militärischen Programme hier im eigenen Lande und im Ausland nur einem einzigen Zweck gedient haben: der Aufrechterhaltung des Friedens, der für
Lateinamerika genauso wichtig ist wie für uns.
Daß die Notwendigkeit für diese Programme besteht, hat die Geschichte
nach dem zweiten Weltkrieg deutlich bewiesen.
In den ersten fünf Jahren nach dem zweiten Weltkrieg verfolgten wir
in Amerika in der Hoffnung auf einen weltumfassenden und dauerhaften Frieden die Politik einer praktisch einseitigen Abrüstung. Aber die Blockade
Berlins, die militärische Schwäche unserer direkt der kommunistischen Bedrohung gegenüber lebenden, befreundeten europäischen Nationen und schließlich der Krieg in Korea - zusammen mit den gegen andere Nationen gerichteten arroganten Drohungen - ließen uns in letzter Minute erkennen, daß die
freien Nationen nur unter dem Schutz militärischer Stärke hoffen konnten,
einen Fortschritt in Richtung auf einen dauerhaften und gerechten Frieden
zu machen.
Seither hat unsere Nation gewaltige Arsenale voller mächtiger Waffen
zur Erhaltung des Friedens geschaffen. Wir haben eine große Abschreckungsstärke aufgebaut - die so mächtig ist, daß sie jedem unvoreingenommenen
und aufgeschlossenen Beobachter Achtung gebieten muß.
Unsere vielen hundert Bomber, die über die ganze Welt verteilt sind jeder von ihnen in der Lage, furchtbare Verheerungen anzurichten -,
stellen eine Macht dar, die jeder anderen in Zahl, Qualität und strategischer Position ihrer Stützpunkte weitaus überlegen ist. Uns steht außerdem
eine starke Atommacht in unseren Flugzeugträgern und in den Geschwadern
unserer über weite Gebiete verteilten taktischen Luftwaffe zur Verfügung.
Zu diesen Kräften treten ständig neue Raketentypen hinzu, die die Waffen

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2

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�"AMERIKA DIENST

26. Februar i960

Waffen al~! unserer Bodenstreitkräfte und anderer militärischer Einheiten
unablässig verstärken.
Was die ballistischen Fernraketen angeht, so haben wir, nachdem wir
praktisch erst vor fünf Jahren damit begonnen haben, im wahrsten Sinne
des Wortes in unseren Leistungen gewaltige Fortschritte erzielt - Fortschritte, die man nur als bemerkenswert bezeichnen kann. Unsere Rakete
vom Typ Atlas, die über eine erstaunliche Treffgenauigkeit verfügt, wurde
im vergangenen Jahr einsatzfähig. Mittelstreckenraketen befinden sich
auf vorgeschobenen Stützpunkten. Das erste mit Polaris-Raketen ausgerüstete Unterseeboot - eine nahezu unverletzliche Waffe - wird in Kürze
im Flottendienst stehen. Neue Typen von Fernraketen werden schnellstens
entwickelt.
Alles zusammengenommen, ist dies eine Macht, die nicht über Gebühr
von einer einzelnen Waffe oder einer einzelnen Waffengattung abhängig
ist, die nicht durch einen plötzlichen Angriff eliminiert werden kann,
hinter der ein auf Erden einzigartiges Industriesystem steht und die unbeirrt von einem kraftvollen Volk unterstützt wird, das entschlossen ist,
frei zu bleiben. Strategisch gesehen, ist sie weitaus besser stationiert
als irgendeine Macht, die uns gegenüber zum Tragen gebracht werden könnte.
In dem Maße, wie wir diese Verteidigung verstärkt haben, haben wir
auch dazu beigetragen, unsere eigene Sicherheit und die der freien Welt
zu festigen, indem wir die Rüstung von 42 anderen Ländern - unseren Verbündeten - bei der Verteidigung der freien Welt unterstützten. Unser Anteil
an dieser unerläßlichen Bemühung ist unser Gemeinsames Sicherheitsprogramm.
Dieses Programm macht eine nach vorne gerichtete Verteidigungsstrategie
zur besseren Sicherheit aller, auch unserer Nachbarn im Süden, möglich.
Ich bin sicher, daß unsere lateinamerikanischen Nachbarn genau so
wie Sie hier in der Heimat die 3edeutung all dieser Fakten erkennen.
•

Wir haben einen vertrauenswürdigen Schild des Friedens geschmiedet eine unzerstörbare Kraft von unmeßbarer Macht, völlig ausreichend für die
Aufgaben der Gegenwart und sich ständig weiter entwickelnd, -um den Erfordernissen der Zukunft gerecht zu werden. Alle von uns können Iveute angesichts der anhaltenden Bedrohung fest und entschlossen und ohne Furcht
sein und auf Amerikas Macht als Pfeiler der Sicherneit der freien Welt
vertrauen.
Aber wir alle sind uns darüber im klaren, daß Friede und Freiheit
nicht für immer durch Waffen allein gewahrt werden können. Es müssen in der
freien Welt ein Geist und eine Moral vorhanden sein, die sich auf die Überzeugung stützen, daß das Leben für freie Menschen mehr als nur reines Überleben und bloße Sicherheit bedeutet. Die Völker in aller Welt*müssen die
Gelegenheit haben, ihr Leben in geistiger,moralischer und wirtschaftlicher
Hinsicht verbessern zu können.
Wir sind ernsthaft bestrebt, unseren Nachba*rn in der westlichen
Hemisphäre bei der Erreichung des Fortschritts zu helfen, den sie sich aufrichtig wünschen. Wir haben uns um eine Stärkung der Organisation der
Amerikanischen Staaten sowie anderer kooperativer Institutionen bemüht, die

�"AMERIKA DIENST

26. Februar

196O

die den Fortschritt und die Solidarität der westlichen Hemisphäre fördern.
Wir haben eine Menge Kapital in lateinamerikanische Unternehmen investiert.
Neue Kredite, sowohl öffentliche als auch private, werden in einem Umfang
xur Verfügung gestellt, der größer ist als jemals zuvor. Im vergangenen
Jahr beliefen sich diese Kredite auf schätzungsweise 1 Milliarde Dollar,
Unsere nach Lateinamerika vergebenen Anleihen und Investitionen übersteigen gegenwärtig 11 Milliarden Dollar.
Wir haben zusammen mit unseren Schwesterrepubliken soeben die Interamerikanische Entwicklungsbank geschaffen. Wir hoffen mit ihnen, daß
diese neue, mit einem nach Milliarden Dollar zählenden Kapital arbeitende
Institution viel dazu beitragen wird, das wirtschaftliche Wachstum zu beschleunigen.
Außerdem haben wir die Programme für erweiterte technische Zusammenarbeit mit den amerikanischen Republiken.
Um unsere eigene Kenntnis der Bedürfnisse unserer Nachbarn zu verbessern, haben wir erst vor kurzem ein Gremium hervorragender privater
amerikanischer Bürger unter dem Torsitz des Außenministers zusammengerufen.
Dieser nationale Beratungsausschuß wird uns durch beständiges Studium
der interamerikanischen Angelegenheiten hier in den USA helfen, besser
mit unseren lateinamerikanischen Freunden zusammenzuarbeiten. Mitglieder
dieses Ausschusses werden mich auf meiner Reise begleiten.
Diese Reise wird ein reichhaltiges Programm bringen, denn die Probleme
unserer Nachbarn sind vielfältiger und schwieriger Natur: der Mangel an
Entwicklungskapital, große Preisschwankungen bei ihren Exportgütern, die
Notwendigkeit gemeinsamer regionaler Märkte zur Förderung der Leistungsfähigkeit und zum Anreiz neuer Kredite, die Notwendigkeit zur Verbesserung
des Gesundheits- und Erziehungswesens, des Wohnungsbaus und des Transportsystems .
Diese Probleme werden ohne Frage zu dem Kreis der Themen gehören,
die ich in jedem der von mir besuchten Länder erörtern werde. Und wohin
ich auch reise, da werde ich immer und immer wieder die Grundprinzipien
und die Grundeinstellung unterstreichen, die die Beziehungen unseres Landes
zu der westlichen Hemisphäre beherrschen. Zum Beispiel:
Unsere Politik der guten Partnerschaft ist eine ständige Richtlinie,
die die Nichteinmischung, die gegenseitige Hochachtung und die rechtliche
Gleichheit aller Staaten umfaßt.
Wir wünschen einer jeden amerikanischen Nation einen schnellen wirtschaftlichen Fortschritt mit seinem Nutzen und Segen für die gesamte Bevölkerung.
Wir sind ständig bemüht, an der Förderung einer gesunden Entwicklung
innerhalb der Grenzen unserer praktischen Möglichkeiten mitzuarbeiten,
und wir werden ferner auch in Zukunft jedes Land auffordern, an der Unterstützung der weniger vom Glück begünstigten Nationen mitzuwirken.
Wir

�'AMERIKA DIENST"

26. Februar

i960

Wir stehen fest zu unserer Verpflichtung, im Rahmen des Rio-Paktes
aus dem Jahre 1947 die Sicherheit der beiden Amerika aufrechtzuerhalten.
Wir erklären unseren Glauben an die Herrschaft des Rechts, unsere
Entschlossenschaft zur Erfüllung unserer vertraglichen Verpflichtungen
und unsere Forderung, daß andere Länder sich genauso verhalten.
Wir werden alles in unseren Kräften Stehende tun, um den Triumph
der menschlichen Freiheit überall in der westlichen Hemisphäre zu fördern.
Wir verurteilen alle Anstrengungen zur Unterhöhlung der demokratischen
Institutionen der amerikanischen Republiken durch Zwang oder Subversion,
und wir lehnen mit allem Nachdruck die Anwendung der Lüge und der Verdrehung in den Beziehungen zwischen den einzelnen Ländern ab.
Erst kürzlich wurde in einem fernen Lande, das die Freiheit nie gekannt hat - einem Land, wo heute Millionen von Menschen unterjocht sind -,
mit leidenschaftlichen Worten behauptet, daß die Vereinigten Staaten
Lateinamerika in einem kolonialen Abhängigkeitsverhältnis gehalten hätten.
Das ist eine eklatante Lüge.
In der gesamten Geschichte kann kein anderes Land eine ehrenhaftere
Vergangenheit in bezug auf sein Verhältnis zu anderen Ländern aufweisen
als die Vereinigten Staaten.
Die Philippinen sind heute - auf Grund ihrer eigenen Entscheidung unabhängig.
Alaska und Hawaii sind nunmehr stolze Partner unseres in einem Bund
zusammengeschlossenen demokratischen Staatsgebildes - und sie sind es
durch ihre eigene Wahl.
Puerto Rico ist ein Commonwealth im Rahmen des Systems der Vereinigten
Staaten - und es ist dies ebenfalls aus eigener Wahl.
Nach den beiden Weltkriegen und dem Koreanischen Krieg haben die Vereinigten Staaten auch nicht einen einzigen Hektar fremden Landes annektiert
und keinerlei Vorteil auf Kosten anderer gesucht.
Und ich wiederhole, daß wir im Hinblick auf ganz Lateinamerika ehrenhaft und mit allem Nachdruck an einer Politik der Nichteinmischung festhalten.
Es ist völlig unsinnig, zu behaupten, daß wir irgendein Land in einem
Kolonialstatus halten oder es in diesem Status halten möchten.

Dies

�"AMERIKA PIEKST"

26. Februar

196O

Dies sind nur einige der Fragen, über die die miteinander befreundeten Staaten in der westlichen Eemisphäre sprechen müssen. I.iit großer
Freude sehe ich dem Meinungsaustausch mit den Präsidenten Brasiliens,
Argentiniens, Chiles und Uruguays sowie mit ihren Kollegen entgegen.
Ich hoffe zutiefst, daß ich Ihnen nach meiner Rückkehr berichten
kann, daß sich die historische Freundschaft und das Vertrauen zwischen
den Ländern der westlichen Hemisphäre verstärkt haben und daß unsere
gemeinsame Sache - Gerechtigkeit und Frieden in Freiheit - bekräftigt
worden ist und neues Leben erhalten hat.

* * * * *

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�A M E R I K A

D I E N S T

A11./26 .2.1960

HERTER» AMERIKANISCHES STREBEN NACH KONTROLLIERTER ABRÜSTUNG

WASHINGTON -- AD — Nachstehend übermitteln .wir Ihnen den Wortlaut der Rede,
die der amerikanische Außenminister
Christian A. Herter am 18. Februar i960
vor dem Nationalen Presseklub in Washington über die Ziele der Vereinigten
Staaten bei der bevorstehenden Genfer
Abrüstungskonferenz hielt.

Ich möchte heute über ein sehr wichtiges Element der amerikanischen Außenpolitik sprechen - über unsere Bemühungen um
eine gesicherte Rüstungsbegrenzung und um einen Fortschritt in
Richtung auf eine allgemeine Abrüstung. Wie Sie wissen, sind
wir im Begriff, einen neuen Versuch in dieser Richtung in dem
Zehn-Mächte-Abrüstungsausschuß zu unternehmen, der etwa Kitte
März in Genf zusammentreten wird.
Diese Bemü hungen sind darauf gerichtet, den Weltfrieden
zu festigen und die unsinnige Verschwendung der wirtschaftlichen
Hilfsquellen de r Veit zu verhindern, aber auch darauf, unsere
nationale Siehe rheit - im wahrsten Sinne des Wortes - zu fördern.
Sie stellen ein e Ergänzung zu unseren nationalen Militärprogrammen und kol lektiven Sicherheitsabkommen dar, die wir zu dem
gleichen Zwecke durchführen. Amerika hat sich seit langem aus
tiefer überzeug ung zu einer Politik der Rüstungsbegrenzung und
der Abrüstung b ekannt•
Im Jahre 1946,als die Vereinigten Staaten unmittelbar nach
Beendigung des Krieges noch das vollständige Monopol auf dem
Gebiet der Atomwaffen besaßen, schlugen wir eine volle internationale Kontrolle der Atomenergie vor. Es ist gewiß als einer
der tragischen Wendepunkte der Geschichte zu bezeichnen, daß die
Sowjetregierung diesen ungewöhnlichen Vorschlag zurückwies.
Im Jahre 1953 wurde dann die Sowjetunion im Rahmen des von
Präsident Eisenhower vorgelegten,.bedeutsamen "Atome für den
Frieden"-Vorschlags aufgefordert, mit uns zusammen einen Anfang
in der Überführung des Kernwaffenmaterials unter internationale
Kontrolle zu machen. Obwohl eine internationale AtomenergieBehörde geschaffen wurde, haben sich die Sowjets geweigert, dem
ursprunglichen Zweck dieses Vorschlags als einer Möglichkeit .zur
- 1 -

�"AMERIKA SIEHST"

26 . Februar 1960

zur Verringerung der Kernwaffenbestände nachzukommen.
Präsident Eisenhower machte später, im Jahre 1955.auf der
Genfer Gipfelkonferenz den Vorschlag, die Vereinigten otaaten
und die Sowjetunion sollten eine gegenseitige Inspektion aus der
Luft akzeptieren. Wieder hielten sich die Sowjets zurück*ihre
Verschlossenheit war ein "Muß",
Im März 1956 schrieb Präsident Eisenhower an Bulganin und
schlug eine kontrollierte Einstellung der gesamten Produktion an
snaltbarem Material für Waffenzwecke sowie eine schrittweise Uber|?tllung so]chih Materialsaus den Waffenbeständen der einzelnen
Länder unter eine internationale Kontrolle vor. Dieser Vorschlag
fand taube Ohren»
Die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten arbeiteten dann
•ine Reihe von Teilabrüstungsmaßnahmen aus, wozu die Sicherung
gegen Überraschungsangriffe, die Einstellung der Produktion spaltbaren Materials für W&amp;ffenzwecke, Beschränkungen in der Iberstellung von Kernwaffen an andere Staaten, eine Reduzierung der
konventionellen Streitkräfte und Maßnahmen zur Gewährleistung einer
friedlichen Nutzung des Weltraums gehörten*. Alle diese Maßnahmen
wurden der Sowjetunion im August 1957 in London vorgeschlagen.
Wiederum zeigten die Sowjets wenig ernsthaftes Interesse, und die
Verhandlungen brachen zusammen»
Seit 1957 haben wir zweimal versucht, spezifisch begrenzte
Gebiete für eine Erörterung mit den Sowjets herauszugreifen!
1* Eine Aussetzung der Atomversuche, über die gegenwärtig in
Genf verhandelt wird» - Ich werde hierzu gleich noch mehr zu sagen
haben.
2» Technische Gespräche über den Schutz vor Überraschungsangriffen. • Diese Gespräche über Überraschungsangriffe blieben erfolglos, weil die Sowjetunion wenig Interesse an einer ernsthaften
technischen Arbeit zeigte, die vielleicht den Weg zu späteren
politischen Gesprächen hätte ebnen können.
Und an diesem Punkt standen unsere Bemühungen um eine Rüstungsbegrenzung, als im vergangenen Jahr vereinbart wurde, einen neuen
Zehn-Machte-iusschuß als erneuten Versuch einzusetzen.
Die Aussichten
, u !f r * l i c k e n a u f d i e s e neuen Verhandlungen in der Hoffnung, daß
sich die fuhrenden sowjetischen Politiker vielleicht darüber klar
werden, daß das Wettrüsten unannehmbare Risiken in sich birgt. Diese Erkenntnis könnte sie dazu veranlassen, einem Portschritt in der
Rüstungskontrolle als in ihrem eigenen nationalen Interesse liegend
eine Vorrangstellung einzuräumen.
Ein solcher Fortschritt ist wegen der neuen Gefahren, denen
wir uns bei einem anhaltenden Wettrüsten gegenübersehen, um so notwendiger. Lassen sie mich hier auf zwei dieser Gefahren eingehen*
1 . Ein sich gegenseitig hochtreibender Wettstreit in bezug auf

�AMERIKA DIENST"

26. Februar i960

auf die strategischen Einsatzsysteme, wobei der Zeitraum für eine
Reaktion immer kürzer wird, könnte auf Grund reiner Fehleinschätzung
zu einem Krieg führen. Solche Fehlkalkulationen könnten beispielsweise eine internationale Krise hervorrufen, die sich zu einem allgemeinen Krieg ausweiten könnte, ohne daß irgendeine Seite wirklich
eine solche Entwicklung beabsichtigt hätte.
2. Die nicht abreißende Produktion von Kernwaffen könnte letzten
Endes fast jedes Land - auch die Verantwortungslosen - in die Lage
versetzen, sich derartige Waffen zu sichern. Wir sind nicht so sehr
besorgt hinsichtlich der freien Länder, die vielleicht als nächste
Kernwaffen herstellen könnten; doch machen wir uns Sorgen darüber,
daß die Ausbreitung einmal nicht mehr zu kontrollieren sein wird.
Je mehr Länder die Macht haben, einen nuklearen Krieg auszulösen,
desto größer ist die Möglichkeit, daß irgendein Land einmal überhastet oder in blinder Torheit von dieser Macht Gebrauch machen
könnte.
Diese Gefahren machen unsere Aufgabe so dringlich.
So groß diese Gefahren auch sein mögen, so sind sie dennoch
geringer als diejenigen, die entstehen würden, wenn wir ein unsicheres Rüstungskontrollabkommen eingingen.
Unter den bestehenden Verhältnissen hängt das V/eiterbestehen
der freien Welt von unserer gegenwärtigen relativen Stärke ab. Wir
sind uns über das Ausmaß und die Bedeutung dieser relativen Stärke
völlig im klaren. Wir werden sie nicht aufs Spiel setzen aus dem
Wunsche heraus, zu schnellen, jedoch illusorischen Ergebnissen in
bezug auf die Rüstungskontrolle zu gelangen.
Wenn in der Rüstungskontrolle wirklicher Fortschritt gemacht
werden soll, dann müssen die gewaltigen Waffensysteme, die während
der langen Jahre des Wettrüstens aufgebaut worden sind, sorgfältig
und auf beiden Seiten reduziert werden. Dies ist keine rasch zu lösende Aufgabe.
Maßnahmen der Vereinigten Staaten können sich nicht allein auf das
Versprechen einer anderen Nation gründen. Maßnahmen unsererseits werden
nur bei entsprechenden verifizierbaren Maßnahmen von Seiten der anderen
erfolgen. Wir werden auf Inspektionsverfahren bestehen, die eine Verifizierung gestatten.
Wir werden jedoch jedes als möglich anzusehende Abkommen nicht
an irgendeinem abstrakten Maßstab der Perfektion messen, sondern
lediglich nach dem praktischen Gesichtspunkt beurteilen: Würde die
Sicherheit der Vereinigten Staaten und die der freien Welt unter dem
Abkommen größer oder geringer sein als ohne Rüstungsabkommen?
Wir werden uns keinem Abkommen anschließen, das diese Prüfung
nicht besteht.
Unsere

�26. Februar 1960

"AMERIKA DIENST" '
Unsere Vorbereitungen

Sollten die Sowjets in dem Zehn-Mächte-Ausschuß ernsthaft verhandeln wollen, so werden sie uns hierzu bereit finden. Unsere Regierung unternimmt umfassende Vorbereitungen hierfür.
Wir im Außenministerium haben eine umfassende Überprüfung
des Abrüstungsproblems durchgeführt. Das Amt für Abrüstungsfragen
im Verteidigungsministerium ist vergrößert worden, und es ist eine
besondere Arbeitsgruppe, die den gemeinsamen Stabschefs untersteht,
eingesetzt worden, um für die Studien über eine Rüstungskontrolle
sowie die Verhandlungen hierüber zur Verfügung zu stehen. Um die
fortlaufend für den Verteidigungsminister und mich von unseren
Stäben durchgeführten Studien noch zu ergänzen, hat ein Sonderausschuß unter dem Vorsitz von Charles Coolidge die Rüstungskontrollfrage untersucht. Und der Wissenschaftliche Beirat des Präsidenten hat ein besonderes Gremium unter der Führung seines ehemaligen
Vorsitzenden, Dr. Killian, mit einer ständigen Überprüfung der Abrüstungsprobleme betraut.
Mr. Fredrick Eaton, der heute hier anwesend ist, wird unsere Delegation in Genf leiten. Er und sein Stab arbeiten gegenwärtig mit
unseren Verbündeten in der Zehn-Mächte-Kommission - Kanada, Frankreich,
Italien und Großbritannien - einen gemeinsamen Kurs für diese Verhandlungen aus.
Diese Länder teilen sich in gleicher V/eise mit uns in die Aufgabe, für die kommenden Verhandlungen gemeinsam abgesprochene Vorschläge auszuarbeiten. Jedes von ihnen wird, dessen bin ich sicher,
einen wichtigen und hervorragenden Beitrag leisten.
Wir werden auch in enger Konsultation mit unseren NATO-Partnern
und einer Reihe anderer befreundeter, durch Verträge mit uns verbundener Staaten bleiben.
Wir werden ständig Fühlung mit dem Kongreß halten.
Und schließlich werden selbstverständlich die Vereinten Nationen ständig voll und ganz auf dem laufenden gehalten werden.
Die Ziele der USA
Ganz allgemein gesprochen, streben wir bei den bevorstehenden
Verhandlungen zwei Hauptziele an:
Einmal werden wir mit allem Nachdruck versuchen, stabilere
militärische Verhältnisse zu schaffen, die die Gefahr eines Krieges
vermindern und eine Reduzierung der nationalen Streitkräfte sowie
der Rüstungen gestatten. Und im Anschluß hieran werden wir eine
weitere Kürzung der nationalen Streitkräfte und Rüstungen sowie
die Schaffung eines internationalen Instrumentes zur Erhaltung des
Friedens zu erreichen suchen, wobei bis zu einem Punkt gegangen
werden soll, wo dann nicht mehr nationale, sondern internationale
Streitkräfte von einer Aggression abschrecken.
^.
&amp;ö
Diese

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�"AMERIKA DIENST"

26. Februar i960

Diese beiden Ziele sind gleich wichtig. Ich möchte jetzt jedes
von ihnen näher erörtern:
Schaffung stabilerer militärischer Verhältnisse
Eine stabilere Lage auf dem Gebiet der Rüstungen erfordert
Maßnahmen zur Kontrolle der beiden Arten von Gefahren eines anhaltenden Wettrüstens, die ich vorhin erwähnte.
Erstens, um der Gefahr einer Fehlkalkulation zu begegnen, sind
Garantien gegen einen Überraschungsangriff notwendig.
Wenn diese Garantien zuverlässig sind, dann wird die Möglichkeit geringer werden, daß eine Seite zu einem Überraschungsangriff
getrieben wird,v;ei 1 sie fälschlicherweise glaubt, daß ein militärischer
Schritt der anderen Seite die Absicht eines solchen Angriffs berge.
Diese Gefahr könnte bei einer schweren internationalen Krise besonders akut werden, wenn die Spannung stark ist und beide Seiten in
erhöhter Alarmbereitschaft stehen.
Diese Garantien könnten Zonen für Luftinspektion und bewegliche
Inspektionsgruppen zu Lande einschließen. In der Vergangenheit haben
wir eine solche Inspektion in Europa, der Antarktis und jeweils entsprechenden Gebieten Nordamerikas und der UdSSR vorgeschlagen.
Auch Abkommen, die selektivere Inspektionsarten in größeren
Gebieten vorsehen, könnten möglich sein. Unsere Vorschläge vom August
1957 sahen vor, daß Inspektionsteams außerhalb wie auch innerhalb bestimmter vereinbarter Zonen für Luft- und bewegliche Bodeninspektion
stationiert werden. Solche Beobachter könnten sich während einer
etwaigen größeren Krise als nützlich erweisen, um bei dem Nachweis,
daß keine Seite einen Überraschungsangriff gegen die andere vorbereitet, mitzuhelfen.
Andere Vereinbarungen für den Austausch von Informationen könnten getroffen werden, um sicherzustellen, daß Geschehnisse im Weltraum nicht zu gefährlichen Mißverständnissen führen.
Diese verschiedenen Arten von Maßnahmen zur Vermehrung der jeder
Seite verfügbaren Informationen könnten, wo es sich als angebracht
erweist, durch Rüstungskontrollen ergänzt werden, die gleichfalls
dazu bestimmt sein würden, die Gefahr einer Fehlbeurteilung und eines
Überraschungsangriffes zu reduzieren.
Die zweite Gefahr - die Gefahr einer wahllosen Verbreitung der
Produktion von Kernwaffen - sollte von uns, unseren Hauptverbündeten
und der Sowjetunion mit größter Sorge betrachtet werden.
Um sich gegen diese Gefahr zu schützen, muß die Erprobung von
Kernwaffen und schließlich auch die Produktion von spaltbarem Material
für Waffenzwecke unter wirksamer Kontrolle verboten werden.

Wir

�"AMERIKA DIENST"

.

26. Februar i960

Wir bemühen uns, im Rahmen der Genfer Verhandlungen zur Einstellung der Kernwaffenversuche, einen ersten Schritt auf dieses
Ziel hin zu machen. Wir haben » und dies ist unser Ziel - eine Einstellung aller Kernwaffenversuche im Rahmen wirksamer internationaler Kontrollen vorgeschlagen.•
Zum gegenwärtigen Zeitpunkt gibt es jedoch keine vereinbarte
technische Basis für die Errichtung wirksamer Kontrollen in bezug
auf die Kernwaffenversuche mit kleinerer Explosionswirkung. Daher
hat der Präsident am 11. Februar vorgeschlagen, daß wir uns über
ein Verbot solcher Kernwaffenversuche einigen, die im Rahmen der
gegenwärtigen wissenschaftlichen Erkenntnisse und unter begrenzten
Inspektionsverfahren, zu deren Annahme die Sowjets bereit schienen,
kontrolliert werden könnten.
Die Sowjetunion hat jetzt einen Gegenvorschlag für eine umfassende Einstellung unterbreitet, der vielleicht eine Änderung des
für die sowjetische Regierung akzept^al-en Standpunktes in der Frage
der Inspektionsverfahren reflektiert. Wir werden diesen Vorschlag
sehr sorgfältig prüfen.
Eine überwachte Einstellung der Kernwaffenversuche wäre ein
nützlicher Schritt in Richtung auf das Ziel einer Beendigung der
unentwegten Vergrößerung der nationalen Kernwaffenarsenale. Um dieses
Ziel zu erreichen, würden wir an unserer letztlich angestrebten Absicht festhalten - der vollständigen Einstellung der Produktion von
spaltbarem Material für Kernwaffen.
Diese modernen Maßnahmen zur Begegnung der großen Gefahren
eines fortgesetzten Wettrüstens und damit zur Aufrechterhaltung
einer stabilen Lage auf dem Gebiet der Rüstungen unterscheiden sich
weitgehend von den Bemühungen, die in den Jahren zwischen den beiden
Weltkriegen unternommen wurden, um bestimmte Waffen auszuschalten
und die nationalen Rüstungen abzuschaffen. Die Probleme der Rüstungskontrolle im Atomzeitalter sind so verschieden von den Problemen vor
einem Vierteljahrhundert, wie jene Probleme wiederum verschieden waren
von den Bemühungen, die Schrecken des Krieges im Mittelalter zu verringern.
Wir können angesichts der Vielfalt der heutigen komplizierten
Waffen nicht zu einer Abrüstung gelangen, indem wir lediglich immer
wieder so abgenutzte Schlagworte wie "Verbot der Bombe", "Aufgabe
der ausländischen Stützpunkte" oder "Reduzierung der Streitkräfte
um
ein Drittel" gebrauchen oder gutheißen. Ein Maßstab für die
Ernsthaftigkeit der sowjetischen Bemühungen bei den bevorstehenden
Verhandlungen wird die Anerkennung dieser Tatsache durch Moskau sein.
Solange es keine Rüstungskontrolle gibt, sind die Bomben, die
Stützpunkte, die Streitkräfte alle nur das Ergebnis der dringenden
Notwendigkeit, von einer Aggression abzuschrecken. Das Ziel der ersten
Maßnahmen zur Rüstungskontrolle sollte es sein, dafür Sorge zu tragen,
daß dieser Notwendigkeit in einer Weise begegnet wird, durch die das
bestehende Risiko eines Krieges reduziert und nicht vergrößert wird.
Wenn

�"AMERIKA DIENST"'

26. Februar 1960

Wenn wir uns so auf stabilere militärische Verhältnisse hinbewegen, können und sollten progressive, graduelle und wohlausgewogene
Reduzierungen der nationalen militärischen Streitkräfte erreicht
werden. Den nationalen Streitkräften sollten hinsichtlich der Mannschaftsstärke Höchstgrenzen auferlegt und bestimmte Mengen an her*
kömmlicher Ausrüstung unter internationaler Aufsicht gelagert werden.
Allgemeine Abrüstung
Diese Maßnahmen zur Schaffung stabiler militärischer Verhältnisse wären der erste Schritt auf unserem Wege zur Abrüstung. Sie
würden unsere nationale Sicherheit vergrößern und die Gefahr eines
Krieges verringern.
Sie vnirden uns auch grundsätzlich die Freiheit des nationalen
Handelns belassen und unsere relative nationale Kapazität nicht
beeinträchtigen, Da immer noch starke nationale Streitkräfte unter
Waffen stünden, bliebe die nationale Stärke - nicht das Völkerrecht immer noch die letzte Zuflucht.
Um eine Welt des friedlichen Wandels zu garantieren, würden
wir eine zweite Phase der allgemeinen Abrüstung vorsehen. Unsere
Zielsetzung in dieser zweiten Phase wäre zweierlei:
e inmal die Schaffung bestimmter, auf der ganzen Welt anerkannter Rechtsgrundsätze, die, wenn befolgt, alle Nationen davon abhalten
würden, andere Nationen anzugreifen. Hinter derartigen Rechtsgrundsätzen müßten ein Weltgerichtshof und wirksame Mittel zu ihrer Durchsetzung stehen - das heißt eine internationale bewaffnete Streitmachtj
zum anderen eine Reduzierung der nationalen Streitkräfte unter
gesicherten und auf ihre Einhaltung geprüften Abmachungen bis zu einem
Punkt, wo keine einzelne Nation oder Staatengruppe sich dieser Durchsetzung des Völkerrechts mittels einer internationalen Organisation
mehr wirkungsvoll widersetzen kann.
Wenn diese beiden Ziele nicht fest im Auge behalten werden, dann
könnte ein Abkommen über eine allgemeine Abrüstung die Welt leicht in
einen Zustand der Anarchie bringen. Solange es keine wirkungsvolle
internationale Organisation zur Erhaltung des Friedens gibt, könnten
die Staaten das Abrüstungsabkommen ungestraft verletzen und auf diese
Weise versuchen, einen entscheidenden Vorsprung beim Aufbau ihrer
Rüstungen zu erlangen. Da außerdem aber jedem Staat eine Pdlizeimacht
zur Aufrechterhaltung der inneren Sicherheit bleibt, könnten Staaten
mit einer hohen Bevölkerungszahl ganz beachtliche Verbände unterhalten,
die sie k solange es eine solche den Frieden erhaltende Organisation
nicht gibt - wirksam gegen ihre kleineren Nachbarn einsetzen könnten.
Um uns gegen diese Gefahren zu schützen, sollten wir, was das
Thema der allgemeinen Abrüstung anbetrifft, auf wirksame internationale
Übereinkommen hinarbeiten, die den Frieden und die Sicherheit aufrechterhalten und das Recht gemäß dem Gesetz fördern würden. Wir sind bereit,
uns an entsprechenden Studien zu diesem Zwecke zu beteiligen. Ein

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�26. Februar 196O

"ALIERIKA DIENST"

Ein brauchbarer Rahmen und ein beachtliches Maß an Erfahrung stehen
uns in der Organisation der Vereinten Nationen hierfür bereits zur
Verfügung.
Diese Studien könnten sich auf zwei Formen grundlegender und
notwendiger Veränderungen konzentrieren:
1. Die Stärkung und der Ausbau eines internationalen Instruments
zur Verhinderung nationaler Aggressionen in einer Welt, die bis auf
die internen Sicherheitstruppen abgerüstet hat.
2. Die Stärkung und der Ausbau einer internationalen Organisation
zur Sicherung gerechter und friedlicher Lösungen von Streitfragen in
einer abgerüsteten Welt.
Ein Fortschritt in Richtung auf diese beiden Dinge ist notwendig,
wenn das Ziel einer allgemeinen Abrüstung erreicht werden soll.
V/ir brauchen - ja wir dürfen - jedoch nicht warten, einen Anfang
mit begrenzteren Maßnahmen zu machen, die unabhängig davon bei der
Förderung des Y/achstums von Institutionen zur Erhaltung des Friedens
von Wert wären und die den Fortschritt in der Abrüstung erleichtern
würden. Ich denke dabei an solche Maßnahmen wie die verstärkte Heranziehung der Völkerrechtskommission der Vereinten Nationen und die
Unterstützung der Bemühungen von UN-Generalsekretär Hammarskjöld,
Abmachungen über die Bereitstellung einer UN-Streitmacht und andere
Formen des Einsdireitens der Vereinten Nationen an Orten, wo die Gefahr
der Gewaltanwendung droht, auszuarbeiten. Wir planen, in den Vereinten Nationen Konsultationen über eine Reihe solcher spezifischer
Maßnahmen zu pflegen.
Zusammenfassung
Dieses also ist in groben Umrissen der erneute Versuch, den die
Regierung der Vereinigten Staaten zu unternehmen im Begriff ist, um
durch eine Rüstungskontrolle und eine schließliche allgemeine Abrüstung
die nationale Sicherheit zu stärken. Die einzelnen spezifischen Elemente dieser Bemühung werden sich natürlich erst aus den jetzt mit unseren
Verbündeten geführten Besprechungen und Konsultationen ergeben.
Wenn diese Initiative eine Erfolgschance haben soll, dann wird
sie das Verständnis und die Unterstützung des amerikanischen Volkes
und des amerikanischen Kongresses brauchen. Wir werden uns mit dem
Kongreß jeweils über die einzelnen Stadien beraten und dem amerikanischen Volk entsprechend Bericht erstatten.
Der Erfolg dieser Bemühung wird zu einem Teil auch davon abhängen,
welche Initiative die Sowjetunion zu gesicherten Rüstungsabkommen
sieht. Wenn die sowjetischen Führer glauben, daß die freie Welt wahrscheinlich auch einseitig abrüsten wird,dann werden sie kaum einen Grund
sehen, warum sie sich einem gesicherten Abkommen anschließen sollten.

Die

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�"AMERIKA DIENST"

26. Februar 1960

Die weitere und wirksame Durchführung unserer eigenen militärischen Programme und der der freien Welt sowie unseres Gemeinsamen Sicherheitsprogramms ist daher von entscheidender Bedeutung,
wenn Aussicht auf irgendeinen Fortschritt in der Rüstungskontrolle
bestehen soll.
Wenn die Sowjetunion einen solchen Fortschritt zustande zu
bringen wünscht - in dem Bestreben, einen besseren Weg als den des
sich gegenseitig hochtreibenden Wettrüstens zu finden -, um den
Frieden und die Sicherheit zu gewährleisten, dann wird sie unser
Entgegenkommen finden.
Die Gefahr, die jeden Mann, jede Frau und jedes Kind in unserer
heutigen Welt bedroht, ist zu groß, als daß man etwas anderes tun
könnte und dürfte, als mit größter Anstrengung, Hingabe und Ausdauer
nach diesem Ziel zu streben.

f-tt • • «

�A M E R I K A

D I E N S T

Allg./l8«5.1960

WESTlvlACHTE VERÖFFENTLICHEN GEMEINSAMEN ABRUSTUNGSPLAN

WASHINGTON - (AD) - Das amerikanische Außenministerium
veröffentlichte am 15« März "i960 den V/ortlaut des gemeinsamen Abrüstungsplanes, den die USA, Großbritannien,
Frankreich, Italien und Kanada für die am Dienstag beginnende Zehn-Mächte-Abrüstungskonferenz in Genf ausgearbeitet haben. Die Verlautbarung des State Department
hat folgenden Wortlaut:

Fünf-Mächte-Arbeitsplan über die allgemeine Abrüstung
"Die fünf westlichen Länder - die Vereinigten Staaten, Großbritannien,
Frankreich, Kanada und Italien -, die an der am 15» März 196O in Genf beginnenden Zehn-Mächte-Abrüstungskonferenz teilnehmen, haben heute folgendes zur Veröffentlichung freigegeben:
a) Das letztliche Ziel ist eine sichere, freie und friedliche Welt,
in der es eine allgemeine Abrüstung unter einer wirksamen internationalen
Kontrolle sowie vereinbarte Verfahren zur Lösung von Streitfällen in Übereinstimmung mit den Prinzipien der Charta der Vereinten Nationen geben
wird.
b) Aufgabe der Zehn-Machte-Abrüstungskonferenz sollte es sein,
Maßnahmen für eine allgemeine Abrüstung auszuarbeiten, die nur durch
ausgewogene, phasenweise und gesicherte Abkommen erreicht werden kann.
c) Alle Abrüstungsmaßnahmen müssen durch eine geeignete internationale
Organisation beobachtet und verifiziert werden.

Die folgenden Maßnahmen v/erden mit der Empfehlung vorgeschlagen, sie
sofort zu ergreifen:
a) Schrittweiser Aufbau einer internationalen Abrüstungsorganisation
(IDO) im Anschluß an eine gemeinsame Studie über den Aufbau und die Funktionen einer derartigen Organisation und über ihre Beziehung zu den Vereinten Nationen (unter Berücksichtigung bereits früher gemachter Erfahrung
auf diesem Gebiet).

li

�"AMERIKA DIENST"

18. März 1960

b) Vorherige Unterrichtung der IDO über geplante Starts von Raumflugkörpern und Schaffung kooperativer Einrichtungen zur Übermittlung
von Daten, die aus verfügbaren Peil- und Ortungsanlagen gewonnen wurden.
c) Das Zusammentragen von Informationen über die derzeitigen Truppenstärken (Stärke des aktiven, uniformierten militärischen Personals) und
über die Rüstungen, was die Land-, See- und Luftstreitkräfte anbetrifft,
die von den verschiedenen Mächten unterhalten werden. Das Zusammentragen
von Informationen würde in erster Linie auf der Grundlage von Erklärungen erfolgen, die von den einzelnen Staaten auf Grund von im voraus festgelegten und beiderseits vereinbarten Kriterien abgegeben würden.
d) Die koordinierte Reduzierung oder Begrenzung der Truppenstärken
und der konventionellen Rüstungen nach Festlegung vereinbarter Abmachungen und Verfahren für eine erste und dann fortlaufende Verifizierung durch
die internationale Abrüstungsorganisation (iDO) wie folgt:
1. Die anfänglichen Höchstgrenzen für die Truppenstärken sollen sein:
2,5 Millionen für die Sowjetunion
2,5 Millionen für die Vereinigten Staaten und
vereinbarte entsprechende Truppenstärken für bestimmte andere Staate
2. Jeder Staat, der Partner des Abkommens ist, soll in Vorratsdepots,
die innerhalb seines eigenen Territoriums gelegen sind und unter der "Überwachung der Internationalen Abrüstungsorganisation (IDO) stehen, vereinbarte
Arten und Mengen an konventionellen Waffen einlagern, die in den dem Abkommen beigefügten Listen festgelegt sind und in Zusammenhang mit den vereinbarten Truppenstärken stehen.
e) Die Vorlage von Informationen durch die verschiedenen Staaten bei
der Internationalen Abrüstungsorganisation (IDO) bezüglich der Handhabung
der verschiedenen Finanzsysteme, soweit es die militärischen Ausgaben betrifft, der Höhe ihrer militärischen Ausgaben und des Prozentsatzes ihres
Bruttosozialprodukts, der für militärische Ausgaben vorgesehen ist. Die
vorzulegenden Informationen werden nach im voraus festgelegten und beiderseits vereinbarten Kriterien zusammengestellt werden.
f) Unverzüglich werden gemeinsame Untersuchungen über folgende Themen
durchgeführt werden:

�"AMERIKA DIENST"

18. März 1960

b) Die vorherige Benachrichtigung der Internationalen Abrüstungsorganisation (IDO) nach im voraus festgelegten und beiderseits vereinbarten Kriterien und Deklarierung der Abschußstellen und der Herstellungsorte solcher Raketen mit vereinbarter Verifizierung, einschließlich der
Inspektion der Abschußstellen für solche Raketen an Ort und Stelle.
c) Die Einstellung der Produktion von spaltbarem Material für Waffenzwecke, unmittelbar nachdem ein allgemein anerkanntes Kontrollsystem zur
Verifizierung dieser Maßnahme geschaffen worden und wirksam in Funktion
getreten ist - sofern ein befriedigender Portschritt auf dem Gebiet der
konventionellen Abrüstung zustande kommt.
d) Die Transferierung vereinbarter Mengen spaltbaren Materials aus
der früheren Produktion unter internationaler Überwachung und Kontrolle
zu nichtmilitärischer Verwendung, einschließlich ihrer Lagerung, unmittelbar nach der Errichtung und dem wirksamen Funktionieren eines allgemein
anerkannten Kontrollsystems zur Verifizierung der Produktionseinstellung
von spaltbarem Material für 7/aff enzwecke.
e) Die Einführung geeigneter Maßnahmen, die den Teilnehmerstaaten
größeren Schutz vor Überraschungsangriffen geben sollen, unter Einschluß
der Luftinspektion, Bodenbeobachtungsstellen an vereinbarten Punkten, mobiler Bodenbeobachtungsgruppen, ineinandergreifender Radarnetze, der Ankündigung von Flügen und angemessener Nachrichtenverbindungen.
f) Eine Abrüstungskonferenz mit anderen, über ein bedeutendes Militärpotential verfügenden Staaten, die einberufen wird, um deren Beitritt
zum Abrüstungsabkommen, einschließlich der Annahme angemessener Reduzierungen oder Begrenzungen der jeweiligen Mannschaftsstärken und Rüstungen,
zu erörtern.
g) Höchstgrenzen der Truppenstärken für alle militärisch bedeutenden
Staaten und entsprechende Inspektions- und Verifizierungsmaßnahmen, die
gleichzeitig mit der Festsetzung der Höchstgrenzen der Truppenstärken für
die USA und die UdSSR auf je 2,1 Millionen Mann in Kraft treten. Gleichzeitig soll jeder der beteiligten Staaten sich bereit erklären, in Vorratsdepots vereinbarte Arten und Mengen von Rüstungen einzubringen, die
in einem vereinbarten Zusammenhang mit den Höchstgrenzen für die Truppenstärken stehen.
h) Die Festsetzung von Maßnahmen zur Verifizierung der Haushaltsinformationen.
i) Eine weitere progressive Fortentwicklung der Internationalen Abrüstungsorganisation (IDO) .
j) Beginn der Errichtung der internationalen Organisation zur Erhal-'
tung des Weltfriedens.

III

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�"AMERIKA DIENST"

1 8 . März

196O

III
Im Vorangegangenen sind Maßnahmen umrissen, die durch Verhandlungen
festgelegt und so schnell wie möglich in Kraft gesetzt werden sollten.
Im Folgenden sind Maßnahmen aufgeführt, die für die Erreichung des Endzieles als notwendig betrachtet werden:
a) Die Reduzierung der nationalen Streitkräfte und Rüstungen durch
progressive und gesicherte Schritte (im Anschluß an solche weiteren gemeinsamen Studien, wie sie sich als notwendig erweisen mögen) bis auf Ebenen,
wie sie durch die innere Sicherheit und die Erfüllung der unter der Charta
der Vereinten Nationen übernommenen, dahin gehenden Verpflichtungen bedingt
werden, daß sich kein einzelnes Land und oder keine Gruppe von Ländern der
Durchsetzung des Völkerrechts in wirksamer Form widersetzen kann.
b) Die Maßnahmen zu diesem Ziel, die so abgestimmt sind, daß sie mit
dem Aufbau einer internationalen Rechtsvollstreckungseinrichtung zur Wahrung
des Weltfriedens sowie mit der Erweiterung der internationalen Abrüstungsorganisation (IDO) zur Durchführung der notwendigen Inspektion und Kontrolle
gleichlaufen, werden einschließen:
1. das Verbot der Produktion nuklearer, chemischer, biologischer und
anderer Massenvernichtungsmittel;
2. eine weitere Reduzierung der bestehenden Vorräte an nuklearen, chemischen, biologischen und anderen Massenvernichtungsmitteln, eine Überstellung spaltbaren Materials für die friedliche Nutzung sowie weitere, den
jüngsten wissenschaftlichen Erkenntnissen entsprechende Maßnahmen zur endgültigen Abschaffung dieser Waffen;
3. Maßnahmen, die sicherstellen, daß der Weltenraum ausschließlich
für friedliche Zwecke genutzt wird;
4. die Kontrolle der Produktion vereinbarter Kategorien von militärischen Raketengeschossen sowie der bestehenden Arsenale der Staaten und
ihre schließliche Beseitigung;
5. den Aufbau einer wirksamen internationalen Kontrolle über die Militärhaushalte;
6. die Vollendung des Aufbaus internationaler Organisationen und die
Schaffung von Abkommen zur Erhaltung des Weltfriedens;
7. die endgültige Reduzierung der militärischen Mannschaftsstärken und
Rüstungen auf einen Stand, wie er für die in Paragraph A angeführten Ziele
erforderlich ist, einschließlich der Verfügung über überschüssiges Rüstungsmaterial.
e

8. die Kontrolle der Produktion aller übrigen Rüstungsarten, um sicherzustellen, daß die Produktion auf die für die in Paragraph A spezifizierten
Zwecke erforderliche Höhe beschränkt bleibt."
* * * * *

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5 -

�A M E R I K A

D I E N S T

Allg./8.4.60
HERTER» ZIELE DER AMERIKAMISCHEN AUSSENPOLITIK
CHICAGO — AD -- Nachstehend übermitteln wir
Ihnen den Wortlaut der Rede des US-Außenministers Christian A. Herter, die er am 4» April
i960 in Chicago auf der Jahresversammlung des
amerikanischen Rundfunkrates gehalten hat,
Herter gab darin einen Überblick über die
Außenpolitik der USA und deren Zielsetzungen.
Er ging im Laufe seiner Ansprache insbesondere
auf die bevorstehende Gipfelkonferenz, die
Deutschland- und die Berlin-Frage sowie auf
die Probleme der Abrüstung und der Kernwaffenversuche ein.

Der Rundfunk und das Fernsehen leisten den Vereinigten Staaten bei der Unterrichtung des amerikanischen Volkes über die
Ziele und die Entwicklung unserer Außenpolitik gute Dienste,
Darüber hinaus machen wir den umfassendsten Gebrauch von Rundfunk und Fernsehen bei unserem Bemühen, das Verständnis für die
USA im Ausland zu vergrößern. Die anhaltend gute Zusammenarbeit,
die uns von dem kommerziellen amerikanischen Rundfunkverband zuteil wurde, ist überaus beglückend.
Die Fernsehindustrie im Ausland erlebt gegenwärtig dieselbe
große Expansion, die sich hier bei uns vor fünf oder sechs Jahren
vollzog, Das amerikanische Informationsamt (USIA) ist im Begriff,
vollen Gebrauch von dem Medium Fernsehen zu machen, um das Verständnis der Welt für die USA zu steigern. Ich vertraue fest darauf,
daß uns von der Fernsehindustrie die gleiche großherzige und wertvolle Zusammenarbeit zuteil wird, wie wir sie vom Rundfunk erhielten, so daß die Welt sich ein besseres Bild darüber machen kann,
wie wir wirklich sind.
Wir sind uns auch der guten Zusammenarbeit bewußt, die der
Rundfunkverband privaten Organisationen wie dem "Feldzug für die
Freiheit" zuteil werden ließ und weiterhin zuteil werden läßt.
Ich möchte hier auch dankbar der großherzigen Unterstützung
gedenken, die uns Ihr Präsident, der verstorbene Harold Fellows,
gewährte. So groß wie sein Können und seine Fähigkeiten war auch
seine patriotische Bereitschaft, zu dienen, und wir teilen Ihre
- 1-

�"AMERIKA DIENST"

8. April i960

Ihre Trauer um diesen Verlust.
Es ist fast ein Jahr her, seit ich das Amt des Außenministers
antrat. Ich möchte daher einen Überblick über die Grundzüge der
amerikanischen Außenpolitik geben und einiges zu dem sagen, was vor
uns liegt .
Die Gewährleistung der Freiheit und Sicherheit des amerikanischen Volkes ist das Hauptziel der amerikanischen Politik. Um dies in
der heutigen Welt zu erreichen,müssen wir ein Problem lösen, das die
Menschheit bisher noch nicht zu meistern vermocht hat - das Problem
des friedlichen Wandels.
Wir müssen die Anwendung militärischer Macht zur Erreichung
eines Wandels verhindern und Mittel ersinnen, um notwendige Veränderungen auf friedlichem Wege zu erzielen.
Die Vereinigten Staaten bemühen sich, die Möglichkeit von Gewaltmaßnahmen zu vermindern und sicherzustellen, daß die notwendigen Anpassungen in friedlicher Weise erfolgen - und zwar bemühen sie sich
darum in fünf grundsätzlichen Formen»
1. Verstärken wir die kollektiven Sicherheitsabkommen, die vor
einer Aggression abschrecken;
2. streben wir nach einem Abkommen über Maßnahmen zur Rüstungskontrolle, durch das die Gefahr eines Krieges verkleinert würde;
3. verhandeln wir mit der Sowjetunion, um die Lösung politischer
Fragen zu fördern, die uns trennen»
4. verstärken wir unser Programm zur Unterstützung der weniger
entwickelten Länder, um den hier notwendigen Fortschritt zu erreichen; und
5. unterstützen wir die Vereinten Nationen in den Bemühungen,
die ordnungsgemäße Lesung von Problemen zu fördern und damit die
Möglichkeit eines Konfliktes zu verringern.
Kollektive Sicherheit
Wenn es im vergangenen Jahr in Europa im Zusammenhang mit der
Berlin-Frage und im Fernen Osten im Zusammenhang mit Formosa und
dem Königreich Laos nicht zur Anwendung von Gewalt kam, so geschah
dies zum Teil auf Grund der defensiven Stärke der freien Welt und der
klar zutage getretenen Bereitschaft, diese Macht - sollte es notwendig
sein - einzusetzen. Diese Stärke wurde durch kürzliche Maßnahmen wie
die Unterzeichnung eines neuen Sicherheitsvertrages zwischen den Vereinigten Staaten und Japan, eine verbesserte Koordinierung und Zusammenarbeit in der SEATO und der CENTO sowie die Stärkung des interamerikanischen Systems auf Grund der Außenministerkonferenz in Santiago bekräftigt und vergrößert.
Das

�8. April 196O

"AMERIKA DIENST

Das erste Bollwerk, das im Rahmen unseres kollektiven Sicherheitssystems errichtet wurde, war die Nordatlantische Allianz, die
heute den elften Jahrestag ihrer Gründung begeht.
Durch die Behandlung solcher wichtiger Fragen wie die Abrüstung,
die Zukunft Deutschlands und die Freiheit Berlins wurde der Zusammenhalt der Nordatlantischen Allianz gestärkt und durch die Konsultation
und Zusammenarbeit im Nordatlantikrat offenkundig gemacht. Niemals
zuvor in der Geschichte gab es zu Friedenszeiten ein System für die
politische Konsultation zwischen souveränen Ländern, das so erfolgreich war wie das System, welches wir heute in der NATO haben.
Auch wenn der Beitrag, den die Allianz hinsichtlich der Entwicklung neuer Methoden der Zusammenarbeit unter gleichgesinnten
Völkern leistet, immer größer wird, so bleibt die militärische
Stärke der NATO doch der Kern ihrer Existenz, der für die Verhandlungsposition des Westens entscheidend wichtig ist.
Diese militärische Stärke nimmt weiterhin zu. Die deutsche
Wiederbewaffnung zum Zwecke der Verteidigung macht zufriedenstellende Fortschritte} sie ist gänzlich für die von der Bundesrepublik im
Rahmen der NATO übernommenen Verpflichtungen zur kollektiven Selbstverteidigung bestimmt. Eine Reihe von europäischen NATO-Ländern haben
sich entschlossen oder planen, ihre Verteidigungsbudgets zu erhöhen.
Die Anwesenheit der amerikanischen Streitkräfte auf dem europäischen
Kontinent zusammen mit britischen und kanadischen Verbänden ist ein
sichtbarer Beweis dafür, daß Amerika erkennt, daß seine Sicherheit
von der Sicherheit Westeuropas nicht zu trennen ist. Ein bedeutender
Fortschritt wird bei der Ausrüstung der amerikanischen und europäischen
Streitkräfte des NATO-Verteidigungsschildes mit modernen Waffen gemacht,
die für die Sicherheit des Vertragsgebietes solange von entscheidender
Wichtigkeit sind, bis eine zuverlässige und kontrollierte Abrüstung
erreicht worden ist.
Aber obgleich der Fortschritt bedeutend gewesen ist, bleiben uns
weitere wichtige Aufgaben für die Zukunft. Die Land-, See- und Luftstreitkräfte der NATO müssen weiterhin .verstärkt werden. Wir und unsere Verbündeten bemühen uns außerdem, die Zusammenarbeit und Konsultation innerhalb der NATO weiterhin zu fördern, die für das weitere
Wohlergehen der Atlantischen Gemeinschaft von lebenswichtiger Bedeutung
und in diesem Zeitalter des Aufeinanderangewiesenseins unumgänglich
sind.
Die Vereinigten Staaten werden auch weiterhin mit ihren NATOPartnern intensiv zusammenarbeiten, um sowohl die militärischen als
auch die nichtmilitärischen Ziele zu erfüllen. Ich durfte auf der
Ministersitzung des Nordatlantikrates im Dezember vergangenen Jahres
ein Programm der langfristigen NATO-Planung für das gegenwärtige
Jahrzehnt vorschlagen. Der Rat stimmte diesem Vorschlag zu, und die
USA werden mit den anderen NATO-Mitgliedern eng zusammenarbeiten,
um seine erfolgreiche Durchführung zu unterstützen.
Wenn

- 3-

�8. April i960

"AMERIKA DIENST"

Wenn die Welt in eine Ära eintritt, in der die Drohung der
offenen Aggressionen abzunehmen scheint, ist man vielleicht versucht, die NATO sowie andere kollektive Sicherheitsvorkehrungen
als selbstverständlich hinzunehmen und zu glauben, daß Nachdruck
und Vorrang der Politik auf anderen Gebieten liegen. Ich kann nicht
genug unterstreichen, daß in künftigen Jahren wie auch in der Vergangenheit - solange bis eine kontrollierte allgemeine Abrüstung
erzielt und eine internationale Friedenstruppe geschaffen worden
ist - die militärische Stärke der NATO und unsere anderen kollektiven
Vorkehrungen ein Grundpfeiler der Politik der USA, das notwendige
Fundament für einen gerechten Frieden, bleiben werden,
Rüstungskontrolle
Während die Vereinigten Staaten daran arbeiten, durch kollektive
Sicherheit vor einer Aggression abzuschrecken, sind sie gleichzeitig
bemüht, die Kriegsgefahr sowie die Last der Rüstungsausgaben durch
eine gesicherte Rüstungskontrolle zu reduzieren.
Die Westlichen Nationen hoffen, daß, auf lange Sicht gesehen,
schließlich doch noch eine angemessene Ordnung des Völkerrechts
sowie die Maschinerie für die Durchsetzung dieses Rechts eine weltweite Billigung finden werden. Innerhalb dieses Rahmenß würde es
dann möglich sein, eine allgemeinere Abrüstung in Angriff zu nehmen.
Um unser Nahziel zu erreichen, haben die Vereinigten Staaten und
Großbritannien während der vergangenen 17 Monate mit der Sowjetunion
ständig über die Aussetzung der Kernwaffenversuche verhandelt. Eine
solche Einstellung der Versuche würde nicht nur die Verbreitung der
Kernwaffen unterbinden und die weltweite Besorgnis über die radioaktiven Ausfälle vermindern, sondern würde auch, was die Kontrollen
anbetrifft, einen wichtigen Präzedenzfall für das umfangreichere
Problem der Abrüstung schaffen.
Beachtlicherweise ist jetzt ein Fortschritt in der Annäherung
der westlichen und der sowjetischen Position in der Frage der Kernwaffenversuche erzielt worden. In der vergangenen Woche haben Präsident Eisenhower und Premierminister MacMillan einen Vorschlag unterbreitet, der die Möglichkeit eines bedeutenden Schritts vorwärts in
Richtung auf das erstrebte Ziel einer kontrollierten, umfassenden
Einstellung aller Kernwaffenversuche eröffnet. Eine Annahme dieses
Vorschlages würde bedeuten, daß man zu einem gesicherten Vertrag
gelangen könnte, der die Versuche in der Atmosphäre, auf den Weltmeeren und in größeren Höhen sowie größere unterirdische Explosionen
beenden und ein temporäres, freiwilliges Moratorium für jene kleineren
Kernwaffenversuche in Kraft treten lassen würde, die - wie wir glauben zur Zeit noch nicht mit Zuverlässigkeit erkannt und identifiziert
werden können,
Durch diese gemeinsame Maßnahme haben die Vereinigten Staaten
und Großbritannien ein Abkommen in Reichweite treten lassen, das sehr
wohl ein historischer Wendepunkt in dem Bemühen um vereinbarte Maßnahmen zu einer Rüstungskontrolle sein könnte, die zu einem weitaus

- 4.

�"AMERIKA DIENST"

.

,

8. April i960

weitaus größeren Maß an Frieden und Sicherheit in der Welt führen
würden.
Jetzt liegt es an der Sowjetunion; sie ist am Zuge.
Die Entwicklungen bei den Genfer Verhandlungen über ein Kernwaffenversuchsverbot sind von außerordentlicher Bedeutung; unser
größeres Ziel besteht jedoch in allgemeinen, kontrollierten Rüstungsbegrenzungen.
Im vergangenen Monat haben die Verbündeten dem Zehn-Mächte-Abrüstungsausschuß ein in drei Phasen gegliedertes Programm zur gesicherten Rüstungsreduzierung vorgelegt, das zu dem Ziel einer allgemeinen Abrüstung führen würde. Wir sind davon überzeugt, daß dieses
Programm eine realisierbare, praktische Methode bietet, während die
allgemein gehaltenen und vagen Bestimmungen des sowjetischen Vorschlages bisher ihre Durchführbarkeit noch nicht bewiesen haben.
Die erste und die zweite Phase des westlichen Programms enthalten Vorschläge, die unser Nahziel - das Risiko eines unbeabsichtigten Krieges zu vermindern - fördern würden. Die Vorschläge dieser
Phase sehen eine Vorankündigung des Abschusses von Flugkörpern in
den Weltraum sowie andere Garantien gegen einen Überraschungsangriff
•ör. Wir schlagen ferner eine Beendigung der Produktion spaltbaren
Materials für Waffenzwecke vor, wodurch der Verbreitung von Kernwaffen
Einhalt geboten würde.
Die dritte Phase des westlichen Programms würde unser letztliches
Ziel - eine allgemeine Abrüstung - verwirklichen. Sie sieht eine
außerordentlich drastische Reduzierung der Streitkräfte sowie gleichlaufend damit die Schaffung eines Systems für die wirksame Durchsetzung
des Völkerrechtes vor.
Wenn Fortschritte in Richtung auf diese Ziele erreicht werden,
sollen, dann ist eine größere Bereitschaft auf seiten der sowjetischen
Führung erforderlich, die für eine wirksame Rüstungsbegrenzung notwendigen praktischen Schritte zu akzeptieren. Die nukleare Zerstörung
kennt keinen Unterschied der Nationalität. Es gibt keine ideologische
Färbung, die den Fortbestand garantiert. Das intensive Bestreben der
Völker, ihre Hilfsquellen für die wirtschaftlichen Entwicklungen und
für den sozialen Fortschritt statt für die Produktion von Waffen einzusetzen, ist nicht clas Monopol der einen oder der anderen Seite. Ein
echter Fortschritt auf dem Wege zu einer gesicherten Rüstungskontrolle
würde den besten Interessen beider Seiten dienen, ohne daß dadurch von
der einen oder der anderen Seite Positionen oder Grundsätze geopfert
würden.
Es wird nicht einfach sein, irgendeine Form der Einigung zu erreichen. Aber es ist notwendig, und es wird jeden Tag notwendiger, und,
wie Außenminister Dulles zu sagen pflegte, "wir müssen als unsere
Arbeitshypothese akzeptieren, daß das, was notwendig ist, auch möglich
ist".
Die

- 5.;--«T^r&lt;

�8. April 196O

"AMERIKA DIENST'
Die politische Verhandlung

Wir bemühen uns ernsthaft darum, die Kriegsgefahr zu vermindern,
indem wir mit der Sowjetunion wie über die Rüstungskontrolle so auch
über politische Streitfragen verhandeln.
Unser unmittelbares Ziel bei diesen ständigen Verhandlungen ist
es, die Positionen beider Seiten zu klären und die Gefahr eines Konfliktes über die uns trennenden politischen Fragen zu vermindern»
Unser Fernziel ist es, die Grundlage für eine schließliche Lösung
dieser Streitfragen zu schaffen.
Zweifellos ist
eine der Hauptfragen, denen wir uns gegenübersehen, das Problem der Teilung Deutschlands« Diese unnatürliche Teilung stellt nicht nur eine schwere Ungerechtigkeit gegenüber dem
deutschen Volk dar, sondern - was genau so ernst ist - die anhaltende
Spaltung Deutschlands wird, wenn sie nicht beseitigt wird, unvermeidlicherweise zu einer Gefährdung des Vifeltfriedens führen»
In den vergangenen Monaten hat Herr Chruschtschow wiederholt in
öffentlichen Erklärungen zu verstehen gegeben, daß er unter Umständen
einseitig einen separaten Vertrag mit dem ostdeutschen Regime abschließen wird, wenn die Westmächte einer Regelung des deutschen
Problems nach seinen Bedingungen nicht zustimmen. Wenn er auch sorgfältig darauf achtete, in seinen Erklärungen zu diesem Thema nicht
zu präzise zu sein, so konnte die Wiederholung dieser Drohung die
Situation doch nur komplizieren und die internationale Atmosphäre
ungünstig beeinflussen.
Herr Chruschtschow hat ebenfalls vor kurzem in bezug auf Asien
erklärt, daß "jedes Volk das Recht auf Selbstbestimmung besitzt".
Aber ans der bisherigen sowjetischen Haltung hinsichtlich Deutschlands
wird klar, daß Herr Chruschtschow nicht bereit ist, dafür Sorge zu
tragen, daß dieser Grundsatz auf die unter kommunistischer Kontrolle
lebenden 17 Millionen Menschen in Ost-Berlin und Ostdeutschland angewandt wird.
Im Gegensatz dazu haben die Westmächte in einer langen Reihe von
Verhandlungen nach dem Kriege darauf bestanden, daß der Grundsatz der
Selbstbestimmung geachtet wird. Genauer ausgedrückt, wir sind der Überzeugung, daß die Wiedervereinigung auf der Grundlage freier Wahlen
zustande/kommen und daß eine endgültige Friedensregelung mit der deutschen Regierung getroffen werden sollte, die auf der Grundlage solcher
Wahlen gebildet wurde.
Man darf damit rechnen, daß auch die Berlin-Frage bei den bevorstehenden Pariser Besprechungen der Regierungschefs eine bedeutende
Rolle spielen wird. Die Teilung Berlins spiegelt lediglich das
größere Problem der Teilung Deutschlands wider.
Die Westmächte sind entschlossen, die Freiheit
der Westberliner Bevölkerung auf der bevorstehenden
zu verteidigen. Wir haben diese Einstellung auf der
konferenz in Genf klargemacht. Präsident Eisenhower

- 6-

und Sicherheit
Gipfelkonferenz
Außenministerhat sie erneut

�AMERIKA DIENST"

8. April 1960

erneut in Camp David bekräftigt. Wir und unsere Verbündeten haben
erst unlängst auf der Konferenz der Regierungschefs im Dezember in
Paris übereinstimmend erklärt, daß wir in bezug auf West-Berlin fest
bleiben werden« Indem wir auf diese Weise sicherstellen, daß die
sowjetischen Machthaber unsere Festigkeit nicht falsch beurteilen,
verringern wir die Möglichkeit unbesonnener Aktionen, durch die die
Spannungen gewaltig verstärkt werden würden.
Indem wir unsere fundamentalen Rechte und Verpflichtungen hinsichtlich Berlins erneut bekräftigen, sind wir zugleich ehrlich gewillt, Verhandlungen zur Lösung dieses Problems im Zusammenhang mit
dem Deutschlandprogramm als Ganzem aufzunehmen.
Wenn ich das deutsche Problem erörtere, dann möchte ich die Gelegenheit benutzen, um einige Worte über das neue Deutschland - die
Bundesrepublik Deutschland - zu sagen. Ich habe in den vergangenen
Monaten zahlreiche feindselige Angriffe seitens der Sowjetunion einige von Herrn Chruschtschow selbst - bemerkt, in denen die Regierung der Bundesrepublik als "militaristisch" hingestellt wurde.
Diese Beschuldigungen entbehren absolut jeder Grundlage. Sie sind
ganz klar darauf gerichtet, nioht nur die Regierung von Bundeskanzler
Adenauer in Mißkredit zu bringen, sondern auch den Samen des Argwohns
und der Uneinigkeit unter den Mitgliedern der Allianz der freien Welt
zu säen. Während der ersten zehn Jahre ihres Bestehens hat die Bundesrepublik unter der konstruktiven Führung von Bundeskanzler Adenauer
in Deutschland wieder eine demokratische Ordnung geschaffen, die den
Prinzipien der Freiheit und der Gerechtigkeit geweiht ist. Innerhalb
des Rahmens solcher Zusammenschlüsse wie die Europäische Gemeinschaft
und die NATO, die beide die uneingeschränkte deutsche Unterstützung
erhalten haben, hat die Bundesrepublik wirksam zu der Entwicklung
einer politischen und wirtschaftlichen Stabilität in Westeuropa und
zu der Aufrechterhaltung der Sicherheit der freien Welt beigetragen.
Sie hat sich in jeder Hinsicht als ein wertvoller und geachteter Verbündeter erwiesen.
Auf der im kommenden Monat in Paris stattfindenden Gipfelkonferenz
wird der Westen weiterhin die Entschlossenheit der freien Welt, entscheidende Rechte zu verteidigen, klarstellen. Gleichzeitig wird er
sich weiter um eine Sondierung aller Möglichkeiten, insbesondere der
Rüstungskontrolle, bemühen, die die Kriegsgefahr vermindern würden.
Wir können jedoch bei der Verhandlung über neue Rüstungskontrollabkommen mit der Sowjetunion kaum auf Fortschritte vertrauen, wenn
unsere bestehenden Abkommen mit den Sowjets hinsichtlich Berlins inzwischen verletzt werden oder wenn mit Verletzungen gedroht wird» Es
gibt einen klaren Zusammenhang zwischen diesen beiden entscheidend
wichtigen FragertFDrei westliche Außenministerkonferenzen - und zwar in Washington,
in Istanbul und in Paris - werden dem Gipfeltreffen vorausgehen und
die Möglichkeit bieten, die in den Arbeitsgruppen geleistete Vorberei -tungsarbeit zu überprüfen, einander zu konsultieren und die Ansichten zu koordinieren.
Auf

�8. April 1960

"AMERIKA DIENST"

Auf der Grundlage dieser Vorbereitungen werden wir und unsere
Verbündeten sich auf der Gipfelkonferenz bemühen, das Ausmaß des
Mißverständnisses zwischen der Sowjetunion und uns sowie die Möglichkeit einer sowjetischen Fehlbeurteilung unserer Stärke und unserer Absichten zu verringern. Wir werden versuchen, einen Fortschritt
in Richtung auf praktisch realisierbare Abkommen für die Gebiete
größter Gefahr zu erzielen. Wir werden außerdem sorgfältig die Möglichkeit künftiger Verhandlungen sondieren.
Dies sind selbstverständlich begrenzte Zielsetzungen. Wenn jemand
dramatische Ergebnisse von der Gipfelkonferenz erwartet, so mag er
enttäuscht werden. Wenn die westlichen Verbündeten jedoch fest zu
ihren Überzeugungen und Verpflichtungen stehen, während sie gleichzeitig unverrückbar das Ziel verfolgen, den Streit zwischen Ost und
West nicht zu einem Krieg ausbrechen zu lassen, dann können wir auf
einen Fortschritt hoffen - und wir hoffen in der Tat auf einen Fortschritt.
Die Entwicklungsländer
Die Bemühungen, durch kollektive Sicherheitsvorkehrungen vor der
Anwendung von Gewalt abzuschrecken und die ungelösten Streitfragen
durch Verhandlungen beizulegen, werden allein den Frieden noch nicht
sichern. Wir müssen darüber hinaus bestrebt sein, einen konstruktiven
und friedlichen Wandel in denjenigen Gebieten zu fördern, wo er notwendig ist.
.Venn die Länder Afrikas und Asiens den von ihnen gewünschten
Fortschritt durch ordnungsgemäße Methoden nicht erreichen können,
dann wird die Verzweiflung ohne Frage Konfliktstoffe schaffen. Es
liegt in unserem eigenen Lebenswichtigen Interesse, daß diese Völker
in Freiheit wachsen und an Stärke zunehmen.
Das Gemeinsame Sicherheitsprogramm der Vereinigten Staaten hilft
ihnen, genau dies zu erreichen. Dieses Programm erfordert in jedem Jahr
weniger als ein halbes Prozent des amerikanischen Bruttosozialprodukts.
Und dennoch könnte der große äfro-asiatische Raum mit seinen riesigen
Menschenmassen und Hilfsquellen ohne dieses Programm vielleicht nicht
vor den verkündeten Absichten Chruschtschows und Mao Tse-tungs, die
Welt durch alle möglichen Methoden außer dem Krieg selbst zu erobern,
bewahrt werden.
Wir sind in immer stärkerem Maße bemüht, die Gelder für die
wirtschaftliche Entwicklung nicht als Schenkungen, sondern als Anleihen zur Verfügung zu stellen. Die gegenwärtige Forderung des Präsidenten an den Kongreß, 700 Millionen Dollar an neuen Mitteln für den
Entwicklungsanleihefonds zu bewilligen, ist ein wichtiger Schritt auf
dieses Ziel hin. Diese Mittel werden benötigt, wenn der Fonds seine
Rolle als Hauptinstrument der amerikanischen Entwicklungsfinanzierung
im Ausland spielen soll.
In den vor uns liegenden Jahren werden die USA in immer stärkerem
Maße bestrebt sein, ihre Entwicklungsfinanzierung auf Länder zu konzentrieren, die die Fähigkeit zu entschlossener und disziplinierter

- 8-

�"AMERIKA DIENST"

0. April 1960

disziplinierter Selbsthilfe gezeigt haben. Diese Konzentration
unserer Anstrengungen führt allen aufstrebenden Ländern vor Augen,
daß ein schnelles Wachstum unter freiheitlichen Bedingungen erreicht werden kann. Dadurch wird ferner jenen Ländern,die Hilfe
von außen suchen, ein Anreiz geboten, zu zeigen, daß sie willens und
bereit sind, sich selbst zu helfen. Und dadurch rückt der Zeitpunkt
näher, zu dem die Nationen, die wir unterstützen, ihrerseits in der
Lage sein werden, ihren Nachbarn Hilfe zu gewähren.
Die Industrieländer Westeuropas sowie Japan sind auf Grund der
Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Verhältnisse, die sie mit Hilfe
unserer Unterstützung erreichen konnten, in immer stärkerem Maße in
der Lage und bereit, den Entwicklungsländern zu helfen. Dies ist
ein wesentlicher Beweis für die gegenwärtigen und zukünftigen Dividenden der in der Vergangenheit geleisteten wirtschaftlichen Unterstützung.
Die Energien der Privatwirtschaft sollten in immer stärkerem
Maße für die Entwicklungsaufgaben mobilisiert werden. Unsere Regierung sucht ständig nach Mitteln und Wegen, durch die dieses gewaltige Reservoir seinen vollen Beitrag für das Wachstum, die
Stabilität und die Stärke der freien Welt leisten kann.
Außer diesem Unterstützungsangebot bemüht sich Amerika darum,
eine Brücke des Verständnisses zu den neu aufstrebenden Nationen zu
schlagen. Die nichtigsten und dramatischsten Schritte, die in den
jüngst vergangenen Jahren in dieser Richtung getan wurden, waren die
Reisen des guten Willens, die Präsident Eisenhower nach Asien und
Lateinamerika unternahm. Diese Reisen haben das in diesen Ländern
vorhandene Potential des guten Willens gegenüber den Vereinigten
Staaten aktiviert und vermehrt. Sie haben eine begrüßenswerte Welle
latent vorhandener Freundschaft zu den Vereinigten Staaten ausgelöst.
Die Vereinigten Staaten sind ganz besonders bestrebt, engere
Beziehungen zu den neuen afrikanischen Staaten herzustellen. Das
Wohlergehen und die Sicherheit dieser Völker, die jetzt die mit der
Unabhängigkeit verbundenen Verantwortungen und Verpflichtungen
übernehmen, ist für uns von größtem Interesse. Wir hoffen, daß
sie zu regionalen Abmachungen gelangen können, die die friedliche
Beilegung von Streitigkeiten gewährleisten und sinnloses und gefährliches Wettrüsten vermeiden. Dies würde in der Tat einen Schritt
vorwärts zur Sicherung eines friedlichen Wandels darstellen.
Fortschritt zur Weltordnung
Große Anforderungen sind an die Vereinigten Staaten durch dieimmer wiederkehrenden Belastungen einer sich wandelnden Welt gestellt
worden und werden weiterhin gestellt werden. So notwendig die Beiträge der einzelnen Nationen auch sein mögen, so gibt es doch keinen
Ersatz für die Arbeit der internationalen Organisationen, wenn dieser
Prozeß des Wandels weiterhin in friedlichen Bahnen verlaufen soll.
Der Boitrag der Vereinten Nationen sowie ihrer Sonderorganisationen
und die Beiträge der Organisation der amerikanischen Staaten und des
Colombo-Planes werden genauso benötigt.
Auch

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�"AMERIKA DIENST"

9. April i960

Auch an die Vereinten Nationen wurden große Anforderungen gestellt und von ihnen in wachsendem Maße bewältigt. Die Vereinten
Nationen sind bei diesem Prozeß gewachsen. Die Autorität des UNGeneralsekretariats ist stärker geworden. Die Idee einer Bereitschaftstruppe der Vereinten Nationen für besondere Notfälle ist erfolgreich
erprobt worden. Bei verschiedenen Krisen hat die - wie man sie nennen
könnte - "Feuerwehr" der Vereinten Nationen sich durch Erfüllung der
an sie gestellten Aufgaben in organischer Weise weiterentwickelt.
Außerdem hat die Vollversammlung weiterhin als eine Art Ratsversammlung - ein Sicherheitsventil - für die Welt gedient«.
Die Vereinigten Staaten werden einen sich auf diesen Bahnen vollziehenden, anhaltenden Portschritt unterstützen. Wir werden die Bemühungen von UN-Generalsekretär Hammarskjöld fördern, Abmachungen
für eine ständige Bereitschaft der Streitkräfte der Vereinten Nationen
zu treffen oder andere Formen der Anwesenheit der Vereinten Nationen
zu verwirklichen, wie sie sich vielleicht in Krisengebieten als notwendig erweisen könnten. Wir werden auf der nächsten Sitzung der Vereinten Nationen über solche Maßnahmen beraten.
Unser dem Zehn-Mächte-Abrüstungsausschuß unterbreiteter Vorschlag,
daß die allmähliche Entwicklung einer angemesseneren Ordnung des Völkerrechts und einer Maschinerie zu ihrer Durchsetzung eine allgemeine
Reduzierung der internationalen Rüstung begleiten und auf diese Weise
ermöglichen solle, spiegelt unsere Hoffnungen auf und unseren Glauben
an die Vereinten Nationen wider.
Der Vorschlag für eine internationale Polizeitruppe ist einer
der wesentlichen Unterschiede zwischen unserem Abrüstungsplan und dem
der Sowjetunion. Vor allem die kleinen Länder haben ein lebenswichtiges
Interesse an diesem Unterschied .Eine allgemeine Abrüstung, wie sie von
der Sowjetunion vorgeschlagen wird, würde diese Länder sogar noch
schutzloser als vorher dastehen lassen - angesichts der beträchtlichen
Streitkräfte, die ihre größeren Nachbarn für die innere Sicherheit
aufrechterhalten dürften.
Die Aufstellung einer internationalen Friedenstruppe ist in der
Charta der Vereinten Nationen vorgesehen. Alle Nationen, die den
Vereinten Nationen angehören, haben sich zu dieser Idee bekannt,
als sie die Verpflichtungen der Mitgliedschaft übernahmen. Die
Sowjetunion hat jedoch durch wiederholtes Einlegen ihres Vetos jeden
Fortschritt zur Verwirklichung dieser Idee verhindert. Wir werden
auch weiterhin auf Maßnahmen dringen, die diesen Teil der Charta zu
einer lebendigen 'Wirklichkeit werden lassen.
Die Zukunft
Ich behaupte nicht, daß die Leistungen der Vereinigten Staaten
auf allen diesen Gebieten der Außenpolitik notwendigerweise vollkommen waren. Ich versichere jedoch, daß wir gewichtige - ich sage
bedeutende - Fortschritte in unseren wesentlichen Bemühungen gemacht
haben.
Gewaltige
- 10 -

�"AMERIKA DIENST"
Gewaltige Hindernisse
Bemühungen liegen richtig,
sie gehen. Und wir sind in
unser Ziel des Friedens in

8. April 1960
bleiben noch zu überwinden. Aber unsere
und die freien Nationen wissen, wohin
jeder Hinsicht gewillt, weiterhin auf
Gerechtigkeit und Fortschritt zuzuschreiten.

Pas Ergebnis wird von der Stärke und Einheit der freien Welt abhängen. Je unmißverständlicher unsere Stärke in moralischer und
materieller Hinsicht ist und je klarer unsere nationale und internationale Einigkeit zutage tritt, um so unwahrscheinlicher wird eine
ernstliche Kriegsgefahr.
Solange die militärischen und wirtschaftlichen Faktoren unserer
Stärke dieser unserer Aufgabe entsprechen - und sie tun es und werden
es auch weiterhin tun -, wird alles übrige von unserem Mut und unserer
Entschlossenheit sowie unserem Eintreten für die Werte und Zielsetzungen der freien Menschen abhängen.
Es wird gut sein, wenn wir uns hier die Worte eines großen
Amerikaners - Theodore Roosevelt - ins Gedächtnis rufen, der vor
mehr als einem halben Jahrhundert erklärte; "Das zwanzigste Jahrhundert ragt vor uns auf, beladen mit dem Schicksal vieler Nationen.
Wenn wir müßig beiseite stehen ... wenn wir vor dem harten Kampf
zurückschrecken, den die Menschen, unter Einsatz ihres Lebens und
unter Gefahr, daß sie alles ihnen Teure verlieren, gewinnen müssen,
dann werden die kühneren und stä.rkeren Völker... für sich die Herrschaft der Welt gewinnen."
Ich weiß, daß unser Wille und unser Mut die Bewährungsproben der
kommenden und künftigen Monate bestehen werden.
* * * *

- 11 -

•

�A M E R I K A

D I E N S T

,

illg./l5.4.1960

ABRÜSTUNG - ABER WIE?
Die Vorschläge des Westens und des Sowjetblocks im
vergleichenden Überblick

VORBEMERKUNG
••

Die Augen der Weltöffentlichkeit bleiben trotz des Beschlusses der
Genfer Abrüstungskonferenz, ihre Sitzungen vom 29» April bis zum 7» Juni
zu unterbrechen, weiter auf den dort tagenden "Zehnerausschuß" gerichtet,
der es unternommen hat, alle Möglichkeiten zur Lösung des dornigen Abrüstungsproblems zu sondieren. Auf der einen Seite des Verhandlungstisches
sitzen die Vertreter der USA, Großbritanniens Frankreichs, Kanadas und
Italiens. Auf der anderen Seite nehmen Vertreter von fünf Ländern des
Sowjetblocks teil: Sowjetunion, Polen, die Tschechoslowakei, Bulgarien
und Rumänien.
Dem sowjetischen Plan für eine "allgemeine und vollständige" Abrüstung
binnen vier Jahren traten die verbündeten Westniächte mit einem Dreistufenpia
entgegen, der die wechselseitige Inspektion und Kontrolle jeder Etappe beton
um auf diese Weise die Durchführung der Abrüstungsvereinbarungen zu garantieren.
Dieser kurzgefaßte Überblick vergleicht die gegensätzlichen Ausgangspositionen zum Beginn der Zehnmächtekonferenz am 15« März i960 miteinander
und bringt sie so in einen perspektivischen Zusammenhang«

1

�15. April 1960

"AMERIKA DIENST"
DIE ZIELE
Westmächte
"Das Endziel ist eine sichere, freie,
friedliche Weit, in der allgemeine
Abrüstung unter wirksamer internationaler Kontrolle herrschen soll nebst
einem vereinbarten Verfahren für die
Regelung von Streitfällen im Einklang
mit den Prinzipien der Charta der Vereinten Nationen."

KERNWAFFEN
Westmächte
1. Stufe:
Durch gemeinsames Studium ist eine
Basis zu schaffen für die gesicherte
Durchführung von Vereinbarungen über
die Einstellung der Produktion von
Kernwaffen. Ein ebensolches Studium
ist nötig, um die Durchführung von
Vereinbarungen über die Überstellung vorhandener Kernwaffen zwecks
nichtmilitärischer Verwendung zu
gewährleisten.
2. Stufe:
Zu vereinbaren ist die sofortige
Einstellung der Kernwaffenproduktion,
sobald eine wirksame Durchführungskontrolle eingerichtet ist (vorausgesetzt, daß die Verminderung der
konventionellen Streitkräfte in befriedigender Weise voranschreitet).
Ebenso ist die Überstellung vorher
bestimmter Mengen spaltbaren Materials
aus den Rüstungsbeständen nach Einrichtung einer wirksamen Durchführungskontrolle zu vereinbaren.
3. Stufe:
Durch weitere Vereinbarungen über
ein Herstellungsverbot für nukleare,
chemische, biologische und andere Massenvernichtungswaffen und über den Abbau derartiger Y/aff enbestände ist die
endgültige Abschaffung solcher Waffen
zu gewährleisten«

Sow.jetblock
"Nach sorgfältiger Prüfung der
gegenwartigen internationalen
Situation und der bei früheren
Abrüstungsverhandlungen gesammelten Erfahrungen gelangte die Regierung der Sowjetunion zu dem
Schluß, daß das beste Mittel zur
Lösung des Abrüstungsproblems,
des wichtigsten internationalen
Problems der Gegenwart, die vollständige und allgemeine Abrüstung
aller Staaten ist."

Sow.jetblock
1. Stufe:
Keine besonderen Maßnahmen.

2. Stufe:
Keine besonderen Maßnahmen.

3. Stufe:
Zu vereinbaren ist die Vernichtung von Kernwaffen aller Art
sowie ein Verbot-der Herstellung,
des Besitzes und der Einlagerung
von chemischen und bakteriologischen Waffen. Alle derartigen Vaf.
fenbestände sind unter internationaler Überwachung zu vernichte]

�15. April

"AMERIKA DIENST"

1960

KONVENTIONELLE WAFFEN UND STREITKRÄFTE
Westmächte

Sow.jetblock

1. Stufe:
Zu vereinbaren ist die Feststellung der Truppen- und Rüstungsbestände
auf Grund einseitiger Erklärung aller
Staaten gemäß besonderer Übereinkunft.

1. Stufe:
Zu vereinbaren ist die Verminderung der Truppenstärke auf 1,7
Millionen Mann für USA, UdSSR und
Rotchina, auf 650 000 Mann für
Großbritannien und Frankreich.
Für andere Staaten sind entsprechende Truppenverminderungen durch
eine UN-Sondervollversammlung oder
eine Weltabrüstungskonferenz festzulegen.

Zu vereinbaren sind Ausgangsstärken von
2,5 Millionen Mann für
USA und UdSSR und angemessene Stärken
für bestimmte andere Staaten.
Zu vereinbaren ist die Einlagerung bestimmter Waffenmengen einzelner Typen in international kontrollierten Depots, und zwar so, daß ein vereinbartes Verhältnis zwischen den eingelagerten Waffen und den vereinbarten
Truppenstärken hergestellt wird.

Zu vereinbaren sind Rüstungsbeschränkungen, die den für die
Streitkräfte festgelegten Truppenstärken entsprechen.

2. Stufe:

2. Stufe:

Zu vereinbaren ist die Truppenver-,
minderung auf jeweils 2,1 Millionen Mann
für USA und UdSSR sowie auf angemessene
Stärken, die von einer Konferenz der beteiligten Staaten festzulegen sind,für
alle übrigen militärisch wichtigen Staaten. Die Truppenverminderung ist gleichzeitig mit der Einrichtung eines Inspektions- und Kontrollsystems durchzuführen.
Zu vereinbaren ist die Einlagerung
bestimmter Typen und Mengen von Waffen
gemäß Übereinkunft im Verhältnis der
Truppenstärken.

Zu vereinbaren ist die vollständige Auflösung aller noch vorhandenen Streitkräfte.
Zu vereinbaren ist die Aufhebung aller Militärstützpunkte
auf dem Gebiet fremder Staaten.

3. Stufe:
Zu vereinbaren ist eine weitere
sukzessive Verminderung der Truppenund Waffenbestände, die Zug um Zug
zu kontrollieren ist (auf der Basis
je nach Bedarf anzustellender Studien),
bis der zur Gewährleistung der inneren
Sicherheit und zur Erfüllung von
Verpflichtungen auf Grund der Charta
der Vereinten Nationen notwendige
Mindeststand erreicht ist und zwar
unter dem Gesichtspunkt, daß kein
Einzelstaat und keine Staatengruppe
imstande sein soll, sich der Exekution
des Völkerrechts ernstlich zu widersetzen.

5. Stufe:
Zu vereinbaren ist die Abschaffung aller militärischen
Einrichtungen, Ausbildungslehrgänge und Organisationen.

�15. April 1960

"AMERIKA DIENST"
WELTRAUM
Westmächte

Sow.jetblock

1. Stufe:
Zu vereinbaren ist die Voranmeldung jedes beabsichtigten Abschusses
von Raumflugkörpern bei einer internationalen Kontrollstelle.
Durch gemeinsames Studium ist eine
Basis zu schaffen für die Ausschaltung
der Möglichkeit, daß irgendein Land
Erdsatelliten oder Weltraumstationen
mit Massenvernichtungswaffen ausstattet.

1. Stufe:
Kein« besonderen Maßnahmen«

2. Stufe:

2. Stufe:

Zu vereinbaren ist ein Verbot der
Keine besonderen Maßnahmen.
Entsendung von Raumflugkörpern, die als
Massenvernichtungsmittel eingesetzt werden könnten, auf eine Satellitenbahn um
die Erde oder ihrer Stationierung im Weltraum, sobald eine angemessene Durchführungskontrolle eingerichtet ist.
3. Stufe:
Keine besonderen Maßnahmen.

3. Stufe:
Zu vereinbaren sind weitere Maßnahmen, um die ausschließliche Beschränkung auf nichtmilitärische Vorhaben im
Weltraum sicherzustellen.
RAKETEN
Westmächte

Sow.jetblock

1. Stufe:

1. Stufe:

Durch gemeinsames Studium ist eine
Basis zu schaffen, um sicherzustellen,
daß Raketenstarts der internationalen
Kontrollstelle vorher bekanntgegeben
werden und daß sie Mitteilungen über
die Lage der Montageplätze und Abschußrampen erhält.

Keine besonderen Maßnahmen.

2. Stufe»

2. Stufe:
Keine besonderen Maßnahmen»

Zu vereinbaren ist die Anmeldepflicht für Raketenstarts und die
Meldepflicht für Montageplätze und
Abschußrampen sowie die Überprüfung
solcher Angaben gemäß Übereinkunft
unter Einschluß von Inspektionen
an Ort und Stelle.
-

4

-

�15. April 1960

"AMERIKA DIENST"
3. Stufe:
Zu vereinbaren sind weitere Maßnahmen zur Kontrolle der Produktion
militärischer Raketen und der vorhandenen Bestände, sowie deren abschließende Beseitigung.

3. Stufes
Zu vereinbaren ist die
Vernichtung sämtlicher Raketen
aller Art.

ÜBERRA 3 C HUNGSANGRIFFE
Westmächte

Sow.jetblock

1 . Stufe:
Durch gemeinsames Studium ist eine
Basis zu schaffen für vereinbarte Maßnahmen, die allen beteiligten Staaten
Schutz vor der Gefahr eines Überraschungsangriffs gewähren.

1. Stufe:

2. Stufe:
Zu vereinbaren sind geeignete
Maßnahmen, um die beteiligten Staaten
vor Überraschungsangriffen zu schützen,
darunter Luftinspektion, Bodenkontrollen, Radar-Überlappung, Meldung von
Flugzeugeinsätzen und zweckentsprechende Nachrichtenverbindungen.

Keine besonderen Maßnahmen.

2. Stufe:
Keine besonderen Maßnahmen.

Anmerkung: Im sowjetischen Vorschlag heißt es, falls sich die Westmächte
nicht zu der von der Sowjetunion befürworteten vollständigen und allgemeinen Abrüstung bereit fänden, werde diese gewisse Teilmaßnahmen in Erwägung ziehen, darunter auch "den Abschluß eines Abkommens über die Verhütung von Überraschungsangriffen".
DURCHFUHRUNGS GARANTIEN

Westmächte
1. Stufe:

Sowjetblock

Zu vereinbaren ist die Schaffung
einer Internationalen AbrüstungsOrganisation (IDO), die im Zuge der Vereinbarung weiterer Abrüstungsmaßnahmen
ausgebaut werden kann.

Keine besonderen Maßnahmen.

1. Stufe:

Durch geeignete Vorkehrungen ist
eine Basis zu schaffen für die Entwicklung und Stärkung eines Systems internationaler Institutionen zur Wahrung
des Weltfriedens und der allgemeinen
Sicherheit im Rahmen der Vereinten
Nationen.

- 5

�^AMERIKA DIENST"

15. April 1960

2. Stufe:
Die vereinbarten Vorkehrungen für
die Stärkung der Internationalen Abrüstungsorganisation und der internationalen Institutionen zur Wahrung des
Weltfriedens und der allgemeinen Sicherheit im Rahmen der Vereinten Nationen
sind auszubauen.

2. Stufe:
Keine besonderen Maßnahmen.

5. Stufe:

3. Stufe:
Keine besonderen Maßnahmen.

Die Entwicklung und Stärkung der
internationalen Institutionen zur
Wahrung des Weltfriedens und der allgemeinen Sicherheit im Rahmen der Vereinten Nationen ist auf den endgültigen
Stand zu bringen.

Anmerkung: Im sowjetischen Vorschlag heiÄt es: "Zur Überwachung der Durchführung der Maßnahmen für die allgemeine und vollständige Abrüstung soll
ein internationales Kontrollorgan geschaffen werden. Das Ausmaß der auszuübenden Kontrolle und Inspektion soll jeweils der Stufe entsprechen, die
bei der abschnittsweisen Abrüstung der Staaten erreicht ist. Sobald die
allgemeine und vollständige Abrüstung abgeschlossen ist, wo zu die Auflösung sämtlicher Dienstzweige der Streitkräfte und die Vernichtung sämtlicher Waffen aller Art einschließlich der Massenvernichtungswaffen (der
nuklearen, Raketen-, chemischen, bakteriologischen Waffen) gehört, soll
das internationale Kontrollorgan freien Zugang zu allen Kontrollobjekten
haben. Die Kontrollorganisation soll auch ein System der Beobachtung und
photographischen Überwachung des Gebietes aller Staaten aus der Luft
einrichten können."
MILITÄRHAUSHALT
Sowjetblock
Der Plan sieht für die dritte
Stufe die Einstellung der "Zuweisung von Mitteln für militärische
Zwecke in jeglicher Form" vor,
gleichgültig ob über den Staatshaushalt oder über andere Einrichtungen. Die im Zuge der allgemeinen und vollständigen Abrüstung
eingesparten Mittel sollen zur
Verminderung oder Abschaffung
der Steuern, zur Förderung der
Volkswirtschaften und für die
Unterstützung der Entwicklungsländer benutzt werden.

Westmächte
Der Plan sieht für jede der drei
Stufen eine Überprüfung der Militärausgaben vor, beginnend mit einer
einseitigen Erklärung der Staaten
zur Höhe ihres Militäretats und abschließend auf der dritten Stufe mit
der Einrichtung einer wirksamen Kontrolle aller Militärausgaben.

*

* * * *

6

�Allg./29.4.1960

DILLONi DIE AMERIKANISCHE AUSSENPOLITIK VOM HEUTE

Nachstehend übermitteln wir Ihnen den Wortlaut
der Ansprache, die der stellvertretende USAußenminister Douglas Dillon am 20, April i960
auf der Konferenz des amerikanischen Gewerkschaftsverbandes AFL-CIO in New York gehalten hat«

Die Konferenz, die Sie gerade beendet haben, bietet den
erneuten Beweis - wenn ein solcher Beweis überhaupt erforderlich ist -, daß sich die Gewerkschaften heute wie nie zuvor
der großen Anstrengungen bewußt sind, die unser Land in der
niemals endenden Suche nach dem Frieden unternehmen muß. Die
amerikanischen Gewerkschaften wissen sehr wohl, daß wir uns
unsere Sicherheit nicht mehr als etwas für sich Bestehendes,
in einer "Festung Amerika" Gehütetes vorstellen können« Die
amerikanischen Gewerkschaften erkennen, daß wir uns nicht für
alle Zeiten unseres materiellen Wohlergehene erfreuen können,
wenn nicht andere Völker - besonders die weniger vom Glück begünstigten in den neuaufstrebenden Gebieten - ebenfalls gedeihen. Die amerikanischen Gewerkschaften sind eine wahrhaft
einflußreiche Kraft, deren Verständnis und Unterstützung unserer
internationalen Ziele von Bedeutung für die Erreichung dieser
Ziele sind.
Ich begrüße daher diese passende Gelegenheit, um drei
Hauptaspekte unserer Außenpolitik zu erörtern!
erstens unsere Bemühungen, die Freiheit und Stärke der
freien Welt zu bewahren und dem sino-sowjetischen imperialistischen Druck Widerstand entgegenzusetzen;
zweitens unsere Bemühungen, dafür zu sorgen, daß die grimmige und unausweichliche Auseinandersetzung, zu der wir durch die
kommunistischen Politiker herausgefordert worden sind, nicht in
einen Krieg ausartet}
drittens unser umfassendes Streben nach einer Weltordnung,
in der der Frieden in Gerechtigkeit und Freiheit gesichert werden kann.
Tl-a
- 1-

�"AMERIKA DIENST"

29. April 1960

Die sowjetische Macht sowie die Entschlossenheit, den kommunistischen Einfluß auf die gesamte Welt auszudehnen, stellen eine ernste
und anhaltende (refahr für den Frieden dar» Trotz des ständigen Geredes
von der "friedlichen Koexistenz" gibt es keinen Beweis dafür, daß sich
die expansionistischen Ambitionen der Kommunisten auch nur im geringsten geändert haben. Es ist richtig, daß die sowjetischen Machthaber im Augenblick offenbar bestrebt sind, ihre unveränderten Ziele
durch nichtmilitärische Taktiken zu erreichen - durch Diplomatie,
Handel, Wirtschaftshilfe, Propaganda und innere Subversion. Sie sind
jedoch nach wie vor fest davon überzeugt, daß das totalitäre System
den Sieg davontragen wird. Die Tatsache, daß sie den Nachdruck gegenwärtig auf nichtmilitärische Maßnahmen legen, bedeutet keineswegs,
daß der Kampf weniger hart sein wird oder daß weniger Wichtiges auf
dem Spiele steht. Die Hauptfrage, um die es heute geht, ist nichts
Geringeres als das überleben freier Menschen in einer freien Zivilisation,
Währenddessen unterhält der sino-sowjetische Block eine enorme
militärische Macht, die ihren ständigen Druck auf die freie Welt verstärkt. Vor dem Risiko eines bewaffneten Konflikts stehen wir immer.
Wir müssen eine gewaltige und fortdauernde Anstrengung vollbringen,
um dieses Risiko zu begrenzen, wenn der Frieden erhalten werden soll.
Das erste zwingende Gebot besteht in der Aufrechterhaltung unserer militärischen Stärke auf einem Stand, der die Sicherheit gibt,
daß die sowjetischen Machthaber niemals in die Versuchung kommen
werden, einen thermonuklearen Krieg gegen die Vereinigten Staaten
oder ihre Verbündeten zu entfesseln. Wir haben heute diese Stärke,
und ich kann Ihnen versichern, daß unsere gegenwärtigen und geplanten Verteidigungsprogramme diese entscheidende Stärke aufrechterhalten und erhöhen werden.
Eine weitere zwingende Notwendigkeit ist die AufreUnterhaltung
und Verstärkung unseres kollektiven Systems von Verteidigungspakten
für die Sicherheit, dem fast ein halbes Hundert Nationen angehören,
und das bis in die entferntesten Winkel des Erdballs reicht. Diese
kollektive Stärke ist dringend erforderlich, um die Kommunisten
davor abzuschrecken, örtliche militärische Gewalt anzuwenden - wie
sie dies vor zehn Jahren in Korea taten -, um ihr Imperium auszuweiten. Die Notwendigkeit eines solchen Systems wird durch die Handlungen der chinesischen Kommunisten in der Formosa-Straße, ihr Verbrechen an Tibet und ihren kürzlichen militärischen Druck auf die
Grenzen Indiens deutlich«
Solange die Gefahr besteht und es kein allgemeines und wirksames
System der Rüstungskontrolle gibt, müssen wir und unsere Verbündeten
unsere Verteidigung aufrechterhalten. Wir dürfen uns nicht durch
irgendeinen oberflächlichen Anschein einer "Entspannung" zu einem
Nachlassen in unseren Bemühungen verleiten lassen.
Aber dies ist nicht genug. Um den Frieden zu erhalten, müssen
wir ebenfalls versuchen, vernünftige Kontakte mit der Sowjetunion
herzustellen. Trotz der unverminderten sowjetischen Bestrebungen gibt
es beträchtliche Anzeichen, daß sich die Sowjets genau wie wir der

- 2 -

�"AMERIKA DIENST"

29. April i960

Aufgabe West-Berlins oder zur Auslöschung der Freiheit in diesem
Teil Deutschlands werden könnte - das ein freies, friedliches und
demokratisches Mitglied der '.Veitgemeinschaft ist.
Es wäre allzu optimistisch, vorzugeben, daß die Aussichten auf
ein baldiges Abkommen günstig seien. Herr Chruschtschow hat in letzter Zeit in bezug auf Berlin und Deutschland eine Menge zu sagen
gehabt, und seine Worte hinterlassen unausweichlich den Eindruck,
daß aer sowjetische Standpunkt zu Berlin von den eigentlichen Tatsachen weit entfernt ist. Lassen Sie uns einige seiner Ausführungen
prüfeni
Er beginnt mit der Behauptung, daß West-Berlin "auf dem Gebiet"
der sogenannten Deutschen Demokratischen Republik liegt. Dies ist
nicht nur falsch, sondern diese Behauptung steht in völligem Gegensatz zu dem feierlich gegebenen Wort der sowjetischen Regierung. Es
stimmt zwar, daß der sowjetisch-besetzte Teil Deutschlands Berlin
umgibt, es ist jedoch genauso richtig, daß Berlin ein separater
Status im Rahmen des Besatzungsabkommens zuerkannt wurde, das die
Sowjets -. zusammen mit den Briten und uns - selbst formuliert haben.
Darüber hinaus ist die sogenannte Deutsche Demokratische Republik eine der größten Fiktionen in einem riesigen Netz phantastischer
kommunistischer Mythologie. Ihre Marionettenherrscher stehen völlig
unter der Kontrolle Moskaus. Trot* unermüdlicher Anstrengungen, einen
örtlichen kommunistischen Apparat in Ostdeutschland aufzubauen, ist
es zv/eifelhaf t, ob diese Machthaber ohne die Unterstützung durch die
sowjetischen Bajonette auch nur einen einzigen Tag im Sattel bleiben
könnten. Das ostdeutsche Regime ist von keiner einzigen nichtkommunistischen Nation als Regierung anerkannt worden. Was sowohl die rechtlichen1"' als auch die geographischen Gegebenheiten anbetrifft r so ist
West-Berlin von der sogenannten Deutschen Demokratischen Republik
gänzlich unabhängig - und dies wird so bleiben.
Herr Chruschtschow besteht weiterhin darauf, daß die westlichen
Streitkräfte West-Berlin verlassen und daß es zu einer "Freien Stadt"
erklärt werde. Er ignoriert die Tatsache, daß West-Berlin bereits
eine freie Stadt ist - die einsame Insel der Freiheit innerhalb der
Grenzen des sich ausbreitenden kommunistischen Weltreiches. Wenn er
davon spricht, West-Berlin zu einer "Freien Stadt" zu machen, dann
ist seine Absicht nur zu klar ersichtlich! er wünscht Berlin frei
von Schutz, frei von Sicherheit, frei von seinen wirtschaftlichen
und kulturellen Bindung an Westdeutschland - er möchte es von der
Freiheit selbst befreien.
Herr Chruschtschow hat sich ebenfalls darüber beklagt, daß die
Situation in Berlin "anomal" sei* Dieser Behauptung können wir von
ganzem Herzen zustimmen. Es ist tatsächlich anomal, wenn eine Million
Ostberliner gewaltsam von den über zwei Millionen Mitbürgern in
West-Berlin getrennt sind} wenn sie gezwungen werden, unter einem
totalitären Regime zu leben, das ihnen durch eine fremde Macht unrechtmäßig auferlegt wurde; und wenn sogar Familien durch eine willkürliche, im Namen einer fremden Ideologie aufgezwungene Grenze getrennt werden.
Aho-r

�"AMSRIKA DIENST"

29. April 1960

A"ber die anomale Situation in Berlin ist nur eine Seite der
noch größeren Anomalie, die durch die künstliche Abtrennung der
Ostzone von dem übrigen Deutschland geschaffen wurde. Die Ungeheuerlichkeit dieser Anomalie ist in nicht zu übersehender Weise durch die
Tatsache unterstrichen worden, daß in den letzten zehn Jahren mehr
als 2 1/3 Millionen Ostdeutsche und Ostberliner von der einzigen
Ihnen noch möglichen Meinungsäußerung Gebrauch gemacht und sozusagen
mit ihren Füßen gegen die kommunistische Herrschaft gestimmt haben,
indem sie nach West-Berlin oder in die Bundesrepublik flüchteten.
Die Anomalie, von der Herr Chruschtschow spricht, kann nur beseitigt werden, wenn man die gesamte deutsche Nation über ihr eigenes
Leben entscheiden läßt. Die einzige praktische Möglichkeit zur Ausübung dieses Rechts sind freie Wahlen. Herr Chruschtschow und andere
sowjetische Sprecher haben oft ihr Eintreten für das Prinzip der
Selbstbestimmung verkündet. Diese Behauptung wird als leere Geste
entlarvt, wenn sie sich weigern, diesen Grundsatz auf Berlin und
Deutschland anzuwenden.
Herr Chruschtschow hat ebenfalls erklärt, daß wir mit größter
Eile die "Überbleibsel" des zweiten 'Weltkrieges beseitigen müßten zu denen er auch die "Besetzung" West-Berlins - wie er es nennt durch amerikanische, britische und französische Truppen zählt. Wir
sind in noch stärkerem Maße als Herr Chruschtschow bestrebt, die
Überbleibsel des zweiten Weltkrieges zu liquidieren. Aber Herr
Chruschtschow muß sich darüber im klaren sein, daß diese Überbleibsel
recht zahlreich sindl
Wir fragent Ist die Sowjetunion bereit, ihre Streitkräfte aus
Ostdeutschland und den osteuropäischen Ländern abzuziehen, denen
sie aufgezwungen worden sind?
Ist sie bereit, den Ostdeutschen die Selbstbestimmung zu gewähren und den Völkern der sowjetisch-beherrschten Staaten in Osteuropa zu gestatten, ihr Schicksal selbst zu bestimmen?
Ist die Sowjetunion bereit, die Fiktion eines getrennten Nordkorea aufzugeben und es dem gesamten koreanischen Volk zu gestatten,
sich im Rahmen freier, von den Vereinten Nationen überwachter Yi/ahlen
wiederzuvereinigen?
Und ist sie schließlich bereit, ihre Obstruktionspolitik gegen?
über der Charta der Vereinten Nationen aufzugeben, zu der sie sich in
San Francisco feierlich bekannt, deren Anwendung sie aber durch eine
Reihe von Vetos im Sicherheitsrat beständig vereitelt hat?
Die Vereinigten Staaten und ihre westlichen Verbündeten wären
wirklich glücklich, wenn diese Überbleibsel des zweiten Weltkrieges
beseitigt würden. Wir sind jedoch nicht bereit, diesen Prozeß damit
zu beginnen, daß wir die Isolierung und das Aufsaugen We3t-Berlins
gestatten.
Wir

�"AMERIKA DIENST"

29. April i960

wir haben Herrn Chruschtschow wiederholt davon in Kenntnis gesetzt, daß wir nicht unter Druck verhandeln werden. Und doch begibt
er sich mit seinen jüngsten Erklärungen, daß er beabsichtige, einen
separaten Friedensvertrag mit der sogenannten Deutschen Demokratischen
Republik zu unterzeichnen, wenn keine Ost-West-Einigung über Berlin
erzielt wird, auf sehr dünnes Eis. Wir gehen mit der festen Absicht
auf die Gipfelkonferenz, nach einer gemeinsam akzeptierbaren Lösung
des deutschen Problems, einschließlich Berlins, zu suchen, gerechte
Regelungen für andere internationale Streitfragen zu finden und Mittel
und Wege für eine Verbesserung der Beziehungen zwischen der westlichen
Ä'elt und dem Sowjetblock zu erkunden. Unsere Standpunkte sind flexibel,
und wir sind bereit, jeden vernünftigen Weg zu prüfen, der zu einer
Einigung führen kann. Herr Chruschtschow und seine Mitarbeiter geben
sich aber einer großen Illusion hin, wenn sie glauben, daß wir uns
ihren Drohungen beugen oder daß wir ihr verzerrtes Bild des deutschen
Problems als eine konkrete Verhandlungsbasis akzeptieren werden.
Keine Organisation hat in dem Kampf für die Freiheit Berlins und
des gesamten Deutschland eine größere Entschlossenheit gezeigt und ist
von größerem Nutzen gewesen als der Gewerkschaftsverband AFL-CIO. Als
ausdrückliche Anerkennung dieser Tatsache hat Ihr Präsident am 7« Dezember vergangenen Jahres eine hohe Auszeichnung von Bundeskanzler
Adenauer erhalten. Wir sind als Regierung stolz darauf, uns der damals
von Mr. Meany abgegebenen Erklärung anzuschließen, und ich zitiere!
"Weder die Freiheit West-Berlins, noch die Freiheit der fünfzig Millionen Menschen in Westdeutschland können Gegenstand eines internationalen Schachers werden."
Ich habe bisher die Politik dargelegt, die wir zur Bewahrung des
Friedens verfolgen. Aber dies allein ist noch nicht genug. Wir sind
energisch darum bemüht, die Freiheit und das Wohlergehen aller Völker
der Welt zu fördern. Das ist unser "Programm für den Sieg" - für den
Sieg über Not und Elend in einer Zeit des verstärkten Konkurrenzkampfes, der uns bevorsteht«
Ihr Exekutivrat hat dies ausgezeichnet formuliertl "Hunderte
Millionen von Menschen auf der ganzen Welt leben in tiefster Armut
und kennen noch nicht einmal die Grundvoraussetzungen der politischen
und geistigen Freiheit. Der sowjetische Imperialismus intensiviert
und verstärkt weiterhin mit allem Nachdruck seine Versuche, diese
Armut und Ungerechtigkeit für seine Zwecke auszunutzen."
Es sind die benachteiligten und neuaufstrebenden Völker, die
in immer stärkerem Maße zum Ziel der sowjetischen Politik werden.
Die kommunistische Kampagne ist weit mehr als eine wirtschaftliche
Kampagne; sie schließt ebenfalls politische, psychologische und kulturelle Faktoren ein.
Als freie Menschen haben wir die kommunistische Herausforderung
V in den Entwicklungsländern angenommen - in dem Vertrauen und in der
Überzeugung, daß unsere Gesellschaft und unsere Prinzipien die revolutionäre Dynamik der Freiheit darstellen, die schließlich den Sieg
davontragen muß•
•Vir

�"AMERIKA DIENST"

29. April i960

'.'vir müssen auch in Zukunft die Botschaft der Freiheit v/eitertragen und ihre Segnungen mit den weniger bevorzugten Völkern teilen.
vVenn diere Völker nicht auf die Zukunft hoffen können, dann wird ihre
verzweifelte Armut sie unter Umständen zu kommunistischen Allheilmitteln hinführen. «Vir müssen auch weiterhin dazu beitragen, daß die
Freiheit für sio ein erstrebenswertes Ziel ist. &lt;Vir müssen mit diesen
Völkern beim Aufbau ihrer Länder auf der gleichen Basis der Gemeinsamkeit der Interessen zusammenarbeiten, die die verschiedenen Gruppen
in den Vereinigten Staaten zu einer Zusammenarbeit beim Aufbau unseres
großen Landes geführt hat.
Das Wohlergehen all der Entwicklungsländer ist eine Angelegenheit,
die uns zutiefst angeht. Die Position unserer Freunde und Nachbarn
in Latfiinamerika ist von besonderer Bedeutung, und ich kann Ihnen
versichern, daß wir unsere Nachbarn im Süden niemals als einfache
Gegebenheit ansehen werden. Wir sind ebenfalls aufrichtig an dem Fortschritt der jungen Völker in Afrika interessiert, und unser Interesse
ist keineswegs nur auf materiellen Fortschritt beschränkt. Wir stehen
der Sehnsucht der afrikanischen Völker nach Würde und Gleichheit mit
tiefster Anteilnahme gegenüber. Es ist unsere aufrichtige Hoffnung,
daß die Resolution des V/eltsicherhoitsrates vom 1. April, in der die
gegenwärtige Entwicklung in Südafrika bedauert und der Generalsekretär
der Vereinten Nationen aufgefordert wird, mit der südafrikanischen
Regierung Konsultationen zu führen, sich als wirksam erweisen wird.
Ich weiß, daß ich nicht an Sie um Unterstützung für unsere Bemühungen zu appellieren brauche, die Segnungen der Freiheit der gesamten Kenschheit zugute kommen zu lassen. In den von Ihrem Konvent
in San Francisco im September vergangenen Jahres angenommenen Resolutionen forderten Sie "ein erweitertes, langfristiges und voll wirksames Programm der Wirtschaftshilfe und der technischen Unterstützung
für die industriell weniger entwickelten Länder".
Wir begrüßen in hohem Maße die starke Unterstützung, die Sie
diesem Programm entgegenbringen. Ich weiß, daß Sie - wie die meisten
Amerikaner - unser Gemeinsames Sicherheitsprogramm als eine direkte
Investition für unsere eigene zukünftige Sicherheit und unser eigenes
Wohlergehen ansehen.
Die privaten amerikanischen Organisationen - vor allem die Gewerkschaftsbewegung - spielen bei der Weitergabe der Ideen und Werte
einer freien Gesellschaft eine wichtige Rolle. Die AFI.-CI0 hat, sowohl in eigener Arbeit als auch zusammen mit dem Internationalen Bund
freier Gewerkschaften, bei der Unterstützung der freien Gewerkschaftsorganisationen in vielen Teilen der Welt Hervorragendes geleistet.
Diese Arbeit war bereits ein entscheidender Beitrag zu der Entwicklung
der jungen Völker, die zur Freiheit und zur Staatwerdung hinstreben.
Wie wir alle wissen, ist die Gewerkschaftsbewegung immer ein
Hauptziel der kommunistischen Subversion gewesen. Bei dem verstärkten Nachdruck, den die Sowjetunion auf die wirtschaftliche Durchdringung zu legen begonnen hat, werden sich die AFL-CIO und die freien
Gewerkschaf tsorgariisationen im Ausland, mit denen sie verbunden ist,
in den vor ihnen liegenden Jahren einer immer größer werdenden Aufgabe

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�»

"AMERIKA DIENST"

29. April i960

Aufgabe gegenübersehen. Das neue kommunistische Konkurrenzbestreben
ist sehr intensiv auf die Gewerkschaftsorganisationen in den Entwicklungsländern gerichtet. Die Rolle, die der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung bei dem Bemühen zukommt, ihre Erfahrungen in bczug auf
den wirtschaftlichen Fortschritt in einem demokratischen Rahmen den
Entwicklungsländern verständlich und wertvoll zu machen, ist in der
Tat eine Aufgabe, die in immer stärkerem Maße allen ihr zur Verfügung
stehenden Einfallsreichtum und alle Beharrlichkeit und Ausdauer beansprucht. Die freie Gewerkschaftsbewegung ist in einer besonders günstigen Position, um diese Botschaft den Arbeitern in den Entwicklungsländern nahezubringen und die illusorische Natur des kommunistischen
Arguments, eine wirtschaftliche Entwicklung auf Kosten der persönlichen
und nationalen Freiheit zu erreichen, aufzuzeigen.
Ich bin überzeugt, daß die freien Gewerkschaften weiterhin eine
sehr bedeutsame und konstruktive Rolle spielen werden, indem sie
geistige Führung und technische Anleitung geben und ihr reiches Wissen
um die Freiheit' in den Dienst der rechtmäßigen Bestrebungen der Arbeiter
in der gesamten freien Welt stellen.
In unserem Umgang mit den Völkern der Entwicklungsländer müssen
wir stets daran denken, daß alles, was wir hier Zuhause tun, eine
direkte Wirkung auf unseren Erfolg im Ausland hat. Alles, was unser
Volk tut - das Gute wie das Schlechte - wird von den anderen Völkern
genau verfolgt. Was bei diesen Völkern Eindruck macht, sind unsere
Taten und nicht so sehr unsere Y.'orte. Wenn sie sehen, daß wir mit unseren eigenen Problemen - wirtschaftlichen, pädagogischen, rassischen und
politischen - gut fertig v/erden, dann gibt ihnen das die beste Antwort
auf das kommunistische Argument, daß die jungen Staaten ihre wirtschaftliche Entwicklung und einen hohen Lebensstandard nur durch die Nachahmung der entwürdigenden totalitären Methoden des Kommunismus erreichen
können.
Wir können und müssen durch anhaltendes wirtschaftliches Wachstum
unter Beweis stellen, daß sich die Freiheit bewährt, daß sie - besser
als der Kommunismus - die menschlichen Energien mobilisieren und einen
gerechten Anteil an den Früchten der Arbeit zustande bringen kann. Wir
können und müssen den sowjetischen Mythos zerstören, daß unser System
dekadent, der Kommunismus dagegen die "Welle der Zukunft" sei.
Dies können wir erreichen - aber nur dann, wenn wir uns zutiefst
darüber im klaren sindf daß unsere Probleme die Probleme der Welt sind.
Wir müssen erkennen, daß alles, was wir hier im eigenen Lande tun oder
.lassen, eine weltweite Auswirkung hat und die Interessen Amerikas in
der ganzen Welt berührt.
W.ir wissen, was die Sowjets unter "friedlicher Koexistenz" verstehen. Die kommunistische Interpretation des Begriffes "Friedliche
Koexistenz" wird sowohl durch ihre Taten wie durch ihre Worte illustriert.
Im gleichen Atemzug, in dem sie ihre Doktrin verkünden, proklamieren
sie, daß das kommunistische System am Ende alle anderen Gesellschaftsformen absorbieren wird. Inzwischen überschwemmen sie weiterhin ihre
Nachbarstaaten mit einer Flut giftiger Propaganda und geben Erklärungen ab, die dazu bestimmt sind, Streitigkeiten im Inneren dieser Länder
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�'AMERIKA DIENST"

29. April 1960

Länder aufzustacheln. Ihre Vsühlagenten und politischen Marionettenparteien sind beinahe in jedem Land der V/elt am Werk. Ihre Handelsund '.Virtschaftsbeziehungen zu anderen Ländern sind nicht dazu bestimmt,
rechtmäßige Handelsinteressen zu fördern, sondern dienen als Mittel
zur Verstärkung des politischen Einflusses und der politischen Macht«
Das ist "friedliche Koexistenz" - nach sowjetischem Stil - in voller
Aktion. Wir wissen ferner, dal? "friedliche Koexistenz" für die Sowjetunion sogar die Anwendung von militärischer Gewalt einschließt, sofern
dies ihren Zielsetzungen dient - wie die brutale Unterdrückung der
Freiheit in Ungarn zeigte.
Ja der Begriff "Koexistenz" ist an sich schon sowohl verwirrend
als auch anmaßend. Bis zum Aufstieg solcher moderner totalitärer
Systeme wie Nazismus und Kommunismus war das Recht getrennter Staaten
und Systeme, zu existieren, niemals in Frage gestellt. Die Koexistenz
wurde immer als eine Mindestbedingung friedlicher internationaler Beziehungen angesehen.
Aber selbst diese Minimalkonzeption des ''-eben und leben lassen"
ist in der V/elt von Heute unzureichend. Wir müssen leben und zu leben
helfen. Was die Welt wirklich benötigt, ist die Zusammenarbeit - eine
positive und tatkräftige Zusammenarbeit, durch die alle Systeme und
Gesellschaftsformen gemeinsam nach Lösungen für die dringlichen Probleme der Menschheit suchen. Die Vereinigten Staatan glauben an das Recht
aller Menschen, ihre Überzeugungen und Systeme selbst zu wählen, bei
gegenseitiger Toleranz und gegenseitiger Achtung. '.Vir sind auf Grund
unserer eigenen nationalen Erfahrung fest davon überzeugt, daß die
Mannigfaltigkeit und die Verschiedenheit genauso nützlich wie unvermeidbar sind und daß die Verschiedenheiten der Manschen eine starke
Quelle für den menschlichen Fortschritt sind. Lassen Sie uns deshalb
die Konzeption einer vergänglichen und unsicheren Koexistenz auf den
Schutthaufen werfen und statt dessen versuchen, die verschiedenartigen Geisteshaltungen und Talente aller Menschen für die Lösung der
Jahrhundertealten Probleme der Armut, der Krankheit, der Unwissenheit,
der Unterdrückung und der Ungerechtigkeit einzusetzen. Lassen Sie uns
positiv zusammenarbeiten, um den Organismus einer echten '.Yeltgemoinschaft zu schaffen.
Welches ist nun das Ziel, nach dem wir streben? Wie sieht die Welt
aus, um deren schließliche Verwirklichung wir uns bemühen?
'.Vir erstreben eine geordnete Weltgemeinschaft, in der es keine
Gefahr eines Krieges mehr gibt und. in der die Herrschaft des Rechts
dem Menschen die Möglichkeit gibt, seine ganze Energie für friedliche
Aufgaben zu verwenden.
Der Abrüstungsplan des Westens, der im vergangenen Monat in Genf
vorgelegt worden war, macht dies in seiner Präambel klar. In ihm wird
eine sichere, freie und friedliche Welt als schließliches Ziel gesetzt,
die unter v/irksamen internationalen Kontrollmaßnahmen abgerüstet ist,
und in d»r Streitfälle in Übereinstimmung mit den in der UN-Charta aufgestellten Prinzipien beigelegt werden.
Zur

�"AMERIKA DIENST"

29. April 1960

Zur Erreichung dieses Zieles dienen zwei im westlichen Plan
parallellaufende Bemühungen; die eine auf die Kontrolle und Reduzierung der Rüstung abzielend}, die andere auf die Verstärkung des den
Frieden schützenden Apparates gerichtet.
Der Plan sieht progressive Abrüstungsmaßnahmen vor, die für beide
Seiten bindend sein müssen und einer angemessenen Inspektion bedürfen.
Als einen praktischen Beginn streben wir Rüstungskontrollmaßnahmen
an, um das Risiko eines Krieges auf Grund von Fehlkalkulationen zu vermindern und die unkontrollierte Ausbreitung von Kernwaffen zu verhindern.
Seit vielen Monaten sind Verhandlungen über eine dieser Maßnahmen - die
Einstellung der Kernwaffenversuche - im Gange. vVenn diese erfolgreich
abgeschlossen werden sollten, dann wäre ein bedeutender Schritt in
Richtung auf die Begrenzung der weiteren Ausbreitung der nuklearen
Kapazität getan worden. Aber dies ist noch nicht genug. Wir bemühen
uns ferner um ein baldiges Abkommen - und je früher desto besser über Maßnahmen zur Verringerung des Kriegsrisikos auf Grund von Fehlkalkulationen, über Garantien gegen einen Überraschungsangriff, über
Schritte zur Verhinderung eines Waffeneinsatzes im Äeltenraum und über
eine kontrollierte Beendigung der Produktion spaltbaren Materials für
Waffenzwecke. Wir sind uns darüber im klaren, daß derartige Maßnahmen
keine drastische Kürzung der bestehenden Streitkräfte bedeuten würden.
Sie würden jedoch den Rüstungsaufbau beenden und die Gefahr eines globalen Krieges reduzieren.
Wenn erst einmal das gegenwärtig immer schneller werdende Wettrüsten abgebremst worden ist, dann sollten wir auf weitreichende Maßnahmen der kontrollierten Abrüstung drängen. Die bewaffneten Streitkräfte sollten auf einen Stand gebracht werden, der lediglich für die
innere Sicherheit notwendig ist, und die Waffen der Massenvernichtung
sollten beseitigt werden. Keine Nation oder Gruppe von Kationen könnte
sich dann dem organisierten Willen und den Zielsetzungen der Vieltgemeinschaft entgegenstellen.
Parallel zu den Maßnahmen für eine gesicherte Rüstungsreduzierung
streben wir nach der Entwicklung eines im Rahmen der Vereinten Nationen
aufzubauenden Systems eines allgemein anerkannten Völkerrechts und dem
Aufbau eines internationalen Apparates zur Durchsetzung eines solchen
Rechts und zur Beilegung von Streitfällen, die unter ihm entstehen,
Daau wäre eine internationale Streitmacht erforderlich, die imstande
ist, einer Aggression Einhalt zu gebieten. Die Vereinigten Staaten
werden bestimmt nicht einfach abrüsten, solange nicht die Gewähr gegeben
ist, daß eine internationale Organisation zum Schutze des Friedens
existiert•
Dies sind also die Wege, auf denen wir dem Endziel einer besser
geordneten Welt entgegenstreben. Die Aufgabe wird nicht leicht sein.
Ein Blick auf den Abrüstungsplan von Ministerpräsident Chruschtschow,
der die Basis für die Position des Sowjetblocks auf der Zehn-MächteAbrüstungskonferenz bildet, macht dies klar. Eigentlich ist dies gar
kein Plan, sondern eine umfassende Darlegung von Zielsetzungen - kommunistischen Zielsetzungen. Rüstungskontrollen und Abrüstungsmaßnahmen
werden mit schwungvollen allgemeinen Redensarten abgetan. Konkrete
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�"AMERIKA DIENST"

29. April 196O

Konkrete Bestimmungen für die Verifizierung und für die Kontrollabmachungen gibt es keine. Genauso wenig findet sich irgendeine
Bestimmung darüber, wie der Friede in einer von Waffen freien Welt
gestaltet werden soll.
Wir Amerikaner sind ungeduldig. Wir möchten gerne schnelle und
vollständige Lösungen. Aber solche Lösungen gibt es für die nternationalen Probleme nicht. Nur eine Welt, in der eine vernünftige Stabilität sowie Ordnung und Gerechtigkeit unter dem Gesetz gesichert sind,
kann den Interessen unseres Landes und den Interessen aller Völker
dienen.
Eine solche Welt kann nicht über Nacht geschaffen werden* Doch
wenn wir keine Fortschritte in Richtung auf eine solche Welt machen,
dann erreichen wir vielleicht einen Punkt, von dem aus es keine Rückkehr gibt. Wir werden uns weiterhin um die Verwirklichung dieses
Zieles bemühen - durch die Vereinten Kationen, durch unsere Ab rüstungsverhandlungen, durch andere Verhandlungen mit der Sowjetunion und durch
all die weitgest--eckten Anstrengungen hier in den USA sowie im Ausland
auf dem Gebiete der Verteidigung, des Außenhandels und der Investitionen,
der Entwicklungshilfe, der kulturellen Beziehungen, der persönlichen
Kontakte und der Diplomatie,
Wenn wir Erfolg haben wollen, dann müssen wir auf all diesen
Gebieten noch mehr leisten. Nur durch unsere gemeinsamen Anstrengungen
als Nation können wir hoffen, unsere besten Interessen in der vor uns
liegenden Zeit des scharfen Konkurrenzkampfes zu fördern.
Wir bemühen uns als Nation gegenwärtig bewußt darum, die geschieht*
liehen Kräfte auf einer weltweiten Basis zu beeinflussen. So hoch gesteckt und ehrgeizig eine solche Aufgabe sein mag, wir haben keine
Alternative, denn wenn die sich rapide ändernden Verhältnisse in der
Welt nicht in Richtung auf eine neue Ära der allgemeinen Freiheit und
Prosperität sowie auf eine universale Ordnung und ein universales Recht
gelenkt werden, dann können weder die Vereinigten Staaten noch irgendeine andere freie Nation in Sicherheit leben - vielleicht sogar nicht
einmal überleben.
Die Tatsache, daß wir uns dieser Wahrheiten bewußt sind, führt
uns in aller Nüchternheit vor Augen, was jeder von uns tun muß. Das,
was wir als Nation erreichen, kann nur die Gesamtsumme dessen sein, was
wir als Einzelmenschen leisten. Die Regierung in Washington verfügt über
keine Macht oder Fähigkeit, die unabhängig von dem Volk ist, das unsere
Nation ausmacht,
,
Es ist jetzt nicht die Zeit für ein leichtes Leben, für eine laxe
Haltung oder für eigennütziges Streben nach materiellen Vorteilen auf
Kosten der Interessen der Nation. Ich rufe alle Amerikaner auf, erneut
jenen revolutionären Eifer und jene Begeisterung zu zeigen, die uns
die Unabhängigkeit und nationale Einigkeit sicherten und die die Amerikaner vorantrieben, die Wildnis zu besiegen und eine große Zivilisation
zu schaffen. Wir sind heute alle im wahrs-ten Sinne des Wortes aufgerufen,
zur Schaffung einer neuen Welt beizutragen.
Dies ist eine Aufgabe, die alle Amerikaner begeistern und sie zu
einem Einsatz aller ihrer Kräfte veranlassen sollte, heute sowie in den
vor uns liegenden Jahren,
Ich danke Ihnen,

�A M E R I K A

D I E N S T

WELTRAUM - NEULAND DER PRAKTISCHEN FORSCHUNG

�Allg./6.5.1960
WELTRAUM - NEULAND DER PRAKTISCHEN FORSCHUNG

Die Geschichte hat keine Parallele zu den Ereignissen unserer Zeit,
in der Wissenschaft und Technik Fortschritt auf Fortschritt verzeichnen.
Der Mensch schickt sich an, dem Weltraum Geheimnisse zu entreißen, die
die Frage nach der Entstehung der Erde und vielleicht sogar des Universums beantworten helfen.
Nachdem es gelungen ist, die Erdanziehung, der alle Körper im Bereich der Erdgravitation unterworfen sind, durch die Gegenkraft der
Beschleunigung von Flugkörpern auf genügend hohe Geschwindigkeiten zu
überwinden, werden jetzt Satelliten und Raumsonden in Umlaufbahnen um
Erde, Mond und Sonne gebracht. Diese unbemannten Meßgeräte liefern erstmals wissenschaftliche Daten unmittelbar aus Räumen, die bisher nur der
"Fern"-Beobachtung von der Erdoberfläche aus oder - sehr kurzfristig aus dem Bereich jenseits der dichten Luftschichten bis zirka 200 km
Höhe durch Raketensonden zugänglich waren. Verglichen mit der Ausdehnung
unseres Sonnensystems - von der Ausdehnung der Milchstraße, zu der es
gehört und die allein etwa 200 Milliarden Sonnensysteme umfaßt, ganz zu
schweigen - nehmen sich zwar diese ersten praktischen Versuche recht
bescheiden aus. Der Anfang zur Verwirklichung eines uralten Menschheitstraums, die rätselhafte Welt der Sterne und die darin wirksamen Kräfte
unmittelbar zu erforschen, ist damit jedoch zweifellos gemacht.
In den Vereinigten Staaten wird heute ein erheblicher Anteil der
Wirtschaftskraft - Geld, Produktionskapazität, technisches Können und
Forschungsarbeit - dafür aufgeboten,
Meßsatelliten auf bestimmte Flugbahnen in den Weltraum zu entsenden, mitten unter die großen und kleinen
Himmelskörper und Gasmassen, die seit Jahrmilliarden das Universum füllen.
Mit Hilfe der Ergebnisse aus solchen Experimenten hofft man, auch die
Naturkräfte in unserem ureigensten Lebensbereich, auf der Erde, besser
erkennen, nutzen und möglicherweise auch kontrollieren zu können.
Das zivile Weltraumprogramm der Vereinigten Staaten, das dem US-Amt
für Aeronautik und Weltraumforschung (NASA) untersteht, umfaßt eine Vielzahl von Projekten aus ganz verschiedenen Gebieten. Sie reichen von der
Astronomie über die unmittelbare Erforschung des interplanetaren Raumes,
des "Vorfeldes" und der Lufthülle unserer Erde bis zu den technischen
Problemen, die Luftfahrt und Raumflug aufgeben; es bezieht ferner zahllose Fragen der Atom- und Elektronentechnik und, last not least, der Medizin und Biophysik ein. Dabei werden neben den Aufgaben der Grundla^en- 1

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Grundlagenforschung durchaus praktische Ziele verfolgt, die unter anderem
auf eine wesentliche Verbesserung der Beobachtung und Vorhersage des Wetters, auf die Verbesserung und Vereinfachung des Nachrichtenwesens auf
weltweiter Basis sowie der Navigation zur See und in der Luft gerichtet
sind.
Laboratorien zwischen Himmel und Erde
Die Hoffnungen, die die Wissenschaftler zu Beginn des Internationalen
Geophysikalischen Jahres auf die künstlichen Erdsatelliten als technische
Hilfsmittel zur Durchführung bestimmter Aufgaben der geophysikalischen
Forschung gesetzt hatten, waren gerechtfertigt. Die detaillierte Auswertung der Daten, die man mit diesen Meßgeräten seit etwa zweieinhalb Jahren
gewinnt, nimmt zwar meist Monate oder gar Jahre in Anspruch; jedoch können
wir jetzt schon sagen, daß dank den Satelliten und Weltraumsonden nicht
nur unser 'ffissen um die Beschaffenheit der physikalischen Umwelt der Erde
wesentlich bereichert, sondern auch eine Basis für die technische Vorbereitung des Raumflugs geschaffen wurde. Der Mensch weiß heute ungefähr, was
ihn "draußen" erwartet, und er kann sich darauf einrichten.
Die Vereinigten Staaten haben bisher (Stand von Ende April i960)
18 Erdsatelliten und 4 Raumsonden in den Weltraum geschickt. Zehn der
Satelliten - EXPLORER I, VI und VII, VANGUARD I, II und III, DISCOVERER V
und XI sowie TIROS I und TRANSIT I-B - umkreisen noch in stark elliptischen bis nahezu kreisförmigen Bahnen die Erde, während die übrigen acht
Satelliten - EXPLORER III und IV, ATLAS-SCORE, DISCOVERER I, II, VI, VII
und VIII - inzwischen in die dichteren Luftschichten abgesunken und verglüht sind. Das gleiche Schicksal ereilte die Raumsonden PIONIER I und
III; PIONIER IV und V dagegen haben die sogenannte zweite kosmische Geschwindigkeit erreicht und sind als künstliche Planeten in eine Umlaufbahn um die Sonne eingetreten.
Die wissenschaftlichen Probleme, an deren Klärung den Forschern bei
solchen Experimenten besonders gelegen ist, sind Dichte und Ausdehnung
der äußeren Atmosphäre, Auftreten und Intensität der kosmischen Strahlung,
Intensität der Sonnenstrahlung in verschiedenen Spektralbereichen, Stärke
und Ausdehnung des Erdmagnetfeldes, Stärke und Verteilung von Magnetfeldern sowie Gasdichte im interplanetaren Raum, Häufigkeit und Größe von
Meteoriten und kosmischen Staubpartikeln, Temperaturkontrolle in Raumflugkörpern und praktische Erforschung der Möglichkeiten für den Menschen,
sich in einem künstlichen Satelliten auf eine kürzere oder längere Flugreise um die Erde zu begeben. Wie sehr auch eine weltweite Wetterbeobachtung durch den Einsatz künstlicher Satelliten verbessert werden könnte,
beweisen bereits die Tausende von Aufnahmen, die TIROS I seit seinem Start
am 1. April 1960 geliefert hat.
Weltraumstrahlung
Die Intensität der kosmischen Strahlung im Weltraum ist ein wichtiger
Faktor bei Raumflugprojekten, die den Menschen aus der schützenden Lufthülle hinausführen. Die amerikanischen Erdsatelliten und Raumsonden wurden
daher mit Spezialgeräten ausgestattet, die automatisch Strahlungsmessungen
im Bereich der gesamten Flugbahn oberhalb der dichten Erdatmosphäre vor-

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Schon bald nach dem Start von EXPLORER I stand für die Wissenschaftler, die gespannt die Signale des Geigerzählers beobachteten,fest, daß
etwa ab 900 km Höhe die Strahlung intensiver wurde und die Impulszählung durch irgendein Phänomen, dessen Natur man noch nicht kannte, sogar
gestört wurde. Die Bestätigung dieser Vermutung und eine Erklärung des
Phänomens brachte EXPLORER III. Als Ursache der Störungen wurde eine in
einer bestimmten Höhe beginnende Zone intensiver Strahlung festgestellt, c
die stellenweise so stark ist, daß die damals mitgeführten Zählgeräte
einfach blockiert wurden.
Dr. James Van Allen von der Staatsuniversität Iowa und seine Mitarbeiter, die als erste diese Erscheinung beobachtet und gedeutet hatten,
konnten durch eine weitere Verfeinerung der Strahlenmeßgeräte und ihre
Unterteilung in verschiedene Empfindlichkeitsstufen Art und Intensität
der Strahlung sowie die Ausdehnung dieser Zone ermitteln. EXPLORER IV,
der mit zwei Geiger-Mueller-Zählrohren und zwei Szintillationszählern
ausgerüstet war, "sortierte" die Strahlung nach Intensitätsstufen.
Dabei zeigte sich, daß pro Sekunde 25 000 bis 35 000 kosmische Strahlenpartikeln auf den Quadratzentimeter entfielen. Mindestens 60 Prozent
davon waren energiereich genug, um die Bleiabschirmung des einen der
beiden Geigerzähler zu durchdringen. Die Konzentration energieärmerer
Teilchen war sogar noch höher, nämlich etwa 1 000 000 qcm/sec. In 1900
km Höhe über Südamerika wurde ein Strahlungspegel von 10 Röntgen pro
Stunde gemessen - eine ungemein starke Strahlung, wenn man die Höchstbelastungsdosis für Atomarbeiter, die 5 Röntgen pro Jahr beträgt, als
Richtwert zugrunde legt.
Aber erst die Messungen der Weltraumsonden PIONIER III und IV und,
einige Monate später, des Erdsatelliten EXPLORER VI brachten die erwünschte
Aufklärung - und zugleich neue Überraschungen. Es stellte sich nämlich
heraus, daß der Van-Allen-Gürtel in Wirklichkeit aus zwei Zonen intensiver Strahlung besteht. An den inneren Gürtel, dessen Entfernung von
der Erde nach neueren Messungen zwischen 1000 und 10 000 km schwankt,
schließt sich zunächst eine Zone verhältnismäßig geringer Strahlung an,
bis einige tausend Kilometer weiter der äußere Strahlenring beginnt.
An seinem Innenrand wurden heftige Ausbrüche sporadisch auftretender
Strahlung verzeichnet, deren Ursache noch nicht geklärt ist. In etwa
14 000 km Höhe, also in der normalerweise strahlungsarmen Zwischenzone,
wurde von Zeit zu Zeit eine hohe Strahlungsintensität beobachtet; man
nimmt an, daß dieser Effekt mit Magnetstürmen in Zusammenhang steht, die
zur gleichen Zeit auf der Erde registriert wurden.
Den ersten Hinweis darauf, daß die Strahlungszonen, die in ihrem Verlauf offenbar den erdmagnetischen Linien folgen, als eine Reaktion auf
Sonneneruptionen "pulsieren" und sich "auffüllen" könnten, lieferten die
PIONIER-Weltraumsonden schon vor mehr als einem Jahr. Während PIONIER III
(6/7. Dezember 1958) die obere Grenze des äußeren Ringes bei 55 000 km
Abstand von der Erde gemeldet hatte, endete dieser nach den Messungen von
PIONIER IV (gestartet am 3• März 1959» sechs Tage nach einer starken Sonneneruption) erst in 83 600 km Höhe; außerdem war darin die Konzentration
elektrisch geladener Teilchen dreimal stärker als am 6. Dezember1958. Ihre
größte Stärke und ihren größten Erdabstand haben die beiden Strahlenzonen

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Strahlenzonen über dem Äquator; sie ziehen sich bis zu den Polgebieten
hin, erreichen jedoch die Pole, nicht ganz.
Angesichts der hohen Energie der Strahlung im inneren Gürtel ist
zu vermuten, daß diese hauptsächlich aus Zerfallsprodukten von Neutronen
aus Luftatomen besteht, die energieärmere Strahlung des äußeren Ringes
dagegen ihren Ursprung im Sonnengas hat. Über ein interessantes Phänomen,
das allerdings eine Überprüfung der bisherigen Theorien von der Entstehung
der Polarlichter erforderlich macht, berichtete im April i960 Dr. Paul
J. Kellogg von der Universität Minnesota. Auf Grund der Meßergebnisse
von Höhenballons, die in der Arktis beim Auftreten von Polarlichtern aufgelassen worden waren, sowie der zur gleichen Zeit aufgefangenen Signale
von EXPLORER VI ist anzunehmen, daß beim Einsetzen eines magnetischen
Sturmes der äußere Strahlungsgürtel etwa zwei Drittel der eingefangenen
elektrischen Teilchen freigibt, sie "abschüttelt" wie ein Regenschirm.
Beim Abklingen der magnetischen Stürme und Erlöschen der Polarlichter
steigt die Teilchenkonzentration im Außenring plötzlich auf das Fünfzehnfache des vorhergehenden Wertes an. Ihre hohe Energie erhalten die Teilchen aber anscheinend erst durch das erdmagnetische Feld. Eine Erklärung
für diese Aufeinanderfolge der Ereignisse vermochte Dr. Kellogg nicht zu
geben.
Den von EXPLORER VI "entdeckten", in großer Höhe in westlicher Richtung fließenden elektrischen Ringstrom um die Erde von schätzungsweise
5 Millionen Ampere Stärke bestätigte jetzt auch PIONIER V bei etwa 64 000 km
Höhe. Jenseits der 00 OOO-km-Grenze stieß PIONIER V auf eine von PIONIER I
erstmals registrierte Zone mit starken magnetischen Turbulenzerscheinungen;
dieser Bereich, in dem das erdmagnetische Feld und Magnetfelder des 'Weltraums aufeinanderstoßen, ist doppelt so weit von der Erde entfernt als
nach den theoretischen Überlegungen angenommen worden war. In 5 Millionen
km Erdabstand geriet die Raumsonde in starke Elektronen- und Protonenströme,
die aus einer Sonneneruption stammten; kurze Zeit später sprachen auch die
Geräte von EXPLORER VII und Höhenballonen in der Arktis darauf an. Den Partikelströmen folgte eine riesige .Volke ionisierten Sonnengases, die auch
PIONIER V einhüllte. 25 Prozent der normalerweise von seinen Geräten registrierten kosmischen Strahlen aus Bereichen außerhalb unseres Sonnensystems
drangen plötzlich nicht mehr bis zu ihm durch. Diese Beobachtung bestätigt
die Theorie, mit der man den plötzlichen Abfall der Intensität dieser
Strahlung in den Polarzonen bei heftigen Magnetstürmen in der Erdatmosphäre
zu erklären suchte: als Ursache wird magnetische Ablenkung und Reflexion
der Partikeln in den Weltraum angenommen.
Luftdichte und Erdgestalt
Eine überraschende Feststellung ergab sich aus den laufenden Beobachtungen von VANGUARD I. Die Dichte der oberen Schichten der Atmosphäre ist
um ein Mehrfaches größer als angenommen worden war und verändert sich mit
den periodischen Schwankungen in der Ausstrahlung von Sonnenenergie. Analysen der Umlaufbahn dieses kleinen Satelliten zeigten ferner, daß die Erdgestalt nicht ganz den bisherigen Vorstellungen von einer an beiden Polen
gleichmäßig abgeplatteten Kugel mit dickem Äquatorwulst entspricht, sondern
eher der Form einer Birne ähnelt. Auf der südlichen Halbkugel mit der
größeren Masse ist die Abplattung stärker als auf der Nordhalbkugel.
Erdmagnetismus.

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�Die vier Flügel von PIONIER V sind mit 4800 Siliziumzellen besetzt,
die Sonnenlicht in Betriebsstrom für die zahlreichen Meßgeräte umwandeln. Man hofft, die Signale dieser Raumsonde noch aus 80
Millionen km empfangen zu können.

Donnernd hebt sich die dreistufige THORABLE-Rakete mit dem Erdsatelliten TIROS I
in der Spitze vom Starttisch.

Der am 1. April 1960 gestartete Wetterbeobachtungssatellit TIROS I
lieferte in 4 Wochen über 7000 Wolkenbilder. An der Unterseite ist
das Objektiv der Weitwinkelkamera sichtbar.

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Erdmagnetismus. Energieau3tauach Weltraum - Erde. Sonnenstrahlung
VANGUARD III, der unter anderem mit einem Magnetometer ausgerüstet
wurde, gab beim "Abfragen" durch Bodenbeobachtungsstationen täglich etwa
50mal wichtige Hinweise auf Verlauf und Stärke des erdmagnetischen Feldes
zwischen 500 und 3700 km Höhe. Er registrierte außerdem solare Röntgenstrahlung, von deren Auswirkungen auf die Erdatmosphäre man noch sehr wenig
weiß.
Außerordentlich vielfältig waren auch die Aufgaben von EXPLORER VII,
der über die Intensität und die Energiestufen kosmischer Primärstrahlung,
die Ultraviolett-Strahlung und "weiche" Röntgenstrahlung der Sonne in ganz
bestimmten Wellenlängenbereichen, über das Strahlungsgleichgewicht zwischen
Erde und Weltraum, die Intensität energiereicher Strahlung im Van-AllenGürtel zwischen 5^0 und 1100 km Höhe, Größe und Häufigkeit von Mikrometeoriten, Temperaturen an zahlreichen Meßpunkten innen und außen am Satelliten
sowie über die Funktionsfähigkeit ungeschützter Siliziumzellen Auskunft gab.
Er gehört ebenso wie EXPLORER VI, VANGUARD III und PIONIER V zur "zweiten
Generation" von Meßsatelliten, die mit wahren Wunderwerken der Miniaturelektronik ausgerüstet sind.
EXPLORER VI, dessen augenfälligstes Merkmal - wie auch bei PIONIER V die vier flügelähnlichen Sonnenbatterie-Platten sind, vermochte übrigens
Meßdaten nicht nur zu speichern, sondern auch bereits zu verarbeiten. Dies
wurde durch das elektronische Fernmeßsystem TELEBIT ermöglicht, das noch
die Übermittlung von Signalen im interplanetaren Raum über Entfernungen
von mehr als 80 Millionen km erlaubt. Das Gerät sammelt und speichert Meßdaten von mehreren verschiedenen Geräten und setzt sie nach dem gleichen
Prinzip, nach dem elektronische Rechengeräte arbeiten, in eine Art Kode um.
Auf da3 Abrufsignal einer Bodenstation, das jeweils nach einer längeren
Erholungspause für die chemischen Batterien bzw. nach deren Wiederauffüllung durch die Sonnenenergie-Kollektoren gegeben wird, strahlt der Sender
innerhalb weniger Sekunden die in der Zwischenzeit gesammelten verschlüsselten Meßwerte aus.
Auch PIONIER V hat außer den Geräten zur Registrierung von Strahlung
verschiedener Energiestufen und Konzentration (und damit auch zur Untersuchung der von der Sonne ausgeschleuderten Partikelströme), von Mikrometeoriten, Magnetfeldern im Weltraum (einschließlich deren Stärke und Richtung)
und zur Angabe seiner "Blickrichtung" ein solches TELEBIT-Gerät an Bord.
Es lieferte seit dem Start der Raumsonde am 11. März 196O einwandfreie Meßwerte von zahlreichen Sensoren, bis plötzlich - PIONIER V befand sich inzwischen mehr als 8 Millionen km von der Erde entfernt - Störungen auftraten.
Die Angaben über Batterie Spannung, Batterietemperatur und Temperatur an den
vier Photozellen-Platten waren offensichtlich falsch. Nach dem ChiffreSignal war beispielsweise die Batteriespannung so niedrig, daß der Sender gar
nicht mehr hätte arbeiten können - aber die Signale kamen nach wie vor klar
an.
Robert Gottfried von den Space Technology Laboratories in Los Angeles,
wo PIONIER V zusammengebaut worden war, versuchte nun durch Prüfung jedes
einzelnen Bau-Elements an einem zweiten TELEBIT-Gerät im Laboratorium den
Fehler zu finden, eine sehr mühsame Aufgabe, da das 4»5 kg schwere Gerät
nicht weniger als 45O Transistoren, 1500 Dioden, 1600 Widerstände, 1000

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1000 Kondensatoren und mehrere tausend Lötkontakte besitzt. Als Fehlerquelle wurde schließlich eine stecknadelkopfgroße Diode ermittelt. Daraufhin arbeitete Gottfried ein neues Dechiffriersystem für die PIONIER-Signale
aus - und seitdem liefert die Raumsonde wieder "vernünftige" Daten. Die
Falschmeldungen konnten überdies nachträglich richtig interpretiert werden,
so daß nichts an Meßdaten verloren ist.
Wetterbeobachtung
Der am 1. April 196O gestartete, 122 kg schwere TIROS I ist der erste
Erdsatellit einer neuen Versuchsserie, die der Erprobung solcher Flugkörper
als Hilfsmittel der meteorologischen Beobachtung dient. Das mit zwei Fernsehkameras, elektronischen BildaufZeichnern und zahlreichen anderen Spezialinstrumenten ausgerüstete Gerät hat inzwischen über 7000 Bilder aus etwa
700 km Höhe gesendet, deren Qualität die Fachleute überraschte. Mit Hilfe
dieses Satelliten wurde auch erstmals nachgewiesen, daß bei umfangreichen
Sturmgebieten außerhalb der Tropen die gleichen spiralförmigen Wolkenbänder
auftreten wie bei tropischen Taifunen oder Hurrikanen. Die Struktur der
Wolkenformationen zeigt allgemein einen unerwartet klaren Aufbau. Nach Ansicht Dr. F. W. Reichelderfers, des Direktors des US-Bundesamtes für Meteorologie, eröffnet TIROS I eine neue Ära der meteorologischen Beobachtungsverfahren; ein System von mehreren Wettersatelliten in Verbindung mit
Radar, Wetterflugzeugen, Raketen- und Ballonsonden dürfte es ermöglichen,
genaue Wettervorhersagen für zirka 30 Tage zu geben.
Ein Teil der Aufnahmen wird bis zum Abruf durch eine Bodenstation
im Satelliten gespeichert; in "Rufweite" einer Station können die Impulse
aber auch direkt vom Kamera-Bildwandler an den Sender gegeben werden. Damit
der mit der Auswertung betraute Meteorologe das Bild besser identifizieren
kann, führt TIROS I ein "Nordrichtungs-Anzeigesystem" mit, das automatisch
den Winkel der Sonne relativ zum Satelliten mißt. Das sich hieraus ergebende
Signal, das mit jedem Bild zur Bodenstation gesendet wird, wird dort mittels
eines "Sonnenwinkel-Rechners" interpretiert und erscheint, die Nordrichtung
anzeigend, neben dem betreffenden Bild auf dem Betrachtungsschirm. Durch
Funksignale läßt sich von der Erde aus vor jedem neuen Umlauf eine Art Uhr
im Satelliten stellen, damit die Kameras vor allem die für die Meteorologen
wirklich interessanten Gebiete aufnehmen.
Navigation
Am 13. April i960 folgte dem ersten Wetterbeobachtungs-Satelliten der
erste Navigations-Satellit. TRANSIT I-B gilt als Vorläufer eines Systems
von vier Satelliten, die auf Grund der von ihnen ausgestrahlten Funksignale
Schiffen und Flugzeugen die Positionsberechnung bei bedecktem Himmel und
unsichtigem Wetter erleichtern sollen. Die Umlaufbahn jedes dieser Satelliten
wird so gewählt, daß zum mindesten einer von ihnen von jedem beliebigen Punkt
der Erdoberfläche aus zu hören ist. Der 119 kg schwere TRANSIT I-B, der auf
vier Frequenzen sendet, hat den Beobachtungsstationen bereits Informationen
geliefert, die eine äußerst exakte Vorausberechnung seiner Umläufe ermöglichen.
Die Berechnungsgrundlage liefern die sogenannten Doppler-Verschiebungen der
Signalfrequenzen, die von der Geschwindigkeit, mit der sich der Satellit
der Beobachtungsstation nähert bzw. von ihr entfernt, abhängig sind. Das A
und 0 des neuen Systems ist die genaue Bestimmung und möglichst langfristige
Vorausberechnung der Umlaufbahnen der Navigationssatelliten, so daß man nach
Zeit und Richtung ihres Erscheinens über dem Horizont den eigenen Standort

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Die von den Vereinigten Staaten gestarteten Erdsatelliten sollen nicht nur eine Vielzahl von wissenschaftlichen
Fragen lösen helfen, sondern auch der Erfüllung praktischer Aufgaben (z. B. Wetterbeobachtung, Navigation)
dienen.
Wertvolle wissenschaftliche Daten liefern außerdem die Raumsonden
PIONIER I
PIONIER III
PIONIER IV
PIONIER V

(11. Oktober 1958, 113120 km)
(6. Dezember 1958, 102 728 km)
(3. März 1959, künstlicher Planet im Sonnensystem)
(11. März 1960, künstlicher Planet im Sonnensystem)

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Standort mit viel größerer Genauigkeit als nach den bisherigen Verfahren
ermitteln kann.
Funkverkehr
Mit dem Projekt ECHO soll eine umfangreiche Versuchsserie zur Verwendung
von Erdsatelliten als Relaisstationen im transkontinentalen Nachrichtenwesen
einschließlich Fernsehen und Bildfunk eröffnet werden. Der erste dafür bestimmte Satellit wird ein Ballon von 30 m Durchmesser sein, dessen aluminiumüberzogene Hülle stark gebündelte Funksignale einer Erdstation reflektiert,
so daß sie von anderen, Tausende von Kilometern entfernten Stationen aufgefangen werden können. Die Umlaufbahn soll in etwa 1600 km Höhe liegen.
Im Gegensatz zu diesem passiven Relais-Satelliten, der Signale nur
reflektiert, sollen spätere, sogenannte aktive Relais-Satelliten fernmeldetechnische Nachrichten elektronisch aufnehmen, speichern, verstärken und an
die vorgesehene "Abnehmerstation" senden.
TRÄGERRAKETEN
Eine Voraussetzung für die Durchführung solcher Vorhaben ist das Vorhandensein von Flugkörpern, die geeignet sind, Satelliten und Raumsonden
in bestimmte Flugbahnen zu befördern. In den Vereinigten Staaten wurden
verschiedene Grundtypen von Raketen entwickelt und ständig weiter verbessert,
die einzeln oder in Kombinationen mit anderen als Trägerraketen dienen.
Zu den wichtigsten Startraketen zählen zur Zeit REDSTONE, VANGUARD, JUPITER,
THOR und ATLAS. Sie alle verbrennen flüssigen Treibstoff; ihre Schubkraft
liegt zwischen 35 000 und 160 000 kg. Feststoffraketen übernahmen bisher nur
als aufgestockte 2., 3« oder 4« Stufe die weitere Beschleunigung der mit den
wissenschaftlichen Geräten vollgepackten "Nutzlast" auf die Geschwindigkeit,
die für die vorgesehene Umlaufbahn um Erde oder Sonne erforderlich ist. Die
vierstufige SC0UT, mit der Mitte 1 96O die ersten Testflüge unternommen werden
sollen, wird die erste Trägerrakete sein, die auch als Startstufe (52 200 kg
Schub) eine Feststoffrakete hat. Sie kann etwa 90 kg schwere Nutzlasten in
Kreisbahnen in 500 km Höhe und 50 kg schwere Meßgeräte in 9000 km Höhe befördern.
Gegenüber Flüssigkeitsraketen haben Feststoffraketen den Vorzug, daß
sie keine Pumpwerke mit vielen beweglichen Teilen und andere: komplizierte.
Aggregate benötigen. Um sie zu starten, bedarf es nicht, wie bei den Flüssigkeitsraketen, zahlreicher Spezialisten und der umständlichen "Count down"Prozedur, bei der jedes Einzelteil auf seine Funktion überprüft wird. Die
Flüssigkeitsrakete muß nach einem genau festliegenden Zeitplan aufgetankt
und zur vorbestimmten Zeit abgefeuert werden, da sonst keine Gewähr für das
Gelingen des Versuchs gegeben ist. Feststoffraketen dagegen sind samt Treibstoff lange Zeit lagerfähig und lassen sich damit sogar transportieren. Außerdem sind sie in verschiedenen Größenordnungen leicht und einfach herzustellen
Ihr Nachteil: Bisher bereitete es immer wieder technische Schwierigkeiten, dii
Schubleistung während der Brenndauer zu steuern; auch die Kontrolle der Schub'
richtung und des Brennschlusses ließen zu wünschen übrig - alles Faktoren, di&lt;
beim Einsteuern eines Satelliten in die vorgesehene Bahn eine wichtige Rolle
spielen. NASA hat inzwischen ein Arbeitsprogramm vorgelegt, das die bestehenden Mängel überwinden helfen soll und das u.a. die Entwicklung von Triebwerke]
und Treibstoffen hoher Leistung für zuverlässig arbeitende Feststoffraketen _zj

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zum Ziel hat, die im Flug auch abgeschaltet und wieder gestartet werden
können.
Daneben gehen die Vorbereitungen zum Bau von superstarken Flüssigkeitsraketen unter Verwendung und durch Verbesserung bewährter, seit Jahren in
Serie gebauter Typen weiter; die Zahl der Typen soll auf ein Minimum reduziert, die Leistung der Aggregate so weit wie nur irgend möglich gesteigert
werden. Ab 1962 beabsichtigt NASA, nur noch vier Typen von Raketen einzusetzen, und zwar SCOUT, THOR, ATLAS und SATURN. Im Rahmen des Projekts
SATURN werden durch Bündelung mehrerer Triebwerke der THOR- bzw. JUPITERKlasse Leistungen von zirka 680 000 kg Schub erreicht; außerdem arbeitet
man an der Entwicklung von Einkammer-Triebwerken der gleichen Leistung,
die wiederum zu noch stärkeren Flüssigkeitsraketen (Projekt NOVA, 2,7
Millionen kg Schub) gebündelt werden sollen. Zur SATURN-Familie werden zwei-,
drei- und vielleicht vierstufige Raketenkolosse gehören, deren Startstufe
nach jedem Versuch möglichst wieder geborgen werden soll. Das DreistufenProjektil, das über 45 m hoch ist und aufgetankt 580 Tonnen wiegt, vermag
mehrere Tonnen schwere Satelliten in Umlaufbahnen um die Erde oder etwa
eine Tonne schwere Nutzlasten mit wissenschaftlichen Geräten zur Mondoberfläche oder in den interplanetaren Raum zu befördern.
Diese Giganten für den Raumflug erfordern zunächst riesige Spezialanlagen für den Standversuch zur Erprobung der Triebwerke, später für die
Montage und den Start der Rakete auf den Versuchsplätzen. Für den Standversuch mit der aus acht Triebwerken bestehenden SATURN-3tartstufe steht
auf dem Gelände der Marshall-Forschungs- und Versuchsanstalt für Raumflug,
dem ehemaligen REDSTONE-Arsenal in Huntsville, ein 54 m hoher, stählerner
"Prüfstand" bereit. In Cape Canaveral ist der Montageturm für die Testraketen noch in Bau - er wird über 90 m hoch, ein bewegliches Monstergerüst
von den Ausmaßen eines 28stöckigen Hauses.
Antriebssysteme der Zukunft
Neben diesen Raumflugkörpern, die alle zu den "klassischen" chemischen
Verbrennungsraketen gehören, gewinnen allmählich auch die thermischen Atomraketen und die elektrischen Raketen an Bedeutung. Bei der thermischen Atomrakete wird der Treibstoff - vorzugsweise Wasserstoff, vielleicht auch Helium
oder Ammoniakgas in verflüssigter Form - in einem Atomreaktor von möglichst
geringem Eigengewicht auf extrem hohe Gastemperaturen aufgeheizt. Im Rahmen
des Projekts ROVER, eines gemeinsamen Forschungsprogramms von NASA und der
US-Atomenergie-Kommission, untersucht man zur Zeit an Experimentierreaktoren
(KIWI-Serie) tec hnis che Probleme des Nuklearantriebs; Anfang 196l steht in
Nevada eine neue Testzelle zur Verfügung, die außer dem Reaktor auch Raketentriebwerke aufzunehmen vermag. Bei dieser Nuklearrakete gibt es keine che, mische Verbrennung. Ihre Leistung wird vielmehr von der Ausströmgeschwindigkeit der Treibmasse, letzten Endes also von der im Reaktor erzielten Temperatur bestimmt. Da der spezifische Impuls einer solchen Rakete mindestens
dreimal so hoch wie der einer chemischen Rakete sein würde, könnte auch die
von ihr zu befördernde Nutzlast wesentlich schwerer sein.
Von den elektrischen Raketen werden gegenwärtig drei Typen untersucht:
1. die Ionen-Rakete, bei der ein ionisiertes Treibmittel durch elektrostatische Felder beschleunigt und unter hoher Geschwindigkeit ausgestoßen
wird; 2. die Plasma-Rakete, bei der ein Plasma - eine Mischung aus Ionen und

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�Die „anatomische Liegeschale" schützt den Astronauten
in der hermetisch abgeschlossenen MERKUR-Kabine
vor den Auswirkungen der ungeheuren Beschleunigungskräfte.

Eine ATLAS-Rakete mit dem 900 kg schweren Modell
einer MERKUR-Kabine w i r d für einen Flugtest in Cape
Canaveral vorbereitet.
Die Kabine wurde später 2400 km vom Startplatz entfernt aus dem Meer geborgen.

In 12 000 m Höhe hat sich die X-15 gerade vom Trägerflugzeug, einer B-52, gelöst und fliegt mit eigener Kraft.
Nach Abschluß der vorbereitenden Tests sollen mit dieser bemannten Rakete Höhen um 160 km erreicht werden.

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und Elektronen - mittels elektromagnetischer Felder den Schub erzeugt; und
5. die elektrothermische Rakete, bei der das Treibgas elektrisch aufgeheizt
wird.
Elektrische Raketen, gleich welchen Typs, müssen jedoch durch chemische
Raketen erst auf eine Satellitenbahn oder zu einer Raumstation befördert
werden, ehe sie ihre eigene Reise beginnen können; der von ihnen erzeugte
Schub reicht nicht aus, um die Erdanziehung und den Luftwiderstand zu überwinden. Im Weltraum aber, wo.die Gravitationskräfte viel geringer sind, sind
die elektrischen Raketen den "konventionellen" Raketen überlegen, weil ihr
Treibstoffverbrauch minimal, Motor- und Treibstoffgewicht gering sind und
daher mit ihnen Expeditionen über Wochen, Monate oder Jahre durchgeführt
werden könnten.
Hilfsaprgregate
Die Verwendung elektrischer Antriebssysteme ist aber nur möglich, wenn
wartungsfreie und lange Zeit funktionsfähige Stromquellen von möglichst geringem Gewicht verfügbar sind. NASA und die AEC befassen sich zur Zeil in Zusammenarbeit mit der amerikanischen Industrie mit der Entwicklung von Atomund Sonnenkraftgeneratoren, die mindestens ein Jahr lang Strom liefern.
Das Miniatur-Atomkraftwerk 3NAP-2, das kaum größer ist als ein 20-LiterGefäß, ohne Strahlenabschirmung etwa 100 kg wiegt und eine Leistung von 3000
Watt erreicht, wurde bereits erfolgreich erprobt; SNAP-8, ein 30 OOO-.VattAtomgenerator, soll in etwa 5 Jahren einsatzbereit sein. Das jüngste Projekt
ist der Sonnenkraf tgenerator SUNFLOiVER-I, der mittels eines faltbaren, parabolspiegelähnlichen .Värmesammlers von 9&gt;6 m Durchmesser Sonnenenergie einfängt und einen Boiler erwärmt, an den ein Turbogenerator angeschlossen ist;
die Leistung liegt bei 3000 Watt.
Bemannter Raumflug
Das Projekt MERKUR ist die erste Phase in den Bemühungen der Vereinigten
Staaten um den bemannten Raumflug. Das Hauptziel des Frojekts liegt in der Erforschung bzw. Abgrenzung der Möglichkeiten für den Menschen, unter '.Veitraumbedingungen zu existieren. Sieben "Astronauten", von denen einer als erster
Amerikaner den Flug um die Erde in einer Satellitenkapsel wagen wird, werden
zur Zeit in einem intensiven Training physisch und psychisch auf diese Expedition vorbereitet und mit den technischen Voraussetzungen dafür vertraut
gemacht. Der viereinhalbstündige Ausflug in den Weltraum wird bis in etwa
160 km Höhe führen. Nach dreimaliger Erdumkreisung mit 8000 m/sec, wobei
die Flugbahn über Afrika, Australien, Mexiko und die Vereinigten Staaten
führt, wird die Geschwindigkeit durch Bremsraketen, die von Bord der MSRKÜRKapsel oder durch das Funksignal einer Bodenstation gezündet werden, langsam
verringert. Dabei gelangt die Kapsel in immer tiefere Luftschichten, wo der
Luftwiderstand eine zusatzliche Bremswirkung ausübt. In 3000 m Höhe öffnet sich ein Fallschirm, der die Landegeschwindigkeit auf 10 m/sec reduziert. Als
"Landeplatz" ist der Atlantik in der Nähe der Bahama-Inseln vorgesehen; die
MERKUR-Raumkapsel, von der sich der Fallschirm nach dem Wassern löst, ist mit
Schwimmern ausgerüstet, die sie bis zur Bergung über Wasser halten.
Prüfungen

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"AMERIKA DIENST"

Prüfungen im Windkanal und zahlreiche Erprobungen der Raumkapsel
in ballistischen Testflügen (zu denen u.a. die Versuche BIG JOE und
LITTLE JOE im Herbst 1959 gehören), Lande- und Bergungsmanöver gehen
dem eigentlichen Experiment MERKUR voraus, bei dem das Risiko für den
Passagier nicht größer sein soll als es heute für den Testpiloten eines
Flugzeugwerkes ist. Der Astronaut kann während des Flugs über Sprechfunk
mit den zahlreichen Bodenbeobachtungsstationen, die automatisch laufend
Signale über das "Verhalten" des Fluggeräts und seines Passagiers empfangen, in Verbindung treten. Als Trägerrakete der MERKUR-Kapsel ist eine
ATLAS vorgesehen.
Forschungsflugzeug X-15
Mit der X-15 sollen der praktischen Flugforschung Bereiche erschlossen werden, die mit dem Flugzeug nicht mehr zu erreichen sihd, aber auch
noch nicht zum "Weltraum" gehören. Die Operationshöhe dieses 15 m langen,
zigarrenförmigen Flugkörpers mit kurzen Tragflächen und Raketenantrieb
wird oberhalb von 80 000 m liegen.
Ziele des Programms X-15, das von US-Luftwaffe, US-Marine und NASA
gemeinsam durchgeführt wird, sind 1 . Ermittlung der aerodynamischen Aufheizung bei HyperSchallgeschwindigkeit und ihrer Wirkung auf den Flugkörper; 2. Erprobung der Flugstabilität und der Steuerung in sehr dünner
Luft; und 3» Untersuchung der Auswirkung des gewichtslosen Zustandes auf
den Piloten.
Die X-15 kann .nicht vom Boden aus starten, sondern muß von einem Trägerflugzeug - einer B-52 - in etwa 12 000 m Höhe geschleppt werden.
Seit dem 17» September 1959 führte Scott Crossfield als Testpilot bereits
mehrere Motorflüge mit der X-15 aus, wobei 15 000 m Höhe und 2080 km/st
Geschwindigkeit erreicht wurden. Die maximale Leistung der X-15 dürfte
etwa 5800 km/st betragen.
Bildunterschrift; (Deckblatt)
Navigations-Satellit TRANSIT I-B, wie ihn der Zeichner sieht.
Das helle Spiralband auf der Außenseite des Satelliten dient als
Antenne; photoelektrische Zellen am Gürtelwulst laden durch Umsetzung von Sonnenenergie die chemischen Batterien ständig neu auf.
* * * * *

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�A M E R I K A

D I E N S T

PRÄSIDENTSCHAFTSWAHIEN IN DEN USA

�"AMEMU

SIEHST"

3. Juni 1960
VORBEMERKUNG

In den Vereinigten Staaten von Amerika gipfelt das politische Leben
des Landes alle vier Jahre in der Neuwahl des Präsidenten, der zugleich
Staatsoberhaupt und Regierungschef ist. Die Wahlkampagne beginnt, sobald
die ersten Bewerber ihr Interesse für dieses Ant bekunden, und bie dauert
an, bis am späten Abend des ''Zahltages die ersten Teilergebnisse bekanntgegeben Verden. Das gesamte amerikanische Volk verfolgt ihrtn Verlauf mit
grö3ter Spannung und Anteilnahme.

Für die meisten Amerikaner ist dies eine erregende Zeit. Als Spitzenkandidaten werben profilierte Persönlichkeiten um ihre Stimme. Die Diskussion entzündet sich an nichtigen Problemen. Je näher der Wahltag heranrückt, desto temperamentvoller werden die Wahlreden. Argumente und Gegenargumente füllen die Zc i t-un^sspaiter und den Äther.

Wenn jedoch die Wahl entschieden ist, glätten sich alsbald wieder die
Wogen, und alle Beteiligten akzeptierer das Resultat al«* faire Kontrahenten und gute Staatsbürger. Der siegreiche Kandidat betrachtet sich nicht
länger in erster Linie als Führer seiner eigenen Partei, sondern als berufenen Sprecher des ganzen Landes, dem Glück und Wohlergehen des ganzen
Volkes am Herzen liegen.

Wahlrecht, Wahlverfahren und politische Tradition der USA unterscheiden sich in vielen Einzelheiten vor denen anderer Lander. Jiese Schrift
hat sich die Aufgabe gestellt, einige der häufigsten Fragen zu diesem Theaa
in knapper und übersichtlicher Form zu beantworten.

�"AMERIKA DIENST"

3. Juni i960

Wann werden in den USA Präsidentschaftswahlen abgehalten?
Nach den gesetzlichen Bestimmungen finden die Präsidentschaftswahlen alle vier Jahre am eisten Dienstag nach dem ersten. Montag im November statt. Alljährlich v/erden außerdem in den USA viele Staats- und
Kommunalämter durch Wahlen neu "besetzt.

Wann finden in diesem Jahr die Präsidentschaftswahlen statt?
Wahltag ist im Jahre 196O der 8. November.

Welche Ämter sind außer denen des Präsidenten und des Vizepräsidenten
am 8. November zur Wahl ausgeschrieben?
Zur Wahl stehen 27 Gouverneure von Einzelstaaten, 34 Senatoren,
alle 437 Mandate des Repräsentantenhauses und Hunderte von Staats- und
Kommunalämtern - Mandate der einzelstaatlichen Parlamente, Richter, Bürgermeister usw.

Nach welcher Regel werden die Senatoren neugewählt?
Dem Senat gehören zwei Vertreter für jeden der 50 Bundesstaaten,
also 100 Senatoren an. Ihre Mandate dauern jeweils sechs Jahre, doch
wird nach der Verfassung immer rund ein Drittel der Senatoren in Abständen von zwei Jahren neugewählt.

Nach welcher Regel werden die Mitglieder de3 Repräsentantenhauses neugewäh-It?
Dem Repräsentantenhaus gehörten bis zum Jahre 1959»in äem Alaska und
Hawaii als vollberechtigte Gliedstaaten in die Union aufgenommen wurden,
435 Abgeordnete an. Da jeder Staat Anspruch auf mindestens ein Abgeordnetenmandat hat, erhöhte sich diese Zahl auf 437 Mandate. Das ganze Repräsentantenhaus wird in Abständen von zwei Jahren, und zwar in den Jahren mit
gerader Jahreszahl»neugewählt,
Die Zahl der Mandate wurde im Jahre 192'9 "für immer" auf 435 festgesetzt. Alle zehn Jahre findet eine Volkszählung statt, damit die Zuteilung
der Mandate an die Einzelstaaten immer ihrem jeweiligen Bevölkerungsanteil
angepaßt werden kann. Gegenwärtig vertritt jeder Abgeordnete durchschnittlich rund 400 000 Landesbewohner, Nach der Volkszählung von 196O muß eine
Neuverteilung der Mandate vorgenommen werden, doch bleibt es dem Repräsentantenhaus selbst überlassen, ob es die Zahl seiner Mitglieder wieder auf 435
beschränken, den gegenwärtigen Stand beibehalten.oder sogar erhöhen will,
da die Verfassung keine Begrenzung vorschreibt. Die Einteilung der Wahlkreise
nach Maßgabe der zugeteilten Mandate ist Sache der einzelstaatlichen Parlamente .

Wer ist wahlberechtigt? •
Wählen darf jeder, der durch Geburt oder Einbürgerung die amerikanische Staatsangehörigkeit erworben und das durch einzelstaatliche Gesetze

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3. Juni 1960

Gesetze unterschiedlich bestimmte Mindestalter erreicht hat. In den meisten Staaten beginnt die Wahlberechtigung mit dem vollendeten 21. Lebensjahr, in einigen jedoch schon mit dem 19« oder 18. Lebensjahr.

Wie groß ist normalerweise die Wahlbeteiligung?
Bei den allgemeinen Wahlen im November 1956 wurden über 62 Millionen
Stimmen abgegeben, d.h. rund 60 Prozent aller Stimmberechtigten nahmen an
den Wahlen teil. Die Wahlbeteiligung hängt weitgehend davon ab, welche
Probleme zur Entscheidung anstehen, wie groß das persönliche Prestige
der jeweiligen Kandidaten und wie ausgeglichen das Kräfteverhältnis zwischen den Parteien und ihrer Wählergefolgschaft ist. Die politischen Parteien, die Kandidaten selbst und Organisationen wie die League of Women
Yoters (Wählerinnen-Liga) unternehmen die größten Anstrengungen, um so
viele Frauen und Männer wie möglich zur Stimmabgabe zu bewegen. Es ist
jedoch völlig ins Ermessen des einzelnen Bürgers gestellt, ob er von seinem Wahlrecht Gebrauch machen will oder nicht.

Sind auch die Neger und andere Minderheiten wahlberechtigt?
Jeder Bürger der USA, der lesen und schreiben kann, die Ansässigkeitsbedingungen erfüllt, sich fristgemäß in die Wählerlisten eintragen läßt
und in den Staaten, wo das Wahlrecht allgemein von der Entrichtung einer
Wahlsteuer abhängig gemacht wird, diese Steuer bezahlt hat, ist wahlberechtigt und macht in der Regel von seinem Wahlrecht Gebrauch. Der im
Jahre 1870 ratifizierte Zusatzartikel 15 der Bundesverfassung bestimmt,
daß das Wahlrecht keinem Bürger "auf Grund der Rassenzugehörigkeit, Hautfarbe oder vormaliger Dienstbarkeit vorenthalten oder eingeschränkt werden
darf". Im Jahre 1920 wurde durch den Zusatzartikel 19 auch das allgemeine
Frauenwahlrecht in der Verfassung verankert.

Was verlangen die Ansässigkeitsvorschriften?
Die einzelstaatlichen Gesetze legen unterschiedliche Bedingungen fest.
In den meisten Staaten wird die Wahlberechtigung von einjähriger Ansässigkeit im Staatsgebiet oder einer kürzer bemessenen Ansässigkeit in ein und
derselben Gemeinde abhängig gemacht. Außerdem muß sich der Wähler mehrere
Wochen vor dem Wahltermin in die Wählerliste eintragen lassen. Diese Vorschriften erschweren Personen, die häufig ihren Wohnsitz oder Aufenthaltsort wechseln, die Ausübung ihres Wahlrechts, doch wurden sie erlassen,
um Mißbräuchen vorzubeugen.

Wie gibt der Wähler seine Stimme ab?
Beim Wahlvorgang ist die geheime Stimmabgabe sichergestellt. Der Wähler begibt sich in das Wahllokal seines Wohnbezirks und kreuzt dort in
einer abgeschlossenen Kabine seinen Stimmzettel an. In vielen Gemeinden
sind bereits Wahlmaschinen vorhanden, bei denen der Wähler seine Stimme
abgibt, indem er bestimmte Tasten und Hebei betätigt. In der Umgebung
der Wahllokale ist keinerlei Wahlpropaganda gestattet. Vertreter der

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der einzelnen Parteien überwachen gemeinsam die strikte Beachtung der
Geheimhaltungsvorschriften.

Können Wahlberechtigte auch außerhalb ihrer Heimatgemeinde wählen?
Wahlberechtigte, die sich am 7/ahltag außerhalb ihres ständigen Wohnsitzes aufhalten, auf Reisen sind, wegen Krankheit oder ähnlicher Umstände
das Wahllokal ihres Wohnbezirks nicht aufsuchen können, haben in den meisten Staaten der USA die Möglichkeit, von der Briefwahl Gebrauch zu machen.
Auf Antrag erhalten sie einen Stimmzettel, den sie bereits einige Zeit
vor der Wahl ausgefüllt zurücksenden müssen. Dieses System wurde erstmals
während des amerikanischen Bürgerkrieges (1861-1865) eingeführt, um auch
den Soldaten die Teilnahme an den Wahlen zu ermöglichen.

Müssen die Wähler einer politischen Partei angehören?
Für die allgemeinen und lokalen Wahlen selbst gibt es keine solche
Verpflichtung. Anders verhält es sich jedoch mit den "Vorwahlen1 (primaries),
die in einigen Staaten abgehalten werden. Bei ihnen dürfen nur eingeschriebene Mitglieder anerkannter Parteien ihre Stimme abgeben. Sie wurden eingeführt, um die Auswahl der Kandidaten auf eine breitere Basis zu stellen
und die Einflußnahme der Parteifunktionäre auf diese Vorentscheidungen
einzuschränken.

Was veranlaßt die Wähler, der einen oder anderen Partei ihre Stimme zu geben?
Häufig spielen Familientraditionen oder Umweltfaktoren eine Rolle, in
gewissem Grade auch berufliche bzw. wirtschaftliche Interessen. Viele Amerikaner finden aber nichts dabei, gelegentlich die Parteizugehörigkeit zu
wechseln. Andere, die prinzipiell keiner Partei beitreten, treffen ihre
Wahl auf Grund der Stellungnahmen der Parteien zu aktuellen Problemen oder
nach ihrer persönlichen Einschätzung der Spitzenkandidaten.

Wie viele Parteien gibt 08 in den USA?
In den USA besitzt das Zweiparteiensystem eine ausgezeichnete Tradition, obwohl auch einige kleinere Parteien mit fester Gefolgschaft vorhanden sind. Gelegentlich entstehen im Zusammenhang mit öffentlichen Auseinandersetzungen über leben»wichtige Fragen "dritte" Parteien, die den beiden
Traditionsparteien - der Demokratischen Partei und der Republikanischen
Partei - größere Wählergruppen abspenstig machen. Unter den kleineren
Parteien mit mehr oder minder festem Wählerstamm sind zwei sozialistische
Parteien - die "Socialist Labor Party" und die "Socialist Workers Party" sowie die für gesetzliche Einschränkung des Alkoholkonsums eintretende
"Prohibition Party" zu erwähnen.

Wie ist das Zweiparteiensystem der USA entstanden?
Unmittelbar nach Annahme der Bundesverfassung im Jahre 1787 formierten sich in den USA zwei locker verbundene, aber deutlich gegeneinander
abgegrenzte politische Meinungsgruppen, die sich zum Ende der Amtszeit des

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des ersten Präsidenten, George Washington, zu regelrechten Parteien konsolidierten. Von diesen scharte sich die Demokratisch-Republikanische
Partei um Thomas Jefferson, den Verfasser der Unabhängigkeitserklärung,
während Alexander Hamilton, der erste Finanzminister der USA, die Föderalisten anführte. Von der Hamilton-Partei stammt die im Jahre 1854
neu organisierte heutige Republikanische Partei ab, während die heutige
Demokratische Partei auf die Jefferson-Partei zurückgeht.

Welche Vorteile hat das Zweiparteiensystem?
Als besonderer Vorzug des Zweiparteiensystems gilt, daß es eine kontinuierliche, stetige Führung der Regierungsgeschäfte gewährleistet, über
die sowohl die Regierungspartei als auch die Oppositionspartei mit gleicher Aufmerksamkeit wachen. Das Zweiparteiensystem gibt dem Wähler die
Möglichkeit der Wahl zwischen verschiedenen Kandidaten und politischen
Konzeptionen, schützt ihn jedoch vor Verwirrung durch eine übergroße
Vielzahl der ParteiProgramme und Kandidaten. Obwohl innerhalb der beiden Parteien im allgemeinen unterschiedliche Auffassungen herrschen, bietet das Zweiparteiensystem in der Regel die Möglichkeit, wichtige Gesetzes•vcrlagen mit klaren Mehrheiten zu verabschieden.

Bestehen zwischen den beiden großen Parteien grundlegende Unterschiede?
In bestimmten Perioden der amerikanischen Geschichte vaien zwischen
ihnen scharfe Gegensätze vorhanden, doch treten diese heute weniger stark
in Erscheinung. Die Unterschiede sind jetzt vornehmlich auf die Innenpolitik beschränkt. Jede der beiden Parteien will auf ihre Weise für wirtschaftliche Stabilität sorgen und Inflationstendenzen bekämpfen. In beiden
mischen sich unterschiedliche Elemente: Konservative und Liberale, Lohnarbeiter und Bankiers. Jeitgehende Übereinstimmung besteht in der außenpolitischen Zielsetzung, so daß sie sich auch über Einzelfragen der Auslandsbeziehungen normalerweise leicht zu einigen vermögen. Republikaner
und Demokraten unterstützen beide tatkräftig die Vereinten Nationen,
bejahen die Wirtschafts- und Verteidigungshilfe an befreundete Länder und
befürworten international« Zusammenarbeit zur Erhaltung des Friedens.

Hat .jemals eine "dritte Partei" die amerikanische Politik beeinflußt?
Ja, aber immer nur für kurze Zeit. Verschiedentlich entstanden "dritte
Parteien" aus Protest gegen führende Persönlichkeiten einer der alten Traditionsparteien oder aus dem Wunsch nach einer Kursänderung der Regierungspartei. Der vormalige republikanische Präsident Theodore Roosevelt gründete beispielsweise für die Wahlen des Jahres 1912 eine dritte Partei mit
einem eigenen Programm, um mit Hilfe unabhängiger Wähler seinen Standpunkt
gegen die republikanische Parteiführung durchzusetzen. Seine Kandidatur
führte jedech zu einer Spaltan? der republikanischen Wählerschaft und
brachte somit den Demokrater Wocdrow Wilsor an die Regierung. Danach fiel
seine "dritte Partei" rasch auseinander, und deren Wähler gingen alsbald
wieder ins Lager einer der beiden großen Parteien über.
Ist

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Ist die Kommunistische Partei in den USA verboten?
Die KPdUSA ist weder vom Kongreß noch vom Obersten Bundesgerichtshof der USA für illegal erklärt vorden. Ihre politische Tätigkeit unterliegt nur gewissen Beschränkungen. Beispielsweise darf sie sich nicht mit
Kandidaten für politische Ämter an Wahlen beteiligen.
Werden bestimmte Parteien von Run.lfunk- oder Fernsehanstalten unterstützt?
Nein; das Gesetz schreibt vielmehr vor, daß den miteinander konkurrierenden Kandidaten politischer Parteien gleiche Sendezeit einzuräumen ist.
Welche Rolle spielt die Presse in der Wahlkampagne?
Im allgemeinen bildet sich der Amerikaner seine politische Meinung
auf Grund von Presse-, Rundfunk- und Fernsehberichten über ak'.. .eile politische Ereignisse und Probleme. Am genauesten kann er die laufende Entwicklung in den Tageszeitungen verfolgen, die in den Monaten vor dem Wahltag regelmäßig viele Spalten mit parteiamtlichen Erklärungen, Reden und
Interviews prominenter Kandidaten und Politiker sowie mit Reportagen
über Parteimanöver füllen. Diese Meldungen werden ergänzt durch sachkundige Kommentare und redaktionelle Leitartikel, die sich mit den Kandidaten
und den politischen Kernproblemen befassen.
Ist das F'-' tnsehen ei,. wichtiger '.Vahlkampf f aktor?
Ja, und zwar insofern, al3 es den Präsidentschaftskandidaten die Möglichkeit bittet, dtr ganzen Nation ihre Auffassungen von Angesicht zu Angesicht vorzutragen, andererseits vermittelt es vielen Millionen Wählern
einen persönlichen Eindruck auch von weniger bekannten Bewerbern,
Mit welchen Mitteln betreiben die Kandidaten ihre Wahlkampagne?
Außer den Fernsehansprachen halten sie zahlreiche Reden auf Wahlversammlungen, Wahlhelfertreffen, Wahlkampfdiners, Empfängen usw. Ferner besuchen sie Fabrikei, Landgemeinden und lokale Veranstaltungen. Ihre Wahlkampfleiter bringen Flugblätter und Broschüren zur Verteilung, setzen Lautsprecherwagen ein, placieren Zeitun^sinserate und Radioaufrufe. Einige Kandidaten und Wahlhelfer hallen unbeirrt an der bewährten alten Methode der
Hausbesuche in ihrem Wahlbezirk fest.
Unterscheidet sich der Wahlkampf vor den Präsidentschaftswahlen von
anderen Kampagnen?
Vor Präsidentschaftswahlen werden die Wahlfeldzüge natürlich in wesentlich größerem Stil aufgezogen. Die Kandidaten für das Amt der Präsidenten oder des Vizepräsidenten sind bestrebt, möglichst viele Staaten
persönlich aufzusuchen und an möglichst vielen Orten ihre Ansichten über

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über die wichtigsten Fragen der Innen- und Außenpolitik zu erläutern.
Heute kann man in kurzer Zeit große Entfernungen mit dem Flugzeug überbrücken, doch haben auch Wahlreisen mit dem Sonderzug viel für 3ich.
Präsident Trumans Wiederwahl im Jahre 1948 wird nicht zuletzt auf die
vielen Ansprachen zurückgeführt, die er auf jeder der zahlreichen Zwischenstationen seiner Eisenbahnrundfahrt durch die USA vom Zuge aus zu
halten pflegte.
Wie lange dauert die Wahlkampagne?
Man kann sagen, daß sie für die meisten Bewerber mit dem Entschluß
zur Anmeldung der eigenen Kandidatur beginnt und bis zum Wählerentscheid
am Wahltag andauert, sofern sie ihre Kandidatur nicht schon vorher zugunsten eines aussichtsreicheren Kandidaten ihrer eigenen Partei zurückgezogen haben. Auf volle Touren kommt der Wahlkampf aber erst nach den
Landeskonventen, die die beiden großen Parteien im Juli abhalten.
In welchem Verhältnis steht der Präsident nach seinem Amtsantritt zu
seiner Partei?
Als höchster politischer Repräsentant seines Volkes hat der Präsident
nach allgemeiner Auffassung über den Parteien zu stehen. Mit seinem Amtseid verpflichtet er sich, seine Aufgaben zum Besten des ganzen Volkes zu
versehen. Nominell bleibt er jedoch der Führer seiner Partei, wird zur
Beratung aller wichtigen Parteiangelegenheiten hinzugezogen und tritt auch
bei späteren Wahlkampagnen während seiner Amtszeit für seine Partei ein.
Kann jeder Staatsbürger der USA Präsident werden?
Man sagt, jede amerikanische Mutter träume davon, daß ihr Sohn eines
Tao'es Präsident der USA werden könnte. Der reale Hintergrund dieser Behauptung ist, daß die früheren Präsidenten tatsächlich den verschiedensten
Schichten, Bevölkerungs- und Berufsgruppen entstammten. Nach den Verfassungsbestimmungen müssen die Kandidaten für das Präsidenten- und das Vizepräsidentenamt von Geburt an die Staatsbürgerschaft der USA besitzen, mindestens 35 Jahre alt sein und mindestens 14 Jahre lang in den USA ihren Wohnsitz gehabt haben.
Können sich naturalisierte Staatsbürger der USA um poli tische Xmter bewerben?
Jaj die einzigen Ausnahmen von der Regel sind die Präsidentschaft und
die Vizepräsidentschaft. Voraussetzung für die Wählbarkeit in den Senat ist
jedoch eine mindestens neunjährige Staatsangehörigkeit, für die Wählbarkeit
ins Repräsentantenhaus eine mindestens siebenjährige Staatsangehörigkeit.
Kann ein Kandidat gleichzeitig für mehrere Ämter kandidieren?
Die Gesetze verschiedener Einzelstaaten sehen diese Möglichkeit vor.
Beispielsweise könnte ein Senator, dessen Mandat im Jahr der Präsidentschaftswahlen abläuft, gleichzeitig seine Wiederwahl betreiben und die

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die Hominierung zum Präsidentschaftskandidaten annehmen. Sollte er aus beiden Konkurrenzen als Sieger hervorgehen, so würde er vor seiner Vereidigung
als neuer Präsident der USA auf das geringere Amt verzichten»
Von welchen Par^eigremien werden die Spitzenkandidaten aufgestellt?
Jede Partei hält einen Landeskonvent ah, auf dem die Nominierung der
Spitzenkandidaten erfolgt. Die Delegierten, die die Parteiorganisationen
der Einzel Staaten zu den Landeskonventen entsenden, wurden zuvor in den meisten Staaten auf Staatskonventen gewählt. In den übrigen Staaten wurden sie
durch "Vorwahlen" (primaries) ermittelt oder durch Parteikomitees beauftragt.
Wer legt die Delegiertenzahl der Landeskonvente fest?
Dies ist Aufgabe der Landeskomitees, der obersten Vollzugsorgane der
politischen Parteien. Bei ihren Zuteilungsbeschlüasen berücksichtigen diese
sowohl die Erfahrungen früherer Wahlkampagnen als auch Stärke und Bedeutung
der einzelstaatlichen Parteiorganisationen.
Wie viele Delegierte nehmen an den Landeskonventen teil?
Die Gesamtzahl weist alle vier Jahre gewisse Schwankungen auf. Zum
Republikanischen Landeskonvent im kommenden Juli werden 1331 und zun Demokratischen Landeskonvent 1521 Delegierte aufgeboten. Die Nominierung des
Präsidentschafts- und des Vizepräsidentschaftskandidaten muß jeweils von
der Mehrheit der Delegierten gebilligt werden.
Inwieweit hat der einfache Bürger ein Mitspracherecht bei der Kandidatenauswahl
In den 15 Einzelstaaten, die "Vorwahlen" (primaries) zur Ermittlung
der Delegierten für die Landeskonvente der großen Parteien abhalten, können
alle Teilnahmeberechtigten, d.h. alle Mitglieder der betreffenden Partei,
gleichzeitig den von ihnen bevorzugten Präsidentschaftskandidaten ankreuzen
oder den Namen eines nicht aufgeführten Vorzugskandidaten nachtragen. Solche
"Präferenzen" sind zwar für die Delegierten auf den Landeskonventen nicht
durchweg verbindlich, doch geben sie in der Regel einer breiteren Öffentlichkeit schon lange vor den Wahlen Aufschluß darüber, welche Kandidaten in
welchen Gebieten besonders populär sind.
Wie wichtig sind die "Vortrahlen" für die Präsidentschaftskandidaten?
Vielfach haben die "Vorwahlen" (primaries) die Bedeutung von Ausscheidungsstechen zwischen mehreren Kandidaten derselben Partei. Gewinnt ein Bewerber eine solche "Vorwahl" in. einem bestimmten Staat, so stärkt die3 sein
Prestige innerhalb der eigenen Partei und im ganzen Lande, da der Sieg als
Indiz seiner Zugkraft und Beliebtheit bei den Wählern bewertet wird. Andererseits kann eine schwere Niederlage bei einer "Vorwahl" zur Folge haben,
daß er für den Landeskonvent seiner Partei als ernsthafter Bewerber um die
Spitzenkandidatur ausscheidet. Obwohl einige Kandidaten dieses Risiko scheuen.

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scheuen, müssen sie sich doch häufig schon deshalb bei "Vorwahlen" aufstellen lassen, um ihre Erfolgsaussichten zu erproben und glaubhaft zu
machen.
Welche anderen Möglichkeiten besitzen die Bürger, um die Kandidatenauswahl
zu beeinflussen?
In vielen Einzelstaaten, die keine "Vorwahlen" (primaries) abhalten,
sind die Parteiorganisationen bestrebt, durch Meinungsumfragen und Situationsanalysen den Wählerwillen im voraus zu ergründen. Den Wählern steht es im
übrigen Trei, Aktionsgruppen und Wählergemeinschaften zur Unterstützung
bestimmter Kandidaten zu gründen. Für die Nominierung der Spitzenkandidaten
sind jedoch letztlich die Delegierten der Landeskonvente allein zuständig.
Durch welche Qualifikationen empfiehlt sich ein Bewerber normalerweise
dem Landeskonvent als aussichtsreicher Präsidentschaftskandidat?
Die meisten Kandidaten haben sich durch Bewährung in anderen Ämtern oder
durch hervorragende Verdienste um das Gemeinwohl im ganzen Lande einen guten
Ruf, eine breite Gefolgschaft oder beides erworben. Als gute Sprungbretter
für eine Präsidentschaftskandidatur gelten: das Gouverneursamt in volkreichen Einzelstaaten, Senats- oder Abgeordnetenmandate im Kongreß sowie andere
verantwortungsvolle Positionen und hohe Vertrauensstellungen,
Wann werden die großen Parteien im Jahre 1960 ihre Spitzenkandidater. nominieren?
Die Demokratische Partei hat ihren Landeskonvent zum 11. Juli nach
Los Angeles im Staate Kalifornien einberufen. Die Republikaner werden ihren
Landeskonvent zwei Wochen später, am 25. Juli, in Chicago im Staate Illinois
eröffnen. In der Regel geht der Bundeskongreß vor Beginn der Landeskonvente
in Sommerferien, damit seine Mitglieder an deren Sitzungen und anschließend
an der intensiven Kampagne für die Novemberwahlen teilnehmen können.
Waa verstfeht man unter einem "favorite-son"-Vorschlag bei der KandidatenNominierung?
Als "Lieblingssohn" (favorite son) bezeichnet man einen Kandidaten, dem
auf dem Landeskonvent alle Delegierten seines eigenen Staates^m ersten Durchgang ihre Stimme geben, um ihm ihre Anerkennung für seine Verdiente um die
Parteiorganisation des betreffenden Staates zu bekunden. Normalerweise stimmt
dann dieselbe Delegation bei den folgenden Durchgängen für einen der aussichtsreichsten Bewerber. Meist handelt es sich bei den "Lieblingssöhnen" um
Staatsgouverneure.
Stimmt es. daß die Staaten mit den meisten Einwohnern wie'New York.
Pennsylvanien und Kalifornien oft den Ausgang der Präsidentschaftswahlen
entscheiden?
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5. Juni 1960

Dies trifft weitgehend zu, un" deshalb konzentrieren die Spitzenkandidaten ihre Anstrengungen während der Wahlkampagne hauptsächlich auf diese
und einige andere "Schlüsselstaaten". Im Rahmen des amerikanischen Systems besitzt jeder Einzelstaat einen seinem Bevölkerungsanteil entsprechenden Anteil der Wahlmännerstimmen. Das Wahlmännerkollegium, das den
Präsidenten wählt, verfügt zur Zeit über insgesamt 537 Stimmen (entsprechend der Zahl der Kongreßmitglieder), und derjenige Kandidat gilt als
gewählt, der die Mehrheit dieser Stimmen auf sich vereinigt. Die Wahlmänner jedes Einzelstaates stimmen geschlossen für den Kandidaten, der
zuvor in ihrem eigenen Staat die meisten Stimmen erhielt.
Ein Beispiel: In Kalifornien entfielen bei den Präsidentschaftswahlen
des Jahres 195^ auf den republikanischen Kandidaten rund 3 Millionen und
auf den demokratischen Kandidaten rund 2,4 Millionen Stimmen. Im Wahlmännerkollegium bekam demgemäß der republikanische Kandidat alle 32 kalifornischen Wahlmänner3timmen. Bei einem ziemlich ausgeglichenen Wahlergebnis kann es infolgedessen vorkommen, daß der Kandidat, dessen Partei
nach Gesamtstimmen im ganzen Lande knapp unterlag, im Wahlmännerkollegium obsiegt, wenn sein Gegner weniger Wahlmännerstimmen erhält. Dieser
Fall trat zurr, letzten Mal im Jahre 1888 ein.
Wer übernimmt die Präsidentschaft, falls der gewählte Präsident
amtsunfähig wird?
Der gesetzliche Nachfolger des Präsidenten ist, falls dieser stirbt,
zurücktritt oder aus anderen Gründen seine Amtszeit nicht zu Ende führen
kann, der Vizepräsident. Stößt dem Vizepräsidenten etwas zu, so treten
gemäß den Verfassungsbestimmungen die Inhaber anderer Ämter in der nachstehenden Reihenfolge an seine Stelle: der Sprecher des Repräsentantenhauses, der amtierende Senatapräsident, der Außenminister, dann andere
Kabinettsmitglieder.
Ist die Amtsdauer des Präsidenten gesetzlich befristet?
Ja; durch den 22. Verfassungszusatz wurde im Jahre 1951 bestimmt,
daß ein Präsidentschaftskandidat nur zweimal für eine vierjährige Amtsperiode gewählt werden darf. Diese Regelung entspricht der von dem ersten
Präsidenten der USA, George Washington, geschaffenen Tradition. Präsident Franklin D. Roosevolt wurde jedoch viermal nacheinander zum Präsidenten gewählt; er ~ Larb wenige Monate nach seiner dritten &lt;Viederwahl.
Zum ersten Mal gelangt die neue Verfassungsbestimmung auf Präsident
Eisenhower zur Anwendung.
Sind viele Vizepräsidenten später zu Präsidenten gewählt worden?
Dies war verhältnismäßig selten der Fall. Von den Anfangszeiten der
Republik ab£esehen, gelangten jene Vizepräsidenten, die später zu Präsidenten gewählt wurden, in der Regel zunächst durch den Tod des Präsidenten
in das höchste Amt und stellten sich dann zur Wahl, um es aus eigener Krafl
nochmals zu erringen.
Wie
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Wie konmt es, daP die USA gegenwärtig einer republikanischen Präsidenten
und einen Kongreß mit demokratischen Mehrheiten haben?
Da der 7/ähler nicht gezwungen ist, eine komplette Parteiliste zu
wähler, kann er seine Stimme spalten und beispielsweise den Präsidentschaftskandidaten der einen Partei und die Kongreßkandidaten der anderen
Partei wähljn. Möglicherweise wurde auch die Zusammensetzung des Kongresses bei früheren Wahlen deutlich zugunsten der einen Partei bestimmt,
während die andere Partei bei einer späteren '.Yahl ihren Präsidentschaftskandidaten durchbringt, wie es 1952 der Fall war. Der Senat hat beispielsweise eine klare demokratische Mehrheit} da bei den diesjährigen Wahlen
nur ein Drittel der Senatsmandate erneuert wird, dürften die Demokraten
auch weiterhin die Kontrolle des Senats behalten. Rascher können die Mehrheitsverhältnisse im Repräsentantenhaus wechseln, das im November - wie
in jedem zweiten Jahr - gänzlich neu gewählt wird.
Sind die Befugnisse des Präsiderten häufigen Änderungen ausgesetzt?
Die von der Verfassung ziemlich großzügig umschriebenen Befugnisse
des Präsidenten werden selten modifiziert. In augenfälliger V/eise ändern
können sich jedoch Stil und Konzeption ihrer Ausübung und Auslegung
durch den jeweiligen Präsidenten, und zwar von einem Regierungswechsel
zum andern.
Beteiligen sich die Frauen aktiv am Wahlkampf?
Ja; überall gibt es Frauen in den Parteikomitees der verschiedenen
Ebenen,.wo sie maßgeblich an der Formulierung der politischen Programme,
an der Planung des Wahlfeldzuges und an der Festlegung der Wahlkampftaktik
teilnehmen. Natürlich könren sie auch für jedes zur Wahl ausgeschriebene
Amt kandidieren. Zwar hat sich bisher ncch keine Frau um das Amt des Präsidenten oder Vizepräsidenten beworben, doch eroberten Frauen zahlreiche
andere wichtige Positionen, darunter Kongreßmandate, Gouverneursämter,
zahlreiche Sitze in einzelstaatlichen Parlamenten sowie Richterstellen.
Die Frauenverbände machen außerdem starken Einfluß geltend, um möglichst
viele wahlberechtigte Bürger zur Ausübung ihres Stimmrechts zu bewegen.
Können Minderheitsgruppen den Ausgang der Präsidentschafta'.vahlen
beeinflussen?
Jeder Staatsbürger hat dasselbe Mitbestimmungsrecht: er muß nur
Gebrauch davon machen. Insofern hat jeder Wähler, der einer Minderheit
angehört, durch seine Stimme denselben Einfluß auf den Wahlausgang wie
alle anderen Wähler auch. Die verschiedenen Rassen- und Nationalitätengruppen stellen in den USA keine politischen Minderheiten dar, da sie in
beiden großen Parteien mitwirken und vertreten sind. Einen gewichtigen
Einfluß können solche Minderheiten allerdings von Fall zu Fall geltend
machen, wenn Probleme zur Debatte stehen, die ihre Mitglieder in besonderem Maße berühren.
Wie

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"AMERIKA DIENST"

J. Juni 196O

.7ie finanzieren die Parteien die Wahlkampagnen?
Die Mittel für den Wahlkampf v/erden ausschließlich durch freiwillige
Beitrage aufgebracht. Die Höhe solcher Spenden ist gesetzlich auf 500C
"Dollar (für die allgemeinen Wahlen) begrenzt, um einer ungebührlichen
Einflußnahme einzelner Förderer vorzubeugen. Normalerweise schwanken
die Beiträge jedoch zwischen einem und 500 Dollar; weitaus die meisten
liegen unter 100 Dollar. Als ebenso beliebtes wie wirksames Mittel zur
Füllung des Wahlkampffonds hat sich in letzter Zeit die Veransteltung
sogenannter "testimonial dinners" eingebürgert. Zu diesen Galadiners,
die vor den Wahlen in unzähligen Städten und Ortschaften des ganzen Landes stattfinden, werden einige prominente Gäste - Kandidaten und andere
führende Persönlichkeiten der Partei - eingeladen. Ein Gedeck kostet in
der Regel 100 Dollar. Bisweilen kommen bei solchen Wahlkampfbanketten
mehrere tausend Parteifreunde zusammen.
7/ann wird der neue Präsident sein Amt antreten?
Der nächste Präsident der USA wird am 20. Januar 1961 » um die Mittagszeit, in der Bundeshauptstadt Washington in sein Amt eingeführt.

* * * * *

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Allg./5.6.1960

WORTLAUT DER AUSFÜHRUNGEN DES AMERIKANISCHEM AUSSENMINISTERS
Christian A. Herter vor dem Außenpolitischen Ausschuß des
amerikanischen Senats am 27. Mai 196O

�WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Außenminister
Christian A. Herter nahm am Freitag, dem 27« Mai i960,
vor dem Außenpolitischen Ausschuß des US-Senats eingehend zu den jüngsten politischen Ereignissen Stellung
und gab einen detaillierten Bericht über die Pariser
Konferenz, ihre Vorbereitung sowie den "U-2"-Flugzeugzwischenfall. Herter betonte insbesondere, daß die USA
weiterhin mit den Sowjets verhandeln wollen, daß die
freie Welt jedoch wachsam bleiben müsse.

I. Die Vorgeschichte der Gipfelkonferenz
A. Die Bedrohung Berlins
Um verstehen zu können, was in Paris geschah, müssen wir auf die
vergangenen 13 Monate zurückblicken.
Im November 1958 entwickelte die UdSSR eine neue Strategie, die
darauf ausgerichtet war, die Lage in Berlin und in Ostdeutschland zu
ihren Gunsten zu ändern. Wenn die Westmächte sich weigern sollten,
ihre gegenwärtige Position in Berlin aufzugeben und der Umwandlung
West-Berlins in eine sogenannte "Freie Stadt" zuzustimmen, dann, so
teilten die Sowjets mit, hätten sie die Absicht, nach sechs Monaten
einseitig vorzugehen und der sogenannten Deutschen Demokratischen
Republik die volle Souveränität zu übertragen und damit die Alliierten
vor die Alternative der Kapitulation oder der Zuflucht zur Gewalt zu
stellen, der durch kommunistische Streitkräfte begegnet würde. Obgleich
sich diese Strategie in ihrem Verlauf als flexibler erwies, als in der
ursprünglichen Erklärung zu erkennen war, so ist sie doch noch immer die
offizielle Politik der UdSSR. Ihre Stärke liegt in dem Vermögen der
Sowjets, Berlin zu bedrohen, wo wir moralisch verpflichtet, aber physisch
exponiert sind.
Die Westmächte wiesen den sowjetischen Vorschlag selbstverständlich
sofort zurück und bekräftigten ihre Entschlossenheit, zu Berlin zu stehen.
In den darauffolgenden Monaten, in denen die UdSSR ihre Strategie
entfaltete und vorantrieb, stimmten die Westmächte ihre Pläne ab, um
ihr zu begegnen. Sie suchten die UdSSR zu Verhandlungen zu bewegen, um
dadurch ihre Absichten klarer zu erkennen und entweder für den Westen
annehmbare Lösungen zu erreichen oder zumindest die UdSSR zu überzeugen,
daß einseitige Maßnahmen gegen Berlin nicht rechtmäßig und klug wären.
B. Aufnahme von Verhandlungen mit der UdSSR
Es stand keineswegs von vornherein fest, ob die UdSSR auf einer
annehmbaren Basis verhandeln würde. Im Januar 1959 schlug die UdSSR
eine Konferenz vor, um einen Friedensvertrag mit den beiden Teilen
eines für immer geteilten Deutschland zustande zu bringen. Die Westmächte beharrten auf ihrem Standpunkt, daß ein Friedensvertrag nur mit

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1

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�mit einem vereinigten Deutschland ausgehandelt und abgeschlossen werden
kann, daß also daher zuerst die Wiedervereinigung Deutschlands geregelt
werden muß. Sie hielten weiter daran fest, daß die einzige wirkliche
Lösung für Berlin darin liegt, daß es die Hauptstadt eines wiedervereinigten Deutschland wird, und sie waren daher nicht bereit, die BerlinFrage als isoliertes Problem zu behandeln. Die UdSSR hatte jedoch schon
seit einiger Zeit den Standpunkt vertreten, daß die Wiedervereinigung
die alleinige Angelegenheit der Deutschen sei, und weigerte sich daher,
über sie zu sprechen.
Der Westen ließ während der Monate Februar und März in seinen Bemühungen nicht nach, die Russen irgendwie zum Verhandeln zu bringen. Er
schlug eine Konferenz der Außenminister vor - mit der Aussicht auf eine
mögliche Gipfelkonferenz, wenn die entsprechenden notwendigen Vorbereitungen getroffen worden seien. Die UdSSR hatte schon seit dem Jahre 1956
wiederholt den Wunsch nach einer solchen Konferenz zu erkennen gegeben.
Schließlich wurde eine Kompromißtagesordnung, die die wesentlichen Ansichten beider Seiten nicht präjudizierte, für eine Außenministerkonferenz angenommen und ein Datum für eine solche im Mai festgelegt - kurz vor dem
Zeitpunkt, an dem die ursprünglich von der Sowjetunion für die Annahme ihrer
willkürlichen Forderungen in Berlin gesetzte Frist ablief.
C. Toter Punkt der Außenministerkonferenz
Während der intensiven Vorbereitungen für die Konferenz entwickelten
die Westmächte eine Version ihres grundsätzlichen Standpunktes in der
Deutschland-Frage, die in Genf als der westliche Friedensplan vorgelegt
wurde. Er bestand in der Inangriffnahme der Wiedervereinigung Deutschlands
in mehreren Phasen, wodurch der UdSSR eine Chance geboten wurde, ihren Standpunkt allmählich an den schließlichen Verlust ihres Griffes um Ostdeutschland anzupassen, den freie Wahlen wahrscheinlich bringen würden. Der Plan
zeigte Elastizität und Einfallsreichtum,er sprach in der Weltöffentlichkeit
an; aber die UdSSR lehnte ihn nichtsdestoweniger glatt ab. Die UdSSR blieb
unzugänglich und beharrte auf ihren vorher bekanntgegebenen Vorschlägen
für einen Friedensvertrag mit einem geteilten Deutschland. Damit blieben
die grundsätzlichen Standpunkte absolut unvereinbar.
Nachdem sie feststellten, daß in der Deutschland-Frage kein Fortschritt möglich war, prüften die Westmächte und die UdSSR die Möglichkeit
eines Interim-Abkommens über Berlin, das, ohne eine grundsätzliche Lösung
der Berlin-Frage als separates Problem ins Auge zu fassen, etwas dazu beitragen würde, die Schwierigkeiten zu mildern, die die UdSSR in Berlin vorzufinden vorgab. Wenn auch ein gewisser Fortschritt in dieser Richtung
erzielt wurde, so bestand die UdSSR doch auf Formulierungen, die die
schließliche Aushöhlung der westlichen Position in Berlin bedeutet haben
würden. Dementsprechend endete die Außenministerkonferenz trotz der Arbeit
von drei Monaten bei einer nur kurzen Pause auf einem toten Punkt.

2

-

�D. Reisen auf höchster Ebene
Der Fehlschlag der Außenministerkonferenz führte jedoch zu keiner
kriegsgefährlichen Krise, da mittlerweile parallellaufende Ereignisse
in einer anderen Richtung Hoffnung erweckten. Wir nahmen die Gelegenheit
des Besuches Mikojans in der sowjetischen Botschaft in Washington wahr,
um einen informellen Meinungsaustausch zwischen dem führenden sowjetischen Vertreter und hohen amerikanischen Regierungsvertretern zu arrangieren. Diesem folgten im Juni und Juli weitere Besuche und Besprechungen einmal kam Koslow nach den USA, und zum andern besuchte der Vizepräsident
die UdSSR. Die Tatsache, daß diese Besuche ohne öffentliche Zwischenfälle
verliefen und ein etwas realistischeres Gespräch mit der sowjetischen
Führung ermöglichten als sonst üblich, schien eine Möglichkeit - nur
eine Möglichkeit selbstverständlich - zu bieten, daß die Mittel und Wege,
einen Krieg zu verhüten und die sowjetisch-westlichen Beziehungen mit
der Zeit in etwas weniger gefährliche Bahnen zu lenken, durch den Ausbau dieser informellen Kontakte gefunden werden könnten.
Dementsprechend entschloß sich der Präsident, einen Schritt zu tun,
den er und seine Berater schon lange für den richtigen Zeitpunkt ins
Auge gefaßt hatten. Er lud Ministerpräsident Chruschtschow ein, die Vereinigten Staaten zu besuchen, und der Besuch wurde bekanntgegeben, noch
ehe die Außenminister ihre Genfer Konferenz beendeten.
Während des Besuches wurde kein Fortschritt in der Lösung offenstehender Probleme erzielt - und auch gar nicht erwartet -, aber es
wurde doch offensichtlich ein etwas größeres Maß an gegenseitigem Verständnis erzielt, insbesondere über die Notwendigkeit, internationale
Fragen durch friedliche Mittel und nicht etwa durch Gewalt zu lösen.
Weiter kam eine - später öffentlich bestätigte - Aufhebung dessen zustande, was noch von dem sowjetischen Berlin-Ultimatum übriggeblieben war.
E. Vorbereitungen für die Gipfelkonferenz
Nach dem Chruschtschow-Besuch wurde es von den Westmächten als angebracht und wünschenswert erachtet, auf neue Gespräche, dieses Mal auf
höchster Ebene, hinzuarbeiten. Ein Schimmer von Hoffnung auf einen Fortschritt in der Berlin-Frage hatte sich in Camp David gezeigt, während
Genf auf einem toten Punkt geendet hatte. Während seines Amerika-Besuches
hatte Chruschtschow ebenfalls ein Interesse an dem in gleicher Weise
entscheidend wichtigen Gebiet der Abrüstung bekundet; und wenn auch die Abrüstungsgespräche in dem Zehner-Ausschuß in Genf beginnen sollten, so
glaubte man doch, daß Chruschtschow seine konstruktiven Schritte - wenn
überhaupt zu erwarten - für die Gipfelkonferenz aufsparen würde.
Daher wurde nach entsprechenden Konsultationen zwischen den westlichen Regierungschefs eine Einladung zu einer Gipfelkonferenz an
Chruschtschow übersandt und von diesem angenommen und schließlich, nachdem
es erst Schwierigkeiten wegen früherer Termine gegeben hatte, der 16. Mai
als Zeitpunkt festgesetzt. Dieser Schritt fand in der westlichen Öffentlichkeit eine weitgehende Unterstützung.
Darauf
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3 -

�Darauf folgte auf westlicher Seite eine intensive und sich über
einen längeren Zeitraum erstreckende Serie von Vorbereitungen, darunter
auch wiederholte Konferenzen nicht nur der Außenminister und der NATO,
sondern auch der Regierungschefs. Innerhalb unserer eigenen Regierung
wurden die Möglichkeiten, Fortschritte nicht nur in der Berlin- und der
Deutschland-Frage, sondern vor allem auch auf dem Gebiet der Abrüstung
sowie auf anderen Gebieten der allgemeinen sowjetisch-westlichen Beziehungen zu erzielen, ebenfalls äußerst sorgfältig geprüft.
Auf der Dezember-Tagung der westlichen Regierungschefs gelangte
man übereinstimmend zu der Ansicht,daßdieGipfelkonferenz im Llei nur
eine in einer Serie von solchen Konferenzen sein würde und daß diese erste
weitgehend einen sondierenden Charakter haben würde. Man erhoffte sich
einige bescheidene Fortschritte, aber keine großen Lösungen auf irgendeinem Gebiet. Wenn jedoch ein Anfang gemacht werden könnte, dann würde
diese Serie von Gesprächen, die sich wahrscheinlich in einer sich im
Laufe der Jahre allmählich verbessernden Atmosphäre abwickeln würden,
vielleicht doch zu wesentlich mehr führen.
F. Aussichten für Gipfelkonferenz getrübt
In den ersten Wochen nach dem USA-Besuch Chruschtschows war eine
allgemeine Verbesserung der Atmosphäre festzustellen, und die Leute begannen - zum Teil hoffnungsvoll, zum Teil etwas verwirrt - von "Entspannung" zu sprechen. Auf beiden Seiten gab es relativ versöhnliche
Reden, bei den Genfer Verhandlungen über ein Atomversuche-Verbot waren
Fortschritte zu vermerken, am 21. November wurde ein neues sowjetischamerikanisches Kulturabkommen unterzeichnet, und am 1. Dezember setzten
die Sowjetunion und andere Mächte ihre Unterschriften unter den Antarktis-Vertrag.
Aber schon damals begannen sich die Wolken zusammenzuziehen.
Eines der ersten Anzeichen war der scharfe sowjetische Protest vom 11,
November gegen die westdeutschen Pläne, in West-Berlin eine Rundfunkstation zu errichten. Ein weiteres Anzeichen war die Rede Chruschtschows
vom 14» November, die härter im Ton war, in der erneut mit der sowjetischen
Raketenstärke geprahlt und mit der ein konzentrierter Angriff auf Adenauer
und die Bundesrepublik Deutschland gestartet wurde, der später dann noch
intensiviert wurde und ein zentrales Merkmal der sowjetischen Taktik vor
der Gipfelkonferenz zu sein schien. Über den Grund für diese Angriffe kann
man, auch heute noch, nur Spekulationen anstellen. Vielleicht glaubten die
Sowjets, sie könnten den westlichen Standpunkt in der Berlin-Frage unterminieren,, indem sie zu einer Spaltung der westlichen Alliierten beitrügen. Eine solche Wirkung blieb selbstverständlich aus, vielmehr
schlössen wir uns naturgemäß noch fester zusammen, um für unseren
deutschen Verbündeten einzustehen.

Schon

�Schon am 1. Dezember begann Chruschtschow auch bereits wieder
damit zu drohen, einen separaten Friedensvertrag mit Ostdeutschland
abzuschließen. Er wiederholte diese Drohungen in seiner Rede vor dem
Obersten Sowjet am 14. Januar und in seinen Erklärungen während seines
Besuches in Indonesien und anderen Ländern im Januar. Am 4« Februar
sprachen die Mächte des Warschauer Paktes die erste offizielle und
den ganzen Ostblock umfassende Verpflichtung aus, einen separaten
Friedensvertrag mit der sogenannten DDR zu unterzeichnen. Somit war
die drohende Rede Chruschtschows in Baku vom 25. April, obwohl sie
die schärfste seit Februar 1959 war, lediglich eine noch schroffere
Version dessen, was er bereits seit Monaten gesagt hatte. Ich werde
dem Ausschuß umfassende Unterlagen über diese Reden zur Verfügung
stellen.
Erst im April antworteten wir ausführlich auf die immer lautstärker werdenden sowjetischen Erklärungen. Wir taten dies, um die
Dinge richtigzustellen - vor allem in den Reden vom 4. und vom 20.
April, die Chruschtschow dann angriff, weil sie angeblich Streitfragen
aufwarfen, die doch in Wirklichkeit von ihm selbst ausgegangen waren.
Die Einigkeit der vier 'Westmächte in der Berlin-Frage hatte es
inzwischen der Sowjetunion vermutlich deutlich gemacht, daß die Aussichten auf eine Aushöhlung des westlichen Standpunktes oder die Durchsetzung der sowjetischen Berlin-Bedingungen gering waren. Staatspräsident de Gaulle und andere Staatsmänner zeigten große Festigkeit, als
es galt, diese sowjetischen Erwartungen zu entmutigen. Der NATO-Rat
bekräftigte auf seiner Sitzung vom 2. bis 4. Mai ebenfalls den Standpunkt des Westens in der Frage der deutschen Wiedervereinigung und
bedauerte die sowjetische Weigerung, spezifische und praktische Abrüstungsmaßnahmen zu erörtern. Somit schienen beim Näherrücken der
Gipfelkonferenz die Aussichten auf wichtige Abkommen gering, solange
die Sowjetunion daran festhielt, die Westmächte aus Berlin zu vertreiben und bezüglich der Abrüstung nur über allgemeine Grundsätze statt
über konkrete Maßnahmen zu sprechen.
Die westliche Beurteilung lief jedoch weiterhin darauf hinaus, daß
eine Gipfelkonferenz nützlich sein würde. Sie würde die Gelegenheit für
einen Meinungsaustausch bieten, der den Standpunkt beider Seiten klären
könnte; sie würde vielleicht zu einer Verminderung der Spannungen wegen
Berlin beitragen und einige der Meinungsverschiedenheiten in der Abrüstungsfrage beseitigen können. Sie könnte zumindest ein kleiner erster
Schritt auf dem langen Weg einer Verbesserung der sowjetisch-westlichen
Beziehungen sein.
II. Der ü-2-Zwischenfall
Am 1. Mai schlug unglücklicherweise eine Geheimdienst-Mission fehl.
Die Sowjetunion benutzte diesen Zwischenfall sofort, um den Weg zu der
Gipfelkonferenz zu erschweren. Was die Rolle der amerikanischen Regierung
in dieser Angelegenheit betrifft, so glaube ich nicht, dem eindeutigen

- 5 -

�eindeutigen und offenen Bericht des Präsidenten, den dieser der Ilation
am Mittwochabend vorlegte, etwas besseres hinzufügen zu können.
Ich will daher nicht versuchen, auf Einzelheiten einzugehen, obwohl
ich natürlich bereit bin, Fragen hinsichtlich meiner Verantwortlichkeit
zu beantworten.
Ich möchte hier lediglich noch einmal vier Hauptpunkte herausstellen, die auch in dem Bericht des Präsidenten unterstrichen wurden:
1. Bei dem U-2-Programm handelte es sich um ein wichtiges und
wirksames Geheimdienst-Projekt. Wir wußten, daß das Fehlschlagen
irgendeiner der im Rahmen dieses Programms durchgeführten Missionen
schwerwiegende Folgen haben würde, aber wir waren der Ansicht, daß der
große Nutzen dieses Programms die damit verbundenen Risiken rechtfertigte.
2. Die Entscheidung, das Programm dieser Flüge nicht auszusetzen,
als die Gipfelkonferenz näher rückte, war vernünftig. Die Bedingungen
zu einem späteren Zeitpunkt würden es verhindert haben, sehr wichtige
Informationen zu erhalten. Es gibt niemals "eine günstige Zeit" für
das Fehlschlagen einer Geheimdienst-Mission. /Vir erachteten es für
unklug, unsere Wachsamkeit auf Grund dieser politischen Verhandlungen
zu verringern.
3. Die ersten Erklärungen der US-Regierung suchten natürlich
vor allem einmal den Piloten, seine Ceheimdienst-I'ission sowie alles
in Zusammenhang hiermit Stehende, das noch hätte geheimgehalten werden
können, zu decken. Als jedoch klar wurde, daß sich Flugzeug und Pilot
in sowjetischen Händen befanden, glaubten wir, daß dem Kongreß und dem
amerikanischen Volk die Tatsachen bekanntgegeben werden sollten. Daher
folgten die von amerikanischer Seite herausgegebenen Mitteilungen bis
zum 7« Mai der allgemeinen Linie der abschirmenden Erklärung und wurden
danach der Situation angepaßt, so wie sie sich weiter entwickelte,
4. Da das U-2-System bloßgestellt worden war, wurde es - wie jede
andere Geheimdienst-Mission in einem solchen Falle - eingestellt. Die
Bekanntgabe seiner Einstellung wurde zurückgehalten, damit der Präsident
diese Tatsache persönlich in Paris mitteilen konnte.
Ich glaube, die meisten Amerikaner werden auf der Grundlage dieser
vier Punkte zustimmen, daß der allgemeine Kurs unserer Maßnahmen angesichts
dessen, was wir zu dem jeweiligen Zeitpunkt wußten, vernünftig war. Im
besonderen zweifle ich daran, daß irgendeine andere Formulierung der
amerikanischen Erklärungen irgend etwas an den folgenden willkürlichen
sowjetischen Forderungen geändert hätte.

III.

�III. Die Ereignisse in Paris
A. Darstellung des Ablaufs
Ich möchte Ihnen einen Bericht über die wichtigen Entwicklungen in
Paris geben. Ich möchte mich dabei so kurz wie möglich fassen, da die
Einzelheiten überall veröffentlicht worden sind. Ich möchte Ihnen jedoch
die Ereignisse schildern, die meiner Auffassung nach dort (in Paris)
einen entscheidenden Einfluß hatten, und insbesondere jene, die die Entschlüsse des Präsidenten beeinfluSten.
Bei meiner Ankunft in Paris am Freitag, dem 13» Mai, wurden bereits
allerhand Spekulationen über die Nachricht angestellt, daß Herr
Chruschtschow bereits am Sonnabend in Paris ankommen wollte und nicht
am Sonntag, am Tag, an dem der Präsident und Herr Macmillan eintreffen
sollten.
Die Erklärung Herrn Chruschtschows bei seiner Ankunft auf dem
Flughafen von Orly enthielt keinen Hinweis auf seinen späteren Standpunkt. Sie war ihrem Inhalt nach gemäßigt und vermittelte unbedingt
den Eindruck, daß er trotz des U-2-Zwischenfalls mit der Gipfelkonferenz
voranschreiten wollte. Die folgenden Ereignisse zeigten, daß dies bewußt
geschehen war, um seine wirklichen Absichten zu verschleiern.
Am Sonntag um elf Uhr vormittags stattete auf sein eigenes Verlangen hin Herr Chruschtschow in Begleitung von Außenminister Gromyko
und Marschall Malinowski - was an sich schon ein ungewöhnliches Vorgehen
war, auf das ich später noch zurückkommen möchte - Staatspräsident de
Gaulle einen Besuch im Elysee-Palast ab. Während dieser Zusammenkunft
übergab er Präsident de Gaulle ein Memorandum, in dem die Bedingungen
dargelegt wurden, die von den Vereinigten Staaten erfüllt werden müßten,
bevor Chruschtschow bereit sei, an einer Gipfelkonferenz teilzunehmen.
Die französische Delegation übermittelte am frühen Nachmittag desselben
Tages der amerikanischen Delegation eine Kopie dieses Memorandums. Das
Memorandum wurde dann ohne Änderung von Herrn Chruschtschow als Anfang
seiner Erklärung auf dem Viermächtetreffen am Montag vormitt.ag - dem
16. Mai - benutzt.
Nach seinem Besuch bei Staatspräsident de Gaulle am Sonntag vormittag suchte Chruschtschow um 16.J0 Uhr desselben Tages Premierminister Macmillan auf und verlas diesem die gleiche Erklärung seines
Standpunktes.
Das von der französischen Delegation übermittelte Exemplar der
Erklärung war selbstverständlich Gegenstand sofortiger Beratungen mit
dem Präsidenten und Mitgliedern der amerikanischen Delegation, was die
Bedeutung und Vichtigkeit anging.
Wir kamen allgemein zu dem Schluß - der später durch die Tatsachen
bestätigt wurde -, daß der Standpunkt und die absolut unannehmbaren

-7

�unannehmbaren Forderungen, die in diesem Dokument zum Ausdruck gebracht
wurden, bereits vor der Abreise Herrn Chruschtschows in Moskau ausgearbeitet gewesen sein mußten. In diesem Sinne stellte dies einen festgelegten Standpunkt der sowjetischen Regierung dar, von dem abzugehen
nicht einmal Herr Chruschtschow selbst während seines Aufenthaltes in
Paris die Vollmacht haben würde.
Ich möchte hier etwas abschweifen, um zu bemerken, daß wir bei
früheren Konferenzen mit den Sowjets die Erfahrung gemacht hatten zumindest seit dem Tode Stalins -, daß jeder sowjetische Vertreter, mag
er eine noch so hohe Position einnehmen, an die kollektiven Entscheidungen
in grundsätzlichen politischen Fragen gebunden ist, die vor seiner Abreise
aus Moskau getroffen werden. Jede wesentliche Änderung dieser Standpunkte
bedurfte offensichtlich der Rückfrage in Moskau, bevor sie vorgenommen
wurde.
Ich möchte diese Auffassung unterstreichen, zu der man dann innerhalb der amerikanischen Delegation einstimmig gelangte, da sie sich
direkt auf den. Standpunkt auswirkte, den der Präsident auf der Zusammenkunft am Montag_^vormittag einnahm.
Es stand selbstverständlich außer Frage, daß der Präsident die demütigenden und arroganten Bedingungen Herrn Chruschtschows etwa hätte annehmen können oder sollen. Es war uns jedoch sehr viel daran gelegen und
es schien uns sehr wichtig, zu zeigen, daß es Herr Chruschtschow und
niemand anderes war, der diese Gipfelkonferenz gefährdete.
Der Präsident kam deshalb vor dem Zusammentreffen am Montag zu dem
Entschluß, daß die gegebene Richtung des Handelns - in Übereinstimmung
mit der großen Verantwortung, die er trug, der Ernsthaftigkeit der Probleme,
die auf der Konferenz erörtert werden sollten - für ihn darin bestehen
mußte, sich nicht auf Beschimpfungen mit Herrn Chruschtschow einzulassen,
sondern die Zurückhaltung und Würde zu üben, die dem von ihm bekleideten
Amt innewohnen und die dem führenden Vertreter eines großen Landes anstehen.
Im Zusammenhang mit dieser Entscheidung beschloß der Präsident, auf
der Konferenz seinen vorher getroffenen Beschluß bekanntzugeben, weitere
Flüge mit Flugzeugen vom Typ U-2 über der Sowjetunion einzustellen.
Obgleich die ursprüngliche Absicht gewesen war, die erste Zusammenkunft im Rahmen der Gipfelkonferenz auf die Regierungschefs und Staatsoberhäupter und ihre Dolmetscher zu beschränken, ersuchte der Präsident,
nachdem er erfahren hatte, daß Herr Chruschtschow seinen Außenminister
Gromyko und Marschall Malinowski mitzubringen wünschte, Verteidigungsminister Gates und mich, ihn zu der Zusammenkunft zu begleiten.

Ich

�Ich brauche diese Zusammenkunft nicht im einzelnen zu beschreiben
und möchte lediglich sagen, daß Herr Chruschtschow eine Erklärung verlas,
die mit der Übersetzung eine volle Stunde dauerte. Er las diese ganze
Erklärung von einem vorbereiteten Manuskript ab. Der erste Teil der
Erklärung bestand aus dem Memorandum, das er Staatspräsident de Gaulle
überreicht hatte, plus gewissen Zusätzen, die in der gleichen Richtung
lagen - was die Vereinigten Staaten angeht - und in denen von der
sowjetischen Bereitschaft gesprochen wurde, in sechs bis acht Monaten
eine Gipfelkonferenz abzuhalten. Der weitere Teil bestand im wesentlichen aus der Zurückziehung der Einladung an den Präsidenten, die
Sowjetunion zu besuchen.
Der Präsident beteiligte sich - abgesehen von seiner Erklärung,
die veröffentlicht wurde - nur einmal an der sich ergebenden Diskussion,
um Herrn Chruschtschow und seinen Kollegen klarzumachen, daß die Einstellung der D-2-Flüge nicht nur für die Dauer der Konferenz, sondern
solange gelte, wie er im Amt sei.
Die übrige Diskussion auf dieser Sitzung - die, wie ich hervorheben möchte, während der ganzen Zeit in Paris die einzige war, an der
sich die Sowjets beteiligten - bestand im wesentlichen aus den Versuchen von Staatspräsident de Gaulle und Premierminister Macuiillan,
Herrn Chruschtschow von dem nicht wieder gutzumachenden Schritt der
Veröffentlichung seiner beleidigenden Erklärung abzubringen, deren
unannehmbare Bedingungen die Gipfelkonferenz einfach unmöglich machen
mußten, und dem unnachgiebigen Beharren Chruschtschows darauf, daß
er diese Erklärung veröffentlichen werde, und zwar zu einem Zeitpunkt
nach seiner Wahl. Die Zusammenkunft endete auf der Grundlage eines Vorschlages von Staatspräsident de Gaulle, daß sich die Verhandlungsteilnehmer die ganze Angelegenheit noch einmal 24 Stunden überlegen und
dann die Situation prüfen sollten.
Die Zusammenkunft bestätigte unsere Schlußfolgerung vom Vorabend
voll und ganz, daß Herr Chruschtschow innerhalb der festen Grenzen
einer Politik operierte, die vor seiner Abreise aus Moskau festgelegt
worden war. Es ist in diesem Zusammenhang bedeutsam, daß die später
an diesem Tag - Montag, dem 16. Mai - von ihm veröffentlichte Erklärung,
die mit der auf der Konferenz abgegebenen identisch war, keinerlei Bezug
auf die Diskussion auf der Konferenz und insbesondere auf die Erklärung
des Präsidenten hinsichtlich der Einstellung der U-2-Plüge nahm.
Der weitere Verlauf der Verhandlungen in Paris ging immer mehr
abwärts. Es war allen westlichen Vertretern klar, daß es keine Möglichkeit einer Gipfelkonferenz mehr gab, es sei denn, Herr Chruschtschow
seinerseits hätte seinen Standpunkt geändert. Am Montag suchte Herr
Macmillan Herrn Chruschtschow in einem - ergebnislosen - Versuch auf,
ihn zur Zurückziehung seiner unmöglichen Forderungen zu bewegen.
Am

�Am gleichen Tag entschloß sich Staatspräsident de Gaulle mit der Zustimmung des Präsidenten und Premierminister Macraillans für Dienstag, den 17. Mai, um 15 Uhr eine Sitzung der Gipfelkonferenz
einzuberufen, also nach der 24stündigen Pause, die er am Montag vorgeschlagen hatte. Er sandte schriftliche Einladungen an die drei anderen Teilnehmer.
Der Präsident, der die Einladung annahm, legte seine Auffassung
dar, daß die Annahme durch den sowjetischen Vertreter bedeuten würde,
daß die Sowjets die Forderungen aufgegeben hätten, die der Präsident
vorher als absolut unannehmbar bezeichnet hatte.
Herr Chruschtschow erschien nicht zu der festgesetzten Zeit für
das Treffen am Dienstag.' Nach langem Telefonieren zwischen der sowjetischen Botschaft und dem französischen Außenministerium wurde klar,
daß er sich weigerte, an einer Gipfelkonferenz teilzunehmen,-und nur
zu einer Zusammenkunft erscheinen würde, die, wie er es nannte, eine
vorbereitende Sitzung wäre, um festzustellen, ob die Bedingungen für
eine Gipfelkonferenz geschaffen werden könnten. Wenn er hier von "Bedingungen" sprach, dann meinte er offentlichtlich die Annahme all der
Bedingungen durch die Vereinigten Staaten, die er vorher gestellt
hatte - und tatsächlich erklärte er dies dann auch später, am selben
Tag, in einem Schreiben an Staatspräsident de Gaulle.
Angesichts der Weigerung von Herrn Chruschtschow, an der Gipfelkonferenz teilzunehmen, außer unter Bedingungen, die von allen drei
westlichen Vertretern als unannehmbar angesehen wurden, kamen die
drei westlichen Regierungschefs am 17« Mai um 21 .50 Uhr kurz zusammen,
um das Drei-Mächte-Abschlußkommunique zu billigen - von dem ich hier
eine Abschrift zu den Akten geben möchte.
Damit war die Gipfelkonferenz auf Grund der sowjetischen Unnachgiebigkeit zu Ende, bevor sie begonnen hatte, ohne sich den großen
internationalen Problemen zugewandt zu haben, mit denen sie sich befassen sollte.
Der folgende Tag - Mittwoch, der 18. Mai - war durch Drei-MächteZusammenkünfte der westlichen Regierungschefs und ihrer Außenminister
zur Erörterung der Lage gekennzeichnet. In diesen Sitzungen versuchten
wir, die Gründe für die sowjetische Haltung, die Aussichten für die
Zukunft und die Maßnahmen zu analysieren, die die drei Westmächte
ergreifen könnten.

Dieser

10 -

�Dieser Tag war außerdem durch die Pressekonferenz von Herrn
Chruschtschow gekennzeichnet, über die Presse, Fernsehen und Rundfunk
ausgiebig berichteten. Es handelte sich dabei offensichtlich um eine
noch nie dagewesene Darbietung von Beschimpfungen, Beleidigungen und
ungezügelten Gefühlsausbrüchen. Man darf jedoch nicht übersehen, daß
Herr Chruschtschow es trotz der offensichtlich unkontrollierten Art
seiner Bemerkungen und seines Gebarens auf dieser Pressekonferenz peinlich vermied, sich auf irgend eine spezifische Linie des Handelns auf
internationalem Gebiet festzulegen.
B. Analyse
Wir haben uns natürlich eingehend mit den Gründen für dieses
außergewöhnliche Verhalten der Sowjets beschäftigt, die den weiten
Weg von Moskau nach Paris zu dem einzigen Zweck gemacht haben, die
Konferenz zu sabotieren.
Ich möchte zunächst einmal darauf hinweisen, daß es viele dunkle
Punkte in dem Verhalten der Sowjets gibt und daß wir nicht alle Erwägungen und Faktoren kennen, die zu ihrem Entschluß geführt haben.
Wir werden sie wahrscheinlich auch niemals erfahren. Ich brauche hier
vor den Mitgliedern dieses Ausschusses wohl kaum zu betonen, unter
welcher völligen Geheimhaltung innerhalb der sowjetischen Regierung und
der Hierarchie der Kommunistischen Partei, die in diesem Lande wirklich
herrscht, Entscheidungen getroffen werden. Es ist lediglich möglich zu
versuchen, aus den sowjetischen Maßnahmen, sobald sie erfolgt sind, auf
die Erwägungen zu schließen, die zu ihnen geführt haben. '«Vas ich hier
vor Ihnen daher jetzt tun kann, ist bestenfalls zu versuchen, Schlüsse
zu ziehen, warum die Sowjetunion sich so verhalten hat, wie dies der
Fall war - Schlüsse, die vielleicht im Lichte späterer Informationen
und Ereignisse zu revidieren sein werden.
Etwas kann jedoch als sicher angesehen werden, nämlich daß der
Beschluß, die Konferenz zu torpedieren, vor der Abreise Chruschtschows
aus Moskau gefaßt wurde« . Zu keinem Augenblick während seines Aufenthaltes in Paris - weder am Sonntag, dem 15» Mai, 11 Uhr vormittags, als
er General de Gaulle seine wahren Absichten offenbarte, noch später wich Chruschtschow einen Zoll von seinen Forderungen ab, daß die Vereinigten Staaten 1. die Oberfliegungen verurteilen, 2. sich bei der
Sowjetunion entschuldigen, 5» die "direkt dafür Verantwortlichen" bestrafen und 4. versprechen sollten, diese Flüge nicht zu wiederholen.
A'eder die vom Präsidenten auf der Montagssitzung abgegebene Erklärung
noch die ernsthaften und verantwortungsbewußten Bemühungen, die von
General de Gaulle und Herrn Macmillan in zweiseitigen Gesprächen mit
Herrn Chruschtschow vor und nach der Erklärung des Präsidenten über
die Einstellung der Flüge unternommen wurden, konnten ihn dazu bringen,
diese unannehmbaren Forderungen zurückzuziehen. Tatsächlich kann man
aus seinem Verhalten in Paris den logischen Schluß ziehen, daß er
keine Vollmacht hatte, seinen Standpunkt wesentlich zu modifizieren.
Die
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�Die Tatsache, daß er überall, und wirklioh überall, von Außenminister Gromyko und Marschall Malinowski begleitet wurde, ist eine
interessante Begleiterscheinung zu diesem Punkt. Es werden viele Spekulationen über diese Änderung gegenüber seiner früheren Haltung bei
seinen Besuchen sowohl in den Vereinigten Staaten wie auch in Frankreich angestellt, als er darauf bestand, allein mit dem Präsidenten
und Staatspräsident de Gaulle zusammenzukommen, wobei nur Dolmetscher
zugegen waren. Was die Bedeutung dieses neuen Faktors anbetrifft, so
kann man bestenfalls vermuten, daß es erstens in Anbetracht der von
ihm in Paris eingenommenen brutalen und drohenden Haltung als wünschenswert erachtet wurde, einen greifbaren Beweis der bewaffneten Stärke der
Sowjetunion in der Person von Marschall Malinowski zur Hand zu haben,
und daß, zweitens, Gromyko und Malinowski nach der Rückkehr nach Moskau
bestätigen sollten, daß er sich streng an den vereinbarten Standpunkt
gehalten habe.
Es erscheint ferner als sicher, daß die Entscheidung, die Einladung an den Präsidenten zurückzuziehen, noch vor der Abreise Chruschtschows
aus Moskau getroffen wurde.
Was die Gründe anbetrifft, die die Sowjets zu dieser extremen Haltung bezüglich der Gipfelkonferenz führten, die vorher von Herrn Chruschtschow doch so sehr herbeigewünscht worden war, so betreten wir hier das
Gebiet der reinen Spekulation, wie ich es bereits zuvor angedeutet habe.
Das 3este, das wir hoffen können zu tun, solange zuverlässige Informationen
fehlen, ist, die Elemente und Faktoren auszuwerten, die augenscheinlich
zu diesem Beschluß geführt haben mögen. Ich werde versuchen, sie kurz
aufzuzählen.
1) Es lagen beträchtliche Anzeichen - besonders im April - dafür
vor, daß Herr Chruschtschow zu dem Schluß gekommen war, daß nur eine
geringe Wahrscheinlichkeit für ihn bestand, auf der Gipfelkonferenz
seinen Standpunkt, besonders in bezug auf Berlin, durchzusetzen. Die
Beweise der westlichen Entschlossenheit und Einigkeit in diesem Punkte
in den Reden und Erklärungen westlicher Staatsmänner scheinen ihn zu
diesem Schluß gebracht zu haben. So umriß er in seiner Rede in Baku
am 25. April nicht nur mit größter Bestimmtheit erneut seinen Standpunkt
zu Berlin sowie seine Absicht, einen separaten Friedensvertrag mit dem
ostdeutschen Regime abzuschließen, sondern er begann auch erstmalig ernsthafte Zweifel hinsichtlich des Erfolges der Gipfelkonferenz zu äußern.
Damit meinte er natürlich einen Erfolg im Sinne der sowjetischen Bedingungen.
2) Wenn die Beweise auch nicht sehr schlüssig sind, so liegen doch
eine Anzahl Anzeichen dafür vor, daß Herrn Chruschtschows Außenpolitik und im besonderen die zu starke Hervorhebung seiner Person und die nach
kommunistischer Ansicht zu großen Zugeständnisse durch seine Besuche
in den USA und Frankreich - zumindest ernste Zweifel, wenn nicht sogar
Opposition innerhalb der sowjetischen Hierarchie ausgelöst hat. Es würde
als ein logischer Schluß erscheinen, daß eine gewisse von Seiten der
chinesischen Kommunisten gegen seine Außenpolitik offen zum Ausdruck gebrachte Opposition bei einigen seiner Mitarbeiter - und sehr wahrscheinlich
unter den sowjetischen Militärs - eine wohlwollende Aufnahme gefunden hat»

II
12 -

�3) Vor diesem Hintergrund ereignete sich der U-2-Zwischenfall.
Eine Kombination dieser drei Faktoren hat unseres Erachtens zu dem
entschiedenen und brutalen Beschluß geführt, die Paris-Konferenz zu
torpedieren. Festzustellen, wie jeder dieser Faktoren zu bewerten ist,geht
Augenblick über unsere Möglichkeiten hinaus.
Der U-2-Zwischenfall ist höchstwahrscheinlich zur Rechtfertigung
dieses Beschlusses sofort aufgegriffen und über seine wirklichen Proportionen hinaus aufgebauscht worden. Es ist umstritten, ob es für Herrn
Chruschtschow möglich gewesen wäre, einen anderen Vorwand für eine so
radikale und heftige Haltung zu finden.
Es wäre durchaus möglich, daß ein mangelnder Erfolg auf der Gipfelkonferenz Chruschtschow - von seinem Standpunkt aus gesehen - vor eine weit
schwierigere Wahl gestellt haben würde als überhaupt keine Konferenz.
Er und seine Mitarbeiter haben es daher vielleicht vorgezogen, indem sie
die Konferenz einfach sofort torpedierten,es zu vermeiden, vor die Konsequenzen eines Fehlschiagens d e r Verhandlungen gestellt zu wenden.
Es mag für Sie unfaßbar erscheinen, daß ein verantwortungsbewußter
Staatsmann einer Großmacht den weiten Weg nach Paris nur zu dem Zweck
gemacht haben könnte, die Konferenz zu torpedieren, wodurch er eine weltweite Verurteilung der Sowjetunion auf sich lädt sowie das Gefühl der
Einigkeit und gemeinsamen Zielsetzung nicht nur bei den dort vertretenen
Westmächten, sondern auch bei der Nordatlantikpakt-Crganisation und den
freien Nationen in aller Welt festigt.
Ich glaube, die Antwort liegt in einer grundlegenden Fehlkalkulation
in den Überlegungen Herrn Chruschtschows und der Sowjets.
Herr Chruschtschow hoffte zweifellos - und dies erklärt seine frühe
Ankunft in Paris -, die Alliierten zu spalten und die Vereinigten Staaten
zu isolieren. Er erwartete, daß die Vereinigten Staaten die von ihm gestellten Forderungen zurückweisen würden und daß die Konferenz dann
zusammenbrechen würde, wobei den Vereinigten Staaten vor der Weltmeinung
die Verantwortung für den Zusammenbruch zufiele.
Seine Pläne schlugen fehl, da unsere beiden Alliierten fest und
loyal zu den Vereinigten Staaten standen und es ablehnten, als Partner
in Herrn Chruschtschows Plan mitzuwirken. Die Folge hiervon war, wie die
gesamte '.Veit weiß, daß der Standpunkt, mit dem Herr Chruschtschow nach
Paris kam, zu der völligen Isolierung der Sowjetunion und nicht der
Vereinigten Staaten führte und die Verantwortung für den Zusammenbruch
der Konferenz eindeutig - wo sie auch hingehört - auf seine eigenen
Schultern geladen wurde.
Diese

�Diese Einschätzung der Gründe für Chruschtschows Verhalten wird noch
wesentlich durch den Angriff untermauert, den er auf seiner Pressekonferenz
gegen General de Gaulle und Premierminister Macmillan wegen ihres - wie er
es nannte - Mangels an Objektivität, ihres Mangels an gutem Willen und
ihrer Hörigkeit gegenüber den alliierten Beziehungen richtete - mit anderen
Worten und in klarem Englisch, wegen ihrer Solidarität mit den Vereinigten
Staaten, ihrer Loyalität gegenüber unserem gemeinsamen Ziel und ihrer
Weigerung, das sowjetische Spiel mitzuspielen.
IV. Die Zukunft
Welche Schlußfolgerungen sollten wir für die Zukunft ziehen? Meiner
Ansicht nach deuten die Anzeichen darauf hin, daß es bisher keine radikale
Xnderung in der sowjetischen Politik gegeben hat, wenn wir auch mLt der
Fortsetzung der Propagandakampagne rechnen können, die einen Keil zwischen
die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten treiben soll. Diese Folgerung
wird durch die Paris-Erklärungen Herrn Chruschtschows einschließlich seiner
Bemerkungen auf der Pressekonferenz gestützt. Und sie wird auch, etwas
spezifischer und definitiver, durch die Erklärungen erhärtet, die er auf
seinem Rückflug in Berlin abgegeben hat.
Wir müssen uns jedoch immer vor Augen halten, daß die sowjetischen
Machthaber auf Grund der Natur des sowjetischen Staates jederzeit geheim
zusammenkommen und die bestehende Politik ändern können, ohne daß eine
öffentliche Debatte stattfindet oder eine solche Änderung sich vorher, ankündigt. Aus diesem Grunde muß jede Erklärung über eine bestimmte Phase
der sowjetischen Politik als bedingt angesehen werden, wobei keine Sicherheit gegeben ist, daß sie auch für die Zukunft Gültigkeit haben wird»
Obwohl also die Hoffnungen der Welt durch die Tatsache, daß die
Gipfelkonferenz nicht wie vorgesehen zustande kam, sehr enttäuscht worden
sind, deuten die Anzeichen bisher darauf hin, daß die Grundrealitäten der
internationalen Situation nicht wesentlich verändert worden sind. Ob
dies auch in Zukunft so bleiben wird, hängt - wie ich ausgeführt habe von den Maßnahmen der führenden kommunistischen Länder ab.
Vorläufig bin ich jedoch der Ansicht, daß die Schlußfolgerung für
die amerikanische Politik die ist, daß die wesentlichen Grundzüge
unserer Politik weiterhin wohlfundiert und vernünftig sind und beibehalten
werden sollten.
Die

- 14 -

�Die Lehre von Paris besteht darin, daß wir diese Grundzüje mit
verstärkten Anstrengungen weiterverfolgen sollten. Die Verfechter eines
aggressiven Kurses innerhalb des kommunistischen Blocks dürfen nicht
durch Zeichen der Schwäche auf unserer Seite ermutigt werden. Die Verfechter eines friedlichen-Kurses sollten dagegen durch unsere Bereitschaft
ermutigt werden die ungelösten weltpolitischen Fragen in nüchterner und
vernünftiger -Veise anzupacken.
Wir müssen weiterhin bereit sein, jedem aggressiven Druck entgegenzutreten, nicht nur in Berlin, sondern auch überall anderswo.
Ich bin überzeugt, daß unsere offenkundige Bereitschaft vor,einem solchen
Druck zurückschrecken lassen wird.
Unter den Lehren von Paris ist die wichtigste für die freie Welt
und für uns, so scheint mir, die neue Erkenntnis der Gefahren, denen
wir uns gegenübersehen, und der sich daraus ergebenden Notwendigkeit,
daß wir uns fester zusammenschließen und unsere eigenen Programme sowie
die unserer Alliierten für die Stärkung der freien Welt vorantreiben.
Wir sind aus Paris zurückgekehrt mit einer noch klareren Erkenntnis
dessen, was es heißt, Alliierte zu haben, und ichbin sicher,daß unsere
Bündnisse durch diese Erfahrung neu gestärkt werden.
Gleichzeitig möchte ich genauso die Notwendigkeit unterstreichen,
die Zusammenarbeit mit den Entwicklungsländern in einfallsreicher und
großzügiger Weise zu erweitern. Ich hoffe, daß der Kongreß im Zusammenhang
mit diesen beiden Punkten unsere Programme der Gemeinsamen Sicherheit, wie
sie von diesem Ausschuß genehmigt wurden und jetzt wichtiger sind als jemals zuvor, voll und ganz unterstützen wird.
Wir müssen uns - wie Präsident Eisenhower erklärt hat - weiterhin
darum bemühen, in einer nüchternen Atmosphäre Portschritte bei der Lösung
offenstehender Probleme mit der Sowjetunion zu erzielen. Wir beabsichtigen,
die gegenwärtigen Verhandlungen fortzusetzen, unsere Verpflichtungen zu
erfüllen und Verbindungen offenzuhalten sowie einen friedlichen Austausch
zu fördern. Und vor allem werden wir nicht von dem entschlossensten geduldigsten und durchdachtesten Bemühen ablassen, Mittel und Wege zu finden,
um das Wettrüsten unter Kontrolle zu bringen und damit der nuklearen Gefahr zu begegnen, die über der Menschheit schwebt»
Ich glaube, daß es in dieser Zeit die Pflicht von uns allen ist, die
internationale Entwicklung ruhig und aufmerksam zu beobachten und Maßnahmen, Erklärungen und Haltungen zu vermeiden, die unnötigerweise zu
einer Verschärfung der internationalen Spannungen führen könnten. Falls
es zu einer solchen Verschärfung kommt, dann sollte es klar die Schuld der
Sowjets sein, und wir sollten ihnen nicht den Gefallen tun, einen Vorwand
für Maßnahmen ihrerseits zu liefern, die eine solche Auswirkung haben würden.
Wir sollten unsere Haltung oder unsere Politik gegenüber der Sowjetunion weder als "hart" noch als "weich" definieren. Täten wir dies, dann
würde das nicht nur unseren Blick von der bitteren Realität ablenken, der
wir uns gegenübersehen, sondern uns vielmehr unvermeidlicherweise in nutzlose und schädliche innenpolitische Beschuldigungen und Gegenbeschuldigungen

- 15

-

�Segenbeschuldigungen stürzen, Wir müssen jetzt und in Zukunft eine
wachsame, ruhige und entschlossene Haltung an den Tag legen und soweit dies in unserer Macht liegt - in unserer Beurteilung der Dinge
genau und in unseren Handlungen wirksam sein.
Ich möchte meine Ausführungen abschließen, indem ich die Hoffnung
zum Ausdruck bringe, daß wir uns nicht so von der Beschäftigung mit der
kommunistischen Gefahr gefangennehmen lassen, daß wir unsere eigenen
konstruktiven Zielsetzungen aus dem Auge verlieren, die größer und
wichtiger sind, als lediglich den Drohungen von außen entgegenzutreten
oder auf sie zu reagieren. Wir haben unsere eigene Vorstellung von der
Zukunft, auf die hin wir die Welt sich entwickeln sehen möchten. Wir
haben unsere eigenen Programme, um zu einer Verwirklichung dieser Zukunft beizutragen - um das Licht der Freiheit hochzuhalten, um ihre
Botschaft und ihren Lohn mit den aufstrebenden Ländern zu teilen und
um eine internationale Gemeinschaft zu schaffen zu suchen, in der die
Herrschaft des Rechtes an die Stelle der Herrschaft der Gewalt tritt.
Diese Programme sind es, auf die wir in den vor uns liegenden unsicheren
Zeiten unser Können und unsere Energien von neuem verwenden sollten.

* * * * *

- 16 -

�Allg./3.6.1960

EISENHOY/ER: ZIEL DER USA WEITERHIN FRIEDEN IN GERECHTIGKEIT

WASHINGTON - (AD) - Nachstehend übermitteln wir
Ihnen den Wortlaut der Rundfunk- und Fernsehansprache Präsident Eisenhowers vom 25. Mai i960,
in der er dem amerikanischen Volk über die Ereignisse in Paris berichtete und den Kurs der
USA für die Zukunft aufzeigte.

Meine amerikanischen Mitbürger!
Ich möchte heute abend mit Ihnen über die bemerkenswerten Ereignisse der vergangenen Woche in Paris und über ihre Bedeutung für unsere
Zukunft sprechen.
Zunächst einmal bin ich den vielen Tausenden von Ihnen und den
Vertretern im Kongreß zutiefst dankbar, die mir Botschaften der Ermutigung und der Unterstützung zusandten, während ich in Paris war und auch
später, nach meiner Rückkehr nach Washington. Ihre Botschaften zeigten
klar Ihre unerschütterliche Loyalität gegenüber Amerikas großer Zielsetzung - von einer Position der geistigen, moralischen und materiellen
Stärke aus nach einem dauerhaften Frieden in Gerechtigkeit zu streben.
Sie werden sich selbstverständlich erinnern, warum ich vor zehn
Tagen nach Paris ging. Im vergangenen Sommer und Herbst hatte ich zahlreiche Unterredungen mit führenden Staatsmännern der Welt, einige davon auch mit Ministerpräsident Chruschtschow hier in Amerika. Im Verlauf jener Monate schien sich eine kleine Verbesserung in den Beziehungen zwischen der Sowjetunion und dem Westen abzuzeichnen. Eine Möglichkeit schien sich aufzutun, daß die sowjetischen Führer schließlich doch
zu ernsthaften Gesprächen über unsere wichtigsten Probleme - wie die Abrüstung, gegenseitige Inspektion, Atomkontrolle und Deutschland einschließlich Berlins - bereit sein würden.
Unsere führenden Staatsmänner trafen sich mit den britischen und
französischen, um diese Möglichkeit zu prüfen, und wir kamen dann später mit den führenden sowjetischen Vertretern überein, am 16. Mai in
Paris zusammenzukommen.
Wir

�"AMERIKA DIENST"

5. J u n i

1960

Wir hatten natürlich keinen Hinweis und auch keine Ahnung, daß sich
die Politik der Sowjets in ihren Grundlagen völlig geändert hatte. Aber
wenn sich eben auch nur die geringste Chance für eine Stärkung des Friedens bietet, dann kann es keine vornehmere Pflicht geben, als diese wahrzunehmen.
Auch hatte sich unsere Politik nicht geändert. 7/ir hofften wirklich,
auf einem Gipfeltreffen einen gewissen Fortschritt zu erzielen, so wenig
verheißungsvoll früher gemachte Erfahrungen in dieser Hinsicht auch waren.
Indem wir aber die Vorbereitungen für diese Konferenz trafen, haben wir
es weder an Aufmerksamkeit fehlen lassen noch in unserer Wachsamkeit nachgelassen.
Unsere Sicherheit und die der freien Welt erfordern selbstverständlich
wirksame Systeme, um Informationen über das militärische Potential der
übrigen mächtigen Länder und im besonderen derjenigen zu sammeln, die aus
der Geheimhaltung einen Kult machen. Dabei werden viele Techniken und
Methoden angewandt. In den heutigen Zeiten riesiger militärischer Apparate
und mit Atomsprengköpfen ausgerüsteter Raketen ist das Aufspüren solcher
Informationen für die Sicherheit der freien Welt unerläßlich.
Ich habe mich lange sehr ernsthaft hiermit beschäftigt. Es ist Teil
meiner schweren Verantwortung im Rahmen des Gesamtproblems, das amerikanische Volk zu schützen und uns und unsere Verbündeten vor einem Überraschungsangriff zu bewahren. In der Zeit, die dem zweiten Weltkrieg voranging, haben
wir aus bitterer Erfahrung die zwingende Notwendigkeit erkannt, ständig
Geheimdienstinformationen zusammenzutragen, militärische Verbindungen und
Kontakte aufrechtzuerhalten und ständig auf der Hut zu sein.
Es ist vielleicht angebracht, hier noch ein Wort zu der Frage der
Nachrichtenübermittlung und des Kommandos zu sagen. Während unseres Aufenthalts in Paris waren natürlich der Verteidigungsminister und ich selbst
von unseren normalen Kommandoposten abwesend. Der Verteidigungsminister
empfahl, daß wir unter diesen Umständen die ständige Bereitschaft unserer
militärischen Befehlsübermittlung erproben sollten. Ich habe dies persönlich gebilligt. Solche Erprobungen sind wertvoll und werden in Zukunft
häufig wiederholt werden.
Darüber hinaus trage ich als Präsident, der durch die Verfassung mit
der Pflege der außenpolitischen Beziehungen Amerikas beauftragt ist, und
als Oberbefehlshaber, dem die Leitung der Operationen und Tätigkeiten unserer Streitkräfte und ihrer Versorgung obliegt, die volle Verantwortung
für die Billigung der verschiedensten Programme, die von unserer Regierung durchgeführt werden, um das Funktionieren des militärischen Geheimdienstes zu gewährleisten und seine Ergebnisse auszuwerten.
Im Zuge eines dieser Geheimdienstprogramme kam es dann zu dem so stark
publizierten U-2-Zwischenfall.
Eine der zahlreichen von uns angewandten Methoden, um uns und die
freie Welt über die wichtigen militärischen Entwicklungen bei den Sowjets
auf dem laufenden zu halten waren Luftaufnahmen. In den vier Jahren dieser
Bemühungen hat sich die Nützlichkeit dieser Arbeit deutlich gezeigt. Die

�"AMERIKA DIENST"

5. Juni 1960

Hie Sowjets waren sich hierüber vollkommen im klaren. Ministerpräsident
Chruschtschow hat erklärt, daß er von diesen Flügen schon vor mehreren
Jahren Kenntnis hatte. Erst in der vergangenen Woche, auf seiner Pariser
Pressekonferenz, bestätigte Ministerpräsident Chruschtschow, daß er
bereits von diesen Flügen wußte, als er im vergangenen September die
Vereinigten Staaten besuchte.
Ganz beiläufig erhebt sich damit die natürliche Frage: Warum all
dieser Aufruhr wegen eines bestimmten Fluges? Chruschtschow hat, als er
im vergangenen September in Amerika war, keine Beschuldigungen erhoben,
daß diese Flüge eine Bedrohung für die Sicherheit der Sowjetunion darstellten. Er sah damals keinerlei Grund, es abzulehnen, mit amerikanischen Vertretern zu sprechen.
Dies tat er erst wegen des Fluges, der unglücklicherweise am 1. Mai,
weit innerhalb Rußlands, mißglückte.
Im Zusammenhang mit diesem speziellen Flug sind nun zwei Fragen
aufgeworfen worden:
Erstens in bezug auf den gewählten Zeitpunkt, angesichts der unmittelbar bevorstehenden Gipfelkonferenz; und zweitens in bezug auf die anfänglich abgegebenen Erklärungen, als wir erfahren hatten, daß das Unternehmen gescheitert war.
Was den Zeitpunkt anbetrifft, so ergab sich einfach die Frage, ob
das Programm gestoppt werden und damit auf das Zusammentragen wichtiger
Informationen verzichtet werden sollte, die von wesentlicher Bedeutung
waren und wahrscheinlich zu einer späteren Zeit nicht mehr zu erhalten
gewesen wären. Das Programm wurde weitergeführt.
Die offene Wahrheit sieht so aus: Wenn ein Staat einen Geheimnachrichtendienst braucht, dann gibt es keinen Augenblick, in dem man in
der Wachsamkeit nachlassen darf. Wir lernten es ja übrigens von Pearl
Earbor, daß sogar Verhandlungen dazu benutzt werden können, um die Vorbereitungen für einen Überraschungsangriff zu verschleiern.
Was dann die anfänglich von unserer Regierung zu diesem Flug abgegebene Erklärung anbetrifft, so sollte sie den Piloten, seine Mission
und unsere Geheimdienstverfahren in einem Augenblick schützen, in dem
über die genauen Fakten noch Ungewißheit bestand.
Unsere ersten Informationen darüber, daß diese Mission fehlgeschlagen
war, sagten nicht, ob der Pilot noch am Leben war, ob er zu entkommen
suchte, ob er einer Befragung auswich oder ob sowohl das Flugzeug wie
auch der Pilot der Vernichtung anheimgefallen waren. Der Schutz unseres
Geheimdienstsy3tems und des Piloten und die Verheimlichung der Mission
des Flugzeuges schienen noch eine zwingende Notwendigkeit zu sein. Man
muß bedenken, daß diese Flüge uns über einen langen Zeitraum hinweg
Informationen von größter Wichtigkeit für die Sicherheit unseres Landes
erbracht haben. Ihr Erfolg war durchaus bemerkenswert.
Aus

�"AMERIKA DIENST"

3. Juni 1960

Aus diesen Gründen wurde, wie es in Geheimdienstkreisen heißt,
eine "abschirmende Erklärung" herausgegeben. Sie wurde auf Grund von
Annahmen abgegeben, die sich später als unrichtig herausstellten. Infolgedessen wurden dann, als später das Schicksal des Piloten endgültig
feststand und es keinerlei weitere Möglichkeiten mehr gab, um eine Aufdeckung des Projektes zu verhindern, die tatsächlichen Details bekanntgegeben.
Ich machte der Öffentlichkeit daraufhin zwei Tatsachen klar:
Erstens, unser Luftaufklärungsprogramm war mit meiner Billigung unternommen worden; zweitens, unsere Regierung ist gezwungen, sich auf die
eine oder andere Weise über die militärischen Tätigkeiten der Sowjets
auf dem laufenden zu halten, genauso wie die sowjetische Regierung seit
Jahren in unserem Lande und in der ganzen Welt Spionage betrieben hat.
Die für uns bestehende Notwendigkeit, diese Tätigkeiten fortzuführen,
wurde auch von unserem Außenminister bekräftigt, der jedoch - genau wie
ich - bedacht war, nicht zu erklären, daß diese besonderen Flüge weiter
durchgeführt werden würden.
Ja, ehe ich von Washington abflog, hatte ich Anweisung erteilt,
diese U-2-Flüge einzustellen. Zweifellos war ihr Nutzen nun nicht mehr
so groß. Außerdem aber mußte eine Portsetzung dieser besonderen Aktion
unter den neugeschaffenen Umständen lediglich die Beziehungen einiger
unserer Verbündeten zu den Sowjets komplizieren. Außerdem aber werden
ständig neue Techniken entwickelt, die anders als das Flugzeug arbeiten.
Ich wollte nicht, daß diese Entscheidung veröffentlicht wurde, bevor
ich sie persönlich auf der Gipfelkonferenz in Verbindung mit bestimmten
von mir für die Konferenz vorbereiteten Vorschlägen bekanntgeben konnte.
Auf meiner ersten Zusammenkunft mit Herrn Chruschtschow in Paris und
noch bevor seine lange Rede veröffentlicht wurde, unterrichtete ich ihn
über die Einstellung dieser Flüge sowie den Charakter der konstruktiven
Vorschläge, die ich vorzubringen gedachte. Diese sahen die Errichtung
eines von den Vereinten Nationen durchgeführten Luftüberwachungssystems
vor.
An dem Tage vor der ersten angesetzten Konferenz hat Herr Chruschtschow Staatspräsident de Gaulle und Premierminister MacMillan davon unterrichtet, daß er an die Vereinigten Staaten bestimmte Forderungen als Vorbedingung für den Beginn einer Gipfelkonferenz richten würde.
Obwohl die Vereinigten Staaten die einzige Macht waren, gegen die
er sein Mißfallen zum Ausdruck brachte, hat er mir dies nicht mitgeteilt.
Ich war selbstverständlich von unseren Verbündeten darüber unterrichtet
worden.
Am Montagmorgen forderte er auf dem Treffen der vier Mächte von den
Vereinigten Staaten viererlei: erstens, die Verurteilung der U-2-Flüge
als Spionagemethode; zweitens, die Zusicherung, daß diese Flüge nicht
fortgesetzt werden würden; drittens, eine öffentliche Entschuldigung seitens der Vereinigten Staaten; und viertens»die Bestrafung all derjenigen.

- 4 -

�"AMERIKA DIENST"

3. Juni

i960

derjenigen, die irgendwie für diese besondere Mission verantwortlich waren.
Meine Antwort "bestand darin, daß ich den führenden sowjetischen Staatsmann wissen ließ, daß ich während der vergangenen Woche diese Flüge hatte
einstellen lassen und daß sie nicht wieder aufgenommen werden sollten.
Ich bot ferner an, die Angelegenheit mit ihm in persönlichen Zusammenkünften zu besprechen, während die reguläre Arbeit der Konferenz hätte
fortgeführt werden können. Verständlicherweise konnte ich nicht auf seine
extremen Forderungen eingehen. Er wußte natürlich, daß die Sowjetunion
durch das Festhalten an gerade diesen Forderungen die Gipfelkonferenz zum
Scheitern brachte.
Als Herr Chruschtschow die Konferenz torpedierte, hat er behauptet,
daß er auf Grund seines eigenen starken moralischen Ekels vor den angeblichen amerikanischen Aggressionsakten so handele. Wie ich bereits zuvor
sagte, hat er von diesen Flügen schon seit langer Zeit gewußt. Es ist ganz
offensichtlich, daß die Sowjets, noch bevor die sowjetische Delegation
Moskau verließ, bereits beschlossen hatten, daß meine Reise nach der Sowjetunion abgesagt werden sollte und daß die Gipfelkonferenz, von ihrem Standpunkt aus gesehen, nichts Konstruktives erbringen werde.
Bei der Auswertung der Ergebnisse, so glaube ich, dürfen wir nicht
alles mit roter Tinte eintragen. Es gibt auch verschiedene Dinge, die wir
in Schwarz in die Bilanz eintragen können. Vielleicht hat dieses Verhalten
der Sowjets die Uhr etwas zurückgedreht, es sollte aber beachtet werden,
daß Herr Chruschtschow nicht über Schmähungen hinausging - ein ziemlich
abgenutztes sowjetisches Mittel, um ein Sofortziel zu erreichen.
Wir haben unsererseits in Paris erneut die Bereitschaft Amerikas und
seiner Verbündeten unter Beweis gestellt, um des Friedens willen stets
noch einen Schritt weiter zu gehen. Wieder einmal hat die schroffe Unnachgiebigkeit der Sowjets uns allen die Unberechenbarkeit despotischer Herrschaft vor Augen geführt und die Notwendigkeit für diejenigen gezeigt, die
für die Freiheit wirken, entschlossen und fest zusammenzustehen.
Das Verhalten unserer Verbündeten war großartig. Meine Kollegen und
Freunde - Präsident de Gaulle und Premierminister MacMillan - standen fest
zu der amerikanischen Delegation trotz der beharrlichen sowjetischen Versuche, die westliche Gruppe zu spalten. Das NATO-Treffen im Anschluß an die
Pariser Konferenz zeigte eine Einigkeit und ein Eintreten für die Allianz
und die auf dem Gipfeltreffen eingenommene Haltung wie nie zuvor. Ich
danke dafür den Verbündeten in unser aller Namen.
Was soll in Zukunft werden?
Und nun - und das ist wohl das Wichtigste - was soll in Zukunft werden?
Wir alle wissen, daß ein Weltkrieg, ob er nun vorsätzlich begonnen wird oder
zufällig ausbricht, die Zivilisation zu einem Trümmerfeld machen würde. Dies
gilt für das sowjetische System genauso wie für alle übrigen. In einem Atomkrieg kann es keine Gewinner, sondern nur Verlierer geben. Selbst Despoten
wissen dies. Herr Chruschtschow erklärte in der vergangenen Woche, er sei
sich völlig darüber im klaren, daß ein Atomkrieg für beide Seiten eine
Katastrophe heraufbeschwören würde. Die Anerkennung dieses beiderseitigen

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�"AMERIKA DIENST"

3. Juni

i960

beiderseitigen Vernichtungspotentials ist die grundlegende Realität unserer
gegenwärtigen Beziehungen. Dies bedeutet jedoch ganz sicher nicht, daß wir
jemals den Versuch aufgeben werden, eine vernünftigere und hoffnungsvollere
Realität zu schaffen - eine bessere Grundlage für unsere geraeinsamen Beziehungen.
Um dies zu erreichen, müssen wir folgende Wege einschlagen, und ich
bin zuversichtlich, daß die große Mehrheit unseres Volkes ohne Unterschied
der Parteien ihnen seine Unterstützung geben wird:
Erstens, wir müssen unsere Stärke bewahren und sie für die kommenden
Zeiten aufrechterhalten - eine Stärke, die weder in Selbstgefälligkeit vernachlässigt noch in Hysterie übertrieben werden darf. Auf diese V/eise können wir es jedem klarmachen, daß die Anwendung von Erpressungstaktiken oder
einer Aggression gegen uns oder unsere Verbündeten keinen Gewinn bringen
kann.
Zweitens, wir müssen mit den führenden sowjetischen Politikern weiterhin in sachlicher Weise über die offenstehenden Probleme verhandeln und die
Kontakte zwischen unserem und dem sowjetischen Volk verbessern, um auf
diese Weise deutlich zu machen, daß der Weg der Vernunft und des gesunden
Menschenverstandes immer noch offen ist, sofern die Sowjets ihn nur benutzen
wollen.
Drittens, um die Bedingungen, unter denen die menschliche Freiheit gedeihen kann, in der Welt zu verbessern, müssen wir weiterhin mit positiven
Programmen im eigenen Land und im Ausland voranschreiten und mit den freien
Nationen auf der ganzen Welt eng zusammenarbeiten. Hierbei werden wir den
Vereinten Nationen und den großen Prinzipien, für die sie einstehen, weiterhin unsere stärkste Unterstützung zuteil werden lassen.
Was nun die erste dieser Zielsetzungen anbetrifft - unsere Verteidigung
ist wohlfundiert. Sie ist genau auf die Situation zugeschnitten, der wir
gegenwärtig gegenüberstehen. Daß sie ausreicht, war meine Hauptsorge in
diesen letzten sieben Jahren - ja praktisch mein ganzes Leben lang.
Die Zusammensetzung und die Stärke unserer Streitkräfte ist niemals
in irgendeiner Weise durch schmeichlerische Worte der Sowjets bestimmt
oder beeinflußt worden. Lies wird auch niemals der Fall sein. Wir werden
damit fortfahren, die bereits für diese Streitkräfte geplanten großen Verbesserungen durchzuführen. Sie werden weiterhin einsatzbereit gehalten
werden - und einer ständigen Überprüfung unterliegen. Für alle infolge technischer Fortschritte oder internationaler Ereignisse erforderlich werdenden
Änderungen werden sofort Empfehlungen vorgelegt werden.
Diese Stärke - bei weitem die mächtigste auf Erden - dient, ich unterstreiche dies, ausschließlich zur Abschreckung, Verteidigung und für Vergeltungszwecke und enthält keinerlei Drohung oder aggressive Absicht gegen
irgend jemand.
Was den zweiten Teil unserer Politik anbetrifft - die Beziehungen zu
den Sowjets - so sind wir und die gesamte Welt uns darüber im klaren, daß
trotz unserer jüngsten Enttäuschung ein Fortschritt in Richtung auf das Ziel

�'AMERIKA DIENST

3. Juni i960

Ziel eines gegenseitigen Verstehens, einer Verringerung der Ursachen der
Spannungen und einer Reduzierung der Rüstungen so notwendig ist wie
je zuvor.
'.Vir werden diese friedlichen Bemühungen einschließlich der Teilnahme
an den derzeit laufenden Verhandlungen mit der Sowjetunion fortsetzen.
Bei diesen Verhandlungen haben wir einen gewissen Fortschritt erzielt.
Wir sind bereit, ihn zu erhalten und darauf aufzubauen. Das alliierte
Kommunique in Paris und meine eigene Erklärung bei meiner Rückkehr nach
den Vereinigten Staaten sollten dies der sowjetischen Regierung zur Genüge
klargemacht haben.
Wir führen diese Verhandlungen nicht auf der Grundlage einer Harmonie an der Oberfläche noch werden wir durch schlechtes Betragen abgeschreckt. Vielmehr betrachten wir sie als ein sorgfältiges Suchen nach
gemeinsamen Interessen in bestimmten Fragen zwischen den westlichen
Alliierten und der Sowjetunion.
Ich denke dabei im besonderen an die Verhandlungen über die Atomversuche und die Abrüstung. Wir werden nicht auf Grund der jüngsten Ereignisse in diesen Anstrengungen nachlassen oder von den von uns eingegangenen Verpflichtungen abgehen. Ebensowenig werden wir in unserer Suche
nach neuen Mitteln und Wegen zur Reduzierung des Kriegsrisikos infolge
fääscher Einschätzung der Lage sowie zur Verwirklichung einer verifizierbaren Abrüstung nachlassen.
Ein großes Ziel Amerikas ist eine Welt "offener Gesellschaften".
Hier in unserem Lande kann jedermann Karten und Luftaufnahmen kaufen,
auf denen unsere Städte, unsere Dämme, unsere Gemeinden, unsere Autostraßen
ja der ganze Industrie- und Wirtschaftskomplex zu sehen sind. Die sowjetischen Attaches sammeln regelmäßig diese Unterlagen. Im vergangenen Herbst
fuhr der Zug des Ministerpräsidenten Chruschtschow knapp hundert Meter
von einer Interkontinentalrakete vorbei, die von seinem Abteilfenster
aus klar zu sehen war. Unsere vielen tausend Bücher und wissenschaftlichen
Zeitschriften, unsere Magazine, Zeitungen und offiziellen Publikationen,
unser Rundfunk und das Fernsehen - sie alle geben der ganzen Welt ganz
offen eine Beschreibung aller Aspekte unserer Gesellschaft.
Dies ist alles so, wie es sein sollte. Wir sind stolz auf unsere
Freiheit. Dennoch bleibt das sowjetische Mißtrauen bestehen. Um diese
Befürchtungen und Zweifel zu zerstreuen, machte ich vor fünf Jahren das
Angebot, unseren Luftraum für sowjetische Aufklärungsflüge - auf einer
Basis der Gegenseitigkeit - freizugeben. Die Sowjets lehnten ab. Das Angebot aber besteht noch. Zu einem geeigneten Zeitpunkt wird Amerika ein.
derartiges Programm den Vereinten Nationen zusammen mit der Empfehlung
vorlegen, daß die Vereinten Nationen ihrerseits diese Aufklärungsflüge
durchführen. Sollte dieser Vorschlag von den Vereinten Nationen angenommen
werden, so bin ich zu dem Angebot bereit, daß Amerika einen Teil der
Flugzeuge und der erforderlichen Ausrüstung stellt.
Ich habe hier eine Aufnahme der North-Island-Marinestation in
San Diego in Kalifornien. Sie wurde aus einer Höhe von über 70 000 Fuß
(rund 21 000 Meter) gemacht. Sie mögen es vielleicht an ihren Fernseh-

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�AMERIKA DIENST"

3. Juni 196O

Fernsehschirmen nicht erkennen können, aber die weißen Streifen der
Parkplätze rund um den Flugplatz sind aus 13 Meilen Höhe klar erkennbar.
Diese Linien sind nur etwa 15 Zentimeter breit. Offensichtlich sind die
meisten Details, die für eine militärische Auswertung des Flugplatzes
und seiner Flugzeuge notwendig sind, deutlich zu unterscheiden.
Ich zeige Ihnen diese Aufnahme als ein Beispiel dafür, was durch
eine Luftüberwachung durch die Vereinten Nationen erreicht werden könnte.
Wenn die Vereinten Nationen diese Politik, dieses Programm, durchführen
sollten und die großen Nationen der Welt es akzeptieren würden, dann
würde, davon bin ich fest überzeugt, nicht nur die ganze Menschheit
in der Gewißheit leben, daß sie vor jedem Überraschungsangriff aus jeder
Richtung sicher ist, sondern auch die größte Spannung, nämlich die Furcht
vor dem Kriege, in der ganzen Welt beseitigt sein. Ich hoffe ernsthaft,
daß die Vereinten Nationen ein solches Programm in Angriff nehmen.
Was uns Amerikaner anbetrifft, so werden unsere Programme zur Verstärkung der Kontakte zwischen allen Völkern fortgesetzt werden. Trotz
der von den Männern im Kreml plötzlich zum Ausdruck gebrachten Feindseligkeiten, bleibe ich davon überzeugt, daß das sowjetische Volk im Grunde
von den gleichen Wünschen und dem gleichen Verlangen beseelt ist wie das
unsrige. Ich glaube, daß die Sowjetbürger dem amerikanischen Volk eine aufrichtige Freundschaft entgegenbringen. Ich bin zutiefst davon überzeugt,
daß sie vor allem aber einen beständigen Frieden wünschen und anstelle von
immer mehr Kriegsgerät lieber eine Möglichkeit für ein reicheres Leben
sähen.
Ich wende mich jetzt dem dritten Teil der amerikanischen Politik der Stärkung der Freiheit - zu. Wir müssen noch weit mehr tun, als uns
lediglich mit der militärischen Verteidigung gegen den kommunistischen
Block und unseren Beziehungen zu ihm zu befassen. Wir müssen darüber
hinaus überall in der Welt konstruktive Programme fördern, um das Los
der Menschen in den Entwicklungsländern zu bessern. Es darf nicht zugelassen werden, daß der Zickzackkurs des Kreml unsere weltweiten Programme
und Zielsetzungen stört. In der vor uns liegenden Zeit können diese Programme sehr wohl zum entscheidenden Faktor in unserem ständigen Suchen
nach einem Frieden in Freiheit werden.
Die Völker der Entwicklungsländer werden die dringend benötigte Hilfe
bestimmt erhalten. Wenn diese Hilfe nicht von uns und unseren Freunden
kommt, dann werden diese Völker dazu getrieben werden, sie bei den Feinden
der Freiheit zu suchen. Darüber hinaus blicken diejenigen, die sich mit
uns zu einer Partnerschaft in der Verteidigung zusammengeschlossen haben,
auf uns und erwarten von uns Beweise unserer Standhaftigkeit. Wir dürfen
in unseren gemeinsamen Sicherheitsanstrengungen nicht nachlassen.
Dazu kann jeder von uns etwas Spezifisches tun, und zwar sofort. Es
ist dringend erforderlich, daß keine einschneidenden Kürzungen bei den für
die gemeinsame Sicherheit empfohlenen Ermächtigungen - sei es für militärische oder wirtschaftliche Zwecke - vorgenommen werden. Wir müssen
mit unserer ganzen Klugheit und all unserer Stärke dieses Programm unterstützen. Wir sind stolz darauf, daß wir Amerika einen Staat des Volkes
nennen können. Wenn sich das Volk über die Bedeutung dieses Programms klar

-

8

�"AMERIKA DIENST"

5. Juni

196O

klar ist und im ganzen Land seine Stimme dafür erhebt, dann kann an seinem
anhaltenden Erfolg keinerlei Zweifel bestehen.
Meine amerikanischen Mitbürger, vor langer Zeit habe ich Ihnen das
Versprechen gegeben, daß ich überall hinreisen würde, um die Sache des
Friedens zu fördern. Ich halte an diesem Versprechen fest, nach einem
Frieden in Würde, Freundschaft, in Ehre und Gerechtigkeit zu trachten.
Von der festen Grundlage unserer geistigen und materiellen Stärke
ausgehend und den Allmächtigen um Rat bittend, werden wir und unsere Verbündeten weiterhin für das Überleben der Menschheit in Freiheit und für
die Ziele gegenseitiger Achtung, gegenseitigen Verständnisses und der Aufgeschlossenheit aller Nationen füreinander arbeiten.
Ich danke Ihnen und wünsche Ihnen eine gute Nacht.

* * * * *

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�A M E R I K A

D I E N S T

All?

OSTBLOCK BRACH GENFER ABRÜSTUNGSVERHANDLUNGEN AB
ABRÜSTUNGSKONFERENZ VERÖFFENTLICHTE KOMMUNIQUE
ERKLÄRUNGEN DES US-AUSSENMINISTERIUMS ZUM
KOMMUNISTISCHEN SCHRITT IN GENF
DER NEUE AMERIKANISCHE ABRUSTUNG3PLAN
DIE LETZTEN JÜCHEN DER GENFER
ABRÜSTUNGSKONFERENZ

* » * * *

�"AMERIKA DIENST"

1. Juli.,1960

OSTBLOCK BRACH GENFER ABRÜSTUNGSVERHANDLUNGEN AB
GENF - (AD) - Die Sowjets haben am 2J. Juni i960 die ZehnMächte-Abrüstungsverhandlungen in Genf abgebrochen. Die
von dem amerikanischen Chefdelegierten Eaton dazu abgegebene Erklärung hat folgenden Wortlaut:

Herr Vorsitzender!
Dies ist ein trauriger Augenblick. Die Sowjets haben die Diskussion
abgebrochen. Trotz unserer Aufforderung, hierzubleiben und uns bis zu
Ende anzuhören - in der Hoffnung, daß sie ihre Ansicht vielleicht ändern
würden -,haben sie den Konferenzraum verlassen. Kurz nachdem wir unsere
Gespräche wieder aufgenommen haben, entschlossen sie sich, sie abzubrechen. Diese entmutigende Mißachtung der Hoffnungen der Menschheit versuchen sie damit zu rechtfertigen, daß sie den verbündeten Mächten die
Schuld an dem mangelnden Fortschritt bei unseren Verhandlungen geben.
Der sowjetische Delegierte behauptet, daß die Regierungen der verbündeten Mächte nicht wirklich für eine allgemeine und vollständige Abrüstung - ja überhaupt für eine Abrüstung - eintreten. Diese Behauptung
glaubt er selbst nicht, noch glaubt sie irgend jemand hier am Konferenztisch,und auch die Welt glaubt sie nicht. Mit falschen und dürftigen
Gründen hat Herr Sorin die für die Welt so entscheidend wichtigen Verhandlungen in Bausch und Bogen zum Stillstand gebracht. Auch für die
Bevölkerung der Sowjetunion und des kommunistischen Blocks waren sie von
entscheidender Wichtigkeit._
Welche Absicht verfolgen die Sowjets mit der Torpedierung dieser
Konferenz? Die Absicht liegt jetzt klar auf der Hand. Die Sowjets sandten
ihre Delegation wieder zurück nach Genf - genauso wie die Sowjets nach
Paris gingen -, nicht entschlossen, zu verhandeln, sondern die Verhandlungen zunichte zu machen, nicht Abkommen zu erreichen, sondern Abkommen
zu verhindern. Genauso wie Herr Chruschtschow die Gipfelkonferenz torpediert hat, so haben die Sowjets jetzt die Zehn-Mächte-Konferenz torpediert.
Es ist jetzt ganz klar, daß sie entschlossen zu sein scheinen, jedes ernsthafte Gespräch zu hintertreiben, bei dem Meinungsverschiedenheiten beigelegt werden könnten.
Diese sowjetische Handlungsweise heute, diese Weigerung, die Gespräche fortzusetzen, ist ein überzeugender Beweis dafür, daß die derzeitige sowjetische Begründung Propaganda ist, reine Propaganda. Ich
habe niemals zuvor diese Anschuldigung erhoben; ich habe bis jetzt gezögert, das zu tun. Ich trat an diese Aufgabe in dem Glauben heran, daß
die Sowjets ein Abrüstungsabkommen zu erreichen wünschten. Ich hatte gehofft, wir könnten irgendein Gebiet gemeinsamer Interessen finden, auf dem
die Sowjets und wir auf der alliierten Seite ein Abkommen erreichen könnten,
Es ist jetzt hinreichend klar geworden, daß meine Auffassung falsch war.
Die Sowjets hatten von allem Anfang an gar nicht die Absicht, ein Abrüstungsabkommen zu erreichen.
Wir

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�"ALERlx'.A DIENST"

1 . Juli 196O

,ir haben heute von dem sowjetischen Delegierten harte und verletzende Worte gehört, die pflichtgemäß von jedem Vertreter der anderen
Sov. Jetblockstaaten wiederholt ./urden. .Vir haben Verdrehungen unseres
Standpunktes und unwahre Behauptungen über unsere Motive gehört. Ich
will Herrn Sorin nicht mit der gleichen Mißachtung für die Tatsachen
des internationalen Lebens und die Hoffnungen der Menschheit antworten,
die er heute auf Anweisung demonstriert hat.
Die Vereinigten Staaten, eine reife und mächtige Nation, sind der
Ansicht, daß die Verantwortung, die die großen Mächte der Welt tragen,
um die Kriegsgefahr durch eine kontrollierte Abrüstung zu verringern,
zu gro? ist, als daß man sich wo verhalten könnte.
Ich werde daher in demselben Geist sprechen, von dem unsere Teilnahme
an dieser Konferenz getragen war, nämlich von dem ernsthaften Wunsch, in
realistische Verhandlungen einzutreten. Aus diesem Geist heraus haben wir
am 7« Juni unsere Sitzungen wieder aufgenommen und haben die Unfreundlichkeiten der Pariser Konferenz nicht in unsere Diskussionen hineingetragen,
sondern vielmehr versucht, die revidierten sov/jetischen Vorschläge vom
2. Juni genau zu prüfen. '.Vir taten dies, weil wir entschlossen waren, jede
Möglichkeit, die vielleicht Fortschritte in der Abrüstungsfrage versprach,
zu nutzen. Aus diesem Grunde brachte die Delegation der Vereinigten Staaten
ihre Bereitschaft zum Ausdruck, die sowjetischen Vorschläge zu prüfen,
in der Hoffnung, daß sie einen echten Verhandlungswunsch der Sowjets
repräsentierten. Diese Hoffnung hat sieb als trügerisch erwiesen.
Was wir im Rahmen der uns gebotenen begrenzten Möglichkeiten herausfanden, war in erster Linie eine Änderung der Form statt der Substanz.
Der Schritt in Richtung auf die praktische! alliierten Vorschläge, den die Sowjets behaupteten getan zu haben, war entweder illusorisch oder an unmögliche Bedingungen geknüpft.
Die Sowjets schienen die Notwendigkeit, sich mit dem Problem der modernen Möglichkeiten des Einsatzes nuklearer .Yaffen zu befassen, in größerem
Maße anzuerkennen. Waa die Sowjets jedoch tatsächlich vorschlugen, war etwas,
von dem sie wußten, daß die freie Veit es nicht akzeptieren konnte - nämlich,
als einem ersten Schritt, sich dazu zu verpflichten, innerhalb eines Zeitraumes von Monaten ihre entscheidenden Mittel der kollektiven Selbstverteidigung zu zerstören. Die Sowjets wollten uns dazu veranlassen, unsere
vorhandenen Möglichkeiten der Selbstverteidigung aufzugeben und unsere
Alliierten gegenüber der kommunistischen Aggression im Stich zu lassen.
Die Sowjets setzten sich für diese radikale Maßnahme ein, statt progressive
und kontrollierte Reduzierungen der Rüstungen und der Streitkräfte zu unterstützen.
Wie stand es mit der kritischen Frage der Kontrolle? Wenn die Sowjetunion auch in ihrem Dokument vom 2. Juni den Kontrollen mehr Raum widmete
als in ihren früheren Vorschlägen, so haben unsere Gespräche hier doch gezeigt, daß die sowjetische Delegation nicht bereit war, auch nur im Prinzip
zu akzeptieren, daß die internationalen Inspektoren das Recht haben müssen,
festzustellen, ob verborgene Einrichtungen oder geheimgehaltene Streitkräfte
noch vorhanden sind. Zum Beispiel wurden die Sowjets uns nicht gestatten, die
Stärke der Truppen vor und nach Reduzierungen festzustellen. Das Konferenzprotokoll wird dies zeigen.
•*•
2

�'AMERIKA DIENST"

1. Juli 196O

Die Sowjets haben darauf bestanden, daß keinerlei spezifische Kontrollmaßnahmen erörtert werden können, bevor nicht alle Elemente eines
Abrüstungsprogramms ausgearbeitet worden sind und Übereinstimmung hierüber
erzielt worden ist. Dies dient ihnen zu dem Zweck, jede wirkliche Probe
aufs Exempel dessen zu vermeiden, was auf dem entscheidend wichtigen
Gebiet der Verifizierung gestattet sein würde. Die Sowjets bezeichnen
Kontrollen - zweiseitige Kontrollen, die uns genauso betreffen wie sie als Spionage. Die Anschuldigung der Spionage ist für sie der Deckmantel,
hinter dem sie sich verstecken. Sie nennen es Spionage, wenn wir nach
Mitteln zur Verifizierung von Abrüstungsabkommen suchen. Wir haben festgestellt, daß sich die grundlegende Einstellung, mit der die sowjetische
Regierung an die Abrüstungsfrage herantritt, seit der Unterbrechung nicht
um ein Jota geändert hat.
Die sowjetische Forderung, als ersten Schritt alle kollektiven Sicherheitsabkommen der Verbündeten zu liquidieren, zeigt, daß die sowjetische
Regierung immer noch nicht die allgemein anerkannte Konzeption akzeptiert,
daß die Abrüstung in einer Weise vor sich gehen sollte, die die Sicherheit
keines Staates und keiner Staatengruppe gefährdet.
Die Sowjets bestehen darauf, daß die Abrüstung im einzelnen an diesem
Konferenztisch ausgehandelt und von allen Staaten der Welt auf einer
irgendwann in ferner Zukunft einzuberufenden Konferenz gebilligt werden
müsse, ehe eine reale Abrüstungsmaßnahme getroffen wird. Die derzeitigen
Waffen, die wir unter Kontrolle zu bringen versuchen, würden, ehe dieser
ganze Prozeß abgewickelt werden könnte, so veraltet sein, wie es die
Tomahawks heute sind.
Mit anderen Worten - die Sowjets wollen jede nützliche Aktion auf dem
Gebiet der Abrüstung in die unbestimmte Zukunft verschieben. Dies ist eine
betrügerische Methode, und wir sind nicht gewillt, dabei mitzumachen.
Heute nun beschuldigt die sowjetische Delegation die verbündeten Nationen, daß es ihnen an ehrlichem Y/illen fehle, weil sie diese sowjetischen
Vorschläge nicht ohne weiteres annehmen wollen. V/er wird dem Glauben
schenken? Als wir zu dem sowjetischen Plan Fragen stellten, wurde uns sofort Mangel an gutem Willen, ehrlichen Absichten und fehlende Anpassungsfähigkeit vorgeworfen. Es gibt unter solchen Bedingungen keine Möglichkeit, ernsthafte Diskussionen zu führen.
In dem Augenblick, wo wir irgend etwas an dem sowjetischen Plan in
Frage stellten, wurden wir - und dies werden die von den Vereinten Nationen
geführten Protokolle erweisen - beschuldigt, an der Abrüstung nicht interessiert zu sein. Wenn dies eine Methode der ernsthaften Verhandlung
ist, dann ist es eine Methode, die der gesamten freien Welt völlig fremd
ist.
Auf der anderen Seite haben sich die Vereinigten Staaten und ihre"
Partner erfolglos darum bemüht, die Sowjetunion und ihre Verbündeten dazu
zu bewegen, die gleiche Bereitschaft zur Erörterung der westlichen Vorschläge
zu zeigen, wie wir sie hinsichtlich der kommunistischen Pläne an den Tag
gelegt haben. Wir haben immer wieder versucht, dafür zu sorgen, daß diese
Konferenz zur eigentlichen Sache kommt, daß sie sich nicht in Allgemeinplätzen über utopische Dinge ergeht, sondern sich um Abkommen über spezifische

�'AMERIKA DIENST"

1 . Juli 196O

spezifische und kontrollierte Abrüstungsmaßnahmen bemüht. Dies würde es
uns ermöglichen, einen Anfang in Richtung auf das Ziel einer allgemeinen
und völligen Abrüstung zu machen, während wir dann unsere Verhandlungen
über spätere Phasen fortsetzen könnten, um ein Abkommen über einen schließlichen Vertrag zu erreichen, der eine internationale Friedensmacht zur
dauernden Wahrung des Friedens in der Welt schaffen und somit verhindern
würde, daß Meinungsverschiedenheiten, die es immer geben wird, den Frieden
der Welt bedrohten.
Das Programm, das die alliierten Delegationen hier vorlegten, war ein
Programm des Handelns, nicht der Worte - ein Programm der Maßnahmen, die
jetzt getroffen werden können und nicht in ferner Zukunft.
Wir haben eine Reduzierung der Mannschaftsstärken und der Rüstungen
vorgeschlagen. Wir haben uns um ein Abkommen bemüht, das den Aufbau
nuklearer Waffenvorräte beenden und das mit der Reduzierung der vorhandenen
Bestände beginnen würde.
Man gab uns niemals die Gelegenheit, unsere Ansichten über die Mengen
an nuklearem Material zu erörtern, die sofort aus den Waffenvorräten herausgezogen werden sollten, um damit den Abrüstungsprozeß wirklich zu beginnen.
Wir haben freiwillig angeboten, unsere Bestände zu verringern, aber
die Sowjets wollten nicht einmal über die Einstellung der Produktion sprechen. Wir haben uns darum bemüht, durch ein kontrolliertes Abkommen zu
verhindern, daß Massenvernichtungsmittel jemals in den Weltenraum gebracht
werden.
Wir wollten uns heute hier darum bemühen, daß keine Kernwaffen in den
Weltenraum gelangen, damit nicht der "Punkt erreicht wird, von dem es kein
Zurück mehr gibt" - ein Satz, den Herr Moch im Jahre 1951 prägte. Dies ist
ein überaus wichtiger Satz, und wir sollten ihn uns immer vor Augen halten.
Derartigen Waffen sollte Einhalt geboten werden, bevor sie starten.
Wir haben ein Abkommen angestrebt, daß das Auflassen von Raumkörpern
im voraus bekanntgegeben wird, und um sicherzustellen, daß eine vorherige
Benachrichtigung über den Abschuß von Raketen erfolgt, damit Fehlkalkulationen ausgeschaltet werden und dadurch die Gefahr eines Krieges verringert
wird.
Wir haben Abkommen über Maßnahmen angestrebt, um den Schutz vor einem
Überraschungsangriff zu erhöhen und dadurch das Vertrauen und die Sicherheit
überall in der Welt zu stärken.
Wir haben ein Abkommen über einen Austausch von Informationen über
militärische Einrichtungen und militärische Ausgaben angestrebt, um die
Verifizierung zu erleichtern.
Wir haben ein Abkommen angestrebt, um mit der Verbesserung des internationalen Apparates zur Erhaltung des Friedens zu beginnen, damit Bedingungen geschaffen werden, die die Durchführung einer umfassenden Abrüstung
erleichtern würden.
Wir

�"AVSRIKA DIENST"

1 . Juli

1960

Ziv haben die Sowjetunion ersucht, irgendeinen dieser Vorschläge
als Basis für erste Gespräch« und Verhandlungen auszuwählen.
Bei all dem sind wir auf die gleiche starre Ablehnung gestoßen,
die die Sowjetunion fast stets zeigt, wenn ihr Denken auf Propaganda
und nicht auf ernsthafte Verhandlungen gerichtet ist. Die Antwort war,
daß kein Anfang gemacht werden könne, bevor wir nicht einem vollständigen
uro detaillierten Vortrag über eine allgemeine und umfassende Abrüstung
zus i immer. - und dies trotz der Tatsache, daß sich die Völker in den
'15jährigen Verhandlungen seit dem Kriege nicht einmal über erste Maßnahmen
einigen kennten.
Trotz des Ausbleibens von Fortschritten, das für unsere bisherigen
Verhandlungen charakteristisch war, haben die Vereinigten Staaten und
ihre Verbündeten ar diesem Konferenztisch die Hoffnung nicht aufgegeben,
da 12 v eitere Gespräche vielleicht mögliche Gebiete der Übereinstimmung
erschließen könnten, a e ich bereits zuvor gesagt habe, betrachtet mein
Land seine Verantwortung gegenüber der Menschheit als zu schwer, um es
meiner Delegation zu [es matten, ihre Bemühungen um die Erreichung eines
Abkommens einzustellen. Ter Schritt der sowjetischen Delegation heute
jedoch ist nicht der Schritt einer Delegation, deren Land ernsthaft an
Verhandlungen interessiert ist.
Trotzdem hatten .vir die Hoffnung hier an diesem Konferenztisch nicht
aufgegeben. Freitag morgen vor einer Woche ging ich hinüber zu Herrn
Sorin, der damals am Kcnfererztisch mir gegenüber saß. Ich erklärte Herrn
Sorin privat, ich rürde ajf sein Lrsuchen hin, die uns von ihm gestellten
Fragen doch bald zu beantworten, nach Washington reisen, um die hier zum
Ausdruck gebrachten Vnsichten zu erörtern - die Ansichten unserer Alliierten hier an diesem Aonferenztisch und die Ansichten unserer eigenen Delegation. Ich war ^.er Meinung;, daß der Stand dieser Verhandlungen sowie die
Größe der Probleme, denen wir uns gegeni'bersahen, meine Rückkehr nach
Washington rechtfertigten, um meiner Regierung einen Bericht aus erster
Hand über die Atmosphäre in Genf zu geben. Es war mein Ziel, meiner Regierung die Ansichten unserer Alliierten zu übermitteln und zum frühestmöglichen Zeitpunkt einen Standpunkt zu erlangen, der sowohl diese Ansichten als auch unsere eigenen widerspiegeln würde.
Gestern bin ich nach Genf zurückgekehrt. Ich traf mit unseren
Alliierten zusammen und unterbreitete ihnen das Dokument, das von meiner
Regierung in Washington vorbereitet worden war. Ich konnte eine sehr positive Reaktion auf dieses Dokument feststellen. Wir machten uns sofort
dar' n, diese Unterlagen so zu formulieren, daß wir sie noch in dieser Woche
als einen vereinbarten westlichen Standpunkt am Verhandlungstisch präsentierer konnten.
Als ich heute morgen in diese Sitzung kam, ging ich su Herrn Sorin
und erklärte ihm privat, daß meine Erörterungen in Washington sehr nützlich gewesen seien und daß ich mit eirer positiven Einstellung zurückgekehrt sei, die meiner Meinung nach sicherlich unsere Erörterungen hier
fördern würde und die ich in einigen Tagen hier in Genf unterbreiten könnte.
Die einzige Stellungnahme von Herrn Sori;: bestand darin, de ß er mir erklärte,
die Erörterungen hätten hier in den letzten Tagen keinen guten Verlauf genommen. Vor zehn Tagen, als ich Herrn Sorin über meine Reiao nach WashiriKton

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5 -

�AMERIKA EIEMST"

1 . Juli 1960

Washington informierte, erwiderte er mir darauf, daß er sich freuen
würde, wenn meine Reise zu einer Förderung unserer Diskussionen hier
in Genf beitragen würde.
Doch selbst mit dem Flugzeug ist dies eine lange Reise und vor
allem dam , w e m man R.-at einholen muß. Ich war in praktisch einer Woche
wieder zurück. Statt nun darüber erfreut zu sein, daß ich aus der Vereinigten Staaten mit einem bestimmten Standpunkt zurückgekehrt war ich hatte Herrn Sorin davo.i unterrichtet -, brach dieser die Konferenz
ab. Herr Vorsitzender, ich lete dieses Dokument, das ich mit mir zurückbrachte, jetzt vor, damit die Sowjets urd die 'Veit ciesen Standpunkt
kerinei.le-.nfcn mögen.Ich lege dieses Dokument als einen Plan der Vereinigten Staaten vor, weil keiner meiner westlichen Kollegen Zeit gehabt hat,
sich mit seiner Regierung zu beraten.
DarT ich hervorheben, daß es sich hier nicht um einen glänzenden
utopischer. Weg zur Abrüstung handelt. Der Plan, den wir in März dieses
Jahres vorlegten, beruhte auf soliden Grundsätzen.
Dieser Plan sollte eine gediegene Grundlage für ernsthafte Verhandlungen abgeben. Zugrunde lag das Prinzip, daß wir mit ersten Maßnahmen
voranschreiten würden, um danu die Einzelheiten späterer und schwierigerer
Stufen der allgemeinen und vollständigen Abrüstung zu erörtern. Dies ist
auch das Grundprinzip des Planes, den ich soeben vorgelegt habe.
In gewissen Kreisen hat meine Reise nach Washington betrachtliche
Spekulationen darum ausgelöst, daß ich mit einen Plan zu -üokkehren würde,
der die Veit elektrisieren würde. Dies ist jedoch nicht der Zweck des von
mir vorgelegten Dokuments. Sein Zweck ist es, in klaren und unmißverständlichen Worten den vernünftigen westlichen Weg in Richtung auf das Ziel
einer vollständigen und allgemeiner Abrüstung aufzuzeigen. Sein Zweck
ist es, als eine neue Basis zur Förderung ernsthafter Verhandlungen in
dieser entscheidend wichtigen Abrüstungsfrage zu dienen.
Das neue Dokument klärt und erweitert einige der von den westlichen
Delegationen am 16. März vorgelegten Vorschläge. Es enthält ferner neue
Gedanken, die die Ansichten unserer Verbündeten wie auch unsere eigenen
wiedergeben und die den hier -von der sowjetischen Seite zum Ausdruck gebrachten Ansichten in wichtigen Punkten Rechnung tragen.
Abschließend möchte ich betonen, daß ich überzeugt bin, daß die 'Welt
die Verhöhnung erkennen wird, die sich die Sowjetunion heute vormittag hier
geleistet hat. Ich bin ebenso überzeugt, daß die Welt anerkennen wird,
daß wir auf der alliierten Seite, die wir die Ansichten der freien V/elt
vertreten, ernsthafte Anstrengungen gemacht haben und weiterhin machen
werden, um die Hoffnungen der Menschheit auf eine sichere und freiere Welt
durch ein vernünftiges und gesichertes Abrüstungsprograram zu erfüllen.
Ich bin sicher, daß die Welt die Klugheit unserer Einstellung und das
Unrealistische der sowjetischen Haltung erkennen wird. Wenn dies der Fall
ist, dann wird unsere Konferenz nicht völlig umsonst gewesen sein.
# * # -x *

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�AMERIKA DIENST"

1 . Juli 196O

ABRÜSTUNGSKONFERENZ VERÖFFENTLICHTE KOMMUNIQUE

GENF - (AD) - Im Anschluß an die 47. seit Beginn der
Gespräche am 15« März abgehaltene. Sitzung der ZehnMächte-Ahrüstungskonferenz wurde in Genf ein Kommunique
veröffentlicht, das folgendem Wortlaut hat:

Die 47« Sitzung der Konferenz des Zehn-Mächte-Abrüstungsausschusses
wurde am 27. Juni 196O im Völkerbundspalast in Genf unter dem Vorsitz
des Vertreters Polens und im Anschluß daran unter dem Vorsitz des
Vertreters Großbritanniens abgehalten. Die Delegierten der Sowjetunion,
Bulgariens, der Tschechoslowakei, Rumäniens und Polens teilten die Absicht ihrer jeweiligen Regierungen mit, sich von der Arbeit der Konferenz zurückzuziehen. Der Vorsitzende (der Vertreter Polens) wurde,
nachdem er den Vertretern der westlichen Mächte, die auf seiner Liste
standen, das Recht zu reden verweigert hatte, als Vorsitzender durch
den Vertreter Großbritanniens ersetzt. Die Delegierten Bulgariens, der
Tschechoslowakei, Polens, Rumäniens und der Sowjetunion zogen sich von
der Konferenz zurück.

Auf einmütigen Beschluß wurden die Vertreter der Presse dann zur
Konferenz zugelassen. Es wurden Erklärungen von den Vertretern der USA,
Frankreichs, Kanadas, Italiens und Großbritanniens abgegeben. Von den
Delegierten der USA wurde ein Dokument mit dem Titel "Programm für eine
allgemeine und vollständige Abrüstung unter wirksamer internationaler
Kontrolle" mit dem Ersuchen unterbreitet, daß es vom Sekretariat der
Vereinten Nationen als Konferenzdokument in Umlauf gebracht wird. Die
Konferenz beschloß, daß das wörtliche Protokoll der 47« Sitzung so bald
wie möglich veröffentlicht v/erden sollte. Der Ausschuß vertagte sich
um 12.30 Uhr. Die nächste Sitzung findet am Dienstag, dem 28. Juni, um
10.30 Uhr vormittags statt.

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�"AIjERIKA DIENST"

1 . Juli 1960

ERKLÄRUNGEN DES US-AUSSENMINISTERIUM3 ZUM
KOMMUNISTISCHEN SCHRITT IN GENF

V/AS HINGTON - (AD) - Das amerikanische Außenministerium
bezeichnete es am Montag als "bedauerlich und enttäuschend",
daß die fünf kommunistischen Länder die Genfer Abrüstungskonferenz verlassen haben. Demgegenüber würden die fünf
westlichen Nationen auch weiterhin am Konferenztisch verharren in der Hoffnung, daß die sowjetische Seite ihren
unverantwortlichen Schritt überprüfen werde.
Die Erklärung hat folgenden Wortlaut:
Das Verlassen der Konferenz durch den Sowjetblock zeigt den Wunsch
dieser Länder, jede weitere Erörterung des Problems einer kontrollierten
Abrüstung im Rahmen der Zehn-Mächte-Abrüstungskonferenz zu umgehen. Dieser Schritt der kommunistischen Delegationen ist sowohl bedauerlich wie
auch enttäuschend. Er ist bedauerlich, weil er die Hoffnungen all der
Völker zerstört, die ernsthaft nach einem Fortschritt auf dem Wege zum
Frieden suchen. Er ist enttäuschend, weil er ernste Zweifel an der Aufrichtigkeit des Wunsches der Kommunisten nach einer Lösung des Abrüstungsproblems aufkommen läßt.

Wie der Sowjetblock sehr gut weiß, bereiteten die westlichen Verbündeten gerade Modifizierungen des westlichen Planes vom 1. März vor,
die innerhalb des Zehn-Mächte-Verhandlungsforums vorgelegt werden sollten.
Diese Initiative des Westens beruhte auf einem Bemühen, bestimmten Aspekte]
des Vorschlages des Sowjetblocks vom 2. Juni entgegenzukommen, und wurde
unternommen, um gemeinsame Gebiete zu finden, durch die die Verhandlungen
gefördert werden könnten.
Das Verlassen der Konferenz angesichts der Bereitschaft der westlichen Regierungen, die Verhandlungen weiterzuführen, läßt den Wunsch
des Sowjetblocks in aller Klarheit hervortreten, die Verhandlungen mit
einem völligen Fehlschlag enden zu sehen.
Die fünf verbündeten Mächte haben die Absicht, vorerst weiter am
Verhandlungstisch zu bleiben.
Wenn die kommunistische Seite bereit ist, eine Lösung de:j Abrüstungsproblems zu suchen, dann ist der Weg immer noch offen.
Wir hoffen ehrlich, daß der Sowjetblock seine unverantwortliche
Maßnahme noch einmal überdenken wird und sich den verbündeten Nationen
bei der entschlossenen und ununterbrochenen Bemühung um einen gerechten
und dauerhaften Frieden anschließt.
Dies wäre nichts anderes als eine Erfüllung der beiden Seiten auferlegten Verpflichtung gegenüber der Menschheit.
* * * * *

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�"AMERIKA DIENST"

1-. Juli 1 96O

DER NEUE AMERIKANISCHE ABRÜSTUNGSPLAN

GENF - (AD) - Der neue amerikanische Abrüstungsplan enthält bereits
in der ersten Phase einen Vorschlag für die Kontrolle der atomaren Einsatz Systeme .
Dieser am Montag, dem 27. Juni, auf der Genfer Zehn-Mächte-Abrüstungskonferenz in dem Augenblick, in dem die fünf kommunistischen Länder die Konferenz verließen, vorgelegte Plan, stellt einen ernsthaften
Versuch dar, die alliierten und die kommunistischen Ansichten über eine
Beseitigung der atomaren Bedrohung einander anzugleichen.
Der revidierte sowjetische Plan hatte für die erste Phase eine Bestimmung über die Auflösung aller atomaren Einsatzsysteme innerhalb von
12-18 Monaten enthalten, diese Bestimmung jedoch gleichzeitig mit der
Auflösung aller alliierten Stützpunkte im Ausland verknüpft. Da der sowjetische Plan auf gewissen Gebieten eine Abwandlung von ursprünglich von
Frankreich vorgebrachten Gedanken darstellt, hatte der französische Delegierte Jules Hoch nochmals dargelegt, daß sein Land eine methodische,
schrittweise Beseitigung der atomarem Einsatzsysteme vorsieht, mit der
ein Abbau der konventionellen Rüstungen gleichlaufend erfolgen soll.
Die fünf westlichen Delegationen waren noch mit der Prüfung des
von dem amerikanischen Delegierten Frederick M. Eaton am Wochenende
aus Washington mitgebrachten Planes beschäftigt, als die Kommunisten
die Konferenz verließen. Die westlichen Alliierten hatten ursprünglich
beabsichtigt, diesen Plan, unter Umständen nach kleineren Abänderungen,
als ein gemeinsames Dokument im Verlauf dieser Woche auf der Konferenz
vorzulegen.
Der neue amerikanische Plan sieht für die erste Phase acht Punkte vor:
1 . Die Errichtung einer internationalen Abrüstungskontrollorgani«sation (IDCO) im Rahmen der Vereinten Nationen.
2. Ein Verbot des Auflassens von Flugkörpern mit Massenvernichtungswaffen in den Weltenraum.
3. Maßnahmen gegen einen Überraschungsangriff, darunter die Bekanntgabe aller Starts von Flugkörpern und Raketen in den Weltenraum, die Schaffung vereinbarter Luft- und Bodeninspektionszonen unter Einbeziehung des
Gebiets der USA und der Sowjetunion sowie eine gegenseitige Beobachtung
vereinbarter militärischer Stützpunkte im In- und Ausland.
4. Eine Inspektion an Ort und Stelle in bestimmten, beiderseits vereinbarten Luftstützpiinkten, Raketenabschußbasen, Unterseeboot- und Marinestützpunkten, um damit eine Grundlage für eine Kontrolle der atomaren Einsatzsysteme in den folgenden Phasen zu schaffen.

5. Die

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�1 . Juli 1960

"AMERIKA DIENST"

5« Die Festsetzung von Höchstgrenzen für die Truppenstärken, und
zwar für die USA und die Sowjetunion auf zunächst 2,5 Millionen Mann
und später auf 2,1 Millionen Mann, und von entsprechenden vereinbarten
Höchstgrenzen für die übrigen militärisch wichtigen Länder.
6. Die Einbringung vereinbarter Arten und Mengen von Waffen in
Vorratsdepots, die unter der Überwachung der IDCO stehen, bis die Waffen
schließlich endgültig vernichtet oder für andere Zwecke verwendet werden.
7. Die Einstellung der Produktion spaltbaren Materials für
militärische Zwecke und Überführung vereinbarter Mengen zu nichtmilitärischer Verwendung, unter der Voraussetzung, daß beim Abbau der konventionellen Rüstungen ein zufriedenstellender Fortschritt erzielt worden
ist.
8. Die Vorlage von Informationen über die militärischen Ausgaben
bei der IDCO.
Für die zweite Phase führt der Plan folgende Punkte an:
1. Eine weitere Reduzierung der amerikanischen und der sowjetischen
Truppenstärke auf 1,7 Millionen Mann und entsprechende vereinbarte Höchstgrenzen für die übrigen Länder.
2. Die Reduzierung aller Arten von Rüstungen, einschließlich
atomarer, chemischer, biologischer und konventioneller Waffen sowie ihrer
Einsatzmittel,in allen Ländern auf vereinbarte Höchstmengen und die Vernichtung der über diese Höchstraengen hinausgehenden Bestände oder ihre
Verwertung für friedliche Zwecke. Unter diesen Punkt würden vereinbarte
Arten von Raketen, Flugzeugen, Schiffen, Unterseebooten und Geschützen
für den Abschuß von Atom- und anderen Massenvernichtungswaffen fallen.
J. Die Senkung der militärischen Ausgaben auf Sätze, die der vereinbarten Reduzierung der bewaffneten Streitkräfte und Rüstungen entsprechen.
4. Die Aufstellung einer internationalen Friedenstruppe im Rahmen
der Vereinten Nationen, die ausreicht, um den Weltfrieden zu erhalten,
sobald eine allgemeine und vollständige Abrüstung erreicht ist.
Für die dritte und letzte Phase sieht der Plan vor:
1. Die endgültige Reduzierung der Truppen und militärischen Einrichtungen auf Grenzen, die für die Erhaltung der inneren Ordnung erforderlich
sind, sowie die Abstellung vereinbarter Kontingente für die internationale
Friedenstruppe.
2. Die Ausrüstung der internationalen Friedenstruppe ausschließlich
mit vereinbarten Waffenarten und -mengen, während alle anderen Waffen konventionelle wie atomare - und ihre Einsatzmittel vernichtet oder einer
friedlichen Verwendung zugeführt werden.
5. Die

-

10

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�"AMERIKA DIENST

1 . Juli 196O

3« Die weitere Senkung der militärischen Ausgaben im Einklang
mit der vereinbarten Reduzierung der Truppenstärken und Rüstungen.
4» Die Einstellung der Waffenproduktion mit Ausnahme bestimmter
Arten und Kengen für die internationale Friedenstruppe und die vereinbarten noch verbliebenen nationalen Kontingente.
Bereits während der drei Phasen dieses Planes wie auch nach seiner
Verwirklichung würden strenge und wirksame internationale Kontrollen
eine Verletzung des Abrüstungsabkommens verhindern, wobei folgende
sieben Prinzipien maßgebend sein würden:
1. Zu keinem Zeitpunkt während des Abrüstens darf irgend ein Staat
einen militärischen Vorteil gegenüber anderen erlangen.
2. Während der drei Abrüstungsphasen würde jede der ausgewogenen,
schrittweisen und abgesicherten Maßnahmen innerhalb einer genau umrissenen
Zeitspanne unter der Überwachung der IDCO durchgeführt werden.
3. Jede Maßnahme würde in jedem der Teilnehmerstaaten gleichzeitig
- nach Schaffung der erforderlichen Verifizierungsmaßnahmen - durchgeführt
werden.
4. Der Übergang von einer Phase zur nächsten soll erst dann erfolgen,
wenn der Weltsicherheitsrat zustimmt, daß alle Maßnahmen der vorangehenden
Phase voll durchgeführt sind und eine wirksame Verifizierung gegeben ist.
5. Die Abrüstungsverträge sollen auf unbegrenzte Zeit in Kraft bleiben, wobei jeder Staat das Recht zum Rücktritt hat, falls erwiesen ist,
daß ein anderes Land die Vertragsbedingungen nicht einhält.
6. Die IDCO soll sich aus allen Teilnehmerstaaten zusammensetzen;
daneben soll eine Kontrollkommission geschaffen und ein Generaldirektor
ernannt werden, dessen Pflichten in dem Vertrag im einzelnen umrissen
werden sollen.
7. Der Vertrag soll ferner die Arbeitsweise der IDCO genau festlegen,
die die Vollmacht haben soll, noch über Verifizierungserklärungen der
einzelnen Staaten hinaus sicherzustellen, daß die beibehaltenen Truppenstärken und Rüstungen nicht in irgendeiner Phase die vereinbarten Höchstgrenzen übersteigen.

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�"AMERIKA DIENST"

1 . Juli

196O

DIE LETZTEN WOCHEN DER GENFER ABRÜSTUNGSKONFERENZ
Übersicht über die jüngsten Entwicklungen bis zur Torpedierung der
Konferenz durch die Kommunisten

GENF - (AD) - Im folgenden geben wir eine
chronologische Zusammenstellung der Entwicklungen
auf der Genfer Zehn-Mächte-Abrüstungskonferenz
von der Wiederaufnahme der Gespräche am 7» Juni
i960 bis zum Verlassen des Konferenzsaales durch
die kommunistischen Delegationen am 27. Juni i960.

10,

Juni

Die Sowjetunion verkündet einen revidierten Drei-Phasen-Abrüstungsplan, der sich über eine Zeitspanne von vier Jahren erstrecken soll und der nach Ansicht alliierter Beobachter immer
noch ein "Paket" darstellt, das heißt, daß er nur verwirklicht
werden kann, wenn über alle Punkte eine Einigung erzielt worden
ist.

Juni

Die Konferenz tritt nach einer mehrwöchigen Verhandlungspause,
die für die Dauer der von den Kommunisten torpedierten Pariser
Gipfelkonferenz eingelegt worden war, erneut zusammen. Die
alliierten Delegationen hoffen, daß die von den Sowjets in
Paris gezeigte harte Haltung die Arbeit der Konferenz nicht
behindern wird. So erklärt der amerikanische Delegierte
Frederick M. Eaton: "Wir hatten gehofft, daß wir bei unserem
'Wiederzusammentreten einige nützliche Richtlinien und einen
Ansporn für unsere Arbeit erhalten würden. Dies ist nicht
geschehen. Das Entscheidende ist jetzt jedoch, uns auf unsere
künftige Arbeit zu konzentrieren." Der italienische Delegierte
Gaetano Martine- betont, das Fehlschlagen der Gipfelkonferenz
mache die Aufgabe der Konferenz "noch schwieriger, aber auch
noch dringlicher". Die Sowjetunion legt offiziell ihren revidierten Abrüstungsplan vor.

Juni

Die alliierten Delegationen beginnen damit, Fragen vorzubereiten,
um eine Klärung des sowjetischen Planes zu erreichen.

Juni

Die kommunistischen Delegierten schlagen in ihren Ausführungen
erstmalig einen, nach den Worten der amerikanischen Delegierten
Eaton, "scharfen" Ton an. Eaton stellt die Frage, ob der Sowjetblock gewillt ist, ernsthaft über den revidierten sowjetischen
Entwurf zu verhandeln.

Juni

Eaton erklärt, einige der Änderungen in der sowjetischen Haltung schienen eine positive Annäherung in Richtung auf die
Standpunkte der alliierten Delegationen zu bedeuten. Der

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12

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�"AMERIKA DIENST"

1 . Juli 196O

Der revidierte sowjetische Entwurf werfe jedoch noch einige
Probleme auf, die durch ernsthafte Verhandlungen geklärt
werden müßten. Eaton fordert, daß mit der Erörterung von
Maßnahmen des alliierten oder des sowjetischen Planes begonnen werden soll, die sofort verwirklicht werden können, ohne
daß hierdurch die lebenswichtigen Interessen einer der beiden
Parteien betroffen werden.
13.

Juni

Der französische Delegierte Jules Moch und der britische Delegierte Ormsby-Gore stellen zahlreiche Fragen zu dem sowjetischen Plan.

14«

Juni

Die Bemühungen der Alliierten werden fortgesetzt, um eine
Klärung des revidierten sowjetischen Planes zu erreichen.
Die Sowjets fordern, daß die Alliierten zu ihren bisherigen
mageren Erläuterungen Stellung nehmen sollen. Moch unterstreicht erneut, daß die Verwirklichung echter Abrüstungsmaßnahmen nur erfolgen kann, wenn die Gewißheit besteht,
daß gleichzeitig ein entsprechendes Kontrollsystem geschaffen
wird, das auch wirklich funktioniert. Der sowjetische Delegierte Sorin gibt eine Erklärung ab, von der Eaton sagt,
daß sie "hitziger" als seine früheren Reden war. Sorin, so
betont Eaton, habe den Eindruck hinterlassen, daß die Sowjetunion keinen Grund sieht, die Abrüstungskontrollen zu erörtern,
bevor nicht die USA ihre Stützpunkte in anderen Ländern aufgeben.

15«

Juni

Eaton erklärt, das der sowjetische Vorschlag für eine sofortige
Auflösung der ausländischen Stützpunkte bereits in der ersten
Phase das Prinzip verletze, keiner Seite zu irgendeinem Zeitpunkt während der Durchführung der Abrüstungsmaßnahmen einen
militärischen Vorteil einzuräumen. Wenn zürn Beispiel die
amerikanischen NATO-Streitkräfte in Europa abgezogen würden,
dann würden sie mehrere tausend Kilometer über den Atlantik
zurückgezogen werden, während die sowjetischen Truppen bei
einem Abzug aus Mitteleuropa lediglich einige hundert Kilometer
auf das Gebiet der Sowjetunion zurückgenommen würden.

1b.

Juni

Der polnische Delegierte Marjan Naszkowski wiederholt die Angriffe gegen die alliierten Stützpunkte in anderen Ländern.
Ormsby-Gore erklärt, daß diese Stützpunkte in Europa eine
echte Abschreckung vor einer Aggression bildeten und daß
der Sowjetblock dies wisse.

17«

Juni

Der amerikanische, der britische und der italienische Delegationsführer kehren zu Konsultationen mit ihren Regierungen in
die Hauptstädte ihrer Länder zurück. Sorin versucht, einen
Keil zwischen die USA und Frankreich zu treiben, und behauptet,
zwischen beiden bestehe offensichtlich eine Meinungsverschiedenheit in der Frage der Kontrolle atomarer Einsatzsysteme. Moch
wiederholt seine frühere Erklärung, daß nichts die Solidarität
des Westens erschüttern könne. Wenn hinter dem revidierten
sowjetischen Plan das Motiv stehe, die westliche Allianz zu
sprengen, so betont Moch, dann befänden sich die Sowjets in
einem schweren Irrtum.
20. Juni

�"AMERIKA DIENST"

1 . Juli 1960

20.

Juni

Moch drängt erneut auf Beantwortung seiner Fragen zu einzelnen Punkten des sowjetischen Planes.

21.

Juni

Die Konferenz beschäftigte sich weiter mit den Meinungsverschiedenheiten bezüglich der Kontrollverfahren. Der
französische Delegierte Michel Le Gendre stellt erneut die
Frage, ob die Kommunisten wirklich wirksame Kontrollen
wünschen, durch die geheime Rüstungen festgestellt werden
können. Der rumänische Delegierte Edouard Mezincescu bezweifelt, ob die Kommunisten den Vereinigten Staaten trauen
können.

22.

Juni

Eine Presseverlautbarung der Sowjetblock-Delegationen beschuldigt die alliierten Delegationen, einer wirklichen
Erörterung auszuweichen.

23.

Juni

Der amerikanische Delegierte Charles C. Stelle betont, daß
die kommunistischen Delegationen bei einem echten Wunsch
nach Fortschritt aus der sorgfältigen Prüfung, der die
Verhandlungsvorschläge von den Vereinigten Staaten und
anderen westlichen Ländern unterzogen werden, Mut schöpfen
und nicht ungeduldig werden sollten.

24.

Juni

Der tschechoslowakische Delegierte Juri Nosek wirft den
Alliierten Heuchelei und Doppelzüngigkeit vor. Ormsby-Gore
und Moch erwidern, daß solche Worte nicht dazu beitragen,
die Probleme zu lösen, mit denen sich die Konferenz zu
beschäftigen hat. Stelle erklärt, die unbegründeten kommunistischen Anschuldigungen behinderten nur die Arbeit der
Konferenz.

25.

Juni

Eaton kehrt nach Besprechungen über die neuen alliierten Vorschläge in Washington, London und Paris nach Genf zurück.

26.

Juni

Die alliierten Delegierten treten zu einer Prüfung der
neuen Vorschläge zusammen, um sich auf ihre Vorlage am
nächsten Tage durch Eaton vorzubereiten.

27.

Juni

Sorin, der sich als erster Sprecher das Wort erteilen läßt,
gibt bekannt, daß seine Regierung in einer Fortführung der
Gespräche keinen Sinn mehr sieht und die Absicht hat, das
Abrüstungsproblem auf der nächsten Sitzung der UN-Vollversammlung vorzubringen. Er und die übrigen kommunistischen Delegierten verlassen die Konferenz. Eaton erklärt, es sei jetzt offensichtlich, daß die Kommunisten nicht nach Genf gekommen sind
in der ernsten Absicht, zu verhandeln, sondern lediglich, um die
Abrüstungskonferenz genauso wie die Pariser Gipfelkonferenz zu
torpedieren. Moch betont, daß der sowjetische Plan praktisch
eine Art Ultimatum gewesen sei, das der Westen nicht akzeptieren könne. Ziel der Sowjets sei nicht die Abrüstung,
sondern die Auflösung der alliierten Stützpunkte gewesen, um
so einen militärischen Vorteil für die Sowjetunion zu erlangen.
* * * * *

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14 -

�Kann sich angesichts dieses schrecklichen Bildes überhaupt ein
Mensch, der guten Willens ist, den Bemühungen, eine solche Katastrophe
zu verhindern, verschließen?
Es liegt also ganz eindeutig auf der Hand, daß die Aussicht auf
einen Atomkrieg eine Gefahr für die gesamte Menschheit bedeutet und
die Abrüstung daher im Interesse der gesamten Menschheit ist. Seit
Ende des zweiten Weltkrieges haben sich die Staatsmänner zahlreicher
Länder ständig mit größter Dringlichkeit für eine Abrüstung eingesetzt. Wenn auch die Fortschritte nur sehr langsam erfolgten, so ist
doch zumindest ein entscheidend wichtiges Ziel erreicht worden: es
ist geklärt worden, welche praktisch durchführbaren Kontrollen für
eine realistische Abrüstung notwendig sind. Damit konnte eine große
Kluft überbrückt werden, nämlich die durch das mangelnde Vertrauen
zwischen den Völkern entstandene Kluft, die für zahlreiche Völker
eine Abrüstung unerreichbar erscheinen ließ. Man war der Ansicht,
daß jeder wirkliche Fortschritt in Richtung auf eine 7/elt ohne Rüstungen so lange zurückgestellt werden müsse, bis die politischen
Lösungen erfolgt und die Spannungen gemindert sind. Nunmehr gewinnt
jedoch in immer stärkerem Maße die Erkenntnis Raum, daß wirksame
Kontrollen das Vertrauen ersetzen kennen, und zwar in Form von Abkommen,

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�"AMERI KADI SIS T "

29. Juli i960

Abkommen, die in sich bereits die Gewähr dafür bieten, daß sie auch
eingehalten werden. Damit ist es möglich geworden, mit den Abrüstungsgesprächon und mit den politischen Verhandlungen fortzufahren, wobei
beide ineinandergreifen müssen.
Die Klugheit der Staatsmänner der freien Welt und die von ihnen
in all den Jahren auf dem Gebiet der Abrüstung gewonnenen Erfahrungen
haben ihren Niederschlag in dem Fünf-Mächte-Vorschlag gefunden, den
die Vereinigten Staaten, Großbritannien, Frankreich, Kanada und Italien
am 15. März beim Zusammentreten der Genfer Konferenz vorgelegt hatten.
Der neue sowjetische Vorschlag ließ dann am 2. Juni eine gewisse Hoffnung aufkommen, da er nämlich verschiedene Gedankengänge der Alliierten
aufzugreifen schien - vor allem französische Anregungen - und die Aufmerksamkeit auf die Einsatzmittel für nukleare Waffen lenkte wie Raketen,
Flugzeuge, Flugplätze, Unterseeboote. Rur wenige Wochen später wurde
ein neuer amerikanischer Plan unterbreitet, der auf den sowjetischen
Standpunkt in verschiedenen wichtigen Punkten einging. Dieses amerikanische Dokument basierte weitgehend auf dem alliierten Fünf-MächtePlan, kam jedoch den Sowjets in mehreren Punkten entgegen, indem es
nämlich im Prinzip die von den Sowjets aufgegriffene Frage der "Einsatzmittel" übernahm, die Konzeption einer "allgemeinen und völligen Abrüstung" schärfer umriß und die Bereitschaft bekundete, alle Abrüstungsvorschläge zu prüfen.
So hatte also jede Seite gewisse Veränderungen an ihren ursprünglichen
Plänen vorgenommen, und damit sah die Lage recht hoffnungsvoll aus. Es
schien, als würden die beiden Seiten schließlich doch miteinander übereinkommen .
Plötzlich aber - ehe noch der amerikanische Vorschlag vor der ganzen
Welt offen erörtert werden konnte - verließen die Delegierten des Sowjetblocks den Genfer Konferenzsaal. Die Diskussion des neuen Vorschlags wurde
durch diesen Schritt vereitelt, die leeren Sitze der Ostblock-Delegierten
brachten alle Verhandlungen zun Stillstand, und dem Vorsitzenden blieb
nichts weiter übrig, als die Konferenz zu beenden.
Die Stühle der'Delegierten stehen im Augenblick immer noch leer,
aber die Idee, durch eine gesicherte Abrüstung einen dritten Krieg zu
verhindern, wird von vielen Völkern und Regierungen energisch weiterverfolgt. Durch den drohenden Schatten der Atombombe erhält diese Aufgabe eine unumgängliche Dringlichkeit.
Ein Plan zur Verhinderung des Krieges
Der neue Vorschlag - wie er von den Vereinigten Staaten ausgearbeitet wurde - befaßt sich nicht nur mit der Reduzierung der Rüstung als
solcher, sondern bietet ein spezifisches Programm zur Verhinderung des
Krieges. Er zielt vor allem darauf ab, einem Angreifer die Vorbereitung
eines Krieges immer mehr zu erschweren. Er bietet ferner Sicherheiten
gegen oberraschungsangriffe, durch die sofortige "Blockierung^ maßnahmen"

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�"AMERIKA DIENST"

29. Juli 196O

zu erzwingen. Dem Kellog-Briand-Pakt folgten unmittelbar die Londoner
Flottenkonferenzen, die Weltabrüstungskonferenz in Genf und im Jahre
1957 die englisch-deutsch-sowjetischen Flottenabkommen, durch die die
Größen der Schlachtschiffe und Flugzeugträger begrenzt wurden. Immer
noch gab es jedoch keinerlei Garantien - böswillige Regierungen konnten
hinter dem Schleier ihrer Staatsgrenzen im geheimen aufrüsten. Man sprach
jedoch vom "Frieden in unserem Zeitalter".
Innerhalb von zwei Jahren schlug dann Hitler zu, und im Dröhnen der
Kriegstrommeln zerbrach erneut ein unechter Friede.
Die Welt hatte eine kostspielige Lehre erhalten. Es zeigte sich, daß
unsichere und unzureichend gestützte Abrüstungsabkommen viel gefährlicher
sein konnten als gar keine derartige Vereinbarungen, denn die Gefahr
des Krieges nimmt zu, wenn ein Angreifer die Überzeugung gewinnt, daß
er über einen militärischen Vorteil verfügt. Diese Gefahr wird noch
stärker, wenn der Aggressor überzeugt ist - und sei es auch zu Unrecht -,
daß ihm ein entscheidender Sieg gelingen könnte. Und die Gefahr wächst
ungeheuer, wenn er eine Gelegenheit zu sehen glaubt, sein Opfer mit einem
vernichtenden Überraschungsangriff schlagen zu können.
Das Ausschalten von Überraschungsangriffen
Aber als Präsident Eisenhower im Juli 1955 vorschlug, das gesamte
Gebiet der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion einer gegenseitigen
Luftinspektion zu unterwerfen, lebte erneut die Hoffnung auf, daß die
Gefahr eines Überraschungsangriffs gebannt werden könnte. Nahezu in der
gesamten Welt herrschte Übereinstimmung darüber, daß dieser Vorschlag
des "offenen Himmels" die Möglichkeit eines Überraschungsangriffs wesentlich verringern würde, da die Vorbereitungen für einen solchen Angriff
so rechtzeitig entdeckt werden könnten, daß genügend Zeit für Verteidigungsmaßnahmen bleiben würde. Und, was noch wichtiger ist, ein Aggressor würde
ohne den Vorteil des Überraschungsmoments viel weniger der Versuchung
erliegen, einen Angriffsschlag zu führen.
Die Vereinigung der Pläne für eine Luftüberwachung mit einem umfassenden Plan für eine Bodeninspektion in der ersten Phase des amerikanischen
Vorschlags unterstreicht erneut die Bereitschaft der Vereinigten Staaten,
ein völlig offenes Inspektionssystem aufzubauen, um dadurch sicherzustellen,
daß die eingegangenen Verpflichtungen auch wirklich eingehalten werden.
An einen festen Standort gebundene wie auch bewegliche Inspektionsgruppen könnten eine Vielzahl von wichtigen Funktionen übernehmen. Durch
Ergänzen dar Luftaufnahmen würden sie z.B. in der Lage sein, Diskrepanzen
zwischen diesen Aufnahmen und den Angaben auf den ausgetauschten militärischen Listen aufzudecken. Durch ihre Beobachtungen könnten nicht gemeldete Truppenbewegungen oder Versorgungslieferungen, eine ungewöhnlich
intensive Ausbildung oder die allmähliche Konzentration von militärischen
Verbänden an wichtigen Punkten festgestellt werden.
Die

�"AMERIKA DIENST"

29. Juli 196O

Die Kernwaffen
Im Jahre 194&amp; erboten sich die Vereinigten Staaten - damals die
einzige Atommacht -, auf ihr Atomwaffen-Monopol zu verzichten. Amerika
war bereit, die Produktion von Atombomben einzustellen, seine Atomwaffenvorräte zu vernichten und ein weitreichendes Programm für die internationale Verwaltung und den internationalen Besitz von spaltbarem Material und
von Anlagen zur Herstellung dieses Materials aufzustellen. Dieser als
"Baruch-Plan" bekanntgewordene Vorschlag hätte unter einem zuverlässigen
internationalen Kontrollsystem durchgeführt werden können. Die Kontrollbehörde sollte die Aufsicht über alle Arbeiten auf dem Gebiet der Atomenergie haben, die möglicherweise gefährlich werden konnten, und sie
verbieten können. Die Sowjetunion lehnte dieses Angebot ab; sie verlangte
für sich ein Vetorecht innerhalb eines solchen Kontrollsystems. Heute
besitzen mehrere Staaten Waffen mit einer Explosivkraft von wenigen Kilotonnen bis zu vielen Megatonnen. (Eine Megatonne entspricht der Sprengkraft von einer Million Tonnen Trinitrotoluol.)
Der neue amerikanische Plan stimmt voll und ganz mit den von vielen
Staaten gestellten Forderungen überein, daß die gesamte Produktion von
Atommaterial ausschließlich friedlichen Zwecken dienen sollte. Der neue
Vorschlag sieht in der ersten Phase einen vollständigen Produktionsstopp
für alle Kernwaffen vor. In der zweiten Phase würde man dann damit beginnen, die Atomwaffenarsenale friedlichen Zwecken nutzbar zu machen - ein
entscheidend wichtiger Schritt, um die Drohung eines Atomkrieges zu vermindern.
Der Weltenraum
Gleich der Atomenergie hat die Eroberung des Weltenraumes die Menschen
schon seit langem fasziniert. Die ersten von Menschen gebauten Erdsatelliten
haben den Erdball bereits viele Male umkreist. So gut hat die wissenschaftliche Forschung gearbeitet, und so schnell waren die Fortschritte, daß
die Welt heute eine Aktivität entwickelt, die weit über die den Erdball
umgebende atmosphärische Hülle hinausgreift. Und genauso wie die Atomenergie kann auch der Weltenraum entweder als ein Werkzeug des Krieges
oder als Mittler des Friedens dienen.
Die Raumfahrttechnik und die Raumflugkörper könnten zur Entwicklung
von Waffensystemen von tödlicher Vernichtungskraft benutzt werden.
Zum Beispiel könnte es eines Tages möglich sein, Interkontinentalraketen
mit Wasserstoffbomben in eine Kreisbahn um die Erde zu bringen, die über
genügend Brennstoff verfügen und eine so feine Steuerungseinrichtung
haben, daß sie jedes beliebige Ziel auf der Erde erreichen könnten.
Eine andere Möglichkeit wäre, bemannte Raumflugkörper aufzulassen, deren
Besatzung dann thermonukleare Sprengköpfe nach jedem Punkt der Erde abschießen könnte.
Wenn also die militärische Bedrohung durch Weltraumwaffen gebannt
werden soll, bevor es hierfür zu spät ist, dann muß die Weltraumforschung
ausschließlich auf friedliche Zwecke ausgerichtet werden, und die Bemühungen aller Länder auf dem Gebiet der Weltraumforschung müssen beschleunigt in den Rahmen eines zuverlässigen internationalen Rüstungskontrollsystems gebracht werden.
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�"AMERIKA DIENST

29. Juli 1960

Der Vorschlag der Vereinigten Staaten enthält sofort durchführbare Schritte, um das Auflassen oder die Stationierung im
Weltraum von solchen Raumflugkörpern zu verbieten, die Massenvernichtungswaffen mit sich führen könnten« Ferner würden zur Erhöhung des Schutzes vor Überraschungsangriffen die Starts von Raum4
flugkörpern und Raketen der internationalen Abrüstungskontrollorganisation g emeldet werden, und ihre vorgesehene Umlaufbahn
würde schon lange Zeit vor dem eigentlichen Start registriert v/erden.
Herkömmliche Rüstungen
Die besonders ins Auge fallenden Erfolge auf dem Gebiet der
Weltraumforschung und die schnelle Entwicklung immer furchtbarerer
Atomwaffen haben in den letzten Jahren das unheilvolle Anwachsen
der herkömmlichen Rüstungen und Heere etwas in den Schatten treten
lassen. Aber alle großen Mächte der Erde unterhalten heute in
Friedenszeiten größere Heere als je zuvor in der Geschichte. Diese
großen stehenden Heere mit ihren riesigen Waffenarsenalen rufen
nicht nur Angst und Argwohn hervor, sondern sie stellen auch für
alle Länder eine schwere Belastung dar. Das amerikanische Volk ist
gleich den übrigen Völkern der Ansicht, daß den ständigen Forderungen der Rüstungsproduktion Einhalt geboten werden muß.
Mit diesem Ziel vor Augen wurde ein Programm für den schrittweisen Abbau der Rüstungen und der Truppenstärken als integraler
Bestandteil in den amerikanischen Vorschlag einbezogen.
Die erste Phase des Programms sieht vor, daß die Vereinigten
Staaten und die Sowjetunion die Stärke ihrer bewaffneten Streitkräfte auf jeweils 2,5 Millionen Mann reduzieren und daß die
Truppenstärken nach einer Verifizierung weiter auf jeweils 2,1
Millionen Mann gesenkt werden. Entsprechend der Reduzierung der
Truppenstärken würden Kanonen, Panzer, Flugzeuge und andere Waffen
in Depots eingelagert werden, die unter der Aufsicht der internationalen Abrüstungskontrollorganisation stehen.
Die Reduzierungen in der zweiten Phase würden die Streitkräfte
beider Länder weiterhin bis auf je 1,7 Millionen Mann herabsetzen
und eine proportionale internationale Beseitigung weiterer Rüstungen
vorsehen. Hierbei würde der Beseitigung sämtlicher Raketen, Flugzeuge, Kriegsschiffe, Unterseeboote und Artillerie, rait deren Kilfe
Massenvernichtungswaffen wie Atombomben eingesetzt werden können,
besondere Aufmerksamkeit zuteil werden.
Der Vorschlag sieht schließlich vor, daß in der dritten und
abschließenden Phase die Armeen der einzelnen Staaten auf die Stärke
einer Polizeitruppe reduziert werden. So würde also als einziges
stehendes Heer in der Welt eine internationale Friedenstruppe
übrigbleiben, die die Ordnung in der Welt aufrechterhalten soll.
Sorgfältige Inspektionsverfahren würden die Sicherheit geben, daß
die Reduzierungen auch wirklich durchgeführt werden, während
gleichzeitig durch strikte Kontrollen für die Aufrechterhaltung
eines ordnungsgemäßen Gleichgewichts Sorge getragen würde, um
keiner Nation die Möglichkeit zu geben, während des Abrüstungsprozesses einen unfairen Vorteil vor einer anderen zu erlangen.
Friede

�"AMERIKA DIENST1

29. Juli i960

Friede ohne Furcht
Wie aus dem bisher gesagten hervorgeht, spiegelt sich in
den Zielen des neuen amerikanischen Vorschlags eine realistische
Bewertung der vielen Probleme wider, die sich bei der Bemühung,
einen Krieg durch eine gesicherte Abrüstung zu verhindern, ergeben. Der Vorschlag berücksichtigt vor allem auch die kleineren
Staaten in der Welt, deren eigentliche Hoffnung auf ein friedliches Leben nicht in ihrer eigenen Waffenstärke, sondern in
einer geordneten Welt liegt - einer Welt, die frei von der Furcht
vor einem plötzlichen und überwältigenden Angriff ist. Internationale Kontrollen und gründliche Inspektionen sind für diese
Staaten die einzige wirkliche Garantie.
Die USA sind der Ansicht, daß Staaten, die nichts vor einer
unbehinderten Inspektion zu verbergen und von einer kontrollierten
Abrüstung auszuschließen haben, genausowenig durch sie etwas verlieren
würden. Die Vereinigten Staaten sind außerdem bereit, jederzeit Verhandlungen über ihre Vorschläge im einzelnen oder als Ganzes aufzunehmen.
Weder die Vereinigten Staaten noch die anderen Nationen der freien
Welt können jedoch die Lehre, die Korea und Ungarn gaben, unberücksichtigt lassen. Solange die Bedrohung anhält, die sich in diesen Namen symbolisiert, und solange andere sich weigern, Abrüstungsverhandlungen zu
führen, gibt es keine andere Wahl, als darauf vorbereitet zu sein, einer
Aggression zu begegnen und sie zurückzuweisen. Schwäche kann den Frieden
nicht garantieren - sie kann sich statt dessen als indirekte Ursache des
Krieges erweisen.
Trotz dieses warnenden Hinweises ist die amerikanische Regierung
der festen Ansicht, daß die gesicherten Phasen ihres neuen Vorschlags
die Welt von der drohenden Gefahr eines Atomkrieges befreien und den
Weg zu §inem Frieden ohne Furcht öffnen können.
Die gesamte Welt betet für ein durchführbares Abrüstungsabkommen.
Daß die Vereinigten Staaten, was sie selbst anbetrifft, sich auch weiterhin für diese Aufgabe einsetzen werden, ist von Präsident Eisenhower
eindeutig dargelegt worden. Wörtlich hat Präsident Eisenhower erklärt:
"Die Schaffung eines Friedens in Gerechtigkeit ist ein kühnes und
hohes Ziel. Es zu verkünden, ist leicht, es zu verwirklichen, wird schwer
sein. Und um es zu erreichen, müssen wir uns seiner vollen Bedeutung bewußt sowie bereit sein, den vollen Preis hierfür zu zahlen. So herrlich
die Segnungen eines solchen Friedens sein werden, so hoch wird auch sein
Preis sein - in mühevoller und geduldiger Arbeit, in redlich gewährter
Hilfe und in bereitwillig getragenen Opfern.
Wir hoffen und glauben zutiefst, daß wir mithelfen können, diese
gespaltene Welt zu heilen. Dann werden die Völker vielleicht nicht mehr
vor der Drohung der Gewalt zittern. Dann wird die Last der Furcht und die
Last der Rüstungen von den Schultern der Menschheit genommen werden können."
Die leeren Stühle in Genf warten.
* * * * *

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�A M E R I K A

D I E N S T

Allg./2.9.1960
DAS GEDULDSSPIEL IN GENF
Seit 22 Monaten Verhandlungen über Einstellung von Atomversuchen
Nachstehend übermitteln wir Ihnen eine
chronologische Übersicht über die Vorschläge
und die Bemühungen der Vereinigten Staaten,
in der Frage der Beendigung der Kernwaffenversuche eine Einigung zu erzielen.

22. August 1956
Präsident Eieenhower schlägt die Aufnahme von Verhandlungen zwisehen den Vereinigten Sta aten, dem Vereinigten Königreich und der
Sowjetunion zum Zwecke ei nes Abkommens über da« Verbot von Kernwaffenversuchen unter internati onaler Kontrolle vor und erklärt, daß die
Vereinigten Staaten mit B eginn der Verhandlungen; ihre Kernwaffenversuche für ein Jahr aussetzen würden, falls die Sowjetunion bereit sei,
dasselbe zu tun. Der Vors chlag des Präsidenten kam einen Tag nach
dem erfolgreichen Abschlu ß der Genfer Expertentagung - die ebenfalls
auf Initiative der USA zu stände gekommen war. Di3 Experten waren zu
dem Schluß gekommen, daß eine kontrollierte Einstellung der Kernwaffenversuche technisch und praktisch durchführbar sei.
30. Ausist 1958
Den Vorschlägen der Vereinigten Staaten, im Rahmen einer
amerikanisch-britisch-sowjetischen DreimächteVonferenz über eine
international kontrollierte Einstellung von Kernwaffenversuchen zu
beraten, stimmt der sowjetische Ministerpräsident Chruschtschow in
Noten an die USA und das Vereinigte Königreich zu.
51. Oktober 1958
Die Gespräche in Genf zeigen von Anfang an eine deutliche Scheidung
der westlichen'und sowjetischen Auffassungen. Der sowjetische Delegierte
drängt auf eine sofortige und universale Einstellung der Kernwaffentests
"für alle Zeit", während die Vereinigten Staaten die Notwendigkeit der
Schaffung von Rüstungskontrollmaßnahmen unterstreichen, gleichzeitig

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�"AMERIKA DIENST

2. September i960

gleichzeitig aber die Einstellung der amerikanischen Versuche und ihre
Absicht bekanntgeben, diese Einstellung von Jahr zu Jahr zu verlängern.
5.-11 . November 1958
Die Genfer Verhandlungen haben sich festgefahren. Der Sowjetdelegierte erklärt sich allerdings bereit, über die Versuchskontrolle und
ein Ortungssystem "diskutieren zu wollen", vorausgesetzt, daß der WeBten die sowjetischen Vorschläge für ein Testverbot versuchsweise
billige.
16. November 1958
Die USA und Großbritannien lassen ihre Forderung auf ein einziges
Vertragswerk fallen, das auch Bestimmungen über eine Einstellung der
Kernwaffenversuche und die Schaffung eines wirksamen Kontrollsystems
enthalten würde. Die Verhandlungen beginnen nunmehr auf der Grundlage
von zwei Vertragsentwürfen, einem russischen und einem amerikanischen,
wobei in dem letzteren die Notwendigkeit für die stufenweise Einrichtung eines Kontrollsystems erneut betont wird.
13. Januar 1959
Außenminister Dulles weist in einem Bericht darauf hin, daß sich
das von den Experten 1958 in Genf vorgeschlagene Ortungssystem zur Aufdeckung kleinerer Atomexplosionen, die unter Verletzung des Abkommens
durchgeführt werden, als unzulänglich erweisen könnte. Sein Bericht
stützt sich auf unterirdische Kernexplosionen, die die amerikanische
Atomenergiekommission 1958 noch vor dem amerikanischen Versuchsstopp
in der Wüste von Nevada vorgenommen hatte.
19. Januar 1959
Den Forderungen der Sowjetunion in einem Hauptpunkt nachgebend,
verzichten die Vereinigten Staaten und das Vereinigte Königreich auf
ihre frühere Forderung, die Dauer eines Abkommens zur Einstellung der
Kernwaffenversuche von den auf anderen Gebieten der allgemeinen Abrüstung erzielten Fortschritten abhängig zu machen.
20. Januar 1959
Die drei Atommächte beginnen mit der Besprechung detaillierter
Pläne für ein internationales Inspektions- und Kontrollsystem zur
Aufdeckung von Vertragsverletzungen.

�2. September 196O

"AMERIKA DIENST
22. Januar 1959

Die Vereinigten Staaten weisen die sowjetische Beschuldigung
zurück, daß der Westen "nach einem Grund sucht, die Gespräche über
einen Versuchsstopp zu torpedieren", und fordern die UdSSR auf, sich
klar dazu zu äußern, ob sie einem System zustimmen wolle, das
1. eine Inspektion ohne Veto,
2. international zusammengesetzte Beobachterteams und
3. deren freien Zugang zu mutmaßlichen Versuchsgebieten zu beiden
Seiten des Eisernen Vorhangs garantiere.
26. Januar 1959
Der Sowjetdelegierte erklärt, die Sowjetunion würde sich mit der
Stationierung von 4 oder 5 ausländischen "Inspektoren" auf sowjetischem
Boden als Teil eines Versuchs-Kontrollsystems einverstanden erklären.
Der Westen lehnt ab und verlangt die Stationierung von Kontrollposten
in den vertragschließenden Ländern, wobei die Beobachter zu 50 Prozent
Angehörige des Partnerstaates sein sollen - d.h., westliche Kontrollstationen würden zu 50 Prozent mit russischen, sowjetrussische Kontrollstationen dagegen zu 50 Prozent mit westlichen Beobachtern besetzt
sein.
24. Februar 1959
Der amerikanische Delegierte Wadsworth kommentiert die in eine
Sackgasse geratenen Verhandlungen und nennt als Ursache dafür das Beharren der Sowjets auf ihrer Forderung, daß die Kontrollposten mit
einheimischen Beobachtern, denen 4 oder 5 ausländische "Kontrolleure"
beigegeben würden, zu besetzen seien. Der russische Delegierte Zarapkin
erklärte dazu am 13. Februar, daß die Sowjets kein Vertrauen zu nichtsowjetischen Kontrollstäben haben würden.
15. April 1959
Unterstützt von dem Vereinigten Königreich, erklären sich die Vereinigten Staaten bereit, einem Abkommen über ein Verbot aller in der
unteren Atmosphäre und unter Wasser ausgelösten Atomversuchsexplosionen
zustimmen zu wollen - einem Verbot, das die Versuche mit dem stärksten
radioaktiven Niederschlag beenden würde und ohne die Anwendung von Kontrollmaßnahmen, die für die UdSSR unannehmbar seien, durchgeführt werden
könnte. Der Russe Zarapkin rügt den Plan, verspricht aber, ihn zu prüfen.

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�2. September 196O

"AMERIKA DIENST'

20. April 1959
Das Weiße Haus veröffentlicht ein persönliches Schreiben Präsident Eiaenhowers an Premierminister Chruschtschow (13« April), worin
er ihm die Einwilligung zu einem begrenzten Abkommen über die Einstellung von Kernwaffenversuchen auf der Erdoberfläche und in der Atmosphäre
bis zu einer Höhe von 50 Kilometern (j1 Meilen) nahelegt. Chruschtschow
lehnt den Vorschlag ab und bietet dafür Verhandlungen über ein Verbotsabkommen auf Grund von festzusetzenden jährlichen Inspektionen auf
amerikanischem, britischem und sowjetischem Territorium an.
6.-9. Mai 1959
Präsident Eisenhower und Premierminister Macmillan verlangen
in persönlichen Briefen an Chruschtschow zusätzliche Informationen
zum Vorschlag der festgesetzten Quoten. Eisenhower dringt auf eine
Vereinbarung über die Beendigung von Atomversuchen in der Luft, solange
keine umfassendere Vereinbarung existiert.
12. Mai 1959
Die Verhandlungen werden wegen des Ost-West-Außenministertreffens
bis zum 8. Juni vertagt. Der am 6. Mai angenommene 15« Artikel des Vertragsentwurfs garantiert den Mitgliedern der für die Überwachung des
geplanten Testverbot-Abkommens bestellten Kontrollorgane diplomatische
Immunität.
15. Mai 1959
In seiner Antwort an Eisenhower und Macmillan fordert Chruschtschow
eine technische Diskussion "von kurzer Dauer" über Maßnahmen zur Peststellung von Kernexplosionen in großen Höhen.
22. Mai 1959
Der Plan einer technischen Diskussion wird aufgegeben, nachdem es
klar ist, daß die Sowjetunion nur über allgemeine Richtlinien zur Feststellung von Kernexplosionen, aber nicht über das zur Durchführung notwendige wissenschaftliche Instrumentarium diskutieren will.
8. Juni 1959
Die Vereinigten Staaten und Großbritannien erneuern ihre Einladung an die Sowjetunion, an Expertengesprächen über das Problem der
Feststellung von Kernexplosionen in großen Höhen teilzunehmen. Man
nimmt an, daß die Sowjetunion jetzt zum Eintritt in begrenzte Diskussionen

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�2. September 1 96O

"AMERIKA DIENST'

Diskussionen bereit ist. Die Sowjetunion lehnt es auch ab, zum gegenwärtigen Zeitpunkt die amerikanischen Ergebnisse der im Anschluß
an die technischen Untersuchungen von 1958 durchgeführten unterirdischen Versuche in Betracht zu ziehen.

50. Juni 1959
Der sowjetische Delegierte Zarapkin teilt dem amerikanischen
und dem englischen Delegierten mit, daß er in eine detaillierte
Erörterung des russischen Vorschlags einer festgesetzten Jahresquote
von Inspektionen zur Feststellung von At-omversuchen nicht eintreten
könne, da dies eine politische Frage sei, die mit wissenschaftlichen
Überlegungen nichts zu tun habe.

20. Juli 1956
Der Westen erklärt sich bereit, den Vorschlag zu akzeptieren,
nach dem ein Drittel des Personals einer Kontrollstation in der Sowjet
union von sowjetischer Seite gestellt werden darf. Die UdSSR besteht
darauf, daß nicht mehr als ein Drittel des Personals einer Kontrollstation "Ausländer" sein dürfen.

1 • August 1959
Drei-lIächte-Gremium schlägt den Einsatz von Satelliten zur Feststellung von Kernexplosionen in Höhen von über 50 Kilometern (31 Meile
vor.

26. August 1959
Die Vereinigten Staaten geben bekannt, daß sie ihre Kernwaffentests für den Rest des Jahres 1959» im Anschluß an die sechswöchige
Unterbrechung der Genfer Gespräche, einstellen v/erden. (Bevorstehendes
Treffen Eisenhower-Chruschtschow)

25 . November 1959
Eine Arbeitsgruppe technischer Experten der Vereinigten Staaten,
Großbritanniens und der Sowjetunion tritt zusammen, um Wege zur Verbesserung der Verfahren zur Feststellung geheimer unterirdischer Atomversuche zu erwägen, die unter Umgehung des Vertrags über das Verbot
von Atomversuchen unternommen werden könnten. Diese Konferenz hat
endlich die Zustimmung der Sowjetunion gefunden, nachdem sie fast ein
Jahr lang die Erörterung der Grundtatsache, daß unterirdische Versuche
wesentlich schwerer festzustellen sind als Explosionen über der Erdoberfläche, verweigert hatte.

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�"AMERIKA PIEKST"

2. September i960

14. Dezember 1959
Ler Westen begrüßt das sowjetische Angebot, den westlichen Verschlag über die Zusammensetzung des Personals der Kontrollstaticnen
als Gegenleistung für die Annahme der sovjetijchen Forderung einer
Ost-West-Parität innerhalb der internationalen Kontrollkommission (drei
kommunistische, drei westliche und ein neutrales Mitglied) zu akzeptieren .

18. Dezember 1959
Die Gespräche erreichen einen Tiefpunkt, als die Expertenkonferenz
über unterirdische Atomversuche wegen Uneinigkeit abgebrochen wird.
Anlaß ist ein Kaltungswechsel der sowjetischen Delegation, die ihre
bisherige verhältnismäßig objektiv-wissenschaftliche Haltur.g aufgegeben
hat, um sich n^n in ablehnender und stark politisch gefärbter Weise
mit den Problemen auseinanderzusetzen.

20. Dezember 1°59
Der lTS-Delegierte Wadsworth kehrt während der Konferenzpause(vom
19. Dezember bis zum 12. Januar) nach den Vereinigten Staaten zurück
und macht die sowjetische Haltung dafür verantwortlich, daß es im Rahmen
der Gespräche bisher nicht zu einer Vereinbarung kam.

29. Dezerabb-r 1959
Präsident Eisenhower weist darauf hin, daß sich die Gespräche
14 Monate lang ohne eine Einigung hingezogen haben und erklärt, daß
es den USA freistünde, ihre Atomversuche wiederaufzunehmen; dies werde
jedoch nicht ohne vorherige Ankündigung geschehen. Er bezeichnet die
sowjetischen Experten als Männer am "politischen Gängelband" und charakterisiert ihre Erklärungen auf der kürzlich beendeten technischen Konferenz als "unmäßig und technisch unhaltbar".

11. Februar 1960
Die Vereinigten Staaten erklären sich zum Beitritt zu einem OstWest-Vertrag bereit, der alle kontrollierbaren und feststellbaren Atomversuche verbietet. Sie erklären sich ferner bereit, sich an einem Forschungsprogramm zu beteiligen, dessen Ziel eine systematische Ausweitung
des Verbots auf unterirdische Versuche ist, die möglicherweise noch
nicht feststellbar sind. Der sowjetische Delegierte Zarapkin v/eist den
amerikanischen Plan zurück, schlägt aber statt dessen einen Plan vor,
nach dem sich die Sowjetunion einer verhältnismäßig kleinen Anzahl von
Inspektionen dann öffnen wolle, wenn eine seismographisch erfaßte Erschütterung nach westlichen Maßstäben verdächtig erscheine. Gekoppelt
damit wäre eine Vereinbarung über ein Gesamtverbot.

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�"AMERIKA DIENST

2. September 1 96O

19. März 1960
Die Sowjetunion akzeptiert Eisenhowers Plan eines Verbots nicht
feststellbarer Kernwaffenexplosionen auf der Grundlage eines geraeinsamen Versprechens (ohne Kontrollinspektionen), vier bi3 fünf Jahre
lang keine Kernexplosionen auszulösen. Der Westen verspricht, das
russische Gegenangebot zu prüfen.

29. März 1960
Eisenhower und Macmillan akzeptieren in einer gemeinsamen Erklärung nach ihren Gesprächen in Camp David das sowjetische Gegenangebot
unter der Bedingung, daß die UdSSR im voraus strenge Bestimmungen
eines Inspektions- und Kontrollabkommens akzeptiert und sich an einem
gemeinsamen Forschungsprogramm mit dem Ziel einer Verbesserung der
Verfahren zur Feststellung vor unterirdischen Versuchen beteiligt.
Beide versprechen die einseitige, freiwillige Einstellung von unterirdischen Versuchen urterhalb eines seismischen Meßwertes von 4»75»
sobald das Abkommen unterzeichnet ist.

14. April 1960
Die Sowjetunion akzeptiert das Eisenhower-Macmillan-Angebot und
bezeichnet es als einen "ermutigenden Schritt". Beide Seiten vereinbaren
die Ausarbeitung eines gemeinsamen Forschungsprogramms zur Verbesserung der Verfahren zur Feststellung unterirdischer Versuche, und
Zarapkin erklärt, daß beide Seiten offenbar einer Vereinbarung über
das Verbot von Atomversuchen näherkämen.

5. Mai 1960
Die UdSSR akzeptiert westliche Vorschläge über gemeinsame unterirdische Detonationen als Teil eines gemeinsamen wissenschaftlichen
Programms von Ost und West, das die Feststellungsmethoden verbessern soll;
Zarapkin wiederholt jedoch die sowjetische Forderung eines vier- bis
fünfjährigen Moratoriums für andere Atomversuche, solange das Forschungsprogramm noch nicht abgeschlossen ist. Er wiederholt den Standpunkt der
UdSSR, daß nur eine niedrige, nach "politischen Erwägungen festgesetzte"
Jahresquote von Inspektionen an Ort und Stelle im Rahmen eines Abkommens
über das Verbot von Atomversuchen akzeptiert würde.

9. Mai 19SO
Die Sowjetdelegation lehnt den Plan der Vereinigten Staaten, nukleare
Detonationskörper (keine Waffen) im Rahmen des Projekts VELA zur Explosion
zu bringen, ab und behauptet, daß die amerikanischen unterirdischen
Versuche unangebracht seien, solange die amerikanischen und sowjetischen
Delegierten über eine Einigungsformel zur Abhaltung ähnlicher

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�"AMERIKA DIENST

2. September 1960

ähnlicher Versuche unter gemeinsamer Kontrolle verhandelten. Premierminister Macmillan ist überzeugt, daß er, Präsident Eisenhower und
der sowjetische Ministerpräsident Chruschtschow die noch bestehenden
Meinungsverschiedenheiten hinsichtlich einer Übereinkunft zur Frage
der Atomversuche auf der bevorstehenden Gipfelkonferenz in P^ris
würden bereinigen können.

18. Mai 1960
Nach der gescheiterten Konferenz von Paris erklärte Chruschtschow
vor den Journalisten, daß die Verhandlungen über die Versuche weitergehen werden. "Falls aber Eisenhower droht, daß er die versuche fortsetzen werde, dann werden wir das gleiche tun.M

27. Mai 1960
Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen fordert die drei Atommächte auf, die Verhandlungen über eine Abrüstung und die Einstellung
von Kernwaffenversuchen wieder aufzunehmen.

2. Juni 1960
Die Sowjets weisen das amerikanische Angebot zurück, eine Gewähr
dafür zu schaffen, daß ihre 12 Versuche (im Rahmen des Projekts VELA)
nicht für Waffenzwecke benutzt werden; sie bestehen darauf, daß ihren
Beobachtern das volle Recht zuerkannt wird, die in Versuchsserien verwendeten Sprengsätze zu untersuchen.

27. Juni 1960
Eine amerikanische Einladung an sowjetische wissenschaftliche
Beobachter zur Teilnahme an einem unterirdischen nichtnuklearen Detonationstest, der dazu bestimmt ist, die friedliche Nutzung nuklearer
Detonationen zu erforschen, wird von der UdSSR zurückgewiesen. Am 27.
Mai wurden die Besprechungen nach zweiwöchiger Pause wieder aufgenommen,
vor der die Vereinigten Staaten einen Dreistufenplan für die Errichtung
eines nuklearen Kontroll- und Inspektionssystems vorgelegt hatten, das
innerhalb von sechs Jahren auf die ganze Welt ausgedehnt werden sollte.
Im Gegensatz zu ihrem früheren Standpunkt (11.-30. Hai) gab die UdSSR
bekannt, daß sie keine Versuche zum Zwecke der Erprobung von Feststellungsmethoden plane.

12. Juli 1960
Die Vereinigten Staaten schlagen vor, daß die Parteien des vorgesehenen Vertrages veraltete nukleare Detonationskörper einer Zentralstelle als Basis für ein koordiniertes Forschungsprogramm zur Verfügung
stellen, das der Verbesserung von Feststellungsmethoder für unterirdische
Nukleardetonationen niedriger Sprengkraft dient.

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�"AMERIKA DIENST

2. September 196O

25. Juli 1960
Die USA warten noch immer auf die russische Antwort auf ihr Angebot vom 12. Juli. John McCone, der Vorsitzende der amerikanischen Atomenergiekommission, erklärt, daß die Vereinigten Staaten möglicherweise
gezwungen seien, von sich aus unterirdische Versuchsatomexplosionen
wiederaufzunehmen.
26. Juli 1960
Die Sowjetunion erklärt sich bereit, im Rahmen des vorgeschlagenen
Versuchsverbots auf ihrem Gebiet drei Inspektionen zuzulassen, vorausgesetzt, daß jährlich drei Inspektionen in England und drei in den Vereinigten Staaten durchgeführt werden dürfen. Der Westen lehnt das Angebot als völlig unrealistisch ab. Zuvor hatten die USA vorgeschlagen,
jährlich etwa 20 Inspektionen größerer vexdächtiger seismographisch
erfaßter Erschütterungen im sowjetischen Bereich sowie eine Anzahl
von Inspektionen, wie sie für kleinere Explosionen mit einem geringeren
seismischen Meßwert als 4»75 erforderlich sind, durchzuführen.
2. August 1960
Die Sowjets lehnen den von den Vereinigten Staaten am 12. Juli
vorgelegten Plan ab und erklären sich nicht bereit, nukleare Detonationskörper einer Forschungszentrale zur Verfügung zu stellen; sie
begründen dies damit, daß sie nicht beabsichtigten, sich an einem
Forschungsprogramm, wie vorgeschlagen, zu beteiligen.
4. August 1960
Die USA und Rußland sind hinsichtlich der Formulierung der Klausel
über die Mitgliedschaft verschiedener Meinung; die USA erklären, der
sowjetische Vorschlag verlange, daß die Kontrollkommission entscheide,
ob der Antragsteller ein "Staat" sei oder nicht. Die USA sind gewillt,
einem Antragsteller die Mitgliedschaft zuzuerkennen, gleichgültig,
ob dieser ein "Staat" oder eine "Obrigkeit" ist, und ermöglichen damit
jedem de facto bestehenden Regime die Mitgliedschaft.
9. August 1960
Außenminister Herter erklärt auf einer Pressekonferenz, daß die
Vereinigten Staaten angesichts der sowjetischen Verhandlungsblockierung
in Genf das Recht hätten, unterirdische Kernversuche durchzuführen. Die
Konferenz sei so lange hingezogen worden, daß sie praktisch einem Moratorium zugunsten der UdSSR gleichkomme.

11.

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"AMERIKA DIENST"

2. September 196O

17. August 1960
Präsident Eisenhower erklärt auf einer Pressekonferenz: "Nichts
wäre für mich eine größere Befriedigung als eine Einigung in bezug auf
die Einstellung von Kernwaffenversuchen." Er wies jedoch darauf hin,
daß sich die Sowjets nach mehr als 240 Besprechungen wichtigen Vorschlägen zur Regelung von Inspektionen an Ort und Stelle und zur Besetzung von Kontrollposten widersetzten.
22. August 1960
Die Verhandlungen werden für 5 Wochen (bis zum 27. September)
ausgesetzt. "Die Vereinigten Staaten bezeichnen als Haupthindernis
für den Abschluß eines Vertrages nach 22 Monaten Verhandlungen die
Tatsache, daß eine Einigung über ein angemessenes und wirksames
System von Kontrollen und Inspektionen nicht zustande kam. Der sowjetische Delegierte gibt "militaristischen Kreisen" die Schuld.

* * * * *

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�A M E R I K A

D I E N S T

Allg./30.9.1960
FRIEDEN UND GERECHTIGKEIT FÜR ALLE

NEW YORK - (AD) - Nachstehend übermitteln wir Ihnen
den Wortlaut der Rede des US-Präsidenten Dwight D.
Eisenhower vom 22. September i960 vor der 15» Vollversammlung der Vereinten Nationen in New York.

Herr Präsident, Herr Generalsekretär, Mitglieder der Vollversammlung
und Gäste

Die Bevölkerung der Vereinigten Staaten begrüßt mit mir jene
Länder, die auf der gegenwärtigen Sitzung der Vollversammlung zum
ersten Male vertreten sind. Mit der Aufnahme von neuen Mitgliedern,
in der Hauptsache aus dem riesigen afrikanischen Kontinent, stehen
jetzt fast einhundert Nationen vereint in dem gemeinsamen Bemühen,
in einer schwergeprüften Welt einen dauerhaften Frieden in Gerechtigkeit zu schaffen.
Das Streben nach Selbstbestimmung und die immer größer werdenden Hoffnungen und Sehnsüchte der Menschen schaffen eine neue Welt
unabhängiger Nationen in Afrika, so wie sie eine neue Welt des Umbruchs und der Gärung wie auch der Verheißungen für die Zukunft in
allen Entwicklungsgebieten hervorrufen. Die erwachende Menschheit in
diesen Gebieten fordert von uns wie niemals zuvor einen neuen Angriff
auf Armut, Unwissenheit und Krankheit.
Gleichlaufend mit diesen überraschenden Veränderungen vollzieht
sich auch auf dem Gebiet der Technik eine Revolution. - Sie hat
furchtbare Vernichtungswaffen gezeitigt, die zur Sicherung der Zukunft der Zivilisation auf dem Wege über ein wirklich durchführbares
Abrüstungssystem einer Kontrolle unterworfen werden müssen. Und sie
hat ebenfalls eine neue Welt im All eröffnet - eine himmlische Welt
mit geradezu verwirrenden Problemen und ungeahnten Verheißungen.
Dies ist in der Tat der rechte Augenblick für eine ehrliche
Überprüfung und eine historische Entscheidung. Wir können danach
streben, diese Probleme um engherziger nationaler Vorteile willen
zu meistern, oder wir können sofort in eine Epoche konstruktiver Maßnahmen eintreten, bei denen unsere selbstsüchtigen Interessen dem
allgemeinen Wohl der internationalen Völkergemeinschaft untergeordnet
werden. Die Entscheidung ist wahrhaft eine ungeheure.
T ,
0
Ich
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�"AMERIKA DIENST"

30. September 196O

Ich trete heute vor Sie hin, weil unsere menschliche Gemeinschaft
wieder einmal in einem Zustand der Angst und der Unruhe schwebt.
Dringende Probleme bedrängen uns.
Die erste These, die ich Ihnen vortrage, besagt, daß die Menschheit nur mit Hilfe der Organisation der Vereinten Nationen einen wirklichen und universalen Fortschritt auf dem Wege zum Frieden in Gerechtigkeit zu erzielen vermag. Ich glaube, daß die Unterstützung der Organisation der Vereinten Nationen, ' ihrer ordnungsgemäß gebildeten
Organe und berufenen Amtsträger der Weg ist, auf dem wir mit größter Wahrscheinlichkeit zu friedlichem Fortschritt gelangen. Wer versucht, die Vereinten Nationen zu behindern, zum Narren zu halten oder
aber ihre Bedeutung zu schmälern, trägt mit dazu bei, die Welt in Unruhe zu halten und nachgerade die Krisen heraufzubeschwören, die von
Zeit zu Zeit alle Menschen so sehr bedrücken. Die Vereinigten Staaten
setzen sich unmißverständlich, voll und ganz für die Vereinten Nationen
und ihre Vertreter ein, die in ihrem Auftrag für den Frieden wirken.
Nirgendwo ist die Aufgabe, die der Völkergemeinschaft, dem Frieden und geregelten Fortschritt gestellt ist, offenkundiger als in Afrika,
diesem an Menschen und Naturschätzen reichen Kontinent mit vielversprechender Zukunft. Die jüngsten Ereignisse haben ihn praktisch in einen
riesigen Kontinent nunmehr unabhängiger Nationen verwandelt.
Die Einmischung
strebenden Nationen,
nisierung in Angriff
derung der Autorität

von außen in die Angelegenheiten dieser neu aufdie alle darauf drängen, die Aufgaben der Moderr
zu nehmen, hat zu einer ernstlichen Herausforder Vereinten Nationen geführt.

Diese Autorität ist in den 15 Jahren, seit sich die Vereinten Nationen mit den Worten ihrer Charta verpflichteten, "durch friedliche
Mittel und in Übereinstimmung mit den Grundsätzen der Gerechtigkeit
und des Völkerrechts die Ordnung und Regelung internationaler Streitfälle oder solcher Situationen zu erzielen, die zu einem Friedensbruch
führen könnten", ständig gewachsen.
In diesen Jahren unterstützten die Vereinten Nationen Persien
erfolgreich bei seinen Bemühungen, den Abzug ausländischer Streitkräfte
zu erwirken; sie spielten eine bedeutsame Rolle bei der Erhaltung der
Unabhängigkeit Griechenlands; sie mobilisierten die Welt zur Abwehr der
Aggression gegen die Republik Korea; sie halfen, die Sues-Krise zu
bereinigen; sie traten der Bedrohung der Integrität des Libanon entgegen; und in jüngster Zeit haben sie eine noch wichtigere Aufgabe
übernommen.
Einem Ersuchen der Kongorepublik Folge leistend, leiteten die
Vereinten Nationen kürzlich unter ihrem hervorragenden Generalsekretär
eine großangelegte Hilfsaktion für diese neue Republik ein. Dieses
Unternehmen ist von einigen Nationen in flagranter Weise attackiert
worden, die im Interesse ihrer eigenen selbstsüchtigen Absichten die
Auseinandersetzungen im Kongo verlängern möchten. Die Kritik, die diese

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�"AMERIKA DIENST

30. September i960

diese Nationen gegen den Generalsekretär richteten, der ehrenvoll und
wirksam den von den Vereinten Nationen erhaltenen Auftrag durchführte,
ist nichts anderes als ein direkter Angriff auf die Vereinten Nationen
selbst. Der Generalsekretär hat sich die Unterstützung jeder friedliebenden Nation verdient.
Die Bevölkerung des Kongo hat ein Anrecht darauf, ihr Land in Frieden und Freiheit aufzubauen. Die Einmischung fremder Nationen in ihre
inneren Angelegenheiten würde ihr dieses Recht verweigern und einen
Konfliktherd im Herzen Afrikas schaffen.
Das dadurch im Kongo aufgeworfene Problem könnte genausogut an
anderer Stelle in Afrika akut werden. Die Lösung dieses Problems wird
darüber entscheiden, ob die Vereinten Nationen imstande sind, nicht nur
die neuen afrikanischen Nationen, sondern auch andere Länder vor jedem
Druck von außen zu schützen.
Was das wirkungsvolle Funktionieren der Vereinten Nationen betrifft,
so steht hier gerade für die kleineren Nationen am meisten auf dem Spiel.
Wenn es gelingen sollte, das System der Vereinten Nationen in Afrika
zu stürzen, dann wird sich die Welt auf dem Weg zurück zu der traditionellen Machtpolitik befinden, bei der die kleinen Länder als Strohmänner
der aggressiven Großmächte benutzt werden. Jedes Land, daß sich durch
gleißende Versprechungen dazu verleiten läßt, zum Handlanger einer imperialistischen Macht zu werden, unterminiert damit die Vereinten Nationen und gefährdet seine eigene Unabhängigkeit wie auch die aller
übrigen Länder.
Es ist unbedingt erforderlich, daß die internationale Gemeinschaft
die jungen, aufstrebenden Länder in Afrika vor jedem Druck von außen
schützt, der ihre Unabhängigkeit und ihre souveränen Rechte gefährdet.
Zu diesem Zwecke schlage ich ein Programm vor, das fünf Hauptelemente
enthält:
1 . Eine feierliche Versicherung aller in dieser Versammlung vertretenen Länder, das Recht der afrikanischen Völker zu respektieren, ihre
eigene Lebensform zu wählen und selbst den Weg zu bestimmen, den sie
einschlagen möchten. Diese feierliche Versicherung würde bestimmte Bedingungen einschließen, nämlich
sich jeder Einmischung in die inneren Angelegenheiten dieser jungen
Nationen - sei es durch Subversion, Gewalt, Propaganda oder irgendwelche anderen Mittel - zu enthalten;
keinerlei Streitigkeiten zwischen den Staaten dieses Gebietes zu
schüren und sie nicht zu einem unnützen und gefährlichen Wettrüsten
zu ermutigen; und schließlich
sich jeder Maßnahme zu enthalten, die zur Zeit noch nicht bereinigten Verhältnisse im Kongo zu verschlimmern oder auszubeuten - sei es
durch Entsendung von Waffen oder Truppen in dieses unruhige Gebiet
oder durch Aufhetzung seiner Führer und Völker zu Gewalttaten gegeneinander.
Mein

�"AMERIKA DIENST"

30. September i960

Mein Land und viele andere Länder enthalten sich derartiger Maßnahmen. Ich hoffe, daß diese Vollversammlung alle ihre Mitglieder auffordern wird, dies ebenfalls zu tun, und daß jeder Redner, der nach mir
dieses Podium betritt, für sein Land das feierliche Versprechen abgibt,
dieser Aufforderung voll und ganz nachzukommen.
2. Die Vereinten Nationen sollten darauf vorbereitet sein, den
afrikanischen Ländern bei der Aufrechterhaltung ihrer Sicherheit so zu
helfen, daß kein kostspieliger und gefährlicher Rüstungswettlauf entsteht.
Experten der Vereinten Nationen werden gegenwärtig aufgefordert, die
Sicherheitsstreitkräfte des Kongo auszubilden. Wenn der Generalsekretär
es für nützlich erachten sollte, vermehrte Aktivität zu entwickeln, um Ersuchen dieser Art anderswo nachzukommen, so würde sich mein Land gerne
anderen Mitgliedstaaten bei der Leistung wesentlicher Beiträge zu derartigen Maßnahmen der Vereinten Nationen anschließen.
Und was noch wichtiger ist: Ich hoffe, daß sich die afrikanischen
Staaten der bestehenden Organisation bedienen oder eine neue regionale
Maschinerie schaffen werden, um ein Wettrüsten in diesem Gebiet zu verhindern. Dadurch würden sie dazu beitragen, daß ihrem Kontinent die Verwüstungen erspart bleiben, zu denen die Auswüchse des Chauvinismus in der
Vergangenheit geführt haben. Wenn diese Länder durch gemeinsame Bemühungen
einen Rüstungswettlauf unterbinden können, dann können sie der gesamten
Welt eine willkommene Lehre in internationalen Beziehungen erteilen.
Die bemerkenswerte Schnelligkeit und der Erfolg der Vereinten Nationen
bei der Entsendung starker Truppenkontingente nach dem Kongo sollte diesen
Staaten die Gewißheit geben, daß sie sich darauf verlassen können, daß die
Vereinten Nationen wirksam reagieren, wenn die Sicherheit dieser Länder
bedroht ist. Dies sollte diese Länder von jedem Druck befreien, größere
Streitkräfte aufzustellen als zur Aufrechterhaltung der inneren Sicherheit
erforderlich sind. Auf diese Weise könnten sie selbst dazu beitragen,
ihre Hilfsquellen und Möglichkeiten für konstruktivere Ziele einzusetzen.
3. Wir sollten alle Aktionen der Vereinten Nationen im Zusammenhang
mit den dringenden Erfordernissen in der Kongorepublik unterstützen, die
der Generalsekretär mit so großer Umsicht und Klugheit organisiert hat.
Ich hoffe, daß die hier vertretenen Staaten beträchtliche Hilfsmittel
für dieses internationale Programm zur Verfügung stellen und darin übereinstimmen, daß dieses Programm das bevorzugte Mittel sein sollte, den
dringenden Anforderungen im Kongo gerecht zu werden. Die Vereinigten
Staaten unterstützen die Schaffung eines Fonds der Vereinten Nationen
für den Kongo. Wir sind bereit, gemeinsam mit anderen Ländern einen wesentlichen Beitrag für die dringendsten und unmittelbaren Bedürfnisse
zu dem 100-Millionen-Dollar-Programm zu leisten, das der Generalsekretär
vorschlägt.
4. Die Vereinten Nationen sollten den neu entstehenden afrikanischen
Ländern bei der Aufstellung ihrer langfristigen Modernisierungsprogramme
helfen. Zu diesem Zweck sollte der Sonderfonds und das erweiterte Technische Hilfsprogramm der Vereinten Nationen vergrößert werden, so daß sie

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30. September i960

sie zusammengenommen im Jahre 1961 ein Jahresziel von 100 Millionen
Dollar erreichen. Die Funktionen des Sonderfonds sollten erweitert
werden, so daß er die einzelnen Länder hei ihrer wirtschaftlichen
Entwicklungsplanung unterstützen kann.
Das Programm der Vereinten Nationen für mittlere und leitende
Beamte, durch das den jungen Entwicklungsländern ausreichend geschultes Verwaltungspersonal verfügbar gemacht werden soll, sollte erweitert und auf einer ständigen Basis durchgeführt werden. Die Vereinigten Staaten sind bereit, zusammen mit den übrigen Ländern erhöhte Mittel für dieses Programm, für den Sonderfonds und für das Technische
Hilfsprogramm der Vereinten Nationen zur Verfügung zu stellen.
Die Weltbank und der Internationale Währungsfonds sollten ermutigt
werden, den Entwicklungsländern in Afrika durch Vertretungen und ortsansässige Berater in vermehrtem Maße ihren Rat zuteil werden zu lassen.
Wir sollten ferner mit einer angemessenen und rechtzeitigen finanziellen
Unterstützung seitens dieser beiden multilateralen Finanzierungsquellen rechnen dürfen, sobald sich die aufstrebenden Länder für, solche
Hilfe qualifiziert haben.
Selbstverständlich sind zahlreiche Formen der Hilfe notwendig:
sowohl staatliche als auch private Unterstützung auf einer bilateralen
und multilateralen Basis. Damit diese Hilfe auch so wirksam wie nur
irgend möglich ist, muß sie den grundlegenden Problemen und den sich
ändernden Bedürfnissen der afrikanischen Länder selbst entsprechend
gehalten sein.
5. Als letztes Element dieses Programms schlage ich eine umfassende
Anstrengung der Vereinten Nationen vor, die den afrikanischen Staaten
dabei helfen soll, solche Maßnahmen auf dem Gebiet des Erziehungswesens
zu ergreifen, die sie für richtig halten.
Es genügt nicht, daß die Lautsprecher auf öffentlichen Plätzen
die Leute zur Freiheit aufrufen. Es ist ebenso wichtig, daß diese Leute
mit dem geistigen Rüstzeug ausgestattet werden, ihre Freiheit zu bewahren
und zu stärken.
Die Vereinigten Staaten sind bereit, zu einem von den Organisationen
der Vereinten Nationen aufgestellten erweiterten Erziehungsprogramm beizutragen, das nach dem Dafürhalten des Generalsekretärs und gemäß den
Anforderungen der afrikanischen Länder selbst durchgeführt wird.
Eines der ersten Ziele dieser Unterstützung - nach Beratung und mit
Genehmigung der betroffenen Regierungen - könnte escsein, Institute für
die Gesundheitserziehung, die Berufsfortbildung, die öffentliche Verwaltung und Statistik, vielleicht auch für andere Zwecke zu schaffen, sie
mit dem nötigen Personal auszustatten und so lange weiterzuführen, bis J
diese Regierungen oder private Stellen diese Aufgaben übernehmen können.
Jedes

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30. September i960

Jedes Institut würde an einem geeigneten Ort errichtet werden und
speziell darauf abgestellt sein, die jungen Männer und Frauen dieses
riesigen Gebietes auszubilden, die jetzt aufgerufen werden, die unglaublich komplexen und wichtigen Verantwortungen auf sich zu nehmen,
welche eine plötzliche Staatwerdung mit sich bringt.
Sollten die afrikanischen Staaten wünschen, im Rahmen dieses
Programmes eine größere Zahl ihrer Bürger ins Ausland zu entsenden,
so würde mein Land gerne eine Sonderkommission schaffen, die mit den
Vereinten Nationen zusammenarbeiten würde, um Vorkehrungen für die
Aufnahme noch vieler solcher Studenten an unseren Bildungsstätten zu
treffen.
Dies sind also die fünf Punkte des Programmes, das ich für Afrika
vorschlage:
Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten der afrikanischen
Länder;
Unterstützung bei der Gewährleistung ihrer Sicherheit ohne kostspieligen und gefährlichen Rüstungswettlauf;
Nothilfe für den Kongo;
Internationale Unterstützung bei der Aufstellung langfristiger
afrikanischer Entwicklungsprogramme;
UN-Hilfe für die Erziehung.
Ein solches Programm könnte wesentlich dazu beitragen, den afrikanischen Staaten die klaren Chancen auf die Freiheit, die Ruhe im Innern
und den Fortschritt zu sichern, die sie verdienen.
Die Veränderungen, die sich gegenwärtig in Afrika vollziehen, sind
auch in anderen Gebieten erkennbar. In der Tat ist Afrika nur ein Teil
einer neuen Welt der Veränderungen und des Fortschritts, die sich gegenwärtig in allen aufstrebenden Gebieten vollziehen. Wir müssen unsere
Hilfsprogramme zur wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung anderer
Gebiete in Freiheit,besonders in Lateinamerika, Asien und dem Mittleren
Osten, fortführen und intensivieren. Darüber hinaus dürfen wir nicht
vergessen, daß hunderte Millionen von Menschen vor allem in den weniger
entwickelten Gebieten der Welt an Hunger und Unterernährung leiden, auch
wenn eine Anzahl von Ländern, darunter mein eigenes, Nahrungsmittel im
Überschuß produzieren. Dieses Paradoxon darf nicht andauern.
Die Vereinigten Staaten führen bereits bedeutende Programme durch,
um ihre Überschüsse solchen Ländern zur Verfügung zu stellen, in denen
die Not am größten ist. Mein Land ist ferner bereit, zusammen mit anderen Mitgliedern der Vereinten Nationen ein durchführbares Schema zu
entwerfen, um den Mitgliedstaaten über die Organe der Vereinten Nationen
Nahrungsmittel zur Verfügung zu stellen, wobei wir auf den Rat und die
Unterstützung der Ernährungs- und Landwirtschafts-Organisation zählen.
Ich

�"AMERIKA DIENST"

50. September 1 960

Ich hoffe, daß diese Vollversammlung ernsthaft ein Sonderprogramm
erwägen wird, um das verheißungsvolle "Nahrungsmittel-für-den-Frieden"Programm weiterzuführen.
Wir müssen bestrebt sein, in den Entwicklungsländern friedliche
Veränderungen zu fördern und ihnen bei ihrem wirtschaftlichen und
sozialen Fortschritt zu helfen. Zu diesem Zweck - nämlich den friedlichen Wandel zu unterstützen - muß die Völkergemeinschaft befähigt
sein, im Bedarfsfall ihre Anwesenheit durch Beobachter oder Streitkräfte der Vereinten Nationen zu manifestieren.
Ich würde es begrüßen, wenn die Mitgliedstaaten die im Bericht
des Generalsekretärs enthaltenen Anregungen zum Anlaß für konkrete
Beschlüsse nehmen und dafür sorgen würden, daß innerhalb des Sekretariats ein geeigneter Stab gebildet wird, der ihm hilft, künftigen
Anforderungen von UN-Streitkräften Rechnung zu tragen.
Um die Polizeitruppe der Vereinten Nationen auf eine reguläre
Basis zu stellen, schlug ich im Jahre 1958 vor, Vorkehrungen für die
ständige Bereitstellung von UN-Truppen zu treffen. Seither sind zwar
einige Fortschritte gemacht worden, aber es bleibt noch viel zu tun
übrig.
Jetzt hat der Generalsekretär vorgeschlagen, die Mitgliedstaaten
sollten sich bereit halten, um eventuellen künftigen Ersuchen der Vereinten Nationen um Gestellung solcher Truppen Folge leisten zu können.
Alle hier vertretenen Länder sollten dieser Notwendigkeit entsprechen
und Landeskontingente auswählen, die im Notfall den UN-Truppen zugeführt
werden könnten.
Der Zeitpunkt dafür ist jetzt gekommen - auf dieser Vollversammlung.
Ich kann den Ländern, die gegenwärtig von den Vereinigten Staaten
unterstützt werden, versichern, daß es uns recht ist, wenn diese Unterstützung dazu benutzt wird und ihnen hilft, solche Kontingente gemäß der
Anregung des Generalsekretärs einsatzbereit zu halten. Die Vereinigten
Staaten sind bereit, zur Unterstützung der Bemühungen des Generalsekretärs Luft- und Seetransportmittel in bedeutendem Umfang laufend bereitzustellen, damit die in künftigen Bedarfsfällen von den Vereinten Nationen
angeforderten Kontingente leichter befördert werden können.
Auf lange Sicht ist es sicherlich möglich, weitere Fortschritte in
dieser Richtung zu erzielen, um die Fähigkeit der Vereinten Nationen
zu steigern, sich künftigen Anforderungen gewachsen zu zeigen. Die Aussichten auf solche Fortschritte werden jedoch nur bloße Aussichten bleiben, wenn wir jetzt nicht etwas unternehmen, um die gegebenen Möglichkeiten für praktische Maßnahmen auszunutzen, auf die der Generalsekretär
hingewiesen hat.
Ein weiteres Problem, dem wir uns gegenübersehen, betrifft den Weltenraum. Das Auftauchen dieser neuen Welt wirft eine entscheidende Frage

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�"AMERIKA DIENST

30. September 196O

Frage auf: Bleibt der Weltenraum für friedliche Zwecke erhalten, und
wird er zum Wohle der gesamten Menschheit genutzt? Oder wird er zu
einem weiteren Brennpunkt des Rüstungswettlaufs - und damit zu einem
Gebiet gefährlicher und fruchtloser Konkurrenz? Die Entscheidung ist
dringend. Es ist an uns, sie jetzt zu fällen.
Die Nationen der Welt haben sich vor kurzem darauf geeinigt, auf
dem antarktischen Kontinent alle militärischen Vorbereitungen zu
verbieten. Wir könnten diesen Grundsatz auf einen sogar noch wichtigeren Raum anwenden. Bisher sind weder im Weltenraum noch auf Himmelskörpern nationalgebundene Interessen angemeldet worden. Die Hindernisse,
die einem Abkommen hier entgegenstehen, sind jetzt geringer, als sie
es jemals wieder sein werden.
Diese Gelegenheit kann schnell -vorüber sein. Schon in wenigen Jahren kann der Punkt, von dem es kein Zurück mehr gibt, überschritten
sein.
Führen wir uns vor Augen, daß wir im Jahre 1946 eine Gelegenheit
hatten, sicherzustellen, daß die Atomenergie ausschließlich für friedliche Zwecke verwendet werde. Diese Gelegenheit wurde versäumt, als die
Sowjetunion den umfassenden Plan, die Atomenergie unter internationale
Kontrolle zu stellen, zurückwies, den die Vereinigten Staaten unterbreitet hatten.
Wir dürfen die Chance nicht verpassen, die wir noch haben, die
Zukunft des Weltenraumes zu kontrollieren.
Ich schlage vor, daß wir
erstens beschließen, daß Himmelskörper nicht Gegenstand einer
nationalen Besitzergreifung oder nationaler Souveränitätsansprüche
werden dürfen;
zweitens vereinbaren, daß sich die Völker der Welt nicht in kriegerische Tätigkeiten auf diesen Körpern einlassen;
drittens übereinkommen, daß - unter der Voraussetzung einer entsprechenden Verifizierung - kein Land Massenvernichtungswaffen in eine
Kreisbahn um die Erde oder auf eine Weltraumstation bringen darf. Alle
Starts von Raumflugkörpern sollten im voraus den Vereinten Nationen
mitgeteilt werden;
viertens nachdrücklich auf ein Programm der internationalen Zusammenarbeit für eine konstruktive, friedliche Nutzung des Weltenraumes
im Rahmen der Vereinten Nationen hinarbeiten. Eine bessere Wettervorhersage, verbesserte weltweite Nachrichtenverbindungen sowie eine wirksamere
Erforschung nicht nur des Weltenraumes, sondern auch unserer eigenen
Erde wären nur einige der Vorteile einer solchen Zusammenarbeit.
Eine Übereinkunft über diese Vorschläge würde künftige Generationen
bei der Erforschung des Universums friedlichen, wissenschaftlichen Fortschritt vorfinden lassen und nicht eine weitere Schrecken einflößende
Dimension des Wettrüstens.
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Aber
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30. September i960

Aber die Rüstungen müssen auch hier auf Erden kontrolliert werden, wenn die Zivilisation weiterbestehen soll. Diese Bemühungen müssen sich sowohl auf die konventionellen als auch auf die nichtkonventionellen Rüstungen erstrecken.
Mein Land hat zu diesem Zweck während des vergangenen Jahres spezifische Vorschläge unterbreitet. Am 27. Juni wurden neue amerikanische
Vorschläge gemacht in der Hoffnung, daß sie als Grundlage für Verhandlungen zur Erreichung einer allgemeinen Abrüstung dienen könnten.
Die Vereinigten Staaten stehen immer noch zu diesen Vorschlägen.
Der Ausmarsch der kommunistischen Länder in Genf - als sie erfuhren,
daß wirim Begriffe standen, diese Vorschläge zu unterbreiten - brachte
die Verhandlungen zu einem jähen Ende. Diese ihre unmotivierte Maßnahme
vermindert jedoch nicht die dringende Notwendigkeit für eine Rüstungskontrolle .
Mein Land ist der Ansicht, daß die Verhandlungen bald wieder aufgenommen werden können und sollten.
Unser Ziel besteht darin, ein Abkommen über all die verschiedenen
Maßnahmen zu erreichen, die eine allgemeine und umfassende Abrüstung
herbeiführen werden. Jeder aufrichtig denkende Mensch muß jedoch anerkennen, daß dies eine riesige Aufgabe ist. Sie wird viel Zeit erfordern.
Es sollte nicht notwendig sein, zu warten, bis wir über all die
detaillierten Maßnahmen zur Erreichung dieses Zieles Übereinstimmung
erzielt haben, bevor wir mit den Abrüstungsmaßnahmen beginnen. Spezifische und vielversprechende Schritte in dieser Richtung wurden in unseren Vorschlägen vom 27. Juni aufgezeigt.
Wenn die Verhandlungen wieder aufgenommen werden können, dann dürfte
es vielleicht möglich sein, sich im besonderen mit zwei drängenden Gefahren zu befassen - der Gefahr eines Krieges auf Grund einer Fehlkalkulation und der Gefahr, die in den sich ständig vergrößernden Atomwaffenlagern liegt.
Die Entwicklung der Raketen, durch die die Zeit für eine Reaktion
immer kürzer wird, macht Maßnahmen zur Verringerung der Gefahr eines
Krieges auf Grund einer Fehlkalkulation immer notwendiger. Die einzelnen Staaten müssen in der Lage sein, sich rasch gegenseitig die Zusicherung zu geben, daß sie keinerlei aggressive Schritte vorbereiten insbesondere bei internationalen Krisen, wenn jede Seite Schritte zur
Verbesserung ihrer eigenen Verteidigung unternimmt, die von der anderen
Seite leicht falsch ausgelegt werden könnten. Eine solche falsche Beurteilung könnte, solange es noch keine Einrichtung gibt, um zu verifizieren, daß keiner einen Angriff auf den anderen vorbereitet, leicht zu
einem Krieg führen, den keiner wollte.
Heute könnte in Krisenzeiten die Gefahr eines Krieges auf Grund
von Fehlkalkulationen durch die Intervention eines geeigneten Überwachungsgremiums der Vereinten Nationen vermindert werden, wenn diese

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50. September 196O

diese Intervention von irgendeinem Land gefordert wird, das seine
eigenen friedlichen Absichten zu beweisen sucht. Die Frage der Methoden können wir den Experten überlassen.
Das Entscheidende ist also nicht eine Frage der technischen
Durchführbarkeit, sondern der politischen Bereitschaft der einzelnen
Länder, sich einer Inspektion zu unterwerfen. Die Vereinigten Staaten
stehen in dieser Hinsicht an erster Stelle.
Ich erkläre heute .'feierlich im Namen der Vereinigten Staaten, daß
wir bereit sind, uns jeder internationalen Inspektion zu unterziehen,
unter der einzigen Voraussetzung, daß diese Inspektion wirksam ist und
tatsächlich auf der Basis der Gegenseitigkeit erfolgt. Diese Maßnahme
treffen wir bereitwillig, als Ausdruck unserer Entschlossenheit, die
Präambel der UN-Charta zu verwirklichen - "kommende Geschlechter vor
der Geißel des Krieges, die zweimal in unserer Generation unsagbares
Leid über die Menschheit gebracht hat, zu bewahren..."
Die Vereinigten Staaten möchten, daß die Sowjetunion und alle Länder der Welt genug über die amerikanischen Verteidigungsvorbereitungen
wissen, um versichert sein zu können, daß die Streitkräfte der USA lediglich für die Abschreckung und Verteidigung da sind und nicht für einen
Überraschungsangriff. Ich hoffe, daß auch die Sowjetunion in ähnlicher
Weise den Vereinigten Staaten und anderen Ländern die Gewißheit zu geben
wünscht, daß ihre Sicherheitsvorbereitungen keinen aggressiven Charakter
haben.
Es gibt einen noch grundlegenderen Punkt: In einem Zeitalter der
sich rapide entwickelnden Technik ist Geheimhaltung nicht nur ein Anachronismus, sie ist auch ausgesprochen gefährlich. Eine Gesellschaft
aufrechterhalten zu wollen, in der ein militärischer Schritt in völliger Geheimhaltung erfolgen kann, während man sich gleichzeitig zu dem
Wunsch bekennt, die Kriegsgefahr durch eine Rüstungskontrolle zu reduzieren, ist ein Widerspruch.
Eine zweite Gefahr, mit der wir uns gleich zu Beginn der Verhandlungen befassen müssen, liegt in dem Anwachsen und der möglichen Ausbreitung der Atomwaffenlager.
Damit diese Entwicklung umgekehrt wird, schlage ich vor, daß die
Länder mit einer Atomwaffenproduktion umgehend Experten zusammenkommen
lassen, um - im Rahmen von Verifizierungsmaßnahmen - ein System zur
Einstellung der gesamten Produktion an spaltbarem Material für Waffenzwecke auszuarbeiten.
Diese Produktionseinstellung würde in Kraft treten, sobald das
vereinbarte Inspektionssystem errichtet ist und wirksam arbeitet, während
gleichzeitig Fortschritte auf anderen Abrüstungsgebieten angestrebt
werden.
Die

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�AMERIKA DIENST

50. September 1960

Die Vereinigten Staaten sind bereit, im Falle einer Produktionseinstellung zusammen mit der Sowjetunion bedeutende Mengen spaltbaren
Materials in internationale Sammellager zu überführen. Die Abrüstungskommission der Vereinten Nationen hat bereits den Vorschlag von Botschafter Lodge gehört, nicht - wie von den Vereinigten Staaten 1954
vorgeschlagen - pfundweise, sondern tonnenweise spaltbares Material für
friedliche Zwecke abzustellen. Die Überstellung weiteren spaltbaren
Materials könnte erfolgen, sobald Fortschritte auf anderen Abrüstungsgebieten erreicht sind.
Wenn die Sowjetunion einer Einstellung der Produktion spaltbaren
Materials für Waffenzwecke zustimmt, dann könnten einige Produktionsstätten unverzüglich geschlossen werden. Die Vereinigten Staaten würden
bereit sein, genau die gleiche Zahl großer Fabriken zur Produktion spaltbaren Materials zu schließen wie die Sowjetunion, Fabrik um Fabrik, unter
einer internationalen Inspektion und Verifizierung.
Die Vorgeschlagene Arbeitsgruppe von Experten könnte ferner prüfen,
auf welche Weise die völlige Beseitigung der Atomwaffen verifiziert
werden kann, die Teil der dritten Phase unseres vorgeschlagenen Abrüstungsprogramms ist. Bis jetzt sind noch keine Mittel bekannt, durch
die dies wirklich erreicht werden kann; wir hoffen, daß die Experten ein
System entwickeln können.
Vertreter der Vereinigten Staaten sind bereit, umgehend mit Vertretern der übrigen Länder zu einem ersten Gedankenaustausch über diese
Vorschläge zusammenzutreffen. Wer die zahlreichen fruchtlosen Abrüstungsgespräche seit dem Kriege genau verfolgt hat, könnte vielleicht zynisch
werden und behaupten, daß die Aufgabe hoffnungslos ist. Dies ist nicht
der Standpunkt der Vereinigten Staaten.
Überall auf der Welt wollen die Menschen die Abrüstung. Sie wünschen,
daß ihr Besitz und ihre Arbeit nicht für den Krieg, sondern für Lebensmittel, Kleidung, Wohnung, für die Gesundheit und für Schulen verwendet
werden.
Immer und immer wieder hat das amerikanische Volk diese seine Sehnsucht zum Ausdruck gebracht: sich mit Menschen guten Willens überall auf
der Welt zusammenzuschließen, um eine bessere Welt aufzubauen. Wir waren
immer jederzeit bereit, jeden nur möglichen Vorschlag auf dieses Ziel
hin zu prüfen. Wir fordern nur eins - daß ein solches Programm nicht
irgendeinem Land militärische Vorteile bringt und daß es die Inspektion
der Rüstungen anderer Länder gestattet. Ein Abrüstungsprogramm, das nicht
einer Inspektion unterliegt und das nicht garantiert wird, würde die Kriegs
gefahr nicht reduzieren, sondern sie noch vergrößern. Die internationale
Kontrolle der Atomenergie sowie eine allgemeine und völlige Abrüstung
können genauso wenig durch Reden erreicht werden wie die wirtschaftliche
Entwicklung der neuen unabhängigen Länder. Diese beiden gewaltigen Aufgaben, vor denen die Menschheit steht, erfordern ernsthafte, sorgfältige,
kostspielige, mühevolle und unpropagandistische Maßnahmen.
_,

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�"AMERIKA DIENST"

50. September 1 96O

Ich habe es ausdrücklich vermieden, in .dieser Ansprache mehrere brennende Probleme zu erwähnen, die die Vereinigten Staaten und andere Länder
beunruhigen. Wenn ich dies nicht getan habe, so bedeutet dies keinesfalls,
daß diese für die Vereinigten Staaten und die gesamte internationale
Völkergemeinschaft nicht eine große Sorge darstellen.
Zum Beispiel beunruhigen uns die sich häufenden Anzeichen drohender
Eingriffe in die Freiheit der Bevölkerung West-Berlins weiterhin zutiefst.
Besondere Sorge bereitet den USA ebenfalls der Abschuß eines amerikanischen Flugzeuges am 1. Juli dieses Jahres über internationalen Gewässern
sowie der augenscheinliche Tod von vier seiner Besatzungsmitglieder und
die Gefangensetzung der beiden anderen Besatzungsmitglieder auf Grund abgekarteter Spionageanschuldigungen. Dies ist auch ein empörender Affront
gegen das Recht aller Länder auf friedliche Benutzung der offenen See.
Durch ihr Veto im Sicherheitsrat hat die Sowjetunion eine umfassende Untersuchung der Tatsachen bei diesem Vorfall verhindert. Diese Tatsachen
fordern eine Anhörung - als eine Angelegenheit, die von einem unparteiischen Gericht geprüft werden sollte.
Die von mir soeben erwähnten besonderen Probleme sind nicht lediglich isoliert dastehende Fälle von Meinungsverschiedenheiten zwischen
einigen wenigen Nationen. Sie sind Kernstück der Frage des Friedens selbst
und zeigen das Zusammenhängende und Ineinanderverwobene der Natur unserer
jeweiligen nationalen Belange. Ihnen muß mit dem Ernst und der Sorgfalt
begegnet werden, die ihre Bereinigung erfordert.
Die grundlegende Tatsache aller Veränderungen im Bereich der internationalen Angelegenheiten ist heute die Notwendigkeit, die Bande und
das Gebäude einer echten Weltgemeinschaft zu schaffen und zu festigen.
Die Vereinten Nationen stehen der Menschheit bei dem Vorhaben zur Verfügung, genau diese Gemeinschaft zu schaffen. Sie haben zustande gebracht,
was keine Nation allein und auch keine begrenzte Gruppe von Nationen
hätte zustande bringen können. Die Weltorganisation ist zum Forum aller
Völker geworden und zu einem tragenden Gerüst, um das sich ihre gemeinsamen
Bemühungen um die Schaffung einer besseren Zukunft für unsere Welt kristallisieren können.
Wir müssen überaus wachsam sein gegenüber denjenigen, die je nach
Stimmung in den Vereinten Nationen entweder ein Werkzeug zu ihrem Nutzen
oder zum Mißbrauch sehen. Die Vereinten Nationen sind nicht als eine Art
Olympische Fanfare zur Verstärkung der Propagandatöne einzelner Nationen
gedacht.
Die treibende Kraft hinter einer erfolgreichen UN muß der hehre Gedanke
sein, daß eine echte internationale Gemeinschaft einen Frieden in Gerechtigkeit schaffen kann, wenn die Völker nur geduldig in einer Atmosphäre offenen
Vertrauens zusammenarbeiten.
Wenn ich einen Fortschritt in Richtung auf eine Weltgemeinschaft forder
so möchte ich auf die amerikanische Konzeption von der Schicksalhaftigkeit
einer progressiven Gesellschaft verweisen. Hier, wo einst eine Wildnis war,
haben wir eine Gesellschaft und eine Zivilisation aufgebaut, die sich von
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�"AMERIKA DIENST"

30. September i960

von zahlreichen Ursprüngen herleitet* Und aus dieser Mischung zahlreicher Völkerschaften und Glaubensrichtungen haben wir eine Einheit
in Freiheit geschaffen - eine Einheit mit dem Ziel, die Rechte jedes
einzelnen zu schützen, während die Freiheit und der Wohlstand aller
vergrößert wird.
Diese Konzeption der Einheit in Freiheit, die auf eine Vielzahl
rassischer und kultureller Ursprünge zurückgeht, möchten wir gerne zu
einer Realität für die gesamte Menschheit werden lassen. Diese Konzeption sollte in jedem Volke wie auch unter den Völkern Geltung haben.
Wir glauben, daß das Recht jedes einzelnen, durch seine Stimme an der
Selbstregierung teilzunehmen, genauso wertvoll ist wie das Recht jedes
einzelnen hier vertretenen Landes, in dieser Vollversammlung für seine
eigenen Überzeugungen zu stimmen. Ich würde gerne eine weltweite
Volksabstimmung erleben, die jedem einzelnen auf der Welt die Gelegenheit geben würde, frei und geheim auf folgende Frage zu antworten:
"Wollen Sie dieses Recht für sich?"
Wir lehnen den Gedanken zweier feindlicher, in einem ewigen erbitterten Konflikt stehenden Welten ab; uns schwebt eine einzige Weltgemeinschaft vor, die zwar bisher noch nicht verwirklicht ist, aber auf Grund
unserer Pläne, unserer Bemühungen und unserer gemeinsamen Schritte ihrer
Verwirklichung stetig entgegengeht.
Das betrachten wir als unser Ziel, nicht einen Superstaat, der über
den Nationen steht, sondern eine Weltgemeinschaft, die sie alle umfaßt,
in der Gesetz und Recht fest verwurzelt sind und die die Möglichkeiten und
gemeinsamen Ziele aller Völker fördert.
Lassen Sie uns nun, da wir in das neue Jahrzehnt eintreten, darangehen, diese internationale Gemeinschaft erneut zu stärken und neue Bande
der Freundschaft zwischen ihren Mitgliedern zu knüpfen, indem wir neue
Wagnisse zum Wohle der gesamten Menschheit unternehmen.
Und wenn wir an diese Aufgabe herangehen, wollen wir uns nicht der
Täuschung hingeben, daß das Nichtvorhandensein eines Krieges allein schon
eine ausreichende Grundlage für eine friedliche Welt darstellt . Ich wiederhole noch einmal: Wir müssen ebenfalls eine Welt der Gerechtigkeit
unter dem Gesetz aufbauen, und wir müssen Armut, Unwissenheit und Krankheit besiegen.
Wir aus den Vereinigten Staaten werden uns gemeinsam mit Ihnen noch
mehr dafür einsetzen, die Grundlage eines wahren Friedens zu schaffen eines Friedens, in dem alle Völker ständig Fortschritte zu höheren Stufen
menschlicher Leistung erzielen. Die Mittel dafür haben wir an der Hand.
Wir müssen sie nur mit der Klugheit und der Energie einsetzen, die dieser
unserer Sache wert sind.
Ich lege Ihnen diese große Aufgabe ans Herz, ich stelle sie Ihrem
Geist und lege sie in Ihre bereiten Hände. Lassen Sie uns gemeinsam voranschreiten und niemand zurücklassen.
* * * * *

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13

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�A M E R I K A

D I E N S T

Wi./25.11.60
DIREKTIVE PRÄSIDENT EISENHOWERS ZUR VERBESSERUNG DER
AMERIKANISCHEN ZAHLUNGSBILANZ

WASHINGTON - (AD) - Präsident Eisenhower hat am
Mittwoch, dem 18. November 1960,eine Direktive
erlassen, in der Maßnahmen zur Verbesserung der
Zahlungsbilanz der Vereinigten Staaten angeordnet
werden. Diese Maßnahmen zielen darauf ab, die Dollarausgaben der Regierung im Ausland zu reduzieren und
den Goldabfluß nach anderen Ländern einzudämmen.
Die vom Präsidenten erlassene Direktive hat folgenden
Wortlaut:

Direktive des Präsidenten bezüglich der Schritte, die im Hinblick auf
die amerikanische Zahlungsbilanz ergriffen werden sollen

Die Vereinigten Staaten haben nach dem zweiten Weltkrieg durch den
Marshall-Plan und andere Programme eine bisher nie dagewesene Reihe von
Maßnahmen eingeleitet und aufrechterhalten, die darauf abzielten, den vom
Kriege verwüsteten Staaten in Europa und Asien beim Wiederaufbau zu helfei
Während der Jahre des Wiederaufbaus haben die Vereinigten Staaten
diesen Nationen auf verschiedene Weise Dollarbeträge zur Verfügung gestellt, um sie in die Lage zu versetzen, im Zuge ihres Wiederaufbaus
Dienstleistungen und Güter zu kaufen, die in der ersten Zeit nach dem
Kriege nur die Vereinigten Staaten liefern konnten/
Wir waren uns völlig darüber im klaren, daß diese Länder eine
Steigerung ihrer Exporte brauchten, um nicht mehr von den Vereinigten
Staaten abhängig zu sein, und daß dies einen 'Wettbewerb mit den amerikanischen Exporten auf den Weltmärkten mit sich bringen würde.
Die Auswirkungen dieser Politik auf unsere Zahlungsbilanz begannen
sich etwa seit 1950 bemerkbar zu machenj sie führten in jedem Jahr außer 1957 wegen der Suezkrise - zu leichten Defiziten in der Zahlungsbilanz. Vor nunmehr zwei Jahren wurden jedoch die Auswirkungen des Wiederaufbaus und der Wiedergesundung der europäischen Volkswirtschaften
- und auch der Wirtschaft Japans - mit aller Wucht und in nahezu dramatischer Plötzlichkeit deutlich. Diese ehemals durch den Krieg zerstörten
Länder sind jetzt auf den Märkten der freien Welt mit den Vereinigten
Staaten voll im Wettbewerb getreten.
_.
&amp;
Die
1

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�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

25. November

1960

Die Vereinigten Staaten haben auch die militärische Sicherheit
der befreundeten Länder gestärkt, um auf diese Weise zur gemeinsamen
Sicherheit beizutragen und vor Aggressionsdrohungen von außen abzuschrekken. Die Programme, durch die dies« Ziele verwirklicht werden, haben»
weitgehend als Ergebnis der Stationierung unserer Truppen in fremden
Ländern,gl eichfalls zu einem Abfluß des Dollars ins Ausland geführt.
Zur gleichen Zeit haben die Vereinigten Staaten in dem Bemühen
um die Schaffung der für einen dauerhaften Frieden in der gesamten
Welt notwendigen wirtschaftlichen Vorbedingungen bedeutende Anstrengungen
unternommen, um den wirtschaftlichen Fortschritt der Entwicklungsländer
zu fördern. Insofern als diese Programme nicht zu einer Exportsteigerung
amerikanischer Güter und Dienstleistungen führen, haben auch sie einen
Dollarabfluß nach den mit uns konkurrierenden Staaten in Europa und nach
Japan verursacht.
Das Problem der Zahlungsbilanz
Infolge dieser soeben erwähnten und anderer Faktoren sahen sich die
Vereinigten Staaten einem anhaltenden Defizit in ihrer Zahlungsbilanz
gegenüber. In den letzten drei Jahren wurden insgesamt rund 10 Milliarden
Dollar mehr verausgabt als eingenommen. Die entsprechenden Defizite brachten beachtliche Goldabflüsse und das Anwachsen unserer Dollarpassiva. Ein
bedeutender Teil unseres Defizits wurde in Gold beglichen, was zu einer
Abnahme der Goldvorräte des Schatzamtes um rund 4»5 Milliarden Dollar
seit Ende 1957 geführt hat.
Was ist hinsichtlich dieses Problems getan worden?
Die Regierung hat dieses Problem frühzeitig erkannt, genauso wie die
Finanzinstitute der freien Welt. Die Regierung hat ihm große Aufmerksamkeit geschenkt und Maßnahmen ausgearbeitet und in Kraft gesetzt, die zur
Verbesserung der Zahlungsbilanz sowie zur Erhaltung des Vertrauens in den
Dollar beitragen sollen.
Hier in den USA haben wir uns ständig um eine vorsichtige Führung
unserer eigenen Finanz- und Währungspolitik bemüht in der Erkenntnis,
daß eine solche Politik unbedingt notwendig ist, wenn die Wirtschaft
nicht nur der USA, sondern auch der freien Welt gesund bleiben soll. Wir
haben die Inflation im wesentlichen zum Stillstand gebracht und Überschüsse in unserem Bundeshaushalt erzielt.
Ohne ein derartiges vorsichtiges Vorgehen auf fiskalischem Gebiet
könnten wir nicht hoffen, die Stabilität der Preise zu gewährleisten;
und ohne eine vernünftige Preisstabilität und die Ausschaltung der gefährlichen Auswirkungen inflatorischer Tendenzen könnten wir eine Kürzung unserer Ausfuhren nicht umgehen und auch .nicht hoffen, daß wir uns weiterhin
des Vertrauens erfreuen, dessen wir im Hinblick auf unsere Rolle als Banki
der Welt bedürfen.
Auf

�ALIERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

25. November i960

Auf internationaler Ebene haben wir eine Reihe von Maßnahmen ergriffen, um unsere Zahlungsbilanz gegenüber der übrigen Welt auszugleichen.
Um weitere Fortschritte zu erzielen und neue Methoden zur Verbesserung
der Zahlungsbilanz zu entwickeln, habe ich im vergangenen Jahr einen
Kabinetisbeschluß gebilligt, in dem der Finanzminister als Vorsitzender
des Nationalen Beirats für Internationale V/ährungs- und Finanzfragen
angewiesen wird, die erforderlichen Schritte zur Ausarbeitung und Koordinierung von Maßnahmen der mit Fragen der Zahlungsbilanz befaßten Ministerien und Regierungsämter zu ergreifen.
Als Folge dieser Koordinierung sowie anderer Tätigkeiten haben wir
z.B. weiter auf die Beseitigung der von anderen Ländern errichteten
Handelsschranken gedrängt, die den Absatz amerikanischer Güter behindern.
Wir haben die Gründung der Internationalen Entwicklungsgemeinschaft als
einer Tochtergesellschaft der Weltbank geplant und gefördert, über die
andere Länder mit uns die Last der Hilfe für die Entwicklungsländer teilen. Wir haben ferner die Führung bei der Gründung der Entwicklungshilfegruppe (DAG) ergriffen - einer anderen Körperschaft, über die wir andere
wirtschaftlich hochentwickelte Länder drängen, einen größeren Teil der
Hilfe für die neuen Entwicklungsgebiete der Welt zu übernehmen. Wir haben
zur Förderung des Exports amerikanischer Waren ein Exportfinanzierungsund Garantieprogramm eingeführt. Und der Entwicklungsanleihefonds hat im
Oktober 1959 seine Politik geändert, um den Nachdruck auf die Finanzierung
von Gütern und Dienstleistungen amerikanischen Ursprungs zu legen.
Warum mehr getan werden muß
Wären diese vernünftigen Maßnahmen, von denen ich gesprochen habe,
nicht ergriffen worden, dann würde das Problem unserer Zahlungsbilanz
heute noch schwieriger sein als es ohnehin ist. Aber trotz des erzielten
Fortschritts bleibt noch sehr viel zu tun.
Es ist richtig, daß wir während dieses Jahres eine bemerkenswerte
und ermutigende Steigerung im Export unserer Güter zu verzeichnen haben.
Im Jahre 1959 erreichte unser Außenhandelsüberschuß einen Nachkriegstiefstand von rund 1 Milliarde Dollar, während wir in diesem Jahr wahrscheinlich eine Jahresrate von über 4 Milliarden Dollar erreichen werden.
Wenn wir die auf Grund unserer militärischen Ausgaben im Ausland geleisteten Zahlungen ausklammern, dann erreichte unser Exportüberschuß an Gütern
und Dienstleistungen im Jahre 1959 einen Tiefstand von 3 Milliarden Dollar,
während wir in diesem Jahr - auf der gleichen Basis berechnet - voraussichtlich einen Überschuß von rund 6,5 Milliarden Dollar verzeichnen können.
Für unsere militärischen Aufwendungen im Ausland, für die von der
Regierung durchgeführten Wirtschaftshilfsprogramme, für private langfristige Kapitalinvestitionen im Ausland und für den Erwerb kurzfristiger
Auslandskapitalien geben wir pro Jahr rund 8,5 Milliarden Dollar aus.
Selbst nach Aufrechnung dieser Zahl gegen unseren Überschuß aus dem Export
von Gütern und Dienstleistungen von fast 6,5 Milliarden Dollar haben wir
bei diesen Positionen einen Auszahlungs üb erhäng von rund 2 Milliarden
Dollar.
Aber

^

�AMERIKA DIENST"- WIRTSCHAFT UND ARBEIT

25. November i960

Aber auf Grund der Nettobewegungen bei anderen Positionen haben wir
noch ein weit größeres Gesamtdefizit in der Zahlungsbilanz zu gewärtigen,
das gegenwärtig eine Jahresrate von über 5 Milliarden Dollar erreicht und
vielleicht sogar nicht weit hinter dem Defizit des Jahres 1959 "von fast
4 Milliarden Dollar zurückbleibt. Dies hat zu einer Anhäufung von Gold
und liquiden Dollarguthaben vor allem bei den Industrieländern geführt.
Wir haben in diesem Jahr eine starke Abwanderung von kurzfristigem
Kapital zu verzeichnen gehabt, die sich zum Teil auf die höheren Zinssätze
und das begrenzte Kapitalangebot in den anderen Industriestaaten zurückführen läßt. Diese Bewegung ist ein bedeutender Faktor in unserem Gesamtdefizit gewesen. Das Ausmaß und die Richtung dieses Auf und Ab eines derartigen Kapitalstroms lassen sich unmöglich voraussagen; es ist jedoch klar,
daß wir - ganz allgemein gesprochen - heute mit internationalen Kapitalbewegungen in einem größeren Umfang rechnen müssen als in den ersten Nachkriegsjahren. Das Volumen dieser Kapitalbewegungen in der jüngsten Zeit und
die umfangreichen Goldkäufe durch ausländische Währungsbehörden während der
vergangenen vier Monate machen es erforderlich, daß wir unsere Anstrengungen
verdoppeln, um eine weitere Verbesserung unserer Zahlungsbilanz zu erzielen.
Dieses Problem betrifft nicht nur die amerikanische Bundesregierung,
sondern auch alle Bürger, die mit dem internationalen Handel zu tun haben.
Deshalb muß eine Steigerung unserer kommerziellen Exporte auch weiterhin
das Ziel einer intensivierten und gemeinsamen Kampagne der staatlichen
Stellen und der privaten Gruppen sein. Da wir uns aber in der Welt Wettbewerbsbedingungen gegenübersehen, die es schwierig machen, sich ausschließlich auf eine Vergrößerung der Bareinnahmen aus Exporten zu verlassen, müsse
wir in unsere Bemühungen auch eine Reduzierung gewisser Dollarzahlungen der
Regierung an fremde Länder einschließen.
Eine definitive Verbesserung in unserer Zahlungsbilanzsituation ist
nicht nur dringend erforderlich, um unser wirtschaftliches Wohlergehen
und unsere militärische Sicherheit hier in den USA zu gewährleisten,
sondern ebenso, um sicherzustellen, daß die Vereinigten Staaten auch
in Zukunft als ein starker Partner am wirtschaftlichen Wachstum und an
der militärischen Stärke der freien Welt partizipieren können. Wir suchen
diese Verbesserung mit einer Politik zu erreichen, die unsere militärische
Stärke nicht vermindert und unsere internationalen Wirtschaftsprogramme
nicht beeinträchtigt und die es uns ermöglicht, unser Ziel - eine Ausweitung
des Welthandels und des damit verbundenen freien Zahlungsverkehrs - weiterhi
zu verfolgen.
Das Währungssystem der Vereinigten!Staaten hat eine doppelte Aufgabe.
Es dient einmal den Bedürfnissen unseres Landes; zum anderen ist der Dollar
zu einem wesentlichen Stützpfeiler im internationalen Finanzsystem der freie
Welt geworden. Es ist deshalb ein dring endesGebot, daß die Vereinigten
Staaten der Erzielung eines vernünftigen Gleichgewichts in ihrer internationalen Zahlungsbilanz eine dem entsprechende hohe Vorrangstellung einräumen.

Zu

_ 4 -

�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

25. November 196O

Zu diesem Zwecke müssen wir alle diejenigen im Bereich des Tätigkeitsfeldes der amerikanischen Regierung liegenden Schritte unternehmen, die unverzüglich dazu beitragen, das Defizit in unseren internationalen Zahlungen zu verringern. Darüber hinaus müssen wir u.a.
diejenigen Maßnahmen der Regierung fortführen und verstärken, die, auf
längere Sicht gesehen,zu diesem Ziel beitragen werden.
1. Auf dem Gebiet des Welthandels müssen wir
a) bei anderen Ländern - und insbesondere bei denen, die wirtschaftlich
und finanziell stark sind - mit Nachdruck auf eine Reduzierung der Zölle,
eine Lockerung der Quoten und einen Abbau der Handelsrestriktionen drängen,
die die Exporte der Vereinigten Staaten behindern, und diese Länder auffordern, die internen Abgaben sowie andere Maßnahmen, die sich auf die
Käufe amerikanischer Waren und Dienstleistungen besonders einschränkend
auswirken, zu reduzieren oder zu beseitigen;
b) weiterhin alle vernünftigen Maßnahmen ergreifen, um unsere Exporte
zu steigern, einschließlich der Erleichterung der Exportfinanzierung, wo
dies zur Erhöhung unseres Absatzes sowohl an Verbrauchsgütern als auch an
Kapitalgütern notwendig ist.
2. Auf dem Gebiet der internationalen Finanz müssen wir
a) darauf bestehen, daß unsere Freunde und Verbündeten ihren vollen
Anteil an den Kosten für die Aufrechterhaltung der Sicherheit der freien
Welt tragen;
b) weiterhin dringend darauf bestehen, daß die anderen wirtschaftlich
hochentwickelten Länder der freien Welt ihren Anteil an jener langfristigen und wahrhaft aufbaufördernden Art der Finanzierung übernehmen, die den
Entwicklungsländern zuteil wird;
c) die internationalen Institutionen drängen, soweit wie möglich andere
ihnen zur Verfügung stehende Währungen als den Dollar zu benutzen, wann
und wo immer dies möglich ist;
d) die anderen starken Länder dazu ermutigen, die Aufnahme von Krediten
durch diese Institutionen und andere Kreditnehmer auf ihren Kapitalmärkten
zu gestatten, wo dies angebracht ist;
e) fortfahren, unsere gesamte Regierungstätigkeit - sowohl im eigenen
Lande wie im Ausland - zu überprüfen, um ihre Auswirkungen auf unsere Zahlungsbilanz zu verringern.
3V Gleichermaßen wichtig sind Maßnahmen in bezug auf unsere einheimische
Wirtschaft.
Auf diesem Gebiet müssen wir
a) die Steuer-, Finanz-, Währungs- und Schuldenpolitik der Regierung
und des Zentralbankensystems fortführen, die darauf abzielt, eine Inflatior
in den Vereinigten Staaten zu vermeiden;
,\

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�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

25. November 196O

b) den Unternehmern und den Gewerkschaften weiterhin nahelegen,
alle zumutbaren Schritte zu unternehmen, um die Wettbewerbsfähigkeit
der in den USA erzeugten Güter auf den Exportmärkten sicherzustellen,
und aktiv nach Möglichkeiten auf diesen Märkten forschen.
Während diese und andere Maßnahmen und Verfahren einer kritischen
Prüfung unterzogen werden, können und müssen meines Erachtens bestimmte
Maßnahmen jetzt durch die Regierung unternommen werden, und ich ordne
daher folgendes an:
1. Der Verteidigungsminister soll, ohne unsere effektive militärische
Stärke zu verringern und unter Rücksichtnahme darauf, daß die unten angeführten Maßnahmen Anpassungen im Haushalt zur Folge haben können^
a) die Zahl der gleichzeitig im Ausland lebenden Familienangehörigen
des Militär- und Zivilpersonals auf eine Höchstzahl von 200 000 verringern
und fortan auf diesen Stand beschränkt halten, wobei diese Höchstzahl
einer jährlichen Überprüfung durch den Präsidenten unterliegen soll.
Diese Reduzierung soll, beginnend mit dem 1. Januar 1961, gemäß den Richtlinien und Bestimmungen vorgenommen werden, die der Verteidigungsminister
erläßt, und so weitgehend wie möglich die in den hochindustrialisierten
Ländern mit harter Währung lebenden Familienangehörigen erfassen. Ausnahmen bei den obigen Einschränkungen bedürfen der persönlichen Genehmigung
durch den Verteidigungsminister oder den stellvertretenden Verteidigungsminister;
b) umgehend alle möglichen Schritte unternehmen, um die Ausgaben aus
den Bewilligungen für die Streitkräfte und das militärische Hilfsprogramm,
die im Kalenderjahr 1961 für Beschaffungen im Ausland geplant sind, um
einen sehr wesentlichen Betrag dadurch zu reduzieren, daß er einen Mindestbetrag festsetzt, um den solche Beschaffungen zu kürzen sind;
c) den Ankauf ausländischer Waren im Rahmen der aus nichtzugewiesenen
Geldern finanzierten Einkaufstätigkeit der Militärstellen untersagen,
wobei Ausnahmen von diesem Verbot auf Grund einer persönlichen Genehmigung
des Verteidigungsministers oder des stellvertretenden Verteidigungsministers möglich sind.
2. Der Finanzminister soll
jfür den Küstenwachdienst der Vereinigten Staaten dieselben Maßnahmen
ergreifen, wie sie unter Abschnitt 1 (a), (b) und (c) oben dargelegt sind.
3» Der Außenminister soll
a) den Direktor der Verwaltung für Internationale Zusammenarbeit (ICA) eine amerikanische Behörde für Auslandshilfe, die öffentliche Gelder verwendet - anweisen, eine Politik zu verfolgen, in deren Rahmen bei allen
ihren Maßnahmen der Nachdruck auf die Finanzierung von Gütern und Dienstleistungen amerikanischen Ursprungs gelegt wird. Außerdem soll allen Transaktionen, die nicht der Finanzierung der Direktbeschaffung amerikanischer
Güter und Dienstleistungen dienen, ein Limit gesetzt und jede Anstrengung

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6

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�'AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

25. November 1 96O

Anstrengung gemacht werden, um die Auswirkungen dieser Transaktionen
auf die Zahlungsbilanz auf ein Mindestmaß zu verringern. Der Umfang der
jetzt mit ICA-Mitteln im Ausland getätigten Käufe soll auf den geringstmöglichen Stand reduziert werden. Es ist klar, daß eine solche Reduzierung
- durch maximale Beschaffung amerikanischer Güter und Dienstleistungen
mit Mitteln der US-Auslandshilfe - unter Umständen Anpassungen im Haushalt erforderlich machen kann;
b) zusammen mit den anderen betroffenen Behörden, das Gebiet der amerikanischen Handelsbeziehungen und -besprechungen mit dem Ziel überprüfen,
die gegenwärtigen Einkünfte der USA aus Auslandsverkäufen zu verbessern.
Besondere Aufmerksamkeit soll dabei im Rahmen der gegenwärtigen Zollverhandlungen auf die größtmögliche Gewährung von Zollvergünstigungen durch
andere Länder und auf die Garantie verwendet werden, daß diese wie auch
bereits früher den USA eingeräumte Konzessionen zum Vorteil der amerikanischen Exporte voll wirksam werden. Selbst wo keine formellen Verpflichtungen bestehen, sollen die wirtschaftlich starken Länder aufgefordert
werden, damit fortzufahren, ihre mengenmäßigen Beschränkungen abzubauen,
überhöhte Zölle zu senken und diskriminierende Maßnahmen sowie andere
Hindernisse für eine Steigerung der Ausfuhr amerikanischer Waren und
Dienstleistungen, vor allen amerikanischer Agrarprodukte, zu beseitigen.
Ferner sollen verstärkte Anstrengungen unternommen werden, andere Staaten
dazu zu veranlassen, ihre Staatsbürger durch eine liberalere Behandlung
bei Reisen nach den Vereinigten Staaten, einschließlich weitgehender Zollbefreiungen heimkehrender Touristen, zu solchen Reisen zu ermutigen, so,
wie die Vereinigten Staaten Auslandsreisen ihrer Bürger gefördert haben;
c) wirksame Schritte unternehmen, um den Ankauf von ausländischen Waren
durch Verkaufsstellen und Läden zu unterbinden, die unter der Aufsicht
des amerikanischen Außenministeriums oder amerikanischer Botschaften betrieben werden, wobei Ausnahmen auf Grund einer persönlichen Genehmigung
des Außenministers oder des Staatssekretärs möglich sind.
4. Der Landwirtschaftsminister soll
bei der Durchführung von Verkäufen im Rahmen der Abstoßung überschüssiger Produkte und anderer auf Konzessionen beruhender Programme,
einschließlich Tauschaktionen, verstärkte Anstrengungen unternehmen, um
sicherzustellen, daß derartige Verkäufe nicht zu einer Verringerung der
Dollar-Barverkäufe amerikanischer Produkte führen.
5- Das Direktorium des Entwicklungsanleihefonds als eine Behörde, die Entwicklungsanleihen im Ausland aus öffentlichen Geldern gewährt,soll
nachdrücklich die für den Entwicklungsanleihefonds geltenden Richtlinien vom Oktober 1959 befolgen, denen zufolge größter Nachdruck auf die
Finanzierung von Gütern und Dienstleistungen amerikanischen Ursprungs zu
legen ist. Um eine anderweitige Finanzierung auf den niedrigstmöglichen
Stand zu reduzieren, sollte für Transaktionen des Entwicklungsanleihefonds
die nicht zur Finanzierung der direkten Beschaffung amerikanischer Güter
und Dienstleistungen dienen, ein Limit gesetzt und Anstrengungen gemacht
werden, die Auswirkung dieser Transaktionen auf die Zahlungsbilanz auf ein
Minimum zu beschränken.
6. Die

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�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

25. November 196O

6. Die Leiter aller Ministerien und Behörden, die Personal im Ausland
stationiert haben, sollen
alle angängigen Maßnahmen ergreifen, um die Zahl ihres im Ausland
stationierten Personals und der Angehörigen zu verringern, soweit derartige Kürzungen ohne eine Beeinträchtigung der Erfüllung wesentlicher
Zielsetzungen der amerikanischen Politik vorgenommen werden können.
In gleicher V/eise sollen alle Ministerien und Behörden,die sich mit der
Beschaffung im Ausland "befassen, ihre Tätigkeit mit dem Ziel überprüfen,
wo immer möglich Schritte zur Reduzierung dieser Beschaffungen zu unternehmen.
7. Jeder der vorstehend angeführten Regierungsangehörigen und jeder
Leiter eines Ministeriums und einer Behörde, auf den der oben angeführte
Absatz 6 zutrifft, soll
mir bis spätestens 15» Dezember i960 einen Bericht erstatten und
darin die Schritte anführen, die in Durchführung der hiermit erlassenen
Direktive unternommen worden sind. Darüber hinaus sollen die oben angeführten Regierungsangehörigen und alle anderen zuständigen Personen zu
Beratungen zusammentreffen, um den Stand der Zahlungsbilanz zu erörtern
und festzustellen, ob weitere zusätzliche Maßnahmen getroffen werden
sollten; diese Beratungen sollen unter dem Vorsitz des Finanzministers
und im Rahmen des Nationalen Beirates für Internationale Währungs- und
Finanzfragen beibehalten werden.

* * * * *

�A M E R I K A

D I E N S T

Wi./2.12.1960
PRÄSIDENT EISENHOWER ZU DEN DEUTSCH-AMERIKANISCHEN
FINANZVERHANDLUNGEN

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Finanzminister Robert
B. Anderson und Staatssekretär C. Douglas Dillon haben am
Montag, dem 28. November 1960, Präsident Eisenhower über ihre
jüngste Reise nach Europa und im besonderen über ihre Besprechungen mit Vertretern der Bundesrepublik in Bonn Bericht
erstattet. In einer anschließend vom Weißen Haus herausgegebenen Erklärung gab Präsident Eisenhower seiner Überzeugung
Ausdruck, daß die Mission der beiden amerikanischen Politiker
im Ausland zu einem größeren Verständnis für den amerikanischen Standpunkt geführt hat, daß eine grundlegende Verbesserung
der amerikanischen Zahlungsbilanz für die Erhaltung des Finanzsystems der freien Welt unerläßlich ist. Eisenhower betonte
weiter, daß die Besprechungen in Bonn "äußerst nützlich" gewesen seien und daß man sich hinsichtlich der Notwendigkeit
der Erhaltung eines gesunden internationalen Währungssystems
einig sei.
Die Erklärung des amerikanischen Präsidenten hat folgenden
Wortlaut:

Der Finanzminister und der Staatssekretär haben mir heute morgen
persönlich über die Gespräche Bericht erstattet, die sie in der vergangenen Woche mit Vertretern der Bundesrepublik Deutschland hatten
und die von den Delegationen beider Seiten in einem Geiste der Zusammenarbeit- und der Freundschaft geführt wurden, wobei beiderseits die
volle Bereitschaft zu einer Prüfung der Vorschläge bestand.
Ich glaube, daß diese Gespräche äußerst nützlich waren. Sie
führten zu einer Übereinstimmung der beiden Länder darüber, daß die
Erhaltung eines gesunden internationalen Finanzsystems notwendig ist,
und zwar nicht nur für den wirtschaftlichen Wohlstand der beiden Länder, sondern auch in der Weise, daß jedes Land weiterhin Hilfsquellen
zur Verfügung stellen kann, die die Grundlage für die gemeinsame Sicherheit der Länder der freien Welt bilden. Als Folge dieser Gespräche
besteht ein größeres Verständnis für den amerikanischen Standpunkt, daßl
-

1

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�"AMERIKA DIENST

2 . Dezember 196O

daß eine grundlegende Verbesserung der amerikanischen Zahlungsbilanz
unerläßlich ist für die Erhaltung des Finanzsystems der freien Welt, das
auf dem Dollar als Grundlage beruht.
Finanzminister Anderson und Staatssekretär Dillon haben, was Möglichkeiten und Vorschläge anbetrifft, meine Anweisungen ausgeführt.
Diese sind mit dem Außenminister und dem Verteidigungsminister voll und
ganz abgesprochen und der Regierung der Bundesrepublik Deutschland im
voraus zur Kenntnis gebracht worden. Obwohl die Frage einer Aufteilung
eines Teiles der Gesamtkosten der amerikanischen Truppen in Westdeutschland, entsprechend der am 15• November in Augusta abgegebenen Erklärung,
erörtert wurde, konnte hier keine Übereinstimmung erzielt werden. Die
Aussprache trug jedoch wesentlich zu einem wachsenden Verständnis für
dieses Problem bei.
Es wurde mit der Bundesrepublik Deutschland vereinbart, daß die
Besprechungen über eine Reihe anderer Punkte fortgesetzt werden sollen,
die bei der kurzen Zusammenkunft nicht eingehend genug geprüft werden
konnten und die zu einer Besserung der amerikanischen Zahlungsbilanz
führen sollen. Über diese verschiedenen Vorschläge, von denen einige
von den deutschen und einige von den amerikanischen Vertretern als mögliche Teillösungen zu unserem gemeinsamen Problem vorgebracht wurden,
werden weitere Verhandlungen in Bonn und Washington stattfinden.
Die amerikanische Delegation brachte ihre Anerkennung über die beschlossene Beschleunigung und die größere Flexibilität des vorgeschlagenen deutschen Entwicklungshilfe-Programms für die Entwicklungsländer
zum Ausdruck, wobei die große Bedeutung dieses neuen, erst in jüngster
Zeit von der Bundesrepublik Deutschland aufgenommenen Programms voll
und ganz anerkannt wurde.
Zu den anderen Problemen, über die weitere Besprechungen stattfinden
sollen, gehören der Abbau der noch bestehenden Beschränkungen für den Import
von Agrarerzeugnissen aus den USA, die Steigerung der militärischen Beschaffungskäufe der Bundesrepublik Deutschland für ihre eigenen Streitkräfte sowie die Erörterung einer Beschaffung militärischer Güter für
die Versorgung anderer Länder der NATO-Allianz.
Auf dem Rückweg von Bonn haben Finanzminister Anderson und Staatssekretär Dillon mit französischen und britischen Vertretern sowie amerikanischen Stellen in Paris und London einen inoffiziellen Gedankenaustausch
über Fragen gemeinsamen Interesses und im besonderen über das Finanzsystem
der Welt geführt. Ich bin zuversichtlich, daß diese Gespräche zu einem
größeren Verständnis in der Welt führen und sowohl unseren nationalen wie
auch unseren internationalen Interessen dienen werden, indem sie zu einer
erneuten Stärkung des Finanzsystems der freien Welt beitragen. Die Vereinigten Staaten sind entschlossen, alle Maßnahmen zu treffen, die im Zusammenhang mit ihrem Eintreten für eine freie Wirtschaft notwendig und
angebracht und für den Schutz der Integrität des Dollars erforderlich sind,
* * * * *

2

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                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
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                <text>&lt;p&gt;&lt;strong&gt;A 8.I.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Eisenhower: Botschaft über die Lage der Nation&lt;br /&gt;Wortlaut der dem US-Kongress am 7. Jan. 1960 in Washington unterbreiteten Botschaft&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;W 22. I.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Eisenhower legt neuen US-Haushalt vor&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;W 22. I.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Eisenhower legt Wirtschaftsbericht vor&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;W 19. II.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Eisenhower unterbreitet Kongress Auslandshilfeprogramm&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 26. II.&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Herter: Amerikanisches Streben nach kontrollierter Abrüstung&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 26. II.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Eisenhower: Gerechter Frieden nur im Schutze militärischer Stärke zu erhoffen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 18. III.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Westmächte veröffentlichen gemeinsamen Abrüstungsplan&amp;nbsp;&lt;br /&gt;US-Außenministerium veröffentlichte am 15. März 1960 den Fünf-Mächte-Arbeitsplan für Genf&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 8. IV.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Herter: Ziele der amerikanischen Außenpolitik&amp;nbsp;&lt;br /&gt;Wortlaut der Rede des US-Außenministers vom 4. April 1960 auf der in Chicago tangenden Jahresversammlung des Rundfunkverbandes der USA&lt;/p&gt;&#13;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;A 15. IV.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Abrüstung - aber wie?&lt;br /&gt;Die Vorschläge des Westens und des Sowjetblocks im vergleichenden Überblick&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 29. IV.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Dillon: Die amerikanische Außenpolitik von heute&amp;nbsp;&lt;br /&gt;Wortlaut der Ansprache des stellvertretenden US-Außenministers C. Douglas Dillon vom 20. Apr. 1960 vor der AFL-CIO-Konferenz in New York&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 6. V.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Weltraum - Neuland der praktischen Forschung&amp;nbsp;&lt;br /&gt;Ergebnisse des zivilen Weltraumprogramms der Vereinigten Staaten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 3. VI.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Eisenhower: Ziel der USA weiterhin Frieden und Gerechtigkeit&amp;nbsp;&lt;br /&gt;Wortlaut der Rundfunk- und Fernsehansprache vom 25. Mai 1960&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 3. VI.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Herter: Wortlaut der Ausführungen des US-Außenministers vor dem außenpolitischen Ausschuss des amerikanischen Senats am 27. Mai 1960&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 3. VI.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsidentschaftswahlen in den USA&lt;br /&gt;Fragen und Antworten zu Wahlrecht, Wahlverfahren und politischer Tradition der USA&lt;/p&gt;&#13;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;A 1. VII.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ostblock brach Genfer Abrüstungsverhandlungen ab&lt;br /&gt;1. Wortlaut der Erklärung des amerikanischen Chefdelegierten Frederick M. Eston vom 27. Juni 1960&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;2. Wortlaut des Kommuniqués der Abrüstungskonferenz&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;3. Wortlaut der Erklärung des US-Außenministeriums&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;4. Der neue amerikanische Abrüstungsplan&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;5. Chronologische Zusammenfassung der jüngsten Entwicklung in Genf&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 1. VII.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Eisenhower berichtet über seine Fernostreise&amp;nbsp;&lt;br /&gt;Wortlaut der Rundfunk- und Fernsehansprache des amerikanischen Präsidenten vom 27. Juni 1960&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 29. VII.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Frieden durch Abrüstung&lt;br /&gt;Der neue amerikanische Verschlag&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 2. IX.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Das Geduldsspiel in Genf&lt;br /&gt;Seit 22 Monaten Verhandlungen über Einwilligung von Atomversuchen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 30. IX.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Frieden und Gerechtigkeit für alle&lt;br /&gt;Wortlaut der Rede des US-Präsidenten Eisenhower vom 22. September 1960 vor der 15. Vollversammlung der Vereinten Nationen in New York&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;W 25. XI.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Direktive Präsident Eisenhowers zur Verbesserung der amerikanischen Zahlungsbilanz&amp;nbsp;&lt;br /&gt;Wortlaut der Direktive des US-Präsidenten vom 18. Nov. 1960&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;W 2. XII.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Eisenhower zu den deutsch-amerikanischen Finanzverhandlungen&lt;/p&gt;</text>
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                    <text>INTERNATIONALE ARBEITSMITTEILUNGEN
Inhaltsverzeichnis
1 9 6 1.

Nr. 1
Die Reaktion der Angestellten eines Bürobetriebes
auf die Automatisierung
Innerbetriebliche Kontaktpflege als Schlüssel des
Einvernehmens zwischen Arbeitnehmern und Management
Der "Boulwarismus" in der US-Lohnpolitik

Nr. 2
Die Automatisierung bürotechnischer Arbeiten bei
amerikanischen Regierungsbehörden
Arbeitnehmer und Gewerkschaften im Jahre 196O
1961 - Ein Jahr wichtiger TarifVerhandlungen
Beträchtliche Zunahme der Lohnnebenleistungen
in der US-Wirtschaft
Durchschnittseinkommen der Büroangestellten
*

Nr. 5

Künftige Organisationsprobleme der US-Gewerkschaften
Gewerkschaftliche Kurznachrichten
*

Nr. 4
Art und Umfang der Mehrfachbeschäftigung in USA
Am Arbeitsplatz sicherer als zu Hause
Gewerkschaftliche Kurzmeldungen

*

�Nr. 5
Das Sozialversicherungswerk der amerikanischen
Eisenbahner
Zweck und Auswirkungen der Mindestlohngesetzgebung
in den USA
Private Pensionspläne gewinnen immer größere
Bedeutung
Das Berufsschulwesen in den Vereinigten Staaten
*

Nr. 6
Zusätzliche Krankenversicherung als tarifliche
Leistung
Die Rolle der Gewerkschaften bei der Förderung
der Sicherheit am Arbeitsplatz

Nr. 7/8

Die Herausforderung der "zweiten
Revolution"

industriellen

"Gewerkschaftsfamilien" sind f i n a n z i e l l b e s s e r dran
Die Entwicklung des US-Personaleinkommens s e i t 1950
Sicherung der A r b e i t s p l ä t z e durch r e c h t z e i t i g e
Umschulung
Neue Formel für den A r b e i t s f r i e d e n
Gewerkschaftliche Kurznachrichten
*

Nr. 9
Wachsende Bedeutung der A n g e s t e l l t e n b e r u f e
in den USA ( i )

-

2

-

�Nr. 10
Wachsende Bedeutung der Angestelltenberufe in
den USA (il und Schluß)
Las erste "Altershotel" in Miami Beach eröffnet
"Das historisch bedeutendste Tarifabkommen"
Trends im Tarifverhandlungswesen

Nr. 11
Zunehmende Verbreitung der Gewinnbeteiligung
in den USA
Gewerkschaftsschulung im Wandel
Die Organisierung der Angestellten als Zukunftsaufgabe der amerikanischen Gewerkschaften
#
Nr. 12
Vermögenslage und Finanzierung der betrieblichen
Sozial- und Pensionskassen in den Vereinigten Staaten
Gutes Betriebsklima durch sinnvolle Freizeitprogramme
"Co-op Education" - ein erfolgreiches Oberschulsystem
Stahlarbeitergewerkschaft besteht jetzt 25 Jahre
Gewerkschaftliches Wohnungsbauprojekt für
25 000 Menschen

-

3 -

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
USIS-Bonn Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XIV - 1

Bad Godesberg, den 1. Januar 1961

INHALTSVERZEICHNIS

Die Reaktion der Angestellten eines Bürobetriebes
auf die Automatisierung

Seite

1

Innerbetriebliche Kontaktpflege als Schlüssel des
Einvernehmens zwischen Arbeitnehmern und Management

Seite

12

Der "Boulwarismus" in der US-Lohnpolitik

Seite

14

Einar Hardin, Diätendozent an der Wirtschaftswissenschaftlichen
Fakultät der Staatsuniversität Michigan:
Die Reaktion der Angestellten eines Bürobetriebes auf die Automatisierung
In der nachstehenden Abhandlung wird der Versuch
unternommen, an Hand der Erfahrungen, die ein
mittelgroßes amerikanisches Versicherungsunternehmen im Zusammenhang mit der Aufstellung einer
elektronischen Datenverarbeitungsanlage vom Typ
IBM 650 zur Ausführung der Buchhaltungsarbeiten
gesammelt hat, die Einstellung der Angestellten
zur Automatisierung zu analysieren.
Das Unternehmen
Das Unternehmen, eine Versicherungsgesellschaft, besteht aus der Zentrale in einer Kleinstadt des amerikanischen Mittelwestens, einem Zweige
büro in einer Großstadt und mehreren Schadensregulierungsbüros an verschiedenen Plätzen. Die Beschäftigtenzahl betrug Jahre hindurch gleichbleibend rund 400. Als Folge der Verlegung eines Teils der Tätigkeit
nach dem Zweigbüro hat allerdings die Zahl der in der Zentrale beschäftigten Mitarbeiter abgenommen, während gleichzeitig die Angestelltenzahl
der Zweigstelle in etwa gleichem Umfang gestiegen ist. Die Ertragslage

1

�Ertragslage des Unternehmens war nicht besonders günstig; es galt jedoch als ein angenehmer Arbeitgeber.
Der Übergang zur automatischen Datenverarbeitung
Die Automatisierung eines Teils der Büroarbeiter erfolgte durch die
Aufstellung einer elektronischen Datenverarbeitungsanlage, dem Standard modeil IBM 65O mit Magnettrommelspeicher und Lochkarteneingabe und
-ausgäbe. Sie wurde im Dezember in Betrieb genommen. Nach zweiwöchigem
Probebetrieb wurden ihr nach einem Stufenplan zunächst die Überprüfung
der Prämienberechnung durch die Versicherungsagenten, später die Ausfertigung der Prämienzahlungsaufforderungen und die Zusammenstellung
der Angaben für die Ausstellung von Versicherungspolicen durch die Zentrale sowie die Auswertung von statistischen Angaben und die Bilanzierung
übertragen. Dieser Unistellungsprozeß zog sich bis zum Herbst 1958 hin.
Die Übertragung dieser Aufgaben auf die Anlage war bis Januar 1958 zu
15 Prozent, bis April 1958 aber immerhin schon zu 84 Prozent abgeschlossen.
Die Betriebsleitung informierte die Belegschaft über die bevorstehende Aufstellung der Datenverarbeitungsanlage erst im Oktober 1957» u n negative Auswirkungen auf das Betriebsklima auszuschalten. Sie gab die Zusicherung, daß gemäß der langjährigen Praxis in der Personalpolitik des
Unternehmens niemand eine Entlassung zu befürchten habe. Sie sprach weder
eine Lohngarantie aus, noch stellte sie irgendwelche Umschulungsbeihilfen
in Aussicht. Anfang November 1957 wurden sämtliche Angestellten der Zentrale zu Besprechungen zusammengerufen und über die technischen Einzelheiten der bevorstehenden Umstellung informiert. Die Angestellten erhielten
dabei Gelegenheit, Fragen zur Umstellung vorzubringen. In der ersten Novemberwoche wurden alle Mitarbeiter, die im Zusammenhang mit der Aufstellung
der Datenverarbeitungsanlage für eine andersgeartete Tätigkeit in Aussicht
genommen waren, für ihre neuen Aufgaben geschult. Derartige Zusammenkünfte
wurden in der Zweigstelle erst im April 1958 durchgeführt, als man damit
begann, einen Teil ihrer Funktionen auf die Datenverarbeitungsanlage zu
übertragen.
Drei Betriebsgruppen
Die Auswirkungen der Aufstellung der Datenverarbeitungsanlage auf die
einzelnen Abteilungen innerhalb des Betriebes waren unterschiedlich. Zum
Zwecke dieser Untersuchung wurden die verschiedenen Abteilungen drei Betriebsgruppen zugeordnet. Die am stärksten von der Automatisierung betroffenen Büros der Zentrale werden im folgenden unter dem Begriff
' Betriebsgruppe"Datenverarbeitung" aufgeführt; zu ihr gehört die eigentliche Abteilung Datenverarbeitung mit der IBM-Rechen- und Lochkartenanlage, die Programmierungsabteilung, die Buchhaltung, die Abteilung Betriebsorganisation und die PLechnungsprüfung.
Unter den Begriff Betriebsgruppe "andere betroffene Abteilungen" wurden die Ki'z-VoiL icherungsabteilung der Zentrale, die Allgemeine Versicherungsabteilung der Zweigstelle und die Abteilungen Kodifizierung und Policen-Ausfertigung beider Stellen zusammengefaßt, deren Tätigkeit in
geringerem Umfang automatisiert worden ist.
Unter

�Unter der Betriebsgruppe "nicht betroffene Abteilungen" sind sämtliche übrigen Abteilungen der Zentrale und des Zweigbüros zusammengefaßt,
die zusammen den größten Anteil am Personal stellen. Die Schadensregulierungsbüros wurden in die Untersuchung nicht einbezogen.
Die vorliegende Abhandlung beschränkt sich auf die Veränderungen, die
unmittelbar auf die Aufstellung der Datenverarbeitungsanlage zurückzuführen
sind, wenn auch in die beiden Umfragen sämtliche innerhalb des Umstellungszeitraums eingetretenen Veränderungen einbezogen worden waren.
Die beiden Umfragen
Es wurde der Versuch gemacht, die Reaktion der Angestellten auf die
Automatisierung mehrerer Betriebsvorgänge in zwei Fragebogen-Aktionen im
November 1957 un&lt;l im Mai 1958 zu ermitteln. In beiden Umfragen wurden
über 90 Prozent der Büroangestellten im engeren Sinne (also ausschließlich der Chefs, Angestellten im Außendienst usw.) angesprochen. An beiden
Umfragen beteiligten sich jeweils 246 Angestellte.
Es wurden den Angehörigen der drei Betriebsgruppen Prägen zu folgenden
Themenkreisen gestellt:
1. Beobachtete Veränderungen in der Tätigkeit und am Arbeitsplatz und
Einstellung zu diesen.
2. Generelle Einstellung zur Installierung einer Datenverarbeitungsanlage, d.h. zur Automatisierung.
3« Zufriedenheit am Arbeitsplatz.
Auswirkung der Umstellung auf die Angestellten
Fast zwei Drittel der Angestellten erklärten bei der Umfrage im Mai
1958» daß sie von der Installierung der Datenverarbeitungsanlage unberührt
geblieben seien. Nur wenige machten die Anlage für Versetzungen oder Beförderungen verantwortlich (siehe Tafel i ) . Der Prozentsatz derjenigen,
die der neuen Anlage nachhaltige Auswirkungen auf ihre Tätigkeit zuschrieben, war in der Gruppe "Datenverarbeitung" am höchsten, in der Gruppe
"nicht betroffene Abteilungen" am geringsten.
In der zweiten Umfrage wurden die Arbeitnehmer um Auskunft gebeten,
inwiefern die Datenverarbeitungsanlage sich auf 14 spezifische Charakteristiken ihrer Tätigkeit und ihres Arbeitsplatzes ausgewirkt hat. Die Ergebnisse sind in Tafel III statistisch ausgewertet. Rund 20 Prozent der
Angestellten ließen die diesbezüglichen Fragen unbeantwortet oder wählten
die Antwort; "Ich habe keine Vorstellung davon." Sie sind in der Spalte
"keine Angaben" ausgewiesen. Die größten Auswirkungen wurden der Datenverarbeitung hinsichtlich Abwechslungsreichtum.3,geforderter Leistung und Genauigkeit zugeschrieben. Die geringsten Änderungen wurden von den Angestellten hinsichtlich Bezahlung, Beförderungsaussichten und Beaufsichtigung
registriert. Außer bei den Beförderungsaussichten und der Sicherheit des
Arbeitsplatzes wurden die meisten Veränderungen im Sinne einer Zunahme gedeutet, so im Falle der Vielseitigkeit, der Tätigkeit und des Arbeitsanfall

Tafel I

�Tafel
Veränderungen am Arbeitsplatz oder in der Tätigkeit auf Grund der
Aufstellung einer Datenverarbeitungsanlage in der Sicht der
Arbeitnehmer« nach drei Betriebsgruppen '/aufgeschlüsselt

(in Prozent)
Art der Veränderung 2)

Betriebsgruppe
Datenverarbeitung

Insgesamt

andere betroffene
Abteilungen

nicht betroffene Abteilungen
100

Alle Betriebsgruppen
zusammen
100

100

100

1 . Beförderung

0

0

1

2 . Versetzung

4

2

2

a) .großen

52

21

3

12

b) merklichen

22
16

4
10

10

c) geringen

13
9

d) keinen
Veränderungen

22

34

76

60

0

5

5

3. Verbleib am alten
Arbeitsplatz bei

4. Auswirkungen
unbekannt

11

1)

Die Betriebsgruppe "Datenverarbeitung" hatte 23, die Gruppe "andere
betroffene Abteilungen" 62 und die Gruppe "nicht betroffene Abteilungen"
161 Angehörige, (im November 1957)

2)

Antworten auf die im Mai 1958 gestellte Frage: "Spielte die Datenverarbeitungsanlage eine Rolle bei Änderungen in Ihrer Tätigkeit, die seit
November 1957 eingetreten sind?" Die Antworten der Spalten 1 bis 3 c)
gingen dahin, daß die Anlage mehr oder weniger zu den eingetretenen
Veränderungen beigetragen hat. Die Spalte 3 d) betrifft die Antworten,
die besagten, daß seit November keinerlei Änderungen eingetreten seien
oder daß etwaige Änderungen nichts mit der Datenverarbeitung zu tun
hatten.

Die

�Die drei Betriebsgruppen unterschieden sich dabei merklich voneinander,
sowohl was die Häufigkeit als auch was die Richtung der beobachteten
Auswirkungen des Übergangs zur Datenverarbeitung angeht.
In den beigefügten Tabellen nicht ausgewiesen sind die Antworten
auf die Fragen nach den voraussichtlichen künftigen Auswirkungen der
Datenverarbeitung auf die Tätigkeit und dem Grad der Beeinträchtigung
der Tätigkeit durch die Umstellung. 83 Prozent der Mitarbeiter in der
Betriebsgruppe "Datenverarbeitung", 61 Prozent in der Betriebsgruppe
"andere betroffene Abteilungen" und 21 Prozent in der Gruppe "nicht
betroffene Abteilungen" hielten weitere Veränderungen in den nächsten
zwei Jahren für wahrscheinlich.
61 Prozent der Angestellten in den Gruppen "Datenverarbeitung"
und "andere betroffene Abteilungen" vertraten die Auffassung, daß die
Umstellung den Arbeitsablauf nur geringfügig oder überhaupt nicht beeinträchtigt hat; 20 Prozent empfanden den Übergang als ziemlich und
9 Prozent als sehr störend.
Die Antworten der ersten Fragebogenaktion vor der Installierung der
Datenverarbeitungsanlage ließen erkennen, daß die Mehrheit der Angestell
ten die Umstellung begrüßte oder sich ihr gegenüber neutral verhielt.
Die Angehörigen der Gruppe "Datenverarbeitung" waren restlos mit der Umstellung einverstanden; von den Mitarbeitern der "anderen betroffenen
Abteilungen" hatten 13 Prozent Einwendungen gemacht. Tafel II zeigt, daß
die Mehrzahl der Angestellten auch mehrere Monate nach der Umstellung,
nachdem sie schon gewisse Erfahrungen mit der Automatisierung und ihren
Auswirkungen auf den Betriebsablauf gesammelt hatten, eine positive
Einstellung zu ihr hatten. Bei der Umfrage vom Mai 1958 ergab sich, daß
41 Prozent der Angehörigen der Gruppen "Datenverarbeitung" und "andere
betroffene Abteilungen" ihre Einstellung gegenüber der Automatisierung
geändert hatten, wobei sich aber am Gesamtbild kaum etwas änderte, da
sich die Sinneswandlungen von positiver zu negativer Haltung und umgekehrt etwa die 'Waage hielten.
Auch die Antworten auf andere Fragen ließen keine negative Einstellung zur Datenverarbeitung erkennen. Die Angestellten in den "nicht betroffenen Abteilungen" hatten vielfach keine richtige Vorstellung davon,
ob die Datenverarbeitungsanlage für die Arbeitnehmer eine wünschenswerte
oder abzulehnende Sache sei. Für alle drei Betriebsgruppen gilt jedoch,
daß alle diejenigen, die eine feste Einstellung zu den diesbezüglichen
Fragen bekundeten, die Datenverarbeitung guthießen. Der größte Teil derjenigen, die eine bestimmte Meinung zum Ausdruck brachten, war auch für
eine weitergehende Verwendung der Anlage; dies trifft besonders für die
Angehörigen der Abteilung "Datenverarbeitung" zu (siehe Tafel II).

Tafel II

�Tafel II
Einstellung der Arbeitnehmer zur Datenverarbeitungsanlage nach
ihrer Inbetriebnahme, nach drei Betriebsgruppen aufgeschlüsselt 1 '
(in Prozent)
a) Grundeinstellung zur Aufstellung der Datenverarbeitungsanlage ^)
Betriebsgruppe
Antwort

Datenverarbeitung

Sämtliche
Antworten
Halte ich für sehr
richtig
Halte ich für richtig
Ist mir gleichgültig
Mißfällt mir
Mißfällt mir sehr
Darüber habe ich mir noch
keine Gedanken gemacht
Keine Antwort

andere betroffene Abteilungen

nicht betroffene Abteilungen

100

100

100

48
39
9
0
0

18

11
28
50

0
4

45
27
8
2

7
o
2

0
0

2

b) Ist die Datenverarbeitungsanlage gut oder schlecht für die
Arbeitnehmer? 3)
Betriebsgruppe
Antwort
Insgesamt
Sehr gut
Gut
Weder gut noch
schlecht
Schlecht
Sehr schlecht
Weiß ich nicht
Keine Antwort

Datenverarbeitung

andere betroffene Abteilungen

nicht betroffene Abteilungen

100

100

100

44
44

31
40

15
36

12

10

0

13
0
0

0

13

1
30

0

3

4

0

4

�c) Wünschenswerter Grad des E i n s a t z e s der D a t e n v e r a r b e i t u n g s a n l a g e

IT

Betriebsgruppe
Datenverarbeitung

Antwort

andere betroffene Abteilungen

nicht betroffenc Abteilungen

100

100

100

30

13

9

44

34

20

Etwa im gleichen
Umfang wie bisher

9

21

20

In geringerem Umfang
als bisher

0

0

1

0

1

30

42

2

7

Insgesamt
In weit größerem
Umfang als bisher

l5sgDi"fnirm

Umfane

In weit geringerem
Umfang als bisher
Weiß ich nicht
Keine Antwort

4
13
0

1)

Stärke der einzelnen Gruppen, wie in Tafel I, Anmerkung 1, angegeben

2)

Frage: "Welche generelle Einstellung haben Sie zu der Tatsache, daß
die Firma eine Datenverarbeitungsanlage installiert hat?" (Mai 1958)

3)

Frage: Glauben Sie, daß die Datenverarbeitungsanlage, alles in allem
genommen, eine gute oder schlechte Sache ist?" (Mai 1958)

4)

Frage: "Halten Sie es für vernünftig, die Datenverarbeitungsanlage
in größerem oder geringerem Umfang als bisher einzusetzen?" (Mai 1958)

Auswirkungen

-

7 -

�Auswirkungen der Veränderungen am Arbeitsplatz
Bei der Umfrage im Mai 1958 bekundeten zwei Drittel aller befragten
Arbeitnehmer, daß Änderungen an ihrem Arbeitsplatz - vornehmlich in der
Art der Tätigkeit, ohne Beförderung oder Versetzung - eingetreten seien.
Derartige Veränderungen wurden von Angehörigen der Gruppen "Datenverarbeitung" und "andere betroffene Abteilungen" in größerem Umfang berichtet
als von der Gruppe "nicht betroffene Abteilungen". Einschneidendere Veränderungen in den Arbeitsplatz- und Tätigkeitscharakteristika wurden besonders in den Betriebsgruppen "Datenverarbeitung" und "andere betroffene
Abteilungen" beobachtet. 61 Prozent waren mit den eingetretenen Änderungen zufrieden, 18 Prozent waren damit unzufrieden. Das Zahlenverhältnis
war bei allen drei Betriebsgruppen ähnlich.
Eine Auswertung der Antworten bezüglich der 14 Arbeitscharakteristika
ergibt, daß in den Gruppen "Datenverarbeitung"
und "nicht betroffene
Abteilungen" die Zahl der Betriebsangehörigen, die mit den eingetretenen
Veränderungen in ihrer Tätigkeit einverstanden waren, das Zehnfache der
Zahl derjenigen betrug, die eine ablehnende Haltung einnahmen; in den
"anderen betroffenen Abteilungen" war das Zahlenverhältnis dagegen 3»1. In
der letzten Gruppe hielten sich die positiven und negativen Antworten bezüglich der Bedeutung der Tätigkeit für das Gesamtunternehmen, des Maßes der
Überwachung in der Tätigkeit, des Grades der geforderten Urteilsfähigkeit,
der Sicherheit des Arbeitsplatzes und der Beförderungschancen etwa die
Waage. In der Gruppe "Datenverarbeitung" ?mrden elf Änderungen der Arbeitsplatz- bzw. Tätigkeitscharakteristika von der Mehrzahl der Befragten begrüß t.
Die Antworten auf die Frage nach den eingetretenen Lohnbewegungen
fielen in der Gruppe "Datenverarbeitung" verschiedentlich nicht deshalb
negativ aus, weil Änderungen im Sinne einer Verschlechterung eingetreten
waren, sondern weil sich die Angestellten größere Erhöhungen erhofft
hatten. Umgekehrt kann man sagen, daß die positive Reaktion einiger Angestellten auf die Änderungen in den Tätigkeitscharakteristika wohl in
dem Sinne interpretiert werden muß, daß sie diese im Grunde genommen nicht
als wünschenswert, sondern lediglich als zu geringfügig ansahen, um
irgendwelche Einwendungen zu erheben»
Unterschiedliche Beurteilung der "Befriedigung aus der Tätigkeit" in den
drei Betriebsgruppen
Bei beiden Umfragen wurden über die 14 in Tafel III angeführten
Fragen nach den Änderungen der Arbeitscharakteristika hinaus noch 10
weitere Fragen gestellt, die dem Zweck dienten, den Grad der Zufriedenheit
mit den eingetretenen Veränderungen zu ermitteln. Da die Fragebogen namentlich gekennzeichnet waren, ließ sich auch feststellen, inwieweit sich die
Einstellung der einzelnen Angestellten zur Automatisierung während der
Monate der Umstellung geändert hatte. Eine Gesamtrechnung für alle drei
Betriebsgruppen ergibt, daß 33 Prozent der 246 Befragten nach der Umstellung
mit ihrer Tätigkeit zufriedener waren als vorher, 39 Prozent die Auffassung
vertraten, daß sich in dieser Hinsicht bei ihnen nichts geändert habe,
während 24 Prozent mit ihrer Tätigkeit nicht mehr so zufrieden waren wie
vorher; 4 Prozent der Befragten lehnten es ab, eine diesbezügliche Aussage
zu machen.
Tafel III

�Tafel III
Änderungen bei 14 Arbeitscharakteri sMka auf Grund der Aufstellung einer
Datenverarbeitungsanlage in der Sicht der Arbeitnehmer, nach drei
Betriebsgruppen aufgeschlüsselt "• /

(in Prozent)
Betriebs^ruppe
Einteilungen)

1 .Vielseitigkeitmeiner
Tätigkeit

Datenverarbeitung
andere betrof.
nicht betrof.

100
100
100

74
37
17

2.Geforderte
Leistung

Datenverarbeitung
andere betrof.
nicht betrof.

100
100
100

74
39

Datenverarbeitung
andere betrof.
nicht betrof.

100
100
100

65
56

4.Mein Einfluß auf das
Arbeitstempo
an meinem
Arbeitsplatz

Datenverarbeitung
andere betrof.
nicht betrof.

100
100
100

48
21

5.Bedeutung
meines Arbeitsplatzes
f.d.Firma

Datenverarbeitung
andere betrof.
nicht betrof.

100
100
100

6.Grad d.Überwachung in
meiner Tätigkeit

Datenverarbeitung
andere betrof.
nicht betrof.

100
100
100

48

7.Geforderter Fertigkeitsgrad

Datenverarbeitung
andere betrof.
nicht betrof.

8.Grad d .Ver- Datenverarantwortlich- beitung
keit
andere betrof.
nicht betrof.

5.Gefordertar
Genauigt
keitsgrad

Zus.

Zunahme^) Keinew Abnahme2/ keine
.
Angaben 2/

Arbeitscharakteristikum

19

12

26

37
55
22

34
53
35
37
63

0
20
2

0
6
26

4
24
2

0

0

3
26

0

0
2
25

5

43
64
63

9

0

10
2

26

39
65
68

0
8
0

4
6
2?

5
4

48.
87
68

4
6
2

0
2
26

100
100
100

74
34
9

26
61
66

0
3
0

0
2
25

100
100
100

70
39

30
55
65

0

0

9

57
21

5

12

5

5

3

0

23
9. Von mir

-

9 -

�Arbeitscharakterist ikum

Betriebsgruppe
(Abteilungen)

Zus.

Zunahme 2) Keine 2) Abnahme 2) Keine
Angaben 2)

9.Von mir geDatenverarforderte Pia- beitung
nungsarbeit
andere betrof.
nicht betrof.

100
100
100

61
11

10.Von mir geJDatenverarfordertes Ur- beitung
teilsvermögen andere betrof.
nicht betrof.

11

39
78
62

0
6
0

0
5
27

100
100
100

70
24
11

30
68
65

0
3
0

0
5
24

11.Anregung aus
meiner Tätigkeit

Datenverarbeitung
andere betrof.
nicht betrof.

100
100
100

65
24
14

31
60
62

4
13
1

0
3
23

12 .Sicherheit
des Arbeitsplatzes

Datenverarbeitung
andere betrof.
nicht betrof.

100
100
100

31

6

65
66
67

4
20
3

0
3
24

1 3 .Beförderungs- Datenveraraussichten
beitung
andere betrof.
nicht betrof.

100
100
100

22
5
3

74
68
66

4
17
2

0
10
29

Datenverarbei tung
andere betrof.
nicht betrof.

100
100
100

30

70
77
68

0
2
1

0
11
25

14 .Bezahlung

11

10
6

1) Stärke der einzelnen Gruppen wie in Tafel I, Anmerkung 1, angegeben
Die Betriebsangehörigen wurden gebeten, bei der Untersuchung bezüglich
2) Di
der Arbeitscharakteristika eine Antwort auf eine der folgenden Fragen
zu geben: "Für dieses Arbeitscharakteristikum brachte die Datenverarbeitungsanlage mit sich: 1. eine große Zunahme, 2. eine gewisse Zunahme,
3. keine Veränderung, 4» eine gewisse Abnahme, 5« eine große Abnahme,

Teilfragen 4-5» die Spalte "Keine Angaben'
Verweigerung jeder Antwort.
Bei 15 Fragen, darunter sämtliche der in Tafel III aufgeführten mit
Ausnahme der Frage nach den Beförderungschancen, überwog die Zunahme dee
Grades der Zufriedenheit eindeutig die Abnahme. Ein weniger günstiges
Bild ergab sich dagegen bei den Fragen nach der Handhabung der Umstellung,
der Haltung der Firma und der Menge, der Zuverlässigkeit, der Verständ-

-

10

-

�Verständlichkeit und der Promptheit der zur Umstellung erteilten Auskünfte sowie der Gesamttätigkeit. In keinem Falle aber überwog die Abnahme der Zufriedenheit die Zunahme wesentlich.
Es ergaben sich kaum irgendwelche ausgesprochenen Unterschiede in
der Häufigkeit von Veränderungen am Arbeitsplatz und in der Tätigkeit
sowie in der Beurteilung des Grades der Zufriedenheit mit Arbeitsplatz
und Tätigkeit unter den drei Betriebsgruppen. Gewisse, für die einzelnen
Gruppen typische Trends lassen sich aber doch aus den Antworten ablesen.
Bei den ersten 12 Fragen der Tafel III war die Häufigkeit von Veränderungen in der Gruppe "nicht betroffene Abteilungen" geringer als bei
den beiden anderen Betriebsgruppen, während das Verhältnis von Zunahme
zu Abnahme bei den "nicht betroffenen Abteilungen" am ausgeglichensten
war. Bei den in Tafel III nicht aufgeführten Arbeitscharakteristika - sie
betrafen vor allem die Bezahlung, die Einstellung zur Arbeit, das Verhältnis zur Betriebsleitung,, die Unterrichtung über die Umstellung und
die Gesamttätigkeit - war die durchschnittliche Häufigkeit von Veränderungen bei den drei Betriebsgruppen etwa gleich; der Anteil der Zunahme
dagegen bei der Gruppe "Datenverarbeitung" am geringsten.
Der Gesamtdurchschnitt der 24 Antworten läßt erkennen, daß die Mitarbeiter der Gruppe "Datenverarbeitung" insgesamt mit ihrer Tätigkeit
und ihrem Arbeitsplatz zufriedener waren als die übrigen Angestellten,
während die "anderen betroffenen Abteilungen" den größten Anteil an den
Antworten stellen, die eine nur geringe Zufriedenheit oder direkte Unzufriedenheit mit den eingetretenen Veränderungen zum Ausdruck brachten.
Folgerungen
Die Ergebnisse der Umfragen besagen in ihrer Gesamtheit, daß die
Installierung einer elektronischen Datenverarbeitungsanlage in dem fraglichen Versicherungsunternehmen die Arbeitsumwelt einer größeren Zahl von
Betriebsangehörigen in verschiedener Hinsicht verändert hat, daß die meisten
Auswirkungen der Umstellung so geartet waren, daß sie von den Mitarbeitern
als positiv gewertet wurden, und daß die Umstellung häufiger bejaht als
verneint wurde.
Was die Arbeitsplatz- und Tätigkeitscharakteristika insgesamt angeht,
so waren generell hinsichtlich Häufigkeit und Richtung der eingetretenen
Veränderungen bei den drei Betriebsgruppen keine allzu großen Unterschiede
feststellbar, wenn sich auch hinsichtlich einiger dieser Charakteristika
deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Gruppen gezeigt hatte*». Die
Mitarbeiter der Gruppe "Datenverarbeitung", die im Zusammenhang mit der Umstellung zahlreiche neue Aufgaben übertragen bekamen,und die Angehörigen
der Gruppe "nicht betroffene Abteilungen" waren im großen und ganzen mit
den Veränderungen mehr zufrieden als die Mitarbeiter der "anderen betroffenen Abteilungen", die durch die Automatisierung verschiedene Aufgaben
verloren hatten und sich teilweise auf neue Arbeitsmethoden umstellen mußten. Die Belegschaft der Betriebsgruppe "andere betroffene Abteilungen"
bekundete eine geringere Zunahme der Zufriedenheit mit den Arbeitscharakteristika ia engeren Sinne als das Personal in den beiden anderen Gruppen.
In der Gruppe "Datenverarbeitung" ergab sich im Vergleich zu den anderen
Betriebsgruppen eine gewisse Abnahme der Zufriedenheit mit den Arbeitsbedingungen, der Bezahlung, dem Verhältnis zu den Vorgesetzten und dem

11 -

�dem Unternehmen und der Art der Unterrichtung der Angestellten. Die
Unterschiede der drei Betriebsgruppen untereinander in der Einstellung
zu diesen Fragen waren aber im allgemeinen geringfügig.
Die Tatsache, daß zwischen den von der Automatisierung mehr oder
weniger betroffenen Abteilungen und den völlig unberührt gebliebenen
Abteilungen keine größeren Unterschiede hinsichtlich der Häufigkeit
von" Veränderungen und der Einstellung der Belegschaft zu ihnen beobachtet wurden, deutet darauf hin, daß die Automatisierung nur verhältnismäßig unbedeutende Auswirkungen auf die Arbeitsverhältnisse und die
Zufriedenheit der Angestellten mit ihrer Tätigkeit hatte. Dies läßt
den Schluß zu, daß die Aufstellung einer Elektronenanlage vom Typ IBM
65O keinen Eingriff darstellt, der so radikal oder umfassend ist, daß er
eine Umkehrung oder Beschleunigung der bestehenden Trends im Arbeitsklima und in der Einstellung der Arbeitnehmer zu ihrer Tätigkeit bewirkt.
Der leichte Rückgang der Zufriedenheit mit der Art der Unterrichtung der
Belegschaft und der"Durchführung der Umstellung bei der Gruppe "Datenverarbeitung" ist jedoch als ein Hinweis darauf zu werten, daß die
Umstellung und Angleichung an die neuen Arbeitsmethoden und Betriebsverhältnisse merkliche, wenn auch voraussichtlich vorübergehende Unzufriedenheit unter der Belegschaft auslösen kann, wenn die Betriebsleitung die
Umstellung nicht mit dem entsprechenden Fingerspitzengefühl einleitet
und durchführt.
(Quelle: Monthly Labor Review,
Vol. 85, Nr. 9, September i960)

tt * # * *

Innerbetriebliche Kontaktpflege als Schlüssel des Einvernehmens
zwischen Arbeitnehmern und Management
Der Begriff "innerbetriebliche Kontaktpflege" wird in der PitneyBowes Company, einer Herstellerfirma von Einrichtungen zur Postbeförderung in Stamford (Connecticut), groß geschrieben. Unter innerbetrieblicher Kontaktpflege versteht man bei Pitney-Bowes eine ganze Reihe von
Maßnahmen, die den kontinuierlichen Gedankenaustausch zwischen Arbeitnehmern und Betriebsführung in dem Bemühen fördern, das gegenseitige
Einvernehmen und Vertrauen zu vertiefen, den Arbeitsfrieden durch die
Vermittlung des Gefühls der Befriedigung am Arbeitsplatz zu erhalten
und den Geist der Zusammenarbeit zur Erreichung der gemeinsamen Ziele
von Belegschaft und Betriebsführung zu entwickeln.
Eines der Mittel, mit deren Hilfe Pitney-Bowes diese Ziele zu erreichen sucht, ist die alljährliche "Arbeitnehmerkonferenz". So wie die
Betriebsführung in der Hauptversammlung den Aktionären Rechenschaft über
den Geschäftsgang gibt, so berichtet sie den Arbeitnehmern über die
innerbetrieblichen Vorgänge und beantwortet ihre Fragen bezüglich der
Löhne, des Umsatzes, der Gewinne, neuer Produkte und der Planung für
die Zukunft.
Die

�Die Arbeitnehmerkonferenz findet gewöhnlich etwa eine Woche nach der
Veröffentlichung des Geschäftsberichtes statt, der nicht nur den Aktionären,
sondern auch allen Betriebsangehörigen zugestellt wird. Auf diese Weise erhalten die Belegschaftsmitglieder Gelegenheit, sich eingehend über die Lage
des Unternehmens zu informieren» Um einen möglichst engen Kontakt zwischen
der Belegschaft und den Angehörigen des Management bei diesen Zusammenkünften zu gewährleisten, wird die Konferenz in mehreren Sitzungen kleinerer
Gruppen mit je 250 Teilnehmern in Anwesenheit von Vertretern der Betriebsführung abgehalten»
Das Management von Pitney-Bowes bedient sich in seinen Bemühungen
um enge Kontakte zu den Arbeitnehmern noch verschiedener anderer Methoden.
Hier wäre das sogenannte "Schwarze Brett" zu nennen, auf dem laufend Nachrichten über den Geschäftsgang und die Sozialarbeit innerhalb des Betriebs
bekanntgemacht werden» Die Firma unterhält eine sehr ansprechende Hauszeitschrift, die alle zwei Monate erscheint und den Interessen der Arbeitnehmer breiten Raum widmet» Die wichtigste Institution zur Pflege eines
regelmäßigen Gedankenaustausches zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern
ist der Rat für innerbetriebliche Beziehungen.
Der Rat, der sich zu gleichen Teilen aus Vertretern der Arbeitnehmerschaft und der Betriebsleitung zusammensetzt, ist eine ständige Einrichtung.
An seiner Spitze stehen zwei Vorsitzer, von denen einer wiederum Vertreter
der Arbeitnehmerseite, der andere Angehöriger des Management ist - meist
sogar der Generaldirektor persönlich. Die Arbeitnehmervertreter werden in geheimen Wahlen von der Belegschaft gewählt.
Der Rat für innerbetriebliche Beziehungen hat beratende Funktionen.
Er befaßt sich mit Fragen der Geschäftsführung und insbesondere mit dem
Wohlergehen und der gerechten Behandlung aller Beschäftigungsgruppen innerhalb des Betriebes. Er ist dagegen nicht für Beschwerden und Arbeitsstreitigkeiten einzelner Betriebsangehörigerfcuständigund schaltet sich auch nicht
unmittelbar in TarifVerhandlungen ein.
Der Rat fördert vor allem den freimütigen Meinungsaustausch zwischen
den Arbeitnehmer- und Managementvertretern durch die offene Diskussion der
innerbetrieblichen Angelegenheiten. Diese Eiskussionen werden auf allen
betrieblichen Ebenen geführt, und zwar in der Weise, daß sich der Rat gegebenenfalls in Übereinstimmung mit der allgemeinen Gliederung des Betriebs
abteilungs- und selbst unterabteilungsweise aufgliedert und in getrennten
Gruppen jeweils unter den Mitvorsitzenden einmal im Monat tagt.
Der Rat für innerbetriebliche Beziehungen entstand aus dem im zweiten
Weltkrieg geschaffenen Produktionsausschuß aus Vertretern der Arbeitnehmer
und der Betriebsführung. In diesem Ausschuß wurde so hervorragende Arbeit
geleistet, daß auf beiden Seiten der 'Wunsch laut wurde, dieses Verbindungsglied zwischen Belegschaft und Betriebsführung beizubehalten. Das führte
1946 zur Umgründung in den Rat für innerbetriebliche Beziehungen im Anschluß
an eine von Betriebsführung und Belegschaft gemeinsam gefaßte Entschließung,
in der der Aufgabenbereich dieser Institution wie folgt umrissen wurdel
"Der Rat sucht der Belegschaft in der Weise zu dienen, daß er zur
Sicherung des Arbeitsplatzes und zur Mehrung der Zufriedenheit mit den
Arbeitsbedingungen und den Verdienstchancen beiträgt. Er sucht der Betriebsführung in der Weise zu dienen, daß er ein Forum für die Erörterung neuer
Ideen und die Unterrichtung der Mitarbeiter über die Probleme der Betriebsführung und den Geschäftsgang bietet. Er sucht beiden dadurch zu dienen,

- 15 -

�dienen, daß er die Zusammenarbeit zwischen ihnen in den Bemühungen
um die Herstellung immer besserer Produkte bei niedrigeren Kosten
und größerem Ausstoß vertiefen hilft und damit bei beiden das Verständnis für die gegenseitigen Interessen und für faire Maßstäbe in
ihrem Verhältnis zueinander wecken hilft«"

(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

Der "Boulwarismus" in der US-Lohnpolitik
Der 21 Tage dauernde Streik in insgesamt 55 Betrieben der
"General Electric Company" konnte mit dem Abschluß eines neuen Tarifvertrages zwischen dem Unternehmen und der Elektroarbeitergewerkschaft
(IUE) beendet werden, der weitgehend dem vor dem Streik unterbreiteten
Unternehmerangebot entsprach.
Der neue DreiJahresvertrag sieht eine sofortige Erhöhung der Löhne
und Gehälter um 3 Prozent vor und stellt der Gewerkschaft drei weitere
Möglichkeiten zur Verbesserung des letzten Vertrages zur Auswahl, über
die die "IUE" innerhalb von 30 Tagen zu entscheiden hat. Der erste
Vorschlag sieht dabei eine weitere 3prozentige Lohnerhöhung im April
1962, einen zusätzlichen bezahlten Feiertag und eine 4» Urlaubswoche
für alle jene Arbeitnehmer vor, die dem Betrieb länger als 25 Jahre angehören; der zweite sieht nur eine Lohnerhöhung um 4 Prozent im April
1962 vor, während der dritte nur eine Klausel über eine erneute Aufnahme
von Lohnverhandlungen im April 1962 enthält.
Die Gewerkschaft dagegen hatte den Abschluß eines Zweijahresvertrages sowie 3 1/2prozentige Lohnerhöhungen in beiden Jahren, verbesserte Wohlfahrts- und Pensionsleistungen und den "Union shop" gefordert.
Die Forderung nach Beibehaltung der Lohngleitklausel war dagegen von der
Gewerkschaft fallengelassen worden.
Die Durchschnittslöhne lagen vor Abschluß des neuen Vertrages zwischen 2,30 und 2,40 Dollar.
Zu der Streikbeilegung und dem Abschluß des neuen Tarifvertrages
zwischen der "GE" und der Elektroarbeitergewerkschaft schrieb A.H. Raskin,
der bekannte Redakteur der "New York Times" für Arbeitsfragen, unter anderem: "Die Lehre, die viele Unternehmer aus den Tarifverhandlungen
zogen... ist, daß der beste Weg für das Management darin besteht, die
Initiative am Verhandlungstisch zu ergreifen und sie, selbst auf die
Gefahr eines Streiks hin, zu behalten. Diese Haltung stellt eine klare
Abkehr von der alten Taktik des Feilschens in Lohntarifverhandlungen
dar, bei denen die Gewerkschaft an die Unternehmer zu Beginn eine ganze
Reihe von Forderungen stellt, die so extrem sind, daß ihre Verwirklichung
den Ruin der Unternehmen bedeuten würde, und auf die die Unternehmer
dann mit gleichermaßen unrealistischen Gegenvorschlägen antworten, die

-

14

-

�die praktisch die Arbeitnehmer vieler ihrer erworbenen Vorteile berauben
würden."
"Beide Seiten bemühen sich dann in einem "Pferdehandel-Verfahren",
einen Kompromiß zu erzielen, der auch gewöhnlich auf einer Ebene gefunden wird, die schon vor Beginn des Aushandelns mit ziemlicher Genauigkeit vorausgesagt werden konnte.'*
Die "General Electric Company" hat ihre Lohnverhandlungstaktik gegen Ende der 40ßr Jahre entwickelt und sie seitdem in allen Tarifverhandlungen mit Erfolg angewandt. Sie geht auf den damaligen Präsidenten
des Unternehmens, Lemuel R. Boulware, zurück. Der Verhandlungsplan des
Unternehmens besteht darin, sich des Vertrauens der Arbeitnehmer zum
Unternehmen zu versichern und der Gewerkschaft einen umfassenden Vertrag zu unterbreiten, der an Angeboten "alles das enthält, was nach Ansicht
des Management richtig ist", und sich dann - mit Ausnahme von Fragen
geringer Bedeutung - an dieses Angebot zu halten, selbst wenn es zu einem
Streik kommen sollte. Als Ergebnis dieser Verhandlungsführung hat man
in jüngster Zeit in der amerikanischen Industrie ein neues Wort geprägt "Boulwarismus" .
(Quelle: Eigenbericht)

-

15 -

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
USIS-Bonn Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XIV - 2

Bad Godesberg, den 1. Februar 1961
INHALTSVERZEICHNIS

Die Automatisierung bürotechnischer Arbeiten bei
amerikanischen Regierungsbehörden

Seite

1

Arbeitnehmer und Gewerkschaften im Jahre i960

Seite

11

1961 - Ein Jahr wichtiger Tarifverhandlungen

Seite

13

Beträchtliche Zunahme der Lohnnebenleistungen
in der US-Wirtschaft
Durchschnittseinkommen der Büroangestellten
.

Seite
Seite

14
15

Richard W. Riche und William E. Alli, Abteilung für Produktivitätsfragen
und technische Entwicklungen, Bundesamt für Arbeitsstatistik im US-Arbeitsministerium:

Die Automatisierung bürotechnischer Arbeiten bei amerikanischen
Regierungsbehörden
In nachstehendem Artikel bringen wir eine
Übersicht über die Ergebnisse einer Untersuchung über das Ausmaß der Automatisierung
der Büroarbeiten bei verschiedenen Regierungsstellen und ihre Auswirkungen auf die
Beschäftigung, die der Unterausschuß für
Volkszählung und Regierungsstatistik des
Ausschusses des Repräsentantenhauses für
das Postwesen und den Bundesdienst
(Subcommittee on Census and Government
Statistics of the House of Representatives
Committee on Post Office and Civil Service)
in den Jahren 1959/60 durchgeführt hat. Zu
den Informationssitzungen des Ausschusses
waren u.a. Vertreter der Abteilung Haushaltplanung im Präaidialamt, des Bundesrechnungshofes, des Bundesamtes für Kriegsteilnehmerversorgung sowie des Finanz* und
des Postministeriums geladen worden.
Da
-

1

-

�,,
Da der Arbeitsanfall bei den meisten Behörden zu einem großen
Teil aus bürotechnischen Routinevorgängen besteht, ist die amerikanische Regierung lebhaft an der Entwicklung elektronischer Datenverarbeitungsanlagen interessiert, die erhebliche Einsparungen an Personal,
Arbeitszeit und Kosten ermöglichen. Elektronische Rechen- und Buchungsanlagen werden deshalb in größerer Zahl für die Erledigung von Büroarbeiten und für Aufgaben der wissenschaftlichen Forschung eingesetzt.
Stand der Automatisierung
Eine dem Unterausschuß vorliegende Untersuchung der Abteilung Haushaltplanung im Präsidialamt zeigt, daß die amerikanischen Bundesbehörden
bis zum Haushaltsjahr 1958/59 insgesamt 414 Datenverarbeitungsanlagen
aller Größen aufgestellt hatten. Mit einem weiteren raschen Voranschreiten der Automatisierung der Büroarbeiten ist zu rechnen. Nach den Informationen der Abteilung Haushaltplanung wird die Zahl der Datenverarbeitungsanlagen noch im Verlaufe des Jahres 19^1 auf 646 steigen.
Erzielte Einsparungen
Ein augenfälliges, wenn auch nicht notwendigerweise typisches
Beispiel für die erheblichen Einsparungen, die sich durch die Verwendung von Datenverarbeitungsanlagen erzielen lassen, bietet die automatische Buchung von Schecks durch das Finanzministerium. Die Übertragung dieser Aufgabe auf elektronische Buchungsanlagen ermöglichte
die Zentralisierung der gesamten Buchungsarbeiten im Finanzministerium,
die bisher auf das Ministerium, den Bundesrechnungshof und verschiedene
Institute des Zentralbankensystems verteilt waren.
Tafel 1 zeigt das Ausmaß der dabei erzielten direkten Einsparungen.
Während der Arbeitsanfall um 14 Prozent zunahm, ging die Beschäftigtenzahl um 48 Prozent zurück - mit dem Erfolg, daß die Arbeitsproduktivität
pro Angestellten um 120 Prozent stieg. Die Arbeitskosten pro Buchungsvorgang verringerten sich um 44 Prozent, während die Maschinenmiete pro
Buchungsvorgang um 85 Prozent zunahm; die Gesamtkosten pro Buchungsvorgang gingen um 32 Prozent zurück.
Weitere, indirekte Einsparungen sind von einer weiteren Zentralisierung und Verbesserung in der Datenvorbereitung zu erwarten.
Nach einem Bericht des Bundesrechnungshofes werden gegenwärtig für
Beschaffungsaufgaben des Verteidigungsministeriums zahlreiche verschiedene
Datenverarbeitungssysteme verwendet, über die Vorräte und Lagerbestände
im Wert von mehr als 50 Milliarden Dollar verwaltet werden. Eine Verringerung der Lagerbestände um nur wenige Prozent, wie sie durch eine fortlaufende Berichterstattung über die vorhandenen Bestände mit Hilfe von
elektronischen Rechenanlagen möglich ist, kann zu Einsparungen führen,
die jährlich Millionen ausmachen.
Veränderungen in der Beschäftigung
Das Finanzministerium unterbreitete dem Untersuchungsausschuß aufschlußreiches Zahlenmaterial über die Veränderungen, die die Umstellung
der Einlösung und Verbuchung von Schecks und der Registrierung und

-

2

-

�Tafel 1
A r b e i t s p r o d u k t i v i t ä t und Kosten pro Buchungsvorgang im ÜS-Finanzministerium.
im Bundesrechnungshof und i n verschiedenen I n s t i t u t e n des Zentralbankensystems vor und nach der I n s t a l l i e r u n g e l e k t r o n i s c h e r Buchungsanlagen

Vor der
Installierung
Arbeitseinheiten
(Schecks)
Anzahl der zur B e a r b e i tung de» Schecks e i n g e setzten Angestellten
Gesamtkosten
(in Dollar)
Bearbeitungskosten
(einschl. Soziallastenanteile)
Maschinenmieten
Andere Kosten *)

~~X^Wi

Änderung in
Prozenten

CT9591

345 000 000

393 000 000

+ 13,9

1 552

803

- 48,3

7 188 000

5 569 000

- 22,5

6 101 000
579 000
508 000

3 891 000 1&gt;

- 36,2

Indizes

Produktivität pro
Angestellten
Angestellte pro
Arbeitseinheit

Nach der
Installierung

+ 111 ,1
- 10,2

(1956 - 100

100,0

220,2

+120,2

100,0

45,4

- 54,6

100,0

68,0

- 32,0

100,0

56,0

- 44,0

Maschinenmiete pro
Einheit

100,0

185,3

* 85,3

Andere Kosten pro
Einheit

100,0

78,8

- 21,2

Kosten pro
Arbeitseinheit
Arbeitskosten pro
Einheit

7 Einschließlich einer zehnprozentigen Gehaltserhöhung für qualifizierte
Mitarbeiter, die im Laufe des Jahres 1958 erfolgte.
-*' Einschließlich der Kosten für Porti, Fernmeldegebühren, Formblätter und
Bürobedarf und anderer indirekter Kosten.
3

-

�und des Zinaendienstes von Staatsobligationen auf elektronische Datenverarbeitungsanlagen hinsichtlich der Beschäftigungsstruktur innerhalb
des Ministeriums zur Folge hatte.
Von der Umstellung der Bearbeitung der Schecks, die im Juni 1957
nach 17monatigen Vorbereitungen erfolgte, wurden drei Dienststellen
betroffen: das Schatzamt, der Bundesrechnungshof und das Zentralbankensystem. Tafel 2 zeigt die Veränderungen in der Beschäftigung,
die im Zeitraum von Juni 1956 bis Juni 1959 i n Auswirkung der Umstellung im Schatzamt und im Bundesrechnungshof eingetreten sind.
Nur 174 der insgesamt 755 von der Umstellung betroffenen Arbeitnehmer wurden innerhalb derselben Abteilung weiterbeschäftigt; das ist
noch nicht einmal ein Viertel, über die Hälfte wurden nach anderen Abteilungen innerhalb ihrer Behörde versetzt, wobei der größte Teil
neue Aufgaben übernehmen mußte. Nur 31 Angestellte, d.h. 4 Prozent der
Gesamtzahl, wurden in die neu geschaffenen Abteilungen für elektronische
Datenverarbeitung übernommen. Etwa 11 Prozent der frei gewordenen Angestellten konnten an andere Behörden vermittelt werden; 14 Prozent
ließen sich pensionieren oder kündigten von sich aus. Zwei Angestellte
wurden entlassen.
Die Automatisierung der Registrierung und des Zinsendienstes bei
den Staatsobligationen im US-Finanzministerium zeitigte erheblich ungünstigere Auswirkungen auf die Belegschaft. Trotz ernsthafter Anstrengungen war es nur in Einzelfällen möglich, neue Arbeitsplätze für
die nach der Umstellung nicht mehr benötigten Arbeitskräfte zu finden,
da es sich größtenteils um Bürokräfte handelte, deren Kenntnisse und
Fähigkeiten nicht mehr gefragt sind und die ihrerseits nicht bereit
waren, offene Stellen an anderen Orten anzunehmen.
Die Installierung der elektronischen Datenverarbeitungsanlage betraf 889 Angestellte in der Bundesschuldenverwaltung im Finanzministerium (Bureau of Public Debt). Sie machte die Schließung von Abrechnungsstellen in New York und Chicago möglich und verringerte den Arbeitsanfall in der Zweigstelle in Chicago. Die Bearbeitung von Lochkarten-Staatsobligationen durch elektronische Buchungsanlagen erfolgt
in dem neueingerichteten Büro in Parkersburg in West-Virginia, einem
Gebiet mit großen Arbeitskraftreserven. Andere Buchungsaufgaben, die im
Zusammenhang mit der Verwaltung von Staatsobligationen anfallen, wurden
dem Zweigbüro in Cincinnati (Ohio) übertragen.
Die Veränderung des Beschäftigtenstandes war einschneidend, wie
aus Tafel 3 ersichtlich ist. Von den insgesamt 889 betroffenen Angestellten wurde über ein Drittel, größtenteils Angestellte in untergeordneten Positionen, abgebaut. 16 Prozent kündigten ihrerseits aus
Gesundheits- und Familienrücksichtigen oder in der Absicht, ihre Ausbildung fortzusetzen. Drei Prozent wurden in andere Büros der Bundesschuldenverwaltung und 35 Prozent zu anderen Bundesbehörden versetzt.
Neun Prozent der Belegschaft, sämtlich Angehörige der Zweigstelle Chicago, kamen in der Privatwirtschaft unter.
Nach Angaben der Bundesschuldenverwaltung weigerten sich die meisten
Mitarbeiter der Zweigbüros in New Y-rk und Chicago, deren Arbeitsplätze
überflüssig geworden waren, die ihnen in Parkersburg angebotenen

- 4 -

�Tafel 2
Veränderungen in der Beschäftigung in den von der Umstellung auf elektronische
Datenverarbeitungsanlagen betroffenen Abteilungen des US-Schatzamtes
und des Bundesrechnungshofes von Juni 1956 bis Juni 1959

Zahl

Prozent

Gesamtpersonalstand im Juni 1956

755

100,0

Weit erbeschäftigt

174

23,0

70

9,3

399

52,8

31

4,1

244

32,3

zu anderen Dienststellen des Finanzministeriums

44

5,8

zu anderen Regierungsbehörden

80

10,6

104

13.8

Verstorben

6

0,8

Entlassen

2

0,3

Vorgang

Vorläufig weiterbeschäftigt

'

Versetzt
zu Datenverarbeitungsabteilungen
des Schatzamtes
zu anderen Abteilungen des Schatzamtes &lt;
oder des Bundesrechnungshofes

in den Ruhestand getreten oder auf Grund
eigener Kündigung ausgeschieden

1) Zur Aufarbeitung von Arbeitsrückständen aus der Zeit vor der Umstellung

vom Bundesrechnungshof bedingt weiterbeschäftigt. Von diesen 70 Angestellten wurden 59 später mit anderen Aufgaben innerhalb des Rechnungshofes betraut und 2 nach anderen Behörden versetzt; 4 kündigten ihrerseits oder traten in den Ruhestand; 5 wurden entlassen.

- 5

�Tafel 3
Abnahme der Beschäftigtenzahl in den Zwei.^stellen New York und Chicago dier
BundesschuldenverwaltunÄ in d&lt;;r Zeit vom 19. März 1957 bis zum 30• Juni 195.8

Zahl

Prozent 2)

Insgesamt betroffen

889

100,0

Versetzt

336

37,8

25

2,8

311

35»0

78

8,8

143
14
318

16,1

Vorgang

zu anderen Abteilungen der Bundesschuldenverwaltung
zu anderen Regierungsbehörden
In der Privatwirtschaft untergekommen (betr,
Zweigstelle Chicago)
Ausgeschieden auf Grund eigener Kündigung (aus
Gesundheits- und Familienrücksichten, wegen
Fortsetzung des Studiums u.a.)
In den Ruhestand getreten
Entlassen

1,6
35,8

' Weitere Entlassungen nach dem 30. Juni 1958 waren nicht notwendig und sind
audh nicht vorgesehen.
2}
' Wegen der vorgenommenen Abrundungen ergibt die Summe der einzelnen Prozentangaben nicht genau 100»

�angebotenen Stellungen anzunehmen. Die für die Besetzung der Zweigstelle in Parkersburg benötigten 458 Angestellten wurden deshalb
vornehmlich über den örtlichen Arbeitsmarkt beschafft. Die Schuldenverwaltung mußte bei ihren Bemühungen um die Unterbringung der von
ihren Arbeitsplätzen verdrängten Mitarbeiter die Peststellung machen,
daß die Nachfrage nach Angestellten, deren Erfahrungen sich lediglich auf routinemäßige Büroarbeiten wie Aktenablage und Lochkartenstanzen beschränken, sehr gering ist.
Die Planung der Umstellung auf die Datenverarbeitung
Die Dienststellenleiter taten ihr möglichstes, um negative Auswirkungen der Automatisierung auf die Angestellten zu verringern.
Das Schatzamt und die Zentralstelle für Rechnungsführung und Betriebsprüfung im Finanzministerium (Bureau of Accounts) informierten
ihre Angestellten fast ein Jahr im voraus über die bevorstehende Umstellung und gaben gleichzeitig allen betroffenen Angestellten die
Zusicherung, daß Härten nach Möglichkeit vermieden werden.
Als ein Beispiel sei hier auf das Bundesamt für Kriegsteilnehmerversorgung verwiesen, das sämtliche Mitarbeiter vom ersten Planungsstadium an im voraus laufend und über alle Phasen der Umstellung unterrichtete. Die Dienststellenleiter luden die Angestellten gruppenweise zu
Besprechungen ein, bei denen sie Auskünfte über die Arbeitsweise elektronischer Datenverarbeitungsanlagen, über die im Zusammenhang mit der
Umstellung neu zu schaffenden Positionen und die Zahl der von der Umstellung betroffenen Angestellten erteilten. Das Bundesamt richtete
Kurse für Probleme der elektronischen Datenverarbeitung ein, an denen
sich insgesamt 17 500 Angestellte beteiligten.
Der Leiter des Bundesamtes verpflichtete die Abteilungsleiter,
dem Personalbüro mindestens ein halbes Jahr vor der Umstellung je_der
einzelnen Abteilung mitzuteilen, welche Beschäftigungskategorien und
wieviel Angestellte von den geplanten Maßnahmen betroffen sein werden.
Er verfügte, daß allen Angestellten, die nach der Umstellung nicht mehr
weiterbeschäftigt werden können, die bevorstehende Entlassung mindestens
drei Monate im voraus bekanntgegeben werden müsse.
Sämtliche Regierungsbehörden nutzen den Vorteil, den ihnen die
zwangsläufig sehr lange Zeit der Planung der Umstellung bietet, um ihren
Personalstand durch natürlichen Schwund - Ausscheiden auf Grund eigener
Kündigung des Angestellten, Pensionierung, Versetzung, Vermeidung von
Neueinstellungen usw. - so weit zu reduzieren, daß sich Entlassungen
nach der Umstellung erübrigen. Die langfristige Vorausplanung bietet
vielfach auch die Möglichkeit, für die freiwerdenden Angestellten neue
Arbeitsplätze innerhalb der eigenen Behörde oder bei anderen Behörden
zu finden.
Das Bundesamt für Kriegsteilnehmerversorgung, um bei unserem Beispiel zu bleiben, hat ermittelt, daß in den Haushaltjähren 1960-62 voraussichtlich 1259 Positionen überflüssig werden. Das Bundesamt hofft, die
betroffenen Angestellten "innerhalb der eigenen Zweigstellen unterzubringen.
Die

�Die Versetzung frei werdender Angestellter wird in den meisten
Fällen eine Umschulung auf neue Aufgaben erforderlich machen. Aus
diesem Grunde haben verschiedene Behörden rechtzeitig vor der Umstellung Schulungskurse eingerichtet. Alles in allem haben sich diese
Maßnahmen als sehr erfolgreich erwiesen und wesentlich mit dazu beigetragen, daß die Umstellung auf die elektronische Datenverarbeitung
ohne größere Schwierigkeiten und Härten für das Personal vollzogen
werden konnte.
Personal für die elektronische Datenverarbeitung
Die Errichtung der für die elektronische Datenverarbeitung notwendigen Planstellen und ihre Besetzung warf erhebliche verwaltungstechnische Probleme auf. Tafel 4 gibt Aufschluß über den Personalatand der Datenverarbeitungsabteilungen sämtlicher Regierungsbehörden
im Jahre 1958, die zusammen über 236 Datenverarbeitungsanlagen verfügten. Zwei Drittel der Angestellten waren mit Planungs- und Programmierungsaufgaben befaßt, ein Viertel war zur Bedienung der Rechenanlagen
und Zubehörapparaturen eingeteilt, und nur 8 Prozent wurden für die
Verwaltungsaufgaben innerhalb der Abteilungen für elektronische Datenverarbeitung benötigt.
Die Regierungsbehörden haben es sich zum Grundsatz gemacht, das Bedienungspersonal für elektronische Datenverarbeitungsanlagen weitgehend
aus den Reihen ihrer eigenen Mitarbeiter zu rekrutieren. Eine Untersuchung aus dem Jahre 1958 zeigt, daß fast zwei Drittel von 129 befragten
Militär- und Zivilbehörden das Personal für die elektronische Datenverarbeitung ausschließlich aus ihrem früheren Mitarbeiterstab rekrutiert haben; ein Zehntel besetzte diese Stellen mit neu angeworbenen
Arbeitskräften; und ein Viertel teils mit bisherigen Mitarbeitern, teils
mit neuen Kräften.
Die Bereitschaft, derartige Stellen aus den Reihen der eigenen Mitarbeiter zu besetzen, wird damit begründet, daß diese auf Grund ihrer
Kenntnisse der Arbeitsweise ihrer Behörde eine kürzere Ausbildungszeit
benötigen als betriebsfremde Kräfte, Ein weiterer Grund ist die günstige
Auswirkung einer derartigen Beschäftigungspolitik, die vielen Mitarbeitern gute Aufstiegschancen bietet, auf die Arbeitsmoral. Andere Behörden wiederum berichteten, daß sie Nemeinstellungen vornehmen mußten, da
sich unter dem bisherigen Personal keine ausreichende Zahl von Mitarbeitern mit den geforderten Qualifikationen fanden.
Die Auswahl des Personals für die elektronischen Datenverarbeitungsanlagen erfolgte vielfach auf Grund der Ergebnisse schriftlicher Eignungsprüfungen und Intelligenztests. Von 129 Bundesbehörden, die diesbezügliche Angaben machten, hielten 70 Prozent derartige Prüfungen ab, zu
denen vor allem Bewerber für die neugeschaffenen Positionen, Programmierer und Bedienungspersonal, hinzugezogen wurden.
Die Schwierigkeiten, die die Auswahl geeigneter Kräfte bereiteten,
seien hier an Hand der Erfahrungen des Finanzministeriums und des Bundesrechnungshofes illustriert. Sämtliche Angestellten in den von der
Automatisierung betroffenen Abteilungen dieser beiden Behörden wurden
.

8

.

�Tafel 4
Anzahl der vornehmlich mit Aufgaben der elektronischen Datenverarbeitung
befaßten Angestellten bei insgesamt 236 mit Datenverarbeitungsanlagen
ausgestatteten Dienststellen (Stand vom 31« März 1958)

Mit Aufgaben der elektronischen Datenverarbeitung
befaßt
Insgesamt

Arbeitsplätze
Zahl
Prozent
3 742

100,0

Verwaltungspersonal für die
elektronische Datenverarbeitung

301

8,0

Einsatzplaner für elektronische
Datenverarbeitungsanlagen

615

16,4

1 773

47,4

83

2,2

621

16,6

349

9,3

Programmierer
Hochfrequenztechniker
Bedienungspersonal
Bedienungspersonal für Zubehöranlagen

*

1)
Wegen der vorgenommenen Abrundungen ergibt die Summe der einzelnen
Prozentangaben nicht genau 100.

-

9 -

�wurden zur Teilnahme an einem Eignungstest aufgefordert. Von den 470
Prüfungsteilnehmern wurden 77 zur Teilnahme an Ausbildungskursen
eingeladen und von diesen wiederum 23 für den Einsatz an den Elektronenanlagen ausgewählt. Hierbei wurden auch die schriftlichen Beurteilungen der Angestellten durch ihre Vorgesetzten und ihre Leisturlgen
während einer gewissen Probezeit an den neuen Anlagen berücksichtigt.
Die Ausbildung des Personals für Elektronenanlagen
Die Ausbildung von Personal für die Aufgaben der elektronischen
Datenverarbeitung war ein sehr vielschichtiges Unterfangen, da sehr
unterschiedliche Kenntnisse gelehrt werden mußten. Es handelte sich
nicht lediglich darum, Programmierer und Fachkräfte für die Bedienung
der Anlagen heranzubilden, sondern auch darum, die leitenden Angestellten der Behörden mit den Besonderheiten und Problemen der elektronischen Datenverarbeitung vertraut zu machen.
Eine Untersuchung der Abteilung für Haushaltplanung läßt erkennen,
daß die Behörden es im allgemeinen den Herstellerfirmen der Anlagen
überließen, die Programmierer und das Bedienungspersonal auszubilden.
Die Einführung der leitenden Angestellten in die Probleme der elektronischen Datenverarbeitung erfolgte m enger Zusammenarbeit zwischen
Herstellerfirmen und Regierungsstellen und unter Einschaltung von
Universitäten, Berufsverbänden und privaten Wirtschaftsberatern.
Die Regierung zahlte den Lehrgangsteilnehmern ihre regulären Gehälter weiter und übernahm etwaige Kursgebühren und Transportkosten.
Die Herstellerfirmen verlangten für die Mitarbeiter von Behörden, die
ihre Geräte benutzen, gewöhnlich keine Kursgebühren.
Das Ausmaß der geleisteten Ausbildungsarbeit sei am Beispiel der
Zweigstelle Philadelphia der Versicherungsabteilung des Bundesamtes
für Kriegsteilnehmerversorgung dokumentiert, wo nicht weniger als 2700
Angestellte von der Umstellung betroffen worden waren. Vertreter der
Herstellerfirmen hielten an Ort und Stelle Lehrgänge für die Mitarbeiter ab, die für den Einsatz an den Datenverarbeitungsanlagen vorgesehen
waren. Die Kursdauer schwankte zwischen 12 und 150 Stunden.
Zur Umschulung auf die im Zusammenhang mit der Aufstellung der
Datenverarbeitungsanlage neu geschaffenen bürotechnischen Arbeitsplätze
wurden mehrere hundert Angestellte im Gruppenunterricht in der Aufbereitung von Daten und im Umgang mit den von Elektronenanlagen erstellten
Unterlagen unterwiesen. Sämtliche 27OO Mitarbeiter wurden durch einen
zweistündigen generellen Aufklärungskurs über die Methoden der elektronischen Datenverarbeitung geschleust.
(Quelle: Monthly Labor Review,
Vol. 83, Nr. 9, Sept. i960)
- stärker gekürzt * * * * *

10

�Arbeitnehmer und Gewerkschaften im Jahre 1960
Obwohl im abgelaufenen Jahr mehr Amerikaner beschäftigt waren
als je zuvor und der Wert der erzeugten Güter und Dienstleistungen
mit rund 505 Mrd. Dollar ebenfalls einen neuen Rekordstand erreichte,
stand die Zunahme der Zahl der beschäftigten Arbeitnehmer nicht im
gleichen Verhältnis zum Produktionsanstieg. Bezeichnend für die Lage
am gesamten Arbeitsmarkt war im vergangenen Jahr die Tatsache, daß
trotz einer allgemeinen hohen wirtschaftlichen Aktivität und Prosperität die Arbeitslosigkeit in einigen wichtigen Gebieten verhältnismäßig
hoch war.
Wenn auch die im vergangenen Jahr abgeschloss'enen Tarifverträge den
Arbeitnehmern weitere Lohnerhöhungen brachten, so waren doch die durchschnittlichen Zunahmen etwas geringer als in den Vorjahren. Im September belief sich das durchschnittliche Nettoeinkommen eines Industriearbeiters mit drei Angehörigen auf wöchentlich 80,87 Dollar, was gegenüber dem gleichen Monat des Vorjahres einen Anstieg um nur 0,6 Prozent
bedeutet. Da sich aber im selben Zeitraum auch die Lebenshaltungskosten
erhöhten, ging die Kaufkraft der Einkommen zwischen September 1959
und September 1 96O um 0,6 Prozent zurück.
Auf dem Gebiet der Arbeitgeber-Arbeitnehmerbeziehungen brachte
das Jahr 196O sichtbare Fortschritte in den Bemühungen der Sozialpartner, bestehende Gegensätze zu überbrücken und einen gemeinsamen Nenner
für die Lösung ihrer Probleme zu finden. Die Beilegung des sich über
Monate erstreckenden Stahlarbeiterstreiks im Januar auf Grund der
persönlichen Initiative Vizepräsident Nixons und Arbeitsminister
Mitchells war in dieser Beziehung insofern richtungweisend, als von
beiden Tarifpartnern die Rolle und das Interesse der Öffentlichkeit
bei der friedlichen Beilegung von Arbeitsstreitigkeiten anerkannt
wurde. Das Ergebnis war die Bildung eines aus Vertretern der Unternehmer, Gewerkschaften und der Öffentlichkeit bestehenden Ausschusses,
dessen Aufgabe es ist, langfristige Programme zu entwickeln, durch die
industrielle Konflikte weitgehend ausgeschaltet werden.
Auch in dem lange schwelenden Streit der Eisenbahnergewerkschaft
mit den Schienentransportunternehmen über die Arbeitsbedingungen, der
ebenfalls in einen umfassenden Streik einzumünden drohte, erklärten
sich beide Seiten schließlich bereit, ihre Streitpunkte einem Präsidentenausschuß zu unterbreiten, der sich aus Vertretern von Gewerkschaften, Unternehmen und Vertretern der Öffentlichkeit zusammensetzte und
der dem Präsidenten seine Untersuchungsergebnisse Anfang Dezember unterbreitete.
Bedeutende Fortschritte konnten im vergangenen Jahr auch bei der
Milderung der wirtschaftlichen und sozialen Härten für solche Arbeitnehmer erzielt werden, die durch die Einführung der-Automation und arbeitsparendem- Maschinen freigesetzt werden. So konnte u.a. die Hafenarbeitergewerkschaft der Westküste mit dem Verband der Hafenbetriebe ein Abkommen
schließen, wonach die Arbeitgeber jährlich rund 5 Millionen Dollar in
einen "Automationsfonds" einzahlen, aus dem dann Entlassungsgelder und
andere finanzielle Beihilfen an Arbeitnehmer gezahlt werden sollen, die

-

11

�die ihren Arbeitsplatz auf Grund der Mechanisierung der Umschlageinrichtungen verlieren.
Das Abkommen, das vorläufig bis Juni 1966 gilt, sieht aber nicht
nur die Aufbringung einer Gesamtsumme von rund 27,5 Millionen Dollar
für den Automationsfonds vor, sondern garantiert den Hafenarbeitern
auch ein wöchentliches Mindesteinkommen sowie finanzielle Sicherungen
gegenüber Feierschichten. ALs Gegenleistung für diese Arbeitnehmerkonzessionen gab die Gewerkschaft ihrerseits die Zusage, auf ihre
"Arbeitsbedlngungsklausel" zu verzichten, die bisher die Einführung
leistungsfähigerer mechanischer Belade- und Entladungstechniken bei
den Hafenbetrieben verhinderte.
Auch einer der größten amerikanischen Fleischverarbeitungsbetriebe
schloß mit der Gewerkschaft der Fleischereiarbeiter ein ähnliches Abkommen, durch das insgesamt 15 000 Arbeitnehmer in sämtlichen Betrieben des Unternehmens erfaßt wurden. Ein Teil der Fondsgelder soll
hier für die Analyse der sich aus der'Automation ergebenden Arbeitsplatz- und Beschäftigungsprobleme und für die Ausarbeitung von Plänen
verwendet werden, durch die die Auswirkungen der Automation weitgehend gemildert werden können. Der Schwerpunkt all dieser Bemühungen soll dabei auf die Utaschulung der freigesetzten Arbeitnehmer und
die Schaffung neuer Arbeitsplätze gelegt werden.
Ebenso bemerkenswert wie die Errichtung zahlreicher "Automationsfonds" war im vergangenen Jahr auch die erhebliche Zunahme solcher
Tarifverträge, die Abmachungen zwischen'Gewerkschaft und Unternehmen
über die Zahlung von Entlassungsgeldern aus "technologischen Gründen"
enthalten. Das bedeutendste Abkommen dieser Art wurde von der Gewerkschaft der Damenoberbekleidungsindustrie mit den Unternehmen der Bekleidungsindustrie geschlossen, durch das die 400 000 Mitglieder,
in sämtlichem Betrieben des Landes erfaßt werden. Mit diesem Abkommen,
das sowohl die Zahlung von Entlassungsgeldern als auch wöchentliche
Unterstützungsleistungen für einen bestimmten Zeitraum vorsieht,
will die Gewerkschaft die Schließung amerikanischer Betriebe der Bekleidungsindustrie und ihre Verlagerung in lohngünstigere Länder verhindern. Die Maximalleistung für einen Arbeitnehmer beträgt 1600 Dollar; sie richtet sich nach der Länge der Dienstzeit, dem bisherigen
wöchentlichen Einkommen und einigen anderen Bemessungsfaktoren.

(Quelle: Eigenbericht)
* * * * *

-

12

-

�1961 ,- ein Jahr wichtiger TarifVerhandlungen
Während das vergangene Jahr auf dem Gebiet des Tarifverhandlungswesens - von der im Januar erfolgten Beilegung des im Herbst
1959 begonnenen Konflikts in der Stahlindustrie abgesehen - ziemlich ruhig verlaufen ist und keine besonderen Ereignisse oder weitreichenden Entscheidungen brachte, dürfte für 1961 schon insofern
mit einer weitaus größeren Aktivität auf diesem Sektor zu rechnen
sein, als zahlreiche Tarifabkommen in wichtigen Industriezweigen
in diesem Jahr auslaufen oder Neuverhandlungen anstehen.
Die wichtigsten Lohnverhandlungen werden dabei zweifellos in
den Spätsommermonaten stattfinden, da im August die alten Verträge
der Automobilarbeitergewerkschaft (UAW) mit den Unternehmen der Autoindustrie sowie der "Meatpacker" mit den Fleischkonservenherstellern
auslaufen und im September neue Verhandlungen in der Maschinenbauindustrie - und möglicherweise auch im Steinkohlebergbau - vorgesehen
sind. In der ersten Jahreshälfte laufen dagegen einer Übersicht
des US-Arbeitsministeriums zufolge nur zwei größere Tarifabkommen
in wichtigen Wirtschaftszweigen aus. Im Januar müssen neue Verträge
für die Arbeitnehmer des Güterkraftverkehrsgewerbes (Lastwagenfahrer)
und von April bis Juni solche für die &amp;er Gümmiindu'strie ausgehandelt
werden.
Alles in allem stehen 1961 fast 120 Lohntarifverhandlungen an,
durch die insgesamt 2 Millionen Werktätige erfaßt werden. Die Gesamtzahl der Arbeitnehmer, für die neue Verträge abgeschlossen werden
müssen, liegt jedoch erheblich höher, da es sich hierbei nur um Abkommen handelt, die jeweils für mehr als 5000 Arbeitnehmer abgeschlossen
wurden. Außerdem besteht noch die Möglichkeit, daß weitere 60 langfristige Tarifverträge mit Kündigungsklausel (Abkommen mit jeweils
über 1000 Arbeitnehmern) im Laufe des Jahres von den Gewerkschaften
aufgesagt werden. Durch diese 60 Abkommen werden weitere 1,7 Millionen
Arbeitnehmer ejf»ftt.
Wie aus der TarifVerhandlungsübersicht des Arbeitsministeriums
weiter hervorgeht, ist in diesem Jahr aber auch mit Lohnerhöhungen
für jene Arbeitnehmer zu rechnen, die von Verträgen erfaßt werden,
welche erst zu einem späteren Zeitpunkt auslaufen, aber automatische
'Lohnaufbesserungen für 1961 vorsehen. Es handelt sich hier um Verträge mit jeweils mehr als 1000 Arbeitnehmern, die insgesamt 2,9
Millionen Werktätige erfassen und durchschnittliche Lohnerhöhungen
von 8 Cent pro Stunde vorsehen.
Für einen Teil dieser Arbeitnehmer (1,1 Millionen) kommen zu
den vorgesehenen Lohnerhöhungen noch sogenannte Teuerungszuschlage
hinzu, da ihre Verträge Lohngleitklauseln (Anstieg der Lebenshaltungskosten um einen Punkt = Erhöhung der Stundenlöhne um 1 Cent) aufweissen.
Nach einer Schätzung des US-Amtes für Arbeitsstatistik dürften gegenwärtig zwischen 2,5 Millionen und 2,8 Millionen amerikanische Arbeitnehmer von Tarifverträgen mit Lohngleitklauseln erfaßt werden.
(Quelle: Eigenbericht)
* * * * *

-

13

-

�Beträchtliche Zunahme der Lohnnebenleistungen in der US-Wirtschaft
Die Aufwendungen der amerikanischen Wirtschafts- und Industrieunternehmen für die sogenannten freiwilligen Sozialleistungen - die
im Rahmen der Tarifverträge mit den Gewerkschaften ausgehandelten
Beiträge der Unternehmer für Pensionsfonds, Lebens-, Unfall- und
Krankenversicherungen - beliefen sich im Jahre 1959 auf durchschnittlich 328 Dollar pro Arbeitnehmer. Dies geht aus einer Erhebung der
US-Handelskammer hervor, die bei 1064 Kapitalgesellschaften des
Landes durchgeführt wurde.
Im Vergleich zur letzten Untersuchung, im Jahre 1957» ist damit
eine Erhöhung der "fringe benefits" um 15 Prozent (284 Dollar) eingetreten, während gegenüber 1950 sogar eine Zunahme um mehr als das
Doppelte festzustellen ist.
Wie aus der Übersicht weiter hervorgeht, hatten 86 Prozent der
überprüften Unternehmen zusätzliche private Pensionsfonds für ihre
Arbeitnehmer eingerichtet (1957 * 81 Prozent), aus denen diese bei
ihrem Eintritt in den Ruhestand - zusätzlich zu den staatlichen Leistungen aus der Alters- und Hinterbliebenenversicherung - Pensionen
erhalten. Die durchschnittliche Höhe der Beiträge der Unternehmen
an die Pensionsfonds belief sich auf 5 Prozent der Bruttoverdienste;
bei 67 Unternehmen machten die Abgaben sogar 10 Prozent der Gesamtlohnsumme aus.
Außerdem hatten 98 Prozent aller untersuchten Unternehmen (1957 •
97 Prozent) in irgendeiner Form Gruppenversicherungsverträge für ihre
Mitarbeiter abgeschlossen, so u,a. sämtliche Unternehmen der öl-,
Gummi-, Leder-, Metall-, Elektromaschinen-, Steine-, Erden- und
Glasindustrie sowie das Druckereigewerbe, das Verlagswesen, das
Bankgewerbe und das Versicherungswesen.
Private Pensionspläne wiesen dazu sämtliche überprüften Unternehmen def Ölindustrie auf, während von den 123 öffentlichen Versorgungsbetrieben lediglich zwei entweder keinen Pensions- oder keinen Gruppenversicherungsplan für ihre Arbeitnehmer unterhielten.
Bei den 692 Industriebetrieben war das Bild so: 586 Unternehmen
oder 85 Prozent führten ein privates Pensionsprogramm (1957 • 76 Prozent) durch; und 684 Unternehmen oder 99 Prozent hatten irgendeinen
Gruppenversicherungsvertrag (Unfall, Lebens-, Krankenversicherung usw.)
für ihre Mitarbeiter abgeschlossen.
Von den 372 nichtindustriellen Unternehmen unterhielten 328
(88 Prozent) private Pensionspläne (1957 " 84 Prozent) und 357
(96 Prozent) Gruppenversicherungen aller Art.

(Quelle« Eigenbericht)

* * * * *

-

14 -

�Durchschnittseinkommen der Büroangestellten
Wie aus einer im November 196O vom US-Amt für Arbeitsstatistik
im Gebiet der amerikanischen Bundeshauptstadt durchgeführten Erhebung über die durchschnittlichen wöchentlichen Einkommen der Büroangestellten hervorgeht, sind die Angestelltengehälter im Laufe des
vergangenen Jahres im Durchschnitttarn4»2 Prozent angestiegen.
Die Wochenverdienste der weiblichen Büroangestellten in den ein
zelnen Beschäftigungsgruppen betragen gegenwärtig bei:

Sekretärinnen

89,00 Dollar

Stenotypistinnen

80,50 Dollar

Lohnbuchhalterinnen

79»50 Dollar

Lohnbuchhalterinnen
(an Routinearbeitsplätzen)

66,50 Dollar

Helferinnen in der Registratur

54»00 Dollar

Registratorinnen

66,00 Dollar

Bei den männlichen Angestellten wurden folgende durchschnittlic
Wochenverdienste festgestellt:
Buchhalter in verantwortlichen Positionen 97»00 Dollar
Einkäufer
90,50 Dollar
Tabellierer (Klasse B)

85,60 Dollar

Büroboten

55»50 Dollar

Im Vergleich zu den Einkommen der Büroangestellten lagen die
durchschnittlichen Wochenverdienste der amerikanischen Industriearbeiter im Oktober vergangenen Jahres für einen Arbeitnehmer mit
drei Angehörigen bei 81,50 Dollar und für einen Ledigen bei 73»93
Dollar. Hierbei handelt es sich um die Nettoeinkommen.

(Quelle: Eigenbericht)

* * * *

- ^5 -

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
USIS-Bonn/Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XIV - 5

Bad Godesberg, den 1. März 1961
INHALTSVERZEICHNIS

Künftige Organisationsprobleme der US-Gewerkschaften

Seite

1

Gewerkschaftliche Kurznachrichten

Seite

10

Künftige Organisationsprobleme der US-Gewerkschaften
Die Gewerkschaftsbewegung steht in den Vereinigten Staaten vor
einer neuen gewaltigen Aufgabe: die wachsende Zahl der Büroangestellten und vor allem der festangestellten technischen und akademischen
Fachkräfte in die Gewerkschaftsbewegung einzugliedern. Von der Lösung
dieser Aufgabe wird es abhängen, ob die Gewerkschaften auch weiterhin
eine entscheidende Rolle im wirtschaftlichen Leben des Landes spielen
werden oder nicht.
Gegenwärtig beläuft sich der Anteil der Arbeiter an der Gesamtmitgliederzahl der amerikanischen Gewerkschaften auf schätzungsweise 85
Prozent. Wenn sich der Arbeitsmarkt weiterhin gemäß den derzeitigen Tendenzen fortentwickelt, wird sich die Zahl der Arbeitnehmer in den nächsten zehn Jahren um 9 bis 10 Millionen erhöhen. Nur ein relativ kleiner
Teil dieses Zuwachses wird auf die Sparte der Produktionsarbeiter entfallen, die am stärksten an der Mitarbeit in der Gewerkschaftsbewegung
interessiert sind. Gelingt es der Gewerkschaftsbewegung nicht, die wachsende Zahl der Angestellten für die Gewerkschaften zu gewinnen, dann wird
die Gewerkschaftsbewegung eines Tages zu einer Interessenvertretung
einer Minderheit herabsinken.
Die strukturellen Umschichtungen
Im Jahre 1957 hat die Zahl der Angestellten - einschließlich der
Bürobediensteten und technischen und akademischen Fachkräfte - zum ersten
Mal in der Geschichte der USA die Zahl der in der Industrie beschäftigten
Arbeiter übertroffen. Dieser Umschwung vollzog sich größtenteils in den

-

1 -

�den erstenlO Jahren nach Kriegsende, in denen die Zahl der Angestellten von 20 auf 25,5 Millionen stieg, während die Zahl der Arbeiter
lediglich um 1,5 Millionen zunahm und damit 25 Millionen erreichte.
Im gleichen Zeitraum kletterte der Anteil der Angestellten und nicht
in der Produktion stehenden Arbeitskräfte an der Gesamtbeschäftigung
in den Fertigungsindustrien von 16 auf 25 Prozent.
Eine Aufschlüsselung dieser Statistiken gibt noch weitere bemerkenswerte Aufschlüsse. Die Zahl der neu eingestellten Techniker
und Akademiker übertraf die der Büroangestellten bei weitem. In
den Jahren von 1947 °is 1957 war bei den festangestellten Technikern
und Akademikern ein Zuwachs von 60,6 Prozent zu verzeichnen gegenüber
einer Zunahme von nur 22,8 Prozent bei den Büroangestellten.
Diese Zahlen deuten auf eine Entwicklung hin, die sich für die
Gewerkschaftsbewegung eines Tages zu einer großen Gefahr auswachsen
könnte. Sie wird verstärkt durch das Absinken des prozentualen Anteils der Produktionsarbeiter an der Gesamtbeschäftigung in den
wichtigsten Industriezweigen. In der chemischen Industrie beispielsweise verringerte sich der Anteil der Produktionsarbeiter von 74»6 auf
62,5 Prozent. Nach Schätzungen der kanadisch-amerikanischen Internationalen Chemiearbeitergewerkschaft (international Chemieal Workers
Union - ICWU) wird bis zum Jahre 19661 in der chemischen Industrie
auf jeden Produktionsarbeiter ein Angestellter entfallen.
Die auslösenden Faktoren
Das auslösende Moment dieser Entwicklung ist der technische Fortschritt: eine einzige Maschine verrichtet heute Arbeiten, für die früher
zahlreiche Handarbeiter notwendig waren. Die Automatisierung schließlich läßt, auch wenn sie keine Arbeitskräfte verdrängt, die Produktionsarbeiter zu Aufsehern, Wartungskräften und Technikern werden.
Professor Fred Harbison von der Universität Princeton erklärte
vor einem Seminar zu Problemen der Kollektiwerhandlungen bei Technikern und akademischen Fachkräften, das von der Abteilung Industriegewerkschaften der AFL-CIO durchgeführt worden ist» "Das Tempo des
technischen Fortschritts bestimmt das Tempo der Umschichtung in der
Beschäftigungsstruktur... von der Arbeit im blauen Kittel bis zur Angestelltentätigkeit."
Erweist sich die Ansicht Harbisons als richtig, dann ist in verschiedenen Industrien mit einer überdurchschnittlichen Zunahme der
akademischen und technischen Angestellten und einem entsprechenden
scharfen Rückgang der Produktionsarbeiter zu rechnen. In dem Maße,
in dem diese Industrien ihren Stab an technischen Mitarbeitern vergrößern und wirkungsvoll einsetzen, werden Arbeiter von ihren bisherigen Arbeitsplätzen verdrängt werden.
Die einzelnen Firmen wetteifern geradezu miteinander, die Technisierung und Automatisierung immer weiter voranzutreiben. Dies hat auf
dem Arbeitsmarkt zu einer so großen Verknappung von Technikern und
Ingenieuren geführt, daß die Angehörigen dieser Berufe hinsichtlich

2

�hinsichtlich Bezahlung und Arbeitsbedingungen heute große Forderungen
stellen können. Die Arbeitsfluktuation ist in diesen Berufssparten
heute entsprechend hoch.
Trotz der für sie so günstigen Beschäftigungslage sind die Angehörigen dieser Berufe mit ihrem Arbeitsplatz und ihrer Firma im
allgemeinen nicht sehr zufrieden, wie eine Untersuchung der Opinion
Research Corporation, eines demoskopischen Instituts, ergab. Die
Wissenschaftler und Techniker behaupten vielfach, die Manager sehen
sämtliche Maßnahmen nur unter dem Gesichtspunkt des Ertrags, suchen
die Mitarbeiter zu beherrschen, vereinfachen alle Dinge zu sehr,
nutzen die Betriebsangehörigen für eigene Zwecke aus, haben meist
nur kurzfristige Ziele im Auge und seien meist ungebildet.
Von den befragten wissenschaftlichen Kräften beschuldigten 78
Prozent die Unternehmensleitung, daß sie ihre Fähigkeiten mißbrauche,
80 Prozent betrachteten sich im Vergleich zu den Angehörigen anderer
Berufssparten als unterbezahlt, 75 Prozent wünschten, dem Unternehmerdruck zu entgehen und "allein für sich zu arbeiten", und 67 Prozent
behaupteten, daß Beziehungen und nicht Können der entscheidende Faktor
für den Aufstieg innerhalb der Manager-Hierarchie seien.
Diese Unzufriedenheit ist Ausdruck des zwangsläufigen Gegensatzes
zwischen wissenschaftlichem und wirtschaftlichem Denken. Die-Opinion
Research Corporation folgerte deshalb in ihrem Bericht: "Das Gewinnstreben des Unternehmertums steht in scharfem Widerspruch zu dem Streben des Wissenschaftlers nach Perfektion."
Der Akademiker findet sich heute in eine Arbeitsumwelt gestellt,
deren "Spielregeln" nahezu alles das negieren, was er in den Jahren
seiner wissenschaftlichen Schulung gelernt hat.
Zunehmende Abhängigkeit der Wissenschaftler
Um die Jahrhundertwende erwarb der angehende Wissenschaftler sein
akademisches Diplom, wählte sich ein Fachgebiet, begann mit eigenen
Forschungsarbeiten und publizierte deren Ergebnisse - ohne Anweisungen
anderer zu unterliegen. Im Jahre 1900 waren schätzungsweise 95 Prozent
aller Ingenieure und Chemiker Selbständige.
Heute dagegen sind nur noch 5 Prozent von ihmen freiberuflich
tätig; die übrigen sind gezwungen, ihre wissenschaftliche Tätigkeit
den nicht-wissenschaftlichen Forderungen einer Unternehmensleitung
unterzuordnen. Wenn der Akademiker auch den Wunsch des Unternehmers,
zu verdienen und zu verkaufen, als gegeben in Rechnung stellt, so bedeutet dies noch lange nicht, daß er ihn restlos billigt. Die Umfrage
der Opinion Research Corporation ergab, daß noch nicht einmal die Hälfte
der befragten akademisch geschulten Fachkräfte finanziellen Gewinn als
ein wesentliches Ziel ansehen.
Sie bezeichneten unzulängliche Geldmittel, Zeitpläne und das ständige
Drängen auf rasch sichtbare Erfolge als ein Hindernis in ihrer Forschungstätigkeit. 80 Prozent der Befragten erklärten, daß die Unternehmenslei*
tungen neuen, in den Laboratorien entwickelten Ideen häufig nicht die
-

3 -

�die gebührende. Unterstützung angedeihen lassen. Wie ein Wissenschaftler es ausdrückte: "Ich habe noch keinen Manager getroffen,
der fähig wäre, eine abstrakte Idee zu erfassen."
Die in der Industrie beschäftigten Wissenschaftler beklagen sich
ferner über ungenügende Aufstiegsmöglichkeiten und zu geringes Ansehen
innerhalb der Gemeinschaft, sofern sie nicht die Tätigkeit in den
Laboratorien aufgeben und selbst in die Verwaltung eintreten.
Für wissenschaftlich geschulte Kräfte wie Ingenieure und Chemiker
ist dies natürlich eine völlig unbefriedigende Situation. Der Wissenschaftler ist überzeugt - und nach außen hin wird er in seiner Auffassung sogar durch das Management bestärkt -, daß seine Arbeit für
das Gedeihen der Firma von ausschlaggebender Bedeutung ist. Dennoch
sieht diese in ihm nur den Angestellten, während die Führungskräfte
in der Verwaltung das gleiche Ansehen wie die Unternehmer selbst genießen.
Einstellung auf die einzelnen Gruppen
Will die Gewerkschaftsbewegung den Wissenschaftlern bei der Lösung
ihrer Probleme innerhalb der Gesellschaft helfen, dann muß sie nicht nur
ihre Bedürfnisse kennen, sondern auch deren tiefere Ursachen.
Die wissenschaftlichen und technischen Angestellten moderner
Großbetriebe können, grob gesehen, in drei Gruppen unterteilt werden,
die es getrennt zu analysieren gilt, da sie sich in ihren Zielsetzungen
wesentlich voneinander unterscheiden.
An der Spitze stehen die mit Forschungsaufgaben beschäftigten
Wissenschaftler* Es handelt sich fast durchweg um Vollakademiker mit
dem Doktorgrad, Intellektuelle, die gewöhnlich ganz in ihrer Wissenschaft aufgehen und sich am wohlsten fühlen, wenn ihnen in ihrer Tätigkeit die an akademischen Instituten gegebene Freiheit gewährt wird.
Das Gewinnstreben der Unternehmer ist dem Wissenschaftler ein Dorn im
Auge, die Weisungsbefugnis nicht wissenschaftlich geschulter Verwaltungskräfte empfindet er als lästigen Zwang.
Auf gleicher Ebene mit dem "reinen" Forscher steht der mehr betrieblich orientierte Wissenschaftler. Auch er ist Vollakademiker mit Doktordiplom, hat aber den Ehrgeiz, innerhalb der Hierarchie des Unternehmens
aufzusteigen. Er ist bereit, die Forschung aufzugeben und dafür Verwaltungsaufgaben zu übernehmen aus der Überzeugung heraus, daß im Management
wissenschaftlich geschulte Spitzenkräfte sitzen sollten.
Nur wenig unterhalb der eindeutig forschungs- bzw. betriebsorientierten Wissenschaftler rangieren jene akademischen Mitarbeiter, die man
als die "Zwischenschicht" bezeichnen könnte. Die Angehörigen dieser
Schicht haben die gleichen Qualifikationen, fühlen sich aber weder als
Wissenschaftler noch als Manager. Ihnen geht es vor allem um volle berufliche Anerkennung,
Klar

�Klar geschieden von den Vollakademikern mit Doktorgrad und eine
Stufe unter diesen stehend sind die Kräfte mit geringerer akademischer
Vorbildung, die mit dem Bachelor-Grad abgeschlossen haben. Auch hier
lassen sich ähnliche Kategorien bilden, wobei allerdings der größere
Teil dieser Angestellten der "Zwischenschicht" zuzuordnen ist; der Rest
dürfte mehr betriebs- als forschungsorientiert sein.
Die Soziologen behaupten, daß die der "Zwischenschicht" zugehörigen
Inhaber von Bachelor-Graden imch in ihrem Streben nach Erfolg im Beruf
im allgemeinen unbefriedigt fühlen. Sie begründen dies mit der mangelnden Anerkennung durch die übrigen Akademiker, dem Ausschluß von der Mitwirkung an den wichtigen Entscheidungen durch das Management, der Einschätzung als Angestellte durch die Gemeinschaft und dem Gefühl, nicht
an wirklich schwierige Aufgaben herangelassen zu werden, was einen
Ausgleich zur täglichen Routine bringen könnte.
Auf der untersten Stufenleiter des Ansehens - und der Beaahlung stehen die Techniker. Gerade diese Gruppe aber verzeichnet den stärksten
Zuwachs in der Gesamtbeschäftigung. Ihre Angehörigen sind strenggenommen
keine akademischen Fachkräfte, da ihnen hierzu die bildungsmäßigen Voraussetzungen fehlen. Der Techniker beneidet den Akademiker, ist aber vielfach auf dessen Rat angewiesen. Daß er mit dem Vollakademiker nicht auf
die gleiche Stufe gestellt wird,.ist für ihn ein Quell ständigen Ärgers. Die fehlende akademische Vorbildung erweist sich als ein Hemmschuh
im beruflichen Fortkommen, und sowohl das Management als auch die von
ihm bewunderten Akademiker schätzen den Techniker als einen Mitarbeiter
ein, der sich nur innerhalb eng gezogener Grenzen weiterentwickeln kann.
Die akademischen und technischen Angestellten erheben niccht nur grundlegende
Einwände gegen das Management sondern auch gegen die Gewerkschaftsbewegung. Schon der Gedanke an ein kollektives Vorgehen verstößt gegen
ihren Glauben an die Fähigkeit, aus eigener Kraft aufsteigen und mit
persönlichen Problemen selbst fertig werden zu können. Die meisten Akademiker haben keinerlei enge Kontakte zur Gewerkschaftsbewegung und
kennen sie lediglich aus den Tageszeitungen oder vom Betrieb her.
Angst vor der Gewerkschaft
Im Jahre 1951 führte die Staatsuniversität Michigan eine Befragung
unter Angehörigen der Ingenieurberufe durch, die ergab, daß 55 Prozent
die Macht der Gewerkschaften mehr fürchten als die der Industriekonzerne.
Heute, ein rundes Jahrzehnt später, ist mit gutem Grund.anzunehmen, daß
die Akademiker noch weit mehr Ressentiments gegen die Gewerkschaften
haben. Die Gewerkschaften werden demnach alle Mühe haben, Wissenschaftler und Techniker von der Zweckmäßigkeit der Mitarbeit in der Gewerkschaftsbewegung zu überzeugen. Soziologen wie S. M. Miller vom Brooklyn
College halten diese Aufgabe aber dennoch für lösbar.
In einem Vortrag vor den Teilnehmern des vorerwähnten Seminars
der Abteilung Industriegewerkschaften der AFL-CIO erklärte Miller:
Das Interesse der festangestellten Akademiker an der Gewerkschaftsbewegung wird in dem Maße zunehmen, wie sich ihre Arbeitsbedingungen
immer mehr denen der Arbeiterschaft nähern. Die fissenschaftliche Arbeit

-

5 -

�Arbeit in den großen Industriebetrieben, so führte er aus, wird der
Fließbandarbeit immer ähnlicher, bei der alle Funktionen vielfach
unterteilt werden und selbständiges und schöpferisches Arbeiten
kaum mehr möglich ist.
Miller nannte noch einen weiteren Grund der Unzufriedenheit der
Akademiker mit dem Management: Sie verwahren sich dagegen, daß wissenschaftlich nicht geschulte Vorgesetzte mit lediglich betriebswirtschaftlichen Kenntnissen die Arbeitsbedingungen festsetzen und sämtliche Entscheidungsbefugnisse für sich in Anspruch nehmen.
Trifft die vorstehend genannte Gruppeneinteilung der Akademiker
und Techniker zu, so folgt daraus, daß die Techniker am ehesten für
eine Mitarbeit in den Gewerkschaften zu gewinnen sein werden. Da die
Angehörigen dieser Berufe keine echte Chance zum Aufstieg in die Unternehmensleitung haben,auch von den Wissenschaftlern mit vollem akademischem Abschluß nicht voll anerkannt werden, finden sie sich in
einer Lage, die weitgehend der der Arbeiter gleichkommt. Und was
vielleicht noch wichtiger ist, man kann damit rechnen, daß der Techniker
schon gewisse Beziehungen zur Gewerkschaftsbewegung hat - sei es über
Familienangehörige, Berufskollegen oder sonstige Freunde.
Die Ähnlichkeit der Tätigkeits- und Arbeitsplatzcharakteristika
sowie der Arbeitsbedingungen im engeren Sinne läßt es im Verein mit
den bestehenden persönlichen Beziehungen zu Produktionsarbeitern ferner
wahrscheinlich werden, daß die Produktionstechniker eher für die Gewerkschaftsbewegung zu gewinnen sind als die Forschungs- und Entwicklungstechniker, die mehr Umgang mit Akademikern und Wissenschaftlern
pflegen.
Die Gewerkschaften müssen aber streng zwischen dem Streben der
Angehörigen der akademischen Angestelltenberufe nach sozialem Prestige
und dem traditionellen Streben der Arbeiter nach Würde und Anerkennung
unterscheiden. Wenn auch beide eine bessere Stellung innerhalb der Gesellschaft zu erlangen suchen, so ist der Produktionsarbeiter vielleicht
doch eher bereit, die Achtung als Mensch einer besseren Bezahlung zu
opfern.
Der Wissenschaftler andererseits erstrebt persönliche Anerkennung
als tüchtiger Mensch: die Anerkennung durch andere Wissenschaftler, professionelles Ansehen, wie er es durch die PuTalizierung seiner Forschungsergebnisse in wissenschaftlichen Fachzeitschriften gewinnen kann.
Die Erfahrungen der amerikanischen Gewerkschaften, die sich bisher
um die Organisierung von Akademikern, meist Ingenieuren» und Technikern
bemüht haben, sind ein Beweis dafür, daß die Gewerkschaftsbewegung den
Erfordernissen und Befürfnissen dieser Kreise durchaus gerecht zu werden
vermag. Wo sich diese Bedürfnisse von denen der übrigen Berufstätigen
unterscheiden, wurden entsprechende Sonderbedingungen in. die Tarifverträge eingebaut. Die betreffenden Gewerkschaften haben ihre innere Struktur weitgehend verändert, um diesen neuen Mitgliedern und ihren Wünschen
entgegenzukommen.
Berücksichtigung

- 6 -

�Berücksichtigung der Wünsche
Die für das Seminar ausgearbeiteten Modell-Tarifverträge
für Akademiker und Techniker zeigen, daß viele der üblichen Klauseln
hier als unangebracht aufgegeben oder in ihrem Inhalt drastisch
verändert werden sollten.
Die Bestimmung "gleicher Lohn für gleiche Arbeit", die sich
in fast sämtlichen Kontrakten für Arbeiter und Wartungspersonal
findet, wird beispielsweise von den Akademikern und Technikern nicht
gewünscht; für sie sind Bildungsgang und Tüchtigkeit ein weit wichtigeres Kriterium für die Bezahlung. Was eigentlich "gleiche Arbeit"
ist, läßt sich noch dazu kaum bestimmen, wenn die zu.leistende Arbeit wie die des Wissenschaftlers - keine "greifbaren" Ergebnisse liefert.
Aus ähnlichen Erwägungen heraus erfordert auch die Anciennitätsklausel bei Akademikern und Technikern eine Neufassung. Die
Anciennität wird im Falle notwendig werdender Entlassungen als ein
gewichtiges Moment anerkannt, nicht aber in der Frage des Aufrückens.
Auch hier werden Bildungsgang und Fähigkeiten mit Erfahrung auf die
gleiche Stufe gestellt.
Die Gewerkschaften haben ferner die Erfahrung gemacht, daß die
Durchführung von Tarifverträgen für akademische und technische Angestellte andere Methoden erfordert. Besonders erhebliche Unterschiede
ergeben sich hinsichtlich des Beschwerdeweges. Wissenschaftler und Techniker rufen nach den Erfahrungen der Gewerkschaften nur ungern einen
Schlichtungsausschuß an, da sie im allgemeinen ein kollektives Vorgehen
nicht als die geeignete Methode zur Lösung persönlicher Probleme ansehen. Für sie ist das Schlichtungsverfahren weit eher ein Mittel,
betriebliche Grundsatzentscheidungen anzufechten,, insbesondere Entscheidungen, -die von ihnen übergeordneten Nichtakademikem in der Verwaltung getroffen worden sind.
Soweit sich Akademiker und Techniker des Verfahrens zur Schlichtung von Arbeitsstreitigkeiten bedienen, um mit der Unternehmensleitung
zu verhandeln, wünschen sie auch ihre Stimme in der Gewerkschaftsleitung zur Geltung zu bringen. Diejenigen Industriegewerkschaften,
die akademische und technische Angestellte zu ihren Mitgliedern zählen und hierzu gehören die Vereinigte Automobilarbeitergewerkschaft
(United Automobile, Aircraft and Agricultural Implement Workers of
America - UAW), die kanadisch-amerikanische, amerikanisch-kanadische
Elektrikergewerkschaft (international Union of Electrical, Radio and
Machine Workers - IUE) und die Vereinigte Stahlarbeitergewerkschaft
(United Steelworkers of America) -»haben für diese eigene Abteilungen
und Beratungsausschüsse eingerichtet. Diese gesonderten Abteilungen
innerhalb der Industriegewerkschaften gestatten es den wissenschaftliche
Mitgliedern, eigene Vertreter zu benennen und einen eigenen Kurs für
die Lösung ihrer spezifischen Probleme festzusetzen, die die übrigen
Gewerkschaftsmitglieder nicht betreffen.
Gewerkschaften

�Gewerkschaften müssen neue Wege beschreiten
Ein weiterer Schritt, die Akademiker und Techniker für die
Gewerkschaften zu gewinnen, ist die Bildung von Berufsgruppen. Diesen Weg ging beispielsweise die AFL-CIO-Gewerkschaft der Verfahrensingenieure (Pederation of Technical Engineers), die damit dem Beispiel mehrerer ausländischer Gewerkschaften technisch-wissenschaft-.
licher Angestellter und einzelner unabhängiger amerikanischer Gewerkschaften folgte.
Wenn die amerikanischen Gewerkschaften demnach ihre Mitgliederwerbung unter diesen Angestellten verstärken wollen, so müssen sie
neue Wege gehen. Obwohl sich auch bisher schon vereinzelt Verbände
von Wissenschaftlern und Technikern für eine Mitarbeit in den Gewerkschaften ausgesprochen haben, sind doch im großen und ganzen alle bisherigen Bemühungen zur Gewinnung neuer Mitglieder aus diesen Kreisen
gescheitert. Eines ist offenkundig: Eine Zauberformel gibt es»wie bei
allen Aktionen zur Mitgliederwerbung auch hier nicht. Die Akademiker
und Techniker der einen Firma werden andere Probleme haben, als die
einer anderen, und selbst wenn ihre Probleme die gleichen sind, werden sie doch gelegentlich eine unterschiedliche Lösung anstreben.
Um diese Probleme von Fall zu Fall lösen zu können, müssen die
Gewerkschaften in ihrem Vorgehen flexibler werden. Standardlösungen,
die den Ansprüchen der Arbeiter genügen, bedürfen der Überprüfung und
sind in gewissen Fällen überhaupt unbrauchbar. Neue Lösungen werden
verschiedentlich Änderungen der traditionellen Gewerkschaftspolitik
oder Ausnahmeregelungen notwendig machen.
Die Gewerkschaften sollten sich auch in der Mitgliederwerbung
neuer Methoden bedienen. Die gewerkschaftlichen Publikationen müssen
beispielsweise mehr auf die in logischem Denken geschulten Akademiker
zugeschnitten werden, die es gewohnt sind, sich streng an Hand erwiesener Tatsachen zu orientieren. Der Appell an gefühlsmäßige Momente, der
für viele von den Gewerkschaften verteilte Handzettel typisch ist, verfängt wenig bei Menschen, die systematisch dazu erzogen worden sind,
sich in ihren Reaktionen nicht vom Gefühl leiten zu lassen.
Die Gewerkschaften werden größte Sorgfalt auf die Auswahl der
Funktionäre verwenden müssen, die sie mit der Durchführung von Werbekampagnen unter den akademischen und technischen Angestellten betrauen
wollen. Der Wissenschaftler, der sich gegen die Festsetzung der Unternehmenspolitik durch Nichtakademiker in der Verwaltung wehrt, wird mit
Sicherheit auch jede Mitgliederwerbung ablehnen, die von Gewerkschaftern ohne wissenschaftliche und technische Schulung an ihn herangetragen wird.
Die Gewerkschaften werden diese Angestellten ferner so akzeptieren
müssen, wie sie sind. Akademiker und Techniker sind natürlich auch nur
Menschen,und ihre Aspirationen unterscheiden sich im Grunde nicht von
denen der Arbeiter; dennoch können sie nicht unterschiedslos mit allen
übrigen Beschäftigten gleichgesetzt werden. Auf Grund ihrer Herkunft,
ihrer Lebensumstände und ihrer Schulung haben sie gewisse spezifische
Bedürfnisse - Bedürfnisse, denen die organisierte Arbeiterbewegung

8

-

�Arbeiterbewegung Rechnung tragen muß, wenn sie diese Menschen für
den Gewerkschaftsgedanken gewinnen will. Ihn«unter der wachsenden
Zahl der akademischen und technischen Angestellten zu popularisieren,
ist sicherlich keine leichte Aufgabe. Sie ist aber durchaus lösbar,
denn die Gewerkschaftsbewegung hat zwei gewichtige Pluspunkte auf
ihrer Seite«
Erstens: In dem gleichen Maße, in dem der Anteil dieser Angestellten an der Gesamtbeschäftigung steigt, werden ihre Gehälter mit
Sicherheit von ihrem Arbeitgeber als ein Element der variablen Arbeitskosten angesehen werden. Folgt das Management erst einmal dieser
Praxis auch im Falle der wissenschaftlichen und technischen Mitarbeiter, dann bringt dies für diese zwangsläufig wirtschaftliche
Einbußen mit sich.
Zweitens: Die Gruppenbildung nach sozialen und wirtschaftlichen
Gesichtspunkten ist geradezu ein Charakteristikum der modernen Gesellschaft geworden. Ohne einen Zusammenschluß in der einen oder
anderen Form werden die akademischen und technischen Angestellten
in einer in raschem Wandel befindlichen Umwelt schütz- und führungslos
sein.
Die amerikanischen Gewerkschaften haben die Notwendigkeit, die
Angehörigen der akademischen und technischen Berufe zu erfassen, klar
erkannt - aus Eigeninteresse und aus ethischen Erwägungen heraus. Sie
wenden deshalb diesen Fragen in Zukunft ihre verstärkte Aufmerksamkeit
zu. Sie sind entschlossen, für den Erfolg zu arbeiten. Die Aufgabe,
die den Gewerkschaften aus der Zunahme der Zahl der nichtorganisierten
hochqualifizierten Angestellten erwächst, ist noch längst nicht bewältigt; man hat sie aber - endlich - in ihrem gesamten Ausmaß erkannt.

Aus "I.U.D. Digest" mit Genehmigung
des Industrial Union Department,
AFL-CIO.

* * * * *

- 9 -

�Zunehmende Bedeutung der privaten Krankenversicherungspläne
Als eine der bedeutendsten Entwicklungen auf dem Gebiet des
Tarifverhandlungswesens in den Vereinigten Staaten ist die beträchtliche Zunahme der privaten Wohlfahrtsfonds und Sozialprogramme während
der letzten Jahre anzusehen. Neben den zwischen Gewerkschaften und
Unternehmen ausgehandelten Pensionsplänen sind es dabei in erster
Linie die privaten Krankenversicherungsprogramme, die in jüngster
Zeit immer mehr an Bedeutung gewonnen haben.
Auf Grund einer Untersuchung des US-Arbeitsministeriums über Art
und Inhalt der in den vergangenen Jahren neu abgeschlossenen oder
revidierten Krankenversicherungspläne sind dabei folgende wichtige
Trends festzustellen gewesen»
1. Die Krankenversicherungspläne wurden weiter liberalisiert und
auf neue Leistungsarten, insbesondere auf die Krankenversorgungsleistungen im Hause, ausgedehnt.
2. Die Leistungssätze der Versicherungspläne, die im Krankheitsfall eine Barabfindung vorsehen, wurden erhöht, die reinen
Krankendienstleistungsplane verbessert;
3- Das Verhältnis zwischen den Barleistungs- und Dienstleistungsplänen hat sich zugunsten der letzteren verschoben.
4. Die Beiträge zu den Krankenversicherungsplänen werden in einem
immer größeren Maße von den Unternehmern allein getragen. Rund
zwei Drittel aller überprüften Pläne wurden ausschließlich durch
die Arbeitgeber finanziert.
5» Die Zahl der Krankenversicherungspläne, die auch nach der Pensionierung des Arbeitnehmers den Leistungsanspruch sowohl für
ihn als auch für seine Familie aufrechterhalten, hat sich ebenfalls stark erhöht.
6. Der Versicherungsschutz erstreckt sich heute bei fast allen
Krankenversicherungsplänen sowohl auf den Arbeitnehmer selbst
als auch auf seine Familienmitglieder.
7« Der Versicherungsschutz für entlassene Arbeitnehmer wurde erweitert. Während bisher die Krankenversicherung nach Ablauf
eines Monats erlosch, bleibt die Deckung heute allgemein noch
für einen längeren Zeitraum bestehen.
8. Zahlreiche Einschränkungen der Leistungsansprüche wurden beseitigt oder modifiziert; die Wartezeiten wurden durchweg aufgehoben.
(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

-

10 -

�US-Arbeitsministerium gab neues "American Workers1 Fact Book" heraus
Das US-Arbeitsministerium hat kürzlich das neue "American Workers'
Fact Book" 196O herausgegeben, das einen umfassenden Überblick über
die Entwicklungen auf allen Gebieten der Wirtschaft während der
letzten Jahre gibt.
Hier einige der interessantesten Angaben:
Der Realwert der erzeugten Güter und Dienstleistungen (Bruttosozialprodukt) hat sich in den Vereinigten Staaten zwischen 1947 und 1958
jährlich um durchschnittlich 5 Prozent erhöht. Im gleichen Zeitraum
stieg die durchschnittliche Produktionsleistung pro Arbeitsstunde
in der Privatindustrie um 43 Prozent an.
Der Anteil der Einkommen der unselbständigen Arbeitnehmer am gesamten Volkseinkommen betrug im Jahre 1959 rund 70 Prozent. Würde man
das Nettopersonaleinkommen (nach Abzug der Steuern) auf die Gesamtbevölkerungszahl umlegen, so ergäbe sich dabei ein durchschnittlicher
Anteil pro Kopf der Bevölkerung von 1891 Dollar. Unter Zugrundelegung
eines realen Dollarwertes wäre dies eine um 22 Prozent höhere Summe
als 1949.
Der durchschnittliche Wochenverdienst des amerikanischen Industriearbeiters ist in den vergangenen zehn Jahren so stark angestiegen, daß
die reale Kaufkraft im Jahre 1958 rund 22 Prozent größer war als 1948.
Gleichzeitig jedoch hat sich auch die durchschnittliche Länge der Arbeitswoche in diesem Zeitraum wesentlich verringert.
Die Zahl der gewerkschaftlich organisierten Arbeitnehmer ist in
der Nachkriegszeit ganz beträchtlich angestiegen. Während vor dem
Kriege lediglich 3 Millionen Amerikaner einer Gewerkschaft angehörten,
sind es heute etwa 18 Millionen.
Von der Gesamtzahl der gegenwärtig verfügbaren Arbeitskräfte
(Gesamtpotential = 71,2 Millionen) sind 42,2 Millionen im Rahmen
der staatlichen Sozialversicherung gegen Erwerbslosigkeit und für das
Alter versichert.
(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

Neue Ernennungen im US-Arbeitsministerium
Nach der Ernennung Dr. Arthur J. Goldbergs zum neuen US-Arbeitsminister hat Präsident Kennedy kurz vor seiner Amtsübernahme auch die
Besetzung anderer wichtiger Posten im US-Arbeitsministerium bekanntgegeben.
Zu

11

�Zu neuen Unterstaatssekretären wurden dabei James J. Reyno-lds
und Jerry R. Holleman nominiert, während das Amt für Frauenfragen
von Esther Peterson, das Sekretariat für auswärtige Angelegenheiten
von George L. Weaver und das Sekretariat für Rechtsfragen von Charles
Donahue übernommen werden wird.
James J. Reynolds (54)» der von Beruf Betriebsberater ist, war
bisher Vizepräsident der "Alcoa Products, Inc.". Schon zwischen 1946
und 1952 gehörte er dem "National Labor Relations Board" an.
Jerry R. Holleman (41) war bisher Vorsitzender der AFL-CIO im
Bundesstaat Texas; ehemals Elektriker, begann er seine Gewerkschaftskarriere in der "International Brotherhood of Electrical Workers".
Esther Peterson (54) gehörte bisher dem Industriedepartement der
AFL-CIO als Vertreterin für Rechtsfragen an. Bevor sie in die Gewerkschaftsbewegung eintrat, war sie Lehrerin. Sie studierte an der BrighamYoung-Universität und der Columbia-Universität. Zwischen 1945 und 1948
war sie Vertreterin der "Amalgamated Clothing Workers" für Rechtsfragen
in Washington sowie Mitglied des Beratungsausschusses im Amt für Frauenfragen.
George L. Weaver (48) war bisher Assistent des Präsidenten der
Elektrikergewerkschaft (IUE). Er hat an verschiedenen Tagungen internationaler Gewerkschaftsverbände teilgenommen und war drei Jahre lang
als Vertreter des Internationalen Bundes freier Gewerkschaften und der
AFL-CIO in Asien tätig. Weaver ist Farbiger.
Charles Donahue (48) ist von Beruf Rechtsanwalt und war von 1953
an Forschungsdirektor der Installateurgewerkschaft.
(Quelle: Eigenbericht)
* * * * *

Kongreßbibliothek erhielt Kopien der "America-At-Work"-Filmserie
Der Schatzmeister der AFL-CIO, William F. Schnitzler, hat der
Kongreßbibliothek in Washington kürzlich die erste Serie der 52 Fernsehfilme "America at Work" als Geschenk der amerikanischen Gewerkschaften überreicht.
Schnitzler sprach bei der Übergabe die Hoffnung aus, daß diese
Dokumentarfilme dazu dienen möchten, künftige Generationen mit jenen
Handwerksberufen und Arbeitstechniken vertraut zu machen, die heute
in Gefahr seien, durch die großen technologischen Veränderungen und
die Ausbreitung der Automation verlorenzugehen.
L. Quincy

-

12

-

�L. Quincy Mumford, der das Gaschenk der APL-CIO im Namen der
Kongreßbibliothek entgegennahm, wies in seiner kurzen Ansprache
darauf hin, daß viele Pionierwerke der Filmindustrie vielfach deshalb
verlorengegangen seien, weil man ihren historischen Wert zu spät
erkannte.
Die "Amerika-bei-d«r-Arbeit"-Filme wurden bisher über 161 amerikanische und 28 ausländische Fernsehstationen ausgestrahlt. Außerdem
wurden die Begleittexte in zahlreiche andere Sprachen übersetzt.
Jeder dieser 52 Filme der ersten Serie behandelt jeweils einen
handwerklichen oder industriellen Beruf, wobei die Aufnahmen direkt an
den Arbeitsplätzen gemacht werden, um so den Zuschauern einen genauen
Einblick in die handwerklichen Fähigkeiten der Arbeiter und in die
Arbeitsweise moderner Maschinen.zu geben.
Das im Januar 1959 angelaufene Projekt, das in diesem Jahr mit
einer weiteren Serie von 52 Filmen fortgesetzt werden soll, brachte u.a.
Filme über die Arbeit in der Zigarren-, Automobil-, Schiffsbau-, Schuh-,
Textil- und Bekleidungsindustrie sowie über die Tätigkeit der Glasbläser, Zeitungsdrucker und Buchbinder.

(Quelle: Eigenbericht)

# * * *

•

Ausweitung und Verbesserung der Gewerkschaftspresse
Zur Förderung der Bemühungen um eine Ausweitung und Verbesserung
der Gewerkschaftspresse hat der Verband der Redakteure von Gewerkschaftspublikationen (international Labor Press Association) auf seiner letzten
Tagung in Detroit eine Neugestaltung der Beitragssätze beschlossen, um
auf diese Weise das Einkommen des Verbandes zu verdoppeln.
Diese in einen besonderen Fonds fließenden Mittel sollen insbesondere für die Unterstützung der Ortsvereine bei der Neuherausgabe von
Gewerkschaftszeitungen und -Zeitschriften sowie für die Verbesserung
bereits bestehender Publikationen verwendet werden. Außerdem will man
einen anderen Teil der erhöhten Beiträge für die Abhaltung von Spezialkursen und Erziehungsprogrammen von Redakteuren und Mitarbeitern einsetzen, um sich auch von dieser Seite her darum zu bemühen, das Niveau
der Gewerkschaftspresse zu heben«
(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

�Regelungen über die Bezahlung von Arbeitspausen in US-Tarifverträgen
Abmachungen über die Bezahlung bestimmter Arbeitspausen während
der täglichen Normalarbeitszeit waren im Jahre 1959 in rund einem
Viertel aller Tarifverträge in den Vereinigten Staaten enthalten,
wie aus einer Analyse von 1700 bedeutenden Tarifverträgen hervorgeht,
die vom US-Amt für Arbeitsstatistik durchgeführt wurde.
Nach dieser Übersicht enthielten rund zwei Drittel aller Abkommen mit Arbeitspausenklausel derartige meist als "Erholungszeit",
"Kaffeepause" oder "Zigarettenpause" bezeichnete Vergünstigungen
für sämtliche Arbeitnehmer, während sich in den restlichen Abkommen
diese Vergünstigungen nur auf bestimmte Gruppen von Arbeitnehmern,
insbesondere Frauen, bezogen. Allgemein wurden täglich zwei derartige
Arbeitspausen gewährt.
Zu denjenigen Industriezweigen, in denen bezahlte Arbeitspausen
am häufigsten anzutreffen waren, gehörten die Nahrungsmittel-, Elektromaschinen- und Waggonbauindustrie sowie die Unternehmen des Fernmeldewesens und des Einzelhandels.

(Quelle: Eigenbericht)
* * * * *

Gewerkschaften unterstützen Bau von Pensionen für Rentner
Das sogenannte "Four-Freedoms-Hotels"-Projekt - ein von 20
amerikanischen Gewerkschaften entwickeltes Programm zum Bau von auf
gemeinnütziger Basis arbeitenden Hotels in allen Teilen des Landes hat mit der Eröffnung der ersten, an der Küste des Atlantiks in Miami
Beach gelegenen Hotelpension sichtbare Gestalt angenommen.
Wie der Leiter dieses Projekts, der 1. Vorsitzende der "American
Radio Association", William R. Steinberg, hierzu auf einer Pressekonferenz erklärte, haben die in diesem Unternehmen zusammengeschlossenen
Gewerkschaften schon seit langem die Überzeugung vertreten, daß über
die Pensionspläne hinaus noch etwas Entscheidendes für die im Ruhestand
lebenden Arbeitnehmer getan werden müsse. Aus diesem Grunde hätten sich
die betreffenden Gewerkschaften zu diesem Projekt zusammengeschlossen
und ihre Mittel zum Bau der Pensionen eingesetzt.
Alle "Four-Freedoms"-Hotels werden so eingerichtet sein, daß sie
pensionierten Arbeitnehmern einen dauernden Aufenthalt bei geringen
Kosten ermöglichen. Die Zimmer wurden von vornherein so angelegt,
daß sie den besonderen Bedürfnissen älterer Leute entsprechen. So erhielten sie u.a. rutschfeste Belage, Sicherheitsgriffe in den Badezimmern und besondere Fensterkonstruktionen, die ein leichtes Öffnen
und Schließen ermöglichen.
Neben

-

14

-

�Neben den Wohnräumen werden die einzelnen Pensionen auch noch
Gemeinschafts- sowie Werkräume enthalten, in denen die alten Leute
ihren Hobbies nachgehen können. Auch die besonderen Ernährungsbe- •
dürfnisse wurden weitgehend berücksichtigt, denn in der Küche werden
ausgebildete Diätköche beschäftigt werden.

(Qualle: Eigenbericht)
* * * * *

Bekleidungsindustrie billigt "Entlassungsgeldfonds"
Die Unternehmen der Damenoberbekleidungs- und Kinderbekleidungsindustrie haben jetzt einem industrieweiten Plan zugestimmt, der den
Arbeitnehmern dieses Wirtschaftszweiges in Zukunft Unterstützungsleistungen für den Fall sichert, daß ein Arbeitgeber seinen Betrieb schließen muß.
Dieser allgemein als "zusätzlicher Entlassungsgeldfonds" bekanntgewordene Plan geht auf die Gewerkschaft der Damenoberbekleidungsindustrie
(ILGWU) zirück, die den Unternehmern vor einigen Monaten entsprechende
Vorschläge unterbreitet hatte. Insgesamt werden durch den Plan mehr als
450 000 Arbeitnehmer in diesem Wirtschaftszweig erfaßt»
Im einzelnen sieht er die Errichtung eines 10-Millionen-Dollar-Fonds
vor, aus dem später in den vorgesehenen Fällen wöchentliche Unterstützungsbeiträge an entlassene Arbeitnehmer in Höhe von 12,50 bis 25,00 Dollar
für die Dauer von 48 Wochen gezahlt werden sollen. Außerdem erhält jeder
Arbeitnehmer 25 Prozent seiner gesamten Ansprüche in Form eines Entlassungsgeldes ausgezahlt. Der Aufbau des Fonds erfolgt durch finanzielle
Beiträge der Unternehmer, die 1/2 Prozent der Lohnsumme in Zukunft an
den Fonds abführen werden. Gegenwärtig sind es.12 000 Unternehmen, mit
denen die "ILGWU"-Gewerkschaft Tarifverträge abgeschlossen hat.
Den Arbeitnehmern stehen Unterstützungsleistungen aus dem Fonds zu,
wenn ihre Arbeitgeber zwei Jahre lang Beiträge an den Fonds abgeführt
haben. Eine sofortige Anwartschaft auf die vorgesehenen Leistungen haben
bereits die 110 000 Arbeitnehmer, die in Oberbekleidungsbetrieben in 9
Bundesstaaten arbeiten und deren Arbeitgeber schon seit zwei Jahren Beiträge an solche Fonds leisteten, sowie die 290 000 anderen Bekleidungsarbeiter, für die ebenfalls seit 1958 1 Prozent der Lohnsumme an ähnliche
Fonds abgeführt wurde.
(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

-

15

-

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
USIS-Bonn/Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XIV - 4

Bad Godesberg, den 1. April

1961

INHALTSVERZEICHNIS
Art und Umfang der Mehrfachbeschäftigung in USA
Am Arbeitsplatz sicherer als zu Hause
Gewerkschaftliche Kurzmeldungen

Seite 1
Seite 14
Seite 15

Gertruds Bancroft, Mitarbeiterin des Bundesamtes für Arbeitsstatistik
im US-Arbeitsministerium:
Art und Umfang der Mehrfachbeschäftigung in USA
Der Anteil der Arbeitnehmer mit zwei oder mehr Arbeitsplätzen ist
in den Vereinigten Staaten in den letzten Jahren im allgemeinen ziemlich konstant geblieben, ungeachtet wechselnder Perioden der Hochkonjunktur und der Rezession und jahreszeitlich bedingter Schwankungen
in der Gesamtbeschäftigung. Der kürzlich bekanntgewordene Fall einer
Krankenschwester in Washington, die in einem Hospital in der Spätschicht
arbeitet und tagsüber in Schwesterntracht und mit ihrem kleinen Kind an
der Seite ein Taxi chauffiert, ist bemerkenswert, aber doch wohl nicht
typisch. Bei den Postbediensteten dagegen ist der Prozentsatz der Doppelverdiener schon immer relativ hoch, ebenso wie bei Lehrern und bei
Wachmännern, Feuerwehrleuten und Angehörigen ähnlicher Berufe. In manchen Berufen ist es geradezu üblich, für mehr als einen Arbeitgeber tätig zu sein. Das gilt beispielsweise für Bauarbeiter und landwirtschaftliche Arbeitskräfte, die sich mehreren Arbeitgebern verdingen, um auf
eine volle 40-Stunden-Woche zu kommen. Auch im Unterhaltungsgewerbe ist
das Eingehen mehrerer Engagements Brauch. Das bekannteste Beispiel aber
dürften die Tagwerker sein, die eine kleine Farm betreiben und gleichzeitig' einen Arbeitsplatz in der Industrie oder in einem gewerblichen
Betrieb innehaben, auf den sie den größeren Teil ihrejr Zeit verwenden.
Für die Arbeitnehmer, die in einem festen ganztägigen Arbeitsverhältnis stehen und in den Abendstunden oder an Wochenenden für einen anderen Arbeitgeber tätig sind, hat man den Begriff "moonlighters"
(Mondschein- oder Feierabendarbeiter) geprägt. Im allgemeinen glaubt
man, daß es sich dabei um Fabrikarbeiter handelt, die sich auf Grund
-

1 -

�Grund der von ihrer Gewerkschaft ausgehandelten Tarifverträge einer
kurzen Arbeitswoche erfreuen und einen weiteren Job der verlängerten
Freizeit vorziehen. In Wirklichkeit aber waren im Dezember 1959 von
den 3 Millionen Mehrfachbeschäftigten nur 700 000 hauptberuflich
Fabrikarbeiter - das entspricht 4 Prozent aller Fabrikarbeiter. 25
Prozent der "moonlighters" unter den Fabrikarbeitern waren Farmer,
weitere 20 Prozent besaßen einen eigenen, nichtlandwirtschaftlichen
Betrieb als zusätzliche Einnahmequelle. Der Rest bekleidete eine
Zweitstelle im Dienstleistungsgewerbe, im Einzelhandel oder in den
Fertigungsindustrien. Rund 100 000 der "moonlighters" unter den
Fabrikarbeitern waren nebenberuflich wiederum in einem Fertigungsbetrieb beschäftigt.
Die Zahlenangaben für Dezember 1959 sind das Ergebnis einer Untersuchung, die das Statistische Bundesamt im Auftrag des Bundesamtes für Arbeitsstatistik im Rahmen seiner monatlichen Erhebungen
zur Erfassung der Beschäftigung angestellt hat. Derartige Untersuchungen wurden schon mehrfach durchgeführt, um eine Übersicht über
das Ausmaß und die Bedeutung der Doppelbeschäftigung in den USA zu
gewinnen. Erfaßt wurden alle gegen Lohn oder Gehalt Beschäftigten,
die mehr als einem Arbeitgeber dienen oder neben ihrem Beruf als
Selbständige oder Mitarbeiter in einem Familienbetrieb tätig sind.
Eingetretene Veränderungen
Wie eingangs erwähnt, ist der Anteil der Zweitstelleninhaber an
der Gesamtbeschäftigtenzahl ziemlich gleichbleibend. Die jüngste Untersuchung vom Dezember 1959 fiel in die Zeit des Jahreszeitlich bedingten Beschäftigungstiefstandes in der Landwirtschaft und des vorweihnachtlichen Höchststandes in den übrigen Wirtschaftszweigen. Die beiden
vorhergehenden Erhebungen - im Juli 1957 (dem als zyklisch angesehenen
Wendepunkt im Beschäftigungsjähr) und im Juli 1958 (kurz nachdem die
Rezession ihren Tiefpunkt überschritten hatte). Die Mehrfachbeschäfigten
stellten 1957 einen Anteil an der Gesamtbeschäftigtenzahl von 5»3 Prozent,
1958 von 4,8 Prozent und 1959 von 4,5 Prozent. Die Zahl der Arbeitnehmer
mit zwei Stellen in nichtlandwirtschaftlichen Betrieben wurde bei allen
drei Untersuchungen mit rund 2 Millionen (oder 3,5 Prozent der Gesamtzahl) ermittelt»
Tafel

I

Mehrfachbeschäftigte in der Landwirtschaft und in der übrigen Wirtschaft
Dezember 1959
Sämtliche Mehrfachbeschäftigte»
Zahl (in Millionen)
Prozent der Gesamtbeschäftigung
Mehrfachbeschäftigte mit
mindestens einer Stelle in
der Landwirtschaft!
Zahl (in Millionen)
Prozent der hauptberuflich
in der Landwirtschaft
Beschäftigten

Juli 1958

Juli 1957

2,966

3,099

3,570

4,5

4,8

5,3

0,829

1,122

1,414

17,2
_ 2 -

16,7

18,2

�Mehrfachbeschäftigte mit zwei
Arbeitsplätzen in nichtlandwirtschaftlichen Betrieben:
Zahl (in Millionen)
Prozent der hauptberuflich in
nichtlandwirtschaftlichen
Berufen Beschäftigten

Dezember 1959

Juli 1958

Juli 1957

2,137

1,977

2,156

3,5

3,4

3,6

Diese Untersuchungen würden wahrscheinlich größere und aufschlußreichere saisonbedingte oder zyklische Schwankungen in den Ergebnissen aufweisen, wären sie in anderen Monaten vorgenommen worden. Die Tatsache
aber, daß vielfach eine selbständige Tätigkeit als Erst- oder Zweitbeschäftigung angegeben wird, deutet auf eine gewisse Stabilität der Verhältnisse auf diesem Sektor hin. Mindestens 40 Prozent der Mehrfachbeschäftigten betrieben haupt- oder nebenberuflich eine eigene Farm oder
ein eigenes Geschäft oder übten einen freien Beruf aus (siehe Tafel II).
Die Hälfte davon waren Farmer, die gleichzeitig gegen Lohn oder Gehalt
in einem nichtlandwirtschaftlichen Betrieb arbeiteten. Im allgemeinen
werden Arbeitsplätze im Handel und im Dienstleistungsgewerbe als Zweitstellen bevorzugt, wo sich die Schwankungen der letzten Jahre in der
Wirtschaftstätigkeit nicht so stark auf die Beschäftigung ausgewirkt
haben. Auch bei den Selbständigen und Angehörigen der freien Berufe entfällt die Zweitstelle vornehmlich auf das Dienstleistungsgewerbe und die
Staats- und Kommunalverwaltung. In der Vorweihnachtszeit erwartet man
im allgemeinen eine relativ starke Zunahme der Doppelbeschäftigung im
Einzelhandel. Im Dezember 1959 lag jedoch der Anteil der Zweitstellen
im Handel mit rund 14 Prozent praktisch genau so hoch wie im Juli 1957
und 1958. Vielleicht liegt es daran, daß die Werte für 1959 in der Woche
vom 6. zum 12. Dezember ermittelt wurden, zu einem Zeitpunkt also, an
dem die vorübergehende vorweihnachtliche Doppelbeschäftigung ihren Höhepunkt noch nicht erreicht hatte.
7/eitere Hinweise auf die Stabilität auf diesem Beschäftigungssektor
gibt eine Untersuchung des Anteils der Mehrfachbeschäftigung in den einzelnen Wirtschaftszweigen während der drei Berichtsjahre. Außerhalb der
Landwirtschaft lag die Quote der Mehrfachbeschäftigung in folgenden Berufssparten am höchsten: öffentlicher Dienst (Post, Bundesdienst und einzelstaatliche und kommunale Verwaltung); Unterhaltung und Erholung; Erziehungswesen; Baugewerbe; Forst- und Fischereiwesen und Bergbau (siehe Tafel III).
Dabei handelt es sich um Wirtschaftszweige mit hohen und niedrigen Löhnen,
mit hohen und geringen Sozialleistungen. Der hohe Anteil der Mehrfachbeschäftigten (rund 10 Prozent) bei den Postbediensteten dürfte zum Teil
auf die Arbeitszeiteinteilung zurückzuführen sein, fällt doch die Freizeit
vielfach auf Tageszeiten, in denen sich zahlreiche Arbeitsmöglichkeiten
bieten. Die anderen Mehrfachbeschäftigten im öffentlichen Dienst verteilen sich in erster Linie auf das Wach- und Aufsichtspersonal mit entsprechend günstiger Arbeitszeiteinteilung und die Angehörigen akademischer
Berufe, deren besondere Erfahrungen und Fähigkeiten vielfach gefragt sind.
Der

�Tafel

II

Anteil der Selbständigen an der Mehrfachbeschäftigung in den Jahren von
1957 bis 1959. nach Wirtschaftszweigen aufgeschlüsselt

Wirtschaftszweig

Dezember 1959

Juli 1958

Juli 1957

Mehrfachbeschäftigte Selbständige }):
Zahl (in Millionen)
Prozent d. Mehrfachbeschäftigten

1,310
44,2

1,294
41,8

1,499
42,0

Zahl (Millionen)

Selbständige in der Landwirtsch,
Erstbeschäftigung
Zweitbeschäftigung

0,718
0,199
0,519

0,752
0,264
0,488

0,914
0,385
0,529

Selbständige inanderen
Wirtschaftszweigen
Erstbeschäftigung
Zwei tbeschäftigung

0,592

0,542

0,585

0,182
0,410

0,198
0,344

0,237
0,348

Der hohe Anteil der Mehrfachbeschäftigten im Erziehungswesen - er
beträgt 6 bis 7 Prozent - dürfte auf verschiedene Paktoren zurückzuführen
sein: die Gepflogenheit der Lehrer, an mehr als einer Schule zu lehren;
die relativ geringe Wochenstundenzahl; und das Streben nach einem standesgemäßen Lebensstandard.
Verteilung der Mehrfachbeschäftigung auf männliche und weibliche Arbeitnehmer
Die Mehrfachbeschäftigung ist unter den männlichen Arbeitnehmern weiter
verbreitet als unter den weiblichen: im Dezember 1959 waren 5,8 Prozent der
männlichen und 2,0 Prozent der weiblichen Arbeitnehmer als Mehrfachbeschäf*

11

Selbständige mit einem landwirtschaftlichen oder gewerblichen Betrieb
als Zweitbeschäftigung (aber nicht in einem festen Arbeitsverhältnis
gegen Entgelt stehend) wurden nicht als Mehrfachbeschäftigte gezählt.
Unbezahlte Arbeitskräfte in Familienbetrieben wurden gleichfalls nicht
als Mehrfachbeschäftigte gewertet, sofern sie nicht gleichzeitig anderweitig gegen Lohn oder Gehalt beschäftigt waren.

.

4 -

�Tafel III
Mehrfachbeschäftigte in den Jahren 1957-1959. nach Wirtschaftszweigen
ihrer Erstbeschäftigung aufgeschlüsselt

Wirtschaftszweig der
Erstbeschäftigung

Dezember 1959

Juli 1958

Zahl ( in
Prozent
Millionen) der Beschäftigten

Juli 1957

Prozent Prozent
der Be- der BeschäfSchäftigten
tigten

Gesamtwirtschaft

2,966

4,5

4,8

5,3

Landwirtschaft

0,321

6,7

9,5

0,104
0,199

7,7
7,2

15,2
8,1

11,0
12,1
10,7

0,018

2,5

6,9

10,0

2,645
2,451

4,3

4,2

4,6

4,6

4,4

4,7

0,052
0,186
0,718

7,7
5,7
4,3

5,4
6,6
3,9

6,7
5,9
4,3

0,190
0,345

4,4
3,2

4,2
3,9

4,2
3,9

0,690

4,6

3,9

4.6

3,8

3,3

Arbeiter U.Angestellte
Selbständige
Unbezahlte Arbeitskräfte in Familienbetrieben
Übrige Wirtschaft
Arbeiter U.Angestellte
Porst- und Fischereiwesen u. Bergbau
Baugewerbe
Fertigungsindustrien
Transportgewerbe u.
Versorgungsbetriebe
Groß- und Einzelhandel
Dienstleistungsgewerbe
und Geldwirtschaft

Banken,Versicherungen
u. Immobilienhandel
0,098
Beratungs- und Kundendienste
0,050
Private Haushalte
0,054
Persönl.Dienstlei stungen
(auter Haushaltdienste)0,035
Unterhaltungsgewerbe u.
Erholung
0,059
Erziehungswesen
0,229
Akademische Berufe
0,184
0,272
ö f f e n t l i c h e r Dienst
Post
0,078
Andere
0,194
Selbständige
0,182
Unbezahlte Arbeitskräfte
in Familienbetrieben
0,012

4,5
,

4,2
2,1

5,3
1,4

4,7
2,3

2,6

2,4

4,0

7,5
7,0
5,2

10,5
5,9
3,9

9,7
6,1
4,7

8,6
7,6
2,8

7,1
8,5
6,8
3,1

8,4
9,6
8,2
3,7

2,0

2,2

3,9

12,6

�Tafel IV

•

Mehrfachbes chäfti^un« nach Alters gruppen . Geschlecht. Fa milienstand und
Rassenzu&amp;ehörißkeit aufgeschl üsselt

1)

(Stand Dezember 1959)
Gesamtbeschäft igung Mehrfachbeschäft ifirte
Zahl
(Millionen)
rr ü z e ü t
insg. männl. weibl. insg. männl« w e i b l .

Prozent
insg. männl . weibl.

Alterserupper 1
Sämtliche "

65,7

43,9

14-17 Jahre
18-19 Jahre
20-24 Jahre
25-34 Jahre
35-44 Jahre
45-54 Jahre
55-64 Jahre
65 Jahre u.
älter

2,40
2,13
6,06
13,58
15,56
14,06
8,86

1,36
1,13
3,68
9,78
10,51
9,10
6,06

1,03
1,00
2,38
3,79

3,02

2,22

Durchschnitts alter
40,6

21,8

2,9

2,5

0,4

4,5

5,8

2,0

2,79

0,06
0,05
0,22
0,71
0,84
0,63
0,35

0,04
0,03
0,17
0,64
0,71
0,55
0,31

0,02
0,02
0,04
0,07
0,12
0,08
0,04

2,8
2,5
3,6
5,2
5,4
4,5
4,1

3,4
2,7
4,8
6,6
6,8
6,1
5,2

2,0
2,4
1,8
1,9
2,5
1,6
1,5

0,79

0,07

0,05

0,02

2,6

2,3

3,4

-

-

-

5,05
4,96

40,7

40,3

40,2

40,1

39,6

Familienstand L
Sämtliche

65,69

43,87

21,82

2,96

2,53

0,43

4,5

5,8

2,0

Ledig
Verheiratet
Verwitwet u.
getrennt leb.

12,08
46,91

6,91
34,70

5,16
12,20

0,30
2,47

0,19
2,26

0,10
0,21

2,5
5,3

2,9
6,5

2,1
1,8

6,70

2,24

4,45

0,18

0,07

0,11

2,8

3,2

2,6

Sämtliche

65,69

43,87

21,82

2,96

2,53

0,43

4,5

5,8

2,0

Weiss
Farbig

59,07
6,62

39,83
4,03

19,23
2,58

2,68
0,27

2,31
0,21

0,37
0,06

4,6
4,2

5,8
5,3

1,9
2,4

RassenzugehöriÄkeit

1) Wegen Ab- und Aufrundungen addieren sich die Einzelangaben nicht genau zu
den angegebenen Gesamtwerten.

-

6 -

�Mehrfachbeschäftigte gemeldet (siehe Tafel IV). Bei den Männern
stellten die Angehörigen der Altersgruppen von 25 bis 54 Jahren, meist
Familienväter, den größten Anteil (über 6 Prozent) an den Mehrfachbeschäftigten. Bei den Umfragen im Hochsommer 1957 und 1958 ergab sich
ein sehr hoher Prozentsatz bei Jungen unter zwanzig Jahren, nicht
aber bei der Umfrage im Dezember 1959« Offenbar nehmen viele Jungen
in den Ferien mehr als eine Stellung an, während die eigentlichen
Werkstudenten weit weniger Zeit haben und meist einen festen Arbeitsplatz bevorzugen.
Der Prozentsatz der mehrfachbeschäftigten weiblichen Arbeitnehmer
von 2 Prozent im Dezember 1959 trifft für ledige und verheiratete Frauen
gleichermaßen zu. Bei den verheirateten Männern lag der Anteil der Mehrfachbeschäftigten mit 6,5 Prozent fast doppelt so hoch wie bei den unverheirateten.
Merkliche Unterschiede in der anteilmäßigen Verteilung der Mehrfachbeschäftigung zwischen Weißen und Farbigen waren nicht zu verzeichnen.
Sofern sich irgendwelche Abweichungen von den normalen Trends innerhalb
eine» Industriezweiges oder einer Beschäftigungskategorie ergaben, wurden
sie durch die unterschiedliche Aufteilung der weißen und farbigen Arbeitnehmer auf die einzelnen Industriezweige und Beschäftigungsarten wieder
ausgeglichen.
Die Verteilung der Mehrfachbeschäftigung auf die einzelnen Berufsgruppen
Die Angehörigen der akademischen und technischen Berufe rangieren
zusammen mit den Farmern und Landarbeitern hinsichtlich der prozentualen
Mehrfachbeschäftigung an der Spitze, (siehe Tafel V ) . Von den rund
500 000 männlichen Lehrkräften an den Grund- und Oberschulen waren etwa
20 Prozent noch anderweitig berufstätig; bei den weiblichen Lehrkräften
betrug der Anteil der Mehrfachbeschäftigten dagegen nur 2,5 Prozent.
Der Anteil der Mehrfachbeschäftigten unter den Angehörigen der Angestelltenberufe, zu denen hier auch die Postboten, die sonstigen Postbediensteten und die Bürokräfte aller Art gerechnet werden, betrug bei
Männern 7»9 Prozent, bei Frauen dagegen nur 1,6 Prozent.
Die Bauhandwerker arbeiten häufig für mehr als einen Arbeitgeber
oder sind Selbständige mit Nebenberuf. Von ihnen sind - wie bei den männlichen Lehrkräften - 20 Prozent Doppelbeschäftigte.
Die Mehrfachbeschäftigten wählen sich als Zweitberuf im allgemeinen
eine Tätigkeit, die außerhalb ihrer normalen Berufserfahrungen liegt. Bei
den Angehörigen der akademischen und technischen Berufe dagegen sind rund
50 Prozent in beiden Arbeitsverhältnissen im gleichen Beruf tätig. Die
übrigen arbeiten vornehmlich für Handelshäuser oder als Verkäufer. Die
Farmer sind größtenteils im Zweitberuf Fabrikarbeiter und Handwerker;
nur sehr wenige sind im Nebenberuf wiederum Farmarbeiter oder Büroangestellte. Umgekehrt bevorzugen gelernte Handwerker, Fabrikarbeiter und
ungelernte Arbeitskräfte in nichtlandwirtschaftlichen Betrieben als
Zweitstelle einen Arbeitsplatz in der Landwirtschaft. Die Verkaufer wiederum
wählen als Zweitberuf - sofern sie nicht wiederum eine Verkäuferstelle
annehmen - zu gleichen Teilen die Landwirtschaft oder das Büro.

- 7 -

�Tafel V
Mehrfachbeschäftigte nach Berufsgruppen der Erstbeschäftigung und
Geschlecht aufgeschlüsselt

Berufsgruppe der
Erstbeschäftigung

Zahl
(Millionen)

Prozent

Beide Beschäftigungen im
gleichen
insg. männl. weihl. insg. männl. weibL Beruf
(Prozent)
2,53

0,43

4,5

5,8

2,0

29,8

0,45

0,08

7,2

9,2

3,3

57,5

0,19

0,01

7,1

7,2

-

3,0

0,20

0,01

3,1

3,4

26,0

Büroangestellte u.a. 0 , 3 5
0,16
Verkäufer
Handwerker u. Vor0,42
arbeiter

0,24

0,10

7,9

0,12

0,04

3,7
3,6

1,4
1,6

4,4

2,3

23,2

0,42

0,002

5,1

5,2

0,9

21 ,2

Fabrikarbeiter

0,49

0,45

0,03

4,1

5,3

1,0

23,1

Haushaltbedienstete
Dienstleistungsgewerbe
Landarbeiter
Hilfsarbeiter
außer Landwirtschaft u.Bergbau

0,05

-

0,05

2,1

Sämtliche

2,96

Akademische u.
tech. Fachkräfte
0,53
Farmer u. Farmverwalter
0,19
Manager,lei tende
Angestellte u. Inhaber (außer Farmern ) 0 , 2 1

J

32,7

2,2

-

0,23

0,15

0,07

3,9

5,6

2,4

30,2

0,10

0,09

0,01

5,9

7,3

2,7

-

0,18

0,17

0,003

5,3

5,3

17,1

An und für sich dürfen einige Kombinationen verschiedener Tätigkeiten
als unwahrscheinlich gelten. Es ist kaum zu erwarten, daß Arbeiter nebenberuflich eine Tätigkeit ausüben, für die akademische Qualifikationen erforderlich sind, oder daß Bürokräfte sich in ihrer Freizeit als Fabrikarbeiter verdingen. Erstaunlicherweise fanden sich aber bei der Umfrage im
Dezember 1959 nahezu sämtliche nur denkbaren Kombinationen. Bei den Zweitbeschäftigungen entfiel der unverhältnismäßig hohe Anteil von 46,3 Prozent
auf die Sparten Farmer und Farmverwalter, Manager und Inhaber, Verkäufer
und Dienstleistungsgewerbe (ohne private Haushalte), während deren Anteil

-

8 -

�Anteil an den Erstbeschäftigungen nur 27,6 Prozent betrug. Die guten
Möglichkeiten, Stundenarbeit in diesen Berufen zu erhalten, dürfte die
Erklärung für ihre relative Häufigkeit als Zweitbeschäftigung bieten.
Bei der Beurteilung des Grades der Ausschöpfung unserer Arbeitskraftreserven gehen- wir gewöhnlich von der Beschäftigung in den einzelnen
Berufsgruppen aus. Die entsprechenden statistischen Angaben berücksichtigen jedoch nur die Erstbeschäftigung, denn nur diese wird regelmäßig
statistisch erfaßt. In Wirklichkeit wird das Arbeitskraftpotential in
den einzelnen Beschäftigungszweigen aber durch die von den Mehrfachbeschäftigten geleistete Arbeitszeit nicht unerheblich vermehrt. In folgenden Berufsgruppen kommt dieser Ausweitung des Arbeitskraftpotentials
bei den männlichen Berufstätigen die größte Bedeutung zu:

Tafel VI
Anteil der Zweitstellen an der Gesamtstellenzahl in einzelnen Berufszweigen

Prozent
Farmer
Bauhandwerker
Kellner
Verkäufer
Akademische Fachkräfte (außer medizinischem Personal
und Lehrkräften)
-. -J
' -werbe (außer V/achpersonal und Kellnern)
Landarbeiter
Großhandel
Lehrkräfte (an Grund- und Oberschulen)

19 ,3
14,.8
12, ,6
12, .1
8, .3
7, ,3
6, ,3
6, ,5
6, ,4

Die vorstehenden Angaben bleiben etwas hinter den eigentlichen Werten
zurück, da rund 100 000 Arbeitskräfte sogar mehr als zwei Arbeitsstellen
innehatten.
Die Statistiken über die Zweitbeschäftigung lassen auch die Paradoxie
verständlich werden, daß es im Dezember 1959 in den USA 2,2 Millionen
männliche Arbeitslose mit vorheriger Berufserfahrung und gleichzeitig
2,5 Millionen Mehrfachbeschäftigte gab. Rund 60 Prozent der Zweitarbeiteplätze wurden von Angehörigen der Angestelltenberufe (Akademiker, Manager,
Büroangestellte und Verkäufer) und Farmern ausgefüllt. Nur 15 Prozent der
männlichen Arbeitsuchenden hatten vorher in diesen Berufen gearbeitet,
wie die folgende Aufstellung erkennen läßt:

- 9 -

�Tafel VII

Berufsgruppenzugehörigkeit der männlichen Arbeitslosen und
Mehrfachbeschäftigten

Arbeitslose

Gesamtzahl (Millionen)
Prozent

Mehrfachbeschäftigte

2,21
100,0

2,53
100,0

Akademische u. techa. Fachkräfte

3,4

15,1

Farmer und Farrnverwalter

0,5

20,3

2,9
4,9
3,3
21 ,2

10,1

26,5

13,3

6,5
5,8

8,6

Manager, leitende Angestellte

u . Inhaber (außer Farmern)

Angestellte
auf er
Eand«erker ( V o r a r b e i t e r
Fabrikarbei ter
Dienstleistungsgewerbe
Landarbeiter
H i l f s a r b e i t e r (außer Land-

5,2
9,6
9,8

3,5
&gt;

Wirtschaft u. Bergbau)

25,0

4,5

Etwa ein Drittel der im Dezember 1959 gemeldeten Zweitbeschäftigungen liefen mehr oder weniger auf eine Tätigkeit als Selbständige
hinaus, auf eine Tätigkeit also, die dem normalen Arbeitslosen nicht
-lieh ist. Es besteht im übrigen kein Grund zu der Annahme, daß die
Arbeitsuchenden den Einstellungsbedingungen für die von Mehrfachbeschäffcigten eingenommenen Arbeitsplätzen genügt hätten, auch wenn sie der
iierufsgruppe nach als geeignet gelten könnten und die Betriebe in Reichweite gelegen wären.
Nebenberufliche selbständige
Es wurde bereits weiter oben auf die hohe Quote der Selbständigen
unter den Mehrfachbeschäftigten hingewiesen. Etwa 400 000 Arbeiter oder
Angestellte in nichtlandwirtsohaftllchen Berufen betrieben im Dezember
nebenberuflich ein eigenes Geschäft oder waren in einem akademischen
.ieruf tätig, und 500 000 bewirtschafteten eine Farm. Über ein Drittel
aller mehrfachbeschäftigten Lehn- und Gehaltsempfänger fallen in diese
Kategorie (siehe Tafel VIIl). Unter den Arbeitern im Baugewerbe und i_n_

-

10

�in den-Fertigungsindustrien war die Nebenbeschäftigung als Selbständige
(meist in der Landwirtschaft) 1959 am weitesten verbreitet. Rund ein
Drittel der Mehrfachbeschäftigten im Handel und im öffentlichen Dienst
betrieben nebenher eine Farm oder waren in ihrer Freizeit als Selbständige tätig. Die verfügbaren Zahlenangaben geben keine Aufschlüsse darüber, wie viele dieser Lohn- und Gehaltsempfänger, die als Selbständige
außerhalb der Landwirtschaft tätig waren, ein eigenes Geschäft oder einen
Betrieb besaßen oder einen freien Beruf ausübten.
Tafel VIIX
Anteil der nebenberuflich als Selbständige tätigen Mehrfachbeschäftigten an
der Gesamtbeschäftigung in verschiedenen nichtlandwirtschaftlichen
Wirtschaftszweigen
(Prozent)
Wirtschaftszweig der
Erstbeschäftigung

Zweitbeschäftigung als Selbständige
nach Wirtschaftszweigen
Landwirtschaft

Insg.

Mehrfachbeschäftigte in
nichtlandwirtschaftlichen
Berufszweigen insges.'/
Baugewerbe
Fertigungsindustrien
langlebige Verbrauchsgüter
kurzlebige Verbrauchsguter
Transportgewerbe u. Versorgungsbetriebe
Groß- u. Einzelhandel
Dienstleistungsgewerbe und
Geldwirtschaft
öffentlicher Dienst
1)

Übrige
Wirtschaft

56,2

19,5

16,7

54,5
45,5
46,5
42,8

40,9
25,5
26,7
23,0

15,4
19,8
19,8
19,8

25,5
54,7

12,1
19,5

15,2
15,2

24,1
32,0

7,4
14,7

16,7
17,5

Einschließlich Forstwirtschaft, Fischereiwesen und Bergbau.

Geleistete Wochenstunden der Mehrfachbeschäftigten
Da bei der Umfrage im Dezember 1959 von einem großen Teil der Mehrfachbeschäftigten die Zahl der auf der Erststelle geleisteten Wochenstunden
als die Gesamtwochenstundenzahl angegeben worden ist, läßt sich ein Vergleich mit den von Arbeitskräften mit nur einer Stelle geleisteten Wochenstunden nicht durchführen. Fest steht aber, daß der Prozentsatz derjenigen,
die mehr als 40 Wochenstunden arbeiteten, unter den Mehrfachbeschäftigten
zwei bis dreimal so hoch war wie bei den übrigen Berufstätigen. Dies gilt

-

11

-

�gilt insbesondere wieder für die Lohn- und Gehaltsempfänger im Baugewerbe, in den Fertigungsindustrien, im Transportgewerbe, in den Versorgungsbetrieben und im öffentlichen Dienst. Die selbständigen Farmer
und Geschäftsleute arbeiteten ia jedem Falle, gleichgültig ob Mehrfachbeschäftigte oder nicht, weit über die normale Stundenzahl.
Zwei Drittel der Mehrfachbeschäftigten waren an ihrer Erststelle
ganztägig (d.h. 35 u*id mehr Wochenstunden) und an ihrer Zweitstelle
stundenweise (weniger als 35 Wochenstunden)beschäftigt (siehe Tafel
IX) . Ein Drittel dieser Arbeiter und Angestellten war nebenberuflich
als Selbständige oder in einem freien Beruf tätig. Der größte Teil
der übrigen Mehrfachbeschäftigten war in beiden Berufen nur halbtags
tätig. Diese Form der Mehrfacharbeit ist vor allem in der Landwirtschaft (52 $,),im Handel (38 $) und im Baugewerbe (34 f°) weitverbreitet} am seltensten ist sie in den Fertigungsindustrien, wo nur 17 Prozent der Mehrfachbeschäftigten zwei Berufe jeweils halbtags ausübten.
Die hier genannten Zahlen beziehen sich ausschließlich auf Beschäftigte, deren Erst- und Zweitstellen sich auf verschiedene Wirtschaftszweige oder Berufsgruppen verteilen.
Aufgaben künftiger Untersuchungen
Der relativ kleine, dabei aber sehr vielschichtige und volkswirtschaftlich bedeutsame Bereich der Mehrfachbeschäftigung ist längst noch
nicht hinreichend statistisch erfaßt. Es wäre interessant zu erfahren,
wie viele dieser Arbeiter und Angestellten echte Mehrfachbeschäftigte
sind, und wie viele nur als solche geführt werden, weil sie gerade
den Arbeitgeber gewechselt und deshalb in der Berichtswoche zwei Stellen
bekleidet haben. Ältere Statistiken (aus dem Jahre 194&amp;) deuten darauf
hin, daß weitaus die meisten tatsächlich zwei Arbeitsplätze gleichzeitig
innehatten. Eingehendere Informationen über die Einkünfte der Einfachbeschäftigten im Vergleich zu denen der Mehrfachbeschäftigten und über
die von beiden geleisteten Wochenstunden könnten Klarheit darüber schaffen, ob die Arbeitnehmer aus Not oder eigenem Antrieb zwei und mehr
Stellungen annehmen. Die Durchführung einer zusätzlichen Zählung der
Mehrfachbeschäftigten zu einer anderen Jahreszeit könnte gleichfalls
wichtige Aufschlüsse erbringen.

Tafel IX

�N

Tafel IX
1

Die Verteilung der Mehrfachbeschäftigung auf Ganztags- und Halbtagsarbe i t '
nach Wirtschafts zweigen der Erstbeschäftigung aufgeschlüsselt3)
(Stand Dezember 1959
(Prozent)
Wirtschaftszweig oder
Berufssparte der Erstbeschäftigung

insg. Ganztägig
an beiden
Arbeitsstellen

Ganttägjg lalbtags an
an Erst- beiden Arstelle
Beitsstellen
halbtags
an Zweitstelle

Sämtliche Mehrfachbeschäftigte

100,0

3,7

66,5

29,8

Landwirtschaft
Lohn- u. Gehaltsempfänger
Selbständige u. unbezahlte
Helfer in Familienbetrieben
Übrige Wirtschaft
.2)
Lohn- u* Gehaltsempfänger'
Baugewerbe
Fertigungsindustrien
Langlebige Verbrauchsgüter
Kurzlebige Verbrauchsgüter
Transportgewerbe u. Versorgungsbetriebe
Groß- u. Einzelhandel
Dienstleistungsgewerbe
und Geldwirtschaft
Öffentlicher Dienst
Selbständige u. unbezahlte
Helfer in Familienbetrieben

100,0
100,0

3,9

44,2

51,9

100,0
100,0
100,0
100,0
100,0
100,0

5,1

5,5
5,7

42,9
68,9
69,6
66,2
77,9
78,0

52,0
27,4
26,8
33,8
16,6
16,3

100,0

5,1

77,7

17,3

100,0
100,0

5,0
2,9

71,4
59,2

100,0
100,0

4,1
0,5

64,2
72,8

31,7

100,0

4,4

60,8

34,8

-

3,7
3,6
•»

.

23,6

37,9
26,7

1 ) Als Ganztagsarbeit wurde jede Tätigkeit mit 35 u. mehr Wochenstunden ge-

zählt, als Halbtagsarbeit jede Tätigkeit mit weniger als 35 Wochenstunden.
2) Einschließlich Forstwirtschaft, Fischereiwesen und Bergbau

3) Die Angaben beschränken sich auf Mehrfachbeschäftigte mit unterschiedlicher Tätigkeit im Haupt- und Nebenberuf.

• # * * «

�Am Arbeitsplatz sicherer als zu Hause

Die Zahl der Betriebsunfälle in der amerikanischen Industrie hat
in den letzten Jahren stetig abgenommen. Seit 1952 ist dabei die Unfallhäufigkeitsrate um rund 20 Prozent zurückgegangen. Im allgemeinen ist
der amerikanische Arbeiter an seinem Arbeitsplatz heute sicherer als
in seinem Heim,
Wesentlichen Anteil an diesem eindrucksvollen Erfolg auf dem Gebiet der betrieblichen Sicherheit und der Unfallverhütung haben dabei
sowohl die Unternehmen als auch die Gewerkschaften gehabt. Insbesondere
durch ihre in enger Zusammenarbeit entstandenen Sicherheitsprogramme,
die in der Praxis meist von einem gemeinsamen Arbeitgeber-Arbeitnehmerausschuß überwacht werden, haben sie es im Laufe der Zeit zuwege gebracht, den Arbeitnehmern ein gewisses "Sicherheitsbewußtsein" einzuhämmern und ihnen den Wert der betrieblichen Sicherheitseinrichtungen
klarzumachen.
Ein gutes Beispiel dafür, welch große Erfolge mit einem wohldurchdachten und ständig verbesserten Sicherheitsprogramm in einem Industriebetrieb erzielt werden können, bietet die North American Aviation, Inc.,
die seit 1941 ein koordiniertes Programm in all ihren Zweigwerken durchführt und in dieser Zeit die Unfallhäufigkeitsrate so weit senken konnte,
daß sie heute rund 50 Prozent unter dem Durchschnitt der amerikanischen
Flugzeugindustrie liegt.
Zu diesem Sicherheitsprogramm, das von den Betriebsingenieuren zusammen mit den Werkshygienikern ständig weiter ausgebaut und überwacht
wird, gehört neben der Entwicklung und dem Einbau von Sicherheitsvorrichtungen an den Produktionsmaschinen und der Ausrüstung der Mitarbeiter mit den jeweils erforderlichen Schutzvorrichtungen (Sicherheitsbekleidung,
,j Schutzbrillen, feuerfeste Schuhe, Schutzmasken und
-Schilde, Sicherheitshelme usw.) insbesondere die theoretische Ausbildung sämtlicher Betriebsangehörigen in Fragen der Unfallverhütung.
Die Unterweisung der Mitarbeiter - insbesondere aber der neu eingestellten - in Fragen der Sicherheit und der Unfallverhütung obliegt
in den Betrieben der North American Aviation, Inc. den Mitgliedern des
Unfallverhütungsausschufises, die jeweils für die Durchführung und Überwachung der Sicherheitsmaßnahmen einer Abteilung verantwortlich sind.
Sie werden aus dem Kreis jener Mitarbeiter ausgewählt, die einerseits
die produktionstechnischen Einrichtungen der Abteilung genau kennen und
die zum anderen als umsichtig gelten und noch keine Unfälle aufzuweisen
hatten. Die Ennennung zum "Sicherheitsobmann" erfolgt auf Zeit, um
auf diese Weise möglichst viele Mitarbeiter durch Übertragung dieser
verantwortungsvollen Funktionen mit den Aufgaben der Unfallverhütung
vertraut zu machen. Seit der Einführung des betrieblichen Unfallverhütungsprogramms wurden bei diesem Unternehmen bisher 13 500 Mitarbeiter zu Sicherheitsausschußmitgliedern ernannt.

Die

- 14 -

�Die Hauptaufgabe der "Sicherheitsobmänner" besteht einmal in der
Überwachung und Kontrolle der unfallgefährdeten Arbeitsplätze sowie
der eingebauten Sicherheitseinrichtungen und zum anderen in der Unterweisung sämtlicher Arbeitnehmer in Fragen der Betriebssicherheit und
der Unfallverhütung. Dies geschieht in der Regel in persönlichen Gesprächen und an Hand praktischer Beispiele, um so das "Unfallbewußtsein" der Mitarbeiter zu wecken und sie zur aktiven Mitarbeit bei der
Unfallverhütung zu erziehen.
Diese Bemühungen zur Steigerung der betrieblichen Sicherheit auf
der unteren Ebene werden dann noch im gesamtbetrieblichen Rahmen durch
verschiedene andere Aufklärungskampagnen ergänzt, wie etwa durch Anzeigen in der 7/erkzeitschrif t, Veröffentlichung besonderer Erfahrungsberichte einzelner Mitarbeiter über die Wirksamkeit bestimmter Schutzvorrichtungen sowie durch das Aushängen von Warnplakaten oder die Verteilung von Merkblättern. Ziel all dieser Maßnahmen ist es, die Mitarbeiter immer wieder an die Gebote der betrieblichen Sicherheit und des
Unfallschutzes zu erinnern.
Sind trotz des Vorhandenseins von Schutzvorrichtungen irgendwelche
Unfälle eingetreten, so werden die Unfallursachen eingehend von den
Sicherheitsingenieuren analysiert, nicht etwa, um einen "Schuldigen"
zu finden, sondern um die bestehenden Einrichtungen so zu verbessern,
daß eine Wiederholung unmöglich ist, oder aber neue zu entwickeln.
Jede Abteilung der "North American Aviation", Inc." besitzt
außerdem noch einen Betriebshygieniker, dessen Aufgabe darin besteht,
dem Management Vorschläge darüber zu unterbreiten, welche Maßnahmen
getroffen werden können, um gesundheitliche Schäden bei den Mitarbeitern
zu verhindern, die etwa durch Gase, Rauch, Lärm, Strahlungswärme oder
die sanitären Einrichtungen entstehen können.

(Quelle: Eigenbericht)

# * * * *
flewerkschaftli che Kurzmeldungen
Industriearbeiterlöhne im Januar unverändert
Sowohl die Industriearbeiterlöhne als auch die Lebenshaltungskostenwiesen im Januar gegenüber dem Vormonat keinerlei Veränderungen auf, wie
aus einer Übersicht des US-Arbeitsministeriums hervorgeht.
Für einen Arbeitnehmer mit drei Angehörigen belief sich die durchschnittliche Höhe des Nettolohnes auf 79»97 Dollar pro Woche, während
Arbeitnehmer ohne Angehörige 72,44 Dollar erhielten.
Da

�Da sich der Lebenshaltungskostenindex in den Monaten Dezember
und Januar nur unwesentlich veränderte, blieb demzufolge auch der
Reallohn unverändert. Im Vergleich zu November 1960 ist jedoch ein
Rückgang der Kaufkraft um rund 1 Prozent festzustellen.

(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

5 Millionen Dollar für Verbesserungsvorschläge bei "GM"
Für die 111 203 im Laufe des vergangenen Jahres von den Mitarbeitern der "General Motors Corporation" eingereichten betrieblichen Verbesserungsvorschläge wurden von dem Unternehmen mehr als 5 Millionen
Dollar an Prämien ausgeschüttet.
Wie der Verwaltungsdirektor, Louis G. Seaton, weiter bekanntgab,
hat sowohl die Zahl der eingereichten Vorschläge als auch die Prämiensumme gegenüber 1959 beträchtlich zugenommen. 1959 wurden 87 264 Vorschläge abgegeben und 4 Millionen Dollar an Prämien verteilt. Von den
i960 von den Arbeitnehmern eingereichten 111 203 Verbesserungsvorschlägen wurde jeder vierte angenommen. Seit Einführung des betrieblichen
Vorschlagsprogramms hat General Motors damit bisher 46 Millionen Dollar
für Prämien aufgewendet.
(Quelle: Eigenbericht)
* -x- * -x- *
Leo Bamberger gestorben
Leo Bamberger, einer der ältesten amerikanischen Gewerkschafter,
der im Jahre 1882 zusammen mit 20 anderen bekannten Gewerkschaftsführern den "Labor Day", den amerikanischen "Tag der Arbeit", proklamierte, ist jetzt im Alter von 92 Jahren in Philadelphia gestorben.
Bamberger, der damals die von ihm mitgegründete Gewerkschaft der
Photograveure vertrat, gehörte zusammen mit Samuel Gompers und Peter
McGuire zu den eifrigsten Befürwortern eines "Feiertages zu Ehren der
schaffenden Menschen". Diese Bemühungen der alten Garde der amerikanischen Gewerkschaften wurden im Jahre 1894 mit der Unterzeichnung des
"Labor-Day"-Gesetzes durch Präsident Grover Cleveland gekrönt, wodurch
der jeweils erste Montag im September zum offiziellen Feiertag erhoben
wurde.
(Quelle: Eigenbericht)
* * * « *-

-

16

-

�Neuer 5-Jahres-Vertrag in der Damenoberbekleidungsindustrie
Von den Unternehmen der Damenoberbekleidungsindustrie in neun
amerikanischen Bundesstaaten und der ILGWU-Gewerkschaft wurde jetzt
ein neuer Tarifvertrag unterzeichnet, der eine Erhöhung der Löhne
von rund 90 000 Arbeitnehmern um 5 1/2 Prozent vorsieht und der eine
Laufzeit von 3 Jahren hat.
Auf Grund dieses neuen Tarifvertrages werden die Mindestlöhne
für Zuschneider auf 85 Dollar, für Bügler auf 72»50 Dollar und für
Hilfskräfte auf 61 Dollar pro Woche angehoben. Die bisherigen Durchschnittslöhne für Zuschneider beliefen sich jedoch auf 125 Dollar pro
Woche, die für Hilfskräfte auf 65 Dollar.
(Quelle: Eigenbericht)
* * * * *

Wiederholung von Funktionärswahl auf Grund des neuen Gewerkschaftsgesetzes
Die erste Wiederholung einer gewerkschaftlichen Funktionärswahl
auf Grund einer Anfechtungsklage, der von einem amerikanischen Bezirksgericht unter Berufung auf den "Labor-Management Reporting «and
Disclosure Act of 1959" stattgegeben wurde, fand jetzt unter Aufsicht
de3 US-Arbeitsminis teriuims in Jacksonville (Florida) statt.
Die Wiederholung der Funktionärswahl war deshalb erforderlich
geworden, w-eil über die im Januar 196O durchgeführte Wahl beim USArbeitsministerium eine Beschwerde wegen Verstoßes gegen die Bestimmungen des Gewerkschaftsgesetzes aus dem Jahre 1959 eingegangen war.
Auf Grund der durchgeführten Untersuchungen hatte dann der US-Arbeitsminister am 28. September i960 eine Anfechtungsklage beim Bezirksgericht in Jacksonville eingereicht, in der er die Annullierung der Wahl
forderte.
Nach Feststellung des Untersuchungsausschusses des Arbeitsministeriums, so hieß es dabei in der Klageschrift, seien drei Verstöße
gegen das Gesetz bei der Abhaltung der Funktionärswahl festgestellt
worden: 1. seien die Geheimhaltungsvorschriften nicht beachtet worden;
2. habe es die Gewerkschaft versäumt", einen Wahlausschuß zur Auszählung
der Stimmen und zur Bekanntgabe des Ergebnisses zu nominieren; und
3. sei die Gewerkschaft den Gesetzesvorschriften insofern nicht nachgekommen,, als sie den Mitgliedern das Wahlergebnis nicht innerhalb von
15 Tagen schriftlich zugestellt habe.
(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

-

17

-

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
USIS-Bonn/Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XIV - 5

Bad Godesberg, den 1. Mai 1961
INHALTSVERZEICHNIS

Das Sozialversicherungswerk der amerikanischen
Eisenbahner

Seite

1

Zweck und Auswirkungen der Mindestlohngesetzgebung
in den USA

Seite

6

Private Pensionspläne gewinnen immer größere
Bedeutung
.

Seite

12

Das Berufsschulwesen in den Vereinigten Staaten

Seite

14

Das Sozialversicherungswerk der amerikanischen Eisenbahner
Aus "The Railway Clerk"
Nachdruck nur mit Angabe der Quelle
gestattet.
Das Sozialversicherungsgesetz für die
Eisenbahnbediensteten, das im Jahre 1935
vom US-Kongreß erlassen worden ist, wurde
zum Vorbild für die gesamte Sozialgesetzgebung in den Vereinigten Staaten.
Die Zeitschrift der amerikanischen Eisenbahner, "The Railway Clerk", gedachte
in der Septembernummer vom vergangenen
Jahr des 25« Jahrestags des Erlasses
dieses wichtigen Gesetzes mit einem
Artikel, den wir nachstehend im vollen
Wortlaut wiedergeben.

-

1 -

�Vor 25 Jahren wurde die Sozialversicherung der amerikanischen
Eisenbahner geschaffen. Anfangs eine reine Altersversicherung, entwickelte sie sich im Laufe der Jahre zu einem umfassenden Sozialwerk, das den Bahnbediensteten in allen ernsteren Notlagen Schutz
gewährt, in die sie im Laufe eines Lebens geraten können.
Die Eisenbahner und ihre Familienangehörigen haben im Falle der
Erreichung der Altersgrenze, der Invalidität, des Todes, der Arbeitslosigkeit und Erkrankung keine ernsthaften Geldeinbußen mehr zu gewärtigen.
Die Eisenbahner-Altersversicherung sichert den Pensionären und
ihren Angehörigen sowie den Vollinvaliden eine feste Grundrente zu.
Im Todesfall erhält die Familie des Verstorbenen Hinterbliebenenrente.
Im Falle der Arbeitslosigkeit oder längerer Krankheit hat der Bahnbedienstete Anspruch auf Leistungen aus der Arbeitslosenversicherung.
Rund eine Million Arbeiter und Angestellte der Bahnen und ihrer
Zulieferbetriebe werden vom Eisenbahner-Sozialwerk erfaßt, von denen
800 000 länger als zehn Jahre als Eisenbahnbedienstete im Sinne des
Gesetzes beschäftigt sind. Die Berufseisenbahner sind es auch, die
unter dem Sozialwerk den größten Schutz genießen.
Zehn Jahre Dienstzeit sind die Mindestvoraussetzung für die Gewährung von Alters- oder Hinterbliebenenrente. Nach zehn Dienstjähren
besteht ein lebenslänglicher Anspruch auf Invalidenrente und auf
Altersrente nach Erreichung des 65. Lebensjahres.
Im Falle der Erreichung der Altersgrenze oder des Todes noch vor
dem Ablauf der ersten zehn Dienstjahre werden die erworbenen Rechte
an die allgemeine gesetzliche Sozialversicherung übertragen, deren
Leistungsnormen dann zur Anwendung gelangen. Arbeitslosenunterstützung
und Krankengeld werden ohne Wartezeiten an alle Versicherten gezahlt,
wobei die Berufseisenbahner bei der Arbeitslosenversicherung wiederum
bessergestellt sind.
Bisher wurden Leistungen in Höhe von insgesamt 10 Milliarden Dollar
an Eisenbahnbedienstete und deren Angehörige gezahlt. Allein im Haushaltsjahr 1959/60 bezogen 1,25 Millionen Berechtigte Versicherungsleistungen
in Höhe von über einer Milliarde Dollar. Die Steigerung der Leistungen
und die Verbesserung des Versicherungsschutzes haben das EisenbahnerSozialwerk in den 25 Jahren seines Bestehens gekennzeichnet.
Durch eine ganze Reihe von Gesetzesänderungen wurden der Kreis der
Versicherten laufend vergrößert und die Leistungssätze verbessert. Das
hat dazu geführt, daß die jährlichen Versicherungsleistungen inzwischen
auf über eine Milliarde Dollar gestiegen sind, während in den ersten
neun Jahren nach der Gründung des Sozialwerkes insgesamt nur eine
Milliarde ausgezahlt wurde. Die Zahl der Empfänger von Alters- oder
Hinterbliebenenrente ist heute doppelt so hoch wie vor zehn und fünfmal so hoch wie vor 20 Jahren. Im Jahre 1938 lag die Durchschnittsaltersrente bei 62 Dollar gegenüber heute 131 Dollar.
Die

�Die Sozialversicherung der Eisenbahner bietet viele besondere
Vorteile, von denen hier kurz die wichtigsten angeführt seien:
hohe Leistungen im Verhältnis zum früheren Arbeitseinkommen,
Anrechnung der vor der Schaffung des Sozialwerks geleisteten
Dienst jähre,
feste Anwartschaft nach zehn Dienst jähren,
Möglichkeit der Gewährung von Altersrente bereits nach Erreichung des 60. Lebensjahres,
großzügige Handhabung der_ Gewährung von Invalidenrenten,
Gewährung von Altersrente, auch wenn der Empfänger noch in
einem anderen Betrieb - nicht in einem Eisenbahnbetrieb weiterarbeitet,
Altersrentner des Eisenbahner-Sozialwerkes können auch Leistungen aus anderen Versicherungen beziehen,
Witwen sind mit Erreichung des 60. Lebensjahres zum Bezug
von Leistungen berechtigt, und
die Leistungen liegen höher als die Beiträge.
Für die Zukunft ist eine weitere Steigerung der Versicherungsleistungen geplant. Als das Sozialwerk seine Tätigkeit aufnahm, betrug der
Höchstsatz für die Altersrente 120 Dollar pro Monat; heute liegt er bei
205 Dollar. Seine weitere Anhebung ist sicher; in zehn Jahren wird er
242 Dollar und in 20 Jahren voraussichtlich 325 Dollar pro Monat betrage
Eine der auf das Eisenbahner-Sozialwerk beschränkten Bestimmungen die Gewährung von Hinterbliebenenrente im Falle des Todes des Ernährers der
Familie - sieht für die Berechtigten beachtliche Leistungen vor. Wenn
das Sozialwerk auch in erster Linie eine Altersversicherung darstellt,
so sind doch etwa ein Drittel aller Leistungsempfänger Hinterbliebene.•
Der Witwensatz beträgt im Durchschnitt 75 Dollar pro Monat; für Witwen
mit einem Kind erhöht er sich auf 150, für Witwen mit zwei und mehr
Kindern auf 200 Dollar. Eltern verstorbener Eisenbahnbediensteter erhalten im Durchschnitt 80 Dollar im Monat.
Sofern im Falle des Ablebens eines Versicherten keine Rente fällig
ist, wird ein einmaliges Sterbegeld von durchschnittlich 570 Dollar gewährt. Sind die Voraussetzungen für eine Hinterbliebenenrente nicht erfüllt, kann eine Abfindung geleistet werden; diese beträgt im Durchschnitt 1700 Dollar.
Arbeitslose, erkrankte oder verletzte Eisenbahner erhalten Unterstützung aus der Arbeitslosenversicherung. Im Falle der Arbeitslosigkeit richten sich die Zahlungen nach dem Jahresverdienst, oder es wird
eine Unterstützung in Höhe von 60 Prozent des täglichen Grundlohns,
höchstens aber 10,20 Dollar pro Tag gewährt. Die Leistungsdauer ist
normalerweise auf 26 Wochen beschränkt. Versicherte mit langer Dienstzeit können derartige Leistungen 13 bzw. 26 Wochen über die normale
Zeit hinaus erhalten. Für Kranke und Verletzte werden Leistungen in
gleicher Höhe gewährt, allerdings nur bis zur Höchstdauer von 26 Wochen.
Das

�Das Eisenbahner-Sozialwerk unterstützt arbeitslose Versicherte
auch bei der Arbeitssuche. Ein eigener Stellenvermittlungsdienst
weist auf Antrag offene Stellen nach und trägt auf diese Weise dazu
bei, den Eisenbahnbediensteten einen lohnenden Arbeitsplatz zu gewährleisten und gleichzeitig die Aufwendungen für die Arbeitslosenunterstützung so niedrig wie möglich zu halten.
Im Rahmen eines "Partnerschaftsprogrammes" arbeiten das Management
der Eisenbahngesellschaften, die Eisenbahnergewerkschaften und das
Sozialwerk eng zusammen, um stellenlosen erfahrenen Bahnbediensteten
einen neuen Arbeitsplatz zu beschaffen. Die Eisenbahnen ihrerseits
haben außerdem noch Arbeitsvermittlungsberater, die ihre Dienste
jedem stellensuchenden Eisenbahner zur Verfügung stellen.
Das Bundesamt für Eisenbahnerversorgung (Railroad Retirement
Board) ist für die Durchführung des Eisenbahner-Pensionsgesetzes(Railroad Retirement Act) und des Eisenbahner-Arbeitslosenversicherungsgesetzes (Railroad Unemployment Insurance Act) verantwortlich. An der
Spitze des Bundesamtes steht ein Aufsichtsrat aus drei Mitgliedern,
die vom Präsidenten der Vereinigten Staaten mit Zustimmung des Senats
ernannt werden. Der Vorsitzer ist mit der Wahrung des öffentlichen
Interesses beauftragt; die beiden anderen Mitglieder werden von den
Eisenbahngesellschaften bzw. den Eisenbahnergewerkschaften vorgeschlagen. Horace W. Harper, der gegenwärtig als Gewerkschaftsvertreter im
Aufsichtsrat sitzt, gehört der Gewerkschaft der Angestellten der Eisenbahn- und Schiffahrtsgesellschaften (Brotherhood of Railway and Steamship Clerks, Freight Handlers, Express and Station Employees) an.
Die Beiträge zum Eisenbahner-Sozialwerk werden von Arbeitnehmern
und Arbeitgebern gemeinsam und zu gleichen Teilen aufgebracht; sie
betragen gegenwärtig 6 3/4 Prozent des Bruttoverdienstes bis zu einer
Höhe von 400 Dollar pro Monat, Erwirtschaftete Überschüsse werden in
Obligationen des US-Schatzamtes angelegt; die Zinserträge aus den gegenwärtigen Rücklagen in Höhe von 4 Milliarden Dollar stellen ihrerseits
wieder einen wesentlichen Einnahmeposten dar.
Die Finanzlage des Sozialwerks wird im Augenblick als befriedigend
angesehen. Das unter versicherungsmathematischen Gesichtspunkten gegebene Defizit ist nicht so groß, daß es die Leistungsfähigkeit gefährdet. Allerdings ist eine weitere Leistungssteigerung, soll die
Rentabilität nicht weiter verschlechtert werden, nur durch die Erschließung zusätzlicher Einnahmequellen möglich.
Die im Falle des Eisenbahner-Sozialwerks angewandte Finanzierungsmethode setzt die Ansammlung größerer Reserven voraus, deren Zinserträge
im Verein mit dem Beitragsaufkommen und anderen Einkünften die Gewährung
der vorgesehenen Leistungen unter Beibehaltung unveränderter oder im
wesentlichen unveränderter Beitragssätze gestatten. Dieses Verfahren
läßt sich als Finanzierung auf der Basis einer Durchschnittsprämie
in Verbindung mit der Schaffung entsprechender Rücklagen in Form von
Deckungskapital bezeichnen. Auf diese Weise wird eine relative Stabilität der Beitragssätze, eine gerechte Verteilung der Lasten auf die
jüngeren und älteren Mitglieder, die Aufrechterhaltung der Leistungsfähigkeit der Versicherung und eiie laufende Übersicht über die derzeitigen und künftigen Aufwendungen gewährleistet.
Wollte

�Wollte das Sozialwerk ohne Reserven auskommen, d.h. wollte es
seine Leistungen lediglich aus den laufenden Einnahmen bestreiten,
so müßten die Beiträge mehrere Jahrzehnte lang Jahr für Jahr erhöht
werden und damit schon "bald einen weit über der im Gesetz vorgesehenen Höhe liegenden Stand erreichen.
Die Verwaltungskosten liegen gegenwärtig bei 1 Prozent der
gezahlten Leistungen. Für die Arbeitslosen- und Krankengeldversicherung liegen sie bei 3 Prozent. Dieser relativ hohe Anteil erklärt sich aus der Tatsache, daß im Falle der Arbeitslosigkeit oder
Erkrankung alle zwei Wochen ein neuer Antrag auf Unterstützung gestellt werden muß.
Sitz des Eisenbahner-Sozialwerkes ist Chicago. Über das gesamte
Gebiet der Vereinigten Staaten verstreut, gibt es rund 100 Zweigbüros,be
denen sich-diei Eisenbahnbediensteten in Versicherungsfragen Auskunft
holen können und die ihnen bei der Stellung von Anträgen auf Gewährung
von Versicherungsleistungen behilflich sind.
Während der 25 Jahre, die das Sozialwerk nunmehr tätig ist, haben
die Eisenbahner es als ihren sichersten Schutz vor wirtschaftlicher
Not kennen und schätzen gelernt. Form und Leistungen haben sich im
Laufe der verflossenen zweieinhalb Jahrzehnte in Anpassung an die
jeweiligen Erfordernisse geändert. Die tatsächlichen Leistungen
des Sozialwerkes - sowohl was die Größe des erfaßten Personenkreises als auch was die Höhe der gewährten Unterstützung angeht - haben
die ursprünglichen gesetzlichen Zielsetzungen bereits weit überschritten. Die in der Vergangenheit erzielten Fortschritte lassen
den Schluß zu, daß das Eisenbahner-Sozialwerk auch in Zukunft eine
wichtige Rolle bei der Sicherung des Wohlergehens der aus dem aktiven Berufsleben ausgeschiedenen Eisenbahner und ihrer Angehörigen
spielen wird.

Aus "The Railway Clerk"
Nachdruck nur mit Angabe der
Quelle gestattet.

* * * * *

-

5 -

�N. Arnold Tolles:
Zweck und Auswirkungen der Mindestlohngesetzgebung in den USA

Aus "Monthly Labor Review"
Nachdruck nur mit Angabe des
Verfassers und der Quelle gestattet.

Die Mindestlohngesetzgebung in den Vereinigten Staaten dient
im großen und ganzen dem begrenzten Ziel, die Löhne der schlechtestbezahlten Arbeitnehmer anzuheben. Wurde dieses begrenzte Ziel erreicht?
Vor einem halben Jahrhundert prophezeiten viele führende Wirtschaftler,
daß Regierungsmaßnahmen nicht geeignet seien, das Arbeitseinkommen
ungelernter Kräfte zu verbessern. Sie begründeten ihren Standpunkt
mit dem Argument, das "spezifische Arbeitsprodukt" (heute als Grenzprodukt bezeichnet) bestimme die Reallöhne und jede "willkürliche
Maßnahme", die den Arbeitgeber zur Erhöhung der Löhne zwinge, werde
lediglich zur Entlassung jener Arbeitskräfte führen, die bis dahin
weniger als das vorgeschriebene Minimum verdient hatten.
Wir wissen heute aus Erfahrung, daß die Löhne der schlechtestbezahlten Arbeiter durch staatliche Maßnahmen sehr wohl erhöht werden
können. In den Vereinigten Staaten ist dies in den letzten 40 Jahren
vielfach mit Erfolg getan worden.
Ein weiterer Einwand gegen staatlich festgesetzte Mindestlöhne
besagte, daß der gesetzliche Mindestlohn zum tatsächlichen Mindestlohn werde. Der Arbeitgeber habe, so wurde bei diesem Argument impliziert, mit einem festen Lohnkostenanteil zu rechnen und zahle seinen Arbeitern und Angestellten insgesamt ohne-hin so viel aus, wie der
Betrieb gerade noch zu tragen vermag. Wird der Lohn der niedrigbezahlten Arbeitskräfte erhöht, behauptete man damals, so wird eine
Kürzung der Bezüge der höherbezahlten Mitarbeiter die zwangsläufige
Folge sein. Die tatsächlichen Erfahrungen haben meines Wissens diese
Behauptungen in keinem Falle erhärtet.
Die "direkten" Auswirkungen einer Neufestsetzung der Mindestlöhne auf die Lohnkosten eines Unternehmers sind sehr einfach zu
errechnen. Um aber möglichst alle Auswirkungen eines neuen Mindestsatzes im voraus zu bestimmen, müssen wir darüber hinaus auch die
indirekten Wirkungen auf die Löhne oberhalb des Mindestsatzes, den
sogenannten "Stoßeffekt", in unsere Untersuchungen einbeziehen.
Das Ausmaß des Einflusses von erhöhten Mindestlohnsätzen auf die
Löhne hängt von zahlreichen, vielschichtigen Faktoren ab. Altere
Untersuchungen der Auswirkungen der ersten einzel3taatlichen Mindestlohngesetze stützten sich vielfach auf sehr lückenhafte Statistiken
und waren im allgemeinen nicht differenziert genug. Die Analysen der
dreißiger und vierziger Jahre, die vom Bundesamt für Arbeitsstatistik
(Bureau of Labor Statistics) im US-Arbeitsministerium durchgeführt
wurden und die Auswirkungen der Bundes-Mindestlohngesetze auf verschiedene Industriezweige zum Gegenstand hatten, waren bereits viel

-

6 -

�viel tiefschürfender. Noch wesentlich aufschlußreicher sind aber
die jüngsten Untersuchungen der Auswirkungen der im Jahre 195&amp; durch
Bundesgesetz verfügten Heraufsetzung des Minde-stlohnes auf einen
Dollar, die von den Abteilungen Löhne und Arbeitszeit und Öffentliche
Arbeiten im Bundesamt für Arbeitsstatistik gemeinsam durchgeführt
worden sind.
Ich möchte hier aber nicht weiter auf das Material eingehen,
das bereits publiziert worden ist oder demnächst veröffentlicht
werden wird, sondern vor allem auf die Ergebnisse der jüngsten
Untersuchungen der Auswirkungen des Gesetzes des Staates New York
über die Erhöhung des Mindestlohnes auf einen Dollar. Hier wird
der Versuch unternommen, eingehendere Aufschlüsse über die möglichen
Auswirkungen einer Erhöhung der Mindestlohnsätze unter den verschiedensten Verhältnissen zu erlangen und vor allem herauszufinden,
warum die Entwicklung diesen oder jenen Verlauf nimmt. In Ergänzung
dieser Erhebungen, die von der Hauptabteilung Arbeitsfragen des
Staates New York eingeleitet wurden, haben Wissenschaftler der
Cornell-Universitat eine größere Zahl von Einzelhandelsgeschäften
befragt. Ich denke hier vor allem an eine bisher unveröffentlichte
Arbeit von Miae Marian Stever, eine Dissertation zur Erlangung der
Doktorwürde am Institut für Arbeitgeber-Arbeitnehmerbeziehungen
(School of Industrial and Labor Relations) der Cornell-Universität
in Ithaca im Staat New York, und die darin mitgeteilten ersten Ergebnisse,
Miss Stever sah bewußt davon ab, einen repräsentativen Querschnitt
auszuwählen; sie wandte sich vielmehr an 42 Einzelhandelsgeschäfte
in Syracuse und Auburn (New York) mit jeweils wenigstens einem Mitarbeiter, dessen Lohn bisher unter dem neuen Minimum im Einzelhandel
lag. Auf diese Weise gewann sie eine Gruppe von Arbeitgebern, die die
Auswirkungen des neuen Mindestlohnes in jedem Fall stärker zu spüren
bekommen hatten als der übrige Einzelhandel im Staat New York. Ein
Viertel dieser Ladengeschäfte mußte seine Lohnaufwendungen bei sonst
gleichbleibenden Betriebsverhältnissen um durchschnittlich 16 Prozent
erhöhen, um dem Gesetz nachzukommen. Der Gesamtdurchschnitt für sämtliche 42 Läden lag dagegen bei 7»7 Prozent. Der prozentuale Anteil
dieser direkten Auswirkungen an der Gesamtlohnsumme sämtlicher Läden
war noch wesentlich geringer als es anhand des rechnerischen Gesamtdu'rchschnitts scheint, da die größeren Geschäfte unterdurchschnittlich
betroffen worden sind.
Wie groß waren nun die indirekten Auswirkungen, d.h. der Lohnkostenanstieg aus Lohnerhöhungen auf eine über dem Mindestlohn liegende Höhe? Nach vier Monaten ergab sich eine durchschnittliche Zunahme
pro Geschäft um 2,7 Prozent. In der Hälfte aller Läden wurden innerhalb
jener vier Monate keine über die gesetzlich vorgeschriebene Mindesthöhe von einem Dollar hinausgehenden Lohnerhöhungen vorgenommen. Man
sollte annehmen, daß man die direkten und indirekten Auswirkungen zu
addieren hat und somit eine der Neufestsetzung des Mindestlohnes zuzuschreibende Lohnkostensteigerung von 10,4 Prozent erhält. Dies ist
aber seltsamerweise nicht der Fall. Die Gesamtsteigerung pro Geschäft
wurde mit durchschnittlich nur 7»8 Prozent ausgewiesen und liegt somit

-

7 -

�somit nur knapp über der direkten Lohnkostenzunahme. Dies erklärt
sich aus der Tatsache, daß die Arbeitgeber, deren Lohnaufwendungen
sich durch die Anhebung des Mindestlohns auf einen Dollar am stärksten erhöhten, nicht mit denjenigen identisch waren, deren Lohnaufwendungen auf Grund der Erhöhung von Löhnen auf beliebige andere
Sätze über einem Dollar am stärksten gestiegen sind.
Nachdem wir nun die Dimensionen der Lohnkostensteigerungen in
der ausgewählten Gruppe von Einzelhandelsgeschäften kennen, erhebt sich
die Frage, wie sich die Arbeitgeber in dieser Situation verhalten haben.
Das ist eine wahrhaft verwickelte Frage, was die Auswirkungen der Mindestlohngesetzgebung angeht; und es ist dazu noch eine sehr wichtige
Frage, wenn man ein sachkundiges Urteil über künftige Neufestsetzungen
von Mindestlöhnen abgeben soll.
Die weitaus wichtigste unmittelbare Auswirkung auf die von Miss
Stever befragten Arbeitgeber war das Auffangen von 60 Prozent der Lohnkostensteigerung aus der Erhöhung des Mindestlohnes durch diese selbst.
Sie fanden die verschiedensten Möglichkeiten, um einen Ausgleich für
die übrigen 40 Prozent zu schaffen. Ganz offensichtlich handelt es sich
aber hier nicht um eine allgemeine Gesetzmäßigkeit, und so müßte man
die hier angeführten Ergebnisse in Relation zu dem Zeitpunkt der Heraufsetzung des Mindestlohnes und allen sonstigen Umständen noch eingehender
untersuchen, um Rückschlüsse auf künftige Neufestsetzungen zu einem-anderen Zeitpunkt und unter anderen Umständen ziehen zu können. Aber
allein schon die Möglichkeit, daß eine nahezu achtprozentige Lohnkostensteigerung in einem unter starkem Wettbewerbsdruck stehenden Wirtschaftszweig innerhalb von vier Monaten nach Inkrafttreten des Lohnerhöhungsgesetzes zu 60 Prozent aufgefangen werden konnte, ist gewissermaßen
eine Antwort an alle jene, die die Vertretbarkeit der Heraufsetzung
der gesetzlichen Mindestlöhne negieren. Die Arbeitgeber behielten
allerdings mit ihrem Argument im wesentlichen recht, daß sie es seien,
die den größten Anteil an der unmittelbaren Kostensteigerung zu tragen
hätten.
Welche Maßnahmen haben nun die Arbeitnehmer getroffen, um die verbliebenen 40 Prozent der Lohnkostensteigerung auszugleichen? In den
meisten Fällen griffen sie zu einer Verkürzung der Arbeitszeit. Einzelhandelsgeschäfte können in dieser Hinsicht allerdings nicht als repräsentativ für die Wirtschaft gelten, da sie einen unverhältnismäßig hohen
Prozentsatz an Halbtagskräften beschäftigen. Das hier in Rede stehende
Gesetz enthielt auch Bestimmungen über die Gewährleistung eines Mindestwochenlohns und die Überstundensätze im Einzelhandel. Die Arbeitgeber suchten in einigen Fällen durch die Verlängerung der Arbeitszeit
und in anderen durch ihre Verkürzung die kostensteigernde Wirkung des
Gesetzes soweit wie möglich zu verringern. Diese Angleichungen der
Arbeitszeit führten, auch das sei vermerkt, zum Teil dazu, daß sich
die auf Grund des Gesetzes erwarteten Mehreinnahmen der Arbeitnehmer
etwas verringerten.
Die zweithäufigste Form des Ausgleichs bestätigt in gewissem
Umfang die Vorhersagen der orthodoxesten Gegner der Mindestlohngesetzgebung. Es wurden tatsächlich verschiedentlich Entlassungen vorgenommen.
Sie
-

8

-

�Sie betrafen natürlich gerade jene Mitarbeiter, bei denen ein solcher
Schritt ohnehin nahelag: die relativ Leistungsschwachen, ältere
Arbeiter und Halbtagsbeschäftigte, darunter auch Mitarbeiter, die
auf Grund ihres Aussehens als wenig geeignet für den Verkäuferberuf
galten. Wie viele wurden entlassen? Von den in die Untersuchung
einbezogenen Geschäften mit insgesamt 4300 Beschäftigten nur insgesamt ein Prozent und von denen, die zuvor weniger als einen Dollar
Stundenlohn hatten, 4»$ Prozent. In diesem Falle bestand also
tatsächlich ein negativer Zusammenhang zwischen Beschäftigung und
Mindestlohn.
Neben der Anpassung der Arbeitszeit und der Entlassung von
Arbeitskräften haben die von Miss Stever befragten Einzelhändler
noch eine ganze Reihe von innerbetrieblichen Umstellungen vorgenommen,
um die Ertragskraft zu erhöhen. Einige verkürzten die Verkaufszeiten,
andere trafen eine neue Arbeitseinteilung, legten strengere Maßstäbe
bei Neueinstellungen an, verstärkten die innerbetriebliche Schulung
oder revidierten ihre Lohntabellen. Durch diese und andere Methoden
suchten die Arbeitgeber ihre Nettoerträge pro aufgewandtem Dollar
an Lohnkosten gegenüber der Zeit vor der Erhöhung der Mindestlöhne
zu verbessern - was ihnen in beachtlichem Maße gelang. Keiner der
42 Läden machte bankerott; die Firmen aber, die die größte Lohnkostensteigerung hinnehmen mußten, hatten im ganzen auch den geringsten Erfolg
in dem Bemühen, einen Ausgleich durch Leistungssteigerung herbeizuführen. Hinzu kommt, daß die kleineren Läden weit weniger als die Großbetriebe in der Lage waren, die Kostensteigerung durch Leistungssteigerungen wettzumachen. Eine allmähliche Anhebung der Mindestlöhne um
geringfügige Beträge dürfte aber voraussichtlich in jedem Falle anregend wirken; es bestehen jedoch gute Gründe dafür, bei der Anwendung
dieser "Kur" vorsichtig und nur schrittweise vorzugehen.
Einer der häufigsten Einwände gegen Lohnerhöhungen fand praktisch
so gut wie keine Bestätigung. Nur fünf der 42 Ladeninhaber berichteten
von einer Heraufsetzung der Verkaufspreise, obschon sie sämtlich ausdrücklich danach gefragt worden waren. Dieses negative Ergebnis ist
bedeutsam, erfordert allerdings eine sorgfältige Interpretation. Es
ist richtig, daß sich an den Erlaß dieser spezifischen Mindestlohnverordnung eine Zeit der Hochkonjunktur i» Einzelhandel anschloß, von
der fast alle befragten Firmen profitierten; man sollte annehmen, daß
Preiserhöhungen in dieser Lage das nächstliegende Ergebnis eine.r erforderlich werdenden Lohnkostensteigerung sein würden. Und doch fanden
sich hier keine Anzeichen dafür, daß die Lohnerhöhung einePreiserhöhung
nach sich zog. Man sollte jedoch die Dinge nicht allzusehr verallgemeinern. Der Einzelhandel steht - zumindest in dem untersuchten Gebiet - unter starkem Wettbewerbsdruck. Angesichts einer solchen Sachlage läßt sich eine* Lohnkostensteigerung nicht ohne weiteres an die
Käufer weitergeben. Ganz unabhängig von seinen Betriebskosten muß
der Verkäufer in erster Linie von der Überlegung ausgehen, wie viele
Kunden wohl bereit sein werden, den höheren Preis zu zahlen.
Man sollte ferner nicht übersehen, daß sich die Mehrkosten der
Mindestlohnerhöhung nicht bei allen Läden gleichermaßen in Form einer
einheitlichen Kostensteigerung niederschlugen. Diejenigen Geschäfte,
die die größte Kostensteigerung in Kauf nehmen mußten, hatten

-

9 .

�hatten tatsächlich keine Handhabe, ihre Preise zu erhöhen.- angesichts der Konkurrenten,deren Lohnkosten nur wenig oder überhaupt
nicht gestiegen waren.
Im Staat New York insgesamt waren die Auswirkungen der Neufestsetzung auf den Einzelhandel zweifellos wesentlich geringer
als in der Gruppe von Geschäften, die Miß Stever für ihre Untersuchung ausgewählt hatte. Doch gerade die Analyse von Extremfällen Fällen wie jenen, die ihren Niederschlag in den Untersuchungen über
die Auswirkungen des Bundesgesetzes über die Heraufsetzung des Mindestlohnes auf einen Dollar auf die Industrie und die Verbraucher gefunden haben - gewährt uns Aufschlüsse, die als Richtschnur für zukünftige Neufestsetzungen von Mindestlöhnen dienen können. Wir müssen
vor allem zu erfahren suchen, wann und unter welchen Umständen eine
Neufestsetzung eine wirklich wesentliche Erhöhung der allgemeinen Lohnkosten nach sich ziehen kann. Die Untersuchungsergebnisse verlieren
sofort ihren Wert als Richtschnur, wenn wir in die Untersuchung auch
Unternehmen einbeziehen, die ohnehin bereits fast allen Beschäftigten
Löhne zahlen, die die neuen Höchstsätze erreichen oder überschreiten.
Konzentrieren wir unsere Aufmerksamkeit aber auf die Extremfälle,
so zeichnen sich an Hand der bisherigen Erfahrungen mit der Mindestlohngesetzgebung einige generelle Möglichkeiten ab:
1. Die Löhne der schlechtestbezahlten Arbeiter lassen sich
heraufsetzen, sofern die gesetzlich vorgeschriebenen Erhöhungen nicht
allzu groß sind und schrittweise vorgenommen werdeil.
2. Die höherbezahlten Arbeitnehmer erleiden auf Grund der Lohnerhöhungen der schlechtestbezahlten Arbeitnehmer keine Lohnkürzungen.
Nach einer gewissen Zeit können die höherbezahlten Arbeitnehmer vielmehr mit Lohnerhöhungen rechnen, die teilweise auf die Wiederherstellung der früheren Lohnstruktur des Betriebes zurückzuführen sind.
5. Während des Zeitraums unmittelbar nach der Neufestsetzung
machen die Kosten für die Lohnanhebung über das gesetzliche Minimum
hinaus voraussichtlich nur einen kleinen Bruchteil der direkten Kosten
aus, die die Anhebung der Löhne auf das neue gesetzliche Minimum selbst
verursacht.
4. Die direkte und indirekte Lohnkostensteigerung wird voraussichtlich größtenteils vom Arbeitgeber aufgefangen, zum mindesten in der
ersten Zeit unmittelbar nach der Festsetzung der neuen Mindestlöhne.
5. Eines der wichtigsten Ergebnisse einer Heraufsetzung der Mindestlöhne ist vielfach der rationellere Einsatz der Arbeitskräfte.
Die von den einzelnen Unternehmern angewandten Methoden unterscheiden
sich stark voneinander und können die Neuregelung der Arbeitszeit, Erhöhung der Arbeitsnormen, Verschärfung der Ausstellungsbedingungen und
den Ausbau der innerbetrieblichen Schulung einschließen. Die Möglichkeiten zur Durchführung derartiger Verbesserungen sind von Betrieb
zu Betrieb verschieden. Die Betriebe, die den größten Anstieg der
Lohnkosten auf Grund einer Neufestsetzung der Mindestlöhne in Kauf
nehmen müssen, sind nicht notwendigerweise diejenigen, die die größten

10

-

�größten Möglichkeiten zu einem rationelleren Einsatz ihrer Arbeitskräfte haben.
6. Die von den Betrieben vom Konsumenten geforderten Preise
werden in den meisten Fällen von der Erhöhung der Mindestlohnsätze
nicht berührt, es sei denn, daß die Lohnkostensteigerung auf Grund
der Neufestsetzung sehr hoch ist, sich ziemlich einheitlich auf
die gesamte Branche auswirkt oder daß die Verkäufer eine Preisabsprache
treffen.
7« Die Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohnes zieht im allgemeinen eine gewisse Verringerung der Be-schäftigung solcher Arbeitskräfte nach sich, auf die die neue Mindesthöhe anzuwenden wäre. Eine
absolute Verringerung der Belegschaften oder der Arbeitszeit tritt
nicht ein, wenn nach den Vorausberechnungen der Unternehmer eine
hinreichende Zunahme der Nachfrage zu erwarten ist. Die prozentuale
Verringerung des Beschäftigtenstandes gegenüber dem Stand vor Erhöhung
der Mindestlohnsätze liegt voraussichtlich unter der prozentualen
Steigerung des Mindestsatzes. Aus diesem Grund ist die Anhebung der
gesetzlichen Mindestlöhne als eine Möglichkeit zur Verbesserung des
Arbeitseinkommens der schlechtestbezahlten Arbeitnehmer zu bejahen.
8. Die von den Arbeitgebern als leistungsschwach angeseheneren Belegschaftsangehörigen werden am stärksten von der Verringerung der
Beschäftigungsmöglichkeiten auf Grund einer Erhöhung der Mindestlöhne
betroffen. Diese Nebenwirkung gerade auf jene Beschäftigten, die
ohnehin die geringste Aussicht auf einen Arbeitsplatz haben, ist sehr
problemati seh.
Abschließend möchte ich noch zwei persönliche Meinungen äußern,
die nicht notwendigerweise durch das bisher Gesagte erhärtet werden.
Erstens ist nach meinem Dafürhalten die Methode des Aushandelns von
spezifischen Mindestlohnsätzen wesentlich besser als deren Festsetzung
durch Gesetz. Da die absehbaren Auswirkungen von Wirtschaftszweig zu
Wirtschaftszweig verschieden sind, ist eine ins einzelne gehende Untersuchung aller Möglichkeiten durch einen Ausschuß einer generellen
Festsetzung durch Gesetz vorzuziehen.
Meine zweite Anmerkung geht dahin, daß die Mindestlohngesetzgebung eine sehr nützliche Nebenwirkung gezeitigt hat, die von ihren
Verfechtern gar nicht beabsichtigt war. Die gesetzlichen Mindestlöhne
gehören mit zu den vielzitierten "eingebauten Stabilisierungsfaktoren"
in unserem Wirtschaf tsgefüge. Wenn die Gesamtnachfrage r.uf dem Geldmarkt, aus welchem Grunde auch immer, nachläßt, so stehen die Arbeitgeber vor der Frage, ob sich eine weitere Expansion ihres Geschäftes
oder auch nur die Beibehaltung der derzeitigen Investitionsrate noch
lohnt. Einer der wichtigsten Gründe für die Hinauszögerung beabsichtigter Investitionen auf einen späteren Zeitpunkt könnte die Spekulation auf eine Verbilligung der Arbeit sein. Auf diese Weise hilft
die Festsetzung von Mindestlöhnen mit, eine Rezession,wie wir sie
1953/54 und 1957/58 hatten, da ran zu hindern, sich zu einer großen
Depression wie der der dreißiger Jahre auszuwachsen. Das eigentliche

-11

-

�eigentliche Ziel der Mindestlohngesetzgebung ist ein humanitäres die Anhebung der Löhne der schlechtestbezahlten Arbeitskräfte.
Selbst wenn sie nicht geeignet wäre, eine tatsächliche Erhöhung
dieser Löhne herbeizuführen, wäre sie noch immer als ein stabilisierendes Moment der Wirtschaft der Vereinigten Staaten von großer
Wichtigkeit.

Aus "Monthly Labor Review"
Nachdruck nur mit Angabe des
Verfassers und der Quelle gestattet.

* * * * *

Private Pensionspläie gewinnen immer größere Bedeutung
Einen aufschlußreichen "überblick über dia jüngsten Entwicklungen
auf dem Gebiet der privaten Pensionspläne In den USA sowie über die
Bedeutung, die diese auf Grund von tarifvertraglichen Vereinbarungen
gewährten zusätzlichen Pensionsleistungen für die im Ruhestand lebenden Arbeitnehmer haben, vermittelt eine jetzt vom US-Arbeitsministerium
veröffentlichte Analyse, die sich auf die Ergebnisse von 500 überprüften Pensions planen stützt.
Als die wichtigsten Trends der vergangenen Jahre sind dabei nach
dieser Übersicht die folgenden anzusehen:
1. Die Höhe der Pensionsleistungen wurde weiter heraufgesetzt,
einerseits, um die durch den Anstieg der Lebenshaltungskosten bedingte
Kaui'kraf tmi nderung auszugleichen, und zum anderen, um die Pensionen
den früneien Einkommen der Arbeitnehmer stärker anzugleichen.
Wenn auch im einzelnen die Höhe der Pensionsleistungen der privater Pläne sehr unterschiedlich ist, sc kann man doch eine monatliche
Pension von mindestens 70 Dollar als Richtsatz für einen Arbeitnehmer
annehmen, der nach 50jähriger Dienstzeit im 65. Lebensjahr in den
Ruhestand tri"tt. Bei etwa einem Viertel aller Pläne betrugen die Pensionen sogar 1CC Dollar und mehr.
Rechnet man zu den zusätzlichen Privatpensionen noch die Leistungen aus der staatlichen Sozialversicherung, so ergeben sicn für die
einzelnen Arbeitnehmer monatliche Pensionen zwischen 180 und 220 Dollar.
2. In die meisten privaten Pensicnspläne wurden inzwischen Klauseln aufgenommen, die eine Pensionierung vor Erreichung des gesetzlich
vorgeschriebenen Pe . sionsalteis (65 Jahre) ermöglichen. Eine Pensionierung mit Beginn des 55« oder 60. Lebensjahres ist nach diesen Plänen
bei verminderten Fensionsleistungen vorgesehen.

12

-

�3.
3- Die Gewährung einer Pension bei Eintritt der Vollinvalidität
ist bei den meisten privaten Pensionsplänen ebenfalls vorgesehen. Dabei wurden gleichzeitig die Pensionsleistungen weiter heraufgesetzt
und die Anwartschaftsbedingungen liberali siert.
4. Die allgemeinen Anwartschaftsbedingungen für die Gewährung
einer Pension wurden weiter erleichtert. So wurde bei den meisten
Plänen die Zahl der für die Gewährung einer Pension erforderlichen
Dienstjahre herabgesetzt und die für die Errechnung der Höchstpension
festgelegte Grenze beseitigt, so daß die Arbeitnehmer durch Anrechnung
weiterer Dienstjähre in den Genuß höherer Pensionen kommen können.
5. Die Anwartschaftsrechte auf den Bezug einer Pension bleiben in
der Regel auch dann erhalten, wenn der pensionsberechtigte Arbeitnehmer
den Betrieb vor Erreichung des Pensionsalters verläßt.
Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die Höhe der privaten Pensionsleistungen nach Erreichung von 20 bzw. 30 Dienst jähren.
Zu diesen Leistungen sind die aus der staatlichen Sozialversicherung
gewährten Pensionen noch hinzuzurechnen, die sich bei einem Jahreseinkommen von 4000 Dollar z.B. auf 112 Dollar stellen.
MONATLICHE PENSIONSLEISTUNGEN
Durchschnitt für 100 private Pensionspläne 1)
Arbeitnehmer mit
20 Dienstjahren
Höhe der monatlichen
Pension
( in Dollar )

Durchschnittl.
Jahreseinkommen
( in Dollar )

Arbeitnehmer mit
30 Dienstjahren
Durchschnittl.
Jahreseinkommen
( in Dollar )

4000

4800

5600

100

100

100

Pläne (in Prozent)
100
100

100

unter 50
unter 40
von 40 bis 49

37
22
15

34
21
13

32
20
12

16
9
7

15
9
6

14
8
6

von 50 bis 69

45
36
9

40

24
11
13

23

18

36
4
26

39
36
3

11
12

9
9

29

60

62

67

3
5
5
10
2
-2)

4
2
2
11
8
2

32
3
3
12
7
4

30
2
4
10
6
10

32
3
2
8
5
18

von 50 bis 59
von 60 bis 69
über 70
von 70
von 80
von 90
von 100
von 125
überl50

19
bis
bis
bis
bis
bis

79
89
99
124
150

4
6
3
5
1
-2)

4000

4800

5600

1) Ergebnis aus 300 untersuchten Plänen, durch die 4»7 Millionen Arbeitnehmer erfaßt wurden
2) weniger als 1 Prozent
/ nn
_.
.v
t
'
.
(Quelle: Eigenbericht;
# • * #

-

13

»

-

�Das Berufsschulwesen in den Vereinigten Staaten
Das Rückgrat der amerikanischen Berufsschulausbildung bildet
auch heute noch die "American Vocational Association" (AVA), die in
diesem Jahr auf eine 55jährige erfolgreiche Tätigkeit zurückblicken
kann. Aufgabe dieser Institution ist es, die technischen und geistigen Fähigkeiten des beruflichen Nachwuchses in Industrie, Handwerk und
Handel zu fördern.
Die Anfänge des Berufsschulwesens in den Vereinigten Staaten
gehen bis auf das Jahr 1906 zurück. In Erkenntnis des sich ständig
ausweitenden Bedarfs der Wirtschaft an guten und ausgebildeten Fachkräften kam damals in New York eine Gruppe von Geschäftsleuten und
Erziehern in der Absicht zusammen, eine Organisation ins Leben zu rufen, die sich mit der Heranbildung des Nachwuchses befaßte. Sie gründeten damals die "National Society for the Promotion of Industrial Education", die Vorläuferorganisation der heuten "AVA".
Während sich die Organisation in den ersten Jahren hauptsächlich
darum bemühte, in den öffentlichen Schulen den Werkunterricht als erste
Stufe zur praktischen Berufsausbildung zu fördern, konzentrierte sie
in späteren Jahren ihre Bemühungen darauf, in Zusammenarbeit mit Unternehmern, Gewerkschaften und anderen ähnliche Ziele verfolgenden privaten Gruppen und mit Hilfe öffentlicher Mittel.ein umfassendes Netz
von Gewerbeschulen im ganzen Land zu errichten.
Dennoch gingen elf Jahre ins Land, ehe im Jahre 1917 der sogenannte
"Smith-Hughes Act" vom Kongreß verabschiedet wurde, durch den das Berufsschulwesen in den USA einen nationalen Status in Form eines gemeinsamen
Programms von Bund und Einzelstaaten erhielt. Durch das Gesetz wurde
der Rahmen der Berufsausbildung abgesteckt sowie die kontinuierliche
Bereitstellung von Bundesmitteln für die Einzelstaaten zur Förderung
der Berufserziehung in der Land- und Hauswirtschaft sowie im Handwerk
und in der Industrie gewährleistet.
Seit der Verabschiedung dieses Gesetzes hat das Berufsschulwesen
in den Vereinigten Staaten einen steilen Aufstieg genommen. Über eine
Million junger Amerikaner werden heute jährlich neu in die Berufsschulen
aufgenommen, die im Jahre 1959 eine Gesamtschülerzahl von 3»7 Millionen
aufwiesen.
Während im Jahre 1917 nur wenige und dazu schlecht ausgestattete
Schulen im Lande vorhanden waren, gibt es heute in fast allen Distrikten
und Städten der USA mit einer Einwohnerzahl von über 25 000 eine moderne
Berufsschule. In den dünnbesiedelten Gebieten dagegen werden die Berufsschüler auch heute noch in sogenannten Distriktsklassen zusammengefaßt.
Die umfassendsten Programme des amerikanischen Berufsschulwesens
stellen heute die sogenannten "Vorbeschäftigungsklassen" und "Förderungsklassen" dar. Während in den Vorbeschäftigungsklassen die jungen Menschen
für den ins Auge gefaßten Beruf ausgebildet werden, können bereits im
Berufsleben Stehende in den Förderungsklassen ihre praktischen und
theoretischen Kenntnisse erweitern. Die gesamten Aufwendungen für diese

-

14

-

�diese industriellen BerufsförderungsProgramme beliefen sich im Jahre
1959 auf mehr als 73 Millionen Dollar. Rund 11 Millionen davon
stellte der Bund als Zuschüsse zur Verfügung, während die restlichen
62 Millionen Dollar von den Bundesstaaten und Gemeinden aufgebracht
wurden.
Die Lehrpläne der amerikanischen Berufsschulen sind heute genauso
umfangreich und verschiedenartig wie die industriellen Berufe selbst.
Nach dem Grundsatz, den Schüler mit all dem erforderlichen Wissen und
praktischen Können auszustatten, sind die Ausbildungsprogramme nicht
starr, sondern beweglich und so gestaltet, daß sie jederzeit den
wechselnden Bedürfnissen von Industrie und Wirtschaft angepaßt werden
können.
Dem jungen, noch nicht im Berufsleben stehenden Menschen geben
sie die Möglichkeit, sich auf einen Beruf - unter mehreren hundert
verschiedenen - vorzubereiten; dem bereits einen praktischen Beruf
Ausübenden die Gelegenheit, sich fortzubilden und im Beruf aufzusteigen.
Was die Lehrkräfte der heutigen Berufsschulen angeht, so halten sie
jeden Vergleich mit anderen Erziehern aus. Während man sich in den Anfängen des Berufsschulwesens noch damit behalf, Facharbeiter und Handwerker als Ausbilder heranzuziehen, beschäftigt man heute durchweg
ausgebildete Berufsschulkräfte. Viele Universitäten und Colleges der
USA verfügen zudem über besondere Fakultäten, die sich ausschließlich
mit der Ausbildung von Berufsschullehrkräften befassen und den Absolventen ein Abschlußdiplom als Berufsschullehrer erteilen.

(Quelle: Eigenbericht)
« * « « *

-

15

-

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Fresse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
USIS-Bonn Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht 'als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XIV - 6

Bad Godesberg, den 1. Juni 1961
INHALTSVERZEICHNIS

Zusätzliche Krankenversicherung als tarifliche
Leistung
Die Rolle der Gewerkschaften bei der Förderung der
Sicherheit am Arbeitsplatz

•

Seite

1

Seite

14

Donald II. Landay, Abteilung Löhne und industrielle Beziehungen
im US-Arbeitsministerium»
Zusätzliche Krankenkostenversicherung als tarifliche Leistung
Die zusätzliche Krankenversicherung zur Deckung der Kosten bei
langwierigen, ernsten Erkrankungen als Teil der tarifvertraglich vereinbarten betrieblichen Sozialleistungen hat seit ihrer Einführung
vor rund zehn Jahren den größten Aufschwung im Bereich des gesamten
Krankenversicherungswesens in den Vereinigten Staaten erlebt. Bei
einer Untersuchung der Lohnverhältnisse, die das US-Bundesamt für
Arbeitsstatistik um die Jahreswende 1959/60 in einzelnen' Gemeinden
angestellt hat, ergab sich, daß rund ein Fünftel aller von der Untersuchung erfaßten Arbeitnehmer in den Großstädten einer Krankenkostenzusatzversicherung angehörten, die normalerweise eine Ergänzung
zur Krankenhaus-, Operations- und allgemeinen Krankenkostenversicherung
als der Grundversicherung darstellt.
Trotz der offensichtlich steigenden Beliebtheit der Form der Zusatzversicherung wird diese von verschiedenen Krankenversicherungsexperten der Gewerkschaften abgelehnt. Manche Anzeichen deuten allerdings darauf hin, daß der Widerstand der Gewerkschaften gegen eine
derartige Zusatzversicherung abzunehmen beginnt, insbesondere was
die echte Mehrkostenversicherung - nicht die Ersatzversicherung für
die normale Krankenhaus-, Operations- und allgemeine Krankenkostenversicherung - angeht.
Die nachstehenden Ausführungen stützen sich auf die Ergebnisse
einer Analyse der Leistungen der Krankenzusatzversicherung, die von
1

�von 43 der insgesamt 300 untersuchten betrieblichen Krankenversicherungen,die auf Grund tarifvertraglicher Vereinbarung bestehen, gewährt werden. Da es sich hierbei um die erste eingehende Untersuchung
der Krankenkostenzusatzversicherung als Bestandteil der tariflichen
Sozialleistungen des Arbeitgebers handelt, scheint es angebracht,
zunächst einmal die wesentlichen Merkmale derartiger Versicherungen
sowie ihre wichtigsten Vor- und Nachteile kurz zu erläutern.
Die Zusatzversicherung gewährt Leistungen zur Abdeckung
der Aufwendungen für fast sämtliche Gesundheitsmaßnahmen, die von
Ärzten ausgeführt oder angeordnet werden. Im Gegensatz zur normalen
Krankenversicherung, die sich in den Vereinigten Staaten größtenteils keineswegs aber ausschließlich - auf die Kosten beschränkt, die durch
eine stationäre Krankenhausbehandlung entstehen, deckt die Zusatzversicherung die Kosten für nahezu sämtliche Gesundheitsmaßnahmen,
gleichgültig, wo sie vorgenommen werden. Ausgeschlossen sind dagegen
zumeist die Entbindungs- und Zahnbehandlungskosten sowie alle Kosten,
die durch die normale Krankenversicherung getragen werden.
Der Schutz durch die Zusatzversicherung ist allerdings nicht hundertprozentig. Bei sämtlichen Versicherungen ist eine Selbstbeteiligungsklausel zu finden, der zufolge die Versicherung 75-80 Prozent der
Kosten zu tragen und der Versicherte den Rest zu bestreiten hat. Bei
den meisten Versicherungen ist auch' eine Franchise vereinbart, das
heißt, der Versicherte muß für einen festen Betrag selbst aufkommen,
ehe die Leistungspflicht der Versicherung einsetzt. Gehört der Versicherungsnehmer auch einer normalen Krankenkasse an, so sind die Selbstbeteiligung und die Franchise meist auf die Aufwendungen beschränkt,
die nicht von der Krankenversicherung abgedeckt werden. Der Versicherungsnehmer muß ferner für alle Kosten selbst aufkommen, die den Leistungshöchstsatz überschreiten, der zumeist zwischen 5000 und 10 000 Dollar
liegt und jeweils für ein bestimmtes 'Leiden gilt, teils innerhalb eines
begrenzten Verrechnungszeitraums, teils auf Lebensdauer.
Man hat zwei Arten der KrankenkaBbenzusatzversicherung zu unterscheiden: 1. die Mehrkostenversicherung, die für die Aufwendungen aufkommt,
die die Franchise und den von der Grundversicherung abgedeckten Betrag
übersteigen; 2. die Gesamtversicherung, die an die Stelle der normalen Krankenversicherung tritt, bis auf eine Franchise, alle Kosten für
Gesundheitsmaßnahmen einschließt. Bei beiden Versicherungsformen gelten
Höchstsätze für die jedem einzelnen Versicherten zu erstattenden Beträge .
Die nachstehende Aufstellung zeigt, wie sich versicherte Krankenkes ten in Höhe von 5000 Dollar bei den einzelnen Versicherungsarten auf
die Versicherung und den Versicherten verteilen;(siehe Tabelle):

2

�Grund- und
MehrkostenVersicherung
(Dollar)
Höhe der Krankenkosten
Von der Versicherung zu
erstattender Betrag
aus der GrundVersicherung
aus der Mehrkostenversicherung
(bei 80 Prozent Deckung)
Vom Versicherten zu tragender
Kostenanteil
Franchise
Selhstbeteiligung an den Mehrkosten
(20 Prozent)

GesamtVersicherung
(Dollar)

5000

5000

4340
2100*

3960

2240

3960

660

1040

100

50

56O

990

Trotz Franchise, Selbstbeteiligung und Leistungsgrenze bietet die
Zusatzversicherung mehrere Vorteile:
1. Die Zusatzversichefung ist insofern umfassend, als sie nicht
einzelne, genau spezifizierte Aufwendungen, sondern sämtliche Krankenkosten (mit den wenigen vorstehend erwähnten Ausnahmen) deckt, ohne
Rücksicht auf die speziellen Behandlungsmethoden des zugezogenen Arztes, den Ort der Behandlung, die verordneten Arzneimittel oder die
angewandten diagnostischen Hilfsmittel. Eine gewisse Ausnahme wird
von einzelnen Versicherungen bei Geisteskrankheiten und nervösen Leiden gemacht. Die Zusatzversicherung, 30 wird vielfach argumentiert,
verhindert im Gegensatz zur Grundversicherung die Verfälschung des Behandlungsablaufs und vermeidet unnötige oder übermäßige Krankenhausbehandlung, indem sie auch die Kosten für die Behandlung trägt, die
nicht stationär vorgenommen wird.
2. Der Leistungssatz ist viel höher als in der Grundversicherung,
insbesondere was Arzt- und Operationskosten angeht. Wie aus früheren
Untersuchungen der Leistungen der tariflichen Krankenversicherungen durch
das Bundesamt hervorgeht, bezifferten sich die Erstattungssätze der
Grundversicherung pro Leiden im Durchschnitt bei Pflegekosten auf
1000 Dollar, bei Krankenhausnebenkosten auf 300 Dollar,bei schweren Operationen auf 307 Dollar und bei Behandlungskosten auf 517 Dollar - das
ergibt insgesamt für alle Aufwendungen zusammen einen Höchstbetrag von
2124 Dollar. Wie bereits erwähnt, liegt der Höchstbetrag bei den meisten
*

Etwa der höchste Anteil, der von der normalen Krankenhaus-, Operations- und Krankenkostenversicherung erstattet wird.

-

3 -

�meisten Zusatzversicherungen bei 5000 Dollar und mehr,
3. Die Versicherungsgesellschaften und verschiedene Experten
vertreten die Auffassung, daß eine lediglich teilweise Erstattung das Ergebnis der Franchise und der Selbstbeteiligung - gegenüber
einer restlosen Kostendeckung, wie sie die Grundversicherung teilweise gewährt, drei Vorteile habe;
a. Sie dämme die nicht notwendige Inanspruchnahme von ärztlichen
Dienstleistungen, teueren Heilbehandlungen und kostspieligen
Einrichtungen ein.
b. Sie rege die Patienten zu einer kritischen Kontrolle der ihnen
verrechneten Gebühren und Sätze an, was selbst nach Ansicht
der Ärzteschaft notwendig ist.
c. Sie verhindere die Erstattung von kleinen Aufwendungen und
trage somit zur Senkung der Verwaltungskosten bei, die andernfalls auf die Beiträge abgewälzt werden müßten.
Diese Vorteile werden von Sprechern der'Gewerkschaften geleugnet
oder doch als unerheblich abgetan, die den Standpunkt vertreten, die
Zusatzversicherung gewähre dem Arbeiter und Angestellten keinen Ausgleich für die normalerweise anfallenden (kleineren) Krankenkosten.
Sie weisen ferner darauf hin, daß bei Vorliegen eines mit hohen Krankenkosten verbundenen Leidens - des typischen Versicherungsfalls der
Zusatzversicherung also - "der Arbeitnehmer auf Grund der vereinbarten
Franchise und Selbstbeteiligung einen hohen Anteil an den anfallenden
Rechnungen zu tragen hat. und daß, wenn man kein Geld hat, ein- oder
zweitausend Dollar Schulden ebenso drückend sind wie eine noch höhere
Summe". *)
Neben dem begrenzten Schutz vor Vermögensverlusten führen die
Gewerkschaftler noch zwei weitere Nachteile der Zusatzversicherung an.
Der erste besteht darin, daß "die Franchise den Arbeitnehmer vielfach
davon abhält, rechtzeitig zum Arzt zu gehen" (*ebenda). Dieses Argument trifft wohl für die Gesaratversicherung (bei der die Leistungen
der Grundversicherung wegfallen) und die meisten Mehrkostenversicherungen zu, nicht aber für eine kleine Zahl von Mehrkostenversicherungen, die die Grundversicherung ergänzen und mit ihren Leistungen einsetzen, nachdem die Kosten für eine ganze Reihe von Gesundheitsmaßnahmen in der ersten Behandlungsphase von der Grundversicherung abgedeckt sind.
Ein weiterer Einwand besagt^ "die Mehrkostenversicherung inflationiert die Krankenkosten. Die Arzte richten sich in ihren Honorarforderungen nach dem Einkommen des Patienten. Diese Versicherung aber
erhöht in den Augen des Arztes die Zahlungsfähigkeit der Klienten
und kann ihn deshalb sehr leicht veranlassen, seine Rechnung weit höher
^u stellen als bei Fehlen eines solchen Versicherungsschutzes" (*ebenda).
*

"Catastrophic Illness Insurance: A Barrier on the Road to Health"
(Die Versicherung schwerer Krankheiten - ein Hindernis auf dem
Weg zur Gesundheit), AFL-CIO Publication 51 , 1957 -

�Zu dieser Frage wurde von Versicherungsgesellschaften, Ärzteverbänden, Gewerkschaften und Versicherungsexperten umfassendes
statistisches Material vorgelegt. Um derartigen inflatorischen
Tendenzen entgegenzuwirken, haben die meisten Versicherungen einen
Passus, der die Erstattung auf "vertretbare" und übliche" Aufwendungen beschränkt. Manche Gesellschaften sind deshalb auch zu der
Gepflogenheit der normalen Krankenversicherungen zurückgekehrt,
Höchstsätze für einzelne Leistungen in die Verträge einzubauen.
So wurde beispielsweise von verschiedenen Versicherungen der Pflege-,
satz auf 20 bis 25 Dollar pro Tag und der Höchstsatz für einen Hausbesuch des Arztes auf 10 Dollar festgesetzt.
Für die inflatorischen Auswirkungen der Zusatzversicherung werden vor allem zwei Erklärungen genannt: 1. Der nicht gedeckte Anteil
an den Krankenkosten (20 oder 25 Prozent) ist zu gering, um die Wahl
der Behandlungsart durch den Patienten zu beeinflussen. 2. Das Wissen
des Patienten um die Einsparungsmöglichkeiten bei den verschiedenen
Behandlungsarten reicht nicht aus, um eine sachkundige Wahl zu treffen. Um die erstgenannte Schwierigkeit wenigstens teilweise zu überwinden, erstatten einige Gesellschaften bei gewissen Leistungen, bei
denen eine Kontrolle des Kostenanfalls durch den Patienten besonders
wichtig ist, nur einen relativ kleinen Teil der Kosten. So decken sieben der in die Untersuchung einbezogenen 43 Zusatzversicherungen bei
der ambulanten Behandlung von Geisteskrankheiten und nervösem Leiden
nur 50 Prozent der Aufwendungen gegenüber dem bei anderen Erkrankungen
üblichen Anteil von 75 oder 80 Prozent.
Verbreitung der Zusatzversicherung
Von den 300 auf Grund tarifvertraglicher Regelungen bestehenden
betrieblichen Krankenversicherungen,dieindie Untersuchung des Bundesamtes
für Arbeitsstatistik einbezogen wurden, erstreckten sich 43» die insgesamt 1,2 Millionen Arbeitnehmer als Mitglieder hatten, auch auf die
Zusatzversicherung. 37 von ihnen waren Mehrkostenversicherungen, d.h.
sie ergänzten die Leistungen einer bestehenden Grundversicherung für
Krankenhaus-, Operations- und allgemeine Krankenkosten. Bis auf vier
Versicherungen schlössen sie sämtlich die Familienangehörigen der
Arbeitnehmer ein. Bei neun Versicherungen erstreckten sich die Leistungen auch auf pensionierte Arbeitnehmer und bei acht auch auf
deren Angehörige.
Die Zahl der betrieblichen Gruppenversicherungen hat sich seit
der letzten Untersuchung des Bundesamtes im Jahre 1955 verdreifacht.
Die Zusatzversicherung hat im gleichen Zeitraum eine Zunahme aufzuweisen, die sogar noch weit höher liegt. Dennoch ist diese Versicherungsart auf Grund tarifvertraglicher Vereinbarungen im Rahmen der betrieblichen Sozialleistungen noch nicht sehr weit verbreitet. Lediglich
in den Erdölraffinerien, in der Elektroindustrie und im Transportgewerbe sind 50 Prozent oder mehr der Arbeitnehmer, die einer in die
Untersuchung des Bundesamtes einbezogenen betrieblichen Krankenversicherung angehören, auch in der Zusatzversicherung. Von den 3»3
Millionen Arbeitern und Angestellten, die Mitglieder der 300 untersuchten Versicherungen sind, gehören nur 18 Prozent auch einer Zusatzversicherung an. Der Anteil der bei den untersuchten betrieblichen

-

5 -

�betrieblichen Krankenversicherungen zusatzversicherten Arbeitnehmer
aus der nichtindustriellen Wirtschaft lag mit 36 Prozent doppelt
so hoch; dies ist vor allem der Mehrkostenversicherung des nichtbetriebstechnischen Eisenbahnpersonals zuzuschreiben. Da diese
Versicherung allein fast die Hälfte aller mehrkostenversicherten
Arbeitnehmer umfaßt, macht sie sich in der Statistik natürlich
ganz einschneidend bemerkbar. Von ihr und vier weiteren Zusatzversicherungen abgesehen, handelte es sich ausschließlich um geschlossene Betriebsversicherungen. Andererseits sind viele der auf
mehrere Betriebe ausgedehnten Gruppenversicherungen in ihren Leistungen so gut, daß sich eine Zusatzversicherung erübrigt oder zumindestens nicht dringend notwendig ist.
Die Finanzierung der Zusatzversicherung
Der Beitrag für die Zusatzversicherung wird bei knapp einem
Drittel der Versicherungen ausschließlich vom Arbeitgeber bestritten,
für die Grundversicherung dagegen bei zwei Dritteln. 7/ährend die Grundversicherung in keinem Falle ausschließlich vom Arbeitgeber getragen
wird, ist dies bei fünf der 43 Zusatzversicherungen der Fall. Nimmt
man noch die Kosten für die Mitversicherung der Angehörigen dazu, so
wurde die Gesamtlast für die Grundversicherung bei der Hälfte der
Betriebskrankenkassen vom Arbeitgeber getragen, für die Zusatzversicherung dagegen nur bei einem Fünftel. Andererseits werden die Beiträge zur Grundversicherung der pensionierten Arbeitnehmer bei einem
Drittel der Versicherungen von den Pensionären allein aufgebracht,
zur Zusatzversicherung dagegen nur bei einem Neuntel.
Die Mehrkostenversicherung
Die Franchise; Fast sämtliche Mehrkostenversicherungen haben eine
"Zonenfranchise" eingeführt, das heißt, es besteht zwischen der oberen
Leistungsgrenze der Grundversicherung und dem Einsetzen der Leistungspflicht der Mehrkostenversicherung ein nicht gedeckter Bereich. Zwei
Versicherungen kennen eine "integrierte Franchise", bei- der die Leistungen der Grundversicherung von der Franchise abgerechnet werden;
das heißt, die Leistungen der Mehrkostenversicherung werden für alle
Aufwendungen gewährt, die die Leistung der Grundversicherung bzw.
die Höhe der Franchise übersteigen, wobei jeweils von dem größeren
Betrag auszugehen ist.
. Bei sämtlichen Versicherungen weist die Franchise die folgenden
drei Charakteristika auf: 1. Ein fester Dollarsatz. 2. Eine Frist, innerhalb welcher anfallende Kosten gegen die Franchise aufzurechnen sind.
3. Die Spezifikation der Leiden, die bei der Erstattung gegen ein
und denselben Franchisensatz aufzurechnen sind. Der Dollarsatz war im
allgemeinen für sämtliche Mitglieder einer Versicherung gleich, bei
sechs Versicherungen aber, die als Familienversicherungen operieren,
richtet er sich nach dem Einkommen des Hauptversicherten.
Die Zahl der Versicherungen, die die Franchise bei jedem einzelnen
Leiden in Ansatz bringen, ist etwa ebenso hoch wie die Zahl derjenigen,
die sie auf sämtliche innerhalb eines bestimmten Zeitraums behandelten
Krankheiten anwenden. Bei letzterem Typ herrschte eine 100-DollarZonenfranchise vor, wobei das Kalenderjahr als Verrechnungszeitraum zugrunde gelegt wird. Um die Härten zu mildern, die sich aus der

-

6

-

�der willkürlichen Festsetzung des Jahreszeitraums ergehen können,
gestatteten die meisten Versicherungen die Aufrechnung nicht erstatteter Beträge aus den letzten drei Monaten des Vorjahres auf die
Franchise, auch wenn sie bereits in jenem Jahr zur Abdeckung der
Franchise jenes Jahres aufgerechnet worden waren. Bei den Versicherungen, die die Franchise für jedes einzelne Leiden in Anwendung bringen,
beginnt der Verrechnungszeitraum mit dem Tag des Behandlungsbeginns
und währt zwei bis 24 Monate. Sechs der neun Versicherungen mit einer
Franchise von 100 Dollar haben einen Verrechnungszeitraum von zwei
Jahren, während vier, der insgesamt sechs Versicherungen mit einer
Franchise von 150 Dollar und darüber einen Verrechnungszeitraum
von einem halben Jahr und darunter zugrunde legen. Statt also eine
hohe Franchise durch einen langen Verrechnungszeitraum wettzumachen,
setzen die Versicherungen mit hoher Franchise sogar noch einen kürzeren Verrechnungszeitraum fest.
Die Selbstbeteiligung; Etwa die Hälfte dieser Versicherungen erstatten die Krankenkosten des Versicherten und seiner Angehörigen, soweit
sie die Leistungen der Grundversicherung und die Franchise übersteigen,
zu 75 Prozent, die andere Hälfte zu 80 Prozent. Eine Versicherung gewährt
sogar 90 Prozent. Zwei Drittel der Versicherungen, die die Aufrechnung
der Kosten für die Behandlung sämtlicher Leiden auf die Franchise gestatten, vergüten 80 Prozent, während andererseits zwei Drittel der
Gesellschaften, die die Franchise bei jedem einzelnen Leiden anwenden,
lediglich 75 Prozent erstatten. Bestimmte Aufwendungen, wie beispielsweise die ambulante psychiatrische Behandlung, werden nur zu einem
geringeren Prozentsatz - im allgemeinen 50 Prozent - durch die Versicherung abgedeckt; in einem Fall besteht sogar ein Leistungsausschluß.
Auswirkungen der Festsetzung eines bestimmten Verrechnungszeiträumst
20 Versicherungen, das ist etwas mehr als die Hälfte, decken die Aufwendungen der Arbeitnehmer für sämtliche Leiden während eines bestimmten
Zeitraums - gewöhnlich des Kalenderjahrs. Zieht sich eine Krankheit
bis ins folgende Kalenderjahr hin, so wird für dieses wiederum die
Franchise abgezogen, ehe die Leistungspflicht der Gesellschaft beginnt;
das gleiche gilt für jedes weitere Jahr. Um Härten zu mildern, die sich
aus den willkürlich festgesetzten Anfangs- und Enddaten des Verrechnungszeitraums ergeben können, weisen die Verträge von 11 der 16 Gesellschaften,
die das Kalenderjahr als Verrechnungszeitraum zugrunde legen, eine Bestimmung auf, die besagt, daß die in den letzten drei Monaten eines Kalenderjahres anfallenden Aufwendungen sowohl auf die Franchisen dieses
als auch des nächsten Jahres aufgerechnet werden können.
Nicht ganz die Hälfte der Zusatzversicherungen, 17 insgesamt, stimmen den Leistungszeitraum auf die Krankheitsdauer ab. Die meisten
decken die Krankenkosten, die während der ersten zwei Jahre nach Krankheitsbeginn anfallen, fünf sämtliche Kosten, acht die Kosten nach Abzug
der Franchise. Eine Leistungspflicht über zwei Jahre hinaus besteht nicht.
Die Länge und Handhabung des Verrechnungszeitraums bei der Familienversicherung zeigt im allgemeinen dieselben Y/esensmerkmale wie bei der
Versicherung des Arbeitnehmers selbst, schon weil sämtliche Versicherungen
bis auf vier ohnehin die Angehörigen mitversichern. Pensionierte

- 7 -

�Pensionierte Arbeitnehmer und deren Familienangehörige werden jedoch
nur von fünf Gruppenversicherungen mit erfaßt; bei diesen gilt, mit
einer Ausnahme, daß das Kalenderjahr für sämtliche in ihm behandelten
Leiden als VerrechnungsZeitraum anzusehen ist, für den eine Franchise
in Anwendung zu bringen ist.
Die Leistungshöchstsätze: Unter den 20 Versicherungen, die die Aufrechnung der Aufwendungen für sämtliche behandelte Leiden innerhalb eines
Verrechnungszeitraums von 12 bis 24 Monaten gestatten, besteht bei 17
keine Erstattungsgrenze innerhalb des Verrechnungszeitraums. Bei neun gilt
vielmehr eine. - auf Lebensdauer bemessene - Leistungsgrenze von 10 000
Dollar, bei einer eine von 7500 Dollar und bei sieben eine von 5000
Dollar (siehe Tabelle I und II). Zehn der 17 Versicherungen, die ihre
Leistungen pro Erkrankung auf Höchstsätze beschränken, erstatten Aufwendungen bis zur Höhe von 5000 Dollar pro Leiden und haben, mit einer
Ausnahme, keine auf Lebenszeit bemessenen Höchstsätze. Die restlichen
Versicherungen arbeiten entweder mit einer Höchstgrenze auf Lebensdauer von 5000 Dollar (in einem Fall 10 000 Dollar) oder einem Höchstsatz von 5000 Dollar während eines Verrechnungszeitraums.
Während Aufwendungen von über 5000 Dollar für ein Leiden selten
erforderlich werden dürften, kann sich die Leistungsgrenze von 5000 oder
10 000 Dollar auf Lebensdauer, das sind für junge Menschen gegebenenfalls 45 und mehr Jahre, als ein großer Nachteil erweisen. Zwei Drittel
der Versicherungen haben sich eine solche Leistungsgrenze von 10 000
oder weniger Dollar für den Arbeitnehmer ausbedungen. Der abträgliche
Effekt einer derartigen Beschränkung wird durch eine in fast allen
Verträgen zu findende Klausel etwas gemildert, derzufolge die Wiederherstellung des Höchstsatzes bei Mitgliedern möglich ist, die sich
einer guten Gesundheit erfreuen ("bei genügendem Nachweis der Versicherungswürdigkeit"). Diese Bestimmung schließt allerdings die Versicherten mit wiederholt auftretenden oder chronischen Erkrankungen
aus, mit anderen Worten gerade jene, die eines erweiterten Versicherungsschutzes am ehesten bedürfen.
Die Gesamtversicherung
Sechs der in Rede stehenden betrieblichen Zusatzversicherungen waren
sogenannte Gesamtkostenversicherungen, d.h., sie ersetzten die Grundversicherung, statt sie zu ergänzen. Von dieser Versicherung wurden insgesamt rund 200 000 Arbeitnehmer in Form von Gruppenversicherungen mit.
2400 bis 120 000 Mitgliedern erfaßt. Fünf der Versicherungen erstreckten
sich auch auf die Angehörigen der Arbeitnehmer, vier auch auf die pensionierten Arbeitnehmer und drei auch auf deren Familienangehörige.
Diese Versicherungen haben höhere Leistungen aufzubringen als die
Mehrkostenversicherungen, da die Franchise rascher aufgebraucht wird.
Sie ist niedriger - im allgemeinen beträgt sie 25 oder 50 Dollar gegenüber 100 Dollar und mehr bei der Zusatzversicherung - und wird, von
einer Versicherung abgesehen, gegen die Aufwendungen für sämtliche
im Laufe eines Jahres (und darüber) behandelten Krankheiten aufgerechnet und nicht - wie bei fast der Hälfte der Mehrkostenversicherungen bei jedem einzelnen Leiden neu angerechnet. Bei der Mehrkostenversicherung

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�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziebungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
USIS-Bonn/Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht -als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XIV - 7/8

Bad Godesberg, den 1. Juli 1961
INHALTSVERZEICHNIS

Die Herausforderung der "zweiten industriellen
Revolution"

Seite

1

"Gewerkschaftsfamilien" sind finanziell besser dran

Seite

8

Die Entwicklung des US-Personaleinkommens seit 1950

Seite

11

Seite

11

Seite

12

Seite

14

Sicherung der Arbeitsplätze durch rechtzeitige
Umschulung
Neue Formel für den Arbeitsfrieden

«

Gewerkschaftliche 'Kurznachrichten

Arthur J. Goldberg, Arbeitsminister der Vereinigten Staaten von Amerikai
Die Herausforderung der "zweiten industriellen Revolution"
In dem nachstehenden Artikel behandelt US-Arbeitsminister Arthur J. Goldberg die Frage, wie sich
eine notwendige fortgesetzte Steigerung der Produktivität durch Einführung arbeitsparender Maschinen realisieren läßt, ohne daß dadurch unnötige
wirtschaftliche und soziale Härten für den einzelnen entstehen und ohne daß daraus eine größere
Arbeitslosigkeit resultiert.
Der Artikel wurde dem "New York Times Magazine"
entnommen. Nachdruck nur mit Angabe des Verfassers,
der Quelle und dem Vermerk "(c) 1961 by The New
York Times Company" gestattet.
Präsident Kennedy hat eine aus sieben prominenten Vertretern des
Managements, sieben Spitzenfunktionären der Gewerkschaften, fünf bekannten Privatpersonen und dem Handelsminister Hodges und mir bestehende Gruppe mit der Aufgabe betraut, allgemeine Richtlinien auszuarbeiten,
die von den Gewerkschaften, dem Management und der Öffentlichkeit im
Hinblick auf solche wirtschaftspolitische Fragen beherzigt werden
sollten wie der Wettbewerb auf dem Weltmarkt oder "die Segnungen und
Probleme, die sich aus der Einführung der Automation ergeben".

Wir

�Wir haben diesen Auftrag zu einem Zeitpunkt übernommen, der durch
stark kontrastierende Wirtschaftstrends gekennzeichnet war. Die Gesamtzahl der Beschäftigten lag z.B. im Februar dieses Jahres mit 64,7 Millio-.
nen auf einem Rekordniveau, während gleichzeitig die Erwerbslosenziffer
bis auf 5»705 Millionen angestiegen war und damit den höchsten Stand
seit 1941 erreichte.
Ich habe mit Hunderten von Arbeitslosen in den Industriegebieten
von Chicago, Gary, South Bend, Detroit, Pittsburgh und in den Erzbergbaugebieten von Minnesota gesprochen. In jenen Gebieten drückt sich der
Wirtschaftstrend in seinen lebenden Komponenten aus - Männer und Frauen
mit Namen und Schicksalen, mit Familien und Problemen, mit Vergangenheit
und Zukunft. Einige von ihnen waren Maschinenwärter, andere Zimmerer
oder Maler, dritte Bergleute oder Fließbandarbeiter und so fort - ein
vollkommener Querschnitt durch die gesamte Berufsskala. Alle hatten
nur einen Gedanken: Was soll werden? Für viele von ihnen ist eine
wirtschaftliche Erholung gleichbedeutend mit einer Beschäftigung. Sie
würden an ihren Arbeitsplatz zurückkehren und versuchen dort fortzufahren, wo sie aufgehört haben. Für andere jedoch ist der Arbeitsplatz
ein Opfer der durchgreifenden Veränderungen im Wirtschaftsleben, insbesondere in den Industriebetrieben, geworden.
Diese allgemein sehr vage durch den Gattungsnamen "Automation" umrissenen Veränderungen sind inzwischen so deutlich geworden, daß einige
Wirtschaftler sie als "eine zweite industrielle Revolution" bezeichnet
haben.
Die Automation ist die jüngste Phase in der jahrhundertelangen
Suche nach Möglichkeiten, die menschliche Arbeitskraft durch mechanische oder andere Formen der Energie zu ersetzen. In der industriellen
Revolution des 19» Jahrhunderts befreiten die kraftangetriebenen Maschinen den Menschen zum ersten Mal in der Geschichte von gewissen
Formen körperlicher Arbeit. Dieser Prozeß hat sich weiter fortgesetzt.
In den ersten Entwicklungen auf diesem Gebiet wie der Getreidemühle
Oliver Evans1 mit ihren Förderbändern und Rutschen, den automatischen
Kontrollen James Watts für seine Dampfmaschine und der Rechenmaschine
von Charles Babbage sind dabei die Anfänge der heutigen automatischen
Mammutproduktionsverfahren zu erblicken, in denen Erdöl raffiniert
wird, Artilleriegeschosse, Bäckereiwaren, Chemikalien, Motorblöcke
hergestellt und Elektrizität, Atommaterial und viele andere Dinge
erzeugt werden.
Seit dem Ende des zweiten Weltkrieges hat die Automation durch
ein neues Element weiteren Auftrieb erhalten: das zunehmende Wissen
in der Bearbeitung von Informationen, wie es in den elektronischen
Rechensystemen und Rechnern seinen Ausdruck findet. Mit dem Elektronengehirn, das eine Kontrolle der "mechanischen Muskeln" ermöglichte, wurde
zwar die Vollautomation der Büros und Fabriken möglich, aber gleichzeitig damit zeichnete sich auch das Gespenst schwerer Dislozierungen
auf dem amerikanischen Arb,eitsmarkt ab.
Das Kernproblem, das sich der amerikanischen Wirtschaft heute
stellt - und das bei allen bedeutenden industriellen Verhandlungen in
irgendeiner Form gegenwärtig ist - heißt, auf einen einfachen Nenner
gebracht: Wie läßt sich die notwendige fortgesetzte Steigerung der

- 2 -

�der Produktivität mittels Einführung arbeitsparender Maschinen ohne
Härten für den einzelnen und ohne weitverbreitete Arbeitslosigkeit
realis ieren?
Dieses Problem ist allen westlichen Volkswirtschaften bekannt.
In Samuel Gompers' Selbstbiographie z.B. ist eine ergreifende Erinnerung
aus dem London der fünfziger Jahre des vorigen Jahrhunderts enthalten!
"Eine meiner ersten, stärksten Erinnerungen ist die große Not, die über
die Seidenweber hereinbrach, als Maschinen erfunden worden waren, durch
die ihre handwerklichen Fähigkeiten überflüssig wurden und die sie von
ihren Arbeitsplätzen verdrängten. Mit keinem Gedanken dachte man damals
an jene Menschen, deren Handwerk ausgelöscht worden war. Elend und Ungewißheit erfüllten die Nachbarschaft mit einer Atmosphäre der Furcht.
In den engen Gassen hallten die Schritte der Menschen wider, die, ohne
Arbeit, in Gruppen auf und ab gingen."
Solche schweren Zerrüttungen mit schwerem menschlichen Leid im
Gefolge sind historische Phänomene.
Heute sind die Auswirkungen solcher technischen Veränderungen
durch ein Wirtschaftssystem gemildert, dessen allgemeine Charakteristika
die zahlreichen Arbeitsmöglichkeiten, die Entstehung neuer Arbeitsplätze
in den Dienstleistungszweigen und im Handel, die Regierungsprogramme,
wie etwa die Arbeitslosenversicherung.sind sowie die durch Privatinitiative ausgehandelten "Stabilisatoren" wie die zusätzliche Arbeitslosenunterstützung, die in einigen Fällen dem Arbeitnehmer sogar dann noch
gezahlt wird, wenn er in einem anderen Industriezweig auf eine neue
Tätigkeit umgeschult wird.
Die großen technischen Veränderungen haben sich in der Vergangenheit über Zeiträume von vielen Jahren erstreckt. Wenn sie sich in dem
kurzen Zeitraum von nur fünf Jahren vollzogen hätten, wären die Auswirkungen sowohl auf die Wirtschaft als auch auf das soziale Gefüge weit
aus stärker gewesen. Heute jedoch wird das Tempo der Automation noch
durch den Druck zahlreicher Faktoren beschleunigt. Der wichtigste dieser
Faktoren ist zweifellos die Überalterung der amerikanischen Industrieanlagen. Wie eine zuverlässige Schätzung zeigt, würde es rund 95 Milliar
den Dollar kosten, die veralteten Produktionsanlagen und den Maschinenpark zu modernisieren bzw. die Maschinen durch neue zu ersetzen.
Gleichzeitig aber erleben wir, wie sich in Europa aus den Trümmern
des letzten Krieges eine neue industrielle Struktur - moderne Anlagen
mit automatisierten Maschinen - entwickelt. Die Erzeugnisse aus diesen
Anlagen bedeuten heute für uns eine schwerwiegende Konkurrenz auf jenen
Märkten, die einstmals unsere ureigenste Domäne waren. Diese beiden
Faktoren - die Überalterung im Lande selbst und der wachsende Wettbewerb im Ausland - sind es denn auch, die dem Wunsch, zu verbessern und
zu modernisieren, Auftrieb verleihen. Hinzu kommt noch der Impuls, der
durch den ständigen Wunsch nach einem höheren Lebensstandard ausgelöst
wird. Dem erfolgreichen amerikanischen Beispiel, bessere Güter und Diens
leis'tungen einer stetig wachsenden Bevölkerung zugänglich zu machen,
liegt eine hochentwickelte Technik zugrunde.
•
Wir sind bereits Zeugen der Auswirkungen der Automation geworden.
Zwischen 1947 und 196O z.B. erhöhte sich die Arbeitsproduktivität in der

�der Privatwirtschaft jährlich im Durchschnitt um 3,5 Prozent - im Vergleich zu dem langjährigen Durchschnitt von 2,4 Prozent.
Selbst wenn man die Produktivitätsziffern der Landwirtschaft - die
ja von allen Wirtschaftszweigen durch die technologischen Veränderungen
am stärksten berührt wurde - ausklammert, beläuft sich der jährliche
Durchschnitt der Produktivitätssteigerung in der Nachkriegszeit immer
noch auf 2,7 Prozent - im Vergleich zu dem langjährigen Mittel des
nichtlandwirtschaftlichen Sektors von 2,1 Prozent.
Im Zuge dieser Produktivitätszunahme hat sich in verschiedenen
Industriezweigen ein Rückgang in der Beschäftigtenzahl vollzogen. Im
Steinkohlenbergbau z.B. stieg die Produktivität in der Nachkriegsperiode
um erstaunli-che 96 Prozent an, während gleichzeitig die Zahl der Bergleute um 262 700 abnahm. Bei den Eisenbahnen erhöhte sich die Produktivität im selben Zeitraum um 65 Prozent bei gleichzeitigem Rückgang der
Beschäftigtenzahl um 540 000.
•
Es gibt kein geeignetes Mittel, um den genauen Anteil derjenigen
Erwerbslosen 'an der Gesamtarbeitslosenziffer festzustellen, die ihren
Arbeitsplatz auf Grund der technischen Veränderungen verloren haben.
Wir wissen zwar genau, daß die industrielle Beschäftigung im Jahre
i960 um 900 000 zurückging, obwohl in jedem der ersten zehn Monate
jeweils neue Rekordstände in der Gesamtbeschäftigung erzielt wurden,
aber uns ist nicht bekannt, wie groß die Zahl der Arbeitsplätze ist,
die für immer verlorengegangen sind, wenn auch vieles darauf hindeutet,
daß der Anteil der technologischen Erwerbslosigkeit an der Gesamtarbeitslosigkeit immer größer wird. So wies die US-Wirtschaft z.B. zu
Beginn jeder der vier wirtschaftlichen Erholungsperioden der Nachkriegszeit, die den Rezessionen folgten, eine höhere Arbeitslosenrate auf. Genauso betrüblich ist die Tatsache, daß es sich bei einem
großen Teil der Erwerbslosen um langfristige Erwerbslose handelt. Im
Januar dieses Jahres z.B. waren 6^7 000 der Unbeschäftigten bereits
länger als 27 Wochen auf der Suche nach einem neuen Arbeitsplatz.
Der Schatten der technologischen Arbeitslosigkeit lastet heute
sowohl über den Stahl- und Bergarbeiterstädten als auch über den
Produktionszentren der Textil- und Fertigungsindustrie. Im vergangenen
Winter gruppierten sich die Arbeiter in West-Virginia um an den Straßenecken angezündete offene Feuer, um dort Nachrichten über Arbeitsmöglichkeiten auszutauschen. Mit dem Herannahen des Frühlings verstärken sich
zwar wieder die Hoffnungen, aber leider ist es ebenso eine Tatsache,
daß in jedem Frühjahr, von Jahr zu Jahr in verschiedenen Industriezweigen immer weniger Arbeitnehmer anzutreffen sind. Das Vermächtnis
des industriellen Fortschritts ist, auf lange Sicht betrachtet, ein
gutes gewesen. Wenn man jedoch das Problem definieren will, so muß man
auch die Verheißungen aufzeigen, und um sich den Fortschritt auszumalen, ist es erforderlich, das Problem zu umreißen. Durch die Automation
z.B. werden die beruflichen und handwerklichen Fähigkeiten der gesamten
Arbeitskräfte auf Grund der höheren Anforderungen an Erziehung und Ausbildung angehoben. Sie verheißt handwerkliehen Fähigkeiten und Intelligenz eine Belohnung. Aber sind wir überhaupt gerüstet, den Erziehungsund Ausbildungserfordernissen nachzukommen, die sich aus solchen Veränderungen ergeben?
Die

�Die Automation befreit den Menschen von der harten körperlichen
Arbeit und nimmt ihm die Produktionslast von den Schultern. Aber sind
wir - als Volk - darauf vorbereitet, die so gewonnene Freizeit konstruktiv für die Erholung im wahrsten Sinne des Wortes, für die "Neuschöpfung"
unseres Lebens einzusetzen?
Das allgemeine Ziel, die Verheißungen zu realisieren und die Probleme
zu lösen, wird von allen Amerikanern anerkannt. Die Wahl der hierfür
einzusetzenden Mittel jedoch mag umstritten sein.
Die Gewerkschaften und das Management haben in den vergangenen
zwei bis drei Jahren eine besondere Technik der Problemannäherung entwickelt: sie bemühen sich, die durch die Automation geschaffenen Probleme
vom TarifVerhandlungstisch fernzuhalten, anstatt sie vor diesem Forum
zu diskutieren. Dies geschieht meist durch die Einsetzung von Sonderausschüssen, zu denen häufig auch Vertreter der Öffentlichkeit gehören,
Ausschüsse, die außerhalb der Tarifverhandlungsarena arbeiten, fern
vom Verhandlungsdruck, von der Terminnot und den Gegenströmen. Derartige Ausschüsse sind gegenwärtig in zahlreichen Industriezweigen tätig,
so in der Stahl-, der fleischverarbeitenden und der Bauindustrie.
Auch der durch Regierungsbeschluß geschaffene Präsidialausschuß für
die Eisenbahnen, dem Vertreter der Gewerkschaften, des Managements und
der Öffentlichkeit angehören, befaßt sich mit dem komplizierten Problem
der Arbeitsfragen und Arbeitspraktiken.
Kann diese Technik des Problemstudiums und der Ausarbeitung von
Lösungen funktionieren? "Wenn sie auch ein Beispiel des "good will" und
des gesunden Menschenverstandes ist, so ist sie doch auch gleichzeitig
ein Zeichen der Unfähigkeit in der Vergangenheit, die Auswirkungen der
Automation im voraus richtig einzuschätzen. Alle diese Ausschüsse sind
praktisch ex post facto Gremien, von denen einige nach Streiks gebildet,
andere schnell zusammengestellt wurden, als ihre Notwendigkeit offenbar
wurde. Ich glaube, daß sie in der Lage sind, Lösungen zu finden. Gleichzeitig aber zeigen die vom US-Arbeitsministerium durchgeführten Untersuchungen mit aller Deutlichkeit, daß - wenn Gewerkschaften und Unternehmen in bestimmten Industriezweigen die technischen Veränderungen im
voraus durchplanen und die möglichen Auswirkungen analysieren, bevor
die Veränderungen durchgeführt werden - die Auswirkungen der Automation
beträchtlich abgeschwächt und häufig sogar aufgehoben werden können,
während sich gleichzeitig der Gesamtnutzen für die betreffende Industrie
erhöht.
Eine der großen Produktionsfirmen in Radio-, Fernseh- und Phonogeräten in den USA stellte z.B. ihren Betrieb vor einigen Jahren auf
vollautomatische Fertigung um. Die Gewerkschaftsvertreter wurden rechtzeitig darüber informiert, und Umstellung^- und Verfahrensregeln für
die Weiterbeschäftigung einiger Arbeiter, die Transferierung anderer
und die Aufstufung dritter wurden festgelegt. Nicht ein einziger Arbeitsplatz ging hier verloren. Der Lohn für einige der neuen, automatisierten
Arbeitsplätze erhöhte sich um 5 bis 15 Prozent. Lohnanreizsysteme wurden
für andere, ältere Arbeitsplätze eingeführt, deren Charakter sich geändert
hatte. Der gesamte Übergang vollzog sich geora.net und wirkungsvoll.
Ähnlich günstige Erfahrungen machte auch eine Lebensversicherungsgesellschaft. In einer ihrer Abteilungen wurden monatlich 850 000 Policenveränderungen bearbeitet und dafür 125 Lochkartenmaschinen und 198

- 5-

�198 Angestellte eingesetzt. Das Unternehmen entschloß sich, einen Elektronenrechner aufzustellen, der nach seiner Schätzung die Betriebskosten
pro Jahr um 200 000 Dollar senken, die Zahl der Lochkartenmaschinen auf
21 verringern und uie Zahl der Angestellten auf 85 .-Grabsetzen würae .
Nachdem die Entscheidung für die Umstellung gefallen war, ging das Unternehmen daran, uie personellen Veränderungen sorgfältig durchzuplanen.
die von der Umstellung betroffenen Angestellten wurden rechtzeitig informiert, und jeder wurde in längeren Interviews darüber befragt,
welchen anderen Arbeitsplatz im Betrieb er gerne übernehmen möchte.
Alle Befragten, die entsprechende Wünsche äußerten, konnten erfolgreich
an neue Arbeitsplätze transferiert werden.
Das gleiche traf auch für eine Großbäckerei, eine Ölraffinerie
sowie für andere vom Arbeitsministerium untersuchte Betriebe zu.
Aus all den Betriebsuntersuchungen schälten sich einige sehr bedeutsame Faktoren heraus, deren Vorhandensein die Umstellung auf die Automation sowohl *u einem menschlichen als auch zu einem technischen Erfolg
machte. Hierzu gehörtem
1. eine ausreichende Zeitspanne zwischen der Entscheidung, zu automatisieren, und dem tatsächlichen Beginn der Umstellung;
2. gründliche Beratungen zwischen Gewerkschaften und Unternehmensführung
über die zu erwartenden Arbeitsplatzveränderungen und Arbeitsplatzverlustej
J. eine offene und ehrliche Aufklärung der unmittelbar Betroffenen und
4. der vielleicht wichtigste Faktors die zeitliche Festlegung der Umstellung
auf eine Periode der Beschäftigungs- und Marktexpansion.
Die Erfahrungen der Unternehmen, die ihre Betriebe erfolgreich auf
die Automation umgestellt haben, zeigen, daß - wenn die Umstellung auf
die Automation in einer Periode der Beschäftigungszunahme und des wirtschaftlichen Wachstums vorgenommen wird - sie nur wenige Probleme bietet,
die nicht durch angemessene und offene Planung gelöst werden können.
Auf der anderen Seite jedoch kann die Automation, wenn sie in Perioden
abnehmender Beschäftigungsmöglichkeiten und rückläufiger wirtschaftlicher
Aktivität vorgenommen wird, schwerwiegende Auswirkungen auf das gesamte
Arbeitspotential haben.
Wenn z.B. die Beschäftigungsmöglichkeiten auf Grund absinkender
wirtschaftlicher Aktivität abnehmen, so hat derjenige Arbeitnehmer,
der seinen Arbeitplatz auf Grund technologischer Veränderungen verliert,
nur begrenzte Alternativen, una zwar sowohl an seinem Wohnsitz als auch
an anderen Plätzen. Auch in Perioden geringen wirtschaftlichen Wachstums
sind die Möglichkeiten eines Betriebes, den freigesetzten Arbeitskräften
im Rahmen des gleichen Unternehmens einen Ausweicharbeitsplatz anzubieten,
häufig sehr begrenzt.
Eines der wichtigsten bisherigen Erkenntnisse ist es, daß die Notwendigkeit einer Ausbildung und Umschulung der Arbeitskräfte auf allen
Gebieten des amerikanischen Lebens besteht. Kein Unternehmer oder
Arbeitnehmer ist hiervon ausgeschlossen, und jeder, der diese Notwendigkeit ignoriert, tut dies zu seinem eigenen Schaden.
Ebenso

�Ebenso klar ist es jedoch auch, daß man keinen allgemeingültigen
Plan für die Anhebung der beruflichen Fähigkeiten einer Arbeitnehmerschaft
aufstellen kann, die so vielschichtig und verschiedenartig ist wie die
unsrige. Die Situation in jeder Gemeinde und innerhalb eines jeden Industriezweiges ist so, daß sie ihre eigenen Mittel und Wege erfordert.
Alle setzen jedoch die Notwendigkeit für eine maximale Zusammenarbeit
zwischen den einzelnen Segmenten der Gemeinde voraus - Erziehungswesen,
Geschäftswelt und Gewerkschaften, um nur drei zu nennen.
Die Entwicklungen in Hazleton (Pennsylvanien) und Phoenix (Arizona)
sind solche richtungweisenden Beispiele hierfürt Auf Grund des Rückgangs
in der Steinkohlenproduktion war die Erwerbslosensituation in Hazleton
sehr kritisch geworden. Im Jahre 1958 erklärte sich ein Unternehmen bereit, ein stillgelegtes Eisenbahnbetriebswerk zu übernehmen, das von der
Hazleton Industrial Development Corporation erworben und für industrielle
Zwecke umgebaut worden war. Im letzten Frühjahr nun hatte dieses Unternehmen großen Bedarf an gelernten Maschinisten« jedoch nur zwei der 40
Bewerber entsprachen den an sie gestellten handwerklichen Ansprüchen.
Das Unternehmen trug sich daraufhin mit Abwanderungsplänen.
In dieser kritischen Situation kamen dann Vertreter der Entwicklungsgesellschaft, der Handelskammer, des staatlichen Arbeitsvermittlungsdienstes und der Abteilung Lehrlingsausbildung und berufliche Fortbildung
des Arbeitsministeriums zusammen, um die Lage zu erörtern. Das Ergebnis
dieser Zusammenkunft war, daß ein kommunales Ausbildungsprogramm für
Maschinenwärter aufgestellt wurde. Der Kursus wurde an der Berufsschule
in Hazleton durchgeführt, und zu den Teilnehmern zählten sowohl Arbeitnehmer des Unternehmens als auch Arbeitslose aus anderen Gebieten.Der Bundesstaat Pennsylvanien stellte außerdem zusätzliche Gelder
für die Anschaffung der erforderlichen Lehrmittel bereit, und ein sechsköpfiger, aus Vertretern der Gewerkschaft' und.des Managements bestehender
Ausschuß wurde mit der praktischen Durchführung des Programms beauftragt.
Die Handelskammer führte außerdem eine Analyse über die beruflichen
Fähigkeiten der in diesem Bezirk registrierten Arbeitskräfte durch, und
als Ergebnis dieser Untersuchung wurden kürzlich zwei Förderklassen
für Aufsichtskräfte an der Staatsuniversität Pennsylvanien eingerichtet.
Später kamen dann noch Klassen für Maschinenbau, technisches Zeichnen
und angewandte Mathematik hinzu. Dies ist die Hazleton-Story, eine
Story von der umfassenden kommunalen Zusammenarbeit zur Deckung des
Bedarfs an speziell geschulten Arbeitskräften. Ihren Hintergrund bildete eine starke Arbeitslosigkeit, die durch den Rückgang der Kohleproduktion bedingt war.
In Phoenix dagegen waren die wirtschaftlichen Zusammenhänge andere,
wenn auch die Umstände und die Reaktion die gleichen waren. Nachdem hier
vor einigen Jahren eine umfassende Analyse über die Qualifikationen der
Arbeitnehmer durchgeführt worden war, taten sich weitsichtige Unternehmen
und Gewerkschaften mit anderen zivilen und Schulgruppen zusammen, um ein
Programm zu entwickeln, durch das sichergestellt werden sollte, daß die
beruflichen und handwerklichen Fähigkeiten der Arbeitnehmer den künftigen.Bedürfnissen angepaßt werden. Diese Fortbildungsprogramme werden
heute durchgeführt und von all jenen Kreisen der Stadt unterstützt,
denen das Interesse ihrer Stadt und im weiteren Sinne auch das des gesamten Landes genauso am Herzen liegt wie ihr eigenes.
Viele andere Städte und Gemeinden haben mit ähnlichen gemeinsamen
Attacken auf das berufliche Fortbildungsproblem begonnen. Dennoch werden
sie, von einigen Bundesprogrammen unterstützt, nur dann Erfolg haben,
wenn ihnen die Gesamtwirtschaft Arbeitsplätze und Geschäftsmöglichkeiten

- 7-

�Geschäftsmöglichkeiten zu bieten vermag.
Das Kernproblem, dem sich der Beratungsausschuß des -Präsidenten
für Arbeitgeber—Arbeitnehmerfragen gegenüber sieht, erstreckt sich daher
auch nicht nur auf die Wege und Mittel oder auf die Möglichkeiten des Informationsaustausches, sondern darüber hinaus auch auf die allgemeinen
Überlegungen, die darauf ausgerichtet sind, eine Volkswirtschaft zu schaffen, in der die Automation ungehindert und ohne Schaden anzurichten funktionieren kann.
Die Untersuchung des Automationsproblems macht eines möglicherweise
zu einem wesentlichen Element des amerikanischen Lebens« die Verantwortung
gegenüber dem öffentlichen Wohl, die den privaten Entscheidungen einer
freien Wirtschaft innewohnt. Sie führt dem Geschäftsmann die Tatsache vor
Augen, daß sein Geschäftsgebaren nicht nur das Leben und die Wohlfahrt
seiner Angestellten beeinflußt, sondern auch das nationale Wohlergehen.
Sie erinnert die Gewerkschaftsführer daran, daß konstruktives und schöpferisches Planen jene Opposition ersetzen muß, die sich auf kurzfristige
Erwägungen stützt. Und sie macht der öffentlichkeit klar, daß der Preis
der Freiheit im Wirtschaftsleben Verantwortung heißt.
Aufgeschlossene Geschäftsleute, weitsichtige Gewerkschaftsführer
und eine verantwortungsbewußte Öffentlichkeit können zusammen die Automation zu einem allgemeinen Segen machen. Die von den industriellen und
nationalen Ausschüssen entwickelten Richtlinien und Programme sollten
daher auch von allen Amerikanern sorgfältig studiert werden, denn es
kann sich dabei durchaus um die Blaupausen für eine bessere Welt handeln.
Aus "The New York Times Magazine". Nachdruck
nur mit Angabe des Verfassers, der Quelle und
dem Vermerk "(c) 1961 by The New Xork Times
Company" gestattet.
* * * * *

Peter Henle, Stellvertretender Forschungsdirektor der AFL-CIO:
"Gewerkschaftsfamilien" sind finanziell besser dran
Aufbauend auf der letzten der jährlich vom Forschungszentrum der
Universität Michigan durchgeführten Untersuchungen über die Veränderungen im wirtschaftlichen und sozialen Status amerikanischer
Familien, hat die Forschungsabteilung der AFL-CIO kürzlich eine
Vergleichsanalyse über gewerkschaftlich organisierte und solche
Familien durchgeführt, deren Haupternährer keiner Arbeitnehmerorganisation angehört.
Die wichtigsten Ergebnisse dieser ersten Untersuchung dieser Art
werden in folgendem Artikel von dem stellvertretenden Forschungsdirektor der AFL-CIO Peter Henle kommentiert und erläutert. Der
Artikel wurde - stark gekürzt - der Gewerkschaftspublikation "The
American Federationist" entnommen. Nachdruck nur mit Angabe des
Verfassers und der Quelle gestattet.
Die neuesten Ergebnisse lassen erkennen, daß sich der Status des
größten Teils der "Gewerkschaftsfamilien" in den letzten Jahren erheblich
verändert hat! die Einkommen sind angestiegen; sowohl die Spareinlagen
als auch die Summe der Gesamtschulden haben sich etwas erhöht; die
Zahl der Eigenheimbesitzer ist größer geworden; viele haben ihren
Wohnsitz aus den Stadtkernen in die Vororte verlegt, und gleichzeitig
sind zahlreiche Gewerkschaftsfamilien aus der unteren in
- 8 -

�in die mittlere Einkommensklasse aufgerückt. Die Vergleichsziffern
lassen ferner erkennen, daß die finanzielle Lage der gewerkschaftlichen
Familien im allgemeinen besser ist als die der nichtgewerkschaftlichen.
Das Porträt der gewerkschaftlichen "Durchschnittsfamilie" - das sich
übrigens weitgehend mit dem der amerikanischen Durchschnittsfamilie
deckt - sieht dabei wie folgt aus: Der Ernährer ist etwa 35 bis 44
Jahre alt, mehr als 10 Jahre verheiratet und hat zumindest 2 oder 3
Jahre eine höhere Schule besucht. Fast 3/4 dieser Familien wohnen in
den Städten oder in den Vororten - das ist ein höherer Prozentsatz
als bei den anderen Familien - und geben monatlich 25 bis 100 Dollar
für Miete aus, genausoviel wie die anderen Familien. Rund die Hälfte
der Gewerkschaftefamilien zahlt dabei Mieten'^ die zwischen 50 und 75
Dollar liegen.
Zur Ermittlung der Einkommenshöhe wurden drei verschiedene EinkommPiBnngaben verwendet: das Arbeitseinkommen des Haupternährers; die
Arbeitseinkommen aller Familienmitglieder sowie das gesamte Familieneinkommen einschließlich der Einkommen aus Mieten, Zinsen, Dividenden
usw.
Ganz gleich, welchen Maßstab man anlegt, in allen Fällen zeigt
sich, daß die Gewerkschaftsfamilien im Durchschnitt ein höheres Einkommen aufweisen als die gewerkschaftlich nicht organisierten, selbst
wenn man berücksichtigt, daß es verhältnismäßig mehr nichtgewerkschaftliche Familien gibt, die mit ihrem Einkommen in der höchsten
Einkommensgruppe liegen.
Betrachten wir zuerst einmal das Arbeitseinkommen des Familienvorstandes. Hier zeigt sich, daß mehr als 1/3 der nichtgewerkschaftlichen Familien in der unteren Einkommensgruppe liegt (Jahreseinkommen
unter 3000 Dollar), während andererseits nur 12 Prozent der Gewerkschaftsfamilien in diese Gruppe fallen. Mehr als 3/4 der letztgenannten
Familien verdienen 3000 bis 7500 Dollar pro Jahr, wobei die häufigste
Einkommenshöhe 5000 Dollar und mehr beträgt.
Bei rund einem Viertel aller Gewerkschaftsfamilien ist noch ein
zweites Familienmitglied tätig - das ist ein etwas höherer Prozentsatz
als bei den Normalfamilien. Das Einkommen dieses Mitverdieners ist in
der Regel nicht unerheblich höher als bei den Zweitverdienern anderer
Familien und liegt im Durchschnitt über 2000 Dollar im Jahr. Rechnet
man diese zusätzlichen Arbeitseinkommen zu den Haupteinkommen der
Familien hinzu, so zeigt sich, daß die Gesamteinkommen bei den Gewerkschaftsfamilien höher sind als bei den anderen..
Während rund 1/3 aller 'nichtgewerkschaftlichen Familien selbst
mit ihrem Doppeleinkommen noch unter der 3000-Dollar-Grenze bleiben,
fällt von den Gewerkschaftsfamilien nur jede zehnte in diese Einkommensgruppe. Andererseits beläuft sich dieses doppelte Arbeitseinkommen bei
rund 60 Prozent aller Gewerkschaftsfamilien auf über 5900 Dollar pro
Jahr.
Legen wir das gesamte Familieneinkommen als Basis an, so zeigt
sich, daß auch hier die Gewerkschaftsfamilien besser abschneiden, obwohl
die Einkommen aus Mieten, Dividenden, Zinsen usw. der gewerkschaftlich
nicht organisierten Familien beträchtlich höher sind.
Es

- 9-

�Es ist in diesem Zusammenhang besonders bemerkenswert, daß noch
ein Viertel aller nichtgewerkschaftlichen Familien ein Jahreseinkommen
von weniger als 3000 Dollar aufweisen und daß die Zahl der Gewerkschaftsfamilien mit einem Gesamteinkommen von über 4000 Dollar weitaus größer
ist als die der anderen Familien.
Rund die Hälfte der Gewerkschaftsfamilien hat ein Jahreseinkommen
von über 6000 Dollar und liegt damit in der mittleren Einkommensklasse.
Etwa 7 Prozent beider Familiengruppen verfügen über Einkommen von über
10 000 Dollar, während bei den Einkommen über 15 000 Dollar pro Jahr die
Zahl der nicht gewerkschaftlich organisierten Familien relativ größer ist«
Eine andere Möglichkeit zur Bestimmung des finanziellen Familienstatus besteht darin, die gesamten verfügbaren Geld- und Kapitalreserven aufzurechnen. In der Untersuchung der University of Michigan wurden in dieser
Hinsicht folgende Posten erfaßt:: Bankkonten, Savings Bonds, Lebensversicherungen, Aktien und Grundbesitz. Ebenso wurden Hypotheken- und Abzahlungsschulden erfaßt.
Nach dieser Übersicht ergibt sich, daß 3/4 aller Gewerkschaftsfamilien über flüssige Mittel in irgendeiner Form verfügten, deren Höhe
sich zwischen 500 und 1000 Dollar bewegte. Die am meisten bevorzugte Form
der Kapitalansammlung war das Kontensparen (50 Prozent aller verfügbaren
Mittel), während 90 Prozent eine Lebensversicherung abgeschlossen hatten
und 8 Prozent (13 /° bei den anderen Familien) Aktien besaßen.
Genauso wie die Gesamtguthaben sind auch die Verbindlichkeiten der
Gewerkschaftsfamilien etwas höher. Rund 2/3 dieser Familien hatten
Teilzahlungsschulden, gegenüber nur rund 50 Prozent der nichtgewerkschaftlichen. Auch die durchschnittliche Schuldensumme" lag mit 500
Dollar etwas über der der nicht gewerkschaftlich organisierten Familien,

Stark gekürzt aus "The American
Federationist".
Nachdruck nur mit Angabe des Verfassers
und der Quelle gestattet.
* * * * *

- 10 -

�Die Entwicklung des US-Personaleinkommens seit 1950
Zu den herausragendsten Entwicklungen der amerikanischen Wirtschaft
während der vergangenen 10 Jahre gehört ohne Zweifel auch die beträchtliche Zunahme des Personaleinkommens, das gegenwärtig eine Jahresrate
von 410 Mrd. Dollar erreicht hat und damit gegenüber 1950 (230 Mrd.
Dollar) um 180 Mrd. Dollar oder um 80 Prozent angestiegen ist.
Das Phänomen dieser stetigen Aufwärtsentwicklung der persönlichen
Einkommen war dabei wohl die Tatsache, daß sogar in den verschiedenen
Rezessionsperioden dieser Trend nicht eingedämmt wurde. Selbst im vergangenen Jahr wurde - obwohl seit Mitte des Jahres ein Rückgang in der
wirtschaftlichen Aktivität eingetreten war - mit 402 Mrd. Dollar eine
neue Spitze erzielt, die um 21 Mrd. Dollar oder um rund 5 Prozent über
dem Ergebnis von 1959 lag. Das Pro-Kopf-Bruttoeinkommen, erhöhte sich dabei
um etwas mehr als 4 Prozent auf 224 2 Dollar. Aber selbst nach Abzug
der Steuern ergibt sich für i960 noch ein Pro-Kopf-Einkommen von 19^9
Dollar (1959 = 1905 Dollar), was gegenüber 1950' eine Zunahme um 600
Dollar darstellt.
Den größten Anteil am Personaleinkommen haben die Arbeitseinkommen
(Löhne und Gehälter), durch die mehr als 2/3 der Gesamtsumme (196O =
285 Mrd. Dollar) aufgebracht werden. Das restliche Drittel setzt sich
aus den Einkommen der Selbständigen, Farmer und Freiberuflichen (196O =
36 Mrd. Dollar) sowie den Miet-, Dividenden- und Zinseinnahmen, den
Renten-, Erwerbslosenunterstüt.zungen usw. zusammen.
Wie unterschiedlich übrigens die Entwicklung dieser Einkommensarten seit 1951 gewesen ist, zeigt eine kürzlich veröffentlichte [Übersicht, aus der u.a. hervorgeht, daß sich die Einkommen der Selbständigen,
Farmer und Freiberuflichen in den vergangenen neun Jahren lediglich um
14»8 Prozent erhöhten, während die Arbeitseinkommen in diesem Zeitraum
um fast 60 Prozent zunahmen. Außerdem stammten 1951 mehr als 16 Prozent
des gesamten Personaleinkommens aus den Einkünften der Selbständigen,
Farmer und Freiberuflichen - heute sind es dagegen nur noch 12 Prozent.
(Quelle: Eigenbericht)

Sicherung der Arbeitsplätze durch rechtzeitige Umschulung
Wie für viele Arbeitnehmer in anderen traditionellen Berufen
haben die technologischen Veränderungen der jüngsten Zeit auch für die
Setzer, Metteure, Drucker und andere Facharbeiter des typographischen
Gewerbes zahlreiche neue Berufsprobleme mit sich gebracht - Probleme,
die insofern schwerwiegender Natur sind, als sie direkt die berufliche
Existenz dieser Fachkräfte bedrohen.
In Erkenntnis der Tatsache, daß sich durch die Einführung neuer
Maschinen und Arbeitstechniken im Druckereigewerbe auch die handwerklichen Anforderungen ändern, zahlreiche erlernte Tätigkeiten überholt
und viele neue technische Kenntnisse verlangt werden, hat die amerikanische

- 11 -

�amerikanische Druckergewerkschaft (iTU) schon im Jahre 1956 ein gewerkschaftliches Fortbildungszentrum mit dem Ziel eingerichtet, ihre Mitglieder in Fachkursen mit den neuesten Techniken vertraut zu machen
und ihnen dadurch ihren Arbeitsplatz sichern zu helfen.
Die Situation im amerikanischen Druckereigewerbe ist gegenwärtig
durch die Umstellung von den konventionellen Setz- und Umbruchverfahren
mit Bleitypen auf die sogenannten "photocomposition"- und "paste makeup"Ivlethoden gekennzeichnet. Und gerade diese beiden neuen Techniken - die
Bedienung- der Photosetzmaschinen und der Umbruch im Klebeverfahren sind es, mit denen die Mitglieder der ITU in den letzten,Jahren hauptsächlich vertraut gemacht wurden.
Insgesamt haben bisher über 1000 Mitglieder an den kostenlosen
Umschulungs- und Fortbildungskursen teilgenommen, die sich in der Regel über 3 Wochen erstrecken und 12 verschiedene Arbeitsgebiete umfassen. Dazu gehört neben der Unterweisung an den Photosetzmaschinen,
im Klebeumbruchverfahren, Layout und in der Kamerabedienung und Filmentwicklung u.a. auch die Unterrichtung über die Grundlagen der Elektrotechnik, der Farb-Werktechnik und der Farbentrennung.
Heben diesen reinen Fortbildungskursen werden außerdem noch Seminare für ehemalige Kursusteilnehmer sowie für gewerkschaftliche Lehrkräfte durchgeführt, die in den Ortsverbänden die Mitglieder theoretisch
mit den neusten technischen Entwicklungen vertraut machen. Die Dauer
dieser Kurse, die den Teilnehmern jeweils einen Überblick über den
neuesten Stand der Technik im Druckereigewerbe vermitteln sollen, beträgt 2 w ocheh. Der Lehrkörper des "ITU Training Center" besteht ausschließlich aus kompetenten Fachleuten, die Experten auf dem Gebiet
der neuen Drucktechniken sind.
(Quelle: Eigenbericht)
* * * * *

Eeue Formel für den Arbeitsfrieden
Die Vereinigte Stahlarbeitergewerkschaft (USA) und die "Kaiser
Steel Corporation" haben kürz]ich eine bemerkenswerte Vereinbarung
getroffen, die auf dem Gebiet der Arbeitgeber-Arbeitnehmerbeziehungen
insofern einen vollkommen neuen und für die Zukunft sehr bedeutsamen
Aspekt schafft, als darin vorgesehen ist, daß bei künftigen Lohnverhandlungen neben den beiden Tarifpartnern auch Vertreter der öffentlichkeit gehört werden sollen.
Die Grundlage dieses Abkommens bilden dabei die Empfehlungen, die
ein anläßlich des Stahlstreiks im Jahre 1959 gebildeter und aus Vertretern des Managements, der Gewerkschaften und der Öffentlichkeit
bestehender Dreierausschuß ausgearbeitet hat, der seinerzeit mit der
Aufgabe betraut wurde, langfristige Pläne zu entwickeln, die gewährleisten, daß Aktionäre, Arbeitnehmer und Öffentlichkeit gleichermaßen
vom Wachstum der Wirtschaft profitieren.

Zu

12 -

�Zu den wichtigsten Empfehlungen gehören dabei die Erweiterung
der ursprünglichen Funktionen des Ausschusses mit dem Ziel, diesen
als permanente Einrichtung in die Lage zu versetzen, auf harmonische
Arbeitsbeziehungen hinzuwirken, den Ablauf der Tarifverhandlungen zu
verfolgen, und, wenn nötig, die Vertreter der Öffentlichkeit im
Ausschuß zu ermächtigen, an den TarifVerhandlungen teilzunehmen,
damit sie entsprechende Empfehlungen zur friedlichen Beilegung von
Arbeitskonflikten unterbreiten können.
In der gemeinsamen Erklärung der beiden Tarifpartner wird
insbesondere auf die Tatsache verwiesen, daß die letzten Arbeitskonflikte in der amerikanischen Stahlindustrie gezeigt haben, daß
es konstruktiver Neuerungen im TarifVerhandlungswesen bedarf, damit
bestehende Differenzen auf friedliche Weise beigelegt werden können.
Bisher habe die einzige Alternative zu den zweiseitigen Verhandlungen
lediglich in der Intervention des Staates bestanden. Die Einmischung
der Regierung bringe aber insofern große Gefahren mit sich, als durch
sie die Autonomie des TarifVerhandlungswesens gefährdet werde. Da die
Maßnahmen der Regierung zudem in der Regel nicht den Vorstellungen
der Tarifpartner entsprächen, lösten sie auch häufig Verstimmungen aus.
Was beide Tarifpartner anstreben, sind Verhandlungshilfen, die
ihnen nicht aufgezwungen, sondern freiwillig von ihnen anerkannt werden.
Wenn man solche Personen als Mittler in die Verhandlungen einschalte,
die das volle Vertrauen beider Partner genießen, dann könne auf diese
Weise wesentlich zum erfolgreichen Abschluß von Kollektivverhandlungen
beigetragen und gleichzeitig die volle Handlungsfreiheit sowohl der
Gewerkschaft als auch der Unternehmensführung aufrechterhalten werden.
Aus diesem Grunde, so heißt es in der gemeinsamen Erklärung der
USA-Gewerkschaft und der "Kaiser Steel Corporation", seien beide Parteien zu dem Schluß gekommen, den dem Ausschuß ursprünglich zugewiesenen Aufgabenkreis zu erweitern, um dadurch das Kollektivverhandlungswesen zu stärken, die Voraussetzungen für eine friedliche Beilegung
von Arbeitskonflikten zu verbessern und so zum Wohle sowohl der "Kaiser
Steel Corporation", der Stahlarbeitergewerkschaft als auch der Öffentlichkeit beizutragen.
Damit der Ausschuß die von den beiden Sozialpartnern angestrebten
Ziele verfolgen kann, ist u.a. folgendes vorgesehen::
1. Die Tätigkeit des "Long-Range Committee" sind auf solche Gebiete
auszudehnen, die zur Schaffung permanent harmonischer Beziehungen zwischen den Sozialpartnern wesentlich beitragen können. Die Sitzungen
des Ausschusses sollen in regelmäßigen Abständen abgehalten werden;
sich während der Laufzeit des Tarifvertrages neu ergebende Probleme
sollen mit den Sozialpartnern rechtzeitig durchgesprochen werden,
damit die späteren Tarifverhandlungen nicht in Zeitnot geraten.
2. Die beiden Tarifpartner sollen spätestens 60 Tage vor Ablauf des
alten Vertrages zu neuen Verhandlungen zusammentreten und alle Anstrengungen unternehmen, damit ein neuer Vertrag vor Ablauf dieser
Frist unterzeichnet werden kann}

- 13 -

�3». Wenn erforderlich, soll das "Long-Range Committee" nicht später als
30 Tage vor Ablauf des alten Tarifvertrages zusammentreten und den Stand
der Verhandlungen überprüfen. Nach dieser Situationsanalyse sollen dann
die Vertreter der Öffentlichkeit im Ausschuß gegebenenfalls ermächtigt
werden, folgende Schritte zu unternehmen»
a) beschließen, ob bestimmte Maßnahmen sofort oder später bzw.
erst nach einem erneuten Zusammentreffen der Tarifpartner
getroffen werden sollen oder nicht;
b) entscheiden, ob sie an den Verhandlungen als Beobachter teilnehmen sollen}
c) sich um eine Schlichtung bemühen}
d) einen privaten (nur für die Verhandlungspartner bestimmten)
Bericht abfassen, in dem die Standpunkte der beiden Parteien
herausgearbeitet sind, der Gegenstand der Meinungsverschiedenheiten klar herausgestellt ist und in dem Einigungsvorschläge
enthalten sind;
e) einen öffentlichen Bericht entweder unmittelbar vor oder nach
dem Termin veröffentlichen, an dem der alte Vertrag ausläuft.
Dieser Bericht soll allerdings nicht eher der Öffentlichkeit
zugänglich gemacht werden, als beide Verhandlungspartner
sämtliche Möglichkeiten für eine friedliche Beilegung des
Konfliktes ausgeschöpft haben.
(Quelle: Eigenbericht)
* * * * *

Gewerkschaftliche Kurznachrichten
Löhne im Baugewerbe weiter angestiegen
Die Durchschnittsstundenlöhne der gewerkschaftlich organisierten
Bauarbeiter sind nach einer Übersicht des "Amts für Arbeitsstatistik"
im 1. Quartal 1961 um 1 ,2 Cent (oder ö., 3 Prozent) auf 3»72 Dollar angestiegen.
Die stärksten Zunahmen verzeichneten dabei die Zimmerer (1,8 Cent)
und Maler (1,5 Cent), während sich die Steinsetzer und Bauhilfsarbeiter
um 1,1 Cent und die anderen Bauhandwerker um 0,5 Cent verbessern
konnten.
Gegenüber dem Vorjahr hat der durchschnittliche Stundenlohn im
Baugewerbe sich damit um 4»3 Prozent und im Vergleich zum Durchschnitt
der Jahre 1947-49 sogar um 80 Prozent erhöht. Die durchschnittlichen
Lohnerhöhungen zwischen April i960 und April 1961 für alle Baufachberufe beliefern sich auf 15,2 Cent.
(Quelle: Eigenbericht)
* * * * *

- 14 -

�Beträchtliche Erhöhung; der Fondsreserven der kommunalen
Altersversi cherungen
Das Gesamtvermögen des Altersversicherungssystems der bundesstaatlichen und kommunalen Arbeitnehmer hat sich im vergangenen
Finanzjahr um 2,2 Mrd. Dollar auf insgesamt 18,539 HrcL. Dollar
erhöht, wie aus einem Bericht des US-Zensusbüros hervorgeht.
Die Gesamteinnahmen des Fonds beliefen sich dabei im abgelaufenen
Jahr auf 3,393 Mrd. Dollar, wovon 1,14 Mrd. Dollar von den Versicherten
und 1,652 Mrd. Dollar von den Arbeitgebern eingezahlt wurden, während
601 Millionen Dollar aus Investitionsgewinnen resultieren.
Die Gesamtauszahlungen des Versicherungsfonds betrugen dagegen
1,3 Mrd. Dollar - 1,01 Mrd. Dollar an Pensionen, 254 Millionen Dollar
an Rückzahlungen an ausgeschiedene Versicherte und 35 Millionen Dollar
an Verwaltungskosten.
(Quelle: Eigenbericht)
* * * * *
Konstituierende Sitzung des Labor-Management-Beratungsausschusses
Der kürzlich von Präsident Kennedy ernannte Ausschuß für Arbeitgeber-Arbeitnehmerfragen, der sich aus je 7 Vertretern des Managements,
der Gewerkschaften und der Öffentlichkeit zusammensetzt, befaßte sich
auf seiner ersten Sitzung in erster Linie mit den Auswirkungen der
Automation auf die Gesamtwirtschaft und den Arbeitsmarkt.
Die Ausschußmitglieder waren sich dabei weitgehend darüber einig,
daß die Automation für das Wachstum der amerikanischen Wirtschaft von
großer Bedeutung sein kann, warnten aber auch gleichzeitig vor einer
überhasteten Einführung der neuen Arbeitstechniken, weil diese schwerwiegende Folgen für den Arbeitsmarkt und den einzelnen Arbeitnehmer
haben könnte. Eine strukturelle Arbeitslosigkeit auf Grund der verstärkten Anwendung der Automation müsse auf alle Fälle verhindert
werden.
Zwecks Vermeidung von wirtschaftlichen Härten gegenüber den durch
die Automation freigesetzten Arbeitskräften sollten nach Ansicht des
Ausschusses die UmschulungsProgramme sowie solche Programme entscheidend verbessert werden, durch die die Mobilität der Arbeitnehmer bei
geringsten negativen Auswirkungen auf das Privatleben erhöht wird. Ebenso sollten die Personalabteilungen der Regierungsbehörden und der Unternehmen der Privatwirtschaft im verstärkten Maße der Tatsache größere
Aufmerksamkeit schenken, daß in Zukunft immer mehr Arbeitskräfte gezwungen sein werden, ihren erlernten Beruf und ihren Wohnort aufzugeben,
um in anderen Wirtschaftszweigen und an anderen Orten ihren Lebensunterhalt zu verdienen.
(Quelle» Eigenbericht)
* * * * *

- 15 -

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
ISIS Bonn HacJ Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XIV - 9

Bad Godesberg, den 1. September 1961
INHALTSVERZEICHNIS

Wachsende Bedeutung der Angestelltenberufe
in den USA (i)

Seite 1

Carol A. Barry, US-Bundesamt für Arbeitsstatistik:
Wachsende Bedeutung der Angestelltenberufe in den USA (i)
Entwicklungstendenzen und derzeitige Struktur

Die Angestelltenberufe gewinnen eine immer größere Bedeutung,
für die Wirtschaft der Vereinigten Staaten, sowohl was die seit Beginn dieses Jahrhunderts zu beobachtende Zunahme der Zahl der in
diesen Berufen tätigen Arbeitnehmer als auch was die ständige Vergrößerung ihres Anteils an der Gesamtbeschäftigung angeht. In der
Zeit nach dem zweiten Weltkrieg war diese Zunahme besonders augenfällig, und im Jahre 1956 überstieg die Zahl der Angestellten erstmalig die der Arbeiter.
Die Angestelltenschaft umfaßt die Angehörigen einer stattlichen
Reihe von Berufen, von einfachen Schreibkräften und Verkäufern über
leitende Angestellte großer Kapitalgesellschaften bis zu Kernwissenschaftlern. Der Großteil der Selbständigen in den nichtlandwirtschaftlichen Wirtschaftszweigen (eine Besonderheit der amerikanischen Arbeitsstatistik) und die meisten Bediensteten des Bundes, der Einzelstaaten und der Kommunen rechnen zu den Angestellten. Die vier Hauptkategorien der Angestelltenberufe sind! akademische, technische und
verwandte Berufe; Manager, leitende Angestellte, öffentliche Bedienstete und Selbständige (außer Landwirten); Bürokräfte; Verkäufer.
Trotz der Verschiedenartigkeit der Tätigkeit gibt es gewisse Gemeinsamkeiten, die zusammengenommen das Wesensmerkmal der Angestelltenberufe ausmachen.
Ursprünglich
-

1 -

�Ursprünglich verstand man unter den Angestelltenberufen,
(den Stehkragenberufen, wie es im Amerikanischen heißt) alle jene
Berufe, zu deren Ausübung keine besondere Arbeitskleidung erforderlich ist. Im-praktischen Sprachgebrauch entwickelte sich dieser Begriff dahin gehend, daß er jede Arbeit einschloß, die in Büros statt
in Fabriken ausgeführt wird, die eher eine geistige als eine körperliche Betätigung erfordert und somit eine gewisse formelle Bildung
voraussetzt. In diesem Sinne wird der Begriff auch heute noch weitgehend verstanden»
Die Bildung der Angestellten ist im allgemeinen umfassender,
die Löhne sind höher als die der Angehörigen anderer Beschäftigungskategorien, und der Kündigungsschutz ist besser ausgebaut. Die Arbeitslosigkeit unter den Angestellten ist verhältnismäßig gering;
sie beziehen ein festes Gehalt, werden mithin nicht nach Stunden
entlohnt und stellen sich auch hinsichtlich der Urlaubs-, Feier tagsund Gehaltsfortzahlung im Krankheitsfalle besser als Arbeiter. Sie
sind zumeist mit Führungs-, Verwaltungs-, Entwicklungs- oder Aufsichtsauf gaben betraut.
Im Zusammenhang mit der Erörterung der Entwicklungstendenzen in
den Angestelltenberufen dürften auch Vergleiche mit den beiden anderen großen Gruppen nichtlandwirtschaftlicher Arbeitskräfte von
Interesse sein: den Arbeitern und den Angehörigen des Dienstleistungsgewerbes. Die Arbeiter - hierzu zählen im Sinne dieser Untersuchung
Facharbeiter, Vorarbeiter, Maschinenarbeiter und Handarbeiter stellen den zweitgrößten Anteil an der gesamten nichtlandwirtschaftlichen Beschäftigung; sie sind generell mit der Produktion oder dem
Transport von Gütern, dem Betrieb von Maschinen sowie mit Instandhaltungs- und Reparaturarbeiten befaßt. Wenn auch einige Arbeiterberufe große Fachkenntnisse erfordern, so steht doch im allgemeinen
die Ausbildung am Arbeitsplatz im Vordergrund, und es wird keine
vorhergehende umfassende schulische Vorbereitung auf den Beruf verlangt.
Den drittstäjfkateiiKAnteil an der Beschäftigung hat das Dienstleistungsgewerbe: die Hausangestellten einschließlich der Reinmachefrauen, Hausdiener, Babysitter und des anderen Wirtschaftspersonals
und das allgemeine Dienstleistungspersonal, zu dem man auch Polizeikräfte, Friseure und Liftboys rechnet, das zum Schutze der Allgemeinheit und für persönliche und öffentliche Dienste bereitsteht.
Entwicklungstendenzen der Beschäftigung in den Angestelltenberufen
1900 bis 1950. Die wichtigste Quelle für statistische Angaben
über die Beschäftigungsverhältnisse in der Zeit vor 1940 sind die
alle zehn Jahre durchgeführten Volkszählungen. Es wurde viel Mühe
darauf verwandt, die Berufstätigen nach Beschäftigungsgruppen zu
klassifizieren, um von 1900 an laufend eine Übersicht über die Beschäftigungsverhältnisse in den USA zu gewinnen, wobei allerdings
die Angaben über das Ausgangsjahr 1900 nur Näherungswerte darstellen.
Die Veränderungen in der Zeit von 1900 bis 1930 können somit nur als

2

�als Hinweise auf die allgemeinen Trends, nicht aber als genaue Meßwerte angesehen werden«
Im Jahr 1900 gab es rund 5 Millionen Angestellte, deren Anteil
an der Gesamtbeschäftigung etwa 28 Prozent ausmachte (Tafel i ) .
Tafel

I

Aufgliederung der nichtlandwirtschaftlichen Beschäftigung in den
Jahren von 1900 bis 1950 nach Berufsgruppen

Prozentuale Zu- bzw,
Abnahme des Anteils
an der Gesamtbeschäftigung von 1900 bis
1950

Berufsgruppe

Prozent
1900
1950

Sämtliche Berufsgruppen

100

100

187

28

42

322

7

10

312

9
5
7

10
14
8

204
725
216

57

47

133

17
21
20

16
23
8

173
223
7

15

12

9

3

135
-2

6

9

343

Angestelltenberufe
Akademische, technische und
verwandte Berufe
Manager, leitende Angestellte,
öffentl. Bedienstete und
Selbständige
Bürokräfte u. ä.
Verkäufer
Arbeiter
Facharbeiter, Vorarbeiter u.ä,
Maschinenarbeiter u.ä.
Handarbeiter
Dienstleistungsberufe
Hausangestellte
Dienstleistungsgewerbe (ohne
private Haushaltungen)

Anm.: Wegen Auf- und Abrundungen addieren sich die Einzelangaben nicht
notwendigerweise zu den Gesamtziffern.
Quellet Historical Statistics of the TJnited States, Colonial Times to
1957 (U.S. Bureau of the Census, i960), pp. 69 and 74.

-

3 -

�Die Zahl der Arbeiter, deren Anteil an der Gesamtbeschäftigung
fast 57 Prozent betrug, war mehr als doppelt so groß. Die restlichen 15 Prozent entfielen auf die Angehörigen der Dienstleistungsberufe (Siehe Schaubild I,Seite 10). Die Bürokräfte stellten damals
die kleinste Gruppe unter den Angestellten, und die Zahl der akademischen Fachkräfte war etwas niedriger als die Gesamtzahl der
Angestellten in den privaten Haushaltungen.
Zwischen 1900 und 1950 nahm die Zahl der Angestellten um rund
300 Prozent zu, die der Arbeiter und Beschäftigten in den Dienstleistungsberui'en dagegen um noch nicht einmal 150 Prozent. Somit
stieg der Anteil der Angestelltenberufe an der nichtlandwirtschaftlichen Beschäftigung auf zwei Fünftel, während der Anteil der Arbeiter und der Beschäftigten in den Dienstleistungsberufen auf weniger
als die Hälfte bzw. ein Achtel zurückging.
Der größte Zuwachs in den Angestelltenberufen entfiel auf die
Bürokräfte, die innerhalb der Angestelltenschaft von der kleinsten
zur größten Gruppe aufrückten} 1950 war jeder dritte Angestellte
mit Büroarbeiten beschäftigt. Der Anteil der Bürokräfte an der
gesamten nichtlandwirtschaftlichen Beschäftigung kletterte im Zuge
dieser Entwicklung von 5 Prozent im Jahre 1900 auf 14 Prozent im
Jahre 1950. Die Zahl der Stenographen, Stenotypistinnen und Sekretärinnen stieg innerhalb der ersten Hälfte des Jahrhunderts auf das
Elffache. Die Zunahme in diesen Beschäftigungszweigen ist zum Teil
der in allen Industriezweigen beobachteten Ausweitung der Verwaltungsarbeit, zum Teil aber auch der Ausweitung der Gesamttätigkeit
in fast allen Industriezweigen sowie im Bank- und Versicherungsgewerbe und in der öffentlichen Verwaltung zuzuschreiben, die die Anlage und laufende Führung umfangreicher Akten notwendig machte.
Die Zuwachsrate der akademischen und technischen Fachkräfte
wurde lediglich von der der Bürokräfte übertroffen. Im Jahre 1900
entfiel auf die akademischen Berufe nur ein Anteil von 7 Prozent
an der Gesamtbeschäftigung; 1950 betrug ihr Anteil 10 Prozent und
ihre Zahl entsprach damit der Gesamtzahl der Angestellten im Jahre
1900.
Die verfügbaren Angaben über die Beschäftigung lassen erkennen,
daß der stärkste Zuwachs nicht in den traditionellen Angestelltenberufen eintrat. Während die Angestelltenschaft insgesamt von 1900
bis 1950 um 300 Prozent zunahm, stieg die Zahl der Arzte und Anwälte
um noch nicht einmal 80 Prozent. Die Zahl der Volks- und Oberschullehrer stieg trotz des erheblichen Ausbaus des Schulwesens nicht
im gleichen Verhältnis wie die Zahl der Angehörigen der akademischen
und technischen Berufe insgesamt. Andererseits verzeichneten die
Ingenieurberufe gegenüber den akademischen und technischen Berufen
eine mehr als vierfache zahlenmäßige Zunahme. Die Zahl der Buchhalter
und Rechnungsprüfer, deren Bedeutung sich angesichts des bereits
erwähnten verstärkten Rechnungsanfalls gleichfalls erhöhte, nahm
gegenüber der gesamten Gruppe der akademischen und technischen Berufe,
zu denen sie in der Arbeitsstatistik gerechnet werden, um mehr als
das Fünffache zu. Hinzu kommt, daß zahlreiche Berufe wie Psychiater,
Sozialhelfer, Luftfahrttechniker usw., die maßgeblichen Einfluß
auf das Anschwellen der Beschäftigung in dieser Sparte hatten, um die
Jahrhundertwende noch unbekannt waren.
-

4 -

�Die beiden verbleibenden Gruppen der Angestelltenberufe die Manager, leitenden Angestellten und öffentlichen Bediensteten und Selbständigen sowie die Verkäufer - hatten eine nur um
ein geringes höhere Zuwachsrate aufzuweisen als die gesamte nichtlandwirtschaftliche Beschäftigung. Die Gruppe der Manager, leitenden Angestellten und öffentlichen Bediensteten und Selbständigen, die als Ganzes nicht so stark wie die gesamte Angestelltenschaft zunahm, erfuhr einen bedeutsamen inneren Strukturwandel.
Die in der gesamten Wirtschaft fühlbare Tendenz, sich der Vorteile der Form der Kapitalgesellschaft - beschränkte Haftung
und Steuerbegünstigungen - zu bedienen, beeinträchtigte die Zunahme der selbständigen Unternehmer; gleichzeitig trug der Trend
zur Schaffung immer größerer Organisationen in der Wirtschaft und
in der öffentlichen Verwaltung zu dem erheblichen Anstieg der
Zahl der festangestellten Manager und leitenden Angestellten bei.
Die Zunahme der Verkäufer blieb hinter der allgemeinen Zunahme
im Bereich der Angestelltenberufe zurück. Die Entstehung von Einzelhandelskettenläden, die Ausweitung des Geschäftsvolumens der Versandhäuser und die Einführung der Selbstbedienung haben bewirkt,
daß der einzelne Verkäufer heute mehr Kunden abfertigt und größere
Umsätze erzielt als früher. Hinzu kommt, daß ein nicht unerheblicher
Teil der Arbeiten, die früher von Verkäufern geleistet wurden, heute
von Aufsichtskräften, Kassierern und anderen Bürokräften ausgeführt
werden.
1950 bis 1960. Im letzten Jahrzehnt hielten die langfristigen
Beschäftigungstendenzen in den Angestelltenberufen durchgehend an*
Die Gesamtbeschäftigung in der nichtlandwirtschaftlichen Wirtschaft
erhöhte sich um 17 Prozent, von 52,2 Millionen auf 61,1 Millionen.
Die Beschäftigung in den Angestelltenberufen stieg dagegen um 27 Prozent, von 22,4 Millionen auf 28,5 Millionen, und erreichte 47 Prozent
der gesamten nichtlandwirtschaftlichen Beschäftigung (Tafel II).

-

5 -

�Tafel II
Zahlenmäßige und prozentuale Verteilung der nichtlandwirtschaftlichen
Beschäftigung. 1950 und 1960

Beschäftigung
(in Tausenden)
Beschäftigungsgruppe

1960

1950

Prozentanteil
Prozent u a l e Zubzw .Ab«
nähme,
1950-60

1950

1960

52 244

61 122

17

100,0

100,0

22 373

28 507

27

42,6

46,6

Akademische, t e c h n i s c h e
u .verwandte Berufe

4 782

7 418

55

9,2

12,1

M a n a g e r , l e i t e n d e Anges t e l l t e , Ö f f e n t l . Bed i e n s t e t e und S e l b ständige

6 429

7 032

7 340

9 710

3 822

4 347

9
32
14

12,3
14,0
7,3

11,5
15,$
7,1

23 336

24 280

44,7

39,7

7 670
12 146

8 606
11 988

12
-1

14,7

14,1

3 5'20

3 686

5

23,2
6,7

19,6
6,0

6 535
1 883

8 335
2 201

28
17

12,5
3,6

13,6
3,6

4 652

6 134

32

8,9

10,0

Sämtliche

Berufsgruppen

Angestelltenberufe

Bürokräfte u .
Verkäufer

ä.

Arbeiter
Facharbeiter, Vorarbeiter u.a.
Maschinenarbeiter u . a .
Handarbeiter
Dienstleistungsberufe
Hausangestellte
Dienstleistungsgewerbe (ohne p r i v a t e
Haushaltungen)

Anm.J Wegen Auf- und Abrundungen a d d i e r e n s i c h d i e Einzelangaben n i c h t
notwendigerweise zu den G e s a m t z i f f e r n .
Q u e l l e : H i s t o r i c a l S t a t i s t i c s of the United Sta.tes, C o l o n i a l Times to
1957 ( U . S . Bureau of the Census, i 9 6 0 ) , p p . 69 and 7 4 .

-

6

-

�Im Gegensatz zu den vorausgegangenen 50 Jahren, in denen die
Gruppe der Büroangestellten rascher als alle anderen Gruppen zunahm,
waren die Jahre von 1950 bis 1960 von einem erheblichen Anstieg der
Zahl der akademischen und technischen Angestellten gekennzeichnet
(siehe Schaubild II Seite 10). Fast die ganze Zeit hindurch, einschließlich kürzerer Rezessionsperioden, war in diesem Beschäftigungsbereich eine Zunahme zu beobachten; im Jahre i960 waren dann
schließlich 7*4 Millionen Arbeitskräfte in akademischen und technischen Berufen tätig, die Zuwachsrate betrug in diesem Jahrzehnt
das Dreifache der Zuwachsrate in der Gesamtbeschäftigung.
Die Zahl der Bürokräfte stieg zwischen 1950 und 196O um 32 Prozent und erreichte die Gesamtzahl von 9»7 Millionen. Obwohl die Zuwachsrate fast das Doppelte der der Gesamtbeschäftigung erreichte,
lag sie doch erheblich unter dem Durchschnitt der vorausgegangenen
Jahrzehnte. Die wesentlich verstärkte Verwendung von Hollerithmaschinen, Rechenanlagen und anderen Büromaschinen wie Kopiergeräten
durften für diesen Umschwung verantwortlich sein.
In anderen Angestelltenberufen war die Zunahme noch geringer. In
den 50er Jahren entsprach die Zuwachsrate der Beschäftigung in den
Verkaufsberufen etwa der der Gesamtbeschäftigung. Die Zuwachsrate
für Manager, leitende Angestellte, öffentliche Bedienstete und
Selbständige war dagegen nur ungefähr halb so hoch wie der Zuwachs
in der Gesamtbeschäftigung. Die Zunahme bei den letztgenannten Gruppen
erfolgte auch nicht so stetig wie in den akademischen und technischen
Berufen oder bei den Bürokräften.
Im Gegensatz zu dem 27prozentigen Anstieg der Beschäftigung in
den Angestelltenberufen nahm die Beschäftigung in den Arbeiterberufen
nur um 4 Prozent oder um 1 Million zu, wobei der Zuwachs fast restlos auf die Gruppe der Facharbeiter und Vorarbeiter entfällt.
Der Zuwachs in den Dienstleistungsberufen dagegen entspricht in
der Gesamtheit dem der Angestelltenberufe. Dies ist vor allem auf die
starke Zunahme im eigentlichen Dienstleistungsgewerbe zurückzuführen,
die sich in den 50er Jahren auf 31 Prozent belief.
Nach den Prognosen, die das US-Bundesamt für Arbeitsstatistik für
das Jahr 1970 aufgestellt hat, wird die Angestelltenbeschäftigung auch
weiterhin stärker zunehmen als die Gesamtbeschäftigung. Man rechnet
für 1970 mit 37 Millionen Angestellten, das entspricht einem Anteil
von 48 Prozent an der Gesamtbeschäftigung in nichtlandwirtschaftlichen
Betrieben. Den stärksten Zuwachs erwartet man bei den akademischen
und technischen Berufen, deren Zahl sich auf 10,5 Millionen und deren
Anteil an der Gesamtbeschäftigung sich auf 13*5 Prozent erhöhen dürfte.
Struktur der Angestelltenbeschäftigung
In den einzelnen Industriezweigen. In den nichtlandwirtschaftlichen
Wirtschaftszweigen war der größte Beschäftigungszuwachs bei den Angestellten auf dem Dienstleistungssektor zu verzeichnen: im Handel, jjn

7 -

�im Oeld- und Versicherungswesen und im Immobilienhandel; im Transportgewerbe, im Fernmeldewesen und in den Versorgungsbetrieben in
den übrigen Dienstleistungsgewerben; im öffentlichen Dienst. 1)
Diese Entwicklung steht in einem eindeutigen Gegensatz zu der relativen Stabilität, die in den produktiven Wirtschaftszweigen vorherrschte i in den Fertigungsindustrien, im Bergbau und im Baugewerbe. Seit Anfang der 50er Jahre sind die Vereinigten Staaten das
einzige große Industrieland, in dem mehr Arbeitskräfte mit Dienstleistungen als mit der Erzeugung von Gütern (einschließlich Landwirtschaft) beschäftigt sind«
Der Anstieg der Zahl der Angestellten hängt eng mit der Ausweitung des Dienstleistungsgewerbes zusammen, in dem die Angestellten
einen besonders hohen Beschäftigungsanteil stellen. Im Jahre 1952,
dem ersten Jahr, in dem auf der Basis monatlicher Untersuchungen
Statistiken über die Beschäftigung nach Wirtschaftszweigen aufgeschlüsselt erstellt wurden, waren fast 80 Prozent aller Angestellten
im Dienstleistungsgewerbe beschäftigt. Zwischen 1952 und 1960 entfielen rund 70 Prozent des Zuwachses in den Angestelltenberufen
auf diesen Wirtschaftssektor (Siehe Schaubild III, Seite 11).
Die Arbeiterbeschäftigung, deren Schwerpunkt in der Produktionswirtschaft liegt, ging in der Zeit von 1952 bis 196O trotz ihrer
bedeutenden Zunahme im Bankwesen, im Handel und in den Dienstleistungsbetrieben zurück. Die Beschäftigung von Dienstleistungspersonal, dessen größte Massierung natürlich im Dienstleistungsgewerbe
zu verzeichnen ist, nahm etwas stärker zu als die Angestelltenbeschäftigung, obwohl sie in den Fertigungsindustrien und im Baugewerbe etwas abnahm.
Es ist bemerkenswert, daß sich die Zunahme der Angestelltenbeschäftigung seit 1952 auf sämtliche Wirtschaftszweige erstreckte und
in der Produktionswirtschaft prozentual ebenso groß war wie im Dienstleistungsgewerbe. Zwischen 1952 und i960 nahm die Angestelltenzahl
im Baugewerbe und in den Fertigungsindustrien um 36 Prozent zu, d.h.
um den gleichen Prozentsatz wie in der Geldwirtschaft, im Dienstleistungsgewerbe und im Erziehungswesen zusammengenommen. Im Handel,
Transportgewerbe und öffentlichen Dienst war die Zunahme wesentlich
geringer.
Die akademischen und technischen Angestellten, die Gruppe mit
dem stärksten Zuwachs seit 1952, konzentrieren sich vor allem auf
das Bankgewerbe, das Erziehungswesen, die Medizin und in anderen
Fachberufen. Fast drei Fünftel aller derartigen Angestellten sind
in diesen Wirtschaftszweigen tätig; ein weiteres Fünftel in der
Fertigung.
lg£n
1) In diesem Zusammenhang ist es wichtig zwischen Dienstleistungspersonal und Dienstleistungsgewerben zu unterscheiden. Die Beschäftigung von Dienstleistungspersonal ist selbstverständlich
nicht auf das Dienstleistungsgewerbe beschränkt.

8
•

�Wenn die Beschäftigung in den akademischen Berufen auch eindeutige Schwerpunkte in gewissen Wirtschaftszweigen aufweist, so
erstreckte sich die Zunahme zwischen 1952 und 19^0 doch auf die
Gesamtwirtschaft. Der größte Zuwachs wurde in den Fertigungsindustrien
für langlebige Güter erzielt, wo die Zahl in den acht Jahren um 75
Prozent anstieg«
Etwa die Hälfte aller Manager, leitenden Angestellten und Selbständigen entfällt auf den Handelj der größte Teil von ihnen wiederum
ist im Einzelhandel tätig, obwohl sich hier eine Tendenz zu einer
Verringerung der Konzentration bemerkbar machte. Während die Beschäftigung in dieser Berufssparte zwischen 1952 und 196O um etwa
12 Prozent anstieg, blieb sie im Handel praktisch unverändert. Die
größte Zuwachsrate hatten das Baugewerbe, die Fertigungsindustrien
langlebiger Güter und das Dienstleistungsgewerbe zu verzeichnen*
Bei den Bürokräften ist die Verteilung über alle Wirtschaftszweige (außer Landwirtschaft) gleichmäßiger als bei allen anderen Angestelltenberufen. Der Bedarf an Registraturpersonal, Schreibkräften,
Sekretärinnen usw. ist in allen Wirtschaftszweigen, wenn auch in unterschiedlichem Maße, gegeben. Die Zahl der Büroangestellten stieg deshalb zwischen 1952 und 196O in allen Wirtschaftszweigen, mit Ausnahme
des Transportgewerbes und der Versorgungsbetriebe, wo ein leichter
Rückgang eintrat. Den größten Zuwachs hatte das Dienstleistungsgewerbe, den geringsten der Groß- und Einzelhandel.
Sieben Zehntel der im Verkauf tätigen Angestellten stehen im
Dienst des Handels. Der nächstgrößte Anteil der Verkäufer, 15 Prozent,
wurde vom Bank- und Versicherungsgewerbe und vom Immobilienhandel beschäftigt; 13 Prozent sind in den Fertigungsindustrien angestellt.
Trotz der Häufung der Verkäufer im Handel hatte diese Berufsgruppe
zwischen 1952 und 196O nur eine relativ geringe Zunahme aufzuweisen,
was zu einer Verringerung ihres Anteils an der Beschäftigung im
Handel führte.
Beschäftigung der nichtproduktiven Arbeitskräfte. Wichtige Aufschlüsse über die Wirtschaftszweige, die den größten Zuwachs in den
Angestelltenberufen zu verzeichnen hatten, bringt eine Untersuchung
des Beschäftigungsanstiegs bei den nichtproduktiven Arbeitskräften.
In allen drei Zweigen der nichtlandwirtschaftlichen Produktionswirtschaft (Fertigungsindustrien, Bergbau und Baugewerbe) wird die Beschäftigung nach Produktionskräften (Beschäftigte, die tatsächlich
mit der Produktion materieller Güter befaßt sind) und nichtproduktiven Arbeitskräften ausgewiesen. Mit einigen wesentlichen Ausnahmen und Überschneidungen sind die nichtproduktiven Arbeitskräfte
in diesen Wirtschaftszweigen mit den Angestellten identisch.
Etwa 83 Prozent des Zuwachses der Beschäftigung in nichtlandwirtschaftlichen Betrieben in den Jahren von 1947 bis 1959 entfallen
auf die Dienstleistungsgewerbe. Der restliche Zuwachs entfällt auf
die Fertigungsindustrien, den Bergbau und das Baugewerbe und ist
eine Auswirkung der Neueinstellung von nichtproduktiven Arbeitskräften bei einem gleichzeitigen leichten Rückgang der Zahl der

- 9 -

�SCHAUBILD I

ZUSAMMENSETZUNG DER NICHTLANDWIRTSCHAFTLICHEN
GESAMTBESCHÄFTIGUNG NACH BERUFSGRUPPEN 1900 UND 1960
—28.2X~_

.-4S.7X^

1960

1900

SCHAUBILD II

VERÄNDERUNGEN IN DER ANGESTELLTEN
BESCHÄFTIGUNG VON 1950 BIS 19ÖO
(1950-100)

AKADEMISCHE UND
TECHNISCHE ANGESTELLTE

100

J ? \

1950 '51

52

i

^ M A N A G E R , LEITENDE
ANGESTELLTE UND i
SELBSTÄNDIGE
90
i

53 '54

i

^55

i

56

i

57

- 10 -

1

'58

1

1 *

59 1960

w

�der beschäftigten Produktionsarbeiter. Im Jahre 1947 betrug der
Anteil der nichtproduktiven Arbeitskräfte an der Beschäftigung
im Bergbau und im Baugewerbe 10 Prozent und in den Fertigungsindustrien 16 Prozent. Bis 1959 war dieser Anteil im Baugewerbe
auf 14 Prozent, im Bergbau auf 21 Prozent und in den Fertigungsindustrien auf 24 Prozent gestiegen.
Wenn auch der Anteil der nichtproduktiven Arbeitskräfte in
den 21 Zweigen der Fertigungsindustrie starken Schwankungen unterliegt, so ist er doch von 1947 bis 1959 in jedem einzelnen von
ihnen gestiegen (siehe Tafel III). Er ist im allgemeinen in den
Fertigungsindustrien langlebiger Güter höher und hat dort auch
am raschesten zugenommen.
Der Anteil der nichtproduktiven Arbeitskräfte wird in den einzelnen Industriezweigen von verschiedenen Faktoren bedingt, beispielsweise dem Grad der Mechanisierung und Automatisierung, den
Absatzmethoden und dem Umfang der betrieblichen Fürsorgeeinrichtungen. Die Entwicklung in den letzten Jahren scheint darauf hinzudeuten, daß die Ausweitung der Forschung eine der Hauptursachen
für die zunehmende Bedeutung der nichtproduktiven Arbeitskräfte ist,

PcicTi E i!S&gt; H c^ F JJSy^ ,N D E R PRODUKTIONSWIRTSCHAFT UND IM DIENSTLEISTUNGSGEWERBE IN DER ZEIT VON 1952-1960 NACH BERUFSGRUPPEN
AUFGESCHLÜSSELT
PRODUKTIONSWIRTSCHAFT

MILLIONEN

DIENSTLEISTUNGSGEWERBE

MILLIONEN
24

124

|.
-

,20

20

1«
I
16

12

12

—wM,
T2

.0
»952

t*»6Ü

ANGESTELLTE ARBEITER

910

DIENSTLEISTUNGPERSONAL!

ANGESTELLTE

ARBEITER

DIENSTLEISTUN0SPERS0NAL i

1 OHNE HAUSANGESTELLTE

-

11

-

�Tafel

{•

III

Prozentualer Anteil der nichtproduktiven Arbeitskräfte an der
Beschäftigung in den güterproduzierenden Industriezweigen
(außer Landwirtschaft'). 1947. 1952 und 1959

Industriezweig

1947

1952

1959

Sämtliche güterproduzierende Industrien

15»4

18,2

22,8

Bergbau

10,4

12,8

21,3

Baugewerbe

11,0

11,5

14,3

Fertigungsindustrien

16,3

19,5

24,3

Dauergüter
Verteidigungsproduktion
Holz- und Holzwaren
Möbel und Einrichtungen
Steine, Erden und Glas
Hüttenindustrie
Metallverarbeitende Industrie
Maschinenbau (außer elektrische Geräte)
Elektrogerätebau
Transportmittel
Instrumenten- und Apparatebau
Andere Fertigungsindustrien

16,3
15,4
7,2
11 , 8
12,5
12,8
15,9
20,7
23,1
17,8
21,9
14,7

19,3
24,5
8,9
14,4
15,2
15,3
18,6
23,1
24,6
21,2
26,5
17,3

25,1
48,6
10,2
16,4
18,4
19,5
22,2
29,6
32,4
28,8
34,4
20,5

Kurzlebige Güter
Nahrungsmittel und ä. Waren
Tabakwaren
Spinnereiprodukte
Konfektion und a.Textilfertigwaren
Papier und Papierwaren
Druck- und Verlagswesen
Chemische Produkte u.dergleichen
Erdöl- und Kohleprodukte
Gummiwaren
Leder- und Lederwaren

16,4
21,7
6,8
6,2
9,0
12,7
32,8
24,4
23,0
18,5
9,0

19,9
26,6
8,5
7,9
10,4
16,5
34,9
30,3
28,0
20,6
10,0

23,2
30,3
11,5
9,5
10,8
19,9
35,8
37,4
33,4
23,2
10,9

-

12

-

�Die technischen Anforderungen des Raumzeitalters und das Verteidigungsprogramm begünstigten die Einstellung einer wachsenden Zahl
von Wissenschaftlern, Ingenieuren und Technikern und trugen somit
in den Dauergüterindustrien zu dem Anstieg der Beschäftigung in
den akademischen Berufen bei. Gleichzeitig haben die von diesen
Fachkräften entwickelten technischen Neuerungen einen höheren
Warenausstoß ohne Neueinstellungen von Produktionsarbeitern möglich gemacht. Diese Einflüsse sind besonders in der Verteidigungsproduktion spürbar, wo das Verhältnis von Produktionsarbeitern
zu nichtproduktiven Arbeitskräften etwa 1 zu 1 ist, und im Elektrogerätebau, im Apparate- und Instrumentenbau und in der chemischen
Industrie, wo jeder dritte Beschäftigte nicht produktiv tätig ist.
Der in der Nachkriegszeit zu beobachtende Trend in der Beschäftigung von nichtproduktiven Arbeitskräften scheint in den letzten
Jahren noch eine Verschärfung erfahren zu haben. Es zeichnet sich
ganz eindeutig ab, daß der Hauptanteil an einem künftigen Beschäftigungsanstieg auf den Dienstleistungssektor der Wirtschaft und
der überwiegende Teil der Neuzugänge in der Produktionswirtschaft
(außer Landwirtschaft) auf die Angestelltenberufe entfallen wird.
Klassifizierung der Arbeitskräfte in der Statistik
In den Untersuchungen über die Beschäftigungsverhältnisse wird
unter der Rubrik "Art der Beschäftigung" zwischen Lohn- und Gehaltsempfängern in der Wirtschaft und im öffentlichen Dienst, Selbständigen und unbezahlten Mitarbeitern in Familienbetrieben differenziert.
Häufig wird der Terminus "Angestellter" für "gegen Gehalt Beschäftigte"
verwendet.
Die Mehrzahl der unter den Angestellten geführten Selbständigen
sind Eigentümer kleinerer nicht vergesellschafteter Firmen. Im April
1960 betrug der Anteil der Selbständigen in der Kategorie "Manager",
leitende Angestellte, öffentliche Bedienstete und Selbständige"
50 Prozent; im April 1950 dagegen 60 Prozent. Dieser Rückgang in der
relativen Bedeutung der Selbständigen in der Beschäftigungsstatistik
spiegelt sowohl die tatsächliche zahlenmäßige Abnahme als auch die
etwa 40prozentige Zunahme der Manager, leitenden Angestellten und
öffentlichen Bediensteten wider (siehe Tafel IV).
In der Gruppe der akademischen Berufe waren im April 196O etwa
12 Prozent, zehn Jahre davor dagegen 15 Prozent selbständig. Die meisten Selbständigen in dieser Gruppe sind Ärzte, Zahnärzte und Anwälte,
obwohl zu ihr auch Schriftsteller, Künstler und Artisten und Spezialisten aller Art mit beratender Tätigkeit gehören. Im Verlauf des in
Rede stehenden Jahrzehnts stieg ihre Zahl nur um 200 000 (oder 30 Prozent) auf 900 000; die Zahl der Gehaltsempfänger in dieser Gruppe stieg
dagegen von 3,9 Millionen auf 6,7 Millionen (um 70 Prozent).

Tafel

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13 -

IV

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1950
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Dienstleistungspersonal
1950
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Beschäftigungskategorien

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Angestellte,
öffentl.Bedienstete
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1950
1960
Bürokräfte
1950
1960
Verkäufer
1950
1960

Anm.: Wegen Auf- und Abrundungen addieren sich die Einzelangaben nicht
notwendigerweise zu den Gesamtziffern.

- 14

�Die Verkaufsangestellten sind die einzige Angestelltengruppe,
die einen Zuwachs des Anteils der Selbständigen im Verlauf dieses
Jahrzehnts melden konnte. Im April 196O betrug der Anteil der Selbständigen unter den Verkäufern knapp 10 Prozent, gegenüber 5 Prozent
im Jahre 1950. Die Expansion der Geschäftstätigkeit im Bereich der
Finanz- und Versicherungswirtschaft sowie im Immobilienhandel dürfte
in erster Linie für diese Zunahme verantwortlich sein.
Auf die Bediensteten des Bundes, der Einzelstaaten und der Gemeinden entfallen rund 40 Prozent der akademischen Fachkräfte;
das entspricht dem höchsten Prozentsatz in allen Angestelltengruppen
überhaupt. Die Hälfte der Personen sind Lehrer an staatlichen Schulen
und einzelstaatlichen und örtlichen Colleges und Universitäten in
allen Teilen des Landes. Etwa 20 Prozent aller Bürokräfte und 6 Prozent aller Manager stehen im öffentlichen Dienst. In den Gruppen der
akademischen Fachkräfte und Büroangestellten verliert die Beschäftigung im öffentlichen Dienst heute auf Grund des rascheren Wachstums
der Beschäftigung in der Privatwirtschaft allmählich etwas an Bedeutung,
Obwohl die Zahl der Beschäftigten in akademischen Berufen in der
Privatwirtschaft rascher wuchs als die der Beschäftigten in den übrigen Angestellten-Berufsgruppen, stehen nur 50 Prozent von ihnen im
Dienst der Wirtschaft. Die Privatwirtschaft beschäftigt andererseits
90 Prozent aller Manager und leitenden Angestellten (außer Selbständigen), etwas mehr als 85 Prozent aller Verkäufer und 80 Prozent aller
Bürokräfte.
Auswirkungen der Zunahme der Angestelltenbeschäftigung
Wenn auch eine eingehende Erörterung vieler Auswirkungen der
Zunahme der Beschäftigung in den Angestelltenberufen den Rahmen dieses Artikels sprengen würde, so drängen sich bei der Untersuchung der
jüngsten Beschäftigungstrends doch einige Fragen geradezu auf. Wird
sich der steigende Anteil der Angestellten in verschiedenen, relativ
krisenfesten Berufs- und Wirtschaftszweigen als ein stabilisierender
Wirtschaftsfaktor erweisen, oder werden die Angestelltenberufe mit
dem Wachsen ihres Anteils an der Gesamtbeschäftigung den Gefahren
einer eventuellen Massenarbeitslosigkeit stärker als bisher ausgesetzt
sein? Werden die Arbeiter, besonders in den ungelernten Berufen im
Falle einer Arbeitslosigkeit mehr als bisher die Möglichkeit haben,
auf einen der Angestelltenberufe umzusatteln? Inwieweit wird die
Nachfrage in den Angestelltenberufen durch Neuzugänge auf dem Arbeitsmarkt gedeckt werden? In welchem Maße hängt das rasche Wachstum der
Zahl der Angehörigen -der akademischen Berufe von der Fortsetzung der
Ausgabenprogramme, der Regierung für Ver"teidigungszwecke und für die
Raumforschung ab? Inwieweit wird der zunehmende Anteil der nichtorganisierten Arbeitskräfte das Verhältnis der Sozialpartner untereinander
beeinflussen? Die 60er Jahre werden die Antwort mindestens auf einen
Teil dieser Fragen bringen. (wird fortgesetzt)
(Aus" Monthly Labor Review",
Vol. 84, Nr. 2, Februar 1961)
* * * * *

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthalt Material über Arbeitebeziehungen, Gewerkschafteprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
USIS-Bonn/Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitemitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienstetelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XIV - 10

Bad Godesberg, den 1. Oktober 1961
INHALTSVERZEICHNIS

Wachsende Bedeutung der Angestelltenberufe in den USA
(II und Schluß)

Seite

1

Das erste "Altershotel" in Miami Beach eröffnet

Seite 15

"Das historisch bedeutendste Tarifabkommen"

Seite 16

Trends im Tarifverhandlungswesen

Seite 18

Carol A. Barry,US-Bundesamt für Arbeitsstatistik:
Wachsende Bedeutung der Angestelltenberufe in den USA (II und Schluß)
Zusammensetzung -

Umfang und Regelmäßigkeit der Beschäftigung -

Arbeitslosigkeit - Bildungsstand - Einkommensvergleiche
Die große Zunahme der Beschäftigung in den Angestelltenberufen
während des letzten Jahrzehnts rückte die Frage nach der Zusammensetzung dieses Segments des Arbeitspotentials in den Blickpunkt des
Interesses der Arbeitsstatistik. Eine Untersuchung der Zusammensetzung
der Angestelltenschaft verdeutlicht die wirtschaftliche Bedeutung
dieser Zunahme. Die in den sechziger Jahren zu erwartende Zunahme
der Anteile der jugendlichen, der älteren und der weiblichen Angestellten an der Gesamtbeschäftigung läßt es wünschenswert erscheinen,
Aufschlüsse darüber zu erhalten, welche Beschäftigungsmöglichkeiten
sich für die Angehörigen dieser Bevölkerungsgruppen in den Angestelltenberufen bieten. Der derzeitige Bildungsstand der Angestellten gibt
beispielsweise gewisse Hinweise auf das Maß an Bildung, das man von
den Neuzugängen auf dem Arbeitsmarkt in Zukunft erwarten wird, und
die Erfahrungen der Angestellten auf der Arbeitsuche zeigen, inwieweit sich in diesen Berufen Gelegenheit für Halbtagsarbeit oder eine
vorübergehende Beschäftigung bietet, wie sie von den Neuzugängen auf
dem Arbeitsmarkt voraussichtlich in erhöhtem Maße angestrebt werden.
Zusammensetzung der Angestelltenschaft nach Geschlecht. Alter und
Hautfarbe
Nach Geschlecht: Zwischen April 1950 und April i960 stieg die
Zahl der in nicht landwirtschaftlichen Berufen beschäftigten Frauen um
rund 31 Prozent auf 21,2 Millionen (siehe Tafel I ) . Die Zahl der
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�Her Frauen in den Angestellten- und Dienstleistungsberufen erhöhte
sich um jeweils 37 Prozent, obwohl in den ersteren Berufen mehr als
doppelt so viele Frauen tätig sind wie in den letzteren. Die Zahl
der Frauen in den Arbeitsberufen erhöhte sich dagegen nur um etwa
6 Prozent.
Zu einer besonders starken zahlenmäßigen Zunahme der weiblichen
Angestellten kam es in den Gruppen der akademischen Berufe und der
Bürokräfte. Die Zahl der Verkäuferinnen und der weiblichen Beschäftigten in den Managerberufen stieg in erheblich geringerem Maße als
die gesamte weibliche Beschäftigung.
In den akademischen Berufen belief sich die Zunahme bei den Frauen
von April 1950 bis April 196Q auf nahezu 49 Prozent. Wenn auch eine
noch weitergehende Spezifizierung der Untergruppen, auf die sich der
Zuwachs vornehmlich konzentrierte, auf Grund des vorhandenen statistischen Materials nicht möglich ist, so scheint doch ein großer Teil
der Zunahme auf Lehrkräfte an den Grund- und Oberschulen zu entfallen,
deren Anteil an der weiblichen Beschäftigung in dieser Berufsgruppe
sich im April i960 auf 45 Prozent bezifferte, sowie auf Krankenschwestern und anderes medizinisches Personal, dessen Anteil 27 Prozent
betrug.
Der Großteil der in den fünfziger Jahren neu geschaffenen Bürostellen wurde mit Frauen besetzt. Ihre Zahl erhöhte sich im Verlauf
dieses Jahrzehnts um 46 Prozent, wodurch die Bürokräfte bis April i960
ihren Anteil an der weiblichen Angestelltenbeschäftigung auf rund die
Hälfte erhöhen konnten.
Die Zunahme der männlichen Arbeitskräfte in den nicht landwirtschaftlichen Beschäftigungszweigen zwischen April 1950 und April i960
war mit nur 13 Prozent wesentlich geringer als bei den Frauen und
bewirkte einen Anstieg der männlichen Gesamtbeschäftigung in nichtlandwirtschaftlichen Betrieben auf 39»8 Millionen. Die größte Zunahme etwa 22 Prozent - entfiel wiederum auf die Angestelltenberufe; bei den
Arbeitern betrug die Zunahme nur etwas mehr als 7 Prozent, in den
Dienstleistungsberufen nur 5 Prozent.
Den Hauptanteil an der Zunahme der Angestelltenbeschäftigung
bei den Männern bestritten die Angehörigen der akademischen und technischen Berufe mit einer Zuwachsrate von fast 60 Prozent während der
letzten zehn Jahre. Drei Fünftel aller neu hinzugekommenen Angestellten übten im April i960 einen derartigen Beruf aus. Der Zuwachs in
den Gruppen der Büro- und Verkaufsangestellten entsprach im wesentlichen dem durchschnittlichen Zuwachs der gesamten nichtlandwirtschaftlichen männlichen Beschäftigung. Die Gruppe der Manager hatte mit
9 Prozent eine etwas geringere Zunahme zu melden. D**-r rasche Aufschwung
der Beschäftigung in den akademischen Berufen ist vor allem auf die
starke Zunahme der Zahl der festangestellten Wissenschaftler, Ingenieure
und Techniker zurückzuführen - Berufe, in denen die Männer dominieren.
Nach

�Nach Altersgruppeni Die Angestellten konnten ihren Beschäftigungsanteil in sämtlichen Altersgruppen während der fünfziger Jahre
erhöhen. Im seihen Zeitraum ging der Anteil der Arbeiter an der Gesamtbeschäftigung in allen Altersgruppen und bei Männern und Frauen
gleichermaßen erheblich zurück. Obwohl der Anteil der Dienstleistungsberufe an der nichtlandwirtschaftlichen Beschäftigung als Ganzes
gestiegen ist, blieb er in der Altersgruppe der über 45jährigen bei
den Männern nahezu unverändert und ging bei den Frauen sogar zurück.
Die größte Zuwachsrate unter den Angestellten der Altersgruppe
unter 25 Jahren entfiel auf die Angehörigen der akademischen, technischen und verwandten Berufe. In der Gruppe der Manager, leitenden
Angestellten, öffentlichen Bediensteten und Selbständigen hatte diese
Altersklasse dagegen keine nennenswerte Zunahme zu verzeichnen, da
hier Erfahrung und angesammeltes Kapital entscheidende Voraussetzungen
sind.
In der wichtigsten Altersgruppe, der von 25 bis 44 Jahren, lag
die prozentuale Zunahme bei Männern und Frauen in den Angestelltenund Dienstleistungsberufen auf vergleichbarer Höhe, während die Beschäftigung in den Arbeiterberufen hier bei den Männern um 5 Prozent,
bei den Frauen sogar um fast 15 Prozent zurückging. Die Zahl der
männlichen Angestellten in akademischen Berufen stieg in dieser Altersgruppe um 56 Prozent, während die Zahl der männlichen Verkäufer nur
unwesentlich zunahm. Abgesehen von der Gruppe der Verkaufsangestellten
beiderlei Geschlechts und von den Frauen in Managerstellungen, nahm
die Zahl der männlichen und weiblichen Angestellten im Alter von 25 bis
44 Jahren in allen übrigen Angestelltenberufen wesentlich stärker zu
als die nichtlandwirtschaftliche; Gesamtbeschäftigung.
Bei den Männern und Frauen über 45 Jahren stieg die Zahl der in
akademischen Berufen Tätigen sehr stark an. Auch in den Büro- und
Verkäuferberufen erhöhte sich die Beschäftigung in dieser Altersgruppe
weit stärker als die gesamte nichtlandwirtschaftliche Beschäftigung,
Die relative Zunahme der Zahl der Frauen über 45 Jahren in den akademischen Berufen, unter den Bürokräften und Verkäufern übertraf die
Zunahme bei Männern und Frauen in allen anderen Alters- und Berufsgruppen ganz beträchtlich.
Nach Hautfarbet Wenn auch die Zahl der farbigen Arbeitnehmer - zu
annähernd 95 Prozent Neger - in den Angestelltenberufen allmählich
steigt, ist ihr Anteil von 3,7 Prozent an der Angestelltenbeschäftigung
gegenüber einem Anteil von 10 Prozent an der gesamten nichtlandwirtschaftlichen Beschäftigung noch immer verhältnismäßig gering. Der
Anteil der farbigen weiblichen Angestellten erhöhte sich prozentual
stärker als der der farbigen männlichen Angestellten, ist aber gegenüber der Gesamtbeschäftigung noch immer sehr niedrig.
Nur ein Fünftel der berufstätigen farbigen Frauen sind Angestellte
während dies beiden berufstätigen weißen Frauen für drei Fünftel zutrifft; in den Dienstleistungsberufen liegen die Verhältnisse dagegen
fast genau umgekehrt, (siehe Tafel i)

Bei

�Bei den männlichen Arbeitnehmern waren im April 196O nur 16
Prozent der Farbigen, aber fast 44 Prozent der Weißen in Angestelltenberufen tätig. Umgekehrt war ein viel größerer Prozentsatz von Farbigen in den Dienstleistungs- und Arbeiterberufen beschäftigt. Die
Hälfte sämtlicher männlichen farbigen Angestellten, gegenüber zwei
Drittel aller weißen Angestellten, entfiel auf die Berufsgruppen
der Akademiker und Manager.
Während der letzten zehn Jahre nahm die Zahl sowohl der farbigen
als auch der weißen männlichen Arbeitnehmer in den Angestelltenberufen
schneller zu als in den übrigen Beschäftigungszweigen. Obwohl die Beschäftigungszuwachsrate der Farbigen in den Angestelltenberufen im
Jahre i960 höher war als bei den Weißen, lag ihr Anteil an der
Angestelltenbeschäftigung noch immer unter 4 Prozent, gegenüber einem
Anteil von 9 Prozent an der Gesamtbeschäftigung. In ähnlicher Weise erzielten auch unter den weiblichen Angehörigen der Angestelltenschaft
die Farbigen eine erheblich größere Zuwachsrate als die Weißen, insbesondere unter den Büroangestellten. Dennoch betrug der Anteil der
farbigen weiblichen Büroangestellten im April 196O nur knapp 5 Prozent
der gesamten weiblichen Angestelltenbeschäftigung, obwohl der Anteil der
Farbigen an der weiblichen Gesamtbeschäftigung 13 Prozent ausmachte.
Nach wie vor trat die Disparität zwischen den Anteilen der weißen
und farbigen Arbeitskräfte an der Angestelltenbeschäftigung bei den
Männern am deutlichsten in der Gruppe der Manager zutage, bei den Frauen
unter den Verkaufsangestellten. In diesen beiden Gruppen hat sich im
letzten Jahrzehnt kein merklicher Wandel vollzogen.
Umfang der Beschäftigung
Zusätzliche Gradmesser der Beschäftigungslage - wie das Ausmaß
der Ganatags- und Halbtagsbeschäftigung, der ganzjährigen und vorübergehenden Beschäftigung und der durchschnittlichen Zahl der geleisteten
Arbeitsstunden - zeigen ebenso wie die reinen Beschäftigungsziffern,
daß der männliche Bevölkerungsteil in wesentlich stärkerem Umfang am
Erwerbsleben teilnimmt als der weibliche. Die unterschiedliche Beschäftigungsdauer unter den Angehörigen der Angestellten-, Arbeiterund Dienstleistungsberufe ist weit mehr der unterschiedlichen anteilsmäßigen Verteilung der Beschäftigung auf männliche und weibliche Arbeitnehmer zuzuschreiben als den wirtschaftlichen Charakteristika der
einzelnen Berufe. Dasselbe gilt in hohem Maße auch für die Abweichungen
in den verschiedenen Angestelltenberufen. In den Berufsgruppen mit vornehmlich weiblichen Beschäftigten ist die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden im allgemeinen geringer, die Halbtagsarbeit weiter verbreitet
und die vorübergehende Beschäftigung häufiger,
Regelmäßigkeit der Beschäftigung: Die Angeslelltenbeschäftigung
weist im allgemeinen eine größere Regelmäßigkeit auf, als die Beschäftigung in anderen Berufsgruppen. Angestellte sind in größerem Maße ganzjährig ganztägig beschäftigt und leisten mehr Arbeitsstunden als die
Arbeiter und Angehörigen der Dienstleistungsberufe. Die Halbtagsbeschäftigung ist unter der Angeatelltenschaft weit weniger häufig als
in den Dienstleistungsberufen. Andererseits ist die Halbtagsbeschäftigung unter den Angestellten weiter verbreitet als unter den Arbeitern,

-

5 -

�Arbeitern, was jedoch weitgehend auf ihre Beliebtheit hei den weiblichen Angestellten zurückzuführen ist. Hinzu kommt, daß die halbtagsbeschäftigten Angestellten, wie an untrüglichen Zeichen abzulesen
ist, zu einem großen Teil ohne eigentliche wirtschaftliche Notwendigkeit einer solchen Tätigkeit nachgehen, während viele halbtagsbeschäftigte Arbeiter angesichts der Lage axif dem Arbeitsmarkt keine
Ganztagsbeschäftigung finden können, .
Die Angehörigen der Managerberufe leisten unter allen Angestellten die meisten Arbeitsstunden, sind mit der größten Wahrscheinlichkeit das ganze Jahr über beschäftigt und arbeiten am seltensten halbtags. Die Hälfte der Angehörigen dieser Berufsgruppe sind Selbständige,
von dener viele auch abends und am Wochenende arbeiten. Die Verkäuferinnen dagegen arbeiten sehr häufig halbtags und erreichen somit eine
verhältnismäßig geringe Wochenstundenzahl. Dies ist zum größten Teil
auf die Konzentration weiblicher Verkaufsangestellter im Einzelhandel
zurückzuführen, wo die Geschäftszeiten und saisonbedingte Verkaufsspitzen Halbtagsarbeit und vorübergehende Beschäftigung in größerem Umfang
gestatten als in den meisten anderen Wirtschaftszweigen.
Seit 1950 ist in allen Beschäftigungssparten ein Trend zu vermehrter Halbtagsbeschäftigung zu verzeichnen, der unter den weiblichen
Angestellten stärker ausgeprägt ist als unter den männlichen. Unter
den weiblichen Angehörigen der akademischen und Büroberufe nahm die
Halbtagsbeschäftigung erheblich zu und erreichte bis 1959 nahezu
20 Prozent der Gesamtbeschäftigung in diesen Berufen. Unter den Arbeitern und in den Dienstleistungsberufen war^1959 der Prozentsatz
der Arbeitskräfte, die das ganze Jahr über ganztägig beschäftigt sind,
gegenüber 1950 leicht zurückgegangen; unter der Angestelltenschaft
trifft dies nur für Bürokräfte zu,
Arbeitslosigkeit. Im Auf und Ab der Geschäftstätigkeit hat sich
die Arbeitslosigkeit unter den Angestellten während der vergangenen
elf Jahre mit bemerkenswerter Hartnäckigkeit auf etwa ^er',', ,
gleichen Höhe gehalten. In Zeiten steigender Geschäftstätigkeit lag
die Arbeitslosenrate der Angestellten niedriger als die der Arbeiter
und Dienstleistungsbeschäftigten. Umgekehrt nahm die Arbeitslosigkeitauch
in Zeiten abflauender Wirtschaftstätigkeit unter den Angestellten im
allgemeinen weniger zu als in den beiden anderen Beschäftigungsgruppen,
Im April 1953 brachte die Verstärkung der Verteidigungsanstrengungen
einen Rückgang der Arbeitslosigkeit unter den Arbeitern auf 3»3 Prozent
und unter den Angehörigen der Dienstleistungsberufe auf 3,5 Prozent, was
dem tiefsten Stand innerhalb der elf Jahre von 1950 bis i960 entspricht
(siehe Tafel II). Bei den Angestellten erreichte die Arbeitslosigkeit
in den fünfziger Jahren ihren tiefsten Stand, 1952 mit 1,1 Prozent,
Im April i960 waren dagegen ft6 Prozent der Arbeiter, 5,1 Prozent der
Dienstleistungsbeschäftigten und 2,5 Prozent der Angestellten arbeitslos .
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�Die geringste Anfälligkeit gegen Arbeitslosigkeit ist unter
allen Angehörigen der Angestelltenberufe bei den Managern und Selbständigen zu beobachten. In den letzten elf Jahren hatte die Arbeitslosenquote in dieser Berufsgruppe, wenn man die Ziffern für April
zugrunde legt, im Jahre 1952 mit 0,4 Prozent ihren tiefsten Stand und
im Jahre 1958 mit 2,1 Prozent ihren Höchststand erreicht; im April
1960 waren nur 1,2 Prozent der Angehörigen dieser Berufssparte ohne
Arbeit. Die Hinzurechnung der Selbständigen zu dieser Gruppe trägt
entscheidend zu der geringen Arbeitslosigkeitsrate bei, da Selbständige
nur im Falle eines Bankrotts unfreiwillig arbeitslos werden können.
Andererseits ist aber auch die Arbeitslosenrate bei den eigentlichen
Managern recht gering.
Die Arbeitslosenquote der Angehörigen der akademischen Berufe liegt
nur um ein geringes über dem Satz der Manager. Die höchste Rate wurde
(wiederum mit April als Bezugsmonat) im Jahre 1950 mit 2,2 Prozent,
die niedrigste 1952 mit 0,7 Prozent ermittelt; 196O waren 1,5 Prozent
der akademischen Fachkräfte beschäftigungslos. Die durchweg günstige
Beschäftigungslage in diesen Berufen ist auf die Stabilität im Bereich
der Dienstleistungswirtschaft zurückzuführen, die besonders viele akademische Fachkräfte beschäftigt, sowie auf den hohen Anteil der freiberuflich Tätigen, die spezifische Eigenart dieser Berufe und die. große
Nachfrage nach hochqualifizierten Fachleuten.
In den Fertigungsindustrien sind beispielsweise zahlreiche akademische Kräfte mit Aufgaben betraut, die kaum etwas mit der laufenden
Produktion zu tun haben. Eine typische Illustration liefert die Grundlagenforschung: Entwicklungsarbeiten wird man kaum wegen eines geringen
vorübergehenden Nachlassens der Wirtschaftstätigkeit einstellen. Die
im Dienste der Industrie stehenden Wissenschaftler, die an der Verbesserung der derzeitigen Produkte oder der Entwicklung neuer Produktionsverfahren arbeiten, kommen nicht so sehr der laufenden als vielmehr der
künftigen Produktion zugute und werden dwshalb auch von Absatz Schwankungen kaum ernstlich berührt.
Bei den Büro- und Yerkaufsangestellten wurde die niedrigste Arbeitslosigkeitsquote im April 1952 mit 1,6 bzw. 1,7 Prozent registriert. Der
Anteil der Arbeitslosen unter den Verkäufern betrug im April 1954» 1958
und 1959 dagegen 4»1 Prozent und im April 196O rund 5,4 Prozent. Bei den
Büroangestellten betrug der Arbeitslosenanteil im April 195.8 etwa 4,8
Prozent und ging bis April i960 auf 3»6 Prozent zurück.
Tritt in den Fertigungsindustrien, im Bergbau, im Baugewerbe oder
im Transportwesen ein schärferer Beschäftigungsrückgang ein, so sind
die dort tätigen Bürokräfte mit großer Wahrscheinlichkeit die ersten
(wenn nicht sogar die einzigen) Angestellten, die mit ihrer Entlassung
zu rechnen haben. Im allgemeinen ist ihr Anteiir'an der Gesamtbeschäftigung in diesen Wirtschaftszweigen höher als der aller anderen Angestelltengruppen und ihre Tätigkeit steht in einem engeren Zusammenhang
mit der laufenden Produktion.
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�Die relativ größere Arbeitslosigkeit unter den Büro- und Verkauf sangestellten hängt auch mit der Tatsache zusammen, daß in diesen
Berufen der Anteil der Jugendlichen an der Beschäftigung höher ist
als in anderen Sparten. Bei erwachsenen Frauen kann die Suche nach
einer Arbeitsstelle sowohl durch ihre Kündigung am bisherigen Arbeitsplatz als auch durch den Wunsch bedingt sein, nach längerer Zeit der
Haushaltstätigkeit wieder ins Berufsleben zurückzukehren. Unter den
Jugendlichen ist der Wechsel zwischen Berufstätigkeit und Schule häufig.
Eine Untersuchung der Häufigkeit einer langfristigen Arbeitslosigkeit und der durchschnittlichen Dauer der Beschäftigungslosigkeit ergibt
weniger Unterschiede zwischen den Angestellten und den Angehörigen der
übrigen Beschäftigungssparten als erwartet. Wenn auch manches darauf
hinweist, daß die durchschnittliche Arbeitslosigkeitsdauer bei den Angestellten etwas kürzer und die langfristige Arbeitslosigkeit - vor
allem in Zeiten wirtschaftlicher Erholung - nicht so häufig ist wie bei
Arbeitern und Angehörigen der Dienstleistungsberufe, so sind doch die
Unterschiede keinesfalls so augenfällig wie bei den durchschnittlichen
Arbeitslosenraten. Das ist einmal darauf zurückzuführen, daß angesichts
der relativ geringen Arbeitslosigkeit unter den Angestellten meist nur
solche Arbeitskräfte beschäftigungslos werden, die ohnehin schwer unterzubringen sind. Zum anderen lassen sich Menschen mit der Ausbildung und
Erfahrung, wie sie Angehörige der akademischen Berufe, Manager und Verkäufer vielfach besitzen, nicht so leicht in andere Stellungen vermitteln wie Menschen mit Fertigkeiten, wie sie in weniger spezialisierten
Berufen gefordert werden.
Bildungsstand
Ein relativ hoher Bildungsstand ist charakteristisch für die Angehörigen der Angestelltenberufe. Im Jahre 1959 ergab sich für die gesamte Angestelltenschaft im Durchschnitt eine zwölfjährige schulische
Ausbildung. Von den Angehörigen der Arbeiter- und Dienstleistungsberufe
erreichten nur die Facharbeiter mit einer durchschnittlichen Schulzeit
von 11 Jahren einen vergleichbaren Stand. Arbeiter und Hausangestellte
hatten größtenteils noch nicht einmal ein Jahr Oberschulbildung aufzuweisen.
Trotz des hohen Durchschnitts des Schulbesuchs bei den Angestellten insgesamt bestanden in den einzelnen Angestelltenberufen erhebliche
Unterschiede hinsichtlich des Anteils derjenigen, die die Grundschule,
die Oberschule oder ein College bis zum Abschluß durchlaufen hatten. Im
allgemeinen haben selbstverständlich die Angehörigen der akademischen
Berufe die längste schulische Ausbildung absolviert (wenn auch in gewissen freien Berufen - bei Künstlern, Schauspielern, Berufssportlern
usw. - eine formale Bildung nicht als unerläßliche Voraussetzung anzusehen ist). Nur 6 Prozent in dieser Gruppe haben keine abgeschlossene
Oberschulbildung, 55 Prozent dagegen hatten 4 Jahre oder länger ein
College besucht.
Dv3 Unterschiede hinsichtlich des Grades der schulischen Vorbildung
sind innerhalb der Gruppe der Manager größer als in jeder anderen AngestelilUngruppe. 21 Prozent der Angehörigen dieser Gruppe hatten im Jahr

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- 9 -

�Jahr 1959 überhaupt keine Oberschulbildung aufzuweisen, und 13 Prozent
hatten mindestens 4 Jahre College absolviert. Auch hier treten wiederum
deutliche Unterschiede zwischen den eigentlichen Managern und den
Selbständigen in Erscheinung. Während nur etwa ein Viertel aller Manager keine Oberschule besucht hatten, betrug der Anteil der Selbständigen mit reiner Grundschulbildung nahezu 50 Prozent»
Unter den Bürokräften ist der Anteil der Angestellten mit besonders kurzer oder besonders langer Schulbildung geringer als in den anderen Angestelltenberufen. Nicht ganz 8 Prozent der Büroangestellten
haben weniger als acht Klassen besucht, aber nur 5 Prozent haben einen
Coliege-AbSchluß.
Zwischen den männlichen und weiblichen Angestellten bestanden übrigens vielfach sehr augenfällige Unterschiede bezüglich des Bildungsstandes, insbesondere bei den Büro- und Verkaufskräften (siehe Tafel IIl).
Im allgemeinen ist der Anteil der Frauen mit Oberschul-Abschluß größer
als der Anteil der Männer. Was jedoch die akademische Bildung angeht,
so ist hier ein umgekehrter Trend zu beobachten: die Zahl der Männer,
die ein College besucht und auch den regulären Abschluß erlangt haben,
ist größer als die der Frauen. Von den weiblichen Büroangestellten haben
5 Prozent überhaupt keine Oberschule besucht. 80 Prozent dagegen das
Abschlußexamen gemacht. Auf der anderen Seite hatten 13 Prozent der
männlichen Büroangestellten keine Oberschule besucht und nur 70 Prozent
ihr Abschlußexamen abgelegt; 9 Prozent - gegenüber 3 Prozent bei den
Frauen - hatten jedoch ein College absolviert.
Bei den Verkäufern ergibt sich hinsichtlich des Bildungsstandes bei
Männern und Frauen dagegen ein ganz anderes Bild. Im Jahre 1959 hatten
20 Prozent der Verkäuferinnen keine Oberschule besucht; bei den Männern
waren es 13 Prozent. Etwa 72 Prozent der männlichen und 55 Prozent der
weiblichen Verkaufsangestellten hatten die Oberschule absolviert. Während
15 Prozent der Verkäufer einen College-Abschluß besaßen,traf dies
bei den Verkäuferinnen nur für 5 Prozent zu. Diese ungewöhnliche Diskrepanz erklärt sich aus der Tatsache, daß die große Mehrzahl der weiblichen Verkaufsangestellten im Einzelhandel beschäftigt ist, während
etwa die Hälfte aller in Verkaufsberufen arbeitenden Männer beispielsweise als Versicherungsagenten oder im Grundstücks- und Wertpapierhandel tätig sind, wo eine bessere Bildung Berufsvoraussetzung ist.
Seit 1952 hat sich das Bildungsniveau der gesamten Angestelltenschaft laufend erhöht. Die eingetretenen Veränderungen zeigen sich am
deutlichsten an den Extremfällen: der Anteil der Angestellten ohne
Oberschulbildung ist stark zurückgegangen, während der der Angestellten
mit vierjähriger und längerer Collegebildung zugenommen hat.
Einkommensvergleiche
Die Einkünfte der Angestellten sind erheblich größer als die der
meisten Arbeiter und Dienstleistungsbeschäftigten. Dennoch bestehen
innerhalb der Angestelltenschaft und besonders zwischen männlichen und
weiblichen Beschäftigten innerhalb der einzelnen Beschäftigungsgruppen
große Unterschiede hinsichtlich der Höhe des Arbeitseinkommens. Das

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�Das Einkommen der ganzjährig beschäftigten Angestellten lag 1959
bei den männlichen akademischen Fachkräften mit einem Mittelwert
von 7252 Dollar am höchsten, gefolgt von den Einkommen der männlichen Angehörigen der Managergruppe mit 6663 Dollar. Das mittlere
Einkommen der männlichen Büro- und Verkaufsangestellten lag mit
5713 bzw. 5259 Dollar noch wesentlich höher als das der weiblichen
Angehörigen der akademischen Berufe mit 4420 Dollar.
Die Diskrepanz zwischen den Einkommensmittelwerten bei Männern
und Frauen mit ganzjähriger Beschäftigung erklärt sich zum Teil aus
der Tatsache, daß die Frauen praktisch in allen Berufsgruppen vornehmlich in den schlechter bezahlten Stellungen beschäftigt.werden. Bei
den weiblichen akademischen Fachkräften handelt es sich beispielsweise vielfach um Lehrerinnen oder Krankenschwestern, während die
männlichen Akademiker in großer Zahl als Ärzte, Zahnärzte, Anwälte,
Ingenieure usw. tätig sind.
Im großen und ganzen trifft für die männlichen Angehörigen der
akademischen und Managerberufe nicht nur ein höherer Einkommensmittelwert zu als für die Büro- und Verkaufsangestellten; sie gehören ohnehin
größtenteils zu den oberen Einkommensklassen. Es bestehen jedoch ausgeprägte Unterschiede in der Einkommenshöhe zwischen den festangestellten und den selbständigen Angehörigen der akademischen und Managerberufe. Während sich freiberuflich tätige Akademiker wesentlich
besser stellen als ihre festangestellten Fachkolle gen, liegen die Verhältnisse in der Gruppe der Manager gerade umgekehrt. Das mittlere
Einkommen sämtlicher freiberuflich tätigen männlichen Akademiker
(einschließlich der nicht ganzjährig oder nur halbtags tätigen) betrug 1959
10 941 Dollar; von den festangestellten Angehörigen der
akademischen Berufe konnten dagegen nur 15 Prozent ein Einkommen von
10 0C0 Dollar und darüber erzielen (siehe Tafel IV). Der Einkommensmittelwert der männlichen Manager und leitenden Angestellten betrug
7080 Dollar; bei den Selbständigen in dieser Kategorie lag er bei
5299 Dollar.
Die große Vielfalt der Tätigkeiten der Verkaufsangestellten spiegelt sich auch in der Einkommenshöhe wider. Während sich das Einkommensmittel 1P59 für alle männlichen Verkäufer auf 4892 Dollar bezifferte, lag das Jahreseinkommen von 22 Prozent der Verkaufsangestellten unter 2500 Dollar. Dies ist ein höherer Prozentsatz als in allen
anderen Angestelltengruppen. Diese Ziffern sind in erster Linie der
großen Zahl der im Einzelhandel beschäftigten kleinen Verkaufsangestellten und anderer Verkäufer in niedrig dotierten Stellungen zuzuschreiben, lassen aber auch erkennen, daß eine große Zahl männlicher
Verkäufer nur halbtags in diesem Beruf tätig ist.
Die höchsten Einkommen in dem Personenkreis, der in der amerikanischen Statistik zu den Angestellten gerechnet wird, beziehen die
selbständigen Angehörigen der freien Berufe: Ä'rzte, Zahnärzte, Anwälte
usw. Die niedrigsten Einkommen entfallen größtenteils auf die Verkäufer und die selbständigen Gewerbetreibenden. Trotz aller Einkommensschwankungen zwischen den verschiedenen Beschäftigungskategorien und
zwitjchei: männlichen und weiblichen Beschäftigten sind die Angehörigen
der Angestelltenberufe im allgemeinen doch wesentlich besser bezahlt

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13

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�bezahlt als die Arbeiter und die Dienstleistungabeschäf tigten,.'
Ein Überblick über die Einkommensentwicklung in den einzelnen
Berufszweigen während der letzten zehn Jahre läßt keine Verringerung
der Kluft zwischen den Angestelltengehältern und den Arbeiterlöhnen
erkennen. Im Gegenteil, unter Zugrundelegung eines festen Dollarwertes hat sich, wie aus verschiedenen Anzeichen zu ersehen ist, die
Differenz zwischen den Einkommensmittelwerten in diesem Zeitraum
sogar vergrößert,
*

Im Laufe der fünfziger Jahre nahm die Beschäftigung in den Angestelltenberufen ständig zu; das gilt sowohl für Männer und Frauen
als auch für Weiße und Farbige. Der Zuwachs bei den männlichen Angehörigen die ser Kategorie war in den akademischen und technischen
Berufen besonders, stark. Das gleiche gilt für ältere Frauen in akademischen Berufen und in Büro- und Verkaufsstellen sowie für die
Farbigen in akademischen Berufen und in Bürostellen. Die Zahl der
halbtagsbeschäftigten weiblichen Angestellten stieg in den fünfziger
Jahren ganz erheblich, insbesondere die der Angehörigen der akademischen Berufe und der Büroangestellten. Der während der sechziger Jahre
zu erwartende Beschäftigungszuwachs, in diesen Berufszweigen wird mit
Sicherheit zahlreiche neue Arbeitsmöglichkeiten für die Angehörigen
dieser Berufsgruppen schaffen; für die Jugendlichen, die in großer
Zahl neu in das Berufsleben eintreten werden, bieten sich vor allem
als Büro- und Verkaufsangestellte gute Beschäftigungsmöglichkeiten.
Die erhöhten Anforderungen an die Qualifikationen in den akademischen
Berufen werden sich auf dem Beschäftigungsanstieg bei den Jugendlichen insofern hemmend auswirken, als sie eine längere Vorbereitung
auf den Beruf erforderlich machen und damit einen späteren Eintritt
ins Berufsleben erzwingen; dadurch wird wiederum die Nachfrage nach
erfahrenen akademischen Fachkräften aller Art, einschließlich Lehrer,
weiter steigen.

(Quelle: "Monthly Labor Review",
Vol.84, Nr.2, Februar 1961)

* * * * *

- 14

�Das erste "Altershotel" in Miami Beach eröffnet
"Luxus, Geborgenheit und Erquickung - für 125 Dollar im Monat"
- dieses Versprechen, das mehrere amerikanische Gewerkschaften vor
rund einem Jahr ihren Mitgliedern gaben, konnten sie jetzt mit der
Eröffnung ihres ersten "Altershotels" im bekannten amerikanischen
Badeort Miami Beach in Florida einlösen. Hier, direkt am Atlantik,
können von nun an einige hundert Pensionäre im "Präsident-MadisonHotel" einen geruhsamen, sorglosen und ausgefüllten Lebensabend verbringen und manche Freuden genießen, die ihnen das Leben bisher
vielleicht nur spärlich beschert hatte.
Im Preis sind sämtliche Unkosten für Unterbringung, Verpflegung
und die Benutzung aller Einrichtungen inbegriffen. Die Renten aus
der staatlichen Sozialversicherung im Verein mit den Leistungen der
betrieblichen Pensionskassen geben - von der finanziellen Seite
her gesehen - einem Großteil der Altersrentner die Möglichkeit, den
Lebensabend in einem derartigen Heim zu verbringen.
Die Ausstattung der Zimmer und Nebenräume im "Präsident Madison"
kann sich mit der benachbarter Hotels durchaus messen, in denen aller
dings allein die wöchentlichen Kosten für das Zimmer den Monatssatz
für Vollpension im "Präsident Madison" übersteigen. Sämtliche Zimmer
sind mit freundlichen Möbeln eingerichtet und werden durch Klimaanlagen ständig auf einer angenehmen Temperatur gehalten. Das Haus hat
mehrere große Gesellschaftsräume, einen Fernsehsaal und ein eigenes
Schwimmbad. Die Mahlzeiten werden nach den neuesten Erkenntnissen
der Ernährungswissenschaft zubereitet.
Mit Rücksicht auf die Bedürfnisse älterer Menschen wurden beispielsweise sämtliche Badewannen mit rutschfesten Böden und Handgriffen versehen; Rampen angelegt, um Gehbehinderten das Treppensteigen zu ersparen; wurde ein Untersuchungszimmer eingerichtet,
das Ärzten bei Hausbesuchen zur Verfügung steht.
Die Lieblingsbeschäftigung der meisten Gäste des Hauses besteht darin, kleine Spaziergänge zu machen, einen Schwatz in den
Gesellschaftsräumen zu halten oder dem Treiben im Schwimmbad oder
am Strand von überdachten Wandelgängen aus zuzusehen. Wer Lust zu
aktiverer Betätigung verspürt, kann schwimmen gehen, an Tanzkursen
teilnehmen oder aber, gegebenenfalls unter Anleitung, Basteleien
ausführen oder sich als Künstler in Farbe oder Ton versuchen.
Besucher des "Präsident Madison" berichten immer wieder erfreut,
daß man dort kaum etwas von der typischen "Anstaltsatmosphäre" verspüre, die Altersheime so oft charakterisiert. Die Gewerkschaften
fordern ihre Mitglieder, die zu Tagungen oder zur Erholung nach
Miami Beach kommen, zu einem Besuch des Altershotels auf, schon um
den Alten den Kontakt mit jungen Menschen und dem Leben außerhalb
des Heims zu erhalten.
Das "Präsident-Madison-Hotel" wird vo'n der Four Freedoms Hotels,
Inc., einer Gemeinschaftsgründung mehrerer Gewerkschaften, betrieben.
Die
15

�Die Gesellschaft beabsichtigt, in Kürze weitere Hotels in New York,
Chicago, Los Angeles und Atlantic City aufzukaufen und in Heime umzuwandeln. Die Pensionäre haben dann die Möglichkeit, zwischen mehreren Alterssitzen zu wählen und gegebenenfalls auch von Zeit zu
Zeit in ein anderes Heim überzuwechseln.
Die Schaffung der Four-Freedoms-Hotels-Gesellschaft ist in erster
Linie das Verdienst des Präsidenten der Amerikanischen RundfunkGewerkschaft, William R. Steinberg, der auch ihre Geschäftsführung
übernahm. An der Spitze des Kuratoriums steht Joseph Curran, der
Präsident der Seeleute-Gewerkschaft. Im übrigen wird die Gesellschaft
von den Gewerkschaften der Automobilarbeiter, der Beschäftigten in
der Damenoberbekleidungsindustrie, der Elektriker und anderen getragen.
Alle beteiligten Gewerkschaften und ihre Mitglieder sehen in diesem neuen Projekt den Ausdruck einer neuen Funktion der Arbeiterbewegung: im Bewußtsein der Verantwortung für den arbeitenden Menschen
über die Zeit seiner aktiven Tätigkeit hinaus nicht nur für seine
materielle Sicherheit und Gesundheit, sondern auch für seine Achtung
als Mensch zu sorgen.
(Quelle: Eigenbericht)

* * * # *

"Das historisch bedeutendste Tarifabkommen"
Die Vereinigte Automobilarbeitergewerkschaft (UAVV) hat sich mit
der "American Motors Corporation" im Prinzip über einen neuen Tarifvertrag geeinigt, der - ein Novum in der amerikanischen Automobilindustrie - eine Gewinnbeteiligung der Arbeitnehmer vorsieht.
Die zehn Tage vor dem Auslaufen des letzten Abkommens erfolgte
Einigung zwischen den beiden Sozialpartnern gewährleistet außerdem
die Beibehaltung des sogenannten "Verbesserungsfaktors" (Aufbesserung
der Löhne auf Grund der angestiegenen Produktivität) und der derzeitigen Lohngleitklausel (automatische Erhöhung der Löhne bei Anstieg
der Lebenshaltungskosten) im neuen Tarifvertrag.
Was die Gewinnbeteiligung der Arbeitnehmer betrifft, so ist dabei
vorgesehen, daß an die gewerkschaftlich organisierten Mitarbeiter des
Unternehmens 10 Prozent des Reingewinns (vor Abzug der Steuern) in Form
von Barleistungen oder anderen Leistungen zur Verteilung kommen, nachdem vorher von der gesamten Gewinnsumme 10 Prozent für die Aktionäre
abgezweigt wurden, und daß weitere 5 Prozent des Gewinns in Form von
Aktien des Unternehmens an die Arbeitnehmer verteilt werden. Gemessen
an dem Gewinn des Unternehmens im letzten Finanzjahr, würde das eine
Summe von 360 Dollar pro Arbeitnehmer und Jahr bedeutet haben.
Von

-

16

�Von ebenso großer Bedeutung sind auch die verbesserten Lei- '
stungen auf dem Gebiet der zusätzlichen Arbeitslosenunterstützung.
Während bisher die vorübergehend entlassenen Arbeitnehmer der
Automobilindustrie neben ihrer staatlichen Arbeitslosenunterstützung
noch einen Ausgleichsbetrag aus den aus Unternehmerbeiträgen gespeisten Unterstützungsfonds erhielten, der ihnen ein Einkommen in Höhe
von 65 Prozent ihres bisherigen Verdienstes sicherte, ist im neuen
Abkommen zwar nur ein Maximum von 62 Prozent vorgesehen, dafür aber
noch zusätzlich 1,50 Dollar pro Woche und Familienmitglied. Die Bezugsdauer dieser Ausgleichsbeträge wurde dabei gleichzeitig auf maximal 52 Wochen heraufgesetzt (bisher 34 Wochen).
Andere Abmachungen in dem neuen Tarifvertrag sehen außerdem folgende Verbesserungen vor: Liberalisierung der derzeitigen Pensionspläne; erhöhte Leistungen bei vorzeitiger Pensionierung oder Vollinvalidität; Übertragung der Pensionsrechte auf den überlebenden Ehepartner bei reduzierten Leistungen; Erhöhung der Lebensversicherungssumme und Verbesserung der Krankenhausversicherung (Zahlung der gesamten Beiträge aus dem neuen Gewinnbeteiligungsfonds).
Wie der 1 . Vorsitzende der Automobilarbeitergewerkschaft,
Walter P. Reuther» und der Vizepräsident der American Motors Corporation, Edward L. Cushman, auf einer Pressekonferenz erklärten, müssen
noch einige Details des neuen Vertrages ausgearbeitet werden. In den
Hauptpunkten sei dagegen bereits volle Einigung erzielt worden.
In einem Kommentar zu dem neuen Tarifabkommen in der amerikanischen Automobilindustrie schrieb der "Washington Star" u.a.! "Walter
Reuther und die Vereinigte Automobilarbeitergewerkschaft haben der
American Motors nach den Worten des 1. Vorsitzenden der Gewerkschaft
"das historisch bedeutendste Tarifabkommen in der Geschichte der
amerikanischen Arbeiterbewegung abgerungen... und es wurde verhältnismäßig leicht erreicht, weil das "Unternehmen und nicht die Gewerkschaft... den Gewinnbeteiligungsplan am Verhandlungstisch ins Gespräch brachte..."

(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

Trends

17

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�Trends im Tarifverhandlungswesen
1 . Regelungen der Bezahlung von Wasch- und ReinigungsZeiten
Wie aus einer kürzlich vom US-Arbeitsministerium durchgeführten Untersuchung hervorgeht, enthalten gegenwärtig mehr als 1/6
aller in den USA gültigen Großtarifverträge - das sind solche, die
jeweils mehr als 1000 Arbeitnehmer umfassen - Klauseln über die
Bezahlung von Wasch- und Reinigungszeiten.
«

Insgesamt sehen 278 Großtarifverträge, das sind 17 Prozent
aller Verträge, feste Abmachungen über die Bezahlung jener nichtproduktiven Arbeitszeit vor, die von den Arbeitnehmern für das
Kleiderwechseln, das Waschen und Säubern im Durchschnitt aufgewendet werden muß. Y/ährend die meisten Verträge hierfür eine Zeit von
10 Minuten vorsehen, gewähren einige auch Zeiten von 15 Minuten und
darüber. Häufig wird in den diesbezüglichen Klauseln der Verträge,
auch nur von "einer angemessenen Zeit" gesprochen.
Obwohl noch in den meisten Kontrakten für die Waschnigungszeit eine Periode festgesetzt ist, die am Ende der
zeit liegt, ist in jüngster Zeit hier insofern ein Wandel
ten, als in immer mehr Verträgen zwei Perioden - eine vor
tagspause und eine nach Arbeitsschluß - gewährt werden.

und ReiArbeitseingetreder Mit-

Zu denjenigen Industriezweigen, in denen solche tarifvertraglichen Abmachungen allgemein vorherrschend sind, gehören die
Nahrungsmittel-, Erdöl-, Transport-, die Maschinen- und die chemische Industrie.
*

2. 98 Prozent aller privaten Sozialpläne schließen
Lebensversicherungen ein
über 98 Prozent aller in der amerikanischen Industrie zwischen
Gewerkschaft und Unternehmen ausgehandelten privaten Sozialpläne
sehen heute eine Lebensversicherung für noch im Berufsleben stehende
Arbeitnehmer vor, während in rund 2/3 dieser Verträge diese Leistungen auch auf die bereits im Ruhestand Lebenden ausgedehnt werden.
Dies geht aus einer Untersuchung des Amtes.für Arbeitsstatistik des
amerikanischen Arbeitsministeriums hervor, die sich auf JOO derartige
Pläne erstreckte.
Die untersuchten Sozialpläne, durch die im einzelnen zwischen
1000 und 500 000 Arbeitnehmer erfaßt werden, sehen für insgesamt
4,9 Millionen Arbeitnehmer Kranken- und Lebensversicherungsleistungen
vor. Fast 5/4 dieser Arbeitnehmer waren dabei in Fabrikationsbetrieben beschäftigt, der Rest verteilte sich auf andere Wirtschaftszweige,
Bei

-

18

�Bei rund 3/5 a H dieser Sozialpläne werden ferner die Lebensversicherungsprämien ausschließlich von den Unternehmern finanziert,
während bei den restlichen Plänen die Beiträge zu gleichen Teilen
von Arbeitnehmer und Unternehmer aufgebracht werden. Versicherungsleistungen bei Unfalltod oder Invalidität werden außerdem von rund
der Hälfte dieser Pläne gewährt, wobei die Unternehmer bei "JQ Prozent
aller Pläne die Kosten allein tragen.
Die Höhe der für die einzelnen Arbeitnehmer vorgesehenen
Lebensversicherungssummen belief sich auf 500 bis 15 000 Dollar,
wobei rund ein Viertel aller Policen auf Summen von mindestens
4000 Dollar lauteten.

(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

19

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
USIS-Bonn/Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XIV - 11

Bad Godesberg, den 1 . November 1961
INHALTSVERZEICHNIS

Zunehmende Verbreitung der Gewinnbeteiligung
in den USA

Seite

1

Gewerkschaftsschulung im Wandel

Seite

4

Die Organisierung der Angestellten als Zukunftsaufgabe
der amerikanischen Gewerkschaften

Seite

10

J. J. Jehring, Mitarbeiter des Instituts für Produktivitätsfragen
der Universität Wisconsin:
Zunehmende Verbreitung der Gewinnbeteiligung in den USA
Zwei Formen der Gewinnbeteiligung sind heute in der amerikanischen Industrie weitverbreitet: die Barausschüttung und die feste .
Anlage mit Ertragsbeteiligung.
Bei der ersteren Form wird der Gewinnanteil an gewissen Fälligkeitsterminen dem Betriebsangehörigen direkt ausgezahlt, bei der
letzteren einem Treuhandfonds zugewiesen, der die Mittel investiert
und zusammen mit den angesammelten Erträgen auf den Namen des Betriebsangehörigen bis zur späteren Auszahlung verwaltet.
Auszahlungen erfolgen gewöhnlich im Falle des Todes, der
Auflösung des Arbeitsverhältnisses oder bei Versetzung in den Ruhestand. In vielen Fällen jedoch werden diese Gelder den Betriebsangehörigen auch für andere Zwecke zur Verfügung gestellt, z.B. für die
Ausbildung der Kinder, als Arbeitslosengeld oder zum Erwerb eines
Eigenheims. Einige Firmen nehmen die Gewinnausschüttung nach einem
sogenannten kombinierten Gewinnbeteiligungsplan vor, der sowohl die
Barauszahlung als auch die Anlage gestattet.
Die Größe und Art des Betriebes spielt für die erfolgreiche
Verwirklichung von Gewinnbeteiligungsplänen keine Rolle.
Ausreichende

�Ausreichende statistische Daten, aus denen sich exakte Schlüsse
auf die Zahl der Betriebe mit Gewinnausschüttung in bar ziehen ließen,
fehlen leider. Nach Schätzungen von Fachleuten dürften es aber gegenwärtig rund 8000 sein.
Weit besseres Zahlenmaterial liegt über die Gewinnbeteiligungspläne mit späterer Ausschüttung vor, da die Treuhandfonds der Genehmigung des Finanzministeriums bedürfen, um in den Genuß der vorgesehenen Steuervergünstigungen zu gelangen. Aus den Unterlagen geht hervor, daß diese Pläne während der letzten 20 Jahre ständig an Bedeutung
gewonnen haben. Ihre Gesamtzahl betrug Ende des Jahres 196O etwa 24 800,
die der betrieblichen Pensionspläne vergleichsweise 38 800.
Die Zahl der Gewinnbeteiligungspläne späterer Ausschüttung ist
in den letzten Jahren viel schneller gewachsen als die Zahl der Pensionspläne. Das Forschungsinstitut für Gewinnbeteiligung ton Evanston
in Illinois berichtet, daß sich die Zahl der Pensionspläne im Jahre
1960 gegenüber 1959 u m 32,6 Prozent vergrößerte, während'die Zahl der
Gewinnbeteiligungspläne in derselben Zeit um 46,4 Prozent zunahm.
Die schnelle Zunahme der Pläne mit späterer Auszahlung der Gewinnanteile in den beiden letzten Jahrzehnten ist vor allem auf zwei
Faktoren zurückzuführen:
1. Die solchen Treuhandfonds von der Regierung gewährten Steuervergünstigungen. Sie sind das Ergebnis der positiven Beurteilung, zu der der Vandenberg-Herring-Ausschuß des amerikanischen
Senats im Jahre 1939 i-n einer Studie über die sozialen Auswirkungen der Gewinnbeteiligungspläne gekommen war.
2. Die guten Erfahrungen, die eine Anzahl bekannter Firmen im
Laufe der Jahre mit der Gewährung von Gewinnanteilen gemacht
haben«
Wenn sich auch die Gesamtzahl der Arbeitnehmer, die eine Gewinnbeteiligung erhalten, kaum ermitteln läßt, möchte ich doch auf Grund
des mir zur Verfügung stehenden Zahlenmaterials annehmen, daß zur Zeit
etwa vier bis fünf Millionen Beschäftigte eine Gewinnbeteiligung in
der einen oder anderen Form erhalten.
Die weitverbreitete Annahme, daß die Gewerkschaften gegen jede
Art der Gewinnbeteiligung seien, hat sich in der Praxis nicht bestätigt. Aus der Literatur über die Gewinnbeteiligung geht hervor, daß
zahlreiche Gewerkschaftsmitglieder von Gewinnbeteiligungsplänen profitieren und daß solche Programme in vielen Fällen mit großem Erfolg
durchgeführt werden.
Während der letzten Jahre ist von zwei großen amerikanischen Arbeitnehmerorganisationen, der Vereinigten Automobilarbeitergewerkschaft
und der Vereinigten Elektrikergewerkschaft, bekannt geworden, daß sie
sich bei Kollektivverhandlungen für eine Gewinnbeteiligung eingesetzt
haben. Obwohl die Forderung der Vereinigten Automobilarbeitergewerkschaft nach Gewinnbeteiligung von der Automobilindustrie im Jahre 1958
abgelehnt wurde, benutzte die American Motors Company in diesem Jahr die

2

�die Gewinnbeteiligung als Gegenangebot auf die Gewerkschaftsforderungen. Es gibt auch anderswo Anzeichen, die auf eine Meinungsänderung in der Frage der Gewinnbeteiligung schließen lassen. Eine
konservative Zeitung des Mittelwestens, das Wisconsin State Journal,
schrieb in einem Leitartikel am 16. August 196t hierzu:
"Der Romeny(Gewinnbeteiligungs-)-Plan ist. natürlich gar nicht
so revolutionär. Die Gewinnbeteiligung ist in diesem Lande weder
etwas Neues noch ein Verstoß gegen das kapitalistische System
der freien Wirtschaft. In der Tat ist es doch so, daß Ersparnisse
(oder Gewinne) den Unternehmern, Arbeitnehmern und Verbrauchern
gleichermaßen zugute kommen müssen, damit Erfindungsgabe und
Arbeitsersparnis, die für eine wettbewerbsfähige freie Wirtschaft
typisch sein sollten, voll zum Tragen kommen«"
In unserer Gesellschaft entwickeln sich gegenwärtig in den Beziehungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern Probleme, als deren
logische Lösung immer mehr Menschen die Gewinnbeteiligung in irgendeiner Form ansehen. Einige dieser Probleme und die Rolle, die der Gewinnbeteiligung bei ihrer Lösung zugedacht ist, wurden vor einigen
Jahren von Harold G. Moulton im Auftrag der Brookings Institution in
seinem Buch "Einkommen und wirtschaftlicher Fortschritt" näher untersucht. Darin heißt es im Hinblick auf Möglichkeiten zur Produktivitätssteigerung:
"Da die Höhe der Gewinnbeteiligung der Arbeitnehmer zum Teil von
den Erträgen abhängt, ergibt sich ein zusätzlicher Anreiz zur Leistungssteigerung. Gleichzeitig liegt darin ein geeignetes Mittel
zur Besserung des Betriebsklimas."
über das Inflationsproblem sagt Moulton folgendes«
"Ein bedeutender Vorteil der Gewinnbeteiligung besteht darin, daß
das zusätzliche Einkommen der Arbeitnehmer nicht als Teil der
Produktionskosten in Erscheinung tritt und deshalb keinen direkten Einfluß auf die Preise ausübt. Wie die Dividende der Aktionäre
wird auch der in Form von Zusatzlöhnen auszuzahlende Gewinnanteil aus dem Reingewinn bestritten. Weil die Gewinnbeteiligung
somit keinen direkten Einfluß auf die Preise ausübt, lassen sich
durch sie auch einige der Ungleichheiten in den Einkommen der
verschiedenen Gruppen der Gesellschaft vermeiden, die vielfach
die Folge von Lohnerhöhungen'sind."
Sumner Slichter, einer der führenden Wirtschaftswissenschaftler
in den Vereinigten Staaten, schrieb vor einigen Jahren in einem Artikel
über "Neue Ziele für die Gewerkschaften" zu dem Problem streitorientierter Kollektivverhandlungen:
"Der nächste Schritt vorwärts im Bereich der Beziehungen zwischen
den Sozialpartnern wird darauf gerichtet sein, den gegenwärtigen Kampf
zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern durch organisierte Zusammenarbeit zu ersetzen - ein Wandel, der so epochemachend sein wird wie die
Arbeiterschutzgesetze. Die dringende Notwendigkeit der Zusammenarbeit
hat bereits zu einem beträchtlichen Experimentieren mit Plänen geführt,
die darauf abzielen, den Arbeitnehmern die Möglichkeit zur Mitwirkung
am technischen Fortschritt zu bieten und auch den Wunsch zur Mitarbeit

�Mitarbeit zu wecken... Erstaunliche Dinge geschehen, wenn auch die
einfachen Arbeiter darauf ausgehen, ihre Löhne durch Senken der
Arbeitskosten aufzubessern."
Zur Zeit findet die Idee der Gewinnbeteiligung in den Vereinigten
Staaten soviel Anklang wie in keinem anderen Lande der freien Welt.
Es entwickelt sich ein allgemeines Klima, das einer weiteren Verbreitung solcher Programme sehr förderlich ist.
In der Einstellung verschiedener Gruppen zur Gewinnbeteiligung
zeichnet sich deutlich ein Wandel ab. Bei der Arbeiterbewegung kommt
dies in gewissen Entwicklungen innerhalb der Vereinigten Automobilarbeitergewerkschaft zum Ausdruck, und bei den Arbeitgebern in den
ständigen Zunahme der Zahl der Pläne für eine Gewinnbeteiligung mit
späterer Auszahlung und zur Förderung des Erwerbs von Belegschaftßaktien.
*»

* * *

Lawrence Rogin:
Gewerkschaftsschulung im Wandel

Leicht gekürzt aus "The American
Pederationist", dem offiziellen
Organ des amerikanischen Gewerkschaftsverbandes AFL-CIO. Nachdruck ist nur mit Angabe des Verfassers und der Quelle gestattet.
i

Im Sommer 1961 diskutierten rund 50 Funktionäre der amerikanischen
Gewerkschaften an drei amerikanischen Universitäten 10 Wochen lang die
Rolle der Gewerkschaften in der amerikanischen Gesellschaft.
Veranstalter dieser Seminare war das Amerikanische Institut für
gewerkschaftliche Schulung, das von Gewerkschaften und Universitäten
zur Vertiefung der gegenseitigen Zusammenarbeit gegründet worden ist.
Bei den genannten Universitäten handelt es sich um das Institut für
Arbeitgeber-Arbeitnehmerbeziehungen an der Cornell-Universität des
Staates New York in Ithaca, um die Universität Kalifornien in Berkeley
und die Staatsuniversität von Michigan in East Lansing. Die Diskussionen
an der Staatsuniversität von Michigan wurden in Zusammenarbeit mit der
Universität Michigan in Ann Arbor und der Wayne-Staatsuniversität in
Detroit ausgerichtet.
Die Teilnehmer kamen aus verschiedenen Gewerkschaften der Fertigungsindustrie, des Baugewerbes, der Metallindustrie, des Einzelhandels
und des öffentlichen Dienstes. Als Lehrkräfte fungierten Angehörige
der Institute, die sich mit Gewerkschaftsfragen beschäftigen. Im

- 4 I

�Im Mittelpunkt des Programms, das in Zusammenarbeit mit Schulungskräften der Gewerkschaften aufgestellt wurde, standen Fragen der
Wirtschaft, der amerikanischen Politik und Regierung, der Soziologie
und Sozialpsychologie sowie der Geschichte und Ideologie der Gewerkschaften.
Fragen der Mitgliederwerbung, des Aushandelns von Tarifverträgen
und der Führung von Ortsverbänden wurden nicht behandelt. Es darf
erwartet werden, daß diese IOwöchige Schulung die Teilnehmer in die
Lage versetzt, mit größerem Wissen und Können und größerem Verständnis an die gewerkschaftlichen Aufgaben heranzugehen.
Die Seminare des Instituts für gewerkschaftliche Schulung berücksichtigen drei Trends, die in der erzieherischen Arbeit der amerikanischen Gewerkschaften immer mehr hervortreten: die Konzentration auf
die Schulung der hauptamtlichen Mitarbeiter der zentralen und lokalen
Gewerkschaftsführung, die Vertiefung des Wissens und das Bestreben,
das Verständnis für die grundlegenden Sozialprobleme zu wecken und
die Schulung in den Haupttätigkeitsbereichen der Gewerkschaften
auszubauen.
Keiner dieser drei Aspekte ist neu. Viele Gewerkschaften führen
seit langem Funktionärslehrgänge durch, manchmal über Einzelthemen
wie die Schlichtung oder Mitgliederwerbung, manchmal über ganze Themenkreise. Betriebswirtschaftliche Lehrgänge der Forschungsabteilung des
amerikanischen Gewerkschaftsverbandes AFL-CIO haben Funktionäre mehrerer Gewerkschaften zu einem Sonderstudium zusammengeführt, ähnlich
wie dies auch bei Kursen der Abteilung Industriegewerkschaften der
AFL-CIO der Fall war. Seit Jahren schon schicken die Gewerkschaften
Mitarbeiter zu den von der Harvard-Universität veranstalteten ^wöchigen Seminaren über Gewerkschaftsfragen, in deren Rahmen vornehmlich
praktische Aspekte der Gewerkschaftstätigkeit behandelt werden.
Die Gewerkschaften haben seit jeher soziale und politische Probleme
in ihre Schulungsprogramme einbezogen. Das "Warum" und "Wozu" politischer
Aktionen hat dabei mitgeholfen das "Wie" zu untermauern. Das Studium
der Wirtschaftswissenschaften ist auch für das Verständnis des Wesens
der Kollektivverhandlungen und der Arbeitslosigkeit von großer Bedeutung. Es ist nur natürlich, daß eine bessere Bildung längere Studienzeiten erforderlich macht und daß man dabei mehr in die Tiefe schürft.
Die Erfahrungen der Universität Chicago, der Universität Kalifornien
in Los Angeles und auch anderer Institute haben gezeigt, daß die Gewerkschafter bereit sind, mehr Zeit auf intensivere Studien zu verwenden.
Gleichzeitig sollte man auch beachten , daß eine wachsende Zahl
von Gewerkschaften ihr Augenmerk auf die Ausbildung richtet. In den
meisten Fällen gehen die Programme über die Entwicklung bestimmter
Fähigkeiten hinaus, mit der gewöhnlich begonnen wird. Dies trifft im
gleichen Maße für die Programme der Schulungsabteilungen der großen
internationalen Gewerkschaften und die der kleinen lokalen Gewerkschaftsgruppen zu. Es gilt sowohl für Programme, die die Gewerkschaften in alleiniger Regie, als auch für jene, die sie mit Unterstützung
der Universitäten durchführen. Es gilt des weiteren sowohl für die

-

5 -

�die Lehrgänge an Sommerschulen als auch für die Jahreskurse in den
Heimatgemeinden der Arbeiter. Die üblichen sechs- oder achtwöchigen
Kurse werden jetzt oft schon auf 10 oder 16 Wochen ausgedehnt. Wenn
auch Rhetorik und die Behandlung von Beschwerden immer populäre Kursustitel sein werden, so wurden nach den vorliegenden Berichten doch
auch Themen wie Bürgerrechte, Gesundheitsfürsorge und Probleme der
städtischen Ballungszentren behandelt.
Verantwortlich für diese Tendenzen ist eine Reihe von Entwicklungen, und es lohnt sich, einige davon näher zu betrachten. Die Schulung der Arbeiterschaft hat sic-h bewährt. Wir können nun, vom Beginn
des großen Aufschwungs der Gewerkschaftsbewegung anfangs der dreißiger
Jahre an gerechnet, auf eine mehr als 25jährige Erfahrung zurückblicken.
Diese Zeit war ebenso eine Periode der Ausweitung der gewerkschaftlichen Schulung. Wer an solchen Lehrgängen und Konferenzen teilgenommen
hat, ist fähig, einen ganz spezifischen Beitrag zur Gewerkschaftsarbeit
zu leisten, sei es in Form einer besonderen Loyalität und Einsatzbereitschaft, sei es durch gesteigerte Initiative und Verantwortungsfreude.
Gewöhnlich waren es diese - im Verein mit dem Verständnis der Probleme
der Arbeiter und der Rolle der Gewerkschaften bei deren Lösung - sowie
einige Fähigkeiten auf speziellen Gebieten, die den Gewerkschaften am
meisten fehlten.
Sowohl die Teilnehmer an solchen Programmen als auch die verantwortlichen Gewerkschaftsführer haben inzwischen gelernt, daß die Gewerkschaftsschulung nicht um ihrer selbst willen betrieben wird, sondern
für sie ein wertvolles Hilfsmittel zur Lösung ihrer Probleme darstellt.
Das zeigt sich beispielsweise, wenn ein neuer Vorsitzender lernt, wie
man eine Versammlung leitet, oder wenn ein neuer Betriebsobmann Fähigkeiten erwirktj;, die er sofort in seinem Tätigkeitsbereich einsetzen
kann. Kurse über die geschichtliche Entwicklung 'der Gewerkschaftsbewegung oder Fragen der Arbeitsgesetzgebung haben sich ebenfalls sehr
förderlich auf die Gewerkschaftstätigkeit ausgewirkt.
Als sich die Gewerkschaften vor eine Fülle neuer Probleme gestellt sahen, war es nur natürlich, daß sie in der gewerkschaftlichen
Schulung, die sich in einer Periode des Wachstums so sehr bewährt hatte,
den Schlüssel zu deren erfolgreiche® Lösung erblickten. In einer Zeit,
in der immer mehr Beschwerden vor die Schlichtungsgremien gebradht werden, bedarf es größerer geistiger Anstrengung, sie durchzufechten.
Wenn die Mitgliederwerbung schwieriger wird, müssen die Werkzeuge
des V/erbers verfeinert und neue Methoden gelehrt werden, um neuen
Situationen begegnen zu können. Wie läßt sich z.B. die Gewerkschaftsidee in das "Standesdenken" einbauen, dem sich die Angestellten angeblich so sehr verbunden fühlen? Welche Argumente muß man vorbringen, um
die heute vielfach verschleierte, aber immer noch vorhandene gewerkschaftsfeindliche Haltung der Arbeitgeber zu überwinden?
In demselben Maße, in dem die Erkenntnisse der Betriebswissenschaft
in die Praxis umgesetzt werden, müssen auch die Gewerkschaftsfunktionäre
darauf vorbereitet sein, dieser Entwicklung gerecht zu werden. Je

-

6 -

�Je komplizierter und einengender die Arbeitsgesetzgebung wird, um so
wichtiger ist es, mit den Gesetzen und den Vollzugsorganen umgehen
zu können. Wenn die Gewerkschaften mehr Zeit der Politik, der Gesetzgebung und der Gemeindearbeit widmen, so ist es besser, den
Umgang mit diesen Fragen zu lehren, als aus Versuchen und Fehlern
lernen zu wollen.
Wenn Massenarbeitslosigkeit und Betriebsstillegungen die Gewerkschaftsführung vor neue Probleme stellen, müssen auch neue Methoden für deren Lösung entwickelt werden. Der Textilarbeiter, der seinen
Arbeitsplatz durch Betriebsverlagerung verloren hat, und der Metallarbeiter, der auf den Schrotthaufen "automatisiert" wurde, müssen
begreifen, daß die Lösung ihrer Probleme sehr wohl die Kräfte der zuständigen örtlichen Gewerkschaft oder sogar der betreffenden Industrie
übersteigen kann; sie müssen vielmehr die Wichtigkeit der Bundesgesetzgebung für die Lösung ihrer Arbeitsplatzprobleme erkennen.
Viele dieser Probleme sind nicht so einfach, daß zu ihrer Lösung
die Erfahrung aus der täglichen Praxis oder ein paar Reden auf einer
Konferenz genügen. Das ist einer der Gründe für die längeren Kurse
und die Vertiefung des Unterrichts. Eine wirksame Betätigung der
Gewerkschaften im Bereich der Politik setzt die Kenntnis der in
der politischen Tagespraxis üblichen Methoden, aber auch der Struktur der amerikanischen Politik und womöglich des Wesens der politischen
Meinungsbildung voraus. Den Problemen der Automation und des wirtschaftlichen Wandels kann man mit Kontraktklauseln allein ebensowenig
beikommen., wie der durch Umschichtungen im Außenhandel bewirkten
Arbeitslosigkeit.
Da die Arbeiterbewegung ihre gesetzgeberischen und sozialen
Ziele erweitert hat, ist das Verständnis auch auf diese Bereiche
auszudehnen. Ein Gewerkschafter, der sich mit der einzelstaatlichen
Steuergesetzgebung befaßt, muß seine persönlichen Erfahrungen ebenso
ergänzen wie einer, der Fragen der Verteidigung der freien Welt behandelt. Keines dieser Probleme darf ignoriert werden, dazu sind die
Probleme unserer Zeit zu komplex und lasten zu schwer auf uns allen.
Durch Kollektivverhandlungen allein wird man sie nicht lösen, und
seien die Gewerkschaften auch noch so stark.
Schließlich sei auch erwähnt, daß eine ganz neue Generation von
Gewerkschaftern in die Führungsschicht der örtlichen Gewerkschaften
und der Zentralgewerkschaften vorstößt. Einer der erregendsten Aspekte
der Gewerkschaftsschulung ist der große Andrang der jungen Leute, die
ihren Beitrag zum Wachstum der Arbeiterbewegung leisten wollen. Diejenigen unter uns, die das alles hinter sich haben, wünschen, daß die
Jungen die Geschichte und Tradition der Arbeiterbewegung verstehen,
damit ihnen klar wird, warum die Dinge so sind wie sie sind.
Wir halten es für richtig, unsere Erfahrung im Aufbau der Gewerkschaften auf irgendeine Art an diejenigen weiterzugeben, die die
Gewerkschaftsarbeit aufnehmen, nachdem die härtesten Kämpfe bereits
ausgetragen sind, und die noch nie ohne Gewerkschaftsschutz gearbeitet
haben. Wir hoffen, daß wir in ihnen die Bereitschaft zu Hingabe und
Opfer und den militanten Geist wecken können, die so charakteristisch

- 7 -

�charakteristisch für die Anfänge der Gewerkschaften zu sein schienen
und die zur Lösung der heutigen komplexen Probleme nicht weniger
dringend benötigt werden.
Die neue Führnngsschicht beschäftigt sich ebenfalls stark mit
diesen Dingen. Aber sie möchte die Anwendbarkeit der traditionellen
Methoden auf die Lösung der heutigen Probleme erst ausprobieren.
Es ist durchaus möglich, daß die Methoden, die sich in den JÜer und
40er Jahren beim Organisieren der Fließbandarbeiter bewährt haben,
geändert werden müssen, um auch bei den Angestellten, den technischen
und anderen akademischen Fachkräften erfolgreich zu sein, die nie dieselbe Art von Ausbeutung verspürt haben.
Die meisten dieser Nachwuchskräfte in der Gewerkschaftsführung
haben eine höhere Schule besucht, viele sogar ein College. Sie sind
mehr an das Lesen und Studieren gewöhnt, und sie erkennen den Wert
der Bildung für den Umgang mit Gewerkschaftsproblemen. Sie vertrauen
nicht unkritisch auf anerkannte Methoden und glauben, im Verständnis
der Dinge eine Hilfe zur Lösung der Probleme gefunden zu haben.
Dies sind einige der Gründe für die zu erwartende Verstärkung
der Gewerkschaftsschulung, die Konzentration auf die Ausbildung hauptamtlicher Gewerkschaftsfunktionäre, die Tendenz zur Verlängerung der
Abendkurse und ganztägigen Seminare und die Ausweitung der gewerkschaftlichen Schulung zu einem Studium unserer ganzen Gesellschaft. Diese
neuen Interessen und Methoden fanden ihren Niederschlag in den.mehr
als 150 gewerkschaftlichen Wochenkursen, die in diesem Sommer überall
in den Vereinigten Staaten abgehalten wurden. Im Laufe der Jahre sind
diese Sommerkurse in einem gewissen Sinne zum Symbol der Gewerkschaftsschulung in diesem Lande geworden.
Es ist richtig, daß eine noch weit größere Zahl von Gewerkschaftern an den Abendkursen und den ein- oder zweitägigen Tagungen und Lehrgängen teilnehmen, die das ganze Jahr hindurch stattfinden. Aber der
Höhepunkt ist - und das gilt für Studierende und Ausbilder gleichermaßen - nach wie vor die intensive Seminarausbildung, die den Arbeiter
für eine Woche des konzentrierten Studiums, der Diskussion, des Gedankenaustausches und der Entspannung aus dem Alltag herausführt.
In diesem Jahr nehmen etwa 7500 bis 10 000 Gewerkschafter an solchen Seminaren teil, die größtenteils an Universitäten im Rahmen ihrer
Sonderprogramme über Gewerkschafts- und Arbeiterfragen abgehalten werden.
Einige aber laufen auch in gewerkschaftseigenen Institutionen wie dem
AFL-CIO-Lager bei Port Huron im Staate Michigan und dem Lager der Vereinigten Automobilarbeitergewerkschaft bei Ottawa im Staat Illinois}
andere wieder finden in Hotels statt, in Privatlagern, in Heimen des
Christlichen Vereins Junger Männer und wo immer Gewerkschafter gern
gesehene Gäste sind.
Wie auf Grund der Struktur der amerikanischen Arbeiterbewegung
zu erwarten, werden die meisten dieser Wochenlehrgänge von den großen
nationalen und internationalen Gewerkschaften oder deren regionalen
Organisationen veranstaltet. Aber die AFL-CIO-Organisationen in deri

�den einzelnen Bundesstaaten haben sich ebenfalls eingeschaltet, und
in zwei Landesteilen werden unter den Auspizien mehrerer einzelstaatlicher Organisationen Regionalkurse durchgeführt. Die Forschungsabteilung der AFL-CIO richtete beispielsweise einen Sonderkurs für
Zeitstudien und Arbeitsplatzbewertung tvSj
Für diejenigen, die schon eine Ausbildung hinter sich haben oder
Positionen mit größerer Verantwortung bekleiden, werden Lehrgänge
für Fortgeschrittene durchgeführt. In einem Fall ist die Weiterbildung vorhandener Fähigkeiten das Ziel, in einem anderen die Konzentration während der ganzen Woche auf ein spezielles Gebiet, wie z.B.
Zeitstudien, Journalismus, Gewerkschaftsverwaltung und Gemeinschaftsarbeit. In wieder anderen Fällen wird die gesamte Zeit auf die Erweiterung des Verständnisses der Probleme der gesamten Arbeiterbewegung
sowie der einzelnen Gewerkschaften verwendet. Es gibt ferner allgemeinbildende Kurse, in de^en das Hauptgewicht auf die geisteswissenschaftlichen Fächer-- Philosophie, Literatur und Kunst - gelegt wird.
Die Lehrpläne variieren sehr stark, sogar innerhalb der einzelnen
Gewerkschaften, da die Ausbilder bemüht sind, im Rahmen der besonderen
Probleme der die Lehrgänge beschickenden Gewerkschaften auf die Erfordernisse der Kursteilnehmer einzugehen. Aber in jedem Fall wird man
bestrebt sein, die Schulung zu einem wirksamen Werkzeug amerikanischer
Gewerkschaftsarbeit zu machen, indem man die Gewerkschafter in den
Stand setzt, mit den auftauchenden Problemen erfolgreich fertig zu
werden.

Leicht gekürzt aus "The American
Federationist'*', dem offiziellen Organ
des amerikanischen Gewerkschaftsver—
bandes AFL-CIO. Nachdruck ist nur mit
Angabe des Verfassers und der Quelle
gestattet.

9 -

�John w. Livingston, Leiter der Abteilung Mitgliederwerbung
der AFL-CIO:
Die Organisierung der Angestellten als Zukunftsaufgäbe
der amerikanischen Gewerkschaften
/

Leicht gekürzt aus "The American Federationist", dem offiziellen Organ des amerikanischen Gewerkschaftsverbandes AFL-CIO. Nachdruck ist nur mit Angabe des Verfassers und
der Quelle gestattet.

Zum ersten Male in der Geschichte gibt es in den Vereinigten
Staaten mehr Angestellte als Arbeiter. Seit der Jahrhundertwende stieg
der Anteil der Angestellten an der Gesamtbeschäftigung von rund 17
Prozent auf ungefähr 45 Prozent, hat sich also mehr als verdoppelt.
Der Anteil der Arbeiter hielt sich dagegen in diesem Zeitraum fast
auf dem gleichen Stand.
Die technischen Fortschritte des vergangenen Jahrzehnts haben
das relative Anwachsen der Zahl der Angestellten beschleunigt. Für
die Zukunft ist mit weiteren technischen Fortschritten und damit
einem entsprechenden Anschwellen der relativen und absoluten Zahl
der Angestellten zu rechnen.
Vor Ablauf der sechziger Jahre wird z.B. der Prozentsatz der
Arbeitnehmer in der chemischen Industrie, die nicht in der Produktion
beschäftigt sind, auf 50 Prozent steigen; anfangs der fünfziger Jahre
betrug ihr Anteil noch nicht einmal 25 Prozent. Von 1947 bis 1959 stieg
die Produktion von Chemikalien um ungefähr 112 Prozent, während die
Zahl der in der Produktion und Instandhaltung Beschäftigten im selben
Zeitraum nur um 1 Prozent zunahm. Man erwartet, daß in der Stahlindustrie der Anteil der Büro- und technischen Fachkräfte an der Beschäftigung bis zum Ende des laufenden Jahrzehnts auf ein Drittel steigen
wird.
Was die Beschäftigungslage überhaupt betrifft, so dürfte die
Gruppe der Angestellten'die der Arbeiter bis 1975 um mindestens 10
Prozent übertreffen. Da gegenwärtig noch mehr als 80 Prozent der Gewerkschaftsmitglieder aus den Reihen der Arbeiter kommen, sieht sich
die Arbeiterbewegung vor die Notwendigkeit gestellt, die Angestellten
zu organisieren.
Der Erfolg der Organisierung der Angestellten hängt von zwei Faktoren ab. Der eine, die allgemeine Umwelt, liegt weitgehend außerhalb
der Einflußnahme des Werbers, der sich in die Umstände schicken muß,
die er vorfindet. Der zweite, die Technik oder die Methodik des Werbens, unterliegt der Auswahl und Prüfung.
Die

�Die Gewerkschaften stehen vor der Aufgabe, Werbemethoden zu
entwickeln, die ganz bestimmten Gegebenheiten Rechnung tragen. Auf
die Mitgliederwerbung unter der Angestelltenschaft angewendet,
bedeutet dies zuallererst, ein klares Verständnis der damit zusammenhängenden Probleme und der betreffenden Menschen zu gewinnen. Bei
der Analyse des Wesens der Angestellten trifft man auf sehr unterschiedliche Meinungen. Einige Beobachter behaupten, daß Angestellte
nicht anders seien als Arbeiter. Andere meinen, Angestellte wären
"eine besondere Sorte Menschen".
Die erste Auffassung gestattet den Schluß, daß ein Webhsel der
Werbungsmethoden nicht vonnöten sei; die zweite deutet darauf hin,
daß völlig neue Wege beschritten werden müßten. Beides ist richtig.
Man kann mit gleicher Gültigkeit sagen, daß Angestellte genau so
sind wie andere Arbeitnehmer, und daß es viele Unterschiede gibt.
Angestellte sind insofern genau so wie andere Arbeitnehmer, als
ihre allgemeinen Probleme in demselben gemeinsamer Rahmen liegen.
Beide arbeiten für einen Änderen, eine Gesellschaft oder eine Person.
Sie unterliegen der Betriebsdisziplin. Die Lebenshaltungskosten plagen
sie beide. Die Sicherheit ihres Arbeitsplatzes hängt von der wirtschaftlichen Entwicklung ab.
Die Arbeiter haben in viel größerem Maße als die Angestellten Zuflucht zu den Gewerkschaften genommen, um diese und andere Probleme
zu lösen. Man schätzt, daß in den Fertigungsindustrien 60 Prozent
der in Frage kommenden Arbeiter organisiert sind. In gewissen Fabrikationszweigen ist die Mitgliederdichte noch viel größer; in der
Fahrzeugindustrie erreicht sie sogar 90 Prozent. Eine ähnliche Mitgliederdichte nimmt man für das Baugewerbe, das Transportwesen, den
Bergbau und die Industrie der Steine und Erden an. Im Gegensatz dazu
liegt die höchste Schätzung der Mitgliederdichte bei den Angestellten
bei 13 Prozent.
Als Folge der Gewerkschaftstätigkeit genießen die organisierten
Arbeitnehmer größere Vorteile als die nicht organisierten. Das gilt
nicht nur für Löhne und Sozialleistungen, sondern auch für die Arbeitsbedingungen. Seit Jahren schon sind der Öffentlichkeit amtliche Statistiken zugänglich, die dies belegen, und die Ergebnisse privater Untersuchungen erhärten diese Schlußfolgerungen.
Eine Umfrage über die Finanzlage der Verbraucher, die 1 960 vom
Institut für Demoskopische Forschung der Universität Michigan durchgeführt wurde, hat ergeben, daß die Familien von Gewerkschaftsmitgliedern insgesamt höhere Einkommen beziehen als die vergleichbaren
Familien von Nichtgewerkschaftern, daß sie über mehr flüssige Mittel
verfügen, daß sie höhere Teilzahlungsverpflichtungen eingehen können
und daß unter ihnen relativ mehr Hausbesitzer zu finden sind.
Vor 70 Jahren war das Einkommen des Angestellten fast doppelt so
hoch wie das des Arbeiters. Vor 30 Jahren verdienten die Gehaltsempfänger 30 Prozent mehr als die Lohnempfänger. Heutzutage hat der Fabrikarbeiter einen klaren Vorteil gegenüber dem Angestellten. Die Zeitschrift "Business Week" schrieb im November 1 954: "In den Fabriken ist
der Einkommensvorsprung des Angestellten verschwunden - vielleicht für
Vor
-

11

-

�Vor dem Entstehen starker Gewerkschaften konnte ein Teil der
nichtorganisierten Angestellten auf größere Vorteile in Gestalt von
bezahlten Feiertagen und bezahltem Urlaub, Renten, Krankheitsurlaub,
einer Krankenhauskostenversicherung und anderer Sozialleistungen verweisen. Heutzutage haben auch die Gewerkschaftsmitglieder einen
vertraglich garantierten Anspruch auf diese Vergünstigungen«
Es gab eine Zeit, da viele Angestellte auf die relativ hohe Sicherheit des Arbeitsplatzes und die größeren Aussichten auf langfristige
Beschäftigung hinweisen konnten. Aber die Gewerkschaften konnten auf
dem Wege über Tarifverträge Lohngarantien und zusätzliche Unterstützungsleistungen im Falle der Arbeitslosigkeit durchsetzen, die
jene Vorteile wettmachen.
In anderer Hinsicht aber haben die Angestellten heute ebenso
große Sorgen um ihren Arbeitsplatz wie die Fabrikarbeiter: sie fühlen sich durch die Automation bedroht. Doch hier besteht ein entscheidender Unterschied insofern, als sie dieser Entwicklung ohne
den Schutz entgegensehen, den die gewerkschaftlichen Tarifverträge
bieten.
'
Trotz der offensichtlichen Vorteile, die die Mitgliedschaft in
einer Gewerkschaft bietet, sind Angestellte nicht in dem gleichen Maße
für den Gewerkschaftsgedanken empfänglich wie Arbeiter. Diese Tatsache
ist Ausdruck sowohl der Verschiedenartigkeit als auch der Ähnlichkeit
beider Gruppen. Der bedeutendste Unterschied findet sich im Bereich
der zwischenmenschlichen Beziehungen. Die Distanz zwischen Vorgesetzten
und Untergebenen ist beim Angestellten geringer. Das Gefühl der Verbundenheit mit der Betriebsführung ist traditionsgemäß stärker. Aber
die Veränderungen, die die zahlenmäßige und prozentuale Zunahme der
Angestelltenbeschäftigung mit sich brachte, haben auch die Verhältnisse im Betrieb geändert. Die Distanz ist größer geworden.
Die Mechanisierung des ganzen Büroapparates und die Zunahme der
Bürobetriebe verwandeln die Bürotätigkeit fast in Fließbandarbeit.
Einige Versicherungsgesellschaften bauten Bürohäuser, die wie Fabriken
aussehen, fast keine Trennwände haben und ein Heer von Büroangestellten
aufnehmen, die Routineaufgaben unter unpersönlicher Aufsicht erledigen.
Einige Firmen, die zahlreiche Bürokräfte mit vielfältigen Vorgängen
beschäftigen, installierten Fließbänder, um Papiere und Akten von einem
Schreibtisch zum andern zu befördern. Die Ähnlichkeit mit den Montagebändern in Betrieben der Massenfertigung ist verblüffend.
Die Abkehr von ehemaligen Verhältnissen zeigt sich auch bei den
technischen Fachkräften, die heute sehr hoch auf der Prestige-Skala
rangieren. Sie werden oft wie irgendeine Gruppe von Lohnarbeitern behandelt, besonders in Firmen, die solche Kräfte in großer Zahl beschäftigen.
Das Erkennen der eingetretenen Veränderungen durch viele der von
ihnen Betroffenen hinkt jedoch hinter der tatsächlichen Entwicklung
her. Obgleich Industrie und Handel im allgemeinen der Form, Struktur
und Tätigkeit nach bis ins kleinste durchorganisiert wurden und damit

-

12

-

�damit höchst unpersönlich geworden sind, denkt die Mehrzahl der Anstellten immer noch in Begriffen der Vergangenheit statt der Gegenwart. Ein Beobachter bemerkt, daß "das Dilemma des Angestellten aus
seinem starken Wunsche erwächst, den Weg der Einzelaktionen in einer
Situation zu beschreiten, in der nur Gruppenaktionen wirkungsvoll
sind" .
Alle Arten der modernen Massenbeeinflussungsmittel wirken auf
den Angestellten ein, um ihn in seinem Glauben zu bestärken, daß
seine Interessen in einer Angestelltenwelt am besten durch individuelle
Bemühungen gefördert werden können. Das ist eines der Hindernisse
dabei, ihn gewerkschaftlich zu organisieren. Solange das Gewerkschaftswesen unwidersprochen als nivellierende Kraft und Hemmschuh für das
persönliche Fortkommen auf Grund individueller Verdienste geschildert
wird, muß der uneinsichtige Angestellte es als Bedrohung empfinden.
Außerdem führt die Betriebsstruktur oft zur Bildung von Gruppen,
die so manipuliert werden können, daß sie Organisierungsvorschlägen
entgegenwirken. Wie bei jeder Betriebsform entwickeln sich auch im
Büro, im Laboratorium und im Zeichensaal starke gesellschaftliche
Bindungen und das Gefühl der Gruppenzugehörigkeit. Die Arbeitgeber haben
das erkannt und profitieren davon. Sie setzen die Gewerkschaft einer
außenstehenden Kraft gleich, die andersgeartete Vorstellungen, Ideale
und Werte vertritt. Ihr Eindringen bedeutet die Bildung einer neuen
Gruppe, die die alte verdrängt. Tendenzen dieser Art können leicht
in Richtung auf "unabhängige Organisationen" oder Berufsverbände
gelenkt werden, um die legitime gewerkschaftliche Zusammenschließung
zu vereiteln.
Die Gewerkschaften müssen all denen, die ihre Arbeitswelt nicht
realistisch sehen können, klarzumachen suchen, daß der Wandel der Verhältnisse die denkbar größte Nivellierung bewirkt hat und daß die Veränderungen im Arbeitsablauf viele Büroarbeiten zu geisttötenden Routinearbeiten herabgemindert haben. Die Gewerkschaft muß sie zu der Erkenntnis bringen, daß die Interessen des einzelnen in der heutigen
komplexen Gesellschaft am besten durch Gruppenaktionen gewahrt werden
können.
Dem Angestellten geht es um persönlichen Respekt, um Würde und
um Anerkennung. Er glaubt - und manchmal hängt er mit verzweifelter
Hartnäckigkeit an diesem Glauben -, daß die Welt des Angestellten noch
so sei, wie Tradition und Angestelltenmythos vorgeben. Wenn man ihm
Beweise vorlegt, daß viele Arbeiter, organisierte Arbeiter,heute wirtschaftlich besser und sicherer dastehen, dann wird er vielfach fadenscheinige Gründe vorbringen, um sein Ausharren in einer Stellung zu
rechtfertigen, die ihm sonst minderwertig vorkommen müßte.
Zumindest, so glaubt er, hat er .ein großes Prestige. Er wird wie
eine wichtige Person behandelt. Sein Aufstieg ist eine Angelegenheit zwischen ihm und seinem Arbeitgeber und hängt von seinen Fähigkeiten und
seiner Initiative ab. Er wird respektiert, er ist wer. Auf wen wird sein
Zorn fallen, wenn er zu der Erkenntnis gelangt, daß sein Prestige, sein
Einkommen und seine persönliche Bedeutung für das Unternehmen ebenso
wie seine Sicherheit - abgewertet worden sind? Wird er auf die Firma

13

�II

Firma böse sein? Auf unser Wirtschaftssystem? Oder auf die Gewerkschaft wegen ihres Angriffs auf geheiligte Illusionen? Seine Unzufriedenheit in die richtigen Bahnen zu lenken, ist eine der Hauptaufgaben bei der Organisierung der Angestellten.
Obgleich das Bestehen einer durch gemeinsame Erfahrungen und
Arbeit zusammengehaltenen Gruppe die Werbung von Mitgliedern sehr
zu erschweren vermag, kann es auch eine Hilfe sein, beweist doch schon
das Bestehen solcher Gruppen Möglichkeiten des Organisierens; Gruppenloyalität ist eine der Vorbedingungen für das Organisieren. Es
ist Aufgabe der Gewerkschaft, die Angestellten zu der Einsicht zu
bringen, daß sie durch viele gemeinsame Bande verbunden sind und daß
sie nur logisch und in ihrem eigenen besten Interesse handeln, wenn
sie der Gruppe, zu der sie ohnehin gehören, durch die Gründung einer
neuen Gewerkschaft oder durch ihren Beitritt zu einer bestehenden Gewerkschaft eine feste Form geben.
Das Verfahren, die Angestellten zum Verständnis dieser Tatsache
zu führen, ist das gleiche wie hei jeder anderen Arbeitnehmergruppe.
Es ist die Summe aller Methoden, die den Arbeitnehmer, wo, wie und
für wen er auch arbeitet, in die Lage versetzen, seine eigenen Bedürfnisse zu analysieren und die wirkungsvollsten Mittel und Wege für
ihre Befriedigung wahrzunehmen.
Es gibt keine allein richtige Art des Organisierens. Jede Organi- *
sierungsaufgäbe liegt anders. Ein Vorgehen, das in einem Falle erfolgreich ist, mag in einem anderen fehlschlagen; eine erfolglose Taktik
kann sich unter anderen Umständen als die einzig richtige erweisen. Das
gilt für die Organisierung von Facharbeitern,Produktionsarbeitern, Wartungspersonal, Dienstpersonal und Angestellten gleichermaßen. Da aber
Angestellte einerseits anderen Kategorien von Arbeitnehmern gleichen
und andererseits verschieden yon ihnen sind, muß man sich darüber im
klaren sein, daß eine gewisse Differenzierung in den Methoden des
Organisierens der Angestellten angezeigt ist.
Die Mitgliederwerbung unter den Angestellten erfordert ein stärkeres Eingehen auf den einzelnen Menschen, als es das Organisieren von
Industriearbeitern in der Vergangenheit verlangte. Allgemeine Apelle
oder Ermahnungen sind wahrscheinlich weniger wirkungsvoll;Appelle,
die sich auf bestimmte Probleme beziehen, haben größere Aufsicht, eine
günstige Reaktion hervorzurufen.
Wer sich mit der Organisierung von Angestellten befaßt, muß fähig
sein, den Gewerkschaftsgedanken in der Sprache der Angestellten zu vertreten; er muß den Bedürfnissen der Angestellten in gewerkschaftlichen
Begriffen Ausdruck verleihen können. Dies bedeutet, daß die bei
Kollektivverhandlungen zu verfolgenden Ziele auf die besonderen Probleme
und Ansichten bestimmter Angestelltengruppen zugeschnitten werden müssen.
Die Mutter und Hausfrau, die auf vier oder fünf Jajhre ins Berufsleben zurückkehrt, um zur Abzahlung einiger Schulden oder Ansammlung
von Kapital für die Anzahlung auf ein Eigenheim beizutragen, wird sich
bei Tarifverhandlungen kaum für Gewerkschaftsforderungen erwärmen, die

-

14

-

�die die Gewahrung von Altersrenten zum Ziele haben. Sie wird aber an
einem Entlassungsgeld interessiert sein.
Ein Diplomingenieur für Hochfrequenztechnik mag an der Durchsetzung des Anciennitätsprinzips desinteressiert sein, er wird aber
wahrscheinlich leicht für einen Plan zu gewinnen sein, der ihm
bezahlten Urlaub zum Besuch von Fachtagungen» zur Vorbereitung auf
ein Abschlußexamen oder zur Abfassung wissenschaftlicher Arbeiten
sichert.
Die Möglichkeiten zum Organisieren sind so groß und das Bedürfnis nach gewerkschaftlichen Zusammenschlüssen ist so stark, daß jetzt
weder Zeit noch Raum für uns ist, selbst Abschreckungsmittel gegen
das Organisieren zu erfinden. Die verschiedenen Gewerkschaften sollten
sich verpflichten, hinderliche Kompetenzkonflikte gar nicht erst aufkommen zu lassen und zu diesem Zweck Organe entwickeln, um alle diesbezüglichen Faktoren auszuschalten.
Die Angestellten werden sich erst dann organisieren, wenn sie
die Realitäten ihrer augenblicklichen Lage und die Notwendigkeit
für gewerkschaftliche Zusammenschlüsse als
zweckmäßigste Lösung
für ihre»Probleme erkennen.

Leicht gekürzt aus "The American Federationist", dem offiziellen Organ des amerikanischen Gewerkschaftsverbandes AFL-CIO. Nachdruck ist nur mit Angabe des Verfassers und
der Quelle gestattet.

******

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
USIS-Bonn/Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XIV - 12

Bad Godesberg, den 1 . Dezember 1961

INHALTSVERZEICHNIS

Vermögenslage und Finanzierung der betrieblichen
Sozial- und Pensionskassen in den Vereinigten Staaten

Seite

1

Gutes Betriebsklima durch sinnvolle
Freizeitprogramme

Seite

9

"Co-op Education" - ein erfolgreiches Oberschulsystem

Seite

10

Stahlarbeitergewerkschaft besteht jetzt 25 Jahre

Seite

12

Gewerkschaftliches Wohnungsbauprojekt für
25 000 Menschen

Seite

14

Edward M. Gordon: Abteilung Berichtswesen der Sozial- und Pensionskassen im US -Bundesamt für Arbeitsrecht und
Arbeitsschutz
Vermögenslage und Finanzierung der betrieblichen Sozial- und
Pensionskassen in den Vereinigten Staaten
Eine erste zusammenfassende Übersicht über die Vermögenslage
und die Finanzierung der betrieblichen Sozial- und Pensionskassen
oder -plane wurde kürzlich vom US-Bundesamt für Arbeitsrecht und

�und Arbeitsschutz veröffentlicht. Sie stützt sich auf die Finanzberichte der 118 660 betrieblichen Sozial- und Pensionskassen, die
erstmalig für das Jahr 1959 auf Grund des Gesetzes über die Ausweispflicht der betrieblichen Sozial- und Pensionskassen (Weifare
and Pension Plans Disclosure Act) dem Arbeitsministerium unterbreitet wurden. Aus der genannten Übersicht geht hervor, daß sich
das Gesamtvermögen dieser Einrichtungen auf 30,2 Milliarden Dollar beziffert. In diesen Berichten sind solche über Deckungsmittel in Höhe von 17»5 Milliarden Dollar nicht enthalten, die bei
kommerziellen Rentenversicherungen angesammelt wurden, so daß
sich die Gesamthöhe der Rücklagen auf über 47&gt;7 Milliarden Dollar
beläuft. Nach vorliegenden Schätzungen werden von 24 130 Pensionskassen über 17 Millionen Arbeitnehmer und von 94 530 Sozialkassen,
die Leistungen der Lebens-, Unfall-, Krankengeld-, Krankenhauskosten-, Operationskosten-, allgemeinen Krankenkosten- und Zahnbehandlungskostenversicherung sowie auch Verdienstausfallentschädigungen im Krankheitsfalle gewähren, über 27 Millionen Beschäftigte erfaßt.

Tätigkeitsbereich der Kassen und Finanzierung der Leistungen
Der Umfang, der Tätigkeitsbereich und die Zahl der betrieblichen Sozial- und Pensionskassen haben in den letzten Jahren
eine starke Ausweitung erfahren. Der amerikanische Kongreß hat
im Hinblick auf die Bedeutung der Kassen für die gesamte Volkswirtschaft und in dem Wunsch, die Interessen der Kassenmitglieder und ihrer Angehörigen zu wahren und den amerikanischen Binnenhandel vor abträglichen Rückwirkungen zu schützen, mit Wirkung vom 1 . Januar 1959 das Gesetz über die Ausweispflicht der
betrieblichen Sozial- und Pensionskassen erlassen, durch das
diese Kassen verpflichtet wurden, den Mitgliedern und Leistungsberechtigten Rechenschaft über die Finanzlage abzulegen, andere
wichtige Informationen bekanntzugeben und dem Arbeitsministerium
entsprechende Berichte zu unterbreiten. Das Gesetz erstreckt sich
auf alle Kassen, die von Arbeitgebern (oder Arbeitnehmerorganisationen in Vertretung von Arbeitnehmern) unterhalten werden, die
im Handel, in der Industrie oder in einem anderen, mit dem Handel in Berührung stehenden Bereiche tätig sind. Ausgenommen sind
Kassen, die weniger als 25 Beschäftigte erfassen, die von staatlichen, einzelstaatlichen oder kommunalen Behörden unterhalten
werden, die in Ausführung der Gesetze über die Invaliditäts- und
Arbeitslosenversicherung errichtet wurden, sowie Kassen, die durch
die Finanz- und Steuerverwaltung von der Steuer befreit worden sin

Das

�II

Das Gesetz schreibt vor, daß die Verwaltungsorgane der der
Berichterstattungspflicht unterliegenden Sozial- und Pensionskassen
dem Arbeitsministerium einreichen: a) eine Beschreibung der Tätigkeit
der Kasse, die u.a. Aufschlüsse über die Art der Verwaltung, der
gewährten Leistungen und der Finanzierung enthalten muß; und b) eine
Abschrift des Kollektiv-, des Treuhand- oder eines anderen Vertrages
bzw. Dokumentes, auf Grund dessen die Kasse errichtet wurde und tätig
ist. Das Gesetz bestimmt ferner, daß jede derartige Kasse innerhalb
von 120 Tagen nach Ablauf des Geschäfts-, des Versicherungs- oder
Vertragsjahres einen Jahresbericht zu unterbreiten habe, in dem die
Höhe der vom Arbeitgeber und von den Arbeitnehmern geleisteten Beiträge, der gewährten Leistungen und der Rücklagen sowie die Zahl der
erfaßten Arbeitnehmer auszuweisen sind.
Die Arbeitnehmer-Zusatzversicherungen unterscheiden sich hinsichtlich der Aufbringung der Leistungen ganz erheblich. Zum Zwecke dieser
Untersuchung wurden die Kassen nach der Art der Aufbringung der Leistungen in fünf Kategorien unterteilt.
Premdversicherte Kassen* Alle Leistungen werden über einen Versicherungsträger (Gesellschaft oder andere Organisation) gewährt. Hierunter fallen auch Kassen, die einen Treuhand- oder einen anderen Sonderfonds unterhalten, aus dem die Beiträge und Gebühren an einen Versicherungsträger abgeführt werden, der seinerseits die Leistungen gewährt.
Selbstversichernde Kassen: Alle Leistungen werden aus einem Treuhand- oder einem anderen Sonderfonds gewährt.
Teilversicherte Kassen: Die Leistungen werden zum Teil von einem
Versicherungsträger aufgebracht und zum Teil aus einem Treuhand- oder
Sonderfonds gewährt.
Nichtfundierte Pläne: Alle Leistungen werden aus dem allgemeinen
Vermögen der Firma oder der Arbeitnehmerorganisation bestritten.
Mischformen: Beliebige Kombinationen aus den vier vorstehend aufgeführten Formen.
Finanzlage und Mitgliederzahl im Jahre 1959
Beitragsaufkommen: Insgesamt führten Arbeitgeber und Arbeitnehmer
10,257 Milliarden Dollar an die 118 660 Kassen ab. Den 94 530 Sozialkassen, flössen 4,766 Milliarden Dollar zu; an die 24 130 Pensionskassen,
deren Zahl mithin nur ein Viertel der Zahl der Sozialkassen beträgt,
wurden 5,491 Milliarden Dollar abgeführt (Siehe Tafel i ) .

Tafel I

�Tafel I
Vermögenslage und Finanz,gebaren der betrieblichen Sozisil- un i Pensionskassen im Jahre 1959. nach Ar t der Kassen , Aufbringung der L ei stungen
und Wirtschaft szweigen aufgeschlüsselt

Art der Aufbringung
der Leistungen
bzw.
Aufgliederung nach
Wirtschaftszweigen
Sämtliche Kassen

Sozia lkassen
Zahl

Leistun- Rückgen
lagen
(fclDoILa^ (inMlar)

5 556

1 410

5 841

1 955

3 649
404
169
397
147

2 420
266
159
597
114

1 229
158
10
0
55

2 892
275
141
597
156

185
1 555
370
0

340
400
720
480

92
201
2 891
365

64
185
2 015
276

28
18
676
87

85
171
2 254
544

12
218
1 346
110

550
990

293
571

185

108
117

258
516

140

890
300
860

247
208
100

88
61
27

191
162
80

12
75
17

94 530

Art der Aufbringung d.
Leistungen
Fremdvers.Kassen
Selbstvers.Kassen
Teilvers.Kassen
Nichtfundierte Pläne
Mischformen

Beiti äge (:in De&gt;llar)
Insges. Arb eit- Arbeitgeb er
ne hmer
4 766

_ .
85 850
2 070
660
5 460
490

27

Aufgliederung
n.Wirtschaf tszweigen
1
Bergbau
Baugewerbe
3
Fertigungsindustrien 45
Transportgewerbe
3
Fernmeldewesen u.a.
öf f .Versorgungsbetr'. 2
Groß- U.Einzelhandel 15
Bank- u.Versicherungsgewerbe u.Immobilienhandel
7
Dienstieis tungsgewerbf3 8
Andere
5

-

254
159
147
73

3

-

5

�A r t d. Aufbringung
der Leistungen
bzw.
Aufgliederung
nach W i r t s c h a f t s zweigen
Sämtliche

Kassen

Pensionskassen
Beiträge (in Dollar)
Insges. ArbeitArbeitgeber
nehmer

Leistungen ( i n
Dollar)

Rücklagen
(in
Dollar)

24 150

5 491

4 576

915

1 672

28 502

7 130
15 090
2 260

1 232
3 049
794

998
2 550

657

234
519
137

294
995
216

165
22 303
3 557

1 470
180

92
324

92
299

0
25

92
75

0
2 277

360
730
880
880

105
112
3 147
328

83
108
2 572
262

22
4
575
66

39
23
850
99

451
400
16 389
1 125

930
350

530
341

485
275

45
66

157
196

3 709
2 484

910
490
600

548
186

481

67
22
48

190
51
67

2 512
904
328

Zahl

Art d. Aufbringung d .
Lei stungen
Fremdvers.Kassen
Selbstvers.Kassen
Teilvers.Kassen
Nichtfundierte
Pläne
Mischformen
Aufgliederung
n .Wirtschaftszweigen
Bergbau
Baugewerbe
Fertigungsindustrien
11
Transportgewerbe
Fernmeldewesen u.a.
öff.Versorgungsbetr.
Groß- U.Einzelhandel 3
Bank- u .Versieherungs
gewerbe u .Immobilien~2
handel
1
Dienstleistungsgew.
1
Andere

f94

164
146

�Eine 1959 durchgeführte Untersuchung der Finanzierung der Sozial- und Pensionspläne zeigte, daß über 98 Prozent aller Pensionskassen Beiträge von Unternehmern oder Unternehmergruppen erhalten
und 73 Prozent sogar ausschließlich von diesen finanziert werden.
Die von Unternehmern aufgebrachten Beiträge zu den Pensionskassen
betrugen insgesamt 4» 576 Milliarden Dollar, das entspricht 83 Prozent
des Gesamtaufkommens. Im Gegensatz hierzu finanzierten die Unternehmer nur 38 Prozent der Sozialkassen ausschließlich, wobei sich
ihre Aufwendungen auf 3»356 Milliarden Dollar oder 70 Prozent des
Gesamtaufkommens bezifferten.Weit über die Hälfte des Beitragsaufkommens - 61 Prozent bei
den Sozial- und 57 Prozent bei den Pensionskassen - entfiel auf
Pläne, die Arbeitnehmern in den Fertigungsindustrien zugute kommen.
An nächster Stelle rangieren die Kassen, die Arbeitnehmer im Fernmeldewesen und in den anderen öffentlichen Versorgungsbetrieben
erfassen, gefolgt von Kassen im Finanz- und Versicherungswesen,
im Immobilienhandel sowie im Groß- und Einzelhandel.
Die von den Kassenverwaltungen gemeldeten Beitragaeingänge
lagen-etwas höher als nach Schätzungen des US-Handelsministeriums
und des Bundesamtes für die Sozialversicherung (Social Security
Administration) zu erwarten war. Die Unterschiede sind zum Teil
darauf zurückzuführen, daß sich das Handelsministerium dabei auf
Kassen beschränkte, die den Mitgliedern bzw. deren Angehörigen
Leistungen der Kranken-, Operations- und Krankenhauskostenversicherung
sowie Zahlungen bei Krankheit, Unfall, Invalidität, Tod oder Arbeitslosigkeit gewähren, während das Bundesamt für die Sozialversicherung
Kassen erfaßte, die ihren Mitgliedern bzw. deren Angehörigen Altersrenten gewähren, sowie auch Gewinnbeteiligungsfonds mit späterer
Ausschüttung im Falle der Erreichung der Altersgrenze oder danach
(Deferred profit-sharing plans; siehe Internationale Arbeitsmitteilungen, XIV-11, 1. November 1961s "Zunehmende Verbreitung der Gewinnbeteiligung in den USA")* Die Gesamthöhe der Arbeitgeberbeiträge
zu den betrieblichen Sozial- und Pensionskassen betrug den eingereichten Berichten zufolge 7»952 Milliarden Dollar und übertraf damit nur
geringfügig den yvom US-Handelsministerium geschätzten Betrag von
7,877 Milliarden^Dollar. Die von den Pensionskassen ausgewiesenen
Beitragseinnahmen.in Höhe.von 5»491 Milliarden Dollar lagen um rund
300 Millionen höher als die vom Bundesamt für die Sozialversicherung
errechneten Einnahmen der betrieblichen Pensionskassen und der Gewinnbeteiligungs-Treuhandfonds mit späterer Ausschüttung.
Leistungen; Von den im Jahre 1959 erfolgten Auszahlungen in Höhe von
5»513 Milliarden Dollar entfielen 70 Prozent auf Sozialleistungen.
75 Prozent dieser Leistungen in Höhe von 3,841 Milliarden'Dollar wurde
über Versicherungsunternehmen bereitgestellt. Auf die nichtfundierten Versorgungspläne entfiel nur ein Zehntel der gezahlten Sozialleistungen, auf die Mischformen der Rest. Im Gegensatz hierzu wurden
60 Prozent der'Leistungen der Pensionskassen in Höhe von 1 ,672 Milliarden von den selbstversichernden Kassen aufgebracht, das heißt, die
Leistungen wurden aus einem Treuhand- oder Sonderfonds bezahlt. Die
fremdversicherten Kassen waren die einzige Form, die mit 18 Prozent
einen weiteren nennenswerten Anteil an den Gesamtleistungen erreichte.
Von

�II

Von den Sozialleistungen kamen 59 Prozent oder 2,254 Milliarden Dollar und von den Pensionszahlungen 51 Prozent oder 850 Millionen Dollar Beschäftigten der Fertigungsindustrien oder deren Angehörigen zugute. An nächster Stelle kam der Groß- und Einzelhandel,
gefolgt von dem Transportgewerbe, dem Fernmeldewesen und anderen l
öffentlichen Versorgungsbetrieben.
Vermögen: Das Gesamtvermögen aller betrieblichen Sozial- und Pensionskassen beläuft sich auf 47,7 Milliarden Dollar. Nach den Berichten
der Verwaltungsorgane der Kassen an das US-Arbeitsministerium beträgt
das Vermögen 30,2 Milliarden Dollar, da die Deckungsmittel der Versicherungsträger der fremdversicherten Kassen in Höhe von 17,5 Milliarden Dollar darin nicht enthalten sind.
Die 28 130 Pensionskassen wiesen ein Vermögen von 28,3 Milliarden
Dollar aus. Da 91 Prozent der Sozialkassen ihre Leistungen über Versicherungsträger gewähren und somit der größte Teil von ihnen überhaupt kein eigenes Vermögen gebildet hat, bezifferte sich das Gesamtvermögen der Sozialkassen nur auf 1,9 Milliarden Dollar. Von diesem
Betrag entfielen 70 Prozent auf die 2070 selbstversichernden Kassen,
die die Leistungen aus den Mitteln eines Treuhand- oder eines anderen
Sonderfonds bestreiten.
Über die Hälfte aller angezeigten Vermögensbestände gehörten Kassen,
die für Arbeitnehmer in den Fertigungsindustrien errichtet worden sind.
An zweiter Stelle folgen Kassen für Beschäftigte im Fernmeldewesen und
in anderen öffentlichen Versorgungsbetrieben, gefolgt vom Groß- und
Einzelhandel, dem Bank- und Versicherungsgewerbe und dem Immobilienhandel.
Mitgliederzahl: Nach den Bestimmungen des Meldegesetzes bleibt es den
Verwaltungsorganen der Kassen überlassen, darüber zu bestimmen, ob
eine "Kas;se" vorliegt. Das führte dazu, daß die Verwaltungsorgane zum
Teil sämtliche gewährten Leistungen ohne nähere Spezifikation insgesamt als Leistungen "der Kassen"anführten, während andere wiederum
für jede Leistung oder Gruppe verwandter Leistungen eine getrennte
"Kassel* annahmen, wobei jede dieser Kassen natürlich im wesentlichen
dieselben Beschäftigten erfaßt. Wegen dieser mehrfachen Mitgliedschaft
in verschiedenen Kassen ist es nicht möglich, die genaue Zahl der 1959
gemeldeten Mitglieder der insgesamt 118 660 Kassen zu benennen. Bei
Ausklammerung der mehrfachen Mitgliedschaft (soweit dies möglich war)
ergibt sich, daß die 24 130 Pensionskassen schätzungsweise 17 Millionen
Arbeitnehmer erfassen und die 94 530 Sozialkassen rund 27 Millionen.
Rechnet man nun noch hinzu, daß die meisten Sozialkassen auch noch Leistungen für die Angehörigen der Arbeitnehmer vorsehen, so kann man .
mit ziemlicher Sicherheit sagen, daß heute rund 65 bis 70 Millionen
Amerikaner von den Sozialkassen erfaßt werden.
Sowohl bei den Sozial- als auch bei den Pensionskassen bestanden
hinsichtlich der Mitgliederzahlen große Schwankungen. Die Tatsache, daß
die meisten Klein- und Mittelbetriebe heute ihrer Belegschaft Sozialund Pensionsleistungen der einen oder anderen Form bieten, erklärt, warum
über ein Viertel der, Kassen weniger als 50 Mitglieder und fast die
Hälfte weniger als 100 Mitglieder hat (siehe Tafel I I ) .
Tafel II

6

�Tafel II
Mitgliederstand der betrieblichen Sozial- und Pensionskassen
im Jahre 1959

Größenordnung

Sämtl.
Kassen

Zahl
Sozialkassen

Sämtl.
Kassen

118 660

94 550

24 130

100,0

100,0

9 920

7 660

2 260

8,4

8,1

9,4

19,3
27,2
35,4
38,6
42,7
46,0
48,9
65,8
73,4
77,8
80,6
83,0
84,6
85,9
86,9
87,7
92,2
93,9
94,9
95,5
98,6
100,0

19,2
27,1
33,5
38,3
42,5
45,9
48,9
66,1
73,7
78,1
80,8
83,2
84,7
85,9
86,9
87,7
92,1
93,7
94,7
95,3
98,3
100,0

19,6
27,5
53,6
39,4
43,1
46,1
48,8
64,5
71,9
76,5
79,2
81,5
83,2
84,5
85,6
86,4
91,4
93,2
94,1
94,7
98,1
100,0

Pensionskassen

Prozent
Sämtl.
SozialKassen
kassen

Pensionskassen

100,0

Weniger a l s
50

50-59
40-49
50-59
»
60-69
70-79
80-89
90-99
100-199
200-299
500-399
400-499
500-599
600-699
700-799
800-899
900-999
1000-1999
2000-2999
3000-5999
4000-4999
5000 u . m e h r
ohne Angaben

12
9
7
6
4
5
5
20
9
5
5
2
1
1
1
5
1
1
5
1

920
590
340
160
860
930
440
950
000
230
280
790
870
500
230
990
380
970
170
69O
620
930

10
7
5
4
3
5
2
16
7
4
2
2
1
1

4
1

2
1

470
480
880
770
960
210
790
300
170
170
590
240
450
180
970
790
180
540
950
540
800
440

2
1
1
1

5
1
1

1

450
910
460
590
900
720
650
750
830
060
69O
550
420
320
260
200
200
430
220
150
820
490

�Besonders häufig sind auch Kassen mit 100 bis 199 Mitgliedern,
fielen doch 17 Prozent der Sozialkassen und 16 Prozent der Pensionskassen in diese Kategorie. Nur 11 Prozent der Sozialkassen und 12
Prozent der Pensionskasaen hatten mehr als 1000 Mitglieder. Nach
den vorliegenden Schätzungen gehörten aber rund 75 Prozent aller
Arbeitnehmer Sozialkassen und 80 Prozent Pensionskassen dieser Größenordnungen,_ai. Der Anteil der eigentlichen Großkassen mit 5000 und
mehr Mitgliedern betrug sowohl bei den Sozial- als auch den Pensionskassen 3 Prozent; auf sie entfielen aber schätzungsweise 49 Prozent
der von den Sozialkassen und 58 Prozent aller von den Pensionskassen
erfaßten Arbeitnehmer.
Künftige Berichte
Das Arbeitsministerium ist gegenwärtig dabei, das Zahlenmaterial
der zweiten Jahresberichte (für i960) auszuwerten. Mit Sicherheit ist
damit zu rechnen, daß diese Statistiken ein weiteres Wachstum der betrieblichen Sozial- und Pensionskassen ausweisen werden; das gilt nicht
nur für ihre Zahl und die Zahl der erfaßten Arbeitnehmer, sondern auch
für die gewährten Leistungen und die angesammelten Rücklagen für später
fällig werdende Leistungen. Stehen erst einmal entsprechende Unterlagen
für einen Zeitraum von zwei Jahren zur Verfügung, dann dürfte es nicht
mehr schwer fallen, eine zutreffende Analyse dieses gesamten Fragenkomplexes vorzunehmen und die bisherigen diesbezüglichen Schätzungen zu
untermauern oder gegebenenfalls zu berichtigen.

(Quelle: Monthly Labor Review",
Vol. 84, Nr. 9, September 1961)

* * * * *

8

-

�Gutes Betriebsklima durch sinnvolle Freizeitprogramme
Zufriedenheit und Harmonie sind zwei Begriffe, die sich in
unserer modernen industriellen Gesellschaft immer mehr in den Vordergrund geschoben haben. Von den Betriebspsychologen werden sie sogar als die entscheidenden Faktoren für ein gutes Betriebsklima und
damit auch für ein erfolgreiches Arbeiten des Unternehmens angesehen.
Es nimmt daher auch nicht wunder, daß in den vergangenen Jahren
immer mehr Wirtschaftsunternehmen dazu übergegangen sind, all jene
Faktoren und Programme stärker als bisher zu entwickeln, die zur Befriedigung der Mitarbeiter in dieser Hinsicht beitragen. Besonders
in der amerikanischen Wirtschaft haben sich dabei Entwicklungen abgezeichnet, die weit über den Rahmen dessen hinausgehen, was bisher
auf dem Gebiet der "Schaffung eines gesunden Betriebsklimas" als unbedingt notwendig erachtet wurde.
Familie und Gemeinde wichtige Faktoren
Während nämlich die meisten dieser innerbetrieblichen Maßnahmen
und Programme bisher hauptsächlich auf die Mitarbeiter selbst zugeschnitten waren, umschließen sie heute in zunehmendem Maße auch die
Familien und Wohngemeinden der Betreffenden. Dies geschieht aus der
Erkenntnis heraus, daß innerbetriebliche "Harmonisierungsmaßnahmen"
allein unwirksam bleiben müssen, wenn sie nicht auch auf die weitere
"Umwelt" der Mitarbeiter ausgedehnt werden. Was man anstrebt, ist
also die Verbindung von innerer (betrieblicher) und äußerer (Familie,
Gemeinde) Harmonie und Zufriedenheit. Welcher Mittel und Programme
man sich dabei heute bedient, mag ein kurzer Überblick über die verschiedenen sogenannten "Recreation Programs" der amerikanischen Industrie zeigen.
Sportparks und Clubhäuser
"Die größeren und finanziell starken Unternehmen haben den Schwerpunkt ihrer Programme in jüngster Zeit in erster Linie auf die Schaffung von sor^ältig geplanten Erholungsparks und Clubhäusern konzentriert, die, mit allen erforderlichen Einrichtungen ausgestattet, die
Ausübung der verschiedensten Sportarten (im Freien wie in der Halle)
ermöglichen und von den Mitarbeitern und deren Familien in ihrer Freizeit kostenlos in Anspruch genommen werden können.
Die kleineren Betriebe dagegen, die finanziell nicht ganz so
großzügig verfahren können, beschränken sich in der Regel darauf,
die Gründung von betrieblichen Sport-, Kultur- und ähnlichen Gruppen
durch Bereitstellung der entsprechenden Mittel, Geräte und Räume zu
fördern und tatkräftig zu unterstützen.
In den meisten Betrieben liegt die Durchführung dieser Sozialund Freizeitprogramme in den Händen eines Betriebskomitees, das jährlich von allen Mitarbeitern des Unternehmens gewählt wird. Zu den
beliebtesten individuellen Freizeitbetätigungen gehören heute in erster Linie Kegeln, Basketball, Volleyball und Tischtennis, während

9

-

�während Volkstanz, Picknicks, Musikveranstaltungen, Wanderungen
und Besichtigungsfahrten die hevorzugtesten Massenveranstaltungen
darstellen.
Für die Individualisten und "Hobbyisten" unter den Arbeitnehmern
sind es hauptsächlich die Schach-, Photographier-, Briefmarkensammler, Chor-, Malerei- und Kunsthandwerksgruppen, die die stärkste
Anziehungskraft ausüben.
Auch das Sporttauchen, das Fechten und Bogenschießen gehören
mit zu jenen von den Industriebetrieben geförderten Freizeitbeschäftigungen, die sich in jüngster Zeit immer größerer Beliebtheit erfreuen und eine große Anziehungskraft auf die Arbeitnehmer und ihre
Familien ausüben. Auch hier sorgen die Unternehmen für die Anschaffung der entsprechenden Ausrüstungen bzw. Waffen sowie für die Bereitstellung der erforderlichen Übungs- und Ausbildungsmöglichkeiten.

(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

"Co-Op Education" - ein erfolgreiches Oberschulsystem
Der auf Grund der schnellen technologischen Veränderungen ständig wachsende Bedarf an Arbeitskräften, die sowohl über ein gutes
Allgemeinwissen als auch über die entsprechenden fachlichen Qualifikationen verfügen, stellt gegenwärtig in den Vereinigten Staaten
eines der Hauptprobleme auf dem Beschäftigungssektor dar. Während
auf der einen Seite Industrie und Gewerkschaften bestrebt sind, durch
Schaffung gemeinsamer beruflicher Ausbildungs- und Fortbildungsprogramme das allgemeine fachliche Niveau der bereits im Berufsleben
stehenden Arbeitskräfte zu heben, bemühen sich auf der anderen die
staatlichen Schulbehörden in verstärktem Maße darum, den jungen Menschen bereits auf der Schule durch eine intensive praktische Ausbildung das nötige Rüstzeug für das spätere Berufsleben mitzugeben.
Richtungweisend sind in dieser Hinsicht die sogenannten "Cooperative-education"-Programme des Staates New York gewesen, die, 1915 zum
ersten Mal auf Versuchsbasis gestartet, heute pro Jahr rund 4000 Jungen und Mädchen die Möglichkeit bieten, auf der Oberschule all jene
Dinge zu erlernen, die sie in ihrem erwählten Beruf brauchen. Es handelt sich dabei um ein kombiniertes, mit Unterstützung von 200 Wirtschaftsunternehmen entwickeltes Schulsystem, das den normalen wissenschaftlichen Unterricht mit einem bezahlten Praktikum in Industrieoder Handwerksbetrieben koppelt. Insgesamt werden mit Beginn des
neuen Schuljahres 46 (bisher 40) derartige Oberschulen im Gebiet von

10

.

�von New York jungen Menschen die Möglichkeit einer kombinierten
wissenschaftlich-praktischen Ausbildung bieten.
Der unmittelbare soziologische und gesamtwirtschaftliche
Vorteil dieses Systems dürfte darin liegen, daß es zahlreichen Oberschülern die Möglichkeit eines ausreichenden Verdienstes bietet,
die andernfalls die Schule eher verlassen und somit nicht die Qualifikationen mit ins Berufsleben bringen würden, die sie benötigen.
Da die Entlohnung der Schüler nach den jeweiligen Richtsätzen in
den einzelnen Industrie- oder Handwerkszweigen erfolgt, reicht der
Verdienst gut aus, um den Lebensunterhalt davon zu bestreiten. Im
Schuljahr 1959/60 zum Beispiel belief sich das Gesamteinkommen dieser Oberschüler in New York auf über 3 Millionen Dollar.
Der Lehtplan dieser kombinierten Oberschulen setzt sich - neben
den wissenschaftlichen Fächern, die auch in den normalen Klassen gegeben werden - aus zahlreichen praktischen Wahlfächern, wie Buchhaltung, Büromaachinen, Einzelhandel, Automobilfachhandwerk, technisches
Zeichnen, Da&amp;enschneiderei, Werkzeugmaschinen, Nadelarbeiten, Krankenpflege, Photographie, Druckereitechnik usw., zusammen.
Während die Schüler in den beiden ersten Oberschuljahren ausschließlich in Normalfächern unterwiesen werden, gliedert sich ihre
Unterrichtszeit vom dritten Jahr an in eine theoretische und eine
praktische Ausbildung. Im wöchentlichen, monatlichen oder auch sechswöchigen Wechsel - je nach Schule und Art des Lehrplanes - pendeln
sie dann zwischen Schule und Arbeitsplatz. Die Schüler werden dabei
immer in Paare eingeteilt, so daß einer stets die Schulbank drückt,
während der andere den Arbeitsplatz ausfüllt, der so das ganze Jahr
über besetzt ist. Dieser rotierende Unterricht wird dann bis zum Erwerb des Abschlußzeugnisses der Oberschule beibehalten.
Wenn auch eines der Hauptziele dieser "Gooperative education"
die Sicherung eines angemessenen Lehrarbeitsplatzes für Schüler ist,
so stellt doch dieses System nach Ansicht der Pädagogen auch die beste
Form dar, die vorhandenen latenten Fähigkeiten eines jeden einzelnen
voll zur Entwicklung zu bringen. Die Tätigkeit im Betrieb wird dabei
als Teil der schulischen Ausbildung betrachtet, wobei der Lehrherr
gehalten ist, die Leistung des Schülers in Form von Beurteilungen
zu charakterisieren - Beurteilungen, die in dem allgemeinen Zeugnis
volle Berücksichtigung finden.
Die bisher mit diesem Erziehungssystem gemachten Erfahrungen
sind durchweg sehr ermutigend, denn wie aus den Berichten der einzelnen Schulen hervorgeht, beenden rund 98 Prozent aller Oberschüler, die von Industrie und Wirtschaft allgemein mit Vorzug eingestellt
werden, diese "Co-op"-Kurse.
Wie ferner aus verschiedenen Statistiken zu ersehen ist, bleiben rund 80-90 Prozent dieser Oberschüler auch nach ihrem Abgang
von der Schule bei jenen Firmen, wo sie ihre Schul-Lehrjähre absolvierten. In den meisten Fällen war es ihnen dabei möglich, sehr schnell
in höhere Positionen aufzurücken oder solche Posten zu bekleiden, die
für sie während der Lehrzeit auf Grund der Teilbeschäftigung unerreichbar waren.
*# # * *
(Quelle: Eigenbericht)
11 -

�Stahlarbeitergewerkschaft besteht .jetzt 25 Jahre
Eine der einflußreichsten, gleichzeitig auch aber eine der
jüngsten amerikanischen Gewerkschaften kann in diesem Jahr auf
eine 25jährige Tätigkeit und auf "ein Vierteljahrhundert des
menschlichen Fortschritts" zurückblicken: die "United Steelworkers
of America" - die 1936 gegründete Stahlarbeitergewerkschaft.
Die Grüiidungsversammlung, die von einigen eng mit der Gewerkschaftsbewegung verbundenen Männern einberufen worden war, fand
am 17- Juni 1936 in einem kleinen Büroraum im Zentrum der amerikanischen "Stahlstadt" Pittsburgh statt. Das Ergebnis dieser ersten
Zusammenkunft war die Gründung des "Organisationskomitees der
Stahlarbeiter", des Vorläufers der einige Monate später ins Leben
gerufenen "Vereinigten Stahlarbeitergewerkschaft". In einer Erklärung des Organisationskomitees hieß es damals, daß es die Absicht
der neuen Gewerkschaft sei, das Kollektivverhandlungswesen auch in
der Stahlindustrie einzuführen, und daß man an diese gewaltige Aufgabe "im Geiste der Verantwortlichkeit gegenüber der Gewerkschaftsbewegung und der Nation" herangehen wolle.
Schon neun Monate nach der Gründungsversammlung gelang es der
Stahlarbeitergewerkschaft, den ersten Tarifvertrag mit einem der
größten amerikanischen Stahlunternehmen, der "U.S. Steel Corporation", abzuschließen und ihren Mitgliedern neben einem täglichen
Mindestlohn von 5 Dollar und der 40-Stunden-Woche auch Überstundenvergütungen, bezahlten Urlaub und Senioritätsschutz zu sichern.
Damit war praktisch der Einbruch in die Stahlindustrie gelungen,
und bereits vier Wochen nach dem ersten Vertragsabschluß konnten
Tarifverhandlungen mit 41 weiteren Stahlerzeugern aufgenommen werden. Die Zahl der Ortsvereine erhöhte sich in kürzester Zeit auf
492, die Zahl der Mitglieder allein in einer Woche um 37 000.
Die Organisationskampagne der Stahlarbeitergewerkschaft stellte
in den dreißiger Jahren eine der herausragenden Entwicklungen auf
dem Gebiet der Industriegewerkschaften dar, die sich bekanntlich
in dieser Zeit (mit der Gründung der CIO) zu dem großen Antipoden
der in der "AFL" zusammengeschlossenen berufsständischen Gewerkschaften entwickelten. Schon gegen Ende der dreißiger Jahre war
die Stahlarbeitergewerkschaft, die heute über 1 Million Mitglieder
besitzt, eine der stärksten und größten Gewerkschaften der Vereinigten Staaten.
Auch in den folgenden Jahren büßten die "United Steelworkers"
nichts von ihrer ursprünglichen Dynamik und ihrem organisatorischen
Schwung ein. In all den TarifVerhandlungen seit 1936 gelang es der
zielbewußten Gewerkschaftsführung immer wieder, neue wirtschaftliche
und soziale Verbesserungen für ihre Mitglieder auszuhandeln - meist
auf gütlichem Wege, vielfach aber auch erst durch Einsatz ihres
letzten Mittels, des Streiks,
Welch

�Welch große Erfolge die Stahlarbeitergewerkschaft, die das
industrielle Lohnniveau in den USA insbesondere in der Nachkriegszeit weitgehend mitbestimmte, für ihre Mitglieder in den vergangenen
25 Jahren erringen konnte, mag aus der folgenden Gegenüberstellung
deutlich werden:

±2l£

Grundlohn in der Stahlindustrie = 47 Cent pro
Stunde; Durchschnittslohn in der Stahlindustrie =
66 Cent pro Stunde;Lohnnebenleistungen = keine

1961

Grundlohn in der Stahlindustrie = 2,10 Dollar;
Durchschnittslohn in der Stahlindustrie = 3,20
Dollar; Lohnnebenleistungen = 7 bezahlte Feiertage;
bezahlter Urlaub; Lebens- und Krankenversicherung
(Beiträge werden allein vom Arbeitgeber bezahlt);
zusätzliche Arbeitslosenversicherung; Überstundenbezahlung; erhöhter Satz für Sonn- und Feiertagsarbeit; vollständiger Senioritäts- und Beschwerdeschutz; Entlassungsgelder; Lohngleitklausel.

Alle diese Erfolge sind dabei fast ausschließlich zwei Männern
zuzuschreiben, die die Stahlarbeitergewerkschaft mit Energie und
Weitblick durch die vergangenen 25 Jahre geführt haben: Philip
Murray, dem 1952 verstorbenen ersten Präsidenten sowie David J.
McDonald, der das Amt des 1. Vorsitzenden nach dem Tode Murrays
übernahm.
"Wir haben in den ersten 25 Jahren unseres Bestehens einen
langen Weg zurückgelegt", erklärte McDonald kürzlich anläßlich
des 25jährigen Jubiläums seiner Gewerkschaft. "Wir können stolz
auf unsere Erfolge sein, die wir am Tarifverhandlungstisch erzielt
haben. Dennoch bleibt vieles zu tun übrig, und wir werden auch weite
hin in den Tarifverhandlungen bemüht sein, Verbesserungen für unsere
Mitglieder zu erreichen."

(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

�Gewerkschaftliches Wohnungsbauprojekt für 25 000 Menschen
Im bekannten West-Side-Viertel von Manhattan soll nach den Plänen der Vereinigten Lithographengewerkschaft eines der größten gewerkschaftlichen Wohnungsbauprojekte der USA im kommenden Frühjahr
entstehen - eine in sich geschlossene, insgesamt neun Hochhäuser
mit Wohnraum für 25 000 Menschen umfassende Stadtkernsiedlung mit
all den dazugehörenden Versorgungseinrichtungen.
In Anbetracht der hohen Grundstückspreise in New York City und um die Gesamtkosten möglichst niedrig zu halten - wird das gesamte Wohnungsbauprojekt über den Gleisen des Güterbahnhofs der
"New York Central Railroad" errichtet werden, und zwar auf einer
riesigen, von Stützpfeilern getragenen dicken Betonplatte, die den
gesamten Bahnkörper überspannt. Auf der insgesamt 148 000 Quadratmeter großen Fläche sollen dabei drei 41 Stockwerke und sechs 47 Stockwerke hohe Wolkenkratzer entstehen, die weit über den Hudson River
ragen und die schmälsten Wohnhochhäuser im Stadtgebiet von New York
sein werden. Die Gesamtbaukosten, einschließlich der Kosten für die
erforderlichen Schulen, Kirchenräume, Geschäfte usw., werden von der
Gewerkschaft auf rund 250 Millionen Dollar beziffert.
Da jedoch die gesamten Vorarbeiten für das Projekt sehr sorgfältig geplant und durchgeführt wurden und jede sich bietende
Kosteneinsparung (wie die Überbauung des Eisenbahngeländes) ausgenutzt wurde, wird es der Gewerkschaft möglich sein, selbst in diesem
mietungünstigen Stadtteil von New York ihren Mitgliedern kostengünstige Wohnräume zur Verfügung zu stellen. Neben großen Wohnungen
für Familien der mittleren Einkommensgruppen mit Kindern werden überübrigens auch Spezial-Wohnungen für ältere Einzelpersonen und Ehepaare in dem Projekt geschaffen werden.
Die Finanzierung des gesamten Vorhabens erfolgt einmal durch
die Bereitstellung von Mitteln aus dem Wohlfahrts- und Pensionsfonds
der "Amalgamated Lithographers of America", zum anderen durch Zuschüsse der Bundesregierung, des Staates und der Stadt New York.
Wie der 1 . Vorsitzende der Lithographengewerkschaft, Edward
Swaybuck, ergänzend zu dem Bauvorhaben erklärte, sieht seine Gewerkschaft in diesem Wohnungsbauprojekt eine natürliche Ergänzung des
in diesem Stadtteil im Entstehen begriffenen Kulturzentrums von
New York, des Lincoln Center - Daher auch die Absicht der Gewerkschaft,
neben einem Ausstellungszentrum für graphische Kunst Ateliers für
bildende Künstler in dem Projekt zu erstellen. Man hofft, damit all
jenen Künstlern wieder eine neue Heimat zu geben, die bei der Sanierung des West-Side-Stadtteils ihre Ateliers und Wohnungen verloren
haben. "Auf diese Weise hoffen wir dieses Gebiet kulturell weiter
auszudehnen und abzurunden. Das ist unser Traum."

(Quelle: Eigenbericht)
* * * * *

14

-

�</text>
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                <text>Internationale Arbeitsmitteilungen 1961</text>
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                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
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                <text>&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Nr. 1&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Reaktion der Angestellten eines Bürobetriebes auf die Automatisierung&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Innerbetriebliche Kontaktpflege als Schlüssel des Einvernehmens zwischen Arbeitnehmern und Management&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der "Boulwarismus" in der US-Lohnpolitik&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 2&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Automatisierung bürotechnischer Arbeiten bei amerikanischen Regierungsbehörden&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Arbeitnehmer und Gewerkschaften im Jahre 1960&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;1961 - Ein Jahr wichtiger Tarifverhandlungen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Beträchtliche Zunahme der Lohnnebenleistungen in der US-Wirtschaft&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Durchschnittseinkommen der Büroangestellten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 3&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Künftige Organisationsprobleme der US-Gewerkschaften&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gewerkschaftliche Kurznachrichten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 4&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Art und Umfang der Mehrfachbeschäftigung in USA&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Am Arbeitsplatz sicherer als zu Hause&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gewerkschaftliche Kurzmeldungen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 5&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Das Sozialversicherungswerk der amerikanischen Eisenbahner&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zweck und Auswirkungen der Mindestlohngesetzgebung in den USA&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Private Pensionspläne gewinnen immer größere Bedeutung&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Berufsschulwesen in den Vereinigten Staaten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 6&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Zusätzliche Krankenversicherung als tarifliche Leistung&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Rolle der Gewerkschaften bei der Förderung der Sicherheit am Arbeitsplatz&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 7/8&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Herausforderung der "zweiten industriellen Revolution"&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Gewerkschaftsfamilien" sind finanziell besser dran&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Entwicklung des US-Personaleinkommens seit 1950&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sicherung der Arbeitsplätze durch rechtzeitige Umschulung&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Neue Formel für den Arbeitsfrieden&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gewerkschaftliche Kurznachrichten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 9&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wachsende Bedeutung der Angestelltenberufe in den USA (I)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 10&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wachsende Bedeutung der Angestelltenberufe in den USA (II und Schluss)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das erste "Altershotel" in Miami Beach eröffnet&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Das historisch bedeutendste Tarifabkommen"&lt;/p&gt;&#13;
&lt;p&gt;Trends im Tarifverhandlungswesen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 11&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Zunehmende Verbreitung der Gewinnbeteiligung in den USA&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gewerkschaftsschulung im Wandel&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Organisierung der Angestellten als Zukunftsaufgabe der amerikanischen Gewerkschaften&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 12&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Vermögenslage und Finanzierung der betrieblichen Sozial- und Pensionskassen in den Vereinigten Staaten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gutes Betriebsklima durch sinnvolle Freizeitprogramme&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Co-op Education" - ein erfolgreiches Oberschulsystem&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Stahlarbeitergewerkschaft besteht jetzt 25 Jahre&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gewerkschaftliches Wohnungsbauprojekt für 25 000 Menschen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA-BIEHST • Sonderbeilagen 1961

Priaident Kiaenhoweri Botschaft «her dl« La«« der Nation«
Wortlaut der ron Priaident Elaenhower am 12« Jnnuar 1961
den US-Kongress unterbreiteten State of the Union Message
W

20,1,

Lotste naushaltsbotaohaft Prtsident Etsenhovers an den
US-Kongress ron 16, Januar 1961

A

20.1.

Absohiedaansprache Präsident Eisenhowers an das anerikanieohe Volk Ton 17» Januar 1961

W

27«1.

Prlsident Eieenhower legte Wirtschaftsberioht Tor«
Wirtsohaftsbotschaft Prlsident Eisenhowers TOB 18« Januar
1961

A

27*1*

Inaugurationaanaprache des neuen Präsidenten des USA Kennedys Sine neue Generation hat die Regierung tthernoBPrlaident Kennedys Antrittsrede T O B 20* Januar 1961
Text of President Kennedy's Inaugural Address (Engl. Version)

A

27.1»

ehester Bewies unreisst außenpolitische Aufgaben der USA«
''ortlaut der Rede des stellvertretenden US-Aussenministers
ehester Bewies T O B 21, Januar 1961 Tor der UniTersity of
Michigan in Ann Arbor

A

5«2.

Prlsident Kennedy unterbreitet Botschaft über die Lage der
Ration« - State of the Union Message T O B 30« Januar 1961

W

10.2«

Priaident Kennedy unterbreitet Wirtschaftsbotschaft«
Zusammenfassung und Aussage Her Wlrteehaftsbotschaft T O B
2« Februar 1961

W

10.2.

President Ke:i «dy legt Prograaa sura Ausgleich der anerikaniachen Zahlungabilans Tor«
Botschaft an den US-Kongreos T O B 6« Februar 1961

A

24«2«

HamaarskjOldt Ich bleibe auf steinen Posten«
Wortlaut der Erklärung des UN-Ganeraleekretlrs Bag HaaBarskjöld T O B 15« Februar 1961 Tor den tfelteioherheitsrat

W

31«3«

W

31*5*

Kennedy legt
Wortlaut der
1961
Kennedy legt
Wortlaut der
1961

W

7«4«

neues Auslandshilfeprogranm vor«
Sonderbotsohaft Prlsident Kennedys T O B ?2.Mlrs
Empfehlungen für den neuen US-Haushalt TOT«
Sonderbotsohaft Prlsident Kennedys T O B 24«L!lrs

Kennedy unterbreitet Botschaft Aber den Vertetdigungahaushalt der USA«
Wortlaut der Sonderbotschaft des Prlsidsnten T O B 28« Kars
1961

�Präsident Kennedys Wir werden Kuba nicht den
fiberlassen,
Wortlaut der rede Präsident Kennedys vom 20, April 1961
•or der Amerioan Society of Hewspaper 'ditors in Washington
I

2.6.

Kennedy ruft das amerikanische Volk zu grosseren Anstrengungen
auf«
Wortlaut der Sonderbotschaft des Präsidenten von 25, Mai 1961

W

9.6.

Ruskt USA wollen dynamischen Frieden.
Wortlaut der Ausführungen US-Auaaenminlatere Rusk* in denen
er an 51* ^si 1961 wor dem aussenpolitlachen Ausschuns des
US-Senats sur amerikanischen Aualandahilfe Stellung nahn.

A

9«6»

Präsident Kennedy ' erichtet aber seine Buropareise.
Wortlaut der Fernseh- und Rundfunkansprache Präsident Kennedys Ton 7« Juni 1961

A

25.6.

USA beantwortet sowjetisches Memorandum zu den ('enfer Atonverhandlungen.
Wortlaut der amerikanischen "ote vom 17* Juni 1961 als Antwort auf das sowjetische Memomndura T O B 12. Juni 19^1

A 14*7«

Bis Rolle der Presse in Ost und West.
Aus der New Yorker Ferneehdebatte vom 24. Juni 1961 zwischen
sowjetischen und amerikanischen Journalisten

A

14*7*

Dean Husk macht Sowjets fttr Weltkrise verantwortlich*
Wortlaut der Rede des US-Aussenminlaters sowie der Tragen
und Antworten der anschliessenden ^erlin-Diakussion in
Nationalen Preaseklub sm 10« Juli 1961 in Washington

A

28.7.

Präsident *ennedy unterstreicht feste Haltung der USA in
der Berlin-Frage.
Wortlaut der Rundfunk- und Iernaehanapracho des Präsidenten
von 25. Juli 1961
Gin Tor zum Frieden - Vertrag zur Einstellung der Kernwaffenversuche*
Analyse des Vertragsentwurfes von 18* April sowie da» offizielle
Stellungnahme des Weissen Hauses von ?1* August zur Wiederaufnahme der SowjetIschen Kernwafrenversuche und die Erklärung
von 5* September 1961 *un britisch-amerikanischen Angebot
eines unkontrollierten Vereuohsetopps

A

1.9*

Berlin - 1961
Berlin-Broschüre des amerlkaniaohen Ausaenrainioteriuns

A

15*9*

Satelliten und Raumsonden
4 Jahre Experimente im Weltraum - USA starteten über 50 Satelliten

A

15*9*

Wemtmäehte warnen Moskau erneut vor Behinderung des Luftverkehr« nach Berlin*
Wortlaut der amerikanischen Note an die Sowjetunion
8* September 1961

�A 22.9,

US-Unterstentssekretärx Testfall Berlin
Rede de* Unterstaatssekretl'rs im US-Tarteidlguugsminieterium89
Paul H. Nitze, vom 7* September 1961 vor dem Verband amerikanischer Armeeangehöriger

A 29*9«

Präsident Kennedy spricht zur UH-Vollversaenlung
Wortlaut der R »de Präsident Kennedys TOT» 25 # September 1961
vor den Vereinten Nationen

A 29,9.

Freiheit von Krieg - Bas Programm der Vereinigten Staaten
för allgemeine und vollständige Abrüstung in einer friedlichen
Welt
Abrüstung*plan, der am 25. September 1961 von Adlai E # Stevenson der 16» UN-Voll Versammlung vorgelegt wurde*

A

Wortlaut des ^ennedy-Adsohubej-Intervievs vom 25* November
1961

6*12«

A 15*12.

Kennedy erläutert Aussenhandelspolitik der USA
Aussäge aus der Bede des Präsidenten vom 6. Deseraber 1961
vor dem amerikanischen Industriellenverband in New York
Address to National Association of
Manufacturero ( En^l. Version)

A 15*12.

Praesidant Kennedy vor dem Kongress der API -CIO

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Wirtschaft
und Arbeit
6 . Januar

1/c

1961

INHALTSVERZEICHNIS

WIRTSCHAFTSREPORTAGE
DIE STRAHLENCHEMIE UND IHRE INDUSTRIELLE
BEDEUTUNG (il)
Mögliche künftige Anwendungsgebiete
(125 Zeilen)

Seite

1

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6

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9

Seite

11

Seite

12

Seite

13

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
SPITZENERGEBNISSE UND SORGENFALTEN
Die a m e r i k a n i s c h e W i r t s c h a f t im J a h r e 196O S t a g n a t i o n a u f hohem Niveau
(80 Z e i l e n )

DIE US-LAND'.VIRTaCHAFT IM JAHRE 1960
Weitere erhebliche Zunahme der Erträge und der
Produktivität - Farmeinkommen nur geringfügig
angestiegen
(50 Zeilen)

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
RADAR-FRÜHWARNSYSTEM IM FLUGZEUG
(17 Zeilen, 1 Bild)
DIE DREI SCHNELLSTEN FLUGZEUGTYPEN DER WELT
(10 Zeilen, 1 Bild)

WELT DER ARBEIT
ARBEITNEHMER UND GEWERKSCHAFTEN IM JAHRE 1960
Entspannung zwischen den Sozialpartnern Technologische Probleme im Vordergrund
(78 Zeilen)

* * * * *

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Wirtschaft
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13. Januar

1961

INHALTSVERZEIGHNIS

WIRTSCHAFTS REPORTAGE
DAS AMERIKANISCHE BUCHVERLAGSWESEN (i^
Verlage, Verlagsprogramme, Auflagen und
Vertriebsformen
(115 Zeilen)

Seite

1

DIE US-WIRTSCHAFT ZUM JAHRESBEGINN
F l a u t e d ü r f t e noch e i n i g e Monate a n d a u e r n - E r n e u t e r
K o n j u n k t u r a u f s c h w u n g e r s t ab J a h r e s m i t t e e r w a r t e t
(53 Z e i l e n )

Seite

5

OPTIMISMUS IM US-EINZELHANDEL
S t e i g e r u n g d e r Umsätze um 2 b i s 4 P r o z e n t
in diesem J a h r e r w a r t e t
(54 Z e i l e n )

Seite

7

"SCHLAFMITTEL" FÜR OBSTBÄUME
(9 Z e i l e n )

Seite

9

NEUARTIGE "KRAFTZELLE"
(15 Z e i l e n )

Seite

9

GRÖSSTE ENTSALZUNGS-VERSUCHSANLAGE DER WELT
IN BETRIEB
(8 Z e i l e n )

Seite

10

1961 - EIN JAHR WICHTIGER TARIFVERHANDLUNGEN
(45 Z e i l e n )

Seite

11

US-INDUSTRIE BESCHÄFTIGT MEHR WISSENSCHAFTLER
UND TECHNIKER
(12 Z e i l e n )

seiite

12

VERMÖGEN UND MITGLIEDERZAHL DER AUTOMOBILARBEITERGEWERKSCHAFT GESTIEGEN
(11 Zeilen)

Seite

13

STREIFLICHTER AUS DER US-AIRTSCHAFT

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK

WELT DER ARBEIT

�A M KR I KA D I E N S T
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und Arbeit

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XIII. Jahrgang. Nr. 5/C

2 0 . J a n u a r 1961

INHALTSVERZEICHNIS
WIRTSCHAFTSREPORTAGE
DAS AMERIKANISCHE BUCHVERLAGSWESEN ( I I und S c h l u ß )
Die S c h u l b u c h v e r l a g e und B u c h k l u b s
(75 Z e i l e n )

Seite

1

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
ÜBERRASCHEND HOHE ZUNAHME DER US-EXPORTE IM VORJAHR
K o m m e r z i e l l e E x p o r t e e r r e i c h t e n i 9 6 0 neue Rekordhöhe
- E i n f u h r e n b e h a u p t e t e n s i c h auf hohem N i v e a u
(65 Z e i l e n )

Seite

DIE LAGE IN DER US-STAHLINDUSTRIE
E n t t ä u s c h e n d e E r g e b n i s s e im J a h r e i960
s c h e i n t überwunden
(60 Z e i l e n )

Seite

Tiefpunkt

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
ZWEI NEUE "HTGR"-VERSUCHSREAKTOREN
(17 Z e i l e n )

Seite

9

"SAVANNAH" ERHÄLT BRENNSTOFFELEMENTE
(13 Z e i l e n )

Seite

9

BETRACHTLICHE ZUNAHME DER LOHNNEBENLEISTUNGEN
IN DER US-WIRTSCHAFT
(36 Z e i l e n )

Seite

11

DURCHSCHNITTSEINKOMMEN DER BÜROANGESTELLTEN
(24 Ze.il*en)

Seite

12

WELT DER ARBEIT

ANHANG
PRÄSIDENT EISENHOWER» LETZTE HAUSHALTSBOTSCHAFT AN DEN US-KONGRESS

* * * * *

�AMERIKA

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und Arbeit

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27. Januar 1961

XIII. Jahrgang. Nr. 4/C
INHALTSVERZEICHNIS
WIRTSCHAFTSREPORTAGE
NEUER AUTOMATIONSTREND ZEICHNET SICH AB
Einführung von Maschinen mit "numerischem
Kontrollsystem" gibt der Automation eine
neue Dimension
(60 Zeilen, 1 Bild)

Seite 1

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
EIN BUDGET MIT FRAGEZEICHEN
Regierung Eisenhower unterbreitete US-Kongreß
letzte Haushaltsbotschaft
(72 Zeilen)
"SMALL-BUSINESS"-INVESTMENTGESELLSCHAFTEN
HABEN SICH SCHNELL ENTWICKELT
Heute bereits ein wichtiger Faktor für die
Bereitstellung von Krediten an kleinere
und mittlere Unternehmen
(58 Zeilen)
AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
NEUES DATENVERARBEITUNGSZENTRUM FÜR
OZEANOGRAPHISCHE FORSCHUNGEN
(10 Zeilen)
ZOOLOGISCHE FORSCHUNGEN IM STILLEN OZEAN
(9 Zeilen)
NEUER SCHNELLDRÜCKER
(9 Zeilen)
NEUE KERAMISCHE WERKSTOFFE
(7 Zeilen)
WELT DER ARBEIT
NEUE ERNENNUNGEN IM US-ARBEITSMINISTERIUM
(28 Zeilen)
KONGRESSBIBLIOTHEK ERHIELT KOPIEN DER
"AMERICA-AT-WORK"-FILMSERIE
(26 Zeilen)
ANHANG
PRÄSIDENT EISENHOWER LEGTE WIRTSCHAFTSBERICHT VOR
* * * * *

Seite

4

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7

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9

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9

Seite 10
Seite 10

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Seite 12

�AM KR IKA

DIKNST
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3 . Februar

X I I I . J a h r g a n g . Nr. 5/C

1961

INHALTSVERZEICHNIS
WIRTSCHAFTS REPORTAGE
DER WANDEL IN DER ENERGIESTRUKTUR DER USA
Derzeitiges Strukturbild wird auch in absehbarer Zukunft vorherrschen - Atomenergie
dürfte nur 2 bis 4 Prozent des Energiebedarfs
von 1975 stellen
(67 Zeilen)

Seite

1

Seite

4

Seite

7

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
SENATSAUSSCHUSS ERSTELLTE WIRTSCHAFTSPOLITISCHE
ANALYSE
Wahrscheinlich wichtigste Arbeitsunterlage
R e g i e r u n g Kennedy
(83 Z e i l e n )

der

KEIME DRASTISCHEN MASSNAHMEN ERFORDERLICH
Der " S p r o u l - A u s s c h u ß " a n a l y s i e r t e d i e d e r z e i t i g e
Lage i n d e r U S - W i r t s c h a f t
(72 Z e i l e n )
AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
HÖHERE HALTBARKEIT VON FRISCHFISCH DURCH BESTRAHLUNG
US-Bundesamt f ü r d a s F ^ i s c h e r e i w e s e n f ü h r t e
i n t e r e s s a n t e Untersuchung durch
(50 Z e i l e n )

Seite 10

WELT DER ARBEIT
AUSWEITUNG UND VERBESSERUNG DER GEWERKSCHAFTSPRESSE
(14 Zeilen)
REGELUNGEN ÜBER DIE BEZAHLUNG VON ARBEITSPAUSEN
IN US-TARIFVERTRÄGEN
(16 Zeilen)

Seite 12

GEWERKSCHAFTEN UNTERSTÜTZEN BAU VON PENSIONEN
FÜR RENTNER
(25 Zeilen)

Seite 13

* -x * * *

Seite 12

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6/c

Wirtschaft
und Arbeit
10. Februar

1961

INHALTSVERZEICHNIS
WIRTSCHAFTSREPORTAGE
PRODUKTIVITÄTSSTEIGERUNG IST KEINE HEXEREI
M u s t e r b e t r i e b d e r New Y o r k e r D O B - I n d u s t r i e w e i s t
Weg
zu h ö h e r e n P r o d u k t i o n s l e i s t u n g e n
(72 Z e i l e n )

Seite

1

DIE WIRTSCHAFTLICHEN ASPEKTE DER KENNEDY-BOTSCHAFT
ÜBER DIE LAGE DER NATION
S t ä r k u n g d e r Fundamente d e r e i g e n e n W i r t s c h a f t Keine ü b e r h a s t e t e n , sondern f u n d i e r t e l a n g f r i s t i g e
Programme
(72 Z e i l e n )

Seite

4

EINDÄMMUNG DER REZESSION UND SICHERUNG EINES
STÄRKEREN WIRTSCHAFTLICHEN WACHSTUMS
Die w i c h t i g s t e n A s p e k t e d e r W i r t s c h a f t s b o t s c h a f t
P r ä s i d e n t Kennedys an den Kongreß (75 Z e i l e n )

Seite

7

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
DAS "ELEKTRONISCHE GEHIRN" EINES MODERNEN KAMPFBOMBERS
(12 Z e i l e n , 1 B i l d )

S e i t e 10

NEUARTIGE METHODE ZUR ÜBERMITTLUNG VON RADIOSIGNALEN
(15 Z e i l e n )

Seite

SUPERSCHNELLES ELEKTRONENSCKALTSYSTEM
(10 Z e i l e n )

S e i t e 11

10

WELT DER ARBEIT
ZUNEHMENDE BEDEUTUNG DER PRIVATEN
KRANKENVERSICHERUNGSPLÄNE
(36 Z e i l e n )

S e i t e 12

US-ARBEITSMINISTERIUM GAB NEUES "AMERICAN WORKERS'
FACT BOOK" HERAUS
•
(30 Z e i l e n )

Seite

13

ANHANG
PRÄSIDENT KENNEDY UNTERBREITET KONGRESS WIRTSCHAFTSBOTSCHAFT
PRÄSIDENT KENNEDY LEGT PROGRAMM ZUM AUSGLEICH DER AMERIKANISCHEN
ZAHLUNGSBILANZ VOR.
.
.
* * * *

*

�AM E R I K A

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17. Februar

XIII. Jahrgang. Nr. 7/C

1 961

INHALTSVERZEICHNIS

WIR TS CHAFTSREP ü RTA GE
WIE DAS AMERIKANISCHE BUDGET ENTSTEHT
Ein Überblick über den technischen und
parlamentarischen Werdegang
(118 Zeilen)

Seite

1

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
PRÄSIDENT KENNEDY UMREISST MASSNAHMEN ZUR
EINDÄMMUNG DES ZAHLUNGSBILANZDEFIZITS
Beseitigung des "strukturellen" Defizits vordringlichste Aufgabe - Keine Zuflucht zu
restriktiven Maßnahmen
(95 Zeilen)

Seite

US-EXPORTE ERREICHTEN 196O DEN BISHER
HÖCHSTEN STAND
Importe gingen um 4 i° zurück - Zweithöchster
Außenhandelsüberschuß
(50 Zeilen)

Seite

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
GROSSHUBSCHRAUBER FÜR PASSAGIERDIENST
Der neue Sikorsky-Turbinenhubschrauber ist
schnell, leise und bequem
(34 Zeilen, 1 Bild)

Sei te

11

WELT DER ARBEIT
ARBEITSMINISTER GOLDBERG ÜBER SEINE AUFGABEN UND ZIELE
(22 Zeilen)
Seite

13

ZEITLOHN GEWINNT GEGENÜBER AKKORDLOHN AN BODEN
(50 Zeilen)
*

*

*

• *

*

Seite

14

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Codeiber«

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8/c

24. Februar

1961

INHALTSVERZEICHNIS

WTRTSCHAFTSREPOHTAGE
DIE USA VOR EINER NEUEN "BENZIN-REISEWELLE"
IN DIESEM JAHR
1960 w u r d e n 715 Mrd. M e i l e n m i t A u t o m o b i l e n
z u r ü c k g e l e g t - Ausbau d e s S t r a ß e n n e t z e s
s c h r e i t e t schnell voran
(70 Z e i l e n )

I

Seite

1

ICLNDESTLÖHNE SOLLEN STUFENWEISE AUF 1 , 2 5 DOLLAR
HERAUFGESETZT WERDEN
Kennedy l e i t e t e Kongreß G e s e t z e n t w u r f zu - Ausdehnung
d e r M i n d e s t l o h n g e s e t z e a u f w e i t e r e 4 » 3 Mio P e r s o n e n
(55 Z e i l e n )
•

Seite

4

BERATUNGSAUSSCHUS3 FÜR ARBEITGEBER-ARBEITNEHMERFRAGEN GEBILDET
21 V e r t r e t e r a u s M a n a g e m e n t , G e w e r k s c h a f t e n und
Öffentlichkeit ernannt
(45 Z e i l e n )

Seite

6

Seite

8

US-INDUSTRIE ERHÖHTE PRÄMIEN FÜR VERBESSERUNGSVORSCHLÄGE
3eite
(36 Z e i l e n )

10

ZAHL DER STREIKS ERREICHTE
IM JAHRE
RE 19t
( 2 1 Ze i l e n )

Seite

11

Seite

12

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
KLARTEXT-LESEMASCHINE
Übertragung der Texte in
der Elektronenrechner
(40 Z e i l e n )

die

"Maschinensprache"

WELT DER ARBEIT

NACHKRIEGSTIEFSTAND

ARBEITSPLATZSICHERUNGSABKOMMEN IN DER
US-GUMMIINDUSTRIE
(16 Z e i l e n )

* *

* *

*

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3. März

XIII. Jahrgang. Nr. 9/C

1961

INHALTSVERZEICENIS

DIE ARTIKELSERIE
DAS AUTOMOBIL IM LEBEN DES AMERIKANERS (i)
Ein Rückblick auf die Entwicklung der
Motorisierung in den USA seit 1900
(130 Zeilen, 1 Bild)

Seite

1

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
US-WIRTSCHAFT VOR ERREICHUNG DES
REZESSIONSTIEFPUNKTES?
Präsident Kennedy spricht offen von einer
"Rezession" - Experten meinen: Tiefpunkt
in Kürze erreicht
(98 Zeilen)

Seite

6

Seite

10

Seite

13

Seite

13

Seite

14

BEMERKENSWERTER PENSIONSPLAN BEI MONSANTO
(24 Zeilen)

Seite

15

KENNEDY BESETZTE ZWEI WEITERE WICHTIGE POSTEN
(23 Zeilen)

Seite

16

ZUNEHMENDE BESCHÄFTIGUNG ÄLTERER ARBEITNEHMER
(16 Zeilen)

Seite

17

DIE POLITIK DES GESPALTENEN ZINSSATZES
Federal Reserve Board leitete neue Ära der
Offenmarktpolitik ein
(78 Zeilen)
AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
NEUARTIGER KLEINSTREAKTOR
(10 Zeilen)
ÜBERSTARKES RÖNTGENGERAT
(7 Zeilen)
NEUARTIGES PLANETARIUM
(10 Zeilen)
'WELT DER ARBEIT

* * * * *

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Wirtschaft
undArbeit
10. März 1°61

INHALTSVERZEICHNIS
DIE ARTIKELSERIE
DAS AUTOMOBIL IM LEBEN DES AMERIKANERS (II und Schluß)
Vom Spielzeug zum Gebrauchsgegenstand
(120 Zeilen, 1 Bild)
Seite
STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
BELEBUNG IN DER BAUWIRTSCHAFT ZEICHNET SICH AB
Zunahme der abgeschlossenen Baukontrakte um
13 Prozent im Januar
(85 Zeilen)
PRÄSIDENT KENNEDY FORDERT BESCHLEUNIGUNG DES
STRASSENBAUPROGRAMMS
Jährlich 900 Mio Dollar mehr erforderlich, wenn
Programm termingerecht abgewickelt werden soll
(54 Zeilen)

Seite

Seite

AM RANDE NOTIERT
FRISCHGEMtJSEVERBRAUCH GEHT WEITER ZURÜCK
Verarbeitetes Gemüse dürfte 1961 Frischgemüse in
den USA überflügeln
(32 Zeilen)

Seite

11

WELT DER ARBEIT
US-GEWERKSCHAFTEN STELLEN 1 MRD . DOLLAR FÜR DEN
WOHNUNGSBAU BEREIT
(22 Zeilen)
DEUTSCHAMERIKANER FÜNFZEHNMILLIONSTER SOZIALRENTNER DER USA
(18 Zeilen)

Seite

13

Seite

14

ARBEITGEBER-ARBEITNEHMERAUSSCHÜSSE AUCH FÜR DIE
BUNDESSTAATEN VORGESCHLAGEN
(22 Zeilen)

Seite

14

* * * * *

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17. März

11/c

1961

INHALTSVERZEICHNIS
WIRTSCHAFTSREPORTAGE
VOR 75 JAHREN WÜRDE DIE ALUMINIUMINDUSTRIE GEBOREN
Das Elektrolyseverfahren zur Gewinnung von Aluminium
aus Tonerde schuf die Grundlagen für die moderne
Aluminiumindustrie (75 Zeilen, 1 Bild)

Seite

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
AMERIKA ERSTREBT VOLLE AUSSCHÖPFUNG DER
PRODUKTIONSKAPAZITÄT
Zu dem Bericht des Wirtschaftsbeirates des
Präsidenten an den US-Kongreß (54 Zeilen)
VOR EINER NEUEN KAUFWELLE IN DEN USA?
US-Wirtschaft erwartet Zunahme der Kapitalgüterinvestitionen in der zweiten Jahreshälfte
(64 Zeilen)

Seite

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
BRANDVERZÖGERNDES IMPRÄGNIERUNGSMITTEL
(20 Zeilen)
HOCHWIRKSAME HERBIZIDE
(14 Zeilen)

Seite

WELT DER ARBEIT
INDUSTRIEARBEITERLÖHNE IM JANUAR UNVERÄNDERT
(11 Zeilen)
5 MILLIONEN DOLLAR FÜR VERBESSERUNGSVORSCHLÄGE
BEI "GM"
(12 Zeilen)
LEO BAMBERGER GESTORBEN
(11 Zeilen)
NEUER 3-JAHRES-VERTRAG IN DER DAMENOBERBEKLEIDUNGS^
INDUSTRIE
(10 Zeilen)
WIEDERHOLUNG VON FUNKTIONÄRSWAHL AUF GRUND DES
NEUEN GEWERKSCHAFTSGESETZES
(20 Zeilen)
* * * * *

4

Seite 6

9

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Wirtschaft
undArbeit

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24. März

X I I I . J a h r g a n g N r . 12/C

1961

INHALTSVERZEICHNIS

WIRTSCHAFTSREPORTAGE
DER STRUKTURWANDEL DES US-AUTOMARKTES
Compact-Wagen dürften Marktanteil 1961 auf
40 Prozent steigern - Importeure europäischer
Wagen optimistisch
(68 Zeilen)
STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
PRÄSIDENT KENNEDI UMREISST HILFSPROGRAMM
FÜR LATEINAMERIKA
Ziel: Wirtschaftliche und soziale Entwicklung
dieses Subkontinents
(70 Zeilen)
LICHTBLICKE AM US-WIRTSCHAFTSHORIZONT
Positive Ausschläge einiger wichtiger
Wirtschaftsbarometer im Februar
(85 Zeilen)
AUS WISSENSCHAFT UND'TECHNIK
"DIPAN-TM" VERHINDERT GRASWUCHS
(10 Zeilen)
ERSTE TIEFSEE-PROBEBOHRUNGEN IM RAHMEN DES
PROJEKTS "MOHOL" DURCHGEFÜHRT
(27 Zeilen)

Seite 1

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4

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7

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10

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10

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12

WELT DER ARBEIT
AM ARBEITSPLATZ SICHERER ALS' ZÜI HAUSE
Wirksame UnfallVerhütungsprogramme führten zu
erheblicher Senkung der Unfallrate in den USA
(70 Zeilen, 2 Bilder)

* * * * *

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Wirtschaft
und Arbeit
31 • März 1961

INHALTSVERZEICHNIS

WIRTSCHAFTSREPORTAGE
"CONVAIR 990" - DIE SCHNELLSTE DÜSENVERKEHRSMASCHINE
Reisegeschwindigkeit über 1000 km/st - Die erste
"Erfahrungsmaschine" unter den Düsenverkehrsflugzeugen (58 Zeilen,- 1 Bild)

Seite

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
"NEW LOOK" FÜR DAS US-AUSLANDSHILFEPROGRAMM
Präsident Kennedy forderte Umgestaltung und
Straffung der Auslandshilfe (85 Zeilen)

Seite

1

LICHTBLICKE IN DER US-ZAHLUNGSBILANZ
Goldabfluß kam zum Stillstand - Erste Erhöhung der
Reserven seit zwei Jahren (64 Zeilen)

Seite

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
NEUES AUFFINDUNGSVERFAHREN FÜR CÄSIUM UND RUBIDIUM
(10 Zeilen)

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9

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10

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11

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11

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12

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12

KLIMA-SCHUTZANZUG
(11 Zeilen)
VERBESSERTES RADARSYSTEM
(9 Zeilen)
WELT DER ARBEIT
UNFALLHÄUFIGKEITSBATE HAT WIEDER TIEFSTAND ERREICHT
(20 Zeilen)
ANSTIEG DER BESCHÄFTIGTEN- UND ERWERBSLOSENZAHL
IM FEBRUAR
(14 Zeilen)
STREIKZIFFER ERREICHTE NIEDRIGSTEN STAND DER
NACHKRIEGSZEIT
(8 Zeilen)
DURCHSCHNITTS-WOCHENLÖHNE BEI FORD 126 DOLLAR
(12 Z e i l e n )
ANHANG

KENNEDY LEGT NEUES AUSLANDSHILFEEROGRAMM VOR
KENNEDY LEGT EMPFEHLUNGEN FÜR. DEN NEUEN US-HAUSHALT VOR

* * * * *

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Wirtschaft
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7. April 1961

INHALTSVERZEICHNIS
WIRTSCHAFTSREPORTAGE
MASCHINE LIEST 240 BUCHSTABEN PRO SEKUNDE
Neuartige Lesemaschine liest und überträgt
Klartext in die moderne "Maschinensprache"
(80 Zeilen, 1 Bild)
.

Seite

1

Seite

4

LANDWIRTSCHAFTLICHE AUSFUHREN DER USA ANGESTIEGEN

Seite

DIE USA ZWEITGRÖSSTER AGRARIMPORTEUR

Seite

7,
7

FARMPRODUKTIVIT&amp;T WEITER GESTIEGEN

Seite

MEHR ESSEN FÜR WENIGER ARBEIT

Seite

8
8

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9

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10

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10

Seite

11

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
WIRTSCHAFTLICHES WACHSTUM UND ARBEITSLOSIGKEIT
Die verschiedenen Aspekte des Arbeitslosenproblems
in den USA (72 Zeilen)
LANDWIRTSCHAFTLICHE KURZNACHRICHTEN
(26 Zeilen)

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
EIN NEUARTIGES OBER FLA' CHENSCHMI ERMITTEL
(26 Zeilen)
SCHILDLAUSBEKÄMPFUNG DURCH INDISCHE WESPEN
(5 Zeilen)
"BLÜTENKONTROLLE" DURCH PFLANZLICHE HORMONSTOFFE
(11 Zeilen)
WELT DER ARBEIT
DAS BERUFSSCHULWESEN IN DEN VEREINIGTEN STAATEN
Aus privaten Anfängen entwickelte sich ein staatlich
gefördertes Ausbildungsprogramm
(65 Zeilen)
ANHANG
KENNEDY UNTERBREITET BOTSCHAFT ÜBER VERTEIDIGUNGSHAUSHALT DER USA

* * * * #

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Bad C o d e s b e r t

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X I I I . J a h r g a n g . Nr.

Wirtschaft
und Arbeit

3 0 0 • Telefon Bad Godesberg 6 0 1 3 2 4 0

14. April

15/c

1961

INHALTSVERZEICHNIS

WIRTSCHAFTSREPORTAGE
DER "HANDELSKAMMER-BOOM" IN DEN USA
Hunderte von Neugründungen in den Wirtschaftszentren der Stadtränder - -Alte Kammern befürchten Zersplitterung
(120 Zeilen)

Seite 1

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
WEITERE ANZEICHEN FÜR EINE BELEBUNG DER KONJUNKTUR
Anstieg der Arbeitswoche auf 39 Stunden Produktionszunahmen in den Dauergüterzweigen
(70 Zeilen)

Seite

6

Seite

9

UMGESTALTUNG DES 'BERATUNGSAUSSCHUSSES DER
WIRTSCHAFT"
Erhöhung der Zahl der Ausschußmitglieder- Handelsminister übernimmt Vorsitz
(50 Zeilen)
AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
ULTRASCHALL-SPRITZCU.SSVERFAHREN FÜR ALUMINIUM
(16 Zeilen)
ELEKTRONENRECHNER ÜBERTRIFFT INGENIEURE BEI
FABRIKPLANUNG
(23 Zeilen)
WELT DER ARBEIT
ZUNEHMENDE BEDEUTUNG DER FRAU IM US-WIRTSCHAFTSLEBEN
(40 Zeilen)
ENTLASSUNGSGELDER AUS KÜNFTIGEN GEWINNEN
(18 Zeilen)
VERLÄNGERUNG DER ZUSÄTZLICHEN ARBEITSLOSENUNTERSTÜTZUNG
(16 Zeilen)

*

* * * *

Seite 11

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Seite 15

�AMERIKA

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U. S. F e a t u r e S e r v i c e

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X11I. Jahrgang. Nr.

16/c

Wirtschaft
undArbeit
21 . A p r i l

1961

INHA LTSVERZEIC HNIS

DIE ARTIKELSERIE
AUFGABEN, FUNKTIONEN UND STRUKTUR DES
US-BUNDESBANKENSYSTEMS ( i )
Die S i t u a t i o n v o r Gründung d e s " F e d e r a l
R e s e r v e System"
(98 Z e i l e n )

Seite

1

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
ZITRUSFRÜCHTE IN DEN USA IMMER BELIEBTER
Erzeugung nahm in den vergangenen 25 Jahren
um das Dreifache zu
(44 Zeilen)

Seite

5

INTERNATIONALE ENTWICKLUNGSHILFE
INTERAMERIKANISCHE ENTWICKLUNGSBANK
VERÖFFENTLICHTE ERSTEN GESCHÄFTSBERICHT
Erfolgreicher Start -Seit Oktober wurden
50 Millionen Dollar vergeben
(60 Zeilen)

Seite

7

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
KORROSIONSBETEKTOR FÜR ÖLLEITUNGEN
(20 Zeilen)

Seite

10

INFRARUT-GEHHILFEN FÜR BLINDE
(17 Zeilen)

Seite

11

Seite

12

WELT DER ARBEIT
PRIVATE PENSIONSPLÄNE GEWINNEN IMMER
GRÖSSERE BEDEUTUNG
Das Ergebnis einer Analyse von 300 privaten
Pensionsplänen in den USA
(45 Zeilen)

* * * * #

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Wirtschaft
und Arbeit

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28. April 1961

X I I I . J a h r g a n g . N r . 17/C

INHALTSVERZEICHNIS

WIRTSCHAFTSREPORTAGE
DIE USA UMWERBEN DEN AUSLÄNDISCHEN TOURISTEN
Vereinfachung der Visaausstellung - Aufklärende
Touristenwerbung - Reisetips für USA-Besucher
(80 Zeilen, 1 Bild)

Seite 1

STREIFLICHTER AUS DER US-iVIRTSCHAFT
IMMER HEHR WIRTSC HAFTS INDIKATOREN DEUTEN AUF
KONJUNKTURAUFSCHWUNG HIN
Jetzt auch Personaleinkommen und Industrieproduktion zum ersten Mal seit Monaten angestiegen
(53 Zeilen)

Seite

5

WIRTSCHAFTSFÖRDERNDES STEUERPROGRAMM
PRÄSIDENT KENNEDYS
Erhebliche Steuererleichterungen für Investitionen
- Allgemeine Steuerreform erst im kommenden Jahr
(80 Zeilen)

Seite

7

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
ZUCKER TÖTET NEMATODEN
(12 ZeilenT"

Seite

10

NEUARTIGER "HERZSENDER"
(14 Zeilen)

Seite

10

BAGGERARM FÜR TIEFSEEFORSCHUNG
(15 Zeilen)

Seite

11

SEELEUTEGEWERKSCHAFT STREBT ^0-STUNDEN-WOCHE AN
(25 Z e i l e n )

Seite

12

STARKE ZUNAHME DER BESCHÄFTIGTENZAHL IN DER
ELEKTRONENRECHNERINDUSTRIE
(19 Z e i l e n )

Seite

13

EINKOMMENSGARANTIEKLAUSELN IN US-TARIFVERTRÄGEN
(24 Z e i l e n )

Seite

14

WELT DER ARBEIT

* * * * *

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und Arbeit

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X I I I . Jahrgang. Nr.

18/c

5 . Mai 1961
INHALTSVERZEICHNIS

DIE ARTIKELSERIE
AUFGÄBET, FUNKTIONEN UND STRUKTUR DES
US-BUNDESBANKENSYSTEMS
( I I . und S c h l u ß )
Die S t r u k t u r des " U . S . F e d e r a l R e s e r v e System"
(98 Z e i l e n )

Seite 1

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
PREISSTABILISIERUNG STÄRKTE WETTBEWERBSFÄHIGKEIT
VON US-GÜTERN

"Chase Manhattan Bank" untersuchte die Preistrends der letzten Jahre
(68 Zeilen)
AM RANDE NOTIERT
PROMINENTE US-HANDELSDELEGATION BESUCHT
• BUNDESREPUBLIK
(26 Zeilen)
US-STAHLERZEUGUNG WEITER GESTIEGEN
(15 Zeilen)
ST .-LORENZ-SCHIFFAHRTSWEG ERÖFFNET
(6 Zeilen)
US-IMPORTE IM FEBRUAR KONSTANT
(4 Zeilen)

Seite 5

Seite 8
Seite 9
Seite 9
Seite 10

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
NEUES MOTORENÖL MIT 50 PROZENT HÖHERER LEISTUNG
(20 Zeilen)
SICH SELBST REGENERIERENDES KOHLEPAPIER
(10 Zeilen)
BESSERE SCHUHQ.UALITÄT DURCH "PLASTIKLEDER"
(14 Zeilen)

S e i t e 12

WELT DER ARBEIT
NEUE FORMEL FÜR DEN ARBEITSFRIEDEN
US-Stahlarbeitergewerkschaft und "Kaiser Steel
Corporation" geben Tarifverhandlungswesen
neuen Akzent (82 Zeilen)

S e i t e 13

•x

*

*

-x

*

S e i t e 11
S e i t e 12

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und Arbeit
1 2 . Mai 1961

X I I I . J a h r g a n g . N r . 19/C
INHALTSVERZEICHNIS
WIRTSCHAFTSREPORTAGE
DER EINFLUSS DER AUTOMATION AUF DIE
AMERIKANISCHE WIRTSCHAFT
Ein Überblick über d i e d e r z e i t i g e n
Anwendungsbereiche
(98 Z e i l e n , 2 B i l d e r )

Seite

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
SCHNELLERE WIRTSCHAFTLICHE ERHOLUNG ALS ERWARTET
Experten e r w a r t e n schon f ü r s 2 . Q u a r t a l e i n
S o z i a l p r o d u k t von 505 Mrd. D o l l a r
(63 Z e i l e n )
.

Seite

AUS DER LANDWIRTSCHAFT
GERINGSTE LANDWIRTSCHAFTLICHE ANBAUFLÄCHE

SEIT 1959
(32 Zeilen)
FISCKEREIERTRÄGE 1960 FAST SO HOCH WIE 1959
(11 Zeilen)

Seite

8

Seite

9

Seite

10

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11

Seite

12

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
BESSERE BAUMWOLLSTOFFE DURCH NEUARTIGE
CHEMISCHE BEHANDLUNG
(18 Z e i l e n )

NYLON MIT "SUPERQUALITÄTEN"
(20 Zeilen)
ERSTE BEWEGLICHE ATOMKRAFTANLAGE IN BETRIEB
(13 Zeilen)

WELT DER ARBEIT
REPRÄSENTANTENHAUS BILLIGT SOZIALVERSICHERUNGSZUSATZGESETZ
(20 Zeilen)
Seite
"AMT FÜR AUTOMATION UND ARBEITSPOTENTIAL" GEGRÜNDET
(16 Zeilen)
Seite
ERHÖHUNG DES INDUSTRIEARBEITERLOHNS
(9 Zeilen)
Seite
32 000 DOLLAR FÜR VERBESSERUNGSVORSCHLAG
(7 Z e i l e n )
Seite
* * * * «

13
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U
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�AM KR IKA D I E N S T
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Wirtschaft
undArbeit

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X I I I . J a h r g a n g . Nr. 20/c

19. Mai 1961
INHALTSVERZEICHNIS

WIRTSCEAFTSREPORTAGE
"AUT0METR0L0GY" - DAS I-TÜPFELCHEN DER AUTOMATION
Neuartige Präzisionsmeßgeräte geben der automatischen
Produktion eine neue Dimension
(98 Zeilen, 1 Bild)
STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
USA UNTERSUCHEN WELTROHSTOFFPROBLEM
Ziel: Stabilisierung der Märkte und Sicherung der
wirtschaftlichen Expansion in den Entwicklungsländern
(54 Zeilen)
USA STREBEN LÖSUNG DES INTERNATIONALEN
TEXTILEXPORTPRÜBLEMS AN
Abkommen zwischen Export- und Importländern
sollen Krisen verhindern helfen
(7B Zeilen)
AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
ELEKTRONENRECHNER MIT ZAHLREICHEN NEUERUNGEN
(20 Zeilen)
POLYPROPYLEN - EINE NEUE KUNSTSTOFFTYPE
(9 Zeilen)
NEUER FARBFILM MIT GRÖSSERER LICHTEMPFINDLICHKEIT
(8 Zeilen)
WELT DER ARBEIT
KONSTITUIERENDE SITZUNG DES LABOR-MANAGEMENTBERATUNGSAUSSCHUSSES
(23 Zeilen)
LÖHNE IM BAUGEWERBE WEITER ANGESTIEGEN
(13 Zeilen)
BETRÄCHTLICHE ERHÖHUNG DER FONDSRESERVEN
DER KOMMUNALEN ALTERSVERSICHERUNGEN
(12 Zeilen)
*

* * * #

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5

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.
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Codeiberg

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und Arbeit

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2 6 . Mai 1961

X I I I . Jahrgang. Hr. 21/c
INHA LTSVERZEICHNIS

V/IRTSC HA FTSREPORTACE
ZWECK UND AUSWIRKUNGEN DER MINLESTLOKNGESETZGEBUNG
IN DEN

Hl

Mindestlöhne und Lohnkosten
(160 Zeilen)

Seite

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
KÖRPERSCLAFTSSTSUER SOLL NICHT GESENKT WERDEN
US-Regierung b e f ü r w o r t e t Beibehaltung des
d e r z e i t i g e n S a t z e s von 52 P r o z e n t f ü r e i n
weiteres Jahr
(45 Z e i l e n )

Seite

DIE ENTWICKLUNG DES US-PERSONALSINKOMMENS SEIT 1950
A n s t i e g um r u n d 80 P r o z e n t - A r b e i t s e i n k o m m e n
e r h e b l i c h s t ä r k e r a n g e s t i e g e n a l s Einkommen d e r
Selbständigen
(30 Z e i l e n )

Seite

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
AUFNAHME DER SERIENPRODUKTION VON TEERMOELEKTRISCHEN
KÜHLSCHRÄNKEN

(21

Zeilen)

NEUSS PLASTIKMATERIAL VERHINDERT VEREISUNG
VON FAHRBAHNDECKEN
(14 Zeilen)

Seite

10

Seite

11

Seite

12

WELT DER ARBEIT
*

SICHERUNG DER ARBEITSPLÄTZE DURCH RECHTZEITIGE
UMSCHULUNG
US-Druckergewcrkschaft macht Mitglieder mit den
neuesten Arbeitstechniken vertraut - Eigenes
FortbildungsZentrum
(37 Zeilen, 1 Bild)

* * * * *

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X I I I . J a h r g a n g . Nr. 22/C

Wirtschaft
und Arbeit
2 . Juni 1961

INHALTSVERZEICHNIS
WIRTSCHAFTSREPORTAGE
ZWECK UND AUSWIRKUNGEN DER MINDESTLOHNGESETZGEBUNG
IN DEN USA
(II)
Allgemeine Schlußfolgerungen
(20 Zeilen)

Seite

1

US-ZAHLUNGSBILANZ WIEDER SO GUT WIE 19*57
Rückgang des Defizits im 1 . Quartal um rund 2,8 Mrd.
Dollar - Goldabfluß kam zum Stillstand
(62 Zeilen)
Seite

6

AUFTRIEBSTENDENZEN STÄRKER ALS ERWARTET
Industrieproduktion stieg im April um 2 1/2 Indexpunkte an - Bruttosozialprodukt höher als erwartet
(70 Zeilen)

Seite

9

Seite

12

Seite

13

PLAN ZUR SICHERUNG DER ARBEITSPLÄTZE
(24 Zeilen)

Seite

14

NEUE TARIFVERHANDLUNGEN IN DER AUTOMOBILINDUSTRIE
BEGINNEN ENDE JUNI
(7 Zeilen)

Seite

15

STREIKS ERREICHTEN TIEFSTSTAND IM 1. QUARTAL 1961
(10 Zeilen)

Seite

15

AMERIKANISCHE KÜNSTLERGEWERKSCHAFTEN BILDEN
INTERNATIONALES SEKRETARIAT
(12 Zeilen)

Seite

15

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
DAS "RUNDHERUM-KINO"
(22 Zeilen)
MEMBRANFILTER FÜR ENTSALZUNG VON MEERWASSER
(20 Zeilen)
WELT DER ARBEIT

* * * * #

�AMKRIKA

D I E N ST
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und Arbeit
9 . Juni

X I I I . J a h r g a n g . N r . 2?/C

1961

INHALTSVERZEICHNIS
7/IRTSCHAFTS REPORTAGE
"GEY/ERKSCHAFTSFAMILISN" SIND FINANZIELL BESSER DRAN
E i n V e r g l e i c h von A r b e i t s - , Gesamteinkommen und
S c h u l d e n von g e w e r k s c h a f t l i c h o r g a n i s i e r t e n und
nichtorganisierten Familien
(78 Z e i l e n )

Seite

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
US-AU SUNDS HILFE IN NEUER GESTALT
Zusammenfassung d e r w i c h t i g s t e n Programme i n
e i n e r e i n z i g e n Dachbehörde - L a n g f r i s t i g e
P l a n u n g und B e w i l l i g u n g von M i t t e l n a n g e s t r e b t
(58 Z e i l e n )

Seite

WIE DIE LETZTE REZESSION ÜBERWUNDEN WURDE
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Ein Überblick über die getroffenen konjunkturpolitischen Maßnahmen
(56 Zeilen)

Seite

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
STÄHLE IK VIELEN FARBEN UND MUSTERN
(15 Zeilen)
BENZINMISCHUNG AUF ELEKTRONISCHEM WEGE
(13 Zeilen)
LEIJHTGEWICHT-AUTOMOTOR
Jß Zeilen)
'•'/ELT DER ARBEIT
KÜNFTIGE ORGANISATIONSPROBLEME DER
US-GEWERKSCHAFTEN (i)
Die strukturellen Umschichtungen - Die auslösenden
Faktoren - Zunehmende Abhängigkeit der Wissenschaftler
(125 Zeilen)

Seite

10

Seite

10

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12

ANHANG
RUSK: USA .VOLLEN DYNAMISCHEN FRIEDEN

"AMERIKANTSCHE FORSCHUNGSERGEBNISSE FTJER ALLE"
USA riohteien Informationsstand auf der Frankfurter ACHEMA ein
* * x* *

S.

�A M F. H I K A

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X I I I . Jahrgang. N r . 24/C

Wirtschaft
undArbeit
16. Juni 1961

INHALTSVERZEICHNIS
WIRTSCHAFTSREPORTAGE
MECHANISIERUNGSWELLE IN DER US-LANDWIRTSCHAFT
DAUERT AN
Pro Arbeitsplatz wurden bisher Maschinen im Wert
von 21 300 Dollar investiert
(58 Zeilen, 2 Bilder)

Seite

1

Seite

4

UM 10 PROZENT HÖHERE EARME REIN KOMMEN ERWARTET
(12 Zeilen)

Seite

7

AGRAREXPORTE i960 MENGEN- UND WERTMÄSSIG AUF
REKORDHÖHE
(16 Zeilen)

Seite

7

FISCHVERBRAUCH UNVERÄNDERT
(15 Zeilen)

Seite

8

Seite

9

NEUE VERBESSERTE US-FLUGZEUGABWEHRRAKETE
(10 Zeilen)

Seite

9

ACHSENHEISSLAUF-DETEKTOR
(9 Zeilen)

Seite

10

Seite

11

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
DOLLARWERT BLIEB VERHÄLTNISMÄSSIG STABIL
Im Vergleich zu 43 Währungen wies der Dollar mit
die geringsten Wertminderungen auf
(70 Zeilen)
AUS DER LANDWIRTSCHAFT

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
NEUE TAKTISCHE RAKETENWAFFE
(12 Zeilen, 1 Bild)

-

WELT DER ARBEIT
KÜNFTIGE ORGANISATIONS PROBLEME DER USGEWERKSCHAFTEN (il)
Einstellung auf die einzelnen Gruppen Angst vor der Gewerkschaft
(120 Zeilen)
* * * * »

�A M KKIK A

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XIII. Jahrgang, Nr. 2^/c

Wirtschaft
und Arbeit
23. Juni 1961

INHALTSVERZEICHNIS
WIRTSCHAFTSREPORTAGE
DIE TECHNISCHE REVOLUTION IN DER USHOLZVERARBEITUNGSINDÜSTRIE
Übergang zu integrierten Betrieben - Automatisierung
zahlreicher Arbeiten - Zahlreiche neue Produkte
(40 Zeilen, 2 Bilder)

Seite 1

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
WEITREICHENDE MASSNAHMEN ZUR EINGLIEDERUNG DER
"STRUKTURELLEN ARBEITSLOSEN"
Präsident Kennedy legte Kongreß umfassenden
Gesetzentwurf vor
(86 Zeilen)

Seite

AM RANDE NOTIERT
GROSSE NACHFRAGE NACH NEUEN KRAFTWAGEN IN DEN USA
(16 Zeilen)

Seite 6

3

US-ENTWICKLUNGSANLEIHE FÜR CHILE
(12 Zeilen)

Seite 6

GÜNSTIGE ENTWICKLUNG DES ARBEITSMARKTES
(18 Zeilen)

Seite

7

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
. "ELEKTRONISCHE SEKRETÄRIN" ALS TELEPHONWACHE
(13 Zeilen)

Seite

8

SILIKON-PAPIER VERHINDERT FESTKLEBEN
(12 Zeilen)

Seite

8

RECHENZENTREN FÜR KLEINUNTERNEHMEN
(11 Zeilen)

Seite 9

WELT DER ARBEIT
KÜNFTIGE ORGANIüATIONSPROBLEME DER USGEWERKSCHAFTEN (III und Schluß)
Berücksichtigung der Wünsche - Gewerkschaften
müssen neue Wege beschreiten
(112 Zeilen)
ANHANG
PRÄSIDENT KEIillEDY UND SEINE REGIERUNG
* * * * *

(Broschüre)

Seite 10

�AM h K I K A

DIKNST
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Wirtschaft
und Arbeit

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X I I I . J a h r g a n g . Nr. 26/C

30. Juni 1961
INHALTSVERZEICHNIS

WIRTSCHAFTSREPORTAGE
M S AUTOMOBILZEITALTER IN DEN VEREINIGTEN STAATEN (i)
Der Einfluß der Automobilindustrie auf die
Gesamtwirtschaft
(76 Zeilen, 2 Bilder)

Seite

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
VERSTÄRKTE BEMÜHUNGEN UM LÖSUNG DES BAUMWOLLTEXTILPROBLEMS
Erste Konsultationen mit 7 Hauptimportländern Konferenz im Rahmen des GATT in Kürze
(78 Zeilen)
Seite
DILL0N SEHR OPTIMISTISCH ÜBER KÜNFTIGE ENTWICKLUNG DER
US-WIRTSCHAFT
Erwartet Bruttosozialprodukt von 555 Mrd. Dollar für 1962 Ausgeglichener Staatshaushalt vom Finanzjahr 1962/63 an
(50 Zeilen)
Seite
AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
KRAFTZELLEN-ANTRIEB FÜR U-BOOTE
(20 Zeilen)

Seite

ERHÖHUNG DER ARBEITSGESCHWINDIGKEIT VON ELEKTRONENRECHNERN
DURCH TUNNEL-DIODEN
(15 Z e i l e n )
Seite

10

WELT DER ARBEIT
GEWERKSCHAFTEN BEMÜHEN SICH UM WEITERE VERKÜRZUNG DER
ARBEITSWOCHE
(38 Z e i l e n )

Seite

11

US-ARBEITSMINISTERIUM UNTERSUCHTE LOHNNEBENLEISTUNGEN
(22 Z e i l e n )

Seite

12

* * * *

*

�A M KRIK A

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undArbeit

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7. J u l i

1961

INHALTSVERZEICHNIS

WIRTSCHAFTSREPORTAGE
DIE
Die
auf
(98

"DEUTSCHE" GEWERKSCHAFT DER USA
B r a u e r e i a r b e i t e r g e w e r k s c h a f t kann im August
ein 7 5 j ä h r i g e s Bestehen zurückblicken
Zeilen)

Seite

1

"Injunction" des Präsidenten nur bei Gefährdung
der "nationalen Wohlfahrt und Sicherheit" "Abkühlungsperiode" von 80 Tagen
(84 Zeilen)

Seite

5

STUDIE ÜBER NATIONALE GELD- UND FINANZPOLITIK
VERÖFFENTLICHT
Umfassendste Untersuchung seit Jahrzehnten Wichtige Empfehlungen auf dem Gebiet der
Wirtschafts- und Finanzpolitik
(75 Zeilen)

Seite

9

Seite

12

Seite

12

Seite

15

Seite

14

Seite

16

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
DIE MÖGLICHKEITEN EINER STREIKAUSSETZUNG
IN DEN USA

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
ELEKTRISCHE ENERGIE AUS DEM MEER
(11 Zeilen)
MENSCHLICHE STIMME ALS ENERGIEQUELLE FÜR SENDER
(10 Zeilen)
TABAK-PLANZ- UND ERNTEMASCHINEN IN DER ENTWICKLUNG
(18 Zeilen)
WELT DER ARBEIT
SOZIALVERSICHERUNGS-ÄNDERUNGSGESETZ VOR DEM
VERMITTLUNGSAUSSCHUSS
(47 Zeilen)
UNFALLRATE ERREICHTE TIEFSTEN STAND
(14 Z e i l e n )

* * * * *

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14. Juli 1961
INHALTSVERZEICHNIS

WIRTSCHAFTSREPORTAGE
DAS AUTOMOBILZEITALTER IN DEN
VEREINIGTEN STAATEN (il)
Ein Maßanzug für Amerikas Straßen 65 000 km Straßennetz für den Verkehr von
morgen - Baukosten zwischen 40 und 50 Mrd.
Dollar
(90 Zeilen, 2 Bilder)

Seite 1,

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
KENNEDYS WOHNUNGSBAUPROGRAMM VOM
KONGRESS VERABSCHIEDET
Förderung des privaten Wohnungsbaus durch
zinsgünstige Darlehen - Renovierungskredite
für Altbaubesitz
(45 Zeilen)

Seite 5

AM RANDE NOTIERT
ARBEITSEINKOMMEN UND KAUFKRAFT IM MAI GESTIEGEN
(25 Zeilen)
BESCHÄFTIGUNG ERREICHTE HÖCHSTSTAND
(11 Zeilen)
AMERIKANER GABEN 2,6 MRD. DOLLAR FÜR
AUSLANDSREISEN AUS
(17 Zeilen)
AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
TRINKWASSER AUS DEM LEER
Neue Destillationsanlage in Texas - ein wesentlicher Schritt zur rationellen Süßwassergewinnung
aus dem Meer
(68 Zeilen, 1 Bild)
WELT DER ARBEIT
DIE HERAUSFORDERUNG DER »ZWEITEM INDUSTRIELLEN
REVOLUTION" (i)
Von Arthur J. Goldberg, Arbeitsminister der USA
(160 Zeilen)
* * * * *

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7

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12

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1961

INHALTSVERZEICHNIS
WIRTSCHAFTSREPORTAGE
DAS AUTOMOBILZEITALTER IN DEN VEREINIGTEN STAATEN
A u t o f a h r e n l e r n t man i n d e r S c h u l e
(75 Z e i l e n , 2 B i l d e r )

(Hl)
Seite

1

WENDEPUNKT AM ARBEITSMARKT ERREICHT
A n s t i e g d e r B e s c h ä f t i g t e n z a h l um 2 M i l l i o n e n
im J u n i - Dennoch b e r e i t e t E r w e r b s l o s i g k e i t
w e i t e r h i n g r ö ß t e Sorgen
(62 Z e i l e n )

Seite

4

STARKE ERSTE PHASE DER WIRTSCHAFTLICHEN ERHOLUNG
B r u t t o s o z i a l p r o d u k t s t i e g im 2 . Q u a r t a l um 12 Mrd.
a u f 512 Mrd. D o l l a r an - G ü n s t i g e A u s g a n g s p o s i t i o n
f ü r den Herbstaufschwung
(68 Z e i l e n )

Seite

7

FAHRBARER "WARTESAAL FbR FLUGGÄSTE"
(17 Z e i l e n , 1 B i l d )

Seite

10

FISCHEREISTUDIEN MIT UNTERWASSERKAMERAS
(16 Z e i l e n )

S e i t e 11

"IN5TANT"-TR0CKENGEMLSE
(9 Z e i l e n )

S e i t e 11

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK

WELT DER ARBEIT
DIE HERAUSFORDERUNG DER "ZWEITEN INDUSTRIELLEN
REVOLUTION" ( I I und S c h l u ß )
Von A r t h u r J . G o l d b e r g , A r b e i t s m i n i s t e r d e r
V e r e i n i g t e n S t a a t e n von Amerika
(180 Z e i l e n )

* * * * *-

S e i t e 12

�A M E R I K A D I E N ST
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Wirtschaft
und Arbeit
28. Juli

1961

INHALTSVERZEICHNIS
WIRTSCHAFTSREPORTAGE
DAS AUTOMOBILZEITALTER IN DEN VEREINIGTEN
STAATEN ( I T )
Der G ü t e r - S t r a ß e n v e r k e h r a l s R ü c k g r a t d e r W i r t s c h a f t
(68 Z e i l e n , 2 B i l d e r )

Seite

1

ERHOLUNG DER US-WIRTSCHAFT SETZTE SICH
AUCH IM JUNI FORT
(28 Z e i l e n )

Seite

4

USA ERRICHTEN ZWEITES HANDELSZENTRUM IN BANGKOK
(12 Z e i l e n )

Seite

5

NEW YORK GRÖSSTER AMERIKANISCHER UMSC-HLAGHAFEN
(12 Z e i l e n )

Seite

5

WELT-MAISERNTE ERREICHTE 1960 REKORDHÖHE
(16 Z e i l e n )

Seite

6

NEUARTIGES BAUMATERIAL
(9 Z e i l e n )

Seite

7

NEUES WASSERABSTOSSENDES PACKPAPIER
(15 Z e i l e n )

Seite

7

NEUE.' CHEMIKALIE FÜR ZAHLREICHE VERWENDUNGSZWECKE
(13 Z e i l e n )

Seite

8

SICHERUNG DER ARBEITSPLATZE HAUPTTHEMA
ANSTEHENDER TARIFVERHANDLUNGEN
(42 Z e i l e n )

Seite

9

SENIORITÄTSKLAUSELN IN US-TARIFVERTRÄGEN
(20 Z e i l e n )

Seite

10

AM RANDE NOTIERT

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK

WELT DER ARBEIT

WIR MACHEN ALLE UNSERE BEZIEHER DARAUF AUFMERKSAM.
DASS DIE NÄCHSTE AUSGABE UNSERES DIENSTES "WIRTSCHAFT
UND ARBEIT" ERST WIEDER AM 1 . SEPTEMBER ERSCHEINT.

* # * # *

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Sl/C

1. September 1961
INHALTSVERZEICHNIS

WIRTSCHAFTSREPORTAGE
DAS AUTOMOBILZEITALTER IN DEN VEREINIGTEN STAATEN (V)
"Compact Cars" brachten Strukturwandel des
Automobilmarktes
(65 Zeilen, 1 Bild)
Seite
WIRTSCHAFTSPOLITIK
WIRTSCHAFTLICHE PROBLEME UND WIRTSCHAFTSPOLITIK DER USA (i)
Das Problem der uneingeschränkten Erholung der Wirtschaft
Von Dr. Walter W. Heller, Vorsitzender des Wirtschaftsbeirates des US-Präsidenten
(165 Zeilen)
Seite
STREIFLICHTER, AUS DER US-WIRTSCHAFT
STEIGENDE AUFWENDUNGEN FÜR URLAUB UND FREIZEIT IN DEN USA.
12 Prozent des Gesamteinkommens wird heute für Reise und
Erholung aufgewendet
(50 Zeilen)
Seite

11

AM RANDE NOTIERT
ZAHL DER TRAKTOREN NAHM SEIT 1945 UM 2.7 MILLIONEN ZU
Der leichte Vielzweckschlepper setzt sich immer stärker
durch
(44 Zeilen, 1 Bild)
Seite
WELT DER ARBEIT
DAS ERSTE "ALTERSHOTEL" IN MIAMI BEACH ERÖFFNET
US-Gewerkschaften schaffen neuen Altersheimtyp ohne
Anstaltsatmosphäre
(63 Zeilen, 2 Bilder)

*

#

#

#

•

*

Seite

15

15

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Wirtschaft
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8. September

1961

INHALTSVERZEICHNIS

WIR TS CHAFTSREPO RTAGE
DAS AUTOMOBILZEITALTER IN DEN VEREINIGTEN
STAATEN (VI)
Der Siegeszug der Parkuhren
(80 Zeilen, 2 Bilder)

Seite

1

Seite

5

Seite

9

WIRTSCHAFTSPOLITIK
WIRTSCHAFTLICHE PROBLEME UND WIRTSCHAFTSPOLITIK DER USA (II )
Das Zahlungsbilanzproblem
(110 Zeilen)
STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
FREUNDLICHERE ZAHLUNGSBILANZ
Wesentliche Verminderung des Defizits im
2. Quartal - Gesamtdefizit dürfte 1961
rund 1,0 Mrd, Dollar ausmachen
(60 Zeilen)
AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
"WARF" SOLL WIRKSAMKEIT VON "DDT" ERHÖHEN
(20 Zeilen)
NEUE METHODEN ZUR EINDÄMMUNG VON
INSEKTENPLAGEN
(22 Zeilen)

Seite

12

Seite

13

WELT DER ARBEIT
"DAS HISTORISCH BEDEUTENDSTE TARIFABKOMMEN"
Automobilarbeitergewerkschaft schloß neuen
Tarifvertrag mit "American Motors" (52 Zeilen)

Seite

14

* * * * *

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1 5 . S e p t e m b e r 1961

INHALTSVERZEICHNIS
WIRTSCHAFTS REPORTAGE
DAS AUTOMOBILZEITALTER IN DEN VEREINIGTEN STAATEN

HlÜ
"Lebensretter II" - der lOOprozentige Sicherheitswagen (75 Zeilen, 2 Bilder)
WIRTSCHAFTSPOLITIK
WIRTSCHAFTLICHE PROBLEME UND WIRTSCHAFTSPOLITIK
DER USA (III und Schluß)
Wirtschaftliches Wachstum
(130 Zeilen)

Seite 1

Seite

4

Seite

9

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
DAS LOHN-PREIS-PROBLEM IST WIEDER IM GESPRÄCH
L o h n e r h ö h u n g e n i n S t a h l - und A u t o m o b i l i n d u s t r i e
b e r e i t e n Regierung Sorgen - P r e i s i n d e x b l i e b
bisher stabil
(60 Z e i l e n )
AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
WESENTLICHE EINSPARUNGEN DURCH NEUARTIGES
ORDER-ABWICKLUNGSSYSTEM
"Westinghouse E l e c t r i c Corporation" b e s c h r i t t
n e u e n Weg (42 Z e i l e n , 1 B i l d )

WELT DER ARBEIT
TRENDS IM TARIFVERHANDLUNGSWESEN
1. REGELUNGEN DER BEZAHLUNG VON WASCH- UND
REINIGUNGSZEITEN
(21 Zeilen)
2. 98 PROZENT ALLER PRIVATEN SOZIALPLÄNE
SCHLIESSEN LEBENSVERSICHERUNGEN EIN
(25 Zeilen)

* * * * *

Seite 12

Seite 14

Seite 15

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54/C

22. September

1961

INHALTSVERZEICHNIS
WIRTSCHAFTSREPQRTAGE
DAS AUTOMOBILZEITALTER IN DEN VEREINIGTEN STAATEN
100 Millionen Automobile bis 1975
ersetzen Allroundmechaniker
(1 Bild, 65 Zeilen)

Spezialis ten
Seite 1

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
DIE US-WIRTSCHAFT AN DER SCHWELLE
ZUR HERBSTSAISON
W e i t e r e Zunahme d e r w i r t s c h a f t l i c h e n A k t i v i t ä t
e r w a r t e t - I m p o r t e nahmen w i e d e r k r ä f t i g zu Z a h l u n g s b i l a n z d e f i z i t f ü r 1961 etwa 1,5 Mrd.
Dollar
(56 Z e i l e n )

Seite

4

ERFINDEN - EINE LEIDENSCHAFT DER AMERIKANER
US-Patentamt vergab das d r e i m i l l i o n s t e P a t e n t
(55 Z e i l e n )

Seite

7

Seite

9

Seite

9

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
AUSGABE VON ARCHIVMATERIAL IN SEKUNDEN
(11 Zeilen)
SCHMUTZIGES HARTGELD WIRD MIT ULTRASCHALL
GESÄUBERT
,
(16 Zeilen)
REIFENPANNEN KEIN PROBLEM MEHR
(15 Zeilen)

Seite 10

WELT DER ARBEIT
STAHLARBEITERGEWERKSCHAFT BESTEHT JETZT 25 JAHRE
Größte amerikanische Gewerkschaft wurde erst 1936
gegründet - Richtungweisend auf dem Gebiet der
Lohnpolitik (65 Zeilen, 1 Bild)

* * * * *

Seite 11

�AMKRIKA

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2 9 . S e p t e m b e r 1961
INHALTSVERZEICHNIS

WIR TSCHAFTS REPORTAGE
DIE
BIS
Die
als

AUSSICHTEN DER US-WIRTSCHAFT
ZUM JAHRE 1975 ( i )
Wachstumsmöglichkeiten der Wirtschaft
Ganzes ( 9 5 Z e i l e n )

Seite

1

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
HOHE AUSLANDSINVESTITIONEN DER US-WIRTSCHAFT
FÜR 1962 ZU ERWARTEN
Gesamtsumme etwas niedriger als 1961 - aber
höhere Investitionen in den Ländern des
Gemeinsamen Marktes (54 Zeilen)

Seite

5

VOLKSKAPITALISMUS IN DER PRAXIS
"American Telephone &amp; Telegraph Company"
hat jetzt über 2 Millionen Aktionäre
(52 Zeilen, 1 Bild)

Seite

7

Seite

9

Seite

10

Seite

10

Seite

1t

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
GEWINNUNG VON CHEMIKALIEN AUS DEN ABGASEN
DER KOKEREIEN
(21 Zeilen)
STÄRKERE AUSBEUTUNG VON ÖLQUELLEN
(12 Zeilen)
FORTSCHRITTE BEIM ABBAU VON ÖLSCHIEFER
(17 Zeilen)
WELT DER ARBEIT
"CO-OP EDUCATION" - EIN ERFOLGREICHES
OBERSCHULSYSTEM
"Werkschüler", ein neuer Oberschülertyp Jeweils acht Tage auf der Schulbank, acht Tage
im Betrieb (68 Zeilen, 1 Bild)

* * * * *

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und Arbeit

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36/c

6. Oktober

1961

INHALTSVERZEICHNIS

WIRTSCHAFTSREPORTAGE
DIE AUSSICHTEN DER US-WIRTSCHAFT BIS ZUM
JAHRE 1975 ( i l )

Das wachsende Tempo der technischen Veränderungen (110 Zeilen)

Seite 1

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
TIPS FÜR DIE ERFOLGREICHE EINFÜHRUNG NEUER PRODUKTE
Chicagoer Unternehmensberatungsfirma veröffentlichte
"Erfolgs-ABC" (11C Zeilen)
Seite
US-REGIERUNG STREBT AUSGEGLICHENEN HAUSHALT
FÜR 1962/63 AN
Budgetdirektor Bell zu aktuellen haushaltspolitischen Problemen
(75 Zeilen)

Seite

5

9

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
PFLANZEN BEKÄMPFEN SCHÄDLINGE
Die "ökologischen" Insektizide wiesen einen neuen
Weg zur Schädlingsbekämpfung
(46 Zeilen)

Seite 12

WELT DER ARBEIT
ZAHLREICHE NEUE BUNDESSTAATLICHE GESETZE ZUR
BESEITIGUNG DER DISKRIMINIERUNG
(34 Zeilen)

Seite 14

US-ARBEITSMINISTERIUM UNTERSUCHTE BEZUGE DER
GEWERKSC HAFTSVORSITZENDEN
(13 Z e i l e n )

Seite 15

BRUTTOLÖHNE IM JULI WEITER GESTIEGEN
(19 Zeilen)

Seite 16

* * * * *

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3 0 0 • Telefon Bad Godesbert; 6 0 1 3 2 40

X I I I . Jahrgang. Nr. 57/c

Wirtschaft
und Arbeit
1 3 . Oktober

1961

INHALTSVERZEICHNIS

WIRTSCHAFTSREPORTAGE
DIE AUSSICHTEN DER US-WIRTSCHAFT
BIS ZUM JAHRE 1975 ( i l l )
Die W a c h s t u m s m ö g l i c h k e i t e n d e r I n v e s t i tionsgüterindustrie
(95 Z e i l e n )

Seite

1

Seite

5

ÜBERDURCHSCHNITTLICHE ERNTE FÜR 1961 ERWARTET
(28 Z e i l e n )

Seite

8

US-LANDWIRTSCHAFT PRAKTISCH PFERDELOS
(11 Z e i l e n )

Seite

9

ERNEUTE PRODUKTIVITÄTSSTEIGERUNG IN DER
US-LANDWIRTSCHAFT
(12 Z e i l e n )

Seite

9-

Seite

10

NEUARTIGES STRASSENAUSBESSERUNGSMATERIAL
(16 Z e i l e n )

Seite

11

EIN NEUER NATUR-SYNTHESEGUMMI

Seite

11

Seite

12

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
WIRTSCHAFTLICHE AKTIVITÄT WIRD IN DEN NÄCHSTEN
MONATEN WEITER ZUNEHMEN
Auftragseingänge übersteigen d e r z e i t i g e s Produktionsvolumen - B a u k o n t r a k t a b s c h l ü s s e auf
neuem R e k o r d s t a n d
(75 Z e i l e n )
AUS DER US-LANDWIRTSCHAFT

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
FARBIGE FAHRBAHNDECKEN

(21 Z e i l e n )

(10 Z e i l e n )

WELT DER ARBEIT
GUTES BETRIEBSKLIMA DURCH SINNVOLLE
FREIZEITPROGRAMME
U S - I n d u s t r i e u n t e r n e h m e n b e s c h r e i t e n neue Wege
- Auch d i e F a m i l i e g e h ö r t m i t zum B e t r i e b
(56 Z e i l e n , 1 B i l d )
* * * *

*

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20.

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INHALTSVERZEICHNIS

Oktoberf

Wirtschaft
und Arbeit

WIRTSC HAFTS REPORTAGE
DIE AUSSICHTEN DER US-WIRTSCHAFT BIS
ZUM JAHRE 1975 (IV und S c h l u ß )
Die W a c h s t u m s a u a s i c h t e n d e r G r u n d s t o f f und K o n s u m g ü t e r i n d u s t r i e n
(120 Z e i l e n )

Seite

1

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
WIRTSCHAFTSEXPERTEN SAGEN WEITERE
KRÄFTIGE EXPANSION VORAUS
H a n d e l s m i n i s t e r Hodges s c h ä t z t B r u t t o s o z i a l p r o d u k t f ü r 1962 auf 575 Mrd. D o l l a r
(55 Z e i l e n )

Seite

6

Seite

9

NAVIGATIONSSYSTEM FÜR ÜBERSCHALLPASSAGIER-FLUGZEUGE
.
(15 Z e i l e n )

Seite

11

VOLLAUTOMATISCHES SÄGEWERK
(17 Zeilen)

Seite

11

MINIATURGERÄT FÜR DIE UMWANDLUNG VON
MEER- IN TRINKWASSER
(16 Zeilen, 1 Bild)

Seite

12

Seite

14

AUS LANDSHILFE
SCHWERPUNKTVERLAGERUNG IM
US-AUSLANDS HILFEPROGRAMM
L a n g f r i s t i g e P r o j e k t e und Programme s t e h e n
j e t z t im V o r d e r g r u n d - Gesamtsumme f ü r d a s
F i n a n z j a h r 1961/62 ü b e r 4 Mrd. D o l l a r
(48 Z e i l e n )
AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK

V/ELT DER ARBEIT
ZUSÄTZLICHE KRANKENVERSICHERUNG ALS
TARIFLICHE LEISTUNG (i)
Mehrkostenversicherung - Gesamtversicherung
(120 Zeilen)

* * * * *

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Wirtschaft
und Arbeit

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2 7 . Oktober

1961

INHALTSVERZEICHNIS
WIRTS CHAFTS REPORTAGE
DIE NEUEN TRENDS IN DER AMERIKANISCHEN LANDWIRTSCHAFT

iL)
Von der Landwirtschaft zum "Agribusiness"
(130 Zeilen)

Seite

1

GÜNSTIGE AUSSICHTEN FÜR DIE US-DIENSTLE ISTUNGSWIRTSCHAFT
Verbraucherausgaben für D i e n s t l e i s t u n g e n
s t e i g e n r a s c h e r a l s Aufwendungen f ü r Warenk ä u f e - L a n g f r i s t i g e r Trend zu e r w a r t e n
(78 Z e i l e n )

Seite

6

US-ZAHLUNGSBILANZ ENTWICKELT SICH GÜNSTIG
Rückgang d e s D e f i z i t s von 4 Mrd. a u f 1,7 Mrd,
D o l l a r im J a h r 1961
(120 Z e i l e n )

Seite

9

Seite

13

Seite

15

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
HYBRIDENGERSTE WIRD "KONSTRUIERT"
US-Landwirtschaftsministerium s t a r t e t e
Forschungsreihe
(55 Z e i l e n )

neue

WELT DER ARBEIT
ZUSÄTZLICHE KRANKENVERSICHERUNG ALS TARIFLICHE
LEISTUNG (II)
Verbreitung der Zusatzversicherung - Die
Finanzierung der Zusatzversicherung
(90 Zeilen)

* * * * *

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und Arbeit

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X I I I . Jahrgang. Nr. 4Q/c

3. November

196t

INHALTSVERZEICHNIS

DIE ARTIKELSERIE
DIE NEUEN TRENDS IN DER AMERIKANISCHEN
WIRTSCHAFT (il)
Die Schlüsselfaktoren für die moderne
Agrarwirtschaft (72 Zeilen)

Seite

1

AM RANDE NOTIERT
US-AGRAREXPORTE ERREICHTEN HÖCHSTSTAND
(19 Zeilen)

Seite

4

OBSTKONSUM HAT WEITER ZUGENOMMEN
(18 Zeilen)

Seite

5

GEFLÜGEL WEITERHIN GEFRAGT
(9 Zeilen)

Seite

5

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
WIRD DER GETREIDESILO ÜBERFLÜSSIG?
Atomstrahlen schützen Getreide - Transportabler
Gammastrahler könnte Millionenwerte retten
(38 Zeilen)

Seite

6

WELT DER ARBEIT
ZUSÄTZLICHE KRANKENVERSICHERUNG ALS
TARIFLICHE LEISTUNG (III und Schluß)
Die Selbstbeteiligung - Leistungshöchstsätze
(150 Zeilen)

Seite

8

* * * * *

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und Arbeit

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10. November 1961

INHALTSVERZEICHNIS

DIE ARTIKELSERIE
DIE NEUEN TRENDS IN DER AMERIKANISCHEN
LANDWIRTSCHAFT (III und Schluß)
Die vertikale Integration in der modernen
landwirtschaftlichen Produktion
(98 Zeilen)

Seite

STREIFLICHTER AUS DER US. WIRTSCHAFT
STAATSEINNAHMEN UND -AUSGABEN KRÄFTIG GESTIEGEN
Voraussichtliches Defizit im Haushaltsjahr
196l/62 rund 7 Mrd. Dollar - Regierung strebt
ausgeglichenen Hausha.lt für 1962/63 an
(58 Zeilen)

Seite

NEUES EXPORTFINANZIERUNGS- UND
RISIKOVERSICHERUNGSPROGRAMM
US-Regierung will amerikanischen Exporteuren
die gleichen Wettbewerbschancen sichern
(54 Zeilen)

Seite

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
DIE OZEANE - EINE ÜBERREICHE NAHRUNGSQUELLE
Fischerei- und Ernährungswissenschaftler
diskutierten Möglichkeiten zur Verbesserung
der menschlichen Ernährung
(46 Zeilen)

Seite

WELT DER ARBEIT
GEWERKSCHAFTLICHES WOHNUNGSBAUPROJEKT FÜR
2 5 000 MENSCHEN
Gesamtbaukosten 250 Millionen Dollar - Wohnraum
für Rentner und Familien der mittleren Einkommensgruppen
(42 Zeilen, 1 Bild)

Seite

* * * * *

1

11

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Wirtschaft
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17. November 1961
INHALTSVERZEICHNIS

DIE ARTIKELSERIE
AKTUELLE ENTWICKLUNGEN IN DER US-GRUNDMETALLINDUSTRIE
Die W e t t b e w e r b s s i t u a t i o n u n t e r den G r u n d m e t a l l e n
(110 Z e i l e n )

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
NEUES AUSSENHANDELSPRCGRAMM ZEICHNET SICH AB
Vollkommene Neuorientierung angestrebt - Ausrichtung
auf die neuen Gegebenheiten
(80 Zeilen)

(i)

Seite

Seite

AUSSENHANDEL UND ZAHLUNGSBILANZ ENTWICKELTEN SICH
ZUFRIEDENSTELLEND
Aubenhandelsüberschuß rund 5 Mrd. Dollar in diesem Jahr Zahlungsbilanzdefizit ging um rund 2 Mrd. Dollar zurück
(64 Zeilen)
Seite
AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
TROPENFESTE KÜHE MIT HÖHER MILCHLEISTUNG?
Amerikanische Tierzuchtanstalten experimentieren mit
Kreuzungen zwischen Jersey- und Sindhi-Rindern
(50 Zeilen)

Seite

11

WELT DER ARBEIT
ARBEITS- UND LOHNGARANTIE AUF LEBENSZEIT
(25 Zeilen)

Seite

13

Seite

14

AUT0MATI0NSF0NDS FÜR ARBEITNEHMER VON ZUCKERRAFFINERIE
(20 Zeilen)
Seite

15

SEELEUTEGEWERKSCHAFT ZAHLT ENTLASSUNGSGELDER
(20 Zeilen)

* * * * •

�AM E R I K A

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X I I I . Jahrgang. Nr. 45/c

Wirtschaft
und Arbeit
2 4 . November 1961

INHALTSVERZEICHNIS

DIE ARTIKELSERIE
AKTUELLE ENTWICKLUNGEN IN DER
US-GRUNDMETALLINDUSTRIE ( i l )
Die d r e i T r u m p f k a r t e n d e r S t a h l i n d u s t r i e
(78 Z e i l e n )

Seite

1

Seite

4

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
EIN VIERTEL DES EINKOMMENS GEHT FÜR DIE
DIE STEUER DRAUF
Der a m e r i k a n i s c h e A r b e i t n e h m e r muß t ä g l i c h
2 S t u n d e n und 17 Minuten f ü r d i e S t e u e r
arbeiten
(50 Z e i l e n )
AUS DER LANDWIRTSCHAFT
STABILE LEBENSMITTELPREISE, ABER
RÜCKLÄUFIGE ERLÖSE DER FARMER
(22'Zeilen)
US-WEIZENEXPORTE ÜBERSTIEGEN EIGENBEDARF
(7 Z e i l e n )

Seite . 6
.Seite

7

Seite

7

Seite

8

Seite

10

DIE LOHNENTWICKLUNGEN VON JANUAR BIS SEPTEMBER
(24 Zeilen)

Seite

11

676 VERBESSERUNGSVORS.CHLÄGE EINGEREICHT
(10 Zeilen)

Seite

12

REKORDAUFZUCHT VON TRUTHÄHNEN
(9 Z e i l e n )
AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
US-WISSENSCHAFTLER ENTWICKELTEN NEUE
TOPOGRAPHISCHE AUFNAHMETECHNIK
Luftaufnahmen a u s 6000 M e t e r Höhe 3-4mal
g e n a u e r a l s Bpdenmessungen (40 Z e i l e n )
WELT DER ARBEIT
1961 - BISHER GÜNSTIGSTE STREIKBILANZ
. PER NACHKRIEGSZEIT,.
.
(20 Z e i l e n )

* -x * * *

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Wirtschaft
und Arbeit
1. Dezember 1961

XIII. Jahrgang. Nr. 44/c
INHALTSVERZEICHNIS

DIE ARTIKELSERIE
AKTUELLE ENTWICKLUNGEN IN DER US-GRUNDMETALLINDUSTRIE (III u. Schluß)
Aluminium - der Hecht im Karpfenteich
(130 Zeilen)

Seite

1

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
ZUNAHME DER KAPITALGÜTERINVESTITIONEN UM ÜBER
4 PROZENT FÜR 1962 ZU ERWARTEN
E r g e b n i s s e d e r H e r b s t u m f r a g e d e r McGraw-Hill
Company v e r ö f f e n t l i c h t
(70 Z e i l e n )

Seite

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
AUSGEDÜNNTE PERLETTE-TRAUBEN DURCH STRAHLENVERURSACHTE MUTATION
R ö n t g e n s t r a h l e n v e r ä n d e r n Erbmechanismus von g r o ß e r B e d e u t u n g f ü r d i e P f l a n z e n z u c h t
(52 Z e i l e n )

Seite

WELT DER ARBEIT
ANSTIEG DER ARBEITSPRODUKTIVITÄT IM KOHLEBERGBAU
UM 85 PROZENT SEIT 1949
Investitionen pro Arbeitsplatz erreichten 13 000
Dollar - Starker Rückgang der Beschäftigtenzahl
(56 Zeilen)

Seite

* * * * *

11

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X I I I . J a h r g a n g . N r . 45/C

Wirtschaft
und Arbeit
8. Dezember 1961

INHALTSVERZEICHNIS
WIRTSGHAFTSREPORTAGE
GEWINNBETEILIGUNGSPLÄNE IN DER AMERIKANISCHEN
WIRTSCHAFT
Art und Umfang der Pläne
Die Erfahrungen der
Wirtschaft (125 Zeilen)

Seite 1

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
DIE US-WIRTSCHAFT AM JAHRESENDE
Wirtschaftliche Aktivität hat sich seit September
erneut verstärkt - Allgemein gute Aussichten
für 1962
(80 Zeilen)

Seite

6

Seite

9

AUS DER LANDWIRTSCHAFT
HÖHERE REISEXPORTE DER USA
(19 Zeilen)
IMMER STÄRKERE MECHANISIERUNG DER FARMARBEIT
(14 Zeilen)
USA GROESSTER HOLZIMPORTEUR
(5 Zeilen)
KUNSTDÜNGERVERBRAUCH WEITER GESTIEGEN
(10 Zeilen)
AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
PAPIER MIT HÖHERER NASSFESTIGKEIT
Zusatz von Dialdehydstärke zum Holzschliff ergibt
eine um das Neunfache erhöhte Nassfestigkeit
(40 Zeilen, 1 Bild)
WELT DER ARBEIT
GEHALTSANALYSE FÜR 68 ANGESTELLTENBERUFE
(35 Zeilen)
52 278 GEWERKSCHAFTEN LEGTEN US-ARBEITSMINISTERIUM
FINANZBERICHT VOR
(18 Zeilen)
LÖHNE DER BAUHANDWERKER LEICHT ANGESTIEGEN
(17 Zeilen)

Seite 10
Seite 10
Seite 11

Seite 12

Seite 14

Seite 15
Seite 16

ACHTUNG REDAKTIONEN; Mit gleicher Post übersenden wir
. Ihnen die Broschüre-J1ERZIEHUNG IN USA",
das dritte Heft unserer Broschürenreihe.
* * * * *

�GerneinSchaftsausgabe
ALLGEMEINES/WIRTSCHAFT UND ARBEIT
X I I I . / X I Y . J a h r g a n g . N r . 46

1 5 . Dezember

1 961

INHALTSVERZEICHNIS
POLITIK
FRIEDEN UND FREIHEIT SIND NACH WIE VOR DIE ZIELE
DER AMERIKANISCHEN AUSSENPOLITIK
(140 Zeilen)
DIE NATO IM JAHRE 1961
Stärkere Einigkeit durch vermehrte Konsultationen
' (78 Zeilen)

Seite

1

Seite

6

DIE ENTWICKLUNG DER AMERIKANISCHEN WIRTSCHAFT IM JAHRE 1961
(75 Zeilen)
Seite

9

WIRTSCHAFT

NEUE TECHNISCHE ENTWICKLUNGEN UND BEDEUTENDE
ERFINDUNGEN IM JAHRE 1 961
(96 Zeilen)

Seite 12

ARBEITSRECHT. SOZIAL- UND LOHNPOLITIK
(32 Zeilen)

Seite 16

WISSENSCHAFT UND TECHNIK IN DEN USA - 1961
(520 Zeilen)
Naturwissenschaftliche Forschung
Physik
Biochemie und Biologie
Medizin
Geophysik
Atom und Technik
Raumfahrt und Weltraumforschung

Seite 19
Seite 23
Seite 25
Seite 27
Seite 30
Seite J&gt;2

ERZIEHUNG IN USA
SCHULE UND ERZIEHUNG IN DEN USA
- Rückblick 1961 (85 Zeilen)
KULTUR
AMERIKAS LITERARISCHES JAHR 1 961
- Von Büchern und L i t e r a t u r p r e i s e n
Von Norman Smith
(110 Z e i l e n )

Seite 37

Seite

40

KUNST ÜBER MEERE UND LÄNDER HINWEG

- Rückblick auf das Jahr 1 961 Von Linda Kent
(98 Z e i l e n )
* * * * *

S e i t e 44

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6. Januar

XIV. Jahrgang. Nr. 1

1961

INHALTSVERZEICHNIS

AUS DER MEDIZINISCHEN FORSCHUNG
BEKÄMPFUNG VON BRANDVERLETZUNGEN
Neue Möglichkeiten für eine gezielte Therapie
(65 Zeilen)

Seite

BEKÄMPFUNG VON KOHLENDIOXID-VERGIFTUNGEN
(2 6 Zeilen)

Seite

3

IMMUNISIERUNG GEGEN KREBS?
(9 Zeilen)

Seite

4

DIREKTBESTRAHLUNG VON TIEFLIEGENDEM KREBSGEWEBE
(8 Zeilen)

Seite

5

WELTGESUNDHEITSORGANISATION (WHO) ZIEHT BILANZ
(22 Zeilen)

Seite

5

DIE WISSENSCHAFT NOTIERT
WISSENSCHAFT ALS WAGNIS
Neue Entwicklungen sind richtungweisend
für unsere Zukunft
Von John Kerigan
(80 Zeilen)

Seite

6

LITERATUR
ZWEI BÜCHER VON KENNEDY
"Warum England schlief" und "Zivilcourage"
Von Linda Kent
(67 Zeilen)

Seite

9

KURZ NOTIERT
FESTKONZERT ZUR AMTSEINFÜHRUNG DES
NEUEN US-PRÄSIDENTEN
(11 Zeilen)

Seite

11

* * * * *

1

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13. Januar

XIV. J a h r g a n g . N r . 2

1961

INHALTSVERZEICHNIS

ATOM UND TECHNIK
SPALTIAATERIAL AUS DER GAS ZENTRIFUGE
K o n t r o l l e würde p o l i t i s c h e Bedenken z e r s t r e u e n
(110 Z e i l e n )

Seite

PROGRAMM DER INTERNATIONALEN ATOMENERGIEORGANISATION FÜR 1961
(21 Z e i l e n )

Sei te

1

LEBEN IN DEN USA
TEXAS KÄMPFT GEGEN VERBRECHEN
Ein Bündnis zwischen Polizei und
Öffentlichkeit
(90 Zeilen, 1 Bild)

•r

Seite

VON KUNST UND KÜNSTLERN
BESEELTER DRAHT
Alexander Calder und seine Mobiles
(98 Zeilen, 1 Bild)

* * * * *

Seite

10

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XIV. Jahrgang. Nr. 3

A I I**&lt;*I1HMIH»S

20. Januar

1961

INHALTSVERZEICHNIS
RAUMFLUG
SECOR-FUNK VERBESSERT NAVIGATION UND
GEODÄTISCHE MESSMETHODEN
(42 Zeilen)
HELIUMSCHILD FÜR RAUMFLUGKÖRPER
(16 Zeilen)
RAKETEN NACH DEM BAUKASTENPRINZIP
(11 Zeilen)
SONNENWETTER UND ERDSATELLITEN
(50 Zeilen)

Seite 1
Seite

2

Seite

3

Seite

3

AUF DEM WEG ZUR "RAKETENPOST"
Das neue Washingtoner Museum für Postgeschichte
(62 Zeilen, 1 Bild)

Seite

6

SÖHNE SUCHEN EINEN ANDEREN BERUF
(24 Zeilen)

Seite

7

Seite

9

LEBEN IN DEN USA

VON KUNST UND KÜNSTLERN
DER NEUE TENNESSEE WILLIAMS
Von Norman Smith
(80 Zeilen)

ANHANG
PRÄSIDENT EISENHOWER; BOTSCHAFT ÜBER DIE LAGE DER NATION
Wortlaut der "State of the Union Message" vom 12. Januar 1961
ABSCHIEDSANSPRACHE PRÄSIDENT EISENH0WER5 AN DAS AMERIKANISCHE VOLK
Wortlaut der Rundfunk- und Fernsehansprache vom 17. Januar 1961

* * * * *

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27. Januar

XIV. Jahrgang, Nr. 4

1961

INHALTSVERZEICHNIS

DIE WISSENSCHAFT NOTIERT
FORSCHUNG MIT KÜNSTLICHEN ELEMENTEN
(68 Zeilen)
LEUCHTSTOFF VON GLÜHWÜRMCHEN ERSTMALS
KRISTALLISIERT
(9 Zeilen)
FARBBILDER SOLLEN HINWEISE AUF MARSVEGETATION
GEBEN
(15 Zeilen)
HALBWERTZEIT VON KOHLENSTOFF--14&gt; ; NEU BESTIMMT
(30 Zeilen)

Seite 4

LEBEN IN DEN USA
ENDERGEBNISSE DER AMERIKANISCHEN VOLKSZÄHLUNG
Die Großstadt verliert ihren Reiz Bevölkerungszug nach dem Westen
(75 Zeilen, 1 Bild)

Seite 6

Seite 1

Seite 3

Seite 4

WELTPOLITIK
SOWJETISCHE BINNENPÄSSE
Eine Erbschaft aus der Zarenzeit
Seite 9
(85 Zeilen)
Seite 12
GEDENKTAGE IM FEBRUAR 1961
ANHANG
WORTLAUT DER INAUGURATIONSANSPRACHE DES NEUEN US-PRÄSIDENTEN
JOHN F. KENNEDY VOM 20. JANUAR 1961
CHESTER BOWLES UMREISST AUSSENPOLITISCHE AUFGABEN DER USA
Wortlaut einer Rede des stellvertretenden US-Außenministers
vom 21. Januar 1961 vor der University of Michigan in Ann Arbor

* * * * *

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3. Februar

XIV. J a h r g a n g . N r . 5

1961

INHALTSVERZEICHNIS

AUS DER MEDIZINISCHEN FORSCHUNG
NEUES HERZSTIMULANS
(13 Zeilen)
HERZLEISTUNG LÄSST DISPOSITION FÜR HERZLEIDEN
ERKENNEN
(28 Zeilen)
RISIKO BEI HERZOPERATIONEN GERING
(16 Zeilen)
KNOCHENMARKIMPLANTATION UNTERSTÜTZT RADIOTHERAPIE
(13 Zeilen)
VERBESSERTER TBC-TEST
(11 Zeilen)
UNTERKÜHLUNG ALS THERAPIE BEI FRÜHGEBURTEN
(10 Zeilen)
NEUES VOM PENICILLIN
(25 Zeilen)

Seite

1

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1

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3

Seite

3

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4

Seite

4

Seite

5

LEBEN IN DEN USA
GENIESSE DEIN ALTER
Clevelands vorbildliches Klubprogramm für Betagte
und Hochbetagte (57 Zeilen, 1 Bild)

Seite

VON KUNST UND KÜNSTLERN
THEATER IM SCHATTEN DER TRAUMFABRIK
Hollywoods "Theatre Group" besitzt Vitalität
Von Linda Kent
(57 Zeilen)

Seite

DAS PORTRÄT
IHR
Dr.
der
Von

LABORATORIUM IST DER HIMMEL
Joanne Malkus erforscht Architektur und Dynamik
Wolken
Frances Gudemann (120 Zeilen)

Seite

11

ANHANG
PRÄSIDENT KENNEDY UNTERBREITET BOTSCHAFT ÜBER DIE LAGE DER NATION
V/ortlaut der "State of the Union Message" vom 30. Januar 1961

* * * * *

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10. Februar

1961

INHALTSVERZEICHNIS

LEBEN IN DEN USA
DER ERSTE PRÄSIDENT DER USA SCHWÖRT DEN AMTSEID
Zu George Washingtons Geburtstag am 22. Februar
(70 Zeilen, 1 Bild)

Seite

1

Seite

4

SUPRALEITER ALS MAGNETSPULENMATERIAL
Neue M ö g l i c h k e i t e n f ü r den Bau t h e r m o n u k l e a r e r
Versuchsgerate
(38 Z e i l e n )

Seite

8

RAKETENTREIBSTOFF HYDRAZIN ZUM HALBEN PREIS
Neue Erfolge der Strahlenchemie
(24 Zeilen)

Seite

9

DIREKTE UMWANDLUNG VON REAKTORWÄRME IN
ELEKTRISCHEN STROM
(28 Zeilen, 1 Bild)

Seite 10

VERBILLIGUNG VON ATOMSTROM DURCH NEUE
LE ISTUNGSREAKTORTYPEN
(34 Zeilen)

Seite 11

ROBOTER FÜR REAKTORSTATION
(8 Zeilen)

Seite 12

TELEVISI0N
DIE AMERIKANISCHE FERNSEHAKADEMIE
Von P e t e r C o t t , D i r e k t o r d e r " P r e s s and P u b l i c
R e l a t i o n s " - A b t e i l u n g d e r N a t i o n a l Academy of
T e l e v i s i o n A r t s and S c i e n c e s , New York
(98 Z e i l e n )
ATOM UND TECHNIK

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17. Februar

1961

INHALTSVERZEICHNIS

RAUMFLUG UND ASTRONOMIE
WETTER IN GROSSAUFNAHME
N I M B U S - S a t e l l i t e n s e t z e n TIROS-Serie
(63 Z e i l e n )

fort

Seite

1

BIMBO - DIE NEUESTE AMERIKANISCHE FESTSTOFFRAKETE
(5 Zeilen)

Seite

3

RICHTUNGSSTABILISATOR FÜR ERDSATELLITEN
(24 Zeilen, 1 Bild)

Seite

3

NEUES GERÄT ZUR SATELLITENBKOBACHTUNG
(10 Zeilen)

Seite

4

NASA VERGIBT FORSCHUNGSAUFTRAG ZUR ENTWICKLUNG
EINER IONENRAKETE
(11 Zeilen)

Seite

5

NEUE FORSCHUNGSERGEBNISSE DER SONNEN- UND GEOPHYSIK
(48 Zeilen)

Seite

5

NEUE WANDERFELDRÖHRE ALS VERSTÄRKER FÜR
RADIOTELESKOPE
(6 Zeilen)

Seite

LEBEN IN DEN USA
RUHE IN LITTLE ROCK
Aufhebung der Rassentrennung im Süden
der USA macht Fortschritte
(56 Zeilen)

Seite

8

VON KUNST UND KÜNSTLERN
INDUSTRIESTADT MIT VORLIEBE FÜRS THEATER
Cleveland und seine Musensöhne
(80 Zeilen, 1 Bild)

Seite

10

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XIV. Jahrgang. Nr. 8

24. Februar

1961

INHALTSVERZEICHNIS
DIE WISSENSCHAFT NOTIERT
ALTERSBESTIMMUNG AN ANTIKEM GLAS
(38 Zeilen)
MANGANLEGIERUNG MIT BESONDEREN MAGNETISCHEN
EIGENSCHAFTEN
(10 Zeilen)
NEUES VERFAHREN DER SEEWASSERDESTILLATION
Enge Zusammenarbeit zwischen US-InnJnministerium
und Privatindustrie
(35 Zeilen)
RÖNTGENANLAGE FÜR RISSUNTERSUCHUNG AN RIESIGEN
FLUGZEUGTEILEN
(7 Zeilen)
HELLER ALS DAS SONNENLICHT
(9 Zeilen)
NEUE SPEICHERTROMMEL FÜR DATENVERARBEITUNGSMASCHINEN
(7 Zeilen)
DR. SÄNGER: DEUTSCHE WELTRAUMFORSCHUNG AN
-US-TRÄGERRAKETEN INTERESSIERT
(19 Zeilen)
WELTPOLITIK
GUANTANAMO - US-MARINESTÜTZPUNKT AUF KUBA
Bilanz von 55 Jahren gutnachbarlicher Beziehungen
(130 Zeilen, 1 Bild)

Seite

Seite

Seite

Seite

4

Sei te

4

Seite

5

Seite

Seit«

6

Seite

11

Seite

14

Seite

15

LEBEN IN DEN USA
DIE FARM IN GETTY3BURG
Häuslicher Frieden am Rande eines historischen
Schlachtfeldes
t
(85 Zeilen, 1 Bild)
,
DICHTERPREIS FÜR JESSE STUART
(18 Zeilen)
GEDENKTAGE IM MÄRZ 1961

ANHANG
HAMMARSKJÖLD: ICH BLEIBE AUF MEINEM POSTEN
W o r t l a u t d e r E r k l ä r u n g d e s U N - G e n e r a l s e k r e t ä r s vom 1 5 . F e b r u a r
1961 v o r dem W e l t s i c h e r h e i t s r a t
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XIV. Jahrgang. Nr» 9

Allgemeines
3. März

1961

INHALTSVERZEICHNIS
GESUNDHEITSWESEN
GESUNDHEIT DER NATION - EIN SCHLÜSSEL
ZU IHRER ZUKUNFT
Zur Kongreßbotschaft Präsident Kennedys über
eine Verbesserung der Gesundheitsprogramme
(92 Zeilen)
AMERIKANISCHE PLÄNE ZUR FÖRDERUNG DER
GESUNDHEITLICHEN REHABILITATION IM AUSLAND
(40 Zeilen)

Seite 1

Seite

4

AUS DER MEDIZINISCHEN FORSCHUNG
WICHTIGE ENTDECKUNG FÜR DIE BEKÄMPFUNG
DER LEUKÄMIE
(33 Zeilen)

Seite

6

STEUERT EIN HYPOPHYSEN-HORMON DEN
FETTSTOFFWECHSEL?
(8 Zeilen)

Seite

7

ENZYMSTRUKTUR VERRÄT ORGANISMENGRUPPE
(8 Zeilen)

Seite

8

MUTAGENE STOFFE IN NAHRUNG UND LUFT
(10 Zeilen)

Seite

8

Seite

9

Seite

13

Seite

14

UNTERRICHTSWESEN
EXPERIMENTE MIT "FLIEGENDEN KATHEDERN"
Schulen im Fernsehring
(115 Zeilen, 1 Bild)
LEBEN IN DEN USA
ATEMPAUSE IN VIRGINIA
Von John Kerigan
(32 Zeilen)
KULTURNACHRICHTEN
NEUN NEUE MITGLIEDER DER AMERIKANISCHEN
GESELLSCHAFT FÜR KUNST UND LITERATUR
(10 Zeilen)
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Allgemeines
10. März

XIV. Jahrgang. Nr. 10

1961

INHALTSVERZEICHNIS

DAS PORTRÄT
MR. ISOTOP
Ein Meister im Zaubergarten der atomaren
Technik - Dr. Baul Aebersold
(118 Zeilen)

Seite 1

ATOM UND TECHNIK
NEUE VERFAHREN DER BIOLOGISCHEN UND
MEDIZINISCHEN FORSCHUNG MIT RADIOISOTOPEN
(58 Zeilen)

Seite

5

DIE WISSENSCHAFT NOTIERT
DIE SCHRIFTROLLEN VOM TOTEN MEER
Bestandteil einer neuen englischen
Bibelausgabe
(38 Zeilen)

Seite

7

ERZIEHUNG
KENNEDYS PLÄNE FÜR EINE REFORM DES
ERZIEHUNGSWESENS IN DEN USA
Von John Kerigan
(95 Zeilen)

Seite

9

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1 7 . März

1961

INHALTSVERZEICHNIS
RAUMFLUG
RAKETENTANKS AUS GLASFASERN
(12 Z e i l e n )

Seite 1

ULTRA-HÖHENKAMMER IN BAU
(8 Z e i l e n )

Seite 1

NASA-PREIS FÜR DR. FRANK T . MCCLURE,
ERFINDER DER DOPPLER-NAVIGATION
(16 Z e i l e n )

Seite

2

LETZTE VORBEREITUNGEN FÜR START VON STRATOSKOP I I
(40 Z e i l e n )

Seite

2

GERMANIUM ALS LINSENMATERIAL FÜR INFRAROT-KAMERAS
(17 Z e i l e n , 1 B i l d )

Seite

4

LUFT-BODEN-RAKETE SKYBOLT
(11 Z e i l e n , 1 B i l d )

Seite

5

Seite

6

Seite

9

VEREINTE NATIONEN
TECHNISCHE HILFE FÜR DEN KONGO
Über den Einsatz technischer, wirtschaftlicher und
pädagogischer Hilfs- und Beratungsteams der
Vereinten Nationen im Kongo
(60 Zeilen)
PUBLIZISTIK
DIE "WIEDERKUNFT"

. . . und s e c h s j u n g e a m e r i k a n i s c h e
(70 Z e i l e n )

Studenten

AUFLAGE DER US-TAGESZEITUNGEN UM RUND 50Q 000 ERHÖHT
(12 Z e i l e n )

Seite 11

KURZNACHRICHTEN AUS DEN USA
N1W YORK CITY OPERA VERGIBT VIERTEN OPERNAUFTRAG
(7 Z e i l e n )

Seite 12

DIE MET WIRD NUN DOCH ABGERISSEN
(8 Z e i l e n )

Seite 12

MAX-ERNST-AUSSTELLUNG IM NEW YORKER MUSEUM OF MODERN ART
Seite 13
(10 Z e i l e n )
US-SENAT VERABSCHIEDETE GESETZ ZUR FÖRDERUNG DES
FREMDENVERKEHRS

Seite 13

(12 Z e i l e n )
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Allgemeines
24. März 1961

INHALTSVERZEICHNIS
DIE WISSENSCHAFT NOTIERT
WANN BEGINNT DAS ALTER?
(40 Zeilen)

Seite

1

'HEFENAHRUNG FÜR MEERESORGANISMEN
(7 Zeilen)

Seite

2

BAKTERIENTOD - CHEMISCH GESEHEN
(8 Zeilen)

Seite

3

ZWEI PHOTOCHEMISCHE REAKTIONEN BEI DER
KOHLENSAURE-ASSIMILIERUNG
(9 Zeilen)

Seite

3

VARACTOR"-VERSTARKER FÜR RADARECHOS
(7 Z e i l e n )

Seite

4

MINIATURELEKTRONIK - FAST OHNE GRENZEN
(10 Z e i l e n )

Seite

4

Seite

5

Seite

8

NATIONALE BUCHPREISE ZUM ELFTEN MALE VERGEBEN
(13 Z e i l e n )

Seite

11

BRANDEIS-UNIVERSITÄT EHRT LILLIAN HELLMAN
(8 Zeilen)

Seite

11

FABERG-OSTEREIER IN DER CORCORAN ART GALLERY
(7 Z e i l e n )

Seite

12

KONZERTHALLE AUF DEM ACKER
(8 Z e i l e n )

Seite

12

,,

ARCHITEKTUR
KEINE BAULICHEN BARRIEREN MEHR FÜR
KÖRPERBEHINDERTE
Von D r . Howard A. Rusk
(52 Z e i l e n , 1 B i l d )
BÜRGERRECHT
WAHLRECHT FÜR DEN DISTRICT OF COLUMBIA
Der 2 3 . Z u s a t z a r t i k e l z u r U S - V e r f a s s u n g
Von J o h n K e r i g a n
(76 Z e i l e n )
KURZ BERICHTET

* * * * * *

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XIV. Jahrgang. Nr. 1 5

31. März

1961

INHALTSVERZEICHNIS
AUS DER MEDIZINISCHEN FORSCHUNG
IMMUNOLOGIE UND KREBS
(45 Zeilen)

Seite

1

Seite

2

Seite

4

ERWACHS ENENBILD UNG
GEISTESWISSENSCHAFTEN FÜR JEDERMANN
Das B i l d u n g s p r o g r a m m d e r G r o ß e - B ü c h e r - S t i f t u n g
(64 Z e i l e n )

Seite

8

INTERNATIONALE GESELLSCHAFT FÜR MUSIKERZIEHUNG
TAGT IN WIEN
(10 Zeilen)

Seite

10

VON KUNST UND KÜNSTLERN
HOHER SPANISCHER ORDEN FÜR HELEN HAYES
(22 Zeilen)

Seite

11

EHRENDOKTORHUT FÜR WALTER GROPIUS
(23 Zeilen)

Seite

12

Seite

1

NEW YORK ALS "BIOKLIMATISCHES LABORATORIUM"
(36 Zeilen)
WELTPOLITIK
DAS "PARLAMENT" DES KREML
Der O b e r s t e Sowjet - e i n e M a r i o n e t t e d e r
(110 Z e i l e n )

GEDENKTAGE IM APRIL 1961

* * * # *

Partei

3

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XIV. Jahrgang. Nr. 14

Allgemeines
7. April 1961

INHALTSVERZEICHNIS
ATOM UND TECHNIK
LICHT DER VERGANGENHEIT
Gefrorenes Gestein registriert Dauer einer
Eiszeitperiode
(75 Zeilen)

Seite

UNTERIRDISCHE ATOMEXPLOSIONEN FÜR ZIVILE

ZWECKE
(20 Zeilen)

Sei te

3

MEERESSTRÖMUNGEN WERDEN GEFÄRBT
(35 Zeilen)

Seite

4

SILIZIUMGEWINNUNG UND BAUMWOLLIMPRÄGNIERUNG
DURCH BESTRAHLUNGSVERFAHREN
(7 Zeilen)

Seite

ERZIEHUNGSWESEN
SCHÖPFERISCHE WISSENSCHAFT
Von Glenn T. Seaborg, Nobelpreisträger und
Vorsitzender der US-Atomenergie-Kommission
(124 Zeilen)

Seite

6

VON KUNST UND KÜNSTLERN
IM SCHATTEN DES BROADWAY
Die Kaffeehaus-Theater von Greenwich Village
Von Linda Kent
(64 Zeilen)

Seite

11

KURZ BERICHTET
WELTBEVÖLKERUNG ERREICHT DREI-MILLIARDEN-GRENZE
(7 Zeilen)

Seite

13

* * * * *

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Allgemeines
14. April

XIV. Jahrgang. Nr. 15

1961

INHALTSVERZEICHNIS
RAUMFLUG
MAGNETFELLSONDE EXPLORER X HAT MISSION ERFÜLLT
(20 Zeilen)
NEUE HÖHEN- UND GESCHWINDIGKEITSREKORDE MIT
DER X-15
Testpilot zwei Minuten schwerelos
(23 Zeilen)
TANKS FÜR SATURN-RAKETEN IN AUFTRAG GEGEBEN
(18 Zeilen)
METALLDAMPF TREIBT TURBOGENERATOR IN
RAUMFAHRZEUGEN
(12 Zeilen)
NASA-INSTITUT FÜR WELTRAUMFORSCHUNG
(12 Zeilen)
BERYLLIUM ALS MATERIAL FÜR RAKETENZUBEHÖR
(8 Zeilen)

Seite

1

Sei te

2

Seite

3

Seite

3

Seite

4

Seite

4

Seite

5

Seite

9

KURZ BERICHTET
FORD-STIFTUNG MACHT WEITERE ZUWENDUNGEN FÜR DIE
FORSCHUNG
(13 Zeilen)

Seite

11

WELTPOLITIK
DIE LAOS-KRISE UND IHRE HINTERGRÜNDE
(200 Zeilen)

Seite

12

DAS PORTRÄT
HIMMELSBEOBACHTUNG VON HÖCHSTER WARTE
Dr. Herbert Friedman - Schöpfer der Raketenastronomie
(Nach "Science World")
(98 Zeilen, 1 Bild)
VON KUNST UND KÜNSTLERN
THEATERPFLEGE UND UNIVERSITÄTSTHEATER
750 neue Universitätstheater werden im Laufe
der sechziger Jahre in den USA entstehen
Von Linda Kent
(62 Zeilen)

* * * * #

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XIV. Jahrgang. Nr. 16

21. April 1961
INHALTSVERZEICHNIS

VEREINTE NATIONEN
GELD 1''IJR DEN FRIEDEN
Von unserem New Yorker diplomatischen Mitarbeiter
(75 Zeilen)

Seite 1

VON KUNST UND KÜNSTLERN
WINNETOU IM MUSEUM
Die dokumentarischen Kunstsammlungen der
neuen Whitney Gallery of 7/estern Art zeigen
Amerikas Pionierzeit so, wie sie wirklich war
Von Harold McCracken
(80 Zeilen, 2 Bilder)

Seite

4

KUNSTWERKE FÜR DAS WEISSE HAUS
(10 Zeilen)

Seite

8

DEUTSCHE AQUARELLISTEN STELLEN IN BROOKLYN AUS
(8 Zeilen)

Seite

8

KONZERTPLANE DES NEW YORK PHILHARMONIC ORCHESTRA
(9 Zeilen)

Seite

9

RUSSLANDTOURNEE DES AMERIKANISCHEN GEIGERS
RUGGIERO RICCI
(7 Zeilen)

Seite

9

KULTURNACHRICHTEN AUS DEN USA

» * * • *

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Allgemeines
28. April

XIV I J a h r g a n g . N r . 1 7

1961

INHALTSVERZEICHNIS

DIE WISSENSCHAFT NOTIERT
PROTEINSYNTHESE IM REAGENZGLAS
(54 Zeilen)

Seite

HOCHFREQUENZ AKTIVIERT GAMMAGLOBULIN
(12 Zeilen)

Seite

MENSCHLICHE GEWEBEZELLEN ÜBERSTEHEN
WELTRAUMKÄLTE
(8 Zeilen)

Seite

5

NEUARTIGER LEUCHTSCHIRM
(16 Zeilen)

Seite

4

Seite

5

WELTPOLITIK
FERNSEHEN: WICHTIGES INSTRUMENT DER PARTEI
IN DEN SATELLITENSTAATEN
Von Paul Landy
(120 Zeilen)

1

VON KUNST UND KÜNSTLERN
VIER, DIE NICHT AUF DER BESTSELLER-LISTE
STEHEN
(70 Z e i l e n )

Seite

9

Seite

11

Seite

12

KURZ BERICHTET
HOHE AUSZEICHNUNG FÜR THEATRE GUILD
"Tony" f ü r h o h e s N i v e a u d e r A u f f ü h r u n g e n
(12 Z e i l e n )
GEDENKTAGE IM MAI 1961

* * * * *

�AM K R I K A

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XIV. J a h r g a n g . N r . 18

5.

Mai

1961

INHALTSVERZEICHNIS
ATOM UND TECHNIK
ELEKTRONIK OHNE ELEKTRIZITÄT
Strömungsmechanische V e r s t ä r k e r
Vakuumröhren und T r a n s i s t o r e n
Von S . David P u r s g l o v e
(90 Z e i l e n )

ersetzen

Seite

1

TELEPHONGESPRÄCHE ÜBER LICHTWELLEN
(22 Z e i l e n )

Seite

4

ZYKLOTRON MIT SCHARFEM PARTIKELSTRAHL
(10 Z e i l e n )

Seite

5

ZUR ENTDECKUNG DES ELEMENTS 105
(18 Z e i l e n )

Seite

5

NEUARTIGE INNENANSTRICHMASSE FÜR ATOM-U-BOOTE
(9 Z e i l e n )

Seite

6

FERNSEHEN
KRITIK ALS KRITERIUM
Die Television wirbt um den anspruchsvollen
Fernsehteilnehmer
Von Norman Smith
(86 Zeilen)

Seite

7

KURZ BERICHTET
PULITZERP REISE
(21 Zeilen)

Seite

10

VON KUNST UND KÜNSTLERN
DIE KUNST UND DIE SACHE DES FRIEDENS
Auszüge aus einer Veröffentlichung der
amerikanischen literarischen Wochenzeitschrift
"Saturday Review"
(98 Zeilen)

Seite

11

FORUM DER JUGEND
LEHRER LIEPERTS "KLEINES AUSTAUSCHPROGRAMM"
Deutsche Rheingau-Gymnasiasten zu Gast in Muskego
(Wisconsin)
(70 Zeilen)

Seite

13

* * * * *

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XIV. Jahr^anff.

Nr.

Allgemeines
1 2 . Mai 1961

19

INHALTSVERZEICHNIS

AUS DER MEDIZINISCHEN FORSCHUNG
ERBITTERTER KAMPF GEGEN S E I KREBS
Neue A s p e k t e f ü r F o r s c h u n g und T h e r a p i e
(185 Z e i l e n , 1 Bild)

Seite

1

Seite

8

LEBEN IN DEN USA
HEIMSTUDIEN MACHEN SCHULE
Eineinhalb Millionen Amerikaner
Kursteilnehmer einer Fernschule
(70 Z e i l e n )

sind

VON KUNST UND KÜNSTLERN
KRITIKERPREIS FÜR Y/ERKE MODERNER MUSIK
Von Norman S m i t h
(95 Z e i l e n )

S e i t e 11

KURZ BERICHTET
USA NEHMEN AN MOSKAUER FILM-FESTIVAL TEIL
(8 Z e i l e n )

Seite

10

HEMINGWAY UND SEINE KRITIKER
(8 Z e i l e n )

Seite

14

» * * « «

�AMERIKA

D I E N ST
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Allgemeines

Bad G o d e i b e r g I • P o s t f a c h 300 • Telefon Bad Godesberg 6013240

19.

XIV. J a h r g a n g . N r . 20

Mai

1961

INHALTSVERZEICHNIS
RAUMFLUG
LEISTUNGSSTEIGERUNG BEI CHEMISCHEN RAKETEN
DURCH NEUE STUFENKOMBINATIONEN

(50 Z e i l e n )
ANTENNEN AUS DER RUMPELKAMMER
Wissenschaftliche Satellitenbeobachtung
durch Amateurgruppen
(53 Zeilen)
SONNENFORSCHUNG MIT ERDSATELLITEN
Einige neue Ergebnisse
(32 Zeilen)
FRISCHLUFTVERSORGUHG IM RAUMSCHIFF
(12 Zeilen)
NACHRICHTENTECHNIK MIT SICHTBAREM LICHT
(13 Zeilen)
TEMPERATURFESTES ELEKTROGERÄT FÜR
HYPERSCHALLFLUGKÖRPER
(10 Zeilen)
POLITIK
DIE ARMEE DES FRIEDENS
Am 27. Mai und 5« Juni finden die ersten
Freiwilligenmusterungen für das U.S. PEACE
CORPS statt
(80 Zeilen, 2 Bilder)
HOCHSCHULWESEN IN DEN USA
US-AKADEMIKERINNENVERBAND VERGIBT 44 STIPENDIEN
(11 Zeilen)
KENNEDY FORDERT VERLÄNGERUNG DES STUDIENFÖRDERUNGSGESETZES
(21 Zeilen)

* * * * *

Seite

1

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4

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6

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6

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8

Seite

12

Seite

12

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A l l g e m e i n e s

XIV. J a h r g a n g , N r . 21

2 6 . Mai 1961
INHALTSVERZEICHNIS

DIE WISSENSCHAFT NOTIERT
Af £
t / / t W

DIE ERDE UNTER EINER STRATOSPHÄRISCHEN RAUCHGLOCKE
(48 Z e i l e n )

Seite

1

if/r.fU,
/
0

WIE WIRD DAS WETTER?
205 M i l l i o n e n A n f r a g e n im J a h r i 9 6 0 beim
s e h e n W e t t e r d i e n s t i n USA
(30 Z e i l e n )

Seite

2

Seite

4

Seite

5

Seite

6

Seite

9

. f n 11 KREBSZELLEN UND MAGNETISMUS
^ / ^ . W w Auf s e h e n e r r e g e n d e E n t d e c k u n g
Wissenschaftler
(28 Z e i l e n )
l/h/ACfA
ff NMc3"

telephoni-

amerikanischer

VERTRAG ÜBER BAU EINES NASA-FERNMELDESATELLITEN
UNTERZEICHNET
(20 Z e i l e n )

LEBEN IN DEN USA
,

/

NE
NEW YORKER. DIE NUR SPANISCH SPRECHEN
er 40 000 Portorikaner wandern jährlich nach
Norden
(72 Zeilen)

IfUk «

VON KUNST UND KÜNSTLERN
,p ^
Kl Q
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Qi'o

DICHTER UND BAUER IN USA
Jesse Stuart, der Bergpoet aus Kentucky, erhielt
den Dichterpreis 1961
(130 Zeilen, 1 Bild)

VIELSEITIGER AMERIKANISCHER KÜNSTLER AUF EUROPATOURNEE
(32 Zeilen)
Seite 14

GEDENKTAGE IM JUNI 1961

Seite 15

* * * * *

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XIV. Jahrgang, Nr. 22

Allgemeines
2. Juni 1961

INHALTSVERZEICHNIS
ATOM UND TECHNIK
NEUE METHODE DER ALTERSBESTIMMUNG AN ANTIKEN
TON GEFÄSSEN
(33 Zeilen)

Seite

1

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2

Seite

3

Seite

3

Seite

4

Seite

4

Seite

5

Seite

7

Seite

10

LEINSDORF WIRD NACHFOLGER VON CHARLES MÜNCH
(5 Z e i l e n )

Seite

13

HOHE MUSIKSTIPENDIEN DER FORD-STIFTUNG
(7 Z e i l e n )

Seite

13

EL2KTR0LUMINESZENZ - INDUSTRIELL NUTZBAR GEMACHT
(15 Zeilen)
PLASMA-STABILITÄT AUF 3 SEKUNDEN ERHÖHT
Fortschritt auf dem Gebiet der kontrollierten
Kernverschmelzung
(9 Zeilen)
PLATIN IN DER INDUSTRIE
(22 Zeilen)
UNTERWASSER-SPRECHFUNK FÜR TAUCHER
(12 Zeilen)
NORMALZEIT MIT GRÖSSTER GENAUIGKEIT DURCH
CÄSIUM-UHR
(16 Zeilen)
NEUES VOM GLAS
(30 Zeilen)
WELT DER FRAU
ZV/EI PULITZER-PREISE AN FRAUEN
Von L i n d a Kent
(86 Z e i l e n )
VON KUNST UND KÜNSTLERN
IN MEMORIAM KOUSSEVITZKY
S e i n V e r d i e n s t um d i e neue Musik i s t
(65 Z e i l e n , 2 B i l d e r )

unvergessen

KURZ BERICHTET

ANHANG
KENNEDY RUFT DAS AMERIKANISCHE VOLK ZU GRÖSSEREN ANSTRENGUNGEN AUF

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XIY. J a h r g a n g . N r . 2 5

9 . J u n i 1961
INHALTSVERZEICHNIS

AUS DER MEDIZINISCHEN FORSCHUNG
ELEKTROKARDIOGRAMM PER TELEPHON
(11 Z e i l e n )

Seite

1

MEDIKAMENT ZUR ANWENDUNO BEI QUETSCHUNGEN
(10 Z e i l e n )

Seite

1

JOD UND KREBS
(12 Z e i l e n )

Seite

2

JOD-125 IN MASSENPRODUKTION
(12 Z e i l e n )

Seite

2

BLUTAUFBAU UND SCHIZOPHRENIE
(10 Z e i l e n )

Seite

3

STRAHLENWIRKUNG AUF KREBSGESCHWÜLSTE ANALYSIERT
(33 Z e i l e n )

Seite

3

DAS PORTRAT

HARRIET BEECHER-STOY/E
Streiterin für die Gleichberechtigung
der Rassen - Zur 150. Wiederkehr des
Geburtstags der Verfasserin von "Onkel
Toms Hütte" am 14. Juni 1961
(150 Zeilen, 1 Bild)

Seite

KULTURNACHRICHTEN AUS DEN USA
FERNSEHEN FÜR KINDER
(10 Z e i l e n )

Seite

10

ERSTE ROLLE DES LINCOLN CENTER
(8 Z e i l e n )

Seite

10

EHRENDOKTOR FÜR LE CORBUSIER
(8 Z e i l e n )

Seite

1 1

"BERGPREDIGT" IN USA
(12 Z e i l e n )

Seite

11

URAUFFÜHRUNGEN IN NEW YORK
(6 Z e i l e n )

Seite

12

US-WANDERAUSSTELLUNG KOMMT NACH EUROPA
(12 Z e i l e n )

Seite

12

USA IN WIEN VERTRETEN
(16 Z e i l e n )

Seite

13

ANHANG

PRÄSIDENT KENNEDY BERICHTET iREli

E EUROPA REISE

�A M KK I KA D I E N S T
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1 6 . Juni 1961

XIV. J a h r s r a n e . N r . 24
INHALTSVERZEICHNIS
DIE WOCHE IN DEN USA
EIN WENIG LOHNENDES REVIER
Der O b e r s t e B u n d e s g e r i c h t s h o f d e r USA f o r d e r t
R e g i s t r i e r p f l i c h t f ü r die kommunistische P a r t e i
a l s s u b v e r s i v e Gruppe
Von J o h n K e r i g a n
(74 Z e i l e n )

Seite

1

Seite

4

Seite

7

HArDN-MANUSKRIPT ENTDECKT
(12 Z e i l e n )

Seite

9

EUROPA IM US-FERNSEHEN
(12 Z e i l e n )

Seite

10

STRAWINSKY DIRIGIERT IN WARSCHAU
(11 Z e i l e n )

Seite

10

SONDERBRIEFMARKE ZU EHREN EINES KAMPFERS, DER
GAR NICHT KÄMPFEN WOLLTE
(12 Z e i l e n )

Seite

11

DIE WELT DER FRAU
GEMEINSAME LÖSUNG GEMEINSAMER AUFGABE
Zur E r n e n n u n g von E s t h e r P e t e r s o n , de r neuen
L e i t e r i n d e s Amtes f ü r F r a u e n f r a g e n i m usArbeitsministerium
(68 Z e i l e n , 1 B i l d )
VON KUNST UND KUNSTLERN
SCHNAPPSCHÜSSE VOM 3 . DOKUMEUTARFILMFESTIVAL
IN NEW YORK
Von L i n d a K e n t '
(72 Z e i l e n )
KULTURNACHRICHTEN AUS DEN USA

* * * * *

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XIV. Jahrgang. Nr. 25

2J . Juni 1961
INHALTSVERZEICHNIS

MEILENSTEINE
LEBEN. FREIHEIT UND DAS STREBEN NACH GLÜCK
Erinnerungen an den 4« Juli 1776
(86 Zeilen, 2 Bilder)

Seite 1

HOCHSCHULWESEN
EINE NEUE FAKULTÄT: DIE BIOMEDIZINISCHE TECHNIK
Von Lynn Poole, Johns-Hopkins-Universität, Baltimore
(56 Zeilen)

Seite

4

VON KUNST UND KUNSTLERN
KONZERTSOMMSR UNTER KALIFORNISCHEM HIMMEL
Musikpflege in den amerikanischen Weststaaten
Von Linda Kent
(74 Zeilen)
KULTURNACHRICHTEN AUS DEN USA
BERÜHMTE KÖPFE
Ausstellung im Time and Life Building in New York
(13 Zeilen)

Seite 6

Seite

9

INTERNATIONALE BUCHMESSE IN WASHINGTON
(10 Zeilen)

Seite

9

PASTERNAK IM US-FERNSEHEN
(10 Zeilen)

Seite 10

DIE STAATSMÄNNER DER "ADAMS FAMILY"
(12 Zeilen)

Seite 10

ANHANG
USA BEANTWORTEN SOWJETISCHES MEMORANDUM ZU DEN
GENFER ATOMVERHANDLUNGEN

W o r t l a u t d e r am 17» J u n i 1961 i n Moskau ü b e r r e i c h t e n
US-Note
PRÄSIDENT KENNEDY UND SEINE REGIERUNG ( B r o s c h ü r e )
*

*

*

•

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XIV. Jahrgang. Nr. 26

30. Juni 1961
INHALTSVERZEICHNIS

LEBEN IN DEN USA
WORÜBER HAN NUR SELTEN SPRICHT
Von John Constable, Leiter des Informationsbüros des
Southern Regional Council, einer Organisation zur
Verbesserung der Rassenbeziehungen in den amerikanischen Südstaaten
(130 Zeilen)

Seite

1

Seite

6

Seite

10

Seite

14

PHILATELIE
EINE SCHMERZLICHE OPERATION ZUR ERHALTUNG DES GANZEN
US-Postministerium gibt erste Marke einer Fünferserie
zur Erinnerung an den Beginn des Bürgerkrieges im
Jahre 1861 heraus
(92 Zeilen, 1 Bild)
REISELAND USA
ORANGENBLÜTEN. LAVENDEL UND VIEL HISTORIE (i)
St. Augustine in Florida, die älteste EuropäerB1edlung der USA
Von Jane Textor
(92 Zeilen, 2 Bilder)
GEDENKTAGE IM JULI 1961
* * * * *

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XIV. Jahrgang. Nr. 27

7. Juli 1961
INHALTSVERZEICHNIS

IN MEMORIAM
LEE DE FOREST:
Ein Leben für den Fortschritt in der
Radio- und Tontechnik
Am 30. Juni 1961 starb im Alter von 87 Jahren in
einem Hollywooder Krankenhaus der "Vater des
Radios"
(125 Zeilen, 1 Bild)
VON KUNST UND KÜNSTLERN
KONTROVERSEN UM EIN DENKMAL
574 amerikanische Künstler und Architekten
beteiligten sich am Franklin-Delano-RooseveltMemorial-Wettbewerb
Von Norman Smith
(68 Zeilen, 1 Bild)
HIER SPRICHT DER "KÖNIG DES SWING":
BENNY GOODMAN
(75 Zeilen, 1 Bild)

Seite 1

Seite 6

Seite

9

VOLKERRECHT
EIN V/ELTGESETZ FÜR DEN FRIEDEN
Westliche Hemisphäre übernimmt Führung
in der Bewegung "Durch Gesetz zum Frieden"
(6j Zeilen)

Seite

13

KURZ BERICHTET
THEATRE GUILD AMERICAN REPERTORY COMPANY
IST HEIMGEKEHRT
(11 Zeilen)

Seite

12

Seite

15

MARSHALLPLAN DER ERZIEHUNG
(12 Zeilen)

* * *• * *

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14. Juli 1961

XIV. Jahrgang. Nr. 28
INHALTSVERZEICHNIS
DIE WISSENSCHAFT NOTIERT
WARTUNGSFREIE STROMQUELLEN
Atombatterien für automatische
Meßstationen
(60 Zeilen)

Seite 1

MIKROTRANSISTOREN
(10 Zeilen)

Seite

3

SAPHIRE GEGEN WÄRME UND WELTRAUMSTRAHLUNG
(11 Zeilen)

Seite

3

Seite

4

Seite

6

Seite

7

VON KUNST UND KÜNSTLERN
WIRD DAS KINO UNMODERN?
Museen, Büchereien und Film Societies
pflegen den guten Film
Von Linda Kent
(68 Zeilen)
HUNDERT JAHRE EUROPÄISCHE MODERNE
Ausstellung des Rose Art Museum in
Waltham, Massachusetts
(8 Zeilen)
DAS THEATERSTÜCK DER WOCHE
Eine Fernsehreihe mit Format und Niveau
Von Norman Smith
(66 Zeilen)

ANHANG
DIE ROLLE DER PRESSE IN OST UND WEST
Aus der New Yorker Fernsehdebatte vom 24. Juni 1961 zwischen
sowjetischen und amerikanischen Journalisten
(128 Zeilen)
DEAN RUSK MACHT SOWJETS FLR WELTKRISE VERANTWORTLICH
Wortlaut der Ansprache des amerikanischen Außenministers
Dean Rusk vom 10. Juli 1961 vor dem Nationalen Presseklub
in Washington sowie der anschließenden Fragen und Antworten
zu Berlin.
* * * * *

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300 •

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6 0 1 32 10

XIV. J a h r g a n g . N r . 29

21 . J u l i

1961

INHALTSVERZEICHNIS
POLITIK
DIE
Von
der
(62

PERMANENTE REVOLUTION AMERIKAS
Foy D . K o h l e r , U n t e r s t a a t s s e k r e t ä r und L e i t e r
E u r o p a - A b t e i l u n g im U S - A u ß e n m i n i s t e r i u m
Zeilen)

KENNEDY BEGRÜSSTE 1800 AUSTAUSCHSCHÜLER AUS
51 LÄNDERN IM WEISSEN HAUS
(11 Z e i l e n )

Seite

1

Seite

3

DAS PORTRÄT

LOUISE SHEPARD; EINE ÜBERGLÜCKLICHE FRAU
Eine Reportage von Evelyn Radcliffe
(Nach "The Christian Science Monitor")
(78 Zeilen, 1 Bild)
Seite
FRAJENÜBERSCHUSS IN DEN USA WACHST
(12 Zeilen)
Seite
ATOM UND TECHNIK
TRANSPORTABLE ATOMKRAFTSTATION FÜR UNTERWASSERBETRIEB
(15 Zeilen, 1 Bild)
Seite
NOMAD I - AUTOMATISCHE WETTERSTATION IM GOLg VON MEXIKO
(26 Zeilen)
" Seite
METALLVERSCHWEISSUNG DURCH REIBUNGSHITZE
(9 Zeilen)
Seite
TRAGBARES MAGNETGERAT FÜR RISSUNTERSUCHUNGEN
(11 Zeilen)
Seite
TRAGFLÄCHEN AUS NYLON (12 Zeilen)
Seite
NYLONSCHIFF FÜR OZEANOGRAPHISCKE EXPEDITIONEN
(9 Zeilen)
Seite
NEUE METHODE. ZUR HERSTELLUNG KÜNSTLICHER DIAMANTEN
(9 Zeilen)
Seite
GERÄT ZUR MESSUNG VOM WELLENHÖHEN
(9 Zeilen)
Seite

4
7

8
9
10
10
11
11
12
12

ANHANG
USA PRÄZISIEREN STANDPUNKT IN DER BERLIN- UND DEUTSCHLANDFRAGE
W o r t l a u t d e r a m e r i k a n i s c h e n A n t w o r t n o t e vom 17« J u l i 19^1
auf d a s s o w j e t i s c h e A i d e - m e m o i r e vom 4« J u n i 1961
* * *

* *

�AM E R I K A

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1.1, i..,, ii ,,| Godeoher« &lt;&gt;oi:{&gt; I«

28. Juli 1961.

XIV. J a h r g a n g , N r . 50,
INHALTSVERZEICHNIS
POLITIK

KENNEDYS LITERARISCHE BERATER
Von John Morton Blum, Professor für Geschichte
an der Yale-Universität (125 Zeilen)

Seite 1

AUS DER MEDIZINISCHEN FORSCHUNG
NEUES NARKOSEMITTEL (18 Zeilen)
ULTRAVIOLETTLICHT GEGEN STAPHYLOKOKKEN (10 Zeilen)
DIÄT GEGEN SCHWERE STÖRUNG DES EIVVEISSSTOFFWECHSELS (19 Zeilen)
NEUE ERGEBNISSE IN DER ERFORSCHUNG UND
BEHANDLUNG DER KORONARSKLEROSE (28 Zeilen)
HORMONE GEGEN ANÄMIE (11 Zeilen)
NEUES AUS DER LEUKÄMIEFORSCHUNG (12 Zeilen)
KOHLENDIOXYD LOCKT MOSKITOS AN (7 Zeilen)
BIOTECHNIK
SCHALLORIENTIERUNG DES DELPHINS
SONAR-Spezialisten gehen bei intelligenten
Meerestieren in die Lehre (98 Zeilen)

Seite
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6
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7

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Seite 11

KULTURNACHRICHTEN AUS DEN USA
Sechs Meldungen aus dem Reich der Künste
(63 Zeilen)

Seite 15

LISTE DER GEDENKTAGE IM AUGUST-SEPTEMBER 1 961

Seite 18

ANHANG
PRÄSIDENT KENNEDY UNTERSTREICHT FESTE HALTUNG DER USA
IN DER BERLIN-FRAGE
Wortlaut der Rundfunk- und Fernsehansprache des amerikanischen
Präsidenten John F. Kennedy vom 25. Juli 1961
WIR MACHEN ALLE UNSERE BEZIEHER DARAUF AUFMERKSAM.
DASS DIE NÄCHSTE AUSGABE UNSERES DIENSTES "ALLGEMEINES"
ERST WIEDER AM.1. SEPTEMBER ERSCHEINT.

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XIY. Jahrgang. Nr. 51

1 . September 1961
INHALTSVERZEICHNIS

RAUMFLUG
EXPLORER XII - EIFRIGER REPORTER IM WELTRAUM
(37 Zeilen)
METEOROLOGIE AUS DER WELTRAUMPERSPEKTIVE
(26 Zeilen)
BIOLOGISCHE WELTRAUMVERSUCHE MIT KUNSTSTOFFPUPPEN
(8 Zeilen)
UNTERSUCHUNG DER HÖHENSTRAHLUNG DURCH SKYH00KBALLONE FORTGESETZT
(6 Zeilen)
FALLSCHIRM AUS STAHLGEWEBE
(9 Zeilen)
ARCHITEKTUR
SPANNBETON UND SCHICHTSTOFFE BESTIMMEN DIE
MODERNE ARCHITEKTUR

Seite

1

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2

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3

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4

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4

Vorgefertigte Teile immer stärker gefragt

Seite

(98 Zeilen, 1 Bild)
TECHNIK
EIN SCHIFF FÄHRT WASSERSKI
Vor dem Sta p e l l a u f des a m e r i k a n i s c h e n
b o o t e s DENISON
(62 Zeilfeh, 1 B i l d )

Tragflügel-

Seite

KULTURNACHRICHTEN AUS DEN USA
(63 Z e i l e n )
SHAKESPEARE-EXPERTEN AUSGEZEICHNET
STIPENDIUM FÜR BONNER FULBRIGHT-STUDENT

Seite
Seite

12
12

REGE OPERNTÄTIGKEIT IN SANTA FE

Seite

13

MACPOWELL-MEDAILLE FÜR AARON COPLAND

Seite

13

AMERIKANISCHE AUSGRABUNGEN IN APHRODISIAS

Seite

14

LOUIS ÜNTERMEYER, NEUER BERATER FÜR DICHTKUNST
DER KONGRESSBIBLIOTHEK

Seite

14

ANHANG
1961"
"BERLIN
Berlin-Broschüre des amerikanischen Außenministeriums,
veröffentlicht am 25. August 1961
* * * * *

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XIV. Jahrgang. Nr. 52

8. September 1961

INHALTSVERZEICHNIS
DIE WISSENSCHAFT NOTIERT
MASSENNAHRUNG AUS PILZEN
(50 Zeilen)

Seite

AMERIKAS LANDWIRTSCHAFT IM ATOMZEITALTER
(70 Zeilen, 1 Bild)
LEBEN IN DEN USA
EIN SOMMER IN CHAUTAUQUA
Geistige und seelische Erneuerung für
jährlich 50 000 Amerikaner (60 Zeilen)
ÜBER 55 000 AUSLANDSSTUDENTEN IN DEN USA
(13 Zeilen)
VON KUNST UND KUNSTLERN
DER DICHTER UND DER PRÄSIDENT
Von Stewart L. Udall
(150 Zeilen)

Seite

Seite
Seite

Seite

KULTURNACHRICHTEN AUS DEN USA
FEUCHTWANGERS "SIMONE" VON BEN HECHT DRAMATISIERT
(10 Zeilen)
" Seite
DIE KUNST IM ITALIEN DER NACHKRIEGSZEIT
(6 Zeilen)
Seite
HAL H0LBR00K SPRICHT WITTLINGER
(10 Zeilen)
Seite
ANHANG
VERTRAG ZUR EINSTELLUNG DER KERNWAFFENVERSUCHE
E I N

TOR

ZUM

F R I E D E N

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14
14
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XIV. J a h r g a n g . N r . 35

1 5 . September

1961

INHA LTSVERZEICHNIS
MEDIZIN
JEDE STRAHLENDOSIS BEDEUTET GEFAHR
Neue A t o m t e s t s i n d e r Atmosphäre e i n R i s i k o
f ü r d i e g e s a m t e M e n s c h h e i t (98 Z e i l e n )

Seite

USA ENTWICKELN VERFAHREN ZUR ENTFERNUNG VON
STRONTIUM-90 AUS DER MILCH
(8 Z e i l e n )

Seite

4

Seite

5

NEUE MEDIZINISCHE GERÄTE AUS DEN USA
(37 Zeilen)
LYMPHOZYTEN VERHINDERN EINHEILEN VON
ORGANTRANSPLANTATEN
(9 Zeilen)

Seite

WELTPOLITIK
EIN GESETZ ZUR BEKÄMPFUNG VON KORRUPTION UND
GUNSTLINGSWIRTSCHAFT IN DER UdSSR
Von Douglas Prince
(98 Zeilen)

Seite

7

LEBEN IN DEN USA
ZURÜCK ZUM LATEIN!
Amerika will wieder Latein lernen
Von Lynn Poole (68 Zeilen)

Seite

11

Seite

14

FUNK UND FERNSEHEN
ERZIEHUNG DURCH DAS FERNSEHEN
und weitere vier Kurznachrichten
(64 Zeilen)
ANHANG
S A T E L L I T E N
UND
R A U M S O N D E N
4 J a h r e E x p e r i m e n t e im Weltraum - USA s t a r t e t e n
ü b e r 50 S a t e l l i t e n
WESTMÄCHTE WARNEN MOSKAU ERNEUT VOR BEHINDERUNG
DES LUFTVERKEHRS NACH BERLIN
W o r t l a u t d e r Note d e r a m e r i k a n i s c h e n R e g i e r u n g
vom 8 . S e p t e m b e r 1961
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XIV. Jahrgang. Nr. 54

Allgemeines
22. September 1 961

INHALTSVERZEICHNIS

ATOM UND TECHNIK
NEUES ELEMENTARTEILCHEN ENTDECKT
(62 Zeilen)
TRANSPLUTONIUM-ELEMENTE FÜR EUROPÄISCHE INSTITUTE
Produktion schwierig und mühsam
(43 Zeilen)
BILLIGER ATOMSTROM IN WENIGEN JAHREN
(22 Zeilen)
MINERAL-HAARKRISTALLE ERHÖHEN METALLFESTIGKEIT
(23 Zeilen)
GLÜHFADEN AUS TANTALKARBID
(8 Zeilen)
SYNTHETISCHE GUMMISORTEN VERBESSERT
(16 Zeilen)
LEBEN IN DEN USA
EIN ROOSEVELT-MUSEUM
Das Kleine Weiße Haus in Warm Springs, Georgia
(115 Zeilen)
DIE VIER FREIHEITEN
(15 Zeilen)
DAS BUCH IN DEN USA
KINDER- UND BILDERBÜCHER IN AMERIKA
Ein Buchladen an der Fifth Avenue
(140 Zeilen)
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13

ANHANG
US-UNTERSTAATSSEKRETÄR; TESTFALL BERLIN
Wortlaut der Rede des Unterstaatssekretärs im amerikanischen
Verteidigungsministerium Paul H. Nitze vom 7. September 196I

*

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29. September

XIV. Jahrgang. Nr« 55

1961

INHALTSVERZEICHNIS

IN MEMORIAM
ALS ER STARB. GING DAS LICHT AUS
Zum 30« Todestag Thomas Edisons
Von Eunice Towle
(120 Zeilen, 2 Bilder)

Seite

POLITIK
US-REGIERUNG KÄMPFT FÜR DAS ENDE DER
DISKRIMINIERUNG
'
Präsidialausschuß zur Sicherung gleicher
Beschäftigungsbedingungen
(82 Zeilen)
FERNSEHEN
FERNSEHSCHULFUNK VOM FLUGZEUG AUS
Ein Großexperiment im Mittelwesten der USA
(67 Zeilen)

Seite

Seite

DIE WISSENSCHAFT NOTIERT
HURRIKAN-WÄCHTER IM GROSSEINSATZ
Kontrolle t r o p i s c h e r Wirbelstürme a l s
wissenschaftliches Ziel
(110 Z e i l e n , 1 B i l d )
LISTE DER GEDENKTAGE IM OKTOBER 1961

Seite

12

Seite

16

ANHANG
PRÄSIDENT KENNEDY SPRICHT ZUR UN-VOLLVERSAMMLUNG
W o r t l a u t d e r Rede d e s U S - P r ä s i d e n t e n vom 2 5 . S e p t e m b e r 1961
FREIHEIT VON KRIEG - Das Programm d e r V e r e i n i g t e n S t a a t e n f ü r
a l l g e m e i n e und v o l l s t ä n d i g e A b r ü s t u n g i n e i n e r f r i e d l i c h e n Welt
Eine B r o s c h ü r e d e s U S - A u ß e n m i n i s t e r i u m s
D i e s e r A b r ü s t u n g s v o r s c h l a g wurde am 2 5 . S e p t e m b e r 1961 im
A n s c h l u ß an d i e Rede P r ä s i d e n t Kennedys vom C h e f d e l e g i e r t e n
d e r USA b e i d e n V e r e i n t e n N a t i o n e n , A d l a i E . S t e v e n s o n , dier
1 6 . UN-Vo11Versammlung z u r B e r a t u n g v o r g e l e g t .
* * * *

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XIV. Jahrgang. Nr. 36

6. Oktober 1961
INHALTSVERZEICHNIS

KERNWAFFENVERSUCHE
THEORIE UND PRAXIS
Wiederaufnahme der Atomtests in der
Atmosphäre in der Sicht von Wissenschaftlern aus West und Ost
(85 Zeilen)

Seite

1

Seite

4

Seite

7

PLASMAMOTOR FÜR WELTRAUMREISEN
(13 Z e i l e n )

Seite

11

AUTOMATISCHES LANDESYSTEM FbR RAUMSCHIFFE
(8 Z e i l e n )

Seite

11

RAUMGLEITER DYNA-SOAR LANDET AUF DRAHTBÜRSTEN
(8 Z e i l e n )

Seite

12

MESSGERÄT FÜR HÖCHSTVAKUUM
(5 Z e i l e n )

Seite

12

GRÖSSTE FESTSTOFFRAKETE IM STANDVERSUCH ERPROBT
(8 Z e i l e n )

Seite

13

GASSCHMIERUNG ERMÖGLICHT HÖHERE ARBEITSTEMPERATUREN
(7 Z e i l e n )

Seite

13

DIAMANTEN ALS HALBLEITER
(11 Z e i l e n )

Seite

13

NEUE BEOBACHTUNGSKAMERA FÜR FLUGKÖRPER
(7 Z e i l e n )

Seite

14

LEBEN IN DEN USA
DIE
Aus
der
(78

USA STATISTISCH GESEHEN
der Arbeit des Statistischen Bundesamtes
Vereinigten Staaten
Zeilen, 1 Bild)

DAS BUCH
IMMER DAS GLEICHE LIED
- FURCHT UND BEVORMUNDUNG SIND DIE BEGLEITERSCHEINUNGEN KOMMUNISTISCHER REGIME (110 Z e i l e n )
DIE AMERIKANISCHE RAUMFAHRTINDUSTRIE MELDET;

* * * *

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Nr.57

Allgemeines
13 . Oktober 1961

INHALTSVERZEICHNIS

AUS DER MEDIZINISCHEN FORSCHUNG
SAUERSTOFF ERHÖHT STRAHLENEMPFINDLICHKEIT
VON TUMOREN
(23 Zeilen)

Seite

1

NEUE TESTVERFAHREN
(46 Zeilen)

Seite

2

VITAMIN B6 GEGEN ZAHNSCHXDIGUNGEN BEI
SCHWANGERSCHAFT
(6 Zeilen)

Seite

3

MILCH GEGEN OSTEOPOROSE
(13 Zeilen)

Seite

4

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4

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5

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8

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8

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9

Seite

10

SPEZIALTHERMOMETER MISST UNTERSCHIEDE VON
1 MILLIONSTEL GRAD
(18 Zeilen)
VOM BÜCHERMARKT
BUCHERKÄUFE WIE NOCH NIE
Von John Kerigan
(68 Zeilen)
KULTURNACHRICHTEN AUS DEN USA
INTERNATIONALES JAZZFESTIVAL 1962
(9 Zeilen)
FÖRDERUNG DER ALLGEMEINBILDUNG AN US-COLLEGES
(15 Zeilen)
ANTIABSTRAKTER AVANTGARDIST AUF DER BIENNALE
VON SAO PAULO AUSGEZEICHNET
(12 Zeilen)
ROBERT VON RANKE GRAVES ALS OPERNLIBRETTIST
(11 Zeilen)
IN MEMORIAM
KUNST GEHT NICHT NACH BROT
Max Weber, Nestor der amerikanischen Moderne,
gestorben
(90 Zeilen, 2 Bilder)
* * * * *

Seite 11

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XIV. J a h r s a n g . N r . 58

20. Oktober 1 961
INHALTSVERZEICHNIS

OZEANOGRAPHIE
SALZDOME IM GOLF VON MEXIKO
(13 Zeilen)

Seite

t

VERTIKALE STRÖMUNGEN IM PAZIFIK ENTDECKT
(27 Zeilen)

Seite

ALUMINAUT - TAUCHBOOT FÜR OZEANOGRAPHISCHE
FORSCHUNGEN
(24 Zeilen)

Seite

BIOLOGISCHE WÜSTE IM PAZIFIK
(20 Zeilen)

Seite

MOHOLE-PROJEKT IM DIENSTE DER
BIOLOGISCHEN VORZEITFORSCHUNG
(10 Zeilen)

Seite

HELLFARBIGE TRIFTKÖRPER MARKIEREN
STRÖMUNGSVERLAUF
(13 Zeilen)

Seite

4

FARBPHOTOS FÜR DIE SCHIFFAHRT
(12 Zeilen)

Seite

5

ENTWICKLUNGSHILFE
ERZIEHUNG ALS SCHLÜSSEL ZUM FORTSCHRITT
Die Bedeutung des Ausbaus der Erziehungssysteme
in Entwicklungsländern
Von Philip H. Coombs, Unterstaatssekretär für
Erziehung und Kultur im US-Außenministerium
(84 Zeilen)

Seite

6

VON KUNST UND KÜNSTLERN
MUSICA NOVA IN USA
Von Norman Smith
(120 Zeilen)

Seite

9

* * * * *

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Allgemeines
27. Oktober 1961

XIV. J a h r g a n g . N r . 5 9

INHALTSVERZEICHNIS

ATOM UND TECHNIK
PULSREAKTOR FÜR DIE TECHNISCHE FORSCHUNG
(40 Zeilen, 1 Bild)

Seite

1

NEUES MAMMyTGERÄT ZUR UNTERSUCHUNG ATOMARER
FEINSTRUKTUREN
(40 Zeilen)

Seite

2

NEUES AUS DER FORSCHUNG MIT SCHALLWELLEN
(24 Z e i l e n )

Seite

4

Seite

5

VON KUNST UND KUNSTLERN
OTTO PREMINGER DREHT IN WASHINGTON
Von Linda Kent
(72 Zeilen)

Seite

8

GEDENKTAGE IM NOVEMBER 1961

Seite

11

POLITIK
DIE V/ELT VON DER FURCHT VOR DEM
KRIEGE BEFREIEN
USA e r r i c h t e t e n e i g e n e A b r ü s t u n g s b e h ö r d e
(78 Z e i l e n , 1 B i l d )

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XIV. J a h r g a n g . N r . 40

Allgemeines
5. November 1961

INHALTSVERZEICHNIS
DIE WISSENSCHAFT NOTIERT
RELIEFMODELL VOM NÖRDLINGER RIES
Vergleichsobjekt für Mondkrater-Untersuchungen
(40 Zeilen)

Seite

1

PROJEKT GNOME
Unterirdische Kernexplosion für friedliche Zwecke
(42 Zeilen)

Seite

2

IS0T0PENGERAT ZUR KONTINUIERLICHEN MESSUNG
DER LUFTVERSCHMUTZUNG
(12 Zeilen)

Seite

4

ABWEHR VON INTERKONTINENTALRAKETEN
(9 Zeilen, 1 Bild).

Seite

4

Seite

5

DIE ERDE HAT EINEN UNSICHTBAREN "LICHTMANTEL"
(10 Zeilen)
GESCHICHTE
NOSTRADAMUS DER POLITIK
Tocquevilles Prognosen vor 130 Jahren
Von Lynn Poole. (68 Zeilen)
USA SCHLAGEN GRÜNDUNG EINER "WORLD FOOD BANK" VOR
(14 Zeilen)

Seite
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6
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SPRACHENTWICKLUNG
DIE SPRACHE LEBT
Der "Große Webster": Amerikas Duden
Von John Kerigan (52 Zeilen)

Seite

9

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11

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11

KULTURNACHRICHTEN AUS DEN USA
DIE 77. SPIELZEIT DER "MET" BEGANN
(16 Zeilen)
KRESS FOUNDATION BEDENKT NEGERUNIVERSITÄT
(13 Zeilen)
VIRTUOSEN UNTERRICHTEN AN DER MUSIKHOCHSCHULE
DER SOUTHERN UNIVERSITY OF CALIFORNIA
(6 Zeilen)
FORD-STIFTUNG FÖRDERT BILDENDE KUNST
(22 Zeilen)

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XIV. Jahrgang. Nr. 41

Allgemeines
10. November 1961

INHALTSVERZEICHNIS

FORSCHUNG
TODESSTAUB
Schutzmaßnahmen gegen radioaktiven Ausfall
auch in Friedenszeiten unerläßlich
(120 Zeilen, 1 Schaubild)

Seite

1

FUNKENKAMMER ZUR UNTERSUCHUNG DER
FEINSTRUKTUR DES ATOMKERNS
(32 Zeilen)

Seite

6

Seite

7

Seite

11

RASSENINTEGRATION
ATLANTA, HAUPTSTADT DES TIEFEN SÜDENS:
Ein Musterbeispiel für die Überwindung
des Rassenkomplexes
(112 Zeilen)
POLITIK
GRENZEN, WIE SIE SEIN SOLLTEN
(47 Zeilen, 3 Bilder)

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XIV. Jahrgang. Nr. 42

17. November 1961
INHALTSVERZEICHNIS

MEILENSTEINE
DAS FEST DES DANKES UND DER GASTFREUNDSCHAFT
Am 23. November feiern die USA ihren Erntedanktag
(40 Zeilen, 2 Bilder)

Seite

DAS PORTRAT
DR. ROBERT B. WOODWARD
Einer der großen Architekten der Chemie
(74 Zeilen, 1 Bild)

Seite

GESUNDHEITSWESEN
BEKÄMPFUNG PSYCHISCHER FEHLENTWICKLUNGEN
Nationales Programm in den USA
(74 Zeilen)

Seite

WELTPOLITIK
FÜNF JAHRE DANACH ( i )
DIE REGIERUNGSPARTEI IN UNGARN
Von P a u l Landy
(120 Z e i l e n )

KULTURNACHRICHTEN AUS DEN USA
LE C0RBUSJ.ER BAUT KUNSTAKADEMIE FÜR DIE HARVARD
(9 Zeilen)
CHAGALL-AUSSTELLUNG IM MUSEUM 0F MODERN ART
(9 Zeilen)
KONKURRENTEN WERDEN PARTNER
(11 Zeilen)
NEGERDRAMATIKER EROBERN DEN BROADWAY
(11 Zeilen)
EIN THEATER FÜR WASHINGTON
(9 Zeilen)
BÜHNENEINWEIHUNG IM WEISSEN 'HAUS
(13 Zeilen)
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XIV. Jahrgang. Nr. 45

Allgemeines

24. November 196t
INHALTSVERZEICHNIS

LEBEN IN
VOM
Der
(62

DEN USA
DRUG STORE ZUM WARENHAUS
Drug Store, ein Requisit von gestern?
Zeilen, 2 Bilder)

Seite 1

AUS DER MEDIZINISCHEN FORSCHUNG
MASERNVAKZIN FÜR MASSENIMPFUNGEN
(70 Zeilen)
NEUES PROBLEM IN DER TUBERKULOSEBEKÄMPFUNG
(52 Zeilen)
TB-BEKÄMPFUNGSMITTEL ISONIAZID AUCH ZUR
VORBEUGUNG WIRKSAM
(11 Zeilen)
NEUE FORSCHUNGSERGEBNISSE ZUR AUSBREITUNG VON KREBS
(10 Zeilen)

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Seite

8

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9

EASTMAN SCHOOL OF MUSIC-•KONZERTE IN NEW YORK
UND IN ÜBERSEE
(10 Zeilen)
CHAYEFSKYS "GIDEON" IST D E R BROADWAYERFOLG
DER SAISON

Seite

13

(7

Seite

13

DREI SÄNGER BESTREITEN ZWÖLF ROLLEN
(10 Z e i l e n )

Seite

14

JULIUS BISSIER IN NEW YORK
(8 Z e i l e n )

S e i t e 14

WELTPOLITIK
FÜNF JAHRE DANACH (II und Schluß)
KADAR, DIE ERNÄHRUNGSKRISE UND DIE
UNGARISCHEN BAUERN
Von Eaul Landy
(100 Zeilen)
KULTURNACHRICHTEN AUS DEN USA

Zeilen)

KONGRESSBIBLIOTHEK ERWIRBT PAGANINI-HANDSCHRIFTEN
(4 Z e i l e n )
KINDERBÜCHER IN U T E I N I SCHER SPRACHE ( 8 Z e i l e n )

Seite 14
Seite 15
Seite 16

GEDENKTAGE IM DEZEMBER 1961
* * * * *

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XIV. Jahrgang. Nr. 44

Allgemeines

1 . Dezember 1961
INHALTSVERZEICHNIS

WEIHNACKTEN IN USA
WEIHNACHTEN IN AMERIKA HAT VIELE GESICHTER
(58 Zeilen)

Seite 1

"PUTZ" HEISST KRIPPE
Weihnachten im amerikanischen Bethlehem
(64 Zeilen)

Seite

3

PIONIERWEIHNACHT AUF HISTORISCHEM BODEN
Weihnachten in Williamsburg (Virginia)
(64 Zeilen)

Seite

5

NEW YORK IST AM SCHÖNSTEN ZUR WEIHNACHTSZEIT
(45 Zeilen)

Seite

7

WEIHNACHTSMUSIKEN IN USA
Von Norman Smith
(65 Zeilen)

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AMERIKANISCHE WEIHNACHT IM BILD
(8 Photos, 43 Zeilen Text)

Seite 12

ANMERKUNG DER REDAKTION:
Weiteres Weihnachts-Feature- und Photomaterial aus älteren AD-Ausgaben kann über unsere Zweigbüros in Berlin, Bremen, Düsseldorf,
Frankfurt, Hamburg, München, Nürnberg, Regensburg und Stuttgart
angefordert werden.

* * * * *

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XIV. J a h r g a n g , N r . 45

Allgemeines

8 . Dezember 1961
INHALTSVERZEICHNIS

ATOM UND TECHNIK
AUF DEM WEG ZUR KERNCHEMISCHEN RAKETE (26 Zeilen)
STRSHLENTESTS FÜR KERNREAKTOREN (23 Zeilen)
ZWEITER REAKTOR FÜR DIE ANTARKTIS BESTELLT
(11 Zeilen)
MASSNAHMEN^GEGEN DIE VERSCHMUTZUNG DES WASSERS...
(30 Zeilen)
UND DER LUFT (14 Zeilen)

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IONENMOTOR FÜR RAUMRAKETE (13 Zeilen, 1 Bild)
DIE WELT DER FRAU
ECHTE PARTNERSCHAFT
Der soziale Wandel in den USA während der letzten
60 Jahre und sein Einfluß auf die soziale und wirtschaftliche Stellung der amerikanischen Frau
(90 Zeilen)
Seite
VON KUNST UND KÜNSTLERN
DER MALER DES WILDEN WESTENS
Über 4000 Bilder und 13 Bücher umfaßt das
Gesamtwerk Frederic Remingtons (56 Zeilen,2 Bilder) Seite

6

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KULTURNACHRICHTEN AUS DEN USA
ZWEI BUCHER ÜBER CARL SANDBURG (16 Zeilen)
Seite
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AUSSTELLUNGEN AMERIKANISCHER KUNST (15 Zeilen)
Seite
14
GOLDMEDAILLE FÜR RICHARD RODGERS (9 Zeilen)
Seite
14
FÜNFTAUSEND DOLLAR FÜR EINEN DICHTER (12 Zeilen)
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15
INTERNATIONALE FILMFESTSPIELE SAN FRANCISCO
(14 Zeilen)
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15
ANHANG
WORTLAUT DES KENNEDY-ADSCHUBEJ-INTERVIEWS
Die deutsche Übersetzung des vom Weißen Haus veröffentlichten
Stenogramms eines Interviews, das Präsident Kennedy am 25. Nov.
1961 dem Chefredakteur des sowjetischen Regierungsblattes
"Istwestija" gewährt hat.
ACHTUNG REDAKTIONEN:
Mit gleicher Post übersenden wir Ihnen die Broschüre
"ERZIEHUNG IN USA", das dritte Heft unserer Broschürenreihe.

* * * * *

�GerneinSchaftsausgabe
ALLGEMEINES/WIRTSCHAFT UND ARBEIT
X I I I . / X I V . J a h r g a n g . N r . 46

1 5 . Dezember

1961

INHALTSVERZEICHNIS
POLITIK
FRIEDEN UND FREIHEIT SIND NACH WIE VOR DIE ZIELE
DER AMERIKANISCHEN AUSSENPOLITIK
(140 Zeilen)

Seite

1

DIE NATO IM JAHRE 1961
Stärkere Einigkeit durch vermehrte Konsultationen
(78 Zeilen)

Seite

6

DIE ENTWICKLUNG DER AMERIKANISCHEN WIRTSCHAFT IM JAHRE 1961
(75 Zeilen)
Seite

9

WIRTSCHAFT

NEUE TECHNISCHE ENTWICKLUNGEN UND BEDEUTENDE
ERFINDUNGEN IM JAHRE 1 961
(96 Zeilen)

Seite 12

ARBEITSRECHT. SOZIAL- UND LOHNPOLITIK
(32 Zeilen)

Seite 16

WISSENSCHAFT UND TECHNIK IN DEN USA - 1961
(520 Zeilen)
Naturwissenschaftliche Forschung
Physik
Biochemie und Biologie
Medizin
Geophysik
Atom und Technik
Raumfahrt und Weltraumforschung

•

Seite
Seite
Seite
Seite
Seite
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19
23
25
27
30
32

ERZIEHUNG IN USA
SCHULE UND ERZIEHUNG IN DEN USA
- Rückblick 1961 (85 Zeilen)

Seite 37

KULTUR
AMERIKAS LITERARISCHES JAHR 1 961
- Von Büchern und L i t e r a t u r p r e i s e n
Von Norman Smith
(110 Z e i l e n )

Seite

40

KUNST ÜBER MEERE UND LÄNDER HINWEG

- Rückblick auf das Jahr 1961 Von Linda Kent
(98 Z e i l e n )
* * * * *

S e i t e 44

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                <text>Präsident Eisenhower: Botschaft über die Lage der Nation. Wortlaut der von Präsident Eisenhower am 12. Januar 1961 dem US-Kongress unterbreiteten State of the Union Message&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;W. 20.1.&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Letzte Haushaltsbotschaft Präsident Eisenhowers an den US-Kongress vom 16. Januar 1961&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A. 20.1.&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Abschiedsansprache Präsident Eisenhowers an das amerikanische Volk vom 17. Januar 1961&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;W. 27.1.&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Eisenhower legte Wirtschaftsbericht vor&lt;br /&gt;Wirtschaftsbotschaft Präsident Eisenhowers vom 18. Januar 1961&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 27.1.&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Inaugartionsansprache des neuen Präsidenten der USA - Kennedy: Eine neue Generation hat die Regierung übernommen&lt;br /&gt;Präsident Kennedys Antrittsrede vom 20. Januar 1961&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Text of President Kennedy's Inaugural Address (Engl. Version)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 27.1.&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Chester Bowles umreißt außenpolitische Aufgaben der USA&lt;br /&gt;Wortlaut der Rede des stellvertretenden US-Außenministers Chester Bowles vom 21. Januar 1961 vor der University of Michigan in Ann Arbor&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 3.2.&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Kennedy unterbreitet Botschaft über die Lage der Nation. &amp;nbsp;- State of the Union Message vom 30. Januar 1961&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;W. 10.2.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Kennedy unterbreitet Wirtschaftsbotschaft&lt;br /&gt;Zusammenfassung und Auszüge der Wirtschaftsbotschaft vom 2. Februar 1961&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;W 10.2.&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Kennedy legt Programm zum Ausgleich der amerikanischen Zahlungsbilanz vor&lt;br /&gt;Botschaft an den US-Kongress vom 6. Februar 1961&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 24.2.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Hammarskjöld: Ich bleibe auf meinem Posten&lt;br /&gt;Wortlaut der Erklärung des UN-Generalsekretärs Dag Hammarskjöld vom 15. Februar 1961 vor dem Weltsicherheitsrat&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;W 31.3.&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Kennedy legt neues Auslandshilfeprogramm vor&lt;br /&gt;Wortlaut der Sonderbotschaft Präsident Kennedys vom 22.März 1961&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;W 31.3.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Kennedy legt Empfehlungen für den neuen US-Haushalt vor&lt;br /&gt;Wortlaut der Sonderbotschaft Präsident Kennedys vom 24. März 1961&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;W 7.4.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Kennedy unterbreitet Botschaft über den Verteidigungshaushalt der USA&lt;br /&gt;Wortlaut der Sonderbotschaft des Präsidenten vom 28. März 1961&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Präsident Kennedy: Wir werden Kuba nicht den Kommunisten überlassen&lt;br /&gt;Wortlaut der Rede Präsident Kennedys vom 20. April 1961 vor der American Society of Newspaper Editors in Washington&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 2.6.&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Kennedy ruft das amerikanische Volk zu größeren Anstrengungen auf&lt;br /&gt;Wortlaut der Sonderbotschaft des Präsidenten vom 25. Mai 1961&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;W 9.6.&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Rusk: USA wollen dynamischen Frieden&lt;br /&gt;Wortlaut der Ausführungen US-Außenministers Rusk, in denen er am 31. Mai 1961 vor dem außenpolitischen Ausschuss des US-Senats zur amerikanischen Auslandshilfe Stellung nahm&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 9.6.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Kennedy berichtet über seine Europareise&lt;br /&gt;Wortlaut der Fernseh- und Funkansprache Präsident Kennedys vom 7. Juni 1961&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 23.6.&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA beantwortet sowjetisches Memorandum zu den Genfer Atomverhandlungen&lt;br /&gt;Wortlsut der amerikanischen Note vom 17. Juni 1961 als Antwort auf das sowjetische Memorandum vom 12. Juni 1961&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 14.7.&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Rolle der Presse in Ost und West&lt;br /&gt;Aus der New Yorker Fernsehdebatte vom 24. Juni 1961 zwischen sowjetischen und amerikanischen Journalisten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 14.7.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Dean Rusk macht Sowjets für Weltkrise verantwortlich&amp;nbsp;&lt;br /&gt;Wortlaut der Rede des US-Außenministers sowie der Fragen und Antworten der anschließenden Berlin-Diskussion im Nationalen Presseklub am 10. Juli 1961 in Washington&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 28.7.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Kennedy unterstreicht feste Haltung der USA in der Berlin-Frage&lt;br /&gt;Wortlaut der Rundfunk- und Fernsehansprache des Präsidenten vom 25. Juli 1961&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ein Tor zum Frieden - Vertrag zur Einstellung der Kernwaffenversuche&lt;br /&gt;Analyse des Vertragsentwurfes vom 18. April sowie der offiziellen Stellungnahme des Weißen Hauses vom 31. August zur Wiederaufnahme der sowjetischen Kernwaffenversuche und die Erklärung vom 3. September 1961 zum britisch-amerikanischen Angebot eines unkontrollierten Versuchsstopps&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 1.9.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Berlin - 1961&lt;br /&gt;Berlin-Broschüre des amerikanischen Außenministeriums&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 15.9.&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Satelliten und Raumsonden&lt;br /&gt;4 Jahre Experimente im Weltraum - USA starteten über 50 Satelliten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 15.9.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Westmächte warnen Moskau erneut vor Behinderung des Luftverkehrs nach Berlin&amp;nbsp;&lt;br /&gt;Wortlaut der amerikanischen Note an die Sowjetunion vom 8. September 1961&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 22.9.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;US-Unterstaatssekretär: Testfall Berlin&lt;br /&gt;Rede des Unterstaatssekretärs im US-Verteidigungsministeriums, Paul H. Nitze, vom 7. September 1961 vor dem Verband amerikanischer Armeeangehöriger&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 29.9.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Kennedy spricht zur UN-Vollversammlung&amp;nbsp;&lt;br /&gt;Wortlaut der Rede Präsident Kennedys vom 25. September 1961 vor den Vereinten Nationen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 29.9.&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Freiheit vom Krieg - Das Programm der Vereinigten Staaten für allgemeine und vollständige Abrüstung in einer friedlichen Welt&lt;br /&gt;Abrüstungsplan, der am 25. September 1961 von Adlai E. Stevenson der 16. UN-Vollversammlung vorgelegt wurde&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 8.12.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wortlaut des Kennedy-Adschubej-Interviews vom 25. November 1961&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 15.12.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Kennedy erläutert Außenhandelspolitik der USA&lt;br /&gt;Auszüge aus der Rede des Präsidenten vom 6. Dezember 1961 vor dem amerikanischen Industrialverband in New York&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Kennedy Address to National Association of Manufacturers (Engl. Version)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 15.12.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Kennedy vor dem Kongress der AFL-CIO</text>
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                    <text>A M E R I K A

D I E N S T

A N S P R A C H E

des Stellvertretenden Außenministers
der Vereinigten Staaten von Amerika

Staatssekretär
GEORGE W. BALL

vor der
Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik

am Montag, dem 2. April 1962
in der Beethovenhalle zu Bonn

�AMERIKA-DIENST - Sonderbeilagen 1962

A

5*1•

In Berlin wird die Freiheit des "Yestens verteidigt
Von McGeorge Bundy (Rede vom 6. Dezember 1961 vor dem
Economic Club in Chicago)

A

19#1.

Präsident Kennedy unterbreitet Botschaft zur Lage der
Nation - State of the Union Message vom 11.Jan. 1962

W

26.1.

Präsident Kennedy legt neuen US-Haushalt vor
Zusammenfassung der wesentlichsten Punkte der Haushaltbotschaft vom 18. Jan. 1962

W

26.1.

Präsident Kennedy legt Kongress Wirtschaftsbericht vor
Zusammenfassung und Auszüge aus der Wirtschaftsbotschaft
vom 22. Jan. 1962

W

2.2.

Präsident Kennedy fordert umfassende Vollmachten zum
Abbau der Zollschranken - Wortlaut der Aussenhandelsbotschaft vom 25. Jan. 1962

W

9«2.

Präsident Kennedy legt neues Landwirtschaftsprogramm vor
Vier-Punkte-Landwirtschaftsprogramm vom 30« Jan. 1962

A

16.2.

A

2.3»

Projekt Mercury

A

9»3«

Freiheit von Krieg - Das Programm der bereinigten Staaten
für allgemeine und vollständige Abrüstung in einer friedlichen
Welt (25. Sept. 1961)

A

9»3«

Kernwaffenversuche und Abrüstung
Rundfunk- und Fernsehansprache Präsident Kennedys vom
2. März 1962

A

9.3.

Die amerikanisch-sowjetische Grundsatzerklärung zur Abrüstung vom 20. September 1962

A

23.3»

Erklärung Rusks zu Beginn der Genfer Abrüstungskonferenz
'' ortlaut der Erklärung des US-Aussenministers vom 15. März
1962 in Genf

A

30.3.

USA wünschen internationale Zusammenarbeit in der Weltraumforschung
Ansprache Botschafter Francis T.P. Plimptons vom 19. März
1962 vor dem UN-Ausschuss für die friedliche Nutzung des
Weltraums

Präsident Aennedy unterbreitet Gesetzesvorlage über
kommerzielles Pernmeldesatelliten-Netz
Gesetzesvorlage vom 7» Feb. 1962
-

Glenns Flug - ein grosser Schritt
vorwärts

�Die Atlantische Partnerschaft im Werden
Ansprache Staatssekretär George W. Balls vom 2. April 1962
vor der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik in
Bonn
A

19*4»

Die Verteidigungspolitik der USA und die NATO
Von Paul H. Hitze (Wortlaut der Ansprache vom 11. April
1962 vor der Amerika-Gesellschaft in
Hamburg)

A

2?.6.

US-Verteidigungsminister unterstreicht militärische
Stärke der NATO
Auszüge aus einer ^ede Robert S, McNamaras vom 16. Juni 1962
anlässlich der .Abschlussfeierlichkeiten vor Studenten der
Universität Michigan

A

22.6.

Nachrichtensatelliten verbinden Kontinente

A

29.6.

Die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika
(Stand: 20. Juni 1962)

A

13•7•

Unser Ziel: Die Atlantische Partnerschaft
Wortlaut der llede Präsident Kennedys vom 4» Juli 1962
in Philadelphia

A

31.8.

Vertragsentwurf für die Einstellung aller Kernwaffenversuche
V/ortlaut des vom Westen in Genf am 27. August 1962 unterbreiteten Vorschlages

A 28.9»

Stevenson vor der UN-Vollversammlung
Wortlaut der Grundsatzerklärung, die Botschafter Adlai E.
Stevenson am 20. September 1962 vor der 17« Vollversammlung der Vereinten Nationen abgegeben hat

W

28.9«

Kennedy: Erhaltung der Stärke des Dollars ein weltweites
Problem - Ansprache des US-Präsidenten vor Vertretern
der Weltbank und des Internationalen Währungsfonds vom
20. Sept. 1962

A

5»10.

Freunde und Verbündete
Von l'cGeorge Bundy (Artikel aus der Oktober-Ausgabe der
Zeitschrift "Foreign Affairs")
Das gegenwärtige Stadium des kalten Krieges
Von Walt W. Rostow (Vortrag vor der Ernst-Reuter-Gesellschaft
am 18. Oktober 1962 in Berlin)
Kuba-Erklärung Präsident Kennedys
Wortlaut der Rundfunk- und Fernsehansprache vom 22. Okt. 1962

W

9»11»

Die amerikanische Ansicht über die europäische Wirtschaftsgemeinschaft
Ansprache des Gesandten Brewpter H. Morris vom 6. Nov. 1962
vor der Handelskammer Bremen

A

23.11.

Die Atlantische Partnerschaft und ihre Verantwortung in
der Welt - Senator Fulbright, 19.11.1962, Universität Bonn

�A M• E R I K A D I

E N S T

Allg./5.1 .1962
IN BERLIN WIRD DIE FREIHEIT DES WESTENS VERTEIDIGT
Von McGeorge Bundy

CHIGAGO - (AD) - Nachstehend übermitteln wir
Ihnen den vollen Wortlaut der vielbeachteten
Rede, die McGeorge Bundy, Sonderberater und
1. Sicherheitsreferent Präsident Kennedys, am
6. Dezember 1961 vor dem Economic Club in
Chicago gehalten hat.

Politik für das Bündnis des Westens - Berlin und danach
I. Einleitung

Das Thema, das ich mir für diesen Vortrag gestellt habe, ist so
weit und allgemein gefaßt, daß es geradezu anmaßend erscheinen könnte,
In Wirklichkeit beabsichtige ich das Gegenteil. Ich möchte nämlich übei
die Kräfte sprechen, die unsere Politik gestalten, und weniger über
diese Politik selbst. Insbesondere will ich heute abend nicht versuchen
eine amerikanische Politik für die Behandlung des unmittelbar akuten
Problems der Freiheit Berlins zu formulieren. Dies ist bereits und
wird im Verlauf der Krise erneut durch den Präsidenten und den Außenminister geschehen. .
Ich möchte etwas ganz anderes tun, nämlich den größeren Zusammenhang der fortdauernden Zielsetzungen und Möglichkeiten des Westens
skizzieren, in dem sich diese Berlin-Krise abspielt. Die Berlin-Krise
hat vielerlei Aspekte: Sie ist.offensichtlich ein Test für den Willen
des Westens und den Ehrgeiz der Sowjets; sie ist eine Auseinandersetzung, bei der es um Freiheit und Hoffnung im Leben von zwei Millionen tapferen Westberlinern geht; sie ist ein Test für das Verständnis
und die faire Geisteshaltung neutraler Staatsmänner.
Berlin

1

-

�"AMERIKA DIENST"

5. Januar 1962

Berlin ist aber auch in einem noch umfassenderen Sinne ein
Test - nämlich für die Beziehungen zwischen den in erster Linie
beteiligten Ländern des Westens, und das ist meines Erachtens von
zentraler Bedeutung. Gegenstand unserer Politik in Berlin muß es
sein, mit den Zielen unserer Eolitik gegenüber Gesamteuropa voranzukommen. Wenngleich ich auf bestimmte Probleme der Formulierung eines
gemeinsamen alliierten Standpunkts hinsichtlich der politischen und
militärischen Verteidigung der Freiheit West-Berlins nicht eingehen
möchte, glaube ich deshalb dennoch, im Zuge der Erörterung der weiteren Zielsetzungen des westlichen Bündnisses einige für die gegenwärtige Krise relevante Betrachtungen anstellen zu können.
Bevor ich aber nun zum eigentlichen Thema komme, möchte ich zweierlei vorausschicken. Erstens ist anzumerken, daß mir, wenn ich heute
abend insbesondere von dem atlantischen Bündnis spreche, eine Geringschätzung unserer anderen wichtigen Verbindungen in dieser Hemisphäre,
in Asien, im Mittelmeerraum und in Afrika fernliegt. Die Zeiten sind
längst vorbei, da die Vereinigten Staaten einen Teil der Welt gegenüber
anderen mit Vorrang behandeln konnten. Wir müssen vielmehr bestrebt
sein, in allen Teilen der freien Welt politische Konzeptionen zu entwickeln und zu verwirklichen, die dazu beitragen,, die mannigfaltigen
Interessen vieler stolzer und unabhängiger Völker unter einen Hut
und in Einklang zu bringen. Es bestehen zählebige Differenzen und tief
eingewurzelte Spannungsursachen im Verhältnis zwischen Nationen, die wir
allesamt zu unseren Freunden zählen möchten. Es ist ganz natürlich,
daß es einigen Amerikanern mehr um die eine Seite der Problematik und
anderen mehr um andere Seiten geht. Aber das ist nicht der Standpunkt
der gegenwärtigen Regierung der Vereinigten Staaten. Die Ära der "neuen
Grenze" zeigt ein neues und verstärktes Interesse an den Problemen und
Möglichkeiten der Entwicklungsländer, doch liegt ihr auch Europa am
Herzen. Hier haben wir es mit komplementären, nicht einander zuwiderlaufenden Zielsetzungen zu tun - und das Bild unserer Beziehungen zu
Europa, das ich sogleich zu skizzieren versuchen werde^ läßt sich voll
und ganz mit lebhafter und verständnisvoller Aufgeschlossenheit für
andere Kontinente vereinbaren. Dabei handelt es sich gewissermaßen um
eine Politik für Europa nach Beendigung des Kolonialzeitalters. Je mehr
die Atlantische Gemeinschaft selbst an Kraft, und Stärke zunimmt, .desto
größer kann und sollte auch ihr Beitrag, zum Wohlergehen anderer Teile
der Welt werden.
Meine zweite Vorbemerkung betrifft die Natur unserer europäischen
Angelegenheiten selbst. Die Beziehungen der Vereinigten Staaten zu Westeuropa werden üblicherweise in drei Sparten unterteilt: in wirtschaftliche, militärische und politische Beziehungen. Das ist eine vernünftige
und praktische, wenngleich wohlgemerkt eine unrealistische Einteilung.
Recht eigentlich ist wirksames Handeln in allen drei Sparten stets politisch bestimmt, weil es die Grundausrichtung der Macht und Zielsetzung
bei den betreffenden Nationen berührt. Schon ein kurzer Blick auf die
Entwicklung seit dem zweiten Weltkrieg wird diese Feststellung bestätigen. Der Marshallplan war ein wirtschaftliches Unternehmen. Sein

2

�AMERIKA DIENST"

5. Januar 1962

Sein unmittelbarer Zweck war der wirtschaftliche Wiederaufbau der
Teilnehmerländer, die der zweite Weltkrieg in dieser Beziehung
ernstlich geschwächt hatte. Doch im größeren Rahmen verfolgte der
Marshallplan einen politischen Zweck - nämlich die Bewahrung der
Freiheit in Westeuropa angesichts der doppelten Bedrohung durch
Kommunismus und Chaos. Die Entscheidung des Kongresses der Vereinigten Staaten fußte immer auf dieser politischen Lagebeurteilung, und
die Zusammenfassung der Programme durch die europäischen Staaten selbst
wäre ohne das Vorhandensein äußerst akuter politischer Besorgnisse
unmöglich gewesen.
Dasselbe läßt sich ebenso leicht im militärischen Bereich beweisen. Das Ausmaß unserer Militärhilfe im Jahre 1949» die Bildung
eines Oberkommandos unter General Eisenhower im Jahre 1950» die "große
Debatte" der folgenden Monate über die Entsendung von Truppen nach
Europa und jede einzelne der anschließenden wichtigen militärischen
Entscheidungen der fünfziger Jahre - sie alle hatten in faszinierender
Vielfalt politische Ursprünge und politische Folgen, die über ihre
unmittelbare militärische Bedeutung weit hinausreichten. Zwar mag es
zweckmäßig sein, das europäische Problem in Einzelelemente aufzuteilen,
doch ist dies auch gefährlich, und es ist wichtig, bei jedem Abschnitt
im Auge zu behalten, daß wir über verschiedene Aspekte einer einzigen,
zusammenhängenden "Politik für den Westen" sprechen.

II. Wirtschaftsfragen
Nach diesen Vorbemerkungen darf ich mich sogleich dem Bereich der
Wirtschaft zuwenden. Hier ist der glänzende Erfolg des Gemeinsamen
Marktes in Europa die hervorstestende Tatsaehe für die heutigen politischen Planer. Dieser Erfolg ist in erster Linie wirtschaftlicher Art
im engsten Sinne.des Wortes. Der Gemeinsame Markt funktioniert, und er
funktioniert so, wie die Verfechter des amerikanischen Systems schon
immer behauptet hatten, daß er funktionieren würde. Es ist Tatsache und
nicht mehr lediglich eine Theorie, daß die Ausweitung der Märkte, der
Abbau innerer Handelsschranken und die Hoffnung auf weitere stetige
Fortschritte in diesen Richtungen den Zentralstaaten des freien Europa
eine neue und aufsehenerregende wirtschaftliche Stärke verliehen haben.
Die Wunder, die in der Nachkriegszeit unabhängig voneinander in Deutschland, Frankreich und Italien vollbracht worden sind, treten jetzt in
eine zweite Phase ein; sie werden zum Wunder des Gemeinsamen Marktes.
Und ich brauche diesem Zuhörerkreis sicherlich nicht erst zu sagen,
daß jene Männer, die die Entscheidungen über Investitionen in aller
Welt treffen, deren Rangfolge angesichts dieses neuen Phänomens von
Grund auf neu durchdacht haben. Großbritannien hat den Wunsch geäußert,
sich dem Gemeinsamen Markt anzuschließen. Es ist keine abwegige Annahme,
daß diese Entscheidung, sofern sie der Auftakt zu ersprießlichen Verhandlungen zwischen allen Beteiligten ist, künftig mehr Anlaß bieten
dürfte, des Jahres 1961 zu. gedenken, als die brennenden Krisen, die
dieses Jahr im Augenblick noch zu kennzeichnen scheinen,.
TT

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5. Januar 1962

Unsere Regierung begrüßt sowohl die Entstehung des Gemeinsamen
Marktes als auch den in Aussicht genommenen Beitritt Großbritanniens.
Mit dieser Haltung verfolgt die gegenwärtige Regierung wie schon die
Regierung Eisenhower ein im Grunde politisches Ziel. Wir glauben an
die Einigung Europas - und ich werde später noch mehr über die Gründe
hierfür zu sagen haben. Für den Augenblick sei bezüglich des Erfolgs
des Gemeinsamen Marktes nur festgestellt, daß er uns - was die Führung
unseres Außenhandels angeht - vor eine große Aufgabe stellt und uns
eine große Gelegenheit bietet. Wir müssen uns nun entscheiden, ob wir
angesichts dieses neuen befreundeten Konkurrenten zu einem ehrlichen
und offenen Wettbewerb auf den Märkten der freien Welt bereit sind
oder ob unsere jahrhundertelange Überzeugung, daß offene Märkte der
Freiheit und dem Wohlstand der Menschheit dienlich sind, nunmehr einer
restriktiven und ängstlichen Politik geopfert werden soll.
Es wäre nichts damit gewonnen, wollte man vorgeben, dieses Problem
existiere nicht. In den Jahren nach dem zweiten Weltkrieg engagierte
sich die unversehrte und produktionsstarke amerikanische Wirtschaft
so sehr auf den Weltmärkten, daß der Erfolg oder Mißerfolg unseres
Exporthandels heute die Existenzgrundlage von Millionen unserer Bürger
in allen Teilen des Landes und in einer bemerkenswerten Reihe von
Wirtschaftszweigen berührt. Dahinter steckt eine stolze Leistung, die
nicht zunichte gemacht werden darf.
Unser Ausfuhrüberschuß belief sich im Durchschnitt der letzten
acht Jahre auf jährlich fünf Milliarden Dollar. Dieser Überschuß bewirkt weit mehr, als Arbeitsgelegenheiten für Amerikaner zu schaffen er kommt unserer internationalen Sicherheit zugute. Ohne ihn würden
unsere Bündnisse verkümmern, unsere Überseepositionen nicht aufrechterhalten werden können, unsere Hilfsprogramme und auch unsere Auslandsinvestitionen schrumpfen; unsere Führungsstellung in der freien Welt
würde geschwächt und unsere anspruchsvollen Behauptungen über die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit einer freien Gesellschaft klängen hohl.
Es wäre etwas kraß, zu sagen, daß wir exportieren oder krepieren
müssen. Es entspricht aber der reinen und unverblümten Wahrheit, daß
wir nicht an dem Punkt Halt machen dürfen, bis zu dem wir gelangt sind.
Unser Exportüberschuß ist nicht länger eine zwangsläufige Folge einer
scheinbar mühelosen wirtschaftlichen Überlegenheit; unsere.Position
im Welthandel wird sich fortan je nach der Stärke und Richtung unserer
Reaktion auf die gegenwärtigen Erfordernisse eines neuen Welthandelsgefüges verbessern oder verschlechtern. Und wenn dieses neue Gefüge
auch viele Komponenten aufweist, so verdient doch die Frage unseres
Verhältnisses zu dem heranwachsenden europäischen Wirtschaftsgiganten
mit Fug und Recht in erster Linie unsere Aufmerksamkeit.
Die zentrale und entscheidende Frage lautet, ob wir und auch
Europa willens und fähig sind, die Probe eines fairen Wettbewerbs zu
bestehen. Gerade wegen unserer außergewöhnlichen Vorzugsstellung sind

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5. Januar 1962

sind hierzulande einige Wirtschaftszweige - und ich mache hier keinen Unterschied zwischen Kapital, Arbeitgebern und Arbeitnehmern verweichlicht. Nicht alle unsere Märkte im In- und Ausland wurden
durch eindrucksvolle Demonstrationen der Produktionsstärke, Leistungsfähigkeit und Wirtschaftlichkeit gewonnen. Heute sehen wir uns
in unserem Handeln vor neue und immer schwierigere Bewährungsproben
gestellt.
Die derzeitige Regierung denkt nicht daran, diesen Bewährungsproben auszuweichen. Wir glauben nicht, daß es eine wirtschaftliche
"Festung Amerika" geben kann. Wir nehmen nicht an, daß unter allen
Staaten ausgerechnet Amerika einen fairen Wettbewerb zu fürchten
braucht. Wir glauben im Gegenteil, daß die Entstehung eines neuen
großen Produktions- und Handelszentrums uns allen zugute kommen wird.
Wir halten es für angebracht, engere und festere Handelsbeziehungen auf den offenen Märkten freier Länder anzusteuern, statt aus Furcht
oder engstirnigem Eigennutz der Aussicht auf eine kräftige und für
alle Teile ersprießliche Ausweitung des Export- und Importverkehrs
zwischen den großen, freien Handelsnationen den Rücken zu kehren.
Ich möchte nicht den Eindruck erwecken, daß eine solche Politik
unproblematisch sei. Es war schon immer so, daß das gemeinsame Interesse am freien Handel Druckwirkungen auf die Sonderinteressen und
altgewohnten Erwartungen einzelner Gruppen hervorruft. Das Ärgerliche
an einem rein lehrbuchmäßigen Begnügen mit Freihandelsthesen bestand
schon immer darin, daß dabei die Frage nach den Arbeitsplätzen, den
Eigentumsverhältnissen und den Menschen leicht mit Nonchalance übergangen wird. Das entspricht nicht der Einstellung unserer Regierung.
Uns geht es nicht um Lehrmeinungen, sondern um das, was in der Welt
tatsächlich geschieht, Zudem sind wir nicht der Auffassung, eine
plötzliche Umkehrung aller Dinge sei der Schlüssel zum Erfolg. Wirklich einschneidende Veränderungen der Handelsstruktur zeitigen jeweils
dann die besten Ergebnisse, wenn sie sich über einen Zeitraum von mehreren Jahren verteilen. Anpassungshilfe zur Erleichterung des Übergangs in Sonderfällen kann und sollte gewährt werden. Zweckdienliche
Regelungen dieser Art vorausgesetzt, sind wir gewiß, daß die praktischen Auswirkungen auf den Wohlstand aller Amerikaner eine kühne Politik des wirtschaftlichen Selbstvertrauens rechtfertigen werden.
Der Handel ist natürlich keine Einbahnstraße, und als Gegenleistung für einen verstärkten Zugang zu unserem eigenen großen Markt werden wir eigene Interessen wahrzunehmen haben. Ein gemeinsamer Markt
kann, wie verschiedene Perioden unserer Geschichte zeigen, offen
oder geschlossen sein, und wir sind nicht gewillt, uns auf eine Politik des einseitigen Freihandels zugunsten von Partnern einzulassen,
die nicht bereit sind, uns die Gegenseitigkeit zuzugestehen. So müssen z
sowohl unsere Agrar- als auch unsere Industrieprodukte angemessenen
Zugang zu diesem neuen großen Markt erhalten.
Natürlich

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5. Januar 1962

Natürlich beschränkt sich der amerikanische Handel ebensowenig
nur auf Europa, wie die politischen Verpflichtungen der USA an den
Grenzen des hordatlantischen Bündnisses enden. Bei der Festlegung
unserer Außenhandelspolitik gegenüber dem neuen Europa müssen und
wollen wir die Handelsbedürfnisse anderer Freunde in Lateinamerika,
Japan usw., die bisher noch keinen Zugang zum europäischen Markt hatten, im vollen Umfang berücksichtigen. Der große Plan für einen
prosperierenden, expandierenden Handel in der freien Welt ist zwar
klar und einfach, doch wird jeder Schritt nach vorn vielschichtige
und sorgfältige Maßnahmen zur Wahrung der mannigfaltigen Interessen
der einzelnen Nationen und Völker erfordern, die durch übermäßige,
einengende Vereinfachungen leicht ernstlich beeinträchtigt werden
könnten.
Hier ist nicht der Ort für fachliche Darlegungen über unsere
beabsichtigte Reaktion auf die uns aus dem Gemeinsamen Markt erwachsende neue Herausforderung. Das bisher Gesagte dürfte genügen, um
klarzustellen, daß wir in eine neue und wichtige Phase der Ausrichtung unserer Handelspolitik in Theorie und Praxis eintreten. Das endgültige Ergebnis der Debatte läßt sich nicht voraussagen. Doch besteht Klarheit hinsichtlich ihrer Bedeutung und bei denjenigen, die
sich der Verheißungen der Atlantischen Gemeinschaft bewußt sind, auch
hinsichtlich der Grundrichtung. Wir müssen uns auf Partnerschaft,
nicht auf Protektionismus einstellen.

III. Militärische Fragen
Der Gemeinsame Markt verspricht zu einer steten Energie- und
Wohlstandsquelle für die Gesamtwirtschaft Westeuropas zu werden; die
militärische Sicherheit dieses Gebietes ist jedoch noch nicht so eindeutig gewährleistet. Zwei Hauptaspekte bestimmen hier die Politik:
konventionelle Rüstung und Kernwaffenpotential.
Für die Vereinigten Staaten ist das Hauptziel dasselbe wie in
den ersten Tagen der NATO: sie fördern den Aufbau einer allgemeinen
militärischen Position zur Abschreckung sowjetischer Aggressionsversuche und gleichzeitig zur Festigung des Selbstvertrauens der Völker
des Westens.
Dieses doppelte Ziel erfordert nach unserer Auffassung heute eine
beträchtliche Verstärkung der herkömmlichen Streitkräfte des nordatlantischen Bündnisses. Selbstverständlich sind wir wegen der Berlin-Kris
besonders besorgt, aber unsere Politik ist weder auf einen einzigen Bewährungsfall abgestellt, noch wird sie von einem solchen bestimmt. Die
freien Nationen Europas sind nach ihrer Bevölkerungszahl, ihren Fähigkeiten und Energien der Sowjetunion mehr als gewachsen. Nach unserer
Meinung wäre es -nicht richtig, wenn die bedrohliche und erhebliche
Unterlegenheit ihrer konventionellen Streitkräfte hinsichtlich der
Truppenstärke und Bewaffnung bestehen bleibt. Wir glauben, daß Europa

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5. Januar

1962

Europa ernstlich auf seine Selbstverteidigung in den militärischen
Bereichen unterhalb der Kernwaffenschwelle bedacht sein sollte. Wir
sehen keine Möglichkeit für die Vereinigten Staaten, dies stellvertretend für Europa zu tun. Doch wie wir jahrelang in führender
Weise die Notwendigkeit der atomaren Stärke in Europa betont haben,
so scheint es heute ebenso wichtig zu sein, daß wir keinen Zweifel
an unserer jetzigen Erkenntnis der Notwendigkeiten auf dem Gebiet
der herkömmlichen Rüstung bestehen lassen. Die Atomwaffen müssen
weiterhin als letztes Abschreckungs- und als Vergeltungsmittel für
den Fall einer massiven Aggression vorhanden sein und vervollkommnet
werden. Sie tragen aber nicht für alle Zeiten allen Erfordernissen
der freien Welt Rechnung, und der europäische Schild bedarf eines
neuen und beträchtlichen Zuwachses an herkömmlicher militärischer
Stärke.
Lassen Sie mich aber nochmals betonen, daß die Sorge unserer Regierung um eine Verstärkung der herkömmlichen Streitkräfte keineswegs
als Mangel an Interesse oder Vertrauen in der Frage der wirksamen Kern»
Waffenbereitstellung auszulegen ist.
Die auf Kernwaffen beruhende Abschreckingskraft der freien Welt
ist heute für die militärischen Zwecke der NATO mehr als ausreichend.
Die NATO kann nicht nur auf die volle Unterstützung der außerordentlich starken strategischen Verbände zählen, die den Vereinigten Staaten und Großbritannien zur Verfügung stehen, sondern sie ist auch
selbst eine Atommacht. Unmenschliche, gegen sogenannte "Geiseln" gerichtete Angriffsdrohungen dürften zum Nachteil der eigenen Interessen
auf jene zurückfallen, die sich ihrer bedienen. Europa kann nicht
angegriffen werden, ohne dadurch vernichtende Gegenschläge der Atomstreitkräfte der NATO sowie der außerhalb Europas bereitstehenden Verbände auszulösen.
Es ist jedoch an der Zeit, unsere Planung für die zukünftige atomare Stärke der NATO weiterzuführen. In Europa ist man offensichtlich
und in zunehmendem Maße darum besorgt, ob diese Dispositionen sich
vollkommen mit den europäischen Erfordernissen und Wünschen decken
werden. Die Grundhaltung unserer Regierung zu diesem Punkt wurde vom
Präsidenten in einer bedeutsamen Rede im Frühjahr dieses Jahres in
Ottawa dargelegt. Damals unterstrich er die Bereitschaft der Vereinigten Staaten, die Schaffung einer NATO-Atomabschreckungsflotte mit
gemeinschaftlichem Verfügungs- und Kontrollrecht der Mitgliedstaaten
in Erwägung zu ziehen. Er bot der NATO an, ihr fünf Polaris-Untersee!boote - und gegebenenfalls auch m e h r - zur Verfügung zu stellen, Die
unmittelbare Inanspruchnahme der leitenden Beamten in allen Regierungen
durch Vorbereitungen im Hinblick auf den Gefahrenherd Berlin hat die
weitere Behandlung dieses wichtigen Problems verzögert, doch ist die
amerikanische Regierung der Auffassung, daß eine konstruktive und
wirksame Lösung sowohl wichtig als auch möglich sei. Ein auf die
militärische Stärke der NATO vertrauendes Europa wird sich gegenüber sowjetischen Drohungen,in einer Stellung befinden, die die
Einheit und das Selbstvertrauen des gesamten westlichen Bündnisses
r.ur zu festigen vermag.
IV.

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5. Januar

1962

IV. Politische Fragen
Wenn ich mich jetzt spezifisch politischen Fragen zuwende,
so muß ich wiederholen, daß natürlich all diese Dinge politischen
Charakter haben. Wenn wir neue Handelsbeziehungen zum Gemeinsamen
Markt finden und hinsichtlich der konventionellen wie auch der
nuklearen Waffen eine neue kooperative Stärke entwickeln können,
sind wir in unserer grundsätzlichen Politik der Partnerschaft mit
dem wiedererstandenen und gestärkten Europa schon ein gutes Stück
vorangekommen. Es bleibt jedoch ein spezifisch politisches Problem
zu lösens das Problem der einzelstaatlichen Souveränität der Länder
Westeuropas. Hier also besteht eine Diskrepanz zwischen unserem
Wollen und unseren Möglichkeiten - denn dieses Wollen ist auf die
politische Einheit Westeuropas gerichtet, und es ist ganz klar, daß
wir Amerikaner dieses große Ereignis nicht herbeiführen können.
Große souveräne Staaten wie England, Frankreich, Deutschland und
Italien lassen sich nicht auf einen Wink mit dem amerikanischen Taktstock zu einer neuen europäischen Nation verschmelzen. Dennoch ist
unsere Einstellung dazu keineswegs irrelevant. Die im Hinblick auf
die europäische Einheit seit 1947 unternommenen.Schritte sind weder
an Zahl gering noch unbedeutend, und jeder dieser Schritte war weitgehend von der Sympathie, wenn nicht gar der Unterstützung der Regierung der Vereinigten Staaten abhängig. Das wird auch in Zukunft
so bleiben.
Die Entwicklungslinie in Europa ist klar. Das europäische Schicksal erfordert jetzt eine neue politische Gemeinschaft. Der Weg, auf
den sich die sechs mitteleuropäischen Staaten in Rom begeben haben,
ist keine Sackgasse, sondern eine Hauptstraße, und die nächsten
Maßnahmen sind bereits eingeleitet.. Nach meiner Auffassung ist es
kein Zufall, daß wir eine wachsende Übereinstimmung der Ansichten über
bestimmte politische Probleme zwischen Bonn und Paris feststellen
können, und diese Übereinstimmung bildet im weitesten Sinne auch
keineswegs eine Gefahr für die Vereinigten Staaten.
Ich glaube wirklich, daß es für die Vereinigten Staaten besser
wäre, wenn das Verhältnis zwischen unserer Stimme und denen unserer
Hauptpartner im Bündnissystem der freien Welt weniger ungleich wäre.
So, wie die Dinge jetzt liegen, sind wir auf der Seite der Freiheit die
einzige Großmacht im vollen Sinne des 20. Jahrhunderts. Das.Vereinigte
Königreich hat auf Grund seiner historischen Leistungen und der fortbestehenden Commonwealth-Bindungen weiterhin großen Einfluß. Die
Stimme Frankreichs wird in der Welt immer Gehör finden, und sie ist
eine Stimme von ungewöhnlicher Beredsamkeit und persönlicher Autorität in diesen Jahren der Ära de.Gaulle. Die wachsend« Bedeutung Italiens und Deutschlands ist ebenso offenkundig. Alle diese Stimmen
aber sprechen von Machtebenen aus, die sich mit denjenigen der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion einfach nicht vergleichen lassen,
und dieser Unterschied beeinträchtigt zwangsläufig die Gespräche. Für
den Stolz oder die Urteilskraft dreier Menschen ist Teilabhängigkeit

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5. Januar 1962

Teilabhängigkeit statt Wechselseitigkeit auf gleichem Fuß nicht gut;
und wenn eine Macht sehr viel stärker ist als ihre Verbündeten, besteht oft die ungesunde Neigung, sich einzigartige Extraverbindungen
zum Hauptmachtzentrum zu verschaffen. Es wäre besser, wenn Europa
selbst eine einzige Großmacht wäre. Ein Blick auf die wichtigsten
Kennziffern der Bevölkerungs-, Produktions- und RohstoffStatistik
zeigt, daß lediglich interne politische Schranken Westeuropa von dieser seiner neuen Rolle abhalten.
Es ist natürlich riskant, die Form der politischen Beziehungen
vorauszusagen, welche die Vereinigten Staaten mit einer Macht haben
könnten, die jetzt erst im Entstehen begriffen ist. Ich glaube aber, daß
die ersprießlichste Konzeption von der politischen Zukunft der Atlantischen Gemeinschaft, jene wäre, die von einer Partnerschaft zwischen
den Vereinigten Staaten einerseits und einer großen europäischen Macht
andererseits ausginge. Diese Partnerschaft würde sich den Aufbau- und
Abwehraufgaben widmen, die bewältigt werden müssen, wenn eine echte
Gemeinschaft freier Nationen geschaffen werden soll: Hilfe für die
Entwicklungsländer, Verteidigung gegen kommunistische Aggression. Diese
Partnerschaft wäre kein exklusiver Klub des weißen Mannes, sondern würde
den Blick vielmehr nach draußen auf größere Lasten und Aufgaben richten.
Jede dieser Großmächte hätte natürlich enge Assoziierte und Freunde!
Kanada und die lateinamerikanischen Staaten auf unserer Seite, das
Commonwealth und die weniger eng angeschlossenen europäischen Nachbarn
auf der anderen. Und alle zusammen wären im weiten Feld der für die
freie Welt kennzeichnenden gemeinsamen Unternehmungen und Bemühungen
mit den übrigen freien Nationen verbunden. Eine solche Partnerschaft
ist sinnvoller als eine voll ausgebildete Atlantische Union, die für
das Volk der Vereinigten Staaten verfassungsrechtlich und psychologisch
noch außerhalb des Bereichs der Möglichkeiten liegt. Jedenfalls ist
sie sinnvoller als das, was wir heute haben.
Y/as in solch einer neuen Partnerschaft geschehen könnte, läßt sich
vielleicht am besten an jenem außergewöhnlichen Verhältnis ermessen,
das sich im zweiten Weltkrieg zwischen Großbritannien und den Vereinigten Staaten herausbildete. Obwohl auch damals schon kein wirkliches
Gleichgewicht der Kräfte bestand, führten Großzügigkeit und Einsicht
doch zur Aufrechterhaltung eines Verhältnisses grundsätzlicher Gleichberechtigung. Dies war für beide Seiten gut, und daß die relative Macht
Großbritanniens seit 1945 stark abgenommen hat, gereichte den Vereinigten Staaten keineswegs zum Vorteil. Ich meine, kurzum, daß die Partnerschaft der freien Welt nunmehr die Neubildung einer großen zentralen
politischen Kraft in Westeuropa erfordert. Amerikaner beider Parteien
haben diese Generallinie während dreier Präsidentschaften unterstützt,
und ich glaube, die Geschichte wird die Weisheit dieser unveränderten
Zielstrebigkeit bestätigen.
Uns

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5 . Januar 1962

Uns schwebt also vor: ein neues Europa mit der wirtschaftlichen
Kraft, dem militärischen Selbstvertrauen und der politischen Einheit
einer echten Großmacht. Da große Staaten die Entstehung anderer großer Staaten im allgemeinen nicht gerade freudig zu begrüßen pflegen,
tun wir gut daran, kurz anzumerken, warum wir den Dingen in diesem
Falle mit solchem Vertrauen entgegensehen. Die Antwort ergibt sich
unmittelbar aus der derzeitigen Auseinandersetzung mit der Sowjetunion. Es steht außer Frage, daß wir und die freien Menschen Europas
ein gemeinsames Interesse daran haben, der kommunistischen Expansion
Widerstand zu leisten. Aus demselben Grunde können wir auch nicht annehmen, daß die Sowjetunion ihr seit fünfzehn Jahren verfolgtes Ziel,
die Atlantische Gemeinschaft zu spalten und zu schwächen, plötzlich
aufgeben sollte. Aber letzten Endes steht unser Vertrauen zu Europa
auf tieferer und festerer politischer Basis. Diese Menschen sind
durch Geschichte und Kultur, durch Sprache und Religion unsere Vettern.
Und Vettern sind wir auch in unserem heutigen Gefühl für menschliche
und soziale Sinngebung. In Westeuropa und in Nordamerika werden heute
erstmals die wahren Möglichkeiten der modernen Welt erschlossen.
Diese Gesellschaften sind im Begriff, gemeinsam die Schwelle zum
Jedermann-Zeitalter zu überschreiten, einem Zeitalter, in dem eine
glückliche Verbindung von Arbeit und Muße, von sozialer Aktivität
und individueller Verantwortlichkeit allen Bürgern das bieten kann,
was auch die größten Gemeinwesen der Vergangenheit nur für wenige
geschafft haben. Gewiß, um dieses Ziel erreichen zu können, bedarf
es einer ständigen Aufwärtsentwicklung des materiellen Wohlstands,
Aber dazu gehört auch noch eine schwieriger herzustellende, tiefer
greifende, entscheidende Bindung in Gestalt der von der ganzen Gemeinschaft der Staatsbürger geteilten Überzeugung, das ihr Endzweck
der Mensch mit seinen Möglichkeiten ist. Gerade weil wir dieses
Erbe mit Europa gemeinsam haben, können wir darauf vertrauen, daß
unser Ziel, Europa stark zu machen, ein weises Ziel ist. Dies ist
unsere Aufgabe im 20. Jahrhundert, die auf uns überkommen ist von
Griechen und Römern, von Judentum und Christentum, aus der Tradition
von Recht, Gesittung und Wissenschaft sowie aus den Idealen der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit, die zu den Kriterien geworden
sind, nach denen sich das Gewissen der Menschheit ausrichtet.
Ich habe in meinen Ausführungen weit ausgeholt und bestreite
keineswegs, daß das neue Europa sicherlich nicht in einem Tag zu
vollenden sein wird. Wenn das von mir entworfene Bild über das Zeitalter des Nationalismus und Kolonialismus hinausgreift, dann nicht deshalb, weil diese Kräfte versiegt sind, sondern nur, weil sie so offenkundig Überbleibsel einer auslaufenden Vergangenheit und für die
wahre Mission Europas in der Gegenwart im Grunde bedeutungslos sind.
Ich darf Ihnen aber versichern, daß ich bei dieser weit ausgreifenden
Übersicht das Thema Berlin niemals aus den Augen verloren habe. Denn
die Verteidigung Berlins ist die Verteidigung Europas, und die Verteidigung Europas ist auch die Verteidigung der Vereinigten Staaten.
Dies gilt aus den allgemeinen Gründen unserer Hochschätzung freier
Menschen und des Widerstands gegen die Aggression, wie ich eingangs

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eingangs darlegte. Es gilt aber auch in einem umfassenderen und tieferen Sinne im Hinblick auf die Rolle Deutschlands für die Zukunft
Europas, und ich möchte meine Ausführungen mit einigen Worten zu diesem großen Thema beschließen.
In jedem der drei traditionellen Bereiche der Analyse kommt
Deutschland zentrale Bedeutung zu. Für den Gemeinsamen Markt ist
Deutschlands Beitrag unerläßlich; hinsichtlich der militärischen Verteidigung Europas ist seit 1950 klar, daß sie ohne eine verantwortliche deutsche Beteiligung nicht zu bewältigen ist; und die Politik
der europäischen Einigung ist weitgehend die Politik des neuen Deutschland, einer konstitutionellen Demokratie, die mehr und mehr in Gesamteuropa aufgeht.
Nichts an der zynischen Propaganda des Weltkommunismus ist gefährlicher und destruktiver als der schamlose Versuch, der Bundesrepublik Deutschland das Verdienst für jene außerordentliche politische
Leistung abzusprechen, die sie vollbrachte, indem sie aus der Asche
der Nazischmach ein anständiges, friedliches und freiheitliches Gemeinwesen erstehen ließ. Und unter demselben Gesichtspunkt ist für die
Atlantische Gemeinschaft nichts wichtiger, als daß Deutschland diese
Generallinie beibehält. Die Voraussetzung hierzu ist immerwährendes
Einvernehmen und ständige Partnerschaft sowohl in den allgemeinen Zielsetzungen, über die ich heute: abend hier gesprochen habe, als auch
dann, wenn es gilt, unmittelbaren Gefahren wie der gegenwärtigen sowjetischen Bedrohung Berlins zu begegnen.
Die freien Menschen Deutschlands haben die aus der Partnerschaft
erwachsenden Beschränkungen auf sich genommen. Als Gegenleistung erhielten sie unser feierliches Versprechen, die deutsche Wiedervereinigung
mit friedlichen Mitteln zu unterstützen. Es fiel uns nicht schwer, dieses
Versprechen zu geben; in Amerika war die Zweckmäßigkeit der Teilung
Deutschlands während des zweiten Weltkriegs immer umstritten, und die
Diskussion darüber war lange vor der Bildung der neuen deutschen Regierung zugunsten der Einheit entschieden. Die Teilung Deutschlands
bereitet den Deutschen brennenden Schmerz und ist eine Gefahr für die
Menschheit. Es bedarf keiner übermenschlichen Weisheit, die einfache
Wahrheit zu begreifen - eine Wahrheit, die jenseits der Rivalitäten des
Kalten Krieges liegt -, daß ein Beharren auf der Teilung Deutschlands
einem Beharren auf einer beständigen Bedrohung des Friedens in Europa
gleichkommt. Wir können die Sowjetunion nicht hindern, die schwere
Verantwortung eines solchen gefährlichen Beharrens auf der deutschen
Teilung auf sich zu laden, aber wir können und müssen unsererseits auf
unserem friedlichen Ziel der Wiedervereinigung bestehen.
Deutschland ist heute in mehrfacher Hinsicht bedroht; aber die
meisten dieser Bedrohungen sind geprägt von der entscheidenden Frage:
Teilung oder Einheit, das heißt, von dem gefährlichen und verderblichen
Willen, die freien Deutschen offen zu demütigen, was wir nicht zulassen
dürfen. Wir sind überzeugt, daß es Möglichkeiten gibt, um den vernünftigen Interessen einer vernünftigen sowjetischen Regierung Rechnung zu
tragen.- und deshalb glauben wir an Verhandlungen. Wir können aber

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aber niemals einer Regelung zustimmen, die das Vertrauen der Menschen
in der Bundesrepublik Deutschland und ihr Bekenntnis zur Freiheit
aushöhlt.
Deutschland ist demnach eine Frage von zentraler Bedeutung.
Daraus erwächst ihm aber keine allmächtige Stellung innerhalb des
Bündnisses. Wir können den Deutschen - und kein deutscher Staatsmann hat das je gefordert -.kein Einspruchsrecht gegen die Politik
des Westens zubilligen. Die Partnerschaft freier Menschen kann nicht
auf Anforderung eines einzigen Partners zur Wirkung gebracht werden. Wir müssen auf Meinungsverschiedenheiten mit allen unseren Verbündeten - in aller Aufrichtigkeit und Freundschaft - gefaßt sein.
Wir können von ihnen erwarten, daß sie unseren Standpunkt ebenso
berücksichtigen wie wir den ihrigen. Es bleibt aber ein wesentliches
Ziel unserer Politik in Europa - und in Berlin -, den freien Deutschen
keinen berechtigten Anlaß zu geben, je zu bedauern, daß sie uns ihr
Vertrauen geschenkt haben.
Das besondere ironische Moment der gegenwärtigen Krise liegt
darin, daß unsere Interessen und Absichten darauf abzielen, genau
das zu verhindern, was die Sowjetunion zu befürchten vorgibt.
Nicht unsere Verteidigung Berlins, sondern der Angriff der Sowjets
auf die Stadt droht den deutschen Nationalismus jener Art wiederzuerwecken, den wir alle lieber überwunden sähen. Nicht innerhalb der
europäischen Gemeinschaft, wohl aber in einer bindungslosen Isolierung
könnte Deutschland wieder den Frieden seiner Nachbarn gefährden. Nicht
in der Wiedervereinigung, sondern in der schmerzlichen, durch Trenn«
mauern gekennzeichneten Spaltung liegt die Versuchung zum Abenteuer.
So ist heute die Berlin-Krise der Prüfstein für unsere Deutschlandpolitik und unsere Deutschlandpolitik der Prüfstein für unsere
Europapolitik. Was wir angesichts der akuten Krise unternehmen, ist
nicht Selbstzweck, sondern geschieht im Hinblick auf ein größeres Ziel.
Während wir die Risiken der Auseinandersetzung ins Auge fassen während wir fruchtbare Verhandlungen anbahnen -, haben wir zugleich das
Recht und die Pflicht, daran zu denken, daß wir in Berlin, in Deutschland und in Europa alles verteidigen, was wir an Hoffnungen und Plänen
für die große Gemeinschaft der Freiheit den anderen voraushaben.

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y

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�In dieser Woche machen wir uns erneut an unsere gemeinsame
und getrennte Aufgabe, die Zukunft Amerikas aufzuhauen. Aber
beklagenswerterweise bauen wir ohne einen Mann, der eine lange
Vergangenheit mit der Gegenwart verband und den Blick fest auf
die Zukunft richtete. "Mister Sam" Rayburn ist dahingegangen.
Weder dieses Haus noch.unsere Nation sind heute die gleichen
ohne ihn.
Mitglieder des Kongresses, die Verfassung macht uns nicht
zu Rivalen um die Macht, sondern zu Partnern für den Portschritt.
Wir sind alle Treuhänder des amerikanischen Volkes und Hüter des
amerikanischen Erbes. Meine Pflicht ist es, über die Lage der
Nation zu berichten - unser aller Pflicht ist es, sie.zu verbessern.
Im vergangenen Jahr bin ich nicht nur durch unser eigenes
Land gereist, sondern auch nach anderen Ländern - nach dem Norden, nach dem Süden und über die Meere. Und ich habe gefunden,
wie auch Sie sicherlich auf Ihren Reisen, daß die Menschen überall trotz gelegentlicher Enttäuschungen auf uns blicken - nicht
auf unseren Reichtum oder unsere Macht, sondern auf die strahlende

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19. Januar

1962

strahlende Fülle unserer Ideale. Denn es ist die geschichtliche
Bestimmung unseres Landes, entweder Beobachter des Untergangs der
Freiheit zu sein oder die Ursache ihres Erfolges. Unsere höchste
Verpflichtung in den kommenden Monaten besteht darin, die Hoffnungen der Welt zu erfüllen, indem wir unseren eigenen Glauben erfüllen.
Stärkung der Wirtschaft
Diese Aufgabe muß im eigenen Land beginnen; denn wenn wir unsere eigenen Ideale nicht selbst verwirklichen können, dann können
wir von anderen nicht erwarten, daß sie sie akzeptieren. Und wenn
das kleinste Kind, das heute lebt, einmal erwachsen sein wird, dann
wird unsere Stellung in der Welt vor allem davon bestimmt sein, welche
Vorkehrungen wir heute treffen - für seine Erziehung, für seine Gesundheit und für seine Chancen auf ein gutes Heim, eine gute Beschäftigung und ein gutes Leben.
Im eigenen Land begann das (vergangene) Jahr in den Tiefen
einer wirtschaftlichen Rezession - und es endete auf den Höhen der
Wiedergesundung und des Wachstums. Mit Hilfe neuer von Seiten des
Kongresses gebilligter oder von seiten der Regierung verstärkter
Anreize für unsere Wirtschaft ist die Zahl der Gebiete mit einem
Überschuß an Arbeitskräften von 101 auf 60 verringert worden. Die
Zahl der nicht in der Landwirtschaft Beschäftigten hat um über eine
Million zugenommen, und in den Fabriken liegt die wöchentliche Arbeitszeit im Durchschnitt wieder über 40 Stunden. Zu Ende des Jahres eilte die Wirtschaft, die Herr Chruschtschow einmal ein "stolperndes Pferd" genannt hat, neuen Rekorden bei den Verbraucherausgaben, dem Arbeitseinkommen und der industriellen Produktion entgegen.
Wir sind darüber erfreut, aber wir sind nicht befriedigt. Zu
viele Arbeitslose warten immer noch auf die Segnungen des Wohlstandes.
Während jene, die unsere Schulen und Farmen verlassen, neue Arbeitsplätze suchen, nimmt die Automation bestehende Arbeitsplätze weg. Zur
Förderung unseres Wachstums und Schaffung neuer Arbeitsmöglichkeiten
ersuche ich den Kongreß um drei Maßnahmen:
1 . die Verabschiedung eines Gesetzes zur Heranbildung von Arbeitskräften und zur wirtschaftlichen Entwicklung in Krisengebieten,
das der Verschwendung Einhalt gebieten soll, die mit arbeitsfähigen
und arbeitswilligen Männern und Frauen getrieben wird, deren einzige
Fertigkeiten durch die Aufstellung einer Maschine oder die Verlegung
eines V/erkes oder die Stillegung eines Bergwerkes wertlos geworden
sind;
2. die Verabschiedung eines Gesetzes zur beruflichen Förderung
von Jugendlichen, das dazu beitragen soll, daß nicht nur die eine
Million junger Amerikaner, die heute weder Ausbildungs- noch Arbeitsmöglichkeiten haben, sondern auch die 26 Millionen junger Amerikaner,
die sich in diesem Jahrzehnt in den Arbeitsmarkt einreihen werden,
eine Ausbildung und einen Arbeitsplatz finden; und

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�AMERIKA DIENST"

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3. Die Verabschiedung eines Gesetzes für einen achtprozentigen
Steuerkredit bei Investitionen in Maschinen und Ausrüstungen, die zusammen mit der geplanten Revision der Abschreibungssätze unsere Modernisierung, unser Wachstum und unsere Wettbewerbsfähigkeit im Ausland fördern werden.
Darüber hinaus dürfen wir - so angenehm es auch sein mag, sich
im Lichte des Wiederaufschwungs zu sonnen - nicht vergessen, daß wir
in den letzten sieben Jahren drei Rezessionen mitgemacht haben. Wenn
man das Dach reparieren will, dann muß man es tun, solange die Sonne
scheint. Um drei wesentliche Lücken in unserem Schutz vor der Rezession
zu schließen, brauchen wir«
1. eine dem Veto des Kongresses unterworfene laufende Vollmacht
des Präsidenten, die Einkommensteuersätze innerhalb eines festgelegten
Rahmens und Zeitraumes nach unten anzupassen, um einen wirtschaftlichen
Rückgang zu bremsen, ehe er uns nach unten gezogen hat;
2. eine laufende Vollmacht des Präsidenten, bei einem bestimmten
Anstieg der Arbeitslosigkeit die wesentlichen Hilfsprogramme des Bundes
und die von ihm geförderten Hilfsprogramme zu beschleunigen; und
3. eine dauerhafte Stärkung unseres Arbeitslosenversicherungssystems,
um den Mitbürgern, die einen Arbeitsplatz suchen und ihn nicht finden
können, Kaufkraft und Lebensstandard zu erhalten, ohne ständig zu vorübergehenden Gesetzesänderungen Zuflucht nehmen zu müssen, wie wir dies in
den vergangenen Jahren im Kongreß und in der Regierung erlebt haben.
Wenn wir dieses 6-Punkte-Programm verabschieden, dann werden wir
der ganzen Welt zeigen, daß eine freie Wirtschaft durchaus eine stabile
Wirtschaft sein kann, daß ein freies System die Menschen nicht der
Arbeitslosigkeit zu überlassen braucht und daß eine freie Gesellschaft
nicht nur die produktivste, sondern auch die stabilste jemals von
Menschen erdachte Form des Zusammenschlusses ist.
Bekämpfung der Inflation
Aber die Rezession ist nur einer der Feinde einer freien Wirtschaft eine weiterer ist die Inflation. Im vergangenen Jahr, 19^1, blieben die
Verbraucherpreise trotz steigender Produktion und Nachfrage nahezu konstant, und die Großhandelspreise gingen zurück. Im Vergleich zu allen
anderen wirtschaftlichen Erholungsperioden der Nachkriegszeit ist dies
das beste Ergebnis auf dem Gebiet der allgemeinen Preisstabilität.
Nur zu oft folgt dem wirtschaftlichen Wachstum die Inflation auf
dem Fuße, während die Preisstabilität durch Stagnation oder Kontrollen
leicht gemacht wird. Aber wir sind willens, sowohl Stabilität als auch
Expansion in einem Klima der Freiheit zu erhalten.
Unsere Hauptverteidigungslinie gegen die Inflation sind die Vernunft
und der Gemeinsinn von Unternehmern und Gewerkschaften - die ihren Gesamtzuwachs an Löhnen und Gewinnen in Übereinstimmung mit der Produktivität halten müssen. Es gibt keinen allgemeinverbindlichen statistischen

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statistischen Maßstab, der jeder Firma und jeder Gewerkschaft als
Richtschnur dienen könnte, aber ich ersuche sie alle nachdrücklich,
im Interesse des Landes und in ihrem eigenen bei solchen geschäftlichen Angelegenheiten das öffentliche Interesse als Richtschnur
anzulegen.
In diesem Rahmen der Expansion und der Lohn-Preis-Stabilität .
hat die Regierung dazu beigetragen, unsere Wirtschaft wettbewerbsfähig zu erhalten, indem sie den Kleinbetrieben vermehrten Zugang
zu Krediten und Regierungskontrakten verschaffte und indem sie die
Maßnahmen gegen Monopole, Preisabsprachen und organisiertes Verbrechertum verstärkte; werden wir ein Gesetz über eine Gehaltsreform
für Bundesbedienstete vorlegen, das allen Beschäftigten in den Beamtenlaufbahnen, dem Postdienst und den anderen Dienstzweigen neue
Besoldungstarife bringt, die mehr denen in der Privatindustrie entsprechen; halten wir das Haushaltsdefizit im Finanzjahr 1962 weit
unter dem Stand, wie er sich als Folge der Rezession des Jahres 1958
ergeben hatte; und werde ich schließlich für das Finanzjahr 1963 einen
ausgeglichenen Bundeshaushalt vorlegen.
Wir tragen hier eine gemeinsame Verantwortung, die eine Mitarbeit des Kongresses bei den Bewilligungen sowie im besonderen bei
drei Arten von Einkünften erfordert:
1. einer Erhöhung der Postgebühren, um dem Defizit bei der Post
ein Ende zu machen;
2. der bereits früher geforderten Verabschiedung von Steuerreformen, um ungerechtfertigte Steuerbegünstigungen aufzuheben und
bei Dividenden und Zinsen die gleichen Abzugsverfahren einzuführen,
wie wir sie bereits seit langem bei den Löhnen anwenden; und
3. eine Verlängerung der gegenwärtigen Sätze für die Verbrauchsund die Körperschaftssteuer, mit Ausnahme solcher Änderungen, die in
einer Botschaft zum Transportwesen noch von mir empfohlen werden.
Stärkung Amerikas
Eine stärkere Nation und eine stärkere Wirtschaft erfordern jedoch mehr als nur einen ausgeglichenen Haushalt. Sie bedingen Fortschritte bei den Programmen, die unser Wachstum fördern und unsere
Stärke festigen.
Städte
Ein starkes Amerika beruht auf seinen Städten - die Amerikas
Ruhm verkünden, deren sich Amerika aber auch manchmal zu schämen hat.
Um das Dunkel durch Sonnenlicht, den Verfall durch Fortschritt zu ersetzen, haben wir die bestehenden Programme zur Neugestaltung der
Städte und für den Wohnungsbau noch intensiviert und neue in Angriff
genommen; haben wir die Maßnahmen zur Bekämpfung der Wasserverschmutzung

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Wasserverschmutzung verdoppelt, haben wir beschleunigt Maßnahmen
zum Ausbau der Plugplätze, zum Bau von Krankenhäusern und Straßen
sowie zum Ausbau der für den Massenverkehr unzulänglichen Durchgangsstraßen eingeleitet, und haben wir neue Mittel zur Bekämpfung
der Jugendkriminalität und des organisierten Verbrechertums geschaffen, die noch durch die koordinierten und energischen Bemühungen
unserer Fahndungsdienste unterstützt wird - durch die Bundeskriminalpolizei, den Steuerfahndungsdienst, das Amt zur Bekämpfung
des Rauschgifthandels und zahlreiche weitere Dienststellen. Wir
werden weitere gesetzgeberische Maßnahmen zur Bekämpfung des Verbrechertums, zur Sanierung des Massengüterverkehrs und des Transpartwesens brauchen und neue Mittel zur Bekämpfung der Luftverschmutzung. Und nachdem nun alle diese Maßnahmen eingeleitet worden sind, er
fordern es die Gerechtigkeit wie auch die Vernunft, daß die städtischen Gebiete des Landes, in denen drei Viertel unserer Bevölkerung
wohnen, ebenfalls im Kabinett vertreten sind. Ich fordere daher die
Errichtung eines neuen Ministeriums für Städtefragen und Wohnungsbau.
Landwirtschaft und natürliche Hilfsquellen
Ein starkes Amerika beruht ferner auf seinen Farmen und seinen
natürlichen Hilfsquellen. Die amerikanischen Farmer schöpften 1961
neuen Mut, nachdem die Einkommen aus landwirtschaftlicher Arbeit um
eine Milliarde Dollar anstiegen und beim Abbau der landwirtschaftliche
Überschußprodukte ein hoffnungsvoller Anfang gemacht wurde. Aber wir
arbeiten immer noch mit einem Flickwerk alter Gesetze, die uns allein
bei der Commodity Credit Corporation (CCC) eine Milliarde Dollar an
Lagergebühren ..kosten, mit denen es jedoch nicht gelungen ist, der
Armut auf dem Lande Einhalt zu gebieten oder die Erträge der Landwirtschaft wirklich zu steigern.
Es ist unsere Aufgabe, die großartige Produktivität unserer
Landwirtschaft zu meistern und sie voll für nutzbringende Zwecke
einzusetzen. Die Revolution in unseren landwirtschaftlichen Gebieten
steht in schärfstem Kontrast zu den wiederholten landwirtschaftlichen
Mißerfolgen in den kommunistischen Ländern und erfüllt uns alle mit
Stolz. Seit 1950 hat sich die Arbeitsproduktivität in unserer Landwirtschaft tatsächlich verdoppelt. Ohne neue und drastische Maßnahmen wird sie eines Tages sowohl unsere Farmer als auch die Steuerzahler in einen nationalen Skandal stürzen - oder aber zu einer
Agrardepression führen.
Aus diesem Grunde werde ich daher dem Kongreß ein neues, umfassendes Farmprogramm unterbreiten, das darauf hin ausgerichtet
ist, die Nutzung unserer landwirtschaftlichen Anbaufläche sowie
die Ernteerträge bei den einzelnen Agrarerzeugnissen den langfristigen Bedürfnissen der sechziger Jahre anzupassen, und das darauf
abgestellt ist, mittels eines Programms des gesunden Menschenverstandes ein Chaos in den sechziger Jahren zu verhindern.
Ebenso

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Ebenso benötigen wir für die sechziger Jahre, wenn wir unseren
Nachkommen den natürlichen Reichtum unseres Landes vererben wollen,
ein neues langfristiges Konservierungs- und Aufbauprogramm - Erweiterung unserer herrlichen Nationalparks und Waldgebiete, Erhaltung unserer unverfälschten Urlandschaften, Erstellung neuer Wasserund ,Kraftwerkpro jekte für unsere ständig wachsende Bevölkerung, Anleihen für die Stromerzeugung und -Verteilung in ländlichen Gebieten.
Bürgerrechte
Amerika aber setzt sich für den Fortschritt sowohl im Bereich
der Bürgerrechte als auch der Wirtschaft ein, und ein starkes Amerika
setzt die Sicherung der uneingeschränkten und gleichen Rechte aller
seiner Bürger jeder Rasse und Hautfarbe voraus. Meine Regierung hat
wie keine andere gezeigt, wie viel durch die volle Ausübung der
Exekutivgewalt, die Durchsetzung der bereits vom Kongreß erlassenen
Gesetze und durch Überredung, Verhandlung und Schlichtung getan werden kann, um die verfassungsmäßigen Rechte aller zu wahren: das
Wahlrecht, die Freizügigkeit über alle einzelstaatlichen Grenzen
hinweg und das Recht auf kostenlose Erziehung an öffentlichen Schulen,
Ich habe im März vergangenen Jahres in einem Erlaß umfassende
Richtlinien gegeben, um das Recht auf gleiche Beschäftigungschancen
in allen Bundesbehörden und in Firmen mit Regierungsaufträgen zu
garantieren. Der auf Grund dieses Erlasses geschaffene Ausschuß beim
Vizepräsidenten hat viel zuwege gebracht und u.a. die freiwilligen
"Pläne für den Fortschritt" ausgearbeitet, die den Bestrebungen,
Angehörigen aller Rassen neue Chancen in den akademischen Berufen
und des Aufstiegs im Betrieb sowie auch andere Beschäftigungsmöglichkeiten zu verschaffen, im ganzen Lande zu einem stillen, aber durchschlagenden Erfolg verholfen haben.
Aber es bleibt noch sehr viel mehr zu tun - von Seiten der Exekutive, der Gerichte und des Kongresses. Die noch unerledigten Gesetzesvorlagen, zu denen die Bundesministerien im einzelnen Stellung
nehmen werden, sehen auch geeignete Methoden vor, um diese Grundrechte,
die wir voll und ganz unterstützen, zu stärken. Das Wahlrecht beispielsweise sollte nicht länger mehr durch willkürliche örtliche Vorschriften, wie Bildungstests und Wahlsteuern, vorenthalten werden dürfen.
Während wir im kommenden Januar dem hundertsten Jahrestag der Sklavenbefreiung entgegensehen, sollte sich jede Regierungsstelle - und jeder einzelne Staatsbürger - von dem Grundgedanken leiten lassen
"Gerechtigkeit erhöhet ein Volk".
Gesundheits- und Fürsorgewesen
Und schließlich darf ein starkes Amerika die Bestrebungen seiner
Bürger - die Fürsorge für die bedürftigen, die gesundheitliche Betreuung der alten und die Erziehung der jungen Menschen - nicht vernachlässigen. Denn wir bauen ja den Wohlstand der Nation nicht um
seiner selbst Willen auf. Wohlstand ist das Mittel, das dem Volke zu
dienen hat. Alle unsere materiellen Reichtümer werden uns wenig

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wenig nützen, wenn wir sie der Bevölkerung nicht in jeder nur erdenklichen Weise zugute kommen lassen.
Im vergangenen Jahr verbesserten wir die Ernährung bedürftiger
Menschen, stellten wir warme Mahlzeiten und frische Milch für Schulkinder bereit, bauten wir mehr Studentenwohnheime und erweiterten wir
für die alten Menschen das private Wohnungsbeschaffungsprogramm, die
Unterbringung in Pflegeheimen, die Betreuung durch den Gesundheitsdienst und die soziale Sicherheit. Aber wir stehen erst am Anfang.
•

Um jenen vom Glück weniger Begünstigten zu helfen, schlage ich
ein neues staatliches Sozialprogramm vor, dessen Schwerpunkt auf
Leistungen anstatt auf Unterstützung, auf Rehabilitation anstelle von
Fürsorge und auf Schulung für eine nutzbringende Beschäftigung anstelle einer längeren Abhängigkeit liegt.
Um den ernsten Mangel an Ärzten und Zahnärzten zu mildern und dies ist eine Angelegenheit, die uns alle angeht - und um die
Forschung auszuweiten, fordere ich Maßnahmen zur Unterstützung der
medizinischen und zahnärztlichen Hochschulen sowie Stipendien und
die Gründung neuer Institute des öffentlichen Gesundheitsdienstes..
Um die durch die Erfolge auf dem Gebiet der modernen Impfung sich
bietenden Vorteile zu nutzen, schlage ich ein Massenimpfprogramm vor,
das die vollkommene Ausmerzung solcher alten Feinde unserer Kinder
wie Kinderlähmung, Diphterie, Keuchhusten und Wundstarrkrampf zum Ziele
hat.
Um unsere Verbraucher vor den Nachlässigen und Skrupellosen zu
schützen, werde ich Verbesserungen unserer Nahrungsmittel-- und Arzneimittelgesetzgebung empfehlen - Verschärfung der Kontrollen und Vorschriften, Zurückhaltung gefährlicher und wertloser Erzeugnisse, Verhinderung einer irreführenden Etikettierung und Unterbindung des
illegalen Verkaufs von Präparaten, die zur Gewöhnung führen.
Im Bereich der Gesundheitsfürsorge ist jedoch unter den noch
unerledigten gesetzgeberischen Maßnahmen keine wichtiger und dringlicher als die gesetzliche Verankerung der Krankenversicherung der
Alten im Rahmen unseres Sozialversicherungssystems.
Denn unsere älteren Mitbürger sind länger und häufiger krank,
müssen höherer Krankenhaus- und Arztrechnungen gewärtig sein und haben
ein zu geringes Einkommen, um sie zu bezahlen. Die private Krankenversicherung kommt nur für sehr wenige in Frage - denn ihre Kosten
sind hoch und ihre Leistungen begrenzt. Die öffentliche Wohlfahrt kann
denjenigen nicht helfen, die zu stolz sind, Unterstützung zu erbitten,
denen es aber schwer fällt, die Krankenkosten aufzubringen. Und auch
ihre Kinder oder Enkel können nicht fortgesetzt den für Krankenkosten
zur Verfügung stehenden Anteil ihres Einkommens darauf verwenden,
diese ständige Belastung zu tragen.
Die

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Die Sozialversicherung trägt seit langem schon dazu bei, die
durch das altersbedingte Ausscheiden aus dem Beruf, durch Tod und
Invalidität entstehenden Härten zu mildern. Ich erhebe nunmehr die
Forderung, daß ihre Leistungen unverzüglich auf die Krankenversicherung
älterer Personen ausgedehnt werden.
Erziehungswesen
Ebenso wichtig für unsere Stärke ist die Qualität unseres
Erziehungswesens. Acht Millionen erwachsene Amerikaner sind in der
Praxis als Analphabeten einzustufen. Das ist eine beunruhigende
Zahl, die sich im Prozentsatz der Zurückstellungen vom Militärdienst
sowie in der Fürsorgestatistik und den Kriminalziffern niederschlägt.
Ich werde deshalb Pläne für eine konzentrische Kampagne zur Beendigung
des Analphabetismus unter den Erwachsenen empfehlen.
Außerdem werde ich Gesetzesvorlagen empfehlen, die geeignet sind,
das Bildungsniveau zu heben, das Kunstschaffen anzuregen und den Hochschulen durch die Gewährung von Darlehen für den Bau akademischer
Einrichtungen sowie durch die Aussetzung von Stipendien aus Bundesmitteln zu helfen.
Wenn unser Land zunehmen soll an Weisheit und Stärke, dann muß
jeder gesunde Oberschulabsolvent die Möglichkeit zur Weiterentwicklung
seiner Fähigkeiten erhalten. Aber noch fehlt nahezu der Hälfte von ihnen
die Mittel oder die sachlichen Voraussetzungen für ein Hochschulstudium.
Die Einschreibungen an den Hochschulen dürften sich in der kurzen Zeitspanne von zehn Jahren verdoppeln. Die jährlichen Studienkosten für
jeden Studenten sind auf eine astronomische Höhe emporgeschnellt. Zur
Zeit betragen sie durchschnittlich 1 65O Dollar pro Jahr, während das
Jahreseinkommen fast der Hälfte unserer Familien unter 5000 Dollar
liegt. Sie können sich solche Aufwendungen nicht leisten - doch unser
Land kann es sich ebensowenig leisten, seine militärische Macht aufrechtzuerhalten, seine Geistesgaben aber zu vernachlässigen.
Das Streben nach Vortrefflichkeit der Erziehung muß in der Grundschule beginnen. Ich habe dem Kongreß im vergangenen Jahr einen Gesetzesvorschlag unterbreiten lassen, der die Bereitstellung von Bundesmitteln für den Schulneubau und die Lehrerbesoldung vorsieht. Dieser Vorschlag, der bereits die Billigung des Senats und der Ausschüsse
des Repräsentantenhauses gefunden hat, stellt meines Erachtens, gemessen an unseren Bedürfnissen, zwar ein Minimum, alles in allem zusammengenommen aber doch das Maximum an Hilfe dar, das unsere Verfassung zuläßt. Ich sehe deshalb keinen Anlaß dafür, das Gesetz abzuschwächen oder zurückzuziehen; ich empfehle vielmehr dringend seine
Verabschiedung noch in dieser Sitzungsperiode.
"Zivilisation", so hat H.G. Wells einmal gesagt, "ist ein Wettlauf zwischen Erziehung und Katastrophe." Es liegt an Ihnen, in diesem
Kongreß (zu entscheiden, wer der Sieger in diesem Wettlauf sein wird.
Es geht hier keineswegs um irgendwelche zusammenhanglosenMaßnahmen, die
bestimmte Lücken oder Mißstände im Leben unseres Volkes betreffen. Es

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Es geht hier vielmehr um die Art unserer Absichten und die Grundlage
unserer Hoffnungen. Ich glaube an die Demokratie, hat Woodrow Wilson
gesagt, weil sie die Energie eines jeden Menschen freisetzt. Die
Dynamik der Demokratie liegt in der Kraft und der Zielsetzung des
Einzelmenschen, und die Politik unserer Regierung besteht darin,
dem einzelnen die Chance zu geben, seine eigenen höchsten Möglichkeiten zu verwirklichen. Unser Programm soll allen die Möglichkeit
für eine stetige und produktive Beschäftigung geben, für alle das Handikap einer willkürlichen und unsinnigen Diskriminierung beseitigen,
allen die Einrichtungen für Erziehung, Gesundheit und Wohlfahrt zugänglich machen, die Gemeinschaft zum Diener des einzelnen und den
einzelnen zu einer Quelle des Fortschritts machen und somit für alle
die ganzen Verheißungen der amerikanischen Lebensform verwirklichen.
Unsere Ziele im Ausland
Alle diese Anstrengungen im eigenen Lande geben unseren Bemühungen
im Ausland ihre Bedeutung. Seit dem Ende des zweiten Weltkrieges hat
ein globaler Bürgerkrieg die Menschheit gespalten und zerrissen. Aber
es sind nicht unsere militärische Macht oder unser höherer Lebensstandard, die uns am meisten von unseren Gegnern unterschieden haben.
Es ist vielmehr unsere Überzeugung, daß der Staat der Diener des Bürgers und nicht sein Herr ist.
Dieser grundsätzliche Zusammenprall der Ideen und Zielsetzungen
ist aber nur eine der Kräfte, die unseren Erdball neu formen - unseren
Erdball, der zwischen Hoffnung und Furcht hin- und hergerissen ist,
durch Krisen, die heute die Schlagzeilen der Presse füllen und morgen
schon zu bloßen 'Fußnoten geworden sind. Sowohl Erfolge als auch Rückschläge des vergangenen Jahres stehen weiterhin auf der Liste der
unerledigten Arbeiten. Denn jede offenbare Segnung enthält auch den
Samen der Gefahr, jedes Krisengebiet läßt auch Raum für Hoffnung,
und die einzige unveränderliche Gewißheit ist, daß nichts gewiß oder
unveränderlich ist.
Doch unser grundlegendes Ziel bleibt das gleiche: eine friedliche
Weltgemeinschaft freier und unabhängiger Staaten, die frei ihre eigene
Zukunft bestimmen und ihr eigenes System wählen können, solange dieses
nicht die Freiheit der anderen bedroht.
Einige werden vielleicht Formen und Wege wählen, die wir für uns
nicht wählen würden; aber sie wählen ja nicht für uns. Wir können
eine Vielfalt begrüßen, die Kommunisten können dies nicht. Denn wir
bieten eine Welt der Entscheidungsfreiheit, sie bieten eine Welt des
Zwanges. Und die Ereignisse der Vergangenheit zeigen deutlich, daß der
Freiheit und nicht dem Zwang die Zukunft gehört. Manchmal wurde unser
Streben durch eine Krise verdunkelt oder einen Konflikt gefährdet,
aber es schöpft seine Kraft aus fünf grundlegenden Quellen der Stärke:
aus

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aus der moralischen und physischen Stärke der Vereinigten
Staaten;
aus der vereinten Stärke der Atlantischen Gemeinschaft,
aus der regionalen Stärke unserer Beziehungen auf der westlichen Hemisphäre;
aus der schöpferischen Stärke unserer Bemühungen in den
jungen Entwicklungsländern; und
aus der den Frieden währenden Stärke der Vereinten Nationen.
Unsere militärische Stärke
Unsere moralische und physische Stärke beginnt, wie bereits erwähnt, im eigenen Land. Sie schließt aber ebenso die militärische
Stärke ein. Solange Fanatismus und Furcht schwer über der Menschheit
lasten, müssen wir rüsten, um andere vor Aggressionen abzuschrecken.
In den vergangenen zwölf Monaten ist unsere militärische Position
stetig verbessert worden. Wir erhöhten das vorhergehende Verteidigungsbudget um fünfzehn Prozent - nicht in der Erwartung eines Krieges,
sondern um den Frieden zu erhalten. Wir haben die Beschaffungsrate
für Polaris-Unterseeboote um mehr als das Doppelte heraufgesetzt die Produktionskapazität für Minuteman-Raketen verdoppelt - und die
Zahl der bemannten Bomber, die innerhalb von fünfzehn Minuten einsatzbereit sind, um 50 Prozent erhöht. Die auf Grund des neuen Verteidigungsbudgets für dieses Jahr geplante Gesamtstärke - einschließlich
fast 300 zusätzlicher Polaris- und Minuteman-Raketen - ist genau berechnet worden, um auch weiterhin unsere atomare Abschreckungskraft
sicherzustellen.
Aber unsere Stärke kann auf vielen Ebenen einer Prüfung unterzogen werden. Es ist unser Ziel, jederzeit über die Macht zu verfügen,
nicht-atomaren oder begrenzten Angriffen widerstehen zu können - und
zwar als Ergänzung unserer nuklearen Kapazität und nicht etwa als
Ersatz. Wir haben jede Politik des "Alles-oder-Nichts" zurückgewiesen,
die uns keine andere Wahl ließe als unrühmlichen Rückzug oder unbegrenzte Vergeltung.
Aus diesem Grunde haben wir die Zahl unserer einsatzbereiten Kampfdivisionen der strategischen Reserve der Armee verdoppelt - die Zahl
unserer Truppen in Europa erhöht - das Marinekorps verstärkt - neue
See- und Lufttransportkapazität geschaffen - Waffen und Munition modernisiert - unsere Anti-Guerilla-Streitkräfte ausgeweitet - und die
aktive Flot te durch mehr als 70 Schiffe und unsere taktischen Luftstreitkräfte durch fast ein Dutzend Geschwader verstärkt.
Da wir diesen höheren Bereitschaftsgrad schneller erreichen mußten,
wurden 155 000 Reservisten und Angehörige der Nationalgarde auf Grund
eines von diesem Kongreß erlassenen Gesetzes einberufen. Gewisse Schwierigkeiten und Härten waren unvermeidlich. Doch trägt die Mehrzahl der
Betroffenen die ihnen - und unserer Nation - auferlegten Lasten mit bewundernswerter und unserer Tradition gemäßer Hingabe.
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Im nächsten Jahr werden unsere Reservisten-Einberufungspläne neu
gefaßt werden: Zwei neue Heeresdivisionen, so hoffe ich, werden die
unter den Waffen stehenden Divisionen der Nationalgarde ersetzen,
und weitere erhebliche Zugänge werden die Jagdverbände unserer Luftstreitkräfte, die Gerätebeschaffung und unser kontinentales Verteidigungs- und Warnsystam verstärken. Das erste ernsthafte Schutzbunkerbauprogramm für die Zivilbevölkerung ist angelaufen, in dessen Rahmen
Raum für 50 Millionen Menschen festgestellt, gekennzeichnet und bereitgehalten werden wird; und ich ersuche Sie um die Bewilligung von Bundesförderungsmitteln für den Bau von öffentlichen Schutzräumen gegen
radioaktiven Ausfall in Schulen, Krankenhäusern und ähnlichen Baulichkeiten .
Die Vereinten Nationen
Aber Waffen allein genügen nicht, um den Frieden zu erhalten er muß von Männern erhalten werden. Unser Werkzeug und unsere Hoffnung sind die Vereinten Nationen - und ich sehe wenig Verdienstvolles
in der Ungeduld jener, die dieses unvollkommene Weltinstrument aufgeben
wollen, weil sie unsere unvollkommene Welt nicht mögen. Denn die Unzulänglichkeiten einer Weltorganisation sind nichts anderes als ein
Spiegelbild der Unzulänglichkeiten der Welt selbst. Und wenn die Weltorganisation geschwächt wird, werden sich diese Unzulänglichkeiten nur
vergrößern. Wir mögen nicht mit jeder einzelnen Aktion eines jeden
einzelnen Beamten oder mit jedem Mehrheitsbeschluß der Vereinten Nationen einverstanden sein. Aber sie werden, als Organisation betrachtet, auch in der Zukunft - so wie bisher seit ihrer Gründung - kein
stärkeres und kein treueres Mitglied haben als die Vereinigten Staaten
von Amerika.
Im Jahre 1961 wurde die friedenserhaltende Kraft der Vereinten
Nationen gestärkt. Und jene, die ihrem Absterben den Vorzug gegeben
hätten oder es vorhersagten, als sie sich einer Troika auf dem Posten
Hammerskjölds oder einer Aufnahme Rotchinas in die Versammlung gegenübersahen, haben statt dessen die Regeneration der Tatkraft unter
einem neuen Generalsekretär und einem gänzlich unabhängigen Sekretariat erlebt. Mit ihren Plänen für ein neues Forum und neue Abrüstungsprinzipien, zur Erhaltung des Friedens im Weltraum, für ein Jahrzehnt
der Entwicklungsanstrengungen haben die Vereinten Nationen die hohen
Ziele ihrer Charta erfüllt.
Vor achtzehn Monaten stellte der Kongo in seinem wirren Durcheinander die Vereinten Nationen vor ihre schwerste Bewährungsprobe.
Man mußte entweder mit Chaos oder einer bestimmten Konfrontation der
Großmächte mit all ihren Gefahren und Risiken für uns und die anderen
Länder rechnen. Heute sind die Aussichten für eine friedliche Versöhnung in einem geeinten Kongo besser geworden. Dies ist das Ziel unserer Politik in diesem wichtigen Gebiet,

Ein

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Ein Polizist ist im allgemeinen nirgendwo besonders "beliebt vor allem dann nicht, wenn er zur Wiederherstellung von Recht und
Ordnung in seinem Revier den Gummiknüppel gebraucht. Jene Mitglieder,
die den Vereinten Nationen zwar bereitwillig ihre Stimme und ihre
Sympathie zur Verfügung stellen - aber kaum mehr -, haben ein schweres Defizit verursacht, indem sie sich weigerten, ihren Anteil an
den Sonderbeiträgen für die UN zu zahlen. Wohl aber zahlen sie ihre
Jahresbeiträge, um ihr Stimmrecht zu behalten - und dabei muß eine
neue UN-Anleihe-Emission zur Finanzierung der Sonderaufgaben in den
nächsten 18 Monaten mit Zinsen aus diesen regelmäßigen Jahresbeiträgen
zurückgezahlt werden. Dies liegt eindeutig in unserem Interesse. Es
wird nicht nur die Vereinten Nationen solvent erhalten, sondern alle
Mitglieder, die ihr Stimmrecht ausüben wollen, zwingen, ihren fairen
finanziellen Anteil an diesen Operationen zu tragen. Unser finanzieller Anteil an den Beiträgen für Sonderaufgaben ist seit langem um
vieles höher gewesen als unser Anteil an dem Jahresbeitrag - und die
Anleihe-Emission wird faktisch diesen unseren unangemessenen Anteil
reduzieren. Aus diesen Gründen ersuche ich den Kongreß um die Billigung
unserer Beteiligung.
Mit der Billigung dieses Kongresses haben wir im vergangenen
Jahr einen neuen großen Vorstoß in den Weltraum unternommen. Unser
Ziel besteht nicht lediglich darin, als erste auf dem Mond zu sein,
genausowenig, wie das wirkliche Ziel von Charles Lindbergh darin
bestand, als erster in Paris zu sein. Sein Ziel war es, die Technik
und das Ansehen unseres Landes und anderer Länder auf dem Gebiet
der Fliegerei und Luftfahrt zu entwickeln. Und unser Ziel bei diesem
Unterfangen - in dessen Verlauf, wie wir hoffen, ein Mensch zum Mond
gelangen wird - ist es, die Stellung der Vereinigten Staaten und der
freien Welt in einem Neuland der Wissenschaft, des Handels und der
Zusammenarbeit zu festigen. Unser Land gehört zu den ersten, die es
erforschen. Und wir werden unter den ersten, wenn nicht die ersten
sein. Wir bieten den Vereinten Nationen unser Wissen und unsere Mitarbeit an. Unsere Satelliten werden in Kürze den anderen Nationen
bessere Wetterbeobachtungen ermöglichen. Und ich werde dem Kongreß
in Kürze eine Vorlage unterbreiten, die die Finanzierung und den
Betrieb eines internationalen Fernmeldesatelliten-Systems in einer
Weise regelt, die im Einklang mit dem öffentlichen Interesse und mit
unserer Außenpolitik steht.
Aber der Friede im '»Veitraum wird uns nichts helfen, wenn der
Friede auf der Erde selbst verloren ist. Eine Weltordnung wird nur
dann gewährleistet sein, wenn die gesamte Welt die Waffen niedergelegt hat, die gegenwärtig Sicherheit für die Gegenwart zu bieten
scheinen, die aber unser Fortbestehen - das Fortbestehen der Menschheit - in der Zukunft gefährden. Dieser Waffenstillstandstag scheint
noch in sehr ferner Zukunft zu liegen. Die riesigen Hilfsquellen dieses
Planeten werden immer mehr für Vernichtungsmittel verwandt statt zur
Bereicherung des menschlichen Lebens.
Aber die Welt ist nicht als ein Gefängnis gedacht, in dem die
Menschen auf ihre Hinrichtung v/arten. Die Menschheit hat auch nicht

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nicht die Prüfungen und Bewährungsproben von Jahrtausenden überdauert, nur um jetzt alles - einschließlich ihrer Existenz - aufzugeben. Unser Land hat den Glauben und den Willen, eine gewaltige
Anstrengung zu unternehmen, um den seit -langem bestehenden toten
Punkt in der Abrüstungsfrage und der Frage der Atomversuche zu
überwinden, und wir werden beharrlich bleiben, bis wir Erfolg haben
und die Herrschaft des Rechts an die Stelle der so gefahrvollen
Gewaltanwendung getreten ist.
Lateinamerika
Ich wende mich nunmehr einem Fragenkreis zu, der große Verheißungen in sich birgt: unseren Beziehungen zu den Ländern der
westlichen Hemisphäre. Die Allianz für den Fortschritt entwickelt
sich rasch von einem reinen Vorschlag zum Programm. Im vergangenen
Monat habe ich persönlich in Lateinamerika erleben können, wie die
Hoffnungen immer stärker werden, wie neue Zuversicht und neues Vertrauen zu unserem Land entstehen - und zwar sowohl bei den Arbeitern
und der Landbevölkerung als auch bei den Diplomaten. Wir haben uns
verpflichtet, diesen Ländern bei der Beschleunigung ihres wirtschaftlichen, bildungsmäßigen und sozialen Fortschrittes zu helfen. Die
lateinamerikanischen Republiken haben sich ihrerseits zu einer neuen
und aktiven Anstrengung der Selbsthilfe und der eigenen Reformen
verpflichtet.
Um dieses historische Vorhaben zu fördern, schlage ich gemäß
der in den Gesetzen der letzten Sitzungsperiode enthaltenen Vollmacht die Schaffung eines langfristigen Fonds der Allianz für den
Fortschritt in Hohe von drei Milliarden Dollar vor. Zusammen mit
unserem Lebensmittel-für-den-Frieden-Programm, mit den Leistungen
der Export-Import-Bank und anderen Hilfsquellen wird der Allianz damit jährlich mehr als eine Milliarde Dollar an neuer Unterstützung
zuteil werden. Darüber hinaus haben wir unsere Lateinamerika-Sendungen in spanischer und portugiesischer Sprache um das Zwölffache
gesteigert und den Handel und die Verteidigung der westlichen
Hemisphäre verbessert. Und in dem Maße, in dem der schädliche Einfluß des Kommunismus in den Amerikas in immer stärkerem Maße bloßgestellt und isoliert worden ist, hat die Freiheit Erfolge errungen.
Mit unserer entschlossenen Förderung und Unterstützung und der unserer Schwesterrepubliken in dieser Hemisphäre geht die Bevölkerung
der Dominikanischen Republik sicher den schwierigen Weg von der
Diktatur über die Unordnung zur Demokratie.
Die jungen Entwicklungsländer
Unsere Bemühungen, den jungen Nationen und den Entwicklungsländern zu helfen, haben gleichfalls einen Fortschritt zu verzeichnen.
Das neu zusammengefaßte Amt für Internationale Entwicklung (AID) gibt
unserer Auslandshilfe eine neue Richtung, wobei der Nachdruck auf
langfristige Entwicklungsanleihen statt nichtrückzahlbaren Zuwendungen
gelegt wird und auf stärkere Wirtschaftshilfe statt Militärhilfe, auf
individuelle Pläne für die individuellen Bedürfnisse der Staaten und
auf neue Maßstäbe für das, was sie zur Mobilisierung ihrer eigenen
Hilfsquellen tun müssen.
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Das

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19. Januar 1962

Das neugeschaffene Friedenskorps gewinnt sich Freunde und
steht zur Hilfeleistung in vierzehn Ländern bereit - indem es
ausgebildete und einsatzfreudige junge Männer und Frauen zur Verfügung stellt, um diesen jungen Nationen beim Aufbau ihrer Gesellschaft zur Hand zu gehen und ihnen eine Vorstellung von dem Besten
zu geben, was unser Land zu bieten hat. Sofern es hier ein Problem
gibt, so besteht es darin, daß wir der spontaaen und ständig größer
werdenden Nachfrage nicht nachkommen können .
Das erneut erweiterte "Lebensmittel-für-den-Frieden"-Programm
speist die hungernden Menschen vieler Länder aus dem Überfluß unserer produktiven Farmen - das bedeutet Mahlzeiten für Schulkinder,
Löhne für die Wirtschaftsentwicklung, Hilfszuwendungen für die Opfer
von Hochwasser- und Hungerkatastrophen, größere Rationen für Millionen Menschen, deren Hauptsorge das tägliche Brot ist.
Liese Programme helfen den einzelnen Menschen; und dadurch, daß
sie den einzelnen helfen, kommen sie der Freiheit zugute. Die Ansichten ihrer Regierungen mögen sich bisweilen wesentlich von den unsrigen
unterscheiden - aber die Vorgänge in Afrika, im Mittleren Osten und
in Osteuropa lehren uns, niemals ein Land als an 'das kommunistische
Lager verloren abzuschreiben. Das ist das, was uns unsere Zeit lehrt.
Wir setzen uns für die Unabhängigkeit jener jüngeren oder schwächeren
Staaten ein, deren Geschichte, Geographie und wirtschaftliche Lage
oder deren Ohnmacht sie zwingt, sich aus "Bündnisverstrickungen" hexauszuhalten - wie wir dies selbst über ein Jahrhundert lang getan haben.
Denn nationale Unabhängigkeit bedeutet eine Schranke für die "Großraumstrategie" der Kommunisten - während sie die Grundlage unserer
eigenen ist.
Im vergangenen Jahr haben wir beispielsweise ein neutrales
und unabhängiges Laos befürwortet - dort wieder eine gemeinsame
Politik mit unseren Hauptverbündeten hergestellt - und Verhandlungen
von einem vorherigen Waffenstillstand abhängig gemacht. Zwar muß
noch eine praktisch durchführbare Formel für die Überwachung der
Unabhängigkeit dieses Landes gefunden werden, doch gelang es bisher,
sowohl die Ausbreitung des Krieges, in den auch unser Land hätte
verwickelt werden können, als auch eine kommunistische Okkupation zu
verhindern.
Eine zufriedenstellende Regelung in Laos würde auch dazu beitragen, den Frieden in Vietnam zu erreichen und zu sichern, wo der
Gegner seine Terroraktionen verschärft, wo unsere eigenen Anstrengungen erhöht worden sind und wo die dortige Regierung neue Programme
und Reformen eingeleitet hat, um die Basis für den Widerstand zu verbreitern. Die systematisch betriebene Aggression, die gegenwärtig an
den Kräften dieses Landes zehrt, ist kein "Befreiungskrieg", denn
Vietnam ist bereits frei. Es ist ein Krieg als Unterjochungsversuch,
und er wird auf Widerstand stoßen.
Die

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19. Januar 1 962

Die Atlantische Gemeinschaft
Schließlich hat die vereinte Stärke der Atlantischen Gemeinschaft im letzten Jahr unter schweren Belastungsproben zugenommen.
Die NATO hat sowohl die Zahl als auch die Bereitschaft seiner Luft-,
Land- und Seestreitkräfte und auch deren Schlagkraft im Bereich sowohl der nuklearen als auch der herkömmlichen Waffen erhöht. Noch
bedarf es größerer Anstrengungen all ihrer Mitglieder. In jedem
Fall aber wurde unsere Einigkeit in den Zielsetzungen und im
Wollen unermeßlich gestärkt.
Die Bedrohung der tapferen Stadt Berlin besteht nach wie vor.
In den letzten sechs Monaten haben die Alliierten in unmißverständlicher Weise zu verstehen gegeben, daß unsere Anwesenheit in Berlin,
der freie Zugang zu der Stadt und die Freiheit der zwei Millionen
Westberliner weder angesichts von Gewalt noch um der Beschwichtigung
willen preisgegeben werden, - und zur Wahrung dieser Rechte und
Verpflichtungen sind wir bereit zu verhandeln, wo dies angebracht
ist, und zu kämpfen, falls dies notwendig wird. Jedes Mitglied der
NATO steht gemeinsam mit uns unter der Verpflichtung,dieses Symbol
für den Willen freier Menschen, frei zu bleiben, zu erhalten.
Ich kann den Kurs, den künftige Berlin-Verhandlungen nehmen
werden, nicht voraussagen. Ich kann nur sagen, daß wir keine ehrenhafte Anstrengung scheuen werden, eine friedliche und für alle annehmbare Lösung des Problems zu finden. Ich bin überzeugt, daß eine solche
Lösung gefunden und damit eine Verbesserung in unseren Beziehungen
zur Sowjetunion hergestellt werden kann, wenn die führenden Männer
im Kreml die Grundrechte und Interessen, um die es geht, und auch
das Interesse der ganzen Menschheit am Frieden anerkennen.
Aber der Atlantischen Gemeinschaft geht es nicht mehr allein
um rein militärische Ziele. In dem Maße, in dem ihre gemeinsamen
Vorhaben in immer schnellerem Tempo wachsen, sind wir - und wollen
es in steigendem Maße sein - Partner in der Hilfe, im Handel, in der
Verteidigung, in der Diplomatie und in Währungsfragen.
Mit der Entstehung des neuen Europa geht die Entstehung neuer
Bindungen über den Atlantik hinweg Hand in Hand. Es ist eine Sache
der unsensationellen täglichen Zusammenarbeit in Hunderten von
alltäglichen Aufgaben: der Herstellung richtiger Währungsrelationen,
der gemeinsamen Bereitstellung von Entwicklungsanleihen, der Standardisierung der Waffen und der aufeinander abgestimmten diplomatischen Standpunkte.
Die Atlantische Gemeinschaft wächst night wie ein Vulkan durch
gewaltige Ausbrüche, sondern wie ein Korallenriff durch die zusammentragende Tätigkeit aller. So kommen wir in der freien Welt der Einheit und der Zusammenarbeit ständig näher, und das entgegen der
alten bolschewistischen Voraussage und genau zu der Zeit, da man
über den Eisernen Vorhang hinweg außergewöhnlich grollende Töne

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�19. Januar 1 962

"AMERIKA DIENST'

Töne der Zwietracht vernehmen kann. Es sind nicht die freien Gesellschaften, die den Samen der zwangsläufigen Uneinigkeit in sich
tragen.
Unsere Zahlungsbilanz
Bei einem besonderen Problem, das unseren Freunden wie auch uns
große Sorge macht, freue ich mich, dem Kongreß einen ermutigenden
Bericht geben zu können. Unsere Bemühungen um die Sicherung des
Dollars verlaufen erfolgreich. In den elf Monaten vor dem 1. Februar
vergangenen Jahres haben wir einen Nettogoldverlust von fast zwei
Milliarden Dollar gehabt. In den elf darauffolgenden Monaten betrug
dieser Goldverlust nur etwas über eine halbe Milliarde Dollar. Und
unser Defizit in unseren Haupttransaktionen mit der übrigen Welt, auf
dem Gebiet des Handels, der Verteidigung und der Auslandshilfe sowie
auf dem Kapitalsektor, wurde - kurzfristige spekulative Kapitalbewegungen ausgeschlossen - von zwei Milliarden Dollar im Jahre 1960
auf etwa ein Drittel dieses Betrages im Jahre 1961 reduziert. Das
Spekulationsfieber zum Schaden des Dollars ebbt ab, und das Vertrauen
in den Dollar ist wiederhergestellt worden.
'.Vir haben diese Erfolge nicht durch Importrestriktionen, den
Abzug von Truppen, Devisenkontrollen, eine Abwertung des Dollars
oder eine Dämpfung des wirtschaftlichen .Viederaufschwungs erreicht,
und hätten es auch nicht gekonnt. '.Vir haben nicht in Panik, sondern
vorausschauend gehandelt. Aber das Problem ist noch nicht gelöst.
Ständige große Defizite würden unsere wirtschaftliche Expansion und
unsere militärischen und Verteidigungsverpflichtungen gegenüber dem
Ausland gefährden. Unser Ziel muß ein vernünftiges Gleichgewicht in
unserer Zahlungsbilanz sein. Wenn der Kongreß, die Wirtschaft, die
Gewerkschaften und unsere Hauptverbündeten mithelfen, kann dieses
Ziel erreicht werden.
Wir werden auch weiterhin für unser Land um ausländische Touristen und ausländisches Investitionskapital werben, eine Erhöhung
der Beschaffungskäufe unserer Verbündeten bei uns anstreben, den
Abfluß von Dollar im Gefolge unserer eigenen militärischen Bemühungen
auf ein Minimum verringern, die Beschaffungskäufe bei amerikanischen
Firmen im Rahmen der Auslandshilfe auf ein Maximum steigern, auf
vermehrte Hilfe seitens der anderen, vom Glück begünstigten Länder
für die weniger glücklichen drängen, eine Steuergesetzgebung anstreben, die nicht Investitionen in anderen Industrieländern oder steuergünstigeren Staaten fördert, sowie auf eine Koordinierung der Finanzund Währungspolitik der Alliierten drängen, um so vor großen und
störenden Kapitalbewegungen abzuschrecken.
Handel
Wenn wir für unsere Verpflichtungen im Ausland aufkommen sollen,
dann müssen wir vor allem unseren Export ausweiten. Unsere Wirtschaft
muß exportbewußt und wettbewerbsfähig sein. Unsere Steuerpolitik muß
zur Modernisierung unserer Fabriken anspornen. Die Entwicklungen auf

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�"AMERIKA LIEHST"

19. Januar 1°62

auf dem Lohn- und Preissektor müssen in Übereinstimmung mit der
Produktivität stehen, um das Preisniveau zu halten; unsere Bemühungen um die Bereitstellung von Exportkrediten und die Kampagne zur
Förderung der amerikanischen Industrie müssen auch fernerhin erweitert werden.
/
Aber die größte aller Aufgaben wird uns durch das Wachstum
des europäischen Gemeinsamen Marktes gestellt. Vorausgesetzt, daß
Großbritannien dem Markt beitritt, wird jenseits des Atlantiks
ein Handelspartner hinter einem einzigen Außenzoll ähnlich dem
unsrigen mit einer Wirtschaft entstehen, die unserer eigenen nahezu
gleichkommt. Wollen wir hier in den USA unser Denken diesen neuen
Aussichten und diesem neuen Rahmen anpassen - oder, wollen wir warten,
bis die Ereignisse uns überholt haben?"'
In diesem Jahr müssen wir uns entscheiden. Las Gesetz über gegenseitige Handelsabkommen läuft aus. Wir brauchen ein neues Gesetz eine völlig neue Einstellung zu den Lingen - und ein kühnes neues
Instrument der amerikanischen Handelspolitik. Unsere Entscheidung
könnte sehr wohl die Einheit des Westens, den Verlauf des Kalten
Krieges und das wirtschaftliche Wachstum unserer Nation für die
nächste Generation beeinflussen.
Wenn wir entschlossen vorgehen, dann können unsere Fabriken
und Farmen ihre Verkäufe auf ihrem bisher reichsten und am schnellsten wachsenden Markt steigern. Unsere Exporte werden anwachsen,
Der Stand unserer Zahlungsbilanz wird sich verbessern, und wir werden über den Atlantik hinweg eine Handelspartnerschaft mit einei
jm
gewaltigen Potential für den Frieden zustande gebracht haben.
Wenn wir andererseits aber aus Rücksicht auf lokalen wirtschaftlichen Lruck zurückstehen, dann werden wir uns von unseren wichtigen
Verbündeten abgeschnitten sehen. Lie Industrien - und dies halte ich
für äußerst entscheidend - werden ihre Anlagen, ihre Arbeitsplätze
und ihr Kapital in den geschlossenen Bezirk des Gemeinsamen Marktes
hineinverlegen - und damit würden Arbeitsplätze in den USA verlorengehen -, wenn sie anders im Konkurrenzkampf um die dortigen Verbraucher nicht mehr bestehen können. Unsere überschüssigen Farmprodukte
werden zunehmen. Und unsere Handelsbilanz gegenüber.Europa und dem
Gemeinsamen Markt in landwirtschaftlichen Erzeugnissen ist - wie Sie
alle wissen - fast 3 oder 4 zu 1 zu unseren Gunsten und bildet somit
eine der besten Lollareinnahmequellen in der Struktur unserer Zahlungsbilanz. Ohne Zugang zu diesem Markt und ohne die Fähigkeit, in
ihn einzudringen, werden sich unsere landwirtschaftlichen Überschüsse
im mittleren Westen, unser Tabak im Süden und andere Waren, die
seit 50 Jahren nach Westeuropa gegangen sind, zu Bergen aufstapeln.
Unsere Zahlungsbilanz wird sich verschlechtern und unsere Verbraucher
werden nicht über eine größere Auswahl an Gütern zu niedrigeren Preisen verfügen. Millionen amerikanische Arbeiter aber, deren Arbeitsplätze vom Verkauf oder Transport oder der Verteilung der Exporte
oder Importe abhängen - oder durch den Abfluß unseres Kapitals nach

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�"AMERIKA DIENST

19. Januar 1 962

"nach Europa gefährdet werden, oder nur in einer expandierenden
Wirtschaft gewährleistet werden können - diese Millionen Arbeiter
in Ihren Heimatstaaten und in dem meinen werden ihre wahren Interessen zum Opfer gebracht sehen.
Mitglieder des Kongresses! Die Vereinigten Staaten sind nicht
zu ihrer Größe angestiegen, indem sie warteten, bis andere vorangingen. Unsere Nation steht als Fabrikant, Farmer, Bankier, Verbraucher und Exporteur an der Spitze der Welt. Der Gemeinsame Markt
schreitet mit einer wirtschaftlichen Wachstums rate voran, die doppelt so groß ist wie die unsere. Die kommunistische Wirtschaftsoffensive ist auf dem Marsch. Wir haben die Chance - die Initiative liegt
bei uns -, und ich meine, daß 1962 die Zeit gekommen ist.
Um diese Initiative zu ergreifen, werde ich dem Kongreß in
Kürze eine Vorlage für ein neues 5-Jahres-Handelsexpansionsprogramm
vorlegen, das in seinem Umfang weitgesteckt ist, das aber mit großer
Sorgfalt ausgearbeitet wurde, um sicherzustellen, daß seine Vorteile
für unser Volk alle etwaigen Risiken bei weitem überwiegen. Die
Gesetzesvorlage wird den schrittweisen Abbau der Zölle hier in den
Vereinigten Staaten und im Gemeinsamen Markt für jene Güter ermöglichen, die wir zusammen zu 80 Prozent für den Welthandel liefern in der Mehrzahl handelt es sich dabei um Güter, bei denen unsere
eigene Konkurrenzfähigkeit durch die Tatsache unter Beweis gestellt
ist, daß wir im Ausland bedeutend mehr von diesen Waren verkaufen,
als wir importieren. Diese Maßnahme wird unsere größeren Industrien
in die Lage versetzen, mit den entsprechenden Firmen in Westeuropa
in den Wettbewerb um die Abnahme bei den europäischen Verbrauchern
zu treten.
Andererseits wird das Gesetz eine stufenweise Senkung der
Zölle bis zu 50 Prozent gestatten - wobei man bei wichtigen Warenkategorien die Sätze aushandeln kann -, und geeignete und bewährte
Formen der Hilfe für Firmen und Angestellte vorsehen, die sich dem
Importwettbewerb anpassen. ,Vir unterschätzen dabei nicht die Sicherheitsgewähr, die uns die Gefahrenpunkt- und Ausweichklauseln sowie
die Abänderungsbestimmungen zum Gesetz über die Nationale Sicherheit
bieten. Ebensowenig geben wir unsere nichteuropäischen Freunde oder
unser traditionelles Frinzip der meistbegünstigten Länder auf. Das
Gesetz wird ihnen im Gegenteil einen neuen Ansporn für den Absatz
ihrer tropischen Agrarerzeugnisse geben, wie er für unsere Freunde
in Lateinamerika von so großer Wichtigkeit ist, die lange Zeit von
dem europäischen Markt abhängig waren und die sich heute vor neue
Probleme und Aufgaben gestellt sehen, welche zu meistern wir ihnen
beistehen müssen.
Konzessionen bei diesen Verhandlungen müssen selbstverständlich
auf der Basis der "Gegenseitigkeit und nicht einseitig gemacht werden. Der Gemeinsame Markt wird sein eigenes großes Versprechen nicht
einlösen, wenn er seine Zollmauern gegenüber dritten Ländern nicht
niedrig hält. Die Gefahren der Restriktion oder der Zurückhaltung in
unserer eigenen Politik finden ihr Gegenstück bei unseren Freunden

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�"AMERIKA DIENST"

:

19. Januar 1962

Freunden in Europa. Denn wir stehen zusammen einer gemeinsamen
Aufgabe gegenüber: den Wohlstand der freien Menschen in aller Welt
zu vergrößern und in einer Partnerschaft eine neue Handelsgemeinschaft aufzubauen, in der alle freien Nationen aus der produktiven
Kraft freier Wettbewerbsbemühungen Gewinn ziehen können.
Diese verschiedenen Faktoren in unserer Außenpolitik führen,
wie ich bereits gesagt habe, zu einem einzigen Ziel - dem Ziel einer
friedlichen Welt freier und unabhängiger Staaten. Dies ist unsere
Richtschnur für die Gegenwart und unsere Vision für die Zukunft eine freie Gemeinschaft von Nationen, unabhängig, aber doch voneinander abhängig, Nord und Süd, Ost und West in einer großen Menschheitsfamilie vereint, einer Gemeinschaft, die den Haß und die Furcht, die
unsere Welt spalten, überwunden hat und über sie hinausgewachsen ist.
Wir werden dieses Ziel nicht heute oder morgen erreichen. Wir
werden es möglicherweise nicht einmal zu unseren Lebzeiten erreichen.
Aber das Streben danach ist das größte Abenteuer unseres Jahrhunderts.
Wir lehnen uns zuweilen auf gegen die Bürden unserer Verpflichtungen,
die Schwierigkeiten unserer Entscheidungen, die Qualen der zu treffenden Wahl. Aber ein Ausweichen bringt keinen Trost und keine Sicherheit für uns, ein Verzicht keine Lösung, Verantwortungslosigkeit
keine Entlastung.
Als ich vor einem Jahr die Amtsgeschäfte als Präsident übernahm, sagte ich, daß wenigen Generationen in der ganzen Geschichte
die große Aufgabe der Verteidigung der Freiheit in der Stunde ihrer
höchsten Gefährdung zuteil geworden ist. Dies ist unser glückliches
Geschick, und ich begrüße es heute, wie ich dies vor einem Jahr tat.
Es ist das Schicksal dieser Generation - Ihres im Kongreß und meines
als Präsident -, in einer Auseinandersetzung leben zu müssen, die
wir nicht begannen,und; in einer Welt, die wir nicht schufen. Aber
die Härten des Lebens werden nicht immer nach eigener Wahl verteilt.
Und wenn noch nie eine Nation einer derartigen Aufgabe gegenüberstand,
so war doch noch nie eine Nation so bereit, die Bürde wie den Ruhm
der Freiheit auf sich zu nehmen. Möge bei diesem unserem Streben
Gott über die Vereinigten Staaten von Amerika wachen.

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�Präsident Kennedy hat dem amerikanischen Kongreß am Donnerstag
den neuen Haushalt der Vereinigten Staaten für das am 1. Juli beginnende neue Haushaltsjahr 1963 vorgelegt, der mit Einnahmen von
93 Milliarden Dollar und Ausgaben von 92,5 Milliarden Dollar einen
Überschuß von 500 Millionen Dollar aufweist. Dieser Überschuß soll
zum Abtragen der Staatsschuld verwandt werden.
Die Haushaltsbotschaft umfaßt 1170 Seiten und gibt eine detaillierte Aufschlüsselung der einzelnen Regierungsprogramme im Finanzjahr 1963 (1962/63). Es ist der erste Staatshaushalt, der vollständig
von der Regierung Kennedy ausgearbeitet worden ist. Im vergangenen
Jahr hatte Kennedy, seine Haushaltsbotschaft noch auf.dem von der
Regierung Eisenhower aufgestellten Budget aufbauen müssen. Der Haushalt verfolgt, wie der Präsident in seiner Botschaft erklärt, zwei
grundlegende Ziele:
"Er will erstens den Aufgaben auf wirksame Weise Rechnung tragen, mit deren Durchführung - angefangen von der Verteidigung bis
zum Postdienst, von der Ozeanforschung bis zur Erschließung des
Weltraums - nach dem Willen der Nation die Bundesregierung beauftragt ist; er will zweitens einen Finanzplan aufstellen - d.h. eine
Relation zwischen Einnahmen und Ausgaben herstellen, die zu einem ,
wirtschaftlichen Wachstum, einem hohen Beschäftigungsstand sowie
einer Preisstabilität in unserer Wirtschaft beiträgt."
Angesichts des anhaltenden Aufschwungs in der amerikanischen
Wirtschaft, der steigenden Einkommen und der zu erwartenden höheren
Beschäftigtenzahlen, so betont Präsident Kennedy, weise der neue
Haushalt wieder einen Überschuß auf. Ein weiteres Defizit würde nur

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�"AMERIKA DIENST"

26. Januar

1962

nur das Risiko eines inflationistischen Drucks erhöhen und sich damit nachteilig auf die Wirtschaft und die Zahlungsbilanz auswirken.
Auf der anderen Seite würden jedoch die industrielle Kapazität und
das vorhandene Arbeitskräftepotential bei weitem nicht voll genutzt,
so daß ein größerer Haushaltsüberschuß die Gefahr mit sich bringen
könnte, daß der Wirtschaftsaufschwung eingedämmt wird und ein vorzeitiger Rückgang einsetzt. Unter den gegenwärtigen Verhältnissen
glaube er daher, daß ein Überschuß in der angeführten Größenordnung
der richtigste Weg sei und allen Anforderungen und Zielen am besten
gerecht werde.
Einnahmen
Die Haushaltseinnahmen im kommenden Finanzjahr werden von Präsident Kennedy auf insgesamt 93 Milliarden Dollar veranschlagt und
liegen damit um rund 10,9 Milliarden Dollar über denen des laufenden
Haushaltsjahres. Dabei geht die Regierung von der Annahme aus, daß
der gegenwärtige Wirtschaftsaufschwung nicht nur dieses Jahr, sondern
auch noch 19°3 anhalten und das Bruttosozialprodukt von 521 Milliarden
Dollar zu Beginn des Jahres auf eine Jahresrate von 570 Milliarden
Dollar im Dezember ansteigen wird. Damit würden sich die Gesellschaftsgewinne im Kalenderjahr 1962-auf 56,5 Milliarden Dollar und das Personaleinkommen auf 448 Milliarden Dollar stellen, wobei der zusätzliche Anreiz für die Wirtschaft noch nicht berücksichtigt wäre, den
das dem Kongreß vorliegende Investitionsförderungsgesetz bieten dürfte.

Haushaltseinnahmen
(in Milliarden Dollar)
1962
veranschlagt

1961
tatsächlich
Einkommensteuer
41 ,3
Körperschaftssteuer
21 ,0
Verbrauchssteuern
9,1
Grund- und Schenkungssteuer
er 1 ,9
Zölle
1,0
Sonstige Einnahmen
4,1

45,0
21,3
9,6 .
2,1
1,2

78,4
abzüglich Posten der
internen Rechnungsabgrenzung
Gesamteinnahmen

-

0,7

77,7

1963
veranschlagt
49,3
26,6
10,0

3,6

2,3
1,3
4,2

82,8

93,7

0,7

- 0,7

82,1

93,0
Steuerpolitik

-

2

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�"AMERIKA DIENST"

26. Januar 1962

Steuerpolitik
Zur Sicherung eines ausgeglichenen Haushalts hält der Präsident die Beibehaltung der gegenwärtigen Steuersätze bei der Körperschaftssteuer und bestimmten Verbrauchssteuern zunächst für ein
weiteres Jahr unbedingt für erforderlich. Auf Grund der bestehenden
Gesetze würde mit Ablauf des gegenwärtigen Finanzjahres der Höchstsatz in der Körperschaftssteuer von 52 Prozent auf 47 Prozent gesenkt
werden müssen; die Telephonsteuer würde in Fortfall kommen, und bei
verschiedenen Verbrauchssteuern ebenfalls Abstriche vorgenommen werden
müssen. Diese Steuererleichterungen, so betont der Präsident, würden
jedoch für den Bundeshaushalt einen Einnahmeausfall von rund 2,8 Milliarden Dollar zur Folge haben, der im Augenblick nicht tragbar sei.
Ferner fordert Präsident Kennedy in seiner Botschaft die Verwirklichung einer Reihe von Steuerreformen. Einmal sollen im Rahmen
des Investitionsförderungsgesetzes Erleichterungen für Investitionen
in Maschinen und Anlagen gewährt werden. Hiervon, wie auch von einer
Straffung der Abschreibungsbestimmungen selbst, verspricht sich Kennedy
eine beträchtliche Beschleunigung der Modernisierungs- und Rationalisierungsprogramme der Industrie. In Zukunft soll bei Abschreibungen
auch der relative Wertzuwachs berücksichtigt werden. Bei Dividenden
und Zinsen soll das gleiche Steuerabzugsverfahren eingeführt werden
wie bei Einkommen aus Lohn und Gehalt. Auslandseinkommen und Auslandsbesitz sollen in gleicher Weise wie im Inland erzielte Einkünfte und
im Inland befindliche Vermögenswerte besteuert werden. Bei der Körperschaftssteuer soll eine Reihe besonderer Vergünstigungen wegfallen.
Auch die Bestimmungen und Sätze der Beförderungs- und der Benzinsteuer
sollen neu gefaßt werden.
Haushaltspolitik
Wichtigste Aufgabe der Haushaltspolitik müsse es sein, so wird
in der Botschaft unterstrichen, die Wirtschaftspolitik zu ergänzen
und zu einem schnellen Wirtschaftsaufschwung beizutragen - wobei die
Segnungen allen Teilen der Bevölkerung zugute kommen müssen - sowie
zur Vollbeschäftigung, zur Produktionsausweitung und zur Preisstabilität. Gleichzeitig falle der Haushaltspolitik aber auch eine ausgleichende
und stabilisierende Aufgabe zu, wie dies insbesondere die Jahre 1961
und 1962, aber auch frühere Rezessionen gezeigt hätten. Für das neue
Haushaltsjahr sei zwar mit keinem Wirtschaftsrückgang zu rechnen, doch
habe die Erfahrung gelehrt, daß periodische Fluktuationen in der Wirtschaft nie völlig ausgeschlossen werden können, und dieser Tatsache
müsse die Haushaltspolitik durch eine ausreichende Flexibilität Rechnung tragen. Um solchen Entwicklungen rechtzeitig entgegentreten zu
können, fordert Kennedy einmal eine dem Veto des Kongresses unterliegende Generalvollmacht für eine zweitweise prozentuale Senkung der
Einkommensteuer, falls dies die wirtschaftliche Lage erfordern sollte;
zum anderen eine Vollmacht, um im Falle einer Zunahme der Arbeitslosigkeit Zahl und Umfang der mit Bundesmitteln geförderten und dem
gemeinen Wohl dienenden Programme zu erhöhen sowie den Bundesstaaten
und den Kommunen zusätzliche Mittel für solche Zwecke in Form von
nichtrückzahlbaren Zuschüssen oder Krediten zur Verfügung zu stellen;
und

�AMERIKA DIENST

26. Januar 1962

und drittens die Verabschiedung eines Gesetzes zur Verbesserung der
Arbeitslos enversi cherung.
Die Haushaltspolitik, so heißt es in der Botschaft weiter, müsse
ferner der Entwicklung der Zahlungsbilanz Rechnung tragen. Im Haushalt 1963 wirkten sich bereits zahlreiche Maßnahmen aus, die in den
vergangenen Monaten zur Reduzierung der Regierungsausgaben im Ausland ergriffen wurden. Eine grundlegende Verbesserung der amerikanischen Zahlungsbilanz werde in erster Linie davon abhängen, ob die
Preise stabil blieben und die Wettbewerbsfähigkeit der amerikanischen
Erzeugnisse auf den Weltmärkten verbessert werde. Der dynamische Aufbau der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft und die zu erwartende
weitere Wirtschaftsexpansion in diesem Gebiet bewirkten grundlegende
Veränderungen im Welthandel und brächt en für die USA noch nie dagewesene Exportmöglichkeiten, aber auch große Aufgaben. Die USA müßten
diesen Veränderungen im Vertrauen auf die Wettbewerbsfähigkeit ihrer
Erzeugnisse mutig begegnen und so an den sich hieraus für alle ergebenden enormen Vorteilen teilhaben. Die Voraussetzungen hierfür zu
schaffen, sei im besonderen das Ziel des neuen Handelsgesetzes, das
dem Kongreß in Kürze zusammen mit einer Sonderbotschaft des Präsidenten übersandt werden soll.
Kennedy unterstreicht weiter die Notwendigkeit einer Anhebung
der Gehälter im öffentlichen Dienst, die den in der Wirtschaft üblichen Vergütungen entsprechen müßten. Die Arbeit der einzelnen
Regierungsdienststellen lasse sich nur dann wirksamer gestalten,
wenn sie auch über genügend hochqualifizierte Fachkräfte verfügten.
Unabhängig hiervon müsse ferner eine Überprüfung der für die militärischen Streitkräfte gezahlten Gehälter durchgeführt werden.
Gleichzeitig weist Kennedy auf die umfangreichen Investitionen
aus Haushaltsmitteln für wissenschaftliche Zwecke hin und betont,
daß rund zwei Drittel aller wissenschaftlichen Forschungs- und Entwicklungsvorhaben aus Bundesmitteln unterstützt werden.
Staatsschuld
Die Staatsschuld wird von Präsident Kennedy für den 30. Juni
1963 mit 294,9 Milliarden Dollar angegeben gegenüber 295,4 Milliarden
Dollar am Ende des laufenden Haushaltsjahres. Das vom Kongreß gebilligte
Limit für die Staatsschuld beträgt für das laufende Haushaltsjahr noch
298 Milliarden Dollar und fällt mit Beginn des neuen Haushaltsjahres
dann auf den alten Stand von 285 Milliarden Dollar zurück.
Diese Tatsache, so betont Kennedy, stelle das US-Schatzamt bereits im laufenden Haushaltsjahr vor eine schwierige Situation, da
es hinsichtlich der Staatsschuld nicht mehr über einen ausreichenden
Spielraum verfüge. So sehe sich das Schatzamt nicht mehr in der Lage,
unvorhergesehenen Entwicklungen in bezug auf die Staatsschuld Rechnung
zu tragen. Er erachte es daher als unbedingt notwendig, daß die Höchstgrenze für die Staatsschuld umgehend für das laufende wie auch das
neue Haushaltsjahr auf 308 Milliarden Dollar heraufgesetzt werde, um
dem Schatzamt eine gewisse Handlungsfreiheit zu geben.
Ausgaben
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�"AMERIKA DIENST"

26. Januar

1962

Ausgaben
Die von Präsident Kennedy für das neue Haushaltsjahr veranschlagten Ausgaben liegen mit 92,5 Milliarden Dollar um rund 3,4
Milliarden Dollar über den geschätzten Ausgaben des laufenden
Haushaltsjahres, das mit dem 30. Juni 1$62 endet. Den größten
Posten machen wiederum mit 60 Prozent des Gesamtbudgets die Ausgaben für die Nationale Verteidigung, internationale Programme und
die Weltraumforschung aus, die im neuen Haushalt mit 58,1 Milliarden
Dollar ausgewiesen sind. Die hiermit in einem direkten Zusammenhang
stehenden Posten Kriegsveteranen und Zinsendienst sehen Ausgaben in
Höhe von 14,7 Milliarden Dollar vor, so daß rund 80 Prozent aller
Ausgaben der nationalen Sicherheit dienen oder durch frühere Kriege
bedingt sind. Auf alle übrigen Programme entfallen, lediglich 19,7
Milliarden Dollar oder ein Fünftel des Gesamtbudgets,
Der Präsident weist im besonderen darauf hin, daß sich die Ausgaben für die inneramerikanischen Programme in ihrer Gesamtheit sowie
für den Zinsendienst gegenüber dem laufenden Haushaltsjahr praktisch
nicht verändert haben und die in dem Haushalt ausgewiesenen Mehrausgaben ausschließlich der Stärkung der nationalen Sicherheit dienen.
Bei den inneramerikanischen Programmen hätten sich allerdings Schwerpunktverlagerungen ergeben. So sei mit rückläufigen Ausgaben für die
landwirtschaftlichen Programme, für das Postdefizit und - auf Grund
der vorübergehend hinausgeschobenen Aussteuerungsgrenze - bei der
Arbeitslosenversicherung zu rechnen. Die hier freiwerdenden Gelder
würden für andere wichtige Aufgaben, vor allem auf den Gebieten des
Erziehungswesens, des Gesundheitswesens, des Wohnungsbaus sowie der
Entwicklung der natürlichen Hilfsquellen,verwendet werden.
Nationale Verteidigung
Für die nationale Verteidigung der USA fordert Präsident Kennedy
in seiner Botschaft für das Haushaltsjahr 1963 insgesamt 52,7 Milliarden Dollar an. Dieser Betrag liegt um 1,5 Milliarden Dollar über dem
des Haushaltsjahres 1962 und um 5,2 Milliarden Dollar über dem des
Jahres 1961. Der von Kennedy veranschlagte Betrag umfaßt die militärischen Funktionen des Verteidigungsminis.teriums, die Militärhilfe
der USA für andere Länder, Atomenergieprogramme sowie verschiedene
andere Tätigkeiten,.mit denen die Verteidigungsbemühungen der USA
direkt unterstützt werden.
Größeren Raum in dem Kapitel Nationale Verteidigung nehmen die
Ausführungen über die Strategische Vergeltungsstreitmacht der USA ein,
zu der die bemannten Bomber vom Typ B-5 2 , B-58 und B-47, deren Raketen
"Hound-Dog" und "Skybolt", die ballistischen Interkontinentalraketen
"ATLAS", "TITAN" und "MINUTEMAN" sowie die Polaris-Unterseeboote gehören. -Die Gesamtermächtigung für diese Streitmacht wird für 1963 mit
9,4 Milliarden Dollar veranschlagt. Mit diesen Mitteln soll ferner
eine Bomberflotte von etwa 1200 Maschinen zu Ende des Jahres 1963
aufrechterhalten werden.
Kennedy

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�"AMERIKA DIENST"

26. Januar 1962

Kennedy weist in seiner Botschaft darauf hin, daß im kommenden
Haushaltsjahr die Entwicklung und Erprobung der neuen Skybolt-Rakete
vorangetrieben und die erste Bereitstellung dieser Raketen erfolgen
soll. Mit Abschluß des Haushaltsjahres 1965 soll ferner die Aufstellung der geplanten 13 Atlas-Einsatzgruppen sowie des größten Teils
der geplanten 12 Titan-Einheiten abgeschlossen sein. Bis zu diesem
Zeitpunkt rechnet man auch mit der Einsatzbereitschaft der ersten
ballistischen Feststoffraketen vom Typ Minuteman.
Aus der Botschaft geht ferner hervor, daß die USA gegenwärtig
sechs Polaris-Unterseeboote mit 96 Raketen an Bord in Dienst haben.
Bis zum Ende des Finanzjahres 1963 soll die Zahl dieser Boote auf
12 erhöht und sollen weitere 17 im Bau sein. Durch den Bau von 12
weiteren Unterseebooten dieses Typs, der während der Finanzjahre
1963/64 erfolgen soll, würde sich die Gesamtzahl der Polaris-Unterseeboote der USA auf 41 erhöhen.
Präsident Kennedy setzt sich in seiner Botschaft ferner für
einen Ausbau der amerikanischen Luftabwehr, für eine Intensivierung
der militärischen Forschungs- und Entwicklungsprogramme und eine
Verbesserung des militärischen Luft- und Seetransportwesens sowie
für die Inangriffnahme eines umfassenden Programms der Zivilverteidigung ein.
Das Bauprogramm der amerikanischen Marine sieht für 1963 den Bau
von 29 neuen Schiffen sowie die Modernisierung von 33 weiteren Schiffen
vor. Zu den Heubauten gehören ein konventioneller Flugzeugträger,
eine mit Atomkraft getriebene Fregatte, acht mit Atomkraft getriebene
Unterseeboote, fünf Landungsschiffe sowie acht Begleitschiffe. Die
amerikanischen Luftstreitkräfte werden in zunehmendem Maße ihre taktischen Jägereinheiten modernisieren und vergrößern. Die US-Armee soll
nach den Vorschlägen Kennedys die Zahl ihrer Divisionen von 14 auf 16
erhöhen, wobei die beiden neuen Divisionen an die Stelle der beiden
Divisionen der Nationalgarde treten würden, die sich gegenwärtig im
aktiven Dienst befinden.
Für das Programm der Zivilverteidigung fordert Kennedy nahezu
700 Millionen Dollar an. Dieser Betrag schließt die Summe von 460
Millionen Dollar für ein neues gemeinsames Programm des Bundes, der
Einzelstaaten, der Kommunen und privater Organisationen ein, in dessen
Rahmen in bestimmten Gebäuden der Gemeinden, wie Schulen und Krankenhäusern, Luftschutzräume gebaut werden sollen. Insgesamt sollen durch
die im Budget veranschlagten Mittel für rund 50 Millionen Menschen in
den USA Atombunker geschaffen werden. Darüber hinaus soll das Warnsystem ausgebaut, die erforderliche Ausrüstung für die Strahlenmessung
beschafft und die Ausbildung des im Rahmen der Zivilverteidigung eingesetzten Personals intensiviert werden.
Im Abschnitt Nationale Verteidigung weist Kennedy darauf hin,
daß die strategischen Streitkräfte der USA groß und vielfältig genug
seien, um jeden gegen die Vereinigten Staaten vorgetragenen Angriff

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�"AMERIKA DIENST

26. Januar 1962

Angriff.über stehen und entscheidend zurückschlagen zu können.
"Die in dieser Haushaltshotschaft vorgeschlagenen Programme", so
heißt es wörtlich, "sollen sicherstellen, daß wir auch in Zukunft
über diese Fähigkeit verfügen. Diese Gewißheit basiert auf einer
erschöpfenden Analyse aller über die militärischen Streitkräfte der
Sowjets verfügbaren Daten sowie der Stärke und der Verwundbarkeit
unserer eigenen Streitkräfte unter Berücksichtigung eines weitgesteckten Rahmens aller nur möglichen Notfälle..."
"... Obwohl ein globaler Atomkrieg die größte Gefahr für unser Fortbestehen darstellt", so heißt es an anderer Stelle der Botschaft Kennedys "ist er nicht die wahrscheinlichste Form eines Konfliktes, solange wir über die Streitkräfte verfügen, die notwendig
sind, um einen Atomkrieg zur Katastrophe für jeden Feind werden zu
lassen. Weit wahrscheinlicher ist eine militärische Aggression in
kleinerem Rahmen. Wenn wir uns eine andere Alternative als nukleares
Inferno oder Rückzug offenhalten wollen, dann müssen wir unsere konventionellen Streitkräfte beträchtlich vergrößern. Dies ist eine Aufgabe, die wir mit unseren Verbündeten in der freien Welt gemeinsam
haben. .."
Militärhilfe
Für die Militärhilfe der USA veranschlagt Präsident Kennedy 1,5
Milliarden Dollar. "Unsere militärische Planung", so heißt es in der
Botschaft wörtlich, "hat seit langem die Bedeutung anerkannt, die
den alliierten Streitkräften bei der Wahrung der Sicherheit der freien
Welt zukommt. Mit unserer Militärhilfe tragen wir zur Stärkung der
Streitkräfte von über 40 Ländern bei... Dieses Budget unterstreicht
die anhaltende Notwendigkeit, wirksame Streitkräfte in solchen Ländern
aufzustellen und zu unterhalten, die sich der ernsthaften Bedrohung
einer inneren Subversion oder einer Aggression von außen gegenübersehen... Die meisten der westeuropäischen NATO-Länder haben nunmehr
die volle finanzielle Verantwortung für die Ausrüstung ihrer eigenen
militärischen Streitkräfte übernommen. Bei anderen wird es der Fall
sein, sobald wir unsere laufenden Verpflichtungen für die Beschaffung
bestimmter wichtiger Materialien erfüllt haben."
Atomenergie
Für die Ausgaben der amerikanischen Atomenergie-Kommission im
Jahre 1965 ist der Betrag von 2,88 Milliarden Dollar eingesetzt, was
einer geringfügigen Erhöhung gegenüber 1962 entspricht. Im Hinblick
auf die friedliche Verwendung der Atomenergie wird in der Botschaft
die Erwartung ausgesprochen, daß mit ihrer Hilfe wesentliche Beiträge
zur Erforschung des Weltraumes geleistet werden können. Insbesondere
sollen im Haushaltsjahr 19^5 die Bemühungen um die Entwicklung eines
Atomantriebs für Raketen (Projekt ROVER) und von kleinen, leistungsfähigen Atomreaktoren und Isotopen-Batterien zur Erzeugung von Betriebsstrom in Erdsatelliten, Raumfahrzeugen und für Anlagen in abgelegenen Gebieten intensiviert werden.
Internationale

�"AMERIKA DIENST"

26. Januar 1962

Internationale Programme und Aufwendungen '
Die Ausgaben für eine wirtschaftliche und finanzielle Unterstützung der Entwicklungsländer werden für das Haushaltsjahr 19^3
mit 2,5 Milliarden Dollar veranschlagt. Dieser Betrag liegt um 202
Millionen über den geschätzten Ausgaben für das gegenwärtige Finanzjahr. Kennedy weist in seiner Botschaft darauf hin, daß diese Ausgaben - hauptsächlich in Form von Anleihen - in späteren Jahren noch
steigen werden, wenn die jetzt eingegangenen Anleiheverpflichtungen
wirksam werden, und betont in diesem Zusammenhang, daß sich auch
die Beiträge der anderen Industrienationen entsprechend erhöhen.
Besondere Berücksichtigung findet in der Botschaft des US-Präsidenten das lateinamerikanische Hilfeprogramm, das unter der Bezeichnung "Allianz für den Fortschritt" läuft. Kennedy fordert in diesem Zusammenhang eine besondere langfristige Ausgabeermächtigung in
Höhe von 3 Milliarden Dollar innerhalb der nächsten vier Jahre mit
einer Anfangsbewilligung für das Haushaltsjahr 1 963 in Höhe von 600
Millionen Dollar. Darüber hinaus könne mit weiteren wesentlichen Entwicklungsanleihen der Export-ImporttBank und der Interamerikanischen
Entwicklungsbank sowie mit Agrarlieferungen im Rahmen des "Lebensmittel-für-den-Frieden"-Programms der USA gerechnet werden, so daß die
Unterstützung, die der "Allianz für den Fortschritt" im Wirtschaftsjahr 1963 zuteil werden wird, den Betrag von 1 Milliarde Dollar beträchtlich übersteigen dürfte. Weiter wollen die USA das Kapital der
Internationalen Entwicklungsgesellschaft (IDA) und der Interamerikanischen Entwicklungsbank um 122 Millionen Dollar aufstocken.
US-Informationsamt und Austauschprogramme
Das Tätigkeitsgebiet des US-Informationsamtes soll weiterhin
ausgedehnt werden, wobei vor allem die Programme für Lateinamerika
und Afrika erweitert werden sollen. Die Pläne für 1963 sehen die
Einrichtung von elf neuen Außenstellen in Afrika und zehn neuen Außenstellen sowie neun Leseräumen, zehn Kontakt- und Informationszentren
und zehn binationalen Studentenzentren in Lateinamerika vor.
Die neuen Sendeanlagen für die Stimme Amerikas, die in Nord-karo=lina, auf der Insel Rhodos und in Liberia gebaut werden, dürften
voraussichtlich 1963 in Betrieb genommen werden. Das Budget sieht
außerdem Mittel für die Modernisierung und Erweiterung bestimmter
Sendeanlagen in den Vereinigten Staaten vor.
Nachdem der Kongreß das Erziehungs- und Kulturaustauschgesetz
in seiner letzten Sitzung verabschiedet hat, wird, wie in der Botschaft ausgeführt wird, das State Department Austauschprogramme durchführen können, ohne von Devisenbeständen im US-Schatzamt abhängig
zu sein. Das State Department ist damit besser in der Lage, den Erfordernissen dieser Programme - vor allem in Afrika und Lateinamerika nachzukommen. Außerdem sollen die unter amerikanischer Schirmherrschaft stehenden Schulen im Ausland finanzielle Unterstützung erhalten,
um den Erziehungs- und Ausbildungserfordernissen für ihre amerikanischen

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�"AMERIKA DIENST"

26. Januar 1962

amerikanischen Schüler gerecht werden und die amerikanischen Erziehungsmethoden demonstrieren zu können.
Weltraumforschung und Technik
Für die verschiedenen Weltraumprogramme der USA werden in dem
neuen Haushalt insgesamt 5&gt;5 Milliarden Dollar eingesetzt, wobei
dieser Betrag zum Teil erst in späteren Jahren verausgabt werden
soll. Das ist fast das Doppelte der für das laufende Haushaltsjahr
und fast das Dreifache der für das vergangene Haushaltsjahr beantragten Mittel. Von dem Gesamtbetrag entfallen 3»8 Milliarden Dollar
auf das US-Amt für Luft- und Raumfahrt (NASA), 1,5 Milliarden Dollar
auf die im Haushalt des Verteidigungsministeriums vorgesehenen
nichtmilitärischen Programme und 200 Millionen Dollar auf verschiedene
andere Dienststellen. Die tatsächlichen Ausgaben der NASA im neuen
Haushaltsjahr werden jedoch nur 2,4 Milliarden Dollar betragen und damit um 1,1 Milliarden Dollar höher als in dem laufenden, am 30« Juni
zu Ende gehenden Haushaltsjahr 196? liegen, bzw. fast das Dreifache de
Ausgaben im Haushaltsjahr 1961 ausmachen.
Mit den zusätzlichen Mitteln, so heißt es in der Botschaft, solle
die verschiedenen Weltraumprogramme der NASA - vor allem auf den Gebieten der Nachrichtenübermittlung und der Meteorologie, auf denen
bereits in der Vergangenheit so große Fortschritte erzielt wurden verstärkt fortgesetzt werden. Das größte Unternehmen, so wird betont,
bleibe jedoch der Flug eines Menschen zum Mond und zurück. Im Zuge
dieses Projekts würden die Apollo-Raumkapsel und die Superraketen entwickelt, die das Raumschiff zum Mond tragen können.
Kennedy hebt in diesem Zusammenhang hervor, daß die gewaltigen
wissenschaftlichen und technischen Anstrengungen im Rahmen des Weltraumforschungsprogramms die technische Entwicklung und den Fortschritt
in der ganzen Wirtschaft beschleunigen.
Andere Aufgaben
Wie in der Botschaft weiter ausgeführt wird, sollen jedoch auch
die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Aufgaben, die nicht mit
der Verteidigung oder internationalen Programmen zusammenhängen,
nicht vernachlässigt werden. In der Landwirtschaft werde eine gute
Nutzung des Überflusses angestrebt, und neue Programme sollen die
Erzeugung in Einklang mit dem inländischen Bedarf sowie mit den Exporterfordernissen bringen.
Für die Erhaltung der Natur- und Bodenschätze werden 2,3 Milliarden Dollar veranschlagt. Dabei sollen allein 43 neue Wasserwirtschaftsprojekte mit einem Gesamtaufwand an Bundesmitteln von 6.00
Millionen Dollar in Angriff genommen werden.
Die Ausgaben für Handel und Transportwesen sind mit 2,5 Milliarden Dollar etwas niedriger angesetzt als im vorigen Budget, da der
Zuschuß für die Bundespost reduziert wird.
.f

�'AMERIKA DIENST"

26. Januar 1962

Auf dem Gebiet des Wohnungsbaus und der Sanierung der Städte
hofft Kennedy durch weitere wichtige Vorschläge die Programme des
Bundes beschleunigt weiterfuhren zu können.
Für die Aufgaben des Bundes im Gesundheits- und Sozialwesen
werden in dem neuen Haushalt 5&gt;1 Milliarden Dollar angesetzt. Weiter
wird mit Ausgaben aus Treuhandfonds in Höhe von 21,6 Milliarden
Dollar gerechnet. Dabei sind größere Summen als bisher für die
medizinische Forschung und die Verbesserung des Gesundheitsdienstes
vorgesehen. Besonderes Augenmerk wird auch auf die Ausbildung und
Umschulung von Arbeitskräften gerichtet.
Ebenso wird eine Erhöhung der Mittel für Erziehungsprogramme
als notwendig bezeichnet. Insgesamt sollen für derartige Programme
1,5 Milliarden Dollar - 327 Millionen Dollar mehr als im laufenden
Haushaltsjahr - ausgegeben werden. Die neuen Ausgabeermächtigungen .
sind mit 2,4 Milliarden Dollar eingesetzt. Kennedy betont in seiner
Botschaft nachdrücklich, daß die Zukunft der Demokratie und der Freiheit auf gut ausgebildeten Bürgern beruhe.

***-*-*

-

10 -

�W1./26.1 .1962
PRÄSIDENT KENNEDY LEGT KONGRESS WIRTSCHAFTSBERICHT VOR

WASHINGTON - (AD) - Nachstehend übermitteln
wir Ihnen eine Zusammenfassung sowie Auszüge
aus der Wirtschaftsbotschaft, die Präsident
Kennedy am 22. Januar 1962 an den amerikanischen Kongreß gerichtet hat.

1. Zusammenfassung
Die Vollbeschäftigung und einen dauerhaften Wohlstand ohne Inflation bezeichnete Präsident Kennedy als die wichtigsten Ziele der
amerikanischen Wirtschaftspolitik. In seinem Wirtschaftsbericht, den
der Präsident gemäß der Verfassung der USA dem Kongreß zu Beginn
jeden Jahres vorlegen muß, betonte Kennedy, daß die amerikanische
Wirtschaft ihre Dynamik wiedergewonnen habe und der Verwirklichung
des Zieles näher rücke, für alle Arbeitswilligen und Arbeitsfähigen
Arbeitsplätze zu schaffen. Die bereits erzielten Fortschritte könnten
die Regierung mit Befriedigung erfüllen, doch dürfe sie sich nicht
selbstzufrieden auf diesen Fortschritten ausruhen. Vielmehr gelte
es, die Expansionsrate der Wirtschaft weiter zu beschleunigen, wobei
er eine Rate von 4 1/2 Prozent pro Jahr als ein vernünftiges Ziel
für die sechziger Jahre erachte.
Gleichzeitig forderte der Präsident in seiner Botschaft Maßnahmen auf den Gebieten des Erziehungswesens sowie auf »dzialem Gebiet, um sicherzustellen, daß der Wohlstand von Dauer ist und alle
Schichten der Bevölkerung an ihm teilhaben. Das Ziel sei es, gleiche
Möglichkeiten für alle zu schaffen. Gleichzeitig müßten die Bemühungen um einen Ausgleich der amerikanischen Zahlungsbilanz fortgesetzt werden. Es müßten nicht nur die Schranken für den Welthandel
weiter abgebaut, sondern es müsse auch der Fluß von Hilfsquellen aus
den hochentwickelten Ländern nach den jungen aufstrebenden Ländern
verstärkt werden.
Für

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�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

26. Januar 1962

Für das neue Jahr sagte der Präsident in seinem Bericht ein
Anhalten des umfassenden und stetigen Wirtschaftsaufschwunges voraus,
wobei die Gütererzeugung, die Beschäftigtenzahl, das Personaleinkommen wie auch die Gewinne neue Rekorde erreichen würden. Das Bruttosozialprodukt werde 1962 um rund 50 Milliarden Dollar über dem Stand
des vergangenen Jahres von 521 Milliarden Dollar liegen.
Kennedy wies darauf hin, daß das Jahr 1961 mit einer Rezession
begann und das Bruttosozialprodukt im 1. Quartal 1961 lediglich eine
Jahresrate von 501 Milliarden Dollar aufwies. Demgegenüber habe das
Bruttosozialprodukt im 4» Quartal 1961 - auf Jahresbasis umgerechnet 541 Milliarden Dollar betragen und die industrielle Produktion habe
alle bisherigen Höchststände .übertroffen. Diese Erholung der Wirtschaf
nach der vorangegangenen Rezession, so betonte der Präsident, habe
wieder zu einer höheren Kapazitätsausnutzung in der Industrie geführt
und die Zahl der Arbeitslosen sei zurückgegangen. Es sei weiter gelungen, 1961 das Preisgefüge stabil zu erhalten und das Vertrauen in
den Dollar wiederherzustellen. Der Goldabfluß habe praktisch aufgehört und das Defizit in der Zahlungsbilanz habe nur ein Drittel des
i960 verzeichneten Defizits ausgemacht. Das vergangene Jahr habe erneut die Elastizität der amerikanischen Wirtschaft gezeigt, deren
Wiedererholung die Regierung durch zeitlich wohl abgestimmte Maßnahmen
gefördert habe.
Der Bericht unterstreicht ferner, dafl inflationistische Lohnund Preissteigerungen die Wettbewerbsfähigkeit der amerikanischen
Erzeugnisse auf den Weltmärkten gefährden würden. Wörtlich erklärte
Kennedy, "die Nation muß sich auf die Vernunft und das Verantwortungsbewußtsein unserer Wirtschaft und unserer Gewerkschaftsführer
verlassen, daß sie das Preisgefüge 1962 stabil erhalten... Wenn die
Gewerkschaftsführer den Produktivitätszuwachs in unseren großen Industrien als Richtschnur für Lohnforderungen nehmen und wenn die Betriebsleitungen in diesen Industrien eine gleiche Zurückhaltung in
ihren Preisentscheidungen üben, dann wird dieses Jahr zu einem glänzenden Kapital in der Geschichte einer verantwortungsbewußten Ausübung
der Freiheit werden" .
Der Bericht führt weiter eine Reihe von Empfehlungen auf, um eine
etwaige Rezession besser abwehren zu können und das Finanz- und Steuer
System zu verbessern, wie sie Präsident Kennedy zum Teil bereits in
seiner Botschaft über die Lage der Nation sowie in seiner Haushaltsbot
schaft angekündigt hatte. Diese Empfehlungen sehen unter anderem vor:
Eine dem Veto des Kongresses unterliegende Sondervollmacht für
den Präsidenten, die Einkommensteuern zeitweise zu senken, falls eine
Rezession droht;
Eine gleiche Sondervollmacht zur Erhöhung der Ausgaben für wichtige Verbesserungsprojekte im Falle einer drohenden Rezession;
Verbesserung

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�AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

26. Januar 1962

Verbesserung der Arbeitslosenversicherung, wobei der Aussteuerungstermin hinausgeschoben, die Zuwendungen an die Arbeitslosen erhöht und der Kreis der Versicherten erweitert werden soll;
Durchführung von Umschulungs- und Weiterbildungskursen für
Arbeitslose;
Verabschiedung eines neuen Jugendarbeitsgesetzes;
Steuervergünstigungen für Investitionen in Anlagegüter, um die
Rationalisierungs- und Modernisierungsbemühungen der Industrie zu
fördern und ihre Wettbewerbsfähigkeit vor allem gegenüber dem Ausland
zu verbessern.
Gleichzeitig kündigt der Bericht an, daß Präsident Kennedy dem
Kongreß noch im Laufe dieses Jahres ein umfassendes Steuerreformgesetzv vorlegen werde«

2. Auszüge aus der Wirtschaftsbotschaft
Die Teile des Wirtschaftsberichtes Präsident Kennedys, die sich
mit den grundlegenden Zielen der amerikanischen Wirtschaftspolitik und
mit den Maßnahmen für 1962 befassen, haben folgenden Wortlaut:
"Obwohl wir über den bisherigen Fortschritt befriedigt sein können
dürfen wir uns damit nicht zufriedengeben. Zu den noch unerledigten
Wirtschaftspolitischen Aufgaben gehören: Erstens die Erreichung der
Vollbeschäftigung und eines dauerhaften Wohlstandes ohne Inflation,
zweitens die Beschleunigung des wirtschaftlichen Wachstums, drittens
die Sicherstellung gleicher Chancen für alle und Viertens ein Ausgleich
der Zahlungsbilanz. Die Wirtschaftspolitik stellt uns also vor eine
Aufgabe, die uns ganz in Anspruch nimmt; es ist jedoch eine Aufgabe,
die innerhalb des Rahmens einer freien Wirtschaft gelöst werden kann
und wird.
Umfassender und dauerhafter Wohlstand ohne Inflation
Die Wiedergesundung hat unsere Wirtschaft erst einen Teil des
Weges zurücklegen lassen, der zum Ziel der 'maximalen Produktion, der
Vollbeschäftigung und der maximalen Kaufkraft' führt. Die uns immer
vor Augen stehende Forderung des Employment Act ist, nicht nur Besseres sondern unser Bestes zu leisten, nämlich das 'Maximum1'. Die Erreichung dieses Maximums im Jahre 1963 würde ein Bruttosozialprodukt
von rund 60Ö Milliarden Dollar, Löhne und Gehälter von über J20 Milliarden Dollar und Gesellschaftsgewinne von über 60 Milliarden Dollar,
alles in 1961er Preisen gerechnet, bedeuten. Der materielle Gewinn
ist an sich schon überwältigend. Er ist jedoch weniger wichtig, als
es die neuen Zielsetzungen und die neuen Möglichkeiten für die

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�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

26. Januar 1962

die Verbesserung des amerikanischen Lebens sind, das bei 'maximaler'
Nutzung der jetzt noch brachliegenden und der noch zu schaffenden
Produktionskapazität Wirklichkeit werden könnte.
Unfreiwillige Arbeitslosigkeit ist das auffallendste Zeichen
und die entmutigendste Folge einer nicht voll ausgenutzten Produktionskapazität. Dadurch wird an den Menschen selbst augenfällig,
was vielleicht sonst nur als abstrakte Statistik erscheinen würde.
Wir können uns nicht auf irgendeinen bestimmten Beschäftigtenstand
festlegen. Aber aus praktischen Erwägungen sehen wir eine Arbeitslosenrate von 4 Prozent als vorläufiges Ziel an. Es kann im Jahre
1963 erreicht werden, wenn auf dem Finanz- und Währungssektor sowie
auf anderen Gebieten eine entsprechende Politik verfolgt wird. Die
erreichbare Rate läßt sich sogar noch weiter senken, und zwar durch
wirksame Maßnahmen, die dazu beitragen, daß die Gesamtheit der Arbeitnehmer die Kenntnisse und die Beweglichkeit erlangt, die eine sich
verändernde Wirtschaft fordert. Wir müssen auch die mit dem Gesetz
für die Sanierung der Notstandsgebiete im Jahre 1961 begonnenen
gemeinsamen Bemühungen fortsetzen, in diesen Gebieten Industrien
anzusiedeln und Arbeitsplätze für die aus ihrer bisherigen Beschäftigung Verdrängten zu schaffen. Wir müssen schließlich die Arbeitslosigkeit auf das mit dem Funktionieren einer freien Gesellschaft
zu vereinbarende Minimum reduzieren. Wir müssen eine volle Wiedergesundung anstreben, ohne die Preisstabilität der vergangenen vier
Jahre zu gefährden. Die Erfahrungen des letzten Jahres haben gezeigt,
daß eine Expansion ohne Inflation möglich ist. Wenn die Gewerkschaften
und die Unternehmer zusammenarbeiten, dann bin ich davon überzeugt,
daß wir eines Tages die Vollbeschäftigung ohne Inflation verzeichnen
können.
Die Aufgabe der Stabilisierung der Wirtschaft endet nicht mit
einer vollen Wiedergesundung. Es bleibt das Problem, zu verhindern,
daß die Wirtschaft zu weit nach oben oder nach unten von dem Kurs
einer stetigen hohen Beschäftigung abweicht. Das eine würde zur Inflation, das andere zur Rezession führen. Eine flexible und wachsame
Finanz- und Währungspolitik wird es uns ermöglichen, den schmalen
Mittelkurs zu verfolgen.
Wirtschaftliches Wachstum
Während wir auf eine umfassende und konstante Ausnutzung unserer
heutigen Produktionskapazität hinarbeiten, müssen wir gleichzeitig
unser Potential für morgen erweitern. Die wirtschaftliche Expansion
nach dem Kriege - die größer als in den vorangegangenen fünfzig Jahren
war - hat. sich verlangsamt. Wir haben in den vergangenen Jahren die
Wachstumsrate von 4-4 1/2 Prozent, die die ersten Jahre nach dem
Kriege kennzeichnete, nicht einhalten können. Wir sollten uns nicht
mit einer langfristigen Wachstumsrate zufriedengeben, die unter dem
Stand der ersten Nachkriegsjahre liegt. Eine Steigerung der Expansionsrate auf jährlich 4 1/2 Prozent liegt im Bereich unserer Möglichkeiten während der sechziger Jahre. Damit werden wir die Grundlage sowohl

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�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

26. Januar 1962

sowohl für die Deckung unseres einheimischen Bedarfs als auch für
die Erfüllung unserer internationalen Verpflichtungen legen.
Im November des vergangenen Jahres setzten wir uns zusammen mit
den 19 anderen Mitgliedstaaten der Organisation für wirtschaftliche
Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) ein gemeinsames Ziel für die
wirtschaftliche Expansion. Wir verpflichteten uns alle, eine nationale und internationale Politik zu verfolgen, die die Gesamtproduktion
der Atlantischen Gemeinschaft zwischen i960 und 1970 um 50 Prozent
steigern soll. Die westlichen Nationen werden durch die Entschlossenheit Amerikas, seinen vollen Beitrag zu diesem Bemühen zu leisten,
ermutigt und angespornt.
Wir können unseren Beitrag leisten. Mitte der sechziger Jahre
werden die Kinder, die 1943 und später geboren wurden, das Arbeitsfähige Alter erreichen. Das sich daraus ergebende schnelle Anwachsen
der Zahl der Arbeitskräfte stellt eine große Chance - und keine Last für uns dar, vorausgesetzt, daß wir nicht nur die Arbeitsplätze beschaffen, sondern auch an die Forschung und Ausbildung denken und für
die Kapitalinvestitionen sorgen, um unsere neuen Arbeitskräfte bei
ihrem Eintritt ins Wirtschaftsleben in den Genuß einer hohen und steigenden Produktivität kommen zu lassen.
Gleiche Chancen für alle
Zeit unseres Lebens ist die Prosperität der Vereinigten Staaten
bisher in steigendem Maße allen zugute gekommen, und dies muß auch so
bleiben. Die Möglichkeiten der Ausbildung an Grund-Mittel- - und Hochschulen und die zunehmende medizinische Betreuung der Bevölkerung sowie
die erhöhte Wirtschaftstätigkeit unseres Landes nach dem Kriege haben
die wirtschaftliche Lage der ärmsten Familien und Einzelpersonen gebessert.
Aber die Prosperität hat die Armut nicht beseitigt. Im Jahre 196O
hatten sieben Millionen Familien oder Einzelpersonen ein jährliches
Einkommen unter 2000 Dollar. Daß es uns nicht gelungen ist, die Armut
zu überwinden, liegt zum Teil daran, daß wir nicht imstande gewesen
sind, unser Wirtschaftspotential voll auszuschöpfen. Die Zahl der
Arbeitslosen schwankt stets, und eine Zunahme der Arbeitslosigkeit
führt meist dazu, daß diejenigen die größten Einkommensverluste erleiden,
die dies am wenigsten verkraften können. Aber unser Gewissen wird auch
noch durch andere belastet, deren Armut kaum von den Konjunkturzyklen
der allgemeinen Wirtschaftstätigkeit berührt wird. Die ärmsten Familien
in Amerika sind in zunehmendem Maße diejenigen, in denen der Mann fehlt.
Ältere Leute, Farbige, Wanderarbeiter und die körperlich oder geistig
Behinderten verfügen auch in Zeiten der Prosperität oft nur über
wenig Geld.
Die Erhöhung der Mindestlöhne im vergangenen Jahr ist ein Beweis
für unsere Sorge um das Wohlergehen unserer Mitbürger mit einem niedrigen Einkommen. Weitere Gesetzesvorlagen, die gegenwärtig anhängig sind,
werden sehr dazu beitragen, das Los der vom Glück am wenigsten

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�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

26. Januar 1962

wenigsten Begünstigten zu verbessern. Zu diesen Vorschlägen gehören:
erstens die Krankenversicherung für die Alten; zweitens die Bundeshilfe für die Ausbildung und Umschulung unserer arbeitslosen und
unterbeschäftigten Arbeiter; drittens die endgültige Stärkung unseres
Arbeitslosenversicherungssystems; und viertens eine wesentliche Revision unserer öffentlichen V/ohlfahrts- und Unterstützungsprogramme, wobei der Nachdruck auf den Bemühungen um die Wiedereingliederung in
den Arbeitsprozeß liegen muß, die die Unabhängigkeit der Familien
wiederherstellt.
Die öffentlichen Schulen sind über ein Jahrhundert lang das große
Bollwerk der Gleichheit der Chancen in unserer Demokratie gewesen.
Unsere Schulen haben wesentlich dazu beigetragen, zu verhindern, daß
bestehende frühe Handikaps sich zu ständiger Unwissenheit und Armut
auswuchsen. Es gibt keine bessere Investition in Gleichheit und Demokratie und kein besseres Instrument für das wirtschaftliche Wachstum
als unsere Schulen. Aus diesem Grunde ersuche ich den Kongreß dringend,
die notwendigen Maßnahmen zur Gewährung von Bundeshilfe für angemessenere
Räume und Einrichtungen an öffentlichen Schulen, für höhere Gehälter für
die Lehrer und eine bessere Qualität des Unterrichts zu treffen. Ich
ersuche um die baldige Verabschiedung des Gesetzes über die Bewilligung
von Anleihen für den Bau von Hochschullehrgebäuden und die Vergabe von
Stipendien an begabte Studenten, die Hilfe brauchen. Die Begabung unserer
Jugend ist eine Quelle der Stärke, die wir nicht vergeuden dürfen.
Schließlich werde ich dem Kongreß in Kürze ein energisches Programm
zur Verringerung des Analphabetentums bei Erwachsenen vorlegen - ein
Mangel, an dem auf Grund unzureichender Ausbildungsmöglichkeiten in der
Vergangenheit noch zu viele unserer Mitbürger leiden.
Ausgleich der internationalen Zahlungsbilanz
Anhaltende Defizite im internationalen Zahlungsverkehr und Goldabflüsse haben die Zahlungsbilanz zu einem kritischen Problem der
Wirtschaftspolitik gemacht. Wir müssen einen Ausgleich in unseren internationalen Transaktionen' erreichen, so daß wir im Ausland großen
Verpflichtungen für die Sicherheit und die Entwicklung der freien Welt
nachkommen können, ohne daß unsere Goldreserven erschöpft werden oder
eine übermäßige Häufung von kurzfristigen Dollarverpflichtungen gegenüber Ausländern eintritt. Gleichzeitig müssen wir die internationalen
Handelsschranken weiter abbauen und den Fluß von Hilfsmitteln aus den
hochentwickelten Staaten nach den Entwicklungsländern steigern. Die
Ausweitung unserer Exporte ist eine Aufgabe von höchster Dringlichkeit,
eine Aufgabe, die der Aufrechterhaltung der Preisstabilität und der
raschen Erhöhung der Produktivität im eigenen Land erhöhte Bedeutung
verleiht.
Die Politik für 1962
Die Nation wird im Jahre 1962 einen weiteren wirtschaftlichen
Aufschwung zu verzeichnen haben. Die Privatwirtschaft kann mit

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�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

26. Januar 1962

mit umfassenden Fortschritten rechnen. Die bereits erzielten Fortschritte haben den Boden für weitere Höchststände auf den Gebieten
der Produktion, der Beschäftigung, des Personaleinkommens und der
Unternehmergewinne bereitet. Steigende Haushaltseinnahmen verbessern
die Aussichten auf eine weitere Zunahme der Verbraucherkäufe, vor
allem bei Dauergütern. Die Firmen werden größere Lagerbestände benötigen, um der gesteigerten Nachfrage entsprechen zu können. Höhere
Gewinne und eine Ausweitung der Märkte werden zu steigenden Kapitalaufwendungen führen. Die Ausgaben des Bundes, der Einzelstaaten und der
Kommunen werden im Rahmen unserer Arbeit für Frieden und Fortschritt
ebenfalls steigen.
In der ersten Hälfte des Jahres 1962 können wir daher mit einer
nachhaltigen Steigerung der Produktion und der Einkommen rechnen, wobei das Bruttosozialprodukt im 2. Quartal eine Jahresrate von 565 bis
570 Milliarden Dollar erreichen dürfte, die Zahl der Beschäftigten
weiterhin steigen und die Arbeitslosenzahl weiter fallen wird.
Im zweiten Halbjahr 1962 dürften die Investitionen der Firmen
in Fabrikanlagen und -ausrüstungen immer größeren Umfang annehmen und
dazu beitragen, das Tempo des Fortschritts in Richtung auf die Vollbeschäftigung und künftiges wirtschaftliches Wachstum aufrechtzuerhalten. Die Produktionsausweitung dürfte die Ausstoßrate der Fabriken
bis zur vollen Ausnutzung der Kapazität steigern und die Gewinne über
frühere Höchststände hinaus anheben. Zu diesen Anreizen für Kapitalausgaben wird eine Lockerung der Richtlinien für Abschreibungen durch
das Finanzministerium kommen und, wenn der Kongreß das Gesetz verabschiedet, der Steuerkredit von acht Prozent auf Ausgaben für Maschinen und Ausrüstungen.
Es steht zu erwarten, daß das Bruttosozialprodukt für das Gesamtjahr 1962 um etwa 50 Milliarden Dollar über den Stand des Jahres 1961
von 521 Milliarden Dollar ansteigen wird. Dies würde einen weiteren
gewaltigen Schritt vorwärts in Richtung auf eine Wirtschaft der Vollbeschäftigung darstellen. Ein Rückblick auf frühere Perioden des
Wirtschaftsaufschwungs nach Rezessionen wie auch das gewaltige und
ständig weiter wachsende Wirtschaftspotential der Vereinigten Staaten
zeigen, daß wir dieses Ziel erreichen können, In Anbetracht unserer
Verpflichtungen sowohl gegenüber unserer eigenen expandierenden Bevölkerung als auch der Welt müssen wir dieses Ziel erreichen.
Ich habe dem Kongreß ein ausgeglichenes Budget für das Haushaltsjahr 1963 vorgelegt, in dem auf Grund der Prosperität die Steuereinnahmen stark ansteigen werden. Das Budget ist der erwarteten wirtschaftlichen Expansionsrate angepaßt. Es wird der Wirtschaftstätigkeit
geringeren Auftrieb geben, wenn die private Nachfrage nach Gütern und
Dienstleistungen größer und damit in immer stärkerem Maße zum Träger
der künftigen Expansion wird. Dieser Wechsel wird sich jedoch allmählich und schrittweise vollziehen. Wir haben aus den Enttäuschungen der
Jahre 1959/60 gelernt, daß eine abrupte und exzessiv starke Verlagerung im Budget der Privatwirtschaft die Kraft und die Energie nehmen
und ihren Fortschritt aufhalten kann, vor allem wenn gleichzeitig eine
restriktive Geldpolitik verfolgt wird. Dies wird sich nicht wieder-

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�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

26. Januar 1 962

Wir sehen dem Jahre 1962 ohne jede Selbstzufriedenheit, aber
mit Optimismus entgegen. Wenn der private Verbrauch in unerwarteter
Weise steigt, dann muß und wird die öffentliche Hand Maßnahmen treffen, um die Gefahr eines Ansteigens der Preise abzuwenden. Bleibt die
Verbrauchernachfrage hinter den gehegten Erwartungen zurück, dann
wird eine mehr expansive Politik befolgt werden...
Der im Budget für das Finanzjahr 1963 erwartete Ausgleich und
der Überschuß, der bei einer Vollbeschäftigung entstehen würde,
lassen beide erkennen, daß die Finanzpolitik einen großen Teil der
schweren Aufgabe übernimmt, jede inflationistische Übersteigerung
der Nachfrage zu verhindern. Wenn die Währungspolitik und die mit
ihr zusammenhängenden Maßnahmen zu einem großen Teil von dieser
Bürde entlastet werden, dann können sie um so wirksamer zur Sicherung
des Flusses von Investitionskapital eingesetzt werden, durch den
die derzeitigen Erträge der Wirtschaft in künftige Produktionskapa- l
Zitaten umgewandelt werden .
Gleichzeitig muß aber bei der Währungspolitik und der Verwaltung
der Staatsschuld darauf geachtet werden, die internationale Zahlungsbilanz vor dem Abfluß kurzfristigen Kapitals zu schützen...
Das im vergangenen Jahr begonnene Programm zur Verringerung
unseres Zahlungsdefizits und zur Erhaltung des Vertrauens in den
Dollar wird im Jahre 1962, dessen bin ich sicher, weitere Erfolge
zeitigen. Ich hoffe, daß das Ziel eines vernünftigen Gleichgewichts
in unserer internationalen Zahlungsbilanz innerhalb der nächsten zwei
Jahre erreicht werden kann; es wird dies jedoch von uns allen - der
Regierung, der Wirtschaft und den Gewerkschaften - entschlossene Anstrengungen verlangen. Diese Anstrengungen müssen an einer ganzen
Reihe von Fronten unternommen werden.
Ausweitung des Exports: Eine weitere Steigerung des Handelsüberschusses der USA ist von äußerster Wichtigkeit. Wenn wir unseren
internationalen Verpflichtungen nachkommen wollen, dann müssen wir
unsere Exporte rascher steigern, als die Importe im Rahmen unseres
wirtschaftlichen Wachstums zunehmen.
Unsere Anstrengungen zur Steigerung des Exports erfordern dringend,
das wir uns in Verhandlungen um eine Reduzierung der Zölle des europäischen Gemeinsamen Marktes bemühen. Ich werde dem Kongreß in Kürze
eine Sonderbotschaft vorlegen, in der die Einzelheiten des vorgeschlagenen Gesetzes zur Erweiterung des Handels für das Jahr 1962 dargelegt
werden und begründet wird, warum ich eine neue Initiative in der Handelspolitik in diesem Jahr für unbedingt erforderlich halte.
Um die amerikanischen Geschäftsleute zu ermutigen, sich mehr
auf den Export auszurichten, haben wir unter Leitung der ExportImport-Bank ein neues Exportversicherungsprogramm in Angriff genommen.
Und wir haben unsere Offensive zur Förderung des Exports noch intensiviert, indem wir die von der US-Regierung im Ausland gewährten
kommerziellen Dienstleistungen verbesserten - indem wir Handelszentren

�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

26. Januar 1962

Handelszentren in anderen Ländern errichteten, Handelsmessen planten,
das Handelsmissionsprogramm erweiterten und über die Außenstellen
des Handelsministeriums und das Bundesamt zur Förderung von Kleinund Mittelbetrieben mit den einzelnen Firmen bezüglich der Exportmöglichkeiten zusammenarbeiteten. Die Reisen von Ausländern nach den
USA, die die Dollar in unser Land zurückbringen, werden nunmehr über die
erste je zu diesem Zweck geschaffene Bundesdienststelle gefördert.
Preise und Produktivität: unsere Exportoffensive wird fehlschlagen, wenn wir unsere Preise auf den Weltmärkten nicht wettbewerbsfähig
halten können. Wenn auch unsere Haltung in jüngster Zeit, was die Preise
anbetrifft, vorbildlich war, so wird die Besserung der Wirtschaftslage
1962 doch das Staatsbewußtsein der führenden Männer unserer Wirtschaft
und unserer Gewerkschaften erneut auf die Probe stellen. Ich glaube,
daß sie diese Bewährungsprobe bestehen werden; unsere Nation besitzt
heute das Verständnis für die entscheidend wichtigen Beziehungen, die
zwischen unserem Preisgefüge und unserer Zahlungsbilanz bestehen.
Auf lange Sicht gesehen hängt die Wettbewerbsfähigkeit unserer
Industrie von einem stetigen und schnellen Produktivitätszuwachs ab.
Hier decken sich die Ziele der wirtschaftlichen Wiedererholung, des
langfristigen Wachstums und der Stärkung des Dollars. Die Modernisierung und Erweiterung unserer industriellen Anlagen wird den Produktivitätszuwachs noch beschleunigen.
Auslandsinvestitionen: den Fluß privaten amerikanischen Kapitals
ins Ausland unter Kontrolle zu stellen, würde unserer Tradition und
unseren wirtschaftlichen Interessen zuwiderlaufen. Aber genausowenig
gibt es irgendeine Rechtfertigung für besondere Steuervergünstigungen,
die den Fluß amerikanischer Investitionen nach Ländern begünstigen,
die jetzt stark und wirtschaftlich entwickelt sind. Ich fordere daher
erneut die Aufhebung dieser besonderen Steuervergünstigungen.
Das neue Außenhandelsprogramm, das ich dem Kongreß vorschlagen
werde, wird dazu beitragen, eine weitere künstlich geschaffene Vergünstigung für amerikanische Firmen, die im Ausland investieren, abzuschaffen. Der europäische Gemeinsame Markt hat amerikanisches Kapital
angezogen - zum Teil deshalb, weil amerikanische Geschäftsleute befürchteten, sie würden auf dem wachsenden europäischen Markt nicht mehr
wettbewerbsfähig sein, wenn sie nicht Fabriken hinter der gemeinsamen
Zollmauer errichteten...
Ausgaben der Regierung im Ausland: Die Aufwendungen für militärische
Zwecke machen bei weitem den größeren Teil unserer Regierungsausgaben
im Auslande aus. Wir führen gegenwärtig mit bestimmten unserer europäischen Verbündeten Besprechungen darüber, inwieweit sie ihre eigenen
militärischen Beschaffungskäufe in den Vereinigten Staaten steigern
können, um so einen Ausgleich für unsere Dollarausgaben in ihrem Land
zu schaffen. Als Ergebnis davon dürfte die Nettobelastung unserer Zahlungsbilanz im kommenden Jahr zurückgehen, obwohl wir auf Grund der
Berlin-Situation mehr Truppen im Ausland haben werden.
Eine

�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT ULD ARBEIT

26. Januar ^^G2

Eine Kürzung unserer Auslandshilfeprogramme - um so unsere
Zahlungsbilanz zu stärken - würde "bedeuten, daß wir mehr aufgehen
als gewinnen. Aber wir können die in ausländischen Währungen anfallenden Kosten unserer Hilfsprogramme reduzieren und so die Belastung
für unsere Zahlungsbilanz verringern...
Wir haben versucht, andere hochentwickelte Länder zur Übernahme
eines größeren Teiles der Bemühungen auf dem Gebiet der Auslandshilfe
zu bewegen. Wir werden unsere diesbezüglichen Bemühungen über den
Wirtschaftshilfeausschuß der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung fortsetzen, um zu erreichen, daß die anderen
Industriestaaten einen größeren Betrag der Wirtschaftshilfe für die
weniger entwickelten Länder übernehmen...
Stärkung des internationalen Währungssystems: Her Internationale
Währungsfonds spielt eine immer wichtigere Rolle bei der Erhaltung
der Stabilität der internationalen Währungen...
In meiner Botschaft an den Kongreß vom vergangenen Februar
sagte ich: 'Wir müssen jetzt in Zusammenarbeit mit anderen Gläubigerländern Mittel und Wege erörtern, wie die internationalen Finanzierungsinstitute - vor allem der Internationale Währungsfonds - gestärkt und wirksamer eingesetzt werden können, sowohl was die Aufbringung der erforderlichen höheren Reserven als auch was die Flexibilität anbetrifft, wie sie zur Unterstützung einer gesunden und
wachsenden Weltwirtschaft erforderlich ist'.
Wir haben jetzt einen wichtigen Schritt in dieser Richtung
unternommen. Zwischen zehn großen Industriestaaten wurde ein Übereinkommen erreicht, wonach sie dem Währungsfonds, falls notwendig,
bestimmte Beträge ihrer Währungen zur Verfügung stellen werden, um
einen etwa auftretenden Druck auf das internationale Währungsgefüge
auffangen oder abwenden zu können. Diese auf Abruf bereitstehenden
6 Milliarden Dollar werden ein wichtiges Abwehrmittel gegen internationale Währungsspekulationen bilden und die Wirksamkeit des Währungsfonds beträchtlich steigern. Sie stellen sicher, daß wir von
unseren Ziehungsrechten voll Gebrauch machen können, wenn dies einmal
erforderlich werden sollte. Außerdem werden die von den Vereinigten
Staaten hierfür zugesagten 2 Milliarden Dollar die über den Fonds
anderen Partnern des Abkommens zugänglichen Finanzmittel vermehren,
wenn wir über eine starke Zahlungsbilanz und starke Reserven verfügen.
Ich werde den Kongreß in Kürze um Verabschiedung eines entsprechenden
Gesetzes ersuchen.
Maßnahmen zur Stärkung der Wirtschaft
Der abschließende Teil meines Berichts ist eine Zusammenfassung
meiner Empfehlungen für gesetzgeberische Maßnahmen (des Kongresses),
um erstens unsere Abwehrmittel gegen eine Rezession, zweitens unser
Finanzsystem, drittens unser Arbeitskräftepotential und viertens
unser Steuersystem zu stärken.
Immer

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�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

26. Januar 1962

Immer wiederkehrende Rezessionen haben die amerikanische
Wirtschaft nach dem Kriege vom Kurs abgebracht, und zwar zu einer
Zeit, in der die Volkswirtschaften anderer Hauptindustrieländer
ständig Fortschritte erzielten. Um unsere Leistungen in der Zukunft
zu verbessern, ersuche ich den Kongreß dringend, mit mir bei der
Schaffung einer tiefgestaffelten Abwehr gegen zukünftige Rezessionen
zusammenzuarbeiten. Die grundlegenden Faktoren dieser Abwehrmaßnahmen sind: erstens, eine Sondervollmacht des Präsidenten für
eine schnelle, vorübergehende Senkung der Einkommensteuer, zweitens, eine Sondervollmacht des Präsidenten für Ausgaben für wichtige
Verbesserungsvorhaben und, drittens, eine dauerhafte Verbesserung
der Arbeitslosenversicherung. Diese drei Maßnahmen laufen parallel
zu wichtigen Vorschlägen des Ausschusses für Geld- und Kreditwesen,
dessen weitere Empfehlungen im nächsten Abschnitt behandelt werden.
In unserer freien Unternehmerwirtschaft werden natürlich immer
Fluktuationen in der Wirtschaft wie auch bei den Verbraucherausgaben
eintreten. Aber das braucht uns nicht dazu zu verurteilen, abwechselnd magere und fette Jahre hinzunehmen. Der Wirtschaftszyklus hat
nicht die Unausweichlichkeit eines Kalenders. Die Regierung kann
ihre Transaktionen an öffentlichen Mitteln zeitlich so abstimmen, da
die Fluktuationen in der Privatwirtschaft ausgeglichen und gedämpft
werden. Unser öffentliches Finanzsystem und unsere Haushaltspolitik
tragen bereits in einem viel größeren Maße zur wirtschaftlichen Stabilität bei als vor dem Kriege. Aber die Zeit ist reif und die Notwendigkeit klar ersichtlich, daß die Regierung in die Lage versetzt
wird, rascher, flexibler, und machtvoller zu handeln, um die Wirtschaft zu stabilisieren..."

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�A M E R I K A

D I E N S T

Wi./2«2.1962

PRÄSIDENT KENNEDY FORDERT UMFASSENDE VOLLMACHTEN
ZUM - ABBAU DER ZOLLSCHRANKEN

WASHINGTON - (AD) - Nachstehend übermitteln wir
Ihnen den Wortlaut der Außenhandelsbotschaft, die
Präsident Kennedy am 25. Januar 1962 dem amerikanischen Kongreß übermittelt hat.

Vor 28 Jahren unternahm unser Lan d ein neues Experiment auf
dem Gebiet der internationalen Beziehu ngen - das Programm über gegenseitige Handelsabkommen. Angesichts de s Chaos im Welthandel, das aus
der großen Depression resultierte, ent täuscht über die nicht erfüllten Verheißungen, daß hohe Schutzzölle zur Wiedergesundung führen
würden, und auf Grund der zwingenden u nd verzweifelten Notwendigkeit,
unsere Wirtschaft wiederherzustellen, ersuchte Präsident Roosevelt um
die Vollmacht, mit anderen Ländern der Welt über gegenseitige ZollSenkungen verhandeln zu können, um uns ere Exporte zu fördern sowie
unsere wirtschaftliche Wiedergesundung und unser wirtschaftliches
Wachstum zu unterstützen.
Dieses richtungweisende Programm, das Cordell Hüll im Kongreß
durchbrachte, ist elfmal verlängert worden. Es hat unserem Lande und
der freien Welt weit über zwanzig Jahre gute Dienste geleistet. Dieses Programm führte zu einer Ausweitung und Festigung des Handels der
freien Welt. Unser Gesamtexport, der sich in den drei Jahren vor der
Verabschiedung dieses Gesetzes auf durchschnittlich weniger als zwei
Milliarden Dollar im Jahr belief, ist jetzt auf über 20 Milliarden
Dollar angewachsen.
Am JO. Juni 1962 läuft die Verhandlungsvollmacht auf Grund der
letzten Verlängerung des Gesetzes über gegenseitige Handelsabkommen
ab. Das Gesetz muß durch ein völlig neues Instrument ersetzt werden.
Eine.neue amerikanische Handelsinitiative ist erforderlich, um den
Problemen und großen Möglichkeiten einer sich schnell verändernden
Weltwirtschaft gerecht zu werden.

In

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2. Februar 1962

In dem kurzen Zeitraum, seit dieses Gesetz zum letzten Male verlängert wurde, haben fünf grundlegend neue und weitreichende Entwicklungen dazu geführt, daß unsere traditionelle Handelspolitik überholt
ist.
Das Wachstum des europäischen Gemeinsamen Marktes - einer Wirtschaft, die bald der unsrigen nahezu gleichkommen dürfte und die durch
einen Außenzoll ähnlich dem unsrigen geschützt wird - hat sich mit solchem Erfolg und solchem Schwung vollzogen, daß der ursprüngliche Zeitplan übertroffen wurde, die anfänglichen Skeptiker davon überzeugt wurden, daß es jetzt kein Zurück mehr gibt, und die Grundlage für eine
radikale Änderung der Wirtschaftspolitik der Atlantischen Gemeinschaft
gelegt wurde. Nahezu 90 Prozent der Industrieproduktion der freien Welt
(falls Großbritannien und andere Länder ihre Verhandlungern um Mitgliedschaft erfolgreich abschließen) sind vielleicht bald auf zwei großen
Märkten konzentriert - den Vereinigten Staaten von Amerika und der erweiterten Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft. Eine Handelspolitik, die
lediglich ausreicht, Zollsenkungen Position um Position mit einer großer
Anzahl kleiner unabhängiger Staaten auszuhandeln, genügt nicht mehr,
um uns und unseren traditionellen Handelspartnern in Kanada, Japan,
Lateinamerika und in anderen Teilen der Welt den jederzeitigen Zugang
zu einem Markt zu sichern, der fast so groß ist wie unser eigener und
dessen Verhandlungsführer für alle sprechen können, dessen innere
Differenzen es ihnen jedoch unmöglich machen, Position um Position zu
verhandeln.
Der wachsende Druck auf unsere Zählungsbilanz hat in den vergangenen Jahren die Wichtigkeit steigender amerikanischer Exporte,um
die internationale Position des Dollars zu stärken und eine ständige
Schwächung unserer Goldreserven zu vermeiden, in einem neuen Lichte
erscheinen lassen. Um unsere Verteidigung, die Auslandshilfe sowie die
anderen Verpflichtungen gegenüber dem Auslande aufrechterhalten zu
können, müssen wir, wenn gleichzeitig der freie Fluß von Gütern und
Kapital erweitert werden soll, ein vernünftiges Gleichgewicht in unsere:
internationalen Verrechnungskonten erreichen, d.h. die Dollarausgaben
durch Dollareinnahmen ausgleichen.
Die Notwendigkeit für eine Beschleunigung unseres eigenen wirtschaftlichen Wachstums ist heute, nach einer Periode von sieben Jahren
langsamen Wachstums, die durch drei Rezessionen charakterisiert wird,
dringlicher als in vergangenen Jahren. Sie wird noch durch die Tatsache unterstrichen, daß in diesem Jahrzehnt Millionen neuer Arbeitsplätze geschaffen werden müssen, um.nicht nur für die gegenwärtig
Arbeitslosen, sondern auch für eine wachsende Zahl junger Arbeitskräfte
für die landwirtschaftlichen Arbeiter, die neue Arbeit suchen, und für
die Arbeiter in den Städten, die durch technische Neuerungen von ihren
Arbeitsplätzen verdrängt wurden, neue Beschäftigungsmöglichkeiten zu
finden.
Die

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�AMERIKA DIENST" _ WIRTSCHAFT UND ARBEIT

2. Februar 1962

Die kommunistische Hilfe und die kommunistische Handelsoffensive traten in den letzten Jahren ebenfalls immer stärker hervor.
Der Handel des Sowjetblocks mit 41 nichtkommunistischen Ländern in
den unterentwickelten Gebieten der Welt hat sich in den letzten Jahren
mehr als verdreifacht. Und die Handelsmissionen des Sowjetblocks bemühen sich auf fast allen Kontinenten, die freie Welt zu unterminieren,
einzukreisen und zu spalten.
Die Dringlichkeit, für Japan und die Entwicklungsländer neue Absatzmärkte zu finden, ist heute ebenfalls größer denn je - sowohl
auf Grund der voraussichtlichen Auswirkungen des Außenzolls der EWG
wie auch auf Grund der Tatsache, daß sich diese Länder gezwungen sehen,
P.euF Absatzmöglichkeiten für ihre Rohstoffe und Fertigerzeugnisse zu
finden.
Um diesen neuen Aufgaben und Möglichkeiten gerecht zu werden, lege
ich dem Kongreß heute ein neues und modernes Instrument für Handelsverhandlungen - das Gesetz über die Ausweitung des Handels von 1962 vor. Wie ich bereits in meiner Botschaft über die Lage der Nation betont habe, könnte seine Verabschiedung "sehr wohl die Einheit des Westens, den Verlauf des Kalten Krieges und das Wachstum unserer Nation
für die nächste Generation beeinflussen".
I. Die Vorteile eines verstärkten Handels
Im besonderen wird die Verabschiedung dieses Gesetzes jedem einzelnen Bundesstaat, jedem Bereich der amerikanischen Wirtschaft und all
den grundlegenden Zielen unserer Binnenwirtschaftspolitik und unserer
Außenpolitik zum Vorteil gereichen.
Unsere Bemühungen um eine Ausweitung unserer Wirtschaftstätigkeit
werden wesentlich dadurch beeinflußt, ob es uns gelingt, unseren Export
zu steigern - und ob es im besonderen unseren Farmern und unseren Get
schäftsleuten gelingt, mehr an den Gemeinsamen Markt zu verkaufen. Jem
seits des Atlantiks ist gegenwärtig eine einheitliche Wirtschaftsgemeinschaft im Entstehen begriffen, die eines Tages eine Bevölkerung
haben dürfte, die eineinhalbmal so groß ist wie die unsrige. Diese Bevölkerung arbeitet im Rahmen einer Wirtschaft zusammen und steht in
einem gemeinsamen Wettbewerb, bei dem es für Handel und Investitionen
keine größeren Hindernisse gibt als zwischen unseren 50 Bundesstaaten.
Diese Wirtschaft hatte in der Vergangenheit eine Wachstumsrate, die fast
doppelt so hoch wie die unsrige war, und sie wird eines Tages eine
Kaufkraft repräsentieren, die der unsrigen gleichkommt, und einen
Lebensstandard aufweisen, der schneller als der unsrige steigt, In dem
Maße, wie dort die Verbrauchereinkommen wachsen, nimmt dort auch die
Verbrauchernachfrage zu - besonders nach solchen Gütern, die wir am
besten herstellen können, die jetzt erst auf den europäischen Märkten
oder an die Familien mit mittleren Einkommen dort in größerem Umfange
verkauft oder überhaupt dort erst richtig bekannt werden.
Rund

�"AMERIKA DIENST"

- WIRTSJ-IAFT UI.'D ARBEIT

2. Februar 1962

Rund 30 Prozent unseres Exports - über vier Milliarden Dollar
bei industriellen Erzeugnissen und Rohstoffen und fast zwei Milliarden Dollar bei Agrarerzeugnissen - entfallen gegenwärtig bereits
auf die Mitglieder und die voraussichtlichen Mitglieder der EWG. Die
europäischen Produzenten haben jedoch ihren Anteil an diesem schnell
expandierenden Markt weit stärker erhöht als die amerikanischen. Sofern unsere Industrie ihren Anteil an diesem attraktiven Markt nicht
halten und erhöhen kann, wird sie auch weiterhin versucht sein, zusätzliche, mit amerikanischen Geldern finanzierte Fabriken in Europa zu
errichten, um so die Außenzollmauer der EWG zu umgehen. Auf diese
Weise wäre es dem amerikanischen Produzenten möglich, unter Wettbewerbsgerechteren Bedingungen mit seinen europäischen Partnern um
diesen riesigen Verbrauchermarkt zu kämpfen. Dies würde aber auch bedeuten, daß unsere Bemühungen fehlgeschlagen wären, diesen expandierenden Markt für eine Erhöhung der Zahl der Arbeitsplätze sowie eine
Steigerung der Investitionen in den USA zu nutzen.

Eine liberalere Handelspolitik wird im allgemeinen unseren rationell
arbeitenden und expandierenden Industrien nützen - den Industrien, die
ihre Überlegenheit gegenüber anderen Produzenten der Welt bewiesen haben,
indem sie aus ihrer Produktion im Durchschnitt doppelt soviel exportierten, wie von uns importiert wurde - den Industrien, die dies getan
haben, obwohl sie die höchsten Löhne in unserem Lande zahlen. Die steigenden Investitionen und Beschäftigtenzahlen in diesen expandierenden
Industrien werden zu einer gesünderen, rationeller arbeitenden und sich
ausweitenden Wirtschaft und damit zu einem noch höheren Lebensstandard
in den USA beitragen. Ja, der freiere Güterverkehr zwischen den USA und
dem Gemeinsamen Markt würde die Wirtschaft der gesamten freien Welt
stärken, indem jedes einzelne Land angespornt würde, vor allem das zu
tun, was es am besten tun kann, und so dazu beizutragen, daß das von
der OECD gesetzte Ziel einer Steigerung des gemeinsamen Bruttosozialprodukts der Atlantischen Gemeinschaft um 50 Prozent bis zum Jahre
1970 erreicht wird.
Unsere Bemühungen zur Ausschaltung einer Inflation werden durch
eine Ausweitung des Handels eine Stützung erfahren. Sobald erst einmal
faire und gerechte Möglichkeiten für einen Wettbewerb auf den Auslandsmärkten sowie die Voraussetzungen für einen gesunden Wettbewerb mit den
ausländischen Produzenten auf unseren eigenen Märkten geschaffen sind,
werden die amerikanischen Unternehmer und Arbeiter vermehrt Grund haben,
wettbewerbsfähige.Kosten und Preise zu halten, ihre Fabriken zu modernisieren und ihre Produktivität zu steigern. Der harte Kampf auf den
Weltmärkten ist ein ausgezeichneter Maßstab für die Leistungsfähigkeit
und eine stabilisierende Kraft. Wollte man versuchen, die amerikanische
Wirtschaft vor dem harten Wettbewerbskampf mit dem Ausland abzuschirmen,
so würde dies zu einer Isolierung der Inlandspreise von den 'Weltmarktpreisen, einer Ermutigung der Inflation im Inland, einer weiteren Einengung des Exports und zu weniger wünschenswerten staatlichen Lösungen
führen.
Unsere

�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

2. Februar 1962

Unsere Bemühungen in den vergangenen Jahren um eine Korrektur
der negativen Zahlungsbilanz entsprachen im großen ganzen dem Bemühen
um eine Steigerung des Exportüberschusses. Wenn wir unser Sicherheitsprogramm im Ausland aufrechterhalten wollen - unsere eigenen im Ausland stationierten Streitkräfte und unseren Beitrag zur Sicherheit und
zum Wachstum der übrigen freien Länder -, dann müssen wir hierfür
wesentliche Dollarbeträge im Ausland ausgeben. Diese Ausgaben werden
auf dem notwendigen Minimum gehalten, und wir bemühen uns darum, daß
unsere Verbündeten einen größeren Anteil übernehmen. Aber diese Ausgaben werden auch künftig eine beträchtliche Höhe erreichen, und dies
bedingt, daß wir den Exportüberschuß auf Grund unserer aktiven Handelsbilanz auf mehr als fünf Milliarden Dollar steigern müssen. Wenn
dieser Überschuß erhöht werden kann, weil unsere Exporte schneller als
die Importe steigen, dann können wir den für die Stabilität und Flexibilität unserer Wirtschaft erforderlichen Ausgleich unserer Zahlungsbilanz erreichen. Wenn es dagegen nicht gelingen sollte, unseren Überschuß zu steigern, wenn unseren Exporten der freie Zugang zur EWG und
anderen Absatzmärkten verwehrt werden sollte, dann würde unsere Position im Ausland gefährdet werden. Wenn wir aber die Außenzollmauer
des Gemeinsamen Marktes auf dem Verhandlungswege abbauen können, dann
werden unsere Produzenten unter einem weniger harten Zwang s.tehen,
ihre Fabriken hinter dieser Mauer zu errichten, um auf dem europäischen
Markt im Geschäft zu bleiben; und somit würde auch der Kapitalexport
nach Europa zurückgehen.
Unsere Bemühungen um eine Förderung der Stärke und Einigkeit des
Westens stehen somit in einem direkten Zusammenhang mit der Stärke
und Einheitlichkeit der atlantischen Handelspolitik. Ein erweitertes
Exportprogramm ist für die USJ^unbedingt erforderlich, um die Zahlungsbilanz auszugleichen und das ^^rtschaftliche Wachstum zu erreichen,
das notwendig ist, damit wir unseren Beitrag zur militärischen Sicherheit sowie für den wirtschaftlichen Fortschritt des Westens aufrechterhalten können. Genauso wichtig ist eine Liberalisierung des Güterflusses über den Atlantik hinweg, die die beiden riesigen Märkte auf
beiden Seiten des Ozeans in die Lage versetzen würde, Stärke und Dynamik miteinander zu paaren und ihre Hilfsquellen und ihre Schwungkraft
zusammenzufassen, um die zahlreichen Maßnahmen durchzuführen, die für
die Sicherheit freier Völker erforderlich sind. Zum ersten Male können
wir als die größte Handelsnation der Welt einen einzigen Partner begrüßen, dessen Handel noch größer als der unsrige ist - einen Partner,
der nicht länger mehr in sich gespalten und abhängig, sondern stark
genug ist, um mit uns die Verantwortung und Initiative der freien Welt
zu teilen.
Der kommunistische Block - weitgehend in sich geschlossen und
isoliert - stellt eine wirtschaftliche Macht dar, die in gewisser
Hinsicht bereits größer als die Westeuropas ist und hofft, eines
Tages die Vereinigten Staaten überholen zu können. Aber die gemeinsame
Produktion und Kaufkraft der Vereinigten Staaten und Westeuropas nahezu eine Billion Dollar im Jahr - ist mehr als doppelt so groß wie
die der gesamten sino-sowjetischen Welt. Obwohl unsere Bevölkerung
nur halb so groß ist und wir nur über weit weniger als die Hälfte des

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des Gebietes verfügen, können wir unsere Hilfsquellen und unser Können im Rahmen einer offenen Handelspartnerschaft zusammenfassen, die
stark genug ist, um mit jeder Herausforderung fertig zu werden und
all die vielen Aufgaben in aller Welt in Angriff zu nehmen, die für
die Wahrung und den Fortschritt der Freiheit erforderlich sind. Wenn
wir diesen Schritt tun, dann werden für alle Zeiten die marxistischen
Prophezeiungen, daß die "kapitalistischen" Reiche sich wegen der Märkte
bekriegen und Konkurrenten unterdrücken werden, zunichte gemacht, die
kommunistischen Hoffnungen auf einen Handelskrieg zwischen diesen zwei
großen Wirtschaftsgebieten vereitelt und die kommunistischen Versuche,
den Westen zu spalten, zum Scheitern verurteilt.
Als Mitglieder der Atlantischen Gemeinschaft haben wir unsere
militärischen Ziele durch die Nordatlantikpakt-Organisation aufeinander
abgestimmt. Durch die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit
und Entwicklung (OECD) stimmen wir unsere Währungs- und Wirtschaftspolitik aufeinander ab. Es ist jetzt an der Zeit, ein neues Kapitel in
der Entwicklung der Atlantischen Gemeinschaft zu schreiben. Der Erfolg
unserer Außenpolitik hängt weitgehend von dem Erfolg unseres Außenhandels ab, und die Wahrung der politischen Einheit des Westens hängt ebenso weitgehend von dem Ausmaß der wirtschaftlichen Einheit des Westens
ab. Ein integriertes Westeuropa, das sich mit den Vereinigten Staaten
in einer Handelspartnerschaft zusammengeschlossen hat, wird das Gleichgewicht der Kräfte in der Welt noch mehr zugunsten der Seite der Freiheit verlagern.
Unsere Bemühungen, die Überlegenheit freier Entscheidung zu beweisen, würden damit gewaltig gefördert werden. Wir wollen der Welt beweisen, daß wir an das friedliche "Niederreißen der Mauern" glauben, statt
sie willkürlich zu errichten. Wir wollen den Erzeugern und Verbrauchern
in der freien Welt neue Perspektiven der Wahl und der Möglichkeiten eröffnen. Als Antwort für jene, die den ärmeren Ländern der Welt erklären,
daß wirtschaftlicher Fortschritt und Freiheit nicht mehr zu vereinbaren
sind, bietet sich uns - die wir seit langem die Vorzüge eines freien
Marktes und der freien Wettbewerbswirtschaft, unsere Fähigkeit, auf
jedem Markt konkurrieren und verkaufen zu können, sowie unsere Bereitschaft, mit der Zeit Schritt zu halten, gerühmt haben - die größte Möglichkeit seit dem Marshall-Plan, um die große Kraft der Entscheidungsfreiheit zu demonstrieren.
Die Länder des kommunistischen Blocks haben in den vergangenen Jahren über 200 Handelsabkommen ausgehandelt. Es ist unvermeidlich, daß die
Empfängerländer ihre Volkswirtschaften in immer stärkerem Maße von den
sowjetischen Gütern, Dienstleistungen und Technikern abhängig finden.
Aber viele dieser Nationen haben auch festgestellt, daß die Wirtschaftspolitik der freien Wahl weit größere Vorteile bietet als die Wirtschaftspolitik des Zwanges. Und je mehr wir das Gebiet der wirtschaftlichen
Freiheit ausdehnen können, um so leichter machen wir es allen freien
Völkern, in den Genuß unserer Neuerungen zu kommen und sie in der Praxis
anzuwenden.
Unsere

�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT TOD ARBEIT

2. Februar 1962

Unsere Bemühungen, den Entwicklungsländern der Welt und anderen
Freunden zu helfen, hängen jedoch von mehr ab als von einer Demonstration der Lebenskraft und der Vorzüge der Freiheit. Wenn ihre Volkswirtschaften expandieren, ihre neuen Industrien mit Erfolg arbeiten
und wenn sie Devisen verdienen sollen, die sie benötigen, um auf
unsere Unterstützungsanstrengungen verzichten zu können, dann müssen
diese Länder neue Absatzmärkte für ihre Rohmaterialien und ihre neuen
Erzeugnisse finden. Wir müssen sicherstellen, daß alle Abmachungen,
die wir mit der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft treffen, so ausgearbeitet werden, daß sie unbedingt auch in nicht diskriminierender
V/eise auf alle dritten Länder Anwendung finden können. Noch wichtiger
ist jedoch, daß die Vereinigten Staaten und Europa eine gemeinsame
Verantwortung gegenüber allen weniger entwickelten Ländern der Welt
tragen - und in diesem Sinne müssen wir zusammenarbeiten, um sicherzustellen, daß ihre berechtigten Bestrebungen und Erfordernisse erfüllt werden. Die "offene Partnerschaft", die dieses Gesetz -vorschlägt,
wird alle freien Nationen in die Lage versetzen, gemeinsam in den Genuß der Segnungen einer weiter gesteckten wirtschaftlichen Wahl für
alle zu gelangen.
Unsere Bemühungen, die Führung der freien Welt zu behalten,
hängen also letztlich von unserem Erfolg bei diesem Vorhaben ab.
Wirtschaftliche Isolierung und politische Führerschaft sind völlig
unvereinbar miteinander. Die Länder Westeuropas werden in den nächsten
Jahren ihr grundlegendes Wirtschafts- und Handelsschema festlegen,
das die Zukunft unserer Wirtschaft sowie die Hoffnungen unserer weniger entwickelten Freunde entscheidend beeinflussen wird. Es werden
grundlegende politische und militärische Entscheidungen von lebenswichtigem Interesse für unsere Sicherheit getroffen werden. Wenn wir
diese Vollmacht zu Verhandlungen nicht erhalten, und sie nicht noch
in diesem Jahr erhalten - wenn wir vom Gemeinsamen Markt durch hohe
Zollschranken auf jeder Seite des Atlantik getrennt sind -, dann
können wir nicht hoffen, bei diesen grundlegenden Entscheidungen eine
wesentliche Rolle zu spielen.
Wenn wir unsere Führerschaft erhalten wollen, dann ist es an uns,
die Initiative zu ergreifen. Die umwälzenden Veränderungen, die sich
gegenwärtig vollziehen, werden nicht warten, bis wir uns entschieden
haben. Die Vereinigten Staaten haben zu weitreichenden Veränderungen
in der Wirtschaftsstruktur der freien Welt ermutigt, um die Kräfte
der Freiheit zu stärken. Aber wir können jetzt nicht selbst auf der
Stelle treten. Wenn wir die Führung haben wollen, dann müssen wir
handeln. Wir müssen unsere eigene Wirtschaft den zwingenden Erfordernissen einer sich verändernden Welt anpassen und einmal mehr unsere
Führerschaft behaupten.
Der amerikanische Geschäftsmann wird, sobald die durch dieses
Gesetz gewährte Vollmacht ausgeübt wird, eine einzigartige Gelegenheit haben, zunehmend gleichberechtigt auf ei-nem reichhaltigen und
schnell expandierenden Auslandsmarkt zu konkurrieren, der potentiell
über eine Kaufkraft verfügt, die so groß und so verschiedenartig ist

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ist wie die unsrige. Er weiß, daß, nachdem erst einmal künstliche
Hindernisse beseitigt sind, ein großes Angebot amerikanischer Waren,
die mit Hilfe amerikanischen Wissens und amerikanischer Tüchtigkeit
produziert wurden, mit allen Erzeugnissen auf jedem Platz in der Welt
konkurrieren kann. Und nahezu alle Teile unserer Geschäftswelt, in jedem Bundesstaat, beteiligen sich jetzt oder könnten sich an der Produktion, der Weiterverarbeitung, dem Transport oder der Verteilung
sowohl der Exporte als auch der Importe beteiligen.
An Maschinen, Transportausuüstungen, Chemikalien und Kohle verkaufen wir bereits an Westeuropa allein mehr, als unsere gesamten
Importe an diesen Gütern aus allen Gebieten der Welt ausmachen. Westeuropa ist heute unser bester Kunde - und sollte morgen ein noch besserer sein. Aber da der neue Außenzoll, der den Gemeinsamen Markt umgibt,
an die Stelle der Binnenzölle tritt, wird ein deutscher Erzeuger, der
früher auf dem französischen Markt unter den gleichen Bedingungen mit
unseren Erzeugern konkurrierte, freien Zugang zu den französischen
Märkten erhalten, während unsere eigenen Produzenten sich einem Zoll
gegenübersehen. Kurz gesagt: solange wir nicht über die Vollmacht verfügen, über die Beseitigung des Außenzolles zu verhandeln, während die
Wirtschaft des Gemeinsamen Marktes gleichzeitig expandiert, solange
werden unsere Exporte nicht mit ansteigen. Sie können vielleicht sogar
absinken.
Für den amerikanischen Farmer bedeutet eine Ausweitung des Handels
unendlich viel. Einer von sieben in der Landwirtschaft Beschäftigten
arbeitet für den Export. Der durchschnittliche amerikanische Farmer
ist, was den Absatz der Erzeugnisse anbetrifft, die er auf einem Sechstel des von ihm bestellten Landes geerntet hat, auf die Auslandsmärkte
angewiesen. 60 Prozent unserer Reis-, 49 Prozent unserer Baumwoll-,
45 Prozent unserer Weizen- und 42 Prozent unserer Sojabohnenernte werden
exportiert. Die Landwirtschaft ist eine unserer besten Devisenquellen.
Unsere Landwirtschaft ist in besonderem Maße von dem westeuropäische
Markt abhängig. Der Handel mit Agrarerzeugnissen zwischen uns und diesem
Raum ist vier zu eins zu unseren Gunsten. Mit den jüngst in Brüssel
erreichten Abkommen ist unsere gegenwärtige Ermächtigung, weitere
Konzessionen in Europa zu erreichen, voll ausgeschöpft worden. Diese
Abkommen haben die Grundlage für künftige Verhandlungen über amerikanisc
Agrarexporte geschaffen, die stattfinden sollen, sobald neue Ermächtigungen erteilt werden. Aber es sind neue und flexible Vollmachten erforderlich, wenn wir unserer Landwirtschaft die Tür zum Gemeinsamen Markt
offenhalten oder sie ihr noch weiter öffnen wollen. Wenn die Erzeugnisse unserer überaus großen Produktivität nicht zu immer größeren
Stapeln in unseren Lagerhäusern anwachsen sollen, dann bjrauchen unsere
Verhandlungsführer sowohl die Sondervollmacht für die EWG wie auch
die generelle Vollmacht für eine 50prozentige Zollsenkung, die in dem
später in dieser Botschaft erläuterten Gesetz gefordert werden.
Der amerikanische Arbeiter wird aus der Ausweitung unseres Exports
ebenfalls Nutzen ziehen. Jeder cüritte in der Fertigung beschäftigte
Arbeiter arbeitet auch für den Export. Die Zahl der Arbeiter, die

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die ihren Arbeitsplatz direkt oder indirekt dem Export verdanken,
ist um ein Vielhundertfaches größer als die kleine Gruppe - die
weniger als ein halbes Prozent der gesamten Arbeiterschaft ausmacht -,
für die eine starke Zunahme der Importe nachteilige Folgen haben
könnte. Da die Zahl der Arbeitsuchenden in den USA in den kommenden
Jahren zunehmen wird, müssen unsere Absatzmärkte und die Wirtschaftstätigkeit ausgeweitet werden, um die Zahl unserer Arbeitsplätze zu
vergrößern; und es muß sichergestellt werden, daß die neuen amerikanischen Fabriken,die zur Belieferung der Verbraucher im Gemeinsamen Markt
errichtet werden, nicht dort, sondern hier in den USA gebaut werden,
damit sie amerikanische Arbeiter beschäftigen.
Der amerikanische Verbraucher zieht den größten Nutzen aus einer
Ausweitung des Außenhandels. Die Importe erlauben ihm eine größere
Wahl zwischen Erzeugnissen zu Wettbewerbspreisen. Sie vermitteln neue
Anregungen und Geschmacksrichtungen, die oft zu einer neuen Nachfrage
nach amerikanischen Erzeugnissen führen.
Höhere Importe wirken belebend auf unsere eigenen Anstrengungen
zur Steigerung der Leistungsfähigkeit, und sie ergänzen die Anti-Trustprogramme und andere Maßnahmen zur Gewährleistungeeines freien Wettbewerbs. Zahlreiche für den Verbraucher wie auch für die Wirtschaft wichtige Industrien sind von der Einfuhr von Rohstoffen und anderen Erzeugnissen abhängig. Somit könnten die in den USA hergestellten Güter für
den amerikanischen Verbraucher ebenfalls billiger werden, wenn wir die
Zölle für die zu ihrer Herstellung benötigten Rohstoffe senken.
Die amerikanischen Importe haben, kurz gesagt, unsere Wirtschaft
allgemein gestärkt, statt sie zu schwächen. Ihr wettbewerbssteigernder
Einfluß ist bereits erwähnt worden. Aber rund 60 Prozent der von uns
importierten Güter konkurrieren nicht mit den Waren, die wir produzieren
- entweder weil sie in unserem Lande überhaupt nicht oder nicht in nennenswerter Menge hergestellt werden. Durch die Importe erhalten wir Produkte, die wir benötigen, aber selbst nicht lohnend erzeugen oder anbauen
können (beispielsweise Bananen oder Kaffee). Sie ergänzen unsere ständig abnehmenden natürlichen Hilfsquellen mit Gütern, die hier nicht in
Mengen vorhanden sind (wie Mangan oder Chrom, wovon 90 Prozent oder mehr
importiert werden müssen, wenn unsere Stahlwerke arbeiten sollen), und
tragen zu unserer industriellen Leistungsfähigkeit, unserem wirtschaftlichen Wachstum und unserem hohen Verbrauch bei. Jene Importe, die tatsächlich konkurrieren, entsprechen nur einem oder eineinhalb Prozent
unserer gesamten Gütererzeugung; und selbst diese Einfuhren schaffen
direkt Arbeitsplätze für jene, die sich mit ihrer Verarbeitung, ihrer
Verteilung oder ihrem Transport befassen, und auch indirekt Arbeitsplätze für jene, die in der Exportindustrie sowie in den Industrien beschäftigt sind, die - um Konkurrenzfähig ; zu sein - auf importierte
Güter zu vernünftigen Preisen angewiesen sind.
Darüber hinaus müssen wir unsere eigenen Zölle abbauen, wenn wir
hoffen wollen, die Zölle im Ausland reduzieren und dadurch unsere Exporte und unseren Exportüberschuß steigern zu können. Es gibt viel mehr
amerikanische Arbeitsplätze,die von unseren Exporten abhängen, als

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als Arbeitsplätze, die durch gesteigerte Importe eventuell nachteilig
berührt werden könnten. Und die Exportindustrien sind unsere stärksten,
leistungsfähigsten und die höchsten Löhne zahlenden expandierenden
Industrien.
Es liegt daher auf der Hand, daß die V/arnungen vor einer Steigerung der Einfuhr, die mit dem niedrigeren Lohnniveau in anderen Ländern begründet werden, ein einseitiges Bild geben. Denn diese Befürchtungen werden durch die Tatsache widerlegt, daß die amerikanische Industrie ganz generell - und im besonderen die Industrien in den USA, die
die höchsten Löhne zahlen - mehr Güter nach anderen Märkten exportiert
als jedes andere Land; daß sie weit mehr in anderen Ländern absetzt, als
diese an uns verkaufen; und daß sie auch unseren Markt in den USA mit
großer Überlegenheit beherrscht. Die drei Hauptgründe hierfür sind:
a) Die Fachausbildung und Leistungsfähigkeit der amerikanischen
Arbeiter, die mit Hilfe unserer Maschinen und unserer Technik in der
Stunde mehr Einheiten pro Arbeitskraft herstellen können als jeder andere Arbeiter auf der Welt, so daß bei zahlreichen Erzeugnissen die
vergleichbaren Arbeitskosten bedeutend geringer sind als in Ländern
mit niedrigeren Löhnen. Während zum Beispiel ein Bergmann im amerikanischen Kohlenbergbau den achtfachen Stundenlohn eines japanischen
Bergmanns erhält, fördert er vierzehnmal soviel Kohle, so daß unsere
wirklichen Kosten pro Tonne geförderter Kohle weit geringer sind. Und
wir verkaufen an die Japaner jedes Jahr Kohle im Werte von vielen
Millionen Dollar.
b) Unsere besten Industrien verfügen aber auch über andere Vorteile - zum Beispiel das ausreichende Vorhandensein billiger Rohstoffe
und billigen Kraftstroms. Weder die Löhne noch die Gesamtarbeitskosten
bilden, für sich allein genommen, eine angemessene Vergleichsgrundlage.
c) Die amerikanischen Erzeugnisse können vielfach auch dann erfolgreich konkurrieren, wenn die ausländischen Preise etwas niedriger sind und zwar dank ihrer Überlegenheit in bezug auf Qualität, Formgebung,
Verpackung, Dienstleistung oder Garantie der Auslieferung.
Angesichts dieser Stärke und der gleichzeitig wachsenden Produktivität und der steigenden Löhne in der übrigen Welt ist es eigentlich
nicht notwendig, über das Lohnniveau in den Ländern mit niedrigen Löhnen
besorgt zu sein. Diese Löhne sind ferner bereits im Steigen begriffen,
und wir möchten hoffen,.daß - durch geeignete Konsultationen auf internationaler Ebene ermutigt - die derzeitige Kluft zwischen den Löhnen
weiter eingeengt wird.
Diese Konzeption des freien Marktes - die größere wirtschaftliche
Auswahl für Menschen und Völker - ist so alt wie die Freiheit selbst.
Es handelt sich hier nicht um eine von einer politischen Partei entwickelte Konzeption. Seit vielen Jahren wurde unsere Handelsgesetzgebung von Mitgliedern beider politischen Parteien unterstützt, die erkannt hatten, wie entscheidend wichtig der Handel für unsere grundlegende

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grundlegende Sicherheit im Ausland und eine gesunde Wirtschaft im
eigenen Lande ist. Dies trifft heute noch viel mehr zu. Das Gesetz
über die Ausweitung des Handels von 1962 soll der Ansicht einer Nation, nicht irgendeiner einzelnen Partei oder einer Interessengruppe,
Ausdruck verleihen. In diesem Sinne empfehle ich dem Kongreß, es umgehend und positiv zu behandeln.
II. Die Bestimmungen des vorgeschlagenen Gesetzes
Neue Verhandlungsvollmachten: Um sämtliche der vorerwähnten Ziele
und Wachstumsraten erreichen zu können, um unsere Verhandlungsführer
mit hinreichenden Befugnissen auszustatten und sie in die Lage zu versetzen, die EWG dazu zu bringen, unseren Waren und landwirtschaftlichen
Erzeugnissen den Zugang zu ihren Märkten- in verstärktem Maße zu gestatten und denen der lateinamerikanischen Länder, Japans und anderer
Staaten eine faire Behandlung zuzusichern^ und um darauf vorbereitet
zu sein, mit dem Gemeinsamen Markt Handelsgespräche auf konkreter Basis zu führen, ist es notwendig, unsere Verhandlungsvollmachten flexible
z,M gestalten und ihren Anwendungsbereich zu erweitern. Ich ersuche deshalb um zwei grundlegende Vollmachten, die für den Zeitraum der nächsten
fünf Jahre gelten sollen:
Erstens, die generelle Vollmacht, die bestehenden Zollsätze in
gegenseitigen Verhandlungen bis zu 50 Prozent zu senken. Wir beabsichtigen, uns bei der Ausübung dieser Vollmacht verschiedener Methoden zu
bedienen, die Verhandlungen über eine Vielzahl von Warengruppen oder
-Untergruppen einschließen würden;
zweitens, eine Sondervollmacht, die sich auf Verhandlungen mit
der EWG erstreckt, um die Zölle für diejenigen Warengruppen zu senken
oder abzuschaffen, bei denen der Anteil der Vereinigten Staaten und der
EWG am Welthandel in einem als repräsentativ anzusehenden Zeitraum zusammen 80 Prozent und mehr betrug. Die Tatsache, daß diese Warengruppen
unter diese Sonder- oder "Hauptlieferanten"-Vollmacht fallen, ist ein
Beweis dafür, daß sie hier oder in Europa erfolgreicher produziert werden können als in anderen Teilen der Welt. Zu ihnen rechnen die meisten
Waren, an denen die Mitglieder des Gemeinsamen Marktes im Handel mit
uns besonders interessiert sind, und auch der größte Teil der Waren,
für die wir einen freieren Zugang zum Gemeinsamen Markt anstreben;
in beträchtlichem Ausmaß handelt es sich hierbei auch um Süter, bei denen unsere Wettbewerbsfähigkeit durch die Tatsache dokumentiert wird,
daß unsere Exporte unsere Importe erheblich übersteigen. Auf sie entfallen nahezu zwei Milliarden Dollar unserer gesamten industriellen
Ausfuhr des Jahres i960 nach den derzeitigen und den eVentuellen künftigen Mitgliedstaaten der EWG und etwa 1,4 Milliarden Dollar unserer
Einfuhren aus diesen Ländern. Kurz, diese Sondervollmacht wird uns
in die Lage versetzen, ein umfassendes Handelsabkommen mit dem Gemeinsamen Markt auszuhandeln, das unsere wirtschaftliche Stärke um der Förderung der Freiheit willen zusammenfaßt.
Um in unseren Bemühungen um ein bahnbrechendes Abkommen mit der
EWG erfolgreich zu sein, und damit unsere Farmer, Produzenten und die

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die anderen Handelspartner der freien Welt voll partizipieren können,
müssen wir uns sowohl der Hauptlieferantenvollmacht als auch der
generellen Vollmacht gleichzeitig bedienen. Die Zollsenkungen würden allmählich, Schmitt für Schritt, über einen Zeitraum von fünf
oder mehr Jahren hinweg vorgenommen. Das traditionelle Verfahren aber,
unsere gegenseitigen Zollmauern durch Verhandlungen Stein für Stein
abzutragen, reicht nicht aus, um den amerikanischen Exporten an landwirtschaftlichen und industriellen Gütern den freieren Zugang zum
europäischen Markt zu sichern, der notwendig ist, wenn der Handel
zwischen den beiden atlantischen Märkten zunehmen soll. Wir müssen
in unseren Verhandlungen vielmehr darauf bedacht sein, auf der Basis
der Gegenseitigkeit ganze Schichten dieser Mauern auf einmal abzutragen, so wie dies die europäischen Länder gemacht haben, als sie die
EWG-Binnenzölle abbauten und damit den Kräften des Wettbewerbs gestatteten, ein neues Handelsgefüge aufzubauen. Ein Handel auf einer
dergestalt erweiterten Basis ist unmöglich, so stellten die EWGLänder fest, wenn das traditionelle Verfahren der Wirtschaftsgeschichte - das Verhandeln Zollinie um Zollinie - maßgebend sein
soll. Ich möchte aber betonen, daß wir darauf bedacht sein werden, bei
allen Zollsenkungen und Konzessionen nach dem Prinzip der Gegenseitigkeit zu verfahren und sicherzustellen, daß der eingehandelte Zugang
zu den Märkten nicht durch die Anwendung von Quoten öder anderen restriktiven Methoden wieder eingeengt wird.
Sicherung der Interessen unserer übrigen Handelspartner: In unseren Verhandlungen mit dem Gemeinsamen Markt werden wir an unserem
traditionellen Prinzip der Meistbegünstigung festhalten, unter dem
sämtliche ausgehandelten Zollkonzessionen auch auf unsere übrigen
Handelspartner ausgedehnt werden. Offensichtlich wäre die Beteiligung
anderer Staaten an Abmachungen, die unter, der Sondervollmacht zustande
kommen und bei denen die Vereinigten Staaten und die EWG als Hauptlieferanten auftreten, oft ehne große Bedeutung. Bei anderen Warengattungen sollten, wo dies gerechtfertigt ist, im Rahmen dieser Verhandlungen ausgleichende Konzessionen für andere interessierte Länder
angestrebt werden. Alles in allem aber müssen wir eine nichtdiskriminierende Handelspartnerschaft mit der EWG anstreben. Wenn sie nur
dazu führt, daß die freie Welt gespalten oder die Kluft zwi sehen rei eher,
und armen Ländern vergrößert wird, dann wird sie einen ihrer Hauptzwecke verfehlt haben. Die Verhandlungsvollmachten gemäß dieser Gesetzesvorlage sollen vielmehr dazu benutzt werden, die Bindungen der
beiden "gemeinsamen Märkte" zu den lateinamerikanischen Republiken,
Kanada,.Japan und anderen nichteuropäischen Staaten sowie unseren eigenen Handel mit diesen zu stärken und diesen Ländern zu helfen, ein
Höchstmaß an Handelsmöglichkeiten mit dem Gemeinsamen Markt zu erreichen.
Die Gesetzesvorlage fordert ferner eine Sondervollmacht zur Reduzierung oder Aufhebung aller Zölle und anderer Restriktionen für
die Einfuhr tropischer Land- und forstwirtschaftlicher Erzeugnisse,
die von befreundeten Entwicklungsländern geliefert und hier nur in
unbedeutenden Mengen erzeugt werden, wenn unsere Maßnahme im Einklang
mit ähnlichen Maßnahmen des Gemeinsamen Marktes getroffen wird. Diese

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2. Februar 1962

Diese tropischen Erzeugnisse entsprechen dem Export von Stapelwaren
vieler Entwicklungsländer. Ihre Anstrengungen zur Entwicklung und
Strukturverbreiterung der Wirtschaft müssen aus dem Erlös für diese
Produkte finanziert werden. Wenn wir ihnen einen möglichst großen
Absatzmarkt sichern, bringen wir sie damit dem Tage näher, da sie
in der Lage sein werden, ihre Wirtschaftsentwicklung aus eigener Kraft
zu finanzieren«
Schutz der amerikanischen Industrie: Sobald die in diesem Vorschlag geforderte Vollmacht zum Tragen kommt, werden sowohl die Importe als auch die Exporte steigen. Diese Zunahme wird sich aus den
oben angeführten Gründen in der überwältigenden Mehrzahl der Fälle
als segensreich erweisen. Dennoch sollen weitreichende Schutzbestimmungen zum Schutz der amerikanischen Industrie und der Landwirtschaft
beibehalten werden. Ein Schutz auf Grund der Ausweichklausel wird
zusammen mit mehr zeitgemäßen Bestimmungen auch weiterhin verfügbar
sein. Ein vorübergehender Zollschutz wird dort gewährt werden, wo
dies erforderlich ist. Die Vollmacht, zum Schutze der nationalen
Sicherheit Zölle zu erheben oder Konzessionen außer Kraft zu setzen,
soll beibehalten werden. Warenpositionen sollen bei den Verhandlungen
ausgenommen werden, wenn immer eine solche Maßnahme im Interesse der
Nation und der Wirtschaft liegt. Und die vier Grundetappen der traditionellen "Gefahrenpunkt-Bestimmungen und Sicherungen sollen aufrechterhalten und verbessert werden.
Der Präsident wird der Zollkommission eine Liste der vorgeschlagenen Waren zugehen lassen, über die Verhandlungen geführt werden sollen;
die Zollkommission wird "hearings" abhalten, um die Auswirkung von
Konzessionen bei diesen Waren festzustellen;
die Kommission wird dem Präsidenten einen Bericht vorlegen, der
sich im besonderen - wie dies auch jetzt bei solchen Berichten der
Fall ist - auf ihre Feststellungen darüber stützt, inwieweit neue Importe zur Stillegung von Produktionseinrichtungen sowie dazu führen
könnten, daß einheimische Produzenten nicht mehr in der Lage sind,
mit Gewinn zu arbeiten, und Arbeiter auf Grund der ins Auge gefaßten
Zollsenkungen ihre Arbeitsplätze verlieren; und
der Präsident seinerseits wird dem Kongreß nach Abschluß der
Verhandlungen einen Bericht über seine Maßnahmen unterbreiten. Die
augenblicklich bestehenden Bestimmungen werden jedoch wesentlich verbessert werden, da sowohl die Empfehlung der Zollkommission als auch
der Bericht des Präsidenten umfassender sein würden als eine bloße
Abgrenzung der spezifischen Gefahrenpunkte. Damit sollte es uns möglich sein, von diesen Empfehlungen weitaus größeren und sinnvolleren
Gebrauch zu machen, als dies tatsächlich in der Vergangenheit geschah.
Anpassungshilfe für den Handel: Ich empfehle außerdem - als einen
wesentlichen Bestandteil des neuen Handelsprogrammsr daß jenen Wirtschaftsunternehmen, Farmern und Arbeitnehmern, die durch den zunehmenden
Wettbewerb durch ausländische Importe Schaden erleiden, Hilfe bei
ihren Bemühungen gewährt wird, sich dieser Wettbewerbssituation anzupassen. Wenn es Erwägungen der nationalen Politik wünschenswert
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wünschenswert erscheinen lassen, höhere Zölle zu vermeiden, dann
kann man von jenen, die durch diese Konkurrenz geschädigt werden,
nicht verlangen, daß sie die vollen Auswirkungen dieser Maßnahmen
tragen. Vielmehr sollten die Lasten der wirtschaftlichen Anpassung
zum Teil von der Bundesregierung mitgetragen werden.
Auf Grund des derzeitigen Gesetzes hat der Präsident nur die
Wahl, Zollschutz zu gewähren oder zu verweigern- Diese Möglichkeiten
sollten ihm auch weiterhin zur Verfügung stehen.
Die von mir vorgeschlagene Gesetzgebung sieht jedoch eine weitere Alternative vor: die Anpassungshilfe für den Handel. Diese Alternative wird es der Exekutive gestatten, von ihren Einrichtungen, Programmen und Hilfsquellen ausgiebig Gebrauch zu machen, um den Farmern,
Firmen und ihren Angestellten bei der Durchführung der wirtschaftlichen
Neuorientierung, die durch die Importe infolge der Zollkonzessionen
notwendig werden, besondere Unterstützung zukommen zu lassen.
Jeder Arbeitnehmer oder jede Gruppe von Arbeitnehmern, die
infolge der höheren Importe erwerbslos oder unterbeschäftigt würden,
sollte auf Grund dieses Gesetzes Anspruch auf folgende Formen der
Unterstützung haben:
1. Anpassungsbeihilfen, die allen Arbeitnehmern bis zu 65 Prozent des durchschnittlichen Wochenlohnes des einzelnen für die Dauer
von 52 Wochen, den Arbeitnehmern über 60 Jahre bis zu weiteren 13
Wochen sichern, wobei die Erwerbslosenunterstützung auf diese Leistungen voll angerechnet wird.
2. Berufliche Ausbildungs- und Fortbildungsbeihilfen zur Entwicklung besserer und neuer beruflicher Fähigkeiten.
3. Finanzielle Unterstützung für solche, die keine Arbeit an
ihrem derzeitigen Wohnort finden können, um sie an einen anderen Platz
in den Vereinigten Staaten umzusiedeln, wo geeignete Beschäftigungsmöglichkeiten bestehen.
Für Geschäftsleute und Farmer, die durch die Importe geschädigt
werden, sollten verfügbar sein:
1. Technische Informationen, Gutachten und Beratungen für die
Planung und Durchführung von Maßnahmen zur Behebung des
Problems;
2. Steuererleichterungen zur Förderung der Modernisierung und
StrukturVerbesserung;
3. Anleihegarantien und Anleihen zur Förderung der Modernisierung
und Strukturverbesserung, die auf dem privaten Kapitalmarkt
nicht erhältlich sind.
Genauso

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2. Februar 1962

Genauso wie die Bundesregierung bei den durch den Militärdienst notwendig gewordenen personellen Umstellungen Hilfe geleistet
hat, genauso wie sie ihren Verpflichtungen gegenüber der Industrie
bei der Umstellung auf die Kriegsproduktion und dann wieder auf die
Friedensproduktion nachgekommen ist, genauso besteht eine Verpflichtung,
jenen Hilfe angedeihen zu lassen, die durch die nationale Handelspolitik
Verluste erleiden. Ein derartiges Programm wird das, was wir bereits
für die Notstandsgebiete, hinsichtlich der Klein- und Mittelbetriebe,
der Investitionsanreize und der Umschulung und Entschädigung der arbeitslosen Arbeitnehmer tun oder zu tun vorgeschlagen haben, ergänzen und
damit im Einklang stehen und sich nicht damit überschneiden.
Dies kann und wird kein vom Regierungspaternalismus' bestimmtes
Subventionierungsprogramm sein. Es ist vielmehr ein Programm, das uns
Zeit geben soll, die amerikanische Tatkraft, die amerikanische Anpassungsfähigkeit und die amerikanische Elastizität zur Geltung zu bringen. Es
befindet sich im Einklang mit jenem Teil der Gesetzesvorlage, der die
schrittweise Durchführung von Zollsenkungen während einer Fünfjahresperiode vorsieht. Demgemäß bezwecken die Anpassungshilfe für den Handel
wie auch die übrigen Bestimmungen des Gesetzes über die Ausweitung des
Handels von 19&amp;2 die Stärkung der Leistungsfähigkeit unserer Wirtschaft,
nicht den Schutz von Leistungsschwächen.
Die Vollmacht zur Gewährung eines vorübergehenden Zollschutzes
wird weiter in Anspruch genommen werden können, um jenen Industriezweigen zu helfen, die durch einen plötzlichen Zustrom von Waren auf Grund
der Zolltarifänderungen Schaden erleiden. Aber die Betonung liegt mehr
auf Anpassung als auf Hilfe. Mit den Anpassungsbestimmungen kann denen
prompt und wirksam geholfen werden, die in echte Schwierigkeiten geraten, und zwar durch die Umstellung auf die Importkonkurrenz, durch die
Überführung von Personal und Produktionsmitteln aus unwirtschaftlichen
in wirtschaftliche Produktionszweige und auf wettbewerbsfähige Positionen
sowie durch das Bestreben, dabei, wo immer möglich, das Arbeitsverhältnis zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern aufrechtzuerhalten. Anders
als beim Zollschutz kann diese Hilfe auf die individuellen Bedürfnisse
zugeschnitten werden, ohne daß sie andere politische Richtlinien durchkreuzt. Die Erfahrungen mit einem ähnlichen Programm innerhalb des Gemeinsamen Marktes bei noch weiter reichenden Zollsenkungen, als wir sie
hier vorschlagen, bezeugen, daß dies eine wirksame und doch verhältnismäßig billige Methode ist. Denn die meisten der betroffenen Firmen werden bemerken, daß die fragliche Anpassung nicht mehr ist als jene Anpassung, die sie alljährlich oder alle paar Jahre infolge von Veränderungen in der Wirtschaft, im Verbrauchergeschmack oder in den heimi-,
sehen Wettbewerbsverhältnissen zu gewärtigen haben.
Zweck dieser Botschaft war es, die Aufgabe, der wir gegenüberstehen, und die Werkzeuge, die wir brauchen, zu beschreiben. Die Entscheidung liegt nun beim Kongreß. Diese Entscheidung wird entweder den
Anfang eines neuen Kapitels in der Allianz der freien Nationen anzeigen- - oder aber das Wachsen der westlichen Einheit gefährden. Die
beiden großen atlantischen Märkte werden entweder zusammen- oder
auseinanderwachsen. Bedeutung und Ausmaß der freien wirtschaftlichen

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2. Februar 1962

wirtschaftlichen Entscheidung werden zum Wohl der freien Menschen
überall entweder größer oder durch neue Schranken und Verzögerungen
verwirrt und eingeengt werden.
Im vergangenen Jahr machte der Kongreß durch die Verabschiedung
eines langfristigen Auslandshilfeprogramms einen fundamentalen Wandel
in unseren Beziehungen zu den Entwicklungsländern möglich. Diese Vorlage wird einen fundamentalen, weitreichenden und einmaligen Wandel
in unseren Beziehungen mit den anderen Industrienationen möglich machen, besonders aber mit den übrigen Mitgliedern der Atlantischen Gemeinschaft. So wie die NATO beispiellos in der Militärgeschichte ist,
so ist diese Vorlage beispiellos in der Wirtschaftsgeschichte. Aber
ihrer Verabschiedung wird man sich lange erinnern, und ihre Segnungen
werden in reichem Maße all jenen zuteil werden, die für die Freiheit
arbeiten.
Nur selten bietet sich im Leben unserer Nation eine Gelegenheit,
aus der Verwirrung gegenwärtigen Geschehens eine klare und kühne Tat
herauszumodellieren, die der Welt zeigt, wofür wir einstehen. Eine
solche Gelegenheit ist jetzt gekommen. Dieses Gesetz, das unserem
Handel mit dem Gemeinsamen Markt eine Bresche schlägt, wird auch der
Freiheit eine Bresche schlagen.

* -x- * * *

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�A M E R I K A

D I E N S T

Wi./9.2.1962

PRÄSIDENT KENNEDY LEGT NEUES LANDWIRTSCHAFTSPROGRAMM VOR

WASHINGTON - (AD) - Präsident Kennedy hat dem amerikanischen
Kongreß am 30. Januar 1962 ein neues Vier-Punkte-Landwirtschaftsprogramm unterbreitet, dessen Ziel die Steigerung der Einkommen
und die Senkung der Betriebskosten in der Landwirtschaft ist.
In einer Sonderbotschaft an den Kongreß wies der Präsident
darauf hin, daß es bereits im vergangenen Jahr gelungen sei, das
Nettoeinkommen der Landwirtschaft um eine Milliarde Dollar und
das Einkommen pro Farm im Durchschnit t um rund 350 Dollar zu
steigern. Gleichzeitig seien zum ersten Mal seit neun Jahren die
Bestände der Regierung an Agrarerzeugnissen abgebaut worden. Nunmehr gelte es, die Erfolge des vergangenen Jahres zu konsolidieren
und ein umfassendes und realistisches Landwirtschaftsprogramm für
die kommenden Jahre zu schaffen, das eine volle Nutzung des vorhandenen Überflusses ermögliche. Gleichzeitig wies der Präsident
warnend darauf hin, daß die Entwicklung zu einer chaotischen,
unrationell arbeitenden und von Überschüssen bedrängten Landwirtschaft wieder aufleben werde, wenn nicht umgehend gehandelt werde.
Auch hätten sich im Verlaufe des vergangenen Jahres neue Probleme
ergeben, und Änderungen in der Verbrauchernachfrage hätten verschiedentlich zu neuen Überschüssen geführt, so daß hier durch
entsprechende Gesetze ebenfalls Abhilfe geschaffen werden müsse.
Die amerikanische Landwirtschaft, so betonte Kennedy, habe in
den fünfziger Jahren die Auswirkungen der während des letzten Krieges sowie in Depressionszeiten unternommenen Anstrengungen zur
Steigerung der Produktivität voll zu spüren bekommen. Die Agrarerzeugung sei um rund 25 Prozent gestiegen, während gleichzeitig
die Zahl der in der Landwirtschaft Beschäftigten um ein Diittel
zurückgegangen sei, so daß die ständig steigenden Überschüsse zu
einem immer stärkeren Druck auf die Preise für landwirtschaftliche
Erzeugnisse führten. Die aus diesem Produktivitätszuwachs resultierenden Preisvorteile seien zum größten Teil voll an den Verbraucher
weitergegeben worden, so daß die amerikanische Bevölkerung heute
weniger als 20 Prozent ihres Einkommens für die Ernährung ausgebe,
während die Ernährungsausgaben der Bevölkerung in Westeuropa zwischen 30 und 50 Prozent des Einkommens lägen und in der Sowjetunion
sogar über 60 Prozent des Einkommens ausmachten. Während es für

�AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

9. Februar 1962

für die Industrie verhältnismäßig leicht sei, ihre Produktion der
jeweiligen Nachfrage anzupassen, sei dies bei den landwirtschaftlichen
Betrieben in Anbetracht ihrer großen Zahl weitaus schwieriger. Hieraus ergebe sich allein schon die Notwendigkeit einer Hilfe des Staates.
Deshalb könnten die in der Vergangenheit eingeführten Stützprogramme
nicht auf einmal wegfallen, da dies, wie die verschiedensten Studien
zeigten, zu einem jähen Verfall der Agrarpreise und der landwirtschaftlichen Einkommen führen werde. So würden zum Beispiel bei einem plötzlichen Wegfall dieser Programme die Weizenpreise um die Hälfte, die
Käferpreise um 25 Prozent, die Gerstenpreise um 28 Prozent, die Sojabohnenpreise um 38 Prozent, die Preise für Molkereiprodukte um 17 Prozent, die Eierpreise um 20 Prozent, die Preise für Rinder um 25 Prozent
und die Preise für Schweine um 30 Prozent sinken. Auf der anderen Seite
hätten diese für den Bundeshaushalt kostspieligen Programme zu keiner
wesentlichen Erhöhung der landwirtschaftlichen Einkommen geführt. Die
1,5 Millionen leistungsfähigen Familienfarmen, auf die etwa 87 Prozent
der Gesamterzeugung entfielen, seien zwar technisch fortschrittlich,
aber ihre Erträge aus Arbeit und Kapital hätten nicht mit denen der
übrigen Bevölkerung Schritt gehalten; und ihre Einkommen zeigten sich
dazu noch gegenüber den jährlichen Schwankungen in der Farmerzeugung
äußerst empfindlich. Die anderen 2 Millionen oder mehr landwirtschaftlichen Betriebe, die die restlichen 13 Prozent der Gesamtproduktion
aufbrächten, wiesen deshalb allgemein niedrige Einkommen auf, weil sie
einerseits über zu wenig Land oder Kapital verfügten und zum anderen
die Farmer häufig auch nur geringe fachliche oder betriebswirtschaftliche Fähigkeiten besäßen.
Präsident Kennedy unterstrich, daß die beiden Hauptziele des von
ihm vorgelegten Vier-Punkte-Programms - Steigerung der Einkommen in
der Lendwirtschaft und Senkung der Betriebskosten - nur erreicht werden
könnten, wenn die Agrarerzeugung mehrere Jahre lang unter dem Bedarf
bleibe und dann langsam, entsprechend der Zunahme der Nachfrage, wieder
ansteige. Ein solches Vorgehen sei nur logisch, und die von ihm in
seinem Landwirtschaftsprogramm aufgestellten vier Punkte, die alle
gleich wichtig seien und in einem engen Zusammenhang miteinander ständen, sollten eine solche Entwicklung fördern.
Las neue Programm, so betonte der Präsident, solle das im vergangenen Jahr verabschiedete Notprogramm ablösen, Richtlinien geben und
auf den in der Vergangenheit bewährten Techniken und Verfahren aufbauen.
Es solle sicherstellen
"1. eine optimale Nutzung unseres produktiven Reichtums. Unsere
landwirtschaftlichen Hilfsquellen können die Sache des Friedens und
der Freiheit überall in der Welt fördern; sie sichern den Amerikanern
einen hohen Lebensstandard und können eine wichtige Waffe gegen Armut
und Krankheit sein;
2.

�A M E R I K A

D I E N S T

�Allg./2«3.1962

PROJEKT MERCURY
Glenns Flug - ein großer Schritt vorwärts

Der erfolgreiche Flug John H. Glenns in einer Raumkapsel um die
Erde war der erste Höhepunkt einer neuen technischen Entwicklung
und gleichzeitig der Beginn eines langfristigen Programms, das die
Vereinigten Staaten für die Erforschung des Weltraums mit bemannten
Fluggeräten aufgestellt haben. Das Projekt MERCURY, dessen reguläre
Testserie mit Glenns dreimaliger Erdumkreisung am 20. Februar 1962
aufgenommen wurde, bildet den ersten praktischen Schritt in diesem
Vorhaben. Das US-Amt für Luft- und Raumfahrt (NASA) plant für Mai
1962 einen weiteren MERCURY-Flugversuch mit dem Astronauten Donald
K. Slayton als Testpilot, und es beabsichtigt, noch im Laufe dieses
Jahres die Flugdauer der MERCURY-Raumkapseln von knapp fünf bis auf
etwa 25 Stunden zu steigern. Dies bedingt jedoch eine Modifizierung
von Trägerrakete und Fluggerät, weil dann ein wesentlich größerer
Sauerstoffvorrat sowie ein größerer Treibstoffvorrat für die Nachsteuerung mitgeführt werden müssen.
Die Erfahrungen, die man im Rahmen des Projekts MERCURY sammelt,
bilden die Grundlage für die nächsten Stufen des amerikanischen bemannten Raumflugprogramms - des Projekts GEMINI ("Zwillinge") mit
zwei Piloten, die in einer Raumkapsel die Erde umkreisen und sich
bis zu einer Woche in der Ionosphäre aufhalten sollen, und des Projekts APOLLO, das schließlich die Entsendung eines Raumschiffes mit
drei Mann Besatzung zum Mond zum Ziele hat. Die amerikanische Regierung hofft, diesen Plan bis zum Jahr 1970 verwirklichen zu können.
Die Leistungsfähigkeit von Mensch und Maschine wurde bei 19
Vorversuchen, u.a. auch durch die ballistischen Flüge von Shepard und
Grissom, auf die Probe - und erfolgreich unter Beweis gestellt. Sie
waren der Auftakt für den jetzt durchgeführten MERCURY-Satellitenflug
um die Erde. Im Rahmen des ProjektsGEMINI soll auch die RendezvousTechnik erprobt werden - das Ansteuern eines "Treffpunktes" zweier
Raumfahrzeuge in einer Satßllitenbahn. Dann folgt APOLLO - ein Dreiphasenprogramm für den bemannten Raumflug. Die Besatzung des Fluggeräts vom Typ APOLLO A, das 1964 oder 1965 mit einer SATURN-Rakete
in eine Erdsatellitenbahn eingeschossen werden soll, wird eine Woche

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2. März 1 962

Woche um die Erde kreisen, ehe sie zurückkehrt. Mit APOLLO B sollen
Flüge um den Mond, mit APOLLO C Mondlandungen unternommen werden.
Die Meinung, daß der Mensch im Weltraum fehl am Platze sei und
die Weltraumforschung besser den Robotern überlassen solle, trägt
den Tatsachen nicht Rechnung. Der Mensch muß sich keineswegs darauf
beschränken, im Weltraum die Rolle des blinden Passagiers zu spielen,
sich der Maschine völlig auszuliefern und bestenfalls Studienobjekt
für physiologische und psychologische Untersuchungen zu sein. Er ist,
wie sich jetzt schon in der Anfangsphase des bemannten Raumfluges,
herausstellt, tatsächlich das anpassungsfähigste "Instrument", über
das Technik und Wissenschaft zur Erfüllung der verschiedensten Aufgaben verfügen. Es gibt einfach kein Gerät, das die Rolle des Menschen
als Entdecker und Forscher übernehmen könnte. Dies gilt ebenso für die
Koordinierung organisatorischer Aufgaben wie für die Improvisation unter den verschiedensten Augenblickssituationen, überall ist das letzte
Erfordernis eben doch die Urteilsfähigkeit des Menschen, sein Verstand,
seine Beobachtungsgabe, seine Fähigkeit, Entscheidungen zu treffen und schließlich auch seine Gabe, die Phantasie spielen zu lassen.
Den Beweis dafür hat John Herschel Glenn Jr. erbracht, und die
ganze Welt war Zeuge . In atemloser Spannung verfolgten Millionen von
Menschen in allen Erdteilen den dramatischen Verlauf seines Fluges, über
den er vor der Presse in Cape Canaveral am 23. Februar 1962 ausführlich
berichtet hat.
JOHN H. GLENN ÜBER SEINEN FLUG
"... Als sich an jenem Morgen das Wetter aufzuklären begann und
immer mehr der blaue Himmel durchkam, da wußte ich, daß diesmal der
Flug stattfinden würde. Die Rakete stand bereit, alles war in Ordnung.
Das Startfieber hatte uns alle gepackt.
Der Einschuß in die Satellitenbahn ging glatt vonstatten - vor
allem deshalb, weil die Flugphase mit Motorantrieb planmäßig ablief.
Die Brennschlußgeschwindigkeit lag ganz nahe am Sollwert, der etwas
mehr als 76OO m/sec betrug. Die Einzelheiten des Starts sind ja durch
die Presse zur Genüge bekannt geworden.
Schwerelosigkeit
So möchte ich lieber gleich auf die Schwerelosigkeit zu sprechen
kommen. Für uns bedeutete dieser Zustand eines der größten Probleme,
an denen wir seit Beginn des Programms herumrätselten. Wir hatten ja
in dieser Hinsicht nur sehr wenig Erfahrungen während des Trainings
in Flugzeugen sammeln können. Die Zeitdauer der Schwerelosigkeit haben
wir mit den Flügen von Alan Shepard und Gus Grissom ausdehnen und jetzt,
bei meinem Flug, noch wesentlich verlängern können. Ich verspüre nicht
die geringste nachteilige Wirkung. Ja, es war sogar ein höchst angenehmes Gefühl. Es gab keinerlei Anzeichen dafür, daß ich infolge der

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�2. März 1962

"AMERIKA DIENST"

der Schwerelosigkeit etwa an Schaltern vorbeigreifen oder Schwierigkeiten mit der Handsteuerung haben würde. Als ich gestern abend ganz
begeistert von diesem wundervollen Gefühl erzählte, sagte jemand, das
klinge ja fast so, als ob ich süchtig sei. Vielleicht bin ich das. Es
war wunderbar. Und keinerlei Schwierigkeiten, keine Übelkeit, keine
Desorientierung. Ich versuchte auch»herauszubekommen, ob man durch
verschiedene Kopfbewegungen Übelkeit oder zumindest Unbehagen provozieren könne - nichts dergleichen.
Einige Erlebnisse, die ich in diesem Zustand hatte, zeigen, wie
schnell sich der Mensch daran gewöhnt. Es war etwa 45 Minuten nach
Eintritt der Schwerelosigkeit, da hatte ich gerade mit der Handkamera
eine Aufnahme gemacht und wollte im nächsten Augenblick irgendeinen
Hebel stellen. Ich fand überhaupt nichts dabei, daß ich rasch die
Kamera einfach in der Luft abstellte, die Schaltung vornahm, und mir
unmittelbar darauf die Kamera aus ihrem Schwebezustand wieder heranholte. Erst hinterher überlegte ich mir, wie wir uns doch seinerzeit
über dieses Phänomen lustig gemacht und ausgiebig darüber gewitzelt
hatten. Man paßt sich eben viel schneller an die neuen Situationen an,
als selbst diejenigen glauben, die seit drei Jahren darauf trainiert
werden.
Man kann natürlich auch leicht etwas verlieren, wenn man es auf
diese Weise in der Luft abstellt - einfach deshalb, weil es weiterschwebt. Na, dann ist es eben fort. Mir ging es so mit einer kleinen
Filmkassette, die ich in die Kamera einsetzen wollte. Sie rutschte
mir zwischen den Fingern durch. Nun wollte ich danach greifen. Statt
dessen versetzte ich ihr aber einen Stoß. Da segelte sie weiter, um
das Armaturenbrett herum. Das war das letzte, was ich von ihr sah.

Nahrungsaufna hme
Die Nahrungsaufnahme im Zustand der Schwerelosigkeit wollte ich
gerne ausprobieren. Das hatten wir zwar schon bei den Trainingsflügen
in Flugzeugen getan, bei denen die Schwerelosigkeit etwa eine Minute
anhielt. Obgleich wir dabei keine besonderen Schwierigkeiten hatten,
wollten wir aber mehr Erfahrungen sammeln. Ich preßte mir aus einer
Tube Nahrung in den Mund. Das Zurückpressen an den Schlund war überhaupt kein Problem, und sie ließ sich auch ganz leicht hinunterschlucken.
Bei fester Nahrung ist das alles sehr einfach; sie wird auch ganz normal verdaut. Das einzige, wovor gewarnt werden sollte, sind Nahrungsmittel - beispielsweise Kekse -, die leicht krümeln. Die Krümel schweben
nämlich auch im Raum herum, und man müßte dann schon ein feinmaschiges
Netz dabeihaben, um sie wieder einzusammeln.
Empfindung für Geschwindigkeiten
Wiederholt bin ich seit dem Flug gefragt worden, welche Empfindung
man denn in bezug auf Geschwindigkeiten habe, Geschwindigkeit. . ist natürlich eine relative Größe. Wenn Sie kein Bezugssystem haben, können
Sie sich bei nahezu jeder Geschwindigkeit bewegen und werden sich ihrer

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2. März 1962

ihrer gar nicht bewußt. Ich glaube, ich komme dem, was ich in dieser
Hinsicht empfand, am nächsten, wenn ich den Flug in einem Düsenflugzeug als Beispiel heranziehe. Die meisten von Ihnen wissen ja, wie
es ist, wenn man im Strahlflugzeug in 10 000 m Höhe fliegt und auf
die Wolken in 3000 m Höhe hinunterblickt. Ganz ähnlich ist es, wenn
man aus der Satellitenumlaufbahn auf die Erde hinuntersieht.
Teilweise waren während des Flugs Gebiete, die ich gern gesehen
hätte, durch Wolken verdeckt - so ein Teil des Westens der Vereinigten
Staaten bis hinunter nach Nordmexiko, und der Pazifik war nahezu völlig
unter Wolken des einen oder anderen Typs verschwunden. Australien war
nicht zu sehen, weil es ja auf der Nachtseite lag; allerdings waren
die Lichter von Perth und den umliegenden Städten zu erkennen.

Naturphänomene
Das Eindrucksvollste waren wohl die Sonnenuntergänge. Sie vollzogen sich in den leuchtendsten Farben, und die Farben reichten von
der Sonne weit, weit hin zum Horizont. Der Horizont strahlte noch
vier oder fünf Minuten lang nach Sonnenuntergang in hellem Licht.
Mich hat das überrascht, denn ich glaubte, die Nacht werde da draußen
viel schneller, vielleicht schon nach einer Minute, hereinbrechen.
Und nun zum Sonnenaufgang. Das war jedesmal ein wundervoller
Anblick, wie Sie sich sicher vorstellen können. Das erste Mal blickte
ich noch zurück in die Richtung, aus der ich kam. Als die ersten Strahlen der Sonne die Kapsel trafen, hatte ich gerade an meinen Instrumenten etwas kontrolliert. Und als ich dann wieder hinaussah, war meine
erste Reaktion: Was ist das doch für ein vollendetes Sternenfeld, das
jetzt hinter der Kapsel aufgegangen ist! Aber es war gar kein Sternenfeld. Eine Vielzahl der winzigen Dinger, die ich ursprünglich für
Sterne hielt, waren in Wahrheit hell, gelbgrün leuchtende Teilchen,
etwa von der Größe und Leuchtkraft von Glühwürmchen, wie man sie im
Dunkel der Nacht erkennen kann. Sie schwebten draußen schätzungsweise
im Abstand von zwei bis drei Metern voneinander vorbei, und zwar zu
Tausenden auf beiden Seiten der Kapsel. Ich konnte sie den Weg zurückverfolgen, den ich gekommen war.
Später drehte ich mich so, daß ich in die Richtung blickte, aus
der sie zu kommen schienen. Das war nun aber gegen das helle Licht
der aufgehenden Sonne. Die meisten von ihnen verschwanden jetzt, und
man konnte nur noch vereinzelt welche auf die Kapsel zufliegen sehen.
Ich bewegte mich sehr langsam durch dieses Feld, wie mir schien, mit
einer Geschwindigkeit von schätzungsweise ein bis zwei Metern pro
Sekunde.
Die Teilchen schienen nicht von der Kapsel zu stammen, und sie
schienen auch zu beiden Seite» der Kapsel in ziemlich gleichmäßiger
Verteilung vorhanden zu sein, Zunächst dachte ich an zweierlei Dinge,
um die es sich hier vielleicht handeln könne. Das eine war die Wolke

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�"AMERIKA DIENST1

2. März 1962

Wolke von Kupfernadeln, die vor einiger Zeit durch einen Satelliten
der US-Luftstreitkräfte ausgestoßen worden und dann verlorengegangen
war. Es hätte ja sein können, daß wir sie plötzlich wiedergefunden
hatten. Aber sie sahen nicht nach Kupfernadeln aus; auch größenmäßig
konnte das nicht stimmen.
Dann überlegte ich mir, daß sie vielleicht von unseren Wasserstoffsuperoxyd-Düsen stammen könnten. Wasserstoffsuperoxyd zersetzt
sich zu Wasser und Sauerstoff und wird unter hohem Druck ausgestoßen»
Möglicherweise kondensierte sich der Wasserdampf zu kleinen Schneeflocken, die durch das Sonnenlicht aus dem einen oder anderen Grund
zum Leuchten gebracht werden. Aber wann immer ich die Reaktionsdüsen
an der Kapsel betätigte, hatte es niemals den Anschein, als ob Schneeflocken oder irgend etwas ähnliches entstehen würde.
So kann ich dazu weiter nichts sagen, als daß ich die Teilchen
beobachtete, daß ich sie mit den ersten Strahlen der aufgehenden Sonne
wahrnahm und dann etwa dreieinhalb bis vier Minuten lang sehen und sie
mir dabei sehr genau anschauen konnte. Sie waren Stecknadelkopf- bis
haselnußgroß.
Man vermutet alles Mögliche, was für ein Phänomen dies wohl sein
mag, aber ich selbst kann nichts weiter dazu sagen, als daß ich die
Teilchen gesehen habe, und zwar während jeder Erdumkreisung bei Sonnenaufgang, für die gleiche Zeitdauer. Sie leuchteten sehr hell und waren
voh gelblichgrüner Farbe. Als Dr. George Graff, unser Psychiater,
meinem ersten Bericht zuhörte, fragte er: "Und was haben die Dinger
gesagt, John?"
Die Tücken der Technik
Es gab einige Probleme während des Fluges. Das automatische Stabilisierungs- und Steuerungssystem bereitete einige Schwierigkeiten und
korrigierte nicht so, wie es sollte. Ich konnte in dieser Phase die mechanische Steuerung betätigen, was überhaupt keine Schwierigkeiten machte
Nach dem ganzen Training, das wir absolviert haben, war ja auch nichts
Besonderes dabei. Mit den Trainings-Simulatorgeräten können übrigens
die Steuerungsbedingungen auf der Umlaufbahn sehr gut nachgeahmt werden.
Dies galt vor allem für die funkgesteuerte Kontrolle, als wir durch die
automatischen Schubdüsen steuerten. Als nach dem ersten Umlauf hier
Schwierigkeiten auftraten, ging ich für den größten Teil des Fluges
auf Handsteuerung über.
Wegen dieser Sache hatte ich dann an Bord für einige der Beobachtungen, die wir noch vorgesehen hatten, keine Zeit mehr. Die TelemstrieEmpfangsstationen hatten ein Signal aufgefangen, demzufolge möglicherweise damit zu rechnen war, daß sich die Wärmeschutzplatte löste. Deshalb erschien es ratsam, beim Abstieg das Bremsgerät mit den ausgebrannten Bremsraketen an der,Plattenunterseite nicht abzuwerfen, um
zu verhindern, daß sich der Hitzeschild dann vielleicht mit ablöst. Er

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2. März 1962

Er hatte ja beim Eintauchen in die Luft die größte Reibungshitze
abzufangen.
Dramatische Rückkehr
Die Rückkehr gestaltete sich dadurch recht dramatisch. Da ich
das Bremsgerät nicht abgeworfen hatte und mit ihm in die erste Abstiegsphase eintrat, bei der es zu hoher Hitzeentwicklung kommt,
brach die Halterung der Bremsraketen. Ich verspürte einen Stoß an
der Kapsel und glaubte, das Bremsgerät sei nun abgeworfen worden,
so wie es hätte sein sollen. Offenbar war das jedoch nicht der Fall.
Das Leuchten außerhalb der Kapsel wurde zu einer hellen orangefarbenen
Glut vor dem Fenster. Es wurde offensichtlich, daß irgend etwas auf
der Unterseite des Hitzeschildes der Kapsel abriß, denn Brocken
von Fingerkuppengröße bis zum Durchmesser von ungefähr 20 cm "brachen ab
und kamen über den Rand der Kapselbasis hoch, in heller Glut. Man
konnte den Flammenschein und das Glühen sehen, wenn sie am Fenster
vorbeiflogen.
Da ich in dem Augenblick ja nicht wußte, daß es sich noch um
die Trümmer des Bremsgeräts handelte, gab es einige Augenblicke des
Zweifels, ob der Hitzeschild beschädigt worden war und vielleicht gar
abriß. Wenn das der Fall gewesen wäre, hätte das ein schlimmer Tag
werden können. Aber es war ein brillantes Schauspiel, in die helle
orangefarbige Glut draußen vor dem Fenster zu blicken und die aufflammenden Trümmer entlang der Flugbahn zu beobachten.
Wie ich hörte, hat es während der Eintrittsphase einige Mißverständnisse mit dem Begriff 'blackout' gegeben. Man fragte mich auf dem
Schiff, wie ich denn das 'blackout' überstanden hätte, wann ich wieder
zu Bewußtsein gekommen wäre, usw. Wenn wir beim Abstieg von 'blackout'
sprechen, dann hat dies mit dem medizinischen Begriff 'Bewußtlosigkeit'
überhaupt nichts zu tun, sondern wir meinen den Ausfall der Funkverbindungen. Dieser entsteht durch die starke Ionisation der Luft um die
Kapsel, die es eine Zeitlang unmöglich macht, auf den von uns benutzten Funkfrequenzen in Verbindung zu bleiben.
Die Schwerebelastung durch die Verzögerung der Geschwindigkeit
bei der Rückkehr stieg bis auf 8 g. Der Fallschirm funktionierte völlig
normal. Und das ist wahrscheinlich das Schönste, was man je erleben
kann, dieser altvertraute Anblick - man schaut aus dem Fenster, und
sieht diesen Fallschirm.
Die Kapsel war nach dem Wiedereintauchen ganz schön warm, ja
heiß geworden, und innen wurde es nun auch ziemlich warm. Ich schwitzte
ganz erheblich, als ich herunterkam und landete. Deshalb verhielt ich
mich so ruhig wie nur irgend möglich, um nicht noch mehr Wärme zu erzeugen .
Der Zerstörer NOA war in der Nähe, hatte mich gesichtet. Er kam
heran, um die Kapsel zu bergen - ein glänzendes Manöver. Ich war an

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2. März 1962

Von der Hitze und dem Schwitzen hatte ich jetzt genug. Anstatt
mich mühsam durch die obere Luke zu zwängen, beschloß ich - zumal
wir ja sowieso schon an Deck waren -, so bequem wie möglich herauszukommen. Nachdem wir uns vergewissert hatten, daß niemand dadurch
gefährdet würde, sprengten wir die Seitenluke auf. Durch sie stieg
ich dann aus.
In Zukunft weniger Automatik?
Meiner Ansicht nach hatten die Schwierigkeiten, mit denen wir zu
kämpfen hatten, und die Aufgabe, die ich daraufhin übernehmen mußte,
auch ihr Gutes. Denn es zeigte sich, daß notfalls ein Pilot die Kontrolle über verschiedene Systeme übernehmen und die mechanische Steuerung betätigen kann, daß er dabei voll und ganz Herr seiner Sinne
ist und in dieser Hinsicht keinerlei unangenehme Auswirkungen der
Schwerelosigkeit verspürt. Und wenn die Ergebnisse der Auswertung
unserer Unterlagen entsprechend günstig ausfallen, können wir vielleicht
künftige Flüge mit etwas weniger Automatik und weniger komplizierten
Vorrichtungen durchführen. Das hoffen wir sehr - und nicht zuletzt
nach diesem Experiment- Aber ehe wir irgendwelche wichtigen Entscheidungen in dieser Hinsicht treffen, wollen wir natürlich eine Menge
Flugdaten erst sehr gründlich durchgehen. All dies braucht aber seine
Zeit.
Wenn Sie sich den Weltraum in seiner unendlichen Weite oder wenn
Sie sich unsere tatsächlich erreichte Flughöhe im Verhältnis zum Erddurchmesser vorstellen, so erscheinen unsere bisherigen Anstrengungen
winzig klein. Mit den Flügen von Alan Shepard, Gus Grissom und mit
meinem Flug haben wir kaum die Oberfläche geritzt. Aber dieser Flug
hat uns, so hoffe ich, wieder ein Stück weiter gebracht, und mehr
Flüge werden folgen. Den nächsten unternimmt Donald Slayton, und wir
sehen ihm mit der gleichen Spannung und Erwartung entgegen, mit der
wir auf diesen Flug gewartet haben.
Natürlich interessiert uns auch das Echo, das dieser Flug im
Ausland findet. Man sollte in diesem Zusammenhang aber doch darauf
verweisen, daß schon 1958 Präsident Eisenhower eine Zusammenarbeit
mit anderen Nationen auf dem Gebiet der Weltraumforschung vorschlug und daß man diesen Vorschlag damals größtenteils ignorierte.
Präsident Kennedy äußerte bei seinem Amtsantritt erneut den Wunsch
nach friedlicher Weltraumforschung und einer friedlichen Zusammenarbeit
in dieser Beziehung. Diese Initiative wollen und dürfen wir uns keinesfalls nehmen lassen.
Dank allen, die zu dem Erfolg beitrugen
Ich kann diese Gelegenheit nicht vorübergehen lassen, ohne allen
hier in Cape Canaveral und auf den MERCURY-Stationen Dank zu sagen,
die so Großartiges während des Fluges geleistet haben. Namen möchte
ich gar nicht erst nennen, denn ich wüßte nicht, wo ich da aufhören

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�2. März 1962

AMERIKA DIENST

aufhören soll. Die Leute im Kontrollbunker, die Fluggerät und
Rakete durchprüften, die Leute am Abschußplatz, die Bergungseinheiten der Marine, die Luftwaffe, die uns in jeder Hinsicht unterstützte - sie alle, und noch viele mehr, haben Teil an dem großen
Unternehmen. Menschen aus den verschiedensten Schichten waren in
einem Projekt vereinigt, und nur so erzielten wir dieses Ergebnis.
Das Bewußtsein, zu diesen Menschen zu gehören, im Hinarbeiten auf
ein gemeinsames Ziel einer der ihren zu sein, erfüllt uns einfach
mit Stolz.
Ich glaube, Präsident Kennedy hat, indem er von unserem Wunsch
nach friedlichen Unternehmungen im Weltraum sprach, alles gesagt,
was hierzu noch zu sagen ist. Ich habe dem nichts hinzuzufügen. Von
Diplomatie verstehe ich nicht allzuviel. Aber die Ergebnisse dieses
Fluges könnten, so meine ich, in dieser Hinsicht doch einige weitreichende Konsequenzen haben. Wenn sie, wenn diese unsere Anstrengungen in irgendeiner Weise zum Frieden beitrügen, so gäbe es für
mich ganz gewiß nichts Lohnenderes im Leben - das Bewußtsein, daß
sich möglicherweise nun doch eine friedlichere Zusammenarbeit auf
diesem Gebiet in der Welt anbahnt."
Soweit John Herschel Glenn Jr., in seinem Bericht vor der
Presse.
Die Erde, der blaue Planet
In der anschließenden Diskussion wurden noch einige sehr interessante Fragen angeschnitten. So erzählte Glenn u.a., daß er
eigentlich erwartet hatte, in dieser Höhe eine unvergleichlich
größere Zahl von Sternen sehen zu können. Das sei aber nicht der
Fall gewesen. Und die Sterne funkelten und flackerten überhaupt
nicht, sondern schienen mit hellem, klarem Licht. Der Himmel war
ganz ähnlich wie der Sternenhimmel über der Wüste in einer sehr
klaren Nacht.
Auf die Frage, ob ihm, von oben aus gesehen, etwas auf der
Erde besonders aufgefallen sei, erwiderte Glenn, der gesamte Eindruck sei der eines grandiosen Schauspiels. Man könne oberhalb
der Atmosphäre ungeheuer weit sehen. Das schmale Band des Horizonts
erscheine in leuchtend blauen Farben, selbst auf der Tagseite der
Erde. Eines der schönsten Erlebnisse sei es für ihn gewesen, von
der Nachtseite der Erde aus den Vollmond aufgehen zu sehen und im
Weiterflug zu beobachten, wie die Sterne am Horizont unter einer
sehr scharf abgegrenzten Linie versinken. Interessant sei, daß sich
der Sonnen- und Sternenuntergang hinter dem Horizont etwa 18mal
schneller vollzieht, als wenn man es von der Erdoberfläche aus betrachtet .
Glenn,

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2 . März 1962

Glenn, auf seine Bemerkung angesprochen, daß er Landmassen
habe genau unterscheiden können, erklärte, man könne sogar verschiedene Zonen in der Meeresströmung, beispielsweise im Golfstrom, sowie
die wechselnden Farben darin erkennen. Auf dem Festland sei ihm
u.a. das Gebiet nordwestlich von El Paso in Texas besonders aufgefallen, wo sich bewässerte Flächen aus der Wüste ganz deutlich abhoben.
Besondere Krlanrungen
Eine Einschränkung des körperlichen Trainings, das er und seine
Kollegen während der Ausbildung als MERCURY-Piloten absolviert haben,
hält Glenn nicht für ratsam, weil auf einem derartigen Flug zu viel
Unvorhergesehenes passieren könne. Der Erfahrungsschatz, mit dem ein
Astronaut seinen Flug unternimmt, könne gar nicht groß genug sein.
Die Trägerrakete sah Glenn nach dem Absprengen und Drehen seiner
Kapsel im Abstand von etwa 90 m langsam unter sich vorbeiziehen. In
dem Augenblick sei ihm der Gedanke gekommen, daß es doch eigentlich
gar nicht schwierig sein könne, aus dieser Entfernung auf sie zuzusteuern. (Die "Rendezvous"-Technik soll im erweiterten MERCURY-Programm
erstmals erprobt werden.) Die ausgebrannte Startrakete der MERCURYKapsel schlägt, da sie nicht ganz dieselbe Geschwindigkeit wie die
Kapsel hat, eine etwas andere Bahn als diese ein. Glenn konnte seine
ATLAS noch bis kurz vor die Küste Afrikas beobachten und verlor sie
dann aus den Augen.
Als höchste Innentemperatur seiner Kabine während des Fluges
las Glenn einen Wert von 40,5 Grad Celsius ab; genaue Angaben können
jedoch erst nach Auswertung der telemetrischen Daten gemacht werden.
Die Journalisten wollten von Glenn außerdem wissen, ob er irgendeinen
Unterschied zwischen der Schwerebelastung empfunden habe, die durch
die Beschleunigung beim Start und durch die Abbremsung bei der Rückkehr verursacht wird - insbesondere unter Berücksichtigung der dazwischenliegenden Periode der Schwerelosigkeit. Er verneinte das. Seine
Empfindungen seien nicht anders gewesen als in der Zentrifuge, wo die
Piloten nicht nur den während des Fluges auftretenden 8 g, sondern
sogar Belastungen bis zu 14 und 16 g ausgesetzt gewesen seien. Was
ferner die Geräusche angehe, die er während des Fluges wahrgenommen
habe, so könne er nur sagen, daß der Geräuschpegel, der durch die
zahlreichen mechanischen und elektrischen Apparate erzeugt wird, nicht
anders sei als am Startplatz während des Durchprüfens des Fluggeräts.
"Junge, Junge, das war aber ein richtiger Feuerball", war eine
der Bemerkungen Glenns während des Abstiegs. Die Journalisten wollten
von ihm wissen, was er denn damit eigentlich gemeint habe. Glenn erklärte es ihnen folgendermaßen: "Wir haben praktisch noch kaum Erfahrung damit, wie es ist, wenn ein.Mensch von der Glut regelrecht eingeschlossen ist - so eingeschlossen ist, daß er sie schon durchs Fenste
sieht. Die Empfindung, die man dabei hat, ist ein Gefühl leiser Angst.
Wir vertrauten darauf, daß der Hitzeschild die Glut abfangen würde.
Das tat er auch. Aber das Ganze ist für uns etwas völlig Neues."
Eine

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2. März 1962

Eine der letzten Fragen an Glenn war, ob seine Beobachtungen
sich in diesem oder jenem Punkt von denen der beiden russischen
Astronauten unterschieden. Darauf Glenn: "Mir ist nicht bekannt, daß
wir wirklich gute Berichte über die Beobachtungen, Wahrnehmungen
oder Empfindungen der russischen Kosmonauten besitzen. Natürlich
haben wir einiges erfahren. Aber ich glaube, dazu gibt es im Augenblick weiter nichts zu sagen. Vielleicht später einmal, wenn wir
mehr über ihr Programm wissen. Vielleicht sollten wir sie sogar
darum fragen. Unser Programm ist jedermann zugänglich. Ihres ist
geheim. Die Möglichkeit, Vergleiche zu ziehen, haben nur sie."

• PORTRÄT EINES WELTRAUMFLIEGERS
John Herschel Glenn, Jr.

Vom Fachlichen her einfach ein Könner, körperlich durch und
durch gesund, mit Leib und Seele der Fliegerei ergeben - das ist
John H. Glenn, der am 20. Februar 1962 in einer MERGURY-Kapsel als
erster Amerikaner die Erde umkreiste. In selten glücklicher Kombination vereint er alle die Eigenschaften, die als Maßstab bei der
Auswahl der sieben Astronauten für das Projekt MERCURY angelegt
wurden.
Glenn, der am 18. Juli 1962 41 Jahre alt wird, ist der Senior
dieser Gruppe. Seine jahrelange Flugerfahrung mit allen nur erdenklichen Flugzeugtypen verleiht ihm neben großem Fachwissen eine tiefwurzelnde Sicherheit, läßt ihn gleichzeitig aber auch die Chancen,
einer Notsituation zu begegnen, nüchtern einschätzen.
Heute, auf dem Höhepunkt seiner Karriere, verkörpert er geradezu das Ideal eines Mannes, dessen physische und geistige Leistungsfähigkeit eine Entsprechung und notwendige Ergänzung des technischen
Wunderwerks darstellt, das ihn in eine Kreisbahn um die Erde trug.
Die Interessen des Menschen Glenn sind keineswegs einseitig an
der Technik oder an neuen Fluggeräten orientiert. Mindestens ebensoviel wie diese bedeutet ihm, dem Vater eines 15jährigen Jungen und
eines 14jährigen Mädchens, die Familie. Er ist es gewohnt, mit seiner
Frau Anna über alles zu sprechen, was ihn bewegt, und dazu gehören
natürlich auch die Probleme, Freuden und Tücken der Fliegerei. Als
tiefgläubiger Mensch - er ist Presbyterianer - versucht er, alle
Aufgaben, die an ihn herangetragen werden oder die er sich selbst
stellt, in Einklang mit seinen religiösen Überzeugungen zu bringen.
Seine eigenen Erfolge wie die seiner Kollegen betrachtet Glenn, dessen
natürliche Bescheidenheit auch die große Publizität, die ihm widerfahren ist, nicht verderben konnte, einfach als kleine Abschnitte auf
dem Weg zur Eroberung des Weltraums durch den Menschen.
Fliegen

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Fliegen hatte für John Glenn schon immer etwas Faszinierendes.
Er erzählt, wie er als Sechsjähriger fest daran glaubte, daß er, wenn
er groß sei, auf jeden Fall mit Flugzeugen zu tun haben werde. Utopische Erzählungen und Romane las er als Junge wohl auch, aber er
gibt offen zu, daß er damals Raumfahrt ganz und gar nicht ernst genommen habe. Er stammt aus New Concord im Staat Ohio, wo er die
Oberschule und anschließend drei Jahre lang das Muskingum College
besuchte, um dann mit 21 Jahren im Jahre 1942 als Kadett in eine
Marinefliegerschule einzutreten. Ein Jahr später erhielt er im USMarihekorps das Offizierspatent.
Im zweiten Weltkrieg nahm John H. Glenn an 59» während des Koreakrieges an 63 Feindeinsätzen sowie an anderen Flugmissionen teil. Obgleich seine Maschine häufig in feindliches Feuer geriet und Treffer
erhielt, wurde er nie abgeschossen. Für seine fliegerischen Leistungen
und seine persönliche Tapferkeit wurde er mehrfach ausgezeichnet. Nach
der Rückkehr aus Korea besuchte er die Testpilotenschule der US-Marine
in Patuxent River (Maryland) und war nach bestandener Prüfung als Projektoffizier für die Erprobung einer ganzen Anzahl von Flugzeugtypen
verantwortlich. Drei Jahre lang, von 1956 bis 1959» w a r e r der Konstruktionsabteilung für Jagdflugzeuge innerhalb des Luftfahrtamtes
der US-Marine in Washington zugeteilt. An der Universität Maryland
und an verschiedenen Militärakademien absolvierte er eine Anzahl von
Sonderlehrgängen. Glenn hat mehr als 5000 Flugstunden hinter sich,
davon über 1600 in Düsenflugzeugen. Auf Rekorde ist er gewissermaßen
spezialisiert. 1957 stellte er einen neuen Geschwindigkeitsrekord
für Transkontinentalflüge auf, als er die Strecke Los Angeles-New York
(48OO km) in 3 Stunden und 23 Minuten zurücklegte.
Seit John H. Glenn im April 1959 flls einer der sieben Sieger aus
dem Wettbewerb um die Anwartschaft auf die Astronauten-Ausbildung
hervorging, ist er eine "Schlüsselfigur" der NASA in ihren Vorbereitungen, mit Hilfe des MERCURY-Programms den Raumflug auf Erdsatellitenbahnen zu verwirklichen. Er unterzog sich einem strapaziösen Training,
das mehr als zwei Jahre in Anspruch nahm. Tag für Tag, Bei Wind und
Wetter konnte man den schlanken, muskulösen Mann auf dem täglichen
Morgenlauf sehen, den er über mehrere Kilometer vor dem Frühstück
unternahm, um sich in Kondition zu halten.
Auf Grund seiner Erfahrungen in der Flugzeugausrüstung war sein
Spezialgebiet während der Ausbildungszeit die Placierung der Konturliege und der großen Zahl von Bordarmaturen in der kleinen, mit den
verschiedensten Geräten und Instrumenten vollgestopften Druckkabine
der MERCURY-Raumkapsel. Es ist ja ungemein wichtig, wie die Instrumente dem Piloten präsentiert werden - ob sie leicht zu überblicken
und abzulesen sind, in welcher Entfernung von ihm sie sich befinden.
Bei den ballistischen Flügen Shepards und Grissoms stand er als
Ersatzmann bereit, um für den Kameraden einzuspringen. Diesmal ist er
selbst die Hauptperson.
DIE

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DIE RAUMKAPSEL "FRIENDSHIP 7

Die von Oberstleutnant Glenn geflogene MERCURY-Kapsel ist ein
kompliziertes Gerät. Form und Material der Zelle sind der besonderen
Beanspruchung durch Hitzeentwicklung und aerodynamische Kräfte angepaßt. Die 900 kg schwere Kapsel sieht aus wie eine unten geschlossene
Glocke von 2,7 m Höhe und 1,8 m Basisdurchmesser. Die Außenwandung ist
aus sich überlappenden Segmenten dünner Bleche eines hitzefesten Metalls
zusammengesetzt; sie haben den Vorzug, die Wärme, die infolge der Reibung
mit der Luft entsteht, rasch zu verteilen und abzuleiten. Zur Erhöhung
der mechanischen Festigkeit sind diese Segmente gerippt.
Im konischen Teil der Raumkapsel bildet die Innenwandung, die aus
zwei Schichten dünnen Titanblechs besteht,, glgichzeitig die Druckkabine
für den Piloten. Als Material für die Hitzestauplatte an der Unterseite,
die beim Wiedereintritt in die Atmosphäre die größte Reibungshitze abfängt, wurde nicht wie bei den Kapseln Shepards und Grissoms Beryllium,
sondern Faserglas mit Kunstharz verwendet. Die Hit'zeableitung erfolgt
dabei nach dem Prinzip der Schmelzkühlung, d.h. durch Abschmelzen der
äußersten Schicht. Dieses Verfahren gibt bei der Rückkehr eines Fluggeräts aus einer Satellitenbahn, in der es sich etwa dreieinhalbmal
schneller als beim ballistischen Flug bewegt, die Gewähr für ausreichende Kühlung.
Von der Konstruktion und Ausrüstung her ist alles darauf abgestellt, dem Piloten ein Höchstmaß an Sicherheit zu geben und gleichzeitig von Mensch und Maschine optimale Leistungen zu erreichen. Glenn
trug einen Druckanzug, der ihn bei Auftreten eines Lecks in der Druckkabine geschützt hätte. Anzug und Handschuhe behinderten ihn bei der
Betätigung der Hebel und Knöpfe zur Handsteuerung seines Fluggeräts
in keiner Weise, ebensowenig die Sicherheitsgurte, mit denen er am
Liegesitz festgeschnallt war. Dieser Sitz war nach seinen Körperformen
gegossen und mit Schaumstoff gepolstert; er stützte besonders Rücken,
Beine und Kopf. Das Instrumentenbord vor ihm war dem eines modernen
Flugzeugs nicht unähnlich. Mit einem Blick konnte er auf den Meßuhren
erkennen, ob Kabinentemperatur und Sauerstoffdruck, Flugwinkel der Kapsel
relativ zur Erde und andere wichtige Faktoren mit den Sollwerten übereinstimmten. Der Einfachheit halber wurden eine Anzahl von Meßgrößen a
durch rot und grün aufleuchtende Lämpchen gemeldet. Die Betätigung von
Hebeln in unmittelbarer Nähe der betreffenden Lampe erlaubte bei "Rot"
die sofortige Korrektur. Wäre die Störung ernster Natur gewesen, so hätten ständig aufflammende Warnlichter und eine Glocke den Piloten rechtzeitig alarmiert.
Die Raumkabine schirmte Glenn gegen die "feindselige" Außenwelt
ab, die die Ionosphäre für den ungeschützten Menschen darstellt. In
seiner Kapsel wurde ihm automatisch Frischluft zugeführt, das ausgeatmete Kohlendioxyd sowie Feuchtigkeit wurden laufend aus der Druckkabine entfernt; überdies konnte er die Klimaanlage selbst regulieren.
Zwei

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Zwei Kameras filmten alle seine Bewegungen sowie die Anzeigewerte
der Meßuhren für die spätere Auswertung des Experiments.
Durch zwei Haupt- und zwei Nebenfunkbrücken hatte der Pilot
die Möglichkeit, über Dezimeter- und Kurzwelle mit den Bodenstationen Sprechfunkverbindung zu halten; notfalls konnte er auch
eine Morsetaste zur Aussendung tonloser Signale benutzen und Antworten im Morse;code aufnehmen. Die automatisch übertragenen Telemeßwerte wurden auf Dezimeterwelle (verschlüsselt) und auf Langwelle
gesendet. Zwei Radar-Peilsender gaben den Bodenstationen Erkennungssignale. Ein Funkempfänger in der Kapsel war direkt mit einer Reihe
von Steuerungs- und Kontrollgeräten verbunden. Über diesen Empfänger
hätte eine Kommandostation auf der Erde unter besonderen Umständen beispielsweise Bewußtlosigkeit oder anderweitige Reaktionsunfähigkeit
des Astronauten - das MERCURY-Fluggerät zur Erde zurückgeleitet.
Kursabweichungen in den drei Achsen wurden während der zweiten und
dritten Erdumkreisung durch Glenn selbst korrigiert.
Zwischen der Hitzestauplatte und dem Boden der Druckkammer befand sich ein Gummisack, der sich bei der Rückkehr nach Entfaltung
des Hauptfallschirms und Abwurf des Hitzeschildes automatisch zu einem
120 cm dicken Kissen aufblies und den Aufprall dämpfte. Der Raum im
zylindrischen Kopfende der Kapsel war für Hilfs-, Haupt- und Reservefallschirm, für Rettungs- und Bergungshilfen wie Rauch- und Wasserbomben, Markierfarbstoff, Peilsender sowie ein bei Wasserberührung
sich automatisch aufblasendes Rettungsboot reserviert. Unmittelbar
vor dem Niedergehen auf dem Wasser wurden lamettaähnliche Metallfäden
ausgestoßen, um den Bergungsflugzeugen die Radarsuche zu erleichtern.
Ein großer Metallring an der Kapselspitze diente zum Einhaken des
Halteseils, mit dem der inzwischen über Funk herangeholte Zerstörer
die Kapsel aus dem Wasser zog. Die Aufhängung der MERCURY-Kapsel bei
diesem Manöver war absichtlich schräg gehalten, weil dabei die Schlingerund Schaukelbewegungen viel geringer sind als bei zentrischer Aufhängung.
Die "Fluchtraketen", wie die beim Start auf der Spitze des MERCÜRYGeräts montierten Rettungsraketen auch genannt werden, sind ebenso wie
alle übrigen Konstruktionsdetails das Ergebnis sorgfältiger Entwicklung.
Der fast 5 m hohe Gerüstturm, aus dessen oberem Drittel drei Raketendüsen wie kleine Glocken herausragen, ist das auffälligste Merkmal
der MERCURY-Kapsel. Der Astronaut hätte damit sein Gerät von der Startrakete absprengen können oder es wäre durch Funksignal vom Boden aus
abgesprengt worden, falls noch am Abschußplatz oder in der allerersten
Flugphase eine bedrohliche Situation für ihn entstanden wäre. Der
Rettungsturm löst sich mit Brennschluß der Startrakete automatisch ab.
Nach einem Erdrundflug über den Atlantik, Afrika, den Indischen
Ozean, Australien, den Pazifik und schließlich den Südteil des nordamerikanischen Kontinents vollendete der Astronaut knapp 90 Minuten
nach dem Start den ersten Umlauf. Noch zweimal zog er in seinem

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seinem MERCURYi-Fluggerät um unseren Globus, ehe er sich auf die
Rückkehr vorzubereiten begann. Diese wurde an einem etwa 600 km
westlich der kalifornischen Küste gelegenen Punkt eingeleitet. Mit
Hilfe von Reaktionsdüsen drehte Glenn die Kapsel um etwa 35 Grad
nach oben. Dann wurden die Bremsraketen gezündet. Diese verminderten
die Fluggeschwindigkeit in der Umlaufbahn, so daß die Kapsel auf die
Erde zuzufallen begann. In einem genau nach Zeitplan ablaufenden
Manöver beschrieb die Raumkapsel einen großen Bogen von etwa 5000 km
Spannweite und schwebte am Fallschirm zur Erde zurück.

AUS DER GESCHICHTE DES PROJEKTS MERCURY
Noch vor dreieinhalb Jahren verfügten die Vereinigten Staaten
weder über ein geeignetes Fluggerät noch über die Männer, die damit
hätten umgehen können, und ebensowenig über die entsprechenden Bodenbeobachtungs- und Nachrichtenstationen, um den bemannten Raumflug überhaupt unternehmen zu können. Ein derartiger Flugversuch sollte ja nicht
den Charakter einer abenteuerlichen und damit zweifelhaften "Heldentat"
sondern den eines wissenschaftlich fundierten und lohnenden Experiments
haben. Um die dafür notwendigen Voraussetzungen zu schaffen, wurde von
der im Oktober 1958 aus der Taufe gehobenen zivilen Behörde für Luftund Raumfahrt (NASA) das Projekt MERCURY in Angriff genommen.
Die Hauptmerkmale des Fluggeräts - der turmähnliche Rettungsmechanismus, die Verwendung von Bremsraketen zur Einleitung des
Rückkehrmanövers, die Formgebung der Kapsel mit ihrer stumpfen Basis,
die die größte Reibungshitze beim Wiedereintritt in die Atmosphäre
abfängt - stellen gelungene technische Lösungen des Raumflug-Problems
dar.
Zur gleichen Zeit, da das Fluggerät allmählich Gestalt annahm,
bemühte man sich auch darum, für seine Ausrüstung sowie für den Schutz
des Piloten geeignete Konstruktionen zu schaffen. Bei den ballistischen
Flügen sollte die REDSTONE, bei den Satellitenflügen um die Erde die
ATLAS als Trägerrakete verwendet werden.
Die ATLAS-Rakete ist die älteste und am meisten erprobte Großrakete der Vereinigten Staaten. Sie ist 25 ra hoch, mißt 3 m im Durchmesser und wiegt beim Start 119 000 kg. Ihren Antrieb erhält sie durch
zwei große Starttriebwerke von je 68 000 kg Schubleistung und einen
weiteren Motor von 27 000 kp Schubkraft, der nach Abschalten der beiden Startmotoren das Fluggerät auf Satellitengeschwindigkeit beschleunigt. Als Treibstoff dienen fast 100 Tonnen Kerosin und flüssiger
Sauerstoff.
Die Ausbildung der Astronauten
Bald nach Inangriffnahme des Projekts MERCURY wählte die NASA
unter 110 Freiwilligen sieben Testpiloten aus, die ihrer beruflichen
Erfahrung, ihrer körperlichen Verfassung und - was nicht zu unter-

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unterschätzen ist - ihrer charakterlichen Veranlagung nach am
besten als Raumflieger geeignet schienen. In einer 32 Monate währenden gründlichen Ausbildung lernten sie die MERCURY-Raumkapsel
unter den verschiedensten Bedingungen - flugtechnischen wie eigenen
körperlichen und geistigen Belastungen - zu beherrschen.
Obgleich sie ja alle bereits ein technisches oder naturwissenschaftliches Studium absolviert und sich auch als Testflieger einen
Namen gemacht hatten, begann für die sieben Astronauten erneut der
theoretische und praktische Unterricht. Er konzentrierte sich auf
sechs Hauptgebiete:
1 . Wissenschaftliche Grundlagen - im wesentlichen eine theoretische Einführung in die Astronautik einschließlich Ballistik unter
Behandlung solcher Einzelprobleme wie Flugbahnen, Treibstoffe, Steuerung und andere Aspekte des Raketenflugs; ferner Grundlagen der Plugmedizin und Raumflughygiene, der Umweltbedingungen im Weltraum, der
Astronomie, Meteorologie, Astrophysik und Geographie einschließlich
der Methoden zur Vornahme wissenschaftlicher Beobachtungen.
2. Situationen beim Raumflug - In dieser Ausbildungsphase wurden
die Astronauten mit den besonderen Bedingungen wie Druckveränderungen,
Schwerelosigkeit und den Auswirkungen der starken Beschleunigungsund Bremskräfte vertraut gemacht. Sie mußten sich daran gewöhnen,
trotz hoher Beschleunigungs- bzw. Bremskräfte, bei denen die Glieder
bleischwer' • werden und selbst das Atmen Schwierigkeiten bereitet,
konzentriert zu beobachten und koordinierte Bewegungen auszuführen.
In besonderen Höhenkammern wurden sie, in Schutzanzüge gekleidet, sehr
niedrigem Luftdruck, extremer Hitze und Kälte ausgesetzt.
3. Bedienung des MERCURY-Raumfluggeräts - Besonders geübt wurde
dabei die Benutzung und Wartung der wissenschaftlichen Instrumente
sowie des Druck- und Klimaregelsystems für die Kabine. Auch mit den
Vorrichtungen zur Führung und Betriebsüberwachung der Kapsel, den
Funkanlagen, der Kurskontrolle, den Brems- und Wenderaketen mußten
die Astronauten sicher umgehen können.
4. Aktive Beteiligung am Raumkapsel-Entwicklungsprogramm - Jeder
der Astronauten spezialisierte sich auf ein bestimmtes Teilgebiet der
Kapselkonstruktion. Auf Grund des so erworbenen praktischen Wissens
konnten die Lehrgangsteilnehmer in Zusammenarbeit mit den übrigen Experten eine Reihe von Verbesserungen und notwendigen Änderungen der
ursprünglichen Konstruktion ermitteln.
5. Fortführung des Flugtrainings in Düsenflugzeugen - Die Männer
sollten sich durch Führung modernster Düsenmaschinen das in ihrer
früheren Praxis erworbene Gefühl für Flugsituationen erhalten und die
Möglichkeit haben, sich auch während ihres "Trockenkurses für den
Raumflug" in notwendigen schnellen Entscheidungen aus der jeweiligen
Situation heraus zu üben.
6. Mit

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6. Mit den erforderlichen Bodenausrüstungen und der Tätigkeit
des Bodenpe rsonals in Theorie und Praxis vertraut zu werden, war
der letzte Hauptpunkt des Ausbildungsprogramms. Eigene Erfahrungen
sowie die Beobachtung von Raketenflügen vermittelten ihnen ein umfassendes Wissen von dem, was sie selbst erwartet. Sie hielten sich
längere Zeit auf den verschiedenen amerikanischen Raketenabschußplätzen,
auf! Beobachtungsstationen entlang der atlantischen Flugstrecke, in
Montagebetrieben des Flugkörperbaus und im Testfluggebiett der
X-15 auf. Bei Bergungsübungen an der Kapsel waren sie nicht nur Augenzeugen, sondern unmittelbar Beteiligte.
Durch ein besonderes Leistungstraining lernten die Astronauten,
unter primitivsten Verhältnissen, bei Hitze und Kälte, Nahrungsund Wassermangel, auf See und in der Wüste zu "überleben" und so die
Bergung auch unter härtesten Bedingungen abzuwarten. Ihre Ausbildung
brachte, alles in allem gesehen, viele Entbehrungen und Strapazen,
aber sie vermittelte ihnen auch ein tiefes Gefühl der Sicherheit.
Glenn, Grissom und Shepard haben ihren Kameraden Carpenter,
Cooper, Schirra und Slayton im Augenblick das eine voraus, bereits
über eine gewisse Flugerfahrung mit der MERCURY-Kapsel, technisch gesehen einem Fluggerät völlig neuen Typs, zu verfügen. Dennoch wird
vorläufig auch jedes weitere Experiment dieser Art das Können, den
persönlichen Mut und die Reaktionsfähigkeit des Piloten auf eine
harte Proble stellen.

Bildunterschrift (Deckblatt);
Oberstleutnant John H. Glenn besteigt seine Raumkapsel
"Friendship 7"

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2 . März 1962

ACHTUNG! Auf Anforderung der Redaktionen übersendet der AMERIKA DIENST
zusätzlich zu der auf dem Deckblatt wiedergegebenen Aufnahme
an Zeitungen und Zeitschriften kostenlos folgende Bilder:

1)

Sorgfältig prüft ein Spezialist für Druckanzüge die Schutzausrüstung für Oberstleutnant John H. Glenn, ehe dieser
die Kleidung anlegt.

2)

(62-1281)

In Begleitung seines Arztes Dr. William K. Douglas verläßt
John H. Glenn Hangar S, um sich zum Abschußplatz der MERCURYATLAS-Rakete zu begeben. (62-340)

3)

Cape Canaveral, 20. Februar 1962, 9.47 Uhr Ortszeit:

Die ATLAS-Trägerrakete für die MERCURY-Raumkapsel "Friendship 7"
hebt vom Starttisch ab. Oberstleutnant John H. Glenn beginnt
seinen Flug um die Erde. (H-40343)
4)

Nach dreimaliger Erdumkreisung ist "Friedship 7" im Atlantik
sicher gelandet. Im Wettrennen zwischen den einzelnen Bergungsfahrzeugen ging der Zerstörer NOA als Sieger hervor und
holt nun die auf dem Wasser treibende Raumkapsel mit dem Testpiloten Glenn an Bord. (62-1293)

5)

"Friendship 7" an Bord des Zerstörers NOA. (H-40344)

6)

Glückstrahlend dankt Oberstleutnant John H. Glenn, der inzwischen an Bord des Flugzeugträgers RANDOLPH gebracht wurde,
für die Ovationen der Besatzung. (62-1299)

7)

Die quälende Wartezeit ist vorüber. Mrs. John Glenn (im
Hintergrund der 16jährige Sohn David) kann während eines
Interviews nach dem Flug über das Fernsehnetz direkt mit
ihren Schwiegereltern sprechen. (62-1298)

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�"AMERIKA DIENST

8)

2. März 1962

Die MERCÜRY-Kapsel "Frigndship 7" wurde am 21. Februar
1962 wieder zum Hangar S in Cape Canaveral zurückgebracht.
Die Pressevertreter können sie aus nächster Nähe besichtigen.

9)

(62-1300)

Glenn im Gespräch mit Journalisten nach seinem Flug. Links
neben ihm Donald K. Slayton, der für den nächsten MERCURYSatellitenflug als Pilot vorgesehen ist. (H-40380)

(Wir bitten, bei Bestellungen die Bildnummern
anzugeben.)

• * • * *

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�A M E R I K A

D I E N S T

Aiig./9.3.1962

F R E I H E I T

VON

K R I E G

Das Programm der Vereinigten Staaten für allgemeine
und vollständige Abrüstung in einer friedlichen Welt

Der nachstehende Abrüstungsvorschlag ist die
Verhandlungsbasis der amerikanischen Delegation
auf der am 14. März 1962 in Genf beginnenden
internationalen Abrüstungskonferenz. Er war
bereits am 25« September vergangenen Jahres
von Adlai E . Stevenson, dem Chefdelegierten
der Vereinigten Staaten bei den Vereinten
Nationen, der 16. Vollversammlung im Anschluß
an eine Rede Präsident Kennedys unterbreitet
worden.

�y- März ' 9b&lt;i

"AMERIKA DIENST"

A B R Ü S T U N G S D E K L A R A T I O N
Das Programm d e r V e r e i n i g t e n S t a a t e n f ü r

allgemeine

und v o l l s t ä n d i g e A b r ü s t u n g i n e i n e r f r i e d l i c h e n Welt

Die V ö l k e r d e r E r d e ,

/

i n dem B e w u ß t s e i n d e r K r i s e i n d e r G e s c h i c h t e d e r M e n s c h h e i t ,
d i e d u r c h d i e r e v o l u t i o n ä r e E n t w i c k l u n g m o d e r n e r Waffen i n e i n e r
von e r n s t e n i d e o l o g i s c h e n A u s e i n a n d e r s e t z u n g e n g e s p a l t e n e n Welt
h e r v o r g e r u f e n w u r d e , und
i n dem E n t s c h l u ß , d i e h e u t i g e n und k ü n f t i g e n G e n e r a t i o n e n v o r
d e r G e i ß e l d e s K r i e g e s und den Gefahren und B e l a s t u n g e n d e s W e t t r ü s t e n s zu b e w a h r e n und Bedingungen zu s c h a f f e n , u n t e r d e n e n a l e
V o l k e r i n F r e i h e i t und F r i e d e n danach t r a c h t e n k ö n n e n , i h r e g r u n d l e g e n d e n A s p i r a t i o n e n zu v e r w i r k l i c h e n ,
e r k l ä r e n es a l s i h r Z i e l : e i n e f r e i e , s i c h e r e und f r i e d l i c h e
Welt u n a b h ä n g i g e r S t a a t e n zu s c h a f f e n , d i e gemeinsame Normen d e r
G e r e c h t i g k e i t und d e s i n t e r n a t i o n a l e n V e r h a l t e n s b e f o l g e n und d i e
Anwendung von Gewalt d e r H e r r s c h a f t d e s R e c h t s u n t e r o r d n e n ; e i n e
W e l t , i n d e r s i c h d i e A n p a s s u n g a n den Wandel d e r V e r h ä l t n i s s e i n
Ü b e r e i n s t i m m u n g m i t den G r u n d s ä t z e n d e r V e r e i n t e n N a t i o n e n v o l l z i e h t ;
e i n e W e l t , d i e s i c h i n e i n e m s t ä n d i g e n Z u s t a n d d e r a l l g e m e i n e n und
v o l l s t ä n d i g e n Abrüstung u n t e r wirksamer i n t e r n a t i o n a l e r K o n t r o l l e
befindet
und i n d e r d i e H i l f s q u e l l e n d e r S t a a t e n dem m a t e r i e l l e n ,
k u l t u r e l l e n und g e i s t i g e n F o r t s c h r i t t d e s Menschen d i e n e n ;
p r o k l a m i e r e n a l s T e i l z i e l e e i n e s Programms z u r a l l g e m e i n e n und
v o l l s t ä n d i g e n Abrüstung in einer f r i e d l i c h e n Welt:
a) die Auflösung a l l e r n a t i o n a l e n S t r e i t k r ä f t e m L1 Ausnahme
d e r e r , d i e für die A u f r e c h t e r h a l t u n g der inneren Ordnung und a l s
Kontingente für e i n e UN-Friedenstruppe b e n ö t i g t werden, und das
Verbot i h r e r W i e d e r a u f s t e l l u n g i n jedweder Form;
b)
lich a l l e r
nationalen
t r u p p e und
sind;

d i e Herausnahme s ä m t l i c h e n R ü s t u n g s m a t e r i a l s , e i n s c h l i e ß Massenvernichtungswaffen und deren E i n s a t z m . t + e l aus den
A r s e n a l e n mit Ausnahme d e r e r , d i e für e i n e UN-Frie e n s für die A u f r e c h t e r h a l t u n g der i n n e r e n Ordnung e r f o r d e r l i c h

c) d i e Schaffung und e r f o l g r e i c h e T ä t i g k e i t e i n e r i n t e r n a t i o n a l e n A b r ü s t u n g s o r g a n i s a t i o n ( . n t e r n a t i o n a l Disarmament Organiz a t i o n - IDO) im Rahmen der V e r e i n t e n Nationen, um die E r f ü l l u n g
a l l e r Abrüstungsverpflichtung jederzeit sicherzustellen;

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�"AMERIKA DIENST"

9. März 1962

d) die Bereitstellung wirksamer Mittel für den Vollzug
internationaler Abmachungen, für die Beilegung vor Meinungsverschiedenheiten und für die Aufrechterhaltung des Friedens in Übereinstimmung mit den Grundsätzen der Vereinten Nationen;
fordern die verhandelnden Staaten auf,
a) den nachstehend dargelegten Programmabriß zu einem vertraglichen Plan für eine allgemeine und vollständige Abrüstung
weiterzuentwickeln und ihre Anstrengungen ohne Unterbrechung so
lange fortzusetzen, bis das gesamte Programm verwirklicht ist;
b) zu diesem Zweck den weitestmöglichen Bereich der Übereinstimmung zu dem frühestmöglichen Zeitpunkt anzustreben;
c) ferner - ohne den Fortgang des Abrüs^ungsprogramms zu
beeinträchtigen - eine Übereinkunft bezüglich jenei' Sofortmaßnahmen zu erstreben, die zur gemeinsamen Sicherheit der Staaten
beitragen würden und die Durchführung des Programms erleichtern
und Teil desselben bilden könnten:
bekräftigen, daß die Abrüstungsverhandlungen von folgenden
Grundsätzen geleitet werden sollen:
a) Die Abrüstung soll so rasch wie möglich bis zu ihrer
Vollendung in Phasen vollzogen werden, die wohlausgewogene, gegliederte und durch Sicherheiten garantierte Maßnahmen einschließen,
wobei jede Maßnahme und Phase innerhalb eines vereinbarten Zeitraums abgewickelt werden soll,
b) Die Erfüllung aller Abrüstungsverpflichtungen soll von
ihrem Inkrafttreten an wirksan verifiziert werden. Die Verifizierungsvorkehrungen sollen schrittweise und auf solche Weise getroffen werden, daß nicht nur festgestellt wird, ob vereinbarte Beschränkungen
oder Bestandsverringerungen vorgenommen werden, sondern auch ob
nicht die verbleibenden Streitkräfte und Waffen in irgendeiner Phase
den vereinbarten Stand überschreiten,
c) Die Abrüstung soll in einer Weise vorgenommen werden,
die die Sicherheit keines Staates abträglich berührt, gleichgültig
ob es sich um einen Partner einer internationalen Abmachung oder
Vereinbarung handelt oder nicht,
d) Während die Staaten sich ihrer Waffen entledigen, sollen
die Vereinten Nationen Schritt für Schritt gestärkt werden, um ihre
Fähigkeit zu steigern, die internationale Sicherheit und die friedliche Regelung von Streitfällen zu gewährleisten und auch die Entwicklung der internationalen Zusammenarbeit bei gemeinsamen Aufgaben
zum Wohle der Menschheit zu erleichtern.

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�"AMERIKA DIENST"

9° März 1962

e) Der Übergang von einer Phase der Abrüstung zur nächsten
soll erfolgen, sobald alle Maßnahmen der vorausgegangenen Phase
ausgeführt sind - wobei die wirksame Verifizierung fortgesetzt
wird - und sobald die Vorkehrungen, die für die nächste Phase als
notwendig anerkannt wurden, getroffen worden sind;
einigen sich auf den folgenden Programmabriß für die Verwirklichung einer allgemeinen und vollständigen Abrüstung:

PHASE

I

A. Schaffung einer internationalen Abrüstungsorganisation
a) Es soll bei Inkrafttreten der Übereinkunft eine internationale Abrüstungsorganisation im Rahmen der Vereinten Nationen
errichtet werden. Ihre Funktionen sollen progressiv erweitert werden,
wie dies für die wirksame Verifizierung des Abrüstungsprogramms erforderlich ist.
b) Die IDO soll umfassen: 1. eine Vollkonferenz (General
Conference) aller Signatarstaaten; 2. eine Kommission (Commission),
die sich aus Vertretern aller Großmächte als ständige Mitglieder
und verschiedener anderer Staaten nach dem Prinzip der Rotation
zusammensetzt; 3. einen Administrator, der die Organisation gemäß
den Anweisungen der Kommission verwalten und die Befugnisse, die
Mitarbeiter und die finanziellen Mittel haben soll, um eine, wirksame,
unparteiische Ausübung der Funktionen der Organisation sicherzustellen.
c) Die IDO soll: 1. die Erfüllung der übernommenen Verpflichtungen durch die Verifizierung der Ausführung der vertraglich vereinbarten Maßnahmen sicherstellen; 2. die Staaten bei der Ausarbeitung der Einzelheiten der vereinbarten weiteren Verifizierung der
Abrüstungsmaßnahmen unterstützen; 3» für die Schaffung solcher
Körperschaften, die für die Ausarbeitung der Einzelheiten der weiteren, im Programm vorgesehenen Maßnahmen notwendig sind, und solcher Studiengruppen von Fachleuten Sorge tragen, die erforderlich
werden könnten, um die Abrüstungsfragen einer fortgesetzten Überprüfung zu unterziehen; 4« Berichte über den Fortgang der Abrüstungs-,
und Verifizierungsvereinbarungen entgegennehmen und den Zeitpunkt
für den Übergang von einer Phase zur nächsten bestimmen.
B. Verringerung der Truppen- und Rüstungsstärken
a) Die Truppenstärken sollen für die USA und die UdSSR auf je
2,1 Millionen und für alle anderen größeren Militärmächte auf solche
angemessenen Stärken beschränkt werden, die jeweils 2,1 Millionen
nicht überschreiten. Die Verringerung auf die vereinbarten Stärken
wird in zumutbaren, proportionalen und verifizierten Stufen erfolgen.

bi

�"AMERIKA DIENST'

9o März 1962

b) Die Bestände an Rüstungsmaterial vorgeschriebener Typen
sollen in zumutbaren und wohlausgewogenen Stufen verringert werden.
Die Bestandsverringerungen sollen durch die Überstellung der Waffen
an Depots erfolgen, die von der IDQ überwacht werden. Wenn die
Signatar Staaten der Übereinkunft zu bestimmter. Zeiten während des
Verringerungsprozesses der Phase I darin übereinstimmen, daß die
Rüstungs- und Truppenstärken auf den vorgeschriebenen Star.d gebracht
worden sind, sollen die Waffen in den Depots zerstört oder der
friedlichen Verwendung zugeführt werden.
c) Die Herstellung von bestimmten vereinbarten Waffentypen
soll beschränkt werden.
d) Eine Fachkommission für chemische, biologische und radiologische Waffen (CBR Experts Commission) soll innerhalb der IDO zu
dem Zweck geschaffen werden, die Möglichkeit und die Methoden der
VerwirKlichr ng einer verifizierbaren Verringerung und schließlichen
Beseitigung der Vorräte an GBR-Waffen und der Einstellung der ProduKtion derselben zu untersuchen und darüber Bericht zu erstatten.
C. Einscnränkung und Verringerung der Bedrohung durch Kernwaffen
a) Staaten, die einem Vertrag zu einem wirksamen Verbot der
Erprobung von Kernwaffen nicht beigetreten sind, sollen dies tun.
b) Die Herstellung von spaltbarem Material für die Verwendung
in Waffen soll eingestellt werden.
c) Bei Einstellung der Produktion von spaltbarem Material für
die Verwendung in Waffen sollen vereinbarte erste Mengen von spaltbarem Material aus früherer Produktion der friedlichen Verwendung
zugeführt werden.
d) Alles spaltbare Material, das von einem Land in ein anderes
für friedliche Verwendungszwecke verbracht wird, soll geeigneten Sicherheatsvorschriften unterliegen, die in Übereinstimmung mit der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) ausgearbeitet werden sollen.
e) Staaten, die Kernwaffen besitzen, sollen die Kontrolle über
derartige Waffer keinem Staat einräumen, der keine besitzt, und
sollen keinem derartigen Land Informationen cder Materialien lie fern,
die für ihre Herstellung erfrrderlich sind. Staaten, die keine Kernwaffen besitzen, sollen keine derartigen Waffen herstellen, nicht
die Kontrolle über derartige Waffen im Besitz anderer Staaten zu
erlangen suchen oder danach brachten, Informationen oder Materialien
zu erhalten, die für deren Herstellung notwendig sind.
d) Eine Fachkommission für Atomfragen (Nuclear Experts Commission) aus Vertretern der Atommächte soll innerhalb der__ID0 zu dem
Zrfeck errichtet v/erden, die Möglichkeit und die Methoden der Verwirklichung einer verifizierten Verringerung und der schlie 1 . chen

- 4 -

�HKA DIENST

9

s c h l i e ß . l i c h e n B e s e i t i g u n g d e r V o r r ä t e a n Kernwaffen
und d a r ü b e r B e r i c h t zu e r s t a t t e n .

März 1962

zu u n t e r s u c h e n

D. Y e r i i n g e r u n g der Bestände an Kernwaffenträgern für den
s t r i t e g ; s c b e n Einsatz
a ) Die Bestände an Kernwaffenträgem für den s t r a t e g i s c h e n
E'n&lt;?a + z bestimmter Kategorien und an v e r e i n b a r :en Typen unü T r ä g e r ar w^tirwaff en s o l l e n i n zumutbarer, und wohlausgewogenen Stufen auf
e i n e r v e r e i n b a r t e r . Stand v e r r i n g e r t werden. Die Bestandsverringerung
s r l j . auf j e d e r Stufe durch die Ü b e r s t e i l u n g der über den Stand n i n a u s ,
de1- f ü r die j e w e i l i g e Stufe v e r e i n b a r t i s t , rrhandenen Träger an
Depots e r f o l g e n , d i e von der IDO überwacht werden. Zu bestimmten
Z e ^ e n während der B e s t a n d s v e r r i r g e r u n g i n d^r Phase I s o l l e n die
T r ä g e r , die der A u f s i c h t der IDO u n t e r s t e l l t werden s i n d , z e r s t ö r t
oder der f r i e d l i c h e n Verwendung zugeführt werden»
b) Die H e r s t e l l u n g v e r e i n b a r t e r Kategorien von Kernwaffent r ä g e r n für den s t r a t e g i s c h e n E i n s a t z und v e r e i n b a r t e r Typen von
Trägerabwehrwaffen s o l l e i n g e s t e l l t oder Deschränkt werden.
c) Die Erprobung v e r e i n b a r t e r Kategorien von Kernwaffenträgern für den s t r a t e g i s c h e n E i n s a t z und v e ^ e j b a r t e r Typen von T r ä g e r abwehrwaffen s o l l beschränkt oder e i n g e s t e x i t werden.
E. Förderung der f r i e d l i c h e n Nutzung des Weltraums
a ) Die Verbringung von Massenvernichtungswaffen auf eine
Kre-sbahnum die Erde oder deren S t a t i o n i e r u n g im Weltraum s o l l
verboten werden.
b) Die S t a a t e n s o l l e n den Teilnehmerstaaten und der IDO im
raus M i t t e i l u n g über den Abschuß von Raumflugkörpern und Raketen
scwie»über deren Flugbahn machen.
F . Verringerung der Gefahr eines Krieges durch Z u f a l l .
und

Fehleinschätzung

Überraschungsangriff;

a ) Die S t a a t e n s o l l e n den anderen Teilnehmerstaaten und der
.IDO im voraus M i t t e i l u n g von größeren Trappenverschiebungen und Manövern der v e r e i n b a r t e n Größenordnung machen, die Anlaß zu F e h l i n t e r p r e t a t i ^ n e n geben oder Beunruhige g h e r v o r r u f e n und Gegenmanöver a u s l ö s e n k ö n n t e n . Die M i t t e i l u r g s e i l Angaben über das zu b e n u t z e r d e Gebiet und d i e A r t , das Ausmaß u. d die Z e i t d a u e r des Geche &lt;ens e i n s c h l i e ß e n .
bj An Orten,wie größeren Häfen, Eisenbahnknotenpunkten, F e r n s t r a ß e n and F l u g p l ä t z e n , s o l l e n Beobachtmgspos ten e r r i c h t e t werden, um

»

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�9. März 1Q62

"AMERIKA DIENST"

um über Truppenmassierungen und -bewegungen Bericht zu erstatten.
c) Ferner sollen noch zu vereinbarende zusätzliche Inspek•cionsvorkehrungen getroffen werden, um die Gefahr von Überraschungsangriffen zu verringern.
d) Es soll eine in+ernationale Kommission unmittelbar innerhalb der IDO geschaffen werden, um die Möglichkeiten für weitere
Maßnahmen zur Verringerung des Risikos eines Krieges mit Kernwaffen
auf Grund vcn Zr.fall.en, der Fehleinschätzung oder des Ausfalls von
Nachrichtenmitteln zu untersuchen und entsprechende Vorschläge zu
unterbreiten.
G, Erhaltung des Friedens
a) Die Staaten sollen ihre Verpflichtungen gemäß der Charta
der Vereinten Nationen bekräftigen, sich der Drohung mit jeder Art
von Streitkräften - einschließlich aller mit Kernwaffen, herkömmlichen Waffen :der CBR-Waffen ausgerüsteten Truppen - und des Einsatzes derselben entgegen den Grundsätzen der UN-Charta zu enthalten.
b) Die Staaten sollen dahingehend übereinkommen, sich jeder
gegen ein anderes Land gerichteten indirek+en Aggression oder subversiven Tätigkeit zu enthalten.
c) Die Staaten sollen sich aller geeigneten Verfahren für
die friedliche Beilegung von Meinungsverschiedenheiten bedienen und
sich bemünen, im Rahmen der Vereinten Nationen weitere Vereinbarungen
für die friedliche Beilegung internationaler Meinungsverschiedenheiten
und die Kodifizierung und progressiv« Weiterentwicklung des internationalen Rechts zu + reffen.
d) Die Staaten sollen in der Phase I Vereinbarungen für die
Schaffung einer UN-Friedenstruppe in der Phase II treffen.
e) Eine Friedensbeobachtungsgruppe der Vereinten Nationen
soll mit einem ständigen Kader von Beobach+ern ausgestattet werden,
die ausgesandt werden können, um jede Situation zu untersuchen, die
eine Bedrohung oder einen Bruch des Friedens darstellen könnte.

PHASE II
A. Internationale AbrüstungsOrganisation
Die Befugnisse und Verantwortlichkeiten der IDO sollen progressiv
erweitert werden, um sie in die Lage zu versetzen, die in der Phase II
durchzuführenden Maßnahmen zu verifizieren.
B.

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�"AMERIKA DIENST"

9. März 1962

B. Weitere Verringerung der Truppen und Rüstungsstärken
a) Die Truppenstärken der USA, der UdSSR und anderer Militärmächte sollen weiter beträchtlich und in zumutbaren und wohlausgewogenen Stufen auf den vereinbarten Stand verringert werden.
b) Der Bestand an Rüstungsmaterial festgesetzter Typen soll
weiter ir zumutbaren und wohlausgewogenen Stufen verringert werden.
Die Bestandsverringerung soll durch die Überstellung von Rüstungsmaterial ar Depots vorgenommen werden, die der Aufsicht der IDO unterstehen. Wenn die Signatarstaaten zu bestimmten Zeitpunkten während
der Bestardsverringerung in der Phase II darin übereinstimmen,
daß die Rüstungs- und Truppenstärken auf den "orgescnriebenen Stand
gebracht worden sind, sollen die Waffen in den Depots zerstört oder
der friedlichen Verwendung zugeführt werden.
c) Es sollen weitere vereinbarte Beschränkungen der Herstellung von Rüstungsmaterial vorgenommen werden.
d) Vereinbarte militärische Stützpunkte und Einrichtungen
sollen, wo immer sie auch liegen mögen, geschleift oder der friedlichen Verwendung zugeführt werden.
e) Nach Maßgabe des Gutachtens des Experten-Ausschusses für
Fragen der '"'BR-Waffen sollen die Herstellung von CBR-Waffen eingestellt, bestehende Vorräte schrittweise abgebaut und sicn ergebende
Überschußbestände vernichtet oder der friedlichen Verwendung zugeführt werden.
C. Weitere Verringerung der Bedrohung mit Kernwaffen
Vorräte an Kernwaffen sollen schrittweise bis auf einen Stand
verringert werden, der auf Grund des Gutachtens der Fachkommission
der Atomwissenschaftler vereinbart wird; verbleibende Überschußbestärde an spaltbarem Material sollen der friedlichen Verwendung zugeführt werden.
D. Weitere Verringerung der Bestände an Kernwaffenträgern für den
stra'egisehen Einsatz
Eine weitere Verringerung der Bestände an Kernwaffenträgern
für den strategischen Einsatz und an vereinbarten Typenvon Trägerabwehrwaffen soll. in Übereinstimmung mit den in Phase I dargelegten
Verfahren vorgenommen werden.
E

Erhaltung des Friedens

Währei.d der Phase II sollen die Staaten die zur Erhaltung des
Friedens geeigneten Verfahren der Vereinten Nationen mit dem Ziel
weiterentwickeln, die Vereinten Nationen in die Lage zu versetzen,
in der Phase III w:\rksam von jeder Drohung mit Gewalt und Gewaltanwendung in Verletzung der Zielsetzungen und der Grundsätze der

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�"AMERIKA DIENST"

9, März 1962

der Vereinter Nationen abzuschrecken und ihr entgegenzutreten.
a) Die Staaten sollen sich auf die Stärkung der Struktur, der
Befugnisse und der Tätigkeit der Vereinten Nationen einigen, um sicherzustellen, daß H ie Vere nten Nationen in der Lage sind, die Staaten
wirkungsvoll VL r der Bedrohung oder dem Bruch des Friedens zu
schützen.
h) Die UN-Friedenstruppe soll geschaffen und schrittweise
verstärkt werden.
c) Die Staaten sollen sich ferner auf die weitere Verbesserung
und Entwicklung der Regeln des internationalen Verhaltens und der
Verfahren der friedlichen Regelung von Meinungsverschiedenheiten und
Streitfällen einigen.

PHASE III
Beim Abschluß der Phase II sollte das Vertrauen, das durch ein
verifiziertes Abrüstungsprogramm, die allgemeine Anerkennung der Regeln des friedlichen internationalen Verhaltens und die Entwicklung
verbesserter Verfahren zur Erhaltung des Weltfriedens innerhalb der
Vareinten Nationen gewonnen wurde, so weit gediehen sein, daß die
Staaten der Erde zur Phase III übergehen können. In Phase III würden
eine progressive kontrollierte Abrüstung und fortlaufend sich weiterentwickelnde Grundsätze und Verfahren des internationalen Rechts soweit gediehen sein, daß kein Staat die militärische Macht besäße,
die schrittweise verstärkte UN-Friedenstruppe herauszufordern, und
alle internationalen Meinungsverschiedenheiten würden gemäß den
vereinbarten Grundsätzen des internationalen Verhaltens geregelt.
Di* progressiven Schritte, die in der Endphase der Abrüstung
unternommen werden sollen, würden sich auf die Schaffung einer Welt
richten, in der
a^ die Staaten nur jene Truppen, nicht-nuklearen Waffen und
Einrichtungen beibehielten, die zum Zwecke der Aufrechterhaltung der
inneren Ordnung erforderlich sind; sie würden ferner die vereinbarten Kontingente für eine UN-Friedenstruppe unterhalten und zur Verfügung stellen;
b) di e mit vereinbarten Typen und Mengen an Waffen ausgerüstete UN-Friedenstruppe voll einsatzfähig wäre;
c) die Herstellung von Rüstungsmaterial mit Ausnahme jener
vereinbarten Typen und Mengen, die für die UN-Friedenstruppe und die
Aufrechterhaltung der inneren Ordnung benötigt werden, verboten ist.
Alle anderen Waffen würden vernichtet oder der friedlichen Verwendung
zugeführt;

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�"AMERIKA DIENST'

9, März 1962

d) die Möglichkeiten der Vereinten Nationen, den Frieden
zu wahren, in so starkem Maße gegeben und die Verpflichtung aller
Staaten im Rahmen derartiger Vereinbarungen weitgehend genug wären,
um den Frieden und die gerechte Regelung von Streitfällen in einer
abgerüsteten Welt zu garantieren.

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�A M E R I K A

D I E N S T

Allg. /9.3.1962

KERNWAFFENVERSUCHE UND ABRÜSTUNG

WASHINGTON - (AD) - Nachstehend übermitteln wir
Ihnen den Wortlaut der Rundfunk- und Fernsehrede,
die Präsident John F. Kennedy am 2. März 1962 gehalten hat. Er unterstreicht darin erneut die Bereitschaft der Vereinigten Staaten zum Abschluß
eines Vertrages über die Einstellung der Kernwaffenversuche, gibt aber gleichzeitig der Entschlossenheit der amerikanischen Regierung Ausdruck, bei
NichtZustandekommen eines solchen Vertrages bis
Ende April, wenn die technischen Vorbereitungen
für eine Versuchsserie in der Atmosphäre abgeschlossen sein werden, die Atomtests wiederaufzunehmen.

Vor 17 Jahren hat der Mensch die Kraft des Atoms freigesetzt.
Damit wurde in seine sterblichen Hände die Macht der Selbstvernichtung gelegt. Durch all die folgenden Jahre hindurch haben sich die
USA unter drei Präsidenten darum bemüht, diese Waffe aus den Arsenalen der einzelnen Länder zu verbannen. Denn von allen schweren
Verantwortungen, die diesem Amte anvertraut sind, verlangt keine
ernstere Erwägungen als die gesetzlich verankerte Sondervollmacht,
zur Verteidigung unseres Volkes und der Freiheit Kernwaffen einzusetzen .
Aber solange nicht die Menschheit sowohl den Krieg als auch
seine Vernichtungswerkzeuge geächtet hat, müssen die Vereinigten
Staaten über Kernwaffen in wirksamer Menge und Qualität verfügen,
die so stationiert und geschützt sind, daß sie jeden Überraschungsangriff überstehen und den Angreifer vernichten können. Nur eine
solche Stärke gibt uns die Gewähr, vor einem nuklearen Angriff oder
einem übermächtigen Angriff mit Landstreitkräften, der sich gegen
unsere Streitkräfte und unsere Alliierten richtet, abschrecken
zu können. Nur auf der Grundlage einer solchen Stärke können wir
in der freien Welt - sollte diese Abschreckung nicht genügen darauf hoffen, die Tragödie eines neuen Krieges zu überleben.
Und wenn diese Abschreckungsstärke, verglichen mit der irgendeines

-

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�9. März 1962

"AMERIKA DIENST"

irgendeines anderen Landes, wirksam und glaubhaft sein soll, so muß
Sie die modernsten, zuverlässigsten und vielseitigsten Atomwaffen
umfassen, die unsere Forschung und Technik hervorbringen können.
Die Erprobung neuer Waffen und ihrer Wirkung ist ein notwendiger
Teil dieses Forschungs- und Entwicklungsprozesses. Ohne Versuche, die
der Erprobung und experimentellen Klärung dienen, ist der Fortschritt
begrenzt. Ein Land, das auf Versuche verzichtet, kann ganz offensichtlich nicht solche Fortschritte aufweisen wie ein Land, das Versuche
durchführt. Und wenn alle Atommächte auf Versuche verzichten, dann
ist dem Wettrüsten Einhalt geboten.
Deshalb hat unser Land seit langem eine wirksame, weltweite
Einstellung der Kernwaffenversuche gefordert. Und aus diesem Grunde
haben wir uns, wie es auch die Sowjetunion getan hat - im Jahre
1958 freiwillig einem nuklearen Versuchsmoratorium unterworfen, für ^dessen
Bauexi keine Seite neue Kernwaffenversuche durchführen und Ost und
West sich um konkrete Pläne für die Kontrolle dieser Versuche bemühen
würden.
Aber am 1. September vergangenen Jahres brach die Sowjetunion,
während die Vereinigten Staaten und Großbritannien noch in gutem
Glauben in Genf verhandelten, rücksichtslos das Moratorium und führte
eine zweimonatige Versuchsreihe mit mehr als 40 nuklearen Tests durch.
Die Vorbereitungen für diese Versuche waren im geheimen bereits seit
vielen Monaten im Gange gewesen. Diese Versuche, die von neuen Drohungen und einer neuen Terrortaktik begleitet wurden und zum größten
Teil in der Atmosphäre stattfanden, waren in der Hauptsache darauf
gerichtet, die Kernwaffen wieder in das Wettrüsten einzuschalten.
Nachdem offensichtlich geworden war, daß neue Appelle und Vorschläge nichts nützten, verfügte ich am 5• September die Wiederaufnahme der unterirdischen Atomversuche in den USA. Und ich gab am
2. November - noch vor dem Abschluß der sowjetischen Versuchsreihe bekannt, daß Vorbereitungen für eine Wiederaufnahme der Versuche in
der Atmosphäre angeordnet würden, und daß wir angesichts der sowjetischen Fortschritte alle für unsere Sicherheit erforderlichen Versuche durchführen würden.
Der Nationale Sicherheitsrat der Vereinigten Staaten hat in dieser Woche seine Überprüfung dieser Frage zum Abschluß gebracht. Der
ganze Bereich der sowjetischen Versuche ist von den Kompetentesten
Wissenschaftlern des Landes einer sorgfältigen Prüfung unterzogen
worden. Umfang und Berechtigung der vorgeschlagenen amerikanischen
Versuche sind sorgfältig geprüft und es ist festgestellt worden,
welche Versuche ohne weiteres aufgeschoben werden können, welche
wegfallen können, welche zusammengefaßt oder unterirdisch durchgeführt werden können und welche für unseren Fortschritt auf militärischem und wissenschaftlichem Gebiet unbedingt notwendig sind.
Dabei wurde der Begrenzung des radioaktiven Niederschlags, dem künftigen Verlauf der diplomatischen Bemühungen auf dem Gebiet der Rüstungskontrolle sowie unseren Verpflichtungen gegenüber anderen Lände rn sorgfältige Beachtung geschenkt.
TPHP
-

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�"AMERIKA DIENST"

9. März 1962

Jede Alternative wurde geprüft. Jede Möglichkeit, die Zustimmung
der Sowjets zu erlangen, wurde sondiert. Wir waren entschlossen, nicht
übereilt dem sowjetischen Beispiel zu folgen, und wir waren in gleicher
Weise entschlossen, nur das zu tun, was unsere eigene Sicherheit uns
zu tun gebot. Obwohl die komplizierten Vorbereitungen auf vollen
Touren liefen, während diese Tatsachen zutage traten, ist keine Entscheidung meiner Regierung mit größerer Gründlichkeit oder Sorgfalt
erwogen worden.
Nachdem alle diese Ergebnisse sorgsam durchdacht worden sind,
nachdem die einmütigen Empfehlungen der Leiter der zuständigen Ministerien und Behörden vorliegen und nachdem offenbar geworden ist,
daß sich die Sowjetunion weigert, einem Abkommen zuzustimmen, das ihr
die Freiheit zu umfangreichen Versuchen nach geheimen Vorbereitungen
nehmen würde, habe ich heute die amerikanische Atomenergiekommission
und das Verteidigungsministerium ermächtigt, eine Kernwaffenversuchsreihe durchzuführen, die nach Abschluß unserer Vorbereitungen Ende
April beginnen und so schnell wie möglich (innerhalb von zwei oder
drei Monaten) beendet werden soll. Diese Versuchsreihe, die nur solche
Tests einschließt, die nicht unterirdisch durchgeführt werden können,
soll in der Atmosphäre über dem Pazifischen Ozean stattfinden.
Diese Versuche sollen unter Bedingungen durchgeführt werden, die de
radioaktiven Niederschlag auf ein absolutes Minimum begrenzen, das
weit unter der durch die sowjetische Versuchsreihe vom vergangenen
Herbst hervorgerufenen Verseuchung liegt. Dadurch, daß wir den
örtlichen Verhältnissen, den Wind- und Wetterbedingungen sorgfältige
Beachtung schenken und diese Versuche über dem offenen Meer vornehmen,
wollen wir jegliches Problemeeines Niederschlags im unmittelbaren Versuchsgebiet ausschalten. Darüber hinaus werden wir die Zunahme der
Strahlung auf der nördlichen Halbkugel, wo nahezu alle solche Niederschläge auftreten, sehr niedrig halten.
Die natürliche Radioaktivität ist, wie jeder weiß, schon immer
ein Bestandteil der uns umgebenden Luft gewesen, und sie hat bestimmte langfristige biologische Auswirkungen. Die Gesamtauswirkungen
dieser Versuchsreihen werden nach vorsichtigen Schätzungen nur rund
ein Prozent der natürlichen Radioaktivität ausmachen. Diese Schätzungen
lassen sogar erkennen, daß die Strahlenbelastung infolge der Radioaktivität aus diesen Versuchen noch nicht einmal ein Fünfzigstel der
Differenz ausmacht, der sich der Mensch einfach auf Grund der Unterschiede der natürlichen Radioaktivität in den verschiedenen Teilen
unseres Landes ausgesetzt sieht. Dies liegt ohne Frage innerhalb des
Rahmens der allgemeinen Richtlinien für die Gesundheit und die Sicherheit der Bevölkerung, wie sie vom Bundesausschuß für Strahlenschutz
festgelegt worden sind, und es liegt wesentlich unter einem Zehntel
Prozent der zulässigen Strahlenbelastungsdosis, die für Erwachsene
festgelegt ist, die in der Industrie mit Äadioaktiven Stoffen zu tun
haben .
Dennoch

�AMERIKA DIENST"

9. März 1962

Dennoch empfinde ich es als höchst bedauerlich, daß überhaupt
weiteres radioaktives Material in die Atmosphäre gelangen muß, daß
die Gesundheit auch nur eines einzigen Menschen in absehbarer Zeit
etwa dadurch gefährdet werden könnte. Und so entfernt diese Gefahren
vielleicht liegen und so unendlich klein sie vielleicht sein mögen
und auch eingeschätzt werden, so bedaure ich es doch. zutiefst, daß ich diese
Gefahren gegen die Gefahren abwägen muß, die sich für Hunderte von
Millionen Menschen bei einem relativen Rückgang unserer nuklearen
Stärke ergeben würden.
Solange nicht eine wesentliche Änderung der sowjetischen Politik
eintritt, könnte kein amerikanischer Präsident, der für die Freiheit
und die Sicherheit so vieler Menschen verantwortlich ist, guten
Glaubens irgendeine andere Entscheidung treffen. Aber da unsere
Position auf nuklearem Gebiet die Sicherheit aller Amerikaner und
aller freien Menschen berührt, und da diese Frage überall so große
Besorgnis ausgelöst hat, möchte ich Ihnen und der gesamten Welt,
soweit dies unsere Sicherheit zuläßt, alle die Tatsachen und Überlegungen mitteilen, die zu dieser meiner Entscheidung geführt haben.
Zahlreiche dieser Tatsachen lassen sich nur schwer in einfachen
Worten darlegen - viele von ihnen sind in einer friedlichen Welt nur
schwer zu ertragen - aber es sind Tatsachen, denen wir uns stellen
und die wir erkennen müssen.
Wären die sowjetischen Tests vom vergangenen Herbst lediglich
ein weiterer Versuch gewesen, einzuschüchtern und zu bluffen, so
wäre unsere Sicherheit davon nicht betroffen worden. Tatsächlich
aber traten in ihnen eine äußerst raffinierte technische Methode,
die Erprobung neuer Konstruktionen und neuer Techniken sowie einige
bedeutsame Fortschritte in der Waffenentwicklung zutage. Viele ihrer
Versuche dienten der Verbesserung ihrer Verteidigung gegen Raketen bei anderen handelte es sich um Erprobungsversuche, in' denen schon
entwickelte Waffensysteme getestet wurden - bei mehr als der Hälfte
aber lag der Nachdruck auf der Entwicklung neuer Waffen, vor allem
solcher mit größerer Sprengkraft.
Einer der Hauptzwecke dieser Versuche bestand in der Entwicklung
von Sprengköpfen mit einem im Verhältnis zur Zerstörungskraft ihrer
thermonuklearen Energie äußerst geringen Gewicht. Eine der von den
Sowjets erprobten Waffen detonierte mit einer Sprengkraft von 58
M-egatonnen - d.h. dem Äquivalent von 58 Millionen Tonnen des Sprengstoffs Trinitrotoluol. Es war dies eine hinsichtlich der Stärke reduzierte Form ihrer vielpropagierten 100-Megatonnen-Bombe. Die
sowjetischen Raketen scheinen heute noch nicht in der Lage zu sein,
einen derart schweren Sprengkopf zu tragen. Aber die Tatsache läßt
sich nicht aus der Welt schaffen, daß andere sowjetische Versuche
im Bereich zwischen einer und fünf Megatonnen und darüber darauf
abzielten, die Vernichtungskraft der Sprengköpfe, die von den bereits
vorhandenen Raketen auch tatsächlich in das Ziel getragen werden
können, zu erhöhen.
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Es ist auch viel über sowjetische Behauptungen zum Besitz
einer Rakete zur Abwehr von Raketen gesprochen worden. Einige der
sowjetischen Versuche, bei denen die Auswirkungen von Kernexplosionen in großen Höhen - in einem Fall in einer Höhe von über T60
Kilometern - gemessen wurden, standen im Zusammenhang mit diesem
Problem. Während offensichtlich Informationen über die Auswirkungen
von Kernexplosionen auf Radar und die Nachrichtenübermittlung
(was für die Entwicklung eines Antiraketen-Verteidigungssystems
wichtig ist) erlangt werden sollten, ließen diese Versuche nach
unserer Beurteilung noch kein bereits durchkonstruiertes System
erkennen.
Kurz gesagt, die Versuche vom vergangenen Herbst gaben der
Sowjetunion an und für sich noch keine nukleare Überlegenheit. Sie
vermittelten den Sowjet-Laboratorien jedoch eine Unmenge von Daten
und Erfahrung, auf die sie im Laufe der nächsten zwei oder drei
Jahre wichtige Analysen, Versuche und Berechnungen gründen können,
und zwar in Vorbereitung auf die nächsten Versuchsreihen, die ihre
Ergebnisse bestätigen und ihre Bemühungen weiter voranbringen würden.
Und ich muß Ihnen in aller Offenheit sagen, daß weitere sowjetische Versuche - solange weitere Fortschritte des Westens fehlen sehr wohl der Sowjetunion eine nukleare Angriffs- und Verteidigungskapazität geben könnten, die groß genug ist, um aggressive Pläne
zu fördern. Würden wir auf der Stelle treten, während die Sowjets
uns überholen - oder uns nur zu überholen scheinen -, dann würde
die Fähigkeit der freien Welt, vor einem umfassenden Angriff abzuschrecken, ihn zu überleben und zurückzuschlagen, ernsthaft
vermindert.
Der Kern der Sache ist, daß wir ohne Versuche sowohl in der
Atmosphäre als auch unter der Erde keine vergleichbaren Fortschritte
erzielen können. Denn auf zahlreichen Gebieten der nuklearen Waffenforschung haben wir den Punkt erreicht, wo ohne Versuche unter allen
erdenklichen Bedingungen kein weiterer Fortschritt möglich ist. Die
Informationen, die wir bei unserer letzten in der Atmosphäre durchgeführten Versuchsreihe im Jahre 1958 gewonnen haben, sind alle
analysiert und nochmals analysiert worden. Sie können uns ohne neues
Zahlenmaterial nichts mehr sagen. Und gerade auf diesen Forschungsgebieten - erfolgreicher Einsatz von Raketen und Raketenabwehr könnten weitere umfangreiche sowjetische Versuche unsere Abschreckungsstärke gefährden, wenn keine neuen westlichen Versuche durchgeführt
werden.
Über die Erprobung bestehender Systeme hinaus sind zwei verschiedene Versuchsarten beschlossen worden. Bei der ersten und
wichtigsten handelt es sich um "Wirkungstests", durch die festgestellt werden soll, wie sich vom Gegner ausgelöste Atomexplosionen
auf unser Vermögen auswirken würden, zu überleben und zurückzuschlagen. Wir geben riesige Summen für Radar aus, um unsere Verteidigung alarmieren und Raketenabwehrsysteme entwickeln _zu_

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zu können - für die Nachrichtenverbindungen, die es unseren Kommandostellen und Kontrollzentren ermöglichen sollen, den Gegenschlag
zu führen - für die Stärkung unserer Raketenbasen, die Abschirmung
unserer Raketen und Sprengköpfe vor einem Angriff und für die Bereitstellung der elektronischen Leitsysteme, die sie an ihr Ziel
führen. Aber wir haben keine Gewißheit, bis zu welchem Grade diese
Vorbereitungen sich im Ernstfall als nutzlos erweisen - inwieweit
sie durch die vielfältigen Auswirkungen einer nuklearen Explosion
ausgeschaltet, gelähmt oder zunichte gemacht werden.
Wir wissen aus früheren Versuchen genug, um über derartige
Phänomene besorgt zu sein. Wir wissen auch, daß die Sowjets im
vergangenen Herbst entsprechende Versuche durchführten. Aber ehe
wir nicht die tatsächlichen Auswirkungen von Explosionen in der
Atmosphäre unter Bedingungen messen, die der Wirklichkeit voll
entsprechen, werden wir nicht genau wissen, wie wir unsere künftige Verteidigung am besten vorbereiten, wie wir unsere Raketen für
die Überwindung eineB Raketenabwehrsystems am besten ausrüsten und ob es möglich ist, ein eigenes derartiges Abwehrsystem gegen
Raketen aufzubauen.
Zweitens müssen wir Versuche in der Atmosphäre durchführen,
um die Entwicklung jener fortschrittlicheren Konzeptionen und
wirksameren Waffen zu ermöglichen, die angesichts der sowjetischen
Versuche für unsere eigene Sicherheit unbedingt notwendig zu sein
scheinen. Die Kernwaffentechnik wandelt sich ständig. Sollen unsere
Waffen sicherer, in ihrer Anwendung vielseitiger und in ihrer
Wirkung gezielter sein, wollen wir neuen Ideen folgen und Versuche
mit neuen Konstruktionen anstellen, wollen wir unsere wissenschaftliche Führung und Bedeutung behalten - dann darf die Weiterentwicklung
unserer Waffen nicht auf die Theorie oder auf die Laboratorien und
Höhlen beschränkt bleiben.
Diese Versuchsreihe soll uns zu vielen sehr wichtigen - wenn nicht
gar immer dramatischen - Resultaten führen. Wenn wir die Sprengkraft
der Kernwaffen pro Gewichtseinheit steigern können, dann wird es leichter sein, sie zu handhaben, sie zu schützen und sie abzuschießen. Es
wird damit eher möglich sein, einen überraschenden Angriff zu überleben, und sie werden für eine wirkungsvolle Vergeltung geeigneter
sein. Diese Versuche werden uns, was noch wichtiger ist, in die Lage
versetzen, unsere Raketen mit gewissen tedini3chen Hilfen zur Überwindung oder
Täuschung der Abwehr des Gegners auszustatten und sie wirkungsvoller
für Detonationen in größeren Höhen zu machen, um auf diese Weise ein
Abwehr- oder Abfangsystem, das der Gegner vielleicht eines Tages entwickelt, ausschalten zu können.
Soweit wie möglich sollen diese Versuche unterirdisch durchgeführt werden. Die größeren Sprengkörper können aber nur in der Atmosphär&lt;
erprobt werden. Und wenn unsere Technik auf dem Gebiet der kleineren
Waffen auch unübertroffen ist, so wissen wir doch jetzt, daß den Sowjets
größere Erfolge bei der Entwicklung starker Waffen von geringem Gewicht und hoher Brisanz - im Bereich von eins bis fünf Megatonnen und

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9. März 1 962

und darüber hinaus - gelungen sind. Aus ihrer Testserie vom vergangenen Herbst fallen 14 Versuche unter diese Kategorie und im
Verlauf der Jahre haben sie insgesamt 30 solcher Versuche durchgeführt. Die Vereinigten Staaten dagegen haben - vor dem Versuchsnoratorium - insgesamt nur 20 Versuche in diesem Megatonnenbereich vorgenommen.
Wenn wir auch weit weniger Versuche mit weit weniger radioaktivem Niederschlag durchführen werden als die Sowjets, so wird
es doch in anderen Ländern Stimmen geben, die uns drängen, überhaupt auf Versuche zu verzichten. Vielleicht vergessen diese Menschen, daß unser Land sich lange aller Versuche enthalten und sich
um ein Verbot aller Tests bemüht hat, während die Sowjets im geheimen neue Explosionen vorbereiteten. Vielleicht vergessen sie die
sowjetischen Drohungen vom Herbst vergangenen Jahres und die willkürliche sowjetische Zurückweisung aller Appelle und Vorschläge sowohl der Vereinigten Staaten als auch der Vereinten Nationen. Aber
jene freien Völker, die auf ihre Freiheit und Sicherheit W^ert legen
und in unserer relativen Stärke ihren Schutz vor der Gefahr sehen jene Völker, die wissen, daß wir uns vertrauensvoll und in gutem
Glauben um eine Beendigung der Versuche und des Wettrüstens bemühen,
werden, dessen bin ich sicher, wünschen, daß die Vereinigten Staaten
alles Erforderliche tun, um vor einer Aggression abzuschrecken.
Sollten sie glauben, daß wir angesichts von Drohungen oder
Einschüchterungen schwankend würden, sollten sie glauben, wir
könnten eine Wiederholung des Betrugs vom vergangenen Sommer zulassen, dann würden sie zweifellos ihren Glauben an unseren Willen
und unsere Klugheit sowie an unsere Waffentechnik verlieren. Ich
zweifle nicht, daß die meisten unserer Freunde in aller Welt meine
Hoffnungen geteilt haben, daß wir es niemals mehr nötig finden müßten,
wieder Versuche durchzuführen - daß sie auch meine Überzeugung teilten,
daß, auf lange Sicht gesehen, die einzigewirkliche Sicherheit in
diesem Zeitalter nuklearer Gefahren nicht in der Rüstung, sondern
in der Abrüstung liegt. Aber ich bin in gleicher Weise sicher, daß
sie auf Versuchen unsererseits bestehen würden, wenn sich diese für
den Schutz der Sicherheit der freien Welt als notwendig herausgestellt
haben. Sie wissen, daß wir uns nicht aus politischen oder psychologischen Gründen für Tests entscheiden - und sie wissen ebenfalls , daß
wir Versuchen nicht aus politischen oder psychologischen Gründen aus
dem Wege gehen können.
Die Führer der Sowjetunion blicken ebenfalls auf diese Entscheidung. Sollten wir den Erfordernissen unserer eigenen Sicherheit nicht
entsprechen, dann werden sie uns dies nicht als guten Willen, sondern
als Willensschwäche, nicht als Vertrauen in die westliche Überlegenheit, sondern als Ausdruck unserer Furcht vor der öffentlichen Meinung
der Welt ankreiden, derselben Weltmeinung, für die sie solche Verachtung gezeigt haben. Sie könnten durch solche Zeichen der Schwäche
sehr wohl ermutigt werden, sich um eine weitere Periode der Versuchseinstellung ohne Kontrollen zu bemühen - um eine weitere Gelegenheit,
unseren Fortschritt lahmzulegen, während sie im geheimen auf der

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der Grundlage der Versuche vom letzten Herbst neue Versuchsserien
vorbereiten, die das Gleichgewicht der Kräfte verändern könnten.
Warum sollten sie bei einem derartigen einseitigen Vorteil ihre
Strategie ändern oder auf Versuche verzichten, nur weil wir uns
ihrer enthalten? Warum sollten sie ihre Bemühungen, uns in der Kernwaffentechnik zu überholen, einzustellen wünschen? Und warum sollten
sie jemals die Annahme eines wirklichen Versuchsverbots oder einer
gemeinsamen Abrüstung in Betracht ziehen?
Unsere Gründe für die Durchführung von Versuchen und unsere friedlichen Absichten sind klar - sie sind so klar, daß selbst die Sowjets
objektiv unsere Wiederaufnahme der Versuche, nachdem sie zuvor selbst
die Versuche wiederaufgenommen haben, nicht als Provokation oder als
Kriegsvorbereitung betrachten können. Im Gegenteil hoffe ich, daß
die Aussichten für den Frieden durch diese Entscheidung sogar noch gestärkt werden, wenn die sowjetischen Machthaber erkennen, daß der Westen
nicht länger mehr stillhalten und in gutem Glauben verhandeln wird, während sie selbst jede Inspektion ablehnen und die Freiheit haben, neue
Versuche vorzubereiten. Angesichts der bevorstehenden neuen Abrüstungsgespräche bleibt es das Fazit von fast drei Jahren und 353 Konferenzsitzungen in Genf, daß die Sowjets einem wirksamen Kernwaffenversuchsverbot solange nicht zustimmen werden, wie neue Angebote und weitere
Verhandlungen oder ein erneutes unkontrolliertes Moratorium oder ein
neues Abkommen ohne irgendwelche Kontrollen es ihnen nochmals ermöglichen könnten, den Westen an Versuchen zu hindern, während sie solche
im geheimen vorbereiten.
Aber wenn ihnen jetzt diese Wahl nicht mehr länger offensteht, dann
sollten wir hoffen, daß sie in bezug auf ein Kernwaffenversuchsverbot
eine andere Haltung einnehmen werden - daß sie es vorziehen, das
nukleare Wettrüsten unter Kontrolle stait intensiviert zu.sehen, samt
all den hiermit verbundenen Gefahren: daß noch weitere Länder in den
Besitz von Atomwaffen gelangen, daß die internationalen Spannungen
ständig weiter steigen, daß die Aussichten auf eine Abrüstung immer mehr
abnehmen und daß im Zusammenhang hiermit die Sicherheit für uns alle
immer geringer wird.
Sollten die Sowjets ihren Standpunkt ändern, dann werden wir Gelegenheit haben, dies unverzüglich zu erfahren. Am 14» März beginnt
in Genf in der Schweiz eine neue 18-Mächte-Abrüstungskonferenz. Eine
Grundsatzerklärung ist mit den Sowjets ausgearbeitet und von den
Vereinten Nationen gutgeheißen worden. Auf lange Sicht gesehen sind es
die konstruktiven Möglichkeiten dieser Konferenz - und nicht die Erprobung neuer Zerstörungswaffen -, auf denen die Hoffnung der gesamten
Menschheit ruht. So gering diese Hoffnungen auch manchmal erscheinen
mögen, so dürfen wir sie doch niemals aufgeben. Und so fernliegend
die meisten Schritte zur Abrüstung auch erscheinen mögen, es gibt
einige, die sofort getan werden können.

Die

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9. März 1962

Die Vereinigten Staaten werden auf der Genfer Konferenz-, nicht in
der Erwartung, daß sie abgelehnt werden, und auch nicht aus Propagandagründen - eine Reihe konkreter Pläne für einen wichtigen "Durchbruch
zum Frieden" unterbreiten. Wir hoffen und glauben, daß sie allen Nationen, die den Krieg ablehnen, zusagen werden. Diese Pläne werden spezifische Vorschläge für faire und durchsetzbare Abkommen enthalteni für
die Beendigung der Produktion spaltbaren Materials und nuklearer
Waffen und ihrer Weitergabe an andere Länder; für die Verwendung der
Waffenvorräte für friedliche Zwecke; für die Zerstörung der Sprengköpfe und der Trägersysteme, die die Existenz der Menschheit bedrohen;
für die Kontrolle der Gefahren eines Überraschungsangriffes und eines
durch einen unglücklichen Zufall ausgelösten Angriffs; für die friedliche Nutzung des Weltraums und für die schrittweise Reduzierung aller
Streitkräfte in einer Weise, die schließlich zur endgültigen Beseitigung
aller Kriegsdrohungen und aller Kriegsgedanken führt.
Und was für unsere Erörterung heute abend von großter Bjedeutung
ist - wir werden gemeinsam mit Großbritannien erneut unsere Vorschläge
für einen separaten, umfassenden Vertrag vorlegen - mit angemessenen
Vorkehrungen für eine Entdeckung und Nachprüfung - um für immer und
überall di-e Erprobung sämtlicher Kernwaffen, sei es in der Luft, im
Weltraum, unter der Erde oder unter Wasser, zu beenden. Außerdem
werde.n weitere Modifizierungen angeboten werden, wenn neue Erfahrungen
vorliegen.
Die wesentlichen Argumente und Tatsachen bezüglich eines derartigen Vertrages sind der Sowjetunion wohlbekannt. Es bedarf keiner weiteren
Wiederholung, Propaganda oder Verzögerung. Die Tatsache, daß beide
Seiten sich zur Wiederaufnahme der Versuche entschlossen haben, unterstreicht nur die dringende Notwendigkeit eines neuen Abkommens, nicht
jedoch weiterer Argumente. Und ehe die Sowjets behaupten, daß diese
Entscheidung alle Hoffnung auf ein Abkommen zunichte macht, sollten
sie daran denken, daß wir gerade zu der Zeit, als sie ihre Versuche
im Herbst durchführten, bereit waren, mit ihnen zusammen eine vereinbarte Erklärung über Abrüstungsgrundsätze auszuarbeiten, die wir
gemeinsam den Vereinten Nationen vorlegen wollten. Herr Chruschtschow
weiß, daß - wie er im Jahr i960 erklärte - jede Nation, die das
Moratorium gebrochen hat, damit rechnen muß, daß andere Nationen
"gezwungen werden, den gleichen Weg einzuschlagen".
Unsere Delegierten werden bereit sein, noch vor Beginn der
Konferenz am 14« März über diesen Vertrag B U verhandeln, und sie
werden auch bereit sein, einen solchen schon lange vor dem Termin
zu unterzeichnen, an dem unsere Versuche wieder beginnen sollen.
Bis zu diesem Zeitpunkt sind es noch fast zwei Monate hin. Wenn die
Sowjetunion jetzt bereit wäre, einen solchen Vertrag zu akzeptieren,
ihn noch vor Ende April zu unterzeichnen und ihn umgehend in Kraft
zu setzen, wenn damit allen Versuchen wirklich ein Ende gesetzt
werden kann - dann würde das Tempo des nuklearen Wettrüstens endlich
verlangsamt werden - dann wäre die Sicherheit der Vereinigten Staaten
und ihre Fähigkeit, ihren Verpflichtungen nachzukommen, gewährleistet und dann wären wir auch nicht gezwungen, mit unseren Versuchen zu
beginnen.

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9. März 1962

Es muß sich jedoch um einen; volL-wirksamen Vertrag handeln. Wir
wissen inzwischen genug über abgebrochene Verhandlungen, geheime
Vorbereitungen und die aus einer langen Testreihe gewonnenen Vorteile,
um niemals wieder ein Moratorium ohne Inspektion anzubieten. Man mag
uns vielleicht von manchen Seiten drängen, es noch einmal zu versuchen
und unsere Versuchsvorbereitungen in einem Zustand ständiger Bereitschaft zu halten. In der Praxis jedoch - Vor allem in einer Gesellschaft,
in der die Entscheidungsfreiheit gilt - können wir von Wissenschaftlern ersten Ranges nicht verlangen, sich auf die Vorbereitung eines
Experimentes zu konzentrieren, das irgendwann einmal in unbestimmter
Zukunft stattfinden mag, oder auch nicht. Auch können große technische
Laboratorien nicht ständig in einer Art Alarm- und Einsatzbereitschaft
gehalten werden, darauf wartend, daß eine andere Nation ein Abkommen
bricht. Dies wäre nicht nur schwierig und mühsam - wir haben vielmehr
nach gründlicher Prüfung dieser Alternative feststellen müssen, daß
sie einfach undurchführbar ist.
Kurzum - wir werden mangels eines sicheren Abkommens, das bis
Ende April die Kernwaffenversuche beenden könnte, unsere Verhandlungen
fortsetzen - uns dabei um einen neuen Weg für ein Übereinkommen bemühen gleichzeitig aber auch unsere Versuche vorantreiben. Sollte andererseits
die Sowjetunion im März zu Beginn der Besprechungen einen derartigen
Vertrag akzeptieren, so würde dies einen gewaltigen Schritt in Richtung
auf den Frieden bedeuten - und Premierminister Macmillan wie auch ich
selbst würden es für richtig halten, mit Ministerpräsident Chruschtschow
in Genf zur Unterzeichnung des endgültigen Vertrags zusammenzutreffen.
Denn unser letztes Ziel ist nicht, Versuche um der Versuche willen
durchzuführen. Unser wahres Ziel ist vielmehr, unsere eigenen Versuche
unnötig zu machen, andere von Versuchen abzuhalten, zu verhindern, daß
das nukleare Wettrüsten der Kontrolle entgleitet - und die ersten
Schritte in Richtung auf eine allgemeine und völlige Abrüstung zu unternehmen. Und aus diesem Grunde sind es letztlich die Führer der Sowjetunion, die in den vor uns liegenden Wochen die schwere Verantwortung
der Wahl tragen müssen, ob wir diese Schritte weiterverfolgen - oder
ob wir an neue Versuche herangehen.
Wenn sie überzeugt sind, daß ihren Interessen durch den gegenwärtigen Gang der Ereignisse nicht länger gedient ist, dann - so hoffe ich
inständig - werden sie einem wirksamen Vertrag zustimmen. Wenn sie sich
jedoch weiterhin allen Mitteln einer wahren Inspektion widersetzen,
dann wird uns keine andere Wahl bleiben als unser Verteidigungsarsenal
so zu halten, daß es für die Sicherheit aller freien Menschen ausreicht.
Wir hoffen und beten, daß diese schrecklichen und unerfreulichen
Versuche niemals durchgeführt, daß diese todbringenden Waffen niemals
angewendet werden müssen - und daß unsere Vorbereitungen für den Krieg
uns die Erhaltung des Friedens bringen werden. Unser oberstes Ziel ist
die Kontrolle, nicht die Anwendung der Gewalt in einer Weltfin der die
Menschheit Sicherheit findet. Aber was immer die Zukunft bringt, ich bin
durch meinen Eid dazu verpflichtet, die Freiheit des amerikanischen Volkes zu wahren und zu verteidigen - und ich werde alles tun, was getan
werden muß, um diese feierliche Verpflichtung zu erfüllen.
* * * * «
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D I E N S T

Allg./9.3.1962
DIE AMERIKANISCH-SOWJETISCHE GRUNDSATZERKLÄRUNG
ZUR ABRÜSTUNG VOM 20. SEPTEMBER 1961

Am 20. September 1961 unterbreiteten di e USA und die UdSSR
der UN-Vollversammlung eine Gemeinsame Erklärung über die
grundsätzlichen Übereinstimmungen, die die bevollmächtigten
Vertreter beider Länder bei den Abrüstu ngsgesprächen erzielt
haben, die im Juni 1961 in Washington, im Juli 1961 in Moskau und im September 1961 in New York s tattfanden. Die Vereinten Nationen wurden unterrichtet, da ß diese Grundsätze
als Richtlinien für künftige Abrüstungs Verhandlungen dienen
sollen. Sie werden auf der am 14» März in Genf beginnenden
Abrüstungskonferenz von maßgebender Bed eutung für die Beurteilung der Ausgangspositionen der Ve rhandlungspartner
sein. Die Grundsatzerklärung vom 20. Se ptember 1961 hatte
folgenden Wortlaut:

Gemeinsame Erklärung über vereinbarte Grundsätze
für Abrüstungsverhandlungen

Nachdem auf Grund ihres in der UN-Vollversammlung am 30. März
1961 getroffenen Übereinkommens ein umfassender Austausch ihrer Ansichten über die Abrüstung stattgefunden hat, und
sie mit Besorgnis zur Kenntnis genommen haben, daß das anhaltende Y/ettrüsten eine schwere Bürde für die Menschheit darstellt und Gefahren für den Weltfrieden birgt, und
unter erneuter Bekräftigung ihres Festhaltens an sämtlichen
Bestimmungen der Resolution 1378 (XIV) der UN-Vollversammlung vom
20. November 1959 sowie
unter Anerkennung, daß es zur Erleichterung des Zustandekommens
einer allgemeinen und vollständigen Abrüstung in einer friedlichen

1

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9. März 1 962

Welt von Wichtigkeit ist, daß alle Staaten sich an die bestehenden
internationalen Abkommen halten, von allen Handlungen absehen,
die die internationalen Spannungen vermehren könnten und sich
durch friedliche Mittel um eine Lösung aller Streitfragen bemühen,
sind die Vereinigten Staaten und die UdSSR übereingekommen,
folgende Grundsätze als Basis für künftige multilaterale Abrüstungsverhandlungen zu empfehlen und die anderen Staaten aufzufordern,
mit ihnen bei der Erzielung eines baldigen Abkommens über eine
allgemeine und vollständige Abrüstung in einer friedlichen Welt
gemäß diesen Prinzipien zusammenzuarbeiten.
1 . Ziel der Verhandlungen ist die Erziehung eines Übereinkommens über ein Programm, durch das die Sicherheit geboten
wird, daß
a) die Abrüstung allgemein und vollständig und der Krieg
nicht länger mehr ein Instrument zur Lösung internationaler Probleme ist, und
b) mit einer solchen Abrüstung die Schaffung zuverlässiger
Verfahren einhergeht, um Streitfälle friedlich beizulegen und wirksame Vorkehrungen zu treffen, um in Übereinstimmung mit den Prinzipien der UN-Charta den Frieden
zu erhalten.
2. Das Programm für eine allgemeine und vollständige Abrüstung soll sicherstellen, daß die Staaten nur über solche
nichtnuklearen Waffen, Streitkräfte, Einrichtungen und Anlagen verfügen, die zur Aufrechterhaltung der Ordnung im Inneren und zum
Schutz der persönlichen Sicherheit ihrer Bürger übereinkunftsgemäß
notwendig sind; und daß die Staaten ein vereinbartes Kontingent für
eine UN-Friedenstruppe bereitstellen und unterhalten werden.
3. Zu diesem Behuf soll das Programm für eine allgemeine und
vollständige Abrüstung die notwendigen Bestimmungen hinsichtlich
der militärischen Einrichtungen jedes Staates enthalten für:

al

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2

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9. März 1962

a) die Auflösung der Streitkräfte, den Abbau militärischer
Anlagen, einschließlich von Stützpunkten, die Einstellung
der Rüstungsproduktion und ihre Vernichtung oder Umstellung für friedliche Zwecke;
b) die Vernichtung aller Kernwaffenarsenale sowie der Chemischen und bakteriologischen Kampfmittel sowie anderer Massenvernichtungswaffen und die Einstellung der Produktion
derartiger Waffen;
ö) die Vernichtung aller Einsatzmittel für Massenvernichtungswaffen;
d) die Auflösung der Organisationen und Institutionen, die
dem Aufbau der militärischen Stärke der Staaten dienen,
die Einstellung militärischer Ausbildung und die Schließung
aller militärischer Ausbildungseinrichtungen;
e) Einstellung der Ausgaben für militärische Zwecke.

4« Das Abrüstungsprogramm sollte in einer vereinbarten Folge
durchgeführt werden - stufenweise bis zu seiner Vollendung, wobei
für jede Maßnahme und jede Stufe bestimmte Termine einzuhalten
sind. Der Übergang zu der nächstfolgenden Stufe bei dem Abrüstungsvorgang sollte erst nach Überprüfung der Durchführung jener Maßnahmen erfolgen, die zu der vorhergehenden Stufe gehörten und nach
der Entscheidung, daß alle diese Maßnahmen durchgeführt und verifiziert worden sind und daß jegliche weiteren Verifizierungsvorkehrungen, die für die in der nächsten Stufe vorgesehenen Maßnahmen notwendig werden, wenn erforderlich, einsatzbereit sind.
5- Alle Maßnahmen zu einer allgemeinen und vollständigen Abrüstung sollen so ausgewogen sein, daß auf keiner Stufe bei der
Durchführung des Vertrages irgendein Staat oder eine Staatengruppe
einen militärischen Vorteil erlangen können und daß für alle die
Sicherheit in gleicher Weise gewährleistet wird.

-

3 -

,

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9. März 1 962

6. Alle Abrüstungsmaßnahmen sollten von Anfang an bis zum Abschluß unter einer so strikten und wirksamen internationalen Kontrolle durchgeführt werden, daß die feste Gewähr gegeben ist, daß
alle Parteien ihren Verpflichtungen nachkommen. Während und nach
der Durchführung der allgemeinen Abrüstung sollte eine äußerst gründliche Kontrolle ausgeübt werden, wobei Art und Ausmaß dieser Kontrolle
von den Erfordernissen für die Verifizierung der in dem jeweiligen
Stadium zur Durchführung gelangenden Abrüstungsmaßnahmen abhängt.
Zur Durchführung der Kontrolle über die Abrüstung und zu ihrer Inspektion sollte im Rahmen der Vereinten Nationen eine internationale
Abrüstungsorganisation gebildet werden, der alle Partner des Abkommens angehören sollen. Dieser internationalen Abrüstungsorganisation
und ihren Inspektoren sollte ungehinderter Zugang ohne Veto zu allen
Plätzen zugesichert werden, wie es zum Zweck einer wirksamen Verifizierung als notwendig erachtet wird.
7. Neben dem Fortschritt in der Abrüstung sollten Maßnahmen zur
Stärkung von Institutionen zur Aufrechterhaltung des Friedens und
der Regelung internationaler Streitfragen mit friedlichen Mitteln
einhergehen. Während und nach der Verwirklichung des Programms der
allgemeinen und vollständigen Abrüstung sollten in Übereinstimmung
mit den Grundsätzen der Charta der Vereinten Nationen die notwendigen
Schritte unternommen werden, um den Weltfrieden und die internationale
Sicherheit aufrechtzuerhalten, wozu die Verpflichtung der Staaten
gehört, den Vereinten Nationen eine vereinbarte Zahl von Soldaten zur
Verfügung zu stellen, die für die Aufstellung einer internationalen,
mit vereinbarten Typen von Waffen ausgerüsteten Friedensstreitmacht
erforderlich sind. Die Vereinbarungen über den Einsatz dieser Truppen
sollten sicherstellen, daß die Vereinten Nationen jede Androhung oder
Ausübung von Waffengewalt in Verletzung der Zielsetzungen und Prinzipien der Vereinten Nationen wirksam verhüten oder unterbinden können.
8^

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9. März 1 962

8. Die an den Verhandlungen beteiligten Staaten sollten versuchen, zu dem frühestmöglichen Zeitpunkt das größtmögliche Übereinkommen zu erreichen und zu verwirklichen. Die Bemühungen sollten
so lange ohne Unterbrechung weitergeführt werden, bis ein Abkommen
über das Gesamtprogramm erreicht ist, und es sollten ohne Rücksicht
auf den Fortschritt im Übereinkommen über das Gesamtprogramm Bemühungen zur Sicherstellung einer baldigen Vereinbarung über und einer
Verwirklichung von Abrüstungsmaßnahmen unternommen werden, und zwar
in solcher Weise, daß diese Maßnahmen das Gesamtprogramm erleichtern
und Bestandteil desselben werden würden."

*

*

*

In Absatz 6 der Grundsatzerklärung wurde auf Grund sowjetischer
Einwände eine Klausel gestrichen; jedoch betonten die USA, daß sie
folgenden Satz bei Abrüstungsverhandlungen oder -abkommen als unerläßlich ansehen:
"Eine solche Verifizierung sollte sicherstellen, daß nicht nur
die vereinbarten Begrenzungen oder Reduzierungen vorgenommen worden
sind, sondern auch die beibehaltenen Streitkräfte und Rüstungen in
keinem Stadium den vereinbarten Stand überschreiten."

* * * * *

5

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�A M E R I K A

D I E N S T

Allg./23.3.1962

ERKLÄRUNG RUSKS ZU BEGINN DER GENFER ABRÜSTUNGSKONFERENZ

GENF - (AD) - Nachsteh end übermitteln wir
Ihnen den Wortlaut der Erklärung des amerikanischen Außenministers Dean Rusk vom 15«
März 1962 zu Beginn der Genfer 17-MächteAhrüstungskonferenz.

"Ich freue mich, Gelegenheit zu haben, hier in diesem Saal
en Außenministern und den Chefdelegierten der an der Konmit den
ferenz teilnehmenden Länder zusammenzutreffen.
Ich überbringe Ihnen die Grüße des amerikanischen Präsidenten und die aufrichtigsten Wünsche des amerikanischen Volkes für
einen Erfolg unserer Arbeit.
Zu Beginn meiner Ausführungen möchte ich ein Schreiben verlesen, das der Präsident an mich gesandt hat.
'Sehr geehrter Herr Außenminister,
in dem Augenblick, da Sie und Ihre Kollegen aus allen Teilen
der Welt mit der Arbeit der Genfer Abrüstungskonferenz beginnen, mag
es unnötig erscheinen, noch einmal zu erklären, daß es bei dem Vorhaben, an dem Sie beteiligt sind, um die Hoffnungen, ja die Zukunft
der Menschheit geht. Und doch ist die Tatsache, daß die unmittelbare und praktische Bedeutung der Aufgabe, die Sie zusammengeführt
hat, von den Völkern der Welt in ihrer ganzen Tragweite erkannt
wird, eine der entscheidendsten Entwicklungen unserer Zeit. Denn
die Menschheit weiß jetzt, daß eine Anhäufung zerstörerischer Waffen
nicht zur Sicherheit führt; sie weiß, daß Polemik nicht den Frieden bringt. Verstandes- und gefühlsmäßig und auf Grund ihres ganzen geistigen Strebens verlangt die Menschheit nicht weniger als
eine Umkehr des Laufes der jüngsten Geschichte - sie verlangt,
daß an die Stelle immer größerer Vorräte an Vernichtungswaffen die
immer größer werdenden Möglichkeiten für menschliche Errungenschaften und Leistungen treten. Es ist Ihre Aufgabe als Vertreter der
Vereinigten Staaten, gemeinsam mit Ihren Kollegen außerordentliche
-

1

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�"ALIERIKA DIENST"

23. März

1 962

außerordentliche Anstrengungen in Richtung auf dieses Ziel hin zu
unternehmen.
Diese Aufgabe, die als oberster Punkt auf der Tagesordnung
der Menschlichkeit steht, ist weder schnell noch einfach zu bewältigen. An sie muß mit Kühnheit und mit Verantwortung herangegangen
werden. Es ist eine Aufgabe, deren Größe und Dringlichkeit es
rechtfertigen, daß die größten Möglichkeiten schöpferischer Staatskunst, die die internationale Gemeinschaft zu bieten hat, zum Tragen gebracht werden, denn es geht hierbei um die Zukunft der Menschheit schlechthin.
Wir müssen uns von Anfang an dazu verpflichten, daß wir in unseren Anstrengungen nicht nachlassen und sie so lange fortsetzen
werden, bis die Arbeit getan ist. Wir dürfen uns weder durch anfängliche Meinungsverschiedenheiten entmutigen noch durch die Spannungen, die uns umgeben und unsere Arbeit noch schwieriger machen,
in unserer Entschlossenheit schwächen lassen. Denn kontrollierbare
Abrüstungsvorkehrungen sind keine Schönwetterphänomene. Ein Deich
wird nicht benötigt, wenn die See ruhig ist. Vernünftige Abrüstungsvereinbarungen, die sich auf das gemeinsame Interesse der Menschheit
am Fortbestehen gründen, müssen als ein Bollwerk gegen die Flutwelle
des Krieges und seiner Zerstörungskraft dienen. Es soll daher keiner
sagen, daß wir in gefährdeten Zeiten derartige Abkommen nicht erreichen könnten, denn gerade dann sind sie ja am nötigsten.
Es ist mein aufrichtigster Wunsch, daß kein Versuch unterlassen
wird, um auf allen drei wichtigen Ebenen, auf die Premierminister
Macinillan und ich uns in unserem gemeinsamen Schreiben an Ministerpräsident Chruschtschow vom f. Februar bezogen haben, Gebiete der
Übereinstimmung zu erreichen. Ich hoffe, daß Sie, ausgehend von den
bereits vereinbarten Prinzipien, in Kürze zur Übereinkunft über
einen Rahmen berichten können, der den Umriß eines Gesamtprogrammes
für eine allgemeine und völlige Abrüstung in einer friedlichen Welt
festlegt. Ich habe im Hamen der USA im vergangenen September der UNVollversammlung einen derartigen Rahmen vorgelegt. Aber der Rahmen
allein genügt nicht. Sie sollten sich, sobald sich Gebiete der Übereinstimmung ergeben, außerdem um eine in vertraglicher Form festgelegte Definition der in dem Rahmen dargelegten Maßnahmen bemühen. Das
Ziel sollte es sein, in Vertragsform das weitestmögliche Gebiet an
Übereinstimmung festzulegen, das zum frühestmöglichen Zeitpunkt verwirklicht werden kann, während Sie gleichzeitig alle nur möglichen
Anstrengungen fortsetzen, um ein Übereinkommen über jene anderen
Aspekte zu erreichen, die größere Schwierigkeiten bieten. Als ein •
drittes spezifisches Ziel sollten Sie versuchen, anfängliche Abrüstungsmaßnahmen zu isolieren und zu identifizieren, die - wenn sie
ohne Verzögerung in Kraft gesetzt werden - die internationale Sicherheit und die Aussichten für weitere Abrüstungsschritte wesentlich
verbessern. In diesem Zusammenhang sollten Sie sich vordringlichst
um ein Abkommen über die kontrollierte Einstellung der Kernwaffenversuche bemühen. An diesem Kreuzweg der Geschichte könnte Iceine

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�"AMERIKA DIENST

23. März 1962

keine einzelne Maßnahme auf dem Gebiete der Abrüstung von konkreterem Nutzen bei der Verminderung der Spannungen und der Förderung
der Aussichten für größere Fortschritte sein.
Übermitteln Sie bitte den Vertretern der in Genf versammelten
Länder in meinem Namen und im Namen der Bevölkerung der Vereinigten
Staaten, daß wir die Beratungen, die Sie aufzunehmen im Begriffe
sind, zutiefst und rückhaltlos unterstützen. Ich bekräftige erneut
mein persönliches und anhaltendes Interesse an dieser Arbeit.
Mit den herzlichsten persönlichen Grüßen

gez.

John F. Kennedy'

Wir alle stimmen - dessen bin ich sicher - darin überein, daß
diese Konferenz sich einer der kompliziertesten, aber auch dringendsten Aufgaben gegenübersieht, mit der sich die Menschheit auseinandersetzen muß. Bei dieser Aufgabe begrüßen wir es, daß sich uns die
Delegierten solcher Länder angeschlossen haben, die sich vorher nicht
so stark mit den Abrüstungsverhandlungen befaßt haben. Die betrübliche Geschichte jener Verhandlungen zeigt, daß wir ihre Hilfe und
neue Gesichtspunkte brauchen. Die Anwesenheit dieser Delegationen
erinnert uns außerdem daran, daß das Wettrüsten nicht ausschließlich
die Großmächte angeht. In allen Gebieten der »Veit müssen sich Länder
mit ihren besonderen Konflikten und Spannungen auseinandersetzen,
und einige von ihnen sind auch von dem Wettrüsten betroffen.
Wir sind hier nicht versammelt, um uns lediglich mit einer einzelnen Auseinandersetzung zu befassen, an der einige wenige große
Staaten beteiligt sind, während die übrige Welt die Rolle des Zuschauers einnimmt. Jeder Staat hat einen Beitrag zur Schaffung von
Bedingungen für eine allgemeine Abrüstung auf seine Weise zu leisten.
Jeder Staat hat die Verantwortung, sich um eine Verminderung der
Spannungen und der Rüstungen in seinem Bereich zu bemühen.
Das bedeutet, daß jeder von uns persönliche Verantwortung für
das, was wir hier tun, tragen wird. Jede Rede und jede Handlung muß
uns dem gemeinsamen Ziel näher bringen. Gleichzeitig aber bringt
jeder von uns seinen besonderen Schatz an Erfahrungen, die für
unser Problem von Belang sind, für die Abrüstungsbemühungen mit.
So haben die Vereinigten Staaten zum Beispiel eine wichtige neue
Regierungsbehörde geschaffen, deren Aufgabe darin besteht, alle
ihre Fähigkeiten und ihre Hilfsquellen zu mobilisieren, um jeden
brauchbaren Weg zu einer Verminderung der Rüstung herauszufinden und
zu prüfen.
Was

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"AMERIKA DIENST"

Was not tut, ist die sofortige Reduzierung und schließliche
Eliminierung aller zur Kriegführung erforderlichen nationalen
Rüstungen und Streitkräfte. Am dringendsten ist es erforderlich,
das atomare Wettrüsten zum Stillstand zu bringen. Wir alle erkennen,
daß dies ein kritischer Augenblick ist. Wir sind hier zusammengekommen, weil wir gemeinsam davon überzeugt sind, daß das Wettrüsten
gefährlich ist und daß jedes Mittel staatsmännischer Kunst benutzt
werden muß, um es zu beenden. Wie der amerikanische Präsident am 2.
März erklärte, sind die Vereinigten Staaten davon überzeugt, 'daß auf
lange Sicht die einzige wirkliche Sicherheit in diesem Zeitalter
der atomaren Gefahr nicht in der Rüstung, sondern in der Abrüstung
liegt'.
Die modernen Waffen sind von einer in der Geschichte ganz neuen
Art. Eine einzige thermonukleare Bombe kann heute eine Explosivkraft haben, die der sämtlicher im letzten Krieg verwendeten Waffen
gleichkommt. Gelangten diese Bomben im letzten Krieg mit einer Geschwindigkeit von etwa fünfhundert Kilometern in der Stunde zum
Einsatz, so fliegen sie heute mit einer Geschwindigkeit von fast
fünfhundert Kilometern in der Minute. Durch die immer komplizierter
gewordenen Konstruktionen und das immer schnellere Veralten dieser
Waffen sind ihre Kosten kometenhaft angestiegen.
Unser Ziel ist daher durchaus klar. Wir müssen die Werkzeuge
der Zerstörung beseitigen. Wir müssen verhindern, daß durch Zufall
oder durch Absicht ein Krieg ausbricht. Wir müssen die Bedingungen
für eine sichere und friedliche Welt schaffen. Wenn wir dies tun,
können wir die Macht und Energie der Wissenschaft ausschließlich
friedlichen Zwecken zuführen, die Bürde des Wettrüstens abwerfen und
damit unsere Fähigkeit zur Erhöhung des Lebensstandards auf der
ganzen Welt steigern.
Eine Expertengruppe bei den Vereinten Nationen hat soeben einen
eindrucksvollen Bericht über die wirtschaftlichen und sozialen Konsequenzen der Abrüstung herausgegeben, der uns in unserer Arbeit
noch bestärken sollte. Diese Fachmänner, die aus Ländern mit den unterschiedlichsten politischen Systemen zusammengerufen worden sind,
äußerten einstimmig die Meinung, daß die mit der Abrüstung verbundenen Probleme der Umstellung zum Wohl und Segen aller Länder gelöst
werden könnten und daß die Abrüstung zu einer Verbesserung der wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse auf der Welt führen würde.Sie
bezeichneten das Zustandekommen einer allgemeinen und vollständigen
Abrüstung als einen beispiellosen Segen für die gesamte Menschheit.
Das ist der Geist, in dem wir in den Vereinigten Staaten an die
wirtschaftlichen Umstellungen und Anpassungen herangehen würden, die
notwendig wären, sollten uns umfassende und einschneidende Senkungen
des Rüstungsniveaus gelingen. Die Vereinigten Staaten sind ein Land,
in dem es noch gewaltige unerledigte Aufgaben zu lösen gibt. Eine Ab
rüstung würde uns die Möglichkeit geben, unsere Aufgabe des Aufbaus
eines besseren Amerika weiterzuführen und durch eine intensivierte

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23. März 1 962

intensivierte wirtschaftliche Entwicklung die Gestaltung einer
besseren Welt voranzubringen. Die große Verheißung, die in den
Fähigkeiten und Begabungen des Menschen liegt, sollte nicht
.durch
seine Unfähigkeit zunichte gemacht werden, mit Krieg und Kriegswerkzeugen fertig zu werden. Der Mensch ist ein Wesen mit schöpferischer Begabung, und wir können gewiß nun endlich mit unseren Händen
und unserem Geist an die Aufgabe einer politischen Gestaltung herangehen, die notwendig ist, um das Gesetz des Dschungels aus der Welt
zu schaffen.
Wie können wir zu einer solchen Abrüstung gelangen?
Das amerikanische Volk trägt seine Waffen gezwungenermaßen und
nicht aus freier Wahl. Die Vereinigten Staaten,- die aus dem zweiten
Weltkrieg in einer einzigartigen militärischen Machtposition hervorgingen, demobilisierten ihre Streitkräfte und haben sich beharrlich
bemüht, die Verwendung der Atomenergie - damals noch ein amerikanisches
Monopol - einer internationalen Kontrolle zu unterstellen. Die Tatsache, daß die Geschehnisse der. Nachkriegszeit uns immer größere Verteidigungsanstrengungen aufzwangen, ist eine sehr bittere Enttäuschung.
Diese Enttäuschung hat uns gelehrt, daß Hand in Hand mit einem wirklichen Fortschritt in der Abrüstung eine Verminderung der Spannungen
gehen muß. Wir müssen, wie ich glaube, an beiden gleichzeitig arbeiten.
Einerseits wäre es unsinnig, zu erwarten,.daß wir auf dem Weg
zur Abrüstung weit voranschreiten können, wenn jene, die behaupten,
auch nach ihr zu streben, sich nicht um eine Entspannung und um die
Herstellung eines Verhältnisses des Vertrauens bemühen. Vertrauen kann
nicht auf der Basis von Drohungen, Polemiken und gestörten Beziehungen
geschaffen werden.
Andererseits könnten wir dadurch, daß wir die Mittel zur militärischen Einschüchterung abbauen und schließlich ganz eliminieren,
vielleicht auch die akute Gefahr, die unseren politischen Krisen
innewohnt, ein wenig mildern und die Möglichkeiten ihrer Lösung auf
friedlichem Wege vergrößern.
Es wäre sehr wenig aufrichtig, würde ich nicht auf die schädlichen Auswirkungen hinweisen, die absichtlich geschürte Krisen auf
unsere Arbeit hier haben können. In der Gemeinsamen Erklärung über
vereinbarte Grundsätze für Abrüstungsverhandlungen, die am 20. September 1961 veröffentlicht wurde, bekräftigten die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion, daß es 'zur leichteren Erzielung einer
allgemeinen und vollständigen Abrüstung in einer friedlichen Welt
wichtig ist, daß alle Staaten sich an die bestehenden internationalen
Abmachungen halten, daß sie keine Maßnahmen ergreifen, durch die
internationale Spannungen verschärft werden könnten, und daß sie sich
um die Lösung aller Streitfragen mit friedlichen Mitteln bemühen1.
Wir sehen uns jedoch Krisen gegenüber, die ihre Schatten zwangsläufig
auch in diesen Konferenzsaal werfen müssen.
Das.

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�"AMERIKA DIENST"

23. März 1962

Das gleiche kann von dem Mißerfolg unserer so hoffnungsvoll
begonnenen Bemühungen zum Abschluß eines wirksamen Abkommens über
die Beendigung der Kernwaffenversuche gesagt werden. Es läßt sich
aus diesen Überlegungen eine ganz offenkundige Lehre ziehen - daß
nämlich eine allgemeine und vollständige Abrüstung mit der Schaffung
von zuverlässigen Methoden und Verfahren zur friedlichen Lösung von
Streitfällen und wirksamen Vorkehrungen zur Erhaltung des Friedens
in Übereinstimmung mit den Prinzipien der UN-Charta einhergehen muß.
Denn die Herrschaft und der Geist des Rechts müssen bestimmend sein,
wenn die Welt abgerüstet werden soll.
Wir werden in dem Maße, verstärkten Nachdruck auf diesen Punkt
zu legen haben, wie wir auf dieser Konferenz Fortschritte erzielen.
Eine Welt ohne Rüstung muß eine dem Recht und Gesetz ergebene Welt
sein, in der eine Friedenstruppe der Vereinten Nationen imstande ist,
mit internationalen Verletzungen des Friedens fertig zu werden. Mit
den Worten der Geraeinsamen Erklärung: 'Fortschritte in der Abrüstung
müssen mit Maßnahmen zur Stärkung der Institutionen für die Erhaltung
des Friedens und mit der Beilegung internationaler Zwiste durch friedliche Mittel Hand in Hand gehen'.
Glücklicherweise gibt es ein Zeichen, das uns zu der Hoffnung
berechtigt, diese Konferenz werde noch zur rechten Zeit das Fundament
für eine Welt ohne Krieg legen.
Zum ersten Mal beginnt eine Abrüstungskonferenz ihre Tätigkeit
in einem gemeinsam vereinbarten Rahmen - der Gemeinsamen Erklärung
über die vereinbarten Grundsätze - die von all unseren Regierungen
zusammen mit den anderen Mitgliedern der Vereinten Nationen begrüßt
worden ist. Die Vereinigten Staaten betrachten diese Gemeinsame Erklärung als ihren Ausgangspunkt. Unser Ziel ist es, auf dieser Basis
aufzubauen und diese Grundsätze in der Praxis anzuwenden.
Das Programm der Vereinigten Staaten für eine allgemeine und vollständige Abrüstung in einer friedlichen Welt, das am 25. September
1961 den Vereinten Nationen vorgelegt worden ist, sollte den vereinbarten Prinzipien Leben verleihen. Es ist seiner Anlage nach und in
der Aufzählung der Punkte, die während des ersten und der folgenden
Stadien des Abrüstungsprozesses verwirklicht werden können, umfassend.
Es ist so gestaltet, daß eine Gefährdung der Sicherheit eines jeden
Staates vermieden werden kann. Es zielt auf eine ausgewogene und verifizierte Abrüstung in aufeinanderfolgenden Stadien ab. Es ist jedoch
nicht starr. Es ist dazu bestimmt, als Verhandlungsgrundlage zu dienen.
Lieser Konferenz liegt noch ein anderer, von der Sowjetunion unterbreiteter Plan vor. Ein Vergleich dieser beiden Pläne miteinander
wird einige Gebiete der Übereinstimmung aufzeigen. Wir halten es für
die Aufgabe dieser Konferenz, sich darum zu bemühen, diese Gebiete
der Übereinstimmung zu vergrößern und damit zu spezifischen Maßnahmen
zu gelangen, die von allen mit Vertrauen ergriffen werden können.
Die

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23. März 1962

Die Vereinigten Staaten möchten auf dieser Konferenz einige
Anregungen und Vorschläge bezüglich des künftigen Kurses unseres
Handelns unterbreiten - einmal, was die Zielsetzung und das Verfahren anbetrifft, und zum andern, was das Arbeitsprogramm der Konferenz angeht.
Wir sind der Überzeugung, daß das Endziel die detaillierte Ausarbeitung eines Vertrages oder von Verträgen sein sollte, mit denen
ein vereinbartes Programm für eine allgemeine und vollständige Abrüstung in einer friedlichen Welt verwirklicht wird. Um dies zu
erreichen, schlagen wir vor, daß alle Delegationen übereinkommen,
unsere Anstrengungen auf dieser Konferenz so lange ohne Unterbrechungen - außer denen, die wir alle übereinstimmend als wünschenswert
oder für unsere Aufgabe als notwendig ansehen - fortzusetzen, bis
ein Gesamtprogramm für eine allgemeine und vollständige Abrüstung
zustande gebracht worden ist.
Was die Verfahren anbetrifft, so schlagen wir vor, daß wir
Mittel und Wege suchen sollten, um ein Höchstmaß an Zwanglosigkeit
und Flexibilität zu erreichen. Wir sind nicht der Ansicht, daß der
beste Weg zum Fortschritt darin besteht, daß wir unsere Zeit und
unsere Energie für endlose und sterile Debatten aufwenden. Daher
werden die Vereinigten Staaten vorschlagen, daß wir, nachdem allen
genügend Zeit für die Eröffnungserklärungen gegeben worden ist, den
Arbeitsplan der Vollsitzungen der Konferenz reduzieren, so daß die
Fragen und Probleme auf informellen Zusammenkünften und in Unterausschüssen erörtert werden können, was wahrscheinlich eher zu einem
Übereinkommen führen wird.
Lassen Sie mich nun zu den Vorschlägen für die Arbeit der Konferenz kommen.
Der erste Vorschlag geht dahin, daß die Konferenz ein Programm
einer allgemeinen und vollständigen Abrüstung in seinen Umrissen ausarbeitet und billigt, das in den der Abrüstungskommission der Vereinten Nationen bis zum 1. Juni vorzulegenden Bericht aufgenommen werden
kann. Die Vereinigten Staaten sind der Ansicht, daß die Konferenz
zur Erfüllung dieser ersten Aufgabe anfänglich vor allem bestrebt
sein sollte, die Gebiete der Übereinstimmung zu konsolidieren und
zu erweitern und die Differenzen, die zwischen dem Abrüstungsplan
der Vereinigten Staaten und dem der Sowjetunion bestehen, auszugleichen. Dies sollte zur Ausarbeitung eines einzigen Programms für
eine allgemeine und vollständige Abrüstung führen, das die Unterstützung aller finden kann. Dieses vereinbarte Programm könnte sehr
wohl die Form einer gemeinsamen Erklärung haben, die von allen hier
vertretenen Staaten den Vereinten Nationen vorgelegt werden könnte.
Ein solches Programm wiederum könnte den Rahmen für einen Vertrag
oder für Verträge abgeben, die das vereinbarte Gesamtprogramm in Kraft
setzen würden.
Selbstverständli

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�2 3 . März 1962

'AMERIKA DIENST

Selbstverständlich aber müssen unsere Ziele noch ehrgeizigere
sein.
Wir sollten unverzüglich beginnen, das in seinen Umrissen
entworfene Gesamtprogramm zu konkretisieren. V/o immer es möglich
ist, sollten wir uns um spezifische, bindende Absprachen bemühen,
die unverzüglich in Kraft gesetzt werden können. Man braucht damit
nicht bis zu einer Einigung über den Rahmen als Ganzes zu warten.
Auch sollte die Entwicklung eines Gesamtprogramms dadurch nicht behindert werden. Wo immer das gemeinsame Interesse es gestattet, können
und sollten wir festumrissene spezifische Maßnahmen so rasch wie möglich zu verwirklichen suchen.
Als einen ersten Schritt zur detaillierten Vervollständigung ,
dieses Programms unterbreiten die Vereinigten Staaten folgende
Vorschläge:
1. Wir schlagen vor, daß in die erste Phase des Abrüstungsprogramms eine dreißigprozentige Reduzierung der Kernwaffenträger und
der wichtigsten konventionellen Waffen aufgenommen wird. Wir schlagen
vor, daß die strategischen Kernwaffenträger nicht nur in der Zahl,
sondern auch hinsichtlich ihrer Zerstörungskraft reduziert werden.
Wir schätzen, daß diese Reduzierung bei einer Zusammenarbeit auf
Treu und Glauben innerhalb von drei Jahren erreicht werden kann.
In jeder der späteren Phasen können nach unserer Auffassung ähnliche
Reduzierungen vorgenommen werden. Es wird jedoch anerkannt, daß nach
den V/orten der gebilligten Grundsatzerklärung 'alle Maßnahmen der
allgemeinen und vollständigen Abrüstung so ausgewogen sein sollen, daß
in keiner Phase der Verwirklichung des Vertrages ein Staat oder eine
Staatengruppe militärische Vorteile erlangen kann und daß die Sicherheit für alle in gleicher Weise gewährleistet ist'.
Aber ein Abkommen über eine solche Reduzierung und die Durchführungsmaßnahmen wäre ein bedeutsamer Fortschritt. Er würde die
Drehung der Rüstungsschraube umkehren, eine Abnahme an die Stelle
der Zunahme setzen, und die Menschen könnten anfangen, die Freiheit
von Furcht vor der Massenvernichtungskraft solcher Waffen zu gewinnen.
2. Die Vereinigten Staaten haben vorgeschlagen, schon zu Beginn
der ersten Stufe die weitere Produktion irgendeines spaltbaren Materials
für Waffenzwecke zu stoppen. Wir schlagen nunmehr vor, daß danach die
Vereinigten Staaten und die Sowjetunion während der ersten Stufe dem
Transfer von jeweils 50 000 Kilogramm Uran-235 in seiner für Waffenzwecke
angereicherten Form für nichtmilitärische Aufgaben zustimmen. Eine
derartige Maßnahme würde sozusagen einen Stoß in das Herz der Kernwaffenproduktion bedeuten. Diesem Transfer zu Beginn sollten weitere
in den darauffolgenden Stadien des Abrüstungsprogrammes folgen. Die
jetzt ausschließlich für militärische Zwecke verwendeten Quellen
könnten dann friedlichen Zwecken nutzbar gemacht werden.
5 . Die

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�•AMERIKA DIENST"

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3. Die Vereinigten Staaten schlagen ferner vor, daß das
Abrüstungsprogramm eine baldige Aktion in biezug auf spezifische,
weltweite Maßnahmen einschließt, durch die das Risiko eines Krieges durch Zufälle, Fehldeutungen, Versagen von Nachrichtenmitteln
oder Überraschungsangriffe vermindert wird. Diese Maßnahmen lassen
sich rasch ausarbeiten. Durch sie wird das Vertrauen unbedingt
gestärkt werden. Sie werden damit die Wahrscheinlichkeit eines Krieges verringern.
Wir sind vorbereitet, konkrete Vorschläge für ein Handeln
auf folgenden Gebieten vorzulegen:
a.

Vorherige Ankündigung militärischer Bewegungen, wie z.B.
große Truppenverschiebungen, Übungen und Manöver, Flüge
sowie Raketenabschüsse.

b.

Errichtung von Beobachtungsposten in wichtigen Häfen, an
Eisenbahnknotenpunkten, Autostraßen, auf Brücken und Flugplätzen, die über Truppenkonzentrationen und -bewegungen
berichten .

c.

Einrichtung von Luftinspektionszonen und Einsatz beweglicher
Inspektionsgruppen, um den Schutz vor Überraschungsangriffen
zu verbessern.

d.

Bildung einer internationalen Kommission für Maßnahmen
zur Reduzierung des Risikos eines Krieges, deren Aufgabe
es sein soll, die auftretenden technischen Probleme objektiv zu prüfen.

4. Die Vereinigten Staaten schlagen vor, daß die Teilnehmer an
dieser Konferenz mit aller Dringlichkeit nach allgemein akzeptablenMethoden suchen, die die Erfüllung der Abrüstungsverpflichtungen gewährleisten. Wir werden jeden Weg mit Wohlwollen prüfen, der zum Fortschritt zu führen verspricht, ohne daß die Sicherheit geopfert wird.
Wir dürfen uns von dieser Bemühung nicht durch den allzusehr
strapazierten Versuch abbringen lassen, Verifizierung mit Spionage
gleichzusetzen. Ein solcher verfehlter Versuch geht an dem entscheidenden Punkt bei den Verifizierungsmaßnahmen vorbei. Man wird von
keiner Regierung - weder der eines großen noch der eines kleinen
Landes - erwarten können, daß sie sich auf Abrüstungsabmachungen einläßt, unter denen ihr Land das Opfer der Unredlichkeit anderer werden
könnte.
Auf anderen Gebieten werden Prüf- und Überwachungssysteme üblicherweise so eingebaut, daß die Vertrauensfrage nicht gestellt zu
werden braucht. Vertrauen erwächst aus dem Wissen - Mißtrauen und
Furcht haben ihre Wurzeln im Nichtwissen. Dies ist seit Beginn der
Geschichte immer so gewesen.
joaaaY,

�23. März 1962

AMERIKA DIENST

Lassen Sie mich noch diesen einen Punkt klarstellen: Die
Vereinigten Staaten fordern die Inspektion nicht um der Inspektion
willen. Inspektion dient keinem anderen Zweck als der Gewährleistung,
daß die Verpflichtungen eingehalten werden . Die Vereinigten Staaten
werden alles, was notwendig ist, tun, um den anderen die Sicherheit
zu geben, daß sie ihren Verpflichtungen nachgekommen sind; es würde
uns jedoch schwerfallen, zu verstehen, warum andere nicht das gleiche
tun können. Wir werden uns mit jeder vernünftigen Vorkehrung zufriedengehen, die den Risiken angemessene Sicherheiten bietet. Wir fordern keine Inspektion in einem Ausmaß, das zu der Art und dem Umfang
der tatsächlich in Angriff genommenen Abrüstung in keinem Verhältnis
steht. Was wir anstreben, ist eine kluge Vorsicht im Interesse der
Sicherheit von uns allen - und nichts weiter.
f

Wir sind bereit, gemeinsam die verschiedenen Mittel und Wege
zu prüfen, mit denen dies erreicht werden könnte. Es wäre vielleicht
möglich, in bestimmten Fällen Stichprobenverfahren anzuwenden, bei
denen die Verifizierung auf eine im voraus festgelegte Weise, vielleicht
in bestimmten geographischen Gebieten, durchgeführt werden könnte so daß jede Verletzung eines Abrüstungsabkommens mit dem hemmenden
Risiko einer Entdeckung verbunden und eine ständige Überwachung des
Gesamtbereichs nicht notwendig wäre. Dies ist, ich wiederhole es,
ein Beispiel der Möglichkeiten, wie die jüngsten Fortschritte auf dem
Gebiet der Verifizierungstechniken für die Erfordernisse der beteiligten Länder nutzbar gemacht werden können. Wir möchten hoffen, daß diese
Konferenz eine umfassende Studie aller praktisch möglichen Methoden
für eine wirksame Verifizierung durchführt.
Die von mir soeben umrissenen vier Vorschläge stellen neue und
realistische Beispiele der spezifischen Maßnahmen dar, die wir für
die erste Phase des amerikanischen Planes vom 25. September vorgesehen
haben. Wir erinnern daran, daß dieser Plan auch noch andere spezifische
Vorschläge enthielt:
daß die Sowjetunion und die Vereinigten Staaten ihre Truppenstärken
um mehrere hunderttausend Mann auf eine Höchststärke von jeweils
2 100 000 Mann verringern;
daß Schritte ergriffen werden, um zu verhindern, daß Staaten,
die im Besitz von nuklearen Waffen sind, .die Kontrolle über solche
Waffen an andere Länder übertragen, die noch nicht im Besitz von Atomwaffen sind;
daß Massenvernichtungswaffen nicht in eine Kreisbahn um die Erde
gebracht oder im Weltraum stationiert werden dürfen.
Und schließlich fordern wir baldige Schritte auf einem Gebiet, das
an Dringlichkeit keinem anderen nachstehen'sollte - nämlich auf dem
Gebiet der Einstellung der Kernwaffenversuche. Hier stehen wir an einem
Wendepunkt. Wenn ein Abkommen nicht unterzeichnet werden kann - und
nicht schnell unterzeichnet wird, damit die Atomwaffenversuche bei

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bei geeigneten Feststellungs- und Verifizierungsvereinbarungen
eingestellt werden -, dann werden weitere Versuche stattfinden,
und das atomare Wettrüsten wird weitergehen. Wenn wir jedoch ein
solches Abkommen erreichen können, dann kann dieser Entwicklung
Einhalt geboten werden, und zwar für immer. Dies ist der Grund, warum die Vereinigten Staaten und Großbritannien die Sowjetunion eingeladen haben, die Verhandlungen über ein Verbot aller Kernwaffenversuche unter wirksamen internationalen Kontrollen wiederaufzunehmen. Wir werden diese Angelegenheit hier in Genf mit Nachdruck
verfolgen und alle Anstrengungen unternehmen, um zum Abschluß eines
Abkommens zu gelangen, das den Versuchen ein Ende setzen kann.
Ich hatte erwartet, daß eine Anzahl von Delegierten hier
vielleicht ihr Bedauern darüber zum Ausdruck bringen würden, daß
die Sowjetunion und die Vereinigten Staaten die Atomversuche wieder
aufgenommen haben. Aber ich hatte auch angenommen, daß eine Delegation, nämlich die sowjetische, sich nicht in der Lage sehen würde,
die Vereinigten Staaten deswegen zu kritisieren.
Der Vertreter der Sowjetunion hat von den möglichen Auswirkungen
gesprochen, die die Waffenversuche der Vereinigten Staaten auf diese
Konferenz haben könnten. Die gemeinsame Grundsatzerklärung und diese
Konferenz kamen inmitten des donnernden Getöses von mehr als vierzig sowjetischen Atomexplosionen zustande. Eine 50-Megatonnen-Bombe
ist nicht gerade das Gurren einer Taube. Trotz der sowjetischen
Versuche vom vergangenen Herbst können die Kernwaffenversuche eingestellt werden - und zwar jetzt und für immer.
Die Sowjetunion hat von ihrer Bereitschaft gesprochen, eine
Inspektion der Abrüstung, dagegen nicht der Rüstungen zu akzeptieren. Wir hoffen, sie wird dem b'.eipf lichten, daß das gänzliche
und vollständige Verbot der Kernwaffenversuche unter Abrüstung fällt,
und eine wirksame internationale Kontrolle gemäß ihrer eigenen Formel akzeptieren.
Ich habe die Vorschläge der Vereinigten Staaten für baldige
Abrüstungsmaßnahmen auf dieser Konferenz vorgelegt. Wir werden weitere Anregungen vorbringen und, dessen bin ich sicher, die anderen
Länder ebenfalls. Die Konferenz wird die Punkte aussondern müssen, die
sie für eine erfolgreiche Behandlung am geeignetsten erachtet oder
die, was die gemeinsame Gefahr anbetrifft, am dringlichsten sind,
und sich sofort mit ihnen befassen müssen.
Wir sind der Ansicht, daß wir, sobald eine Übereinkunft über
die in die erste Phase einzubeziehenden spezifischen Maßnahmen erzielt ist, die spezifischen Maßnahmen für die zweite und die dritte
Phase ausarbeiten können. In diesen Phasen werden weitere Rüstungsreduzierungen Hand in Hand mit einer Stärkung der internationalen
Institutionen zur Erhaltung des Friedens gehen.
Unser

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Unser Arbeitsplan muß das erreichen, was dieser Konferenz
auf Grund der gemeinsamen Grundsatzerklärung aufgetragen ist. Lassen
Sie uns die Gesamtumrisse des Programmes festlegen. Lassen Sie uns in
einer mehr detaillierten Form die einzelnen Teile ausarbeiten, die
dann im Rahmen des Programmes zusammengefügt werden müssen. Lassen
Sie uns so viel tun, wie wir können, und dies so schnell, wie wir
können.
Lassen Sie uns schließlich besonnen, systematisch und realistisch
an die dieser Konferenz gestellte Aufgabe herangehen. Lassen Sie die
Notwendigkeit einer Abrüstung Ansporn für unsere Arbeit sein. Lassen
Sie uns jedem verheißungsvollen Pfad nachgehen, der zum Fortschritt
führen könnte. Lassen Sie uns bei aller Behutsamkeit schnell zu einer
Übereinkunft darüber gelangen, was zuerst getan werden kann und was
auf die Dauer unternommen werden sollte.
Und lassen Sie es nicht zu, daß diese Konferenz - wie ihre Vorgänger - gleich zu Beginn ihrer Beratungen an einem toten Punkt
steckenbleibt. Die Hindernisse für ein Abrüstungsabkommen - die Kräfte,
die uns in rivalisierende Machtblöcke spalten möchten - werden
vielleicht endlich dem über allem stehenden und von uns allen geteilten Interesse am Fortbestehen weichen, das allein uns für den Frieden
einen kann."

* * * * *

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�A M E R I K A

D I E N S T

Allg./30.J.62
USA WÜNSCHEN INTERNATIONALE ZUSAMMENARBEIT
IN DER WELTRAUMFORSCHUNG

Botschafter Francis T.P, Plimpton, der
stellvertretende Leiter der US-Delegation
bei den Vereinten Nationen und Vertreter
der Vereinigten Staaten im UN-Ausschuß
für die friedliche Nutzung des Weltraums, umriß in einer am 19» März 1962
vor diesem Ausschuß gehaltenen Rede die
Bestrebungen und Ziele der Vereinigten
Staaten für eine internationale Zusammenarbeit in der Weltraumforschung. Wir geben
im folgenden die Ansprache Plimptons in
gekürzter Fassung wieder.

Dies ist die erste Zusammenkunft des erweiterten UN-AusSchusses für die f riedliche Nutzung des Weltraums. Die Regierung
der Vereinigten St aaten, für die zu sprechen ich die Ehre habe,
betrachtet diese K onferenz als einen der möglicherweise bedeutsamen Augenblicke der Geschichte im Streben der Menschheit nach
Frieden - ich sage bewußtl möglicherweise. An uns, die wir hier
um diesen Konferen ztisch versammelt sind, und an den Regierungen
und Wissenschaftle rgruppen, für die wir sprechen, liegt es nun,
alles zu tun, um d iese Möglichkeit Wirklichkeit werden zu lassen,
Seit viereinhalb Jahren stehen wir im Weltraumzeitalter im Zeitalter der Überwindung der Erdenschwere durch. 1 den Menschen.
Der Start künstlicher Erdsatelliten, noch vor vier Jahren als ein
Wunder bestaunt, ist Routine geworden. Viele neue Ausblicke auf
wissenschaftliche und technische Entwicklungen in Verbindung mit
dem Weltraum zeichnen sich bereits ab, einige sehr deutlich,
andere dagegen noch recht unklar. Aber es ist keine Frage - diese
neuen Perspektiven werden erforscht werden - wenn nicht durch uns,
dann durch spätere Generationen,
Die Frage, weshalb sich die Vereinten Nationen mit dieser
Entwicklung beschäftigen sollen, muß unter zwei Gesichtspunkten
beantwortet werdenl
Einmal
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�"AMERIKA DIENST«'

30. März 1962

Einmal ist diese Konferenz hier die erste internationale Regierungskonferenz zur Vorbereitung einer weltweiten Zusammenarbeit
in der friedlichen Nutzung des Weltraums, eine Konferenz, auf der
alle Länder vertreten sind, die heute Raumflugkörper zu starten vermögen. Und zum anderen erblickt die amerikanische Regierung in diesem UN-Ausschuß den Mittler dafür, alle Völker der Erde an den Verheißungen des Weltraumzeitalters teilhaben zu lassen.
Weltraumforschung und Raumflugtechnik sind nicht nur einigen
technisch hochentwickelten Ländern vorbehalten. Die dafür erforderlichen besonderen Kenntnisse und Fähigkeiten sind auf viele Völker
verteilt. Und was die segensreichen Auswirkungen auf das Leben der
Menschen anlangt - etwa die Verwendung von Satelliten für ein weltweites, alle Winkel der Erde erreichendes Nachrichtennetz und von
meteorologischen Satelliten für eine wesentliche Verbesserung der
Wettervorhersage -, so darf kein Volk davon ausgeschlossen werden.
Zusammenarbeit - Grundlage des Fortschritts
Die Nationen müssen in den verschiedenen Phasen der Eroberung
des Weltraums zusammenarbeiten. Denn selbst die kostspieligsten und
technisch kompliziertesten Unternehmen - der Start großer Flugkörper werden nicht das Monopol der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion
bleiben. Eine Anzahl europäischer Länder entwickelt bereits ein
eigenes gemeinsames Startprogramm für Raumflugkörper, und andere
Länder werden im Zuge der Weiterentwicklung der Raketentechnik
folgen. Zusammenarbeit zwischen den für die Starts verantwortlichen
Stellen ist einfach eine Notwendigkeit.
Auch die Wissenschaftler und Techniker aller übrigen Länder
können in der Entwicklung von Instrumenten und der Vorbereitung von
friedlichen Weltraumexperimenten mit Satelliten in Forschungsvorhaben
zusammenarbeiten; das gleiche gilt für die Regierungen. Die USA
stehen bereits mit acht in diesem Ausschuß vertretenen Nationen in
einer solchen Partnerschaft.
Die Raumflugkörper, einmal gestartet, müssen jedoch auch
laufend beobachtet werden, und die von ihnen gelieferten wertvollen
wissenschaftlichen Informationen müssen aufgenommen und gesammelt
werden. Oberstleutnant John H. Glenn erklärte kürzlich in diesem
Haus, sein Flug sei nicht nur eine nationale, sondern gleichermaßen
eine internationale Teamarbeit gewesen. Diese internationale Zusammenarbeit muß und wird weiter ausgebaut werden.
Das Zeitalter der Weltraumfahrt wirft juristische Fragen auf;
der Weltraum erweist sich somit auch als ein wichtiges Feld für die
Weiterentwicklung des internationalen Rechts»
Neue

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"AMERIKA DIENST"

30. März 1 962

Neue Einsichten erforderlich
Es ist schwierig für uns, die neuen Möglichkeiten alle richtig
einzuschätzen. Botschafter Adlai E. Stevenson umriß am 4. Dezember
1961 dieses Problem mit folgenden Worten: "Trotz der dringenden Notwendigkeit für sofortiges Handeln auf internationaler Ebene fürchte ich,
daß wir für diese Angelegenheit zu schlecht vorbereitet sind, um sie
klar überdenken zu können. Ich fürchte, daß unsere überkommene Denkweise in bezug auf die Lösung von Problemen auf diesem unserem Planeten
sich als Hindernis erweisen wird."
Herr Vorsitzender, viel ist in den dreieinhalb Monaten geschehen,
die seit dieser Erklärung yergangen sind. Und heute wage ich zu hoffen,
daß wir über diese kurzsichtige "überkommene Denkweise" hinauszuwachsen vermögen, inspiriert von der Erkenntnis, daß wir schon mitten in
einem Zeitalter großer Entdeckungen, großer Wagnisse und noch unvorhersehbarer segensreicher Entwicklungen für das Menschengeschlecht
leben.
Ich möchte hier mit Ihnen kurz die bemerkenswertesten Entwicklungen erörtern, von denen einige das direkte Ergebnis der Resolution
Nr. 1721 (XVI) über eine internationale Zusammenarbeit in der friedlichen Nutzbarmachung des Weltraums sind, die die 16. Vollversammlung
der Vereinten Nationen einstimmig angenommen hat. Zunächst einmal
erweiterte diese Resolution die Mitgliederzahl des Ausschusses und
forderte ihn auf, das ihm durch die Resolution Nr. 1472 (XIV) im Jahr
1959 übertragene Mandat sowie das Mandat aus der neuen Resolution zu
erfüllen. Das bedeutet, daß zwei Jahre einer gefährlichen Stagnation
vorüber sind und eine kompetente Körperschaft der Vereinten Nationen
die vordringlichen Probleme des Zeitalters der Raumfahrt, in das wir
uns gestellt sehen, erneut in Angriff nehmen kann. Wir sind heute hier,
um den ersten Schritt für eine Sache zu tun, die, so hoffe ich, sich
zu einem langdauernden und lohnenden Kapitel konstruktiver Arbeit zum
Wohle aller Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen entwickeln wird.
Von allen UN-Mitgliedstaaten wurden im Zusammenhang mit der Weltraumresolution bereits bedeutsame Grundprinzipien anerkannt:
1. Die Erforschung und Nutzung des Weltraums soll nur zum Nutzen
der Menschheit und zum Wohle der Staaten dienen - ungeachtet
des Standes ihrer wirtschaftlichen oder wissenschaftlichen
Entwicklung.
2. Das internationale Recht, einschließlich der Charta der Vereinten Nationen, hat auch für den Weltraum und andere Himmelskörper Gültigkeit.
3. Weltraum und Himmelskörper stehen, in Übereinstimmung mit dem
internationalen Recht, allen Staaten für die Erforschung offen
und unterliegen nicht nationalen Besitzrechten.
4. Die Vereinten Nationen werden ersucht, einen "zentralen Punkt
für internationale Zusammenarbeit" zu schaffen, der im "gemeinsamen Interesse aller Menschen" dringend erforderlich ist.
Dies sind gesunde Prinzipien, und ich möchte mich bei dieser Gelegenheit im Namen meiner Regierung noch einmal nachdrücklich für sie
aussprechen.
Vorbereitende
T

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— • •

�"AMERIKA DIENST"

30. März 1962

Vorbereitende Schritte auf der Basis dieser Prinzipien für eine
aktive internationale Zusammenarbeit im Rahmen der Vereinten Nationen
wurden bereits getan:
Der Weltwetterdienst (WMO) ist aufgefordert, dem Wirtschaftsund Sozialrat auf dessen Konferenz im Juli sowie der 17. UN-Vollversammlung Organisations- und Finanzierungspläne vorzulegen, die»
unter Verwendung eines Systems meteorologischer Satelliten»als
Grundlage für die Entwicklung eines weltweiten Wetterforschungs- und
Wetterdienstprogramms in internationalem Rahmen dienen können. Ähnlich ist die Internationale Fernmelde-Union (iTU) ersucht worden,
geeignete Schritte zu empfehlen, um die Errichtung eines Satellitensystems für ein Weltnachrichtennetz auf globaler und für alle gleicher
Basis vorzubereiten. Darüber hinaus werden die Lenkungsausschüsse für
den UN-Sonderfonds und für Technische Hilfe ersucht, die Bitten von
Mitgliedstaaten um Unterstützung in der Entwicklung von Fernmeldesystemen wohlwollend zu behandeln, damit es allen Mitgliedern möglich wird, sich an einem Fernmeldesatelliten-System zu beteiligen
und daraus Nutzen zu ziehen.
UN-Registrierzentrale für Raumflugkörper
Das Sekretariat hat auf einen entsprechenden Antrag eine zentrale
Meldestelle für alle Flugkörper eingerichtet, die sich auf Satellitenbahnen befinden. Die Vereinigten Staaten sind inzwischen der in der
Weltraum-Resolution erhobenen Forderung, Informationen zum Start künstlicher Satelliten der Registrierstelle zur Verfügung zu stellen, nachgekommen und haben erstmals am 15. Februar 1962 nicht weniger als 72
Flugkörper, die in Erd- oder Sonnensatellitenbahnen kreisen, registrieren lassen. (Für jeden gemeldeten Flugkörper werden seine internationale
Bezeichnung, Typ der Startrakete, Abschußzeit, Typ des Satelliten, Umlaufzeit, Bahnneigung zum Äquator sowie Apogäum und Perigäum angegeben.)
Politik der Partnerschaft - von den USA seit Jahren praktiziert
Hinsichtlich der Planung und Durchführung friedlicher Weltraumexperimente haben die Vereinigten Staaten stets eine Politik der Partnerschaft mit anderen Ländern verfolgt. So sind wir zusammen mit anderen Nationen an einer Anzahl wissenschaftlicher Untersuchungen der
Hochatmosphäre mit Hilfe kleiner Raketensonden beteiligt. Programme
dieser Art versetzen die Wissenschaftler der ganzen Welt in die Lage,
weitaus wertvollere meteorologische und atmosphärische Daten zu
sammeln, als uns dies allein, hier in den Vereinigten Staaten, möglich
wäre. Das Programm erlaubt zum Beispiel direkte Untersuchungen seltener Phänomene des äußersten Nordhimmels in Skandinavien, eine Koordinierung der Raketenstarts in der östlichen und westlichen Hemisphäre
für die vergleichende Auswertung der Ergebnisse und die Mitführung der
verschiedensten Instrumente, die noch dazu von Forschern einer ganzen
Reihe von Nationen entwickelt wurden, in einer einzigen Rakete. Die
Ergebnisse stehen den Wissenschaftlern der ganzen Welt zur Verfügung.
Unsere

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30. März 1962

Unsere Pläne zielen auf eine noch breiter angelegte Zusammenarbeit ab; dazu gehören unter anderem gleichzeitig vorgenommene
Starts wissenschaftlicher Sonden, für die ein langfristiges Programm unter Beteiligung zahlreicher Länder ausgearbeitet wird.
In wenigen Wochen werden die Vereinigten Staaten den ersten
internationalen Satelliten starten, ein Forschungsgerät, das von
britischen Wissenschaftlern ausgerüstet und von der NASA (üS-Amt
für Luft- und Raumfahrt) in eine Erdumlaufbahn gebracht wird. Wenig
später werden wir in einem ähnlichen Unternehmen in den USA einen
zweiten Satelliten starten, der bis zum letzten Detail in Kanada
hergestellt wurde. Weitere gemeinsame Satellitenprogramme mit anderen Ländern werden erwogen.
Auf den Gebieten der heute schon verwirklichten Nutzanwendung Nachrichtenwesen und Meteorologie - haben die USA bereits wichtige
Schritte zur Schaffung eines umfassenden internationalen Apparates
getan.
Nachrichtensatelliten
Die Erprobung amerikanischer Versuchssatelliten für das Nachrichtenwesen auf interkontinentaler Basis, die erstmals in diesem
Jahr vorgesehen ist, wird unter Einschaltung großer, von einer Reihe
europäischer und lateinamerikanischer Länder zur Verfügung gestellter
Bodenstationen durchgeführt werden. Ein internationales- Komitee für
Bodenstationen, dem Vertreter aller an den ersten Versuchen beteiligten Länder angehören, kommt schon seit einiger Zeit zu regelmäßigen
Besprechungen über Eragen wie Frequenzauswahl und andere wesentliche
Faktoren zusammen. Es ist gar nicht ausgeschlossen, daß im Herbst
dieses Jahres eine Debatte der UN-Vollversammlung in einer FünfMinuten-Sendung über Fernsehen direkt nach Europa übertragen wird.
Hoffen wir, daß diese fünf Minuten glücklich gewählt sind.
Wettersatelliten
Die Vereinigten Staaten haben vor dem Start aller ihrer meteorologischen Satelliten die Nationen der Welt eingeladen, die Auswertung
eigener Wetterbeobachtungen mit jenen Daten zu koordinieren, die bei
den Satellitendurchgängen in ihrem Gebiet innerhalb der entsprechenden
BeobachtungszeitA erzielt wurden. Diese gemeinsamen Bemühungen von bisher
dreißig Nationen fanden einen ersten Höhepunkt in einem internationalen Wettersatelliten-Symposion, zu dem mehr als hundert Nationen
eingeladen waren. Die Teilnehmer sollten die Möglichkeit erhalten,
sich mit den Methoden der Einbeziehung von Satelliten bzw. deren
Beobachtungsdaten in den meteorologischen Dienst vertraut zu machen
und so auf den Tag hinzuarbeiten, an dem solche Daten allen Ländern
direkt zugänglich sind.
,

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Satellitenbeobachtung

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Satellitenbeobachtung und Förderung ausländischer Spezialisten
Was den Betrieb unseres eigenen weltweiten Beobachtungs- und
Datensammelnetzes anbetrifft, so haben wir die Mitarbeit von
Wissenschaftlern und Technikern der jeweiligen Gastländer stets
begrüßt - mit dem Erfolg, daß heute mehr als die Hälfte der NASABodenstationen im Ausland ganz oder teilweise unter der Regie von
Spezialisten des Gastlandes steht. Das technische AusbildungsProgramm
der NASA trägt nicht unerheblich zu dieser Entwicklung bei. Unsere
oberste Luft- und Raumfahrtbehörde hat außerdem spezielle Ausbildungskurse für ausländische Wissenschaftler in Vorbereitung gemeinsamer
Programme eingerichtet und vor kurzem auch Stipendien für jährlich
100 ausgebildete Akademiker aus dem Ausland zur Verfügung gestellt.
Diese Stipendiaten sollen dadurch die Möglichkeit erhalten, an amerikanischen Universitätsinstituten, in denen Projekte der Weltraumforschung gemeinsam mit der NASA durchgeführt werden, zu arbeiten.
Freiheit des Weltraums muß erhalten bleiben
Die Erdumkreisungen von Oberstleutnant Glenn und der sowjetischen
Kosmonauten Gagarin und Titow werden meiner Überzeugung nach zum Symbol
dafür werden, daß sich die Menschheit bei der Lösung von Problemen auf
diesem ihrem Planeten von der überkommenen erdgebundenen Denkweise
freigemacht hat. Es liegt an uns, sicherzustellen, daß die zuerst von
diesen unerschrockenen Pionieren genossene Freiheit des Weltraums allen
erhalten bleibt, die ihnen folgen werden.
Viele Millionen Menschen in der Welt hatten durch die modernen
Nachrichtenmittel Gelegenheit, den aufregenden Flug Oberstleutnant
Glenns mitzuerleben. Sie wurden so auf dramatische Weise mit der Tatsache konfrontiert, daß das Weltraumzeitalter wirklich angebrochen ist.
Wir stehen auf der Schwelle zu einer neuen Ära. Das sollte die Arbeit
dieses Ausschusses ständig beflügeln.
Initiative der USA für Zusammenarbeit mit der Sowjetunion
Und schließlich, Herr Vorsitzender, ist angesichts der Maßnahmen,
die die UN-Vollversammlung im vergangenen Jahr im Zusammenhang mit dieser
Angelegenheit ergriffen hat, auch auf eine Zusammenarbeit zwischen meinem
Land und der Sowjetunion bei Weltraumprojekten zu hoffen. Seit vielen
Jahren fordern die Vereinigten Staaten ein Programm für die Zusammenarbeit im Weltraum. In seiner ersten Botschaft über die Lage der Nation
am 30. Januar 1961 erklärte Präsident Kennedy:
"Ich fordere heute alle Staaten - einschließlich der Sowjetunion auf, gemeinsam mit uns ein Programm für die Wettervorhersage zu
entwickeln, sich an einem Fernmeldesatelliten-Programm und an den
Vorbereitungen für die Erforschung der Planeten Mars und Venus zu
beteiligen - an Forschungsarbeiten, die eines Tages vielleicht die
tiefsten Geheimnisse des Universums zu entschleiern vermögen."
Diesen

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30. März 1962 •

Diesen Vorschlag wiederholte er in seiner Rede vom 25. September 1961 vor der UN-Vollversammlung. Wir freuten uns daher, als
Ministerpräsident Chruschtschow in seinem Glückwunsch an das
amerikanische Volk zu dem erfolgreichen Flug von Oberstleutnant
Glenn auch die Vorteile gemeinsamer Anstrengungen im Weltraum
erwähnte.
Am 7« März machte Präsident Kennedy in einem Schreiben an
Ministerpräsident Chruschtschow Vorschläge zu einer amerikanischsowjetischen Zusammenarbeit bei folgenden speziellen und wichtigen
Weltraumprojektent
1. Gemeinsame Errichtung eines Wettersatelliten-Systems, das
weltweite meteorologische Daten zur sofortigen Verwendung
durch jedes Land liefert. - Der Präsident schlug vor, daß
die USA und die Sowjetunion je einen Satelliten starben, der
die Wolkendecke photographiert und für andere vereinbarte
meteorologische Messungen im Dienst aller Nationen zur Verfügung steht. Diese beiden Satelliten könnten in Bahnen gebracht werden, von denen aus sie alle Gebiete der Erdoberfläche
erfassen. Die Meßdaten würden durch die normalen internationalen Kanäle der Wetterdienste verbreitet. Für die Verwirklichung
der meteorologischen Forschungs- und Untersuchungsprogramme,
die zur Zeit von der WMO auf Grund der im Dezember von der
UN-Vollversammlung angenommenen Weltraum-Resolution aufgestellt werden, wäre dies ein wichtiger Schritt.
2.Jedes der beiden Länder errichtet und betreibt eine Bodenstation für die Funkbeobachtung von Satelliten, um im Interesse des Partners Daten aufzunehmen; dabei sollen Ausrüstungen Verwendet werden, die das andere Land liefert.
Nach unserer Ansicht würden beide Länder mit einem solchen
gemeinsamen Programm viele wertvolle Erfahrungen sammeln, und
zwar nicht nur auf wissenschaftlichem Gebiet, sondern auch unter den menschlichen Aspekten einer ungezwungenen Zusammenarbeit mit den Vertretern des anderen Landes.
3. Für die gemeinsame Aufnahme des erdmagnetischen Feldes im
Weltraum schickt jedes der beiden Länder einen Satelliten
in eine vorher vereinbarte Umlaufbahn und macht die auf diese
Weise erhaltenen wissenschaftlichen Informationen allen Wissenschaftlern der Welt zugänglich.
4. Ein Zusammengehen der UdSSR mit den Vereinigten Staaten in den
Bemühungen um die Errichtung eines NachrichtensatellitenSystems wird begrüßt.
5. Gemeinsame Bemühungen und ein Informationsaustausch auf dem
Gebiet der Raumflugmedizin unter Einbeziehung von Forschern
vieler Länder könnte nicht nur diesem Spezialgebiet, sondern
ganz allgemein der humanmedizinischen Forsohun5 und der Verhaltensforschung dienlich sein.
6. Neben

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6. Neben der Zusammenarbeit auf diesen Gebieten ist Präsident
Kennedy auch zu gemeinsamen Projekten der Erforschung des
Mondes mit unbemannten Geräten und der gemeinsamen Präzisierung von Schritten bereit, die für eine erschöpfende
wissenschaftliche Erforschung von Mars und Venus, möglicherweise sogar mit bemannten Flugkörpern, erforderlich sind.
Ich möchte hervorheben, daß Präsident Kennedy keine Vorbedingung
gestellt und keine Einschränkung gemacht hat - und daß wir unsere
Aufgeschlossenheit gegenüber jedem speaiellen Vorschlag der Sowjetunion
klar erkennen ließen.
Wünschenswerte Mittlerrolle des UN-Weltraumausschusses
Die Vereinten Nationen haben sich wieder dem Thema "Weltraum" zugewandt - den Grundsätzen gemeinsamer Anstrengungen zum Wohle des ganzen Menschengeschlechts, in Übereinstimmung mit der Charta der Vereinten Nationen, verpflichtet. Angesichts dieses Sachverhalts möchte ich
weiter vorschlagen, daß sich der Ausschuß im Interesse einer besseren
Förderung internationaler Zusammenarbeit in der friedlichen Nutzung
des Weltraums in den kommenden schicksalsschweren Jahren mit einer
Reihe weiterer Probleme befaßt. Zu diesen gehören unter anderen der
Austausch von Informationen und Erkenntnissen, gemeinsame Forschungen,
die gemeinsame Entwicklung von Weltraumprojekten und die Ausdehnung
des internationalen Rechts auf den Weltraum.
Unserer Ansicht nach bietet sich diesem Komitee eine einzigartige
Gelegenheit, den Austausch sowohl wissenschaftlicher als auch technischer Informationen anzuregen und zu beleben. Auch könnte es Anregungen
zur Schaffung weiterer nationaler Weltraumausschüsse geben, die den
Mitgliedstaaten eine wirksamere Beteiligung an internationalen Weltraumprojekten ermöglichen. Der Ausschuß könnte, um ein vollständiges
Bild von der Art nationaleT Projekte und internationaler Zusammenarbeit
in Weltraumprojekten zu gewinnen, Berichte von den einzelnen Staaten
oder von internationalen Arbeitsgemeinschaften wie der europäischen
Organisation für Weltraumforschung (ESRO) anfordern.
Auch die Ausgabe von Informationsmaterial durch das Sekretariat
über Maßnahmen einzelner Staaten zur Verbesserung der eigenen Position
in bezug auf die Beteiligung an internationalen Weltraumprojekten wäre
wünschenswert. Zu solchen Informationen gehörten beispielsweise Angaben
über nationale Ausbildungsprogramme und Ausbildungsstätten, über Raketensonden-Projekte und die erforderlichen Startanlagen sowie über das Minimum an Ausrüstung für die telemetrische Datenaufnahme.
Unter Hinzuziehung von Vertretern des Internationalen Ausschusses
für die Weltraumforschung (COSPAR), des Weltwetterdienstes (WMO) und
der Internationalen Fernmelde-Union (ITU) dürfte es für den UN-Weltraumausschuß auch von Wert sein, die Tätigkeit bzw. den Betrieb der bestehenden wissenschaftlichen und technischen Auswertungszentren, Übersetzungsdienste und Fernmeldeeinrichtungen zu prüfen, welche wissenschaftliche

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50. März 1 962

wissenschaftliche Ergebnisse von Weltraumprojekten verbreiten und
benutzen.
Wir hoffen auf eine enge, wirksame und fruchtbare Zusammenarbeit
des Weltraumausschusses mit allen derartigen Organisationen. Eine
solche Zusammenarbeit wäre überdies mit der UNESCO als der UN-Organisation für Erziehung, Wissenschaft und Kultur gegeben, damit auch
deren Unterstützung genutzt werden kann.
Gemeinsames Vorgehen spart Zeit und Geld
All dies läßt erkennen, daß in allen Phasen der Weltraumforschung
ein Höchstmaß an Informationsaustausch erforderlich ist. Wenn aber die
Forschung selbst auf gemeinsamer oder kooperativer Basis unternommen
werden könnte, so würde dadurch der Fortschritt beschleunigt, die
Kosten würden reduziert und die gemeinsamen Interessengebiete erheblich ausgeweitet.
Präsident Kennedys Vorschläge an Ministerpräsident Chruschtschow
zu gemeinsamer Forschung sollten keineswegs andere Gemeinschaftsprojekte oder die Beteiligung anderer Länder an diesen Unternehmungen
ausschließen. Sie sollten vielmehr das Startzeichen für gemeinsame
Bemühungen auf breiter internationaler Ebene sein. In diesem Zusammenhang ist beispielsweise die Einrichtung internationaler Laboratorien
für Weltraumforschung, einschließlich der Raumflugmedizin, oder von
Observatorien zur Planetenbeobachtung, wo im Zuge der Vorbereitung
bemannter Raumflugexperimente besondere Untersuchungen durchgeführt
werden, zu erwägen.
Die Kosten eines Y/etterforschungs- und Beobachtungsprogramms in
dem von den Vereinten Nationen geplanten Rahmen sind - gemessen an
seinen Vorteilen - gering. Aufgabe der UN ist es nun, dieses Programm
so zu gestalten, daß die Mitgliedstaaten an Forschungsvorhaben, an
der Ausbildung von Spezialisten, dem Bau von Wetterwarten, der Funk- ,
beobachtung von meteorologischen Satelliten und dem Austausch von
meteorologischen Informationen bereitwillig mitwirken.
In der Resolution der UN-Vollversammlung ist auch die Errichtung
eines weltweiten Netzes von Nachrichtensatelliten berücksichtigt. Man
schätzt heute, daß die Inbetriebnahme eines globalen Telephon-, Rundfunk- und Fernsehnetzes mittels Satelliten noch vor Ende dieses Jahrzehnts technisch möglich ist. Die Kosten sind beträchtlich - die
Vorteile sind jedoch außerordentlich. Über einen einzigen Fernmeldesatelliten können zwanzigmal mehr Telephongespräche geleitet werden
als über alle unsere Unterseekabel. Darüber hinaus könnte er als Relaisstation für Rundfunk und Fernsehen ein bestimmtes Programm Hunderten von Millionen Menschen in aller Welt gleichzeitig vermitteln.
Diese bahnbrechende Entwicklung auf dem Gebiet der Nachrichtentechnik dürfte sich auf das Leben der Volker in allen Teilen der Erde
auswirken und neue Bande der Verständigung zwischen den Nationen
knüpfen.
Internationalisierung

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JO. März 1 962

Internationa.lisierung der Fernmeldesatelliten - eine Forderung des
gesunden Menschenverstandes
In den USA sind wir dabei, die Grundlage für ein gemeinsames
Bemühen um ein Fernmeldesatelliten-System zu schaffen. Anfang
Februar 1962 wurde dem US-Kongreß eine Gesetzesvorlage unterbreitet,
die die Bildung einer privatrechtlichen amerikanischen Körperschaft
zum Betrieb von Fernmeldesatelliten vorsieht. Diese Körperschaft soll
dem Zweck dienen, die Entwicklung von Nachrichtensystemen über Satelliten zu beschleunigen, damit baldmöglichst ein weltweites betriebsfähiges Netz zur Verfügung steht.
Ich möchte besonders hervorheben, daß diese Körperschaft als
Repräsentant der Vereinigten Staaten in einem globalen System fungieren soll - in einem wahrhaft internationalen Gremium mit einer
größtmöglichen Streuung der Besitzrechte und umfassender Beteiligung.
Der internationale Charakter des Fernmeldesatelliten-Netzes ist vom
gesunden Menschenverstand diktiert. Angesichts der Bedeutung des
Nachrichtenwesens für alle Staaten werden viele andere Länder den
Wunsch haben, Betrieb und Verwaltung des Netzes mit zu bestimmen
und einen Kostenbeitrag zu leisten. Was uns betrifft, so würden wir
ein solches Interesse und eine solche Beteiligung seitens anderer
Länder nur begrüßen.

Erste Verhandlungen zwischen Vertretern der Vereinigten Staaten
und der Sowjetunion über eine gemeinsame Erforschung des Weltraums
haben am 27. März 1962 in New York begonnen. Gesprächspartner sind
Dr. Hugh Dryden, der stellvertretende Direktor des US-Amtes für Luftund Raumfahrt (NASA), und der sowjetische Raketenspezialist Professor
Anatolij Blagonrawow.
* * # * #

i

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�A M E R I K A

D I E N S T

A N S P R A C H E

des Stellvertretenden Außenministers
der Vereinigten Staaten von Amerika

Staatssekretär
GEORGE W. BALL

vor der
Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik

am Montag, dem 2. April 1962
in der Beethovenhalle zu Bonn

�DIE ATLANTISCHE PARTNERSCHAFT IM WERDEN

Vor wenig mehr als Monatsfrist hat der Justizminister der Vereinigten Staaten, Robert F. Kennedy, in diesem gleichen Saale einige der
Grundvoraussetzungen einer funktionsfähigen atlantischen Partnerschaft
angedeutet. Damals sprach er Sie als Deutsche an, doch - genau wie ich
am heutigen Abend - auch als Bürger des neuen Europa, das Sie und Ihre
Nachbarn gegenwärtig mit geradezu mitreißendem Schwung erbauen.
Ich werde heute abend versuchen, die Andeutungen unseres Justizministers noch etwas weiter auszuführen. Ich möchte Ihnen ein wenig
von dem Fluidum der Diskussion mitteilen, die gegenwärtig in den Vereinigten Staaten stattfindet, und Ihnen die allgemeine Richtung der
Politik anzeigen, die wir zur Zeit entwickeln.
Die Annäherung der Vereinigten Staaten an Europa vollzieht sich
vor einem historischen Hintergrund, mit dem Sie im allgemeinen vertraut
sind. Wir waren ursprünglich eine Gruppe von Kolonien, die sich selbständig machten, um einen eigenen Bundesstaat zu gründen. In den Anfangsjahren unserer Nationwerdung konzentrierten wir uns auf die Herstellung unserer nationalen Integrität, wobei wir uns von unserer
kolonialen Vergangenheit abwendeten. Vollauf damit beschäftigt, unsere
Nation aufzubauen und das weite Grenzland zu erobern, folgten wir dem .
Hat unseres ersten Präsidenten George Washington, uns aus "verstrickenden Allianzen" mit den großen europäischen Nationen herauszuhalten.
In unserer Politik der Distanzierung von den europäischen Problemen
wurden wir bestärkt durch den Einfluß jener europäischen Auswanderer,
die im 19. Jahrhundert in unser Land kamen, um sich bei uns auf Farmen
und in Städten anzusiedeln. Die meisten dieser Auswanderer - darunter
auch die aufrechten Männer und Frauen, die nach dem Scheitern der
Revolution von 1848 Deutschland den Rücken kehrten - hatten Europa
aus religiösen, wirtschaftlichen oder politischen Gründen verlassen.
Sie sublimierten ihre Enttäuschung über Europa, indem sie ganz in
der gewaltigen Aufgabe aufgingen, auf dem Boden einer neuen Welt eine
neue Nation zu schaffen. Sie vertieften noch das amerikanische Mißtrauen gegenüber dem Kontinent, den sie hinter sich gelassen hatten ein Mißtrauen, das bis weit in das 20. Jahrhundert hinein vorgehalten

- 1 -

�vorgehalten hat.
Aber mit der Zeit und den Ereignissen hat sich das alles gewandelt.
Sie und wir - an den gegenüberliegenden Gestaden des Atlantiks - haben
gelernt, eng und wirkungsvoll zusammenzuarbeiten. Und heute abend
brauche ich kaum zu betonen, daß der amerikanische Isolationismus tot
ist. Damit ist es ein für allemal vorbei.
Wer dazu neigt, historische Veränderungen mit bemerkenswerten
Daten zu verknüpfen, kann sagen, daß der amerikanische Isolationismus
am 24. August 1949 starb - an dem Tag, an dem der amerikanische Senat
die nordatlantische Partnerschaft ratifizierte. Durch jenen feierlichen
Bündnisvertrag gewährleisteten Amerika und Europa nicht nur den Fortbestand der Freiheit, sondern auch das Fortleben freier Menschen. Wenn
Präsident Kennedy dem amerikanischen Volk heute erklärt, er würde
einen Angriff auf Berlin als einen Angriff auf Washington oder Chicago
ansehen, so anerkennt er damit ausdrücklich das zentrale Prinzip unseres Bündnisses, dem zufolge die Geschicke Westeuropas und Nordamerikas
unwiderruflich miteinander verwoben sind und dem zufolge ihre Verteidigung unteilbar ist.
Dieses Prinzip beschränkt sich nicht auf die Linie, die wir beständig in den Ratsversammlungen der Bündnispartner vertreten,
fußen doch auf ihm alle Pläne und Anstrengungen zur Verbesserung der
Verteidigungsposition der NATO. Es ist die eigentliche Grundlage, auf
der die Sicherheit unserer atlantischen Partnerschaft beruht.
Ich kann mit Zuversicht sagen, daß unsere gemeinsame militärische
Position niemals stärker war. Es wäre aber nicht ganz aufrichtig, wollte ich von restloser Zufriedenheit sprechen.
Heute besteht, wie Präsident Kennedy klargestellt hat, ein echtes
und dringendes Bedürfnis, der konventionellen Komponente unserer
gemeinsamen Verteidigung eine neue Priorität einzuräumen. Die NATO
bedarf eines breiten Spektrums von Einsatzkräften, wenn sie auf die
unterschiedlichsten Aggressionsformen mit den jeweils angemessenen
Kräften reagieren soll*. Unsere atomare Abschreckungsmacht wird nur
dann restlos glaubhaft sein, wenn sie durch eine umfassende nichtatomare Stärke gestützt wird, die uns bei der Beantwortung der
Aggression einen Spielraum gewährt.
Die

�Die Vereinigten Staaten haben ihre konventionellen Streitkräfte
beträchtlich ausgebaut und auch die Zahl der Kampfdivisionen erhöht.
Unsere Marine und das Marine-Korps wurden ebenso wie unsere Bandenabwehrkräfte verstärkt und erweitert. Wir haben unseren Luft- und Seetransportraum vergrößert, Wir geben Milliarden für diese zusätzlichen
Programme aus. Einige von unseren europäischen Partnern haben gleichfalls erkannt, wie notwendig die Verstärkung der konventionellen Streitkräfte ist. Die Folge war, daß unsere kombinierte nichtatomare Stärke
im letzten Jahr wesentlich zunahm. Das ist zwar ermutigend, reicht aber
längst nicht aus. Wir müssen noch mehr tun, wenn die Abschreckung der
Aggression in jedweder Form angesichts der wachsenden Stärke des
Ostens wirksam bleiben soll. Die nukleare Stärke bleibt natürlich von
grundlegender Bedeutung für die gemeinsame und unteilbare Verteidigung
Westeuropas und Nordamerikas. Die Vereinigten Staaten haben für eine
wesentliche Beschleunigung und Verstärkung ihres Polaris- und MinutemanRaketenprogramms gesorgt, das unserem Bündnis zusätzliche atomare Stärke
unter wechselnden Bedingungen verleiht.
Wir sind uns darüber im klaren, daß die Verteidigungsplanung nicht
statisch sein kann! sie muß vielmehr den veränderlichen Macht- und
Kräfteverhältnissen Rechnung tragen. Deshalb ist eine ständige und
sorgsame Vorausplanung künftiger Vorkehrungen nötig, wenn unsere Atommacht im wahrsten Sinne des Wortes Ausdruck unserer Vorstellungen von
der atlantischen Partnerschaft sein soll. Wir wollen auf den Wunsch
unserer Verbündeten nach einer stärkeren Einschaltung in die nukleare
Abschreckung in konstruktiver Weise eingehen.
Wir geben eindeutig einer multilateralen Regelung den Vorzug,
wie sie Präsident Kennedy in seiner Rede von Ottawa im Mai des vergangenen Jahres vorgeschlagen hat. Wie der Präsident damals ausführte,
sind wir bereit, gemeinsam mit unseren Verbündeten die Schaffung einer
auf See stationierten, mit Mittelstreckenraketen bewaffneten NATO-Streitmacht unter echter multilateraler Besitz- und Einsatzkontrolle ernsthaft zu prüfen. Ferner machte er das Angebot, fünf - und gegebenenfalls
auch mehr - Polaris-U-Boote an die NATO abzustellen. Wir glauben, eine
konstruktive Lösung dieses Problems der künftigen atomaren Rolle der
NATO ist nicht nur wichtig, sondern auch möglich, und wir sind nach
wie vor bereit, zusammen mit unseren Verbündeten auf dieses Ziel hinzuarbeiten. Wir glauben, daß einer solchen multilateralen Lösung ein-

- 3

�eindeutig der Vorzug vor einer Vielzahl nationaler Atomstreitkräfte
zu geben ist.

II.
Wenn unsere gemeinsamen Anstrengungen in Richtung auf eine schlagkräftige kombinierte Streitmacht ihrem Wesen nach defensiv sind, so
haben unsere Bemühungen hinsichtlich einer Zusammenarbeit im wirtschaftlichen Bereich ein weit positiveres Ziel. Sie basieren auf der
hinreichend erwiesenen Tatsache, daß die großen Industriewirtschaften
in der modernen Welt in zunehmendem Maße voneinander abhängig werden.
In einer Welt der Schnelltransporte und Blitzgespräche, in der ein
jeder des anderen enger Nachbar ist, kann es sich keine Nation mehr
erlauben, ein Dasein als Wirtschaftsinsel zu führen. Im gleichen
Maße, in dem der jährliche Austausch an Waren und Dienstleistungen
steigt, erhöht sich für uns auch die Notwendigkeit, wirksamere Mittel
der Zusammenarbeit zu entwickeln.
Die Vereinigten Staaten haben unter anderem gerade auch aus diesem Grunde die Schaffung eines integrierten Europa von Anfang an
aktiv unterstützt. Immer haben wir ein vereinigtes Europa als Vorbedingung für die Entwicklung einer wirkungsvollen atlantischen Partnerschaft
angesehen.
An diesem Punkt möchte ich gern betonen, daß das Tempo der Evolution
der atlantischen Partnerschaft auf wirtschaftlichem Gebiete auf einer
wesentlichen Zeitplanung basierte. Für Europa war es notwendig, zu .
einem stärkeren inneren Zusammenhalt zu kommen, um das Fundament zu
vollenden, auf dem der Bau der atlantischen Partnerschaft errichtet
werden kann.
Wir Amerikaner haben uns während der ganzen Nachkriegszeit niemals
die Ungleichheit zwischen unseren Hilfsquellen und denen der anderen
Völker der freien Welt zugute gehalten. Wir sind stolz darauf gewesen,
daß die Vereinigten Staaten eine der Führungsmächte der Welt sind,
aber manchmal haben wir es als wenig befriedigend empfunden, eine
Führungsmacht zu sein, die durch den Besitz eines überwältigenden
Anteils am Gesamtwohlstand, an der Macht und an den natürlichen Hilfsquellen von anderen isoliert war. Unserer - und ich glaube, auch
Ihrer - Auffassung nach muß eine starke Partnerschaft schon ihrer

- 4 -

�ihrer Definition gemäß immer eine Zusammenarbeit zwischen Gleichen
bedeuten. Wenn ein Partner allein über 50 Prozent der Hilfsquellen
eines so großen gemeinsamen Unternehmens besitzt und der Saldo dann
noch unter 16 oder 17 andere aufgeteilt ist, so dürfte dieser Verband
kaum wirksam arbeiten können. Solange Europa in Stücke aufgeteilt war
und nur aus - nach modernen Maßstäben - kleinen Nationen bestand, waren
die Möglichkeiten für eine echte Partnerschaft immer beschränkt.
Aber ein vereinigtes und starkes Europa kann bei der Verwirklichung
unserer gemeinsamen Bestrebungen ein gleichwertiger Partner sein - ein
Partner, der sich den gleichen Grundsätzen verschrieben hat wie wir.
Denn schließlich glauben Sie ebenso wie wir an die Bewahrung und Verbreitung der Freiheit und an jene Werte, die den Freien vom Sklaven
unterscheiden.

III.
Die Begeisterung, mit der die Amerikaner die wachsende Stärke
und das Zusammenrücken Europas begrüßen, läßt sich kaum beschreiben.
Warum aber hört man mitunter in Europa - fast nie dagegen in Amerika zaghafte Stimmen unheilverkündend darüber Klage führen, daß ein vereintes Europa eine neutralistische dritte Kraft werden könnte? Ich
darf mit allem Nachdruck sagen, daß wir Amerikaner keineswegs befürchten, das neue Europa werde neutralistisch werden, ebensowenig wie eine
Rückkehr Amerikas zum Isolationismus zu befürchten ist.
Der Neutralismus, von dem wir im letzten Jahrzehnt so viel zu
hören bekamen, war ein Ausdruck der Schwäche, nicht der Stärke. Er
entsprang dem Glauben, daß Europa fortan keine bedeutende Rolle mehr
im Machtkampf zwischen den Vereinigten Staaten und dem kommunistischen
Block spielen könne. Seine Verfechter, die sich hatten einreden lassen,
daß sie den Ausgang nicht beeinflussen könnten, wenn sie für die eine
oder andere Seite Partei ergriffen, zogen es vor, sich in olympischer
Objektivität dem Ringen fernzuhalten und beide Seiten zu gleichen
Teilen mit Kritik zu bedenken. Nun, da die Staaten Westeuropas zu immer
größerer Einheit finden, sind die Stimmen des Neutralismus, die vor zehn
Jahren diese erschreckende Kakophonie erzeugt haben, weitgehend zum
Schweigen gebracht worden.
Es

�Es gibt aber immer noch einige Leute, die sich vor einem starken,
geeinten Europa fürchten, wenn auch aus einem ganz anderen Grunde. Sie
sehen nicht mehr das Gespenst einer dritten neutralistischen Kraft,
sondern die Gefahr, daß die dritte Kraft und Amerika in zunehmendem
Maße getrennte Wege gehen. Ein^ starkes Kontinentaleuropa könnte ihrer
Meinung nach in Versuchung geraten, eine Politik des Gleichgewichts
der Kräfte neuer Art auszuprobieren, den Osten gegen den Westen auszuspielen und im Interesse der eigenen eigenbrötlerischen und selbstsüchtigen Ziele sein Gewicht, seine Autorität dem Meistbietenden zu
verkaufen.
Ich bin überzeugt, daß eine solche Voraussage die Natur der auf
beiden Seiten des Atlantiks wirksamen Kräfte völlig mißdeutet. Sie
übersieht die Vitalität und Tragfähigkeit unseres gemeinsamen Erbes.
Sie ignoriert die Realität unserer gemeinsamen Ziele. Sie sieht nicht,
welche Richtung Europa bereits eingeschlagen hat. Und sie verkennt in
der Tat das einfache Aufeinander-Angewiesensein der Mitglieder des NATOBündnisses, auf dem gegenwärtig unsere nationale Sicherheit beruht.
Meines Erachtens können Sie und wir durch die Schaffung eines
starken und vereinten Europa alles gewinnen. Ein vereintes Europa wird
ganz gewiß ein tieferes und stärkeres Gefühl der Verantwortung für die
Verteidigung der westlichen Wertbegriffe entfalten können als die Einzelstaaten eines schwachen und zersplitterten Europa. Einheit schafft
Stärke. Aus der Erkenntnis und dem Bewußtsein der Stärke erwächst nicht
nur die Fähigkeit, sondern auch der Wille, die Ereignisse zu beeinflussen.
Und für die Europäer, ebenso wie für uns Amerikaner, ist der Wille, den
Gang der Ereignisse zu beeinflussen,lediglich eine andere Art, ihrem
Verantwortungsgefühl Ausdruck zu verleihen.
Wir Amerikaner sind deshalb voll und ganz davon überzeugt, daß man
von Europa, je weiter es auf dem Wege zur Einheit fortschreitet, desto
mehr erwarten darf, daß es eine positive und verantwortliche Rolle bei
der Wahrnehmung unseres gemeinsamen Interesses übernehmen wird. Wir tun
dies in dem Bewußtsein, daß die atlantische Partnerschaft niemals eine
einseitige Angelegenheit sein kann und daß wir selbst unsere Verpflichtungen als guter Partner erfüllen müssen.

�IV.
Die Unterstützung der europäischen Integration und der Europäischen
Wirtschaftsgemeinschaft durch die Vereinigten Staaten hat tiefe Wurzeln,
Sie entspringt der Erinnerung an unsere eigenen föderativen Erfahrungen
und dem Wunsch, die blutige Rivalität zu beenden, die einst die großen
Staaten Westeuropas entzweite.
Aber die Amerikaner mußten erkennen, daß die kommerzielle Manifestation dieser Gemeinschaft, der Gemeinsame Markt, mit einer erheblichen Diskriminierung des amerikanischen Handels verbunden ist.
Somit ergibt sich für die Vereinigten Staaten und für dritte Nichtmitgliedstaaten die Notwendigkeit, ihre Industrie, ihre Landwirtschaft
und ihren Arbeitsmarkt dieser Sachlage anzupassen.
Das hat uns gleichwohl niemals von den weitergesteckten Zielen
unserer Politik abgelenkt. Trotz der Probleme, die sich für Amerika aus
der Entwicklung des Gemeinsamen Marktes ergeben, haben wir dem Wachsen
der europäischen Gemeinschaft nachhaltige und tätige Hilfe angedeihen
lassen .
Wir haben diese Unterstützung gewährt, weil wir von zwei Dingen
überzeugt sindl erstens, daß sich die europäische Gemeinschaft als
weltoffene Gesellschaft mit liberaler Handels- und Wirtschaftspolitik
erweisen wird, und zweitens, daß sie in zunehmendem Maße bereit sein
wird, weltweite Verantwortung zu übernehmen, je mehr ihre Stärke und
Einheit wächst,
V.
Unser Glaube an die liberalen Absichten der europäischen Gemeinschaft
fand seinen konkreten Ausdruck in dem Handelsgesetzentwurf, den Präsident
Kennedy kürzlich dem Kongreß der Vereinigten Staaten zugeleitet hat. Da
in Europa bezüglich des Charakters und der Zielsetzung dieser Vorschläge
einige Mißverständnisse herrschen, möchte ich sie hier kurz kommentieren.
Der Präsident ersucht in Verbindung mit der Gesetzesvorlage um die Vollmacht, neue Handelsvereinbarungen vornehmlich mit der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft, aber auch mit anderen Handelsstaaten treffen zu
dürfen. Nach den Vorschriften der amerikanischen Verfassung ist hierzu
eine Ermächtigung durch den Kongreß erforderlich. Die Regierung kann

- 7-

�kann Zollsenkungen nur im Rahmen der ihr vom Kongreß erteilten Befugnisse aushandeln.
Die Vollmachten, die der Präsident wünscht, sind eigens auf die
Probleme zugeschnitten, die jetzt unsere gemeinsamen Probleme sind.
In der Welt des Handels vollzieht sich gegenwärtig ein tiefgreifender
Wandel.
Falls auch Großbritannien dem Gemeinsamen Markt beitritt, hätte
dies zur Folge, daß sich schon sehr bald 90 Prozent des Handels der
freien Welt mit Industrieprodukten auf zwei große gemeinsame Märkte
konzentrieren würden! auf die Vereinigten Staaten und auf die erweiterte
Europäische Wirtschaftsgemeinschaft•
Diese beiden gemeinsamen Märkte würden dann erstmals auf der
Basis nahezu völliger Gleichheit miteinander verhandeln. Die Vereinig-*
ten Staaten und die EWG sind einander hinsichtlich der Bevölkerungszahl, des Handelsvolumens und des allgemeinen Produktions- und Leistungsstandes der Industrie nahezu ebenbürtig. Unsere jeweiligen
Außenzölle werden im Durchschnitt ungefähr gleich hoch sein. Bei bestimmten Waren werden die Zollsätze der EWG diejenigen der Vereinigten
Staaten überschreiten; bei anderen wird es sich umgekehrt verhalten.
In gemeinsamen Verhandlungen sollte es möglich sein, den Zugang zu den
beiderseitigen Märkten auf einer für beide Seiten vorteilhaften Basis
zu erleichtern. Allerdings würde den Vereinigten Staaten und der erweiterten EWG aus ihrem gemeinsamen Übergewicht im Welthandel gegenüber
dritten Staaten eine besondere Verantwortung erwachsen.
Stärke und Macht bringen für diejenigen, die sie besitzen, eine
Reihe besonderer Verpflichtungen mit sich. Durch Verhandlungen im
Rahmen des GATT und einschneidende

Zollsenkungen auf der Basis der

Meistbegünstigung könnten diese beiden großen gemeinsamen Märkte die
Schwierigkeiten und Besorgnisse aller Länder der freien Welt aus dem
Wege räumen. Dies setzt natürlich voraus, daß dritte Länder durch die
Gewährung von Konzessionen auf Gegenseitigkeit ebenfalls ihren Beitrag
leisten.

VI.
In dem Gesetzesvorschlag hat der Präsident um Vollmachten nachgesucht, die ihm die Möglichkeit geben würden, Verhandlungen über ein«

- 8

�eine wesentliche Erhöhung des Warenaustausches über den Atlantik zu
führen. Mit dem Ersuchen an den Kongreß, ihm diese Vollmacht zu gewähren, verfolgt der Präsident nicht die Absicht, die Spielregeln
zu diktieren, nach denen solche Verhandlungen geführt werden sollen.
Jene Regeln bleiben vielmehr Gegenstand gemeinsamer Vereinbarungen der
Verhandlungspartner«
Die wichtigste vom Präsidenten geforderte Verhandlungsvollmacht
soll ihn ermächtigen, Zollsenkungen auf amerikanischer Seite um bis
zu 50 Prozent zu vereinbaren.
Die vorgeschlagene Gesetzgebung würde außerdem eine Sondervollmacht enthalten, die es dem Präsidenten gestattet, in Verhandlungen
mit der EWG sogar amerikanische

Zollkonzessionen bis zu 100 Prozent

anzubieten. Diese Sondervollmacht könnte wegen der Art ihrer technischen Begrenzungen aber nur dann wirksam angewandt werden, wenn Großbritannien Mitglied der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft wird. Aus
dem Bemühen des Präsidenten, diese Sondervollmacht zu erhalten, spricht
aber keineswegs die Absicht, die gegenwärtig zwischen der EWG und Großbritannien schwebenden Verhandlungen zu präjudizieren. Sein Wunsch war
es lediglich, sich diese Vollmacht zu sichern, um auch mit einer erweiterten EWG verhandeln zu können für den Fall, daß jenen Verhandlungen Erfolg beschieden ist. Auf Grund dieser Sondervollmacht könnte
der Präsident bei einer begrenzten Zahl von Gütern - die hauptsächlich
von den Vereinigten Staaten und der erweiterten EWG angeboten werden bei entsprechenden Gegenkonzessionen Zollsenkungen bis zu 100 Prozent
vornehmen.
Das Ersuchen des Präsidenten um diese Sondervollmacht hat in
Europa einige Kritik ausgelöst. So hat man zum Beispiel angedeutet,
eine derartige amerikanische Initiative könnte den gemeinsamen Außenzolltarif aushöhlen, der die Europäische Gemeinschaft sowohl abgrenzt
als auch zusammenschließt.
Diese Sorge ist durchaus nicht begründet. Die Tatsache, daß im
Zuge von Handelsverhandlungen gewisse Güter von der EWG auf die Freiliste gesetzt werden, würde nicht die generelle Beseitigung des gemeinsamen Außenzolls bedeuten. Jedes unserer Länder hat bereits eine
Anzahl von industriellen Gütern auf der Freiliste stehen. So erheben
die Vereinigten Staaten gegenwärtig keine Zölle auf Schreibmaschinen.

- 9-

�Schreibmaschinen, Zeitungspapier, Kunstdünger und verschiedene Maschinentypen. Der gemeinsame EWG-Außenzoll wird für Synthesekautschuk, einige
Papierstoffe und Papiererzeugnisse, für gewisse Schiffs- und Bootstypen
sowie Schmuckwaren gleich null sein. Für Flugzeuge wurde er ausgesetzt.
Gibt es irgendeinen Grund, diese Freilisten nicht zu erweitern?
Darüber hinaus bezweifle ich, daß die Integrität des Gemeinsamen
Marktes in dem Maße von der Aufrechterhaltung eines relativ hohen
Außenzollniveaus abhängt, wie es behauptet wird. Die Auswirkung der
Zollsenkungen hängt wiederum davon ab, wie groß die Stufen gewählt
werden, Wenngleich ursprünglich die gemeinsame Außenzollmauer das
bestimmende Element gewesen sein mag, so hat doch die Gemeinschaft
ihre Integrität bereits durch andere weitreichende Maßnahmen hergestellt. Sie verfügt über ein gut ausgebautes institutionelles Gefüge,
und ihr Zusammenhalt wird - letzten Endes - von der laufenden Erweiterung des gemeinsamen Vorgehens auf immer mehr Bereiche gemeinsamer
Politik abhängen.
VII.
So wenig die Behauptung zutrifft, daß die Außenhandelsvorschläge
des Präsidenten in irgendeiner Form die Integrität des Gemeinsamen
Marktes bedrohen, so sehr scheint uns eine andere europäische Reaktion
übertrieben. Es handelt sich hierbei um die Ansicht, daß eine wesentliche Herabsetzung der Zölle auf beiden Seiten des Atlantiks nur dann
ohne Gefahr erreicht werden könne, wenn beide Parteien sich auf eine
gemeinsame Wirtschaftspolitik einigen. Im Endeffekt scheinen diese
Kritiken zu besagen, ein freierer Handel sei so lange unmöglich, bis
die Vereinigten Staaten es der EWG gleichtun und sich einer Disziplin
unterwerfen, die der von den römischen Verträgen verlangten ähnlich ist»
Dies ist meines Erachtens eine starke Überspitzung des Problems.
Mit der Beantragung einer neuen Handelsgesetzgebung schlägt der Präsident nicht die Bildung einer Zollunion oder Freihandelszone mit dem
Gemeinsamen Markt vor, ebensowenig empfiehlt er ein exklusives Handelsabkommen irgendwelcher Art mit der EWGt Was für Abmachungen auch getroffen werden, alle müssen auf der Basis der Meistbegünstigung abgeschlossen werden. Was er wirklich vorschlägt, ist vielmehr, daß die
Vereinigten Staaten im Einvernehmen mit der EWG auf eine Liberalisierung
- 10 -

�Liberalisierung des Handels unter Bedingungen hinarbeiten sollten, die
es allen Ländern gestatten, an den daraus resultierenden Vorteilen
teilzuhaben.

Dadurch zum Beispiel, daß die amerikanischen Löhne

wesentlich höher sind als die europäischen, werden unsere Exporte
nicht zwangsläufig wegen ihres Preises aus Ihrem Markt herausgedrängt,
und ebensowenig bleibt unser Markt Ihren Produkten wegen Ihrer geringeren Produktivität oder höheren Energiekosten verschlossen.
Dennoch sind wir uns darüber im klaren, daß - wenn der transatlantische Handel in der notwendigen Freiheit expandieren soll die Vereinigten Staaten und die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft
zusammen auf eine zunehmende Koordinierung ihrer beiderseitigen Wirtschaftspolitik hinarbeiten müssen. Aus diesem Grunde haben wir auch
die Anregungen unserer europäischen Freunde zu energischerem gemeinsamem Vorgehen begrüßt.
Gerade weil meine Regierung die harten Tatsachen des Aufeinander-Angewiesenseins der Industriemächte erkannt hat, schlug sie die
Schaffung der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) vor. Mit der Gründung dieser Organisation im vergangenen
September - und schon in den Monaten, die diesem Ereignis vorangingen hat die atlantische Gemeinschaft ein Instrument von unschätzbarem Wert
für das geordnete und beschleunigte Wachstum unserer Volkswirtschaften
erhalten. Und dabei haben wir gerade erst begonnen, die uns von den
zahlreichen OECD-Ausschüssen gebotenen Möglichkeiten der wirtschaftlichen Konsultation und Zusammenarbeit zu erschließen.
Wir sind bereit, bei der wechselseitigen Abstimmung unserer Wirtschaftspolitik und der Entwicklung und Verstärkung des Konsultationsund Koordinätionsinstrumentariums genau so weit zu gehen wie jedes
andere Mitglied der OECD. Wir sind bereit zu Beratungen über jeden
Aspekt der amerikanischen Wirtschaftspolitik, einschließlich des
weiten Feldes der Geld-, Finanz- und Handelspolitik. Ebenso sind wir
bereit, miteinander über die Harmonisierung unserer Landwirtschaftspolitik zu diskutieren, insbesondere über Maßnahmen, die darauf abzielen, der leistungsfähigen landwirtschaftlichen Produktion den Zugang zu den Weltmärkten zu erleichtern und die Agrarüberschüsse der
Welt konstruktiv und phantasievoll zu verwenden, um damit den Lebensinteressen der freien Welt - besonders in den Entwicklungsländern -

- 11 -

�Entwicklungsländern - zu dienen.
Wir erkennen auch, daß diese Konsultationen, wenn sie funktionieren
sollen, die Politik der einzelnen Länder im Entstehungsstadium - das
heißt, ehe sie durch offizielle Entscheidungen erhärtet ist - in Betracht
ziehen müssen.
Bei den Bemühungen um die Harmonisierung unserer Wirtschaftspolitik
fühlen wir uns natürlich verpflichtet, den Wettbewerb zu fördern und zu
erhalten sowie restriktive Maßnahmen zu vermeiden, Daß die EWG mit Vorschriften und Verfahren gegen die Kartellbildung angeht, scheint nach
unserer Meinung - durch Absteckung eines dem unsrigen ähnlichen Kurses die Möglichkeiten der Zusammenarbeit noch zu verbessern. Da unser Land
mit seiner langen antimonopolistischen Tradition unbeirrbar am Marktmechanismus als Wirtschaftsregulator festgehalten hat, begrüßen wir
diesen Schritt. Denn bei der Vertiefung und Verbreiterung des Terrains
der Zusammenarbeit müssen wir getreu unserer Tradition jeden Gedanken
an eine transatlantische Kartellisierung weit von uns weisen - und aus
diesem Grunde auch versuchen, Regelungen zu vermeiden, die möglicherweise den freien Kapitalfluß oder die Freiheit der Wahl des Unternehmers bei Investitionsentscheidungen beeinträchtigen.

VIII.
Der Weg des Freihandels ist nicht immer bequem. Innerhalb der
letzten zwei Wochen sah sich der Präsident der Vereinigten Staaten
gezwungen, Empfehlungen zur Erhöhung der Einfuhrzölle auf bestimmte
Arten von Teppichen und Flachglas zu billigen. Diese Empfehlungen
basieren auf Feststellungen der Zollkommission, die das Ergebnis
öffentlicher, allen Interessenten zugänglicher Informationsbefragungen
waren. Das löste wieder Kommentare in Europa aus, wo man sich fragte,
was dies auf lange Sicht für die amerikanische Handelspolitik zu bedeuten habe. Lassen Sie mich Ihnen genau sagen, was es zu bedeuten hat.
Im Augenblick beruhen die Vollmachten des Präsidenten zur Änderung
. der Zölle der Vereinigten Staaten, und zwar bis zur Verabschiedung
eines neuen Gesetzes, auf dem bestehenden Gesetz über Handelsabkommen.
Sinn und Tendenz dieses Gesetzes sind klar! Wenn ein amerikanischer
Industriezweig in ernsthafte Schwierigkeiten gerät, die auf Importe
zurückgeführt werden können, dann sieht das Gesetz die Wiedereinführung

_ 1 ? _

�.Wiedereinführung von Einfuhrbeschränkungen vor. Auf Grund dieses Gesetzes hat der Präsident die Zölle für Teppiche und Glas erhöht.
Dies war die einzige Form, in der der Präsident im Rahmen der bestehenden Gesetzgebung Abhilfe schaffen konnte. Das wird anders werden,
wenn der Kongreß das eingebrachte Gesetz über die Ausweitung des Handels
verabschiedet. Dieses Gesetz geht mit einer anderen Tendenz an die Probleme importbedingter Anpassung heran. Unter Berücksichtigung der Erfahrungen der EWG selbst sieht das Gesetz vor, daß derartige Probleme
in erster Linie durch Umstellungen im eigenen Lande zu überwinden sind.
Industriezweige, denen es Schwierigkeiten bereiten sollte, sich niedrigeren Zöllen anzupassen, sollen Finanz- und Steuerhilfen verschiedener
Art gewährt werden, die es ihnen ermöglichen, sich auf neue Produktionsgebiete umzustellen. Den Arbeitern wird man durch Umschulung und andere
Mittel helfen. Einfuhrbeschränkungen kommen nur noch in Ausnahmefällen
und dann nur für eine begrenzte Zeit in Betracht.
Aber selbst abgesehen von der vorgeschlagenen Änderung der Ausweichklauselpolitik der Vereinigten Staaten vermindert sich die Bedeutung der jüngsten Zollmaßnahmen, wenn man sie in die richtige Perspektive rückt. In all den Jahren, in denen die Ausweichklauseln das regui

läre Mittel waren, hat der Präsident nur in 17 Fällen ihre Anwendung
für nötig befunden.
Das ist eine beachtliche Leistung. Nur wenige Länder der Welt
haben solche Zurückhaltung geübt. Tatsächlich haben es einige der
Länder - ich betonet nicht alle -, die sich über die Maßnahme des
Präsidenten am meisten beschwert haben, bei früheren Gelegenheiten
für richtig gehalten, den Zollschutz vieler ihrer eigenen Industrien
wiederherzustellen. Manche von ihnen haben beispielsweise unter Berufung auf den GATT-Artikel XXVIII Hunderte von Tarifsätzen erhöht.
Andere haben gelegentlich in Verletzung des Abkommens zur Kontingentierung Zuflucht genommen. Derartige Maßnahmen haben oft zu großen
Härten geführt - insbesondere in anderen Teilen der freien Welt, wie
etwa in Japan.
Die wichtige Frage für uns ist jedoch nicht, welche Restriktionen
in der Vergangenheit angewandt wurden, sondern welche Politik wir in
Zukunft verfolgen wollen. Der jetzt dem amerikanischen Kongreß vorliegende Handelsgesetzentwurf verkörpert den Grundsatz, daß in bezug
auf den Importwettbewerb den Handelsanpassungen und nicht den Händels- 13 -

�Handelsrestriktionen der Vorzug gegeben werden sollte. Ich bin sicher,
daß dieser Grundsatz letztlich in den internationalen Handelsbeziehungen
weitgehende Anwendung finden wird.
Die Vereinigten Staaten betrachten es als selbstverständlich, daß
die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft weltoffen bleiben und nicht der
Versuchung nachgeben wird, einen eigenen, vom Rest der freien Welt
isolierten Handelsblock zu schaffen. Wir nehmen ferner an, daß sich die
Mitgliedstaaten der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft mit zunehmender
Stärke und Einheit Europas in steigendem Maße für die Sicherheit und
das Gesamtwohl der übrigen freien Welt mitverantwortlich fühlen werden.
Als die Nation mit den weitaus größten Hilfsquellen haben die Vereinigten Staaten seit Beendigung des zweiten Weltkrieges den Verteidigungsschild gestellt, hinter dem Europa sich entwickeln konnte. Sie
haben ferner für einen ständigen Kapitalfluß in die Entwicklungsländer
gesorgt, um ihnen bei der Verbesserung ihres Lebensstandards zu helfen,
der für ihre Stabilität und Unabhängigkeit von so wesentlicher Bedeutung
ist.
Das alles konnte nicht ohne Kraftanspannung und Mühe vollbracht
werden. Unser heutiges, störendes Zahlungsbilanzdefizit beweist in
dramatischer Weise, welche schwere Last die Vereinigten Staaten zu
tragen haben. Die Ursachen dieses Defizits sind einzigartig in der
Geschichte. Es resultiert nicht etwa aus dem Versagen der Vereinigten
Staaten im Wettbewerb auf den Weltmärkten - denn unsere Handelsbilanz
weist weiterhin einen jährlichen Überschuß von mehreren Milliarden Dollar
auf. Sondern es ergibt sich klar und eindeutig aus der Tatsache, daß wir
außerordentlich große Anstrengungen im Interesse der Verteidigung der
freien Welt und der Entwicklungshilfe auf uns genommen haben.
Die Vereinigten Staaten werden nicht schwankend in ihrer Pflichterfüllung. Sie werden auch weiterhin ihren vollen Anteil an den finanziellen und technischen Lasten des Sicherheitsschilds der freien Welt
tragen. Die Regierung der Vereinigten Staaten ist mit Zurückhaltung
an die Lösung ihrer Zahlungsbilanzprobleme herangegangen. Sie hat
Vorschläge zum Ausgleich ihrer Bilanz entweder durch restriktive
Maßnahmen oder auch durch einen Abbau unserer weltweiten Verpflichtungen abgelehnt.
Gleichzeitig

�Gleichzeitig brauche ich kaum zu betonen, daß dieses kontinuierliche
Defizit ein Anlaß zu ständiger Besorgnis für meine Regierung ist. Und
wir sind nicht restlos davon überzeugt, daß Europa, das zu immer größerer
Stärke und Einheit zusammenwächst, schon den vollen Anteil an den Lasten
trägt, den es seiner wachsenden Starke entsprechend übernehmen könnte.
Bei der uns gestellten Aufgabe kann man zwei Teile unterscheiden.
Die zwingende Notwendigkeit, noch größere militärische Anstrengungen
zu unternehmen, um die Glaubwürdigkeit unserer Abschreckungsmacht zu
erhöhen, habe ich bereits erörtert. Es bedarf kaum der Erwähnung, daß
der unverhältnismäßig hohe Anteil der gemeinsamen Verteidigung, den die
Vereinigten Staaten zu tragen haben, eine der Hauptursachen unserer
Zahlungsbilanzschwierigkeiten ist. Die Unterhaltung unserer militärischen Streitkräfte in Europa zum Beispiel bedeutete im letzten Jahr
für die Zahlungsbilanz der Vereinigten Staaten einen Nettoabfluß von
1,6 Milliarden Dollar.
Der zweite Teil der Aufgabe betrifft die Verantwortung, die wir
in den hochindustrialisierten Ländern der atlantischen Gemeinschaft
gegenüber jener Hälft© der Bevölkerung der freien Welt tragen, die noch
keinen annehmbaren Lebensstandard erreicht hat. Diese Verantwortung
verlangt, daß wir ihnen die finanziellen Mittel zuleiten, die notwendig
sind, um jenen Hunderten von Millionen Menschen eine angemessene - und
schließlich von selbst weiterwachsende - wirtschaftliche Entwicklung zu
ermöglichen; sie verlangt, daß wir auf diese Weise dem Imperativ der
"Revolution der steigenden Erwartungen" Folge leisten.
Gestatten Sie mir an dieser Stelle, die deutsche Regierung und
das deutsche Volk zu dem wachsenden Verständnis für die Größe dieser
Aufgabe zu beglückwünschen, das sie an den Tag gelegt haben. Wir in
den Vereinigten Staaten vertrauen darauf, daß Sie mit zunehmender
Stärke Ihre Anstrengungen weiter vergrößern, die Qualität Ihrer Hilfeleistungen weiter verbessern werden - durch Ausweitung des Umfangs
Ihrer'Entwicklungshilfe und durch Gewährung dieser Hilfe zu Bedingungen,
die geeignet sind, die Belastung der Zahlungsbilanzen der Empfängerländer nach Möglichkeit zu vermindern.
Zu den von uns zu bewältigenden Problemen gehört auch die Koordinierung und Ausweitung unserer Hilfsprogramme. Dafür haben wir uns
im Entwicklungshilfe-Ausschuß der OECD ein großartiges Instrument ge-

- 15 -

�geschaffen. Wenn wir dieses Werkzeug tatkräftig und entschlossen einsetzen, sollten wir imstande sein, es in eine für unsere gemeinsamen
Anstrengungen sehr nützliche Institution zu verwandeln. In diesem Ausschuß ist man zur Zeit dabei, Arbeitsstäbe jeweils für bestimmte
Länder und Gebiete zu schaffen, die bei der Koordinierung, Ausdehnung
und Anwendung der wirtschaftlichen Unterstützung der betreffenden
Länder und Gebiete Hilfestellung leisten sollen. Jede Arbeitsgruppe
wird aus Vertretern von zwei oder mehr Industrieländern sowie - falls
erforderlich - auch Vertretern der vorhandenen internationalen
Finanzinstitute gebildet. Diese Gruppen sollen natürlich in engstem
Einvernehmen mit den Empfängerländern zusammenarbeiten.

X.
Aber die direkte Unterstützung kann nur ein Teil der Aufgabe seinFrüher oder später müssen die Entwicklungsländer selbst dahin kommen,
daß sie ihr wirtschaftliches Wachstum über die unmittelbare Injektion
auswärtiger öffentlicher Mittel hinaus erweitern und aufrechterhalten.
Das aber können sie auf lange Sicht nur durch die Schaffung von Umweltbedingungen erreichen, die der Privatinvestition Vorschub leisten, sowie
durch den Verkauf ihrer Güter an die Welt zu einigermaßen stabilen
Preisen.
Für die nächsten Jahre schon zeichnet sich eine erhebliche Evolution
d«s Charakters der'wirtschaftlichen Bindungen zwischen den fortgeschrittenen Ländern und den aufstrebenden Gebieten Asiens, Lateinamerikas und Afrikas ab. Zwei Muster sind möglich« im einen Falle werden
die Entwicklungsländer in zunehmendem Maße Zugang zu den Märkten aller
fortgeschrittenen Nationen der Welt erlangen und auf dieser Grundlage
das eigene Wachstum beschleunigen können, im anderen Falle werden sich
die Gepflogenheiten des Präferenzhandels aus den alten Kolonialsystemen
in neuen Formen verewigen.
Der zweite Weg führt jedoch in eine Sackgasse. Er tendiert zur
Verzerrung der Handelsströme, zur Züchtung einer künstlichen und unwirtschaftlichen Produktion, zur Beschränkung der Spannweite der
Wirtschaftsaufgliederung und zur fortgesetzten Diskriminierung anderer
Entwicklungsländer. Außerdem werden die Länder innerhalb der Präferenzsysteme - selbst wenn sie im Augenblick ihre Privilegien attraktiv

- 16 -

�attraktiv finden mögen - sich allmählich gegen jede Regelung sträuben,
die ihnen auf die Dauer die Freiheit der Wahl beschneidet.
Falls sich die Vereinigten Staaten und die EWG gemeinsam entschließen, ihre Märkte den Rohprodukten der Entwicklungsländer auf der
Basis der Nichtdiskriminierung zu öffnen, können sie einer Evolution
den Weg weisen, die auf lange Sicht ein gesundes Welthandelsklima
schaffen wird, in dem die Entwicklungsländer ihre Weltmarktproduktion
nach und nach auszubauen vermögen. Es ist klar, daß dies nicht über Nacht
zu erreichen ist. Der Übergang zur Nichtdiskriminierung im Handel mit
den Entwicklungsländern erfordert Übergangsregelungen, Kompensationsverfahren, die den heute noch auf Präferenzbehandlung angewiesenen
Ländern die Umstellung auf die Nichtdiskriminierung erleichtern, und
Unterstützungsmaßnahmen, die ihnen die Durchführung zweckdienlicher
langfristiger Entwicklungspläne ermöglichen.Außerdem ist notwendig,
daß die wirtschaftlich fortgeschrittenen Länder eng zusammenarbeiten, um
sicherzustellen, daß dem kritischen Problem der Preisfluktuation auf
den Rohstoffmärkten durch adäquate weltumspannende Abkommen in gebührender
Weise Rechnung getragen wird.
Die Vereinigten Staaten sind bereit, ihren Anteil zu solchen Bemühungen beizusteuern.
Bei einem solchen Kurse werden Sie und wir auf lange Sicht zu
einer Weltnachbarlichkeit gelangen, in der die wirtschaftlich fortgeschrittenen Länder sich in die Verantwortung für die Unterstützung
der Entwicklungsländer sowohl durch Handel als auch durch Wirtschaftshilfe teilen, weil sie genau erkannt haben, daß es sich hier um
Probleme von solchem Ausmaß handelt, daß wir alle uns zu Gebote stehenden Hilfsmittel, technischen Fähigkeiten und Geistesgaben aufbieten müssen,
wenn es uns gelingen soll, Stabilität und Stärke in der freien Welt zu
schaffen.
Abschließend möchte ich daran erinnern, daß Präsident Kennedy
aufgerufen hat, die sechziger Jahre zu einem "Jahrzehnt der Entwicklung"
zu machen - zu dem Jahrzehnt, in dem die wirtschaftlich fortgeschrittenen
Länder, orientiert an hohen Leitideen und mit einem Gespür für den Gang
der Geschichte, die Rolle spielen, die ihrer Traditionen und ihrer
Stärke würdig ist.
Dit

�Die atlantische Partnerschaft verfügt über die Mittel, dieses
Ziel zu erreichen. Wir machen Fortschritte. Wir müssen und wir werden
unsere Anstrengungen verstärken. Wenn wir dies tun - und die Früchte
unseres Wohlstandes mit anderen teilen -, dann können wir aus unserer
Zeit eine Ära machen, die die Historiker nicht wegen der Aufregungen
und der Bitternis des kalten Krieges, sondern als den Moment festhalten werden, an dem die Menschheit endlich doch den Weg zur Freiheit
von Not und Furcht gefunden hat.

* * * * *

- 18 -

�A M E R I K A

D I E N S T

Allg./19-4«1962
DIE VERTEIDIGUNGSPOLITIK DER USA UND DIE NATO
Von Paul H. Nitze

HAMBURG - (AD) - Nachstehend übermitteln wir
Ihnen den Wortlaut einer Ansprache, die der
Unterstaatssekretär für Internationale Sicherheit im US-Verteidigungsministerium, Paul H.
Nitze, auf Einladung der Amerika-Gesellschaft
am 11 . April '\962 in Hamburg in deutscher Sprache
gehalten hat.

Es ist mir eine Freude, wieder einmal in Deu tschland zu sein und
zu Ihnen sprechen zu dürfen. Als besonders glückl iches Omen betrachte
ich es, daß meine Deutschlandfahrt unter der Schi rmherrschaft der
Amerika-Gesellschaft und der Atlantik-Brücke stat tfindet, denn jener
Brückenschlag über den Atlantik, für den Ihre bei den Organisationen
sich einsetzen, bietet die beste Gewähr für Fortb estand und Gedeih
der Ihnen hier und uns in Amerika gemeinsamen Kul tur und Zivilisation,
Auf der Stärke dieser Atlantischen Gemeinschaft, so scheint mir, beruht auch die Hoffnung der übrigen Welt auf eine vernünftige internationale Ordnung, in der alle Nationen ihr eigenes Schicksal frei von
äußerem Druck und Zwang gestalten können - voraus gesetzt, wir verbinden Kraft mit weiäem Maßhalten.
In dieser Stunde möchte ich mit Ihnen vier Hauptthemen durchsprechen:
1 . die Grundkonzeption der Vereinigten Staaten, die in der NATO
den schlechthin zentralen Faktor sieht für eine wirksame Verteidigung
der unabweisbar aufeinander angewiesenen nordamerikanischen und westeuropäischen Länder;
2. die innere Logik des Eintretens der Vereinigten Staaten für
den weiteren Ausbau der konventionellen Streitkräfte einerseits und
die weitere Verstärkung der westlichen atomaren Abschreckung andererseits;
5. die Fortschritte der Vereinigten Staaten und der übrigen
NATO-Mächte in ihrem Bemühen um die weitere militärische Stärkung
der NATO nicht hur für die derzeitige Krise um Berlin, sondern auf
lange Sicht.
- 1 4.

�"AMERIKA DIENST"

19« April 1962

4. einige persönliche Gedanken über die künftige Entwicklung
der NATO und der Atlantischen Gemeinschaft, Gedanken, die den untrennbaren Zusammenhang der Verteidigung Europas und Nordamerikas
und die verjüngte Kraft der europäischen NATO-Mitglieder zum Ausdruck bringen werden.
Ich brauche Ihnen kaum zu sagen, mit welch warmen Interesse,
mit welch innerer Anteilnahme wir in Amerika den Aufstieg Westeuropas beobachtet haben - aus der Zerrüttung des zweiten Weltkrieges
zum Wiederaufbau, gefördert durch den Marshallplan; dann zur Gemeinschaft für Kohle und Stahl, weiter zum Gemeinsamen Markt und Euratom
und schließlich jetzt zu intensiver Suche nach der Form einer noch
engeren politischen Verbindung der westeuropäischen Nationen. Gleichzeitig mit dem Heranwachsen dieser immer kräftigeren und festeren
Europäischen Gemeinschaft wuchs auch jene Atlantische Gemeinschaft,
zu deren Vertiefung gerade die Amerika-Gesellschaft und die AtlantikBrücke so erheblich beitragen. Diese Entwicklung zur Atlantischen
Gemeinschaft beruht auf einer Vielzahl gemeinsamer kultureller,
geschichtlicher und politischer Bande und wirtschaftlicher Interessen.
Heute, angesichts der vorhandenen und noch wachsenden militärischen
Stärke des Ostblocks, besteht eine klare, offenbare Notwendigkeit
engsten Zusammenwirkens auf militärischem Gebiet innerhalb der westlichen Staatengruppe und insbesondere zwischen Westeuropa und Nordamerika. Die moderne Technik und ihre Auswirkungen auf den Raumund den Zeitfaktor in aller strategischen Planung haben in der Tat
die Auffassung überholt, daß die Mitglieder der Atlantischen Gemeinschaft ihre Verteidigung auf einzelstaatlicher Basis planen
könnten, wie einst im 19» Jahrhundert. Heute ist die Verteidigung
Europas und Nordamerikas unteilbar. Aus dieser Erkenntnis gemeinsamer Verteidigungsinteressen ist die NATO erwachsen, die eines der
besten Beispiele für die vitale Fähigkeit unserer gemeinsamen Kultur
ist, neuen Anforderungen und Herausforderungen zu begegnen.
Anlaß und Ansporn für die NATO liegen im erklärten, dogmatisch
verankerten kommunistischen Willen, den Sozialismus in Anführungsstrichen, das heißt den Kommunismus, in der ganzen Welt zur Herrschaft zu bringen. Das kommunistische Dogma in seiner neueren Abwandlung postuliert als Methodik zur Erreichung dieses Zieles die
sogenannte "friedliche Koexistenz", welche nach kommunistischer
Definition;,"gerechte Kriege", wie zum Beispiel "Befreiungskriege",
einschließt. Die ungewöhnlich pervertierte -Sprachregelung der totalitären kommunistischen Regime, die sich selbst als "Demokratien"
bezeichnen, westliche Verteidigungsmaßnahmen aber als "aggressiv"
charakterisieren, verwirrt die Begriffe in manchen Köpfen. "Frieden"
ist vom kommunistischen Standpunkt lediglich ein Zustand, der es dem
Kommunismus erlaubt, ohne offenen militärischen Konflikt, seine
Herrschaftsziele zu erreichen. Nach kommunistischer, die Dinge auf
den Kopf stellender Logik geht die einzige Gefahr für den Frieden von
denen aus, die dem kommunistischen Angriffsdruck Widerstand leisten,
die mit anderen Worten willens sind, sich eher mit der Waffe zu verteidigen als die ideellen Werte ihrer eigenen, frei gewählten

-

2

�19. April 1962

AMERIKA DIENST

gewählten Gesellschaftsform aufzugehen. Schon Clausewitz hat festgestellt, der Angreifer sei immer friedliebend, denn er wünsche ja
nichts so sehr als Gebietserwerb von einem Opfer, das sich nicht wehrt.
Clausewitz bemerkt dazu, Krieg existiere "im Interesse des Angegriffenen" und resultiere aus dessen Willen, lieber für seine Lebensinteressen zu kämpfen als sie dem Angreifer widerstandslos preiszugeben.
Das Anwachsen der sowjetischen Militärmacht, die einheitliche
Steuerung jedenfalls der europäischen Ostblockstaaten vom Moskauer
Zentrum und die vorher erwähnte kommunistische Weltherrschaftsideologie stellen zusammengenommen die Atlantische Gemeinschaft auf die
schwerste Probe. Die NATO ist unsere grundsätzliche Antwort auf diese
Herausforderung.
Aufeinanderfolgende Präsidenten der Vereinigten Staaten haben
konsequent die entscheidende Bedeutung der NATO anerkannt. Als vor
nunmehr etwa fünfzehn Monaten die neue demokratische Regierung ihr
Amt antrat, ordnete Präsident Kennedy sogleich eine Überprüfung unserer Verteidigungserfordernisse an, einschließlich der strategischen
Planung und des atomaren und nichtatomaren Potentials unserer Streitkräfte. Diese Überprüfung führte zu dem Ergebnis, daß innerhalb der
amerikanischen Gesamtpolitik der Sicherung Europas und der Stärkung
des NATO-Bündnisses auch weiterhin überragende Bedeutung zukommt.
Unsere Verpflichtungen zur Aufrechterhaltung der europäischen Sicherheit und unsere Absicht, die amerikanischen Streitkräfte hier in
Europa stark zu halten, sind daraufhin von Präsident Kennedy im vergangenen Frühjahr ausdrücklich bekräftigt worden.
Für eine Bestandsaufnahme unserer Verteidigungspolitik im Vorjahr sprach auch ein Gefühl, daß die Verhältnisse innerhalb der NATO
sich seit dem Gründungs jähr 1949 geändert haben. Damals lag die wesentliche Bedeutung des Bündnisses in der von Amerika übernommenen
Verpflichtung, seine Macht für Europa einzusetzen. Inzwischen hat die
NATO sich über den Punkt hinaus, wo das Bündnis in erster Linie auf
den amerikanischen Beitrag angewiesen war, zu einem in militärischer
und anderer Hinsicht ausgeglicheneren Verhältnis wechselseitiger Abhängigkeit zwischen den amerikanischen und den europäischen Partnern
entwickelt. Das ist nur natürlich. Erstens ist es heute weder angängig
für Westeuropa, die ganze Skala von Waffen und Streitkräften - konventionellen und atomaren - zu entwickeln, die als Gegengewicht gegen
die östliche militärische Bedrohung notwendig sind, noch ist es angängig für die Vereinigten Staaten, sich militärisch auf sich selbst
zurückzuziehen und eine "autarke" Verteidigung ohne NATO aufzubauen.
Zweitens rechtfertigt die erstaunliche Wirtschaftsentwicklung Westeuropas im letzten Jahrzehnt, die übrigens die Vitalität der gesamten
westlichen Zivilisation erneut beweist, eine gleichmäßigere Verteilung
der wirtschaftlichen Lasten der gemeinsamen Verteidigung des Westens.
Drittens erwachsen den Europäern aus ihrer zunehmenden politischen
Einigung und politischen Stärke auch größere Verpflichtungen innerhalb
der NATO. Wie Ihr Verteidigungsminister, Herr Strauss, es in seinem
Nash-Memorial-Vortrag an der Georgetown-Universität im November vorigen
Jahres ausdrückte: "Aus der früheren Einbahnstraße ist eine Zweibahnstraße geworden, auf welcher der Verkehr in beiden Richtungen fließt."

-

3 -

Aus

�"AMERIKA DIENST"

19. April 1962

Aus dieser allgemeinen Sicht heraus ist unsere neue Regierung an
die Überprüfung ihrer ersten verteidigungspolitischen Entscheidungen
herangegangen. Die unmittelbaren operativen Entschlüsse, die wir
im Verteidigungsministerium nach dem Amtsantritt zu fassen hatten,
mußten sich zwangsläufig zunächst ganz konkret mit Personal-, Ausrüstungs- und Geldfragen befassen. Grundsatzentscheidungen über die
einzuschlagende strategisch-politische Gesamtrichtung dienen nicht
nur als Richtlinien für solche praktischen Entschlüsse, sondern werden auch weitgehend von früheren operativen Entschlüssen beeinflußt.
Aber schon diese Entscheidungen beruhten auf abwägender Prüfung und
überlegter Wahl zwischen möglichen Alternativen.
Unsere weltweiten Verpflichtungen überblickend, kamen wir zu dem
Schluß, daß wir imstande sein müssen, drei verschiedene Formen der
militärischen Herausforderung entweder durch Abschreckung, d.h. durch
Furcht vor unseren Gegenmaßnahmen, überhaupt zu verhindern oder - falls
die Abschreckung versagt - wirksam zu bekämpfen, nämlich den Atomangriff, den Angriff mit konventionellen Waffen und den "indirekten"
Angriff - wobei der indirekte Angriff von der systematischen Zersetzungskampagne über den Partisanenkrieg Öis zum offenen Aufstand
reicht.
Unser Bemühen geht folglich dahin, für alle drei Arten der Bedrohung gewappnet zu sein. Bedeutung und Notwendigkeit einer Rüstung
zur Abwehr der Gefahren Nummer 1 - Atomangriff - und Nummer 3 indirekter Angriff, also Partisanenkrieg usw.- werden allgemein anerkannt und verstanden. Nicht so ganz verstanden werden dagegen vielfach die Gründe für den Ausbau von Streitkräften für Gefahr Nummer 2
sowie der Zusammenhang zwischen einem solchen Ausbau der konventionellen Kräfte und der Verteidigung der NATO-Zentralfront.
Als zweites Hauptthema dieses Vortrags möchte ich daher die Erläuterung der Gründe ansprechen, welche hinter der amerikanischen Auffassung stehen, daß das Verhältnis zwischen dem nichtatomaren und dem
atomaren Potential der NATO verbessert werden muß, Ich bin mir darüber
klar, daß von manchen der Ausbau der nichtatomaren Streitkräfte für
überflüssig gehalten wird in einer Welt, in der jede der beiden Mächtegruppen, die sich am Eisernen Vorhang gegenüberstehen, Kernwaffen besitzt. Man argumentiert beispielsweise, jeder bewaffnete Konflikt
müsse sich zwangsläufig und unverzüglich zum allgemeinen Atomkrieg
steigern, der weitere Ausbau der konventionellen Streitkräfte verrate
defätistisches Denken, er rufe Spaltungen unter den Bundesgenossen
hervor und erschüttere in den Augen der Sowjets die Glaubhaftigkeit
unserer atomaren Abschreckungsstrategie.
Ich kann mit dieser Beurteilung nicht übereinstimmen. Ich bin
vielmehr der Ansicht, daß gerade eine Verstärkung unserer konventionellen Kräfte unseren Willen, gegebenenfalls zum atomaren Gegenschlag
auszuholen, glaubhafter machen würde. Außerdem würde uns eine solche
Verstärkung schon an und für sich gestatten, auf eine direktere und
zweckentsprechendere Weise gewissen kommunistischen nichtnuklearen

- 4 -

�I

AMERIKA DIENST

19. April 1962

nichtnuklearen Angriffsaktionen zu begegnen. Sie würde die Handlungsfreiheit der Kommunisten beschränken und sie mehr als bisher
davon abschrecken, es mit den ihnen zur Verfügung stehenden nichtatomaren Angriffsmöglichkeiten zu versuchen. Eine Verstärkung der
konventionellen Streitkräfte ist schließlich auch Vorbedingung für
eine echte Vorwärtsstrategie in der Verteidigung Europas, d.h.
eine Strategie, die darauf abgestellt ist, jeden kommunistischen
Angriff schon an den Grenzen abzufangen - und nicht erst, nachdem
der Gegner über die Grenzen hinaus vorgedrungen ist.
Überlegen Sie bitte, welche Art von NATO-Rüstung, welche programmatischen Erklärungen, welche Handlungsweise auf unserer Seite
wohl am meisten geeignet wäre, das Urteil der Sowjetunion darüber
zu beeinflussen, wie weit sie sich mit Angriffsaktionen vorwagen darf,
ohne dabei unerwünscht nahe an den Abgrund eines Atomkriegs zu geraten.
Ich möchte glauben, daß der stärkste Eindruck von der westlichen
Kernwaffenrüstung ausgehen würde, von der Tatsache, daß das Arsenal
unserer Kernwaffen jeden möglichen Angriff sowjetischer Streitkräfte
zu überstehen vermag, daß diese Waffen die sowjetische Verteidigung
durchbrechen können und daß sie wirksamer, verantwortungsbewußter
Kontrolle unterliegen. Auch die Zahl, Treffsicherheit und Zerstörungskraft der Atomwaffen des Westens dürften Eindruck machen und
eine sehr glaubwürdige Abschreckung darstellen.
Als zweiter Faktor sind westliche Äußerungen und Erklärungen
anzusehen, die die Sowjets erkennen lassen, welche seiner Interessen
der Westen unbedingt zu wahren entschlossen ist. Führende Persönlichkeiten der westlichen Welt haben bereits in klaren und unmißverständlichen Worten gewarnt, daß wir alle fest entschlossen sind, unsere
westlichen Interessen in Berlin zu verteidigen.
Der dritte Faktor sind Taten. Welches sind nun die Taten, durch
die wir beweisen können, daß Angriffe gegen unsere Interessen, sofern
sie andauern, eine Situation schaffen, in der das Risiko eines Atomkrieges sich zum äußersten steigert? Untersuchen wir einmal zwei verschiedene angenommene Fälle:
Erster angenommener Fall: Die NATO-Zentralfront wird nur von sehr
schwachen westlichen Kräften gehalten. Das bedeutet die Gefahr eines
tiefen Einbruchs durch nichtatomare Sowjetstreitkräfte der Gegenseite.
Auch, falls es sich nur um einen kleinen sowjetischen Einbruch handelte, stünde dem Westen nur eine militärische Gegenmaßnahme offen der sofortige Einsatz von Atomwaffen.
Zweiter abgenommener Fall: Die NATO-Zentralfront ist dicht besetzt
und es besteht eine durchgehende Frontlinie nach dem Konzept der Vorwärtsstrategie. Genügende NATO-Kräfte stehen bereit, um im Falle einer
sowjetischen Verletzung westlicher Interessen in Berlin einen energischen,nichtatomaren Vorstoß in den Luftkorridoren oder längs der Autobahn vorzutragen. Solch ein Vorstoß könnte nur unter beträchtlichem

- 5 -

�"AMERIKA DIENST

19. April 1 962

beträchtlichem Einsatz sowjetischer Kräfte und nur im Rahmen größerer
sowjetischer Kampfhandlungen gegen NATO-Kräfte zurückgeworfen werden,
was dann zweifellos zu einem westlichen Atomwaffeneinsatz führen würde.
Angenommen, Sie befänden sich auf der anderen Seite. Welche dieser
beiden hypothetischen Situationen würde Ihrer Ansicht nach das größere
Atomkriegsrisiko bergen? In welcher von beiden Situationen wären Sie
eher geneigt, von einer Reihe von Maßnahmen abzusehen, die dazu dienen
sollen, die westlichen Interessen Zug um Zug zu unterminieren? Für mich
ist die Antwort klar. Für mich ist es sehr viel wahrscheinlicher, daß
der Westen es im zweiten Falle nach Lage der Dinge für politisch tragbar hielte, zum Schutze seiner Interessen tatkräftig zu handeln. Daß
der Westen unter den Umständen des ersten Falles eine solche Initiative
akzeptabel fände, ist meines Erachtens weniger wahrscheinlich.
Dann dies ist das Problem: In der ersten unserer beiden angenommenen
Situationen wäre es einfach nicht glaubhaft, daß wir oder irgend jemand
sonst einen bloßen "Zwischenfall" mit dem sofortigen Einsatz von Atomwaffen beantworten würden.
Einige Gegner der Verstärkung der konventionellen Streitkräfte
fürchten, wir könnten bei fortschreitendem Ausbau unserer Kräfte
versucht sein, uns in Zukunft ausschließlich auf die nichtatomaren
Verbände zu verlassen, und zwar selbst im Falle eines Vorstoßes
kommunistischer Kräfte in NATO-Gebiet. Diese Furcht ist unbegründet.
Im Falle eines massiven Angriffs mit konventionellen Waffen, dett
einen bedeutenden Teil des NATO-Gebiets in die Gefahr brächte, überrollt zu werden, würde der Westen mit allen verfügbaren Mitteln antworten, Atomwaffen eingeschlossen.
Diese Überlegungen gelten in besonderem Maße für die gegenwärtige
Lage in Berlin. Die Bewahrung der Freiheit Berlins ist für den Westen
weit wichtiger als die Unterdrückung eben dieser Freiheit für die Sowjets
Wir müssen geeignete Mittel zur Hand haben, um ihnen diese Tatsache über
jeden Zweifel hinaus klarzumachen, und zwar durch Handlungen ebenso wie
durch Worte. Wir müssen sie zur vollen Erkenntnis des Risikos bringen,
das sie eingehen, wenn sie ihre Kampagne gegen die Freiheit Berlins
weiter und weiter vorantreiben - des Risikos nämlich, daß sie sich
selbst in eine Lage bringen könnten, aus der es kein Zurück mehr gibt.
Dies bringt mich zum dritten Hauptthema meines Vortrags: die wachsende militärische Gesamtstärke der NATO. Zum Teil ist diese wachsende
Stärke das Ergebnis von Maßnahmen der Vereinigten Staaten. Die neue Regierung Kennedy entschied sogleich nach ihrem Amtsantritt, daß es eine
ihrer ersten Aufgaben sein müsse, dafür Sorge zu tragen, daß die Vereinigten Staaten bereit seien, ihren vollen Beitrag zur Abwehr sowohl
der atomaren als auch der nichtatomaren Bedrohung des Westens zu leisten.
Dabei ergaben sich praktische Probleme hinsichtlich der allgemeinen
Organisation der Streitkräfte, des Beschaffungswesens, der militärtechnischen Forschung und Waffenentwicklung sowie der Ausbildung.
Die

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19 . April 1962

Die erste Hälfte unseres militärischen Programms war darauf
gerichtet, die amerikanische Kernwaffenrüstung qualitativ auf einen
noch höheren Stand zu bringen, unsere Kernwaffen gegen Zerstörung
durch Überraschungsangriffe zu sichern und das Kontroll- und Befehlssystem für die Kernwaffen zu verbessern. Die zweite Hälfte unseres
Programms hatte eine wesentliche Erhöhung unseres nichtatomaren Potentials zum Ziel. In beiden Richtungen haben wir bereits sehr erhebliche
Fortschritte zu verzeichnen.
Wir sind heute auf Grund unserer Anstrengungen im Kernwaffenbereich
überzeugt, daß wir durchaus imstande sind, jedes Zielobjekt unserer
Wahl zu zerstören, und zwar selbst dann, wenn wir zunächst einmal einen
nuklearen Überraschungsangriff überstehen mußten. Seit Präsident Kennedys
Regierungsantritt ist das Bauprogramm für Polaris-Unterseeboote auf
insgesamt 41 erweitert worden; gleichzeitig wurden die Auslieferungsfristen dergestalt verkürzt, daß von den Booten 12-29 eins pro Monat und
von den Booten 30-41 eins alle zwei Monate übernahmefertig wird. Schon
heute hat das Polaris-Personal insgesamt 125 000 Stunden "Einsatzerfahrung" gesammelt. Das Bauprogramm für zunächst zwölf Gruppen mit
insgesamt 600 Minuteman-Langstrecken-Feststoffraketen in geschützten
und gestreuten Feuerstellungen wird zur Zeit durchgeführt. Es ist schon
jetzt geplant, später nochmals vier und wahrscheinlich noch weitere
Gruppen hinzuzufügen. Auch haben wir die ursprünglich für die Weiterentwicklung der Skybolt-Langstreckenrakete vorgesehenen Beträge noch
vergrößert. Zum Schutz unserer strategischen Bombenflugzeuge vor der
Zerstörung durch Überraschungsangriffe haben wir die Alarmbereitschaft
der am Boden bereitstehenden und auch die Anzahl der ständig in der Luft
befindlichen Bomber erhöht. Dazu sind unsere Luftabwehr und unsere Warnsysteme weiter verbessert worden. Gleichzeitig werden Forschung und
Weiterentwicklung auf dem Gebiet der Abwehrraketen gegen interkontinentale
ballistische Flugkörper vorangetrieben. Vielleicht am entscheidendsten
für die nähere Zukunft ist die Tatsache, daß wir neuerdings imstande sind,
fünfzig Prozent unserer bemannten Bomber auf den Plätzen binnen fünfzehn
Minuten einsatzbereit zu machen.
Wir haben ferner die Organisation und einige technische Aspekte
des Befehls- und Kontrollsystems für unsere strategischen Abschreckungswaffen sorgfältig überprüft. Wir wollen sichergehen, daß die zuständige
politische Instanz jederzeit in der Lage ist, persönlich die bestimmende
Kontrolle über den Kernwaffeneinsatz auszuüben.
Da wir nunmehr mit den beiden Problemen der Abschirmung unserer
Kernwaffen gegen Überraschungsangriffe und der Handhabung des Befehlsund Kontrollsystems für den Einsatz dieser Waffen besser zu Rande kommen,
sind wir der Auffassung, daß die Atomstreitmacht, die dem Westen insgesamt zur Verfügung steht - einschließlich auf dem europäischen Kontinent
stationierten NATO-Kernwaffenstreitkräfte - unserer Seite rein militärisch
einen deutlichen atomaren Vorteil verschafft. Wir glauben ferner, daß
dieser Vorteil in Zukunft weiter erhalten bleiben kann, auch wenn beide
Seiten modernere Waffensysteme entwickeln und für den Einsatz bereitstellen. Dieser militärische Vorteil ist von zentraler Bedeutung für jedes

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19. April 1 962

jedes politisch-strategische Kalkül und besonders für die Berechnung
des Grades wechselseitiger Abschreckung, die sich aus dem Verhältnis
der Machtpositionen beider Seiten ergibt.
Zur anderen Hälfte war das militärische Anfangsprogramm unserer
neuen Regierung,wie gesagt, auf die Verstärkung unserer konventionellen Streitkräfte ausgerichtet, sowohl um den Gegner von der Entfesselung
eines allgemeinen Krieges abzuschrecken, als auch um nichtatomaren
Angriffen zu begegnen. Mit der schweren Krise in Berlin als zusätzlichem Antrieb haben wir auch auf diesem Gebiet erhebliche Fortschritte
erzielt. Präsident Kennedy hatte Reformen auf drei Gebieten für vordringlich erklärt: 1. größere Konzentration auf Entwicklung und Herstellung nichtatomarer Waffen und auf die diesbezügliche Forschung;
2. Steigerung der Beweglichkeit der konventionellen Streitkräfte,
insbesondere durch stärkere Bereitstellung von Luft- und Seetransportmitteln für Truppen- und Material Verschiebungen; 3. mehr Personal
und Ausbildung für die Abwehr "indirekter" Angriffe, das heißt also für
die Bekämpfung von Partisanen, Insurgenten und ähnlichen Gruppen. Statt
der elf ständig einsatzbereiten Divisionen vom Juli 1961 haben wir heute
16 solcher Divisionen, was einer Verstärkung um etwa 45 Prozent entspricht. Außerdem sind hinsichtlich unserer taktischen Luftwaffe, unserer Marine sowie unseres Nachschub- und Versorgungssystems erhebliche
Verbesserungen zu verzeichnen.
Diese greifbaren Fortschritte in der amerikanischen nichtatomaren
Rüstung finden ihre Ergänzung in entsprechenden Maßnahmen unserer
NATO-Verbündeten. Bei diesem Auf- und Ausbau von Streitkräften spielte
die Bundesrepublik eine führende Rolle. Sie hat schon Ende 1961 neun
NATO-DiVisionen gestellt, und die inzwischen getroffenen Dispositionen
erlauben die Annahme, daß bis Ende 1962 zwei weitere Divisionen folgen
werden. Auch Kanada, Frankreich und die Niederlande haben den Anforderungen in einer Weise entsprochen, die besonders bemerkt zu werden verdient.
Jahrelang ist die NATO hinter der festgelegten, von den Mitgliedstaaten vereinbarten Sollstärke der konventionellen Streitkräfte zurückgeblieben. An der entscheidenden Zentralfront beträgt diese Sollstärke
etwa 30 Divisionen für den Mobilmachungstag. Letztes Jahr standen uns
nur Einheiten in Stärke von etwa 18 Divisionen zur Verfügung, von denen
manche nicht einmal vollwertig waren. Durch die seither von den NATOMächten unternommenen Schritte hat sich die Anzahl der sofort einsatzfähigen NATO-Divisionen um über 25 Prozent erhöht, u.a. um fünf kampfstarke amerikanische Divisionen samt Nachschub- und Versorgungseinheiten.
Sollte die Lage es erfordern, so können die amerikanischen Streitkräfte
in Europa in kürzester Frist um sechs weitere Divisionen vermehrt werden.
Ausrüstung und Material für einige dieser sechs zusätzlichen Divisionen
sind bereits vorsorglich in Europa eingelagert worden. Hinter diesen
sofort einsatzfähigen Divisionen stehen Divisionen der ersten und zweiten
Welle für den etwaigen späteren Einsatz.
Unserer Ansicht nach sollten der NATO mindestens die vorgesehenen
30 sofort einsatzbereiten Divisionen an der Zentralfront zur Verfügung
stehen, alle bestens ausgerüstet und voll ausgebildet, dazu die

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19. April 1962

die entsprechenden Nachschub- und Versorgungseinheiten. Wir sind ferner
der Auffassung, daß die Reserven vermehrt und so gut ausgerüstet und
ausgebildet werden sollten, daß sie frühzeitig zum Kampfeinsatz gebracht werden könnten.
Wir halten es ebenfalls für wünschenswert, daß die NATO-Partner
auf atomarem Gebiet in verstärktem Maße von einander abhängig sind.
Wir ziehen eine multilaterale Lösung dieses Problems entschieden
einer Vielzahl einzelstaatlicher Atomwaffenstreitkräfte vor.
Bisher habe ich im wesentlichen von den praktischen Verteidigungsproblemen gesprochen, die uns in den Vereinigten Staaten seit Januar
1Q6l beschäftigt haben und mit denen sich die NATO in ihrer Gesamtheit
sehr intensiv befassen mußte, seit die Sowjets im April des letzten
Jahres die Bedrohung Berlins erneuerten. Im Rückblick glaube ich sagen
zu dürfen, daß wir alles in allem doch einiges erreicht haben. Das
NATO-Bündnis ist heute stärker als noch vor einem Jahr. Die militärische
Position der NATO hat sich wesentlich verbessert. Erst die Zukunft
wird jedoch zeigen, ob wirklich genug getan worden ist. Viel hängt
davon ab, wie wir die Atempause nutzen, die wir durch aktives Handeln
in den letzten zwölf Monaten gewonnen haben.
Wenn wir den Blick in die Zukunft richten, müssen wir freimütig
und offen die unterschiedlichen Vorstellungen diskutieren, die wir uns
von der weiteren Entwicklung der Atlantischen Gemeinschaft und des
NATO-Bündnisses selbst machen. Meiner Ansicht nach ist dabei ausschlaggebend, wie jeder Bündnispartner seine eigenen nationalen Interessen zu
den Interessen der gesamten Gemeinschaft in Beziehung setzt.
In dieser Hinsicht hat in den Vereinigten Staaten ein beachtliches
Umdenken stattgefunden. Ich glaube, die entscheidende Wende vollzog
sich in der Nachkriegspolitik der Vereinigten Staaten im Frühjahr 1947»
und zwar in dem kurzen Zeitraum von nur zwanzig Wochen. Diese Zwanzigwochenperiode begann im April, als die Vereinigten Staaten mit der
Truman-Doktrin ihre Absicht proklamierten, allen Ländern Hilfe zu leisten, die von sich aus bereit wären, für die Verteidigung ihrer nationalen Unabhängigkeit gegen die kommunistische Aggression zu kämpfen. Es
folgte zunächst das amerikanische Hilfsprogramm für Griechenland und die
Türkei, dann die Ratifizierung der Chapultepec-Akte durch die Partner
des Rio-Paktes, die unserer langjährigen Tradition der Ablehnung sogenannter "verstrickender Bündnisse" mit anderen Staaten ein Ende setzte.
Während dieser zwanzig Wochen verabschiedete der amerikanische Kongreß
ferner das Gesetz über die Nationale Sicherheit von 1947» das im Rahmen
des für unsere Sicherheitspolitik zuständigen Behördenapparats auch
das Verteidigungsministerium schuf, dem ich heute angehöre. Während
derselben zwanzig Wochen wurde innerhalb unseres Außenministeriums eine
besondere Abteilung für Politische Planung geschaffen, der ich früher
angehörte. Diese Periode höchster Aktivität gipfelte dann in der Rede,
mit der Außenminister Marshall Europa die inzwischen als Marshallplan
historisch gewordene Wiederaufbauhilfe anbot.
Das

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Das Bemerkenswerteste ist, daß die Vereinigten Staaten in dieser
Zwanzigwochenperiode eine Entscheidung von nationaler Bedeutung in
der Grundfrage der wechselseitigen Abhängigkeit des Westens fällten.
Wir waren als Nation zu der Einsicht gelangt, daß es für uns unmöglich geworden war, unsere Sicherheit und unser Wohlergehen in der
Isolierung von den anderen Nationen des Westens zu finden. Auch
hatten wir erkannt, daß sporadisches Eingreifen in das Weltgeschehen
nicht mehr genügte. Wir waren zu dem Schluß gekommen, daß wir für
unser Wohlergehen und unsere Sicherheit nur im weiteren Rahmen der
Atlantischen Gemeinschaft und nur in harmonischem Zusammenwirken mit
der gesamten nichtkommunistischen Welt sorgen konnten. Jene zwanzig
Wochen bewiesen darüber hinaus, daß wir auch bereit waren, im Sinne
dieser Entscheidung rasch und durchgreifend zu handeln.
In den dann folgenden fünfzehn Jahren haben wir dramatische
Wandlungen erlebt. Der erfolgreiche wirtschaftliche Wiederaufbau
Europas übertraf selbst die kühnsten Erwartungen. Eine Vielzahl neuer
Nationen ist in die Reihe der souveränen Staaten aufgerückt, und die
Periode der Kolonialherrschaft neigt sich dem Ende zu. Die Sowjetunion
hat sich zu einer großen und bedrohlichen Atommacht entwickelt. Das
ganze chinesische Festland ist unter kommunistische Herrschaft geraten.
Die wechselseitige Abhängigkeit der nichtkommunistischen Nationen und
die Notwendigkeit ihrer Zusammenarbeit sind heute größer denn je.
Blicken wir in die Zukunft, so erhebt sich die Frage,welche äußere
Form, welche innere Struktur wir diesem Verhältnis der gegenseitigen
Abhängigkeit innerhalb der europäischen Gemeinschaft und innerhalb
der Atlantischen Gemeinschaft geben sollen. Können wir darauf für den
politischen,für den wirtschaftlichen und für den militärischen Bereich
die gleiche Antwort geben? Wie lassen sich diese Bereiche am besten
aufeinander abstimmen? Dabei sind nationale, gesamteuropäische und
gesamtatlantische Gesichtspunkte neben diesen funktionellen wirtschaftlichen, politischen oder militärischen zu berücksichtigen. Schließlich:
Welche Konsequenzen ergeben sich für die Organisationsform, wenn die
eben erwähnten grundsätzlichen Fragen entschieden sind? Alle diese
Probleme sind heute Gegenstand lebhafter Diskussion innerhalb der
Atlantischen Gemeinschaft. Es ist offensichtlich noch zu früh für
endgültige Stellungnahmen.
Ich kann mir aber einige rein persönliche Bemerkungen nicht versagen. Zum Teil werden meine Worte allerdings nur bestätigen, was
uns allen deutlich bewußt ist, und Gedanken ausdrücken, die weithin
- und sicherlich auch von meinen hier versammelten Zuhörern - geteilt
werden.
Lassen Sie mich mit der Feststellung beginnen, daß Wohlergehen
und Sicherheit unserer Länder auf beiden Seiten des Atlantik auch
weiterhin nicht mehr durah die Verfolgung ausschließlich nationaler
Interessen, sondern nur im weiteren atlantischen Rahmen zu gewährleisten sind.
Zweifellos

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Zweifellos gibt es und wird es verschiedene Auffassungen darüber
geben, ob bestimmte Schritte im Interesse der gesamten Gemeinschaft
liegen oder nicht. Wir in Amerika erheben keineswegs den Anspruch,
das besser zu wissen als andere. Wir halten es aber für angebracht,
auf unserem Standpunkt zu beharren, daß Entscheidungen aus der weiteren "atlantischen" Sicht und nicht in erster Linie unter dem nationalen Blickwinkel getroffen werden müssen.
Zweitens möchte ich betonen, daß die Bereiche des Politischen,
des Wirtschaftlichen und Militärischen so eng miteinander verflochten
sind, daß alles, was wir auf einem dieser Gebiete tun, notwendigerweise auf die anderen zurückwirken muß. Seine wachsende wirtschaftliche
Integration bringt Europa auch der politischen Integration näher, und
dies« wiederum könnte die Verteidigungsdispositionen der NATO beeinflussen.
Ebenso verdient hervorgehoben zu werden, daß die militärischen Erfordernisse der NATO die Form der wirtschaftlichen und politischen Weiterentwicklung des Bündnisses mitbestimmen können und sollten. Die militärischen Erfordernisse erlauben, ja verlangen geradezu eine enge Zusammenarbeit bei der Aufstellung des Verteidigungsprogramms und bei
der Festlegung der Verteidigungspolitik der NATO. Sie machen eine
einheitliche und klare Kommandogewalt notwendig, falls und sobald die
NATO-Streitkräfte tatsächlich eingesetzt werden müssen. Sie erfordern
ferner die Zusammenfassung aller Kräfte der Bündnispartner. Der föderative Zusammenschluß Westeuropas würde zweifellos viele der derzeitigen militärischen Probleme der NATO vereinfachen. Doch könnten es
sich Westeuropa und die Vereinigten Staaten auch dann nicht leisten,
die zwischen ihnen bestehende militärische Bindung zu lockern. Meiner
Ansicht nach ist und bleibt die NATO in erster Linie für die Koordinierung in Verteidigungsfragen zuständig. Probleme, wie sie in der
Redensart von den fünfzehn Fingern am Sicherungsflügel oder am Abzug
des NATO-Gewehrs zum Ausdruck kommen, werden nicht dadurch leichter,
daß man sie jeweils auch noch in zwei Unterprobleme aufteilt - nämlich
in das Problem der dreizehn europäischen und in das Problem der zwei
amerikanischen Finger.
Der Prozeß des Ineinanderwachsens innerhalb der Atlantischen Gemeinschaft kann sich nicht stets in allen Bereichen und auf allen
Gebieten im gleichen Tempo vollziehen. Von ausschlaggebender Bedeutung
ist, daß dieser Prozeß mit gutem Willen und unter Konzentrierung auf
das Wesentliche vorangetrieben wird.
Die von mir dargelegten Grundzüge der heutigen amerikanischen
Verteidigungspolitik kann man wie folgt zusammenfassen:
1. Die NATO spielt in der Zielsetzung der amerikanischen Verteidigungs- und Sicherheitspolitik dieselbe zentrale Rolle, die die
Vereinigten Staaten in den Verteidigungs- und Sicherheitsüberlegungen
der anderen NATO-Mitglieder spielen. Wir sind aufeinander angewiesen
in der Lösung einer unteilbaren Aufgabe.
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2. Wir sind der Auffassung, daß eine Verstärkung der konventionellen Streitkräfte die Glaubwürdigkeit der atomaren Abschreckungsstrategie der NATO wesentlich erhöht und zugleich auch die militärische
Position der NATO verbessert.
3« Die Vereinigten Staaten sind im Begriff, ihr« Kernwaffenrüstung noch zu verstärken, während sie sich gleichzeitig am weiteren Ausbau der konventionellen NATO-Streitkräfte beteiligen.
Endlich habe ich Ihnen einige persönliche Gedanken zur künftigen
Entwicklung der Atlantischen Gemeinschaft vorgetragen.
Zum Abschluß möchte ich Ihnen sagen: die Schritte, die die Vereinigten Staaten während der Berlin-Krise unternommen haben, erweisen
klar die volle Einsatzbereitschaft meines Landes im Interesse der
Verteidigung Europas. Sie beruht auf einer Verpflichtung, die in
allen Kreisen der Vereinigten Staaten zu keiner Zeit stärker anerkannt worden ist als gerade heute.
Wir in den Vereinigten Staaten glauben, daß sowohl die politischen
als auch die militärischen Probleme der NATO einer akzeptablen Lösung
entgegengeführt werden, sofern wir alle - auf beiden Seiten des Atlanti
- nur weiter zur Erreichung des gemeinsamen Ziels zusammenarbeiten und
zusammen Opfer bringen. Dieses Ziel wurzelt zwar in der gemeinsamen
und gegenseitigen Verteidigung, aber es schließt etwas unendlich viel
Größeres ein: unseren gemeinsamen Glauben an die Freiheit und an die
demokratischen Institutionen, die unserer westlichen Zivilisation
ihr eigentliches Gepräge geben.

* * * * *

�A M E R I K A

D I E N S T

Allg./22.6.1962
US-VERTEIDIGUNGSMINISTER UNTERSTREICHT MILITÄRISCHE STÄRKE
DER NATO

Nachstehend übermitteln wir Ihnen die
wichtigsten Auszüge aus einer Rede des
Verteidigungsministers der Vereinigten
Staaten, Robert S. McNamara, die er am
16. Juni 1962 anläßlich der Abschlußfeierlichkeiten vor Studenten der Universität Michigan gehalten hat und in
der der Minister vor allem die Auffassung
der USA über die Rolle der nuklearen
Streitkräfte in der NATO-Strategie darlegt.

Ich brauche Sie wohl kaum darauf hinzuweisen, daß Europa eine
der Hauptquellen für die amerikanische Freiheitsidee ist und daß gerade
die europäischen Philosophen des 17« und 18. Jahrhunderts das Denken
unserer Gründerväter geformt haben. Für uns alle ist Europa der Lehrer gewesen, seit wir anfingen, lesen zu lernen.
Eine der eindrucksvollsten Lehren, die Europa uns in jüngster
Zeit vermittelt hat, ist die seines Wiederaufbaus aus der Asche der
Vernichtung am Ende des zweiten Weltkrieges. Die Volkswirtschaften
Europas waren vor 15 Jahren so gut wie zum Erliegen gekommen. Ihre
wichtigsten Fabriken waren, sei es direkt durch die Bombenangriffe
oder indirekt durch die jahrelange Vernachlässigung sowie unzureichende Reparatur und Wartung, weitgehend zerstört. Die Menschen waren durch
sechs Kriegsjahre erschöpft, und ein großer Teil der produktivsten
Altersgruppen war ums Leben gekommen. Und doch haben sie es in den
letzten Jahren geschafft, die Erzeugung von Stahl und Elektrizität
um jeweils über 130 Prozent zu steigern; und das ist typisch für
diese Wiedererholung gewesen...
All dies ist unter dem Druck titanischer Kräfte geschehen, die
sowohl für die Europäer wie auch für uns eine rationelle Organisation
der menschlichen Gemeinschaft immer schwieriger machen. Lassen Sie mich
auf einige dieser Kräfte näher eingehen.
Wir
1

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�"AMERIKA DIENST"

22. Juni 1962

Wir haben es mit einer "Bevölkerungsexplosion" zu tun, die ein
Ergebnis unserer eigenen erfolgreichen Bemühungen im Kampf gegen
Krankheit und extreme Lebensumstände ist und die uns gegenwärtig mit
der Aussicht auf eine Verdoppelung der Erdbevölkerung bis zum Ende
dieses Jahrhunderts droht...
Wir werden getragen von einem,sich immer mehr beschleunigenden
Tempo von Wissenschaft und Technik. Allein in den Vereinigten Staaten
werden gegenwärtig pro Jahr 50 000 neue Erfindungen patentiert...
Wir sehen uns einem außergewöhnlichen Anwachsen der Zahl der
Hationalstaaten gegenüber. Seit dem Ende des zweiten Weltkrieges sind
35 neue Länder entstanden..., aber ihre Zahl kompliziert das Problem
der internationalen Diplomatie, während gleichzeitig die militärischen
und wirtschaftlichen Entwicklungen unsere gegenseitige Abhängigkeit
vergrößern...
Und schließlich leben wir im Schatten des sino-sowjetischen Strebens nach Weltherrschaft - sicherlich nicht der einzige Schatten auf
der heutigen Welt, aber einer der längsten und dunkelsten...
Angesichts all dieser Herausforderungen muß es das Endziel der
freien Welt sein, ein System einer friedlichen Weltordnung zu schaffen,
das sich auf der Würde des Einzelnen begründet und das der freien Entwicklung der Fähigkeiten jedes einzelnen Menschen geweiht ist. Die Mitglieder der nordatlantischen Gemeinschaft - die Europäer und wir selbst
tragen eine besondere Verantwortung, bei der Verwirklichung dieses Zieles mitzuhelfen. Diese Verantwortung rührt aus der Stärke unserer eigenen Institutionen und dem Reichtum unserer materiellen Hilfsquellen
her...
Arthur Vandenberg, einer der Hauptbegründer der NATO, unterstrich
in der Senatsdebatte, die der Verabschiedung des Vertrages vorausging,
das Grundprinzip dieser Organisation, als er sagte: "Dies ist die logische Evolution einer unserer größten amerikanischen Devisen: 'Vereint
stehen wir, getrennt fallen wir'."
Die nordatlantische Allianz ist ein einzigartiges Zusammengehen
von Regierungen. Die Bestimmungen über die gemeinsame Verteidigung
der Mitglieder haben zu einem für eine Koalition in Friedenszeiten beachtlichen Grad der militärischen Zusammenarbeit und diplomatischen
Konsultation geführt. Die Ausweitung der Organisation der Allianz hat
sich in dem Mäße beschleunigt, wie die Aufgabe der Verteidigung des
Vertragsgebietes in Umfang, Größe und Vielseitigkeit gewachsen ist.
Die NATO hatte ihre Schwierigkeiten und Belastungen, aber sie hat sie
alle überstanden.

Heute

�"AMERIKA DIENST"

22. Juni 1962

Heute ist die NATO Gegenstand einer Reihe von Kontroversen,
die durch Übereinstimmung innerhalb der Organisation gelöst werden
müssen, damit ihre Stärke und Einigkeit erhalten bleibt. Es ist die
Frage gestellt worden, ob Senator Vandenbergs Ausspruch heute noch
genauso wie vor 13 Jahren Gültigkeit hat. Drei Argumente haben diese
Frage besonders scharf akzentuiert:
Es wird argumentiert, daß gerade die erfolgreiche Entwicklung der
Wirtschaft Westeuropas in Europa die Notwendigkeit verringert habe,
sich in der Verteidigung auf die Mitwirkung der Vereinigten Staaten
zu verlassen.
Es wird ferner argumentiert, die zunehmende Verwundbarkeit der
Vereinigten Staaten gegenüber einem Angriff mit Kernwaffen habe unsere
Bereitschaft, als Partner an der Verteidigung Europas mitzuwirken,
verringert und damit unsere Fähigkeit, vor einem solchen Angriff abzuschrecken.
Es ist gesagt worden, daß das Atompotential angesichts der wachsenden nuklearen Drohung allein ausschlaggebend sei und daß unabhängige
nationale Atomstreitkräfte ausreichend seien, um die Länder Europas zu
schützen.
Ich glaube, daß alle diese Argumentationen falsch sind. Meines
Erachtens ist es der Mühe wert, die amerikanischen Ansichten zu diesen
Fragen zu erläutern, so wie wir sie unseren Verbündeten dargelegt haben.
Unserer Auffassung nach haben die neuen Faktoren in dieser Situation sowohl die wirtschaftlichen als auch die militärischen - dazu geführt,
die gegenseitige Abhängigkeit der nationalen Sicherheitsinteressen auf
beiden Seiten des Atlantiks zu verstärken und die Notwendigkeit für
eine sehr enge Koordinierung unserer Anstrengungen zu unterstreichen.
Eine zentrale militärische Frage, der sich die NATO heute gegenübersieht, ist die Rolle der nuklearen Strategie. Vier Tatsachen scheinen
unseres Erachtens die Erwägungen hierüber maßgeblich zu bestimmen.
Alle deuten auf eine wachsende Integration zur Verwirklichung unserer
gemeinsamen Verteidigung hin.
Erstens besitzt die Allianz insgesamt eine nukleare Stärke, die
ausreichend ist für jede Herausforderung, der sie sich gegenübersieht.
Zweitens verringert diese Stärke nicht nur die Möglichkeit eines großen
nuklearen Krieges, sondern ermöglicht auch eine Strategie, die die Struktur unserer Gesellschaften im Falle eines Krieges erhalten kann. Drittens könnte der aus einer atomaren Kriegführung resultierende Schaden
für die Zivilbevölkerung der Allianz sehr schwerwiegend sein. Viertens
könnten verbesserte nicht-nukleare Streitkräfte, die durchaus im Bereich
der Möglichkeiten der Allianz liegen, die Abschreckung aller aggressiven
Schritte - von einem direkten, totalen Angriff auf Westeuropa abgesehen erhöhen.
#

Lassen

�"AMERIKA DIENST"

22. Juni 1962

Lassen Sie uns nun die Situation heute betrachten. Erstens ist
auf der Grundlage des gegenwärtigen Gleichgewichts der nuklearen
Stärke, mit dessen Aufrechterhaltung wir zuversichtlich auch für die
kommenden Jahre rechnen können, ein Überraschungsangriff für jeden
Gegner einfach kein vernünftiger Schritt mehr. Noch würde es für irgendeinen Gegner vernünftig sein, als Folge eines begrenzten Engagements
in Europa oder irgendeinem anderen Teil der Welt die Initiative in der
Anwendung nuklearer Waffen zu ergreifen. Ich glaube, wir können zusammenfassend sagen, daß es gelungen ist, alle diese Schritte höchst
unwahrscheinlich zu machen.
Zweitens, und dies ist gleich wichtig: Die bloße Tatsache, daß
kein Land vernünftigerweise Schritte ergreifen würde, die zu einem
nuklearen Kriege führen, bietet noch längst keine Garantie dafür, daß
kein Atomkrieg stattfindet kann. Länder handeln oftmals nicht nur in
einer Weise, die vom Standpunkt der Vernunft her schwer zu erklären
ist, sondern sogar, wenn sie "vernünftig" vorgehen, handeln sie doch
manchmal, ja ich möchte sagen erschreckend oft, auf Grund einer Fehlbeurteilung der wirklichen Tatsachen einer Situation. Sie schätzen die
Art und Weise falsch ein, wie die anderen reagieren werden und wie die
anderen ihr Vorgehen auslegen werden.
Wir müssen hoffen - und ich glaube wir dürfen auch hoffen -, daß
jede Seite diese Gefahr begreift und keine Schritte unternimmt, die
auch nur die Möglichkeit einer solchen für alle katastrophalen Fehleinschätzung heraufbeschwören. Wir haben unsererseits Maßnahmen getroffen, um die Wahrscheinlichkeit eines solchen Geschehens zu reduzieren. Wir erwarten, daß die tatsächliche Anwendung dieser furchtbaren
Waffen durch eine Rüstungskontrolle völlig vermieden werden kann. Ea
handelt sich dabei um ein Problem, das nicht nur für uns im Westen besteht, sondern auch für alle die Staaten, die in dieses als Kalter Krieg
bezeichnete Ringen verwickelt sind.
Unsererseits glauben wir, daß wir und unsere NATO-Verbündeten
unsere Strategie so gestalten müssen, daß wir diese furchtbare Möglichkeit - wie fern sie auch liegen mag - im Auge behalten. Durch bloßes
Ignorieren wird das Problem nicht aus der Welt geschafft.
Die Vereinigten Staaten sind zu dem Schluß gelangt, daß Fragen
der grundlegenden militärischen Strategie, soweit dies möglich ist, in
einem etwaigen allgemeinen Atomkrieg im wesentlichen in der gleichen
Weise zu behandeln sind, wie man die mehr konventionellen militärischen
Operationen in der Vergangenheit behandelt hat. Das heißt, die militärischen Hauptziele sollten im Falle eines durch einen größeren Angriff
auf die Allianz ausgelösten Kernwaffenkrieges in der Zerstörung der militärischen Streitkräfte des Feindes, nicht aber in der Vernichtung der
Zivilbevölkerung bestehen.
Gerade die Stärke und die Art der NATO-Streitkräfte geben uns die
Möglichkeit, selbst für den Fall eines massiven Überraschungsangriffes
- falls wir dazu gezwungen werden - eine ausreichende Reserve an Schlagkraft sicherzustellen, um die gegnerische Gesellschaft zu vernichten. Mit
anderen Worten, wir geben einem etwaigen Gegner den stärksten nur denkbaren Anlaß, von einem Schlag gegen unsere eigenen Städte Abstand zu
nehmen.
-p..

�AMERIKA DIENST"

22 . Juni 1962

Die Stärke, die diese Abschreckungswirkung und damit die Hoffnung
hervorruft, im Kriegsfall vor einem Angriff auf die bürgerliche Gesellschaft selbst zurückzuschrecken, ist nicht leicht zu erreichen.
Wir vertrauen darauf, daß unsere derzeitigen Kernwaffenprogramme ausreichend sind und, soweit wir diesi übersehen können, auch in Zukunft
ausreichend sein werden.
Im kommenden Haushaltsjahr beabsichtigen die Vereinigten Staaten
fast 15 Milliarden Dollar für ihr Kernwaffenprogramm aufzuwenden,
um sicher zu gehen, daß es seinen Aufgaben auch gewachsen sein
wird. Was mit diesem Geld gewonnen wird, dafür gibt es keinen Ersatz.
Vor allem, sind nationale atomare Streitkräfte, deren Ziele die
feindlichen Städte sind, höchstwahrscheinlich nicht einmal stark genug,
um auch nur den Zweck der Abschreckung zu erfüllen. Wenn sie nämlich
klein und vom Boden her oder aus der Luft leicht angreifbar oder unzulänglich sind, kann ein stärkerer Gegner eine ganze Reihe von
Maßnahmen ergreifen, um ihnen entgegenzuwirken.
Ja, wenn ein stärkerer Gegner etwa zu der Überzeugung käme, daß
eine ziemliche Wahrscheinlichkeit für den unabhängigen Einsatz einer
solchen Macht besteht, so würde sie damit einen ersten Überraschungsschlag gegen sich geradezu herausfordern. Im Falle eines Krieges aber
käme der Einsatz einer solchen Macht gegen die Städte einer größeren
Atommacht einem Selbstmord gleich, während ihr Einsatz gegen wichtige
militärische Ziele eine für den Ausgang des Kampfes nicht weiter ins
Gewicht fallende Auswirkung hätte. Andererseits wird aber durch die
Schaffung einer einzelnen zusätzlichen Atomstreitmacht das Entstehen
weiterer Atommächte mit all den damit verbundenen Gefahren unterstützt.
Kurzum, Atomstreitmächte mit begrenzter Kapazität, die unabhängig
operieren, sind gefährlich,'kosten viel Geld, veralten schnell., und
sind als Abschreckungsmacht wenig überzeugend. Kein Zweifel jedoch, daß
der atomare Beitrag der Vereinigten Staaten zur Allianz weder veraltet
noch entbehrlich ist.
Gleichzeitig wird durch die allgemeine Strategie - wie ich sie
summarisch dargelegt habe - die Bedeutung der Einheit der Planung,
der Konzentration der Exekutivmacht und der zentralen Leitung vergrößert. Es darf keine miteinander um den Vorrang streitenden oder
einander zuwiderlaufenden Strategien im Falle eines atomaren Krieges
geben.
Wir sind davon überzeugt, daß ein allgemeines System der Atomkriegsziele als ein unteilbares Ganzes zu behandeln ist und daß, falls
- trotz all unserer Anstrengungen - ein Atomkrieg ausbrechen sollte, uns
beste Hoffnung in einer zentral geleiteten Kampfführung gegen alle entscheidend wichtigen nuklearen Kräfte des Feindes liegt - bei gleichzeitiger Verfügbarkeit von Reservestreitkräften, die alle einer zentralen
Kontrolle unterstehen.
Wir

�"AMERIKA DIENST"

22. Juni 1962

Wir wissen, daß dieselben Kräfte, die gegen uns gerichtet
sind, auch gegen alle unsere Verbündeten gerichtet sind. Unsere
eigenen strategischen Vergeltungsstreitkräfte sind bereit, diesen
Kräften entgegenzutreten, wo und was auch immer ihre Ziele sein
mögen» Diese Aufgabe ist uns nicht nur in Erfüllung unserer vertraglichen Verpflichtungen auferlegt, sondern auch, weil das Wesen einer
atomaren Kriegführung es erfordert.
Spezifischer ausgedrückt, die Vereinigten Staaten machen, sich
ebensoviel Sorgen wegen des Teils der sowjetischen Atomschlagkraft,
der Westeuropa erreichen kann, wie wegen des Teils, der auch die
Vereinigten Staaten erreichen kann. Kurzum - wir haben die atomare
Verteidigung der NATO auf eine globale Basis abgestellt. Dies wird
auch weiterhin unser Ziel bleiben. Bei der Erfüllung dieser Aufgabe
sind die Waffen auf dem europäischen Schauplatz nur ein Hilfsmittel
unter vielen.
Es gibt da zum Beispiel die Polaris-Waffe, die wir bedeutend
ausgebaut haben und die wegen ihrer ganz besonders unverwundbaren
Natur außerordentlich gut geeignet ist, als eine Waffe der strategischen Reserve zu dienen. Wir haben bereits bekanntgegeben, daß wir
fünf mit diesen Raketen ausgerüstete Schiffe - die voll einsatzfähig
sind - dem NATO-Kommando unterstellen.
Eine solche Verpflichtung wirkt sich natürlich auf die Allianz als
Ganzes aus. Wir brauchen und wünschen eine bis an die Grenze des
Möglichen gehende größere Beteiligung der Allianz an der Gestaltung
der Kernwaffenpolitik. Für uns alle), wäre die Vorstellung, daß nur
ein Teil der strategischen Streitkräfte isoliert von unserer Hauptstreitmacht eingesetzt werden würde, untragbar.
Wir werden auch weiterhin für die Allianz als Ganzes eine gewaltige
nukleare Streitmacht unterhalten. So hat der Präsident kürzlich gesagt,
"nur durch eine solche Stärke können wir mit Sicherheit vor einem
nuklearen Schlag oder einem überwältigenden Angriff zu Lande auf unsere
Streitkräfte und unsere Verbündeten abschrecken".
Aber wir wollen uns auch gänzlich im klaren sein, über das, was
wir sagen und was wir zu gewärtigen hätten, wenn die Abschreckung fehlschlagen sollte. Es dürfte wohl ziemlich gewiss sein, daß wir alle trotz
unserer nuklearen Stärke im Falle eines großen nuklearen Krieges schwer
zu leiden haben würden.
Wir wollen innerhalb der Allianz unseren Teil an Verantwortung
mittragen, und wir glauben, daß das Zusammenwirken unserer nuklearen
Kräfte und einer Strategie kontrollierter Gegenschläge uns einige
Hoffnung gibt, den Schaden, falls wir unseren Verpflichtungen nachkommen müßten, auf ein Mindestmaß beschränken zu können.
Aber ich muß darauf hinweisen, daß wir dies weder als eine erstrebenswerte Aussicht erachten noch glauben, daß die Allianz ausschließlich von der Abschreckungskraft unserer nuklearen Streitkräfte

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�'AMERIKA DIENST" '

22. Juni 1962

Streitkräfte abhängig sein soll, um feindliche Aktionen, bei denen
es sich nicht um einen massierten Einsatz irgendwelcher Streitkräfte handelt, abzuwenden. Sicherlich kann eine Allianz, die über
den Reichtum, die Begabungen und die Erfahrungen verfügt wie die
unsrige, einen besseren Weg finden, als sich einzig und allein auf
nukleare Waffen zu verlassen, um der gemeinsamen Gefahr zu begegnen.
Wir sind auch nicht der Ansicht, daß wir, falls die Formel
E = mc^ nicht entdeckt worden wäre, alle Sklaven des Kommunismus
sein würden. In dieser Frage kann ich keinen gültigen Grund für
eine fundamentale Meinungsverschiedenheit auf den beiden Seiten
des Atlantik sehen.
Wenn die Allianz über die von mir aufgezeigte Stärke und Strategie verfügt, ist es höchst unwahrscheinlich, daß irgendeine Macht
einen nuklearen Angriff auf die NATO beginnen wird. Angesichts der
Art von Konflikten, politischen wie auch militärischen, mit denen
man innerhalb des NATO-Raumes in erster Linie rechnen muß,
darf unser Potential für einen Gegenschlag nicht ausschließlich auf
nukleare Waffen beschränkt werden.
Die Sowjets besitzen heute in Europa eine Überlegenheit auf
dem Gebiet der nicht-nuklearen Streitkräfte. Aber diese_ Überlegenheit ist keineswegs überwältigend. In ihrer Gesamtheit verfügt die
Allianz über das Potential für eine erfolgreiche Verteidigung gegen
solche Streitkräfte. Rein zahlenmäßig verfügen die NATO-Länder über
mehr Soldaten als die Sowjetunion und ihre europäischen Satelliten.
Durch die Stationierung unserer jetzt auf europäischem Boden
befindlichen Divisionen haben wir unsere Bereitschaft zum Beitrag
bereits bewiesen. Und wir haben eine Reihe von Maßnahmen zur Stärkung
unserer nicht-nuklearen Streitmacht in Angriff genommen, um die Bevölkerung in den NATO-Ländern zu verteidigen und unseren Vertragsverpflichtungen nachzukommen.
Wir haben die ursprünglich hierfür vorgesehenen Ausgaben im
Finanzjahr 1962 und 1 9&amp;3 um 10 Milliarden Dollar aufgestockt. Um
den Zeitraum bis zur Schaffung einer neuen permanenten Stärke zu
überbrücken, haben wir 158 000 Reservisten einberufen. Wir werden
sie diesen Sommer wieder entlassen, aber nur, weil wir in der Zwischenzeit eine auf lange Sicht wirkende Stärke aufgebaut haben, die
größer ist als jene, die die vorübergehende Einberufung der Reservisten uns gab.
Die Zahl der einsatzbereiten US-Divisionen ist von 11 auf 16
erhöht worden. Ausrüstungen für zwei weitere Divisionen "'sind in
Europa eingelagert worden; die Mannschaften für diese Divisionen
können schnell auf dem Luftwege nach Europa gebracht werden.
Wir erwarten, daß unsere Verbündeten ebenfalls Maßnahmen ergreifen werden, um ihre nicht-nuklearen Streitkräfte weiter zu
verstärken und die Qualität und Widerstandskraft dieser Streitkräfte
zu verbessern. Derartige Maßnahmen würden unsere Abschreckungsstärke

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Abschreckungsstärke noch vervollständigen. Die Verbesserung der
Landstreitkräfte der Allianz und ihrer Widerstandskraft, bessere
nicht-nukleare Luftstreitkräfte sowie besser ausgerüstete und
ausgebildete Reserveverbände geben uns die Sicherheit, daß es in
der NATO-Verteidigung in diesem entscheidend wichtigen Gebiet
keinerlei Unzulänglichkeiten gibt und daß keine Aggression, weder
eine kleine noch eine große, Erfolg haben kann.
Ich habe in aller Kürze die Ansichten der Vereinigten Staaten
über die Rolle der Atomstreitkräfte in der Strategie der NATO dargelegt. Ich habe darauf hingewiesen, daß die Allianz notwendigerweise
zur Abschreckung vor einem allgemeinen Atomkrieg von der starken und
gutgeschützten atomaren Streitmacht der Vereinigten Staaten abhängig
ist, die ihrerseits notwendigerweise verpflichtet sind, auf feindliche Atomschläge - wo immer sie erfolgen mögen - zu antworten.
Gleichzeitig habe ich die Notwendigkeit bedeutender nichtatomarer
Streitkräfte innerhalb der Allianz aufgezeigt, um Situationen begegnen zu können, in denen einratomarer Gegenschlag entweder ungeeignet oder ganz einfach unglaubwürdig ist. Immer wieder habe ich
hervorgehoben, daß in der Allianz einer den anderen braucht.
Ich möchte Sie auch noch daran erinnern, daß die aus militärischer
Stärke erwachsende Sicherheit eine notwendige, wenn auch nicht zulängliche Voraussetzung für die Erreichung unserer außenpolitischen
Ziele ist, wozu auch jene auf dem Gebiet der Rüstungskontrolle und
Abrüstung gehören.
Militärische Sicherheit ist die Grundlage, auf der wir durch
wirtschaftliches Wachstum und politische Reformen, wie sie das Ziel
der Programme unseres Präsidenten sind, zum Beispiel in der Allianz
für den Portschritt und dem Gesetz über die Ausweitung des Handels,
die Stärke der freien Welt aufbauen können.
In einer Welt des Friedens allein können wir die Persönlichkeitsentfaltung, die für uns den höchsten der Werte darstellt, voll zum
Tragen bringen...

* * * * *

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�A M E R I K A

D I E N S T

Erste Fernsehübertragung mit Ballonsatellit E C H O I

NACHRICHTENSATELLITEN

VERBINDEN

KONTINENTE

�Allg./22.6.fl962
NACHRICHTENSATELLITEN VERBINDEN KONTINENTE

Einer der nächsten amerikanischen Satelliten, die die Erde umkreisen werden, trägt den Namen TELSTAR. Er ist der erste Versuchssatellit eines kommerziellen Privatunternehmens und gleichzeitig der
erste einer Anzahl von Nachrichtensatelliten verschiedener Typen, die
in den kommenden zwölf Monaten auf ihre Eignung zur Übermittlung von
Rundfunk- und Fernsehprogrammen, von Ferngesprächen, Telegrammen,
Funkbildern und Worttexten über Meere und Kontinente hinweg erprobt
werden. In diese großangelegten Versuche sind neben staatlichen amerikanischen Stellen wie dem US-Amt für Luft- und Raumfahrt (NASA) und dem
Verteidigungsministerium auch private amerikanische Organisationen vom
Sektor "Fernmeldewesen" sowie die für das Fernmeldewesen zuständigen
Stellen einer Anzahl anderer Länder eingeschaltet. Sie beteiligen sich
an einem Projekt, durch das ausreichende Nachrichtenverbindungen von
Kontinent zu Kontinent, bis in die entlegensten Winkel der Erde geschaffen werden sollen»
Im Zusammenhang mit diesem Projekt kommen vielfach Pläne zur Sprache,
die einem heute phantastisch erscheinen.Brief- und Zeitungstexte werden auf einen Knopfdruck hin über Fernsehsatelliten gewissermaßen ins Haus geliefert;
Geschäftsleute konferieren um die halbe Welt miteinander, ohne
dazu auch nur einen Schritt aus dem Haus zu tun;
Führungen durch die berühmtesten Kunstsammlungen der Welt, etwa
des Louvre in Paris oder der vatikanischen Museen in Rom, kann man über
*

TITELBILD:

Die auf dem Fernsehschirm erscheinenden drei Buchstaben
"M.I.T." sind die in den Vereinigten Staaten allgemein
übliche Abkürzung für "Massachusetts Institute of Technology" (Technische Universität Massachusetts). Wissenschaftler dieser berühmten Lehr- und Forschungsstätte waren an der
Vorbereitung von Fernseh-Versuchssendungen über ECHO I, bei
denen nur ein winziger Bruchteil der auf den Ballonsatelliten gerichteten Sendeenergie von der Empfangsstation wieder
aufgenommen wird, maßgeblich beteiligt.

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über Satelliten-Fernsehen überall in der Welt miterleben.
Diese Pläne sind keineswegs unrealistisch. Schließlich ist ja das
Bildtelephon in den USA bereits Wirklichkeit geworden. Warum sollte es
nicht auch eines Tages möglich sein, über viele Tausende von Kilometern
hinweg mit einem Partner auf der anderen Seite der Erde ein Fernseh-Gespräch zu führen - via Nachrichtensatelliten?
Sicherlich würde interkontinentales Fernsehen am eindrucksvollsten
demonstrieren, welche großartigen Möglichkeiten die Raumflugtechnik auch
auf diesem Gebiet eröffnet, Fernseh-Direktübertragungen von den Debatten
der Vereinten Nationen, von den Olympischen Spielen oder wichtigen politischen Ereignissen könnten ebenso wie der Versuch, der Bevölkerung von
Entwicklungsländern durch Fernseh-Sendungen bessere und geeignete Bildungsmöglichkeiten zu verschaffen, dazu beitragen, das gegenseitige
Verständnis zu fördern und damit die Völker der Welt einander näherzubringen. Aber bei den verfügbaren technischen Mitteln sind solche Vorhaben
noch so kostspielig, daß man sich dieser Möglichkeiten wohl vorläufig
nur dann bedienen wird, wenn die Bedeutung der Ereignisse den Aufwand
rechtfertigt.
Nachrichtenwege unzureichend
Vordringlicher und auch rentabler scheint dagegen der Einsatz von
Erdsatelliten im kommerziellen Post- und Fernmeldewesen zu sein. Jedermann weiß, daß die vorhandenen Leitungen, vor allem nach Übersee, ständig
überlastet sind, und daß angesichts des nahezu explosionsartig wachsenden
Bedarfs an Leitungswegen auch mit der Einrichtung neuer transozeanischer
Kabel oder Richtfunkstrecken der Sache auf die Dauer nicht gedient ist.
Im letzten Jahrzehnt hat sich beispielsweise die Zahl der von den
Vereinigten Staaten nach Übersee geführten Gespräche fast vervierfacht:
sie stieg von etwas mehr als 1 Million im Jahr 1950 auf fast 4 Millionen
im Jahr i960. Sie dürfte sich, wie Fachleute schätzen, bis 1965 auf 8, bis
1970 auf 20 und weitere zehn Jahre später sogar auf 100 Millionen erhöht
haben.
Von den Vereinigten Staaten aus können heute mit 160 Ländern und
Territorien Ferngespräche geführt werden. Die Voraussetzungen dafür
sind durch entsprechende technische Vereinbarungen und Verwaltungsabkommen mit den zuständigen Behörden in Übersee geschaffen worden. Es
gibt transozeanische Unterseekabel nach England und Frankreich, nach
Hawaii, Alaska und Puerto Rico. In Kürze werden neue Kabelleitungen
in Betrieb genommen, die die USA mit Bermuda unfi Jamaika und Puerto Rico
mit der Antilleninsel Antigua verbinden. Für 1963 ist ein drittes Kabel
mit noch größerer Bandbreite nach Großbritannien und für 1964 eine
Kabelverbindung von Hawaii nach Japan vorgesehen.
Die Gesamtkosten für die Einrichtung dieser transozeanischen Kabelleitungen, die sich im Besitz der American Telephone and Telegraph

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Telegraph Company und der Fernmeldebehörden der Partnerländer befinden,
belaufen sich auf Hunderte von Millionen Dollar. (Das beste Unterseekabel, das es zur Zeit gibt, führt 84 Gegensprechkanäle; es kostete 35
Millionen Dollar.)
Wie die bisherigen Erfahrungen zeigen, gibt es prinzipiell weder
politische noch finanzielle Hindernisse für den notwendigen Ausbau eines
weltweiten Fernmeldenetzes. Die Hindernisse sind vielmehr technischer
Natur. Und diese können - und werden, wie Dr. John R. Pierce, Forschungsdirektor der Bell Telephone Laboratories, kürzlich erklärte- durch Fernmeldesatelliten überwunden werden. Diese setzen uns nämlich in die
Lage, genügend Breitbandleitungen für den transozeanischen Telephonverkehr unter optimaler Ausnutzung der heute vorhandenen Möglichkeiten
der Fernmeldetechnik einzurichten. Dadurch stellen sich die Endkosten
sogar niedriger, als wenn man den Bedarf an neuen Leitungswegen auf herkömmliche Weise, d.h. durch Einrichtung weiterer Unterseekabel und Richtfunkstrecken, decken würde.
Das Verlegen von Unterseekabeln ist zeitraubend und kostspielig. Und
ist ein neues Kabel endlich betriebsbereit, so ist es auch schon in kürzester Zeit voll ausgelastet. Kurzwellenverbindungen wiederum sind, ähnlich wie Lang- und Mittelwellenverbindungen, sehr
störanfällig. Da
sich Kurzwellen durch Reflexion an der Ionosphäre fortpflanzen, gehen
sie - beispielsweise nach starker Sonnenaktivität, die die Ionosphäre
erheblich beeinflußt - leicht "verloren". Erst die geradlinig sich ausbreitenden kurzen Dezimeter- und Zentimeterwellen sind relativ unempfindlich gegen Störungen. Diese sehr kurzen Frequenzen bieten überdies den
Vorteil, unvergleichlich mehr Breitbandsignale aufnehmen und somit viel
mehr Informationen als längere Wellen übermitteln zu können.
Größere Bandbreiten
Die Bandbreite, d.h. die Variationsbreite in Nähe der Trägerfrequens,
bestimmt, wie groß die Informationsmenge ist, die innerhalb einer gegebenen Zeit übermittelt werden kann. Dies läßt sich etwa mit einer Autobahn
vergleichen, bei der die Anzahl der Fahrspuren die Aufnahmefähigkeit für
Fahrzeuge bestimmt. Jede Rundfunk- bzw. Fernsehstation, der ja eine bestimmte Welle zugeteilt ist, sendet nicht nur genau auf dieser Welle, sondern auf einem Wellen-"Band". Die Bandbreite umfaßt bei einer gewöhnlichen
Mittelwellenstation ungefähr 10 000 He*tz, bei einer Fernsehstation dagegen, die ein Vielfaches mehr an Informationen übermittelt, bis zu 6
Millionen Hertz. Für die Bandbreite werden die Frequenzen "verbraucht",
die für Radiosendungen in der Atmosphäre überhaupt zur Verfügung stehen.
Daher der "Wellensalat" und die ständig wachsenden Schwierigkeiten, neue
Frequenzen-zuteilen zu können. Im Prinzip könnte das Volumen der Nachrichtenverbindungen über weite Strecken durch die Einschaltung von Fernmeldesatelliten auf das 10 OOOfache ausgeweitet werden. Das Problem der
Frequenzen wäre damit für lange Zeit gelöst.
Eine Ausweitung des Frequenzspektrums ist nur im ultrakurzen bzw.
im Mikrowellenbereich sinnvoll. Für die Übermittlung von Signalen über
Mikrowellen ist jedoch - und hier tritt das technische Hindernis _in

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in Erscheinung - "optische Sicht" zwischen Sender und Empfänger erforderlich, weil sich diese Wellen, wie das Licht, nur geradlinig
ausbreiten. Zur Überbrückung größerer Entfernungen benötigen sie eine
ganze Kette von Relaisstationen, die zu* Lande in Abständen von 50 bis
70 km errichtet werden. Schon in gebirgigem Gelände bereitet dies
manche Schwierigkeiten; Übermittlungen auf Ultrakurzwellen über Ozeane
hinweg sind so gut wie unmöglich. Daher könnten Relaisstationen in
größeren Höhen, die von weit auseinander liegenden Bodenstationen
gleichzeitig "gesehen" werden, hier eine Lücke füllen, was eben durch
Nachrichtensatelliten geschehen soll. Sie erfüllen durch Aufnahme,
Verstärkung und Wiedergabe von Funksignalen kürzester Frequenzen im Grunde
genau die gleichen Funktionen wie die herkömmlichen Relaisstationen am
Boden.
Der erste Vorschlag, künstliche Erdsatelliten für Nachrichtenzwecke
zu verwenden, kam von den Engländer Arthur C. Clarke, einem Autor utopischer Erzählungen. In einer britischen Publikation vom Jahr 1945 entwickelte er den Plan, drei Nachrichtensatelliten in gleichem Abstand
voneinander auf eine Umlaufbahn in 36 000 km Höhe zu bringen und mit
Hilfe dieser "Relaisstationen" im Weltraum alle Länder der Erde durch
ein Nachrichtennetz direkt miteinander zu verbinden, (im Rahmen des
amerikanischen Projekts SYNCOM wird dieser Plan in absehbarer Zeit
Wirklichkeit werden.) Die technischen Voraussetzungen und Möglichkeiten
der Verwendung von Nachrichtensatelliten untersuchte als erster der
Amerikaner Dr. John R. Pierce; er berichtete im Jahr 1955 darüber, zwei
Jahre vor dem Start des ersten künstlichen Erdsatelliten. Deutsche Wissenschaftler hatten schon Mitte der dreißiger Jahre erwogen, Flugzeuge als
Relaisstationen für transozeanische Funkverbindungen zu benutzen eine
Idee, die mit gewissen Abwandlungen in den Vereinigten Staaten inzwischen
bei der Übermittlung von Schulfernsehprogrammen von Flugzeugen aus verwirklicht worden ist,
Relaisstationen .jenseits der Atmosphäre
Verschiedene in den letzten Jahren durchgeführten Experimente bewiesen, daß Nachrichtenübertragungen unter Einschaltung von Reflektoren
jenseits der Atmosphäre möglich sind. Die erste Demonstration dieser
Technik war ein drahtloses transkontinentales Ferngespräch, das amerikanische Wissenschaftler im Jahr 1958 über den Mond, den natürlichen Erdsatelliten, als "passiven" Reflektor der Funksignale führten. Im Dezember
1958 wurde über den künstlichen Erdsatelliten SCORE eine Botschaft Präsident Eisenhowers gesendet. Dies war der erste praktische Versuch mit einer
"aktiven" Relaisstation am Himmel, d.h. mit der Verwendung von Bordgeräten, die Funksignale empfangen und sie dann wieder zur Erde zurückstrahlen
Im August 196O folgte der Ballonsatellit ECHO I. Seine metallisierte
Kunststoffhülle, die inzwischen geschrumpft und sehr faltig geworden
ist, diente häufig als passiver Reflektor von Funksignalen, mit denen
Sprech-, Text-, Musik- und Funkbildsendungen zwischen Pazifik und Atlantik sowie von den USA nach England und Frankreich übermittelt wurden.
Im April dieses Jahres unternahmen die amerikanische Luftwaffe und

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und Wissenschaftler der Technischen Universität Massachusetts (M.I.T.)
mit ECHO I den ersten erfolgreichen Versuch einer Fernseh-Direktsendung quer über den amerikanischen Kontinent. Die Bildqualität war mäßig,
das hatte man angesichts der Formveränderung des Ballons nicht anders
erwartet; der Zweck des Experiments, im Prinzip zu beweisen, daß diese
Art der Bildübertragung technisch möglich ist, wurde jedoch voll und
ganz erfüllt.
Im Oktober i960 wurde der Armee-Satellit COURIER I in eine Umlaufbahn gebracht. Bei diesem handelte es sich schon um ein kleines technisches Wunderwerk. Er war in der Lage, 65 000 Wörter in der Minute
aufzunehmen, zu speichern und auf Abruf zu senden. COURIER I funktionierte
17 Tage ausgezeichnet, bis er schließlich infolge einer technischen Störung für Funkübertragungen nicht mehr benutzt werden konnte.
Planungen intensiviert
Die vorgenannten Experimente gaben den verschiedenen Fernmelde-Satellitenprogrammen großen Auftrieb. Die Fachleute sind sich heute über die
Brauchbarkeit, ja Notwendigkeit solcher -fliegenden aktiven oder passiven
Relaisstationen einig. Worüber sie sich jedoch noch nicht einigen konnten,
ist der für den kommerziellen Betrieb von Fernmeldesatelliten am besten
geeignete Typ. Die Erprobung verschiedener Typen, die in den kommenden
Monaten vorgesehen ist, soll die Lösung dieser Frage erleichtern.
Genügend lange Betriebsdauer (mindestens zwei Jahre) und Zuverlässigkeit sind wichtige Voraussetzungen für die wirtschaftliche Nutzung von
Fernmeldesatelliten. Um diese zu gewährleisten, muß man zuvor u.a. die
physikalischen Bedingungen in den Umlaufbereichen genau kennen. Man muß
wissen, wie sich elektromagnetische Wellenstrahlung und Korpuskularstrahlen auf die Leistung und die Lebensdauer der Bordelektronik auswirken.
Und man muß sich über die notwendige Leistung bzw. die Größe der Antennen
der Bodenstationen im klaren sein, die den Kontakt zu den Fernmeldesatelliten aufrechterhalten. Zur Ermittlung all dieser und anderer wichtiger
Daten dienen die Versuchsprogramme TELSTAR, RELAY, REBOUND, SYNCOM und
ADVENT, die unmittelbar vor ihrer Verwirklichung stehen.
TELSTAR ist das Projekt der American Telephone and Telegraph Company (AT&amp;T). Das Satellitengerät wurde in ihrem Auftrag von der Bell
Telephone Company entwickelt und gebaut, und die NASA übernimmt, ebenfalls auf Kosten des Privatunternehmens AT&amp;T, den Start mit einer THORDELTA -Rakete von Cape Canaveral aus. TELSTAR wiegt 77 kg und hat die
Gestalt einer Kugel von 86 cm Durchmesser. Seine Oberfläche ist jedoch
an 172 Stellen facettenartig abgeflacht. Auf diesen Facetten sind die
56OO Sonnenzellen montiert, die die Betriebsenergie liefern; auf einige
Facetten jedoch sind Metallspiegel aufgesetzt, die Sonnenlicht reflektieren. Hat der Satellit auf jedem Umlauf jeweils einen bestimmten Bahnpunkt erreicht, so wird, da er um seine Längsachse rotiert, diese Reflexion bei der optischen Beobachtung als eine Folge von Lichtblitzen
wahrgenommen, die Aufschluß über die Stellung seiner Drehachse zur Erde
geben. Das Gerät besteht aus 15 000 meist winzig kleinen Einzelteilen und
enthält u.a. eine Elektronenröhre, IO64 Transistoren und 1464 Dioden.
Die

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Die metallischen Halterungen im Innern bestehen aus Magnesium,
die mit Aluminiumoxyd überzogene Wandung ist aus Aluminium gefertigt.
19 Nickel-Cadmium-Speicherbatterien werden durch die Sonnenzellen
aufgeladen, sobald sich der Satellit im Sonnenlicht bewegt. Sie haben
eine Gesamtleistung von 15 Watt, sofern die Sonne zum Satellitenäquator
senkrecht steht. Die photoelektrischen Zellen sind auf einer Basis aus
keramischem Material in einem Platinrahmen montiert und zum Schutz
gegen das Bombardement energiereicher Elektronenstrahlen mit durchsichtigen Plättchen aus synthetischen Saphiren abgedeckt. Alle diese Materialien wurden bereits im Hinblick auf eine möglichst lange Betriebsdauer des Satelliten gewählt. Sie haben überdies ungefähr die gleiche
Wärmeausdehnung wie die Sonnenzellen selbst, so daß diese Baueinheiten
wahrscheinlich auf Jahre hinaus fest verbunden bleiben.
Die elektronische Ausrüstung ist in einem Aluminiumbehälter von
50 cm Durchmesser eingeschlossen, der nicht am Halterahmen angenietet,
sondern durch Nylonbänder mit diesem elastisch verbunden ist. Hierdurch
werden Stöße und hochfrequente Schwingungen weitgehend abgefangen.
Die Empfangsfrequenz des TELSTAR, der bei einer Umlaufzeit von 160
Minuten die Erde in Höhen zwischen 930 und 56OO km umkreist, liegt bei
6390 Megahertz, die Sendefrequenz; bei 4170 Megahertz. Seine Sendeleistung
beträgt ungefähr 3 Watt. Die Antennen sind kleine Strahler, die in zwei
Ringen am Äquator des TELSTAR angebracht sind.
Der Nachrichtensatellit wird zunächst für eine Fernseh-Direktübertragung innerhalb der Vereinigten Staaten, später, bei internationalen
Gemeinschaftsexperimenten, für eine Pernseh-Direktübertragung von 10
Minuten Dauer nach Europa und ein ähnliches Programm in umgekehrter Richtung benutzt werden. Er wird außerdem die Möglichkeit der Übertragung von
Ferngesprächen mit Sprechteilnehmern in den USA und Europa bzw. Brasilien
sowie die Funkbildübermittlung von Worttexten demonstrieren.
Bald nach dem Start von TELSTAR soll zur Durchführung ähnlicher Experimente ein zweiter Nachrichten-Versuchssatellit - RELAY - in eine
Erdumlaufbahn zwischen 165O und 5550 km Höhe gebracht werden. RELAY ist
ein Projekt der NASA, in deren Auftrag die Radio Corporation of America
(RCA) das Versuchsgerät baute. Dieses hat die Form eines achteckigen
Zylinders, wiegt 60 kg und ist mit zwei Verstärkern ausgerüstet. Die
Sendefrequenz des RELAY-Satelliten ist - im Gegensatz zur Aufnahmefrequenz - die gleiche wie bei TELSTAR; mit 10 Watt liegt seine Sendeleistung
allerdings erheblich höher.
Vorbereitungen zur Beteiligung Europas und Südamerikas in vollem Gange
TELSTAR und aHELAY sind aktive Nachrichtensatelliten mit, wie die
Techniker bei der angewandten Abrufmethode sagen, "verzögerter Wiedergabe". Um überhaupt Versuche damit durchführen zu können, sind besonders
ausgerüstete Bodenstationen erforderlich. In den Vereinigten Staaten wurden
zu diesem Zweck zwei Stationen gebaut. Die AT&amp;T errichtete die Station
Andover im Staate Maine, die International Telephone and Telegraph Company
eine kleinere Station im Staate New Jersey.
T

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In Großbritannien ist eine ähnliche Bodenfunkstelle in Cornwall
(Goonhilly Downs) fast fertiggestellt; sie wird von der britischen
Post- und Fernmeldeverwaltung errichtet, die auch für britische Versuche mit Nachrichtensatelliten zuständig ist. In Frankreich ist bei
Pleumeur-Bodou in der Bretagne, in der Bundesrepublik bei Raisting in
Oberbayern eine große Bodenstation im Entstehen. Die erforderlichen
Aufwendungen für die britischen und französischen Stationen werden auf
3 bzw. 10 Millionen Dollar geschätzt. Die französische Bodenfunkstelle
wird mit der gleichen riesigen Hornparabolantenne ausgerüstet, die auch
die AT&amp;T-Station in Andover besitzt. Dieses 340 Tonnen schwere drehbare
Gerät ist 53»8 m lang und hat eine dem Alphorn
ähnliche Form; es kann
als Sende- und Empfangsantenne benutzt werden. Die Station Raisting erhält als Antenne einen Parabolspiegel von 25 m Durchmesser, wie er bereits
in der englischen Bodenfunkstelle Goonhilly Downs errichtet wurde.
Bei Fucino in der Nähe von Rom beabsichtigt die italienische Gesellschaft Telespazio eine Bodenfunkstelle zu bauen, während sich Brasilien über eine Station in der Nähe von Rio de Janeiro an den Versuchen
beteiligen wird.
Vertreter der genannten Nationen haben einen Sonderausschuß gebildet, der im Zusammenhang mit Fernmeldesatellitenexperimenten für alle
Fragen zuständig ist, die die Ausrüstung und Tätigkeit der Bodenfunkstellen betreffen. Auf Zusammenkünften in Falmouth (England) im Dezember
1961 und Februar 1962 einigten sich die Ausschußmitglieder bereits über
die Art der durchzuführenden Versuche. Inzwischen bekundeten auch andere
Länder, unter ihnen Kanada, Japan und Argentinien, ihr Interesse an einer
Beteiligung an Versuchen mit Fernmeldesatelliten.
Jeder der beiden Versuchssatelliten, die in ihrer Umlaufbahn durch
Rotation um die eigene Achse stabilisiert werden, wird wichtige technische
und wissenschaftliche Unterlagen für die Weiterentwicklung "fliegender
Relaisstationen" vermitteln. Um allerdings ein weltweites kommerzielles
Nachrichtennetz - einschließlich weltweiter Fernsehübertragungen - aufbauen zu können, wären mindestens 20 bis 30 TELSTAR- und RELAY-Satelliten
erforderlich. Satelliten in der hier gewählten Umlaufhöhe befinden sich
bestenfalls 20 bis 25 Minuten lang gleichzeitig im Sichtbereich von Bodenstationen diesseits und jenseits des Atlantik.
REBOUND ist ein Projekt, bei dem gleichzeitig drei Ballonsatelliten
mit einer einzigen Rakete gestartet werden sollen. Eine AGENA-Rakete soll
die Ballone in eine 3200 km hohe Umlaufbahn einschießen und darin in
möglichst gleichen Abständen verteilen. Ähnlich wie der 30 m große ECH0Ballonsatellit würden diese drei Ballone (Durchmesser 41 m ) , die zur
besseren Erhaltung ihrer Kugelform allerdings eine steifere Hülle besitzen, Funksignale nur reflektieren, also als passive Relaisstationen
dienen. Die ersten Flugtests sind Anfang 1963 vorgesehen; zur Zeit sind
noch Forschungen mit neuartigen, leichteren Materialien für die Ballonhülle im Gange, um sehr große und dennoch formbeständige Ballonsatelliten
konstruieren zu können.
SYNC0M

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SYNCOM (der Name ist gebildet aus "synchronous communication
satellite") gehört zu den aktiven Nachrichtensatelliten mit Empfangs-,
Verstärker- und Sendeanlage. Ein großes amerikanisches Plugzeugwerk
zeigte auf der Luftfahrtschau 1962 in Hannover sin Modell des trommeiförmigen Geräts, das in eine Umlaufbahn in 36 000 km Höhe geschossen
werden soll. In diesem Abstand von der Erdoberfläche beträgt die Umlaufgeschwindigkeit des Satelliten 24 Stunden, ist also der Rotationsgeschwindigkeit der Erde um ihre Achse "synchron". Dabei bleibt der
Satellit scheinbar über einem bestimmten Längengrad stehen, pendelt aber,
sofern die Ebene seiner Bahn zum Äquator geneigt ist, um einige Breitengrade langsam in nördlicher und südlicher Richtung. Befindet er sich
dabei beispielsweise auf einer Position über dem Atlantik, so liegt er
wegen seines großen Abstandes von der Erde ständig im Sichtbereich nordund südamerikanischer sowie europäischer und afrikanischer Bodenstationen
und kann so als Zentrale für den Nachrichtenaustausch über den Atlantik
dienen. Durch 3 bis 10 Relaisstationen in dieser Höhe würde ein weltweiter Nachrichtenverkehr ermöglicht. 3960 Sonnenzellen liefern den
Betriebsstrom für die Geräte, und zwar mindestens 20 Watt bei 27,5 Volt
für 1 Jahr. Eine besondere Konstruktionsleistung ist das geringe Gewicht dieses aktiven Nachrichtensatelliten, der nur 27,2 kg wiegt. Dies
ist die Voraussetzung dafür, ihn mit der vorgesehenen Trägerrakete vom
Typ DELTA überhaupt in eine so große Höhe befördern zu können.
Das erste Versuchsgerät, SYNCOM MARK I, wird im Sommer dieses Jahres an die NASA geliefert. Es wird jeweils nur ein Telephongespräch
in beiden Richtungen übertragen können, während für die kommerziellen
Nachrichtensatelliten vom Typ SYNCOM MARK II 1200 Fernsprechkanäle oder
600 Fernsprech- und 2 Fernsehkanäle vorgesehen sind.
Ein ähnliches Projekt Umfaßt das militärische Nachrichtensatelliten-Programm ADVENT, das unlängst die US-Armee an die US-Luftwaffe
abgegeben hat. Die Umlaufbahn dieses Satelliten soll ebenfalls in
36 000 km Höhe liegen. Damit er von einer ATLAS-AGENA-Rakete in diese
Bahn gebracht werden kann, soll sein Gewicht von ursprünglich 580 kg
auf knapp 23o kg reduziert werden. Das erste Versuchsgerät wird
allerdings die Erde in 10 000 km Höhe umkreisen.
Frequenzen
Mit TELSTAR und RELAY soll die Möglichkeit der Übertragung breiter Frequenzbänder über große Entfernungen demonstriert werden. Die
NASA arbeitete während des letzten Jahres bereits eng mit anderen
amerikanischen Behörden zusammen, um die Position der Vereinigten
Staaten im Hinblick auf die internationale Zuteilung von Radiofrequenzen klarzustellen. Ihre Bestrebungen gingen dabei nicht nur dahin, Frequenzbänder zur Benutzung in Nachrichtensatelliten fü2 die
kommerziellen und staatlichen Fernmeldestellen anderer Länder freizuhalten, sondern auch notwendige internationale Vereinbarungen über die
Benutzung bestimmter Radiofrequenzen für andere Zwecke der Weltraumforschung zu erreichen.
Im Herbst 1963 wird die Internationale Fernmeldeunion (ITU), eine
Organisation der Vereinten
Nationen, über diese Fragen konferieren.
Das US-Amt für Luft- und Raumfahrt beteiligt sich überdies an der
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der Arbeit des "International Radio Consultative Committee" (internationaler beratender Ausschuß für den Funkdienst); dieses Gremium
der Internationalen Fernmeldeunion hat die Aufgabe, technische Fragen
und Probleme des praktischen Funkbetriebs zu untersuchen und geeignete
Maßnahmen zu empfehlen.
Besitzrechte
Präsident Kennedy unterbreitete dem amerikanischen Kongreß am
7. Februar 1962 eine Gesetzesvorlage über die Schaffung eines Fernmeldesatellitennetzes, das nach Umfang und Dienstleistungen internationalen
Charakter trägt. Es soll von einer privaten Aktiengesellschaft betrieben werden, die u.a. folgende Aufgaben und Vollmachten wahrzunehmen hätte:
Bereitstellung von Nachrichtenkanälen gegen Mietgebühr für autorisierte
Benutzer; Beschaffung und Erwerb von Satelliten, Bodenstationen und
anderen Einrichtungen, die für den Betrieb sowie für die direkte
Verbindung mit erdgebundenen Nachrichtennetzen erforderlich sind;
Forschung und Entwicklung in eigener Regie oder auf Kontraktbasis;
Finanzierung der Satellitenstarts und aller damit zusammenhängenden,
von der US-Regierung übernommenen Dienstleistungen.
Das Fernmeldewesen in den Vereinigten Staaten befand sich von
jeher in Privathand. Es wird in privater Regie betrieben, ist aber in
bezug auf Gebühren und Dienstleistungen Regierungsvorschriften unterworfen. Um eine möglichst breite Streuung der Eigentumsrechte an einem
Unternehmen, das ein künftiges Fernmeldesatellitennetz übernimmt, zu
gewährleisten , schlug die amerikanische Regierung die Ausgabe von
Aktien in den zwei Klassen 4 un(* ü vor. Die Aktien der Klasse A sind
stimmberechtigt, können von jedermann erworben werden, und nur auf sie
werden Dividenden ausgeschüttet; die - nicht stimmberechtigten Aktien der Klasse B dagegen können nur von den zugelassenen Unternehmen
der Fernmeldebranche, die jetzt und in den kommenden Jahren die Hauptlast der Entwicklungskosten für ein Fernmeldesatellitennetz tragen, erworben werden.
Mit der Ausarbeitung der Gesetzesvorlage beabsichtigte die amerikanische Regierung u.a., weltweite Nachrichtenverbindungen auf kommerzieller Basis zu gewährleisten, einen Anreiz für einen größtmöglichen Wettbewerb in bezug auf technische Ausrüstung und Dienstleistungen zu geben,
beschleunigt ein betriebsfähiges Satellitennetz zu entwickeln, Industrieländer daran ebenso teilhaben zu lassen wie Entwicklungsländer,
Radiofrequenzen wirksam und wirtschaftlich zu nutzen und Diskriminierungen jeder Art von vornherein zu unterbinden. Das amerikanische Satellitennetz soll allen autorisierten Trägern des Fernmeldewesens zur Benutzung
offenstehen. Botschafter Francis T. P. Plimpton, der stellvertretende
Leiter der US-Delegation bei den Vereinten Nationen und Vertreter der
Vereinigten Staaten im UN-Ausschuß für die friedliche Nutzung des Weltraums, setzte sich vor diesem Gremium kürzlich in einer umfassenden Rede
für eine enge internationale Zusammenarbeit in der Weltraumforschung
und im Aufbau eines Fernmelde-Satellitennetzes ein. Er berichtete in
diesem Zusammenhang, daß man plane, schon im Herbst 1962 über TELSTAR

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TELSTAR oder RELAY eine Debatte der UN-Vollversammlung in einer 5- bis
1O-Minuten-Sendung nach Europa zu übertragen, und er fügte hinzu:
"Hoffen wir, daß diese Minuten glücklich gewählt sind!"

ACHTUNG REDAKTIONEN! Auf Anforderung übersenden Ihnen die für Ihren
Bereich zuständigen Amerika-Dienst-Außenbüros
kostenlos folgende Bilder:

1)

Am 24. April 1962 wurde der im August 196O gestartete Ballonsatellit ECHO I erstmals für eine Fernsehbild-Direktübertragung über
4300 km von Kalifornien nach Massachusetts benutzt. Das auf diesem
Wege übermittelte Bild zeigte ein Plakat mit den drei Buchstaben
"M.I.T." (Abkürzung für Massachusetts Institute of Technology Technische Universität Massachusetts). Auf den relativ
schnell fliegenden Satelliten konnte vom Bodensender aus nur ein
schmaler Straiilungskegel von einem zehntel Bogengrad Durchmesser
(Stärke 20 kW, Frequenz 8350 Megahertz) gerichtet werden.

2)

Ein Modell des TELSTAR-Fernmeldesatelliten wird bei den Bell
Telephone Laboratories in eine Prüfkammer gebracht, in der ein
nahezu vollkommenes Vakuum und Kältegrade bis zu minus 200 Grad
Celsius erzeugt werden können. Ähnlichen Bedingungen ist TELSTAR
im Weltraum ausgesetzt.

3)

Die Hornparabolantenne (oben) der American Telephone &amp; Telegraph
Company in Andover (Maine) dient als Sender und Empfänger für Fernsehprogramme, Telephongespräche und drahtlose Wortsendungen bei
künftigen Nachrichtenübermittlungen über Fernmeldesatelliten. Das
riesige Gerät ist 53»8 m lang, drehbar und wiegt 340 Tonnen.
Unten ein Schnittmodell der Hornparabolantenne unter ihrem Druckluftzelt, das sie vor Wind und Wetter schützt.

4)

Den Betriebsstrom für den RELAY-Satelliten, der bei der Radio Corporation of America gebaut wird, sollen 6000 auf der Außenwandung
montierte Sonnenzellen liefern. Der Versuchsnachrichtensatellit der
NASA wird auf der Frequenz 1725 Megahertz empfangen, die aufgenommenen
Signale werden auf der Welle 4170 Megahertz gesendet.

(AD-Außenbüros befinden sich in:
Berlin-Dahlem, Clay-Allee 170
Bremen, Contrescarpe 38-42
Düsseldorf, Cecilien-Allee 5
Frankfurt (Main), Siesmayerstraße 21, Zimmer 110
Hamburg, Alsterufer 27
München, Königinstraße 5-7
Stuttgart, Urbanstraße 7)
* * * * *

- 10

�A M E R I K A

D I E N S T

DIE REGIERUNG DER VEREINIGTEN STAATEN VON AMERIKA
(Standl 20. Juni 1962)

�Allg./29.6.1962
H!L???i??™?_pjR_VEM:mGTEN STAATEN_VON_AMERIKA
(Stand: 20. Juni 1962)
Der Präsident: John F. Kennedy
Der Vizepräsident: Lyndon B. Johnson
Das Kabinett des Präsidenten umfaßt unter dem Vorsitz des Präsidenten als
ständige Mitglieder die Leiter der zehn Bundesministerien.
Außenminister (Secretary of State): Dean Rusk
Stellv.: Staatssekretär George W. Ball (Under Secretary of State)
Finanzminister (Secretary of the Treasury): C. Douglas Dillon
Stellv.: Staatssekretär Henry H. Fowler (Under Secretary of the Treasury)
Verteidigungsminister (Secretary of Defense): Robert S. McNamara
Stellv.: Staatssekr. Roswell L. Gilpatric (Deputy Secretary of Defense)
Justizminister (Attorney General): Robert F. Kennedy
Stellv.: Staatssekr. Nicholas äeB. Katzenbach (Deputy Attorney General)
Postminister (Postmaster General): J. Edward Day
Stellv.: Staatssekr. H. W. Brawley (Deputy Postmaster General)
Innenminister (Secretary of the Interior): Stewart L. Udall
Stellv.: Staatssekr. James K. Carr (Under Secretary of the Interior)
Landwirtschaftsminister (Secretary of Agriculture): Orville L. Freeman
Stellv.: Staatssekr. Charles S. Murphy (Under Secretary of Agriculture)
Handelsminister (Secretary of Commerce): Luther H. Hodges
Stellv.: Staatssekr. Edward Gudeman (Under Secretary of Commerce)
Arbeitsminister (Secretary of Labor): Arthur J. Goldberg
Stellv.: Staatssekr. W. Willard Wirtz (Under Secretary of Labor)
Minister f. Gesundheits-, Erziehungs- und Sozialfragen
(Secretary of Health, Education &amp; Weifare): Abraham A. Ribicoff
Stellv.: Staatssekr. Ivan A.Nestingen (Under Secretary of Health,
Education and Weifare)

�P R Ä S I D I A L A M T
Executive Office of the President
Der Präsident
John P. Kennedy

Präsidialkanzlei
The White House Office
1. Persönl. Referent: Theodore C. Sorensen
2. Persönl. Referent: Myer Feldman
Stabssekretär: Ralph A. Dungan
1 . Pressesekretär: Pierre Salinger
2. Pressesekretär: Andrew Hatcher
Verwaltungsreferent: Henry Hall Wilson
Referent f. Sicherheitsfr.: McGeorge Bundy
Referent f. Wissenschaft: Jerome B. Wiesner
Referent f. Kongreßverb.: Lawrence F. O'Brien
Referent f. Kabinettsfragen: Timothy J. Reardon
Referent f. Militärfragen: Gen. Maxwell D. Taylor
Food-for-Peace-Direktor: George McGovern
Sonderreferent: P. Kenneth O'Donnell
Sonderreferent: Arthur Schlesinger
Sonderreferent: Frank D. Reeves
Sonderreferent: Harris L. Wofford
Sonderreferent: Brooks Hays
Amt für Haushaltsplanung
Bureau of the Budget
Leiter: David E. Bell
Stellv.: Leiter: Eimer B. Staats
Amt für Notstandsplanung
Office of Emergency Planning
Leiter: Edward A. McDermott
Sonderberater des Präsidenten für Lateinamerika,
Asien und Afrika
Botschafter ehester Bowles
-

2 -

�(Präsidialamt 2)
Nationaler Sicherheitsrat
National Security Council
Präsident, Vizepräsident, Außenminister,
Verteidigungsminister, Leiter des Amts für
Notstandsplanung (dazu als Sekretär der Referent
des Präsidenten für Sicherheitsfragen)
Zentralamt für Nachrichten und Abwehr
Central Intelligence Agency (CIA)
Leiter: John A. McCone
Rat für Luft- und Raumfahrt
National Aeronautics and Space Council
Vizepräsident, Außenminister, Verteidigungsminister,
NASA-Leiter, AEC-Vorsitzender
Wirtschaftsbeirat
Council of Economic Advisers
Vorsitzenders Walter W. Heller
Mitglieder: James Tobin, Kermit Gordon
Wissenschaftlicher Beirat
Science Advisory Committee
Vorsitzender: Jerome B. Wiesner
Amt für Wissenschaft und Technik
Office of Science and Technology
Leiter: Jerome B. Wiesner

i

3 -

�A U S S E N M I N I S T E R I U M
D e p a r t m e n t of

State

Außenminister (Secretary of State)l Dean Rusk
Stellv. Außenminister!
Staatssekretär (ünder Secretary of State) George W. Ball
Staatssekretär für Politische Fragen
(Under Secretary of State for Political Affairs)i George C. McGhee
Stellv. Staatssekretär für Politische Fragen
(Deputy Under Secretary of State for Pol .Äff.) i U .Alexis Johnson
Stellv. Staatssekretär für Verwaltungsfragen
(Deputy Under Secretary of State for Admin.Affairs)I William H.Orrick
Amt für Internationale Entwicklung

Amt für Rüstungskontr. und Abrüstung

Agency f. Internat. Development (AID)

Arms Control and Disarmament Agency

Leiters Staatssekr. Fowler Hamilton
Stellv. Leiter! Frank M. Coffin

Leiten William C. Foster
Stellv. Leiter» Adrian S. Fisher

Regionalbüros*

Ministerbüro

Lateinamerika
Fernost
Nahost &amp; Südasien
Europa &amp; Afrika

Executive Secretariat
Leiter» William H. Brubeck

Leiter» jeweils ein Unterstaatssekretär
(Assistant Secretary of State)
Rat für Politische Planung
Policy Planning Council
Vors.» U.Staatssekr. Walt W, Rostow
Politischer Berater (Counselor)

Rechtsberater U. Staatssekr. für
.. A , .
Kongreßverb.
T
Legal
Adviser
..
_.
Asst. See. of State
Abram Chayes
„
* -, . .
/TT ox .. , Nf. nCongr. Relations
( U.Staatssekr. JT;—-—r—;—=—^~~rr—~
v
'Frederick G. Dutton

WirtSchaftsabteilung

Nachrichten- und Forschungsabteilung

Bureau of Economic Affairs

Bureau of Intelligence and Research

U. Staatssekr. G. Griffith Johnson

Leiters Roger Hilsman

Kulturabteilung

Abteilung f. öffentl. Angelegenheiten

Bureau of Educational &amp; Cultural Äff.

Bureau of Public Affairs

U. Staatssekr. Lucius D. Battle
Verwaltungsabteilung

U. Staatssekr. Robert J. Manning
Stellvertreter» Stern, Rowan
Pressereferent» Lincoln White

Bureau of Administration

Konsular- und Sicherheitsabteilung

U. Staatssekr. William J. Crockett

Bureau of Security and Consular Affairs
Kommiss. Leiters Michel Cieplinski

- 4-

�(Außenministerium 2)

Afrika-Abteilung

Amerika-Abteilung

U. Staatssekr. G.Mennen Williams

U. Staatssekr. Edwin M. Martin

Europa-Abteilung

Fernost-Abteilung

U. Staatssekr. Poy D. Kohler

U. Staatssekr. W. Avereil Harriman

(Referatel British Commonwealth)
u. Nordeuropa
)
Sowjetunion
)
Osteuropa
)
Deutschland)
(
Westeuropa
Regionalfragen
)

Nahost- und Südasienabteilung
U. Staatssekr. Phillips Talbot
Abt. Internationale Organisationen
U. Staatssekr. J. Harlan Cleveland

Friedenskorps
Peace Corps
Leitert R. Sargent Shriver

Ränge I
Secretary of State

Außenminister

Under Secretary of State

Staatssekretär

Deputy Under Secretary of State =

Stellvertr. Staatssekretär

Assistant Secretary of State

Unterstaatssekretär

=

Deputy Assistant Secr. of State =

Stellvertr. Unterstaatssekretär

- 5-

�V E R T E I D I G U N G S M I N I S T E R I U M
Department of Defense
Verteidigungsminister (Secretary of Defense): Robert S. McNamara
Stellvertr. Verteidigungsminister (Deputy Secretary): Roswell L.Gilpatric
Politischer Rat

Ministeramt d. Verteidigungsministers

Armed Forces Policy Council

Office

Verteidigungsminister

L e i t e r d . A b t . Forschung u .

of the S e c r e t a r y of Defense
Technik:

Stellv. Verteidigungsmin.

S t e l l v . S t a a t s s e k r . Harold Brown

Staatssekr. f.d. Armee

u. 8 Unterstaatssekretäre

für

Staatssekr. f.d. Marine

1. Haushaltsfragen:Charles

Staatssekr. f.d. Luftstreitkr.

2 . I n t e r n a t . S i c h e r h e i t : Paul H. Nitze

Leiter d. Abteilung Forschung

3 . P e r s o n a l u . R e s e r v e : C a r l i s l e P.Runge

u.Technik

J.

Hitch

4 . Forschung u . Technik:John H. Rubel

Chef d. Gemeinsamen S t a b e s

5 . ö f f e n t l . Angelegenh.: A r t h u r S y l v e s t e r

S t a b s c h e f Armee

6 . Versorgung u . L o g i s t i k : Th.D. Morris

Stabschef

7. Rechtsabteilung:

Stabschef

Marine
Luftstreitkräfte

Gemeinsamer Stab

d.Streitkräfte

J o i n t Chiefs of

8. Zivilverteidigung: Steuart L. Pittman
Staatssekretariat f.d. Armee

Staff

Department of the Army

Chef d. Gem. Stabes: Gen. Lemnitzer

Staatssekretär Cyrus R. Vance

Stabschef Armee: Gen. Decker

(Secretary of the Army)

Stabschef Marine: Adm.G.W.Anderson

Staatssekretariat für die Marine

Stabschef Luftstreitkr.:Gen.LeMay

Department of the Navy

Chef d. Marinekorps: Gen. Shoup

Staatssekretär Fred Korth
(Secretary of the Navy)

Gemeinsamer Generalstab
The Joint Staff

Fernmeldeamt
Defense Communication Agency
Leiter: Konteradm. Will D.Irvin

Staatssekretariat f.d. Luftstreitkräfte
Department of the Air Force
Staatssekretär Eugene M. Zuckert
(Secretary of the Air Force)
Amt für Nationale Sicherheit
National Security Agency
Leiters Vizeadmiral Laurence H. Frost

Kernwaffenamt
Defense Atomic Support Agency
Leiter: Gen. Maj. Robert H.Booth
Nachrichtenamt
Defense Intelligence Agency
Leiter: Generallt. J.F. Carroll
Versorgungsamt
Defense Supply Agency
Leiter: Generallt. Andrew T.
McNamara

-

6 -

�WICHTIGE SELBSTÄNDIGE BUNDESBEHÖRDEN
Atomic Energy Commission (AEC) - Atomenergiekommission
Vorsitz: Glenn T. Seaborg
Export-Import Bank of Washington - Export-Import-Bank
Präsident: Harold F. Linder
Pederal Aviation Agency - Bundesaufsichtsamt für die Luftfahrt
Leiter: Najeeb E. Halaby
Feäeral Communications Commission - Bundesamt für das Nachrichtenwesen,
Leiter: Newton N. Minow
Federal Mediation and Conciliation Service - Bundesvermittlungs- und
Schlichtungsdienst; Leiter: William E. Simkin
Federal Power Commission - Bundesamt für Energiewirtschaft
Leiter: Jerome K. Kuykendall
Federal Trade Commission - Bundesamt für den Binnenhandel
Leiter: Paul R. Dixon
General Services Administration - Bundesamt f. Allg. Verw .-Dienste
Leiter: Bernard S. Boutin
Housing and Home Finance Agency - Bundesamt für Wohnbau und Eigenheimfinanzierung; Leiter: Robert C. Weaver
National Aeronautics and Space Administration (NASA) - Bundesamt für
Luft- und Raumfahrt; Leiter: James E. Webb
National Labor Relations Board - Bundesarbeitsaufsichtsatmt
Leiter: Frank W. McCulloch
Securities and Exchange Commission - Effekten- u. Börsenaufsichtsamt
Leiter: William L. Cary
Selective Service System - Bundeszentrale f. Wehrdiensterfassung
Leiter: Generallt. Lewis B. Hershey
U.S. Civil Service Commission - Bundesamt für den Zivilen Reg.Dienst
Leiter: John W. Macy
U.S. Information Agency (USIA) - US-Informationsamt
Leiter: Edward R. Murrow; 1. Stellv.: Donald M. Wilson; 2. Stellv.:
Thomas C. Sorenson
U.S. Tariff Commission - Bundeszollkommission; Leiter: J.E. Talbot
Veterans Administration - Bundesamt f. Kriegsteilnehmerversorg^ing
Leiter: John S. Gleason

7

�DER KONGRESS

Senat
Präsident des Senats» Vizepräsident Lyndon B. Johnson
Dem. Fraktion, Vorsitzender» Sen. Michael J. Mansfield
Geschäftsführer» Sen. Hubert H. Humphrey
Rep. Fraktion, Vorsitzender* Sen. Everett M. Dirksen
Geschäftsführer* Sen. Thomas H. Küchel
Repräsentantenhaus
Sprecher* John W. McCormack
Dem. Fraktion, Vorsitzender« Carl Altert
Geschäftsführer» Haie Boggs
Rep. Fraktion, Vorsitzender* Charles A. Halleck
Geschäftsführer* Leslie C. Arends
Wichtige Ständige Ausschüsse
Senat
Ausschußvorsitzender
Außenpolit. Ausschuß (Foreign Relations Com.) - James W. Fulbright
Bewilligungsausschuß (Appropriations Com.)
- Carl Hayden
Geschäftsordnungsausschuß (Rules &amp; Admin.)
- M. J. Mansfield
Regierungskontrollausschuß (Gov. Operations) - John L. McClellan
Finanzausschuß (Finance Committee)
- Harry F. Byrd
Geld- u.Kreditausschuß (Banking &amp; Currency)
- A. Willis Robertson
Ausschuß für die Streitkräfte (Armed Forces) - Richard B. Russell
Luft- u.Raumfahrtausschuß (Aeronaut.d Space Sciences) - R. S, Kerr
Arbeits- und Sozialausschuß (Labor &amp; Public Weifare) - Lister Hill
Rechtsausschuß (Judiciary Committee)
- James O..Eastland
Repräsentantenhaus
Ausschußvorsitzender
Geschäftsordnungsausschuß (Rules Committee)
- Howard W. Smith
Bewilligungsausschuß (Appropriations Committee)--Clarence Cannon
Ausschuß für Haushaltsfragen (Ways and Means) - Wilbur D. Mills
Rechtsausschuß (Judiciary Committee)
- Emanuel Celler
Regierungskontrollausschuß (Gov. Operations) - William L. Dawson
Außenpolitischer Ausschuß (Foreign Affairs) - Thomas E. Morgan
Ausschuß für die Streitkräfte (Armed Forces Com.) - Carl Vinson
Geld- und Kreditausschuß (Banking and Currency)
- Brent Spence
Gemeinsame Ausschüsse beider Häuser
Ausschußvorsitzender
Atomenergieausschuß (Atomic Energy)
- Abg. Chat Holifield
Verteidigungsproduktion (Defense Production) - Sen. A. Willis Robertson
Wirtschaftsausschuß (Economic Committee)
- Abg. Wright Patman
(Sämtliche Ausschußvorsitzende sind Demokraten)

- 8 -

�A M E R I K A

D I E N S T

Allg./i3.7.l962

UNSER ZIEL: DIE ATLANTISCHE PARTNERSCHAFT

PHILADELPHIA - (AD) - Nachstehend übermitteln
wir Ihnen den Wortlaut der Rede, die Präsident
Kennedy am 4« Juli 1962 in Philadelphia anläßlich des amerikanischen Unabhängigkeitstages vor den Gouverneuren der 50 Bundesstaaten
gehalten hat.

"Es ist für jeden Bürger unserer großen Republik eine hohe
Ehre, an diesem Tage der Unabhängigkeit in der Independence Hall
sprechen zu dürfen. Als Präsident der Vereinigten Staaten vor den
Regierungschefs unserer 50 Bundesstaaten zu sprechen, ist eine
einmalige Gelegenheit und zugleich eine Verpflichtung. Die Notwendigkeit guten Einvernehmens zwischen der Bundesregierung und
den einzelnen Bundesstaaten ist eine unauslöschliche Lehre unserer
Geschichte.
Weil unser System Unterschiede und voneinander abweichende Meinungen fördert, weil die darin eingebauten Kontrollen und ausgleichenden Gewichte die Rechte des einzelnen und der Gemeinde gegen
eine zu starke Centrale Autorität schützen sollen, sind Sie und ich
uns darüber im klaren, wie sehr wir im Hinblick auf eine erfolgreiche
Arbeit unserer einzigartigen und glücklichen Regierungsform voneinander abhängig sind. Unser System und unsere Freiheit gestatten es
der Legislative, sich in gewissen Fällen gegen die Exekutive, dem
Einzelstaat, sich gegen die Bundesregierung, der Stadt, sich gegen
den Einzelstaat, dem Land, sich gegen die Stadt, der einen Partei,
sich gegen die andere, dem einen Interesse, sich gegen das andere
zu stellen - alle im Wettstreit oder Wortstreit miteinander.
Unsere Aufgabe - die Ihre an Ihrem Regierungssitz und die meine
im Weißen Haus - ist es, aus all diesen verwickelten Fäden ein
Gewebe des Rechts und des Fortschritts zu knüpfen. Den Luxus der
Unentschlossenheit können wir uns nicht gestatten. Andere mögen sich
auf Debatten, Diskussionen und jenen letzten Luxus - den freien
Ratschlag - beschränken; unsere Verantwortung ist die Verantwortung
der Entscheidung - denn regieren heißt entscheiden.
In einem sehr realen Sinne sind Sie und ich also die Vollstrecker des Testaments, das uns von jenen überkommen ist, die sich
-

1

-

�"AMERIKA DIENST"

13- Juli 1962

sich heute vor 186 Jahren in diesem historischen Hause versammelt
haben. Sie kamen hier zusammen, um ihre Namen unter ein Dokument
zu setzen, das in erster Linie ein Dokument nicht der Rhetorik,
sondern der kühnen Entscheidung war. Es war ein Dokument des Protestes - aber Proteste waren vorher schon erhoben worden. In dem Dokument wurden ihre Beschwerden und Klagen mit großer Beredsamkeit
dargelegt - aber Beredsamkeit war davor auch schon vernehmbar. Was
jedoch dieses Stück Papier von allen anderen unterschied, war die
endgültige, unwiderrufliche Entscheidung, die mit ihm getroffen
wurde: die Geltendmachung der Unabhängigkeit freier Staaten anstelle
von Kolonien und die Verpflichtung, für dieses Ziel Leben, Gut und
die heilige Ehre einzusetzen.
Heute, 186 Jahre später, ist diese Erklärung - deren auf vergilbtem Pergament stehende, verblichene und nahezu unlesbare Zeilen
ich in der vergangenen Woche erneut im Nationalarchiv gelesen habe immer noch ein revolutionäres Dokument» Die Unabhängigkeitserklärung,
heute gelesen, wirkt wie ein Fanfarenruf. Denn diese Erklärung hat
nicht nur eine Revolution gegen die Engländer ausgelöst, sondern
eine Umwälzung im Leben der gesamten Menschheit. Ihre Verfasser waren
sich dieser weltweiten Auswirkungen voll bewußt; und George Washington
erklärte, 'daß es bei dem Experiment, das den Händen des amerikanischen Volkes anvertraut wurde, letztlich um Freiheit und Selbstregierung überall auf der Welt geht' .
Diese Prophezeiung hat sich bewahrheitet. 186 Jahre lang hat
diese Idee der nationalen Unabhängigkeit den Erdball erschüttert
- und sie ist auch heute noch die gewaltigste Kraft überall auf der
Welt. Da sind jene, die um ihre bloße Existenz in einem unfruchtbaren Lande ringen und die niemals etwas von einer freien Unternehmerwirtschaft gehört haben - die aber dennoch die Idee der Unabhängigkeit
hochhalten. Da sind diejenigen, die sich mit den überwältigenden
Problemen des Analphabetentums und des schlechten Gesundheitsstands
herumschlagen müssen und die nicht vorbereitet genug sind, um freie
Wahlen abhalten zu können - aber sie sind entschlossen, an ihrer Unabhängigkeit festzuhalten. Selbst jene, die in einer Auseinandersetzung
zwischen Ost und West nicht Partei ergreifen wollen oder können, stehen
eindeutig auf der Seite der Unabhängigkeit.
Wenn es eine einzelne Frage gibt, die die Welt heute teilt, dann
ist es die der Unabhängigkeit - die Unabhängigkeit Berlins oder Laos'
oder Vietnams, das Sehnen nach Unabhängigkeit hinter dem Eisernen
Vorhang, der friedliche Übergang zur Unabhängigkeit in jenen neu sich
entwickelnden Gebieten, deren Schwierigkeiten einige gern ausbeuten
möchten.
Der Gedanke der Unabhängigkeit, der so alt ist wie die Menschheit
selbst, wurde nicht in dieser Halle erfunden. Aber hier in dieser
Halle war es, wo dieser Gedanke Gestalt annahm, von wo aus das Wort,
daß 'der Gott, der uns Leben gab, uns auch gleichzeitig Freiheit gab',
in alle Welt hinausging. Und heute hat unsere Nation - aus der

-

2

�"AMERIKA DIENST

13. Juli 1962

der Revolution geboren, in Freiheit gewachsen, in Unabhängigkeit
gereift - nicht die Absicht, ihre führende Rolle in dieser weltweiten Bewegur.g an irgendeine Nation oder irgendeine Gesellschaft, die
sich der systematischen Unterdrückung der Menschheit verschrieben
hat, abzutreten.
So gültig und anwendbar diese historische Erklärung auch heute
immer noch ist, würden wir doch gut daran tun, auch das andere historische Dokument zu würdigen, das hier in diesem Hause formuliert
wurde: die Verfassung der Vereinigten Staaten. Denn dieses Dokument
betonte nicht die Unabhängigkeit, sondern die Interdependenz, die
gegenseitige Abhängigkeit, nicht die individuelle Freiheit des einzeln
sondern die unteilbare Freiheit aller.

In dem größten Teil der alten Kolonialwelt nähert sich
der Kampf um Unabhängigkeit seinem Ende. Selbst in Gebieten
hinter dem Eisernen Vorhang scheint das, was Jefferson einmal
die "Seuche der Freiheit" nannte, weiterhin um sich zu greifen.
Nach dem Untergang der alten Weltreiche leben heute weniger
als zwei Prozent der Weltbevölkerung in Gebieten, die offiziell
als 'abhängige' Territorien bezeichnet werden. Und während sich
dieses Streben nach Unabhängigkeit - angespornt durch den Geist
der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung - jetzt einem erfolgreichen Abschluß nähert, ist ein neues großes Streben - nach
Interdependenz - dabei, die Welt um uns neu zu formen. Der
Geist dieser neuen Bemühung ist genau derselbe Geist, aus dem
heraus die amerikanische Verfassung geboren wurde.

Dieser Geist wird heute wohl am
tischen Ozeans spürbar. Die Nationen
bitterere Fehden gespalten als jene,
zehn Kolonien bestanden - schließen
dies unsere Vorväter taten, Freiheit
der Einheit zu finden.

deutlichsten jenseits des AtlanWesteuropas - lange Zeit durch
die seinerzeit zwischen den dreisich zusammen und suchen, wie
in der Vielfalt und Stärke in

Die Vereinigten Staaten blicken auf dieses große Unterfangen mit Hoffnung und Bewunderung. Wir sehen in einem starken
und geeinten Europa nicht einen Rivalen, sondern einen Partner.
Die Förderung seines Fortschritts ist siebzehn Jahre lang ein
grundlegendes Ziel unserer Außenpolitik gewesen. Wir glauben,
daß ein geeintes Europa in der Lage sein wird, eine größere
Rolle in der gemeinsamen Verteidigung zu übernehmen, den Bedürfnissen der ärmeren Völker großzügiger zu entsprechen und
gemeinsam mit den Vereinigten Staaten und anderen Ländern die
Handelsschranken abzubauen, dieWährungs- und RohstoffProbleme
zu lösen sowie auf allen übrigen wirtschaftlichen, diplomatischen

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3 -

�"AMERIKA DIENST"

1 3 . Juli 1962

diplomatischen und politischen Gebieten eine koordinierte
Politik zu entwickeln. Wir sehen in einem solchen Europa
einen Partner, mit dem wir "bei all den großen und mühevollen
Aufgaben des Aufbaus und der Verteidigung einer Gemeinschaft
freier Nationen auf einer Basis völliger Gleichberechtigung
verhandeln könnten.

Es wäre verfrüht, jetzt mehr zu tun, als der Hochachtung Ausdruck zu geben, mit der wir den Aufbau dieser Partnerschaft verfolgen.
Zunächst einmal müssen unsere europäischen Freunde mit der Bildung
einer vollkommeneren Union voranschreiten, die dies vielleicht schon
sehr bald möglich machen wird.
Ein großes neues Gebäude kann nicht über Nacht errichtet werden.
Elf Jahre lagen zwischen dem Zeitpunkt der Erklärung der Unabhängigkeit
und der Niederschrift der Verfassung. Der Aufbau arbeitsfähiger Bundesinstitutionen dauerte eine weitere Generation. Die größten Leistungen
der Gründer unserer Nation lagen nicht in Dokumenten und Erklärungen,
sondern in schöpferischen und entschlossenen Taten. Beim Aufbau des
neuen europäischen Gebäudes ist man dem gleichen praktischen und zweckmäßigen Kurs gefolgt. Der Aufbau der atlantischen Partnerschaft wird
nicht auf billige oder schnelle Weise zu Ende zu führen sein.

Aber ich möchte es hier und an dieser Stelle und an diesem
Unabhängigkeitstag zum Ausdruck bringen, daß die Vereinigten
Staaten zu einer Erklärung der gegenseitigen Abhängigkeit bereit
sein werden; daß wir bereit sein werden, mit einem vereinten
Europa die Mittel und Wege zur Bildung einer konkreten atlantischen Partnerschaft zu erörtern, einer für alle segensreichen
Partnerschaft zwischen der neuen, gegenwärtig in Europa entstehenden Union und der alten amerikanischen Union, die hier vor rund
175 Jahren begründet wurde.
All dies wird nicht in einem Jahr vollbracht sein, aber die
Welt soll wissen, daß dies nun unser Ziel ist.
Als Alexander Hamilton die Annahme der Verfassung forderte,
erklärte er seinen New Yorker Mitbürgern, sie müßten 'kontinental
denken 1 . Heute müssen wir Amerikaner lernen, interkontinental zu
denken.
Auf uns allein gestellt, können wir nicht überall auf der Welt
Gerechtigkeit schaffen - können wir nicht dafür sorgen, daß Ruhe auf
der Welt herrscht, oder für ihre gemeinsame Verteidigung aufkommen
oder ihren allgemeinen Wohlstand fördern oder die Segnungen der Freiheit für uns und unsere Nachwelt sicherstellen. Aber gemeinsam mit
anderen freien Nationen können wir dies und mehr noch tun. Wir

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�#

"AMERIKA DIENST"

13- Juli 1962

Wir können den Entwicklungsländern helfen, das Joch der Armut abzuschütteln. Wir können unseren weltweiten Handel und unseren Zahlungsverkehr auf einem Stande ausgleichen, der ein größtmögliches Wachstum verheißt. Wir können ein Abschreckungsmittel schaffen, das so
gewaltig ist, daß es jede Aggression unterbindet. Und schließlich
können wir dazu beitragen, eine Welt des Rechts und der Entscheidungsfreiheit zu schaffen, und damit die Welt des Kriegs und des
Zwangs bannen.

Denn die atlantische Partnerschaft, von der ich spreche,
würde nicht nur nach innen blicken und würde sich nicht nur
mit ihrem eigenen Wohlergehen und ihrem eigenen Fortschritt
befassen. Sie würde auch nach außen blicken und mit allen
Nationen bei der Behebung der gemeinsamen Sorgen zusammenarbeiten. Sie würde einen Kern für den schließlichen Zusammenschluß aller freien Menschen bilden - jener, die jetzt frei sind,
und jener, die eines Tages frei sein werden.

An Washingtons G eburtstag im Jahre 1861 sprach der neugewählte
Präsident Abraham Lin coln hier in dieser Halle auf s einem Wege in
die Hauptstadt der Na tion und würdigte in kurzen, ab er beredten Worten die Männer, die d ie Unabhängigkeitserklärung ver faßt en, für sie
kämpften und für sie starben. Das Entscheidende dies er Erklärung,
so sagte er, war, daß sie nicht nur 'der Bevölkerung dieses Landes
Freiheit, sondern der ganzen Welt Hoffnung verhieß - Hoffnung, daß
zu gegebener Zeit die Bürden von den Schultern aller Menschen genommen und daß alle die gleiche Chancb haben würden'.
An diesem 4« Juli 1962 geloben wir, die wir in dieser selben
Halle versammelt und mit der Gestaltung des Schicksals und der Zukunft der Einzelstaaten und der Nation betraut sind, nun feierlich,
daß wir unser Teil tun werden, um die Bürden von den Schultern aller
zu nehmen, um gemeinsam mit anderen Menschen und Nationen den Frieden
und die Freiheit zu wahren, und jede Bedrohung des Friedens oder
der Freiheit des einen als eine Bedrohung des Friedens und der Freiheit
aller anzusehen. Und zur Unterstützung dieser Erklärung verpfänden
wir alle füreinander in festem Vertrauen auf den Schutz der göttlichen Vorsehung unser Leben, unser Gut und unsere heilige Ehre."

* * * * *

�A M E R I K A

D I E N S T

Allg./31 .8.1962

VERTRAGSENTWURF FÜR DIE EINSTELLUNG ALLER KERNWAFFENVERSUCHE
Wortlaut des vom Westen in Genf am 27. August 1962
unterbreiteten Vorschlages

GENF - (AD) - Die Vereinigten Staaten und Großbritannien haben
der Genfer Abrüstungskonferenz am 27« August 1962 den Entwurf eines
Vertrages unterbreitet, der das Verbot der Kernwaffenversuche in
allen Bereichen vorsieht. Der westliche Vertragsentwurf hat folgenden Wortlaut:
Präambel
Die Regierungen der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken,
des Vereinigten Königreiches von Großbritannien und Nordirland und
der Vereinigten Staaten von Amerika sind in dem Wunsch, alle Kernwaffenversuchsexplosionen für alle Zeiten zu beenden, wie folgt
übereingekommen:
Artikel

I

Unterlassungs-Verpflichtungen
Jede der Vertragsparteien verpflichtet sich gemäß den Bestimmungen dieses Vertrages.
a. die Durchführung von Kernwaffenversuchsexplosionen an
irgendeinem Ort, der ihrer Jurisdiktion oder Kontrolle untersteht,
zu verbieten und zu verhindern; und
b. davon Abstand zu nehmen, irgendwo die Durchführung von
Kernwaffenversuchsexplosionen zu veranlassen, zu fördern oder sich
in irgendeiner Weise daran zu beteiligen.
Artikel II
Bildung der internationalen wissenschaftlichen Kommission
1. die Durchführung der in Artikel I und IX dieses Vertrages
übernommenen Verpflichtungen soll durch eine internationale wissenschaftliche Kommission verifiziert werden, die in der Folge einfach
als "Kommission" bezeichnet wird. Zu der Kommission sollen ein

-

1

�31 . August

"AMERIKA DIENST"

1962

ein internationaler Stab sowie, ein Verifizierungssystem gehören, die
in der Folge einfach als "Stab" beziehungsweise als "System" bezeichnet werden.
2. Jede der Parteien verpflichtet sich, unverzüglich und in
vollem Umfang bei der Bildung und dem wirksamen Aufbau der Kommission
mitzuarbeiten. Jede der Parteien verpflichtet sich ferner, unverzüglich und in vollem Umfang bei der Durchführung der Verifizierungsmaßnahmen mitzuarbeiten, die in diesem Vertrag sowie in irgendwelchen
Übereinkommen niedergelegt sind, die die Parteien möglicherweise mit
der Kommission schließen.
Artikel III
Aufgaben der internationalen wissenschaftlichen Kommission
1. Die Kommission soll die allgemeine Verantwortung für die Sammlung von Daten und die Berichterstattung über alle Vorkommnisse, die
den Verdacht erregen, Kernwaffenversuchsexplosionen zu sein, sowie,
wo immer möglich, für die positive Identifizierung der Art und des
Ursprungs solcher Vorkommnisse tragen.
2. Die Kommission soll die Überwachung aller Elemente des
Systems vornehmen, um sicherzustellen, daß diese Elemente integriert
arbeiten. Zu diesem Zweck soll die Kommission Normen für die Arbeitsweise, die Aufstellung und die Koordinierung aller Elemente des Systems schaffen und auf ihre Befolgung achten.
3. Die Kommission kann die Parteien hinsichtlich der Art eines
nicht identifizierten Vorkommnisses konsultieren, das den Verdacht
erregt, eine Kernwaffenversuchsexplosion zu sein, und kann allen
Parteien auf Grund der zur Verfügung stehenden Daten einen Bericht
hinsichtlich der Art und des Ursprungs des ihr vom Stab gemeldeten
Vorkommnisses unterbreiten.
4. Die Kommission soll durch Mehrheitsbeschluß, einschließlich
der Stimmen der ständigen Mitglieder, den Gesamtbetrag ihres Jahresbudgets billigen.
5. Die Kommission soll für die ständige Stationierung von Beobachtern bei den Elementen des Systems sowie für das periodische Aufsuchen
solcher Elemente durch Beobachter Sorge tragen, um sicherzustellen, daß
die festgelegten Verfahren für die schnelle, koordinierte und verläßliche Sammlung von Daten eingehalten werden.
6. Die Kommission kann zur Unterstützung der Durchführung der
Bestimmungen dieses Vertrages mit jedem Staat oder jeder Behörde
Abmachungen eingehen.
7. Die Kommission soll diejenigen Laboratorien und Einrichtungen
schaffen, die sie für die Durchführung der ihr durch diesen Vertrag
übertragenen Aufgaben für notwendig erachtet.
8.
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8. Die Kommission soll durch Mehrheitsbeschluß, einschließlich
der Stimmen der ständigen Mitglieder, einen leitenden Beamten ernennen, der sie bei der Durchführung ihrer Aufgaben unterstützt.
9. Die Kommission soll grundlegende wissenschaftliche Forschungsprogramme durchführen und die Beteiligung der Mitglieder des Stabes
daran erleichtern, um die Fähigkeit der Kommission zu verbessern, ihre
Aufgaben im Rahmen des gegenwärtigen Vertrages durchzuführen, und
um sicherzustellen, daß die wirksamsten und modernsten Methoden der
Verifizierung der von den Vertragsparteien eingegangenen Verpflichtungen angewandt werden.
10. Die ständigen Mitglieder der Kommission sollen dafür Sorge
tragen, daß eine Konferenz der Vertragsparteien abgehalten wird, wenn
nach Ansicht der ständigen Mitglieder eine ausreichende Anzahl von
Staaten Vertragspartner geworden sind, um die in Paragraph 1 b
Artikel IV erwähnten Wahlen durchzuführen. Eine solche Konferenz soll
auf jeden Fall dann stattfinden, wenn... Staaten, einschließlich der
ständigen Mitglieder, Vertragspartei geworden sind.
11. Danach soll die Kommission etwa alle drei Jahre die Parteien
zu einer Konferenz einladen, um Nachwahlen für die Kommission durchzuführen.
12. Die Kommission kann zu jedem ihr angemessen erscheinenden
Zeitpunkt eine Konferenz anberaumen, um Fragen bezüglich des Vertrages
zu erörtern.
Artikel IV
Aufbau und Verfahren der internationalen wissenschaftlichen Kommission
1. Die Kommission soll sich aus 15 Mitgliedern zusammensetzen, die
wie folgt ausgewählt werden sollen:
a. Die Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken, das Vereinigte Königreich von Großbritannien und Nordirland und die Vereinigten Staaten von Nordamerika sollen ständige Mitglieder sein.
b. Zwölf weitere Mitglieder sollen durch Mehrheitsbeschluß
der Parteien gewählt werden, die in der in den Paragraphen 10 und
11 des Artikels III beschriebenen Konferenz vertreten und stimmberechtigt sind, wobei
l)

drei aus den von der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken
vorgeschlagenen Parteien ausgesucht werden sollen;

II)

zwei aus den von dem Vereinigten Königreich und den Vereinigten Staaten gemeinsam vorgeschlagenen Parteien und

III)

sieben aus den von den permanenten Mitgliedern der Kommission
auf einer möglichst breiten geographischen Basis vorgeschlagenen Mitgliedern ausgewählt werden sollen.
c.

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3 -

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c. Sofern irgendwelche der in Paragraph 1 b dieses Artikels
geforderten Vorschläge nicht gemacht worden sind, sollen die Vertragsparteien auf den in den Paragraphen 10 und 11 des Artikels
III beschriebenen Konferenzen die übrigen Mitglieder der Kommission
aus der Gesamtheit aller Parteien wählen«
2. Die in die erste Kommission gewählten Mitglieder sollen
ihr Amt für drei Jahre vom Zeitpunkt ihrer Wahl an innehaben. Danach
sollen alle drei Jahre regelmäßige Wahlen abgehalten werden, und die
in die Kommission gewählten Mitglieder sollen ihren Posten behalten,
bis sie entweder ersetzt oder bei der nächsten Dreijahreswahl erneut
gewählt werden.
3. Jedes Mitglied der Kommission soll eine Stimme haben. Alle
Entscheidungen sollen - sofern in diesem Vertrag nicht anderweitig
bestimmt - durch einfachen Mehrheitsbeschluß der anwesenden und abstimmenden Mitglieder getroffen werden.
4. Eine jede Vertragspartei, die nicht Mitglied der Kommission
ist, kann ohne Stimme an der Erörterung jeder vor die Kommission gebrachten Frage teilnehmen, wenn immer diese der Ansicht ist, daß die
Interessen jener Partei im besonderen berührt werden.
5. Die Kommission soll jeweils zu einem von ihr selbst festzusetzenden Datum zusammentreten oder auf Ersuchen eines Mitglieds
innerhalb von 24 Stunden.
6. Die permanenten Mitglieder sollen die Funktionen der Kommission
ausführen, bis diese gemäß Paragraph 1 dieses Artikels eingesetzt worden
ist. Hierbei sollen die ständigen Mitglieder durch einstimmige Übereinkunft handeln. Sie sollen zusammenarbeiten, um andere Staaten zum
Beitritt zu dem Vertrag zu ermutigen, und bei der Nominierung von
Vertragspartnern, wie sie in Paragraph 1 b dieses Artikels vorgesehen
ist, ohne Verzug handeln, damit die Auswahl der Mitglieder für die
Kommission zum frühestmöglichen Zeitpunkt gewährleistet wird.
7« Der Hauptsitz der Kommission soll in ... sein,
Artikel

V

Funktionen des internationalen Stabes
1. Der Stab soll die Kommission bei der Ausführung ihrer Funktionen
unterstützen.
2. Der Stab soll die Sammlung der durch alle Elemente des Systems
beigebrachten Daten überwachen und Beobachter stellen, die bei den
einzelnen Elementen des Systems stationiert werden oder sie zu den
in Paragraph 5 des Artikels III dargelegten Zwecken aufsuchen sollen.
3. Der Stab soll das Personal für die internationaie-i Elemente des
Systems stellen, die von der Kommission aufgestellt werden mögen.

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4« Der Stab soll die durch das System beigebrachten Daten entsprechend den in diesem Vertrag festgesetzten und von der Kommission
vielleicht noch festzusetzenden Normen analysieren und der Kommission
Berichte über alle derartige Daten zukommen lassen. Derartige Daten
und Berichte sollen auf Anforderung jeder Partei zur Einsichtnahme
zur Verfügung stehen.
5« Das System soll entsprechend den von der Kommission vorgeschriebenen Verfahren und Normen innerhalb von 24 Stunden nach der
Entdeckung eines Vorkommnisses, das den Verdacht erregt, eine Kernwaffenversuchsexplosion gewesen zu sein, alle Daten sammeln und dem
Stab zuleiten, die es in bezug auf die Entdeckung, Lokalisierung und
Identifizierung des Vorkommnisses erhalten hat. Danach sollen weitere
sich auf das Vorkommnis beziehende Daten, falls solche vorliegen, dem
Stab mitgeteilt werden, sobald sie verfügbar sind.
6. Der Stab soll dem in den einzelnen Elementen des Systems arbeitenden Peronal technische Instruktionen erteilen.
Artikel VI
Aufbau des internationalen Stabes
1. Der leitende Beamte (des Stabes) soll der Kommission verantwortlich sein und unter ihrer Aufsicht die von ihr erlassenen Direklven ausführen. Seine Amtszeit soll sich über einen Zeitraum von vier
Jahren erstrecken. Der leitende Beamte soll von der Kommission aus
seinem Amt entfernt werden können, wenn die Kommission infolge eines
Versagens seinerseits, den Direktiven der Kommission nachzukommen, oder
aus anderen Gründen entscheidet, daß sie kein Vertrauen mehr zu ihm hat.
Zu einer jeden derartigen Entscheidung und der Ausübung der Enthebungsgewalt sollen elf Stimmen der Mitglieder der Kommission erforderlich
sein.
2. Ge..:äß den von der Kommission gebilligten Bestimmungen soll der
legten ;e Beamte das Personal für den Stab anwerben, ihn aufbauen und
seine /.rb iitsweise überwachen .
3. Zu dem Stab soll ein wissenschaftlich, technisch und anderweiti derartig qualifiziertes Personal gehören, wie es zur Erfüllung
seine Funktionen erforderlich ist, wobei der größte Wert auf die
A .erbung von Personal höchsten Niveaus, höchster Leistungsfähigkeit,
tec n'scher Kompetenz und Integrität zu legen ist. Unter Berücksichtigen dieses Prinzips soll der leitende Beamte auch die Anstellung
von Personen in Erwägung ziehen, die Staatsbürger solcher Staaten sind,
an der Einrichtung der Elemente des Systems entweder teilgenommen haben
oder raran teilzunehmen beabsichtigen.
4. Der leitende Beamte soll sich auch von den Erwägungen leiten
lassen, daß der ständige Stab auf dem für die Durchführung seiner ihm
übertragenen Aufgaben unbedingt erforderlichen Minimum gehalten und daß

�CLASSIFICATION
TRANSMITTAL

SLIP

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TO

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For the Attention of

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TO THE FOREIGN SERVICE

TO THE DEPARTMENT

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^Reply to Dept. Requesl

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1

HDept.

(U.S.

Agency)

ITEMS/REMARKS

IN REPLY REFER TO FILE NÜMBER AND DRAFTING OFFICE
SIGNATURE
FILE NO.
CLASSIFICATION

TJFTTcT"

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daß das Personal auf einer möglichst breiten geographischen
Basis angeworben werden soll.
5. Bei der Erfüllung ihrer Aufgaben und Pflichten sollen der
leitende Beamte und der Stab nicht um Instruktionen von irgendeiner
Regierung oder irgendeiner anderen Behörde außerhalb ihrer Kommission
nachsuchen oder solche erhalten. Jede Vertragspartei verpflichtet sich,
den ausschließlich internationalen Charakter der Verantwortlichkeiten
des leitenden Beamten und des Stabes zu respektieren und nicht zu
versuchen, sie bei der Erfüllung ihrer Aufgaben zu beeinflussen.
Artikel

VII

Organisation des Verifizierungssystems
1. Das System soll aus den im Anhang zur Verifizierung beschriebenen intregierten Elementen bestehen sowie aus den zusätzlichen
Einrichtungen, die die Kommission für angebracht hält. Sein Zweck
soll sein, die rasche und zuverlässige Sammlung und Meldung von Daten
zu gewährleisten. Es soll Stationen folgender Klassen umfassen:
a. Stationen, die an den im Anhang zur Verifizierung aufgeführten Orten zu errichten sind. Jede dieser Stationen ist in Übereinstimmung mit den besonderen Weisungen der Kommission zu unterhalten
und mit Staatsangehörigen desjenigen Staates zu besetzen, auf dessen
Territorium sich die betreffende Station befindet. Die Kosten für
die Errichtung und Ausstattung jeder solchen Station sind von der
Kommission zu bestreiten, und das Personal solcher Stationen ist von
der Kommission auszubilden. Alle Vertragsparteien, auf deren Territorium sich solche Stationen befinden, erklären sich bereit, Beobachtern für die in Artikel III Paragraph 5 bezeichneten Zwecke Zutritt zu
solchen Stationen zu gewähren.
b. Vorhandene Stationen, die auf Anforderung und im Einvernehmen
mit der Kommission von den einzelnen Vertragsparteien zur Verfügung
zu stellen, zu unterhalten und zu besetzen sind.
c. Stationen, die von der Kommission im Einvernehmen mit den
einzelnen Vertragsparteien zu errichten, zu unterhalten und zu besetzen sind, sofern die Kommission solche Stationen für wünschenswert
hält .
d. Diejenigen Ortungs- und Meßgeräte im Weltraum, in der Atmosphäre sowie auf und unter der Erdoberfläche (einschließlich ihrer
.wasserbedeckten Teile), die die Kommission für wünschenswert hält.
Ob dieselben von der Kommission oder von einzelnen Vertragspartnern
zur Verfügung zu stellen, zu unterhalten und zu bemannen sind, kann
die Kommission entscheiden.
2.

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2. Die Vertragsparteien kommen überein, bei der Errichtung
(einschließlich der Bereitstellung geeigneter Standorte), dem Betrieb,
dem Ausbau, der Justierung und Normung aller Elemente des Systems
zusammenzuarbeiten und dabei der Kommission alle Hilfen, Geräte
oder Daten zur Verfügung zu stellen, die ihr für die Durchführung
ihrer Aufgaben von Nutzen sein können.
3. Die Vertragsparteien kommen überein, dafür zu sorgen, daß
binnen sechs Monaten nach dem Inkrafttreten dieses Vertrages alle
in Paragraph 1 b dieses Artikels erwähnten vorhandenen Stationen
gemäß den Bestimmungen dieses Vertrages ihre Tätigkeit aufnehmen.
' Sie kommen ferner überein, dafür zu sorgen, daß binnen zwölf Monaten
die in Paragraph 1 a erwähnten Stationen errichtet werden und gemäß
den betreffenden Bestimmungen ihre Tätigkeit aufnehmen.
4. Gemäß den von der Kommission festgesetzten Normen haben die
in Paragraph 1 a dieses Artikels erwähnten Stationen diejenigen Geräte
ständig in Betrieb zu halten, die die Kommission für jede Station für
angebracht hält, darunter die folgenden:
Apparate für das Sammeln radioaktiver Explosionsrückstände und
für das Registrieren von Fluoreszenzerscheinungen in der oberen
Atmosphäre, von sichtbaren Lichteffekten, kosmischer Geräuschabsorbierung, tellurischen Strömungen, Streuungsreflexen des Sonnenlichts,
Schallwellen, seismischen Wellen und elektromagnetischen Impulsen.
Stationen, die sich auf Inseln oder in Küstennähe der '/Veitmeere befinden, haben außerdem Apparate für die Registrierung hydroakustischer
Wellen ständig in Betrieb zu halten, sofern die Kommission es für angebracht hält. Stationen, die sich auf Schiffen befinden, haben Geräte
für die Registrierung von hydroakustischen Wellen, Fluoreszenzerscheinungen in der oberen Atmosphäre und sichtbaren Lichteffekten mitzuführen
und ständig in Betrieb zu halten, sofern rdie Kommssion es für angebracht hält.
Artikel VIII
Inspektionen an Ort und Stelle
1. Der leitende Beamte hat unverzüglich durch öffentliche Bekanntmachung am Sitz seines Stabes eine Bestätigung zu geben, sobald er
befindet, daß ein seismisches Vorkommnis nach Paragraph 2 dieses
Artikels festgestellt worden ist und nicht nach Paragraph 3 unberücksichtigt bleiben kann. Der leitende Beamte hat jede Anstrengung zu unternehmen, um diese Bestätigung binnen f2 Stunden nach Feststellung
des Vorkommnisses abzugeben.
2. Ein seismisches Vorkommnis soll als festgestellt gelten, wenn
seismische Signale, deren Frequenzen, Amplituden, Dauer und Ausbreitungsgeschwindigkeit mit den für Erdbeben- oder Explosionswellen
eigentümlichen übereinstimmen, von hinlänglich vielen Stationen registriert werden, um den ungefähren Zeitpunkt und Ort des Vorkommnisses
zu bestimmen. Dies erfordert mindestens vier klar meßbare Ankunftszeiten identifizierbarer Phasen mit wechselseitiger Übereinstimmung

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Übereinstimmung innerhalb eines Bereichs von plus oder minus drei
Sekunden. Diese vier wechselseitig übereinstimmenden Ankunftszeiten
müssen P-Wellen-Ankunftszeiten bei drei verschiedenen Beobachtungsstationen einschließen.
3. Ein festgestelltes seismisches Vorkommnis ist nicht als Kernwaffenversuchsexplosion zu betrachten, falls es eine oder mehrere der
folgenden Bedingungen erfüllt:
a. wenn sich herausstellt, daß sein Hypozentrum in über 60 Kilometer Tiefe liegt;
b. wenn sich herausstellt, daß sein Epizentrum im Bereich der
Tiefsee liegt und das Vorkommnis nicht von einem mit dem seismischen
Epizentrum und der Ausgangszeit übereinstimmenden hydroakustischen Signal begleitet war;
c. wenn es sich als Vorläufer oder Nachläufer eines seismischen
Vorkommnisses mindestens der sechsten Stufe herausstellt, das gemäß
den Unterparagraphen a und b dieses Absatzes eindeutig als Erdbeben
identifiziert worden ist. Für diesen Zweck ist es erforderlich, daß
ein Vorläufer als Teil einer Reihe von Srdbebenstößen weniger als 48
Stunden vor dem Hauptstoß auftritt und daß ein Nachläufer als Teil
einer Reihe von Erdbebenstößen weniger als eine V/o che nach dem Hauptstoß auftritt sowie daß ihre Epizentren im Umkreis von zehn Kilometern
um das Epizentrum des Hauptstoßes festgestellt worden sein müssen.
4. Daten, die von Stationen geliefert werden, welche unter der
Jurisdiktion oder Kontrolle eines Staates stehen, in dem das Vorkommnis
geortet wurde, dürfen nicht dazu benutzt werden, dieses Vorkommnis von
einer Inspektion auszuschließen, können jedoch verwandt werden, um zur
Feststellung der Notwendigkeit einer Inspektion beizutragen.
I
5« Wenn ein seismisches Vorkommnis gemäß Paragraph 1 dieses
Artikels bestätigt worden ist, soll der leitende Beamte ein Gebiet
bestimmen, das innerhalb eines Kreises liegt, dessen Radius ...
Kilometer beträgt und dessen Mittelpunkt der Ort des Epizentrums
dieses Vorkommnisses ist.
6. Inspektionen an Ort und Stelle von Gebieten, die der leitende
Beamte gemäß Paragraph 5 dieses Artikels festgelegt hat, sollen diesem
Artikel zufolge durchgeführt werden:
a. auf dem Territorium unter der Jurisdiktion oder Kontrolle
der Vereinigten Staaten oder des Vereinigten Königreiches, wenn dies
von der Sowjetunion verlangt wird;
b. auf dem Territorium unter der Jurisdiktion oder Kontrolle
der Sowjetunion, wenn dies von den Vereinigten Staaten oder dem Vereinigten
Königreich verlangt wird;
c. auf dem Gebiet unter der Jurisdiktion oder Kontrolle irgendeiner anderen Partei, wenn die Kommission dies anordnet.

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7. Jede Partei, die die Jurisdiktion oder Kontrolle über ein
Gebiet hat, für das gemäß Paragraph 6 dieses Artikels die Inspektion an Ort und Stelle verlangt oder angeordnet wird, soll die
notwendigen Vorkehrungen treffen, um die unverzügliche Inspektion
an Ort und Stelle des gemäß Paragraph 5 dieses Artikels bestimmten
Gebietes zu ermöglichen.
8. Die Höchstzahl von Inspektionen, die für Gebiete unter der
Jurisdiktion oder Kontrolle eines ständigen Mitglieds der Kommission
verlangt werden kann, soll in jedem Jahr ... betragen. Die Höchstzahl
von Inspektionen, die in Gebieten unter der Jurisdiktion oder Kontrolle
einer Partei angeordnet wird, die nicht ein ständiges Mitglied der
Kommission ist, soll drei in jedem Jahr betragen oder um so viel höher
sein, wie dies die Kommission nach Konsultation mit der Vertragspartei
auf Grund einer Zweidrittelmehrheit der Anwesenden und Abstimmenden
festlegt.
9. Was das unter der Jurisdiktion oder Kontrolle der ständigen
Mitglieder der Kommission stehende Territorium betrifft, so sollen
in jedem Jahr in dem seismischen Gebiet dieses Territoriums, wie im
Anhang zur Verifizierung beschrieben, nicht mehr als ... Prozent der
jährlichen Anzahl der Inspektionen, die in Paragraph 8 dieses Artikels
vorgesehen sind, durchgeführt werden.
10. Die Inspektionen an Ort und Stelle sollen, wenn sie in Übereinstimmung mit Paragraph 6 dieses Artikels verlangt oder angeordnet
werden, von Gruppen durchgeführt werden, die von dem leitenden Beamten
aufzustellen sind. Bei der Aufstellung der Gruppen soll der leitende
Bea.ite ein ausgewogenes Vorhandensein von wissenschaftlichem und
technischem Können gewährleisten und eine Zusammensetzung vermeiden,
die dazu führen würde, daß bei der Überprüfung eines Territoriums
Staatsbürger des Staates herangezogen werden, unter dessen Jurisdiktion oder Kontrolle dieses Gebiet fällt. Der Leiter einer Gruppe soll
von dem leitenden Beamten unter den Angehörigen der Gruppe ausgesucht
werden.
11. Jede der Vertragsparteien verpflichtet sich, den Inspektionsgruppen, die gemäß diesem Artikel ausgeschickt werden, unmittelbar
und unbestrittenen Zutritt zu jenem Gebiet zu gewähren, in welchem
ei.e Inspektion an Ort und Stelle durchzuführen ist, sich jeder
Störung der Tätigkeit einer Inspektionsgruppe zu enthalten und jeder
solchen Gruppe die Unterstützung angedeihen zu lassen, die im Hinblick
aut die Durchführung ihres Auftrages erforderlich werden mag.
Artikel IX
Explosionen für friedliche Zwecke
Irgendwelche Kernexplosionen für friedliche Zwecke dürfen nur
durchgeführt werden: 1. wenn ihnen die ursprünglichen Vertragschließenden einstimmig zugestimmt haben oder 2. wenn sie in Übereinstimmung
mit einem Anhang hierzu durchgeführt werden.
Artikel X

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Artikel X

Beziehungen zu anderen internationalen Organisationen
1. Die Kommission ist berechtigt, Abkommen zu schließen, durch
die angemessene Beziehungen zwischen der Kommission und den Vereinten
Nationen oder deren Sonderorganisationen hergestellt werden.
2. Die Kommission ist befugt, geeignete Vorkehrungen zu treffen,
damit die Kommission, der Stab und das System einer internationalen
Abrüstungsorganisation oder irgendeiner anderen internationalen Organisation, die zu einem späteren Zeitpunkt unter irgendwelchen der
Vertragsparteien zur Überwachung der Abrüstung oder verwandter Maßnahmen geschaffen werden mag, beitreten oder in eine angemessene Beziehung zu ihr treten kann.
Artikel XI
Periodische Überprüfung
1 . Ein Jahr nach Inkrafttreten dieses Vertrages - und danach
jährlich - soll die Kommission den Vertrag und die Funktion des
Stabes und des Systems überprüfen, um
a. deren Wirksamkeit für die Feststellung der Einhaltung des
Vertrages hinsichtlich der Verpflichtungen aus Artikel I und IX zu
begutachten;
b. Verbesserungen in dem System, welche die Kommission sondere im Hinblick auf die Identifizierung von Kernexplosionen
wünschenswert hält, zu empfehlen;
c. Änderungen in der Anzahl der quotenmäßigen Inspektionen
an Ort und Stelle zu empfehlen, wie sie die Kommission für wünschenswert hält.
2. Die Kommission soll:
a. die Ergebnisse einer solchen Prüfung allen Vertragsparteien
übermitteln;
b. alle von irgendeiner der Vertragsparteien vorgeschlagenen Verbesserungen in Betracht ziehen und über die Annahme jener entscheiden,
die keine Zusätze zu diesem Vertrag erforderlich machen;
c. Über jeden Zusatz zu diesem Vertrag, der als Ergebnis einer
solchen Überprüfung von irgendeiner Vertragspartei in Einklang mit den
Bestimmungen des Artikels XVI vorgeschlagen wird, abstimmen.

Artikel XII

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Artikel XII
Finanzen

1 . Der Jahresetat soll vom leitenden Beamten des Stabes aufgestellt und von der Kommission in Übereinstimmung mit Paragraph 4
des Artikels III angenommen werden.
2. Die Vertragsparteien sollen die Mittel für den Jahresetat
nach Maßgabe der folgenden Aufstellung aufbringen:
a. ... Prozent Beitrag von den ständigen Mitgliedern wie folgt:
i) ... Prozent des Jahreshaushalts der Union der Sozialistischen
Sowjetrepubliken.
Il) ... Prozent des Jahreshaushalts des Vereinigten Königreiches
von Großbritannien und Nordirland.
III) ... Prozent des Jahreshaushalts der Vereinigten Staaten von
Amerika•
b. ... Prozent Beitrag zu gleichen Teilen von den verbleibenden Mitgliedern der Kommission.
Artikel XIII
Kündigung
1 . Sofern eine Vertragspartei feststellt,
al daß die in Artikel I oder IX dieses Vertrages enthaltenen
Verpflichtungen nicht erfüllt worden sind;
b. daß irgendwelche anderen Verpflichtungen gemäß diesem
Vertrag, einschließlich derer bezüglich der Vorkehrungen für Inspektionen an Ort und Stelle, nicht erfüllt worden sind und daß eine solche
Nichterfüllung die nationale Sicherheit der feststellenden Vertragspartei gefährden könnte;
c. daß Kernexplosionen durch einen Staat, der nicht selbst
Vertragspartei ist, unter Umständen ausgelöst worden sind, die die
nationale Sicherheit der feststellenden Vertragspartei gefährden
könnten, oder
d. daß sich Kernexplosionen unter Umständen ereignet haben,
unter denen es nicht möglich ist, den auslösenden Staat zu ermitteln,
und daß derartige Explosionen, sofern sie von einer Vertragspartei ausgelöst worden sind, den Vertrag verletzen oder, falls sie nicht von
einer Vertragspartei ausgelöst worden sind, die nationale Sicherheit der

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der feststellenden Partei gefährden könnten, .
kann sie der Depositarregierung ein Ersuchen auf Einberufung
einer Konferenz unterbreiten, zu der alle Vertragsparteien einzuladen sind, wobei die Depositarregierung eino solche Konferenz so
rasch wie möglich nach Eingang des Ersuchens einberufen muß. Das Ersuchen der feststellenden Vertragspartei an die Depositarregierung
soll von einer Darlegung der Beweise begleitet sein, auf die sich die
Feststellung stützt.
2. Die Konferenz untersucht unter Berücksichtigung der von der
feststellenden Vertragspartei eingereichten Beweisdarstellung und
aller anderen einschlägigen Informationen die Tatsachen und prüft
die Bedeutung der Lage.
3. Nach Beendigung der Konferenz oder nach Ablauf einer Frist
von 60 Tagen nach Eingang des Konferenzersuchens bei der Depositarregierung - je nachdem welches Datum früher liegt - kann jede Vertragspartei, sofern sie den Rücktritt vom Vertrag im Hinblick auf ihre
nationale Sicherheit für erforderlich hält, der Depositarregierung
die Kündigung mitteilen. Die Kündigung wird zu dorn in der Mitteilung
genannten Datum, das jedoch in keinem Falle vor dem 60. Tage vom
Eingang der Kündigung bei der Depositarregierung an gerechnet liegen
darf, wirksam. Der Kündigung muß eine detaillierte Darlegung der Gründe
für den Rücktritt vom Vertrag beigefügt sein.

Artikel

XIV

Vorrechte und Immunität
Die Vorrechte und Immunität, die der Kommission, dem Stab und
den Vertretern der Vertragsparteien durch die Vertragsparteien gewährt
werden, sowie der Rechtsstatus, den die Kommission im Territorium
jeder der Vertragsparteien genießt, werden in Anhang... dieses Vertrages aufgeführt.
Artikel

XV

Unterzeichnung« Ratifizierung. Beitritt,Inkrafttreten und Registrierung
1. Dieser Vertrag steht bis zum ... allen Staaten zur Unterzeichnun
offen. Jeder Staat, der diesen Vertrag nicht unterzeichnet hat, kann
ihm zu jedem späteren Zeitpunkt beitreten.
2. Dieser Vertrag bedarf der Ratifizierung durch die Signatarstaaten. Ratifikations- und Beitrittsurkunden sind bei der Regierung
von ... zu hinterlegen, die hiermit zur Depositarregierung bestimmt
wird.
3« Dieser Vertrag tritt am ... in Kraft für die Staaten, die an
oder bis zu diesem Tage die Ratifikations- oder Beitrittsurkunden
hinterlegt haben, sofern die hinterlegten Ratifikationsurkunden die

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die der Sowjetunion, des Vereinigten Königreiches und der Vereinigten Staaten einschließen. Falles die Ratifikationsurkunden sämtlicher im vorausgegangenen Satz aufgeführten drei Staaten nicht am
oder "bis zum ... hinterlegt worden sind, tritt dieser Vertrag dann
in Kraft, wenn die Ratifikationsurkunden von ihnen allen hinterlegt worden sind.
4. Ratifikations- oder Beitrittsurkunden, die nach dem Inkrafttreten dieses Vertrages hinterlegt werden, werden mit dem Tage der
Hinterlegung "bindend.
5. Die Depositarregierung muß unverzüglich sämtliche Signatarstaaten und beitretenden Staaten vom Datum jeder Unterzeichnung,
vom Datum jeder Hinterlegung einer Ratifikations- oder Beilrittsurkunde zu diesem Vertrag, vom Datum des Inkrafttretens und vom
Datum jedes Eingangs eines Konf erenze-r suchens oder einer Kündigungsmitteilung gemäß Artikel XIII in Kenntnis setzen.
6. Dieser Vertrag ist von der Depositarregierung gemäß Artikel
102 der Charta der Vereinten Nationen registrieren zu lassen.
Artikel XVI
Alle Zusätze zu diesem Vertrag müssen von einer Zweidrittelmehrheit der Kommissionsmitglieder, darunter den Stimmen der ständigen
Mitglieder, gebilligt werden und treten für alle Vertragsparteien
nach Hinterlegung der Ratifikationsurkunden von zwei Dritteln der
Vertragsparteien, einschließlich der Ratifikationsurkunden der
ständigen Mitglieder der Kommission, in Kraft.
Artikel XVII
Anhänge
Die Anhänge zu dem vorliegenden Vertrag bilden einen untrennbaren Bestandteil desselben, und jede Unterschrift, jede Ratifizierung oder jeder Beitritt zu diesem Vertrag gilt sowohl für den Vertrag als auch für die Anhänge. Die Bezeichnung "dieser Vertrag"
schließt sämtliche seiner Anhänge ein.
Artikel XVIII
Authenti sehe•Fassungen
Dieser Vertrag, der in englischer und russischer Sprache ausgefertigt und in beiden Fassungen gleichermaßen authentisch ist, soll
im Staatsarchiv der Dopositarregierung hinterlegt werden, die den Regierungen der Signatarstaaten und beitretenden btaaten beglaubigte Abschriften desselben zukommen lassen muß.
Zu Urkund dessen haben die gehörig beglaubigten Unterzeichneten
diesen Vertrag unterschrieben.
Gegeben zu
am
des Jahres Eintausendneunhundertundzweiundsechzig. (Ende des Vertragsentwurfes)
* * * * *

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�A M E R I K A

D I E N S T

Allg./28.9.1962

STEVENSON VOR DER UN-VOLLVERSAMMLUNG

VEREINTE NATIONEN (New York) - (AD) - Nachstehend übermitteln wir Ihnen den Wortlaut der Grundsatzerklärung,
die der amerikanische Chefdelegierte bei den Vereinten
Nationen, Botschafter Adlai E. Stevenson, am 20. September 1962 vor der 17» Vollversammlung der Vereinten
Nationen abgegeben hat.

Ich möchte meine Rede damit beginnen, daß ich - so nachdrücklich wie möglich - die große Bedeutung bekräftige, die meine Regierung der Arbeit der Vereinten Nationen beimißt. Meine Regierung
ist mehr denn je davon überzeugt, daß der Erfolg oder Mißerfolg dieser Weltorganisation sehr wohl den Unterschied zwischen Ordnung und
Anarchie auf der Welt bedeuten kann. Wir sind der Überzeugung, daß
die Arbeit, die der 17» Vollversammlung vorbehalten bleibt, wichtig
und auch dringend ist.
Zunächst darf ich Sie namens der Regierung der Vereinigten Staaten und dieser Stadt herzlichst hier in New York begrüßen. Wir beglückwünschen Sie, Herr Präsident, zu Ihrer Wahl zum Präsidenten der
17« Vollversammlung. Sie nehmen einen Platz ein unter den führenden
Männern der Welt, die erwählt worden sind, um dem Forum der Welt in
einer Zeit der Gefahr und Verheißungen vorzustehen, einen Platz,
der auf Grund Ihrer Fähigkeiten und Kenntnisse nur noch mehr an
Bedeutung gewinnen kann.
Und ich begrüße genauso herzlich, daß die Zahl unserer Mitglieder durch die Aufnahme von Trinidad-Tobago, Jamaika, Rwanda
und Burundi erneut gewachsen ist - vier jungen Nationen aus den
sonnenreichen Landen, mit tropischer Schönheit gesegnet, die zu
besuchen und zu bewundern ich das große Glück hatte.
Am meisten aber begrüße ich die Gelegenheit, die diese Sitzungsperiode uns gibt, als Gremium gemeinsam den Kurs zu prüfen, den
unsere Angelegenheiten nehmen, und die Maßnahmen zu bedenken, die
erforderlich sind, uns der Welt, die wir anstreben, nämlich einer
Welt der Gerechtigkeit, der Freiheit und des Friedens, näher zu
bringen.
Vor

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28. September 1962

Vor einem Jahr traten wir in einer Zeit des Zweifels und der
Gefahr zusammen. In den inzwischen verstrichenen zwölf Monaten
ist vieles geschehen, um ein gewisses Maß neuer Hoffnung für die
Zukunft zu rechtfertigen.
Ein langer, bitterer Krieg in Algerien ist zu Ende gegangen.
Ein drohender Krieg zwischen zwei unserer Mitglieder im Südwestpazifik ist durch eine friedliche Lösung gebannt worden - durch
staatsmännisches Verhalten auf Seiten dieser Länder und durch geschioktes Schlichten seitens der Vereinten Nationen.
In Laos sind an die Stelle eines durch ausländische Intervention geschürten Bürgerkrieges ein Waffenstillstand und eine unabhängige, international garantierte Regierung getreten.
Im Kongo, wo die Vereinten Nationen eine so entscheidende Rolle
gespielt haben, sind Krieg und Kriegsgefahr neuen Hoffnungen auf
die friedliche Wiedereingliederung Katangas in den jungen Kongostaat gewichen; wir unterstützen die Bemühungen des Generalsekretärs, eine baldige Beschlußfassung über den Versöhnungsplan der
UN herbeizuführen.
Die Abrüstungsverhandlungen sind mit Unterstützung der Vollversammlung in einem neuen Forum wieder aufgenommen worden, in
dem die Nicht-Atommächte eine nützliche und konstruktive Rolle
spielen.
Wir haben unter den Auspizien der Vereinten Nationen damit
begonnen, eine Zusammenarbeit bei der Erschließung des Weltraums nicht im Interesse irgend eines Landes, sondern im Interesse der
Menschheit - anzustreben.
Wir haben ebenfalls mit einer Intensivierung der Kampagne
gegen die Armut im Rahmen eines EntwicklungsJahrzehnts der Vereinten Nationen begonnen.
Alle diese Entwicklungen - wie auch andere - geben Anlaß
zur Befriedigung. Aber wir würden uns selbst täuschen, würden
wir nur die positiven Seiten stehen. Wir leben immer noch - und
zwar wir alle - in einer dunklen und unsicheren Welt.
Die Berlin-Krise hat sich nicht zum Krieg ausgeweitet, aber
der Druck und die Störungen gegenüber West-Berlin bleiben weiterhin
eine überaus gefährliche Bedrohung für den Frieden der Welt;
die kubanische Regierung führt mit moralischer und materieller
Unterstützung von außen eine Kampagne der Subversion und der Beschimpfung gegen ihre Nachbarn in der westlichen Hemisphäre durch;
in

2

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�AMERIKA DIENST1

28. September 1962

in Vietnam bleibt die illegale Unterstützung eines bewaffneten Aufstandes von jenseits der Grenzen her weiterhin eine Bedrohung für den Frieden in Südostasien;
die chinesischen Kommunisten setzen ihre Politik der Provokation sowie ihre Gewalt- und Subversionsmaßnahmen fort;
im Mittleren Osten schwelt noch immer die Drohung eines Konflikts; sie ist zwar durch die dqn Frieden wahrende Maschinerie
der Vereinten Nationen gedämpft, jedoch keineswegs beseitigt worden;
Streitfragen, die die Mitglieder unserer Organisation betreffen, bleiben auf jedem Kontinent weiterhin ungelöst;
die anhaltende Unterdrückung der Völker Osteuropas bleibt eine
schleichende Gefahr für den Frieden;
die abschließende Phase der weltweiten Bewegung zur nationalen
Unabhängigkeit in allen Teilen der Welt wird durch Fragen kompliziert, die - obwohl vorübergehend und lösbar - explosiv werden
könnten, wenn nicht klare Köpfe über ein zu hitziges Temperament
die Oberhand behalten;
die weite Verbreitung der Armut in großen Teilen der Welt bleibt
eine Quelle moralischer Enttäuschung und politischer Gefahr;
und, was am schlimmsten ist, das selbstmörderische Wettrüsten
hält unvermindert an.'
Diese Situationen beschwören ernste Gefahren für den Frieden
der Welt herauf.
Um solche Gefahren für den Frieden zu bannen, hat die Hiälfte
der in diesem Versammlungsraum anwesenden Länder vor 17 Jahren die
Vereinten Nationen gegründet und hat die andere Hälfte sich in den
dazwischenliegenden Jahren zur Charta bekannt.
Diese Charta stellte der Menschheit eine hohe Aufgabe. Es kann
nicht behauptet werden, daß die Vereinten Nationen in diesen 17 Jahren auf der Erde eine Herrschaft des Friedens errichtet haben. Aber
die Art, wie unsere Organisation in ihrer Geschichte mit den besonderen Herausforderungen des Friedens fertig wurde, ist nichtsdestoweniger eindrucksvoll. In diesen Jahren haben die Vereinten Nationen,
sei es durch den Sicherheitsrat oder die Vollversammlung, durch
Schlichtung oder Feuereinstellung, durch Friedensbeobachter oder
Waffenstillstandsüberwachung oder direkte militärische Maßnahmen
dazu beigetragen, Feindseligkeiten in Persien, Griechenland, dem
Mittleren Osten, Kaschmir, Indonesien, Korea, Suez, dem Libanon,
dem Kongo und Westneuguinea abzuwenden oder zu beenden.
Wenn

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28. September

1962

Wenn es den Vereinten Nationen auch nicht gelungen ist, die
Großmächte zusammenzubringen, so ist es ihnen doch oft gelungen,
sie auseinanderzuhalten - und zwar an Stellen, wo durch eine direkte
Konfrontation aus schwierigen Situationen unter Umständen untragbare Situationen hätten werden können.
Wenn es den Vereinten Nationen auch nicht gelungen ist, alle
internationalen Streitfragen zu regeln, so haben sie dennoch den
Weg für die friedliche Entwicklung einer Weltordnung bereitet. In
diesem Prozeß haben die Vereinten Nationen nicht den verhängnisvollen Fehler begangen, zu versuchen, den Lauf der Geschichte aufzuhalten. Sie haben nicht den Frieden auf Kosten der erforderlichen
Veränderungen zu erlangen gesucht. Und wir müssen gleichermaßen
sicher sein, daß in einer Welt, die so unbeständig ist wie die
unsrige, Veränderungen nicht auf Kosten des Friedens angestrebt
werden, der vor allem anderen notwendig ist.
Die Leistungen sind eindrucksvoll; aber der Lauf der Geschichte
ist heute weniger denn je aufzuhalten, und die gegenwärtigen Forderungen nach Frieden und Fortschritt sind dringender denn je. Diesen Forderungen nachzukommen ,bedarf es nicht nur einer starken, sondern einer noch stärkeren UN. Das wichtigste dieser Vollversammlung
vorliegende allgemeine Problem ist daher, die Bemühungen um eine
stetige Verbesserung unserer Organisation voranzutreiben, so daß
diese sich noch energischer, wirksamer und schneller mit den Gefahren für den Frieden und den Hindernissen für den Fortschritt befassen kann.
Das Wesentliche, der Kern, unsere tägliche Arbeit in dieser Vollversammlung ist es, ein mächtigeres Gebäude zu errichten und die
Vereinten Nationen weiter zu stärken. Der Wert und die Loyalität der
Mitglieder werden &lt;|aran gemessen* Stärken oder schwächen ihre Maßnahmen, ihre Vorschläge unsere Organisation?
Bei der Stärkung der Vereinten Nationen geht es sowohl um
strukturelle als auch um strategische Fragen.
Was die Struktur anbetrifft, so besteht die erste Notwendigkeit
darin, die Vereinten Nationen auf eine gesunde finanzielle Basis
zu stellen. Unsere Organisation hat heute ein Defizit von mehr als
150 Millionen Dollar, das in erster Linie aus dem Ausbleiben oder
der Verzögerung von Zahlungen für die den Frieden erhaltenden
Maßnahmen herrührt, die sich als ebenso kostspielig wie notwendig
erwiesen haben.
Das Notprogramm, mit dem dieses Defizit durch den Verkauf von
Bonds ausgeglichen werden soll, ist eine gute Überbrückungsmaßnahme.
Auf Grund der Maßnahmen unseres Kongresses wird die amerikanische
Regierung in der Lage sein, den Vereinten Nationen die Hälfte des
Geldes zu leiheu, das diese im Rahmen dieses Programines aufnehmen
müssen. Andere Nationen haben sich bereits verpflichtet, Bonds

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28. September 1 962

Bonds in Höhe von 73 Millionen Dollar zu kaufen. Wir hoffen - und
dies ist ein mildes V/ort - daß diese Staaten zusammen mit anderen,
die sich noch nicht zum Kauf verpflichtet haben, die Gesamtsumme
auf 100 Millionen bringen. Meine Regierung kann dann in vollem
Umfang von ihrer Vollmacht Gebrauch machen und die gleiche Summe
aufbringen.
Aber dies alles ist nur ein Linderungsmittel, jedoch keine
Lösung. Das gegenwärtige Defizit ist nur das Symptom eines tiefergehenden Problems - eines Problems, das durch die Trägheit zu vieler Regierungen hier in diesem Saal hervorgerufen wurde. Man kann
gewisse Gründe verstehen, warum in der Vergangenheit gezögert wurde,
eine kollektive finanzielle Verpflichtung für Maßnahmen der UN zu
akzeptieren. Einige Staaten stellten beispielsweise in Zweifel, ob
die Vollversammlung das Recht hat, eine bindende Summe für die Dekkung der den Frieden währenden Kosten festzusetzen. Aber alle rechtlichen Unklarheiten sind nunmehr durch das jüngste Gutachten des Inter
nationalen Gerichtshofes beseitigt worden.
Diese Vollversammlung sieht sich jetzt der zwingenden Verpflichtung gegenüber, eine kollektive finanzielle Verantwortlichkeit für
die Politik und die Maßnahmen der Vereinten Nationen zu bestätigen.
Meines Erachtens sollte die Vollversammlung auf dieser Sitzungsperiode das Rechtsgutachten des Internationalen Gerichtshofes akzeptieren und danach handeln, nachdem frühere Vollversammlungen andere
Rechtsgutachten unverändert akzeptiert und danach gehandelt haben. Di
finanzielle Integrität und Unabhängigkeit der Vereinten Nationen steht
auf dem Spiel. Aber es geht noch um etwas viel Y/ichtigeres, nämlich
um die Herrschaft des Rechts. Der Internationale Gerichtshof hat die
Rechtsgrundsätze aufgestellt; es liegt nunmehr bei dieser Vollversammlung, ihre Achtung vor dem Recht zu manifestieren, indem sie dieses in die Praxis umsetzt.
Meines Erachtens muß diese Vollversammlung ferner einen
Finanzierungsplan für künftige Friedensmissionen aufstellen, der in
Kraft tritt, sobald die Gelder aus der Anleihe erschöpft sind.
Über die Einzelheiten eines solchen Planes läßt sich noch sprechen.
Aber - wie auch immer der Plan aussieht - er sollte fordern, daß jedes Mitglied seinen Verpflichtungen nachkommen muß, wenn erst einmal
über die Beitragsveranlagung ordnungsgemäß abgestimmt ist.
Wir hoffen, daß diese Vollversammlung ein Programm beschließt,
das auf dem einen oder anderen Wege die Finanzierung der von ihr
selbst oder dem Sicherheitsrat gebilligten Projekte sichert.
Anderenfalls verurteilen wir unsere Organisation zur Ohnmacht. Wir
können nicht erwarten, daß die Vereinten Nationen von einem Tag zum
anderen dahinleben und wie ein Bettler auf der Straße eine Mütze
hinhalten.

Außer

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Außer den Finanzfragen gibt es aber noch andere strukturelle
Probleme. Niemand weiß besser als wir hier in diesem Saal, wie
notwendig es ist, die Verfahren in dieser so stark erweiterten Organisation zu straffen, damit diese sich wirksamer mit den komplizierten Fragen auf unserer langen Tagesordnung befassen kann.
Wir müssen den Sicherheitsrat und den Wirtschafts- und Sozialrat erweitern, um eine faire Repräsentation aller Regionen der Erde
sicherzustellen.
Wir müssen die Bestimmungen für unsere internationalen Beamten
und ihre Anwendung - insbesondere was die Beziehungen zwischen den
Mitgliedstaaten und dem Sekretariat anbetrifft - überprüfen, damit
die Beamten der UN auch weiterhin "ausschließlich international" sind,
wie es die Charta fordert.
*
Wir müssen ferner unbedingt einen Generalsekretär für eine volle
Amtszeit wählen. Nach dem tragischen Tode von Dag Hammarskjöld im
vergangenen Jahr machte die Vollversammlung eine sich in die Länge
ziehende, lehrreiche konstitutionelle Krise durch. Wir lösten diese
Krise, indem wir mit großer Mehrheit - und, ich hoffe fest, für
immer - die, in der Charta festgelegte Integrität des Amtes des Generalsekretärs behaupteten. Wir wählten dann einstimmig einen Beamten
und Diplomaten mit außergewöhnlichen persönlichen Qualitäten zum amtierenden Generalsekretär, der dieser Organisation in einer Zeit des
Übergangs und der Ungewißheit gute Dienste geleistet hat.
Wir haben in dieser Versammlung die Pflicht, sicherzustellen,
daß dieses wichtige Amt in den nächsten fünf Jahren genauso gut
besetzt ist, wie dies in der Vergangenheit der Fall war, und daß
derjenige, der dieses Amt innehat, die volle in der Charta vorgesehene Freiheit und Autorität behält.
Aber die Regelung all dieser organisatorischen Probleme würde
immer noch die Frage ungelöst lassen, wie die von uns erdachte Maschinerie benutzt werden soll. Ich setze voraus, daß es unser entscheidendes Ziel ist, praktische Möglichkeiten zur Erfüllung der Absichten der Charta zu finden. Aber ich frage mich manchmal, ob die
angewandten Mittel und Wege, die erwünschten Ziele zu erreichen, immer
die besten sind.
Ich bin mir sehr wohl der Enttäuschungen, der Versuchungen und
der Konflikte in einer jeden parlamentarischen Demokratie bewußt,
aber sie ist nun einmal das beste System, das jemals erdacht wurde,
um alle Interessen bei der Führung der öffentlichen Angelegenheiten
zu schützen und in Einklang.zu bringen. Wenn man die mit dieser
Form der Organisation verbundene Vielfalt in Rechnung stellt und
den Ernst der von uns behandelten Fragen berücksichtigt, wenn man
sich ferner vor Augen führt, wie jung die Vereinten Nationen sind
und wie überaus schnell sie wachsen - dann muß man feststellen,
daß sich die Vollversammlung, von wenigen Ausnahmen abgesehen,
überraschend verantwortungsbewußt und reif gezeigt hat.
Unsere

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Unsere klare Pflicht ist es nun, unsere Arbeit so zu tun, daß
diese Vollversammlung noch verantwortungsbewußter, noch reifer
und damit noch leistungsfähiger wird.
Es liegt auf der Hand, daß diese Vollversammlung nicht erfolgreich arbeiten kann, wenn sie nach dem Muster einer öffentlichen
Protestdemonstration auf irgendeinem Platz abgehalten wird. Es liegt
ferner auf der Hand, daß der Einfluß dieser Vollversammlung nicht
wachsen kann, wenn die Qualität ihrer Debatte durch Propaganda
oder durch Reden entwertet wird, die nicht die Lösung der diesem
Hause vorliegenden Fragen fördern, sondern an die Adresse der eigenen
Bevölkerung gerichtet sind.
Entrüstung und Beleidigungen haben sich seit Beginn der Geschichte
als machtvolle Feinde der Gerechtigkeit erwiesen. Es wäre erstaunlich, wenn sie nicht auch in den Verfahren der Vereinten Nationen
aufträten. Aber die entscheidende Frage im Hinblick auf die dieser
Vollversammlung unterbreiteten Resolutionen muß doch sein, ob wir
dadurch vernünftigen Lösungen der wahren Probleme und damit der
Gerechtigkeit näher kommen.
Wir müssen uns, so glaube ich, zum Beispiel davor hüten, einen
Beschluß zu fassen, bei dem ein hohes Prinzip zur Unterstützung
einer unrealistischen Maßnahme herangezogen wird, und der in keiner Weise eine praktische Lösung näher bringt. Wenn dies zu einer
allgemeinen Praxis würde, dann würden wir riskieren, dadurch den
Einfluß unserer Organisation zu zerstören, denn der Wert ihrer Empfehlungen würde dahinschwinden wie der des Geldes in einer Inflation.
In den Vereinten Nationen haben alle Mitglieder, ob groß oder
klein, das gleiche Recht. Aus diesem Grunde sind sie auch so oft
die Hoffnung der Welt genannt worden. Das ist der Grund, warum sie
der große Wahrer der Interessen der kleineren Staaten sind. Und deshalb müssen wir, wenn die Vollversammlung jetzt zahlenmäßig immer größer wird, dem ein Gefühl für ihre Bedeutung und ihre Verantwortung
gegenüberstellen.
Wir müssen, glaube ich, ferner erkennen, daß offene Debatten unter
den Augen der Fernsehkameras nicht immer der Mäßigung und der erforderlichen Zurückhaltung dienlich sind, wenn stolze und souveräne Staaten einen Disput austragen. Auch ist die Vollversammlung nicht das
einzige Medium, durch das unsere Organisation ihre Ziele verwirklicht.
Wir erlebten es vor einem Jahr, daß die Vollversammlung sich nicht
darüber einigen konnte, wie der Streit über Westneuguinea beizulegen
sei. Wir wissen heute, wie viel die Vereinten Nationen zur Beilegung
dieses Streits beitragen konnten, indem sie sich als ein ruhiger
dritter Partner einschalteten.
Ich glaube, daß es zahlreiche Gelegenheiten für die Vereinten
Nationen gibt, in internationalen Angelegenheiten als "dritter Partner"
zu fungieren: als objektiver Beobachter, als unparteiischer "Sachwalter" an Ort und Stelle, als Polizist im Revier, als Instrument

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Instrument stiller Diplomatie. Bei einigen Fragen, die uns auch
heute hier vorliegen, könnten die Vereinten Nationen beispielsweise einen Berichterstatter einsetzen, der die Fakten feststellt
und die Probleme analysiert und dadurch vernünftige Entscheidungen
der Vollversammlung erleichtert.
Nichts ist wichtiger für uns als ein unermüdliches und systematisches Vorgehen gegen die Konflikte, die den Frieden gefährden.
Seit unsere Welt ein überfülltes Haus und unser Planet ein einziges Pulverfaß geworden ist, haben alle Nationen die Pflicht, sich
bei der Verfolgung nationaler Ambitionen, die zu einem Konflikt
mit anderen führen könnten, zurückzuhalten, bis die Weltgemeinschaft
Gelegenheit gehabt hat, durch geduldige und stille diplomatische
Bemühungen eine Lösung zu finden.
Es geht hier nicht darum, sich gegen wünschenswerte Veränderungen zu stellen oder sie zu verzögern. Es handelt sich vielmehr darum,
die erforderlichen Maßnahmen nicht zu blockieren oder ihnen auszuweichen. Im Gegenteil, es ist wesentlich, die wirksamste Technik
auszuwählen, die sachdienlichste Formel zu finden, um sicherzustellen,
daß Veränderungen tatsächlich stattfinden und Maßnahmen tatsächlich
ergriffen werden können, um den Frieden der Welt zu gewährleisten
und die Vereinten Nationen zu stärken.
Es gibt Arbeit genug und genügend Werkzeuge, um sie zu tun.
Lassen Sie uns den Entschluß fassen, mit der richtigen Einstellung
an sie heranzugehen. Lassen Sie uns unsere Werkzeuge und Möglichkeiten für eine Periode aktiver und einfallsreicher Diplomatie einsetzen und zusammenfassen. Lassen Sie uns in dieser 17» Vollversammlung
die höchsten Formen der politischen Kunst anstreben und eine Zeit
friedlicher Lösungen der Konflikte einleiten - eine Zeit, in der wir
friedlich die großen Umwälzungen bewerkstelligen, die unsere heutige
Geschichte fordert.
Der Weg zum Frieden führt über die friedliche Beilegung von
Konflikten. Aber das größte Hindernis auf diesem Weg, die größte
Gefahr für alle bildet das immer größere Ausmaße annehmende Wettrüsten. Es nimmt von Tag zu Tag an Tempo zu, je mehr die Atommächte
und andere große und kleine Staaten die Waffenarsenale vergrößern.
Einige von uns erfinden und erproben immer neue schreckliche Waffen.
Wir sehen uns gezwungen, dies zum Schutze unserer verschiedenen
nationalen Interessen zu tun zu einem Zeitpunkt der Geschichte,
an dem im nationalen Interesse aller Staaten - solcher mit und solcher
ohne Atomwaffen - nicht die Ausweitung, sondern die Vernichtung des
Kriegspotentials liegt.
Lassen Sie mich dies so klar und so einfach sagen, wie ich es
kann: Dieses verschwenderische Wettrüsten ist eine gefährliche
und tödliche Torheit. Wir hier in den Vereinigten Staaten wollen
unsere Mitmenschen retten und nicht vernichten. Wir wollen die von
diesem unersättlichen Moloch verschlungenen Hilfsquellen für die
unbewältigten Aufgaben unserer eigenen Gemeinschaft nutzbar machen.
Und wir wollen, daß diese Hilfsquellen dafür eingesetzt werden, um

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um jedem Menschen auf dieser Erde eine Chance für ein besseres
Leben zu geben.
Das Wettrüsten aber dauert an. Es dauert an, weil kein Land
angesichts feindlich gesonnener anderer Länder seine Verteidigung
vernachlässigen kann. Keine Großmacht kann eine einseitige Abrüstung riskieren. Es gibt einen - und nur einen - Ausweg aus diesem unerträglichen Dilemma, nämlich die Schaffung eines Systems
der vollständigen und allgemeinen Abrüstung, in dessen Rahmen
sämtliche Staaten - unter den Augen der Völkergemeinschaft und
unter geeigneten Sicherheitsvorkehrungen - ihr eigenes Kriegspotential progressiv abbauen.
Es war ein großer Erfolg unserer letzten Sitzungsperiode hier,
über eine Reihe von Grundsätzen für eine allgemeine und vollständige
Abrüstung Einigung zu erzielen. Wir haben jedoch keinen Fortschritt
in Richtung auf die Verwirklichung dieser anerkannten Grundsätze in
Form eines anerkannten Plans gemacht, um in gemeinsamem Vorgehen
in rasch aufeinanderfolgenden Phasen einer vollständigen Abrüstung
und wirksamen Methodik zur Wahrung des Friedens näher zu kommen.
Die Vereinigten Staaten haben einen solchen Plan unterbreitet.
Sie haben ihre Vorschläge sowohl dieser Versammlung als auch der
Abrüstungskonferenz der 18 Staaten in Genf dargelegt.
Aber so, wie es mindestens zweier bedarf, um ein Wettrüsten
in Gang zu bringen, so bedarf es auch mindestens zweier, um ein
solches Wettrüsten zu beenden. Kein seiner Sinne völlig mächtiger
Mensch kann von einer Seite erwarten, daß sie sich der Mittel zur
Selbstverteidigung begibt, solange sie nicht ganz sicher weiß, daß
die andere Seite ihre Waffen ebenfalls ablegt. Das heißt, eine
praktisch durchführbare Nachprüfung ist der Kernpunkt eines jeden
vernünftigen Abrüstungsabkommens.
Es braucht keine totale Verifizierung zu sein. Wir haben in
langwierigen Verhandlungen zu wiederholten Malen bewiesen, daß wir
bereit sind, gewisse Risiken auf uns zu nehmen, um die Aussichten
für ein verstärktes Wettrüsten zu verringern. Wir sind aber nicht
bereit, unsere Existenz aufs Spiel zu setzen. Wenn andere Länder so wie wir bereit sind, es zu tun - jenes Maß an internationaler
Inspektion gestatten, das um der gegenseitigen Sicherheit willen
technisch notwendig ist, dann können wir das Wettrüsten einstellen.
Aber wir können nicht unsere nationale Existenz in blindem Vertrauen
aufs Spiel setzen, insbesondere nicht in blindem Vertrauen auf ein
großes und machtvolles Land, das immer wieder seine grundsätzliche
Ablehnung der Grundwerte einer freien Gesellschaft bekundet.
Die Sachlage ist klar. Der Preis der allgemeinen Abrüstung
ist die gegenseitige Sicherheit durch internationale Inspektion im
Rahmen der Vereinten Nationen. Weil ein solches System international
wäre, könnte es wohl kaum mit Spionage in Zusammenhang gebracht
werden. Ist eine Inspektion durch eine Behörde der Vereinten Nationen
ein zu hoher Preis für die Sicherheit der Menschheit, ja vielleicht

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vielleicht sogar für ihren Fortbestand? Kann eine Gesellschaft die
Geheimhaltung höher einschätzen als die Sicherheit aller, vor allem
aber, kann dies eine Gesellschaft, die sich selbst als das Modell
anpreist, auf das hin sich alle anderen Gesellschaften zwangsläufig
entwickeln müssen?
Herr Präsident, ich trage diese Angelegenheit hier mit allem
gebotenen Ernst vor. Ich frage die Mitglieder dieser Versammlung:
'.Vollen Sie sich dem Wunsch aller Menschen der Welt nach einem allgemeinen Abrüstungsprogramm, das die Chance einer Beendigung des
Wettrüstens bietet, anschließen?
Noch einmal, die Antwort auf diese Frage wird nicht in Ermahnungen und Gefühlsaufwallungen zu finden sein. Und sie wird auch
nicht durch die Verabschiedung trefflicher Resolutionen gefunden,
in denen edle Ziele ohne Berücksichtigung der Realitäten verkündet
werden. Sie kann nur in einer nüchternen Bemühung zur Lösung der
unendlich komplizierten Probleme der Abrüstung gefunden werden. Wir
glauben, daß uns ernsthafte Verhandlungen in Genf unserem Ziele näher
bringen, und ich hoffe, daß die Diskussionen dort von dieser Versammlung weiterhin mit ganzem Herzen und inständig unterstützt werden.
Hier in New York kann die Versammlung auf der unumgänglichen
Bedingung einer Weltabrüstung bestehen: Sicherheit, daß abgeschlossene
Übereinkommen auch gehaltene Übereinkommen sind.
Es gibt aber eine noch dringlichere Frage als die allgemeine
Abrüstung, und hier ist die Lage nicht hoffnungslos. Ich spreche
von den Kernwaffenversuchen. Wenn ich hierin ein noch akuteres Problem sehe, so meine ich auch, daß es leichter zu lösen ist - und
daß dabei größere Hoffnungen auf einen baldigen Fortschritt bestehen.
Seit annähernd vier Jahren führen die Hauptatommächte, darunter
auch mein Land, Verhandlungen über ein vernünftiges und dauerhaftes
Kernwaffenversuchsverbot. Dieses Verbot würde auch einer Ausbreitung
solcher Waffen entgegenwirken, würde diese sehr beunruhigende neue
Strahlenquelle im menschlichen Lebensraum ausschalten und wäre ein
großer Schritt vorwärts in Richtung auf einen umfassenden Abrüstungsvertrag, den wir so ernsthaft erstreben.
Wie aus den Entwürfen der in Genf vorgelegten Pläne klar hervorgeht, ist die Regierung der Vereinigten Staaten bereit, sämtliche
Kernwaffenversuche einzustellen, vorausgesetzt nur, daß andere
ebenfalls bereit sind, die Verpflichtung zu übernehmen, ein gleiches
zu tun. Versuche in der Atmosphäre, über den Ozeanen und im Weltraum
verursachen die befürchtete Strahlung - nicht so die unterirdischen
Versuche. Wir sind bereit, die Versuche in der Atmosphäre, über den
Ozeanen und im Weltraum ohne internationale Verifizierung einzustellen,
weil wir nationale Möglichkeiten besitzen, die Versuche anderer festzustellen. Und wir Bind auch bereit, die unterirdischen Versuche
einzustellen - bei denen wir keine eigenen Möglichkeiten zur Feststellung haben -, vorausgesetzt, daD ein internationales System

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1962

System geschaffen wird, welches uns die Gewähr bietet, daß die
anderen das gleiche tun.
Seit 1945, als es begann, haben die Vereinigten Staaten nukleare
Sprengkörper mit einer Gesamtstärke von 140 Megatonnen zur Detonation
gebrachti Die Sowjetunion, die, soweit wir aus den Aufzeichnungen
unserer Fernmeßinstrumente ersehen, 1949 init ihren Versuchen begann,
hat an die 250 Megatonnen zur Explosion gebracht. Seit die UdSSR im
Herbst vergangenen Jahres das Moratorium brach, , zündete sie wiederum
Atombomben in einer Gesamtstärke von 200 Megatonnen - die Vereinigten
Staaten, die dadurch zur Wiederaufnahme der Versuche gezwungen wurden,
brachten jedoch nur 25 Megatonnen zur Detonation. Ich wiederhole:
Wir möchten die Kernwaffenversuche einstellen. Falls andere Kernwaffenmächte ebenfalls bereit sind, ein Abkommen über die Einstellung zu
schließen, werden die Versuche aufhören. Hinsichtlich dieser übergeordneten Frage meinen wir in den Vereinigten Staaten es absolut ernst.
Das Ziel des Friedens ist unlösbar mit dem Ziel des Fortschritts
verwoben. Indem wir die Fähigkeit unserer Organisation, den Frieden
zu wahren, verbessern, stärken wir auch die Vereinten Nationen für
ihre anderen wesentlichen Aufgaben: Hilfe zu leisten bei der Konstituierung von Nationen in Würde und Freiheit, Hilfe zu leisten bei
der Befreiung der Menschheit von ihren jahrhundertealten Feinden
Not und Elend. Und indem wir gesunde, moderne Gesellschaften errichten, knüpfen wir das Gewebe des Friedens fester; wir vermindern die
Gefahr, daß sich Elend und Fehlschläge in Konflikten entladen. So sind
die Wahrung des Friedens und die Errichtung neuer Nationen die beiden
Seiten der UN-Medaille.
Wir, die wir an diesen Vollversammlungen der Vereinten Nationen
teilgenommen haben, sind Zeugen einer großen historischen Umwandlung
geworden. In den Jahren seit 1945 haben wir erlebt, wie - unter Mitwirkung dieser Versammlung - das Zeitalter des klassischen Kolonialismus zu Ende ging. In diesen Jahren gewannen 46 Nationen - fast die
Hälfte der gegenwärtigen Mitglieder dieser Organisation - ihre Unabhängigkeit. Damit vollzog sich eine umwälzende Veränderung in der
Struktur der internationalen Beziehungen und der internationalen Machtverhältnisse .
Diese Veränderung wurde, wie ich kaum zu betonen brauche, in den
Vereinigten Staaten begeistert begrüßt. Als erster moderner Staat,
der sich vom Kolonialismus freigemacht hat, waren wir immer stolz,
anderen Staaten Schrittmacherdienste zu leisten bei jenem lohnendsten
und schwierigsten Wagnis - dem Wagnis der Selbstregierung. Wir halten
keine Aufgabe für wichtiger als die, ihnen überall, in den älteren
Kolonialgebieten und anderswo, zur Selbstbestimmung zu verhelfen.
Diese Aufgabe wird diese Versammlung während der kommenden Monate
in ernsten und zielbewußten Beratungen beschäftigen. In keinem Teil
der Welt hat das Streben nach nationaler Unabhängigkeit in den letzten
drei Jahren augenfälligere Ergebnisse gezeitigt als in Afrika. In
keinem Teil der Welt ist es wichtiger, rasche Fortschritte bei der
Lösung der restlichen Probleme des klassischen Kolonialismus auf der

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der Basis echter Selbstbestimmung zu erzielen. Viele Monate lang hat
sich bereits der Siebzehner-Sonderausschuß für Kolonialismus mit
diesen Fragen befaßt. Wir hoffen, daß der Ausschuß imstande sein wird,
seine Arbeit künftig in einer von den Wallungen des Kalten Krieges die in diesem Jahre seine Tätigkeit beeinträchtigten - ungetrübten
Atmosphäre fortzusetzen - einer Atmosphäre, in der alte und neue
Staaten zusammenwirken können, um mitzuhelfen, daß in Ländern, die
noch nicht frei sind, die wesentlichen Voraussetzungen für eine
erfolgreiche Staatwerdung geschaffen werden.
Denn ein Federstrich macht noch keinen Staat. Eine politische
Unabhängigkeitserklärung ist ein Anfang, nicht ein Abschluß. Nichts
schadet dem sich in unserer Epoche vollziehenden großen historischen
Umbruch mehr, als wenn junge Staaten dem Chaos verfallen, internationaler Schutzverwahrung bedürfen oder eine internationale Gefahr werden.
Zur schmerzhaften Geburt eines Staates gehört sowohl die Realität
als die Rhetorik der Unabhängigkeit: ein nationaler Wille, der politischer Klugheit fähig ist, administrative Kraft, wirtschaftliche
Energie und die notwendige moralische Disziplin, um die Verheißung
nationaler Unabhängigkeit in ein freies und produktives Leben für
das Volk umzuwandeln. Das Interesse meiner Regierung und der Welt liegt
nicht in der rein zahlenmäßigen Vermehrung der Nationen, sondern in
der Vermehrung von Staaten, deren Völker frei sind und die Kraft haben,
zu überleben, sich zu entfalten und ihren Teil zur Stärkung der internationalen Ordnung beizutragen.
Die Errichtung von Staaten ist eine politische Angelegenheit nationale Unabhängigkeit aber schließt auch soziale, wirtschaftliche
und moralische Belange ein. Darum hoffe ich, daß diese Versammlung
ihre Aufmerksamkeit dem nächsten wichtigen Punkt in der Agenda der
Staatenbildung zuwendet - das heißt, daß den jungen Staaten geholfen
wird, sich die Werkzeuge zu schaffen, die sie brauchen, um die Aufgaben der Selbstentfaltung erfüllen zu können.
Die Zeit ist niemals günstiger gewesen, um sich dieser Aufgaben
erfolgreich zu entledigen. Wenn die Wunder der Wissenschaft der Menschheit neue Kräfte der Zerstörung in die Hand gegeben haben, so haben
sie ihr auch gleichzeitig neue schöpferische Kräfte gegeben. Die große
Aufgabe, die uns gestellt ist, besteht darin, die Wunder der Wissenschaft in den Dienst des Menschen zu stellen - und zwar sowohl des
Menschen, der auf dieser Erde arbeitet, als auch jenes Menschen, der
das Universum erforscht.
Ich glaube, wir können mit Recht dem Ausschuß für die friedliche
Nutzung des Weltraums zu den auf dem Gebiet der internationalen
wissenschaftlichen und technischen Zusammenarbeit erreichten Fortschritten gratulieren - Fortschritten, die sowohl für den Frieden als
auch für die Förderung des Wissens sehr vielversprechend sind. Aber
was nützt es, wenn einige wenige Menschen die Erde umkreisen, während
gleichzeitig unter ihnen Millionen von Menschen hungern? Was nützt
uns unsere technische Kühnheit, wenn wir zwar Menschen in den Weltraum
bringen, sie aber nicht aus dem Sumpf der Armut herausziehen können?
Sich

�"AMERIKA DIENST"

28. September 1962

Sich "bewußt daranzumachen, die Armut als Hauptübel der Menschheit zu beseitigen, ist eine Aufgabe, wie sie dem Menschen riesiger
nie gestellt worden ist, und ich möchte sie darum bitten, die Schwierigkeiten nicht zu unterschätzen.
Aber wenn die Aufgabe auch enorm schwierig ist, so kann sie doch
höchste Erfüllung bringen. Ich bin stolz darauf, daß mein eigenes
Land bahnbrechend bei der Unterstützung jener Nationen gewesen ist,
die bereit waren, den Weg zu selbstgespeistem Wachstum zu gehen.
Es erfüllt mich auch mit Befriedigung, daß so viele andere industriell hochentwickelte Länder diesem Beispiel gefolgt sind. Es ist
ermutigend, daß ganze Gruppen von Nationen damit beginnen, gemeinsam
ihr wirtschaftliches Geschick im Rahmen regionaler Organisationen
zu gestalten, und ihre Hilfe für die Entwicklungsländer koordinieren.
Im Laufe der Jahre haben die Vereinten Nationen eine eindrucksvolle Reihe technischer Institutionen geschaffen, die alle darauf
ausgerichtet sind, den weniger entwickelten Nationen bei der Modernisierung ihrer Volkswirtschaften zu helfen. Diese Sonderorganisationen
der Vereinten Nationen haben neue und erregende Projekte ins Leben
gerufen: Ein die ganze Welt erfassendes Lebensmittel-Programm läuft
gerade an. Der Rat der Gouverneure der Weltbank fordert gerade in diesen Tagen Empfehlungen für eine Kapitalerhöhung der Internationalen
Entwicklungsgesellschaft. In Genf findet Anfang nächsten Jahres eine
in dieser Art einmalige Konferenz über die Anwendung von Wissenschaft
und Technik auf die Entwicklungsprobleme statt.
Andere Projekte und Programme liefern den Beweis für die wachsende Reife, den immer größer werdenden Rahmen und das ständig steigende
Leistungspotential der Sonderorganisationen. Dies ist alles nur zum
Guten. Die große Aufgabe, der wir uns jetzt gegenüber sehen, besteht
darin, mit jedem Jahr unsere Sonderorganisationen zu verbessern sie mit vernünftigen Verfahren und ausreichenden Hilfsquellen auszustatten und mit interessierten und erfahrenen Kräften zu besetzen;
ihre Planung, Programmgestaltung, Verwaltung und Koordinierung zu
verbessern; dafür zu sorgen, daß sie den Erfordernissen einer realistischen Entwicklung in den neuen Ländern gerecht werden; sie mit den
anderen Formen der Entwicklungshilfe - nationale, regionale und internationale -, die gegenwärtig den aufstrebenden Nationen gewährt
wird, zu integrieren - und damit sicherzustellen, daß die Entwicklungshilfe überall in der Welt auf einer Basis der Zusammenarbeit und
nicht auf der Basis der Konkurrenz erfolgt.
Wir müssen für eine größere Harmonie des Orchesters der uns für
die Hilfe bereits zur Verfügung stehenden Instrumente Sorge tragen.
Die vollen Verheißungen der Entwicklung können nicht innerhalb
nationaler Grenzen verwirklicht werden. Um die allgemeine Prosperität
zu fördern, müssen wir die Schranken beseitigen, die den freien
Verkehr von Menschen, Geld und Gütern über die nationalen Grenzen
hinweg blockieren.
Wir

�•AMERIKA DIENST"

28. September 1962

Wir haben den außerordentlichen Aufschwung der Wirtschaftstätigkeit erlebt, die mit der Entstehung des europäischen Gemeinsamen
Marktes einherging - eines der großen Wagnisse schöpferischer Staatskunst unserer Zeit. Ländergruppen in anderen Teilen der Welt suchen
in gleicher Weise nach Mitteln und Wegen,regionale Wirtschaftseinheiten aufzubauen, die wiederum dem ausgeweiteten Welthandel neuen
Auftrieb geben können.
Es ist selbstverständlich entscheidend wichtig, daß derartige
Gruppierungen den Nichtmitgliedern die größtmöglichen Vorteile des
ausgeweiteten Marktes einräumen. Wir wissen heute, daß sich keine
einzelne Nation ihre Prosperität damit erkaufen kann, daß sie die
Prosperität anderer eindämmt.
Die Ausweitung des Welthandels auf der Basis des Allgemeinen
Zoll- und Handelsabkommens hängt wiederum von dem weiteren sozialen
Fortschritt, der größeren-Freiheit und dem breiteren Rahmen des
Weltfriedens ab, die sicherzustellen Aufgabe der Vereinten Nationen
ist. Darum haben die Vereinigten Staaten, zusammen mit den anderen
Mitgliedern des Wirtschafts- und Sozialrates,mit Freuden der einstimmigen Forderung nach einer Handels- und Entwicklungskonferenz
der Vereinten Nationen zugestimmt. Wir werden alles in unseren
Kräften Stehende tun, um diese Konferenz zu einem Erfolg werden zu
lassen.
Wir müssen - angesichts der Aufgabe des Jahrzehnts der Entwicklung - zu einer klareren Strategie der Entwicklung gelangen,
zu einer deutlicheren Erkenntnis der Dringlichkeitsstufen, zu einer
schärferen Arbeitsteilung unter den verschiedenen Hilfsinstitutionen und zu einer klareren Würdigung, daß die wirtschaftliche und soziale
Entwicklung eines Landes nicht nur von dem Kapital und der Unterstützung von außen abhängt, sondern ebenso von der politischen Führung, dem institutionellen Wachstum, der wirtschaftlichen und sozialen
Reform und dem nationalen Willen.
Hier liegt nun unsere doppelte Aufgabe: an die Stelle der lauten
Politik die stille, aber entschlossene Diplomatie zu setzen - und an
die Stelle des Wettlaufs der Rüstungen den, wie der Präsident im
vergangenen Jahr sagte, Wettlauf des Friedens - mit einem schöpferischen
Wettstreit der Produktion und des Güteraustausches und der Hebung des
Lebensstandards .
Diese Aufgaben sind nicht neu - und sie werden bis zu unserer
Vertagung auch nicht gelöst sein. Aber ich rechne fest damit, daß
die 17. Vollversammlung, bevor wir uns vertagen, die Aufgaben
der friedlichen Regelung, der Umwandlung ohne Kampf und des Krieges
gegen die menschliche Not energisch in Angriff nehmen wird.

Das

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�"AMERIKA DIENST"

28. September 1°62

Das ist das mindeste, was wir uns als den Hüternder Geschichte
unserer Zeit schuldig sind. Meine eigene Regierung verpflichtet
sich feierlich, bei der Erfüllung dieser Aufgaben fest und unermüdlich mitzuarbeiten. Von den Idealen der Charta und von unseren
Verpflichtungen gegenüber unseren Mitmenschen durchdrungen,
können und dürfen wir, die Mitglieder dieser Versammlung, unsere
Beratungen nicht beenden, ohne der Welt einen greifbaren Beweis
für unsere Hingabe an die Sache des Friedens und der Gerechtigkeit zu geben. Dieser greifbare Beweis, Herr Präsident, kann nur
in unseren Entscheidungen und Taten in den kommenden Monaten liegen.

* * * * *

�A M E R I K A

D I E N S T

V/i./28.9.1962

KENNEDY; ERHALTUNG DER STÄRKE DES DOLLARS
EIN WELTWEITES PROBLEM

WASHINGTON - (AD) - Nachstehend übermitteln
wir Ihnen den Wortlaut der Ansprache, die Präsident Kennedy am 20. September 1962 vor Vertretern der Weltbank und des Internationalen
'Währungsfonds gehalten hat.

Herr Vorsitzender, Mitglieder des Rates der Gouverneure und
hochverehrte Gäste,
dies ist für mich die erste Gelegenheit, an Ihren Jahrestagungen teilzunehmen und Sie hier in Washington zu begrüßen - und ich
tue dies mit einer echten Freude. Denn Sie befassen sich mit den
Problemen, denen unter anderen meine Hauptsorge seit dem Tage gegolten hat, an dem ich vor genau 20 Monaten mein Amt antrat; und in
dieser Zeit habe ich gelernt, welch eine entscheidende Rolle der
Internationale Währungsfonds und die Weltbank mit ihren Tochtergesellschaften spielen. Die Arbeit der Internationalen Entwicklungsgesellschaft ist besonders wichtig - und die Vereinigten Staaten unterstützen den Vorschlag, daß die Direktoren ein Programm zur Erhöhung ihrer Mittel ausarbeiten.
Die Bank, die eine Norm gesetzt hat, der andere folgen sollen,
wird bei ihrer bahnbrechenden Arbeit die Dienste von Eugene Black
sehr vermissen. Ich hoffe, er wird es uns gestatten, auch in Zukunft
seinen klugen Rat in Anspruch zu nehmen; und ich hoffe, daß wir übrigen bei der Verfolgung der von ilhm gesetzten Ziele unsere eigenen Anstrengungen intensivieren werden - dies schließt Anstrengungen der
Industriestaaten bei der Bereitstellung von Kapitalhilfe für die
Entwicklungsgebiete ein; Anstrengungen seitens der Industriestaaten,
im eigenen Lande blühende und leicht zugängliche Märkte für die
Erzeugnisse der aufstrebenden Nationen offenzuhalten; Anstrengungen,
um zu Rohstoffabkommen und anderen Vereinbarungen zu gelangen, die
zu einer Stabilisierung der Exporterlöse dieser Nationen beitragen;
und schließlich, was am wichtigsten ist, größere Anstrengungen seitens der Entwicklungsländer selbst, ihre menschlichen und finanziellen Hilfsquellen zu mobilisieren»und um sicherzustellen, daß die

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28. September 1962

die Gewinne aus der Produktionsausweitung von vielen und nicht von
wenigen geteilt werden.
Neben diesen Diskussionen über die Rolle der Bank widmet ihre
Tagung dieses Jahr, wie es auch im vergangenen Jahr der Fall war,
dem Stand des Dollars größte Aufmerksamkeit - und gerade dieser Punkt
stand diese zwanzig Monate hindurch an der Spitze oder nahezu an der
Spitze meiner eigenen Tagesordnung.
Wir in den Vereinigten Staaten sehen keine Veranlassung, mit Befangenheit an die Diskussionen über den Dollar heranzugehen. Der
Dollar ist nicht nur unsere Landeswährung, er ist auch eine internationale Währung. Er spielt eine entscheidende Rolle für das tägliche
Funktionieren des finanziellen Rahmens der freien Welt. Er ist im
internationalen Zahlungssystem der wirksamste Ersatz für Gold. Wenn
der Dollar als eine wichtige Reservewährung nicht existieren würde, dann
würde er "erfunden" werden müssen, denn ein Außenhandelsvolumen von
fast 130 Milliarden Dollar pro Jahr, das sich rasch weiter ausweitet,
und ein starker internationaler Kapitalverkehr können nicht ausschließlich auf den langsam wachsenden Goldbeständen basieren, die gegenwärtig
erst insgesamt 40 Milliarden Dollar ausmachen.
Dem Schutz des'Dollars gilt daher auch die Hauptsorge jedes einzelnen hier vertretenen Landes,und muß es auch. Die Stärke des Dollars
zu unterminieren würde bedeuten, die Stärke der freien Welt zu unterminieren. Um einer nationalen finanziellen Sicherheit - im engsten
Sinne des Wortes - willen miteinander zu konkurrieren und individuelle,
mit unseren gemeinsamen Zielen nicht zu vereinbarende Maßnahmen zu
ergreifen würde letzten Endes nur die Sicherheit von uns allen gefährden.
Ich erkenne an, daß die Vereinigten Staaten als eines der führenden Länder der freien Welt, als deren reichste und mächtigste Nation,
die die stärkste Währung der freien Welt hat und der wichtigste Bankier
für den Welthandel ist, besondere Verantwortungen tragen. Wir haben
alle diese Lasten nicht gesucht - aber genausowenig schrecken wir vor
ihnen zurück. Wir tun jeden klugen Schritt, um die Stärke des Dollars
zu erhalten, um unsere Zahlungsbilanz zu verbessern und um den Dollar
durch Ausweitung des Wachstums unserer Wirtschaft zu festigen.
Wir haben die Pflicht, die volle Konvertierbarkeit des Dollars in
Gold zu erhalten, und müssen zu dieser Verpflichtung mit all unserem
verfügbaren Gold und Kredit stehen. '«Vir haben den Wert des Dollars
nicht dadurch beeinträchtigt, daß wir Beschränkungen für seine Verwendung verfügten. Wir haben in Friedenszeiten unseren Bürgern keine Begrenzungen hinsichtlich des Dollarbetrages auferlegt, den sie eventuell ins Ausland mitnehmen oder senden wollen. Wir haben eine liberale
Handelspolitik befolgt. Und wir haben die Versorgung unserer Freunde
und Verbündeten mit Dollar und Gold fortgesetzt, damit sie ihre
Volkswirtschaften aufbauen und ihre Freiheit verteidigen konnten.

All

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28. September 1962

All das haben wir bereitwillig getan. Kein anderes Land oder
keine andere Währung hat so zahlreiche Lasten getragen. Wir können
und sollten sie aber nicht allein tragen. Ich weiß, die übrigen Länder erwarten nicht von uns, daß wir auf unbegrenzte Zeit hinaus
sowohl die Verantwortung für die Erhaltung einer internationalen
Währung als auch darüber hinaus noch einen unverhältnismäßig großen
Anteil der Kosten für die Verteidigung der freien Welt und die Förderung des sozialen und wirtschaftlichen Fortschritts in den weniger
entwickelten Teilen der Welt tragen. Die Sorge über unsere unausgeglichene Zahlungsbilanz ist nicht unsere Sorge allein, denn sie
ist nicht durch unser eigenes enges Selbstinteresse hervorgerufen
worden. Unser Defizit dürfte sich dieses Jahr auf etwa 1,5 Milliarden
Dollar stellen - eine beträchtliche Verbesserung gegenüber dem Defizit des vergangenen Jahres von 2,5 Milliarden Dollar und den noch
höheren Defiziten der vorangegangenen Jahre. Aber unsere gesamten Bruttoausgaben für militärische Zwecke im Ausland betragen allein 3 Milliarden Dollar. Unsere Dollarausgaben im Ausland für Hilfsprogramme
belaufen sich auf 1,3 Milliarden. Der Dollar selbst ist stark - und
unser kommerzieller Handel - ohne die mit Hilfsgeldern finanzierten
Exporte - erbringt einen Überschuß von fast 3 Milliarden Dollar. Kurz
gesagt, unser Zahlungsbilanzdefizit ist nicht die Folge einer monetären oder wirtschaftlichen Fehlentscheidung, sondern die Folge von
Ausgaben, die unser Volk für die Völker der freien Welt auf sich genommen hat.
Im Jahre 1946 verfügten die Vereinigten Staaten über 60 Prozent
der Goldbestände der Welt. Jetzt sind diese auf 40 Prozent zurückgegangen. Und in dieser Zeit haben wir rund 88 Milliarden Dollar für
die Verteidigung anderer und die Hilfe an andere ausgegeben. Die europäischen Länder allein erhielten rund 26 Milliarden Dollar an Wirtschaftshilfe. Als Folge hiervon entfällt auf die Vereinigten Staaten
nicht länger mehr ein unverhältnismäßig großer Teil des Goldes der
freien Welt, der wirtschaftlichen Stärke oder der wirtschaftlichen
Verantwortung.
Das ist der Grund, warum ich erneut betone: dies sind nicht
amerikanische Probleme, dies sind Probleme der freien Welt. Es sind
Probleme, die nicht von einem Land im Alleingang oder von vielen
gegeneinander arbeitenden Ländern gelöst werden können. Ihnen gilt
nicht ausschließlich die Sorge der Reichen oder der Armen, der Defizit- oder der Überschußländer. Wenn Lasten gemeinsam getragen werden,
dann gibt es keine übermäßige Belastung für irgendein einzelnes Land.
Wenn Risiken geteilt werden, dann sind die Risiken für alle geringer.
Und gemeinsame Anstrengungen zum Schutze des vor allem auf dem Dollar
basierenden internationalen Währungssystems sowie zur Aufteilung anderer Verantwortungen sind daher nicht auf Appellen an die Dankbarkeit oder gar Freundschaft begründet, sondern vielmehr auf dem harten
und realen Boden des Selbstinteresses und der Vernunft.
Selbstverständlich könnten die Vereinigten Staaten über Nacht
ihre internationale Zahlungsbilanz ausgleichen, wenn dies das einzige
von uns angestrebte Ziel wäre. Wir könnten unsere Truppen zurückziehen.

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28. September 1962

zurückziehen, unsere Hilfe abbauen, sie völlig an Käufe in den
USA binden, hohe Zollschranken errichten und die Auslandsinvestitionen oder jede andere Verwendung amerikanischer Dollar einschränken. Eine solche Politik würde, das ist richtig, zu einer neuen
Ära der Dollarverknappungen, der Unsicherheit der freien Welt und
des amerikanischen Isolationismus führen, aber wir hätten das Zah-.
lungsbilanzproblem "gelöst".
Aber die grundlegende Stärke des Dollars macht solche Maßnahmen ebenso unnötig wie sie unklug sind. Sie wären nicht nur unvereinbar mit der Rolle der Vereinigten Staaten in der heutigen Welt;
sie wären - auf Grund der entscheidenden Rolle des Dollars - einfach
selbstzerstörerisch. Wir alle hier sind entschlossen, den einzigen
anderen möglichen Weg zu beschreiten - nicht den unannehmbaren Weg
der Restriktionen, der Isolierung oder der Deflation, sondern den
Weg einer wahren Zusammenarbeit - den Weg eines liberalen Zahlungsund Handelsverkehrs, einer Aufteilung der Kosten unserer NATO- und
unserer pazifischen Verteidigung, der Kosten für die Entwicklungshilfe der freien Welt-,den Weg der Zusammenarbeit bei Maßnahmen zur
Erhöhung der internationalen Stabilität, wobei andere Währungen
neben dem Dollar einen zunehmenden Anteil an dessen zentralen Verpflichtungen übernehmen.
Wir in den Vereinigten Staaten sind uns darüber im klaren, daß
unsere eigene Pflicht in dieser Hinsicht vordringlich Maßnahmen einschließt, um das Defizit in unserer Zahlungsbilanz abzubauen, und
zwar ohne daß wir Zuflucht zur Deflation nehmen oder uns in die Isolierung zurückziehen.
Ich habe auf dieser Tagung ganz offen gesprochen, weil diese
beiden erfolgreichen Institutionen, die Weltbank und der Währungsfonds, lange Zeit in einem Geiste der Offenheit floriert und sich
ständig als ein zuverlässiges Mittel erwiesen haben, flexibel und
wirksam neuen Anforderungen und neuen Aufgaben gerecht zu werden.
Dieser Geist der Zusammenarbeit, der Offenheit und der Initiative,
wird, dessen bin ich sicher, auch in Zukunft weiterbestehen. Denn
nur in diesem Geiste können wir hoffen, ein starkes Finanzsystem
der freien Welt mit stabilen Wechselkursen aufrechtzuerhalten, das
in der Lage ist, einen wachsenden Fluß des Handels und der Auslandsinvestitionen, ohne irgendwelche Diskriminierungen und Restriktionen,
zu unterstützen.
Ich habe überdies offen gesprochen, weil ich der Auffassung
bin, daß die gegenwärtige Stärke des Dollars uns in die Lage versetzt,
frei und offen und zuversichtlich zu sprechen. Es ist erreicht worden,
daß die Verantwortungen in einem gewissen Maße geteilt werden. Es
ist ein beträchtlicher Fortschritt beim Ausgleich unserer internationalen Zahlungsbilanz erzielt worden. Es ist ein neues Abkommen unter
zehn Industrienationen geschlossen worden, um die Mittel des Fonds
zu ergänzen, wobei besondere Abmachungen für Anleihen bis zu 6 Milliarden Dollar getroffen wurden; und die Durchführungsbestimmungen werden
vom amerikanischen Kongreß innerhalb der nächsten Wochen verabschiedet
werden. Ferner haben sich mehr informelle Absprachen zwischen den

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den wichtigsten Handelsnationen ergeben, um mit allen potentiellen
Belastungen oder Überraschungen fertig zu werden, die sich aus
plötzlichen Kapitalbewegungen ergeben könnten. Diese Abmachungen,
so möchte ich hinzufügen, schließen die Möglichkeit einer weiter
gefaßten und allgemeineren Anwendung ein - und die Vereinigten
Staaten werden immer gegenüber Vorschlägen aufgeschlossen sein, die
auf die Ausweitung dieser Abmachungen abzielen oder sonstwiei
das Funktionieren und die Leistungsfähigkeit des internationalen
ZahlungsSystems verbessern.
All dies gibt 'Anlaß zur Zuversicht - Anlaß, in noch stärkerem
Maße darauf hinzuweisen, daß keine Notwendigkeit für extreme oder
restriktive Maßnahmen besteht, daß die Spekulationen gegen den Dolla
ihren Reiz verloren haben und daß die Wirtschaft der Vereinigten
Staaten sich weiterhin in einem Rahmen ausweiten kann, der auf der
Aufrechterhaltung der freien Konvertibilität und der baldigen Erreichung des Zahlungsausgleichs basiert. Die Expansion unserer Binnenwirtschaft war - wenn auch nicht ganz in dem von uns erhofften Ausmaß - beachtlich, und, was von gleicher Bedeutung ist, sie ging
mit einer Stabilität der Preise einher. Die Großhandelspreise für
Industrieerzeugnisse liegen heute de facto niedriger als während der
Rezessionsmonate des Jahres 1961.
Trotzdem unterschätze ich die Herausforderung nicht, der wir
alle weiterhin gegenüber stehen. Der Erfolg unserer Anstrengungen,
die Prosperität derer, deren Wirtschaft floriert, auferlegen uns
einfach besondere Verpflichtungen und Aufgaben. Jahrhunderte vorher
schrieb schon der Essayist Burton voller Empörung von denen, "die
vom Geld besessen sind", statt es zu besitzen. Wir, die wir heute
hier zusammengekommen sind, wollen nicht von unserem Geld oder von
unseren monetären Problemen beherrscht werden. Wir wollen diese viel
mehr in Einigkeit und Großzügigkeit meistern - und wir werden dies
im Namen der Freiheit tun.

*

• *

*

*

#

�A M E R I K A

D I E N S T

Allg./5.10.1962
FREUNDE UND VERBÜNDETE
Von McGeorge Bundy
Sonderreferent für Sicherheitsfragen
des Präsidenten der Vereinigten Staaten

(AD) - Der nächst ehe nde ungekürzte
A r t i k e l von McGeo r g e Bundy ist der
Oktober-Ausgabe d e r amerikanischen
V i e r t e l J a h r e s z e i t seh rift "Foreign
A f f a i r s " entnomme n . Der Abdruck ist
nur mit der dem Text vorauszustellenden Angabe des Ve rfassers, der
Quelle und dem Ve rme rk "Copyright
1962, Council on ?or eign Relations',
Inc." gestattet.

Die Zeitschrift "Foreign Affairs" (Außenpolitik) ist vierzig
Jahre alt - und die moderne Außenpolitik der Vereinigten Staaten ist
noch nicht einmal zehn Jahre älter. Unsere heutigen Probleme - Probleme
der Technik, der Interessengegensätze, der Bündnisse und der Hoffnung
- stehen kaum noch in irgendwelcher Beziehung zu denen der Zeiten der
Gründerväter, der Bewährungsprobe eines Lincoln und selbst denen der
Tage des Werdens eines Cleveland, McKinley und Theodore Roosevelt. Der
August des Jahres 1914» in dem ein neues Blatt der Geschichte in bezug
auf die Aufgaben der Diplomatie und den unermeßlichen Schaden aufgeschlagen wurde, den normale, gebildete Menschen anrichten können,
erinnert uns daran, daß Woodrow Wilson an seiner Schreibmaschine und
alle seine Amtsnachfolger angesichts weltweiter Gefahren, weltweiter
Macht und damit auch weltweiter Verantwortung leben mußten.
Viele Kräfte haben Anteil an dieser revolutionären Entwicklung;
eine aber unter diesen, die auf den Betrachter unserer Geschichte
eine besondere Faszination ausübt, ist unsere plötzliche und mannigfaltige Konfrontierung mit einer Schar von Freunden. In herkömmlichen Begriffen besteht die bemerkenswerteste Wandlung unserer auswärtige:.
Beziehungen darin, daß wir heute förmliche Bündnisse mit 42 Ländern
unterhalten. Überdies handelt es sich dabei meist nicht lediglich um

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1

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�"AMERIKA DIENST"
5 . O k t o b e r 1 962
um f o r m e l l e Bindungen in Gestalt bestimmter Even t u a l Verpflichtungen, sondern
um w i c h t i g e , von Tag zu Tag i n F u n k t i o n b e f i n d l i c h e V e r b i n d u n g e n .
Neben d i e s e n B ü n d n i s s e n p f l e g e n w i r f e r n e r w i c h t i g e A r b e i t s b e z i e h u n g e n ,
v o r a l l e m i n A f r i k a und A s i e n , zu Dutzenden von N a t i o n e n , mit denen
wir b e f r e u n d e t , wenngleich n i c h t verbündet s i n d .

II
Das Zentralproblem liegt bei all diesen Beziehungen in der Herstellung der Wechselseitigkeit. Wir haben eine einzigartige Position
in der nichtkommunistischen Welt mit unserer Stärke und unserem Reichtum. Einzigartig ist auch das Register der Hilfeleistung, die wir nahezu jedermann gewährt haben. Es war dies unser freier Wille. Unsere
Hilfe für andere zielte darauf ab, unseren eigenen weitgespannten
Interessen zu dienen, und sie hat dies auch, von einigen Ausnahmen
abgesehen, getan. Was wir aber nach 1945 für so viele tun mußten, das
sollten wir jetzt für viele Länder nicht mehr allein - und für manche
Länder überhaupt nicht mehr - tun müssen. Gleichzeitig müssen wir
den Bedürfnissen anderer Länder innerhalb und außerhalb der westlichen
Hemisphäre Rechnung tragen, die im ersten Jahrzehnt nach dem zweiten
Weltkrieg nicht auf unserer Dringlichkeitsliste standen.
Wir sind somit gezwungen, zu neuen Beziehungen des gegenseitigen
Respektes und des gemeinsamen Handelns auch mit denjenigen zu gelangen,
denen wir traditionsgemäß verbunden sind. Einige unserer ältesten
Freunde erheben, zu neuer Stärke gelangt, glücklicherweise ihre Stimme
wieder lauter in der Weltpolitik - und dort, wo ihre Anstrengungen
ihren Ansprüchen gleichkommen, ist es nicht nur notwendig, sondern
erfüllt es uns auch mit Befriedigung, ihren Wünschen nachzukommen.
Andere wiederum haben sich, so stolz und tapfer sie auch sind, daran
gewöhnt, nicht nur unsere Stärke, sondern auch unseren Reichtum in
einer Art und Weise hinzunehmen und sich darauf zu stützen, die zu
nichts Gutem führen kann, wenn nicht entsprechende Anstrengungen
zur Selbsthilfe hinzukommen. Dabei ist keiner unserer Bundesgenossen
unwichtig für uns - keiner, der nicht Anspruch hätte, von uns in angemessener und produktiver Weise unterstützt zu werden. Unsere Aufgabe ist es nun, unser Verhalten so einzurichten, daß wir unsere
Verpflichtungen erfüllen, unsere Verbindungen aufrechterhalten, die
Selbsthilfe fördern können, und zwar immer auf der Basis der Wechselseitigkeit. Das ist nicht einfach.
Das halbe Dutzend der Bündnisse, in denen diese über vierzig Partner vereinigt sind, ist hinsichtlich der formalen Bestimmungen durch
eine Familienähnlichkeit gekennzeichnet, die die große Mannigfaltigkeit der vorliegenden realen Beziehungsverhältnisse verdeckt. Der leidenschaftliche Drang nach solchen Verträgen, der die Mitte der fünfziger Jahre kennzeichnete, rührte von einer ziemlich einfachen Reaktion auf den Korea-Krieg her. Wir haben gelernt, daß es auch angesichts des Bestehens der Gefahr einer solchen direkten Aggression noch
andere Gefahren gibt, gegen die ein Pakt keine automatische Sicherheit

�"AMERIKA DIENST"

5. Oktober 1962

Sicherheit bietet. Die Zeit hat jedoch deutlich werden lassen, was
die Formen verdeckten, und wir erkennen heute, daß die 3EAT0 nicht
dasselbe wie die NATO ist; nicht alle ihre Mitglieder haben gemeinsame Interessen oder Zielsetzungen, die nach Gewicht und Wesen jenen
entsprächen, welche das Atlantische Bündnis zusammenhalten. Als
zentrale Macht dieses Bündnisses unterhalten wir echte und bedeutsame Beziehungen zu allen seinen Mitgliedern - doch ist die Bedeutung
unserer eine Schlüsselposition einnehmenden Beziehungen zu einem
Land wie Thailand in diesem Bereich verschieden von der Bedeutung
unserer Beziehungen zu einigen anderen weniger exponierten Ländern;
wenn derselbe Vertrag dazu benutzt wird, alle zu erfassen, dann muß
man vom Papier wegsehen und den Blick auf die Tatsachen richten.
Selbst in der NATO besteht eine dauernde Spannung zwischen der
formalen Identität der gegenseitigen Garantien und den realen Beziehungen der Mitglieder untereinander. Das Bündnis ist nicht nur
durch seine in Funktion befindlichen Paragraphen definiert, ebensowenig wie es nur durch die ihm formell zugewiesenen Streitkräfte definiert ist. Es ist nicht einmal restlos definiert durch das volle
Maß der Beziehungen, die alle seine Mitglieder untereinander unterhalten. Die Sicherheit Schwedens oder Österreichs ist aufs engste
verquickt mit dem, was die NATO ist und tut, Die NATO ist notwendig
für die Sicherheit ganz Europas und Nordamerikas. Es ist gefährlich
zu glauben, die ganze Bedeutung dieser großen Allianz beruhe auf einem
Einzelelement ihrer Existenz, und in diesem Punkt kann man General
de Gaulle beipflichten, wenn er betont, daß die Organisation und das
Bündnis nicht dasselbe seien. Seine eigene Vorstellung von den richtigen Verhältnissen mag nicht die unsere sein, aber er hat recht,
wenn er uns daran erinnert, daß keine so wichtige Sache ganz und gar
in den Begriffen bestimmter, gegebener Verfahren definierbar ist.
In allen unseren Bündnissen, mögen sie auch der Form nach
multilaterale Bündnisse sein, sind die bilateralen Linien von und
nach Washington von besonderer Bedeutung. Selbst in der NATO, die
noch andere wichtige Mächte umfaßt und wo man allgemein hofft, daß ein
neues Europa eine Partnerschaft auf neuer Ebene mit uns einzugehen
vermöchte, ist den Linien von London oder Bonn nach Washington
große Bedeutung beizumessen. Falls Frankreich und die USA einen Ausweg aus ihren achtbaren Differenzen finden - den zu suchen sich die
gegenwärtige Regierung in Washington größte Mühe gibt -, werden andere
klarer erkennen, daß die Linie Paris-Washington ebenfalls eine entscheidende Kraftlinie ist. Die Bedeutung dieser Linie ist freilich
auch offenkundig, wenn sie - wie gegenwärtig - vorübergehend und teilweise gestört ist. Beide Länder bleiben einander verbunden durch gemeinsame Interessen, neben denen ihre Differenzen gering erscheinen,
und die vorhandenen Meinungsverschiedenheiten hindern die USA bestimmt
nicht daran, Frankreich und seinem Präsidenten große Hochachtung entgegenzubringen. Die aufrichtige Anerkennung solcher Differenzen kann
sogar ein Schritt zu einem besseren Verständnis sein. Sie ist jedenfalls mehr wert als die leichtfertige Annahme, daß eine Einigung sich
immer finden lasse, wenn man bloß auf die unausgesprochenen Wünsche
oder Forderungen der anderem eingeht.
Die

�AMERIKA DI MST 1

5. Oktober 1962

Die Störung unserer Beziehungen zu Frankreich führt von selbst
zu der Frage der Nuklearbeziehungen zwischen den Verbündeten. Von
vordringlicher Wichtigkeit ist hier nicht die Frage, welche Rolle
die Europäer möglicherweise einmal spielen werden. Das ist wohl
ein bedeutsames und überaus schwieriges Problem, das jedoch nüchtern
durchdacht und diskutiert werden muß, was wahrscheinlich noch lange
Zeit in Anspruch nimmt. In einer solchen Diskussion werden die Vereinigten Staaten bestrebt sein, sich als aufgeschlossener Partner
zu zeigen. Worum es aber heute geht, hat unser Präsident wiederholt
und mit Nachdruck klargestellt. Es geht darum, daß wir uns verpflichtet haben, jetzt und soweit wir in die Zukunft blicken können, das
Bündnis mit unserer Kernwaffenmacht zu unterstützen. Wir haben die
Verpflichtung zur Verteidigung Europas weder leichtfertig noch mit
einem Vorbehalt übernommen. Zur Erfüllung unserer überaus feierlichen
und wohlüberlegten Verpflichtungen kommt unsere ganze Macht dem gesamten nordatlantischen Raum zugute. Das ist zugleich ein Grundprinzip, ein Dispositionsfaktum und eine zwingende Forderung der nuklearen
Strategie.
Angesichts dieser Realität ist ein Großteil der jüngsten dialektischen Diskussionen über Details der Kernwaffentaktik geschwollener
Unsinn. Wo und wie die nukleare Abwehr der NATO bereitgestellt und eingesetzt werden soll, ist natürlich wichtig, aber diese Fragen sind
völlig der Realität untergeordnet, daß die gesamte Stärke der USA
einschließlich ihrer gesamten Kernwaffenmacht für die Freiheit Europas
eingesetzt ist - und das ist nur eine Umschreibung der Binsenwahrheit,
daß sie für unsere eigene Freiheit eingesetzt ist. Und dabei handelt
es sich nicht um eine für einen bestimmten Augenblick oder von einer
bestimmten Regierung ausgesprochene Zusage. Das ist die Zusage eines
Volkes, die es klar und deutlich gegeben hat nach gründlichem Überdenken eines halben Jahrhunderts unserer Geschichte, das wegen der
Ungewißheit über eben diesen Punkt so schmerzlich verlaufen ist.
Noch ein weiterer Grund verlangt Klarstellung dieses Punktes:
die Welt kann das Risiko eines Mißverständnisses auf der anderen Seite
der Mauer nicht eingehen. Die Zwillingsgefahren des Atomzeitalters
sind Unentschlossenheit und Waghalsigkeit. Wir haben unter drei Regierungen versucht, beide Gefahren zu vermeiden. Durch die Klarheit
ihrer Selbstverpflichtung zur Wahrnehmung evident lebenswichtiger
Interessen und ihre uneingeschränkte Ablehnung jeglicher nuklearen
Abenteuerpolitik wollen die USA ein Beispiel geben, das uns alle,
falls es anderswo Schule macht, vor dem Kernwaffenkrieg zu behüten
vermag. Dabei kann es uns nicht'helfen, wenn in besonderer Absicht
Zweifel von jenen zum Ausdruck gebracht werden, deren Sicherheit
unter unserem Kernwaffen schirm aufs eindeutigste garantiert ist.

Viele unserer Freunde sind Verbündete, während andere von dieser
Form der Bindung Abstand nehmen. Es wäre jedoch keineswegs folgerichtig, unsere ungebundenen Freunde immer gegenüber unseren Verbündeten zurückzusetzen. Wir haben in unserer Geschichte selbst lange

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�"AMERIKA DIENST"

5. Oktober 1962

lange genug die Neutralität gewählt, um eine ähnliche Wahl anderer
Länder anzuerkennen und zu respektieren- und keiner unserer yerbündeten hat sich uns anders denn aus freien Stücken angeschlossen. Wir
nehmen innigen Anteil an den Bemühungen um eine stabile und fortschrittliche freiheitliche Ordnung, die zur Zeit in kleinen Staaten
und großen Subkontinenten so tapfer vorangetrieben werden. Diese
Anteilnahme wird nicht durch das Fehlen eines förmlichen Bündnisses
aufgehoben - ebensowenig wie das begründete Bestehen eines Bündnisses
jene zu abwegigen Verdächtigungen berechtigt, die ihm nicht beitreten
wollen.
Die Bedingung der Wechselseitigkeit ist jedoch ebenso wicl.tig für
die ungebundenen Freunde wie für die engagierten Freunde. Einige der
ersteren neigen dazu, unser Wohlwollen als sicher vorauszusetzen und
anzunehmen, daß sie in der Vertretung ihrer besonderen Interessen und
Vorstellungen uns gegenüber demgemäß bis an die äußerste Grenze gehen
könnten. Doch selbst wenn man die Sonderprobleme und Sonderanliegen
der stürmischen neuen Nationen in aller Einsicht und Großzügigkeit in
Rechnung stellt, so haben wir es immer noch mit einer weltumspannenden
Gemeinschaft zu tun, in der die Interessen aller - auch der reicheren,
über mehr militärische Macht verfügenden Staaten - Respekt verdienen.
Es ist enttäuschend, daß ein paar Leute, die selbst überaus empfindlich sind, sich anscheinend ein Vergnügen daraus machen, uns die
niedrigsten Motive zu unterstellen. Man kann nur hoffen, daß amerikanische Journalisten aufhören, sich zu entschuldigen, wenn sie solchen
sensiblen Politikern faire Fragen stellen.
Glücklicherweise sind die meisten unserer neutralen Freunde wirkliche Freunde. Wir werden festhalten an unserer Achtung ihrer Neutralität, an unserer Anteilnahme an ihrer Weiterentwicklung, an unserem
Glauben, daß ihr selbständiger Fortschritt zutiefst im gemeinsamen
Interesse der Menschheit liegt. Weil wir selbst ein junges Volk,
ein neues Kapit 1 der aufgezeichneten Menschheitsgeschichte sind,
können wir den Stolz und das Wollen der neuen Länder nachempfinden
und tun es auch in plötzlichem Innewerden.
Sie haben ebensowenig wie wir die neue Aufgabe schon gelöst,
die vernünftigen Bedingungen einer Zusammenarbeit für ihre Entwicklung und den gemeinsamen Frieden festzulegen. Selbst - unsere kurze Erfahrung gestattet den Schluß, daß einfache Formeln wahrscheinlich
falsch sein werden und daß in dieser neuen Beziehung weder die Politik
noch die Virtschaft im Sinne ihrer normalen Begriffsbestimmung Anspruc
auf eine ausschließliche Vorrangstellung haben. Wir brauchen uns
nicht zu entschulaigen, wenn wir solchen bemerkenswerten Ländern wie
Indien und Pakistan und den Bestrebungen und Problemen unserer Nachbarn in Lateinamerika eine besondere Wichtigkeit beimessen. Unter
einem ganz anderen Gesichtspunkt müssen wir anerkennen - und wir tun
dies auch tatsächlich -, daß was mit einigen wichtigen Handelswaren
gesche en wird, die das Frühstück in aller Welt ausmachen, für viele
junge Volkswirtschaften wichtiger ist als die langfristigen Kredite, d
Washington mühsam zuwege bringt.
Tatsächlich

�"AMERIKA DIENST'

5. Oktober 1 °62

Tatsächlich können die Schwierigkeiten dieser neuen Beziehungen
leicht zu Enttäuschung und Zynismus führen. Wir dürfen nicht vergessen, wie ungewöhnlich es ist, daß unabhängige Staaten eine echte
wirtschaftliche Zusammenarbeit untereinander anstreben, und wie wenig
geschichtliche Erfahrung uns auf beiden Seiten als Richtschnur dient.
Wir sollten beiderseits den Preis eines Versagens im Auge behalten.
Und wir sollten einsehen, daß in einer Gesellschaft, die ihre Energien
und ihr Gewissen lebendig erhält, immer neue Aktionsmittel ins Treffen
geführt werden. Das Friedenskorps hat gegen mehr Skeptizismus, als
viele heute wahrhaben möchten, eindeutig bewiesen, daß eine gute
Idee, von guten Männern und Frauen ins Werk gesetzt, noch immer zählt.
Ein merkwürdiges und besonderes Problem unserer Beziehungen mit
den vielen neuen Staaten liegt in unseren etwas divergierenden Ansichten über die Vereinten Nationen begründet. Für uns sind die Vereinten Nationen sowohl eine große Hoffnung als auch eine unerläßliche
Realität; sie sind auch eine Kraft, für die unsere ständige Unterstützung von Anfang an lebenswichtig war. Wir schließen aus dieser
Tatsache keineswegs, daß die UN nur tun müßten, was wir wollen; '
unser New Yorker Führungszeugnis sucht, was das Eingehen auf die Interessen anderer betrifft, seinesgleichen. Unser unablässiges Beharren auf der Bedeutung der UN als Gesprächsforum und als Handlungsrahmen hat uns gelegentlich in Gegensatz zu wichtigen Verbündeten
gebracht.
Diese langjährige politische und wirtschaftliche Unterstützung
der UN hat uns aber gelehrt, daß sie wie andere nur von Menschen geschaffene Institutionen immer dann am besten funktioniert, wenn sie
in der Tatsachenwelt funktioniert. Wir können sie nicht lediglich
als eine Abstimmungsmaschine betrachten, die dazu dient, einfache
Gefühle auszudrücken. Die berechtigten Aspirationen aller Menschen
entsprechen nicht den derzeitigen faktischen Möglichkeiten eines
jeden abhängigen - oder erst seit kurzem unabhängigen - Gebietes.
Und die natürlichen Gefühle derjenigen, die den Kolonialismus als das
einzige große Übel ansehen, sind nicht immer die beste Richtschnur,
wenn es zu handeln oder abzustimmen gilt. Die Vereinten Nationen vermögen viel, doch können unverantwortliche Voten sie teuer zu stehen
kommen. Unsere eigenen Bemühungen werden nach wie vor darauf gerichtet
sein, alles nur mögliche zu tun, um eine vernünftige Weiterentwicklung
zu begünstigen und eine Schädigung der Vereinten Nationen durch Mißbrauc
ihres Forums zu verhüten. Wir werden aber weiterhin einen Platz in
der ersten Reihe derer anstreben, die den friedensfördernden Einfluß
der UN sowohl zum Ziel als auch zum Mittel der Politik erheben.
IV
Auf diese oder jene Weise erhalten alle unsere Militärbündnisse
ihre gegenwärtige Bedeutung hauptsächlich durch die Bedrohung, die
das kommunistische Expansionsstreben darstellt. Sie sind sämtlich defensiv, und es ist eindeutig die kommunistische Macht, gegen die sie
sich heute zur Wehr setzen müssen. Mit Ausnahme unserer Bindungen
innerhalb der eigenen Hemisphäre hat ja die kommunistische Gefahr

�"AMERIKA DIENST"

5. Oktober

1962

Gefahr diese Bündnisse notwendig gemacht. Aber weil wir so zahlreich
und vielgestaltig sind und weil wir von den verschiedenen Zentren
der kommunistischen Aggressionsunternehmungen verschieden weit entfernt sind, haben wir von der kommunistischen Gefahr nicht alle dieselbe Vorstellung. Für die Vereinigten Staaten hat sie eine besondere
und einzigartige Bedeutung, sei es auch nur, weil die Kommunisten
ohne uns überall unwiderstehlich wären. Es trifft sich deshalb günstig,
daß unter den Ansichten der 40 Verbündeten die unsrige etwa die Mitte
hält.
Wir sind - außer in den vorübergehenden und unrühmlichen Ängsten,
die mit dem Namen Joseph McCarthy verknüpft sind - nicht der Idee
verfallen, daß leidenschaftlicher Antikommunismus die einzige politische Richtschnur sein müsse. Als Volk haben wir vielmehr nie aufgehört, eine zuverlässige Besserung unserer Beziehungen zur Sowjetunion zu erhoffen und vorzugsweise zu erstreben. Diejenigen unter uns,
die aus blankem Haß Politik machen möchten, waren in beiden Parteien
nie mehr als eine Minderheit. Der Sieg, den wir erstreben, ist nicht
ein Sieg der bösen '«orte - und noch weniger ein Sieg des sinnlosen
Infernos.
Gleichzeitig haben wir uns seit dem zweiten Weltkrieg nicht den
angenehmen Luxus geleistet, zu glauben, der Bär werde sich in einen
hilfsbereiten Bernhardiner verwandeln, wenn wir ihn nur freundlich
behandeln. Wir finden keinen naturgegebenen guten '.Villen in den
Annalen, die noch immer als unausweichliche Tatsachen die Schließung
des Eisernen Vorhengs und den Tod der freien Tschechoslowakei verzeichnen, die Berliner Blockade und den Überfall in Korea, das Blutbad
von Budapest und die Unmenschlichkeit der Mauer. Es ist vielleicht
nicht zu ändern, daß es unter unseren Freunden einige gibt, die aus
jedem neuen Sowjeträtsel eine Reform herauslesen, aber es ist auch
gut, daß wir skeptisch sind.
Unter den Alliierten gehören wir also zu den Gemäßigten. Wir
betrachten die Sowjetmacht als eine große Realität, die unbestimmt
aber eng mit dem rotchinesischen Ungeheuer verflochten ist. Gemeinsam
mit unseren Verbündeten müssen wir verhindern, daß diese Macht in
Versuchung geraten könnte, sich 'durch offene Aggression auszubreiten.
Wir müssen uns ihren andauernden Bemühungen widersetzen, durch Verschwörungen und Täuschungen Boden zu gewinnen; wir können und wollen
nicht danach streben, sie durch Krieg zu bezwingen. Wir werden in
unserer Bereitschaft zur Abwehr von Angriffen nicht hinter anderen
zurückstehen - aber im Streben nach einem redlicheren Austausch,
einer gleichmäßigeren Kommunikation und einer klareren Anerkennung
der Tatsache, daß der Frieden im gemeinsamen Interesse liegt, müssen
wir immer die ersten bleiben.
Freilich ist dabei stets im Auge zu behalten, daß diese Politik durch Fehleinschätzungen oder Provokationen seitens der Kommunisten in Frage gestellt werden kann. Fortgesetzte und unmotivierte
Verleumdungen im Zuge eines Krieges mit Worten, der die verbindlichen
Töne zunehmender diplomatischer Höflichkeit Lügen straft, können den

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�"AMERIKA DIENST"

5. Oktober 1962

den Frieden gefährden. Noch gefährlicher ist mit Drohungen
gepaarter Druck, der sich gegen einwandfreie, wohlgesicherte
Rechte richtet. Unsere Stärke und unsere Entschlossenheit sind
solchen Herausforderungen gewachsen, aber die Geduld selbst der
vorsichtigsten Demokratie ist niemals grenzenlos. Wir werden uns
auch weiter beharrlich weigern, mit gleicher Münze zurückzuzahlen,
aber wir werden auch weiterhin beharrlich darauf hinweisen, daß
eine solche einseitige Abenteuerpolitik sowohl einer echten Großmacht schlecht ansteht als auch unweigerlich Gefahren heraufbeschwört .
Mit dieser entschlossenen, aber gemäßigten Haltung sind viele
unserer Verbündeten zufrieden, einige sind bemüht, uns Zügel anzulegen, einige andere sind dagegen wegen unserer Zurückhaltung
besorgt. Wir stehen zwischen diesen verschiedenen Verbündeten und doch halten wir auch mit ihnen allen zusammen. Denn letztlich
steckt eine Realität in allen unseren Bündnissen und in unserer
Rücksichtnahme auf alle unsere Verbündeten.
Das ist auch der Grund, weshalb wir bei der Diskussion über
unsere zahlreichen Freunde die letzten Anmerkungen unseren Verbündeten widmen müssen. Es besteht Gefahr, und zwar eine handgreifliche Gefahr. Diejenigen, die diese Gefahr erkennen und darauf durch
kluges, aber entschiedenes Handeln reagieren, haben ihre Wahl getroffen, nicht abseits zu stehen und nicht so zu tun, als ob die
beiden Großmächte, v/eil es nur zwei davon gibt, einander (in irriger
Logik) irgendwie gleichen müßten. Wir achten diese Wahl, und ihretwegen haben wir wechselseitige Verpflichtungen eingelöst und werden
ihnen weiter nachkommen.
V
Schließlich kommen wir zu der Frage, was wir selbst von unseren
Freunden verlangen können. Sie wird allzu häufig übergangen aus gewissenhafter, aber unvollständiger Sorge um das, was die anderen
denken und wünschen. Sowohl von den Neutralen als auch von den Verbündeten dürfen wir rechtens dasselbe erwarten, was sie von uns verlangen: Verständnis dafür, daß wir eine eigene Rolle zu spielen und
eigene Interessen zu vertreten haben. Unsere Macht und Verantwortung
sind jetzt so augenfällig - so ganz und gar selbstverständlich
geworden -, daß man leicht vergißt, was sie für uns bedeuten. So
kommt es, daß enge Verbündete in seelenruhigem Vertrauen auf unsere Fähigkeit, den Kernwaffenschild hochzuhalten, leicht die Kosten
und Mühen dieser Aufgabe außer acht lassen. Das Urteil über die
Vor- und Nachteile von Kernwaffenversuchen und Testverboten, die wir
vollverantwortlich zu wägen haben, können andere mit unbekümmertem
Optimismus fällen, weil sie sich auf uns verlassen. Die Abrüstung
ist einfach für den, der sich frei von Verantwortung fühlt.
Noch einschneidender und für alle Beteiligten noch schwerer zu
verstehen ist die Tatsache, daß wir uns jetzt ebenfalls in der vordersten Gefahrenzone befinden. Altgewohnte, tiefeingewurzelte geographische Vorstellungen weichen nicht ohne weiteres der Faktizität

-

8

-

�ST"

5. Oktober 1962

tizität der 3 jenwart auf beiden Seiten des Atlantiks, aber vielleicht
^r
: ir
.;-&gt; Ile^lität klarer erfaßt als einige unserer europäischen Freunde. Der allgemeine Kernwaffenkrieg, den die Veit fürchtet,
wäre eine Katastrophe für das Menschengeschlecht, doch über den stärksten Kitgliedern der beiden mächtigen, einander gegenüber stehenden
Allianzen würden sich seine Schrecken mit größter Sicherheit entladen.
Die gegenwärl ige Gefahr nimmt keines der beiden Gestade des Atlantiks
aus und macht auch keinen Unterschied zwischen Hamburg und San Francisco. Wir können den Wunsch einiger verstehen, mit den prometheischen
Kräften der Kernwaffen nichts zu tun zu haben, ebenso wie den anderer,
ihren Schutz zu genießen, ohne das damit verbundene Risiko auf sich
zu nehmen. Und während wir auf Grund unserer Erfahrungen mit den Kosten
und Lasten der echten Mitgliedschaft im.Klub der Kernwaffenmächte meinen,
daß sich jene Länder weise verhalten, die nicht ihre Aufnahme betreiben,
müssen wir voll anerkennen, daß es nicht unsere Sache ist, diese souveräne Entscheidung für andere zu treffen. Aber wir dürfen vernünftigerweise auch Verständnis dafür erwarten, daß unser eigener Platz im Zentrum der Kernwaffenkonfrontation unausweichlich festgelegt ist.
Aus dieser Konfrontation erwachsen uns sowohl Verantwortung als
euch Sorgen. Gerade die Ernsthaftigkeit unserer NATO-Verpflichtungen
hat somit zur Folge, daß wir uns über die Leichtfertigkeit wundern, mit
der diese Verpflichtungen aus geringem Anlaß in Frage gestellt werden.
Ähnlich ist es unsere Kenntnis der Kernwaffengefahren, die uns zu
einem zweigleisigen Vorgehen veranlaßt, was aber wiederum einigen Verbündeten ehrliche, aber in Mißverständnissen begründete Sorgen bereitet.
In erster Linie suchen wir beharrlich nach der besten und wirksamsten
Regelung sowohl in technischer Hinsicht als auch in bezug auf die militärische Disziplin, um sicherzustellen, daß die Kernwaffen dann - aber
nur dann - eingesetzt werden, wenn die Zentrale den Befehl dazu gibt.
In zweiter Linie bleiben wir unermüdlich bestrebt, irgendein praktikables
und zuverlässiges Übereinkommen zu treffen, das die allgemeine Kernwaffengefahr einschränkt und der Welt größere Sicherheit gewährt.
Wir wissen besser als jede andere Nation, 'ie wenig ernsthaftes
Entgegenkommen die Sowjetunion bisher in Wort und Tat gezeigt hat. Aber
wir werden die vernünftige, notwendige, menschliche Suche nach einem
brauchbaren Übereinkommen nicht aufstecken. Darüber hinaus werden wir
immer die Risiken des Abkommens an den Risiken des uneingeschränkten
Wettbewerbs messen, und wir gedenken nicht, uns von diesem Kurs durch
Leute abbringen zu lassen, die auf dieser oder jener Seite der Auseinandersetzung die eine Gefahr herausstreichen und die andere ignorieren.
Außerhalb des nuklearen Bereichs, in dem das gegenseitige Verständnis auch die bestehende Tatsache unserer besonderen Verantwortung einschließen muß, lassen sich unsere Ansprüche an unsere Freunde auf die
Formel der Wechselseitigkeit bringen. Was wir an Respekt vor unseren
Überzeugungen und an Rücksichtnahme auf unsere Besonderheiten verlangen,
müssen wir auch bereitwillig anderen entgegenbringen. In einer weiteren
Beziehung dürfen wir vielleicht besonderes Verständnis beanspruchen:
da wir die meiste Macht besitzen, haben wir auch die meisten Bindungen und daraus ergeben sich für uns besonders zahlreiche Interessenkonflikte.
Interessen und auch Sympathie können uns in zwei und mehr Richtungen

Q

�"AMERIKA DIENST"

5. Oktober 1 962

Richtungen ziehen. Wer eine solche Wahl für leicht hält-, dürfte
sich irren, und unsere Politik wird uns oft zu Stellungnahmen veranlassen, die beide Seiten mißbilligen. Es kommt uns zu, diese
Verantwortung kühl auf uns zu nehmen - so wie wir dies in den letzten
Jahren in unterschiedlicher Weise im Kongo, in West-Efeuguinea, in
der Dominikanischen Republik und im Mittleren Osten versucht haben.
Es ist ebenso billig, daß wir allgemeines Verständnis für diese unsere
Lage verlangen, wie es töricht wäre, dem Beifall der jeweils interessierten Parteien in jedem Einzelfall zu erhoffen.
Und schließlich sind da die Dinge, die uns als Volk besonders
zu schaffen machen. Nationen haben genau wie Einzelmenschen ihre Überzeugungen, die zu bestimmten Zeiten nicht diskutabel sind. Die unsrigen sind begrenzt, aber real. Sie mögen vielleicht nicht universale
Billigung finden, doch täte man gut daran, sie verstehen zu lernen.
Unsere Ansichten über Rotchina und Kuba zum Beispiel sind unseres
Erachtens samt und sonders stichhaltig begründet. Wir verlangen nicht,
daß andere, die dem nicht beipflichten, ihre Meinung ändern oder auf
unsere Freundschaft verzichten. Aber sie sollten einsehen, daß es der
internationalen Verständigung nicht förderlich ist, mit bequemer
Selbstgerechtigkeit zu versichern, solche Vorstellungen seien "völlig
abwegig". Wir hegen sie jedenfalls. Es liegt in ihrem eigenen Interesse,
unsere Gründe zu prüfen und unsere Überzeugungen zu respektieren.
Die angemessene Betonung der eigenen nationalen Interessen darf
uns - und ebensowenig unsere Freunde - freilich nicht blind machen
für weiter ausgreifende Anforderungen. Die sich abzeichnende Gesellschaft freier Nationen kann und soll nach unserer Ansicht eine solche
Gestalt annehmen, daß dabei den Lebensinteressen aller Beteiligten
gemeinschaftlich gedient wird. Wir versuchen nicht, für uns zu gewinnen, was wir anderen verweigern würden. Selbst bei der makabren
Aufgabe der nuklearen Abschreckung können wir teilen, sofern bei
einer solchen Teilung Gleichheit herrscht. Und am erfreulicheren
Ende des Spektrums der gegenwärtigen Situation liegt uns nichts mehr
am Herzen, als daß alle Völker einen Weg zu Gesittung und Hoffnung
im rein Menschlichen finden werden. Unbeschadet aller unserer nationalen
Schwächen scheuen wir keinen Vergleich hinsichtlich der Tiefe und
Lauterkeit unserer Hingabe an diesen Vernunfttraum.

* * * * *

-

10

�A M E R I K A

D I E N S T

DAS GEGENWÄRTIGE STADIUM DES KALTEN KRIEGES

von Walt W. Rostow
Vorsitzender des politischen Planungsrates
des US-Außenministeriums

Vortrag vor der Ernst-Reuter-Gesellschaft

gehalten am 18. Oktober 1962
im Auditorium maximum der Freien Universität Berlin

�M S GEGENWÄRTIGE STADIUM DES KALTEN KRIEGES

Meine allererste, ehrenvolle Aufgabe heute abend ist es, Ihnen
die Grüße des amerikanischen Präsidenten zu übermitteln. Er weiß
von unserer Zusammenkunft und weiß auch, was ich Ihnen sagen werde.
Es ist ganz unnötig, daß ich Ihnen hier nochmals versichere, wie eingehend er sich mit der Situation der Stadt und ihrer Zukunft
beschäftigt.
Kein Amerikaner kommt in diese Stadt ohne weit zurückreichende
Erinnerungen, ohne große Bewunderung und ohne das Bewußtsein der
lebenswichtigen gemeinsamen Verpflichtungen, die die Männer, Frauen
und Kinder Berlins mit unserem Volk und der gesamten freien Y/elt verbinden.
Meinen ersten Besuch stattete ich dieser Stadt im späten Frühjahr
1946 ab, als ich hierher kam, um mit General Clay und General Draper ein
Dringlichkeitsprogramm für die Kohlenbergwerke und Bergleute ah der Ruhr
auszuarbeiten, das Stahl, Ausrüstungen, Wohnungen und Lebensmittel betraf
und einer der ersten grundlegenden Schritte zum wirtschaftlichen Wiederaufbau Deutschlands und Europas war. Ich befand mich zur Zeit der Luftbrücke von 1948 und 1949 in Europa und beobacht'ete aus nächster Nähe den
diplomatischen-Vorgang, wie Ihr Mut und Ihre Haltung auf der einen Seite
in Verbindung mit dem Erfolg der Luftbrücke auf der anderen Seite Stalin
veranlaßten, seinen brutalen indirekten Angriff auf Sie einzustellen.
Ich war wiederum hier im Frühjahr 1959* nachdem ich mich drei
Wochen in Osteuropa aufgehalten hatte. Niemals werde ich vergessen,' wie
ich aus dem trostlosen Schattenleben im Osten in dieses lebendige Zentrum
der Demokratie, westlichen-Lebens und westlicher Werte im weitesten Sinne
gelangte. Was Sie aus Berlin seit 1945 gemacht haben, das ist ganz
offensichtlich eine der größten schöpferischen Leistungen der Nachkriegsjahre.
Ich habe jetzt die Ehre, als Angehöriger meiner Regierung hierherzukommen, mit Ihren Repräsentanten über langfristige Pläne für die

- 1-

�die Zukunft Berlins zu sprechen und heute abend, mit Ihnen zusammenzusein«
Meine Aufgabe in Vfashington ist Planung, und ich muß daher
bestimmte Probleme des sehr umfangreichen Gebiets der Militär- und
Außenpolitik bearbeiten. Mit der Auswahl der Schlüsselprobleme der
Planung befaßt, gehört es zu meiner Arbeit, sozusagen den gesamten
Radarschirm der Weltpolitik zu beobachten, vorauszudenken, zu beurteilen, wo wir in der freien Welt im kalten Kriege stehen und in
welcher Richtung wir uns bewegen, die GrundStrömungen aufzudecken
und die Probleme der Zukunft zu identifizieren, an denen wir schon
jetzt arbeiten müssen.
Ich glaube, es dürfte für Sie interessant sein, wenn ich heute
abend gemeinsam mit Ihnen eine derartige globale Lagebeurteilung
anstelle, wie es auch sonst meine Aufgabe ist. Das Thema ist einfach:
wir stehen an einem Punkt sowohl großer Bedrohung als auch großer
Hoffnung im kalten Kriege. Die Bedrohung ist sichtbar genug - hier
in Berlin, in Vietnam, in Kuba und an vielen anderen Gefahren-,
Konflikts- und Spannungsherden. Auf der anderen Seite sind mächtige
Kräfte der Geschichte am Werk, um die freie Welt zu einigen und zu
stärken und um die Gefahr, die uns augenblicklich von den kommunistisch
beherrschten Ländern droht, abzuschwächen und zu zersplittern. Unsere
gemeinsame Aufgabe ist es, fest und geeint zu bleiben - mehr denn je
zuvor - und gleichzeitig im Sinne des Geschichtsverlaufs zu wirken,
denn letzten Endes wird die Geschichte von entschlossenen Männern
und Frauen gestaltet. Aber lassen Sie mich weiter ausholen.
Ich möchte heute abend viererlei versuchen. Erstens möchte ich
Ihnen ein Bild von der Entfaltung unserer eigenen Politik in den vergangenen 22.Monaten geben, zweitens dann die Ereignisse dieser Periode
unter dem Blickwinkel des Ostblocks untersuchen, drittens einige
allgemeine Polgerungen daraus ziehen und viertens andeuten, welche
Bedeutung all das für Berlin haben kann.
Als die neue Regierung in Washington im Januar I96I ihr Amt übernahm, sahen wir uns vor zwei verschiedenen Arten von Problemen gestellt:
zunächst gab es eine Reihe akuter und gefährlicher Krisen, und außerdem

�außerdem gab es eine Anzahl langsamer schwelender, aber ebenso
gefährlicher Situationen, die sich ohne konstruktive Schritte in einer
für uns und die gesamte freie Welt nachteiligen Weise hätten entwickeln können.
In bezug auf Südostasien stellten wir fest, daß die Genfer
Vereinbarungen von 1954 über Laos und Vietnam nicht mehr ordnungsgemäß eingehalten wurden.

Die U.S.A. hatten diese Abkommen nicht

unterzeichnet, aber zugesagt, ihre Durchführung nicht zu stören,
sofern die Kommunisten sie honorierten.

Im Januar I96I war das

nicht mehr der Fall.
In Laos herrschte ein Bürgerkrieg, in dem die kommunistischen
Pathet-Lao-Verbände mit Unterstützung Nord-Vietnams versuchten, das
Land in ihre Gewalt zu bringen.

In Süd-Vietnam hat sich seit 1958 -

auf Anstiftung von Hanoi (und offenbar mit Unterstützung Moskaus und
Pekings) -

ein äußerst gefährlicher Guerillakrieg entwickelt, der

durch kommunistische Infiltration, Nachschublieferungen und Weisungen
aus dem Norden geschürt wird.
Im Kongo bestanden alle Voraussetzungen für einen Bürgerkrieg,
der zur Schaffung eines kommunistischen Stützpunktes in Zentralafrika
hätte führen können und den Kommunisten eine verlockende Ausgangsbasis
für einen Partisanenkrieg gegeben hätte.
In Kuba bestand bereits eine kommunistische Regierung, welche
beabsichtigte, die Methoden der Subversion und des Guerillakrieges, die
Castro zur Machtergreifung in Kuba benutzt hatte, auf das lateinamerikanische Festland zu übertragen.
Als wir dann am 6. Januar I96I Chruschtschows Rede lasen, in der
er dieser Wühlarbeit und der Bandenkriegführung seinen Segen erteilte,
nahmen wir die Sache wirklich sehr ernst.

Wir sahen diese Herausfor-

derungen nicht mehr nur als eine Reihe regional begrenzter Krisen an,
sondern als Teil einer kommunistischen Generaloffensive zur Zersetzung
der freien Welt unter Vermeidung eines Zusammenstoßes mit unseren
nuklearen und konventionellen Streitkräften.

Im Januar 1961 bestand

die Möglichkeit der kommunistischen Machtausdehnung auf Südostasien,
Afrika und Lateinamerika mit Hilfe dieser Methoden. Eine ziemlich
schnelle Ausweitung erschien möglich, denn Chruschtschows Offensive
war bereits ins Rollen gekommen.
Außerdem

- 3 -

�Außerdem mußten wir uns mit der Situation hier in Berlin
befassen.

1958 hatte Chruschtschow den Abzug der westlichen

Streitkräfte und eine Statusänderung für die Stadt gefordert.
Wären Chruschtschows Vorschläge angenommen worden, hätten die
SED-Organe Ulbrichts womöglich die Entscheidung über den Zugang
zu dieser Stadt erhalten.

Über diesen Umweg wollten die Sowjets

die Grundlagen der Freiheit West-Berlins zerstören, und in Wien
bestätigte Chruschtschow im Juni I96I klipp und klar in fast
ultimativer Weise seine Entschlossenheit, die westliche Präsenz
in Berlin zu schwächen, wenn nicht gar zu beenden.
Diese fünf Krisen bestehen noch immer, aber in allen Fällen
haben wir Schritte unternommen, um die Lebensinteressen der freien
Welt zu schützen und der Gefahr einer kommunistischen Machtausweitung Einhalt zu gebieten.
In Laos haben wir die Schaffung des Rahmens für einen neutralen
und unabhängigen Staat gefördert, der es dem Volk dieses kleinen
Landes ermöglichen soll, sein Schicksal auf seine V/eise zu bestimmen.
Diese Lösung halten wir für besser als die Spaltung von Laos.

Ein

geteiltes Laos hätte Mao und Ho Chi Minh Zugang zum nördlichen
Teil von Laos verschaffen können unerfreuliche Aussicht.

und das war eine ausgesprochen

Schließlich kam es im Zuge der Verhandlungen

zu einer Einigung über die Neutralität des Landes.

Es ist ganz klar,

daß zur Sicherung der Unabhängigkeit und Neutralität von Laos
größte Wachsamkeit, politische Wendigkeit und Entschlossenheit
erforderlich sind sowie der feste Wille des laotischen Volkes selbst,
seine Unabhängigkeit zu bewahren.
In Vietnam helfen wir den Südvietnamesen, den ihnen von den
Kommunisten aufgezwungenen Subversionskrieg zu unterbinden und die
nordvietnamesischen Eindringlinge dorthin zurückzutreiben, wo sie
hingehören, nämlich hinter den 17» Breitengrad.
Fortschritte gemacht.

Hierbei haben wir

Eine höchst bedrohliche Situation ist in

eine Lage verwandelt worden, die mehr Hoffnung gestattet als vor
sechs Monaten, aber der vor uns liegende Weg kann noch lang und
beschwerlich sein.

Wir haben Zeit gewonnen, um die Bewältigung

von zwei entscheidenden Problemen in Angriff zu nehmen -

- 4-

nämlich

�nämlich die vietnamesische Bevölkerung zu vorbehaltloser Teilnahme an diesem Kampf zu bewegen und die kommunistische
Infiltration aus dem Norden einzudämmen, ein Problem, das in
engstem Zusammenhang mit der Bereinigung der Laos-Frage steht.
Zum ersten Problem kann ich sagen, daß die vietnamesischen
Behörden mit Unterstützung von unserer und anderer Seite aktiv
bemüht sind, ein neues konstruktives Verhältnis zwischen Saigon
und den Dörfern im Landesinnern zu schaffen.

Die Regierung und

die Bevölkerung von Vietnam kommen einander allmählich näher in
einer Form, die nicht nur zur Grundlage des Sieges zu werden
verspricht, sondern auch zum Fundament für die dauernde Lebensfähigkeit Vietnams als moderne Nation.
Im Kongo unterstützen wir die Bemühungen der Vereinten
Nationen, den Kongolesen bei der Schaffung eines geeinten, unabhängigen und lebensfähigen Landes behilflich zu sein.

Zwar ist

noch keine endgültige Lösung gefunden, und wir sind noch nicht aus
dem Gröbsten heraus, doch haben wir andererseits auch schon viel
erreicht.

Trotz großer Schwierigkeiten haben die Vereinten

Nationen bei der Schaffung eines wahrhaft unabhängigen afrikanischen
Staates am Kongo wichtige Schrittmacherdienste geleistet.

Sie

haben gleichzeitig geholfen, Moskaus offenkundige Absicht zu
vereiteln, in Zentralafrika einen kommunistischen Brückenkopf zu
bilden.
Nach den Ereignissen auf Kuba im April 1961 haben wir uns
gemeinsam mit unseren Freunden in Lateinamerika und in der NATO
bemüht, die kommunistische Regierung in Havanna zu isolieren und
der Taktik der indirekten Aggression, die die kubanischen Kommunisten
gern auf Lateinamerika angewendet hätten, einen Riegel vorzuschieben.
Wir haben unsere Alliierten ersucht, uns bei der Beschränkung der
Schiffstransporte nach Kuba zu unterstützen.

Die Gefahr einer

kubanischen Einmischung in Lateinamerika ist durch diese Maßnahmen
und die Beschlüsse der Organisation der Amerikanischen Staaten
auf der Konferenz von Punta del Este im vergangenen Januar und der
kürzlichen inoffiziellen Tagung in New York vermindert worden.

Die

westliche Hemisphäre ist nun wachsamer gegenüber den Gefahren der

�der Subversion und des Guerillakrieges, und sie verfügt über die
rechtlichen Voraussetzungen für ein gemeinsames Vorgehen. Bis zu
einem gewissen Grad hat uns Castro unsere Aufgabe erleichtert.
Seine brutale, unzulängliche Politik im eigenen Lande, sein
Auftreten gegenüber Lateinamerika und seine Unterordnung unter
Moskau haben die Illusion zerstört, daß er die echte Tradition des
langen Kampfes der Völker Lateinamerikas für soziale Gerechtigkeit
und wirtschaftlichen Fortschritt fortsetze.

Unser Präsident hat

genau definiert, unter welchen Bedingungen wir mit militärischen
Mitteln gegen Kuba vorgehen würden.

In letzter Zeit haben wir teils

allein, teils zusammen mit unseren Freunden weitere wichtige
Schritte unternommen, um Kuba zu isolieren und die von dort ausgehende
Gefahr zu verringern.

Übrigens halten wir uns nach wie vor verpflichtet,

den Kubanern zu helfen, ihre Unabhängigkeit wiederzugewinnen und in
den Familienkreis der lateinamerikanischen Nationen zurückzukehren.
Aber die kommunistische Drohung schwebt natürlich immer noch über
Lateinamerika•
Unsere Position in der Berlinfrage haben wir klar formuliert und
aufrechterhalten.

Wir wollen, daß Berlin frei bleibt. Wir wollen,

daß der Zugang zum Westen unbehindert bleibt.

Wir werden den Schutz,

den nur die Anwesenheit westlicher Streitkräfte in Berlin gewährleisten kann, weiter aufrechterhalten.

Außerdem wollen wir zusammen

mit unseren Freunden in Berlin, in Deutschland und anderswo dafür
sorgen, daß diese Stadt ein lebensfähiger, konstruktiver und wichtiger
Teil der freien Völkergemeinschaft bleibt.
Auf dieser Linie wurde die Einigkeit des Westens gewahrt.

Gewiß

ist sie auf die Probe gestellt worden, und sie wird vielleicht erneut
auf harte Proben gestellt werden, bevor Chruschtschow endlich erkennt,
daß er mit seiner Berliner Dauerkrise das Gegenteil von dem erreicht,
was er bezweckt.

Aber es besteht nicht der geringste Zweifel an der

Ehrlichkeit, der Ernsthaftigkeit oder Beständigkeit der amerikanischen
und alliierten Verpflichtung.
Chruschtschow wird möglicherweise eines Tages den Druck lockern,
der auf Ihnen und uns jetzt lastet.

Aber die Situation Berlins wird

schwierig bleiben, schlänge Deutschland geteilt ist.

Diese Stadt wird

eine Versuchung für die Kommunisten bleiben, soXLange der kalte Krieg
andauert.

- 6-

�Mit der Berliner und jenen vier anderen Krisen nicht genug, mußten
wir in anderen Teilen der Welt eine langsame, aber gefährliche Erosion
feststellen. Wir brauchten zum Beispiel eine Politik, die die USA aKtiv
mit den starken Kräften in Lateinamerika verband, die sich um wirtschaftliche Entwicklung und größere soziale Gerechtigkeit bemühen.
Unsere Antwort darauf war die "Allianz für den Fortschritt".
Wir brauchten ferner ein Auslandshilfsprogramm, das die USA mit
ähnlichen Kräften in Asien, dem Mittleren Osten und Afrika verbinden
sollte. Völker und Regierungen in diesen weiten Gebieten sind entschlossen, ihren Status als unabhängige Nationen zu entwickeln und
für sich und ihre Kinder die Voraussetzungen für wirtschaftliches
Wachstum, Fortschritt und Menschenwürde zu schaffen. Unsere Antwort
war ein Auslandshilfsprogramm zur Unterstützung jener Nationen, die
die Fähigkeit und den wirklichen Willen zeigten, ihre eigenen Energien
und Hilfsquellen für ihre soziale Entwicklung zu nutzen. Unser Hilfsprogramm basiert auf dem gesunden Prinzip der Selbsthilfe. Es soll
die Fähigkeit und den Willen zur Selbsthilfe belohnen. Die von unserem
Kongreß im Jahre 1961 verabschiedeten Gesetze boten uns die Möglichkeit, Staaten mit gutfundierten nationalen Entwicklungsprogrammen feste
langfristige Zusagen zu geben. Zusammen mit unseren atlantischen Partnern
und Japan hoffen wir, allmählich eine dauerhafte Partnerschaft mit den
neuen und aufstrebenden Nationen herzustellen, die allmählich den Zustand erreichen, der sie für eine derartige langfristige Entwicklungshilfe qualifiziert.
In bezug auf Westeuropa stellten wir fest, daß unsere Politik
und die der westeuropäischen Nationen zwei wichtige Tatsachen noch
nicht voll erfaßt hatte«
erstens, daß Westeuropa in den fünfziger Jahren einen außergewöhnlichen Aufschwung seines Wirtschaftswachstums und seiner Entwicklung erlebt hat und nach mehr Autorität für die Gestaltung seines
eigenen Schicksals und in der Weltpolitik verlangte;
zweitens, daß die Bewegung zur europäischen Einheit, die mit
unserer Hilfe unmittelbar nach Kriegsende in Gang gekommen war, eine
wirkliche Kraft geworden war. Ein geeintes Europa war in den Bereich
des Möglichen gerückt, aber seine Gestalt und unsere diesbezügliche
Politik lagen noch nicht fest. Was Japan betrifft, so sahen wir, daß

- 7-

�daß unsere Politik seinen Willen nicht berücksichtigt hatte, nach einem
Jahrzehnt ebenso bemerkenswerten Wachstums wie im Falle Westeuropas
eine neue, würdige und verantwortungsvolle Rolle in der Weltpolitik
zu übernehmen.
Unsere Antwort auf diese Tatsachen bestand darin, die Bewegung
zur europäischen Einheit zu unterstützen und unseren europäischen
Freunden eine neue transatlantische Partnerschaft vorzuschlagen, wie
sie unser Präsident besonders in seiner Rede am 4. Juli dieses Jahres
skizzierte. Wir sind dabei, die Bedingungen dieser Partnerschaft im
militärischen Bereich, im Handelsverkehr, hinsichtlich der Währungsund Deckungsprobleme, der Hilfeleistung an die Entwicklungsländer und
auf vielen anderen Gebieten auszuarbeiten. Die Entwicklung dieser neuen
Beziehungen braucht Zeit. Sie sind das größte Bauwerk der internationalen Architektur, das jemals in Friedenszeiten errichtet wurde. Diese
neue und vielschichtige Partnerschaft wird sich über Jahre und nicht
nur Monate entwickeln. Wir haben es jetzt nicht,wie 'nach dem Kriege,
mit schwachen, verarmten Völkern zu tun, sondern mit stolzen und
starken Nationen, die nach neuen Beziehungen zueinander und zu den
USA suchen und bestrebt sind, ihre Rolle in der Weltgeschichte

für

die sechziger Jahre und darüber hinaus festzulegen; doch geschieht
dies im Anschluß an eine lange Periode, in der sie auf unseren Beistand
angewiesen waren und sich mehr an die Früchte als an die Lasten weltpolitischen Verantwortungsbewußtseins gewöhnt haben. Dieser Prozeß,
de,r im Erfolgsfalle die Stärke und Stabilität der freien Welt bedeutend
steigern würde, muß natürlich auf Schwierigkeiten stoßen. Doch die
miteinander verbundenen Konzeptionen der europäischen Einheit und der
atlantischen Partnerschaft sind tief verwurzelt in den gemeinsamen
Erfahrungen unseres 20. Jahrhunderts und durchdringen mehr und mehr
auch den Geist und die Herzen unserer Völker.
Ähnlich arbeiten wir mit der japanischen Regierung, mit führenden Persönlichkeiten der japanischen Gesellschaft - auf allen Ebenen und mit unseren Freunden in der atlantischen Gemeinschaft zusammen, um
den großen potentiellen Beitrag Japans für das Aufbauwerk der freien
Welt nutzbar zu machen.
Wo stehen wir aber heute? Nicht eine der Krisen von 1961 ist
bereits endgültig bereinigt. Alle sind noch gefährlich. Aber wir

- 8 -

�wir machen Fortschritte bei der Eindämmung der Gefahren, die von
diesen Krisen ausgehen, und wir haben für jede dieser Krisen politische
Pläne festgelegt, wobei wir bereit sind, im gegebenen Falle die
ganze große, uns zu Gebote stehende Stärke einzusetzen.
In bezug auf die langfristigen Aufgaben, die wir in Lateinamerika,
in anderen Entwicklungsgebieten sowie in Europa und Japan übernommen
haben, kennen wir unser Ziel und sind auf dem Wege dorthin. Aber wir
sind uns auch bewußt, daß es viele Jahre harter, beharrlicher und
zielstrebiger gemeinsamer Anstrengung bedarf, um die schöpferischen
Ziele, die wir uns gesteckt haben, zu erreichen. Das also ist im wesentlichen der Stand- der Dinge und das also trachten wir zu erreichen aus der Perspektive Washingtons betrachtet. Wir sehen absolut keinerlei Gründe für Selbstzufriedenheit oder Selbstbeweihräucherung. Aber
wir sehen Gründe für Zuversicht, Hoffnung und für starke und hartnäckige, gemeinsame Anstrengungen
Und nun lassen Sie mich versuchen, die Weltlage so darzustellen,
wie sich von Chruschtschows Standpunkt aus das Weltgeschehen ausnehmen
mag.
Seit 1945 haben wir zwei große kommunistische Offensiven erlebt,
die darauf abzielten, Macht und Einfluß des Kommunismus über die als
Ergebnis des zweiten Weltkriegs gewonnenen Grenzen hinaus auszudehnen.
Von 1945 bis 1951 drängte Stalin heftig, erst im Westen und dann im
Osten. Er versuchte, den Iran, die Türkei, Griechenland, Frankreich
und Italien zu durchdringen; und 1948 verhängte er die Berlin-Blockade.
Stalins Offensive im Westen wurde gestoppt durch die Truman-Doktrin,
den Marshall-Plan, die Gründung der NATO und den Erfolg der Berliner
Luftbrücke.
Seine Offensive in Asien, die sich weitgehend auf die Anwendung
der Guerilla-Kriegführung in Indochina, Malaya, Indonesien und auf den
Philippinen stützte,kam -ebenso wie sein Versuch, Südkorea zu erobern im Frühjahr 1951 zum Stillstand,als die reorganisierten Kräfte der UN
in Korea die chinesischen kommunistischen Armeen am 38. Breitengrad
schlugen.
Nach

9 -

�Nach dem Tode Stalins leitete das neue Gespann in Moskau eine
Reihe von Veränderungen auf innenpolitischem, militärischem und
außenpolitischem Gebiet ein, die einige Jahre zum Anlaufen brauchten.
Außerdem sah es sich aber noch einem unterirdischen Machtkampf gegenüber, den Chruschtschow erst 1957 endgültig gewann. In ihrem eigenen
Land machten die Sowjets mit Rücksicht auf den Wunsch des russischen
Volkes nach besserer Versorgung und mehr Sicherheit vor der Willkür
der Geheimpolizei einige Zugeständnisse. Außenpolitisch hegten sie nachdem

sie in Europa und Japan im allgemeinen wenig auszurichten

vermochten - große Hoffnungen, latente Kräfte für die Ausbreitung
der kommunistischen Macht und des kommunistischen Einflusses in den
unterentwickelten Gebieten ausnutzen zu können. Die Kommunisten
versuchten in diesen Gebieten, die Instrumente der Subversion, des
Handels und der Hilfe aufeinander abgestimmt zum Einsatz zu bringen.
Sie appellierten an antikolonialistisehe und nationalistische Gefühle
und versuchten, den Kommunismus als die beste Methode zum Aufbau in
unterentwickelten Gebieten hinzustellen. Militärisch machten die
Sowjets - in geringerem Maße,als wir zu jener Zeit annahmen - Portschritte auf dem Gebiet der Atom- und Raketenwaffen und versuchten
bereits 1956, das Mittel der nuklearen Erpressung in den Dienst ihrer
Diplomatie zu stellen. Sie entwickelten und nutzten ihre starken Raketen,
um damit gewisse spektakuläre Projekte im Weltraum durchzuführen, und sie
suchten daraus psychologisch und militärisch Kapital zu schlagen.
Im Jahre 1958, im Gefolge der ersten Sputniks, begann Chruschtschows
Offensive auf der Basis dieser Pläne Gestalt anzunehmen. Es war im
Jahre 1958, als Chruschtschow einen härteren Kurs bezüglich Berlins
einschlug. Es war im Jahre 1958, als die kommunistische Partei in
Hanoi bekanntgab, daß sie versuchen werde, die Regierung in Saigon durch
Guerillakriegführung zu stürzen, und sich dann systematisch anschickte,
dies zu verwirklichen.
Es war auch in der Zeit nach dem Sputnik, als die Kommunisten
anfingen, die Unruhe und Verwirrung im Kongo auszunutzen; sie ergriffen
die Macht in Kuba; und sie führten eine höchst intensive politische,
wirtschaftliche und umstürzlerische Kampagne in den unterentwickelten
Gebieten. Auch Rotchina wurde von diesem Fieber erfaßt. Es war in der

- 10 -

�der Zeit nach dem Sputnik, als Mao verkündete, daß "der Ostwind über
den Westen triumphiere" . Der große Sprung vorwärts und die Volkskommur.en wurden im Jahre 1958 i n s Werk gesetzt; außerdem wurde in
jenem Jahr die Blockade gegen Quemoy und Matsu eingeleitet.
Die militärische Schlagkraft hinter dieser Offensive war nicht
so groß, wie es damals der Welt schien. In Wirklichkeit bestand bei
den Russen weiterhin eine sehr hohe Priorität für Verteidigungswaffen;
sie bauten eine Mittelstreckenraketen-Macht auf, in der Hoffnung,
die europäischen Länder zu Atomkriegsgeiseln machen zu können. Auf
dem Gebiet der Interkontinentalraketen machten sie langsamere
Fortschritte. Gleichwohl schien der Nach-3putnik-0ffensive als
ganzen eine ziemliche Stoßkraft zu eigen.
Heute ist - nicht nur dank unserer und unserer Alliierten Anstrengungen, sondern auch bedingt durch Kräfte, welche tief im
Innern des kommunistischen Blocks am Werk sind - Chruschtschows und
Maos Nach-Sputnik-Offensive durcheinandergeraten.
Maos großer Sprung vorwärts war ein vollkommenes Fiasko. Die
rotchinesische Politik basierte auf der Annahme, daß die Chinesen
Ende der fünfziger Jahre da standen, wo Stalin zu Anfang der dreißiger
Jahre gestanden hatte. Sie glaubten den Großmachtstatus erreichen zu
können. Um diesen Großmachtstatus ist es wenigstens für ein Jahrzehnt
geschehen. Und um überhaupt vorwärts zu kommen, sind Entscheidungen
nötig, die ihnen bis heute viel zu schmerzvoll waren - Entscheidungen,
die meines Erachtens unter anderem erfordern, den Bauernfamilien Chinas
den Ansporn zur Arbeit zurückzugeben und auch die Freiheit, erfolgreich zu arbeiten. Inzwischen hat sich die Tendenz der Lockerung der
Kontrolle Moskaus über die kommunistischen Parteien der Welt, wie sie
das Drama der Aufspaltung des Sino-Sowjet-Blocks erhellte, fortgesetzt.
Darüber hinaus hat die Unfähigkeit des Kommunismus, die Nahrungsmitte]Produktion wirksam zu organisieren, die kommunistische Position in Ostdeutschland, Kuba und in anderen Gebieten - ebenso wie in China - drastisch geschwächt.
Im eigenen Land zählte Chruschtschow sehr darauf, daß es ihm gelingen
werde, das russische Volk besser mit Nahrungsmitteln und 7/ohnraum

11

L

�Wohnraum

zu versorgen. Er kündigte im Jahre 1957 eine Kampagne

mit dem Ziel an, innerhalb von drei Jahren die amerikanische Fleisch-,
Milch- und Butterproduktion zu überflügeln; und er versuchte, durch
die Urbarmachung weiter Areale jungfräulichen Landes die Getreideversorgung einer wachsenden Bevölkerung sicherzustellen. Jetzt aber
sieht er sich gezwungen, seinem Volke die Existenz einer fortgesetzten
landwirtschaftlichen Krise einzugestehen; die versprochene ausreichende
Versorgung mit Fleisch und Milchprodukten ist gescheitert; die Getreideproduktion hält gerade noch Schritt mit dem Bevölkerungszuwachs, und
in diesem Jahr hat er zum ersten Mal nach dem zweiten Weltkrieg die Nahrungsmittelpreise erhöht. Darüber hinaus muß er sein Wohnungsbauprogramm einschränken, das vom russischen Volk so leidenschaftlich gefordert
worden war, um die Rüstungsausgaben erhöhen zu können; und er muß es
tun in dem sicheren Wissen, daß sich die Vereinigten Staaten auf eine .
militärische Planung festgelegt haben, welche ihm eine relative Verbesserung seiner nuklearen Position auf Jahre hinaus unmöglich macht.
Außerhalb

der Sowjetunion sieht er, daß seine Offensive überall

in den Entwicklungsländern an Stoßkraft verloren hat. Doch findet der
Kommunismus noch immer Ansatzpunkte; aber ob man nach Asien, dem Mittleren Osten, Afrika oder Lateinamerika blickt, überall ist die Tendenz
der Entwicklungsländer, ihre Unabhängigkeit gegenüber den Kommunisten
ebenso wie uns gegenüber zu wahren, von Chruschtschows Standpunkt aus
gesehen zutiefst entmutigend.
Der Marxismus als Lehre wird in zunehmendem Maße von der jungen
Generation als Stimme der Vergangenheit und nicht als Wegweiser in der
Gegenwart und in die Zukunft angesehen; und der Kommunismus als Mittel
zur Organisation sowohl einer fortgeschrittenen als auch einer unterentwickelten Gesellschaft gilt immer mehr als unwirksam und reaktionär
und außerdem als zutiefst unmenschlich.
Die Hoffnungen und Erwartungen der Kommunisten sind durch die
europäische Einigungsbewegung, durch die Festigkeit der NATO angesichts
der Berlin-Krise, durch die entstehende transatlantische Partnerschaft,
durch die Entschlossenheit der Völker und Regierungen der Entwicklungsländer, ihre Unabhängigkeit zu wahren, und durch die Korrosion des Wirtschaftslebens des kommunistischen Blocks,vor allem auf dem Landwirtschaftssektor, zunichte gemacht worden.

�Schließlich hat sich infolge dieser zunehmenden Bedrängnis und
der Beharrlichkeit des Nationalismus unter der Oberfläche der vom Kommunismus beherrschten Staaten eine Tendenz zur Aufsplitterung des kommunistischen Blocks und zur fortschreitenden Lockerung der Kontrolle
Moskaus über die kommunistischen Parteien in aller Welt entwickelt.
Es gibt jetzt keine kommunistische Partei, die nicht - so oder so von der entzweienden Debatte abgelenkt und verwirrt wäre, die sich um
den chinesisch-sowjetischen Konflikt

und die damit zusammenhängenden

ideologischen, machtpolitischen und taktischen Probleme dreht.
Das Moskauer Weltbild hat sich somit in den vergangenen zwei
Jahren grundlegend verändert. Chruschtschow hat mit der Politik,die er
nach Übernahme der Führung der Sowjetunion einleitete, keinen Durchbruch erzielen können. In der Zwischenzeit haben die Reaktionen der
westlichen Welt im

Zusammenspiel mit der innerhalb des kommunistischen

Blocks wirksamen Korrosionsdynamik eine tiefe, aber schleichende Krise
in der Geschichte des Kommunismus herbeigeführt. Moskau muß sich fragen: Welche Richtung sollen wir jetzt einschlagen?
Auf kürzere Distanz mag die Antwort wohl Berlin heißen. Es ist
möglich, daß Chruschtschow den Willen und die Stärke der Alliierten
falsch einschätzt und versuchen wird, eine weitere Krise in dieser
Stadt heraufzubeschwören.
Die Vereinigten Staaten und ihre Alliierten versuchen, ihre
Festigkeit so klarzumachen, daß er vor einer solchen Krise zurückschreckt. Falls das nicht gelingt, halten wir eine Reihe von Maßnahmen
parat, um der Krise zu begegnen. Natürlich kann ich über diese Maßnahmen keine Einzelheiten mitteilen. Ich kann nur sagen, daß es sich um
weitreichende Maßnahmen handelt, die eine Vielzahl von Umständen in
Betracht ziehen. Ich kann sagen, daß unsere Alliierten sie kennen und
unterstützen werden. Wir stehen in ständiger Beratung mit Bundeskanzler Adenauer und seinen Mitarbeitern in Bonn, mit unseren anderen
Alliierten und Ihrem mutigen Bürgermeister Willy Brandt, der erst
kürzlich mit Außenminister Dean Rusk und Präsident Kennedy Besprechungen geführt hat. Sie kennen unsere Entschlossenheit. Ich bin überzeugt,
daß auch der Berliner Bevölkerung unsere Entschlossenheit bekannt ist.
Die Gefahr liegt darin, daß die Sowjets unsere Entschlossenheit nicht

-

13

�nicht voll begreifen könnten, oder daß sie,wenn sie es doch tun,
die Konsequenzen einer Auseinandersetzung nicht richtig einschätzen.
Wir hoffen, daß diese auf Grund einer Fehleinschätzung der Stärke,
Einigkeit und Entschlossenheit des Westens ausgelöste Krise auf friedlichem Wege gelöst werden kann. Aber komme, was da wolle: unsere
Dispositionen sind getroffen. Wir sind bereit, wir wissen, daß Sie
bereit sind, und wir müssen die Lage gemeinsam meistern.
Doch lassen Sie uns unseren Blick über die vor uns liegenden
schwierigen Monate hinaus nach vorn lenken.
Dies sind die großen Aufgaben der freien Welt: die Einigung
Westeuropas muß zur Reife gebracht werden; die fortgeschritteneren
westeuropäischen Nationen, Kordamerika und Japan müssen sich in einer
weltumspannenden Partnerschaft mit gemeinsamer Verantwortlichkeit
verbinden; ein neues konstruktives Partnerschaftsverhältnis ist zwischen diesen hauptsächlich im Norden angesiedelten Nationen und den
vorwiegend südlich von ihnen gelegenen Entwicklungsländern - in
Lateinamerika, Afrika, dem Mittleren Osten und Asien - herzustellen;
die Grenzen der entstehenden Gemeinschaft unabhängiger Staaten sind
zu verteidigen durch die Schaffung der militärischen Kräfte, der
politischen Einheit und des Willens, den diese Aufgabe verlangt;
und wir müssen mit den Kräften des Nationalismus und Liberalismus
zusammenwirken, die sich innerhalb des kommunistischen Blocks regen,
damit der Geltungsbereich der Freiheit für die Nationen und die Personen sich erweitert.
Diese großen Ziele sind keine abstrakten oder fernen Ziele. Es
sind Ziele, welche alles, was wir Tag für Tag tun, ganz und gar
durchdringen. Gegenwärtig stehen sie mir besonders lebhaft vor Augen.
Denn ich bin nach Berlin gekommen, nachdem ich einige Tage lang in
Paris an konkreten Aufgaben in Verbindung mit der Schaffung der
atlantischen Partnerschaft gearbeitet habe. Ich kam nach Paris mit
frischen Eindrücken

von

einer Konferenz in Puerto Rico, wo über

40 Nationen - mehr und weniger entwickelte Länder des Nordens und
des Südens - die Vorbereitung freiwilliger Aktionen nach dem Muster
des Friedenskorps und andere Maßnahmen zur Unterweisung der Arbeitskräfte der Entwicklungsländer in den dringend benötigten modernen
Arbeitsmethoden vorantrieben.

Und
-

14

-

�Und nun bin ich in Berlin, einem der Brennpunkte des kalten Krieges, wo unsere Stärke, Einigkeit und Willenskraft auf die Probe gestellt werden, nahe den Männern und Frauen in Ost-Berlin und Ostdeutschland, die gegen ihren Willen von ihren Familien, ihrer Nation
und der Lebensform, die sie in freier Entscheidung wählen würden,
ferngehalten werden.
Ich glaube, daß Berlin in allen großen Fragen der Politik der
freien Welt eine Mission zu erfüllen hat. Blickt man weiter, so braucht
die Mauer, die diese Stadt in so tragischer Weise durchschneidet, Ihren
Beitrag zur Sache der Freiheit in allen ihren Wesensformen nicht zu
mindern.
Sie sind nicht passive Schutzbefohlene des Westens, sondern
Partner einer großen weltweiten Anstrengung.
In enger Zusammenarbeit mit Ihren Brüdern in der Bundesrepublik
können Sie an allen wirtschaftlichen und kulturellen Unternehmungen
des der Einheit zustrebenden Europa und der sich entfaltenden atlantischen Partnerschaft teilhaben. Sie können sich mit Ihren besonderen
menschlichen und industriellen Fähigkeiten an dem großen Unternehmen
der Unterstützung von Entwicklungsländern beteiligen. Sie haben die
stolze Pflicht, kühl und fest an einem von mehreren entscheidenden
Punkten an den Grenzen der Freiheit Wache zu halten, und Sie können
zusammen mit Ihren Verbündeten Ihren Teil dazu beitragen, daß die
Schranke, die jetzt Deutschland und Europa spaltet, allmählich auf
friedlichem Wege beseitigt wird.
Denn lassen Sie sich gesagt sein: meine Regierung hat die während
der Kriegsjähre übernommenen gegenseitigen Verpflichtungen weder vergessen noch fallen lassen.
Die Abmachungen zwischen den Alliierten des Krieges gegen Nazideutschland sahen vor, daß das Ziel der Besetzung nach dem Kriege die
Wiederaufnahme Deutschlands in die Völkerfamilie sein sollte. Noch im
Jahre 1955 bekräftigten auf der Genfer Gipfelkonferenz die Regierungschefs der vier Mächte dieses Übereinkommen und wiesen die Außenministerkonferenz an, es durchzuführen. Ich brauche Sie nicht daran zu erinnern,
daß die Sowjetunion diese Verpflichtung nicht eingelöst hat. Aber die

-

15 -

�die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten sind weder von diesem
Ziel abgewichen, noch haben sie ihr Bestreben aufgegeben. Worin
besteht nun ihre Verpflichtung genau? Wie die Weisung von 1955
besagt, hält sich meine Regierung an den Vorsatz gebunden, daß
"die Bereinigung der deutschen Frage und die Wiedervereinigung
Deutschlands mittels freier Wahlen im Einklang mit den nationalen
Interessen des deutschen Volkes und den Interessen der europäischen
Sicherheit durchgeführt werden soll".
Wenn wir die große Partnerschaft des Nordens mit ihrer gewaltigen Überlegenheit an Menschen und Material aufbauen können, wenn wir
zu den aufstrebenden Nationen des Südens ein neues Verhältnis im
Zeichen von Würde und gemeinsamer Arbeit herstellen können, wenn wir
beständig die Mittel, die politische Einigkeit und Willenskraft
aufbringen, die zur Verteidigung der Grenzen der Freiheit notwendig
sind, wenn wir durch den Nebel des kalten Krieges hindurch mit den
Kräften des Nationalismus und Liberalismus, die innerhalb des Ostblocks existieren oder entstehen mögen, konstruktiv zusammenarbeiten,
kann schneller, als wir glauben, der Tag kommen, an dem diejenigen,
die innerhalb des sogenannten kommunistischen Blocks herrschen, zwei
Dinge einsehen werden: erstens, daß Welteroberung oder Weltbeherrschung
ein aussichtsloses und gefährliches Unterfangen ist; zweitens, daß
in einer atomwaffenstarrenden Welt wirksam überwachte Maßnahmen
zur Rüstungskontrolle und Abrüstung im allgemeinen Interesse liegen,
das auch voll und ganz dem ihrigen entspricht.
Wenn die freie Welt die geistige und Willenskraft besitzt, an
der bisher verfolgten politischen Linie festzuhalten - denn die
Mittel dazu stehen ihr sicherlich zur Verfügung -,wird zweifellos
einmal der Tag kommen, an dem Moskau und auch Peking sich entscheiden
müssen, ob sie in ihrem Drang nach äußerer Macht unter zunehmend
ungünstigeren Bedingungen beharren wollen, oder ob es besser sei,
den kalten Krieg zu beenden und ihre Forderungen als wichtige,
aber keineswegs beherrschende Mitglieder der Gemeinschaft der Nationen und Menschen zu stellen. Wenn an diesem Tag die richtige

-

16

-

�richtige Entscheidung getroffen wird, wird auch klarwerden, daß
die Fortdauer der Spaltung Deutschlands und Europas sinnlos ist.
Ob und wann dieser Tag kommt, hängt weitgehend davon ab, wie
die freie Welt ihre Sache führt. Es ist nicht ein Ergebnis, das abzuwarten wäre, sondern ein Ergebnis, das geschaffen werden muß. Es hängt
davon ab, wie wir uns sowohl angesichts akuter Krisen als auch angesichts der Möglichkeiten verhalten, die uns die Grundströmungen
der Geschichte darbieten.
Das ist ohne Zweifel ein Auftrag für uns alle.

*

-

-X -X

*

17 -

*

�A M E R I K A

D I E N S T

KUBA-ERKLÄRUNG PRÄSIDENT KENNEDYS

Wortlaut der Rundfunk- und Fernsehansprache
des amerikanischen Präsidenten vom 22. Oktober 1962, in der er Maßnahmen zur Sperrung
militärisch offensiver Lieferungen nach Kuba
und zur Sicherung des Weltfriedens ankündigte.

�KUBA-ERKLÄRUNG PRÄSIDENT KENNEDYS

"Meine Regierung hat, wie angekündigt, den militärischen
Aufbau der Sowjets auf der Insel Kuba auf das genaueste überwacht. In der vergangenen Woche haben eindeutige Beweise die
Tatsache erhärtet, daß gegenwärtig eine Reihe offensiver Raketenabschußrampen auf dieser in eini Gefängnis-verwandelten Insel
vorbereitet wird. Der Zweck dieser Basen kann nur sein, eine
nukleare Angriffskapazität gegen die westliche Hemisphäre zu
schaffen.
Nachdem ich am vergangenen Dienstagmorgen um 9 Uhr die
ersten konkreten Informationen dieser Art erhielt, ordnete ich
die Intensivierung unserer Überwachung an. Da jetzt die Bestätigung vorliegt und die Auswertung der Beweiseund unsere
Entscheidung über einen Kurs des Handelns zum Abschluß gekommen
sind, fühlt sich meine Regierung verpflichtet, Ihnen über diese
neue Krise in allen Einzelheiten zu berichten.
Die Merkmale dieser neuen Raketenabschußrampen lassen zwei
deutlich unterscheidbare Typen von Anlagen erkennen. Einige von
ihnen umfassen ballistische Mittelstreckenraketen, die in der
Lage sind, einen nuklearen Sprengkopf über eine Entfernung von
über 1000 Seemeilen (l852 km) zu tragen. Jede dieser Raketen
ist, kurz gesagt, in der Lage, Washington, D.C., den PanamaKanal, Cape Canaveral, Mexico City oder jede andere Stadt im
Südosten der Vereinigten Staaten, in Mittelamerika oder im
karibischen Raum zu treffen.
Weitere

�Weitere, noch nicht fertiggestellte Anlagen scheinen für weiterreichende Mittelstreckenraketen bestimmt zu sein - deren Reichweite
mehr als doppelt so groß ist - und die damit in der Lage sind, die
meisten der großen Städte der westlichen Hemisphäre, von der w^it im
Norden liegenden Hudson-Bai in Kanada bis Lima weit im Süden in Peru,
zu erreichen. Darüber hinaus werden gegenwärtig auf Kuba Düsenbomber
ausgeladen und montiert, die in der Lage sind, Kernwaffen mitzuführen,
während gleichzeitig die notwendigen Luftstützpunkte angelegt werden.
Diese rasche Umwandlung Kubas in einen wichtigen strategischen
Stützpunkt - durch das Vorhandensein dieser großen, weitreichenden
und eindeutig offensiven Waffen der plötzlichen Massenvernichtung stellt eine ausdrückliche Bedrohung des Friedens und der Sicherheit
aller amerikanischen Staaten, und zwar in flagranter und bewußter Mißachtung des Hio-Paktes aus dem Jahre 1947» der Traditionen unserer
Nation und unserer Hemisphäre, der gemeinsamen Resolution des 87«
Kongresses (der USA), der Charta der Vereinten Nationen sowie meiner
eigenen öffentlichen Warnungen an die Sowjets vom 4» und 13. September
dar. Diese Handlung widerspricht auch den wiederholten Zusicherungen
sowjetischer Sprecher, die sowohl öffentlich als auch privat abgegeben
wurden, daß der Rüstungsaufbau in Kuba seinen ursprünglich defensiven
Charakter behalten werde, und daß die Sowjetunion es weder nötig habe
noch wünsche, strategische Raketen auf dem Territorium irgendeiner
anderen Nation zu stationieren.
Der Umfang dieses Unternehmens zeigt, daß es bereits vor einigen
Monaten geplant worden war. Aber noch im vergangenen Monat, nachdem
ich den Unterschied zwischen einer Einführung von Raketen mit Landabschußbasen für Landziele und dem Vorhandensein defensiver Flugzeugabwehrraketen klar gemacht hatte, hat die sowjetische Regierung öffentlich
am 11. September erklärt, daß- 'die nach Kuba gelieferten Waffen und
militärischen Ausrüstungen ausschließlich für defensive Zwecke bestimmt
sind', daß 'für die Sowjetunion keine Notwendigkeit besteht, eigene
Waffen ... für einen Vergeltungsschlag gegen irgendein anderes Land,...
zum Beispiel nach Kuba zu verlagern', und daß 'die Sowjetunion über
solche gewaltigen Trägerraketen für atomare Sprengköpfe verfügt, daß
keine Notwendigkeit besteht, sich nach Abschußbasen außerhalb der
Grenzen der Sowjetunion umzusehen'. Diese Erklärung war unwahr.
Noch am vergangenen Donnerstag, als sich die Beweise für diesen
rapiden offensiven Aufbau bereits in meiner Hand befanden, erklärte
mir der sowjetische Außenminister Gromyko, er sei von seiner Regierung
angewiesen worden, erneut klarzustellen - wie sie dies nach seinen
Worten bereits früher getan hätte -, daß die sowjetische Unterstützung
Kubas 'lediglich den Zweck verfolge,.zu der Verteidigungskapazität
Kubas beizutragen', daß 'die Ausbildung kubanischer Staatsbürger bei
der Handhabung defensiver Waffen durch sowjetische Spezialisten in
keiner Weise offensiv sei' und daß, 'wäre dies anders, die sowjetische
Regierung sich niemals auf die Gewährung solcher Unterstützung einlassen würde'. Diese Erklärung war ebenfalls unwahr.
Weder die Vereinigten Staaten von Amerika noch die Weltgemeinschaft
der Nationen können eine bewußte Täuschung und offensive Drohungen von
seiten irgendeiner Nation - sei sie nun groß oder klein - dulden. Wir

- 2 -

�Wir leben nicht mehr in einer Welt, in der nur das tatsächliche Abfeuern
von Waffen eine solche Bedrohung für die Sicherheit einer Nation darstellt, daß ein Höchstmaß der Gefahr gegeben ist. Nukleare Waffen haben
eine derartige Zerstörungskraft und ballistische Raketen sind derart
schnell, daß jede wesentlich gesteigerte Möglichkeit ihres Einsatzes
oder jede plötzliche Veränderung ihrer standortmäßigen Aufstellung sehr
wohl als eine definitive Bedrohung des Friedens angesehen werden kann.
Viele Jahre lang haben beide, die Sowjetunion und die Vereinigten
Staaten, diese Tatsache anerkannt und die standortmäßige Verteilung
von strategischen Kernwaffen mit großer Vorsicht gehandhabt, damit
niemals der prekäre Status quo gestört würde, der sicherstellte, daß
diese Waffen nur im Falle einer lebensentscheidenden Herausforderung
eingesetzt werden würden. Unsere eigenen strategischen Raketen sind
niemals unter dem Deckmantel der Geheimhaltung und Täuschung in das
Gebiet irgendeines anderen Landes gebracht worden; und unsere Geschichte
im Gegensatz zu der sowjetischen nach dem zweiten Weltkriege - zeigt,
daß wir nicht danach streben, irgendein anderes Land zu beherrschen
oder zu erobern, oder seiner Bevölkerung unser System aufzuzwingen.
Dennoch haben sich die Amerikaner daran gewöhnt, Tag für Tag im Mittelpunkt der Zielscheibe sowjetischer Raketen zu leben, die in der
Sowjetunion oder auf Unterseebooten stationiert sind. In dieser Hinsicht verschärfen Raketen auf Kuba lediglich eine bereits eindeutige
und vorhandene Gefahr - allerdings waren die lateinamerikanischen
Länder, das sollte betont werden, niemals zuvor einer potentiellen
nuklearen Bedrohung ausgesetzt.
Aber dieser geheime, rasche und außergewöhnliche Aufbau
kommunistischer Raketen - in einem Gebiet9 das dafür bekannt ist,
eine besondere und historische Beziehung zu den Vereinigten Staaten
und den Nationen der westlichen Hemisphäre zu haben -, und zwar unter
Verletzung sowjetischer Zusicherungen und unter Mißachtung der
amerikanischen Politik und der Politik der westlichen Hemisphäre diese plötzliche, insgeheim getroffene Entscheidung, zum erstenmal
strategische Waffen außerhalb des sowjetischen Territoriums zu
stationieren -, ist eine bewußte, provokatorische und ungerechtfertigte
Änderung des Status quo, die von den Vereinigten Staaten nicht akzeptiert werden kann, wenn sowohl Freund als auch Feind jemals noch an
unseren Mut und an unsere Zusagen glauben sollen.
Die dreißiger Jahre haben uns eine deutliche Lehre erteiltl
Aggresives Verhalten führt, wenn man ihm freien Lauf laßt und keinen
Einhalt gebietet, letztlich zum Kriege. Unsere Nation ist gegen den
Krieg. Und wir stehen auch zu unserem Wort. Unser festes Ziel muß es
daher sein, zu verhindern, daß diese Raketen gegen unser oder gegen
irgendein anderes Land benutzt werden, und ihre Entfernung oder Beseitigung aus der westlichen Hemisphäre sicherzustellen.
Unsere Politik war eine Politik der Geduld und der Zurückhaltung,
wie sich dies für eine friedliche und mächtige Nation, die an der
Spitze einer weltweiten Allianz steht, geziemt. Wir waren entschlossen,
uns von unseren zentralen Anliegen nicht durch bloße Scharfmacher oder
Fanatiker abbringen zu lassen. Aber nunmehr sind weitere Maßnahmen

�Maßnahmen notwendig geworden - und sie sind angelaufen. Und diese
Maßnahmen sind vielleicht nur der Anfang. Wir werden nicht voreilig
oder unnötigerweise die Polgen eines weltweiten Atomkrieges riskieren,
bei dem seihst die Früchte des Sieges nur Asche auf unseren Lippen
wären - aber wir werden auch niemals und zu keiner Zeit vor diesem
Risiko zurückschrecken, wenn wir uns ihm stellen müssen.
Ich habe daher im Interesse der Verteidigung unserer eigenen
Sicherheit und der der gesamten westlichen Hemisphäre sowie im
Rahmen der Vollmacht, mit der ich durch die Verfassung betraut und
die durch die Resolution des Kongresses bekräftigt wurde, handelnd
angeordnet, daß die folgenden ersten Schritte sofort ergriffen
werdenl
1 . Um diesem offensiven Rüstungsaufbau Einhalt zu gebieten, wird
eine strikte Sperre für alle offensiven militärischen Ausrüstungen, die auf dem Seewege nach Kuba gebracht werden, eingeführt.
Alle für Kuba bestimmten Schiffe, gleichgültig, welcher Nationalität sie sind oder von welchem Hafen sie kommen, werden, falls
festgestellt wird, daß sie als Fracht Offensivwaffen an Bord
haben, abgewiesen werden. Diese Sperre wird, falls erforderlich,
auch auf andere Arten von Frachten und Trägern ausgedehnt werden.
Dagegen unterbinden wir dieses Mal den Transport lebensnotwendiger
Dinge nicht, wie dies die Sowjets 1948 in ihrer Berlin-Blockade
versuchten.
2. Ich habe die ständige und immer genauere Überwachung Kubas
und seines militärischen Aufbaus angeordnet. Die Außenminister
der Organisation der Amerikanischen Staaten haben in ihrem
Kommunique* vom 6. Oktober jede Geheimhaltung in solchen Dingen
auf der westlichen Hemisphäre abgelehnt. Sollten diese offensiven
militärischen Vorbereitungen andauern und sich damit die Bedrohung
der Hemisphäre steigern, so werden weitere Maßnahmen gerechtfertigt
sein. Ich habe die amerikanischen Streitkräfte angewiesen, sich
auf alle Eventualitäten vorzubereiten; und ich bin überzeugt, daß
- sowohl im Interesse des kubanischen Volkes wie auch der sowjetischen Techniker auf diesen Stützpunkten - die Risiken erkannt
werden, die für alle Beteiligten in der Fortsetzung dieser Bedrohung liegen.
3. Es wird die Politik unseres Landes sein, jeden Abschuß einer
Atomrakete von Kuba aus gegen irgendeine Nation der westlichen
Hemisphäre als einen Angriff der Sowjetunion auf die Vereinigten
Staaten anzusehen, der einen umfassenden Vergeltungsschlag gegen
die Sowjetunion erfordert.
4. Als notwendige militärische Vorsichtsmaßnahme habe ich unseren
Stützpunkt Guantanamo verstärkt, die Familienangehörigen unseres
dortigen Personals heute evakuieren lassen und angeordnet, daß
zusätzliche militärische Einheiten in Alarmbereitschaft stehen.
5. Wir beantragen heute abend eine sofortige Konferenz des Konsultationsorgans der Organisation der Amerikanischen Staaten, das
sich mit dieser Bedrohung der Sicherheit der westlichen Hemisphäre

�Hemisphäre befassen und die Artikel 6 und 8 des Rio-Paktes
zur Unterstützung aller notwendigen Maßnahmen zur Anwendung
bringen soll. Die Charta der Vereinten Nationen gestattet
regionale Sicherheitsvorkehrungen - und die Nationen der
westlichen Hemisphäre haben sich bereits vor langer Zeit
gegen die militärische Anwesenheit fremder Mächte entschieden»
Unsere anderen Alliierten in der Welt sind ebenfalls zur
Wachsamkeit aufgerufen worden.
6. Gemäß der Charta der Vereinten Nationen beantragen wir
heute nuacht die unverzügliche Einberufung einer Sondersitzung
des Weltsicherheitsrates, um Maßnahmen gegen diese jüngste
sowjetische Bedrohung des Weltfriedens zu treffen. Unsere
Resolution wird die sofortige Demontage und Entfernung aller
Offensivwaffen auf Kuba unter Überwachung durch UN-Beobachter
fordern, bevor die Sperre aufgehoben werden kann.
7. und letztens« Ich appelliere an Ministerpräsident Chrusch-r
tschow, diese heimliche, unbesonnene und provokatorische Bedrohung des Weltfriedens und der stabilen Beziehungen zwischen
unseren beiden Ländern zu beenden. Ich appelliere ferner an ihn,
dieses Streben nach Weltherrschaft aufzugeben und sich an einem
historischen Bemühen zu beteiligen, das gefährliche Wettrüsten
zu beenden und die Geschichte der Menschheit zu wandeln. Er hat
jetzt eine Gelegenheit, die Welt vor dem Abgrund der Vernichtung
zu bewahren - indem er sich auf die Worte seiner eigenen Regierung besinnt, daß für sie keine Notwendigkeit für die Stationierung von Raketen außerhalb des eigenen Territoriums besteht,
und diese Waffen aus Kuba abzieht; indem er sich jeder Maßnahme
enthält, die die derzeitige Krise ausweitenjoder verschärfen
würde; und schließlich, indem er sich an der Suche nach friedlichen und dauerhaften Lösungen beteiligt.
Die Vereinigten Staaten sind bereit, ihren Standpunkt gegenüber dieser sowjetischen Bedrohung des Friedens sowie ihre eigenen
Vorschläge für eine friedliche Welt zu jedem Zeitpunkt und vor
jedem Forum - vor der Organisation der Amerikanischen Staaten, vor
den Vereinten Nationen oder auf jeder anderen Konferenz, wo sich
dies als nützlich erweisen könnte - darzulegen, ohne ihre Handlungsfreiheit einzuschränken. Wir haben in der Vergangenheit energische
Bemühungen unternommen, um die Ausbreitung der Kernwaffen zu begrenzen. Wir haben die Beseitigung aller Waffen und militärischen Stützpunkte im Rahmen eines fairen und wirklichen Abrüstungsvertrages
vorgeschlagen. Wir sind bereit, neue Vorschläge für die Beseitigung
der Spannungen auf beiden Seiten zu erörtern - dies schließt auch die
Möglichkeiten für ein wirklich unabhängiges Kuba ein, das frei über
sein eigenes Schicksal bestimmen kann. Wir wünschen keinen Krieg mit
der Sowjetunion - denn wir sind ein friedliches Volk, das mit allen
anderen Völkern in Frieden leben will.
Es ist jedoch schwierig, diese Probleme in einer Atmosphäre
der Einschüchterung zu regeln oder auch nur zu erörtern. Aus

5 -

�Aus diesem Grunde muß und wird dieser jüngsten sowjetischen Drohung
- oder jeder anderen Drohung, die entweder unabhängig von unseren
Maßnahmen oder als Antwort darauf in dieser Woche ausgesprochen
wird - mit Entschlossenheit entgegengetreten werden. Jedem feindseligen Vorgehen irgendwo in der Welt gegen die Sicherheit und die
Freiheit von Völkern, denen gegenüber wir Verpflichtungen eingegangen sind - einschließlich insbesondere der tapferen Menschen
in West-Berlin - wird mit allen erforderlichen Maßnahmen begegnet
werden.
Zum Schluß möchte ich einige Worte an das unterdrückte kubanische Volk richten, an das diese Rede durch besondere Sendeanlagen
direkt übertragen wirdt Ich spreche zu Ihnen als Freund, als einer,
der Ihre starken Bindungen an Ihr Vaterland kennt, als ein Mensch,
der Ihr Streben nach Freiheit und Gerechtigkeit für alle teilt.
Und ich habe mit tiefer Sorge verfolgt, wie Ihre nationale Revolution
verraten wurde - und wie Ihr Vaterland unter fremde Herrschaft
geriet. Ihre Führer sind heute keine kubanischen Führer mehr, die
durch kubanische Ideale angespornt werden. Es sind Marionetten und
Agenten einer internationalen Verschwörung, die Kuba gegen Ihre
Freunde und Nachbarn in den amerikanischen Republiken gestellt und
es zum ersten lateinamerikanischen Land gemacht haben, das zum Ziel
eines Atomkrieges werden könnte - zum ersten lateinamerikanischen
Land, das diese Waffen auf seinem Territorium hat.
Diese neuen Waffen dienen nicht Ihrem Interesse. Sie tragen
in keiner Weise zu Ihrem Frieden und Wohlergehen bei. Sie können
ihn nur untergraben. Die Vereinigten Staaten möchten Ihnen kein
Leid zufügen oder Ihnen irgendein System aufzwingen. Wir wissen,
daß Ihr Leben und Land von denen als Faustpfand benutzt werden,
die Ihnen die Freiheit verwehren.
Das kubanische Volk hat sich in der Vergangenheit oftmals erhoben, um Tyrannen zu vertreiben, die seine Freiheit zerstörten.
Und ich zweifle nicht daran, daß die meisten Kubaner heute auf die
Zeit warten, da sie wirklich frei sein werden - frei von ausländischer
Herrschaft} frei, sich ihre eigenen Führer zu wählen; frei, sich
ihr eigenes System auszusuchen; frei, ihr eigenes Land besitzen
zu dürfen; frei, ohne Furcht vor Erniedrigung reden, schreiben und
ihre Religion ausüben zu können. Und dann wird auch Kuba wieder in
der Gemeinschaft der freien Nationen und den Vereinigungen dieser
Hemisphäre willkommen sein.
Meine Mitbürger, es soll niemand daran zweifeln, daß es ein
schwieriges und gefährliches Unterfangen ist, das wir begonnen
haben. Niemand kann genau voraussehen, welchen Verlauf es nehmen
oder welche Kosten und Verluste es mit sich bringen wird. Viele
Monate der Aufopferung und Selbstdisziplin liegen vor uns - Monate,
in denen sowohl unser Wille als auch unsere Geduld auf die Probe
gestellt werden wird - Monate, in denen zahlreiche Drohungen und
Anklagen uns die Gefahr, in der wir sind, vor Augen halten werden.
Aber die größte aller Gefahren wäre, nichts zu tun.
Der

- 6-

�Der Weg, den wir jetzt gewählt haben, ist voller Risiken wie
alle Wege - aber es ist der, der unserem Charakter und unserem
Mut als Nation sowie unseren Verpflichtungen überall in der Welt
am meisten entspricht. Der Preis der Freiheit ist stets hoch, aber
wir Amerikaner haben ihn immer entrichtet - und ein Weg, den wir
niemals wählen werden, ist der Weg der Kapitulation oder der
Unterwerfung.
Unser Ziel ist nicht der Sieg der Macht, sondern die Aufrechterhaltung des Rechts - nicht Frieden auf Kosten der Freiheit, sondern beidess Frieden und Freiheit hier in unserer Hemisphäre und
- wie wir hoffen - überall in der Welt. So Gott will, werden wir
dieses Ziel erreichen."
* * * * *

�A M E R I K A

D I E N S T

Wi
DIE AMERIKANISCHE ANSICHT
ÜBER DIE EUROPÄISCHE WIRTSCHAFTSGEMEINSCHAFT

Ansprache
Sr. Exzellenz, des Gesandten Brewster H. Morris,

gehalten am 6. November 1962 vor der Handelskammer Bremen

�DIE AMERIKANISCHE ANSICHT
ÜBER DIE EUROPÄISCHE WIRTSCHAFTSGEMEINSCHAFT

Diese Stadt hat eine große und stolze Geschichte als
bedeutendes Handels- und Wirtschaftszentrum in Nordwesteuropa.
Sie ist zu Recht berühmt wegen ihrer Weltoffenheit und der
engen Bindungen, die sie mit der Außenwelt einschließlich
der Vereinigten Staaten verknüpfen. Sie hat immer eine besonders wichtige Rolle im Oberseeverkehr zwischen meinem Land
und Deutschland gespielt. Somit ist die Frage der Beziehungen
zwischen den Vereinigten Staaten und der in zügiger Entwicklung
befindlichen Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft für diese
alte Hansestadt von besonderem Belang. Gerne nehme ich deshalb
die Gelegenheit wahr, heute mittag mit Ihnen zusammenzusein.
Ich WÜJ. versuchen, in Umrissen die amerikanische Ansicht über
die neue Gemeinschaft zu skizzieren, die bereits so verheißungsvolle Auswirkungen zeitigt - nicht nur im alten Europa und der
so viel jüngeren Atlantischen Gemeinschaft, sondern auch im
Hinblick auf das gegenwärtige Kräfteverhältnis in dieser
schwierigen Weltsituation, in der wir uns befinden.
Lassen Sie mich damit beginnen, daß ich Ihnen zunächst
einmal bestätige, was Sie schon wissen: Die Vereinigten
Staaten haben unter beiden Präsidenten, die seit der Gründung
der EWG amtierten, die Entstehung dieser Gemeinschaft begrüßt;
sie haben sie von Anbeginn unterstützt, und sie bestärken
und ermutigen nach wie vor beständig jene Kräfte in Europa,
die sich für die Integration und die Einigung einsetzen. Tatsächlich haben die Vereinigten Staaten, wie ich noch im
einzelnen darlegen werde, jetzt das in seiner Tragweite bedeutendste Zollgesetz ihrer Geschichte verabschiedet, und
zwar mit dem ausdrücklichen Ziel, im Zusammenwirken mit der
EWG einen neuen Feldzug zur Beseitigung unnötiger Schranken
im internationalen Handelsverkehr zu führen.
Das

- 1

�Das amerikanische Interesse an der Einigung Europas regte sich
schon fast ein Jahrhundert vor der Unterzeichnung des Vertrages von
Rom. Dieses Interesse geht zurück auf den Marshallplan, der den unmittelbaren Anstoß gab zur Bildung der OEEC - des Europäischen
Wirtschaftsrats. Die OEEC war tatsächlich die Keimzelle der wirtschaftlichen Integration Europas in der Nachkriegszeit, da sie der Erkenntnis
zum Durchbruch verhalf, daß eine enge und engmaschige wirtschaftliche
Zusammenarbeit zwischen den Ländern Europas möglich sei.
Die ursprünglich für die Verteilung der amerikanischen Wirtschaftshilfe unter die Teilnehmerstaaten gegründete OEEC bewies, welche großen
Vorteile durch Zusammenarbeit und Beseitigung der Handelsschranken zu
gewinnen waren. Binnen weniger Jahre verstärkte sich jedoch das Gefühl,
daß wirtschaftliche Zusammenarbeit noch nicht genüge, daß vielmehr
eine wirkliche Integration notwendig sei. Der erste wichtige Schritt
in dieser Richtung war im Jahre 1952 die Errichtung der Europäischen
Gemeinschaft für Kohle und Stahl. Entstanden mit der wirtschaftlichen
Zielsetzung, einen gemeinsamen Markt für Kohle und Stahl zu schaffen,
verfolgte diese Montanunion offensichtlich zugleich das politische
Ziel, die Annäherung zwischen Frankreich und Deutschland durch Zusammenfassung ihrer Kohle- und Stahlindustrien in einem gemeinsamen
europäischen Pool weiter voranzutreiben. Dann wurden 1958 die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft und als stärker spezialisiertes Seitenstück die Euratom-Organisation gegründet.
Die Vereinigten Staaten haben alle diese Initiativen zugunsten
der europäischen Integration nachdrücklich und tatkräftig gefördert.
Dies geschah sowohl im Rahmen ihrer diplomatischen Beziehungen zu den
betreffenden Ländern und in ihren Beziehungen zu den Zentralorganen
dieser Institutionen als auch im internationalen Kreise beispielsweise
der GATT-Länder, wo die Probleme zur Sprache kamen, die sich für die
nicht angeschlossenen Staaten ergaben. Die USA verhielten sich so,
obwohl ihr eigener Handel in der Folge zeitweise unter Benachteiligungen zu leiden hatte. Natürlich hatten die Vereinigten Staaten gute
Gründe für die von ihnen verfolgte Politik - Gründe, die ich Ihnen
gleich erläutern möchte.
Zwar stellt die EffG wesentlich mehr dar als einen Wirtschaftskörper, doch will ich zuerst ihre wichtigsten ökonomischen Aspekte
hervorheben. Ihre Bevölkerungszahl ist mit etwa 170 Millionen fast
ebenso groß wie die der Vereinigten Staaten. Ihr Bruttosozialprodukt
erreicht zwar nicht einmal die Hälfte der amerikanischen Ziffer,
doch ist es in den letzten vier Jahren fast doppelt so rasch gewachsen wie das unsrige. An elektrischer Energie erzeugt die EWG
nur etwa ein Drittel des Produktionsvolumens der Vereinigten Staaten,
und dasselbe gilt für die Kraftfahrzeugproduktion. Im Außenhandel
ist die EWG jedoch mit Jahresausfuhren im Werte von rund 18 Milliarden Dollar und etwa ebenso großen Einfuhren den USA bereits ebenbürtig.
Der interessanteste wirtschaftliche Aspekt der EWG ist jedoch
ihre bemerkenswerte Dynamik. Ich habe bereits erwähnt, daß sie eine
fast doppelt so große wirtschaftliche Zuwachsrate erzielte wie Amerika.
Überdies wächst auch der Handel der EWG-Länder mit den Drittländern
schneller als der Welthandel im allgemeinen, und der Handel der EWGLänder untereinander hat sogar noch rascher zugenommen.
Die
- 2 -

�Die hohe gesamtwirtschaftliche Zuwachsrate wurde angereizt durch
den Abbau der Binnenhandelsschranken, durch die Aussicht auf die letzten Endes völlige Beseitigung dieser Schranken sowie durch den Einsatz
umfangreicher Investitionsmittel, die innerhalb der EWG mobilisiert
oder von außen angezogen wurden durch die Schaffung eines Massenmarktes
wirklich kontinentalen Ausmaßes. Diese dynamische Wirtschaft ist ihrerseits zu einem großen potentiellen Absatzmarkt für die Erzeugnisse der
Vereinigten Staaten und anderer Drittländer geworden. Wir alle wissen,
daß wohlhabende Leute bessere Kunden sind als arme Schlucker. Und gerade' von diesem Entwicklungsaspekt des Gemeinsamen Marktes versprechen
sich die Vereinigten Staaten einen Ausgleich für die Benachteiligungen,
die sich für ihren Handel notwendigerweise aus der Errichtung der EWG
ergaben. Daß die Exporte der USA in die EWG-Länder inzwischen kräftig
anstiegen - und zwar um rund 40 Prozent in den letzten vier Jahren -,
beweist die Richtigkeit dieser Analyse.
Das hohe Niveau des materiellen Wohlstands, das Europa neuerdings
erreicht hat, macht es somit auch zu einem besseren
Markt für amerikanische Waren. Gleichzeitig bringt der Prozeß, der die hohe Zuwachsrate der EWG herbeiführte, automatisch und zwangsläufig einen grundsätzlichen wirtschaftlichen Vorteil mit sich. Ich denke dabei natürlich
an die verbesserte internationale Arbeitsteilung, die eine der Konsequenzen der Liberalisierung des Handels ist. Wir alle haben während
unseres Volkswirtschaftsstudiums an der Universität gelernt, daß
Handelsschranken deshalb eine Verschwendung bedeuten, weil sie eine
maximale Nutzung der Hilfsquellen verhindern. Die Kehrseite dieser
Medaille ist jedoch, daß die Beseitigung der Handelsschranken den
wirksameren Einsatz von Rohstoffen und anderen wirtschaftlichen
Hilfsquellen erleichtert. Und wenn dies in einem Rahmen wie dem der
EWG erfolgt, kommt es zu einem Durchbruch in Richtung auf die Massenproduktion und den Massenverbrauch, die großen wirtschaftlichen Vorzüge der modernen Welt. Die EWG liefert erneut einen schlagenden Beweis
für diese Wahrheiten, die in den Vereinigten Staaten bereits seit
Jahrzehnten beispielhaft demonstriert werden.
Die wirtschaftliche Vitalität des Gemeinsamen Marktes zeitigt
außerdem Wirkungen, die über rein handeis- und wirtschaftspolitische
Erwägungen weit hinausreichen. Die EWG schafft die Basis für eine
echte politische Stabilität, jene Art von Stabilität, die aus der
Befriedigung berechtigter und vernünftiger wirtschaftlicher Wünsche
und Hoffnungen resultiert, im Gegensatz zu der künstlichen Stabilität
einer Zwangswirtschaft. Sie schafft die Basis für eine dauerhafte
Verbesserung der sozialen Verhältnisse - sowohl für einen verbesserten Standard der Erziehung und der öffentlichen Wohlfahrt als auch
für ein Ansteigen des privaten Verbrauchs. Einige Manifestationen
dieses neuen Überflusses können durchaus auch unangenehme Seiten
haben - die aus der Motorisierung resultierenden Verkehrsprobleme
sind ein Beispiel dafür -, aber die Tatsache bleibt doch bestehen,
daß Menschen, die in zufriedenstellenden wirtschaftlichen Verhältnissen leben und mit weiteren Verbesserungen rechnen können, sich
in einer Geistes- und Gemütsverfassung befinden, bei der freie politische Institutionen am ehesten gedeihen. Die Vereinigten Staaten
sehen in der EWG einen neuen Impuls für eine umfassendere und tiefere
Würdigung der praktischen Werte einer freien Gesellschaft. Dies also
ist ein politisch-wirtschaftlicher Vorteil, der dem Erfolg der EWG

- 3

�EWG entspringt - ein Vorteil gleichermaßen für alle innerhalt) oder
außerhalb des Gemeinsamen Marktes.
Aus dem Erfolg der EWG ergeben sich aber noch andere politischwirtschaftliche Vorteile. Einer davon betrifft die militärische
Sicherheit, eine bittere Notwendigkeit in dieser Welt, in der wir
leben. Heutzutage wurzelt die militärische Sicherheit genauso in der
wirtschaftlichen Stärke, im technischen Fortschritt und im industriellen Potential wie in den Eigenschaften der Bevölkerung eines Landes.
Alle diese Qualitäten besitzt die EWG im Überfluß, und die "Sechs
Länder" sind - wie Premierminister Macmillan kürzlich zur Rechtfertigung seiner Politik für die Eingliederung Großbritanniens in den Gemeinsamen Markt sagte - auf dem besten Wege, eine dritte "Supermacht"
zu werden. Die Vereinigten Staaten haben in voller Erkenntnis der
Bedeutung dieser Entwicklung diese mächtige Bewegung in Richtung auf
die europäische Integration gefördert. Wir wollten ein vereinigtes
und starkes Europa, das in der Lage ist, als gleichberechtigter
Partner an der Verwirklichung unserer gemeinsamen Ziele mitzuwirken als gleichberechtigter Partner, der sich den fundamentalen Werten
und Bestrebungen verpflichtet fühlt, die uns beiden gemeinsam am
Herzen liegen.
Der andere große politisch-wirtschaftliche Vorteil des Erfolges
der EWG besteht in dem neuen Potential, das sich hier für die Unterstützung der weniger vom Glück begünstigten Nationen bietet, damit
diesen geholfen wird, jenes Niveau wirtschaftlicher und politischer
Stärke zu erreichen, das ihnen Selbstachtung und Unabhängigkeit verleiht. Wir anerkennen, daß die Länder der EWG bereits viel auf diesem
Gebiet getan haben, und wir sind uns auch der zahlreichen Schwierigkeiten bewußt, die sich bei der Durchführung von Auslandshilfeprogrammen zugunsten der jungen Nationen ergeben, wo häufig unter äußerst
ungünstigen Bedingungen die grundlegenden Voraussetzungen für eine
wirtschaftliche Entwicklung erst geschaffen werden müssen. Gleichzeitig wissen wir aber auch - und die Europäer dürften unsere Ansicht
teilen -, daß die reichen Nationen die Bedürfnisse der armen nicht
länger ignorieren dürfen, sondern zusammenarbeiten müssen, um ihnen
bei der Hebung ihres materiellen Lebensstandards zu helfen. Mit den
neuen wirtschaftlichen Kapazitäten, die die EWG entwickelt hat,
sollte diese imstande sein, einen wachsenden Anteil der gemeinsamen
Verantwortung gegenüber unseren weniger glücklichen Nachbarn zu übernehmen. Der EWG sollte dies sogar ohne fühlbare Rückwirkungen auf
ihren eigenen Lebensstandard möglich sein.
Jede Darstellung der Vorteile der EWG - die, wie wir gesehen
haben, nicht notwendigerweise auf die Gemeinschaft selbst beschränkt
bleiben, sondern auch Außenstehenden großen Nutzen bringen - muß
zwangsläufig mit der Nennung eines anderen großen Vorteils abschließen.
Dies ist die Tatsache - die für die großen Männer, welche in gemeinsamem Bemühen die EWG geschaffen haben, an erster Stelle stand -, daß
durch die wirtschaftliche Integration Europas und die ebenfalls unternommenen Schritte zu einer politischen Integration bewaffnete Konflikte
zwischen den einzelnen Mitgliedern unmöglich gemacht werden.
Dies

- 4-

�Dies sind also die wesentlichen Vorteile, die sich in amerikanischer Sicht aus der EWG und der europäischen Integrationsbewegung ergeben. Ihre Bedeutung kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Sie
haben das Gesicht Europas und der westlichen Welt wahrlich verändert.
Und wenn das einigen von Ihnen immer noch nicht ganz einleuchten
sollte, so möchte ich mich eines ganz primitiven Arguments bedienen:
Die EWG ist von den Kräften des Weltkommunismus und von Herrn Chruschtschow scharf angegriffen worden. Schon allein deshalb muß es sich um
eine gute Sache handeln. Das ist ein "Beweis", der selbst den verstocktesten Skeptiker überzeugen müßte.
Jetzt, da der Gemeinsame Markt bereits fünf Jahre besteht, berührt
es einen seltsam, wenn man sich noch einmal die Tage seiner Gründung
ins Gedächtnis ruft. Den europäischen Industriellen war damals allenthalben an einer Veränderung wenig gelegen. Die meisten hatten sich
den ersten Vorschlägen für ein vereintes Europa widersetzt, und sie
blieben auch skeptisch, als die Idee des Gemeinsamen Marktes geboren
wurde. Viele andere, die diese Konzeption befürworteten, hegten ehrliche Zweifel, ob er wirklich funktionsfähig gemacht werden könnte waren doch schon weit weniger ehrgeizige Versuche einer internationalen Zusammenarbeit fehlgeschlagen. Wichtiger noch war für die außenstehenden Lä.nder die Frage, in welcher Weise der Gemeinsame Merkt
arbeiten, nach welchen Richtlinien er sich entwickeln würde. Es war
offensichtlich nicht einerlei, ob der Gemeinsame Markt die Autarkie
anstrebte oder in Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit der übrigen
Welt den Blick nach außen richtete.
Wie wir heute wissen, hat die EWG bisher jene liberale Politik
betrieben, die ihren Schöpfern vorschwebte und die die Vereinigten
Staaten von ihr erhofft und erwartet hatten. Dies zeigte sich auch
1960/61 bei den Genfer Zollverhandlungen im GATT-Rahmen, als die EWG
ihre gemeinsamen Außenzölle in Erwartung entsprechender Zollsenkungen
der Vereinigten Staaten und anderer Drittländer um 20 Prozent ermäßigte.
Aufgrund ebensolcher Verhandlungen werden die EWG und ihre Handelspartner die künftigen Vereinbarungen treffen, die den Warenverkehr
über die jeweiligen Grenzen hinweg regeln werden. Um derartige Verhandlungen wirksam führen zu können, verlangte und erhielt Präsident
Kennedy in Gestalt des am 11. Oktober 1962 in Kraft getretenen Gesetzes
über die Ausweitung des Außenhandels die größten Vollmachten für die
Senkung oder Aufhebung von Zöllen, mit denen jemals ein amerikanischer
Präsident ausgestattet war.
Diese beispiellosen Vollmachten wurden dem Präsidenten im Hinblick
auf die beispiellosen Aufgaben und Probleme erteilt, mit denen uns der
Gemeinsame Markt konfrontiert. Zum ersten Male in ihrer Geschichte
haben es die Vereinigten Staaten im Gemeinsamen Markt mit einem Handelspartner zu tun, der viele ihrer eigenen Merkmale aufweist; eine hochindustrialisierte Wirtschaft, eine große, wohlversorgte Bevölkerung
und einen ^arkt, der in vielen Dingen dem der Vereinigten Staaten
gleicht. Ich darf Ihnen hier kurz andeuten, wie wir das neue Außenhandelsgesetz "zum beiderseitigen Nutzen der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft -und der Vereinigten Staaten zu handhaben beabsichtigen.

Die

�Die dem Präsidenten übertragenen Vollmachten sind auf eine
bestimmte Art von Problemen zugeschnitten, die wir jetzt beide gemeinsam haben. Die Handelswelt ist in einem tiefgreifenden Wandel begriffen.
Die in Aussicht genommene EWG-Mitgliedschaft Großbritanniens wird hoffentlich schon in kurzer Zeit - dahin führen, daß sich 90 Prozent
der industriellen Produktion der freien Welt und 90 Prozent ihres
Handels mit Industriegütern auf zwei große gemeinsame Märkte konzentrieren; die Vereinigten Staaten und die erweiterte Europäische
Wirtschaftsgemeinschaft.
Wenn diese beiden gemeinsamen Märkte miteinander verhandeln,
werden sie erstmals auf nahezu gleicher Basis miteinander verkehren.
In bezug auf die Bevölkerung, die Wirtschaftskraft, den Stand der
allgemeinen technischen Entwicklung und der Produktionstechnik liegen
die USA und die EWG nicht weit auseinander. Unsere jeweiligen Außenzölle werden im allgemeinen dieselbe Durchschnittshöhe haben; bei
manchen Waren werden die EWG-Zölle über den Sätzen der USA liegen,
bei anderen Waren wird es umgekehrt sein. Durch gemeinsame Verhandlungen sollten wir imstande sein, uns gegenseitig den Zutritt zu unseren jeweiligen Märkten auf einer Basis zu erleichtern, die für beide
Parteien gleich günstig ist.
Angesichts der beherrschenden Stellung, die die Vereinigten
Staaten und die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft zusammen im Welthandel einnehmen, haben sie gleichzeitig eine besondere Verantwortung
gegenüber Dritten zu tragen. Stärke und ^acht bringen für diejenigen,
die sie besitzen, besondere Verpflichtungen mit sich. Im Zuge von
Verhandlungen im GATT-Rahmen und durch fühlbare Zollsenkungen auf der
Grundlage der Meistbegünstigung können diese beiden großen gemeinsamen
Märkte die Schwierigkeiten und Befürchtungen aller übrigen Länder der
freien Welt auf ein überschaubares und erträgliches Maß vermindern.
Dies setzt natürlich voraus, daß dritte Lä.nder ebenfalls ihren Beitrag
leisten, indem sie sich zu gegenseitigen Zugeständnissen bereit finden.
Die Hauptvollmacht, die dem Präsidenten durch das Gesetz über die
Ausweitung des Außenhandels übertragen worden ist, gibt ihm die Befugnis,
bei Zollverhandlungen eine Senkung der amerikanischen Zölle um bis zu
50 Prozent zu vereinbaren. Das Gesetz schließt ferner eine Sondervollmacht ein, die es dem Präsidenten gestattet, die Zölle in Verhandlungen
mit der EWG bei einer beschränkten Zahl von Positionen - bei Waren,
die vornehmlich von den USA oder der EWG geliefert werden - um bis zu
100 Prozent zu senken.
Ich möchte in diesem Zusammenhang betonen, daß kein Anlaß zu der
Befürchtung besteht, die Sondervollmacht des Präsidenten diene dem
Zweck, den gemeinsamen Außenzoll zu durchlöchern, der der EWG Gestalt
und'Zusammenhait verleiht. Waren auf die Freiliste zu setzen, wäre
für'die EWG nicht gleichbedeutend mit der Preisgabe des gemeinsamen
Außenzolls. Beide Partner haben bereits eine Reihe von Industrieprodukten auf ihre Freilisten gesetzt. Die Vereinigten Staaten erheben
gegenwärtig keinen Zoll auf Schreibmaschinen, Zeitungspapier, Düngemittel und eine Reihe von Maschinen. Der EWG-Außenzoll für Synthesekautschuk, verschiedene Papierstoffe und Papiererzeugnisse, Schiffe
bestimmter Gattungen und Größen sowie Schmuckwaren wird gleich Null
sein, und für Flugzeuge wurde er bereits ausgesetzt.
Gibt

�Gibt es irgendeinen Grund, der der Erweiterung dieser Liste
entgegensteht? Der Gemeinsame Markt hat doch inzwischen das Stadium
erreicht, wo für seine Gestalt und Integrität andere Elemente als
der gemeinsame Außenzolltarif ausschlaggebend sind. Die Wirtschaftsgemeinschaft verfügt über eine ganze Reihe von gut durchgebildeten
Institutionen, und der Zusammenhalt wird letzten Endes davon abhängen, inwieweit es gelingt, das gemeinsame Handeln auf immer weitere
Bereiche der Politik auszudehnen.
Noch eine weitere Befürchtung, die an das neue Außenhandelsgesetz geknüpft wird, dürfte unsere Aufmerksamkeit verdienen. Der Präsident beabsichtigt seine Vollmachten nicht zu benutzen, um auf die
Bildung einer Zollunion oder einer Freihandelszone mit dem Gemeinsamen
Markt hinzuarbeiten. Er schlägt auch keinerlei Exklusiv-Handelsabkommen
mit der EWG vor; jedwede Vereinbarung, die wir treffen, muß auf dem
Meistbegünstigungsprinzip beruhen. In Aussicht genommen ist vielmehr,
daß die Vereinigten Staaten in Übereinstimmung mit der EWG die Liberalisierung des Handels unter solchen Bedingungen vorantreiben, daß ihre
Vorteile allen Ländern zugute kommen.
Lassen Sie mich zum Schluß noch einmal aussprechen, daß wir
Amerikaner in der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft wesentlich mehr
sehen als lediglich eine wirtschaftliche Institution. Wir haben als
selbstverständlich vorausgesetzt, daß die EWG ihren Blick nach außen
wendet, daß sie der Versuchung widersteht, einen Handelsblock zu
bilden, der sich dem Rest der freien Welt verschließt. Und wir haben
weiter angenommen, daß mit zunehmenden Stärke und Einheit Europas
in den Mitgliedstaaten der Europäischen Gemeinschaft auch ein wachsendes Verantwortungsgefühl für Sicherheit und Wohlfahrt der übrigen
freien Welt Platz greifen wird.
Wir Amerikaner sind fest davon überzeugt, daß man von Europa,
je weiter es auf dem Wege zur Einheit voranschreitet, in steigendem
Maße eine positive und verantwortliche Mitwirkung bei der Wahrnehmung
unserer gemeinsamen Belange erwarten kann. Wenn wir diesem Glauben
Ausdruck verleihen, ist uns dabei natürlich auch klar, daß die Atlantische Partnerschaft niemals einseitig sein kann und daß auch wir unsere
Verpflichtungen als gute Partner zu erfüllen haben.
Wie sich Amerika diese Partnerschaft - diese Atlantische Partnerschaft - vorstellt, das hat Präsident Kennedy vor einigen Monaten am
amerikanischen Unabhängigkeitstag in Philadelphia zum Ausdruck gebracht.
Nachdem er von dem Geist gesprochen hatte, aus dem die amerikanische
Verfassung geboren wurde, erklärte Präsident Kennedyi
"Dieser Geist wird heute wohl am deutlichsten jenseits des Atlantischen Ozeans erkennbar. Die Nationen Westeuropas, lange durch Fehden
gespalten, die heftiger waren als die Zwistigkeiten zwischen den
einstigen dreizehn Kolonien, schließen sich zusammen und versuchen,
Freiheit in der Vielfalt und Stärke in der Einheit zu finden.
Die Vereinigten Staaten blicken mit Hoffnung und Bewunderung
auf dieses große Unterfangen. Wir sehen in einem starken und geeinten
Europa keinen Rivalen, sondern einen Partner. Die Förderung seines
Fortschritts ist siebzehn Jahre lang ein grundlegendes Ziel unserer
Außenpolitik gewesen. Wir glauben, daß ein geeintes Europa in der Lage

- 7-

�Lage sein wird, eine größere Rolle in der gemeinsamen Verteidigung
zu übernehmen, den Nöten der ärmeren Völker großzügiger zu entsprechen
und gemeinsam mit den Vereinigten Staaten und anderen Ländern die
Handelsschranken abzubauen, die Währungs- und Rohstcffprobleme zu
lösen und in allen übrigen wirtschaftlichen, diplomatischen und
politischen Bereichen eine koordinierte Politik zu entwickeln. Wir
sehen in einem solchen Europa einen Partner, mit dem wir bei all
den großen und mühevollen Aufgaben des Aufbaus und der Verteidigung
einer Gemeinschaft freier Nationen auf der Grundlage völliger Gleichheit verkehren können."

» # * # *

8 -

�A M E R I K A

D I E N S T

A l l g . / 2 3 . 1 1 .1962
DIE ATLANTISCHE PARTNERSCHAFT UND IHRE VERANTWORTUNG IN DER WELT

Ansprache

des Vorsitzenden des Außenpolitischen Ausschusses
des Senats der Vereinigten Staaten von Amerika

Senator J. William Fulbright

gehalten am 19« November 1962
in der Aula der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität zu Bonn

�DIE ATLANTISCHE PARTNERSCHAFT UND IHRE VERANTWORTUNG IN DER WELT

"Die Völker scheinen der Einheit zuzustreben", schrieb Alexis de
Tocqueville im Jahre 1835» "Unsere Mittel des geistigen Verkehrs verbinden die entferntesten Teile der Erde miteinander; und es ist den
Menschen unmöglich, einander fremd zu bleiben oder nicht von den Ereignissen zu erfahren, die sich in den entferntesten Winkeln des
Erdballs abspielen ."1)
Diese Worte, die nach unserem heutigen Urteil zumindest verfrüht
erscheinen, sind eine Vorankündigung der großen Paradoxie der neueren
Geschichte der westlichen Welt. Denn wenigstens seit anderthalb Jahrhunderten wird die Geschichte des Westens von zwei einander widerstreitenden Kräften geformt, deren eine das Streben nach Zusammenarbeit und Gemeinschaft ist, die andere dagegen ein unheilvoller Nationalismus, der die Völker gegeneinander trieb und in den großen
Konflikten des 20. Jahrhunderts kulminierte. In unserer eigenen Zeit
mehren sich die zwar noch nicht schlüssigen, doch gleichwohl sehr
eindrucksvollen Anzeichen dafür, daß sich diese große Paradoxie
schließlich doch auflösen läßt, und zwar im Sinne einer umfassenden
Gemeinschaft der freien Völker der atlantischen Welt. Dieser Trend
wird, sofern ihn die Ereignisse der kommenden Jahre vollends bestätigen, sicherlich als die bedeutsamste und segensreichste Entwicklung
des 20. Jahrhunderts in die Geschichte eingehen.
Die Tendenz zur Gemeinschaft bildete sich in der westlichen 7/elt
rasch und hoffnungsvoll im Gefolge der napoleonischen Kriege heraus.
Die Sieger in jenem Konflikt, denen mehr am Frieden für die Zukunft
als an der Rache für die Vergangenheit gelegen war, gewährten den
Besiegten großzügige Bedingungen und schufen erste Ansätze zur Bildung eines Europarates mit Artikel 8 des Viermächtebündnisses von
1815» der "periodische Zusammenkünfte der Souveräne oder ihrer Minister" zum Zwecke der Erhaltung des Friedens und der Stabilität vorsah. Aus der Wiener Regelung von 1815 erwuchs das "Konzert der europäischen Mächte", eine unausgeformte, aber echte Gemeinschaft von
Staaten, die ihr gemeinsames Interesse am unversehrten Fortbestand
des Vertragsgebäudes und an einem "gerechten Gleichgewicht" der Macht,
wie Lord Castlereagh es ausdrückte, höher bewerteten als ihre besonderen und widerstreitenden nationalen Aspirationen.
Der

1

�Der Wiener Kongreß erreichte, was keiner der Verträge, Regelungs- und Schlichtungsversuche des 20. Jahrhunderts zu erreichen
vermochte: er leitete eine lange Friedensperiode ein. Die Geschichte
des 19« Jahrhunderts verdient es somit, daß wir sie achten und ihr
nacheifern. Die Grundregel des Europäischen Konzerts besagte, daß
keine größere Änderung an dem Vertragsgebäude ohne Zustimmung der
fünf Großmächte vorgenommen werden durfte. So verfügte das Konzert
in Anwendung dieses europäischen "Landfriedens" in den dreißiger
Jahren des vorigen Jahrhunderts die Unabhängigkeit Belgiens, fand
1840 eine dauerhafte Regelung für die türkischen Meerengen, begründete 1878 die Unabhängigkeit Bulgariens und setzte noch im Jahre 1913
die Beilegung der Balkankriege erfolgreich durch.
Das Europäische Konzert repräsentierte eine beschränkte Gemeinschaft und ein anfälliges Rechtssystem, aber es hielt den Frieden
hundert Jahre lang aufrecht - eine höchst eindrucksvolle Leistung,
gemessen an den Maßstäben des 20. Jahrhunderts. Den Zusammenbruch
dieses Konzerts bewirkten sowohl zufällige Geschehnisse als auch
tiefeingewurzelte Kräfte, deren bei weitem wichtigste das Vordringen
des aggressiven Nationalismus war.
Die nationalen Einigungs- und Unabhängigkeitsbewegungen des 19«
Jahrhunderts bestärkten eine Zeitlang sogar den Trend zugunsten
einer größeren Gemeinschaft. Diese Bewegungen waren in ihren Anfängen
eng mit demokratischen und humanitären Ideen verknüpft. Aus den
Schriften Benthams und Mills, Guizots and Mazzinis geht hervor, daß
der Nationalismus des 19« Jahrhunderts liberal und hochherzig, friedfertig und optimistisch war. Die Einigung Deutschlands und Italiens
stellte sicherlich eine wichtige und segensreiche Ausweitung politischer Gemeinschaften in Europa dar.
Deutschland leistete einen einzigartigen Beitrag zur Entwicklung
des Gedankens der europäischen Einigung mit der Schaffung des Deutschen
Zollvereins im Jahre 1834» dem klassischen Beispiel einer Zollunion,
das auch als Vorform der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft von
heute anzusehen ist. Anfangs aus fünf unabhängigen deutschen Mitgliedstaaten bestehend, umfaßte der Zollverein bis 1871 alle Staaten, die
in jenem Jahr ihre Souveränitäten zu einem deutschen Bundesstaat verschmolzen. Durch den Zusammenschluß zahlreicher unabhängiger Staaten
und Fürstentümer zur größten Industriemacht Europas bewirkte der Zollverein vor hundert Jahren für Deutschland ein "Wirtschaftswunder", welches dem vergleichbar ist, das der Gemeinsame Markt gegenwärtig für den
Hauptteil des freien Europa vollbringt.
Die große europäische Anomalie im 19• Jahrhundert war das parallele Erstarken mächtiger Kräfte, die einerseits der Einheit und andererseits der Spaltung Vorschub leisteten Zum ewigen Schaden des Westens
und der Welt obsiegten die letzteren. Im ausgehenden 19« Jahrhundert
wurde das Band zwischen den nationalistischen und den liberalderaokratischen Ideen zertrennt, und der Nationalismus nahm zusehends chauvinistischere, militaristischere und aggressivere Züge an. Die Auswirkungen der überhandnehmenden nationalen Rivalitäten schwächten das
alte Europäische Konzert immer mehr, bis schließlich 1914 die entkräftete Gemeinschaft in einem Ausbruch des hemmungslosesten Nationalismus zerbarst.
n„_

2

�Das Jahr 1914 ist die Wendemarke der neueren Weltgeschichte.
Der Zusammenbruch einer unvollkommenen, aber nicht unzivilisierten
alten Ordnung wurde durch unvorhergesehene Zufälle und unkontrollierte Ereignisse beschleunigt. Wenn diese Ereignisse auch vielleicht
nicht unvermeidlich waren, wurden sie doch erst durch den Zerfall der
internationalen, auf gemeinsamen Wertvorstellungen beruhenden Gemeinschaft ermöglicht, die Europa ein Jahrhundert des Friedens geschenkt hatte. So kam es, daß Europa und die Welt in einen Strudel
von Konflikten gerieten, denen gegenüber die Staatsmänner, die sie
weder geplant noch gewünscht hatten, machtlos waren.
Es erübrigt sich, die tragischen Ereignisse der Ära der beiden
Weltkriege hier zu rekapitulieren, die die westliche Kultur beinahe
vernichtet hätten. Ihre historische Bedeutung hat jener französische
General sehr gut umrissen, der am 2. August 1914 die erste Nachricht
vom Ausbruch der Feindseligkeiten zwischen Frankreich und Deutschland
mit den Worten quittierte»"Die sind ja verrückt; das ist doch ein
Bürgerkrieg!"2)
Der "Bürgerkrieg" des Westens dauerte von 1914 bis 1945« Er forderte Zehnmillionen von Menschenleben, verursachte unermeßlichen materiellen und moralischen Schaden, zerstörte die weltweite Hegemonie
westlicher Ideen, Interessen und Institutionen und hinterließ dem
Westen eine Situation, in der ihn größere Gefahren und ein schrecklicherer Gegner als je zuvor bedrohen. Das waren die bitteren Früchte
des ungezügelten Nationalismus.
Unter den Mythen und Irrtümern, die die Menschen bisher ins
Verderben führten, hatte in unserer Zeit jene Vorstellung die verheerendste Breitenwirkung, daß die Nation so etwas wie ein übernatürliches Wesen mit eigenem Willen von besonderer Heiligkeit sei,
das einer höheren Ordnung als die Einzelmenschen angehöre, aus denen
sie besteht. Doch weit davon entfernt, der geistige Organismus der
nationalistischen Mythologie zu sein, ist der moderne Nationalstaat
das Produkt der historischen Evolution von Menschengruppen von ihren
Stammesursprüngen zu immer größeren Gesellschaftsformationen, und zwar
nicht vermöge mystischer historischer Kräfte, sondern in Beantwortung
recht praktischer wirtschaftlicher, militärischer und politischer Erfordernisse. Bis zum 20. Jahrhundert stellte sich die Nationwerdung
als Verbreiterung menschlicher Bindungen dar. In der modernen Welt
aber, in der die Völker infolge der wissenschaftlichen und technischen
Revolution in ein Verhältnis gegenseitiger Abhängigkeit getreten sind,
engt der Mythos vom souveränen Staat die Bande zwischen den Menschen
ein und beschränkt sie auf politische Gemeinschaften, die nicht mehr
imstande sind, Sicherheit und wirtschaftliches Wachstum in dem erforderlichen Maße zu gewährleisten. Die Idee von der absoluten nationalen
Souveränität ist somit zum Prinzip der internationalen Anarchie geworden. Wenn den echten Erfordernissen des Westens und der Welt Rechnung getragen werden soll, kann weder die Souveränität noch die nationale Selbstbestimmung absolut bleiben.
Der

�Der Mindestpreis des Überlebens in diesem Jahrhundert wird sein,
daß wir uns fortgesetzt anstrengen müssen, neue und tiefere Bande der
Zusammenarbeit zwischen den Nationen zu knüpfen, und darüber hinaus
beginnen, einen bestimmten Teil unseres Loyalitäts- und Verantwortungsgefühls vom souveränen Staat auf eine umfassendere Völkergemeinschaft zu übertragen. Im Hinblick auf dieses Ziel haben die Vereinten
Nationen einen sehr wichtigen Beitrag geleistet, einen wirklich bemerkenswerten Beitrag angesichts der schier unüberwindlichen Schwierigkeiten, denen sie sich seit ihrer Gründung im Jahre 1945 konfrontiert
sahen. Obwohl die Welt noch lange nicht reif für jene Art der erdumspannenden Gemeinschaft ist, die den Schöpfern der Charta der Vereinten Nationen vorschwebte, darf man rechtens hoffen, daß der anhaltende
Weltkonflikt der Ideologien und nationalen Interessen zu gegebener
Z*eit allmählich einem vernunftgemäßeren und zivi lisierteren System
der Weltbeziehungen unter der Ägide der Vereinten Nationen weichen
wird.
In den Jahren des "Bürgerkriegs" im Westen war die Macht der
Gegen-Idee der Völkergemeinschaft zwar gebrochen, aber keineswegs
völlig vernichtet. Der Völkerbund, an sich ein wertvoller und aufrichtiger Ansatz, war allerdings eine Fehlgeburt, ein Opfer der
dominierenden Irrlehren über den Nationalstaat und die nationale
Souveränität. Es gab noch mehr verpaßte Gelegenheiten, wie z.B.
die zeitweilig vielversprechende Aussöhnung zwischen Frankreich und
Deutschland Mitte der zwanziger Jahre. Es ist interessant und nicht
ohne Ironie, wenn man sich heute daran, erinnert, daß der deutsche
Außenminister Gustav Stresemann Ende der zwanziger Jahre den Vorschlag
des französischen Außenministers Aristide Briand zur Schaffung der
"Vereinigten Staaten von Europa" unterstützte.
"Nichts auf der Welt", schrieb Victor Hugo, "ist so mächtig wie
eine Idee, deren Zeit gekommen ist." Aus der Asche eines generationenlangen Konflikts innerhalb der westlichen Welt erwuchs den Völkern des
Westens ein einziger großer Vorteil: die Zeit für die Idee der Gemeinschaft des Westens ist angebrochen. So sind die flüchtigen Träume
Stresemanns und Briands heute schon fast greifbare Realität geworden.
In den Jahren seit dem zweiten Weltkrieg scheint der Westen - insbesondere die kontinentaleuropäischen Länder - den leidenschaftlichen
Hang zur Selbstvernichtung überwunden und endlich die Nutzlosigkeit
und Gefährlichkeit des extremen Nationalismus erkannt zu haben.
Die historische Paradoxie scheint schließlich ihrer Auflösung entgegenzugehen, rasch und unwiderruflich, um der Einheit der Völker
Platz zu machen, deren Freundschaftsbande aus gemeinsamen Hoffnungen
und Idealen und auch aus der Erkenntnis gemeinsamer Gefahren geschmiedet sind.

Satzungen lassen sich viel leichter
In überaus zweckmäßiger und vernünftiger
der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft
durch - eine Revolution neuen Stils, die

schaffen als Gemeinschaften.
Weise führen, die Mitglieder
eine erfolgreiche Revolution
mit der geschichtlichen

�geschichtlichen Entwicklung Schritt hält, aber nicht versucht, ihr
vorauszueilen. Der große Erfolg des Gemeinsamen Marktes und seine
Verheißungen für die Zukunft sind in seinem Arbeitsprinzip begründet,
daß neue Institutionen auf dem soliden Fundament der Gemeinschaftlichkeit und des Zusammenhalts errichtet werden müssen. "Genau wie die
Sprache der Grammatik vorausgeht", schreibt Walter Hallstein, "hat
die Politik Vorrang vor der politischen Theorie; und der Streit über
die beste Terminologie für das, was wir in der Europäischen Gemeinschaft
tun, scheint mir häufig genauso akademisch zu sein wie die Grammatiker
selbst."3)
Sinn und Bedeutung des Gemeinsamen Marktes, wie sie sich aus der
Sicht der Vereinigten Staaten darstellen, kommen in einer kürzlich
fertiggestellten Studie des Außenpolitischen Ausschusses des.Senats
zum Ausdruck, die mit den V/orten beginnt: "Die sechs Mitglieder der
Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft arbeiten an einem Vorhaben, welches Europa eine seit dem Zeitalter der Entdeckungen beispiellose
Stärke und Zielstrebigkeit verleiht. Seit dem 13« Jahrhundert hat
Europa keinen so bedeutenden Grad der Einigkeit erreicht. Heute ist
man dabei, Überlieferungen wie die deutsch-französische Rivalität zu
begraben; und Großbritannien kehrt einer in fünf Jahrhunderten bewährten Diplomatie den Rücken, um sich auf den Anschluß an Europa vorzubereiten. Eine neue Weltmacht ist im Entstehen begriffen".4/
Das sicherste Zeichen für den Erfolg eines Unternehmens sind Neid
und Mißvergnügen der Konkurrenten. Dieses Kompliment wurde dem Gemeinsamen Markt seitens der Sowjetunion in zweifacher, bedeutsamer Weise
gemacht; erstens hat sie den Gemeinsamen Markt als "Verschwörung" und
"Waffe des Monopolkapitals" geschmäht und mit anderen wohlbekannten
kommunistischen Schimpfworten bedacht; zweitens unternahm sie den Versuch, diese "Verschwörung" durch die Errichtung eines "Rates für Gegenseitige Wirtschaftshilfe" unter Einschluß der Sowjetsatelliten zu imitieren. Die sowjetische Furcht vor dem Gemeinsamen Markt hat in der Tat
überaus handfeste Gründe. Die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft bedeutet nämlich das endgültige Scheitern der seit rund fünfzehn Jahren
gehegten sowjetischen Hoffnungen auf eine Ausdehnung der kommunistischen
Herrschaft auf ein schwaches und geteiltes Europa. Die kommunistische
Revolution wurde in Westeuropa durch eine stärkere und bessere Revolution geschlagen - eine friedliche Revolution mit demokratischen Mitteln,
von freien Menschen zum Zwecke des gemeinsamen Fortschritts und der gemeinsamen Prosperität konzipiert und durchgeführt.
Der weitere Erfolg des Gemeinsamen Marktes und die Aussichten
auf eine Vollendung der Atlantischen Gemeinschaft hängen davon ab, ob
wir geschickt und weitblickend genug sind, unsere revolutionären Ziele
in der Weise zu verfolgen, daß wir weder den geschichtlichen Gegebenheiten vorauseilen, noch hinter ihnen herhinken. Wir müssen dabei anwenden, was man als die "Jean Monnet'sche Theorie des Wandels" bezeichnen könnte. Monnet erläutert sie mit seiner Metapher vom Gebirgspfad.
Von ganz unten hat man einen bestimmten Ausblick, auf halber Höhe einen
anderen, und vom Gipfel aus wieder einen völlig anderen. Ein Mensch,
der am Fuß des Berges steht, kann unmöglich die Übersicht desjenigen
haben, der auf dem Gipfel oder auf halber Höhe steht. Damit 'er seinen

�seinen Blickpunkt ändern kann, muß man ihn dazu bewegen, emporzusteigen, sei es auch noch so langsam. Sobald er sich in Bewegung setzt,
wird er einen anderen, vielleicht einen besseren Überblick gewinnen,
und schon das wird ihn anspornen, noch einen Schritt weiter zu gehen.
Das wichtigste jedoch ist, ihn zum ersten Schritt auf dem Weg nach
oben zu überreden.
Die "Honnef sehe Theorie" ist weder sehr kompliziert, noch ist
sie in einem abstrakten Sinn besonders logisch. Ihr Verdienst liegt
in der Tatsache, daß sie funktioniert - was die sechs Länder des
Gemeinsamen Marktes eindeutig bewiesen haben. Der Vertrag von Rom
und seine Durchführung sowie die Tätigkeit der ständigen EWG-Kommission
in Brüssel, des EWG-Ministerrats, des Europa-Parlaments und des EWGGerichtshofes stellen eine einmalige Leistung europäischer Staatskunst
dar, einen behutsamen, aber zielbewußten Aufstieg "bergan" zu einem
geeinten Europa. Mit Hilfe des Vertrages von Rom und insbesondere der
supranationalen wirtschaftlichen Befugnisse der EWG-Kommission und
der Beschlußfassung mit "qualifizierter Mehrheit" im EWG-Ministerrat
hat sich Europa des in Verruf geratenen Nationalismus der Vergangenheit
entledigt und einen schrittweisen, aber bestimmten Kurs in Richtung auf
die Einheit eingeschlagen. Der alten Ordnung, die so durch eine neue
und bessere Ordnung ersetzt wird, trauern die Völker Europas nicht nach,
Ein amerikanischer Schriftsteller drückte dies mit den Worten aus:
"Die Sechs geben Bestandteile ihrer eifersüchtig gehüteten Souveränität
fast ebenso klaglos preis, wie man einem Zeitungsjungen einen Groschen
gibt."5)

Verheißungsvoll für die gesamte freie Welt ist vor allem die praktische Anerkennung der Tatsache im freien Europa - auch wenn bisweilen
andere Meinungen laut werden -,daß die Grenzen der Freiheit weiter gezogen sind als die Grenzen Europas und daß die Einigung dieses Kontinents Teil der Entwicklung eines weltweiten Konzerts der freien Nationen
ist. Bei den Zollverhandlungen mit den Vereinigten Staaten und anderen
Ländern hat der Gemeinsame Markt seinen Wunsch bekundet, die Handelsschranken zwischen allen freien Ländern abzubauen. Dieser Wunsch wird
auch von den Vereinigten Staaten geteilt, die sich im"Gesetz über die
Ausweitung des Handels" von 1962 ein neues, machtvolles Instrument zu
s-einer Verwirklichung geschaffen haben. Es hat aber auf beiden Seiten
Ausnahmen - bedauerliche Ausnahmen - gegeben, hinsichtlich dieser Einstellung ,z ,B . in Gestalt der Zollerhöhung für Teppiche und Glaswaren
seitens der Vereinigten Staaten sowie der protektionistischen Maßnahmen,
die der Gemeinsame Markt kürzlich gegenüber amerikanischem Geflügel
getroffen hat, ein Schritt, der das ernste Zahlungsbilanzproblem der
Vereinigten Staaten verschärfen wird.
Alles in allem aber hat der Gemeinsame Markt sein generelles Festhalten an den Worten des Artikels 110 des Vertrages von Rom bewiesen,
der die Absicht der Mitgliedstaaten zum Ausdruck bringt, "in Einklang
mit den gemeinsamen Interessen zur harmonischen Entwicklung des Welthandels, der schrittweisen Beseitigung der Beschränkungen im internationalen Handelsverkehr und zum Abbau der Zollschranken beizutragen."
Meiner

�*

Meiner Überzeugung nach kann man andererseits darauf bauen, daß
die Vereinigten Staaten, die sich seit 1934 der Liberalisierung des
Welthandels verschrieben haben, die Verwirklichung der Bestimmungen
des neuen Handelsgesetzes tatkräftig in Angriff nehmen werden.
Wir können daher - vorausgesetzt, daß wir uns kurzsichtiger
protektionistischer Maßnahmen der angeführten Art enthalten - für
die nahe Zukunft eine bedeutende Ausweitung des Handels zwischen
Europa und Amerika erwarten, und das ist eine Aussicht, die für die
gesamte Welt wesentliche Auswirkungen sowohl politischer als auch
wirtschaftlicher Art haben dürfte. Der Außenpolitische Ausschuß
des Senats sagt dazu in seiner erwähnten Studie: "Auf dieser sich
verbreiternden Basis eines beiderseits vorteilhaften Handels sollte es den beiden großen Gemeinschaften an beiden Ufern des Atlantiks
möglich sein, eine Reihe von unteilbar gewordenen Aufgaben durchzuführen, um jene Hauptziele zu erreichen, die keine von beiden allein
erreichen kann'."°)
Blicken wir über die atlantische Handelspartnerschaft noch hinaus,
so steigt der "Gebirgspfad" weiter an, bis sich das großartige Panorama einer hochentwickelten politischen Atlantischen Partnerschaft bietet. Wie schon häufig zuvor, hat Jean Monnet auch in diesem Fall den
Weg dorthin ausgeleuchtet. Am 26. Juni 1962 veröffentlichte Monnets
Aktionsausschuß für die Vereinigten Staaten von Europa eine Erklärung,
in der die Aufnahme Großbritanniens in den Gemeinsamen Markt gefordert
und nachdrücklich betont wird, daß ein solcher Schritt als Auftakt
zum politischen Zusammenschluß Westeuropas angesehen werden müsse,
aus dem sich dann eine "Partnerschaft zwischen Gleichberechtigten im
Verein mit den Vereinigten Staaten" ergeben würde. Im Mai dieses Jahr
hielt Monnet in London eine Rede, in der er erklärte: "Das in Europa
neu entwickelte Verfahren ersetzt die Vorherrschaftsbestrebungen der
Nationalstaaten durch einen ständigen Prozeß der kollektiven Anpassung
an neue Gegebenheiten... Gleichermaßen werden Probleme auftauchen,
die Europa und die Vereinigten Staaten nur durch Mobilisierung ihrer
gemeinsamen Hilfsquellen lösen können,.. Wenn die Partnerschaft zwischen Amerika und einem vereinten Europa allen klarmacht, daß sich
der Westen von innen heraus verändern kann, während andere ihn durch
äußeren Druck nicht zu ändern vermögen, dann werden die Voraussetzungen
für eine dauerhafte Regelung zwischen der Sowjetunion und dem Westen
gegeben sein."
Die weitreichenden Konsequenzen einer europäisch-atlantischen
Einheit im Hinblick auf die Fortsetzung des Kampfes gecen den kommunistischen Imperialismus sind von den weisesten Staatsmännern der freien
Welt klar erkannt worden. Bundeskanzler Adenauer schrieb kürzlich:
"Wenn wir unsere Einheit und Stärke bewahren und Geduld üben, schaffen
wir damit die Grundlage für ernsthafte Verhandlungen mit der Sowjetunion, die von gegenseitiger Achtung vor den Lebensinteressen und der
Freiheit der Völker getragen sind. Dies ist eine Politik der Vernunft,
die einzige, die Freiheit und Frieden zu erhalten vermag."')
Die

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�Die historische Auseinandersetzung zwischen Freiheit und
Kommunismus wird sich nicht an den Grenzen entscheiden, wo beide
aufeinanderprallen, sondern durch Entwicklungen, die sich im Herzen
dieser beiden Lager selbst vollziehen. Das Herz der westlichen Zivilisation ist die Gemeinschaft der atlantischen Demokratien, und
unsere Zukunft hängt davon ab, was wir aus dieser Gemeinschaft machen. Insbesondere wird sie davon abhängen, ob wir zulassen, daß der
Westen erneut einem entzweienden, destruktiven Nationalismus verfällt, oder ob wir ihn so stark und einig machen, daß keiner es
wagen wird, uns anzugreifen, zugleich auch so blühend und fortschrittlich, daß er als Vorbild und Magnet für die gesamte Welt dienen
kann - für die emporstrebenden Völker Asiens, Afrikas und Lateinamerikas, für die unterjochten Völker jenseits der Elbe und vielleicht
letztlich sogar für die Russen selbst.
Es wäre eine Tragödie von unberechenbaren Ausmaßen, gingen die
großen Hoffnungen und Gelegenheiten, welche der Westen heute besitzt,
auf die einzige Art verloren, die denkbar ist: durch die Spaltung
des Westens in getrennte, miteinander konkurrierende Gemeinschaften.
Zögernd, doch unwiderruflich hat Amerika in der letzten Generation
seine traditionelle Selbstisolierung aufgegeben; denn es begriff, daß
selbst eine so große und mächtige Nation wie die Vereinigten Staaten
in diesem Zeitalter der Kernwaffen und der wissenschaftlichen Revolution in der Isolierung weder sicher ist noch gedeihen kann. Genau
so muß das freie Europa erkennen, und ich glaube, es hat auch erkannt,
daß selbst sein vereinigter und aufblühender Kontinent als Gemeinschaft zu klein ist, um der Gefahren und Möglichkeiten allein Herr
zu werden. Europa darf nicht noch einmal nach dem Muster der nationalen Einigungsbestrebungen des vorigen Jahrhunderts verfahren, die die
Grenzen der europäischen Gemeinschaft zwar zunächst erweiterten, später aber verriegelten, was dann in der Übersteigerung nationaler
Eifersüchteleien kulminierte, die das Europäische Konzert zerstörten.
Ein neuer "europäischer" Nationalismus oder ein erneuerter amerikanischer Isolationismus würden unserem Aufstieg zum "Gipfel" ein Ende
setzen und unsere schönsten Hoffnungen zunichte machen.
Man hört bisweilen, ein vereintes Europa könnte sich als "dritte
Kraft" betätigen, als Mittler zwischen den Vereinigten Staaten und
der Sowjetunion. Diese Vorstellung ist meiner Meinung nach unverantwortlicher Unsinn. Sie geht von der falschen Voraussetzung aus, der
weltweite Kampf zwischen Kommunismus und Freiheit sei im wesentlichen
ein sowjetisch-amerikanischer Konflikt, an dem andere Völker nach
Gutdünken teilnehmen können oder auch nicht, ganz wie es ihren Interessen und ihrem Vorteil entspricht. In Wahrheit gibt es keine
solche Wahl für irgendeine der atlantischen Nationen, es sei denn,
man akzeptiert den abwegigen Standpunkt, es sei möglich, zwischen
den eigenen Freunden und den eigenen Feinden neutral zu bleiben.
Indien zum Beispiel zahlt jetzt einen hohen Preis für seine frühere
illusionäre Neutralität zwischen jenen, die es bedrohen, und jenen,
die es nicht bedrohen. Der kommunistische Imperialismus ist eine
allgemeine Gefahr für die gesamte Atlantische Gemeinschaft und die
gesamte freie Welt, eine Gefahr, die uns allen in gleichem, unteilbarem Maße aufgebürdet ist. Weil es sich so verhält, ist "Neutralität"
für Europa genauso unmöglich wie die Rückkehr zum Isolationismus für
Amerika.
„
Es
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-

�Es gibt viele stichhaltige Gründe für die Einheit des Westens,
aber der zwingendste ist die Notwendigkeit, uns gegen den kommunistischen Imperialismus zu sichern. Wir müssen den Westen so stark
machen, daß logisch denkende Führer der Sowjetunion ständig mit einer
Situation konfrontiert werden, in welcher die marxistisch-leninistische
Weltherrschaftsvision als gefährlicher und unrealisierbarer Traum
erscheint. Gleichzeitig können wir den Sowjets klarmachen, daß sie
vom Westen nichts zu befürchten haben und daß ihnen eine sichere
und blühende nationale Existenz unter jedem politischen System
ihrer Wahl zugestanden wird, welches - mag der Westen es noch so
abscheulich finden - niemals als solches die Veranlassung oder
den Grund zu einem Konflikt böte. Deshalb ist es auch nicht die Absicht eines starken und vereinigten Westens, die Sowjets zu bedrohen,
sondern er will sie dazu bringen, ihre expansionistischen Ambitionen
aufzugeben und ihre Energien statt dessen auf die Entwicklung ihres
riesigen Landes und der ungeheuren Hilfsquellen zu richten, die ihnen
innerhalb ihrer eigenen Grenzen zur Verfügung stehen.
Die Atlantische Partnerschaft ist weder ein utopischer Traum
noch eine aus reinem Idealismus geborene Konzeption. Sie basiert
auf den harten Bedingungen der Nachkriegswelt. Sie ist ein Projekt,
das in den politischen, wirtschaftlichen und militärischen Interessen
Deutschlands, Amerikas und jeder anderen Nation des Westens feste
Wurzeln hat. Die Vereinigten Staaten brauchen die Beteiligung an
einer großen atlantischen Handelszone, um ihren Handel ausdehnen und
dadurch die harten Dollar verdienen zu können, die sie für die Finanzierung ihrer militärischen und zivilen Auslandsverpflichtungen benötigen. Wenn die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft zu einer abgeschlossenen, den Austausch einschränkenden Handelszone würde,
wären die Vereinigten Staaten unfähig, die Mittel für die Finanzierung
ihres Beitrags zur Verteidigung des freien Europas zu erwerben.
Angesichts unserer wachsenden Verpflichtungen in der westlichen
Hemisphäre und in Asien und unseres erheblichen alljährlichen Zahlungsbilanzdefizits bliebe uns schließlich keine andere Wahl mehr,
als unseren Beitrag zur Verteidigung Europas zu reduzieren. Somit
ist die Atlantische Partnerschaft weit mehr als ein nobler Traum;
sie ist eine Notwendigkeit allerersten Grades sowohl für Europa
als auch für Amerika.
Ob sich die Atlantische Partnerschaft im Laufe der Zeit zu
einer Atlantischen Union entwickeln wird, kann jetzt noch niemand
voraussagen. Es ist keineswegs unvorstellbar, aber diese Vision
liegt, um Jean Monnets Metapher zu gebrauchen, noch ein gutes Stück
weiter den "Gebirgspfad" hinauf, und für die voraussehbare Zukunft
müssen wir unsere Energien auf den Aufbau einer funktionsfähigen
Partnerschaft zwischen Europa und Amerika richten. Was dabei wahrscheinlich entstehen dürfte, beschreibt Walter Hallstein als "eine
enge Partnerschaft zwischen zwei Persönlichkeiten, der Europäischen
Gemeinschaft und den Vereinigten Staaten, und zwar nicht nur zum Wohle
der eigentlichen Partner, sondern ebenso zu dem der anderen Länder."8)
Die Verwirklichung unserer Partnerschaft ist fürwahr ein "großer
Plan", der aber nur durch abgemessene Schritte realisiert werden kann,
durch eine stufenweise, bisweilen kaum wahrnehmbare Progression auf

�auf vielen Gebieten. Grundlage unserer Fortschritte muß die allmähliche Erziehung unserer Völker zur Erkenntnis der Notwendigkeit
der Atlantischen Partnerschaft sein. In dieser Hinsicht sind unsere
Programme für den Akademikeraustausch heute wertvoller und notwendiger
als je zuvor. Aber wir müssen sowohl kleine als auch große Schritte
machen und sowohl für Symbole als auch für die Substanz sorgen. Weshalb können wir nicht beispielsweise ein einfaches, aber eindringliches
Symbol der Atlantischen Gemeinschaft in Form einer "atlantischen" Briefmarke Millionen unserer Bürger ins Blickfeld rücken? Zum Gemeinschaftsgefühl und Gemeinschaftsbewußtsein können wir auch noch auf mancherlei
andere Weise beitragen: durch Einführung einheitlicher Luftverkehrstarifej die sich nur nach den Entfernungen richten, ohne Rücksicht auf die
zu überquerenden Landesgrenzen,oder durch Vereinbarung ähnlich einheitlicher Fernsprech-, Fernschreib- und Telegrammgebühren, oder durch zahlreiche andere Schritte dieser Art, die vielleicht sachlich von geringer
Bedeutung, aber doch von großer Symbolkraft wären. Widmen wir uns doch
dem Mindestziel, wenigstens "einen Erfolg pro Jahr" zu erreichen und
auf diese Weise unsere Gemeinschaft - wie ein großer Gelehrter es ausgedrückt hat - durch den "Volksentscheid des täglichen Lebens"5j aufzubauen .
Seit siebzehn Jahren ist ein vereinigtes Europa innerhalb einer
Atlantischen Partnerschaft eines der Grundziele der amerikanischen
Außenpolitik. Die Ansicht der Vereinigten Staaten hat Präsident
Kennedy am vergangenen 4« Juli in seiner Forderung nach einer atlantischen "Deklaration der Interdependenz" gut zum Ausdruck gebracht. Er
erklärte u.a.: "Wir glauben, daß ein geeintes Europa imstande sein wird,
eine größere Rolle in der gemeinsamen Verteidigung zu übernehmen, den
Bedürfnissen der ärmeren Völker großzügiger zu entsprechen und gemeinsam mit den Vereinigten Staaten und anderen Ländern die Handelsschranken
abzubauen, die Währungs- und Rohstoffprobleme zu lösen und auf allen
übrigen wirtschaftlichen, diplomatischen und politischen Gebieten eine
koordinierte Politik zu entwickeln. Wir sehen in einem solchen Europa
einen Partner, mit dem wir bei all den großen und mühevollen Aufgaben
des Aufbaus und der Verteidigung einer Gemeinschaft freier Nationen
auf der Basis völliger Gleichberechtigung verhandeln können."

Während der Westen in den Jahren nach dem zweiten V/eltkrieg den
übersteigerten Nationalismus zugunsten des Ziels einer größeren Gemeinschaft verwarf, hat sich die nationalistische Idee über die erwachenden
Völker Afrikas, Asiens und Lateinamerikas ausgebreitet. Ob dieser neue
Nationalismus in den ehemaligen Kolonialgebieten der Welt an demokratische und humanitäre Ziele gebunden bleiben oder schließlich in
Chauvinismus und Militarismus ausarten wird, ist ein noch ungelöstes
Problem. Die Lösung dieser Frage ist von größtmöglicher Bedeutung für
den Westen, weil es beim Aufbau der eigenen Gemeinschaft unser Ziel ist,
nicht weniger als das Kernstück eines weltumspannenden Konzerts der
freien Völker zu schaffen. Wir können viel tun, um den Kurs der neuen

-

10

-

�neuen Staaten zu beeinflussen, um ihnen die heilsamen Lehren aus
den vom Westen durchlittenen Katastrophen zu vermitteln und ihren
eigenen Nationalismus auf konstruktive Ziele und auf die Zusammenarbeit hinzulenken. Vor allem müssen wir ihnen geduldig ,vorausschauend
und großzügig helfen, die Leiden der Armut zu überwinden und ihren
Völkern ein gewisses Maß jener menschlichen Befriedigungen und Möglich'
keiten zu bieten, welche die Grundlage freier und stabiler Gesellschaften bilden.
Das große Beispiel der Blüte und des schnellen wirtschaftlichen
Wachstums im freien Europa zeigt den armen Völkern eine überaus anziehende Alternative zu den harten und brutalen Methoden der kommunistischen Wirtschaftsentwicklung. Wenn die atlantischen Nationen
bereit sind, die Bürde einer großzügigen, gemeinsam durchgeführten
und langfristigen Unterstützung der Entwicklungsländer auf sich zu
nehmen, können wir einen mächtigen und vielleicht entscheidenden
Beitrag zur Schaffung eines aller Mühen werten Konzerts der freien
Nationen leisten. Ich glaube, man kann ruhig sagen, daß die Vereinigten Staaten, die seit dem Ende des zweiten Weltkriegs hundert
Milliarden Dollar in die Auslandshilfe investierten, bereits ihren
Anteil dieser Bürde auf sich genommen haben. Ich glaube nicht, daß
alle prosperierenden Länder des freien Europa schon die ihren Möglichkeiten entsprechenden Hilfsverpflichtungen eingegangen sind.
Deshalb halte ich es nicht für unangebracht, darauf hinzuweisen,
daß die Vereinigten Staaten zwar imstande und willens sind, ihren
gerechten Anteil an der Bürde der Hilfeleistung für die armen Nationen und an der noch schwereren Last der Sicherung der freien
Welt zu tragen, aber keinen unangemessen großen Anteil akzeptieren
können, wenn sich andere Nationen, für die genauso viel auf dem
Spiel steht, gegen die Übernahme von Verpflichtungen sträuben, die
ihrer Kraft entsprechen.
Es ist oft gesagt worden, aber man kann es getrost wiederholen,
daß die Völker Asiens, Afrikas und Lateinamerikas mitten in einer
großen historischen Revolution stehen. Die Quintessenz dieser Revolution ist die Forderung nach materieller und moralischer Menschenwürde und nach annähernder Gleichstellung mit der privilegierten
Gemeinschaft des Westens. Die Aufgabe, die daraus den atlantischen
Nationen - allen atlantischen Nationen - erwächst, findet ihren
Ausdruck in den Worten, die Alexis de Tocqueville bereits vor
über hundert Jahren niedergeschrieben hat: "Die Nationen unserer
Zeit können nicht verhindern, daß sich die Lebensbedingungen der
Menschen einander angleichen; aber es hängt von ihnen selbst ab, ob
das Prinzip der Gleichheit sie in die Knechtschaft oder in die Freiheit,zum Wissen oder in die Barbarei, zum Wohlstand oder in das
Elend führt." 10)
Mag sein, daß wir beim weiteren Aufstieg auf dem "Gebirgspfad"
zur Atlantischen Partnerschaft in unserem gemeinsamen Interesse
an den armen Staaten der Welt eine angemessene "Funktion" finden,
die in einer echten Zusammenfassung nationaler Anstrengungen, in
der Abtretung gewisser Befugnisse an eine atlantische Institution
ihren Ausdruck findet. Selbst eine "stille Revolution" geht nicht

�nicht ohne Bruch mit der Vergangenheit ab, und es besteht zumindest
die Möglichkeit, daß sich bei der Errichtung der Atlantischen Gemeinschaft die Entwicklungshilfe als Anlaß zu solcher Abkehr erweisen
mag.
Die Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) und ihr Ausschuß für Entwicklungshilfe (DAC) bieten
bereits einen institutionellen Rahmen für die Wirtschaftspartnerschaft zwischen Europa, Japan und Nordamerika. Was wir jetzt brauchen, ist nicht ein zusätzlicher großer internationaler Apparat;
wichtiger ist vielmehr, daß wir den vorhandenen Apparat zu vollster
Leistungsfähigkeit entwickeln. Zum Zwecke der Vereinheitlichung und
Erweiterung unserer gemeinsamen Hilfsverpflichtungen gegenüber den
Entwicklungsländern können und sollten wir größtmöglichen Gebrauch
von dem OECD-Entwicklungshilfeausschuß machen, dem elf freie Staaten
angehören, die imstande sind, bedeutende Beiträge zur Entwicklungshilfe zu leisten, und wir können auch schon über die Möglichkeit
nachdenken, diesen Ausschuß künftig irgendwann einmal zu einem mit
begrenzten, aber klar spezifizierten Vollmachten ausgestatteten
atlantischen Organ auszubauen. In der unmittelbaren Zukunft müssen
wir den Ausschuß für Entwicklungshilfe in verstärktem Maße zur Koordinierung der einzelstaatlichen Beiträge einsetzen. Seine Leistung
ist in dieser Hinsicht hinter den bei seiner Gründung gehegten Erwartungen zurückgeblieben, und zwar nicht zuletzt deshalb, weil
seine Mitglieder verschiedener Meinung über die Aufgaben der Entwicklungshilfe sind. Der grundlegende Unterschied liegt darin wie sich im Entwicklungshilfeausschuß gezeigt hat -, daß einige
westliche Staaten die Entwicklungshilfe als handelspolitisches Instrument zu betrachten scheinen, während nur einige wenige darin
ein Hauptwerkzeug für die Verwirklichung der großen außenpolitischen
Zielsetzung erkennen.
Die »Verpflichtung zur Hilfeleistung an die aufstrebenden
Staaten in Asien, Afrika und Lateinamerika entspringt der grundlegenden Gemeinsamkeit der Ziele, die zwischen den nordatlantischen
Demokratien und Japan einerseits und diesen minderentwickelten Ländern andererseits besteht. Unsere Sicherheit hängt in hohem Maße
davon ab, daß sie sich zu starken, unabhängigen, freien Staaten entwickeln. Die Nationen des Westens, die ihre eigenen Imperien praktisch
liquidiert haben, können und müssen den jungen Staaten durch weitsichtige und wohldurchdachte Hilfeprogramme gegenüber dem neuen
kommunistischen Imperialismus den Rücken stärken. Im Zusammenhang
damit laden wir die jungen Staaten ein, sich aus freien Stücken gemeinsam mit den älteren Demokratien des Westens zu einem Konzert
der freien Nationen zu verbinden, ein Bündnis, das auf voller Achtung
ihrer staatlichen Souveränität beruht.
Ebenso wichtig wie die Höhe der westlichen Anleihen an die Entwicklungsländer sind die Konditionen, zu denen sie gewährt werden.
Wenn sie ihren Zweck, nämlich das wirtschaftliche Wachstum herbeizuführen, erfüllen sollen, müssen diese Anleihen mit langfristigen
Rückzahlungsterminen ausgestattet und zu erheblich niedrigeren als
den sonst üblichen Zinssätzen erhältlich sein. Sowohl in dieser Hinsicht als auch im Hinblick auf den Gesamtkomplex der Auslandshilfe
muß meines Erachtens darauf hingewiesen werden, daß die Vereinigten

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12

-

�Vereinigten Staaten bedeutend größere Anstrengungen unternommen
haben als eine Reihe anderer westlicher Staaten.
Wie die britische Wirtschaftspublizistin Barbara Ward Jackson hervorhebt, sind in bezug auf die Entwicklungshilfe, die die
reichen Staaten den armen gewähren, zwei Dinge klar: "Die übrige
Welt", schreibt Frau Jackson, "hat nichts geleistet, was dem Beitrag Amerikas oder ihrem eigenen, nach Erhalt der Marshallplanhilfe
erreichten Wohlstand angemessen wäre. Gewiß haben einige wenige ungefähr ein Prozent ihres Sozialprodukts zur Verfügung gestellt was man sicherlich nicht als übermäßigen Beitrag zur Weltentwicklung
bezeichnen kann. Der zweite Punkt ist, daß die Hilfeprogramme nicht
Teil einer allgemeinen Entwicklungsstrategie sind, die darauf abzielt, den armen Staaten den Start in kürzester Frist zu ermöglichen.
Die Bewilligung der Mittel wurde von Jahr zu Jahr ziemlich zusammenhanglos vorgenommen. Die Handelspolitik der Geberländer wirkte womöglich sogar in entgegengesetzter Richtung. Wir werden somit neue
Herausforderungen zu meistern, eine neue Strategie zu erarbeiten
und neue Entscheidungen zu treffen haben." 11)
Die Formulierung einer straff koordinierten, weit vorausschauenden atlantischen Strategie der Entwicklungshilfe ist eine dringende
Notwendigkeit. Nicht nur ist der allgemeine Zufluß und Charakter
der Hilfeleistungen unzulänglich, sondern außerdem ist das Mißverhältnis der einzelstaatlichen Beiträge auf dem Gebiet der Auslandshilfe und auf anderen Gebieten ein wichtiger Faktor im Hinblick
auf die unausgeglichene amerikanische Zahlungsbilanz, der somit eine
Kürzung der amerikanischen Hilfeprogramme erforderlich machen könnte.
Das wäre jedoch ein großes Unglück für den gesamten Westen, weil wie Frau Jackson feststellt - "Hilfe nicht unbedingt den Fortschritt
gewährleisten kann. Aber es gibt kein 'kann1 und 'könnte' in der
Beziehung, daß unreformierte Volkswirtschaften, die keine Hilfe erhalten, unaufhaltsam der Anarchie und dem Zusammenbruch entgegentreiben. Die Entwicklungshilfe bleibt daher im buchstäblichen Sinne
ein wesentliches Instrument der westlichen Sicherheit." 1 J
Im letzten Jahrzehnt wuchs das Sozialprodukt der Atlantikländer
alljährlich um mindestens drei Prozent. Unsere erklärte Absicht ist
es, diesem Wachstum im nächsten Jahrzehnt noch weitere 500 Milliarden
Dollar hinzuzufügen. Die ärmeren Länder sind demgegenüber kaum imstande, ihr gegenwärtiges Niveau zu halten, und in verschiedenen
Fällen waren sogar starke Rückschläge zu verzeichnen. Angesichts
dieses Gegensatzes kann sich keine der prosperierenden westlichen
Nationen auf angebliches Unvermögen berufen.
Was politisch bei der Entwicklungshilfe der Atlantikstaaten
an die ärmeren Staaten auf dem Spiel steht, ist nichts Geringeres
als die Entscheidung, ob die atlantische Welt eines Tages eine
isolierte Bastion der Freiheit und Prosperität oder aber die tragende Kraft eines weltumfassenden Konzerts der freien Nationen
sein wird. Wenn wir letzteres erreichen wollen, müssen wir unsere
Hilfeleistungen einschließlich ihrer Höhe und Dauer, der Prioritäten

�Prioritäten und Methoden sorgfältig untereinander abstimmen.
Wie ich angedeutet habe, könnte sich im Laufe der Zeit herausstellen,
daß dazu mehr als Zusammenarbeit erforderlich ist. Und weil bei internationalen Verhandlungen oft nur Vereinbarungen zu gemeinsamem
Vorgehen auf der Basis des kleinsten Generalnenners zustande kommen,
kann es sein, daß wir auf unsere Hilfsprogramme schließlich ähnliche
politische Verfahren anwenden müssen, wie sie sich in der Europäischen
Wirtschaftsgemeinschaft als so wirksam erwiesen» haben. Lord Franks
drückte dies mit den Worten aus: "Ein neuer Weg muß gefunden werden,
eine neue Organisation, Institution oder Kommission, die genügend
Ansehen, Unabhängigkeit und Initiative besitzt, um gemeinsame Lösungen
zu formulieren und sie den Regierungen der einzelnen Mitgliedstaaten
der Gruppe vorzulegen, auf daß diese nicht nur untereinander dazu
Stellung nehmen, sondern sich auch gleichzeitig damit auseinandersetzen
müssen, ob die vorgeschlagene Lösung der Partnerschaft in ihrer Gesamtheit wirklich zum Besten gereicht," 13)
Ich selbst glaube, daß der "neue Weg", den Lord Franks fordert,
durch Stärkung der OECD erschlossen werden kann. Was wir uns vor allem
überlegen sollten, ist die Umwandlung des OECD-Entwicklungsausschusses
zum gegebenen Zeitpunkt aus einem koordinierenden zu einem Planungsund Führungsorgan. Es wäre denkbar, daß der Ausschuß die Vollmacht erhält, seine Entscheidungen nach dem System der "Beschlußfassung mit
qualifizierter Mehrheit" zu treffen, wie es im EWG-Ministerrat geschieht.
Mit diesem System könnte er auch die Befugnis erhalten, Umfang und
Konditionen der Entwicklungshilfe sowie die Höhe der angemessenen Beiträge der einzelnen Atlantikländer festzusetzen. Aus einleuchtenden
konstitutionellen Gründen könnten solche Beschlüsse natürlich nicht zu
einer bindenden "Auflage" gemacht werden, gewiß nicht für die Vereinigten Staaten. Man dürfte jedoch erwarten, daß die Beschlüsse des Ausschusses die gleiche moralische Verbindlichkeit besitzen, die für
das System der einzelstaatlichen Beitragsleistungen an die Vereinten
Nationen gilt.
Wenn ich nun für erneute große Anstrengungen des Westens auf dem
Gebiet der Entwicklungshilfe plädiere, möchte ich dabei unterstreichen,
daß unsere Hilfeleistung - weit davon entfernt, "unpolitisch" zu sein
oder in Natur und Absicht im wesentlichen wirtschaftliche Zwecke zu
verfolgen - tiefgreifende politische Auswirkungen hat. Die Auslandshilfe ist eines von mehreren Instrumenten, die der freie Westen zur
Verstärkung der eigenen Sicherheit gegenüber der kommunistischen Aggression einsetzen kann. Das Ziel eines wohldurchdachten westlichen Hilfsprogramms ist nicht, die Hilfe von den politischen Zielen zu trennen,
sondern sie von jedem Ballast unausgegorener, kurzsichtiger, trivialer
und oberflächlicher Zielsetzungen zu befreien, indem wir sie aufs engste
mit unseren lebenswichtigen langfristigen politischen Zielen verbinden.

�Es liegt durchaus in der Macht der atlantischen Demokratien,
die Welt einer neuen Ära der Hoffnung und des Fortschritts entgegenzuführen. Diese Hoffnung entspringt der Geburt einer Idee der Idee vom Konzert der freien Nationen. Wir haben mit ihrer Verwirklichung bereits begonnen, doch liegt noch ein weiter Weg vor
uns. Wenn wir indessen unserem Ziel treu bleiben und alle unsere
Maßnahmen - in unserer Handelspolitik und unseren Hilfsprogrammen,
in unseren diplomatischen wie in unseren militärischen Dispositionen auf die Verwirklichung dieses einen Zieles ausrichten, wird die Zukunft der Freiheit im Westen und überall in der Welt gesichert sein,
während der Kommunismus mit der Zeit der Vergessenheit anheimfallen
wird, dem Los aller Lehren, die den ursprünglichsten Instinkten und
Hoffnungen der Menschheit zuwiderlaufen.
Anmerkungen
1) Alexis de Tocqueville, "Democracy in America", zitiert nach der Übersetzung aus dem Französischen von Henry Reever (Oxford University
Press 1947), S. 285.
2) General Lyautey; zitiert nach Maurice Schumann, "France and Germany
in the New Europe", in*. "Foreign Affairs", Oktober 1962, S. 66.
3) Walter Hallstein, "United Europe" (Harvard University Press 1962),
s. 29.
4) "Problems and Trends in Atlantic Partnership", Teil 1(1962, Senatsdrucksache No, 132), S. 1.
5) John Brooks, "The Common Market", Teil I, in: "The New Yorker",
22. September 1962, S. 78.
6) "Problems and Trends in Atlantic Partnership", Teil I. (a.a.O.), S.30.
7) Konrad Adenauer, "The German Problem", in: "Foreign Affairs",
Oktober 1962, S. 63.
8) Walter Hallstein, "United Europe", a.a.0.,S.88.
9) Professor Karl Deutsch, Yale University.
10) Tocqueville, "Democracy in America", a.a.O., S. 599»
11) Barbara Ward, "The Rieh Nations and the Poor Nations, 1962, S. 135 f«
12) Barbara Ward Jackson, "Foreign Aid: Strategy or Stopgap?", in:
"Foreign Affairs", Oktober 1962, S. 104.
13) Lord Franks, "Cooperation is Not Enough", in:
"Foreign Affairs", Oktober 1962, S. 33.

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                <text>Ansprache des Stellvertretenden Außenministers der Vereinigten Staaten von Amerika&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Staatssekretär George W. Ball vor der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik am Montag, dem 2. April 1962 in der Beethovenhalle zu Bonn&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>INTERNATIONALE ARBEITSMITTEILTJNGEN
Inhaltsverzeichnis
1962

Das Anciennitätsprinzip und seine
praktischen Auswirkungen
Die Automation in den Vereinigten Staaten
Automation - ein Bruch mit der Vergangenheit
Präsident Kennedy vor dem amerikanischen
Gewerkschaftsverband

Die Möglichkeiten einer Arbeitszeitverkürzung
in den USA
Ein Viertel des Einkommens geht für die Steuer
drauf
Steigende Aufwendungen für Urlaub und Freizeit
in den USA
Anstieg der Arbeitsproduktivität im Kohlebergbau
um 85 Prozent seit 1949
Gewerkschaftliche Kurznachrichten
*

.

Gewerkschaftliche Probleme in den Entwicklungsländern
Nachlese zum "APL.-CIO"-Kongreß
Es geht wieder um neue Tarife in der Stahlindustrie
Präsident Kennedy legte Kongreß Sozialbotschaft vor
Bericht über die Auswirkungen der Automatisierung
veröffentlicht

-

1

�Nr. 4
Die Lohnbewegungen 1961/62 in der US-Wirtschaft
Sicherung der Arbeitsplätze und Einkommen wichtiger
als höhere Löhne
Zahl der Gewerkschaftsmitglieder geringfügig angestiegen
Gewerkschaftliche Kurznachrichten
*

Nr. 5
Beschäftigung und Arbeitslosigkeit in den
Vereinigten Staaten
Die "dritte Kraft" am Verhandlungstisch
Neue Arbeitsplätze durch industrielle und
technische Fachausbildung
Betriebliche Schulung - ein wichtiger Zug
des amerikanischen Erziehungswesens
Gewerkschaftliche Kurznachrichten
*

Nr. 6
Die neuen Möglichkeiten der Automatisierung
in der Industrie
435-Millionen-Dollar-Programm für die Umschulung
von Arbeitslosen
Kennedy erläuterte Gewerkschaften seine
Wirtschaftspolitik
Die Bedeutung des neuen Tarifvertrages der
Stahlindustrie
*

Nr. 7
Die Auswirkungen der Automation auf den
ArbeitnehmerStatus
Feststellung der Beschäftigt*»- und Arbeitslosenzahl
in den USA
Die Gewerkschaften und die Angestellten
Gewerkschaftliche Kurznachrichten
«

- 2

�Hr. 8/9
Frauenarbeit und Haushalteinkommen (i)
Anwendungstechniker als Wegbereiter der
Vollautomatisierung
Die "Stadt-in-der-Stadt"
Vorbereitungskurse für angehende Pensionäre
Gewerkschaftliche Kurznachrichten
*

Hr. 10
Frauenarbeit und Haushalteinkommen ( i l )
Fast 70 Millionen B e s c h ä f t i g t e i n den USA
AFL-CIO f o r d e r t 35-Stunden-Woche
Gewerkschaftliche Kurznachrichten
»
Hr. 11

t
Urlaubsregelungen in den USA
Leistungen der Pensionspläne wurden verbessert
(und vier weitere Kurznachrichten)

Hr. 12

Das System der Lehrlingsausbildung in den USA
Nachwuchsförderung für das Zeitalter der Automation
Facharbeiterschulung in den Entwicklungsländern
ein gemeinsames Problem
Gewerkschaftliche Kurznachrichten

«

-

3 -

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
USIS-Bonn/Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XV - 1

Bad Godesberg, den 1. Januar

1962

INHALTSVERZEICHNIS

Das Anciennitätsprinzip und seine
praktischen Auswirkungen

Seite

1

Die Automation in den Vereinigten Staaten
Automation - ein Bruch mit der Vergangenheit

Seite

7

Präsident Kennedy vor dem amerikanischen
Gewerkschaftsverband

Seite

12

Das Anciennitätsprinzip und seine praktischen Auswirkungen
Aus "The American Federationist",
dem offiziellen Organ des Gewerkschaftsverbandes AFL-CIO.

Das Anciennitätsprinzip hat in der Nachkriegszeit in den Vereinigten Staaten zunehmende Bedeutung gewonnen. Die Dauer der Betriebszugehörigkeit eines Angestellten oder Arbeiters entscheidet
heute in vielen Fällen darüber, welche Rechte ihm im Verhältnis zu
anderen Mitarbeitern zustehen, und vielfach auch über die Höhe der
zusätzlichen betrieblichen Nebenleistungen.
Vor Jahren noch war die Frage umstritten, ob die Firmenleitung
bei notwendig werdenden Veränderungen im Betrieb den Belegschaftsangehörigen mit längerer Dienstzeit den Vorzug vor Mitarbeitern mit
größeren "Verdiensten" geben solle. Langsam aber sicher hat sich
unter dem.ständigen Druck der Gewerkschaften die Erkenntnis durchgesetzt, daß eine anständige Bezahlung den Unternehmer noch längst
nicht von allen Verpflichtungen gegenüber seinen Mitarbeitern entbindet und daß gewissen Rechten des arbeitenden Menschen, insbesondere
dem auf Arbeit, mit zunehmender Beschäftigungsdauer größerer Schutz
gebührt.
,

a
-

1

-

�Je länger ein Arbeitnehmer für ein Unternehmen arbeitet, um
so ;mehr "investiert" er von seinem Leben in diese Beschäftigung.
Sein Domizil, seine Freundschaften, seine Lebensgewohnheiten,
sein Benehmen und sein gesamtes psychisches und physisches Wohlbefinden sowie noch viele andere Aspekte seines Lebens werden von
seiner Tätigkeit am Arbeitsplatz beeinflußt.
Die Rechte der Arbeitnehmer, di« ihm aus dieser "Investition" erwachsen, schließen billigerweise die Sicherheit am Arbeitsplatz, Aufstiegschancen und das Anrecht auf zusätzliche Sozialleistungen ein, die sich mit der Dauer der Betriebszugehörigkeit
erhöhen. Dies sind keine absoluten Rechte; sie setzen die Fähigkeit voraus, die geforderte Arbeit zu bewältigen, und hängen auch
von der Verfügbarkeit von Arbeit ab; sie unterliegen aber nicht
der Willkür oder der Laune des Arbeitgebers.
Der Druck der Gewerkschaften und die allgemein günstigen Erfahrungen mit dem Anciennitätsprinzip sind die wichtigsten Triebfedern für seine steigende Anerkennung. Die Vorteile, die seine
Anwendung bietet, haben dazu geführt, daß man es auch in Betrieben befolgt, deren Belegschaft nicht gewerkschaftlich organisiert
ist. Es ist aber das ausschließliche Verdienst der Gewerkschaften,
daß der Begriff der Anciennität klar definiert und zu einem gewissen Rechtsanspruch erweitert wurde.
Man sollte nicht übersehen, daß es keine allgemeinverbindlichen
gewerkschaftlichen Richtlinien bezüglich der Durchsetzung des
Prinzips der Anciennität gibt, obwohl natürlich fast alle Gewerkschaften auf seine Anerkennung drängen. Es gibt durchaus Fälle,
in denen die Gewerkschaften und ihre Mitglieder es als fairer und
praktischer erachten, nach anderen Gesichtspunkten zu verfahren. So
würde es beispielsweise der Gewerkschaft der Filmschaffenden niemals
einfallen, bei der Besetzung von Filmrollen auf der Anciennität
zu beharren.
Einer der wichtigsten Vorzüge des Anciennitätsprinzips besteht
darin, daß es den älteren Arbeitskräften einen relativ sicheren
Kündigungsschutz bietet. Seine Befolgung schafft die Gewähr, daß
langjährige und noch voll einsatzfähige Arbeitskräfte nicht einfach
beiseitegeschoben oder übergangen werden, nur um Platz für jüngere
Leute zu gewinnen. Eine solche Garantie gehört ohnehin mit zu den
selbstverständlichen Zielen der Gewerkschaften, die sich einmal
der Tatsache bewußt sind, daß die älteren Arbeitnehmer im Falle
einer Entlassung größere Schwierigkeiten haben, einen neuen Arbeitsplatz zu finden, und zum anderen schon immer aus Gründen der
Fairness den Grundsatz vertreten, daß die Arbeiter und Angestellten,
die am längsten in einem Betrieb tätig sind, auch einen besseren
Kündigungsschutz verdienen und Anspruch auf erhöhte Sozialleistungen
haben . .
Das Eintreten der Gewerkschaften für das Anciennitätsprinzip
gründet sich des weiteren auf ihr Streben, Mißbräuche zu verhindern oder auf ein Mindestmaß zu beschränken, die bei Anwendung
anderer Auswahlmethoden im Falle notwendiger Entlassungen, bei der

-

2 _

�der Gewährung von betrieblichen Leistungen oder bei Beförderungen
nicht ausgeschlossen sind. Allein das Anciennitätsprinzip gibt
einen festen Maßstab ab und ist völlig objektiv zu handhaben.
Eine Untersuchung des US-Arbeitsministeriums aus den Jahren
1954/55 zeigt, daß die Anciennität bereits damals in fast 70 Prozent
aller Tarifverträge als das entscheidende Kriterium bei notwendig
werdenden Entlassungen akzeptiert wurde, wenn auch vielfach mit .der
Einschränkung, daß der dienstältere Mitarbeiter fähig sein muß, die
an dem umstrittenen Arbeitsplatz anfallenden Arbeiten auszuführen.
Der Grad der Sicherheit, den die Anciennität bietet, hängt weitgehend davon ab, in welcher Form die Rechte aus ihr geltend gemacht
werden können. Soll sie nur innerhalb einer Beschäftigungssparte,
einer Betriebsabteilung, eines Werks oder innerhalb der gesamten
Firma gelten? Kann ein Belegschaftsangehöriger unter Berufung auf
seine Anciennitätsrechte einen jüngeren Mitarbeiter von einem anderen
Arbeitsplatz auch innerhalb eines solchen größeren Rahmens verdrängen?
Dieser Rahmen, innerhalb dessen Anciennitätsrechte geltend gemacht werden können, ist je nach Firma und Wirtschaftszweig verschieden weit gespannt und hängt von dem Grad der Austauschbarkeit der
Arbeitskräfte und auch davon ab, inwieweit die fraglichen Arbeitskräfte in der Lage sind, die an einem anderen Arbeitsplatz geforderten Leistungen zu erbringen. Die Gewerkschaften drängen darauf, diesen
Rahmen möglichst weit zu stecken, um zu verhindern, daß ein langjähriger Mitarbeiter in einer Abteilung im Falle eines verringerten Arbeitsanfalls entlassen wird, während ein jüngeres Belegschaftsmitglied in
einer anderen Abteilung auf einem Arbeitsplatz beiaasen wird, den der
ältere Kollege übernehmen könnte.
Die Unternehmer wollen ^ihrerseits das Recht älterer Mitarbeiter
auf den Arbeitsplatz eines jüngeren Arbeitnehmers so weit wie möglich
einengen, um "übermäßige" innerbetriebliche Umstellungen mit den damit
verbundenen Schwierigkeiten und dem damit verbundenen Absinken der
Leistung zu vermeiden. Die Gewerkschaften halten dem entgegen, daß
die mit dem Verdrängen jüngerer Mitarbeiter verbundenen Schwierigkeiten ein angemessener Preis dafür sind, daß die älteren Mitarbeiter
und deren Erfahrungen dem Betrieb erhalten bleiben.
In vielen Firmen gibt die Anciennität heute auch bei Beförderungen und Versetzungen den Ausschlag. Das bedeutet natürlich nicht, daß
ein Mitarbeiter nur auf Grund seiner langjährigen Betriebszugehörigkeit aufrückt, wenn er nicht die erforderlichen Qualifikationen für
die fragliche Position mitbringt. Die vernünftige Auslegung des
Anciennitätsprinzips besagt vielmehr, daß man ihm eine Chance an
diesem Arbeitsplatz gibt und ihn, falls er diesen nach einer angemessenen Einarbeitungsperiode voll ausfüllen kann, dort beläßt.
Es gibt noch einige weitere Bereiche, in denen die Rechte eines
Arbeitnehmers von der Dauer der Betriebszugehörigkeit bestimmt werden:
Zu diesen zählen die Berücksichtigung seiner Wünsche bei der Einteilung des Urlaubs, der Arbeitszeit bei Schichtbetrieb und bei Überstunden sowie bei der Wahl des Arbeitsplatzes innerhalb der Abteilung

-

3 -

�Abteilung und der Zuteilung von Parkplatz, von Spinden usw.
Auch im Bereich der betrieblichen Sozial- und Nebenleistungen
spielt die Betriebszugehörigkeitsdauer eine wichtige Rolle. Urlaubsdauer und Rentenhöhe sind typische Beispiele hierfür: Die Urlaubsdauer hängt in den meisten Betrieben vom Dienstalter ab, ebenso wie
das Anrecht auf Alters- und Invaliditätsrente und deren Höhe. Neben
Lohn- und Gehaltserhöhungen werden auch verschiedene Sozialleistungen
nach Dienstalter gewährt, darunter Krankenurlaub, Entlassungsgeld
und verschiedene Sonderzuwendungen.
Auf seiten des Managements werden erhebliche Einwendungen dagegen erhoben, die Anciennität zu einem Kriterium für Beförderungen
zu machen. Die Gewerkschaften sind aber auch hier der Auffassung,
daß die Dauer der Betriebszugehörigkeit einen objektiveren Maßstab
für die Auswahl der Bewerber abgibt als etwa "Tüchtigkeit" oder
"Verdienste".
.
.
.
Gilt die Anciennität als Richtschnur, so weiß jeder Mitarbeiter,
wo er im Verhältnis zu anderen Kollegen steht. Die Auswahl hängt
dann nicht von der Beurteilung oder auch von der Laune eines Vorgesetzten ab. Bei der Auswahl nach "Tüchtigkeit" und "Verdienst" oder
nach anderen subjektiven Gesichtspunkten fehlen wirklich brauchbare
Maßstäbe und sind Mißbräuche nicht ausgeschlossen. Ja, in vielen
Fällen würde man das Alter eines Mitarbeiters sogar als einen Hinderungsgrund für eine Beförderung ansehen, selbst wenn er genauso tüchtig oder sogar tüchtiger ist als ein jüngerer Mitbewerber. Hinzu
kommt, daß das Urteil von Vorgesetzten beeinflußbar ist. Mitarbeiter
die sich selbst ins rechte Licht zu rücken verstehen, haben hier entschieden die größeren Aussichten.
Von Unternehmern wird verschiedentlich ins Feld geführt, daß das
Anciennitätsprinzip die Initiative der Arbeitnehmer hemmt, der Tüchtigkeit den ihr gebührenden Platz streitig.macht.und den jüngeren
und leistungsfähigeren Mitarbeiter nicht zum Zuge kommen läßt. Dieser Vorwurf verdient eine ernsthafte Prüfung. Man kann aber auch umgekehrt fragen, ob die Befolgung des Anciennitätsprinzips nicht den
Leistungswillen im allgemeinen in so hohem Maße anstachelt, daß das
etwaige Nachlassen der Einsatzfreudigkeit einzelner Benachteiligter
dadurch mehr als aufgewogen wird.
An vielen Arbeitsplätzen, die die Erledigung eines festen Pensums
in einer festgesetzten Zeit erfordern - das gilt vor allem für Arbeiten an automatisch vorrückenden Fließbändern - spielt die Tüchtigkeit
keine wesentliche Rolle. An Arbeitsplätzen aber, an denen es auf spezielle Fertigkeiten ankommt, ist Erfahrung - also längere Betriebszugehörigkeit - praktisch die Voraussetzung für hohe Leistungen. Hier
haben Mitarbeiter mit längerer Dienstzeit gewöhnlich die meiste Erfahrung und sind deshalb jüngeren Kollegen meist überlegen.
Vor einigen Jahren hat Professor James J. Healey von der HarvardUniversität 58 Streitfälle untersucht; in denen durch einen Schiedsmann die Beförderung eines jüngeren Mitarbeiters, den die Firmenleitung dem Klage führenden älteren Mitarbeiter vorgezogen hatte.

- 4 -

�hatte, rückgängig gemacht worden war. Frühestens drei Jahre nach
der auf Grund des Schiedsspruches erfolgten Einsetzung des älteren
Mitarbeiters bat Healey die Firmenleitung um Auskunft darüber, wie
sich der Betreffende in der Stellung bewährt habe-, die ihm vorher
verweigert worden war. Man darf unterstellen, daß die Firmen eher
geneigt sind, ihre frühere Entscheidung zu rechtfertigen; dennoch
berichtete die Mehrzahl, daß sich die älteren Mitarbeiter in ihrer
neuen Position entweder sofort oder nach kurzer Zeit bewährt hätten.
In 50 Prozent aller Fälle war der Betreffende in der Zwischenzeit schon
auf einen noch höheren Posten aufgerückt. Nur in einem knappen Viertel der Antworten wurde zum Ausdruck gebracht, daß die Firmenleitung
noch immer die Beförderung des Bewerbers mit der längeren Dienstzeit
als eine Fehlentscheidung ansah.
Healay führte verschiedene Gründe dafür an, daß sich die älteren
Mitarbeiter der größeren Verantwortung gewachsen zeigten. Es mag
durchaus sein, daß die Unternehmensleitung mit ihrer Beurteilung des
jüngeren Mitarbeiters als dem fähigeren recht hatte; fraglich bleibt
nur, ob die besonderen Fertigkeiten des Betreffenden an dem fraglichen
Arbeitsplatz zum Tragen gekommen wären.
Wenn eine Firma ältere Arbeitskräfte entläßt und jüngere weiterbeschäftigt, dann belastet sie den Arbeitsmarkt damit besonders, da
diese Arbeitskräfte meist weniger anpassungsfähig sind und ihnen ein
Umzug in eine andere Stadt meist nicht zugemutet werden kann. Von der
Frage nach Recht und Billigkeit, der menschlichen Problematik und
den wirtschaftlichen Schwierigkeiten älterer Arbeitnehmer in dieser
Lage einmal ganz abgesehen, werden diese selbst im Falle einer Neueinstellung in einer anderen Firma einen geringeren Beitrag zur
Volkswirtschaft leisten als bei ihrer Belassung an dem vertrauten
Arbeitsplatz, an dem sie im Laufe langer Dienstjahre eingehende
Erfahrungen gesammelt haben..
Es wird des weiteren behauptet, die Anwendung des Anciennitätsprinzips beeinträchtige die Mobilität der Arbeit und somit auch
die Leistungsfähigkeit der gesamten Volkswirtschaft. Die älteren
Arbeitskräfte, so wird argumentiert, seien wenig geneigt, eine selbst
besser dotierte neue Stelle anzutreten, weil sie die aus der Anciennität herrührende erhöhte soziale Sicherheit und höheren Ansprüche auf
betriebliche Nebenleistungen nicht aufgeben wollen. Somit binde die
Anciennität, so wird gefolgert, den Arbeitnehmer fest an das Unternehmen und schränkte damit die Arbeitsmobilität ein, die für eine
flexible und expandierende Wirtschaft unerläßlich sei.
Es mag zutreffen, daß langjährige Betriebszugehörigkeit die Arbeitskräfte gegenüber lockenden Stellenangeboten und der mit einem
Wechsel verbundenen Umstellung zu größerer Zurückhaltung veranlaßt.
Das gilt aber ganz allgemein für ältere Arbeitnehmer, gleichgültig,
ob sie Anciennitätsrechte geltend machen können oder nicht.
Die Motive, die einen Arbeitnehmer bewegen, über die Probezeit
hinaus bei einem Unternehmen zu bleiben, beherrschen ihn auch bei seinem weiteren Verbleib in der Firma über Jahre hinweg. Anciennitätsrechte

-

5 -

�Anciennitätsrechte mögen ihn in seinem Entschluß bestärken, den
Arbeitsplatz nicht zu wechseln, die primäre Ursache einer solchen
Haltung aber sind sie wohl nur selten.
Es waren immer die Jüngeren, die den größten Anteil an der
Arbeitsfluktuation hatten. Viele Jugendliche wechseln häufig den
Arbeitsplatz, nicht weil sie keine Anciennitätsrechte erworben haben,
sondern weil sie sich noch nicht fest für einen bestimmten Beruf
oder eine bestimmte Tätigkeit entschließen können.
Professor Arthur Ross von der Universität Kalifornien kam in
einer Untersuchung über den Rückgang der Fluktuation in den letzten
Jahrzehnten zu dem Schluß, daß die zunehmende Anerkennung des
Anciennitätsprinzips bei dieser Entwicklung nur eine geringe Rolle
gespielt hat. Seine Untersuchungen erbrachten den Beweis, daß Kündigungen seitens der Arbeitnehmer bei Beschäftigten mit auch nur einigen
Dienstjahren schon immer selten waren, auch in der Zeit vor dem ersten
Weltkrieg, als Anciennitätsrechte im heutigen Sinne überhaupt noch unbekannt waren. Der Rückgang der Fluktuation ist mithin auf ein Nachlassen der Bereitschaft zu einem häufigen Arbeitsplatzwechsel gerade
unter den jüngeren Beschäftigten zurückzuführen.

Aus "The American Federationist".

» * « * *

-

6 -

�Die Automation in den Vereinigten Staaten
Automation - ein Bruch mit der Vergangenheit

Schon als das Rad erfunden wurde, fürchteten wahrscheinlich
bereits einige wenige, daß sie durch diese Erfindung ihre Arbeit
verlieren würden. Als dann die noch unförmigen Räder zu einem
Karren zusammengefügt und Ochsen als Zugtiere davorgespannt wurden, waren es sicherlich andere, die um ihre Arbeit bangten. Und
so ist es seither durch all die Jahrtausende bis in die Jahrhunderte der industriellen Revolution hinein gewesen: immer wieder
haben sich die Menschen über die Auswirkungen neuer Produktionsmethoden Gedanken und Sorgen gemacht und den Verlust ihres Arbeitsplatzes befürchtet.
Auch jetzt wieder sind es die Wechselbeziehungen zwischen
technologischem Fortschritt und Arbeitslosigkeit, die im Mittelpunkt heftiger Auseinandersetzungen stehen.
Die Atitomation, diese neue und dynamische Form des technischen
Fortschritts, ist inzwischen aus dem Versuchs- und Experimentierstadium auf das weite Feld der praktischen Anwendung hinübergewechselt. Ihr Vormarsch auf breitester Front in allen Zweigen der Wirtschaft erfolgte dabei zu einem Zeitpunkt, wo die vorhandenen Produktionskapazitäten in der amerikanischen Wirtschaft nicht voll ausgenutzt wurden - eine Tatsache, die allgemein mitssehr gemischten
Gefühlen registriert wurde.
Die Frage, die daher heute überall gestellt wird, ist die:
Bringt die Automation nun eigentlich schwerwiegende Arbeitsmarktprobleme und Arbeitslosigkeit mit sich oder aber eröffnet sie uns
neue Perspektiven des Wohlstandes?
Die Erfahrung hat uns gezeigt, daß der Schlüssel für einen
steigenden Lebensstandard die Produktivität ist und daß technologische Veränderungen den Hauptfaktor für eine Produktivitätssteigerung
darstellen•
Zwischen 1947 und 1959 hat sich die Arbeitsproduktivität in den
USA um 46 Prozent erhöht. Das bedeutet, daß die Produktionsleistung
von 1947 im Jahre 1959 mit rund einem Drittel weniger Arbeitnehmern das sind rund 17,5 Millionen - hätte erzielt werden können. Statt
aber Arbeitsplätze auszulöschen, hat die Produktivitätszunahme im
Gegenteil zu einer Erhöhung der Gesamtbeschäftigtenzahl um 10 Prozent, einem Rückgang der geleisteten Arbeitsstunden um 5 Prozent
und einer Zunahme der Produktion um 53 Prozent geführt.
Damit wäre an sich nichts Neues über die Auswirkungen der
technologischen Veränderungen auf Produktion und Beschäftigung gesagt. Warum also dann diese Sorgen?
Die

7

�Die Automation ist mehr als eine bloße Verfeinerung der
Mechanisierung. In verschiedener Hinsicht stellt sie sogar einen
vollkommenen Bruch mit der Vergangenheit dar. Einmal erstreckt
sich ihr Anwendungsbereich über eine sehr breite Skala - denn
sie überdeckt praktisch alle Produktionszweige -, von der medizinischen Diagnose bis zur Buchübersetzung, von der Lohnbuchhaltung bis zur langfristigen Konjunkturprognose, von der Produktionsprogrammierung bis zur vollkommenen Kontrolle der gesamten Produktionsanlage,
Zum anderen jedoch erfolgt die Einführung der Automation
in einem weitaus größeren Tempo, als es bei anderen technologischen Veränderungen in früheren Zeiten der Fall war. Das bedingt
wiederum, daß die durch die Automation freigesetzten Arbeitskräfte
von der Wirtschaft schnell und zu einem Zeitpunkt absorbiert werden müssen, wo auf dem Arbeitsmarkt gleichzeitig ein großer Bedarf
an solchen Arbeitnehmern besteht, die über die für die neue Produktionstechnik erforderlichen Qualifikationen verfügen.
Schließlich aber rollt der Automationsprozeß in einer auf
hoher Stufe stehenden Volkswirtschaft ab, deren Hauptcharakteristikum der Massenkonsum ist. Wenn daher Arbeitskräfte auf Grund der
Einführung der Automation ihre Arbeitsplätze verlieren, so können
sie nur dann eine andere Beschäftigung finden, wenn die allgemeine
Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen gesteigert wird.
Zwei Elemente sind es vor allem, die die Automation von den
konventionellen Produktionsverfahren unterscheiden:
1. Die Herstellung eines Gegenstandes erfolgt hier im Rahmen
eines integrierten, kontinuierlichen Produktionsprozesses.
2. Quantität und Qualität der Produktion werden ständig kontrolliert, so daß das gesamte System jeweils mit maximaler
Leistung arbeitet.
Noch bis vor kurzem gab es zwei voneinander getrennte Entwicklungen auf dem Gebiet der Automation. Auf der einen Seite standen
die Datenverarbeitungsanlagen - wie z.B. die Elektronenrechner -,
auf der anderen die automatischen Kontrolleinrichtungen und -instrumente - etwa beim automatischen Transferprozeß in den Ölraffinerien.
Jetzt aber beginnen sich diese beiden Strömungen miteinander
zu verbinden: Durch die Verwendung von Ring-Kontrollsystemen wird
der Elektronenrechner mit den Instrumentenkontrollen verbunden, so
daß er praktisch den gesamten Produktionsprozeß überwachen kann.
Gegen Ende 196O belief sich der Wert der automatischen Produktionseinrichtungen in den Vereinigten Staaten auf mehr als 6 Mrd.
Dollar - das entspricht einem Wertzuwachs von 75 Prozent in den vergangenen sechs Jahren.
Obwohl

8

�O"bwohl sich aber die Automation immer schneller ausgebreitet
hat, so Ist sie andererseits doch auch durch zahlreiche Gegenkräfte in ihrer Entwicklung gehemmt worden: Die wichtigsten Faktoren bilden hier die hohen TJmrüstungskosten; eine große elektronische Rechenanlage kostet heute mehr als 1 Million Dollar - sowie
die langen Vorbereitungszeiten - in der Regel braucht man drei
Jahre, um die Pläne für die Installierung und Einrichtung eines
Elektronenrechnersystems in die Praxis zu übertragen. Hinzu
kommt noch, daß die Automation in vielen Fällen nicht auf Anhieb
die erwarteten Erfolge gebracht hat. Die letzten Jahre waren nämlich weitgehend Jahre der Versuche und Irrtümer.
Schließlich ist die volle Automatisierung eine in jeder Beziehung gewaltige Aufgabe. Nach zuverlässigen Schätzungen nämlich
wären rund 500 Mrd, Dollar und eine Zeit von 55 Jahren mit ebenso
hohen Kapitalinvestitionen wie in den letzten Jahren notwendig, um
die amerikanische Fertigungsindustrie voll automatisieren zu können.
Automation und Erwerbslosigkeit
Nachdem wir einige der Möglichkeiten für die Anwendung der
Automation sowie ihre Grenzen aufgezeigt haben, erhebt sich nun
also die Frage, welche Auswirkungen die Automation auf den Arbeitsmarkt hat. Inwieweit.hat die Automation zum derzeitigen Problem
der Arbeitslosigkeit beigetragen?
Innerhalb eines Betriebes werden sich die Auswirkungen im allgemeinen nur allmählich und graduell abzeichnen. Auf Grund der
langen Vorbereitungszeit ist es der Unternehmensführung meist möglich, die Arbeitnehmer auf die neuen Tätigkeiten umzuschulen und
größere Entlassungen durch eine Drosselung der Neueinstellungen
zu vermeiden. Hinsichtlich der Lösung des Personalproblems besteht
in den Büros heute allgemein die Tendenz, die besseren Transfermöglichkeiten für Arbeitskräfte in diesen Betrieben weitgehend auszunutzen und im übrigen auf den hohen Umschlag an Arbeitskräften
zu bauen. In den Industriebetrieben dagegen, die gegenüber Rückschlägen in der Wirtschaft weitaus empfindlicher sind, dürften
jedoch einige der in Rezessionszeiten entlassenen Arbeitnehmer bei
erneuter Zunahme der wirtschaftlichen Aktivität nicht wieder eingestellt werden.
Wenn es auch sehr schwierig ist, die genaue Zahl jener Arbeitskräfte anzugeben, die auf Grund der Automation, von Veränderungen
in den Verbrauchergewohnheiten oder anderer Faktoren ihre Arbeitsplätze in den einzelnen Industriezweigen oder Berufsgruppen verloren
haben, so geben doch die.folgenden Ergebnisse einen gewissen Aufschluß darüber:
1. In einigen Industriezweigen, in denen die Produktion rückläufig war, ist die Zahl der entlassenen Arbeitskräfte im Verhältnis zum Produktionsrückgang allgemein größer gewesen. Die Steinkohlenförderung z.B. war 1959 im Vergleich zum Durchschnitt der
Jahre 1947-49 um 35 Prozent geringer, die Zahl der Beschäftigten
lag dagegen um 60 Prozent niedriger. Dennoch würde die Beschäftigten-

9

�Beschäftigtenzahl vielleicht noch stärker abgenommen haben, wenn
nicht die technischen Veränderungen dazu beigetragen hätten, die
Wettbewerbsfähigkeit des Bergbaus gegenüber den anderen Brennstofferzeugern zu erhalten.
2. In den Fabrikationsbetrieben stieg die Produktion seit
1953 um 17 Prozent an, während gleichzeitig die Zahl der Arbeitskräfte um 5 Prozent abnahm. In einigen Fabrikationszweigen ist
dieser Kontrast noch stärker ausgeprägt. Die Automobilproduktion
hatte in diesem Zeitraum bei einer gleichzeitigen Verminderung
der Zahl der Arbeitskräfte um 16 Prozent einen Anstieg von 26 Prozent zu verzeichnen.
3. In verschiedenen Fabrikationszweigen ist die Produktions zunähme so stark gewesen, daß sich der Bedarf an Arbeitskräften trotz
der Einführung der Automation weiter erhöhte. In der chemischen Industrie z.B. liegt die Beschäftigtenzahl im Vergleich zu 1955 um
8 Prozent, in der Elektromaschinenindustrie um 7 Prozent höher.
Gleichzeitig nahm die Zahl der Beschäftigten im Handel um 11 Prozent, in den Dienstleistungszweigen um 20 Prozent und bei den Regierungsbehörden um 27 Prozent zu; und
4. schließlich hat sich die Beschäftigungsstruktur der Industrie auf Grund der Einführung der Automation und der veränderten
Bedarfsnachfrage erheblich gewandelt. So nahm in den vergangenen
zehn Jahren die Zahl der Beschäftigten in den akademischen und technischen Berufen um 55 Prozent zu, während sich auf Grund des größeren Arbeitsanfalls in den Büros - obwohl auch hier die Automation
ihren Einzug hielt - die Zahl der Angestellten um 32 Prozent erhöhte.
Die Zahl der Produktionsarbeiter nahm dagegen in diesem Zeitraum
nur um 5 Prozent zu.
Dennoch aber spielte die Automation (in ihrer tatsächlichen
Bedeutung verstanden) bei diesen strukturellen Veränderungen nur
ein« untergeordnete Rolle. Untersuchungen haben ergeben, daß pro
entlassenen Arbeitnehmer Investitionen in Höhe von schätzungsweise
35 000 Dollar erforderlich sind. Wenn sämtliche Investitionen für
Produktionsausrüstungen im Jahr 1 96O ausschließlich für automatische
Maschinen aufgewendet worden wären, dann hätten nämlich rund 500 000
Arbeitnehmer ihren Arbeitsplatz verlieren müssen. Tatsächlich waren
es aber nur rund 200 000.
Über all dem Gesagten drängen sich zwei Fragen auf: 1. Können
Methoden entwickelt werden, um die Umsetzung von Arbeitskräften in
Industriezweige mit steigender Nachfrage zu erleichtern? Einem
entlassenen Arbeiter ist nicht viel geholfen, wenn man i-hm sagt,
daß ein großer Bedarf an Physikern besteht. Das Problem einer angemessenen Umschulung auf solche Berufe und Tätigkeiten, die in Zukunft gefragt sind, wird sich immer stärker in den Vordergrund schieben.
Zwischen i960 und 1970 wird sich die Zahl der schulentlassenen
und neu zum Arbeitsmarkt drängenden jungen Arbeitnehmer, viele von
ihnen ohne eine berufliche Ausbildung und Vorbildung, ungemein stark

10

�stark erhöhen - in der Altersgruppe der 20- bis 24jährigen zum Beispiel rechnet man mit einer Zunahme um rund 50 Prozent. In der
Altersgruppe der 24- bis 45jährigen - also der erfahreneren Arbeitskräfte - dagegen ist nur ein Anstieg um 5 Prozent zu erwarten.
Außerdem ergeben sich noch ernste menschliche Probleme hinsichtlich
der Bereitstellung von Arbeitsplätzen für jene älteren Arbeitnehmer,
die auf Grund der technologischen Veränderungen möglicherweise
ihren angestammten Arbeitsplatz verlieren.
Die zweite Frage ist die: Können die Sektoren der Wirtschaft
mit expandierenden Beschäftigungsmöglichkeiten sowohl jene neu auf
den Arbeitsmarkt strömenden Jugendlichen als auch jene älteren
Arbeitnehmer absorbieren, die ihren Arbeitsplatz auf Grund des
technischen Fortschritts verloren haben?
Die A.ntwort hierauf ist, daß eine stark expandierende und schnell
wachsende Volkswirtschaft durchaus in der Lage ist, allen ausreichende Beschäftigungsmöglichkeiten zu sichern. Die Fortschritte auf dem
Gebiet der Produktivität, die weitgehend aus den technologischen
Veränderungen resultieren, können zu einem schnelleren Wachstum
der Realeinkommen beitragen. In der Folge können daher auch die
Märkte sowohl für die derzeitigen als auch die neuen Güter und
Dienstleistungen ausgeweitet werden.
Diese notwendige kräftige wirtschaftliche Expansion ergibt
sich allerdings nicht von selbst. Sie erfordert vielmehr eine Wirtschaftspolitik, durch die die Spar- und Investitionstätigkeit angeregt
wird, damit neue Methoden und Produktionsmittel entwickelt und eingeführt werden können; und sie verlangt ferne&lt;r eine ständige, sowohl
quantitative als auch qualitative Verbesserung unseres Erziehungssystems, damit der dynamischen Wirtschaft die erforderlichen Fachkräfte zugeführt werden können. Außerdem muß die Wirtschaftspolitik
darauf ausgerichtet sein, eine insgesamt ausreichende Bedarfsnachfrage zu sichern, damit ständig höhere Produktions- und Beschäftigungsniveaus erreicht werden können, ohne dabei jedoch inflationistische Strömungen auszulösen.
Unser Land braucht mehr Automation und mehr technologische Veränderungen jeglicher Art. Gleichzeitig müssen wir ein Wirtschaftsklima schaffen, das einem wirtschaftlichen Wachstum günstig ist.
Nur auf diese Weise wird es uns möglich sein, Arbeitsplätze für
jene jungen Menschen zu schaffen, die in den nächsten zehn Jahren
zum Arbeitsmarkt drängen werden.
(Aus "Business in Brief", dem zweimonatlich erscheinenden
Informationsbrief der "Chase Manhattan Bank", New York)

* * * * *

11

-

�Präsident Kennedy vor dem^amerikanischen Gewerkschaftsverband
Am 7» Dezember 1961 hielt Präsident Kennedy vor dem Kongreß
der "AFL-CIO" in Miami Beach eine Rede, in der er auf verschiedene aktuelle Probleme einging, die für die Gewerkschaften von
besonderer Bedeutung sind.
Auf den japanischen Überfall auf Pearl Harbor vor fast genau
20 Jahren anspielend, betonte der Präsident einleitend, daß sich
die USA heute einer im Grunde noch gefährlicheren Bedrohung ausgesetzt sähen als damals. Weltweite Herausforderungen und Probleme
gelte es heute zu meistern. Wörtlich fuhr er dann fort:
"Es ist kein Zufall, daß die Kommunisten dabei ihr besonderes
Augenmerk auf die Gewerkschaftsbewegung richten. Sie wissen, daß
die werktätige Bevölkerung häufig übergangen worden ist und in
vielen Teilen der Welt keine Fürsprecher hat; deshalb suchen die
Kommunisten diese Menschen zu verführen, indem sie sich als Hüter
ihrer Rechte aufspielen.
Doch weil wir in den Vereinigten Staaten schon lange eine
starke, freie Gewerkschaftsbewegung besitzen, haben die amerikanischen Arbeiter nicht das Gefühl, übergangen worden zu sein. Solange
die Gewerkschaftsbewegung stark und auf die Freiheit verpflichtet
bleibt, wird dies, wie ich glaube, die Freiheit unseres Landes
festigen.
Deshalb möchte ich hoffen, daß jeder Amerikaner, ganz gleich»
auf welcher Seite des Verhandlungstisches er sich befunden hat oder
ob er einem völlig- anderen Lebenskreis angehört, das eine erkennt!
daß die Stärke der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung lebenswichtig
für die Bewahrung der Freiheit unseres Landes und auf dem ganzen Erdball ist.
Ganz besonders freut es mich zu hören, daß an der heutigen Tagung auch 150 Gewerkschaftsführer aus dem Ausland, und zwar aus 32
Ländern, teilnehmen. Ich glaube, und ich sage dies als Präsident, daß
einer der großen Aktivposten unseres Landes der Einfluß ist, den diese
Gewerkschaftsbewegung überall in der Welt geltend machen kann, indem
sie zeigt, was f;reie Gewerkschaften zu tun vermögen. Ich hoffe, sie
werden von dieser Tagung die Erkenntnis mit nach Hause nehmen, daß
auf lange Sicht eine starke Gewerkschaftsbewegung für die Erhaltung
der Demokratie auch in ihren Heimatländern von wesentlicher Bedeutung
ist.
Es ist kein Zufall, daß es in der Sowjetunion seit 30, 35 oder
gar 40 Jahren keinen Streik mehr gegeben hat. Und die Kommunisten,
die in Lateinamerika, Afrika oder Asien die Belange des Volkes zu
vertreten vorgeben, können nach keiner Regel der Logik oder Diskussion behaupten, daß eine Gewerkschaftsbewegung frei sei, wenn
sie weder imstande ist, ihre Rechte gegenüber dein Arbeitgeber zum

12

�zum Ausdruck zu bringen, noch die Grenzen staatlicher Macht zu erkennen und anzusprechen.
Wir sind nicht allwissend. Wir sind nicht allmächtig. Wir
haben eine freie Gesellschaft, in der Arbeitgeber und Arbeitnehmer,
in der Bauern und Bürger ihre Rechte haben. Nicht wir haben ihnen
diese Rechte im Staat gegeben. Und ich hoffe, daß alle, die aus
diesem Saal wieder nach Lateinamerika, nach Europa, nach Afrika
zurückkehren werden, begriffen haben, daß wir hierzulande an Freiheit und Fortschritt glauben und auch daran, daß die Freiheit materielle Güter im Überfluß und Wohlstand hervorzubringen vermag.
Und Sie sollen auch wissen, daß ich dieser Tagung und dem
Gewerkschaftsparlament entscheidende Bedeutung für die Wahrnehmung
der Interessen unseres Landes und die Sache der Freiheit in der
kommenden Zeit beimesse.
Was die werktätige Bevölkerung, was dieses Land vereint, ist
weit wichtiger als alles, worüber wir Meinungsverschiedenheiten haben
könnten.
Denn Sie, meine Damen und Herren, sind nicht nur die Führer
ihrer Gewerkschaften, sondern Sie sind auch Bürger der Vereinigten
Staaten in verantwortungsvoller Position, und deshalb erschien es
mir durchaus angebracht, heute hierher zu kommen, um mit Ihnen zu
sprechen.
Zunächst möchte ich Ihnen meine Anerkennung für verschiedene
Dinge aussprechen. Dies gilt beispielsweise für die Bemühungen der
Interessenvertreter jener Männer und Frauen, die in unseren Raketenwerkstätten arbeiten. Ihre Bereitschaft, auf Streiks in der Raketenund Raumfahrtindustrie zu verzichten, und die Tatsache, daß die
dort tätigen Männer und Frauen diese Verpflichtung eingehalten haben,
hat unsere Fortschritte auf diesen Gebieten fühlbar beeinflußt, und
das Land weiß diese Ihre Bemühungen zu schätzen.
Zweitens haben wir erstmals einen Präsidialbeirat für Arbeitnehmer-Arbeitgeber-Politik, der sich allmonatlich in dem Bestreben
zusammenfindet, wirtschaftspolitische Richtlinien auszuarbeiten
und zu entwickeln, die es dem Lande ermögliche», unter den Bedingungen der Vollbeschäftigung voranzuschreiten. Und ich möchte Ihnen
für Ihre Mitwirkung bei diesen Bemühungen danken.
Drittens möchte ich, wie bereits gesagt, der Gewerkschaftsbewegung danken für das, was sie im Ausland für die Stärkung der freien
Gewerkschaften tut, und Sie zugleich ersuchen, Ihre Anstrengungen zu
verdoppeln. Die Freiheitshoffnung stützt sich in diesen Ländern,
wie gesagt, vielfach auf die Gewerkschaftsbewegung.
Wir wollen nicht, daß den Menschen mancher Länder nur die Wahl
bleibt, ihr Schicksal entweder den wenigen, die den größten Teil
des Volksvermögens in Händen halten, oder andererseits der kommunistischen Bewegung zu überantworten.
Wir

13

�Wir stellen sie nicht vor diese Wahl. Wir wollen, daß sie
die Instrumente der Freiheit erhalten, mit denen sie sich schützen
und für den Fortschritt ihrer Länder sorgen können. Das kann eine
starke, freie Gewerkschaftsbewegung erreichen, und ich hoffe, daß
Sie Ihre Aufmerksamkeit in den nächsten zwölf Monaten auf dieses
Gebiet konzentrieren werden - in Lateinamerika und in allen Teilen
der Welt.
In der Tat kommt auch der Regierungschef des Kongo, Cyrille
Adoula, ein starker Verfechter der Freiheit, aus der Gewerkschaftsbewegung. Dasselbe geschieht in einem Land nach dem anderen. Und
das bedeutet für uns alle eine großartige Möglichkeit, aber auch
große Verantwortung hinsichtlich der Fortsetzung dieser Zusammenarbeit .
Schließlich möchte ich diese Gelegenheit wahrnehmen, um der
AFL-CIO meinen Dank für die Unterstützung auszusprechen, die sie
unserem nach langen Beratungen im Kongreß verabschiedeten Gesetzgebungsprogramm gewährt hat."
Dep Präsident ging dann in seiner Rede näher auf die derzeitige
Wirtschafts- und Arbeitsmarktlage ein und wies insbesondere auf die
erhebliche Zunahme der wirtschaftlichen Aktivität seit dem Frühjahr
dieses Jahres sowie auf die Tatsache hin, daß im November mit über
67,3 Millionen Beschäftigten ein neuer Rekordstand erzielt wurde,
während gleichzeitig der Anteil der Erwerbslosen an der Gesamtzahl
der Arbeitskräfte,der jetzt bei 6,1 Prozent liegt, erstmalig in
der Amtszeit der neuen Regierung die 7-Prozent-Grenze unterschritt.
Dennoch könne man von einer vollständigen Erholung der Wirtschaft
noch nicht sprechen, da die Zahl der Erwerbslosen immer noch zu
hoch sei. Als weitere bedeutsame sozialpolitische Maßnahmen kündigte
der Präsident in diesem Zusammenhang u.a. die Einbringung einer
Gesetzesvorlage an, die die Umgestaltung des derzeitigen Arbeitslosenversicherungssystems zum Ziele hat. Vorgesehen sei dabei, wie
Kennedy erklärte, die Arbeitslosenversicherung auf eine nationale
Basis zu stellen und die Unterstützungssätze im ganzen Land einheitlich festzusetzen. Ebenso sei es unbedingt erforderlich, für
die Rentner ein Sozialversicherungssystem zu schaffen, das ihnen
einen angemessenen und weitgehend kostenlosen Krankenversicherungsschutz bietet.
Präsident Kennedy ging dann auf die wichtigsten Probleme des
Arbeitsma-rktes ein und erklärte u.a. folgendes:
"Wollen wir unser Arbeitskräftepotential vernünftig nützen,
so müssen wir, meiner Meinung nach, sechs Gebieten unsere Aufmerksamkeit verstärkt zuwenden.
Erstens: Wir müssen uns mehr um die Jugend kümmern. Das kürzlich erschienene Buch von Dr. Conant "Slums and Schools" (Slums
und Schulen) stellte eine Tatsache heraus, die Ihnen allen vertraut
ist: das Problem jener, die die Schule vor dem regulären Abschluß
verlassen - weil die Familienverhältnisse den weiteren Schulbesuch
nicht gestatten, weil es ihnen an Mut zum Durchhalten oder an sachdienlichem Rat fehlt, oder aus anderen Gründen - und sich dann treiben lassen, weil sie keine geregelte Arbeit finden können...
Millionen

14

�Millionen verlassen die Schule vorzeitig und gehören dann
ein Leben lang der Kategorie der Ungeschulten, Ungelernten und
häufig Arbeitslosen an. Aus diesem Grunde habe ich den Kongreß
ersucht, ein Jugendbeschäftigungsgesetz (Youth Employment Opportunities Act) zu erlassen, um solchen Jugendlichen mit Rat und
Tat beizustehen, damit sie in die Lage kommen, sich ihren Lebensunterhalt selbst zu verdienen.
Wenn es unser Wunsch ist, daß unsere jungen Mitbürger in Anbetracht der Tatsache eine gute Ausbildung erhalten, daß in den
nächsten Jahren Fachkräfte in größerer Zahl gebraucht werden, und
die Jugend zu einem ordnungsgemäßen Abschluß ihrer Schulbildung
angehalten wird, dann muß auch die Bundesregierung ihrer Verantwortung im Bereich des Erziehungswesens gerecht werden.
Ich will es nicht damit genug sein lassen, daß etwa meine
Vaterstadt eine gute Schule besitzt. Ich möchte vielmehr sicherstellen, daß jedes Kind in diesem Lande eine vernünftige Chance
hat, eine gute Bildung zu erwerben...
Zweitens: Wir brauchen ein Umschulungsprogramm
Sie alle, die sie einen so engen Kontakt mit diesem
wissen, was passiert, wenn technische Veränderungen
Betriebe sich verlagern,während die Menschen an Ort
bleiben.

für Erwerbslose.
Problem haben,
eintreten und
und Stelle

Ich habe es in meinem eigenen Heimatstaat Massachusetts erlebt,
wo brotlos gewordene Textilarbeiter keine Stelle finden konnten,
obwohl vor ihren Augen neue Werke der elektronischen Industrie aus
dem Boden gestampft wurden...
Drittenst Die Mitbürger, die einer der Miraderheitengruppen angehören, erfordern unsere Sorge. Sie alle wissen, daß die Zahlenangaben über jene, die als erste entlassen und als letzte wieder eingestellt werden, allzuoft gerade jene Mitbürger betreffen, die unseren Minderheiten angehören.
Wir wünschen, daß ein jeder ohne Rücksicht auf Rassenzugehörigkeit oder Hautfarbe eine reelle Chance erhält, für sich und seine
Familie ein anständiges Leben aufzubauen und eine gute Bildung zu
erwerben, damit er eine echte Chance hat, mit anderen zu konkurrieren,
und nach dem beurteilt wird, was in ihm steckt, nicht aber nach seinem
Aussehen.
Die amerikanische Arbeiterbewegung hat sich schon immer mit diesen Bestrebungen identifiziert, und ich weiß, daß sie das auch in Zukunft tun wird.
Wir unternehmen größte Anstrengungen, um sicherzustellen, daß
alle mit Regierungsaufträgen bedachten Firmen - und es werden Jahr für
Jahr Milliardenbeträge durch die Bundesregierung verausgabt - allen
Bürgern eine faire Chance einräumen, an den betreffenden Vorhaben
mitzuarbeiten.
Viertens:

�viertens: Wir wollen den Firmen größere Möglichkeiten für
Reinvestitionen in ihre Betriebe bieten. Eine der Fragen, die uns
im Hinblick auf das weitere Gedeihen unserer Wirtschaft Sorge
bereiten, ist die Tatsache, daß wir keine so hohe Reinvestitionsrate haben wie z.B. in den Jahren 1955, 1956 und 1957...
Deshalb schlage ich die Gewährung von Steuerbegünstigungen vor,
die die amerikanische Gewerkschaftsbewegung bisher noch nicht zu den
förderungswürdigen Dingen rechnet; ich hoffe aber, daß sie diesen
Vorschlag als einen Weg zur Belebung der Wirtschaft in Erwägung
ziehen wird, damit der derzeitigen Erholung nicht in zwölf oder
18 Monaten der Atem ausgeht, wie der Erholung von 1958/59 im Anschluß an die Rezession von 1958 dann im Jahre 196O der Atem ausging.
Fünftens: Um die Palette unserer Wirtschaftsstabilisatoren
zu erweitern und auf diese Weise die Aufwärtsentwicklung unserer
Wirtschaft sicherzustellen, beabsichtige ich den Kongreß in der
nächsten Sitzungsperiode um vorsorgliche Bewilligung von Abrufmitteln etwa im Sinne der von Senator Clark aus Pennsylvanien eingebrachten Vorlage zu ersuchen, damit den Gemeinden Beihilfen für
dringende öffentliche Vorhaben für den Fall gewährt werden können,
daß die Arbeitslosigkeit zunimmt und die Wirtschaftstätigkeit nachläßt.
Sechstens und letztens: Wir müssen die Arbeitsgelegenheiten
durch die Ausweitung unseres Außenhandels vermehren."
Kennedy appellierte in diesem Zusammenhang an die Gewerkschaftsführer, bei künftigen Lohnverhandlungen Zurückhaltung und Verantwortungsbewußtsein zu zeigen und mit dafür zu sorgen, daß die
Lohnerhöhungen im Einklang mit der Produktivitätszunahme stehen.
Dies sei für die Erhaltung eines stabilen Preisniveaus wie auch
der Wettbewerbsfähigkeit der amerikanischen Wirtschaft im In- und
Ausland von größter Wichtigkeit. Die amerikanische Industrie müsse
auch weiterhin in der Lage sein, auf den Weltmärkten ihre Erzeugnisse abzusetzen, und es liege im ureigensten Interesse des amerikanischen Arbeiters, daß die USA auch in Zukunft eine aktive Handelsbilanz aufwiesen.
Wenn die Handelsüberschüsse nicht ständig erhöht würden, so
erklärte Kennedy, dann könnten sich die Vereinigten Staaten unter
Umständen sogar sehr ernsten Problemen gegenübersehen. Obwohl in den
letzten Jahren ein Außenhandelsüberschuß in Höhe von fünf Milliarden
Dollar erzielt worden sei, hätten die USA rund fünf Milliarden Dollar
an Gold verloren.
Wenn diese Entwicklung andauere, müßten unter Umständen eines
Tages Anpassungen vorgenommen werden, die sich eventuell äußerst
nachteilig für die Sache der Freiheit in der Welt auswirken würden.
Die einzige Lösung dieses Problems liege in einer verstärkten Ausweitung der US-Exporte. Dies bedinge, daß die amerikanischen Erzeugnisse wettbewerbsfähig seien und daß für sie immer neue Auslandsmärkte erschlossen würden.
Kennedy

�Kennedy wies weiter darauf hin, daß er bereits im Jahre 1954
als Senator im US-Kongreß eine Vorlage eingebracht habe, um den
durch eine Erhöhung des Imports am stärksten betroffenen Industrien
zu helfen. Er werde nunmehr dem US-Kongreß im kommenden Januar ein
Programm unterbreiten, von dem er hoffe, daß es die Zustimmung des
Kongresses finden werde, und das die Verantwortung der Regierung
während der Übergangszeit für solche Industrien und deren Arbeiter
feststellt, die durch den verstärkten Import ausländischer Erzeugnisse Schaden erleiden.
Er selbst, so betonte Kennedy, sei hinsichtlich der Zukunft
der USA optimistisch und glaube, daß das amerikanische Volk wie
auch die anderen Völker der Welt die Freiheit wünschen und selbst
über ihr Schicksal entscheiden wollen. Hier liege für die USA eine
große Chance, für die Sache der Freiheit - nicht nur in wirtschaftlicher Hinsicht - einen Beitrag zu leisten.

# « * # *

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
USIS-Bonn Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XV - 2

Bad Godesberg, den 1. Februar 1962
INKALTSVERZEIGHNIS

Die Möglichkeiten einer Arbeitszeitverkürzung
in den USA
Ein Viertel des Einkommens geht für die Steuer drauf
Steigende Aufwendungen für Urlaub und Freizeit
in den USA
Anstieg der Arbeitsproduktivität im Kohlebergbau um
85 Prozent seit 1949
Gewerkschaftliche Kurznachrichten

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John M. Barry, Redakteur der AFL-CIO News:
Die Möglichkeiten einer Arbeitszeitverkürzung in den USA
Aus"The American Federationist",
dem offiziellen Organ des amerikanischen Gewerkschaftsverbandes
AFL-CIO; November 1961 (gekürzt).
Die Bemühungen der amerikanischen Arbeiterbewegung um die Verkürzung der Arbeitszeit gewinnen in einer Zeit, in der sich die Arbeitslosenziffern trotz aller Anzeichen für eine weitere Zunahme der Wirtschaftstätigkeit auf etwa gleicher Höhe halten, immer größere Bedeutung.
Zahlreiche Gewerkschaftsfunktionäre und Volkswirtschaftler fühlen
sich durch den gleichbleibend hohen Anteil der "technischen Arbeitslosigkeit", der Verdrängung von Menschen durch Maschinen, beunruhigt.
Die Automation ist nicht mehr länger eine Möglichkeit der Zukunft,
sie ist Realität und fordert bereits einen schweren Tribut.
Schon

�Schon auf dem AFL-CIO-Konvent von 1959 kam die tiefe Besorgnis
der Gewerkschaften über die Verringerung der Arbeitsgelegenheiten
deutlich zum Ausdruck. In einer Resolution wurde beispielsweise festgestellt, daß der Ausstoß der Fertigungsindustrien von 1953 his zur
Jahresmitte 1959 um 16 Prozent angestiegen, die Zahl der in der Produktion und mit Wartungsarbeiten Beschäftigten in derselben Zeit
aber um 10 Prozent zurückgegangen sei. "Wenn die Früchte des immer
schnelleren technischen Fortschritts nicht in Form einer Verkürzung
der Arbeitszeit weitergegeben werden, sondern eine Verringerung der
Beschäftigtenzahlen bewirken," so betonten die Delegierten des Konvents, "wird die Arbeitslosigkeit ständig zunehmen. Der technische
Fortschritt macht die Arbeitszeitverkürzung nicht nur möglich, sondern notwendig."
Kein Wunder, daß immer mehr Gewerkschaften bei Kollektivverhandlungen auf die Verkürzung der Arbeitszeit bei vollem Lohnausgleich
bestehen, nicht nur als einem Mittel, in Zeiten geringeren Arbeitsanfalls die Arbeit auf möglichst viele zu verteilen, sondern auch
als einem Schritt zur Stabilisierung der Beschäftigungslage auf lange
Sicht.
Die Fünftagewoche mit 40 Arbeitsstunden gilt gegenwärtig noch für
die Mehrzahl der Fabrikarbeiter; von den Büroangestellten wird sie
aber in immer größerer Zahl bereits unterschritten, und es mehren sich
nach Untersuchungen des US-Bundesamtes für Arbeitsstatistik die Bestrebungen, eine weitere Arbeitszeitverkürzung auf sämtliche Angehörigen
der Angestelltenberufe auszudehnen.
In den Jahren 1952-53 arbeiteten beispielsweise 44 Prozent der
Büroangestellten und nur 6 Prozent der Fabrikarbeiter in 18 Beobachtungsgebieten, die vom Bundesamt für Arbeitsstatistik zur Ermittlung
der vorherrschenden Trends ausgewählt worden waren, weniger als 40
Stunden. In den Jahren 1958-59 aber - dem jüngsten Zeitraum, für den
vergleichbare statistische Unterlagen greifbar sind - war der Anteil
der weniger als 40 Stunden Arbeitenden bei den Büroangestellten auf
47 Prozent und bei den Fabrikarbeitern auf 10 Prozent angestiegen.
Noch größere Bedeutung kommt vielleicht der Tatsache zu, daß zwischen
1952 und 1959 die Zahl der Fabrikarbeiter, deren reguläre Arbeitszeit
mehr als 40 Stunden betrug, von 20 auf 7 Prozent zurückging.
Aus anderen Untersuchungen des Bundesamtes für Arbeitsstatistik
geht hervor, daß die Vierzigstundenwoche besonders häufig im Nordosten
der USA unterschritten wird, wo die Arbeitsbedingungen in New York
das Bild der Statistik maßgeblich beeinflussen. Eine Umfrage in den
verschiedenen Großstadtzonen ergab für das Haushaltjahr 1959/60
(vom 1. Juli 1959 bis 30. Juni i960), daß rund 60 Prozent aller
Arbeitnehmer im Nordosten der USA eine reguläre Arbeitszeit von weniger
als 40 Stunden - zumeist 35 Stunden - hatten. Auch hier stellten die
Büroangestellten wiederum den größten Anteil.
Der Siebenstundentag und andere Formen der Arbeitszeitverkürzung
werden Zug um Zug, Berufszweig um Berufszweig und Gewerkschaft um
Gewerkschaft realisiert. Zu den Schrittmachern dieser Bewegung zählen:
Sie

�die Oberbekleidungsindustrie, wo heute praktisch sämtliche Mitglieder der Gewerkschaft der Damenoberbekleidungsindustrie (Ladies'
Garment Workers Union) Kollektivverträgen unterliegen, die die Fünfunddreißigstundenwoche (bei 5 Arbeitstagen zu je 7 Stunden) vorsehen.
Die Wochenstundenzahl wurde in diesem Wirtschaftszweig in der Zeit
der Wirtschaftskrise um 1930 zwecks Aufteilung der anfallenden Arbeit
herabgesetzt. Nach der Depression wurde die Fünfunddreißigstundenwoche
in New York beibehalten und später auf andere Schwerpunkte der Oberbekleidungsindustrie ausgedehnt^
das Druckerei- und Verlagswesen, in dem im Haushaltjahr 1959/60
die durchschnittliche planmäßige Arbeitswoche 36,6 Stunden betrug,
wie das US-Bundesamt für Arbeitsstatistik in einer Umfrage in Städten
mit mehr als 100 000 Einwohnern ermittelt hat. Im Juli 1955 wurde die
Stundenzahl noch mit 37*1 angegeben. Über zwei Drittel der Mitglieder
des Amerikanischen Journalistenverbandes (American Newspaper Guild)
haben eine Arbeitswoche von weniger als 40 Stunden; und die Hälfte
von diesen wiederum arbeitet 35 Wochenstunden;
das Baugewerbe, in dem etwa 12 Prozent der gelernten und ungelernten Arbeiter die Vierzigstundenwoche unterschreit«». Ungefähr
10 Prozent der Angestellten im Baugewerbe hatten am 1. Juli"1960
die Fünfunddreißigstundenwoche, wie eine Umfrage des Bundesamtes für
Arbeitsstatistik in den Großstädten ergab. Tarifverträge, die für
etwa ein Fünftel der Stukkateure und eis/Zehntel der Elektriker und
Stukkateurarbeiter gelten, brachten den Übergang zur Dreißigstundenwoche;
das Braugewerbe, in dem die normale Arbeitszeit für mehr als
50 Prozent der Beschäftigten bei 37»5 Stunden die Woche lieg-t;
die Gummiindustrie, in der die Sechsunddreißigstundenwoche bei
sechs Arbeitstagen in den Werken in Akrön seit den dreißiger Jahren
die Regel ist;
die privaten Telephongesellschaften, bei denen 100 000 bis
150 000 Angestellte, die der Amerikanischen Gewerkschaft des Fernmeldewesens (Communication Workers of America) angehören, weniger
als 40 Stunden die Woche arbeiten. Hierbei handelt es sich größtenteils um Frauen, die in geteiltem Schichtdienst und vielfach in Nachtschichten arbeiten.
•
Schichtzuschläge in Form verlängerter Freizeit anstelle eines
Aufgelds wurden auch in anderen Wirtschaftszweigen ausgehandelt, vor
allem im Druckerei- und Baugewerbe. Derartige Regelungen bildeten
in mehreren Fällen die Ausgangsbasis für die Durchsetzung genereller
Arbeitszeitverkürzungen bei Tarifverhandlungen. Eine Untersuchung
des Bundesamtes für Arbeitsstatistik aus dem Jahre 1958» in die
1736 größere Kollektivvertragswerke einbezogen worden waren, führte
zu dem Ergebnis, daß- 1317 Verträge die Gewährung von Schichtzuschlägen vorsahen. Etwa 10 Prozent der Vergütung für die zweite Schicht
und 20 Prozent der Vergütung für die dritte Schicht wurden in Form
einer Verkürzung der Arbeitszeit gewährt.
Die

�[
Die Verkürzung des regelmäßigen Arbeitstages ist keineswegs die
einzige Form der Verkürzung der Arbeitszeit. Seit der Depression
der dreißiger J'ahre haben die Bemühungen um die Erlangung freier
Tage mit einer Bezahlungsregelung wie bei Feiertagen und Urlaub sogar im Vordergrund gestanden. Sie spiegeln den Wunsch der arbeitenden
Menschen nach mehr Muße und Freizeit wider.
Vor dem zweiten Weltkrieg beschränkte sich die Bezahlung von
Feiertagen auf leitende und andere Angestellte. Die Einführung
der Lohnüberwachung im Kriege beschleunigte den Gang der Verhandlungen über die Gewährung anderer Sozialleistungen und brachte die
Aufnahme von Klauseln über die Bezahlung •on Feiertagen in eine wachsende
Zahl von Tarifverträgen. Im Jahre 1959 ergab eine Untersuchung des
Bundesamtes für Arbeitsstatistik, daß 91 Prozent aller Fabrikarbeiter
in 18 ausgewählten Gebieten Anspruch auf sechs oder mehr bezahlte
Feiertage hatten gegenüber 86 Prozent im Jahre 1953« 64 Prozent der
Arbeiter erhielten 1959 sogar sieben bezahlte Feiertage gegenüber nur
31 Prozent im Jahre 1953»
Ein ähnlicher Trend herrschte auch hinsichtlich der Gewährung von
bezahltem Urlaub vor. Im Jahre 1958 ergab eine Analyse von Untersuchungen des US-Arbeitsministeriums durch die Wissenschaftliche Abteilung der AFL-CIO, daß 9? Prozent der vom Arbeitsministerium untersuchten bedeutenderen Tarifverträge Bestimmungen über die Gewährung von
bezahltem Urlaub enthielten, während im Jahre 1940 nur etwa ein Viertsl^jäer gewerkschaftlich organisierten Arbeiter bezahlten Urlaub erhielt. Nach dieser Analyse sahen 84 Prozent der Tarifverträge, die
eine Urlaubsregelung nach Betriebszugehörigkeitsdauer zum Gegenstand
hatten, die Gewährung von drei Wochen und 20 Prozent die Gewährung
von vier Wochen Urlaub vor. Im Gegensatz hierzu hatte das Arbeitsministerium 1940 berichtet, daß drei Wochen Urlaub "äußerst selten"
seiend und noch 1952 wiesen lediglich 4 Prozent der größeren Tarifvertragswerke die Verpflichtung zur Gewährung von vier Wochen Urlaub
auf.
Die Analyse der Wissenschaftlichen Abteilung stellte ferner einen
Trend zur Herabsetzung der Mindestbetriebszugehörigkeitsdauer als
Voraussetzung für die Gewährung von bezahltem Urlaub fest. In älteren Tarifverträgen war eine 15&gt; 20- und sogar 25jährige Betriebszugehörigkeit als Vorbedingung für einen dreiwöchigen Urlaub vereinbart worden. Bis zum Jahre 1957 hatte man diese Grenze in der Regel
bereits auf 15 Jahre herabgesetzt, und bei einem Viertel der wichtigeren Tarifverträge betrug sie sogar nur noch zehn Jahre und darunter.
Diese Entwicklungstendenzen zeigen eine Reihe von interessanten
Alternativen zur Verringerung der täglichen Arbeitszeit auf.
Die Viertagewoche ist keineswegs ein unrealistisches Ziel, wenn
sie allmählich angestrebt wird. Um etwas gegen die Arbeitslosigkeit
unter ihren Mitgliedern zu tun, handelte eine örtliche Gewerkschaft
an der Westküste kürzlich einen zusätzlichen freien Tag pro Monat
bei vollem Lohnausgleich aus, was 12 zusätzlichen bezahlten Feiertagen im Jahr gleichkommt. Der nächste Schritt kann durchaus ein freier

- 4 -

�freier Tag alle zwei Wochen und schließlich je Woche sein.
Eine weitere Möglichkeit wäre, als erster Schritt, auch die Forderung nach einer Viereinhalbtagewoche hei 36 Wochenstunden - wie
ja auch die Fünfeinhalbtagewoche der Fünftagewoche vorausging. Und
die Beschäftigten, die sich heute schon der Fünftagewoche mit 35
Stunden erfreuen, sind von der Fünftagewoche mit 30 Stunden oder
der Viertagewoche mit 32 Stunden gar nicht mehr so weit entfernt.
Als Übergangsregelung läßt sich auch die Viertagewoche für einen Teil
des Jahres denken, etwa den Sommer, wo der Arbeitsanfall in gewissen
Wirtschaftszweigen ohnehin geringer und der Wunsch nach mehr Freizeit
größer ist. Es wäre auch möglich, für langjährige Mitarbeiter als eine
Art Übergang zur späteren Pensionierung ein dreitägiges Wochenende
auszuhandeln.
Die Verlängerung des Urlaubs ist eine weitere sehr attraktive Form
der Verkürzung der Arbeitszeit, weil so gewonnene vermehrte Freizeit in
einem Stück genommen werden kann. Es ist allerdings eine sehr großzügige Urlaubsregelung notwendig, um auf diese Weise eine merkliche
Arbeitszeitverkürzung zu bewirken. Jede zusätzliche Urlaubswoche entspricht 40 Stunden und - auf das ganze Jahr umgelegt - einer Verkürzung
der Arbeitszeit um noch nicht einmal eine Stunde pro Woche.
Die jüngeren Tarifabkommen zeigen jedenfalls, daß sich der Trend
zu längerem bezahlten Urlaub allmählich immer deutlicher herausbildet.
Einige der Seeleutegewerkschaften haben einen Jahresurlaub von 30 his
60 Tagen durchgesetzt, der allerdings von gewissen Vorbedingungen
abhängig ist. Ein langer Urlaub ist für Seeleute natürlich eine gewisse
Entschädigung dafür, daß sie lange Zeit, fern von zu Hause und abgeschlossen von anderen Menschen, auf hoher See verbringen müssen. Eine
Höchstgrenze für die Urlaubsforderungen der einzelnen Gewerkschaften gibt
es nicht. Das Ortskartell einer großen amerikanisch-kanadischen Gewerkschaft hat beispielsweise einen einjährigen bezahlten Urlaub für Angestellte nach Beendigung des zehnten Dienstjahres ausgehandelt. Ein langfristiger, durchgehender Urlaub, sei er auch nur auf ein Vierteljahr beschränkt, würde dem arbeitenden Menschen eine Zeit des gründlichen Ausspannens sichern.
Die frühzeitige Pensionierung ist eine weitere Form der Verkürzung der Arbeitszeit, wenn man sie in Beziehung zu dem gesamten Arbeitsleben des Menschen sieht. Zahlreiche Altersversicherungspläne
gestalten bereits die vorzeitige Pensionierung im Alter von 55 Jahren,
wobei eine gewisse Kürzung der Bezüge in Kauf zu nehmen ist. Da eine
allgemeine Anhebung der Altersrenten aber eines der grundlegenden
Ziele bei praktisch allen Kollektivverhandlungen ist, werden sicher
immer mehr Arbeitnehmer von dieser Möglichkeit des früheren Ausscheidens aus dem Erwerbsleben Gebrauch machen. Diese Entwicklung wird
auch durch die kürzlichen Änderungen der Sozialversicherungsgesetze

-

5 -.

�Sozialversicherungsgesetze einen neuen Auftrieb erhalten, die sowohl weiblichen als auch männlichen Arbeitnehmern die vorzeitige
Pensionierung nach Erreichung des 62. Lebensjahres bei geringfügig verringerten Bezügen gestatten.
Angesichts dieser Alternativen wird jede Gewerkschaft den
Weg zur Verringerung der Arbeitszeit wählen, der den Bedürfnissen
und Wünschen ihrer Mitglieder am ehesten entspricht und der jeweiligen Situation in dem entsprechenden Wirtschafts- oder Beschäftigungszweig am besten gerecht wird. Die derzeitigen Verhältnisse
werden sich sicherlich nur ganz allmählich und Schritt für Schritt
ändern, wie dies auch in der Vergangenheit schon der Fall war. Die
Geschichte lehrt uns, daß solche Veränderungen unaufhaltsam sind.
Der diesbezügliche Druck bei Kollektivverhandlungen wird sich in
dem selben Maße verstärken, in dem immer neue Maschinen auf den Plan
treten.
Soll die Automatisierung der Menschheit zum Segen gereichen, dann
muß es uns gelingen, die Vorteile der steigenden Produktivität in
mehr Freizeit und mehr Arbeitsplätze umzumünzen.
(Aus "The American Federationist".)

* * * * *

Ein Viertel des Einkommens geht für die Steuer drauf
Mehr als ein Viertel seiner täglichen Arbeitszeit muß der
amerikanische Arbeitnehmer heute zur Begleichung seiner steuerlichen
und anderen fiskalischen Verpflichtungen aufwenden. Dies hat die
"Tax Foundation, Inc.", eine private Forschungsorganisation, auf
Grund einer kürzlich durchgeführten Analyse festgestellt.
Danach muß der Amerikaner täglich 1 Stunde und 39 Minuten allein
für die vom Bund eingezogenen Steuern (insbesondere die Einkommensteuer)
arbeiten, während er weitere 38 Minuten dafür aufwenden muß, die
Steuern der Bundesstaaten und Gemeinden aufzubringen. Alles in allem
arbeitet er also täglich 2 Stunden und 17 Minuten ausschließlich für
die Steuer.
Im Jahr 1960 brachten sämtliche Bundes-, bundesstaatlichen und
kommunalen Steuerarten der öffentlichen Hand insgesamt 131»7 Mrd.
Dollar ein; das sind 28,6 Prozent des Nettosozialprodukts (zu Marktpreisen). Gemessen am Wert der im Inland erzeugten Güter und Dienstleistungen liegen die Steuern heute im Vergleich zu 1949 um 27 Prozent
und gegenüber 1929 um 167 Prozent höher. Die steuerlichen Belastungen
waren dabei i960 - wenn man den reinen Dollarbetrag als Basis wählt rund 2 1/2 mal so hoch wie im Spitzenjahr des letzten Krieges.
Wie
-

6

.

�Wie aus der Untersuchung weiter hervorgeht, sind die Steuereinnahmen seit Ende des zweiten Weltkrieges im gleichen Maße angestiegen wie das Nettosozialprodukt. Gegenüber der Steuerspitze des Jahres 1943» in dem der Anteil der Bundessteuern am Nettosozialprodukt
21,5 Prozent betrug (in der unmittelbaren Nachkriegszeit ging dann
der Anteil - bis zum Ausbruch des Koreakrieges - auf 16,1 Prozent
0 949) zurück), lagen die Steuern i960 nur unwesentlich niedriger
(Anteil 20,4 Prozent).
Inzwischen sind aber auch die bundesstaatlichen und kommunalen
Steuern erheblich angestiegen. Während sie 1945 nur knapp 5 Prozent
des Nettosozialprodukts ausmachten, belaufen sie sich heute auf 8,2
Prozent. In dieser Zunahme spiegeln sich in erster Linie die wachsenden finanziellen Bedürfnisse der Städte und Kommunen wider, wie sie
durch den Ausbau der zahlreichen kommunalen Einrichtungen - Straßen,
Schulen, Krankenhäuser, soziale Institutionen usw. - gegeben sind.
Während die Einnahmen aus diesen Steuern im Jahre 1945 lediglich
9,8 Mrd. Dollar ausmachten, betragen sie heute (i960) 37»6 Mrd. Dollar. Bei den Bundessteuern sieht die Entwicklung so aus: 1945 m 42,2
Mrd. Dollar; 196O • 94,1 Mrd. Dollar.
In der Analyse der "Tax Foundation" sind jedoch keine Angaben
über die Verwendung der einzelnen Steuergelder enthalten, sondern
lediglich Anhaltszahlen darüber, wieviel Geld der amerikanische Steuerzahler im Durchschnitt für die Aufgaben des Bundes aufbringen muß.
Nach dieser Übersicht sind es pro Jahr 1092 Dollar, die in die
Kassen des Bundes nach Washington fließen. Mehr als die Hälfte dieses
Betrages - nämlich 623 Dollar - wird dabei für die nationale Sicherheit aufgewendet; rund 11 Prozent (120 Dollar) für den Schuldendienst;
33 Dollar für die Auslandshilfe; 65 Dollar für die Unterstützung der
Kriegsteilnehmer. Alle diese - häufig zu einem Posten zusammengezogenen - Ausgaben belaufen sich auf 841 Dollar oder etwas über 75 Prozent
der jährlichen Steuersumme, die der Steuerzahler im Durchschnitt aufbringt. Der Rest fließt dem Farmstützungsprogramm, den zahlreichen Sozial- und Wohlfahrtsplänen, dem Raumfahrtprogramm usw. zu.

(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

�Steigende Aufwendungen für Urlaub und Freizeit in den USA
Der arbeitende Mensch hat den berechtigten Wunsch nach ausreichender Freizeit: einmal, um die Früchte der Arbeit genießen zu können, zum anderen, um Körper und Geist die nötige Erholung zu gewähren. In den Vereinigten Staaten gibt der steigende Lebensstandard - nicht zuletzt ein Verdienst des amerikanischen Wirtschaftsund Sozialsystems - dem Arbeiter die Möglichkeit, immer mehr Zeit
und auch Geld für die Freizeitgestaltung aufzuwenden. Eine Untersuchung, die vor einiger Zeit von der Chase Manhattan Bank in New York
veröffentlicht wurde, gibt hierüber bemerkenswerte Aufschlüsse.
Im Jahre 196O verdienten die Amerikaner insgesamt 123 Mrd. Dollar
mehr, als sie für Grundnahrungsmittel, Bekleidung, Unterkunft, ärztliche Versorgung, Steuern und andere feste Ausgaben ausgegeben haben.
Mithin konnten sie über fast ein Drittel des gesamten Personaleinkommens nach Abzug der Steuern frei verfügen. Ein Drittel hiervon rund 45 Mrd. Dollar oder mehr als 12 Prozent des Gesamteinkommens wurde für Erholung und Freizeit ausgegeben.
Erfreulich ist, daß der größte Teil dieser Summen für sinnvolle
Zwecke verwendet wurde, vor allem für Urlaubsreisen. Die Aufwendungen
für Reisen innerhalb der Vereinigten Staaten haben sich beispielsweise in den letzten zehn Jahren verdoppelt, die für Auslandsreisen
sogar nahezu verdreifacht.
Eine erhebliche Zunahme ist auch bei den Ausgaben für kulturelle
Zwecke zu verzeichnen. Für Bücher haben die Amerikaner i960 um rund
zwei Drittel mehr ausgegeben als vor fünf Jahren. Die Einnahmen
der Theater aus dem Kartenverkauf sind seit 1946 um 115 Prozent gestiegen und lagen i960 um ein Drittel über den Kasseneinnahmen sämtlicher
öffentlicher Sportveranstaltungen.
Bezeichnend ist auch das zunehmende Interesse für Musik. 32 Millionen Amerikaner betrieben Musik als Liebhaberei; das entspricht einer
Zunahme von 40 Prozent innerhalb der letzten zehn Jahre. Über die
Hälfte aller Orchester aus Berufsmusikern entfallen heute auf die
USA. Die Besucherzahlen der Museen schnellten in den letzten Jahren
gewaltig in die Höhe.
Andererseits war in verschiedenen Bereichen der Freizeitbetätigung, die sich lange Jahre hindurch besonderer Beliebtheit erfreut
haben, ein Rückgang des Interesses zu beobachten. Die Besucherzahlen
der Filmtheater nahmen ebenso ab wie die VerkaufsZiffern der Fernsehgerätehersteller. Die Zunahme der Besucherzahlen von Sportveranstaltungen erreichte nur ein Viertel der Zuwachsrate der Gesamtausgaben
für Freizeitgestaltung. Um so bemerkenswerter ist es, daß vom aktiven
Sport eine absolute Rekordbeteiligung gemeldet wird. Hier sind es vor
allem die Sportarten, die im Freien betrieben werden, die eine überdurchschnittliche Steigerung der Zahl der Aktiven aufweisen: Rudern,
Schwimmen, Fischen und Jagd. Auch der Kegelsport sowie Baseball, Korbball, Tennis, Golf und Bogenschießen haben viele neue Freunde gewonnen.
Welche

�Welche Motive diesem Strukturwandel in der Freizeitbeschäftigung zugrunde liegen, ist schwer zu sagen. Mit ziemlicher Sicherheit wird er von den allgemeinen wirtschaftlichen und soziologischen
Entwicklungstendenzen beeinflußt. Hierzu nur zwei Beispiele: Die
rapide Zunahme der Beschäftigung in den Angestelltenberufen auf
Kosten der Beschäftigung in der Landwirtschaft und in den Handarbeiterberufen hat im Verein mit der "Flucht" der städtischen Bevölkerung in die Vorstädte viele Energien frei gemacht, die das Interesse der arbeitenden Menschen an einer aktiven Freizeitbeschäftigung wachsen ließen. Und die Anhebung des Bildungsniveaus hat
sicherlich entscheidend mit zu der immer regeren Beteiligung auch
der arbeitenden Menschen am kulturellen Leben beigetragen.

(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

Anstieg der Arbeitsproduktivität im Kohlebergbau um 85 Prozent
seit 1949
Auf Grund der in der Zeit zwischen 1949 und 1959 i m amerikanischen Steinkohlebergbau vorgenommenen Mechanisierung und Modernisierung konnte die Arbeitsleistung pro Arbeitnehmer in diesem Industriezweig um insgesamt 85 Prozent gesteigert werden, was einer jährlichen
Produktivitätssteigerung von im Durchschnitt über 6 Prozent entspricht.
Diese Angaben sind in einer umfassenden Analyse über die technologischen Veränderungen im amerikanischen Kohlebergbau und über
ihre zahlreichen Auswirkungen enthalten, die in der Oktober-Ausgabe
1961 von "Monthly Labor Review" erschienen ist.
Wie aus dieser Übersicht weiter hervorgeht, waren im US-Steinkohlebergbau im Jahr 196O nur noch 159 000 Arbeitnehmer beschäftigt,
was eine Abnahme der Beschäftigtenzahl gegenüber 1949 um 63 Prozent
bedeutet. Obwohl sich die langfristigen Aussichten des Steinkohlebergbaus in jüngster Zeit gebessert hätten, so heißt es in dem
Bericht, sei nicht damit zu rechnen, daß sich die Zahl der Beschäftigten in Zukunft wesentlich über das derzeitige Niveau hinaus erhöhen werde.
Auf Grund langfristig abgeschlossener Lieferverträge und in
Anbetracht der steigenden Produktionskosten, hätten die Bergwerksleitungen mit Unterstützung der Gewerkschaften die Gruben verhältnismäßig schnell mechanisiert und modernisiert, heißt es in
dem Artikel weiter. Infolge des Einsatzes besonderer Schürf-.

- 9

�Schürf/, Beladungs- und Umschlageinrichtungen sowie von Förderbändern und speziellen Zubringerwagen werde die Kohle heute unter Tage
praktisch überhaupt nicht mehr von Hand bewegt. Einen sehr starken
Einfluß auf die Erhöhung der Produktionsleistung hätten vor allem
auch die Schrämlader gehabt, durch die der gesamte Abbauprozeß zu
einem kontinuierlichen Arbeitsgang zusammengefaßt worden sei. &gt;
Auch der Tagebau sowie die Kohleaufbereitung ist in den vergangenen zehn Jahren weitgehend mechanisiert und automatisiert worden.
Insgesamt erhöhten sich die Investitionen pro Arbeitsplatz im Kohlebergbau seit 1948 um rund 10 Prozen* jährlich und dürften 1958, wie
es in dem Artikel heißt, pro Arbeitsplatz etwa 15 000 Dollar ausgemacht haben.
Der sichtbare Erfolg all dieser Bemühungen der Zechenleitungen
in den vergangenen zehn Jahren kommt in dem unwahrscheinlich hohen
Anstieg der Arbeitsproduktivität in diesem Industriezweig zum Ausdruck, der rund 85 Prozent betrug und damit größer war als in den
vorangegangenen 50 Jahren zusammen. Auf Grund dieser starken Zunahme
der Arbeitsproduktivität konnten, wie in dem Artikel betont wird, die
Kosten pro Produktionseinheit fast auf dem gleichen Niveau wie 1947
gehalten werden - und das, obwohl die durchschnittlichen Stundenlöhne
der Bergleute in diesem Zeitraum von 1,64 Dollar auf 5,25 Dollar anstiegen und von den Bergwerksgesellschaften Sozialnebenleistungen in
Höhe von 184 Millionen Dollar aufgebracht wurden.
Durch die beträchtliche Mechanisierung und Automatisierung im
amerikanischen Kohlebergbau war es auch in den vergangenen zehn Jahren
möglich, den Kohlepreis weitgehend stabil zu halten und somit die
Wettbewerbsposition der Kohle gegenüber den anderen Brennstoffen zu
sichern. Da die Kraftwerke in der letzten Dekade ihren Kohleverbrauch
nahezu verdoppelten, wanderte praktisch die Hälfte aller in den USA geförderten Kohlen in die Heizkessel der Kraftwerke.
Mit der starken Erhöhung der Arbeitsproduktivität ergab sich bei
einem gleichzeitigen Rückgang der Bedarfsnachfrage zwangsläufig ein
geringerer Bedarf an Arbeitskräften im amerikanischen Steinkohlebergbau, wie in dem Artikel abschließend festgestellt wird. Hierdurch
sei ein starker Rückgang in der Gesamtbeschäftigtenzahl sowie erhöhte
Arbeitslosigkeit in den Kohlebergbaugebieten zu verzeichnen gewesen.

(Quelle: Eigenbericht)

* -x- * * *

_ 10

�Gewerkschaftliche Kurznachrichten
Gehaltsanalyse für 68 Angestelltenberufe
Die durchschnittlichen monatlichen Einkommen für insgesamt
68 Angestellten- bzw. freie Berufe lagen in den Vereinigten Staaten
im Winter 1960/61 zwischen 252 Dollar für mit Routinearbeiten beschäftigte Registratoren und 1726 Dollar für Rechtsanwälte, wie
aus einer jetzt vom US-Amt für Arbeitsstatistik veröffentlichten
Gehalts- bzw. Einkommensanalyse hervorgeht, die sich auf das gesamte
Gebiet der Vereinigten Staaten erstreckt.
Es ist dies die zweite umfassende Analyse dieser Art, die vom
US-Arbeitsministerium durchgeführt wurde. Im einzelnen wurden dabei
die Einkommen der wichtigsten Angestellten- und freien Berufe in den
Städten des gesamten Landes untersucht und die analysierten 68 Berufe
in erster Linie aus den folgenden Gruppen ausgewählt: Buchhalter,
Rechtsanwälte, Ingenieure, Chemiker, Zeichner, Personalsachbearbeiter,
Bürokräfte der Dienstleistungszweige und andere Büroangestellte.
Wie aus dieser Untersuchung weiter hervorgeht, beliefen sich die
monatlichen Einkommen bei 23 Berufsgruppen auf weniger als 500 Dollar;
bei 32 auf über 500, aber weniger als 1000 Dollar und bei 13 Gruppen
auf über 1000 Dollar.
Die Monatsgehälter für Ingenieure - die größte Gruppe der wissenschaftlichen Berufe in der Analyse - lagen zwischen 548 Dollar
Gruppe I, Anfangsgehalt für Hochschulabsolventen) und 1588 Dollar
Gruppe VIII, Chefingenieure). Die Anfangsgehälter für Chemiker dagegen betrugen im Durchschnitt 481 Dollar und lagen damit etwas unter
den Anfangsgehältern der Ingenieure. Mit steigendem Gehalt verringern
sich die prozentualen Unterschiede jedoch mehr und mehr. In der Gehaltsgruppe IV zum Beispiel beliefen sich die durchschnittlichen
Monatsgehälter für Ingenieure auf 832 Dollar und für Chemiker auf
792 Dollar.

[

Die durchschnittlichen Monatsgehälter der Bürokräfte lagen der
Untersuchung zufolge zwischen 252 Dollar für Registraturen mit Routinearbeiten und 457 Dollar für das Bedienungspersonal von Tabelliermaschinen. Die größte Gruppe dieser Angestellten, die Stenographen, bezog
im Durchschnitt ein Monatsgehalt von 341 Dollar. Sie lagen damit etwas
über dem Durchschnitt der insgesamt 17 von der Analyse erfaßten Büroangestelltenberufe.
(Quelle: Eigenbericht)
* * * * #

- 11

�52 278 Gewerkschaften legten US-Arbeitsministerium FinangBericht vor
Insgesamt 52 278 amerikanische Gewerkschaften haben nach Angaben
von US-Arbeitsminister Goldberg dem amerikanischen Arbeitsministerium
auf Grund des sogenannten "Labor-Management Reporting and Disclosure
Act of 1959" i m Jahre i960 detaillierte Geschäfts- und Finanzberichte
unterbreitet.
Eine komplette Liste all dieser Gewerkschaften, die neben der
genauen Namensbezeichnung jeder Gewerkschaft auch die Verbandszugehörigkeit sowie die genaue Anschrift enthält, ist in einem 512 Seiten
starken Register enthalten, das nach Meinung von Arbeitsminister Goldberg die umfassendste Übersicht darstellt, die je über amerikanische
Gewerkschaften veröffentlicht wurde. Diese Publikation ist durch das
U.S. Government Printing Office zu beziehen und kostet 1,75 Dollar.
Nicht enthalten in dieser übersieht sind alle jene Gewerkschaften
die auf Grund des Gewerkschaftsgesetzes aus dem Jahre 1959 nicht zur
Offenlegung ihrer Finanzen und zur Abgabe von Tätigkeitsberichten
verpflichtet sind. Bei diesen Gewerkschaften handelt es sich in erster
Linie um Arbeitnehmerorganisationen für die Angestellten des öffentlichen Dienstes.
(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

Löhne der Bauhandwerker leicht angestiegen
Die durchschnittlichen Stundenlöhne der Baufacharbeiter sind im
3. Quartal 1961 geringfügig - und zwar um 0,4 Prozent - angestiegen,
wie aus einer jetzt vom US-Amt für Arbeitsstatistik veröffentlichten
Statistik hervorgeht. Diese Lohnanalyse bezieht sich dabei auf die
sieben wichtigsten Baufacharbeiterberufe in 100 amerikanischen Städten.
Auf Grund der in diesem Zeitraum neu abgeschlossenen Tarifverträge
erhöhten sich die Durchschnittslöhne aller Baufachberufe um 1,4 Cent
und belaufen sich jetzt auf 3»83 Dollar. Am stärksten erhöht haben sich
die Löhne der Bauelektriker (6,3 Centl, der Maler (2,4 Cent) und der
Klempner und Installateure (2,2 Cent).
Gegenüber dem Durchschnitt der Jahre 1947-49 lagen die Bauarbeiterlöhne am 2. Oktober 1961 um 85 Prozent, im Vergleich zum 3. Oktober i960 um 4,0 Prozent höher. Die Gesamtzunahme im Jahre 196O betrug
im Durchschnitt 14,7 Cent, wobei der größte Anstieg in den verschiedenen Berufszweigen 18,4 Cent und der geringste 9,4 Cent betrug.
(Quelle: Eigenbericht)
» * * * #
_
«

12

�Industriearbeiterlöhne zqpgen erneut an
Das durchschnittliche Wocheneinkommen der industriellen Arbeitnehmer in den Vereinigten Staaten hat gegenüber Oktober 1961
im November weiter zugenommen, wie aus der jüngsten Lohnübersicht
des US-Arbeitsministeriums zu entnehmen ist. Im gleichen Zeitraum
ist auch die durchschnittliche Länge der wöchentlichen Arbeitszeit
weiter (um 2/10 Stunden) angestiegen und hat mit 40,6 Stunden den
höchsten Stand seit zwei Jahren erreicht.
Nachdem das wöchentliche Nettoeinkommen mit 84,12 Dollar für
einen verheirateten industriellen Arbeitnehmer mit drei Familienangehörigen (76,50 Dollar für Alleinstehende) schon im Oktober einen
absoluten Höchststand erreicht hatte (5 fo mehr als im Oktober i960),
war im November ein weiterer Anstieg zu verzeichnen. Nach den bisher
veröffentlichten Ziffern lagen die durchschnittlichen Bruttowochenlöhne der Industriearbeiter bei 95,82 Dollar (Oktober - 94,54 Dollar)
und damit um 6,61 Dollar höher als vor einem Jahr.
Wie der stellvertretende Unterstaatssekretär im US-Arbeitsministerium, Seymour L. Wolfbein, in diesem Zusammenhang zur derzeitigen Arbeitsmarktlage in den Vereinigten Staaten erklärte, hat sich
die Zahl der nichtlandwirtschaftlichen Arbeitnehmer seit dem Rezessionstief im Februar 1961 um 2,5 Millionen erhöht und im November
einen Stand von 55,077 Millionen erreicht. Die Gesamtbeschäftigtenzahl wurde vom amerikanischen Arbeitsministerium für November 1961
mit 67,3 Millionen angegeben. Das ist die höchste Beschäftigtenziffer,
die bisher in diesem Monat zu verzeichnen war«
Die Gesamtzahl der Erwerbslosen betrug dagegen in diesem Zeitraum etwa 4 Millionen. Gegenüber dem Vormonat blieb diese Ziffer
unverändert, obwohl sie an sich auf Grund der jahreszeitlichen
Erwartungen hätte um 500 000 höher sein müssen.
Die von den jahreszeitlichen Einflüssen bereinigte Arbeitslosenrate (der Anteil der Erwerbslosen an der Gesamtzahl der verfügbaren
Arbeitskräfte) ging zwischen Oktober und November von 6,8 auf 6,0
Prozent zurück. Dies ist der stärkste Rückgang innerhalb von drei
Jahren.
(Quelle: Eigenbericht)
* • * * «

"

13

"

�Industriearbeiterlöhne stiegen in 50 Jahren von 10 auf 9Q Dollar an
Die durchschnittlichen Wocheneinkommen der industriellen Arbeitnehmer in den Vereinigten Staaten sind in den vergangenen 50
Jahren von 10 Dollar auf 90 Dollar angestiegen, wie aus einer Analyse des amerikanischen Arbeitsministeriums hervorgeht, die sich
mit der Entwicklung der Arbeitsgewohnheiten in den USA zwischen
1909 und 1959 befaßt.
Wie daraus weiter zu entnehmen ist, ging die normale durchschnittliche Arbeitswoche der Industriearbeiter (ohne Überstunden)
in diesem Zeitraum von insgesamt 51 Stunden auf weniger als 40 Stunden zurück.
Dagegen erhöhte sich die Zahl der nichtlandwirtschaftlichen
Arbeitnehmer der amerikanischen Wirtschaft zwischen 1909 und 1959
von 27 Millionen auf 54 Millionen (November 1961 - 55»04 Mio).
(Quelle: Eigenbericht)
* * * * *

Günstige Streikbilanz im letzten Jahr
Nach vorläufigen Berechnungen des US-Amtes für Arbeitsstatistik
ging sowohl die Zahl der durchgeführten Streiks als auch die Zahl
der davon betroffenen Arbeitnehmer von September auf Oktober erheblich zurück.
Insgesamt begannen im Oktober 1961 rund 300 Streiks, durch die
223 000 Arbeitnehmer erfaßt wurden. Zwei Drittel aller Streiks entfielen dabei auf die Fertigungsindustrie. Da weitere 210 im September
begonnene, im Oktober aber noch andauernde Streiks hinzukommen, belief sich die Gesamtzahl der im Ausstand befindlichen Arbeitnehmer
auf 2t7 000.
Durch diese Streiks gingen insgesamt 2,38 Millionen Arbeitstage
verloren, das sind 0,23 Prozent der in diesem Monat geleisteten Gesamt;
arbeitszeit (0,35 $ im September).
In den ersten zehn Monaten des vergangenen Jahres gingen somit
15,3 Millionen Arbeitstage durch Streiks verloren, verglichen mit 17»9
Millionen im Jahre i960 und 63,3 Millionen im Jahre 1959« Der Anteil
der durch Streiks verlorengegangenen Arbeitstage an der Gesamtarbeitszeit erreichte in der 1O-Monats-Periode 1961 mit 0,16 Prozent den 1957
zum ersten Mal erzielten Niedrigstwert der Nachkriegszeit.
(Quelle: Eigenbericht)
* * * * *

- 14 -

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
USIS-Bonn/Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XV - 2

Bad Godesberg, den 1. Februar 1962
INRALTSVERZEICHNIS

Die Möglichkeiten einer Arbeitszeitverkürzung
in den USA

Seite

1

Ein Viertel des Einkommens geht für die Steuer drauf

Seite

6

Steigende Aufwendungen für Urlaub und Freizeit
in den USA
Anstieg der Arbeitsproduktivität im Kohlebergbau um
85 Prozent seit 1949

Seite

8

Seite

9

Gewerkschaftliche Kurznachrichten

Seite

11

John M. Barry, Redakteur der AFL-CIO News:
Die Möglichkeiten einer Arbeitszeitverkürzung in den USA
Aus"The American Federationist",
dem offiziellen Organ des amerikanischen Gewerkschaftsverbandes
AFL-CIO; November 1961 (gekürzt).
Die Bemühungen der amerikanischen Arbeiterbewegung um die Verkürzung der Arbeitszeit gewinnen in einer Zeit, in der sich die Arbeitslosenziffern trotz aller Anzeichen für eine weitere Zunahme der V/irtschaftstätigkeit auf etwa gleicher Höhe halten, immer größere Bedeutung.
Zahlreiche Gewerkschaftsfunktionäre und Volkswirtschaftler fühlen
sich durch den gleichbleibend hohen Anteil der "technischen Arbeitslosigkeit", der Verdrängung von Menschen durch Maschinen, beunruhigt.
Die Automation ist nicht mehr länger eine Möglichkeit der Zukunft,
sie ist Realität und fordert bereits einen schweren Tribut.
Schon

�Schon auf dem AFL-CIO-Konvent von 1959 kam die tiefe Besorgnis
der Gewerkschaften über die Verringerung der Arbeitsgelegenheiten
deutlich zum Ausdruck. In einer Resolution wurde beispielsweise festgestellt, daß der Ausstoß der Fertigungsindustrien von 1955 bis zur
Jahresmitte 1959 um 16 Prozent angestiegen, die Zahl der in der Produktion und mit Wartungsarbeiten Beschäftigten in derselben Zeit
aber um 10 Prozent zurückgegangen sei. "Wenn die Früchte des immer
schnelleren technischen Fortschritts nicht in Form einer Verkürzung
der Arbeitszeit weitergegeben werden, sondern eine Verringerung der
Beschäftigtenzahlen bewirken," so betonten die Delegierten des Konvents, "wird die Arbeitslosigkeit ständig zunehmen. Der technische
Fortschritt macht die Arbeitszeitverkürzung nicht nur möglich, sondern notwendig."
Kein Wunder, daß immer mehr Gewerkschaften bei Kollektivverhandlungen auf die Verkürzung der Arbeitszeit bei vollem Lohnausgleich
bestehen, nicht nur als einem Mittel, in Zeiten geringeren Arbeitsanfalls die Arbeit auf möglichst viele zu verteilen, sondern auch
als einem Schritt zur Stabilisierung der Beschäftigungslage auf lange
Sicht.
Die Fünftagewoche mit 40 Arbeitsstunden gilt gegenwärtig noch für
die Mehrzahl der Fabrikarbeiter; von den Büroangestellten wird sie
aber in immer größerer Zahl bereits unterschritten, und es mehren sich
nach Untersuchungen des US-Bundesamtes für Arbeitsstatistik die Bestrebungen, eine weitere Arbeitszeitverkürzung auf sämtliche Angehörigen
der Angestelltenberufe auszudehnen.
In den Jahren 1952-55 arbeiteten beispielsweise 44 Prozent der
Büroangestellten und nur 6 Prozent der Fabrikarbeiter in 18 Beobachtungsgebieten, die vom Bundesamt für Arbeitsstatistik zur Ermittlung
der vorherrschenden Trends ausgewählt worden waren, weniger als 40
Stunden. In den Jahren 1958-59 aber - dem jüngsten Zeitraum, für den
vergleichbare statistische Unterlagen greifbar sind - war der Anteil
der weniger als 40 Stunden Arbeitenden bei den Büroangestellten auf
47 Prozent und bei den Fabrikarbeitern auf 10 Prozent angestiegen.
Noch größere Bedeutung kommt vielleicht der Tatsache zu, daß zwischen
1952 und 1959 die Zahl der Fabrikarbeiter, deren reguläre Arbeitszeit
mehr als 40 Stunden betrug, von 20 auf 7 Prozent zurückging.
Aus anderen Untersuchungen des Bundesamtes für Arbeitsstatistik
geht hervor, daß die Vierzigstundenwoche besonders häufig im Nordosten
der USA unterschritten wird, wo die Arbeitsbedingungen in New York
das Bild der Statistik maßgeblich beeinflussen. Eine Umfrage in den
verschiedenen Großstadtzonen ergab für das Haushaltjähr 1959/60
(vom 1. Juli 1959 bis 50. Juni i960), daß rund 60 Prozent aller
Arbeitnehmer im Nordosten der USA eine reguläre Arbeitszeit von weniger
als 40 Stunden - zumeist 55 Stunden - hatten. Auch hier stellten die
Büroangestellten wiederum den größten Anteil.
Der Siebenstundentag und andere Formen der Arbeitszeitverkürzung
werden Zug um Zug, Berufszweig um Berufszweig und Gewerkschaft um
Gewerkschaft realisiert. Zu den Schrittmachern dieser Bewegung zählen:
flie

�die Oberbekleidungsindustrie, wo heute praktisch sämtliche Mitglieder der Gewerkschaft der Damenoberbekleidungsindustrie (Ladies1
Garment Workers Union) Kollektivverträgen unterliegen, die die Fünfunddreißigstundenwoche (bei 5 Arbeitstagen zu je 7 Stunden) vorsehen.
Die Wochenstundenzahl wurde in diesem Wirtschaftszweig in der Zeit
der Wirtschaftskrise um 1930 zwecks Aufteilung der anfallenden Arbeit
herabgesetzt. Nach der Depression wurde die Fünfunddreißigstundenwoche
in New York beibehalten und später auf andere Schwerpunkte der Oberbekleidungsindustrie ausgedehnt^
das Druckerei- und Verlagswesen, in dem im Haushaltjahr 1959/60
die durchschnittliche planmäßige Arbeitswoche 36,6 Stunden betrug,
wie das US-Bundesamt für Arbeitsstatistik in einer Umfrage in Städten
mit mehr als 100 000 Einwohnern ermittelt hat. Im Juli 1955 wurde die
Stundenzahl noch mit 37,1 angegeben. Über zwei Drittel der Mitglieder
des Amerikanischen Journalistenverbandes (American Newspaper Guild)
haben eine Arbeitswoche von weniger als 40 Stunden; und die Hälfte
von diesen wiederum arbeitet 35 Wochenstunden;
das Baugewerbe, in dem etwa 12 Prozent der gelernten und ungelernten Arbeiter die Vierzigstundenwoche unterschreit«». Ungefähr
10 Prozent der Angestellten im Baugewerbe hatten am 1. Juli'1960
die Fünfunddreißigstundenwoche, wie eine Umfrage des Bundesamtes für
Arbeitsstatistik in den Großstädten ergab. Tarifverträge, die für
etwa ein Fünftel der Stukkateure und «iE/Zehntel der Elektriker und
Stukkateurarbeiter gelten, brachten den Übergang zur Dreißigstundenwoche;
das Braugewerbe, in dem die normale Arbeitszeit für mehr als
50 Prozent der Beschäftigten bei 37»5 Stunden die Woche liegt;
die Gummiindustrie, in der die Sechsunddreißigstundenwoche bei
sechs Arbeitstagen in den Werken in Akrön seit den dreißiger Jahren
die Regel ist;
die privaten Telephongesellschaften, bei denen 100 000 bis
150 000 Angestellte, die der Amerikanischen Gewerkschaft des Fernmeldewesens (Coramunication Workers of America) angehören, weniger
als 40 Stunden die Woche arbeiten. Hierbei handelt es sich größtenteils um Frauen, die in geteiltem Schichtdienst und vielfach in Nachtschichten arbeiten.
Schichtzuschläge in Form verlängerter Freizeit anstelle eines
Aufgelds wurden auch in anderen Wirtschaftszweigen ausgehandelt, vor
allem im Druckerei- und Baugewerbe. Derartige Regelungen bildeten
in mehreren Fällen die Ausgangsbasis für die Durchsetzung genereller
Arbeitszeitverkürzungen bei Tarifverhandlungen. Eine Untersuchung
des Bundesamtes für Arbeitsstatistik aus dem Jahre 1958, in die
1736 größere Kollektivvertragswerke einbezogen worden waren, führte
zu dem Ergebnis, daß- 1317 Verträge die Gewährung von Schichtzuschlägen vorsahen. Etwa 10 Prozent der Vergütung für die zweite Schicht
und 20 Prozent der Vergütung für die dritte Schicht wurden in Form
einer Verkürzung der Arbeitszeit gewährt.
Die

-

3 -

�Die Verkürzung des regelmäßigen Arbeitstages ist keineswegs die
einzige Form der Verkürzung der Arbeitszeit. Seit der Depression
der dreißiger Jahre haben die Bemühungen um die Erlangung freier
Tage mit einer Bezahlungsregelung wie bei Feiertagen und Urlaub sogar im Vordergrund gestanden. Sie spiegeln den Wunsch der arbeitenden
Menschen nach mehr Muße und Freizeit wider.
Vor dem zweiten Weltkrieg beschränkte sich die Bezahlung von
Feiertagen auf leitende und andere Angestellte. Die Einführung
der Lohnüberwachung im Kriege beschleunigte den Gang der Verhandlungen über die Gewährung anderer Sozialleistungen und brachte die
Aufnahme von Klauseln über die Bezahlung ^on Feiertagen in eine wachsende
Zahl von Tarifverträgen. Im Jahre 1959 ergab eine Untersuchung des
Bundesamtes für Arbeitsstatistik, daß 91 Prozent aller Fabrikarbeiter
in 18 ausgewählten Gebieten Anspruch auf sechs oder mehr bezahlte
Feiertage hatten gegenüber 86 Prozent im Jahre 1953« 64 Prozent der
Arbeiter erhielten 1959 sogar sieben bezahlte Feiertage gegenüber nur
31 Prozent im Jahre 1953»
Ein ähnlicher Trend herrschte auch hinsichtlich der Gewährung von
bezahltem Urlaub vor. Im Jahre 1958 ergab eine Analyse von Untersuchungen des US-Arbeitsministeriums durch die Wissenschaftliche Abteilung der AFL-CIO, daß 9? Prozent der vom Arbeitsministerium untersuchten bedeutenderen Tarifverträge Bestimmungen über die Gewährung von
bezahltem Urlaub enthielten, während im Jahre 1940 nur etwa ein Viert.el^jler gewerkschaftlich organisierten Arbeiter bezahlten Urlaub erhielt. Nach dieser Analyse sahen 84 Prozent der Tarifverträge, die
eine Urlaubsregelung nach Betriebszugehörigkeitsdauer zum Gegenstand
hatten, die Gewährung von drei Wochen und 20 Prozent die Gewährung
von vier Wochen Urlaub vor. Im Gegensatz hierzu hatte das Arbeitsministerium 1940 berichtet, daß drei Wochen Urlaub "äußerst selten"
seien^ und noch 1952 wiesen lediglich 4 Prozent der größeren Tarifvertragswerke die Verpflichtung zur Gewährung von vier Wochen Urlaub
auf.
Die Analyse der Wissenschaftlichen Abteilung stellte ferner einen
Trend zur Herabsetzung der Mindestbetriebszugehörigkeitsdauer als
Voraussetzung für die Gewährung von bezahltem Urlaub fest. In älteren Tarifverträgen war eine 15, 20- und sogar 25jährige Betriebszugehörigkeit als Vorbedingung für einen dreiwöchigen Urlaub vereinbart worden. Bis zum Jahre 1957 hatte man diese Grenze in der Regel
bereits auf 15 Jahre herabgesetzt, und bei einem Viertel der wichtigeren Tarifverträge betrug sie sogar nur noch zehn Jahre und darunter.
Diese Entwicklungstendenzen zeigen eine Reihe von interessanten
Alternativen zur Verringerung der täglichen Arbeitszeit auf.
Die Viertagewoche ist keineswegs ein unrealistisches Ziel, wenn
sie allmählich angestrebt wird. Um etwas gegen die Arbeitslosigkeit
unter ihren Mitgliedern zu tun, handelte eine örtliche Gewerkschaft
an der Westküste kürzlich einen zusätzlichen freien Tag pro Monat
bei vollem Lohnausgleich aus, was 12 zusätzlichen bezahlten Feiertagen im Jahr gleichkommt. Der nächste Schritt kann durchaus ein freier

-

4 -

�freier Tag alle zwei Wochen und schließlich je Woche sein.
Eine weitere Möglichkeit wäre, als erster Schritt, auch die Forderung nach einer Viereinhalbtagewoche bei ~}6 Wochenstunden - wie
ja auch die Fünfeinhalbtagewoche der Fünftagewoche vorausging. Und
die Beschäftigten, die sich heute schon der Fünftagewoche mit 35
Stunden erfreuen, sind von der Fünftagewoche mit 30 Stunden oder
der Viertagewoche mit 32 Stunden gar nicht mehr so weit entfernt.
Als Übergangsregelung läßt sich auch die Viertagewoche für einen Teil
des Jahres denken, etwa den Sommer, wo der Arbeitsanfall in gewissen
Wirtschaftszweigen ohnehin geringer und der Wunsch nach mehr Freizeit
größer ist. Es wäre auch möglich, für langjährige Mitarbeiter als eine
Art Übergang zur späteren Pensionierung ein dreitägiges Wochenende
auszuhandeln.
Die Verlängerung des Urlaubs ist eine weitere sehr attraktive Form
der Verkürzung der Arbeitszeit, weil so gewonnene vermehrte Freizeit in
einem Stück genommen werden kann. Es ist allerdings eine sehr großzügige Urlaubsregelung notwendig, um auf diese Weise eine merkliche
Arbeitszeitverkürzung zu bewirken. Jede zusätzliche Urlaubswoche entspricht 40 Stunden und - auf das ganze Jahr umgelegt - einer Verkürzung
der Arbeitszeit um noch nicht einmal eine Stunde pro Woche,
Die jüngeren Tarifabkommen zeigen jedenfalls, daß sich der Trend
zu längerem bezahlten Urlaub allmählich immer deutlicher herausbildet.
Einige der Seeleutegewerkschaften haben einen Jahresurlaub von 30 bis
60 Tagen durchgesetzt, der allerdings von gewissen Vorbedingungen
abhängig ist. Ein langer Urlaub ist für Seeleute natürlich eine gewisse
Entschädigung dafür, daß sie lange Zeit, fern von zu Hause und abgeschlossen von anderen Menschen, auf hoher See verbringen müssen. Eine
Höchstgrenze für die Urlaubsforderungen der einzelnen Gewerkschaften gibt
es nicht. Das Ortskartell einer großen amerikanisch-kanadischen Gewerkschaft hat beispielsweise einen einjährigen bezahlten Urlaub für Angestellte nach Beendigung des zehnten Dienstjahres ausgehandelt. Ein langfristiger, durchgehender Urlaub, sei er auch nur auf ein Vierteljahr beschränkt, würde dem arbeitenden Menschen eine Zeit des gründlichen Ausspannens sichern.
Die frühzeitige Pensionierung ist eine weitere Form der Verkürzung der Arbeitszeit, wenn man sie in Beziehung zu dem gesamten Arbeitsleben des Menschen sieht. Zahlreiche Altersversicherungspläne
gestalten bereits die vorzeitige Pensionierung im Alter von 55 Jahren,
wobei eine gewisse Kürzung der Bezüge in Kauf zu nehmen ist. Da eine
allgemeine Anhebung der Altersrenten aber eines der grundlegenden
Ziele bei praktisch allen Kollektivverhandlungen ist, werden sicher
immer mehr Arbeitnehmer von dieser Möglichkeit des früheren Ausscheidens aus dem Erwerbsleben Gebrauch machen. Diese Entwicklung wird
auch durch die kürzlichen Änderungen der Sozialversicherungsgesetze

-

5 -,

�•I

Sozialversicherungsgesetze einen neuen Auftrieb erhalten, die sowohl weihlichen als auch männlichen Arbeitnehmern die vorzeitige
Pensionierung nach Erreichung des 62. Lebensjahres bei geringfügig verringerten Bezügen gestatten.
Angesichts dieser Alternativen wird jede Gewerkschaft den
Weg zur Verringerung der Arbeitszeit wählen, der den Bedürfnissen
und Wünschen ihrer Mitglieder am ehesten entspricht und der jeweiligen Situation in dem entsprechenden Wirtschafts- oder Beschäftigungszweig am besten gerecht wird. Die derzeitigen Verhältnisse
werden sich sicherlich nur ganz allmählich und Schritt für Schritt
ändern, wie dies auch in der Vergangenheit schon der Fall war. Die
Geschichte lehrt uns, daß solche Veränderungen unaufhaltsam sind.
Der diesbezügliche Druck bei Kollektivverhandlungen wird sich in
dem selben Maße verstärken, in dem immer neue Maschinen auf den Plan
treten.
Soll die Automatisierung der Menschheit zum Segen gereichen, dann
muß es uns gelingen, die Vorteile der steigenden Produktivität in
mehr Freizeit und mehr Arbeitsplätze umzumünzen.
(Aus "The American Federationist".)

* * * * *

Ein Viertel des Einkommens geht für die Steuer drauf
Mehr als ein Viertel seiner täglichen Arbeitszeit muß der
amerikanische Arbeitnehmer heute zur Begleichung seiner steuerlichen
und anderen fiskalischen Verpflichtungen aufwenden. Dies hat die
"Tax Foundation, Inc.", eine private Forschungsorganisation, auf
Grund einer kürzlich durchgeführten Analyse festgestellt.
Danach muß der Amerikaner täglich 1 Stunde und 39 Minuten allein
für die vom Bund eingezogenen Steuern (insbesondere die Einkommensteuer)
arbeiten, während er weitere 38 Minuten dafür aufwenden muß, die
Steuern der Bundesstaaten und Gemeinden aufzubringen. Alles in allem
arbeitet er also täglich 2 Stunden und 17 Minuten ausschließlich für
die Steuer.
Im Jahr 1960 brachten sämtliche Bundes-, bundesstaatlichen und
kommunalen Steuerarten der öffentlichen Hand insgesamt 131»7 Mrd.
Dollar ein; das sind 28,6 Prozent des Nettosozialprodukts (zu Marktpreisen). Gemessen am Wert der im Inland erzeugten Güter und Dienstleistungen liegen die Steuern heute im Vergleich zu 1949 um 27 Prozent
und gegenüber 1929 um 167 Prozent höher. Die steuerlichen Belastungen
waren dabei 196O - wenn man den reinen Dollarbetrag als Basis wählt rund 2 1/2 mal so hoch wie im Spitzenjahr des letzten Krieges.
Wie

-

6 -

�Wie aus der Untersuchung weiter hervorgeht, sind die Steuereinnahmen seit Ende des zweiten Weltkrieges im gleichen Maße angestiegen wie das Nettosozialprodukt. Gegenüber der Steuerspitze des Jahres 1943» in dem der Anteil der Bundessteuern am Nettosozialprodukt
21 ,5 Prozent betrug (in der unmittelbaren Nachkriegszeit ging dann
der Anteil - bis zum Ausbruch des Koreakrieges - auf 16,1 Prozent
1949) zurück), lagen die Steuern i960 nur unwesentlich niedriger
Anteil 20,4 Prozent),

[

Inzwischen sind aber auch die bundesstaatlichen und kommunalen
Steuern erheblich angestiegen. Während sie 1945 nur knapp 5 Prozent
des Nettosozialprodukts ausmachten, belaufen sie sich heute auf 8,2
Prozent. In dieser Zunahme spiegeln sich in erster Linie die wachsenden finanziellen Bedürfnisse der Städte und Kommunen wider, wie sie
durch den Ausbau der zahlreichen kommunalen Einrichtungen - Straßen,
Schulen, Krankenhäuser, soziale Institutionen usw. - gegeben sind.
Während die Einnahmen aus diesen Steuern im Jahre 1945 lediglich
9,8 Mrd. Dollar ausmachten, betragen sie heute (i960) 37&gt;6 Mrd. Dollar. Bei den Bundessteuern sieht die Entwicklung so aus: 1945 • 42,2
Mrd. Dollar; 196O = 94,1 Mrd. Dollar.
In der Analyse der "Tax Foundation" sind jedoch keine Angaben
über die Verwendung der einzelnen Steuergelder enthalten, sondern
lediglich Anhaltszahlen darüber, wieviel Geld der amerikanische Steuerzahler im Durchschnitt für die Aufgaben des Bundes aufbringen muß.
Nach dieser Übersicht sind es pro Jahr 1092 Dollar, die in die
Kassen des Bundes nach Washington fließen. Mehr als die Hälfte dieses
Betrages - nämlich 623 Dollar - wird dabei für die nationale Sicherheit aufgewendet; rund 11 Prozent (120 Dollar) für den Schuldendienst;
33 Dollar für die Auslandshilfe; 65 Dollar für die Unterstützung der
Kriegsteilnehmer. Alle diese - häufig zu einem Posten zusammengezogenen - Ausgaben belaufen sich auf 841 Dollar oder etwas über 75 Prozent
der jährlichen Steuersumme, die der Steuerzahler im Durchschnitt aufbringt. Der Rest fließt dem Farmstützungsprogramm, den zahlreichen Sozial- und Wohlfahrtsplänen, dem Raumfahrtprogramm usw. zu.

(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

- 7' -

�Steigende Aufwendungen für Urlaub und Freizeit in den USA
Der arbeitende Mensch hat den berechtigten Wunsch nach ausreichender Freizeit: einmal, um die Früchte der Arbeit genießen zu können, zum anderen, um Körper und Geist die nötige Erholung zu gewähren. In den Vereinigten Staaten gibt der steigende Lebensstandard - nicht zuletzt ein Verdienst des amerikanischen Wirtschaftsund Sozialsystems - dem Arbeiter die Möglichkeit, immer mehr Zeit
und auch Geld für die Freizeitgestaltung aufzuwenden. Eine Untersuchung, die vor einiger Zeit von der Chase Manhattan Bank in New York
veröffentlicht wurde, gibt hierüber bemerkenswerte Aufschlüsse.
Im Jahre i960 verdienten die Amerikaner insgesamt 123 Mrd. Dollar
mehr, als sie für Grundnahrungsmittel, Bekleidung, Unterkunft, ärztliche Versorgung, Steuern und andere feste Ausgaben ausgegeben haben.
Mithin konnten sie über fast ein Drittel des gesamten Personaleinkommens nach Abzug der Steuern frei verfügen. Ein Drittel hiervon rund 45 Mrd. Dollar oder mehr als 12 Prozent des Gesamteinkommens wurde für Erholung und Freizeit ausgegeben.
Erfreulich ist, daß der größte Teil dieser Summen für sinnvolle
Zwecke verwendet wurde, vor allem für Urlaubsreisen. Die Aufwendungen
für Reisen innerhalb der Vereinigten Staaten haben sich beispielsweise in den letzten zehn Jahren verdoppelt, die für Auslandsreisen
sogar nahezu verdreifacht.
Eine erhebliche Zunahme ist auch bei den Ausgaben für kulturelle
Zwecke zu verzeichnen. Für Bücher haben die Amerikaner 196O um rund
zwei Drittel mehr ausgegeben als vor fünf Jahren. Die Einnahmen
der Theater aus dem Kartenverkauf sind seit 1946 um 115 Prozent gestiegen und lagen i960 um ein Drittel über den Kasseneinnahmen sämtlicher
öffentlicher Sportveranstaltungen.
Bezeichnend ist auch das zunehmende Interesse für Musik. 32 Millionen Amerikaner betrieben Musik als Liebhaberei; das entspricht einer
Zunahme von 40 Prozent innerhalb der letzten zehn Jahre. Über die
Hälfte aller Orchester aus Berufsmusikern entfallen heute auf die
USA. Die Besucherzahlen der Museen schnellten in den letzten Jahren
gewaltig in die Höhe.
Andererseits war in verschiedenen Bereichen der Freizeitbetätigung, die sich lange Jahre hindurch besonderer Beliebtheit erfreut
haben, ein Rückgang des Interesses zu beobachten. Die Besucherzahlen
der Filmtheater nahmen ebenso ab wie die Verkaufs Ziffern der Fernsehgerätehersteller. Die Zunahme der Besucherzahlen von Sportveranstaltungen erreichte nur ein Viertel der Zuwachsrate der Gesamtausgaben
für Freizeitgestaltung. Um so bemerkenswerter ist es, daß vom aktiven
Sport eine absolute Rekordbeteiligung gemeldet wird. Hier sind es vor
allem die Sportarten, die im Freien betrieben werden, die eine überdurchschnittliche Steigerung der Zahl der Aktiven aufweisen: Rudern,
Schwimmen, Fischen und Jagd. Auch der Kegelsport sowie Baseball, Korbball, Tennis, Golf und Bogenschießen haben viele neue Freunde gewonnen.
Welche

�v

Welche Motive diesem Strukturwandel in der Freizeitbeschäftigung zugrunde liegen, ist schwer zu sagen. Mit ziemlicher Sicherheit wird er von den allgemeinen wirtschaftlichen und soziologischen
Entwicklungstendenzen beeinflußt. Hierzu nur zwei Beispiele: Die
rapide Zunahme der Beschäftigung in den Angestelltenberufen auf
Kosten der Beschäftigung in der Landwirtschaft und in den Handarbeiterberufen hat im Verein mit der "Flucht" der städtischen Bevölkerung in die Vorstädte viele Energien frei gemacht, die das Interesse der arbeitenden Menschen an einer aktiven Freizeitbeschäftigung wachsen ließen. Und die Anhebung des Bildungsniveaus hat
sicherlich entscheidend mit zu der immer regeren Beteiligung auch
der arbeitenden Menschen am kulturellen Leben beigetragen.

(Quelle: Eigenbericht)

* * * *

*

Anstieg der Arbeitsproduktivität im Kohlebergbau um 85 Prozent
seit 1949
Auf Grund der in der Zeit zwischen 1949 und 1959 i m amerikanischen Steinkohlebergbau vorgenommenen Mechanisierung und Modernisierung konnte die Arbeitsleistung pro Arbeitnehmer in diesem Industriezweig um insgesamt 85 Prozent gesteigert werden, was einer jährlichen
Produktivitätssteigerung von im Durchschnitt über 6 Prozent entspricht.
Diese Angaben sind in einer umfassenden Analyse über die technologischen Veränderungen im amerikanischen Kohlebergbau und über
ihre zahlreichen Auswirkungen enthalten, die in der Oktober-Ausgabe
1961 von "Monthly Labor Review" erschienen ist.
Wie aus dieser Übersicht weiter hervorgeht, waren im US-Steinkohlebergbau im Jahr 196O nur noch 159 00° Arbeitnehmer beschäftigt,
was eine Abnahme der Beschäftigtenzahl gegenüber 1949 u m 63 Prozent
bedeutet. Obwohl sich die langfristigen Aussichten des Steinkohlebergbaus in jüngster Zeit gebessert hätten, so heißt es in dem
Bericht, sei nicht damit zu rechnen, daß sich die Zahl der Beschäftigten in Zukunft wesentlich über das derzeitige Niveau hinaus erhöhen werde.
Auf Grund langfristig abgeschlossener Lieferverträge und in
Anbetracht der steigenden Produktionskosten, hätten die Bergwerksleitungen mit Unterstützung der Gewerkschaften die Gruben verhältnismäßig schnell mechanisiert und modernisiert, heißt es in
dem Artikel weiter. Infolge des Einsatzes besonderer Schürf-.

- 9

�Schürf/, Beladungs- und Umschlageinrichtungen sowie von Förderbändern und speziellen Zubringerwagen werde die Kohle heute unter Tage
praktisch überhaupt nicht mehr von Hand bewegt. Einen sehr starken
Einfluß auf die Erhöhung der Produktionsleistung hätten vor allem
auch die Schrämlader gehabt, durch die der gesamte Abbauprozeß zu
einem kontinuierlichen Arbeitsgang zusammengefaßt worden sei. &lt;
Auch der Tagebau sowie die Kohleaufbereitung ist in den vergangenen zehn Jahren weitgehend mechanisiert und automatisiert worden.
Insgesamt erhöhten sich die Investitionen pro Arbeitsplatz im Kohlebergbau seit 1948 um rund 10 Prozent jährlich und dürften 1958, wie
es in dem Artikel heißt, pro Arbeitsplatz etwa 13 000 Dollar ausgemacht haben.
Der sichtbare Erfolg all dieser Bemühungen der Zechenleitungen
in den vergangenen zehn Jahren kommt in dem unwahrscheinlich hohen
Anstieg der Arbeitsproduktivität in diesem Industriezweig zum Ausdruck, der rund 85 Prozent betrug und damit größer war als in den
vorangegangenen 30 Jahren zusammen. Auf Grund dieser starken Zunahme
der Arbeitsproduktivität konnten, wie in dem Artikel betont wird, die
Kosten pro Produktionseinheit fast auf dem gleichen Niveau wie 1947
gehalten werden - und das, obwohl die durchschnittlichen Stundenlöhne
der Bergleute in diesem Zeitraum von 1,64 Dollar auf 3»25 Dollar anstiegen und von den Bergwerksgesellschaften Sozialnebenleistungen in
Höhe von 184 Millionen Dollar aufgebracht wurden.
Durch die beträchtliche Mechanisierung und Automatisierung im
amerikanischen Kohlebergbau war es auch in den vergangenen zehn Jahren
möglich, den Kohlepreis weitgehend stabil zu halten und somit die
Wettbewerbsposition der Kohle gegenüber den anderen Brennstoffen zu
sichern. Da die Kraftwerke in der letzten Dekade ihren Kohleverbrauch
nahezu verdoppelten, wanderte praktisch die Hälfte aller in den USA geförderten Kohlen in die Heizkessel der Kraftwerke.
Mit der starken Erhöhung der Arbeitsproduktivität ergab sich bei
einem gleichzeitigen Rückgang der Bedarfsnachfrage zwangsläufig ein
geringerer Bedarf an Arbeitskräften im amerikanischen Steinkohlebergbau, wie in dem Artikel abschließend festgestellt wird. Hierdurch
sei ein starker Rückgang in der Gesamtbeschäftigtenzahl sowie erhöhte
Arbeitslosigkeit in den Kohlebergbaugebieten zu verzeichnen gewesen.

(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

- 10

�Gewerkschaftliche Kurznachrichten
Gehaltsanalyse für 68 Angestelltenberufe
Die durchschnittlichen monatlichen Einkommen für insgesamt
68 Angestellten- bzw. freie Berufe lagen in den Vereinigten Staaten
im Winter 1960/61 zwischen 252 Dollar für mit Routinearbeiten beschäftigte Registratoren und 1726 Dollar für Rechtsanwälte, wie
aus einer jetzt vom US-Amt für Arbeitsstatistik veröffentlichten
Gehalts- bzw. Einkommensanalyse hervorgeht, die sich auf das gesamte
Gebiet der Vereinigten Staaten erstreckt.
Es ist dies die zweite umfassende Analyse dieser Art, die vom
US-Arbeitsministerium durchgeführt wurde. Im einzelnen wurden dabei
die Einkommen der wichtigsten Angestellten- und freien Berufe in den
Städten des gesamten Landes untersucht und die analysierten 68 Berufe
in erster Linie aus den folgenden Gruppen ausgewählt: Buchhalter,
Rechtsanwälte, Ingenieure, Chemiker, Zeichner, Personalsachbearbeiter,
Bürokräfte der Dienstleistungszweige und andere Büroangestellte.
Wie aus dieser Untersuchung weiter hervorgeht, beliefen sich die
monatlichen Einkommen bei 23 Berufsgruppen auf weniger als 500 Dollar;
bei 32 auf über 500, aber weniger als 1000 Dollar und bei 13 Gruppen
auf über 1000 Dollar.
Die Monatsgehälter für Ingenieure - die größte Gruppe der wissenschaftlichen Berufe in der Analyse - lagen zwischen 548 Dollar
Gruppe I, Anfangsgehalt für Hochschulabsolventen) und 1588 Dollar
Gruppe VIII, Chefingenieure). Die Anfangsgehälter für Chemiker dagegen betrugen im Durchschnitt 481 Dollar und lagen damit etwas unter
den Anfangsgehältern der Ingenieure. Mit steigendem Gehalt verringern
sich die prozentualen Unterschiede jedoch mehr und mehr. In der Gehaltsgruppe IV zum Beispiel beliefen sich die durchschnittlichen
Monatsgehälter für Ingenieure auf 832 Dollar und für Chemiker auf
792 Dollar.

I

Die durchschnittlichen Monatsgehälter der Bürokräfte lagen der
Untersuchung zufolge zwischen 252 Dollar für Registraturen mit Routinearbeiten und 457 Dollar für das Bedienungspersonal von Tabelliermaschinen. Die größte Gruppe dieser Angestellten, die Stenographen, bezog
im Durchschnitt ein Monatsgehalt von 341 Dollar. Sie lagen damit etwas
über dem Durchschnitt der insgesamt 17 von der Analyse erfaßten Büroangestelltenberufe .
(Quelle: Eigenbericht)
* # * * *

1 1

�52 278 Gewerkschaften legten US-Arbeitsministerium Finangfrericht vor
Insgesamt 52 278 amerikanische Gewerkschaften haben nach Angaben
von US-Arbeitsminister Goldberg dem amerikanischen Arbeitsministerium
auf Grund des sogenannten "Labor-Management Reporting and Disclosure
Act of 1959" i m Jahre i960 detaillierte Geschäfts- und Finanzberichte
unterbreitet.
Eine komplette Liste all dieser Gewerkschaften, die neben der
genauen Namensbezeichnung jeder Gewerkschaft auch die Verbandszugehörigkeit sowie die genaue Anschrift enthält, ist in einem 512 Seiten
starken Register enthalten, das nach Meinung von Arbeitsminister Goldberg die umfassendste Übersicht darstellt, die je über amerikanische
Gewerkschaften veröffentlicht wurde. Diese Publikation ist durch das
U.S. Government Printing Office zu beziehen und kostet 1,75 Dollar.
Nicht enthalten in dieser übersieht sind alle jene Gewerkschaften,
die auf Grund des Gewerkschaftsgesetzes aus dem Jahre 1959 nicht zur
Offenlegung ihrer Finanzen und zur Abgabe von Tätigkeitsberichten
verpflichtet sind. Bei diesen Gewerkschaften handelt es sich in erster
Linie um Arbeitnehmerorganisationen für die Angestellten des öffentlichen Dienstes.
(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

Löhne der Bauhandwerker leicht angestiegen
Die durchschnittlichen Stundenlöhne der Baufacharbeiter sind im
3. Quartal 1961 geringfügig - und zwar um 0,4 Prozent - angestiegen,
wie aus einer jetzt vom US-Amt für Arbeitsstatistik veröffentlichten
Statistik hervorgeht. Diese Lohnanalyse bezieht sich dabei auf die
sieben wichtigsten Baufacharbeiterberufe in 100 amerikanischen Städten.
Auf Grund der in diesem Zeitraum neu abgeschlossenen Tarifverträge
erhöhten sich die Durchschnittslöhne aller Baufachberufe um 1,4 Cent
und belaufen sich jetzt auf 3,85 Dollar. Am stärksten erhöht haben sich
die Lohne der Bauelektriker (6,3 Cent}, der Maler (2,4 Cent) und der
Klempner und Installateure (2,2 Cent).
Gegenüber dem Durchschnitt der Jahre 1947-49 lagen die Bauarbeitevlöhne am 2. Oktober 1961 um 85 Prozent, im Vergleich zum 3. Oktober i960 um 4,0 Prozent höher. Die Gesamtzunahme im Jahre 1 96O betrug
im Durch&amp;chritt 14,7 Cent, wobei der größte Anstieg in den verschiedenen Berufszweigen 18,4 Cent und der geringste 9,4 Cent betrug.
(Quelle: Eigenbericht)
* * * * *

.
t

12

�Industriearbeiterlöhne zcsgen erneut an
Das durchschnittliche Wocheneinkommen der industriellen Arbeitnehmer in den Vereinigten Staaten hat gegenüber Oktober 1961
im November weiter zugenommen, wie aus der jüngsten Lohnübersicht
des US-Arbeitsministeriums zu entnehmen ist. Im gleichen Zeitraum
ist auch die durchschnittliche Länge der wöchentlichen Arbeitszeit
weiter (um 2/10 Stunden) angestiegen und hat mit 40,6 Stunden den
höchsten Stand seit zwei Jahren erreicht.
Nachdem das wöchentliche Nettoeinkommen mit 84,12 Dollar für
einen verheirateten industriellen Arbeitnehmer mit drei Familienangehörigen (76,50 Dollar für Alleinstehende) schon im Oktober einen
absoluten Höchststand erreicht hatte (5 fo mehr als im Oktober i960),
war im November ein weiterer Anstieg zu verzeichnen. Nach den bisher
veröffentlichten Ziffern lagen die durchschnittlichen Bruttowochenlöhne der Industriearbeiter bei 95»82 Dollar (Oktober = 94»54 Dollar)
und damit um 6,61 Dollar höher als vor einem Jahr.
Wie der stellvertretende Unterstaatssekretär im US-Arbeitsministerium, Seymour L. Wolfbein, in diesem Zusammenhang zur derzeitigen Arbeitsmarktlage in den Vereinigten Staaten erklärte, hat sich
die Zahl der nichtlandwirtschaftlichen Arbeitnehmer seit dem Rezessionstief im Februar 1961 um 2,5 Millionen erhöht und im November
einen Stand von 55»077 Millionen erreicht. Die Gesamtbeschäftigtenzahl wurde vom amerikanischen Arbeitsministerium für November 1961
mit 67,3 Millionen angegeben. Das ist die höchste Beschäftigtenziffer,
die bisher in diesem Monat zu verzeichnen war.
Die Gesamtzahl der Erwerbslosen betrug dagegen in diesem Zeitraum etwa 4 Millionen. Gegenüber dem Vormonat blieb diese Ziffer
unverändert, obwohl sie an sich auf Grund der jahreszeitlichen
Erwartungen hätte um 500 000 höher sein müssen.
Die von den jahreszeitlichen Einflüssen bereinigte Arbeitslosenrate (der Anteil der Erwerbslosen an der Gesamtzahl der verfügbaren
Arbeitskräfte) ging zwischen Oktober und November von 6,8 auf 6,0
Prozent zurück. Dies ist der stärkste Rückgang innerhalb von drei
Jahren.
(Quelle: Eigenbericht)
* * * * *

�Industriearbeiterlöhne stiegen in 50 Jahren von IQ^aul 90 DoI3ar an
Die durchschnittlichen Wocheneinkommen der industriellen Arbeitnehmer in den Vereinigten Staaten sind in den vergangenen 50
Jahren von 10 Dollar auf 90 Dollar angestiegen, wie aus einer Analyse des amerikanischen Arbeitsministeriums hervorgeht, die sich
mit der Entwicklung der Arbeitsgewohnheiten in den USA zwischen
1909 und 1959 befaßt.
Wie daraus weiter zu entnehmen ist, ging die normale durchschnittliche Arbeitswoche der Industriearbeiter (ohne Überstunden)
in diesem Zeitraum von insgesamt 51 Stunden auf weniger als 40 Stunden zurück.
Dagegen erhöhte sich die Zahl der nichtlandwirtschaftlichen
Arbeitnehmer der amerikanischen Wirtschaft zwischen 1909 und 1959
von 27 Millionen auf 54 Millionen (November 1961 = 55»04 Mio).
(Quelle: Eigenbericht)
* * * * *

Günstige Streikbilanz im letzten Jahr
Nach vorläufigen Berechnungen des US-Amtes für Arbeitsstatistik
ging sowohl die Zahl der durchgeführten Streiks als auch die Zahl
der davon betroffenen Arbeitnehmer von September auf Oktober erheblich zurück.
Insgesamt begannen im Oktober 1961 rund 500 Streiks, durch die
223 000 Arbeitnehmer erfaßt wurden. Zwei Drittel aller Streiks entfielen dabei auf die Fertigungsindustrie. Da weitere 210 im September
begonnene, im Oktober aber noch andauernde Streiks hinzukommen, belief sich die Gesamtzahl der im Ausstand befindlichen Arbeitnehmer
auf 2t7 000.
Durch diese Streiks gingen insgesamt 2,38 Millionen Arbeitstage
verloren, das sind 0,23 Prozent der in diesem Monat geleisteten Gesamtarbeitszeit (0,35 $ im September).
In den ersten zehn Monaten des vergangenen Jahres gingen somit
15,3 Millionen Arbeitstage durch Streiks verloren, verglichen mit 17,9
Millionen im Jahre 196O und 63,3 Millionen im Jahre 1959« Der Anteil
der durch Streiks verlorengegangenen Arbeitstage an der Gesamtarbeitszeit erreichte in der 10-Monats-Periode 1961 mit 0,16 Prozent den 1957
zum ersten Mal erzielten Niedrigstwert der Nachkriegszeit.
(Quelle: Eigenbericht)
* * * * *

- 14 -

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
USIS-Bonn/Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XV - 3

Bad Godesberg, den 1. März 1962
INHA LTSVERZEIC HNIS

Gewerkschaftliche Probleme in den Entwicklungsländern

Seite

1

Nachlese zum "AFL-ClO"-Kongreß

Seite

6

Es geht wieder um neue Tarife in der Stahlindustrie

Seite

9

Präsident Kennedy legte Kongreß Sozialbotschaft vor

Seite

10

Bericht über die Auswirkungen der Automatisierung
veröffentlicht

Seite

12

Ochola Ogaye Mak'Anyengo, 1. Sekretär der Ölarbeitergewerkschaft
von Kenia:
Gewerkschaftliche Probleme in den Entwicklungsländern
In dem folgenden Artikel, der dem vierteljährlich
erscheinenden "I.U.D. Digest" des amerikanischen
Gewerkschaftsverbandes AFL-CIO entnommen ist, schildert Ochola Ogaye Mak'Anyengo seine Erfahrungen und
Eindrücke während seines Aufenthalts in den Vereinigten Staaten, wo er an einem neunmonatigen
Portbildungskursus für Gewerkschaftsfunktionäre an
der Universität Chicago teilnahm. Dieser Artikel,
der gleichzeitig eine gute Vorstellung von der Mentalität, den Zielen und Erwartungen der jungen
afrikanischen Gewerkschafter vermittelt, enthält
auch zahlreiche praktische Vorschläge hinsichtlich
der Ausbildung von Gewerkschaftern der Entwicklungsländer in den Ländern der freien Welt.
_,,
-

1

-

�Ehe ich näher auf meine in den Vereinigten Staaten gesammelten
Erfahrungen sowie insbesondere auf das Gewerkschaftsführer-Programm
eingehe, möchte ich zuerst kurz auf meine gewerkschaftliche Eaufbahn
hinweisen und aufzeigen, warum ich an diesem Fortbildungskursus teilgenommen habe und wie diese Teilnahme zustande kam.
Wie dringend erforderlich eine umfassende gewerkschaftliche Ausbildung ist, wurde mir zum ersten Mal so richtig bewußt, als ich im
März 1958 als 1. Sekretär der ölarbeitergewerkschaft in Kenia für
unsere Mitglieder Tarifverträge auszuhandeln hatte. Es war dies damals meine erste Aufgabe dieser Art. Meine eigene Unerfahrenheit
sowie die Tatsache, daß es sich bei meiner Gewerkschaft noch um eine
sehr junge Arbeitnehmerorganisation handelt, bedeuteten für mich und
meine Kollegen ein sehr großes Hindernis, zumal wir es mit erfahrenen
internationalen ölgesellschaften zu tun hatten.
In Erkenntnis dieser Notwendigkeit begann ich damals nach Wegen
und Möglichkeiten zu forschen, mein Wissen über die Tätigkeiten und
Aufgaben von Gewerkschaften zu vervollständigen. Jedes Buch über Gewerkschaften, das mir seitdem in die Hand gekommen ist, habe ich von
vorn bis hinten studiert. Bei dieser Suche nach geeigneten Büchern
geriet ich dann auch an ein Buch aus der Bücherei des US-Informationsdienstes in Nairobi, das Namen und Adressen von Universitäten enthielt,
die gewerkschaftliche Förderkurse durchführen. Um herauszubekommen,
in welcher Weise sie für die Ausbildung von Funktionären meiner Gewerkschaft in Frage kamen, zögerte ich nicht, sie sofort anzuschreiben.
In meinen Briefen, die im Mai des gleichen Jahres an acht Universitäten abgeschickt wurden, umriß ich ganz klar, welcher Art unsere Bedürfnisse waren und welche Hilfe wir von ihnen erwarteten. Die
meisten Antworten waren positiv. Von denjenigen Universitäten, die
bereit waren, uns ein Stipendium für die Teilnahme an den gewerkschaftlichen Fortbildungskursen zu gewähren, bot uns die Universität
Chicago einen Kursus für die Dauer von neun Monaten an. Die Kurse,
die uns die anderen Universitäten offerierten, dauerten in der Regel
nur drei Monate. Auf Grund der Länge der Ausbildungsperiode wählte
ich daher die Universität Chicago.
Wegen der Aufbringung der Reisekosten und der anderen Ausgaben,
für die die Universität nicht aufkommen konnte, war es für uns nicht
möglich, die Vorbereitungen fristgemäß, d.h. vor Beginn des Schuljahres 1958/59 abzuschließen. Daraufhin kamen wir mit det Universität
Chicago überein, das Ausbildungsprogramm bis zum Schuljahr 1959/60 zu
verschieben. In der Zwischenzeit jedoch hatte ich Gelegenheit, an
dem ersten Kursus des Afrikanischen Gewerkschaftscollege in Kampala,
Ugc^d? (November 1958 - Februar 1959)» teilzunehmen. Die schon hier
von mir gesammelten Erfahrungen waren sowohl für mich als auch meine
Kollegen bei unserer gewerkschaftlichen Arbeit von großem Nut*en.
Schließlich aber waren alle notwendigen Vorbereitungen abgeschlossen. Die "Union Research and Education Projects" der Universität
Chicago und der Internationale Verband der ölarbeitergewerkschaften
hatten sich bereit erklärt, für meine Studiengebühren aufzukommen, und

2

-

�und durch die Vermittlung einer halbtägigen Beschäftigung durch zahlreiche andere Stellen war es mir möglich, die Lebenshaltungs- und
anderen Kosten aufzubringen.
Mit großen Erwartungen reiste ich nach den Vereinigten Staaten.
Ich hatte mir vorgenommen, möglichst viel über die Struktur und die
Arbeit der Gewerkschaften in Erfahrung zu bringen und zu sehen, wie
dort die Tarifverhandlungen mit den Unternehmern durchgeführt werden.
Hinter diesen Bemühungen stand dabei die Absicht, die gesammelten
Erfahrungen nutzbringend für meine Tätigkeit einzusetzen. Meinen ersten Kontakt mit amerikanischen Gewerkschaften hatte ich auf dem
Kongreß der Gewerkschaft der "öl-, Chemie- und Atomarbeiter*' in Cleveland im Oktober 1959« Dies war ein bemerkenswertes Ereignis für mich.
Etwas später nahm ich dann auch an einer Tarifverhandlung teil, die
in jeder Beziehung vollkommen anders verlief, als ich es bis dahin
gewohnt war. Den größten Eindruck auf mich hinterließ dabei der große
Respekt, mit dem sich die beiden Tarifpartner begegneten - ganz im
Gegensatz zu einigen Lohnverhandlungen bei uns, wo die Unternehmer
häufig glauben, das Recht zu besitzen, uns ihre Vorschläge aufzuzwingen.
Der Gewerkschaftskongreß selbst war in verschiedener Hinsicht ein
großes Erlebnis für mich. Ich konnte dort viele wertvolle Erfahrungen
sammeln, zumal ich Gelegenheit hatte, mit zahlreichen Menschen zu
sprechen, die große gewerkschaftliche Erfahrungen hatten. Auf diesem
Kongreß wurde mir auch klar, daß eine Gewerkschaft nicht Ait einer
Handvoll ausgebildeter Funktionäre auskommen kann, wenn sie erfolgreich arbeiten will. Dies trifft insbesondere für die arbeitsrechtlichen und wirtschaftlichen Aspekte der TarifVerhandlungen zu. Ebenso
kam ich dort zu der Überzeugung, daß der Erfolg einer Gewerkschaft
von einem guten Operationsplan und von der Art seiner Durchführung
abhängt. Dieser und zahlreiche andere Gewerkschaftskongresse, an
denen ich während meiner Ausbildungszeit in Chicago teilnahm, vermittelten mir ein sehr viel umfangreicheres Wissen über die Gewerkschaften
als alles andere davor. Ebenso wurde mir hier klar, wie wir unsere
Probleme behandeln müssen und wie wir sie lösen können.
Nun zu meiner Teilnahme an dem Fortbildungskursus für Gewerkschaftsfunktionäre. Die theoretische Ausbildung umfaßte zwei verschiedene Kurse, einen rein formal-wissenschaftlichen und einen gewerkschaftskundlichen. Die Teilnahme an dem ersten Kursus ging auf
meinen Wunsch zurück, die Grundzüge der Wirtschaftswissenschaften
kennenzulernen, insbesondere alle jene Aspekte, die eine enge Beziehung zur Gewerkschaftsarbeit haben. Wenn ich auch nicht viel über
diesen Kursus zu sagen habe, so kann ich doch feststellen, daß das
dort mir vermittelte Wissen nicht hoch genug eingeschätzt werden
kann. Jedenfalls habe ich jetzt das Gefühl, einiges über die wirtschaftlichen Zusammenhänge zu wissen, das mir am Tarifverhandlungstisch
von sehr großem Nutzen sein wird.
Der in den Gewerkschaftsführer-Kursen vermittelte Lehrstoff war
sehr vielseitig und ungemein interessant. Was ich hier gelernt habe,
versetzt mich in die Lage, meine Grund- und Leitsätze künftig selbst

-

3 -

�seihst zu formulieren. Mir ist jetzt auch klar geworden, was Erziehung und Bildung heißt, wie ein gebildeter Mensch sein sollte
und was Wertmaßstäbe sind. Nach Professor Kermit Eby, einem von
mir hochverehrten Gelehrten, ist derjenige ein gebildeter Mensch,
der die Konsequenzen seines eigenen Handelns oder Nichthandeins in
der Gesamtheit ihrer Bezüge zu erkennen vermag.
Mit dieser Definition vor Augen enthalte ich mich einer Selbsteinschätzung, bis ich genau die Konsequenzen meines Handelns und
Nichthandeins zu erkennen vermag. Mit großen Hoffnungen und Erwartungen sehe ich dem Tag entgegen, an dem man mich in die Reihe derjenigen einreiht, die man allgemein als Gebildete bezeichnet«
In dieser Hinsicht verdanke ich der Universität Chicago sehr viel.
Es liegt jetzt an mir, meinen Teil hierzu beizutragen.
In diesem Zusammenhang darf ich nicht die Erfahrungen unerwähnt
lassen, die ich an meinem Arbeitsplatz bei der " C o m Products Corporation" in Argo, Illinois, gewonnen habe« Wenn es einen Ort gab,
an dem ich den einfachen Mann kennenlernte, so ist es dieser Betrieb gewesen. Während meiner Tätigkeit in Argo (bei Chicago),
hatte ich nämlich Gelegenheit,•mit Menschen aller Kreise zusammenzukommen, und zwar sowohl mit hochgebildeten als auch mit solchen,
die nur eine mangelhafte Bildung aufwiesen.
Und dort war es auch, wo ich die Erfahrung machte, daß man, wenn
man Land und Leute kennenlernen will, gerade von dem "Mann auf der
Straße" mehr lernt als von Intellektuellen. In Argo war es mir möglich, mit den Arbeitern im Betrieb einige jener Probleme zu diskutieren, die alle Arbeiter in aller Welt gemeinsam haben. Dabei konnte
ich die Feststellung machen, daß sowohl die Arbeiter als auch ihre
Probleme.in aller Welt einander ähnlich sind. Der Eindruck, den ich
gewann, und die Schlüsse, die ich hinsichtlich der Lösung der für den
Arbeiter wichtigen Probleme zog, waren die, daß gemeinsame, koordinierte und übereinstimmende Aktionen von Gewerkschaften und Arbeitnehmern in aller Welt erforderlich sind.
Ich darf hier auch nicht die Hilfe und den Geist der Zusammenarbeit unerwähnt lassen, die mir von dem Management des Unternehmens
zuteil bzw. der mir entgegengebracht wurde. Ohne dieses Unternehmen
und ohne die Zusammenarbeit mit der Unternehmensleitung und dem Ortsverband der Gewerkschaft wäre mein Aufenthalt in den Vereinigten
Staaten nicht von Erfolg gekrönt worden.
Was geschieht nun, wenn ich den Fortbildungskursus beendet habe?
Diese Frage muß sowohl von mir als auch von all jenen beantwortet
werden, die es ermöglichten, daß das Programm, an dem ich teilnahm,
ein großer Erfolg wurde. Es stimmt, daß ich nach Kenia zurückgehen
und dort das Wissen an die Arbeiter weitergeben werde, das ich hier
erworben habe. Aber nicht nur das, ich werde auch bemüht sein, unseren
Kampf bis zum siegreichen Ende fortzusetzen. Dennoch wird meine
Situation nicht gerade leicht sein, denn wenn das eine Auge, das
noch Sehkraft besitzt, beschädigt wird, so wird keins mehr da sein,
das sehen kann.
_,

- 4 -

�Ich möchte mit diesem Vergleich besonders auf die Tatsache
hinweisen, daß ich der einzige ausgebildete und geschulte Gewerkschaftsfunktionär in meiner Gewerkschaft sein werde, und wenn ich
auf Grund widriger Umstände in unserem Kampf aus der Gewerkschaft
entfernt werden sollte, so würde ein Vakuum entstehen. Darüber
hinaus aber würden meine Bemühungen größeres Gewicht haben, und
mein Wissen würde sich erheblich stärker auswirken, wenn die Zahl
der Gewerkschaftsfunktionäre mit einer ähnlichen Ausbildung, wie
ich sie hatte, bei uns größer wäre.
Hinsichtlich des Portbildungsprogramms geht meine Meinung dahin,
daß es auf alle Fälle fortgesetzt werden sollte. Ich weiß, daß die
Fortsetzung des Programms große finanzielle Mittel erfordert, ich
glaube aber auch, daß mit dem großen Vertrauen, das seine Schöpfer
bisher in dieses Programm setzten, viel erreicht werden kann. Wenn
eine Fortsetzung möglich sein sollte, so bin ich gerne bereit, zu
helfen und alles zu tun, damit das Programm ein voller Erfolg wird.
In dieser Hinsicht möchte ich die folgenden Vorschläge und Empfehlungen unterbreiten!
1 . Mit Unterstützung der "Union Research and Education Projects"
der Universität Chicago sollte ein ähnliches GewerkschaftsfunktionärsProgramm in Kenia geschaffen werden, und zwar in Zusammenarbeit mit
den Gewerkschaften in Kenia und der Technischen Hochschule in Nairobi.
Dieses Programm würde dazu dienen, die örtlichen Gewerkschaftsführer und Betriebsratsvorsitzenden auszubilden. Es sollte daher folgende Unterrichtsfächer aufweisen: Gewerkschaftliche Verwaltungsarbeit;
Tarifverhandlungftwesen; Wirtschafts- und Arbeitsrecht (soweit es die
Gewerkschaften und Arbeitnehmer berührt); allgemeinbildende und auf
die verschiedenen betrieblichen und soziologischen Aspekte ausgerichtete
Fächer.
2. Auswahl einer Gruppe von Gewerkschaftsfunktionären mit einer
guten schulischen und Allgemeinbildung, die an der Universität Shicago
an Fortbildungskursen für höhere Gewerkschaftsfunktionäre teilnehmen.
Diese Funktionäre wären nach erfolgter Ausbildung und Rückkehr nach
Kenia dann praktisch die Schulungsleiter und Lehrer. Ihre Ausbildung
sollte sich jedoch über einen Zeitraum von zwei Jahren erstrecken, und
der Lehrplan müßte die folgenden Programmpunkte einschließen:
a) eine umfassende Analyse der afrikanischen Gewerkschaftsbewegung;
b) die Geschichte der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung bei
gleichzeitiger Herausstellung der Ähnlichkeiten und der Unterschiede zwischen den beiden Arbeitnehmerorganisationen;
c) die Rolle der Gewerkschaften im politischen Leben;
d) Einzelheiten über die Weltpolitik und die internationalen Beziehungen sowie über die Arbeit der internationalen Organisationen;
e) volkswirtschaftliche Grundbegriffe und die wirtschaftliche Entwicklung in den Entwicklungsländern;
f.

-

5 -

�f ) d i e Rolle der Gewerkschaften und des e i n z e l n e n Arbeitnehmers
bei der E r h a l t u n g der F r e i h e i t und Demokratie;
g) Vergleichsstudien von Regierungssystemen;
h) Besuche bei Gewerkschaften und Informationsreisen sowie die
Teilnahme an Kongressen, Tagungen und Tarifverhandlungen
zwecks Sammlung von Erfahrungen an Ort und Stelle.
Wenn ausreichende Mittel zur Durchführung eines solchen Programms zur Verfügung stehen, so würde ich vorschlagen, den Kursusteilnehmern keinen Halbtagsarbeitsplatz anzubieten. Obwohl der Teilnehmer gerade auf diese Weise in die Lage versetzt würde, engen
Kontakt mit den Arbeitnehmern zu pflegen, so weiß ich doch aus eigener Erfahrung, daß hierdurch viel Zeit verlorengeht, die sonst für
Studienzwecke zur Verfügung stünde.

* * * * *

Frederick C. Orr:
Nachlese zum "AFL-CIO"-Kongreß
Der 4« Zweijahreskongreß der "American Federation of Labor and
Congress of Industrial Organizations" (AFL-CIO) endete Mitte Dezember
vorigen Jahres in voller Harmonie und ohne die von zahlreichen Propheten vorhergesagten Reibungen und Spaltungserscheinungen, die nach ihrer
Meinung über kurz oder lang zu einem Auseinanderfallen des erst vor
sechs Jahren gegründeten Gesamtverbandes der amerikanischen Gewerkschaften führen würden.
Diese Ansicht gründete sich dabei in erster Linie auf die im vergangenen Jahr immer mehr sichtbar werdenden Spannungen und Reibungen
zwischen den sich organisatorisch auf die handwerklichen Zweige stützenden Arbeitnehmerorganisationen und den Industriegewerkschaften.
Diese Auseinandersetzungen, die sich insbesondere in den baugewerblichen Berufen und den Wartungszweigen abspielten und bei denen es
hauptsächlich um die Vertretungsrechte ging, hatten schon eine solche
Schärfe angenommen, daß Walter Reuther, der Vizepräsident und Leiter
der Abteilung Industriegewerkschaften der AFL-CIO, ernstlich davor
warnte, durch eine Fortsetzung dieser Auseinandersetzungen das Fortbestehen des geeinten Gewerkschaftsverbandes in Frage zu stellen.
Bei der Ausarbeitung einer Kompromißformel für die Lösung dieser
organisatorischen Streitigkeiten, die für beide Gruppen akzeptabel
war, demonstrierte der Verband sowohl seine große innere Stärke als
auch seine Fähigkeit, jenen spaltenden Kräften zu widerstehen, die
durch die einander zuwiderlaufenden Interessen der einzelnen dem
Verband angeschlossenen Gewerkschaften erzeugt worden waren. Der aus
diesen Beratungen hervorgegangene sogenannte "Friedensplan", der
vielleicht das bedeutendste Ergebnis des 4« Kongresses darstellt, wurde
von US-Arbeitsminister Arthur J. GoLdberg als "ein Meilenstein gewerkschaftlicher Politik" bezeichnet.
_.

6 -

�Die neue Formel zur Beilegung dieser internen Streitigkeiten wurde
von dem Kongreß als Zusatz zu den Satzungen der AFL-CIO angenommen.
Sie sieht unter anderem vor, daß bei Kompetenzstreitigkeiten die
Angelegenheit zuerst von einem Schlichtungsausschuß zu behandeln ist,
der sich aus Funktionären des Verbandes oder aus den Vorstandsmitgliedern zusammensetzt. Kann dieser Schlichtungsausschuß keine Einigung erzielen, so wird der ganze Streitfall zwecks Entscheidung einem
unparteiischen Schiedsmann unterbreitet. Seine Entscheidung kann jedoch angefochten und in der Revision einem dreiköpfigen Ausschuß
vorgelegt werden, der sich aus Mitgliedern des Exekutivausschusses
des Verbandes zusammensetzt. Solche Gewerkschaften, die sich der
Entscheidung des Schlichters oder dem Spruch des Appellationsausschusses widersetzen und ihm nicht Rechnung tragen, können dabei
mit Geldstrafen belegt werden.
Durch diesen neuen Plan wird praktisch die zentrale Gewalt des
Verbandes erhöht und in gewisser Hinsicht die Autonomie der dem Verband angeschlossenen Gewerkschaften eingeschränkt. Und gerade dies die Einschränkung der Souveränität - war auch der Grund dafür, daß
die "International Typographical Union" (Druckereiarbeitergewerkschaft)
- ITU - als einziger Verband der AFL-CIO gegen diesen Plan stimmte.
Neben diesen rein innergewerkschaftlichen Problemen befaßte
sich der 4» Zweijahreskongreß der AFL-CIO auch noch mit verschiedenen
anderen "heißen Eisen" - so u.a. auch mit den immer wieder zu Spannungen Anlaß gebenden "Bürgerrechten". Hierbei geht es in erster Linie
um die gleiche Behandlung aller Gewerkschaftsmitglieder ohne Rücksicht
auf ihre Hautfarbe, Rasse oder Religion. Aber auch hier wurde ein sehr
wichtiger positiver Schritt getan. Auf Grund verschiedener Beschwerden
zahlreicher farbiger Gewerkschafter darüber, daß von einigen Gewerkschaften in dieser Hinsicht immer noch diskriminierende Praktiken
verfolgt werden, wurde von den Delegierten mit überwältigender Mehrheit eine Resolution angenommen, die die Erfüllung der in den Statuten der AFL-CIO verankerten Bestimmungen gegen Diskriminierung
durch die angeschlossenen Verbände zum Ziele hat.
Von jenert Gewerkschaften, die noch Ortsverbände mit nach Rassen
getrennten Sektionen besitzen, werden in der Resolution u.a. sofortige
Anstrengungen und Bemühungen gefordert, diesB so schnell wie möglich
zu integrieren. Außerdem werden darin sämtliche Ortsverbände mit
solchen getrennten Sektionen angewiesen, dafür Sorge zu tragen, daß
die Tarifverträge nicht den Antidiskriminierungsprinzipien widersprechen, daß die Senioritätsrechte ungeachtet der Rasse, der Hautfarbe
und des Glaubens durchgesetzt werden und die Lehrlingsausbildungsprogramme allen offenstehen. Verfahrensfragen hinsichtlich der Behandlung
von Beschwerden über solche Gewerkschaften, die diesen Anweisungen nicht
nachkommen, sind in der Resolution im Detail aufgeführt.
Außerdem werden in der Resolution noch legislative Schritte sowie
Regierungsmaßnahmen gefordert, um die Antidiskriminierungspolitik auf
dem Gebiet der Beschäftigung, der Erziehung, des Wohnungswesens usw. in
der Praxis durchzusetzen. A. Philip Randolph, der 1. Vorsitzende der
"Bruderschaft der Schlafwagenschaffner", bezeichnete diese Resolution
als die stärkste, die je von einem Gewerkschaftskongreß angenommen wurde.
Den

7 -

�Den Höhepunkt der Eröffnungssitzung des AFL-CIO-Kongresses
bildete eine Rede Präsident Kennedys, in der dieser die Gewerkschaften aufforderte, sein neues Außenhandelsprogramm zu unterstützen und auf dem lohnpolitischen Sektor mit ihren Forderungen
maßzuhalten, damit die Vereinigten Staaten ihre Wettbewerbsposition
auf den Weltmärkten behaupten können und der Wert des Dollar erhalten bleibe.
Die Delegierten, die dem Präsidenten einen herzlichen Empfang
bereiteten, sprachen sich allgemein für eine Unterstützung des Außenhandelsprogramms aus und forderten in einer Entschließung den
amerikanischen Kongreß auf, ein Gesetz zu verabschieden, das "maximale
Möglichkeiten für eine Ausweitung des Handels", der amerikanischen
Industrie aber gleichzeitig einen gewissen Schutia biete. Ebenso wurde
von dem Kongreß die Forderung Präsident Kennedys nach mehrjährigen
Zollsenkungsbefugnissen unterstützt.
Auf lohnpolitischem Gebiet wurde schließlich eine Entschließung
angenommen, in der eine Verbesserung der Löhne, Gehälter und Lohnnebenleistungen gefordert wird, um, wie es heißt, die Kaufkraft der
Arbeitnehmer zu erhöhen und den Werktätigen "einen fairen Anteil an
den Früchten einer steigenden Produktivität".zukommen zu lassen.
Zu den anderen tarifpolitischen Zielen gehören ferner Abkommen
über Arbeits- und Einkommensgarantien sowie angemessene Entschädigungen in Fällen, in denen die Arbeitnehmer ihre Arbeitsplätze verlieren; verbesserte private Krankenversicherungs-, Sozial- und Pensionspläne; Maßnahmen zur Minderung der nachteiligen wirtschaftlichen
und soziologischen Auswirkungen für den Arbeitnehmer im Falle der
Entlassung auf Grund der technischen Entwicklung oder der Verlegung
von Produktionsstätten und eine Herabsetzung der wöchentlichen Arbeitszeit bei vollem Lohnausgleich, um auf diese Weise die Zahl der
verfügbaren Arbeitsplätze zu erhöhen.
Als 1. Vorsitzender der AFL-CIO wurde der bisherige Verbandsvorsitzende, George Meany, für die nächsten zwei Jahre in seinem Amt
bestätigt, so daß sich auch in diesem Fall jene Gerüchte nicht bestätigten, die vor Beginn des Kongresses von einer starken Opposition
gegen Meany wissen wollten.

* * * * *

-

8

�Es geht wieder um neue Tarife in der Stahlindustrie
In der dritten Februarwoche hat sich der Vorhang wieder zu
einem Schauspiel geöffnet, das in den Nachkriegsjähren bereits
15mal - mit jeweils unterschiedlichem Erfolg - über die amerikanische Bühne gegangen ist. Das Stück heißt "Die Tarifverhandlungen der Sozialpartner der amerikanischen Stahlindustrie". Die
Hauptdarsteller sind die Vereinigte Stahlarbeitergewerkschaft
(USA), die 800 000 Arbeitnehmer der Eisen- und Stahlindustrie vertritt, sowie ein gut eingespieltes Team von Unternehmensvertretern,
die die Interessen von 11 großen Stahlgesellschaften wahrnehmen. Vorläufig noch in der Kulisse, aber auf einen möglichen Auftritt vorbereitet ist die amerikanische Regierung, die dann die Szene beleben wird, wenn die Hauptakteure dieses Schauspiels vor Ende des
letzten Aktes steckenbleiben sollten.
Dennoch besteht in diesem Jahr aller Grund zu der Annahme, daß
alles glatt über die sozialpolitische Bühne gehen wird. Die Ursache
dieses Optimismus sind einmal das verhältnismäßig günstige Klima,
das die Verhandlungen bereits zu Beginn umgibt, und zum anderen die
allgemeinen wirtschafts- und sozialpolitischen Vorzeichen, unter denen diese TarifVerhandlungen stehen. Beide Tatsachen deuten jedenfalls darauf hin, daß 1962 alles schnell ablaufen wird und ein Abkommen zustande kommt, das keine inflationistischen Strömungen auslöst und sowohl den Gewerkschaften, den Unternehmen als auch der
Öffentlichkeit zum Vorteil gereicht. Allerdings wird dieser Optimismus durch die Erinnerung an die sechs großen Stahlarbeiterstreiks
nach 1946 ein wenig getrübt.
Ein Anzeichen für den Wunsch beider Parteien, eine ähnliche
Entwicklung zu vermeiden wie etwa 1959/^0, als sich die Stahlarbeiter 116 Tage lang im Ausstand befanden, ist darin zu sehen, daß
die Verhandlungen bereits am 14« Februar aufgenommen wurden, also
sehr viel früher als sonst. Diese frühzeitige Aufnahme der Verhandlungen bietet beiden Tarifpartnern ausreichende Möglichkeiten, die
Lohngespräche vor Auslaufen der derzeitig gültigen Verträge (30.Juni)
zu einem befriedigenden Abschluß zu bringen.
Eine rechtzeitige Einigung würde zweifellos sehr wesentliche
Vorteile für die US-Wirtschaft mit sich bringen. Vor allem würde
dadurch die Spekulation im Hinblick auf die Möglichkeit eines
Streiks gedämpft und ein übermäßig starker Lageraufbau der Stahlverarbeiter verhindert werden. Die Auftragseingänge würden sich
dann über einen größeren Zeitraum verteilen, und die Produktion
Winnte auf einem gleichmäßigen Niveau gehalten werden. Dies wiederum
würde eine weitere stetige Expansion der Gesamtwirtschaft gewährleisten und die erneut auflebende Konjunktur nicht gefährden.
Gleichzeitig aber besteht auch begründete Hoffnung, daß das
neue Lohnabkommen in der Stahlindustrie keine inflationistischen
Züge aufweisen wird. Da die Stahlindustrie in der US-Wirtschaft
eine überragende Stellung einnimmt, ist gerade diese Tatsache von
großer Bedeutung. Denn jede überhöhte Lohnkonzession würde zwangsläufig einen entscheidenden Einfluß auf die Lohn-Preis-Spirale haben

9

�haben und Preiserhöhungen für eine ganze Skala von Erzeugnissen
nach sich ziehen.
Beide Sozialpartner haben bereits zu erkennen gegeben, daß
sie sich über die Vorteile im klaren sind, die sich aus einer
schnellen Einigung und einem nichtinflationistischen Abkommen
für alle Beteiligten ergeben. Ganz abgesehen von dem gesamtwirtschaftlichen Nutzen, durch den wiederum beide Partner auch indirekt
profitieren würden, geht es hier nämlich in erster Linie um die Wettbewerbsfähigkeit des Stahls selbst, und zwar sowohl gegenüber den
ausländischen Stählen als auch gegenüber den mit dem Stahl konkurrierenden Materialien wie Aluminium, Glas und Kunststoff.
Wenn die amerikanische Regierung auch keine gesetzliche Handhabe
besitzt, um auf die Löhne und Preise regulierend einzuwirken, so hat
sie aber dennoch die Möglichkeit, die Verhandlungen in gewisser Hinsicht zu beeinflussen. Und daß sie von dieser Möglichkeit intensiven
Gebrauch zu machen gedenkt, hat sie bereits in den vergangenen Wochen
zu erkennen gegeben. So haben sowohl Präsident Kennedy als auch führende Mitglieder der Regierung bei verschiedenen Anlässen deutlich
zum Ausdruck gebracht, daß die Stahlpreise auf keinen Fall in Bewe-,
gung geraten dürfen und daß die Lohnerhöhungen sich im Rahmen der
Produktivitätszunahmen halten müßten. Diese Appelle der KennedyAdministration an die Sozialpartner haben ihre Wirkung - wie die
frühzeitige Aufnahme der Verhandlungen zeigt - bislang nicht verfehlt, und es ist zu hoffen, daß sie auch während der Verhandlungen
von den Tarifpartnern der Stahlindustrie beherzigt werden.

(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

Präsident Kennedy legte Kongreß Sozialbotschaft vor
Präsident Kennedy hat am 1. Februar eine Sonderbotschaft an den
amerikanischen Kongreß gerichtet, in der er die Billigung eines umfassenden öffentlichen Sozialprogramms fordert, das allen Amerikanern,
vor allem aber den weniger vom Glück begünstigten ein gutes Auskommen
sichern soll. In seiner Botschaft betonte Kennedy, daß den ärmeren
Menschen geholfen werden müsse, ein "produktives, glückliches und
unabhängiges Leben" zu führen. Die Hauptaufgabe in diesem Zusammenhang
sei es, wirtschaftliche und soziale Chancen für alle zu schaffen.
Das vom Präsidenten unterbreitete Programm soll im wesentlichen
von dem Ministerium für Gesundheits-, Erziehungs- und Sozialfragen
durchgeführt werden. Die sozialen Aufgaben werden von der Bundesregierung in Zusammenarbeit mit den Einzelstaaten der USA durchgeführt,
wobei Washington zum Teil über die Hälfte der Kosten trägt; die Bundesregierung übt jedoch keine Kontrolle über die Programme aus. Insgesamt

10

�Insgesamt erhalten z.B. rund 7 250 000 Amerikaner Sozialunterstützung in irgendeiner Form.
In seiner Botschaft wies der Präsident darauf hin, daß die
soziale Fürsorge mehr sei als eine "Rettungsaktion für Trümmer
des menschlichen Lebens". Sie müsse vielmehr darauf abzielen, das
Scheitern der Existenz zu verhindern und dem Menschen eine neue
Existenz in der Gesellschaft zu geben. "Armut schwächt den einzelnen und die Nation", so schrieb der Präsident in seiner Botschaft. "Eine gesündere öffentliche Sozialpolitik dient der Nation,
ihrer Wirtschaft, ihrer Moral und, was am wichtigsten ist, ihren
Menschen."
Präsident Kennedy unterstrich, daß die heute gültigen öffentlichen Sozialprogramme vor rund 25 Jahren ausgearbeitet wurden und
daß eine tiefgreifende Reform notwendig sei.
"Die Ziele unseres öffentlichen Sozialprogramms", so heißt es
in der Botschaft, "müssen positiv und konstruktiv sein - um wirtschaftliche und soziale Chancen für die weniger Begünstigten zu
schaffen, um ihnen zu helfen, ein produktives, glückliches und
unabhängiges Leben zu finden. Es muß die Integrität und die Erhaltung der Einheit der Familie unterstreichen. Es muß dazu beitragen,
Abhängigkeit, Jugendkriminalität, Zerfall der Familie, Illegitimität,
Krankheit und Arbeitsunfähigkeit zu beseitigen."
Das Programm soll das Auftreten solcher Probleme verringern
und den sozial Schwachen schützen. Um diese Ziele zu erreichen,
schlug der Präsident vor:
daß die Einzelstaaten durch das Angebot größerer Bundesmittel
in ihren Bemühungen ermutigt werden, die sozial Schwachen so in
die Wirtschaft einzugliedern, daß sie auf eigenen Füßen stehen
können, wobei der Bund jetzt 75 Prozent der Kosten - statt wie bisher nur 50 Prozent - tragen würde;
daß die Bundesregierung Mittel für Kinderhorte zur Verfügung
stellt;
daß die gegenwärtige Höchstgrenze für Zuwendungen des Bundes an
Einzelstaaten für die Kinderfürsorge heraufgesetzt wird;
daß die bestehenden Gesetze geändert werden, um den Einzelstaaten mit Bundeshilfe Ausbildungsprogramme für arbeitslose Rentenempfänger zu ermöglichen;
daß der Bundeszuschuß für Kinderbeihilfen erhöht wird und
daß das gegenwärtige Gesetz über die soziale Sicherheit dahin
gehend geändert wird, daß Unterstützungsempfänger ohne Furcht vor
einem Entzug der Unterstützung eine neue Beschäftigung suchen können.
Der

11

�Der Präsident unterstrich in seiner Botschaft nachdrücklich,
daß diese Aufgaben von höchster Bedeutung für die amerikanische
Nation seien und so rasch wie möglich in Angriff genommen werden
müßten.
(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

Bericht über die Auswirkungen der Automatisierung, Veröffentlicht
Die Automation ist sowohl für die Verteidigung als auch für
den Wohlstand des amerikanischen Volkes von entscheidender Bedeutung.
Sie läßt sich in der amerikanischen Wirtschaft ohne die Preisgabe
menschlicher Werte durchführen.
Dies ist die Meinung des 21 köpfigen Beratungsausschusses des
US-Präsidenten für Arbeitnehmer-Arbeitgeberfragen nach einer umfangreichen Untersuchung sämtlicher durch die Automatisierung in
Industrie und Wirtschaft bewirkten Veränderungen.
In dem in der dritten Januarwoche veröffentlichten Bericht
heißt es ferner, daß ein Höchstmaß der technischen Entwicklung sich
nur dann ohne nachteilige Auswirkungen auf die Bevölkerung realisieren lasse, wenn gemeinsame Anstrengungen von Wirtschaft und Regierung
im Rahmen eines freien Wirtschaftssystems unternommen werden. Die
Automatisierung und die technischen Veränderungen hätten bereits dazu geführt, daß der amerikanische Arbeitnehmer von zahlreichen schweren körperlichen Arbeiten sowie gefährlichen oder sich ständig wiederholenden Tätigkeiten befreit wurde. Der einzelne Arbeiter in den USA
könne auf Grund des bisher erzielten technischen Fortschritts bei
einer weitaus geringeöBm Arbeitszeit sehr viel mehr Güter als früher
herstellen und hierfür einen viel höheren Lohn in Empfang nehmen.
Wenn auch die Automatisierung und die schnelle technologische
Entwicklung zur Beseitigung vieler Arbeitsplätze geführt hätten,
so würden doch andererseits, wenn es nicht gelänge, das bisherige
Tempo der Automatisierung beizubehalten und darüber hinaus sogar
noch zu steigern, weitaus schlimmere Beschäftigungs- und andere
Probleme ausgelöst werden, als sie heute die Automation stelle.
Zur Lösung der derzeitigen Arbeitsmarktprobleme und zur Milderung der Auswirkungen der Automatisierung werden in dem Bericht
eine Erhöhung der wirtschaftlichen Wachstumsrate, ein stärkeres
Engagement der Regierung bei der Verbreitung von Arbeitsplatzinformationan als bisher, eine verstärkte, engere Zusammenarbeit zwischen
Regierungsstellen und privaten Organisationen hinsichtlich der Umschulung und Ausbildung von Arbeitskräften sowie ein besseres Handin-Hand-Arbeiten von Gewerkschaften und Unternehmen in Arbeitsplatzfragen für notwendig erachtet.
„,

12

�Ebenso wird in dem Bericht des 21köpfigen Präsidialausschusses
eine Verbesserung der Arbeitslosenversichung sowie die Gewährleistung der Pensions- und anderer Altersversorgungsansprüche der Arbeitnehmer bei Entlassungen gefordert.
Eine sofortige Verkürzung der normalen Arbeitswoche (40 Stunden)
als Mittel zur Schaffung von mehr Arbeitsplätzen wird dagegen von
den Ausschußmitgliedern zum gegenwärtigen Zeitpunkt für undurchführbar gehalten, jedoch als eine künftige Möglichkeit angesehen.
Bei der Überreichung des Berichts erklärte Präsident Kennedy:
"Wir müssen jede Möglichkeit des technischen Fortschritts nutzen,
aber wir können dabei nicht die menschlichen Werte völlig unbeachtet
lassen. Ihre Empfehlungen lassen genau die beiden Seiten dieses
Problems erkennen."
Der Bericht selbst wurde von den 21 Ausschußmitgliedern, die sich
zu gleichen Teilen aus Vertretern der Wirtschaft, der Gewerkschaften
und der Öffentlichkeit zusammensetzen, einstimmig gebilligt. Lediglich der bekannte Wirtschaftswissenschaftler Professor Arthur P. Burns
versagte einigen Abschnitten seine Zustimmung, da in ihnen nach seiner
Ansicht die zahlreichen Ursachen der Erwerbslosigkeit, insbesondere
die saisonalen Paktoren, nicht stark genug herausgearbeitet worden
waren.
(Quelle: Eigenbericht)

##»#.#

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
USIS-Bonn/Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XV - 4

Bad Godesberg, den 1. April 1962

INHALTSVERZEICHNIS
Die Lohnbewegungen 1961/62 in der US-Wirtschaft

Seite

1

Seite

10

Zahl der Gewerkschaftsmitglieder geringfügig angestiegen

Seite

11

Gewerkschaftliche Kurznachrichten

Seite

12

Sicherung der Arbeitsplätze und Einkommen wichtiger
als höhere Löhne

Die Lohnbewegungen 1961/62 in der US-Wirtschaft

Aus "The American Federationist", dem
offiziellen Organ des amerikanischen
Gewerkschaftsverbandes AFL-CIO
(Februar 1962) .

Wie sind die Aussichten auf Lohnerhöhungen im Jahre 19^2, und
inwieweit werden sich die Ergebnisse der diesjährigen Tarifverhandlungen von denen des Vorjahres unterscheiden?
Die auf Grund von Tarifverhandlungen zwischen den Sozialpartnern
getroffenen Vereinbarungen weichen im Ergebnis stets beträchtlich voneinander ab, und zwar nicht nur unter den einzelnen Wirtschaftszweigen,
sondern auch innerhalb der einzelnen Branchen selbst. Auch das Jahr 1962
wird in dieser Hinsicht keine Ausnahme bilden. Jedenfalls deutet gegenwärtig nichts darauf hin, daß sich die in diesem Jahr zu erwartenden
Ergebnisse der Lohnverhandlungen wesentlich von den Ergebnissen der
Vorjahre unterscheiden werden.
Der sich weiter fortsetzende wirtschaftliche Aufschwung dürfte
dennoch zweifellos dazu beitragen, den allgemeinen Durchschnitt der
Lohnerhöhungen etwas anzuheben, wie überhaupt das Wirtschaftsklima
in den USA in diesem Jahr für Lohnaufbesserungen günstiger zu sein
scheint als etwa im Rezessionsjähr 196O oder in dem von einer hohen
Arbeitslosigkeitsrate (7»0$) gekennzeichneten Vorjahr.
Schon

�daß
den
all
der

Schon auf Grund dieser äußeren Vorzeichen ist damit zu rechnen,
die in diesem Jahr ausgehandelten Lohnerhöhungen zum überwiegenTeil zwischen 3 und 5 Prozent (7-12 Cent) liegen und wie auch in
den anderen Jahren von erheblichen Verbesserungen auf dem Gebiet
Lohnnebenleistungen begleitet sein werden.

In dieser Prognose kommt dabei nicht die offizielle Ansicht der
amerikanischen Gewerkschaftsbewegung zu lohnpolitischen Fragen zum
Ausdruck, noch spiegeln sich darin lohnpolitische Ziele wider. Es
handelt sich hierbei lediglich um das rein aachliche Ergebnis einer
allgemeinen lohnpolitischen Analyse. Nach Ansicht der AFL-CIO wären
jedoch in diesem Jahr größere Lohnerhöhungen in vielen Fällen durchaus
gerechtfertigt und darüber hinaus insofern auch sehr nützlich, als
sie die Verbrauchsgütermärkte weiter beleben, die wirtschaftliche
Wachstumsrate beschleunigen und die erforderlichen zusätzlichen Arbeitsplätze schaffen helfen würden.
Die wirtschaftlichen Faktoren
Zahlreiche wirtschaftliche Faktoren, die schon in den letzten
Jahren einen mäßigenden Einfluß auf die Lohnpolitik ausübten, dürften
auch 1962 weiter wirksam sein. Zu diesen die Höhe der Lohnforderungen
begrenzenden Faktoren zählen u.a. die immer noch schwierige Arbeitslosensituation in zahlreichen Gebieten der USA, das Niveau der Lohnerhöhungen, die in diesem Jahr auf Grund langfristig abgeschlossener
Tarifverträge automatisch wirksam werden ,und der relativ geringe Anstieg der Lebenshaltungskosten.
Auch die Ermahnungen Präsident Kennedys und Arbeitsminister Goldbergs an die Gewerkschaften und Unternehmen, gesamtwirtschaftliches
"Verantwortungsbewußtsein" in den kommenden Tarifverhandlungen zu
zeigen, damit sich die ausgehandelten Lohnerhöhungen in den Rahmen
der Produktivitätszunahmen einfügen, dürften dazu beitragen, die Anstiege auf dem Niveau der letzten Jahre zu halten.
Durch all diese Tatsachen könnten verschiedene andere wirtschaftliche Faktoren weitgehend aufgewogen werden, die größere Lohnerhöhungen
rechtfertigen als in den vergangenen Jahren. Die wichtigsten dieser
Faktoren sind dabei die gegenwärtig auffallend hohe Wachstumsrate der
Produktivität sowie der bemerkenswerte Anstieg der Unternehmergewinne.
Der Anstieg der Produktivität von Anfang 19^1 bis zum Jahresbeginn 1962 war stärker als je zuvor. Die Zuwachsrate ist in diesem Zeitraum zumindest doppelt so hoch, wenn nicht sogar noch höher gewesen
als im Durchschnitt der Nachkriegsjähre. Diese erhebliche Zunahme der
Produktivität ist nicht nur in der Industrie festzustellen, sondern
auch in praktisch allen nichtindustriellen Sektoren der Wirtschaft.
In den verschiedenen bisher veröffentlichten Schätzungen über
die wahrscheinliche Höhe der Unternehmensgewinne im Jahre 1962, darunter
auch die offiziellen der US-Regierung, werden die Gewinne der Kapitalgesellschaften,- verglichen mit je 45 Mrd. in den Jahren i960 und 1961
und dem bisherigen Rekord von 47 Mrd. Dollar,auf 52-57 Mrd. Dollar
beziffert. Die Unternehmergewinne würden daher 1962 im Vergleich zum
Niveau der letzten Jahre um 15-25 Prozent höher liegen.
,
2

�In Anbetracht der wachsenden Unternehmergewinne, der Produktivitätszunahmen, der steigenden Lebenshaltungskosten sowie der
vergleichbaren Löhne in der Gesamtwirtschaft und anderer Paktoren
geht man wohl nicht fehl in der Annahme, daß die 1962 ausgehandelten Lohnerhöhungen letzten Endes etwas größer sein werdai als in den
vergangenen Jahren. Die meisten Abkommen dürften wohl eine Realzunahme der Löhne von 3-5 Prozent gewährleisten.
Für zahlreiche Arbeitnehmer sind d,ie Lohnerhöhungen für 1962
bereits auf Grund langfristiger, in den Vorjahren abgeschlossener
Tarifverträge im voraus festgelegt. Diese Zunahmen dürften sich
dabei zum überwiegenden Teil auf 2,5 bis 4 Prozent (plus Lebenshaltungskostenausgleich) oder 6-8 Cent pro Stunde belaufen - wobei
sich diese bereits feststehenden Größenordnungen als ein hemmender
Faktor für alle anderen Lohnforderungen erweisen, die von den Gewerkschaften eventuell in diesem Jahr in TarifVerhandlungen gestellt
werden.
Bei der Analyse der möglichen lohnpolitischen Entwicklungen
in diesem Jahr haben wir uns bisher nur mit den zu erwartenden "Durchschnittswerten" befaßt, so daß sehr leicht der Eindruck entstanden
sein könnte, als ob sich die diesjährigen Lohnverhandlungen sehr einheitlich und nach einem bestimmten "Muster" ausgerichtet vollziehen
würden. Das wird jedoch nicht der Fall sein. Im Gegenteil, wie in
all den anderen Jahren wird auch das Hauptmerkmal der diesjährigen
Verhandlungen die große Verschiedenartigkeit der Tausende von Abkommen sein.
Obwohl die verschiedenen bereits aufgezeigten grundlegenden Faktoren all diese Verhandlungen weitgehend beeinflussen werden, dürfte
doch jede einzelne Tarifverhandlung von besonderen und nur ihr eigenen
Faktoren bestimmt werden. Zu diesen Faktoren, durch die das Ergebnis
der Verhandlung,vor allem aber die Höhe der zugestandenen Löhne
weitgehend mitbestimmt wird, zählen unter anderen: Haltung der
Gewerkschaftsmitglieder; Stärke der Gewerkschaft; Einstellung des
Managements; wirtschaftliche Lage des jeweiligen Industriezweiges,
des Unternehmens selbst und am Standort des Betriebes; das jeweilige Lohnniveau; Art und Umfang der Lohnunterschiede; zusätzliche
Sozialleistungen und andere nicht in der Lohnsumme in Erscheinung
tretende Zulagen; Dauer des alten und des neuen Abkommens.
Zunahme langfristiger Abkommen
Auf Grund der zunehmenden Praxis, langfristige Tarifverträge
(mit einer Laufzeit von mehr als einem Jahr) abzuschließen, sind
viele Gewerkschaften heute nicht mehr gezwungen, Jahr für Jahr Tarifverhandlungen mit den Unternehmen zu führen. Daher stehen 1962 auch
keine Verhandlungen in solchen großen Industriezweigen wie der Automobil-, der Elektro-, der Gummi- und der Fleischkonservenindustrie an.
Auch in einigen anderen wichtigen Wirtschaftszweigen wie etwa dem
graphischen, dem Bau- und dem Straßentransportgewerbe kommt es in diesem
Jahr zu keinen neuen Verhandlungen.
Dennoch

�Dennoch werden die von diesen langfristigen Abkommen erfaßten
Arbeitnehmer 1962 Lohnerhöhungen auf Grund von 1961 oder noch früher
abgeschlossenen Verträgen erhalten. Nach einer Übersicht des USArbeitsministeriums, die sich auf Großtarifabkommen (mit mehr als
1000 Arbeitnehmern) bezieht, werden 1962 insgesamt 2,5 Millionen
Arbeitnehmer auf Grund solcher Verträge höhere Löhne empfangen,
Rund 45 Prozent davon können dabei mit Lohnaufbesserungen von 7
Cent und mehr rechnen, während bei weiteren 43 Prozent die Erhöhungen zwischen 6,0 und 6,9 Cent pro Stunde liegen werden. Die Tatsache,
daß der größte Teil dieser Arbeitnehmer Lohnaufbesserungen zwischen
6 und 7 Cent bekommt, ist darauf zurückzuführen, daß die großen Abkommen (Automobil-, Landmaschinen-, Gummi- und Fleischkonservenindustrie) eine durchschnittliche Anhebung der Löhne von 6-7 Cent vorsehen.

Tabelle 1
Auf Grund langfristiger Tarifverträge 1962 wirksam
werdende Lohnerhöhungen
Umfang der Lohnerhöhungen
Unter 5 Cent
Cent
5-5,9

Anteil an der Arbeitnehmerzahl

6-6,9

Cent

4 Prozent
6 Prozent
43 Prozent

7-7,9
8-8,9

Cent
Cent

11 Prozent
13 Prozent

9-9,9

Cent

7 Prozent
5 Prozent

10-10,9 Cent
11 Cent und mehr

10 Prozent

In den nichtindustriellen Zweigen(ohne Bauwirtschaft) liegt der
Durchschnittssatz höher, Über 80 Prozent der Arbeitnehmer erhalten hier
in diesem Jahr automatische Lohnerhöhungen von 8 Cent und mohr. AuSof«
dem besteht die Möglichkeit,_daß rund die Hälfte (54 Prozent) dieser
2 Millionen Arbeitnehmer noch eine zusätzliche Lohnerhöhung erhalten
werden, und zwar bei einem Anstieg der Lebenshaltungskosten (Lohnausgleichklausel) . Wenn also die Verbraucherpreise gegenüber dem
Vorjahr um 1 Prozent ansteigen sollten - wie das übrigens auch 1961
der Fall war -, dann würde sich die hierdurch ausgelöste Lohnerhöhung
auf 2 bis 3 Cent stellen. Die Lohngleitklausel kommt hauptsächlich in
solchen Verträgen zur Anwendung, in denen die allgemeinen Lohnerhöhungen verhältnismäßig niedrig sind. So wurden z.B. rund drei.Viertel
all jener Arbeitnehmer in den Genuß dieser Ausgleichsbeträge kommen,
die in diesem Jahr auf Grund bereits abgeschlossener Tarifverträge
nur Lohnaufbesserungen zwischen 6 und 7 Cent erhalten. In denjenigen
Verträgen, die keine Lohngleitklausel enthalten, sind die vereinbarten
Lohnerhöhungen dagegen gewöhnlich größer.
_

�Im Baugewerbe, wo die Tarifverträge im allgemeinen keine Lohngleitklauseln aufweisen, werden die 1962 wirksam werdenden Lohnerhöhungen 15 Cent und mehr ausmachen. Auf Grund langfristiger Tarifverträge werden 1962 insgesamt 400 000 Bauarbeiter Lohnaufbesserungen
bekommen. Wie dazu aus einer Übersicht des US-Arbeitsministeriums
zu entnehmen ist, erhalten 60 Prozent der Bauarbeiter dabei Erhöhungen von 15 Cent und mehr pro Stunde, während 20 Prozent sogar Aufbesserungen von 25 Cent und mehr realisieren können. (Da die Löhne
im Baugewerbe verhältnismäßig hoch sind, sind die prozentualen Zunahmen dementsprechend auch geringer als in anderen Industriezweigen.)

Tabelle 2
Lohnerhöhungen auf Grund von Großtarifverträgen 1961 *
Lohnerhöhung pro Stunde

Anteil an der Arbeitnehmerzahl

Unter 5 Cent
unter 4 Cent
4-4,9
Cent

8 Prozent
4 Prozent
4 Prozent

5-6,9 Cent
.5-5,9
Cent
6-6,9
Cent

29 Prozent
18 Prozent
11 Prozent

7-8,9

18 Prozent

Cent

7-7,9

Cent

10 Prozent

8-8,9

Cent

8 Prozent

9-10,9 Cent
9T9,9
Cent
10-10,9 Cent

26 Prozent

11 Cent und mehr

20 Prozent

11-12,9

Cent

13 Cent und mehr

7 Prozent
19 Prozent

12 Prozent
8 Prozent

Diese Statistik ist das Ergebnis einer Untersuchung von Großtarifverträgen (mehr als 1000 Arbeitnehmer), die 1961 abgeschlossen wurden und durch die insgesamt 5,66 Millionen Arbeitnehmer erfaßt werden. Nicht darin enthalten sind die Verträge
der Bauwirtschaft.
- 5 -

�Die Veränderungen bei den Lebenshaltungskosten waren 1961
nur geringfügig. Am Verbraucherpreisindex des US-Arbeitsministeriums
gemessen, haben sich die Lebenshaltungskosten zwischen Januar und
Dezember 1961 nur um weniger als 1 Prozent erhöht. Auch in diesem
Jahr dürfte die Zunahme wiederum nur verhältnismäßig gering sein
und wahrscheinlich nicht mehr als 1-2 Prozent ausmachen. Veränderungen in dieser Größenordnung bilden allgemein keinen gewichtigen
Paktor in den TarifVerhandlungen. Die zum Ausgleich des Kaufkraftverlustes in diesem Falle erforderlichen Lohnzulagen belaufen sich
auf 2 bis 3 Cent pro Stunde. Wenn solchen Erhöhungen der Lebenshaltungskosten nicht durch Lohngleitklauseln in ihren Verträgen
Rechnung getragen ist, so muß eine Gewerkschaft, die Anfang 1962
über neue Verträge verhandelt, zuerst diesen Kaufkraftverlust ausgleichen, ehe sie ihre Forderung auf Erhöhung der Reallöhne stellt.
Durch Großtarifverträge (Verträge, die jeweils mehr als 1000
Arbeitnehmer betreffen) mit Lohngleitklausel werden gegenwärtig
etwa 2,5 Millionen Arbeitnehmer erfaßt; wie viele Arbeitnehmer dagegen die kleineren Verträge mit Lohngleitklausel umfassen, läßt
sich nicht genau feststellen.
Die Lohngleitklausel
Lohngleitklauseln sind hauptsächlich in den langfristigen Tarifabkommen enthalten. Die Gewerkschaften versuchen sich auf diese
Weise einen automatischen Schutz gegenüber steigenden Lebenshaltungskosten zu sichern. Auch im vergangenen Jahr bildeten die Lohngleitklauseln Hauptpunkte bei verschiedenen großen Tarifverhandlungen so vor allem mit der Automobil- und der Fleischkonservenindustrie,
wo das Management bestrebt war, bestehende Lohngleitklauseln aus
den Verträgen zu eliminieren oder einzuschränken. Dennoch wurden
diese Klauseln unverändert in die neuen Verträge übernommen, weil
die Gewerkschaften darauf bestanden, langfristige Tarifabkommen
nur dann abzuschließen, wenn ihren Mitgliedern ein automatischer
Schutz gegenüber möglichen Preiserhöhungen gewährt werde.
Die im vergangenen Jahr notwendig gewordenen Lohnaufbesserungen
auf Grund der Lohngleitklausel waren in Anbetracht der nur wenig
angestiegenen Verbraucherpreise allgemein etwas geringer als in den
Vorjahren. In der Automobilindustrie betrug die Erhöhung nur 1 Cent
pro Stunde. (Zwar hätte hier die Erhöhung 2 Cent ausmachen müssen,
aber die Gewerkschaft war damit einverstanden, daß der zweite Cent zur
Verbesserung der Pensionsleistungen verwendet wurde.) Im Vergleich
hierzu beliefen sich die automatischen Gehaltsaufbesserungen in der
Automobilindustrie im Jahre i960 auf 4 Cent, 1959 auf 3 Cent und
1958vund 1957 auf 6 Cent.
In der Fleischkonservenindustrie dagegen wurde 1961 auf Grund
der Lohngleitklausel eine Lohnerhöhung von 3 Cent fällig, wobei ein
Cent für künftige Anstiege der Lebenshaltungskosten allerdings
schon im voraus gewährt wurde. In diesem Industriezweig betrugen die
automatischen Lohnerhöhungen im Jahre 196O sowie 1959 ebenfalls

-

6

�ebenfalls 3 Cent, während sie 1958 insgesamt 8 Cent und 1957 5 Cent
betragen hatten.
In der stahl- und eisenschaffenden Industrie, in der die Lohnanstiege auf Grund der Lohngleitklausql auf maximal 3 Cent pro Jahr
begrenzt sind und die Ausgleichssumme sich um jene Beträge vermindert, die ein Unternehmen zur Deckung der erhöhten Krankenversicherungskosten autfwendeni muß, betrug die automatische Erhöhung
der Arbeitseinkommen 1961 insgesamt 1 1/2 Cent. Im Jahr i960 dagegen wurde v,die vorgesehene Erhöhung um 3 Cent durch die höheren
Aufwendungen der Unternehmen für Krankenversicherungskosten völlig
absorbiert. In den Jahren davor ergaben sich Erhöhungen um 1 Cent
(1959),9 Cent (1958) und 7 Cent (1957).
Umfang der Lohnerhöhungen 1961
Der Umfang der 1961 erfolgten Lohnerhöhungen ergibt sich aus
einer Analyse des amerikanischen Arbeitsministeriums von Großtarifverträgen, durch die insgesamt 5,6 Millionen Arbeitnehmer erfaßt wurden. In dieser Übersicht sind sowohl die automatischen als auch die
regulären Lohnerhöhungen berücksichtigt, die im Vorjahr ausgehandelt
wurden.
Danach beliefen sich die durchschnittlichen Erhöhungen auf
etwas über 8 Cent (oder etwa 3*5 bis 4 Prozent), wobei 37 Prozent
aller erfaßten Arbeitnehmer Lohnaufbesserungen unter 7 Cent pro
Stunde erhielten, 18 Prozent zwischen 7,0 und 8,9 Cent und fast
die Hälfte (46 Prozent) 9 Cent und mehr bekamen.

Tabelle 3
Lohnerhöhungen im Baugewerbe 1961

Erhöhung pro Stunde

Anteil an der Arbeitnehmerzahl
1 Prozent

Unter 5 Cent
5-9,9 Cent

15 Prozent

10-14,9 Cent

39 Prozent

15-19,9 Cent

,

20 Cent urd nohr

30 Prozent
15 Prozent

Zu

�Zu denjenigen Arbeitnehmern, die Lohnerhöhungen unter 7 Cent
erhielten, gehörten auch die der Automobilindustrie; zwar konnten
sie nur einen Anstieg von durchschnittlich 5,5 Cent verzeichnen,
praktisch jedoch betrug diese Aufbesserung 8,5 Cent, da 3 Cent
aus der Gesamtlohnerhöhung an die verschiedenen Sozialfonds (Krankenversicherung, Pensionen usw.O abgeführt wurden, weil sich die
Unternehmer ihrerseits verpflichtet hatten, gleichfalls pro Arbeitsstunde fast 7 Cent an diese Fonds abzuführen und auf die
Arbeitnehmerbeiträge in Zukunft überhaupt zu verzichten. Tatsächlich machten also hier die Lohnaufbesserungen rund 12 Cent aus.
In der Übersicht des US-Arbeitsministeriums sind die Tarifabkommen der Bauwirtschaft nicht enthalten. Berücksichtigt man diese
Tarifabkommen, so erhöht sich der Durchschnitt nicht unbeträchtlich.
Lohnnebenleistungen
Der größte Teil der 1961 abgeschlossenen Tarifverträge (75 Prozent) sah neben den Lohnerhöhungen ferner Verbesserungen bei mindestens
einer freiwilligen Lohnnebenleistungsart vor. Wenn auch Art und Zahl
der Leistungsverbesserungen sehr verschiedenartig sind, so haben sich
doch auch hier einige Trends herausgebildet. So hat zum Beispiel
die Zahl der Tarifverträge erheblich zugenommen, in die Arbeitspiatzund Einkommenssicherungsklauseln aufgenommen wurden. Dies war vor
allem in jenen Unternehmen und Industriezweigen der Fall, deren Arbeitsplätze durch die technologischen Veränderungen und die Umsiedlung von Produktionsanlagen bedroht werden. Die wichtigsten Abmachunge
dieser Art sind dabei:
1 . Zahlung von Unterstützungen bei vorübergehender Entlassung
oder einer zusätzlichen Arbeitslosenunterstützung; Gewährung von Entlassungsgeldern; Beibehaltung der Anwartschaft auf die Leistungen aus
den verschiedenen Sozialfonds während der Arbeitslosigkeit; Zahlung
von Umschulungsbeihilfen und anderen finanziellen Hilfen für die
entlassenen Arbeitnehmer.
2. Schriftliche Fixierung besonderer Verfahren für die Einführung
neuer Produktionstechniken oder für die Umsiedlung eines Unternehmens,
um die Zahl der zu Entlassenden auf ein Minimum zu beschränken.
Besonders bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang noch die Einführung einer neuen Leistungsart: die Einkommenssicherung bei verkürzter Arbeitswoche (Automobilindustrie). Die entsprechenden Abmachungen
sehen vor, daß alle Arbeitnehmer, die in einer beliebigen Woche zur
Arbeitsableistung aufgefordert werden, aber nicht die tariflich festgelegte 3 Anzahl an Mindestarbeitsstunden erreichen, 65 Prozent ihres
Normallohnes für die nicht abgeleisteten Stunden erhalten sollen,
wenn die verkürzte Arbeitswoche im voraus eingeplant war, und 50 Prozent, wenn die Kurzarbeitszeit nicht eingeplant war, aber durch Auftragsmangel, technische Störungen usw. ausgelöst wurde.
Sozialpläne

�Sozialpläne
Zu denjenigen freiwilligen Sozialleistungen, die im vergangenen
Jahr auf Grund neuer Tarifverträge überausiert wurden, gehören
vor allem die Krankenversicherungs- und Sozialpläne. Über die Hälfte
aller Abkommen sahen hier erhöhte Leistungen bei Erkrankung oder
Krankenhausaufenthalt sowie bei Betriebsabwesenheit auf Grund von
Krankheit vor. Ebenso wurden die Lebensversicherungssummen heraufgesetzt.
Bei den privaten Pensionsplänen zeichneten sich folgende Entwicklungen im Vorjahr ab:
1 . Erhöhung der Pensionsleistungen;
2. Erleichterung der Anwartschaftsbedingungen;
3. Liberalisierung der Anwartschaftsbestimmungen. In vielen Fällen bleiben den anspruchsberechtigten Arbeitnehmern auch dann
die Leistungen erhalten, wenn sie ihre Arbeit vor Erreichen
der Altersgrenze aufgeben.
4. Lockerung der Bestimmungen im Falle der vorzeitigen Pensionierung
und der Vollinvalidität.
Auch solche zusätzlichen Sozialleistungen wie bezahlte Feiertage
und bezahlter Urlaub wurden in den meisten 1961 abgeschlossenen Tarifverträgen verbessert. Bei bezahltem Urlaub geht die Tendenz dahin,
die Zahl der für die Gewährung des Maximalutrlaubs erforderlichen
Dienstjahre weiter herabzusetzen. Die häufigste Form des bezahlten
Urlaubs sind 2 Wochen nach ein bis zwei Dienst jähren; 7, Urlaubswochen
erhalten Arbeitnehmer mit zehn, fünf oder noch weniger dienstjähren,
während der vierwöchige Urlaub allen Arbeitnehmern mit 20 und teilweise
auch weniger Dienst jähren gewährt wird. Besonders bemerkenswert ist
in diesem Zusammenhang noch, daß im Vorjahr schon vereinzelt Abkommen
abgeschlossen wurden,die den Arbeitnehmern sogar einen fünfwöchigen
Urlaub sichern.
Bei den bezahlten Feiertagen schließlich ergibt sich für 1962
folgendes Bild: in der Regel werden jetzt statt der allgemein üblichen
sieben zunehmend acht bis neun Feiertage voll vergütet.

Aus "The American Federationist",
dem offiziellen Organ des amerikanischen Gewerkschaftsverbandes
AFL-CIO (Februar 1962).

* * * * *

-

9 "

�Sicherung der Arbeitsplätze und Einkommen wichtiger als höhere Löhne
Die Tarifverhandlungen sind in den letzten Jahren nicht nur
schwieriger, sondern auch langwieriger geworden. Zum Teil ist dies
mit auf die Tatsache zurückzuführen, daß sich der Verhandlungsschwerpunkt immer mehr von den reinen Lohn- und Arbeitszeitfragen auf die
komplizierteren Probleme der Arbeits- und Einkommensgarantie verlagert hat. Gleichzeitig kann aber auch festgestellt werden, daß
von den Gewerkschaften heute allgemein eine friedliche Beilegung
von Arbeitskonflikten angestrebt wird und die Tarifverhandlungen
häufig noch nach Auslaufen des gültigen Vertrages weitergeführt werden, ohne daß ein Streik ausgerufen wird. Dies ist darauf zurückzuführen, daß die Gewerkschafter mehr und mehr erkannt haben, daß der
Streik nicht immer das geeignete Mittel ist, um die heutigen Arbeitsprobleme in den USA zu lösen.
Zu diesen Feststellungen kommt der Direktor des "US-Bundesvermittlungs- und Schlichtungsdienstes", William E. Simkin, auf Grund einer
Analyse der gegenwärtigen Tarifverhandlungsprobleme der amerikanischen
Wirtschaft. Die Grundlage dieser Analyse bildeten entsprechende Berichte
von insgesamt 215 Schlichtern in allen Bundesstaaten der USA.
Als die ausgeprägtesten derzeitigen Trends im amerikanischen Tarifverhandlungswesen, die in deutlichem Gegensatz zu denen von fünf
oder zehn Jahren stünden, bezeichnete Simkin folgende:
1. Rückläufiges Interesse an allgemeinen Lohnerhöhungen und an
Lohnangleichungen generell;
2. steigendes Interesse an Fragen der Sicherung der Arbeitsplätze
und der Einkommen sowie an Fragen der Arbeitsbedingungen;
3. Rückgang der Zahl der Tarifverträge, die nach einem "Musterabkommen" abgeschlossen werden;
4. Zunahme der Firmenforderungen auf Vertragsänderung;
5. häufigere Ablehnung der von den Sozialpartnern ausgehandelten
Tarifverträge durch die Gewerkschaftsmitglieder;
6. geringere wirtschaftliche Auswirkungen der Streiks.
Simkin unterscheidet in seiner Analyse zwei verschiedene Gruppen
von gewerkschaftlichen Forderungen, die sich auf die wirtschaftliche
und soziale Sicherheit der Arbeitnehmer beziehen und die von den
Arbeitnehmerverbänden in jüngster Zeit in verstärktem Maße zu Hauptpunkten der TarifVerhandlungen erhoben wurden: die Gruppe der Maßnahmen zur Sicherung der Arbeitsplätze und die zur Sicherung der Einkommen der Arbeitnehmer.
Zur ersten Gruppe zählen dabei alle Bemühungen der Gewerkschaften,
die darauf abzielen, die vorhandene Arbeit zu "strecken", und zwar
durch die Aufnahme von Klauseln in den Tarifvertrag -- daß keine

-

10

-

�keine Aufträge an andere Unternehmen weitervergeben werden; die
Vorarbeiter nicht voll mitarbeiten dürfen; die Arbeitsgruppen zahlenmäßig begrenzt und die Anreizpläne eingeschränkt werden und die durchschnittliche Arbeitswoche verkürzt wird.
Die Forderungen nach wirtschaftlicher Sicherung der Arbeitnehmer
beziehen sich auf folgende Punkte: zusätzliche (private und vom Unternehmer getragene:) Versicherungsleistungen im Falle der Arbeitslosigkeit; höhere Pensionen, Unfallrenten, Krankenversicherungsleistungen
sowie Urlaubs- und Feiertagszuschüsse.

(Quelle: Eigenbericht)

******

Zahl der Gewerkschaftsmitglieder geringfügig angestiegen
Nach einer Erhebung des US-Amtes für Arbeitsstatistik hat sich
die Zahl der Mitglieder sämtlicher amerikanischer Gewerkschaften zwischen 1958 und i960 geringfügig, und zwar um 36 000 auf Insgesamt
18,117 Millionen, erhöht. In dieser Ziffer sind auch all jene Mitglieder amerikanischer Gewerkschaften enthalten, die ihren Wohnsitz außerhalb der USA (in erster Linie in Kanada) haben.
Wie aus der Untersuchung, die sich auf die Jahre 1959 un(i 1960
erstreckt, weiter hervorgeht, gehörten von den 18,1 Millionen Gewerkschaftsmitgliedern rund 15»1 Millionen Gewerkschaften an, die im Zentralverband der "AFL-CIO" zusammengeschlossen sind, während etwa 3
Millionen auf unabhängige Arbeitnehmerorganisationen entfielen. Die
Zahl der organisierten Arbeitnehmer, die amerikanischen Gewerkschaften
angehören, aber Bürger anderer Staaten sind, wird in der Untersuchung
mit 1 Million angegeben.

v

Auf Grund dieser neuen Ziffern ergibt sich, daß rund ein Viertel
aller Arbeitnehmer der USA einer Gewerkschaft angehören, während in
den nichtlandwirtschaftlichen Zweigen jeder dritte Mitglied einer Arbeitnehmerorganisation ist. Das Verhältnis zwischen organisierten und
nichtorganisierten Arbeitnehmern hat sich damit gegenüber der letzten
Erhebung im Jahre 1958 nicht verändert und ist während der gesamten
Nachkriegszeit konstant geblieben.
i

Die Zahl der weiblichen Gewerkschaftsmitglieder wird in der Untersuchung mit 3»3 Millionen angegeben, was einer Zunahme gegenüber
1958 um rund 30 000 entspricht. Auch hier hat sich das Verhältnis der Anteil der Frauen an der Gesamtzahl der Gewerkschaftsmitglieder mit 1:6 nicht verändert. Berücksichtigt wurden in dieser Erhebung

-

11

�Erhebung sämtliche 184 nationalen und internationalen amerikanischen
Gewerkschaften, die ihren Hauptsitz in den USA haben und die als
Tarifpartner in zwei oder mehr Bundesstaaten in Erscheinung treten.
Von diesen 184 Gewerkschaften gehörten 134 der "American Federation
of Labor - Congress of Industrial Organizations" an.

(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

Gewerkschaftliche Kurznachrichten
US-Arbeitsministerium analysierte 145 000 private Sozialpläne
Gegenwärtig werden 89 Prozent aller privaten Sozial- und Pensionspläne in den Vereinigten Staaten von den Unternehmern oder von
Unternehmergruppen finanziell unterstützt, wobei die Arbeitgeber bei
44 Prozent aller Pläne die Beiträge sogar allein aufbringen.
Dieses Ergebnis stützt sich auf eine umfassende Analyse von
145 000 privaten Sozial- und Pensionsplänen, die dem US-Arbeitsministerium auf Grund des "Weifare and Pension Plans Disclosure Act"
(Gesetz über die Ausweispflicht der privaten Sozial- und Pensionspläne)
jährlich von den Treuhändern dieser Fonds einzureichen sind.
Bei 116 000 Sozialplänen handelt es sich dabei um sogenannte "Wohlfahrtspläne", die in erster Linie solche Leistungen wie Lebens-, Kranken-, Krankenhaus- und ähnliche Versicherungen vorsehen, während
29 000 Pläne ausgesprochene Altersversorgungs- und Pensionspläne sind.
Die 116 000 Wohlfahrtspläne bieten insgesamt 362 000 verschiedene Leistungen, wobei die meisten Pläne (80 Prozent) mehr als eine Versicherungsart für die anspruchsberechtigten Arbeitnehmer vorsehen.
Bei den Altersversorgungs- und Pensionsplänen sehen 98 Prozent
regelmäßige Bezüge bei Erreichung einer bestimmten Altersgrenze oder
nach einer gewissen Gesamtdienstzeit vor. Ein geringer Prozentsatz der
Pläne umfaßt auch finanzielle Leistungen im Todesfall sowie bei Eintritt der Invalidität.
Wie aus der Übersicht weiter hervorgeht, war rund die Hälfte aller
von diesen privaten Sozialplänen erfaßten Personen in den Fertigungsindustrien beschäftigt, während 18 Prozent im Groß- und Einzelhandel
und 9 Prozent in den Dienstleistungszweigen tätig waren.

(Quelle: Eigenbericht)
*

-

12

-

�Gewinnbeteiligungs-Pensionsfonds erreichte 2,1 Mrd. Dollar
Die 1644 Mitarbeiter des größten amerikanischen Versandhauses,
"Sears, Roebuck and Company", im Bezirk Washington konnten am 31. Dezember 1961 eine Gutschrift des Gewinnbeteiligungs-Pensionsfonds der
Firma in Höhe von 3»135 Hillionen Dollar quittieren, so daß ihr Gesamtanteil am Fonds jetzt 18,533 Millionen Dollar ausmacht.
Die Summe von 3»135 Millionen Dollar stellt dabei den Wert der
Aktien des Unternehmens sowie anderer Wertpapiere dar, die mit der
Gewinnbeteiligungssumme erworben wurden. Der aus verschiedenen Anlagepapieren bestehende Gesamtfonds des Versandhauses, das gegenwärtig
rund 150 000 gewinnberechtigte Mitarbeiter beschäftigt, belief sich
am Jahresende auf insgesamt 2,1 Mrd. Dollar.
Der 1916 geschaffene Gewinnbeteiligungs-Pensionsfonds, der einen
Teil der jährlich ausgeschütteten Gewinne in Aktien des Unternehmens
anlegt, ist heute der größte Aktionär von "Sears, Roebuck and Company".
Rund 26 Prozent der ausgegebenen Aktien des Unternehmens gehören heute
dem Pensionsfonds. Neben den Aktien des eigenen Unternehmens befinden
sich im Portefeuille des Fonds auch noch Aktien von 130 anderen Unternehmen sowie zahlreiche weitere Wertpapiere.

(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

Industriearbeiterlöhne erreichten neue Spitze
Sowohl die Durchschnittslöhne der amerikanischen Industriearbeiter
als auch die Kaufkraft ihrer Einkommen erreichten im Dezember vorigen
Jahres neue Spitzen, wie aus einer Übersicht des US-Amtes für Arbeitsstatistik über die Lohnentwicklung in der US-Wirtschaft hervorgeht.
Nach Abzug der Lohnsteuer und der gesetzlichen Sozialabgaben stellten sich die durchschnittlichen Wochenlöhne für Industriearbeiter mit
drei Angehörigen im Dezember 1961 auf 85,17 Dollar, während Alleinstehende
7,'ocnenlöhne von 77,52 Dollar erhielten. Wenn auch die Zunahmen gegenüber
November nur unerheblich waren, so lagen die Durchschnittslöhne doch
gegenüber Dezember i960 um 5,80 Dollar höher. Hierbei ist jedoch zu
berücksichtigen, daß die durchschnittliche Länge der Arbeitswoche im
Dezember i960 um 1,8 Stunden geringer war. .
Da sich die Verbraucherpreise zwischen November und Ende Dezember
nicht veränderten, erreichte die Kaufkraft der Arbeitnehmereinkommen
gleichfalls einen neuen Höchststand. Gegenüber Dezember i960 wiesen
die Industriearbeiterlöhne dabei eine um 7 Prozent höhere Kaufkraft
auf.
Für

-

13

-

�Für das Gesamtjahr 1961 ergibt sich auf Grund der Entwicklung
im Dezember somit ein Durchschnittswochenlohn von 82,18 Dollar für
einen Arbeitnehmer mit drei Angehörigen und von 74&gt;60 Dollar für
einen Alleinstehenden. Diese Werte liegen um rund 3 Prozent über
denen des Jahres i960.

(Quelle: Eigenbericht)
*

Wochenlöhne der Automobilarbeiter 121 Dollar
Wie die "General Motors Corporation" bekanntgab, belief sich
das durchschnittliche Wocheneinkommen der Lohnempfänger des Unternehmens im vergangenen Jahr auf insgesamt 121,22 Dollar; das sind
nur 52 Cent weniger als es 196O, im bisherigen Spitzenjahr, waren.
Die durchschnittlichen Stundenlöhne lagen 1961 mit 3,15 Dollar
dabei erheblich über dem allgemeinen Durchschnitt (2,28 Dollar) der
industriellen Arbeitnehmer.
Die Gesamtzahl der im Stundenlohn beschäftigten Arbeitnehmer des
größten amerikanischen Automobilproduzenten belief sich im Dezember
1961 auf 342 108 - gegenüber einem Jahresdurchschnitt von 300 485 und
einem Durchschnitt von 345 929 i m Dezember i960.
(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

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-

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
USIS-Bonn/Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XV - 5

Bad Godesberg, den 1. Mai

1962

INHALTSVERZEICHNIS
Beschäftigung und Arbeitslosigkeit in den
Vereinigten Staaten
Die "dritte Kraft" am Verhandlungstisch
Neue Arbeitsplätze durch industrielle und technische
Fachausbildung
Betriebliche Schulung - ein wichtiger Zug des amerikanischen Erziehungswesens
Gewerkschaftliche Kurznachrichten

Seite

1

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5

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9

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John Herling:
Beschäftigung und Arbeitslosigkeit in den Vereinigten Staaten
Im Jahr 1961 lag in den Vereinigten Staaten die Zahl der Beschäftigten bei durchschnittlich 66,796 Millionen, die Zahl der Arbeitslosen bei
durchschnittlich 4&gt;806 Millionen. Diese beiden Ziffern schwankten während des Jahres, und zwar bei den Arbeitslosen zwischen 5»705 Millionen
im Februar und 3*934 Millionen im Oktober, während der Beschäftigtenstand im Juni mit 68,706 Millionen eine Rekordhöhe erreichte. Für Industriearbeiter lag der durchschnittliche Wochenlohn bei 92,34 Dollar. Doch
wie ist die Lage für den Arbeitslosen? Welche Gründe führen zu einer
Arbeitslosigkeit, und was sind die Einkommensquellen während der Zeit
der Arbeitslosigkeit?,
Wichtigster Punkt, auf den im Zusammenhang mit amerikanischen Arbeitslosenziffern hingewiesen werden muß, ist die Tatsache, daß sie verschiedene Arten von Arbeitslosigkeit - freiwillige und unfreiwillige,
langfristige und kurzfristige - zusammenfassen. Wirtschaftswissenschaftler haben die umfassende Kategorie der Arbeitslosigkeit in drei Haupttypen, je nach der Ursache der Arbeitslosigkeit, eingeteilt.
Erster Typ ist die sogenannte vorübergehende Arbeitslosigkeit.
Vorübergehend arbeitslos sind Arbeitnehmer während eines Arbeitsplatzwechsels oder auf der Suche nach Arbeit unter günstigeren Klimabedingungen. Die Tradition kurzentschlossener und häufiger Wohnorts- und Arbeitsplatzwechsel geht auf die Grenzerzeit der amerikanischen Geschichte

-

1

-

�Geschichte zurück, in der man ohne weiteres nach Westen ziehen und
einen wirtschaftlichen Neubeginn versuchen konnte. In den Vereinigten Staaten gibt es keine Binnenpässe, und jeder kann ohne amtliche
Genehmigung oder Registrierung von einem Bundesstaat in den anderen
umziehen. Diese Freizügigkeit ist eines der nie in Frage gestellten
Prinzipien des amerikanischen Lebens.
Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes der USA verlegen
jährlich annähernd 13 Millionen Amerikaner ihren Wohnsitz von einem
Kreis (county) in einen anderen innerhalb der Grenzen ein und desselben Bundesstaates, während 5 Millionen in einen anderen Bundesstaat
(state) überwechseln. Statistisch werden solche fluktuierenden Arbeitskräfte während ihres Wohnungs- und Arbeitsplatzwechsels als
"arbeitslos" geführt. Ebenfalls zur Gruppe der vorübergehend oder
freiwillig Arbeitslosen rechnen Minderjährige sowie erwachsene Frauen,
die keiner ständigen Beschäftigung nachgehen wollen oder nachzugehen
brauchen. In einem Durchschnittsmonat kommen nach Angaben des Statistischen Bundesamtes drei bis vier Millionen Personen neu auf dem
Arbeitsmarkt hinzu; etwa die gleiche Zahl scheidet im selben Zeitraum
aus. Darunter befinden sich vor allem Frauen und Studenten, die
während der Hauptgeschäftszeit um Weihnachten Saisonarbeiten in der
Bekleidungs- und Konservenindustrie oder in den Kaufhäusern übernehmen.
Zweiter Typ ist die sogenannte strukturelle Arbeitslosigkeit.
Ihre Ursachen liegen in beruflichen, industriellen oder geographischen
Umschichtungen innerhalb eines Wirtschaftsgebietes. Sie sind unvermeidliche Nebenprodukte des wirtschaftlichen Fortschritts nicht nur
in den Vereinigten Staaten, sondern auch in jeder anderen Industriegesellschaft. Neue Berufszweige entwickeln sich, während alte Berufe
und Fertigkeiten mehr oder weniger schnell verschwinden.
Von solchen Wandlungen können ganze Regionen betroffen werden.
In einigen Gegenden Kentuckys und West-Virginias zum Beispiel, wo
sich die Kohlenflöze erschöpft haben, oder in den Nutzholzgebieten
im Norden Michigans, die vollkommen abgeholzt wurden, blieb es nicht
aus, daß die wirtschaftliche Aktivität - und mit ihr die Nachfrage
nach bestimmten Fachberufen - zurückging. Sanierungsprogramme, in
deren Rahmen durch Ansiedlung neuer Industrien in solchen Gebieten
neue Arbeitsplätze geschaffen werden, brauchen selbstverständlich
ihre Zeit.
In anderen Fällen haben Betriebe und sogar ganze Industrien aus
Gründen der Leistungsfähigkeit oder der günstigen Lage von natürlichen
Hilfsquellen oder Transportwegen ihren Sitz in ein anderes Gebiet verlegt. Oder technische Verbesserungen führten zum Abbau alter Werke
und zur Einrichtung neuer automatisierter Betriebe, für die weniger
Arbeiter der alten Fachrichtungen, dagegen mehr Arbeiter mit neuer
Spezialausbildung benötigt werden.
Oft verlassen Arbeitslose nur ungern ihren alten Wohnort, wo
sie und ihre Familien schon ein Leben lang ansässig sind, um anderswo einen Arbeitsplatz zu finden. Niemand kann sie gegen ihren Willen

-

2

-

�Willen zum Verkauf ihrer Häuser oder zu einem Umzug zwingen. Sie
bleiben daher unter Umständen länger arbeitslos, als wenn sie sich
anderswo einen neuen Arbeitsplatz gesucht hätten.
Dritter und letzter Typ ist die sogenannte konjunkturelle Arbeitslosigkeit. Gemeint ist vor allem eine durch Konjunkturschwankungen innerhalb der Volkswirtschaft erzeugte unfreiwillige Arbeitslosigkeit.
In früheren Perioden der amerikanischen Geschichte waren solche Konjunkturzyklen oft abrupt und verheerend in ihren Polgen. Während der
vergangenen 30 Jahre wurden jedoch Gesetze erlassen, die als Sicherungen
gegen extreme Konjunkturrückgänge in den USA wirken.
Beispielsweise existiert eine Spareinlagenversicherung sowie eine
ganze Reihe von Sozialversicherungen, die Arbeitnehmer gegen schwerwiegende Lohnverluste infolge Erwerbslosigkeit, Invalidität, Alters und
Krankheit schützen. Außerdem haben die Gewerkschaften nach Kräften und
mit Erfolg dafür gesorgt, daß das Lohnniveau der Arbeitnehmer selbst
in Zeiten überdurchschnittlicher Arbeitslosigkeit gehalten wird. Diese
und andere wirtschaftlichen Sicherungen stützen die Kaufkraft der
arbeitenden Bevölkerung - mit dem Ergebnis, daß Konjunkturrückgänge
abgedämpft werden und ein wirtschaftliches Elend, wie es im Gefolge
der Depression in den dreißiger Jahren auftrat, sich bisher nicht wiederholt hat.
So bleibt die Frage: Was hat ein Arbeitsloser zu erwarten? Was sind
seine Einkommensquellen?
Vielleicht die wichtigste Einkommensquelle ist die Arbeitslosenunterstützung. Drei Viertel der Lohnempfänger werden von der Arbeitslosenversicherung erfaßt, die in den Händen der einzelnen Bundesstaaten
liegt. Ihre Gelder schöpft sie aus Beiträgen der Arbeitgeber und der
Bundesregierung. Ihre Leistungen sind von Staat zu Staat verschieden
und bewegen sich zwischen wöchentlich maximal 26 Dollar in Südkarolina
und 55 Dollar in Kalifornien. Diese Beträge entsprechen etwa dem halben
Durchschnitts-Arbeitsentgelt in den einzelnen Staaten.
Arbeitslose haben Anspruch auf Unterstützung für einen Zeitraum
von 20 Wochen in Alabama bis 39 Wochen in Oklahoma. Die Mehrzahl der
Arbeitslosen findet jedoch vor Erreichen dieser Grenze einen neuen
Arbeitsplatz. Die Durchschnittsdauer von Unterstützungszahlungen lag
1959tod-nur 13 Wochen. Im selben Jahr erhielten insgesamt sechs Millionen Personen eine Arbeitslosenunterstützung; im Wochendurchschnitt
waren es jedoch nicht mehr als 1,7 Millionen Unterstützungsempfänger
bei einer Gesamtbevölkerung von rund 180 Millionen. Da diese Unterstützungszahlungen einkommensteuerfrei sind, entsprechen sie zudem noch
einem höheren Bruttoeinkommen.
Arbeitslosenunterstützung stellt einen Rechtsanspruch dar und hängt
nicht von der Bedürftigkeit des Empfängers ab. Solange jemand zu arbeiten bereit ist, jedoch keinen Arbeitsplatz hat, besitzt er einen rechtlichen Anspruch auf diese Unterstützung; ein Bedürftigkeitsnachweis
ist nicht erforderlich. Es gibt kommunale Wohlfahrtsprogramme, jji

-

3 -

�in deren Rahmen Familien finanzielle Beihilfen erhalten, wenn sie
die Notwendigkeit einer solchen Hilfe in ihrem Fall nachweisen.
Programme dieser Art laufen aber getrennt von jeder Arbeitslosenunterstützung; sie werden in einem späteren Abschnitt besprochen.
Ein weiterer interessanter Aspekt der Arbeitslosenunterstützung in
den Vereinigten Staaten ist die Tatsache, daß ein Arbeitnehmer auch
Anspruch auf sie haben kann, wenn er eine Arbeit ablehnt, die seiner
früheren Tätigkeit nicht angemessen ist. Ebenfalls zurückweisen kann
er einen Arbeitsplatz, bei dem Lohnniveau und Arbeitsbedingungen
gewisse Voraussetzungen nicht erfüllen.
Eine zweite wichtige Einkommensquelle für Arbeitslose sind
private Ersparnisse. Natürlich ist die Höhe solcher Sparguthaben
bei jedem einzelnen verschieden. Infolge beständiger Einkommenszunahmen, insbesondere bei der Gruppe der ungelernten Arbeiter, deren
Löhne schneller geklettert sind als die der übrigen Berufsgruppen,
sind sie im 20. Jahrhundert stetig angestiegen. 1907 zum Beispiel
erhielt ein ungelernter Arbeiter einen Stundenlohn von 21 Cent, ein
Geselle im Bauhandwerk 42 Cent, d.h. doppelt soviel. Fünfzig Jahre
später lag der Stundenlohn eines ungelernten Arbeiters bei 2,45 Dollar,
das sind mehr als 70 Prozent des Gesellenlohnes von 3»40 Dollar.
Mitte 1959 betrugen die Durchschnitts-Familienersparnisse 5500 Dollar
gegenüber 4000 Dollar im Jahr 1950 und 1700 Dollar im Jahr 1940.
Diese Beträge schließen Sparguthaben, Staatspapiere und Lebensversicherungspolicen ein. Einen weiteren Sparanreiz bildet die zunehmende
Zahl von Lohnnebenleistungen, die Arbeitnehmern im Rahmen zahlreicher
Kollektivverträge zustehen. Vielfach sehen solche Verträge bezahlten
Jahresurlaub, bezahlten Krankenurlaub, bezahlte Feiertage, den Abschluß von Lebens- und Krankenversicherungen durch den Arbeitgeber
und Entlassungsgelder vor. Da diese Auslagen vom Arbeitgeber übernommen werden, ist ein größerer Teil der Einkünfte zum Sparen übrig.
Eine dritte Einkommensquelle ergibt sich aus zusätzlichen Arbeitslosenunterstützungen. Etliche Tarifverträge sehen zusätzlich
zur staatlichen Arbeitslosenversicherung, zu der die Arbeitgeber
ja ebenfalls ihre Beiträge leisten, Zahlungen an Arbeitslose vor,
die voll von den Arbeitgebern übernommen werden. Gegenwärtig gewähren hauptsächlich die Automobil-, Stahl-, Aluminium-, Gummi-, Landmaschinen- und Konservenindustrie eine zusätzliche Arbeitslosenunterstützung. Ein Automobil- oder Stahlarbeiter, dessen Wochenlohn sich
auf 80 Dollar belief, kann bei Arbeitslosigkeit neben seinen 50 Dollar
pro Woche an staatlicher Unterstützung auf diese Weise zusätzlich
22 Dollar von seinem früheren Arbeitgeber beziehen, so daß seine
wöchentlichen Einkünfte auf insgesamt 52 Dollar oder 65 Prozent des
üblichen Arbeitsentgelts ansteigen.
Eine vierte Einkommensquelle sind Beihilfen, die aus Wohlfahrtsfonds der Kommunal-, Stadt- oder Kreisverwaltungen gewährt werden.
Solche Beihilfen werden voll und ganz von der Bedürftigkeit des Antragstellers abhängig gemacht. Ihre Höhe ist von Gemeinde zu Gemeinde
verschieden, sie decken jedoch die Grundkosten, die eine Familie für
Nahrung, Kleidung und Wohnung aufzuwenden hat.
Neben

- 4 -

�Neben diesen vier Haupteinkommensquellen für Erwerbslose
existieren noch zahlreiche Arbeitsschutzprogramme. Eine Arbeitsvermittlung durch die einzelstaatlichenArbeitsämter, die Arbeitsuchenden Arbeitsplätze in großer Auswahl anzubieten haben, ist
in jedem Falle gebührenfrei. Gewerkschaften haben in zunehmendem
Maße Arbeitsplatz-Schutzklauseln in ihren Kollektivverträgen durchgesetzt, denen zufolge der Arbeitgeber zur Beachtung des Anciennitätsprinzips verpflichtet ist und keine willkürlichen Entlassungen
mehr vornehmen kann. Aus der Alters- und Hinterbliebenenversicherung
der Bundesregierung empfangen Arbeitnehmer nach ihrem 65. Lebensjahr
sowie ihre Frauen, hinterbliebene Witwen und versorgungsberechtigte
Waisen ansehnliche Monatsrenten. Schließlich existiert ein umfassendes, in die Zuständigkeit der Einzelstaaten fallendes System von Invalidenversicherungen .
Trotz der großen Fortschritte im Sozialversicherungswesen und
Arbeitslosenschutz, wie sie sich in diesem ausgedehnten Netz von
Versicherungsleistungen manifestieren, bemühen sich die Vereinigten
Staaten um weitere Verbesserungen auf diesem Gebiet. Gewerkschaften
und andere interessierte Gruppen drängen auf einen höheren Leistungsstand der Bundesarbeitslosenversicherung, um einem vorübergehend
Arbeitslosen die Aufrechterhaltung seines gewohnten Lebensstandards
zu ermöglichen. Arbeitslosigkeit und Sozialversicherung werden in
Amerika als Probleme eines Gemeinwesens betrachtet, deren Lösung auf
den verschiedensten Ebenen in Angriff genommen werden muß, ohne Beeinträchtigung des Rechts auf Freizügigkeit und freie Arbeitsplatzwahl.

**•**-*

Die"dritte Kraff'am Verhandlungstisch
Die Aspekte im amerikanischen Tarifverhandlungswesen haben sich
in jüngster Zeit insofern nicht unerheblich gewandelt, als beide Sozialpartner in zunehmendem Maße geneigt sind, die Öffentlichkeit als
dritte Kraft im lohnpolitischen Spiel anzuerkennen und ihre Interessen
beim Aushandeln neuer Tarifverträge zu berücksichtigen.
Die Bedeutung dieser Entwicklung, auf die US-Arbeitsminister Goldberg kürzlich vor dem Jahreskongreß der Druckergewerkschaft mit Nachdruck hinwies ("an jedem Verhandlungstisch ist heute auch eine dritte
Partei vertreten - das amerikanische Volk"), läßt sich im Moment noch
nicht voll abschätzen, wenngleich schon jetzt festgestellt werden kann,
daß hierdurch die Beziehungen zwischen den Sozialpartnern auf eine
vollkommen neue Grundlage gestellt werden dürften - auf die Grundlage
der wirtschafts- und sozialpolitischen Mitverantwortung.
Sichtbarer

�Sichtbarer Ausdruck dieses neuen Trends sind u.a. die
zahlreichen in letzter Zeit von Unternehmern und Gewerkschaften
gebildeten gemeinsamen Untersuchungs- oder Studienausschüsse, denen
Vertreter der Öffentlichkeit als gleichberechtigte Partner angehören
und deren Aufgabe es ist, wirtschafts- und sozialpolitische Probleme
zu analysieren und sie zu einer Lösung zu führen, ehe sie in kostspielige Streiks einmünden.
Beispielgebend in dieser Hinsicht war der aus Vertretern der
Unternehmer, der Gewerkschaft und der Öffentlichkeit bestehende
Dreierausschuß, der 1959 nach der Beilegung des Streiks von der
Stahlarbeitergewerkschaft (USA) und der "Kaiser Steel Corporation"
gebildet wurde. Aufgabe dieses Ausschusses sollte es nach dem Willen
der Sozialpartner sein, eine allgemein gültige langfristige Formel
zu finden, damit die aus der Tätigkeit des Unternehmens erwachsenden
Früchte gleichmäßig und gerecht verteilt werden können, sowie Wege
und Möglichkeiten aufzuzeigen, wie die periodisch immer wieder sich
ergebenden Spannungen zwischen den Sozialpartnern ausgeschaltet und
harmonische Beziehungen geschaffen werden können. Durch eingehende
Beratung, Diskutierung sowie Klärung der jeweils sich ergebenden
Probleme in diesem Ausschuß sollte dabei verhindert werden, daß währen
der Tarifverhandlungen selbst schwerwiegende und die Verhandlungsatmosphäre vergiftende Probleme diskutiert und geklärt werden müssen.
Vor einigen Wochen hat dieser Ausschuß einen Tätigkeitsbericht
veröffentlicht. In ihm wird betont, daß im Hinblick auf die angestrebten Ziele bisher gute Fortschritte erzielt worden seien und daß der
Ausschuß zu einer permanenten Einrichtung gemacht werden sollte. Seine
Hauptaufgabe solle darin bestehen, den Ablauf von TarifVerhandlungen
eingehend zu verfolgen und die dort angesprochenen Probleme und Forderungen zu analysieren sowie Vorschläge dahin gehend auszuarbeiten,
wie die strittigen Punkte auf friedlichem Wege und ohne Zufluchtnahme
zum Streik beigelegt werden können.
Als einen hervorragenden Beitrag zum industriellen Frieden und
zur sozialen Gerechtigkeit bezeichnete kürzlich das "Catholic Labor
Institute of Los Angeles" jene Schritte und Maßnahmen, die bisher von
der Stahlarbeitergewerkschaft und der "Kaiser Steel Corporation" auf
dem Gebiet der Arbeitgeber-Arbeitnehmerbeziehungen unternommen worden
sind. John B. Geagon, der Präsident des Instituts, bezeichnete die
Errichtung des gemischten Ausschusses dabei als ein Beispiel für
"Weitsicht ,gegenseitigen Respekt und die Sorge um das allgemeine
Wohl". "Wir glauben, daß dieser Ausschuß eines der hoffnungsvollsten
Zeichen auf dem Gebiet der industriellen Beziehungen in den USA ist."
Ein anderes Beispiel 'für diesen neuen Trend ist der von "Armour. a
Company" und der Fleischpackergewerkschaft ebenfalls im Jahre 1959 gegründete Automationsausschuß, dem als Vertreter der Öffentlichkeit
der Präsident der University of California, Clark Kerr, als unparteiischer Vorsitzer angehört.

Die

�Die Gründung dieses Ausschusses erfolgte seinerzeit, um einen
vollständigen Abbruch der Beziehungen zwischen den Sozialpartnern
zu verhindern. Die Spannungen zwischen Unternehmen und Gewerkschaft
waren wegen der durchgreifenden Mechanisierungs- und Automatisierungsmaßnahmen des Unternehmens entstanden, durch die zahlreiche Arbeitsplätze beseitigt worden waren. Das zur Bildung dieses Ausschusses
führende Abkommen sah außerdem vor, daß ein vom Unternehmen finanzierter Fonds dafür verwendet werden sollte, die sich aus der Umstellung
auf die Automation ergebenden betriebstechnischen, wirtschaftlichen
und sozialen Probleme zu untersuchen und Vorschläge und Programme
zu deren Lösung auszuarbeiten.
Wie wertvoll die von dem Ausschuß durchgeführten Studien waren,
bewies das im September vorigen Jahres neu abgeschlossene Tarifabkommen, das sich in seiner Fassung weitgehend an die Empfehlungen
des Ausschusses anlehnte und den Arbeitnehmern einen erhöhten Schutz
gegenüber der Automatisierung brachte. So ist es jetzt z.B. auf Grund
dieses Abkommens unter anderem möglich, solche Arbeitnehmer an andere
Arbeitsplätze innerhalb des Unternehmens umzusetzen, die infolge technologischer Veränderungen ihre alten Arbeitsplätze verloren haben.
Außerdem sichert es allen von der Umstellung betroffenen Arbeitnehmern
ein sogenanntes "technologisches Umstellungsgeld" zu, das für die
Dauer von 39 Wochen gewährt wird und 65 Dollar pro Woche ausmacht;
desgleichen Umzugs- und Umschulungsbeihilfen.Auch durch die ebenfalls gegebene Möglichkeit einer vorzeitigen Pensionierung werden
die Auswirkungen von Betriebsumstellungen oder Betriebsschließungen
weitgehend gemildert.
Auf nationaler Ebene kommt dieser neue Trend der ArbeitgeberArbeitnehmerbeziehungen in den USA vor allem in dem im vergangenen
Jahr von Präsident Kennedy ins Leben gerufenen 2lköpfigen PräsidialBeratungsausschuß für Arbeitgeber-Arbeitnehmerpolitik (Presidential
Advisory Committee on Labor-Management Policy) zum Ausdruck, der sich
aus je sieben Vertretern des Managements, der Gewerkschaften und der
Öffentlichkeit zusammensetzt. Hauptaufgabe dieses neuartigen Ausschusses ist es, Wege und Möglichkeiten aufzuzeigen, durch die das freie
Tarifverhandlungswesen gefördert, der industrielle Friede gesichert,
eine gesunde Preis- und Lohnpolitik aufrechterhalten, die Produktivität gesteigert und der Lebensstandard erhöht wird. Außerdem ist der
Ausschuß angewiesen, Lösungen für die Beseitigung der strukturellen
Arbeitslosigkeit auszuarbeiten, die eine direkte Folge der technologischen Veränderungen ist.
In einem im Januar'dieses Jahres veröffentlichten Bericht über
die Auswirkungen der Automation betonen die Mitglieder dieses Ausschusses, daß die Automation sowohl für die Verteidigung als auch für den
Wohlstand des amerikanischen Volkes von entscheidender Bedeutung sei
und sich in der amerikanischen Wirtschaft ohne die Preisgabe menschlicher Werte realisieren lasse.
Wenn auch die Automatisierung und die schnelle technische Entwicklung zur Beseitigung vieler Arbeitsplätze geführt hätten, so würden doch andererseits, wenn es nicht gelänge, das bisherige Tempo der

- 7 -

�der Automatisierung beizubehalten und darüber hinaus sogar noch zu
steigern, weitaus schlimmere Beschäftigungs- und andere Probleme ausgelöst werden als sie heute die Automation stelle.
Zur Lösung der derzeitigen Arbeitsmarktprobleme und zur Milderung
der Auswirkungen der Automatisierung werden in dem Bericht eine Erhöhung der wirtschaftlichen Wachstumsrate, ein stärkeres Engagement
der Regierung bei der Verbreitung von Arbeitsplatzinformationen als
bisher, eine verstärkte, engere Zusammenarbeit zwischen Regierungsstellen und privaten Organisationen hinsichtlich der Umschulung und
Ausbildung von Arbeitskräften sowie ein besseres Hand-in-Hand-Arbeiten
von Gewerkschaften und Unternehmen in Arbeitsplatzfragen für notwendig
erachtet.
Die Notwendigkeit für einen derartigen unter dem Schutz der
Regierung stehenden Beratungsausschuß ist in den letzten Jahren von
zahlreichen amerikanischen Gewerkschaftsführern immer wieder herausgestellt worden. Arthur J. Goldberg z.B. schlug vor seiner Ernennung
zum Arbeitsminister in der Regierung Kennedy in seiner Eigenschaft
als Rechtsberater der AFL.-CIO die Schaffung eines "Nationalen Rates
von Beratern in Arbeitgeber-Arbeitnehmerfragen" vor."Der Hauptzweck
eines solchen Ausschusses sollte es sein", so erklärte Goldberg
damals, "die große Erfahrung und das Wissen von Gewerkschaften,
Management und Experten der Öffentlichkeit gemeinsam auf die großen
Probleme anzusetzen, die sich auf dem Gebiet der Arbeitgeber-Arbeitnehmerbeziehungen, auf Grund ihrer Tätigkeiten und Interessen, ergeben'•!
Der neue Paktor in dieser Entwicklung ist die zunehmende Betonung der Rolle der "Neutralen" oder der Vertreter der Öffentlichkeit
bei der Lösung der Arbeitgeber-Arbeitnehmerprobleme. George H. Hildebrand, Professor für Wirtschafts- und Arbeitswissenschaft an der
Cornell-Universität, meint, daß die Vorteile einer solchen aktiven
Teilnahme dieser Vertreter besonders dann sichtbar würden, wenn die
Meinungen und Ansichten der Sozialpartner in bestimmten Fragen weit
auseinandergehen. In solchen Fällen könnten die "Neutralen" nach seiner Ansicht "als Katalysatoren wirken, indem sie ständig um eine
Schlichtung, im weitesten Sinne, bemüht sind - die Aufmerksamkeit der
Parteien auf die einzelnen Probleme und die aus den Analysen sich ergebenden Tatsachen lenken und sie ständig auf die Notwendigkeit lebensfähiger Lösungen aufmerksam machen - und dabei taktvoll darauf hinweisen, daß auch die Öffentlichkeit ein Interesse zu vertreten hat".
(Quelle: Eigenbericht)
* * * * *

�Neue Arbeitsplätze durch industrielle und technische Fachausbildung
Ein hervorragendes Beispiel kommunaler Initiative, durch die
neue Industrieunternehmen herbeigezogen, mehr Arbeitsplätze geschaffen
und die benötigten Fachkräfte herangebildet werden, ist das neue
Industrieausbildungszentrum (industrial Education Center) von Burlington, einer Mittelstadt im amerikanischen Bundesstaat Nordkarolina.
Es bildet den Höhepunkt von Bemühungen, Schülern der Oberklassen höherer Schulen und Erwachsenen in immer stärkerem Maße Gelegenheit
zu industrieller und technischer Fachausbildung zu bieten und gleichzeitig Industriebetrieben höherqualifizierte Arbeitskräfte zur Verfügung zu stellen.
Das Ausbildungszentrum wurde 1959 mit Hilfe kommunaler, einzelstaatlicher und bundesstaatlicher Zuschüsse errichtet; die Kosten
beliefen sich auf annähernd 1,5 Millionen Dollar. Bei einer Nutzfläche
von 4929 Quadratmeter verfügt es über eigens für den Lehrbetrieb ausgestaltete Unterrichtsräume. Seine großen, hellen Werkstätten, Laboratorien und Klassenzimmer wurden nach modernsten Gesichtspunkten eingerichtet. Die Leitung des Projektes liegt in den Händen der städtischen Schulbehörde und geschieht in Zusammenarbeit mit den Berufsschulämtern des Kreises und des Bundesstaates Nordkarolina sowie unter Mitwirkung eines Beirates, in dem die ansässigen Unternehmen vertreten
sind. Dem Lehrerkollegium gehören 30 hauptamtliche und 73 nebenamtliche
Dozenten an, von denen viele in Abendkursen, nach ihrer Arbeit in den
einzelnen Industriebetrieben, Unterricht erteilen. Eine Unterrichtsgebühr wird nicht erhoben; Kosten entstehen den Kursteilnehmern nur
durch die Anschaffung von Lehrbüchern und Unterrichtsmaterial.
Hauptlehrfächer des Ausbildungszentrums sind Klima- und Kühltechnik, Automechanik, technisches Zeichnen und Konstruktion, Industriechemie, Maschinenbau, Blechverarbeitung, Werkzeugmaschinenpflege und -reparatur sowie Kurse für technische Sekretärinnen. Für
Mechaniker, die bereits in einem Betrieb arbeiten und sich höher
qualifizieren möchten, sind Lehrgänge in V/erkzeugbau und Werkzeugkonstruktion vorgesehen. Jedes Fach wird in Dreistunden- oder Sechsstunden-Tageskursen an fünf Tagen in der Woche geboten. Abendkurse
finden zwei-, drei- oder fünfmal wöchentlich statt. Die meisten Lehrfächer erfordern 2000 Unterrichtsstunden bis zum Lehrgangsabschluß.
Fünfundzwanzig Prozent der Unterrichtszeit verbringen die Kursteilnehmer im Laboratorium, wo sie sich die notwendigen Handfertigkeiten
aneignen, während die restlichen 75 Prozent theoretischen Fächern wie
Mathematik, Naturwissenschaften, Zeichnen sowie Abfassen von Arbeitsberichten usw. gewidmet sind. Kurzkurse von 12 bis 188 Unterrichtsstunden werden ebenfalls geboten, und zwar in angewandter Hydraulik,
Betriebswirtschaft, Werkstoffkunde, Betriebselektrotechnik, Rundfunkund Fernsehgerätereparatur, Tankstellenwartung, Kraftfahrzeugreparatur sowie Garn- und Gewebeprüfung.
Die Zulassungsbedingungen richten sich nach Alter und Unterrichtsfach. Wer an einem Lehrgang teilnehmen will, muß mindestens 16 Jahre
alt und zum Besuch der dritten Oberschulklasse (etwa der Obertertia

-

9 -

�Obertertia entsprechend) berechtigt sein. Besonders gute Leistungen
sind in Mathematik nachzuweisen. Für Kurse in Elektronik und Industriechemie ist die Absolvierung von zwei Jahren Mathematik (davon
ein Jahr Algebra) sowie Physik oder Chemie als Hauptfächer Voraussetzung.
In den letzten zehn Jahren war im Kreisgebiet um Burlington
ein stetiger Zuzug von Industrieunternehmen zu verzeichnen. Die Zahl
der Industriearbeiter hat sich in Burlington selbst um 80 Prozent
erhöht. Ein Großteil ist in Strumpffabriken und Textilwerken beschäftigt. Andere haben einen Arbeitsplatz in Unternehmen der Elektround Möbelindustrie gefunden. Burlington gibt sich allerdings mit dem
bisher Erreichten nicht zufrieden. Mit der Ausweitung der Industrie
in diesem Gebiet wird auch die Nachfrage nach Fachkräften steigen.
Um dem zu begegnen, plant die Stadt eine Erweiterung ihres Industrieausbildungszentrums um 1581 Quadratmeter, so daß Platz für zehn neue
Klassenräume und Laboratorien mit der Möglichkeit zu Spezialkursen
in Datenverarbeitung, Elektrotechnik und Gebrauchskunst geschaffen
wird.

(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

Betriebliche Schulung - ein wichtiger Zug des amerikanischen
Erziehungswesens
Betriebliche Schulungsprogramme haben sich während der letzten
zwei Jahrzehnte in den Vereinigten Staaten in solchem Maße ausgeweitet, daß sie heute als wichtiger Bestandteil des amerikanischen Erziehungswesens gelten. Wandlungen in den Produktionsmethoden, Automation und Nutzbarmachung neuer Energiequellen haben Unternehmensleitungen dazu gezwungen, für ihre Belegschaftsmitglieder Sonderfortbildungskurse, die über den Lehrstoff technischer Fach- und Hochschulen
hinausführen, einzurichten. Heute bieten die meisten amerikanischen
Großfirmen ihren Angestellten Bildungsprogramme, die auf Sonderaufgaben vorbereiten oder Gelegenheit zu persönlicher Weiterbildung geben.
In einigen Fällen stehen dazu firmeneigene technische Institute zur
Verfügung; in anderen werden Belegschaftsmitgliedern Ausbildungsbeihilfen für berufsfördernde Lehrgänge an Fachschulen gewährt. Häufiger
jedoch liegen solche Programme in den Händen der Betriebsausbildungsabteilungen, die sie als innerbetriebliche Schulung in Unterrichtsräumen oder am Arbeitsplatz selbst durchführen.
Vielfältige Programme, von den Ausbildungs- und Personalabteilungen der "Eastman Kodak Company" veranstaltet, laufen in den acht Werken der Gesellschaft in Rochester (New York), Kinsport (Tennessee),

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10

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�(TennesseeJ), Longview (Texas) und Peabody (Massachusetts). Sie sind
darauf ausgerichtet, in zwangloser Form Angestellte in ihrem Bestreben nach Selbstentfaltung im Rahmen ihrer täglichen Arbeit zu unterstützen. Die Betonung liegt dabei auf der eigenen Leistung und der
täglichen Arbeit. James S. Bruce, Ausbildungsdirektor der "Eastman
Kodak Company", erläuterte hierzu: "Ausbildung ist nach unserer
Ansicht am wirkungsvollsten, wenn sie in enger Verbindung mit dem
Arbeitsplatz vorgenommen wird. Jeder einzelne ist für seine Ausbildung
verantwortlich. Letztlich ist jede Entwicklung Selbstentwicklung."
Zahlreiche Lehrgänge sehen im Zusammenhang mit besonderen Ausbildungszielen auch Klassenunterricht vor. Ein willkürlich herausgegriffener Tagesplan zeigt beispielsweise einen Kurs in MatrizenAlgebra an, einen 32stündigen Lehrgang, zu dem sich Wissenschaftler
der angewandten Forschung einmal wöchentlich in den Kodak-Park-Werken
für Film- und Fotopapierherstellung in Rochester zusammenfinden. Gleichzeitig treffen sich Mitarbeiter der Abteilung Apparatebau und Optik
zu der ersten von vier Unterrichtsstunden der Arbeitsgemeinschaft
"Wirkungsvoller Stil". Nur acht Teilnehmer sind zu diesem Kurs zugelassen, der zu Klarheit und Einfachheit im Aufsatzstil hinführt. Eine
Betriebsausbildungsabteilung koordiniert sämtliche Schulungsprogramme
der "Eastman Kodak Company". Sie stellt den Zweigwerken Lehrpersonal
und Anschauungsmaterial zur Verfügung.
Auch die "Republic Steel Company" hat ihre Bildungsarbeit auf die
speziellen Bedingungen ihres Unternehmens zugeschnitten. Ihre Programme
zielen auf eine Höherqualifizierung ihrer Arbeiter ab, die mit den
verwickelten Bedienungs- und Wartungsproblemen moderner automatisierter
Werkseinrichtungen vertraut gemacht werden. Die Lehrgänge finden jedoch außerhalb der Werke im "Human Engineering Institute" bei Warren
im Bundesstaat Ohio statt. Das Institut ist eine unabhängige, gemeinnützige Einrichtung, zu deren Aufbau die "Republic Steel Company" ,
jetzt ihr größter "Kunde", den wesentlichsten Beitrag geleistet hat.
Es ist in der Lage, eine Vielzahl von betrieblichen Fortbildungsprogrammen durchzuführen.
Einen weiteren Weg zur betrieblichen Schulung stellt der Ausbildungsbeihilfenplan der Firma "Chas. Pfizer and Company", eines bedeutenden amerikanischen Arzneimittelherstellers, dar. In seinem Rahmen erhalten Angestellte, die berufsfördernde Kurse an anerkannten
Colleges und Universitäten belegen, Studiengelder bis zu einer Höhe
von 300 Dollar jährlich und Laboratoriumsgebühren bis zu 40 Dollar
von der Firma ersetzt. Seit 1957» dem Beginn dieses Plane-s, wurden
fast 100 000 Dollar an rund 700 Mitarbeiter ausgezahlt. Gegenwärtig
nehmen über 200 Angestellte Ausbildungsbeihilfen dieser A.it in Anspruch«
Die beschriebenen Beispiele sind typisch für die Bildungsprogramme,
die von vielen amerikanischen Industrieunternehmen heute geboten werden.
Es gibt zahlreiche Varianten, je nach den besonderen Erfordernissen
der einzelnen Betriebe. Doch in ihrer Gesamtheit bilden sie einen neuen
Stein im Mosaik des amerikanischen Erziehungswesens.
(Quelle: Eigenbericht)
* * * -x- *
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11

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�Gewerkschaftliche Kurznachrichten
Weitere Entspannung am amerikanischen Arbeitsmarkt
Wie von den meisten Experten vorausgesagt, hat sich - nach der
kurzen Stagnation im Januar - die wirtschaftliche Aktivität in den
USA im Laufe des Februars erneut erhöht, wobei zum Teil nicht unerhebliche Anstiege in der Beschäftigtenzahl, der industriellen
Produktion und bei den Einkommen registriert wurden.
Von besonderer Bedeutung war zweifellos die Entwicklung auf dem
Arbeitsmarkt, wo die über dem jahreszeitlichen Durchschnitt liegende
Zunahme der Beschäftigtenzahl den wohl wichtigsten Aspekt bildete.
Mit insgesamt 65,8 Millionen lag dabei die Zahl der Beschäftigten
gegenüber dem Vormonat um 731 000 höher, während normalerweise nur
eine Zunahme um 130 000 zu erwarten gewesen wäre. Auch die Zahl der
Arbeitslosen nahm in diesem Monat ab, in dem in der Regel noch mit
einer Zunahme gerechnet werden muß. Da die Gesamtabnahme zwischen
Januar und Februar 120 000 betrug, stellte sich die Gesamtzahl der
registrierten Erwerbslosen somit am Ende des Monats auf 4 543 000.
Auf Grund dieser beiden Entwicklungen ging auch die von den
saisonalen Einflüssen bereinigte Erwerbslosenrate - der Anteil der
Erwerbslosen an der Gesamtzahl der Arbeitskräfte - weiter, und zwar
von 5,8 auf 5,6 Prozent, zurück. Das ist der niedrigste Stand seit
Juli 196O. Im Vergleich hierzu: im Februar 1961 belief sich die
Erwerbslosenrate auf 6,8 Prozent und im Mai vorigen Jahres sogar
auf rund 7*0 Prozent.
Unterzieht man einmal die verschiedenen Beschäftigungsziffern
einer näheren Betrachtung, so zeigt es sich, daß die jüngsten Verbesserungen auf dem Arbeitsmarkt doch eine sehr breite Basis haben.
Während nämlich normalerweise die Zahl der nichtlandwirtschaftlichen
Arbeitsplätze in den V/intermonaten allgemein rückläufig ist, war
sie in diesem Jahr nicht nur stark expansiv, sondern erreichte sogar
im Februar einen absoluten Spitzenstand für diesen Monat.
Ein anderes untrügliches Zeichen für eine allgemein gute Konjunkturlage ist auch die durchschnittliche Länge der Arbeitswoche,
die im Laufe des Februar mit 40 Stunden das höchste Niveau seit fünf
Jahren aufwies. Der Entwicklung der Arbeitswoche entsprechend, erhöhten
sich auch die wöchentlichen Durchschnittseinkommen der industriellen
Arbeitnehmer, die im Februar mit 95,20 Dollar um 6 Dollar größer
waren als vor einem Jahr.
Die günstige Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt in den vergangenen
Wochen darf allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, daß die Kernprobleme der Arbeitslosigkeit damit noch nicht beseitigt sind. Denn
wenn man die Rückgänge auf dem Erwerbslosensektor einmal näher betrachtet, so zeigt
sich, daß die meisten der wieder in den Arbeitsprozeß eingegliederten Personen nur weniger als fünf Wochen beschäftigungslos waren. Ebenso verdient die Tatsache besondere Beachtung,
daß weiterhin 1,5 Millionen Arbeitslose in der US-Wirtschaft vorhanden

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12

�vorhanden sind, die bereits länger als 15 Wochen arbeitslos sind
und damit statistisch zu den "langfristigen Erwerbslosen" zählen.
Rund 700 000 von diesen 1,5 Millionen Dauerarbeitslosen sind überdies mehr als 27 Wochen ohne Arbeit und zählen somit zu den
"strukturellen" oder "hartnäckigen" Fällen.
Diese bedrückenden Tatsachen, die von den Arbeitnehmerverbänden
in jüngster Zeit in der Öffentlichkeit mit besonderem Nachdruck
herausgestellt wurden, können auch nicht mit dem Hinweis vertuscht
werden, daß das amerikanische Erhebungssystem für Erwerbslose sehr
liberal ist und selbst all diejenigen Personen registriert, die,
wenn überhaupt, nur am Rande an einer ganztägigen Beschäftigung
interessiert sind, und daß ein großer Prozentsatz dieser Arbeitslosen ihren Arbeitsplatz durch die fortschreitende Automatisierung
verloren haben.
Allerdings muß in diesem Zusammenhang auch noch darauf hingewiesen werden, daß es sich bei diesen langfristigen Erwerbslosen
größtenteils um ungelernte oder angelernte Arbeitskräfte handelt, die es natürlich besonders schwer haben, einen neuen
Arbeitsplatz zu finden. Hinzu kommt noch, daß die meisten neuen
Arbeitsplätze nicht in den industriellen Betrieben geschaffen werden,
sondern in den Dienstleistungszweigen, hauptsächlich im Handel und
in der Finanzwirtschafti Bezeichnenderweise haben solche ehemals
arbeitsintensiven Industriezweige wie die Fe:rtigungsindustrie, die
Bauwirtschaft, das Transportgewerbe und der Bergbau ihre früheren
Beschäftigungsziffern nicht wieder erreichen können.
Hieraus ergibt sich also, daß es sich bei dem Arbeitsmarktproblem in den USA gegenwärtig in erster Linie darum dreht, die
langfristigen Erwerbslosen auf die neuen Tätigkeiten umzuschulen,
denn es ist ebenso eine feststehende Tatsache, daß sich auf Grund
der technologischen Veränderungen viele neue Beschäftigungsmöglichkeiten ergeben haben und daß in vielen Branchen die Zahl der
offenen Stellen ganz beträchtlich ist.
Daß auch die amerikanische Regierung diese Notwendigkeit ganz
klar erkannt hat, zeigt das in der vergangenen Woche vom Kongreß
verabschiedete Umschulungsprogramm für strukturelle Arbeitslose,
für das während der nächsten drei Jahre insgesamt 435 Millionen
Dollar zur Verfügung stehen und mit dessen Hilfe bis zu eine Million
Erwerbslose auf neue Berufe umgeschult werden können.

(Quelle: Eigenbericht)

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�Lohnnebenleistungen stiegen stärker als Löhne
Wie aus verschiedenen Untersuchungen des US-Arbeitsministeriums
hervorgeht, sind die Lohnnebenleistungen in der amerikanischen Wirtschaft auch im vergangenen Jahr weiter angestiegen. Nach den bisher
vorliegenden Unterlagen wurden von den amerikanischen Arbeitgebern
1961 insgesamt über 18 Mrd. Dollar für die diversen "fringe benefits"
aufgewendet. Das sind 11,5 Mrd. Dollar mehr als 1950. Im Vergleich
hierzu: 1935 betrugen die gesamten Lohnnebenleistungen der amerikanischen Wirtschaft lediglich 500 000 Dollar.
Auch der Anteil der "fringe benefits" an den gesamten Lohnkosten
hat sich im vergangenen Jahr weiter erhöht. Während dieser Anteil im
Jahre 1929 weniger als ein Prozent ausmachte und 1950 noch rund fünf
Prozent betrug, lag er 1961 bei 7»5 Prozent. Insgesamt sind die Lohnnebenkosten in der US-Wirtschaft in den letzten Jahren doppelt so
schnell angestiegen als Löhne und Gehälter.
Als "fringe benefits" gelten in den USA sämtliche gesetzlichen und
privaten Sozialleistungen, wie die Unternehmerbeiträge zu den privaten
Pensions- und Wohlfahrtsfonds, zu Unfall-, Kranken- und Erwerbslosenund anderen Sozialversicherungen sowie die Aufwendungen für Urlaubsgelder und die Feiertagsbezahlung.
(Quelle: Eigenbericht)

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Elektrikergewerkschaft erreichte 25-Stunden-Woche
Ein beachtenswertes neues Tarifabkommen, das den organisierten
Arbeitnehmern nicht nur höhere Löhne und Sozialleistungen, sondern auch
eine 25-Stunden-Woche ab 1. Juli dieses Jahres sichert, hat kürzlich
der Ortsverein Nr. 3 der Elektrikergewerkschaft in New York mit den
Vertretern von 120 Unternehmern abgeschlossen. Ursprünglich hatte die
Gewerkschaft den 4-Stunden-Tag gefordert.
Auf Grund des neuen Tarifabkommens werden die Stundenlöhne der
Elektriker von gegenwärtig 4&gt;40 Dollar auf 4&gt;9&amp; Dollar angehoben,
während gleichzeitig die Arbeitszeit von täglich sechs auf fünf Stunden
herabgesetzt wird. Da sich die Arbeitnehmer jedoch gleichzeitig bereit
erklärt haben, täglich eine zusätzliche sechste Stunde gegen Überstundenbezahlung (7,44 Dollar) abzuleisten, wird sich die Gesamtarbeitswoche
praktisch jedoch auf 30 Stunden stellen. Die bisherige Regelung sah
eine 30-Stunden-Normalarbeitswoche und täglich eine zusätzliche Arbeitsstunde mit Überstundenbezahlung, also insgesamt 35 Wochenstunden vor.
Trotz der neuen Lohnerhöhungen werden die New Yorker Elektriker ab
1. Juli dieses Jahres pro Woche jedoch 3,80 Dollar weniger in ihrer

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�i h r e r Lohntüte v o r f i n d e n , denn während s i e nach dem d e r z e i t g ü l t i g e n
V e r t r a g b e i 30 Normal- und 5 Überstunden pro Woche 165,00 D o l l a r e r h a l t e n , bekommen s i e dann - bei a l l e r d i n g s nur insgesamt 30 Wochenstunden - nur 161,20 D o l l a r .
,Der ab 1 . J u l i 19^2 g ü l t i g e neue V e r t r a g hat e i n e
von 2 Jahren und wird am 3 0 . Juni 19^4 a u s l a u f e n .

(Quelle:

•

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*

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•

#

Gesamtlaufzeit

Eigenbericht)

*

Vollbeschäftigung auch in den USA erreichbar
Die Vollbeschäftigung sei auch in den Vereinigten Staaten realisierbar, wenn in dieser Hinsicht gezielte Anstrengungen von Regierung und
Wirtschaft unternommen würden, erklärte der amerikanische Arbeitsminister, Arthur J. Goldberg, kürzlich vor der "Association of Public .
Affairs Institutes" der US-Handelskammer in Washington.
Nach Goldbergs Ansicht läßt sich die Vollbeschäftigung durch
das folgende 5-Punkte-Programm erreichen:
1. Erhöhung der wirtschaftlichen Wachstumsrate durch Modernisierung
der Produktionsanlagen, Ausweitung der Kapazitäten sowie Liberalisierung der amerikanischen Handelspolitik zwecks Gewinnung
neuer Auslandsmärkte.
2. Angemessener, wirtschaftlicher und sozialer Schutz für die erwerbslosen Arbeitnehmer im Rahmen eines umfassenderen Arbeitslosenversicherungssystems .
3« Bundesstaatliche Maßnahmen zur Schaffung neuer Arbeitsplätze.
4. Steuervergünstigungen für die Wirtschaft - als Anreiz für die
Unternehmen, ihre Betriebe zu modernisieren und ihre Absatzmärkte
auszuweiten.
5. Liberalisierung des Handels.
Der US-Arbeitsminister wies in diesem Zusammenhang darauf hin,
daß diesen fünf Punkten entsprechende Gesetzesvorlagen bereits dem
Kongreß zugeleitet worden sind.
(Quelle: Eigenbericht)

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15 -

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material Über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
USIS-Bonn/Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" Ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XV - 6

Bad Godesberg, den 1. Juni 1962
INHALTSVERZEICHNIS

Die neuen Möglichkeiten der Automatisierung
in der Industrie

Seite

1

435-Millicmen-Dollar-Programm für die Umschulung
von Arbeitslosen

Seite

10

Kennedy erläuterte Gewerkschaften seine
Wirtschaftspolitik

Seite

11

Die Bedeutung des neuen Tarifvertrages der
Stahlindustrie

Seite

15

Die neuen Möglichkeiten der Automatisierung in der Industrie
Die neue als "Computer process control" (CPC) bekannt gewordene
Verfahrenstechnik, bei der die elektronischen Rechen- und Kontrollgeräte die zu treffenden Produktionsentscheidungen selbst auf Grund
der verschiedenen Paktoren analysieren und selbsttätig die folgerichtigen Maßnahmen auslösen, beginnt sich immer mehr durchzusetzen. Zwar
sind vollautomatische Produktionsanlagen immer noch verhältnismäßig
selten, aber die Unternehmen der Stahl-, Kunststoff-, Erdöl-, Zement-,
der chemischen Industrie und Kraftwerkindustrie befassen sich gegenwärtig sehr ernsthaft damit, inwieweit und in welcher Form sie die
aus dieser Produktionskontrolle mittels elektronischer Geräte resultierenden Vorteile für ihre speziellen Aufgaben auswerten können.
Als vor rund zwölf Jahren die ersten Digitalrechner in größeren
Mengen auf den Markt kamen, behauptete man allgemein, daß diese neuen
Maschinen über kurz oder lang die vollständige Kontrolle über die

-1

�die industriellen Produktionsverfahren übernehmen und den Menschen aus
der Produktion vollkommen ausschalten würden. Trotz ihrer unverkennbaren Vorteile in puncto Zeit und Genauigkeit jedoch waren diese ersten
Steuerungs- und Kontrollautomaten den ihnen zugewiesenen Aufgaben nicht
gewachsen: sie arbeiteten unzuverlässig, sobald sie einmal für mehrere
Stunden ständig in Betrieb waren.
Der Durchbruch
Dann jedoch wurden die Transistoren und anderen Zubehörteile entwickelt, die im Gegensatz zu den bis dahin verwendeten Vakuumröhren
nicht durchbrannten oder - wie die ersten Relais - schnell verschlissen.
Diejenigen, die schon damals fest an die Möglichkeiten der Automatisierung glaubten, konnten nun darangehen, ihre bis dahin nicht zu verwirklichenden hervorragenden Theorien in die Praxis umzusetzen.
Vor etwa vier Jahren war es dann möglich, Elektronenrechner zu
einem vernünftigen Preis herzustellen, die Tag und Nacht in Betrieb
gehalten werden konnten und dabei eine Zuverlässigkeitsrate von mehr
als 99 Prozent entwickelten. Die heutigen Elektronenrechner übertreffen
diese Zuverlässigkeitsrate nicht nur, sondern stehen für die Produktion
- selbst wenn man die Wartungszeit als unproduktive Zeit abrechnet zu 99 Prozent der Gesamtzeit zur Verfügung.
Zahllose Anwendungsbereiche
Natürlich ist die Automatisierung nicht allein auf die vollautomatische Fabrik anwendbar; auch in den Büros und Industriebetrieben
führen heute bereits viele Hunderte Elektronenrechner sehr arbeitsintensive und ungewöhnliche Tätigkeiten weitaus besser durch als menschliche Arbeitskräfte! sie erstellen Mischungsformeln für Viehfutter;
bearbeiten, errechnen und saldieren riesenlange Lohnlisten und Bankauszüge; sie registrieren laufend den Bestand der Warenhausläger oder
buchen etwa die Plätze in Verkehrsflugzeugen. Automatische Werkzeugmaschinen, die von elektronischen Rechnern gesteuert werden, vollbringen
in amerikanischen Fabriken seit Jahren außerordentliche Leistungen.
In der Baustoffindustrie z.B. wurde ein automatisches Herstellungsverfahren für Betonplatten und -blocke eingeführt, das doppelt soviel
leistet wie die bisherigen Verfahren und außerdem auch noch billiger
ist. Von elektronischen Geräten gesteuert und kontrolliert, können
hier mit nur wenigen Arbeitskräften alle 15 Sekunden neun Betonblöcke
hergestellt werden, wobei diese Anlage sogar noch in der Lage ist, die
Blöcke in verschiedenen Formen und Größen, als hohle oder feste, leichte
oder schwere Körper herzustellen.
Die Anwendungsmöglichkeiten für die Automation sind tatsächlich
so vielfältig geworden, daß der Begriff "Automation" heute mitunter
auch schon bei zahlreichen mechanischen Verbesserungen Anwendung findet, bei denen es sich praktisch lediglich um Verbesserungen älterer
Produktionsverfahren handelt. Das Grundprinzip der "automatischen Fabrik" - d.h. für ein sich selbst regulierendes und auf dem "Feedback"System beruhendes Produktionsverfahren - gewann erst mit der Entwicklung des ersten Digitalrechners, des Vorläufers der heutigen Großrechentanlagen, Form und Gestalt.
_. „
'
Einfachere

2

�Einfachere und schon seit langem verwendete Formen des "Feedback"
waren z.B. die Thermostate zur Regulierung der Zimmertemperatur, die
Spannungsregler zur Kontrolle des Energieflusses im elektrischen System
von Automobilen und die Regler in den Dieselmotoren und Dampfturbinen.
In der Vakuum-Radioröhre erhielt das "Feedback" schon eine präzisere
Bedeutung, denn das Ausstrahlen und Verstärken von Radiowellen beruht
darauf, daß ein Teil des von der Röhre ausgesandten Signals zwecks
Kontrolle der Schwingungs- und Verstärkungsenergien in den Stromkreis
zurückgeführt wird. Und dies ist auch das "Feedback"-Prinzip, das die
Automation von den früheren Schritten auf dem Wege zur Mechanisierung
unterscheidet.
Aber auch ohne Elektronenrechner sind kleine Gruppen von Arbeitern
beispielsweise durchaus in der Lage, eine große Anzahl von Standardkontrollgeräten zu überwachen, die etwa die Temperatur, den Druck, die
Durchsatzmengen und andere Faktoren eines Produktionsprozesses registrieren.
Die technische Entwicklung
Der erste Schritt bei der Einbeziehung der Elektronenrechner in
die Verfahrenskontrolle bestand darin, daß der Operateur die Daten
von thermostat-ähnlichen Instrumenten abzulesen und sie dem Rechner
"einzugeben" hatte. Auf Grund dieser Informationen ermittelte dann
der Rechner die besten Einstellungskombinationen für die Kontrollinstrumente und Regler. Der nächste Schritt war dann, die einzelnen
Registriergeräte direkt mit dem Rechner zu verbinden. In beiden Fällen
jedoch mußte der Operateur jeweils die Kontrollgeräte auf die vom
Rechner ermittelten Werte einstellen.
Bei dem neuesten CPC-Verfahren sind aber sowohl die Registrierais auch die Kontrollinstrumente direkt mit dem Rechner verbunden.
Ein Fachmann beschrieb die Wirkungsweise dieses Kontrollsystems
wie folgt: "Da das Gerät über ein eigenes Kommunikationsnetz mit Hunderten von Instrumenten verbunden ist, kann es auch in sehr schneller
Folge die kritischen Werte des Produktionsprozesses erfassen. Diese
Werte werden anschließend von dem Rechner daraufhin analysiert, wie
der gesamte Prozeß abläuft, und nur die unheimliche Arbeitsgeschwindigkeit des Gerätes macht es erst möglich, genau zu analysieren, was
gerade während eines Produktionsprozesses hier oder dort vor sich
geht, etwa in einem Walzwerk, wo die Stahlplatten mit einer Geschwindigkeit von über 50 Kilometern durch die Walzstraße laufen, oder in
einem chemischen Werk, wo Tausende von Kalkulationen gemacht werden
müssen, um den exakten Stand des Herstellungsprozesses zu ermitteln."
"Nach erfolgter Analyse der einzelnen Faktoren stellt dann der
Rechner seine 'Überlegungen'1 an und ermittelt, welches Ventil oder
Lager, welcher Brenner oder sonst ein Maschinenteil nachgestellt oder
gewartet werden muß. Daraufhin trifft er dann seine Entscheidung, die
er auch gleichzeitig selbst in die Tat umsetzt. Über das Nachrichtennetz schickt er seine 'Anordnungen' an die jeweiligen Regler, die ihrerseits selbsttätig die entsprechenden Korrekturen an den Produktionsmaschinen vornehmen oder diese abschalten. Und das Erstaunliche dabei

-

3 -

�dabei ist, daß der Elektronenrechner diese Operationen Hunderte Male
täglich, Tag für Tag, Woche für Woche, ohne Pause und ohne menschliche
Überwachung ausführen kann. In den kurzen Arbeitspausen fertigt er
dann sogar noch ein vollständiges und lückenloses Logbuch über den
Produktionsablauf an."
Die technischen und wirtschaftlichen Probleme
Obwohl die Automatisierung einerseits viele neue Möglichkeiten
schafft, so bringt sie doch auch andererseits zahlreiche Probleme mit
sich. Die von ihr in der Industrie heute ausgelöste technologische
Umwälzung vollzieht sich nämlich weitaus schneller als die technischen
Entwicklungen früherer Zeiten. Umfassende Studien über die Auswirkungen
der Automatisierung auf die Gesamtwirtschaft und das Arbeitspotential
wurden und werden von zahlreichen Stellen und Ämtern der amerikanischen
Regierung mit dem Ziel durchgeführt, eine Lösung sowohl des menschlichen
als auch des technischen Problems zu finden. Überall dort, wo die
Automation eingeführt wurde, ob in Fabriken oder in Büros, fanden zunächst vielfach zwischen Management und Gewerkschaften eingehende
Beratungen statt, die meist auch zur Aufstellung von detaillierten
Umstellungsprogrammen führten, um unnötige menschliche und wirtschaftliche Härten zu vermeiden.
Wie schnell andere Industrien dazu übergehen können, ihre Produktionsanlagen voll zu automatisieren, hängt in großem Maße davon
ab, bis zu welchem Grade die entsprechenden Unternehmen ihre Pro*»
duktionsverfahren im Detail kennen. Denn weil die Programmierung des
Elektronenrechners den Angelpunkt des gesamten Kontrollsystems bildet,
ist es nämlich erforderlich, den gesamten Produktionsablauf in allen
technischen Einzelheiten genau zu analysieren und ihn im Rahmen eines
komplizierten Programms festzulegen.
Dennoch, die Kosten umfassender und detaillierter Verfahrensanalysen machen sich letzten Endes insofern bezahlt, als gerade diese
technischen Untersuchungen erstaunlich oft zahlreiche neue Erkenntnisse
über die angewendeten Produktionsverfahren bringen. Auf Grund solcher
Analysen ist es dann vielfach sogar möglich, den Gesamtablauf des
Produktionsverfahrens so entscheidend zu verbessern, daß die Installierung des kostspieligen Kontrollsystems unnötig wird.
Auch dann, wenn das Kontrollsystem installiert worden ist, dürfen
die Verfahrensanalysen niemals eingestellt werden. Die wissenschaftliche Theorie besagt nämlich, daß ein Elektronenrechner seine Leistung
immer wieder verbessern kann. Und alle Korrekturen oder Justierungen,
die er vornimmt, sind ja insofern "Experimente", als sie unter den
tatsächlichen Betriebsbedingungen erfolgen. Die Ingenieure und Techniker können die Resultate dazu verwenden, das Programm des Rechners
noch zu verfeinern, und - auf lange Sicht - drastischere Verbesserungen
im Herstellungsverfahren selbst in Betracht ziehen.
Zukunftsmusik ist dagegen noch ein technisoh weiter verfeinertes
System, die dynamische Kontrolle mittels eines geschlossenen Stromkreises (closed loop control), bei dem der Elektronenrechner seine

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�seine Befehle direkt an die Ventile oder Regler gibt und damit die
Notwendigkeit für thermostat-ähnliche Geräte entfällt. Obwohl diese
Stufe der Automatisierung erst in etwa fünf Jahren erreicht werden
dürfte, erscheint das derzeitige Interesse an Elektronenrechnerkontrollen durchaus gerechtfertigt, vor allem in den vier Grundindustrien: Stahl, Erdöl, Chemie sowie Kraftwerke. Die in diesen Industriezweigen angewendeten Verfahren ähneln sich nämlich in verschiedener Hinsicht, insofern als hier die Energie und das Material ständig
und fast ohne Unterbrechung fließen. Aus diesem Grunde können die
kontinuierlichen Produktionsverfahren auch nach einer mathematischen
Formel aufgebaut und die Rechner so programmiert werden, daß sie die
gesamte Produktionskontrolle übernehmen.
Im Gegensatz hierzu lassen sich die durch verschiedene Produktionsstufen oder -phasen charakterisierten Herstellungsverfahren, wie etwa
die Gesamtmontage von Automobilen, nur sehr schwer auf eine mathematische Formel bringen. Sie sind daher auch für eine Vollautomatisierung
nicht so gut geeignet. Trotzdem aber sind auch hier automatische Maschinen und teilautomatische Verfahren heute allgemein üblich.
Was hat nun die Elektronenrechner-Verfahrenskontrolle solchen
Unternehmen zu bieten, die bereits einen sehr hohen Mechanisierungsgrad aufweisen?
Maximale Leistungsfähigkeit und Wirtschaftlichkeit sind immer
schon durch bessere und schnellere Entscheidungen zu erreichen gewesen.
Andere Vorteile sind: erhöhte Sicherheit und Zuverlässigkeit, genauere
Produktionsplanung, bessere Lagerkontrolle.
Dennoch muß das Management trotz dieser wesentlichen Vorteile sich
mit der Frage auseinandersetzen: Lohnt es sich wirklich, soviel Zeit
und Arbeitskraft für die mathematische Kodifizierung eines Produktionsverfahrens in der Absicht aufzuwenden, einem Elektronenrechner die
Verantwortung für die Produktion zu übertragen? Werden die sich hieraus
ergebenden Produktivitätsgewinne groß genug sein, um sowohl die erforderlichen qualifizierten Wissenschaftler und Ingenlwure als auch die
teueren Maschinen bezahlen zu können? Die Antwort hierauf wird in
jedem Industriezweig - und selbst von Betrieb zu Betrieb - anders
lauten. Eines steht jedenfalls fest, nämlich - daß die Elektronenrechnerkontrolle da ist und sich auch durchsetzen wird.
Praktische Beispiele für die Anwendung der "CPC" in der Industrie
Da es sich bei der Verfahrenskontrolle mittels Elektronenrechner
um die technisch fortschrittlichste Anwendung der Automation handelt,
sei hier im folgenden auf einige praktische Beispiele in verschiedenen
Industriezweigen eingegangen.
1. Kraftwerke: Mitte vorigen Jahres {^^6^) wurden zwei CPC-Kraftwerke in den Vereinigten Staaten in Betrieb genommen. Zwei weitere
befanden sich damals in Bau, während für acht weitere bereits die Baukontrakte abgeschlossen waren.
In

�In einem Industriezweig, in dem von den Maschinen und Betriebsausrüstungen ein Höchstmaß an Zuverlässigkeit verlangt wird, ist die
Verwendung von elektronischen Kontrolleinrichtungen einfach eine
zwingende Notwendigkeit. Die Betriebsingenieure, die ständig selbst
der geringsten Möglichkeit für eine Erhöhung der Leistungsfähigkeit
der Produktionsanlagen nachspüren, haben sich deshalb auch sehr schnell
für die Elektronenrechner entschieden. Ihre Argumentes Kraftwerke weisen
bereits heute ein sehr hohes Produktivitätsniveau auf, wobei ihre Gewinnmarge sehr gering, die Menge der erzeugten Energie jedoch sehr groß
ist. Ein anderer Grund dafür, warum gerade die Kraftwerkindustrie sich
so hervorragend für die Umstellung auf Elektronenrechnerkontrollen eignet,
ist die Tatsache, daß sie bereits jetzt eine große Zahl von Elektround Hochfrequenztechnikern beschäftigt. Außerdem sind sich die Kraftwerke im technischen Aufbau viel ähnlicher als etwa die Werke der Stahl-,
Erdöl- oder chemischen Industrie. Daher ist es auch sehr viel leichter,
ein Kraftwerk nach dem anderen mit elektronischen Kontrolleinrichtungen
auszustatten.
Die Probleme der Verfahrenskontrolle in einem Kraftwerk sind praktisch die einer umfassenden Detailanalyse. In Kalifornien z.B. wurden
zwei 21O-Megawatt-Generatorenanlagen neu in einem Dampfkraftwerk installiert, die weitgehend von zwei Großrechenanlagen gesteuert werden.
Durch die CPC-Kontrolle ist es hier dem Betriebsingenieur jetzt möglich, eine abgeschaltete Generatorenanlage durch Betätigung eines
einzigen Kontrollknopfes wieder in Gang zu setzen. Normalerweise erfordert das Anfahren einer Generatorenanlage 6 1/2 Stunden; durch die
Verwendung einer Kontrollautomatik konnte diese Anlaufzeit um zwei
Stunden verkürzt werden. Während der viereinhalbstündigen Vorbereitungszeit führt das Gerät eine Sequenz von rund 1000 Punktionskontrollen durch, wie etwa die Überprüfung des Wasserstandes in den
Dampfkesseln, der Durchflußmengen an Kühlmitteln oder das Anzünden
der Brenner. Ist die gesamte Generatorenanlage angelaufen, so überwacht das Kontrollgerät mittels 15^0 Instrumenten den gesamten Betriebsablauf, d.h. es registriert die Temperaturen, Drücke, Durchflußraten, Umdrehungszahlen der Turbinen usw. Sollte sich einmal
ein Brennstoffmangel ergeben (diese Anlage in Kalifornien wird in
erster Linie mit Naturgas betrieben), so löst das Kontrollgerät automatisch 50 verschiedene Tätigkeiten aus, die erforderlich sind, um die
Brenner auf einen anderen Brennstoff - in diesem Falle Öl - umzustellen.
Im Falle einer Gefahr für die ganze Betriebsanlage ist der Elektronenrechner sogar imstande, Teile eines Aggregats oder die gesamte Anlage
innerhalb weniger Minuten abzuschalten.
Diese Fähigkeit des Kontrollsystems, drohende technische Pannen
rechtzeitig zu erkennen, ist gerade in den Kraftwerken von größter
Bedeutung: ein heißgelaufuius Lager oder ein durchgebrannter Kessel
können hier insofern Millionenschäden verursachen, als die Anlage
bei den erforderlich werdeüden Reparaturarbeiten für Wochen ausfällt.
Nach Ansicht zahlreicher Kraftwerkingenieure wird - in Anbetracht
der großen Zuverlässigkeit &lt;icr elektronischen Kontrollsysteme - dieser
Industriezweig wohl auch der erste sein, in dem Elektronenrechner die
Kontrolle allein und ohne zwischengeschaltete Instrumente durchführen
werden. Gerade die Kraftwerke stehen heute der Einführung des absoluten

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�absoluten elektronischen Kontrollsystems sehr viel aufgeschlossener
gegenüber als alle anderen Industriezweige.
2. Stahlindustrie; Die Verfahren zur Herstellung und Verarbeitung
von Stahl und Eisen sind für elektronische Kontrollsysteme technisch
gesehen gut geeignet. Zahlreiche Werke dieses Industriezweigs sind
daher auch seit einiger Zeit intensiv damit beschäftigt, ihre Anlagen,
vor allem ihre Walzstraßen, auf die Kontrollautomatik umzustellen.
Im Gegensatz zu den Kraftwerken, erfordern diese Verfahrensabläufe
hier keine so riesige Zahl von detaillierten Informationen, wenngleich
auch hier die Produktionsantscheidungen sehr schnell getroffen werden
müssen.
Das modernste und gleichzeitig auch größte und schnellste Walzwerk der USA wird gegenwärtig von der "Great Lakes Steel Corporation"
in Detroit erstellt - eine Anlage, die von einem Spezial-Elektronenrechner kontrolliert werden wird. Rund 50 Zentimeter dicke Rohblöcke
sollen hier später auf der aus 12 Walzen bestellenden Straße zu dünnen
Blechen ausgewalzt werden. Beim Durchlaufen der Walzstraße wird die
Geschwindigkeit des immer länger werdenden Stanlbandes ständig erhöht,
so daß es schließlich an der letzten Walze ei*»e Geschwindigkeit von
900 Metern in der Minute (54 km/st) erreicht. Verschiedene entlang
der Walzstraße angebrachte Meßlehren melden da/bei fortwährend die
genaue Stärke des Bandes sowie die Spannungen des Stahls während der
verschiedenen Bearbeitungsphasen an das Elektnpnengehirn, so daß der
Rechner sofort ermitteln und entscheiden kann,, wie etwa die Geschwindigkeit oder der Walzendruck korrigiert werden müssen, damit am Ende
der Straße ein gleichmäßig dickes, genau den Normen entsprechendes
Produkt herauskommt. Nach Ansicht der Werksleitung wird dieses Werk
in der Lage sein, Stahl in einer bisher nicht erreichten Uniformität
zu erzeugen. "Qualität ist der hauptsächliche Vorteil, der sich für uns
aus der CPC-Kontrolle ergibt. Während normalerweise die Abweichungen
der Walzprodukte in der Stärke 0,15 Millimeter betragen, werden sie
bei der neuen Anlage nur 0,076 Millimeter ausmachen - d.h. fast nur
noch die Hälfte."
In einem Weißblechwerk der "Jones &amp; Laughlin Corporation" ist
ein Durchlauf-Glühofen seit mehr als einem Jahr in Betrieb. Gerade
in diesem Werk werden die große Arbeitsgeschwindigkeit und die Anpassungsfähigkeit dieser Kontrollsysteme besonders deutlich. Die Stahlbänder laufen hier mit einer Geschwindigkeit von 600 Metern in der
Minute durch den Glühofen. Der Elektronenrechner kontrolliert dabei
nicht nur die Zonentemperatur-Regulatoren im Glühofen, sondern registriert auch laufend die Veränderungen im Material während der Verarbeitung und regelt die Ofentemperatur, wenn eine neue Charge eingesetzt wird.
Noch nicht gelöst, aber bereits Gegenstand umfangreicher Forschungen und Untersuchungen ist das Problem, wie man einen Elektronenrechner für die Verfahrenskontrolle bei einem Hochofen einsetzen
kann. So hat ein Unternehmen kürzlich mittels einer Großrechenanlage
den gesamten Produktionsablauf in einem Hochofen simuliert. Innerhalb
von drei Minuten bewältigte der Rechner dabei die Auswertung von verschiedenen Produktionsabläufen unter Zugrundelegung variabler Größen

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�Größen wie Blastemperatur, Sauerstoff- und Brennstoffgehalt usw. eine Analyse, für die in der Praxis, d.h. unter Verwendung eines
richtigen Hochofens, 24 Jahre erforderlich wären. Die Auswertung
der Ergebnisse des Elektronenrechners zeigte, daß sich die Hochofenleistung bis zu 30 Prozent steigern läßt, wenn die verschiedenen
Faktoren in ein optimales Verhältnis zueinander gebracht werden
können.
3« Ölindustrie: Auch die Ölgesellschaften, die sich gegenüber
den Elektronenrechnern von Anfang an aufgeschlossen zeigten, haben
inzwischen zahlreiche Anwendungsbereiche für die '*CPC" erschlossen.
Das erste integrierte System einer Elektronenrechiterkontrolle Elektronenrechner, Kontrollgeräte, Instrumente - *»urde von der "Universal Oil Products Company" für die Destillierung vun Paraffin aus Benzin
eingeführt, und die erste von einem Elektronenrechner kontrollierte
Produktionsanlage für die Erzeugung eines kommerzueilen Produkts in
den Vereinigten Staaten war die Polymerisationsan^ge der Texaco in
Texas, die seit mehr als einem Jahr in Betrieb ist.
Aber selbst ohne den Ausbau der Elektronenrechnerkontrollen zu
geschlossenen Kontrollsystemen für ihre Produktionsverfahren haben
die Ölgesellschaften erfolgversprechende Anwendungsmöglichkeiten entwickelt. Auch die theoretische Analyse von Produktionsabläufen und
Vertriebsproblemen mittels Elektronenrechner hat sich als äußerst
fruchtbar erwiesen.
Der bisher wohl ehrgeizigste Test zur CPC wird gegenwärtig von
der "American Oil Company" in ihren Raffinerieanlagen in Whiting
(Indiana) durchgeführt. Seit zwei Jahren werden hier von einer RöhrenDestillationsanlage täglich 140 000 Fass Rohöl durchgesetzt und dabei zehn verschiedene Produkte erzeugt. Die Produktionsmenge hängt
zwar von weit über einhundert variablen Faktoren ab, wie aber eine
eingehende Verfahrensanalyse ergab, sind nur 19 dieser Faktoren von
solcher Bedeutung, daß sie eine Elektronenrechnerkontrolle rechtfertigen. Diese 19 Faktoren mußten jedoch mit rund 160 anderen, die
physische Leistungsgrenze der Anlage bestimmenden Werten in Beziehung
gebracht werden. Andere mit in die Analyse einzubeziehende Werte waren
das Wetter, die Zuflußgeschwindigkeit, Zusammensetzung der Einsatzstoffe sowie die Produktionspläne. Zu diesem Wust von Details wurden
dann noch die veränderlichen wirtschaftlichen Größen hinzugefügt:
Preise, Kosten, Rohmaterialmengen, Verbrauch an Energie und Rohstoffen.
Aus dieser Unsumme von Einzelinformationen wurde ein Produktionsprogramm für eine Elektronenrechnerkontrolle mit insgesamt 75 000
Anweisungen entwickelt. Und obwohl hier nur 196 Instrumente laufend
abgelesen und die Ergebnisse ausgewertet werden müssen, ist dieser
Produktionsprozeß so kompliziert, daß selbst der ungemein schnell arbeitende Elektronenrechner fünf Minuten benötigt, um alle Details
nacheinander einmal zu erfassen und auszuwerten.
Über die bisherigen Ergebnisse sind die Techniker dieses Unternehmens sehr befriedigt; sie planen jetzt, ein CPC-System für den

-

8

�den Produktionsprozeß, durch den der Oktangehalt des Ben ins
erhöht wird, und später auch ein System für die katalytischen
Crackanlagen und die Alkylationsverfahren einzuführen.
Ein Kontrollsystem, das noch komplizierter ist als das eben
beschriebene, wird in einer Raffinerie in der Nähe von Los Angeles
angewendet. Sehr ungewöhnlich ist in diesem Falle auch, daß der
Elektronenrechner, der die gesamte Anlage kontrolliert und überwacht,
sich nicht in der Raffinerie selbst befindet, sondern 64O km nördlich davon in San Francisco aufgestellt wurde. Die Kapazität dieses
Elektronenrechners ist so groß, daß es möglich ist, noch andere
Raffinerien mit ähnlichen Produktionsprogrammen an dieses Kontrollsystem anzuschließen.
4. Chemische Industrie: Die chemische Industrie benötigt in
erster Linie Elektronenrechner, die in der Lage sind, eine enorm
große Anzahl von Berechnungen laufend durchzuführen. Da es sich
aber bei chemischen Produktionsverfahren um verhältnismäßig langsam
ablaufende Prozesse handelt, sind entsprechende Korrekturen auch
nicht so häufig erforderlich. Ein großes Werk in Kentucky verwendet
einen Elektronenrechner für zwei verschiedene Aufgaben: einmal
kontrolliert er die Erzeugung von Vinylchlorid, einem Ausgangsprodukt
für Kunststoffe, und zum anderen registriert und analysiert er kontrolliert aber nicht - einen anderen Produktionsprozeß, die Herstellung von Acrylnitril. Das einzige von einem Elektronenrechner
gesteuerte amerikanische Chemiewerk, in dem Grundchemikalien erzeugt
werden, befindet sich in der Nähe von New Orleans. Es handelt sich
um das Barton-Werk der Monsanto Chemical Company, das synthetisches
Ammoniak erzeugt.
Bei der Einrichtung dieser Anlage spielten sowohl wissenschaftliche als auch wirtschaftliche Überlegungen eine Rolle. Eine neue,
in hohem Grade mechanisierte Anlage eignet sich besonders gut für
die Automation. Da es sich hierbei um einen kontinuierlichen Prozeß
handelt, ist die Produktionskapazität der Anlage weitgehend von
der Gasmenge abhängig, die die großen Kompressoren in die Reaktionsbehälter pumpen. Die Kompressorenleistung wiederum hängt aber ganz
vom Wetter ab, denn an heißen und trockenen Tagen ist sie weitaus
geringer als an kühlen und feuchten Tagen. Aber auch für den Produktionsprozeß selbst ist der Feuchtigkeitsgehalt ein wichtiger
Faktor, denn das Produktionsergebnis wird weitgehend durch den Feuchtigkeitsgehalt der Luft bestimmt, die von außen her in die Kessel
gepumpt wird.
Das elektronische Kontrollgerät in dem Ammoniakwerk kann deshalb die Produktion auf einer Maximalhöhe halten, weil es sehr schnell
die jeweils erforderlichen Korrekturen vornehmen kann. In einer Anlage
in der täglich 500 Tonnen Ammoniak hergestellt werden, schlägt sich
eine höhere Produktionsleistung im Laufe eines Jahres schon in einer
beträchtlichen Menge Kunstdünger nieder.
Verschiedene ölfirmen überprüfen gegenwärtig auch die Vorteile,
die sich durch eine vollkommene Umstellung der Produktion auf elektronische Kontrollen ergeben würden, wenngleich sie sich völlig

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�völlig darüber im klaren sind, daß es auch noch andere Möglichkeiten
für sie gibt, mittels Elektronenrechner die Leistungsfähigkeit ihrer
Anlagen zu erhöhen. Elektronenrechner, ganz gleich, ob sie aktiv an
der Produktionskontrolle beteiligt sind oder nur "überwachende"
Funktionen ausüben, können immer zum Vorteil eingesetzt werden.
Die Ingenieure der chemischen Industrie haben festgestellt, daß sich
mit Hilfe der Elektronenrechner leistungsfähige Kontrollpläne für
die verschiedenen Produktionsphasen entwickeln lassen. Neben Kompressorenanlagen wurden auch Destillationskolonnen und Wärmeaustauscher mit
Erfolg analysiert.
Aus diesem Grunde sind die Verfahrenskontrollen mittels Elektronenrechner nur der letzte, markanteste Schritt in Richtung auf die
Vollautomatisierung - aber Dutzende anderer Anwendungsmöglichkeiten
werden ihren Spuren folgen,
(Quelle: Eigenbericht)
* * * * *

455-Mi'llionen-Dollar-Programm für die Umschulung von Arbeitslosen
Mit der Verabschiedung des neuen Gesetzes über die Umschulung
von Arbeitskräften durch den Kongreß ist die amerikanische Regierung jetzt in der Lage, ein umfassendes Umschulungs- und Fortbildungsprogramm für all diejenigen Arbeitskräfte durchzuführen, die
ihre Arbeitsplätze auf Grund der Automatisierung in den vergangenen
Jahren verloren haben.
Gleichzeitig wird der US-Arbeitsminister durch das neue Gesetz
ermächtigt, in Zusammenarbeit mit den Bundesstaaten eingehende Studien über die Auswirkungen der Automatisierung auf die Beschäftigungsstruktur und den Arbeitsmarkt durchzuführen sowie entsprechende Umschulungsprogramme auszuarbeiten, in deren Rahmen die "technologischen
Arbeitslosen" auf neue Berufe umgeschult und vorbereitet werden
können. Insgesamt stehen der amerikanischen Regierung 435 Millionen Dollar
während der nächsten drei Jahre für diese Zwecke zur Verfügung,
Ein sehr erheblicher Teil dieser Mittel ist dabei für die staatlichen Umschulungsbeihilfen vorgesehen, die das Gesetz all jenen
Arbeitnehmern zusichert, die an derartigen Umschulungsprogrammen
teilnehmen. Die Höhe dieser Beihilfen wird sich in der Regel mit
den Unterstützungssätzen der Arbeitslosenversicherung in den einzelnen Bundesstaaten decken und dürfte zwischen 55 Dollar (Hawaii), 50
Dollar (New York) und 30 Dollar wöchentlich (in vielen der anderen
Bundesstaaten) liegen. Ausgenommen von dieser Regelung sind lediglich
die Altersgruppen zwischen 19 und 21 Jahren, für die wöchentliche
Beihilfen von nur 20 Dollar vorgesehen sind. Diese Ausnahmeregelung
wurde deshalb in das Gesetz aufgenommen, weil sonst viele der 19- bis

10 -

�bis 21jährigen, die auf Grund ihres vorzeitigen Schulabgangs bisher
nicht in der Lage waren, einen festen Arbeitsplatz zu erhaltta, überhaupt keine Unterstützung bekämen. Das Gesetz schreibt nämlich vor,
daß nur solche Arbeitnehmer umschulungsberechtigt sein sollen, die
u.a. eine dreijährige berufliche Tätigkeit nachweisen können.
Die hauptsächlichen Nutznießer des neuen Programms werden vor
allem die verheirateten Arbeitnehmer sein, die ihren Arbeitsplatz
deshalb verloren, weil ihre handwerklichen oder beruflichen Fähigkeiten durch die technische Entwicklung überholt wurden. Das gleiche
trifft auch für die Farmerfamilien der unteren Einkommensgruppe zu, die
ebenfalls Anträge auf Umschulung stellen können.
Um an den staatlichen Umschulungsprogrammen teilnehmen zu können,
müssen sämtliche Personen über 21 Jahre entweder verheiratet oder
aber Haushaltsvorstand sein und mindestens eine dreijährige Berufspraxis nachweisen können. Alle, die diese Voraussetzungen erfüllen,
können sich auf den Arbeitsämtern, wo sie vor Fachleuten eine Eignungsprüfung ablegen müssen, für die Umschulung einschreiben lassen. Damit
soll sichergestellt werden, daß die Umschüler auch wirklich auf Berufe
vorbereitet werden, die ihren Fähigkeiten entsprechen.
Die Umschulung selbst erfolgt entweder in den bundesstaatlichen
Berufsschulen oder an industriellen Arbeitsplätzen unter Aufsicht von
geeigneten Meistern und Facharbeitern.
Das neue Ausbildungs- und Umschulungsprogramm wird am 1 . Juli
dieses Jahres beginnen und vorläufig bis zum 30. Juni 19^5 (Ende
eines Haushaltsjahres) durchgeführt werden. Während im ersten Jahr
insgesamt 100 Millionen Dollar für die Durchführung des Programms
bereitstehen, werden es in den beiden folgenden Jahren je 165 Millionen Dollar sein* Fünf Millionen Dollar wurden außerdem für die Vorbereitungsarbeiten zur Verfügung gestellt.
Das neue Gesetz über die Umschulung von Arbeitskräften, die
auf Grund der Automatisierung freigesetzt wurden, ist Teil des Gesamtprogramms der amerikanischen Regierung für die Beseitigung der
Arbeitslosigkeit und zur Förderung des wirtschaftlichen Wachstums.
(Quellet Eigenbericht)
* * * * *

Kennedy erläuterte Gewerkschaften seine Wirtschaftspolitik
Nachdem Präsident Kennedy kürzlich seine wirtschaftspolitischen
Konzeptionen den Vertretern der Wirtschaft mit aller Offenheit und
Eindringlichkeit vorgetragen hatte, nahm er jetzt den Jahreskongreß
der Automobilarbeitergewerkschaft zum Anlaß, um vor den Vertretern
der Arbeitnehmerorganisationen die wirtschaftspolitischen Ziele
seiner Regierung zu umreißen und auch ihnen klarzumachen, welch eine

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�eine "große Verantwortung Unternehmer und Gewerkschaften gegenüber
der öffentlichkeifhaben.
Kennedy dokumentierte mit dieser Rede erneut, daß seine Regierung nicht geneigt ist, wirtschaftspolitische Rücksichten auf
irgendeine Interessengruppe zu nehmen, und daß seine Wirtschaftspolitik
ganz klar darauf ausgerichtet ist, dem Ganzen zu dienern "Was
den Vereinigten Staaten als Gesamtheit zum Vorteil gereicht, wird
auch letztlich jedem amerikanischen Unternehmen und jeder amerikanischen Gewerkschaft von Nutzen sein,"
Was dem Lande unbedingt zum Vorteil gereicht, ist nach Kennedys
•Worten ein im wesentlichen nichtinflationäres wirtschaftliches
Wachstum - eine Expansion, die die Vollbeschäftigung und technischen
Portschritt gewährleistet und durch die die Vereinigten Staaten in
die Lage versetzt werden, ihren Verpflichtungen auf wirtschaftsund sozialpolitischem Gebiet im In- und Ausland nachzukommen. Dieses
angestrebte Wachstum, das Kennedy als "die größte Herausforderung
der sechziger Jahre" bezeichnete, sei nur über eine steigende Produktivität zu erreichen, durch die allein die einzelnen Segmente
der Wirtschaft profitieren würden - die Unternehmer in Form höherer
Gewinne, die Arbeitnehmer in Form höherer Löhne, die Verbraucher
durch stabile und niedrigere Preise und die Exporteure schließlich
in Form vermehrter Absatzchancen auf den Weltmärkten.
Nach Ansicht der Kennedy-Administration laufen daher ungerechtfertigte, die Grenzen der Produktivitätszunahmen sprengende und die
Preise erhöhende Lohnforderungen den nationalen Interessen genauso
zuwider wie die sich ebenfalls in höheren Preisen niederschlagenden
höheren Profitforderungen.
Während Kennedy vor den Vertretern der amerikanischen Handelskammern die Notwendigkeit stabiler Preise von der Gewinnseite her
beleuchtete, waren es auf dem Gewerkschaftskongreß die Lohnseite
und die lohnpolitischen Konsequenzen, die er den Gewerkschaftern
eindringlich vor Augen führte. Aber auch hier betonte der Präsident mit allem Nachdruck, daß seine Regierung nicht die Absicht
habe, in Friedenszeiten Zuflucht zu einer Lohn- und Preisbindung
zu nehmen. Die Regierung könne zwar gewisse Richtlinien für die
Wirtschaft umreißen, aber keine allgemeingültige Formel für jeden
einzelnen Betrieb und jeden Industriezweig aufstellen. Ebenso
könne sie Ziele und Punkte des nationalen Interesses ansprechen,
sie habe aber nicht die Macht - und beanspruche sie auch nicht -,
Zwangsmaßnahmen auf dem Gebiet der Löhne und Preise durchzusetzen.
Die Festsetzung der Preise und Löhne sei Sache der Unternehmer
und Gewerkschaften, die in den TarifVerhandlungen die notwendigen
und den nationalen Interessen dienenden Entscheidungen freiwillig
vorzunehmen hätten. Hierbei könnte als Richtwert - aber nicht notwendigerweise als starre Formel - die dreiprozentige jährliche
Produktivitätszunahme dienen, die der Wirtschaftsbeirat des Präsidenten als Durchschnittswert für die gesamte Wirtschaft errechnet
hat.
Kennedy

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�Kennedy hatte vor dem UAW-Kongreß im Vergleich zur Tagung der
Amerikanischen Handelskammer schon insofern eine leichtere Aufgabe,
als er hier vor einer Organisation sprach, die ihn bereits in der
Vergangenheit unterstützte und die sich zudem überraschenderweise
noch am Tage zuvor in einer Erklärung dafür ausgesprochen hatte,
die Bemühungen der Regierung auch weiterhin zu unterstützen, "eine
Erhöhung der Löhne und Lohnnebenleistungen über die steigende Produktivität und nicht über Preiserhöhungen zu erreichen". Präsident
Kennedy bescheinigte der Gewerkschaft denn auch ihren "hohen Verantwortungssinn gegenüber der Öffentlichkeit".
Lieser Verantwortungssinn kann aber schon in den nächsten
Wochen auf eine sehr ernste Probe gestellt werden, und zwar sowohl
in der Automobilarbeitergewerkschaft als auch in anderen Arbeitnehmerorganisationen. Lenn die UAW-Gewerkschaft z.B. wird bei den kommenden
TarifVerhandlungen in der Flugzeug- und Raketenbauindustrie eine bedeutende Rolle spielen, und auch bei den Eisenbahnern kündigen sich
schwerwiegende l.ohnpolitische Auseinandersetzungen an.
(Quellet Eigenbericht)
* * * * *

Lie Bedeutung des neuen Tarifvertrages der Stahlindustrie
Als einen großen wirtschaftlichen Erfolg für die gesamte Nation
bezeichneten die amerikanischen Zeitungen in ihren Kommentaren allgemein das zwischen den Tarifpartnern der Stahlindustrie abgeschlossene
neue Abkommen. Man sprach dabei von einem Musterbeispiel im amerikanischen TarifVerhandlungswesen, denn keine Seite habe das bekommen, was
sie gefordert habe. Was schließlich in den Verhandlungen konkretisiert
wurde, sei insofern ein begrüßenswerter Kompromiß, als nicht nur das
Management und die Gewerkschaft daraus Vorteile ziehe, sondern auch
die Gesamtwirtschaft.
Und gerade die gesamtwirtschaftlichen Belange sind es denn auch,
die den bedeutendsten Aspekt des neuen Abkommens darstellen. Lenn mit
diesem am 1. Juli dieses Jahres in Kraft tretenden Lohnabkommen der
US-Stahlindustrie wird zum ersten Mal seit zehn Jahren der verhängnisvolle Zyklus der jährlichen Lohn- und Preiserhöhungen in diesem wichtigen Industriezweig durchbrochen - verhängnisvoll insofern, als gerade
die Lohn- und Preiserhöhungen der Stahlindustrie in all den Jahren
einen sehr wesentlichen Einfluß sowohl auf die gesamte industrielle
Lohnstruktur als auch auf das allgemeine Preisniveau hatten.
Auch die konjunkturelle Entwicklung in diesem Jahr wird durch das
neue Abkommen sehr günstig beeinflußt werden, und da die Verhandlungen
bereits ein Vierteljahr vor Auslaufen des derzeitig gültigen Vertrages
abgeschlossen wurden, wird es in diesem Jahr auch zu keinen unkontrollierbaren und das gesamte Wirtschaftsbild verzerrenden Hortungskäufen der
Stahlverarbeiter kommen, so, wie es zum Beispiel vor zwei Jahren der
Fall war, als die gesamte wirtschaftliche Entwicklung durch den 116
Tage dauernden Stahlarbeiterstreik außer Tritt gebracht und ein

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�ein wirtschaftlicher Rückgang eingeleitet wurde. Allein schon aus
diesen Gründen dürfte das neue Stahlabkommen zu einer Stabilisierung
und Erhaltung der Konjunktur beitragen.
Was hat aber die beiden Sozialpartner, insbesondere jedoch die
Gewerkschaft, nun veranlaßt, ihre Forderungen - vor allem auf lohnpolitischem Gebiet - zurückzustecken und einen Tarifvertrag abzuschließen, der nach Ansicht sowohl der Regierung als auch der -Wirtschaftsexperten in seinem Charakter nichtinflatoricch ist?
Hierfür gibt es drei Gründe« 1. den zunehmenden ausländischen
Wettbewerb; 2. die fortschreitende Automatisierung der Betriebsanlagen der Stahlindustrie; und 3» die immer stärker werdende öffentliche
Kritik an den das allgemeine Preisniveau beeinflussenden Lohnerhöhungen.
Hinzu kommt noch, daß auch unter den Stahlarbeitern selbst der Ruf
nach Einkommens- und Preisstabilität immer lauter wurde.
Die tarifpolitischen Forderungen der Stahlarbeitergewerkschaft
konzentrierten sich in diesem Jahr auch nicht so sehr auf Lohnerhöhungen als vielmehr auf Garantien für eine Sicherung der Arbeitsplätze und Erhöhung der wirtschaftlichen und sozialen Sicherheit ihrer
Mitglieder. So sind z.B. im ersten Jahr keine Lohnerhöhungen vorgesehen - lediglich ein Passus für eine mögliche Aufnahme von Lohnverhandlungen im zweiten Jahr wurde in den Vertrag aufgenommen -,
und die Belastungen, die sich für die Unternehmer auf Grund höherer
Lohnnebenleistungen ergeb en, belaufen sich lediglich auf rund 10 Cent
pro Stunde. Das sind die geringsten Belastungen seit langer Zeit. Sie
machen etwa 3 Prozent aus und liegen damit im Rahmen des in diesem
Jahr'zu erwartenden Produktivitätsanstiegs.
Trotz dieses bescheidenen Rahmens bringt das neue Tarifabkommen
den 430 000 Arbeitnehmern der Stahlindustrie, die gegenwärtig im
Durchschnitt 3,28 Dollar pro Stunde (plus 80 Cent an "fringe
benefits") verdienen und damit die industrielle Lohnskala mit anführen, einige sehr wesentliche Vorteile: mehr Urlaub, höheres Urlaubsgeld} Erhöhung der zusätzlichen Arbeitslosenunterstützung; Verbesserung
der Vergütungen bei Kurzarbeit; liberalisierte Senioritätsklauseln
sowie höhere private Pensionsleistungen.
Einige noch offen gebliebene Arbeitsfragen sollen später im
Rahmen eines gemeinsamen, aus Vertretern des Managements und der
Gewerkschaften gebildeten "Industrieausschusses" beraten werden, der
die Arbeit des "Human-Relations"-Ausschusses im erweiterten Rahmen
fortführen soll, welcher nach Vertragsabschluß des letzten Abkommens
gebildet wurde, seine Tätigkeit aber mit dem Auslaufen des Vertrages
am 30. Juni einstellt. Diese Abmachung ist insofern von großer Bedeutung, weil es nach Ansicht der Stahlarbeitergewerkschaft gerade der
gemeinsame Ausschuß war, der den neuen Vertragsabschluß sehr erleichtert und mit dazu beigetragen hat, daß seit 1954 zum ersten Mal wieder
in der Stahlindustrie ein Tarifabkommen ohne Streikanwendung abgeschlossen werden konnte.
(Quelle» Eigenbericht)
* * * * •

- 14 -

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
USIS-Bonn/Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung; der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XV - 7

Bad Godesberg, den 1. Juli 1962
INHALTSVERZEICHNIS

Die Auswirkungen der Automation auf den
Arbeitnehmerstatus

Seite

1

Seite

7,

Die Gewerkschaften und die Angestellten

Seite

9

Gewerkschaftliche Kurznachrichten

Seite

11

Feststellung der Beschä.f ti gten- und Arbeitslosenzahl
in den USA

Thomas R. Brooks:
Die Auswirkungen der Automation auf den Arbeitnehmerstatus
Aus'Dun-s Review and Modern Industry"
Nachdruck mit Angabe des Verfassers
und dem Vermerk "(c) 1962 Dun and
Bradstreet Publications Corporation"
gestattet.

In der amerikanischen Industrie ist in den letzten Jahren ein
neuer Arbeitnefemertyp immer stärker in den Vordergrund getreten:
die Schaltpultoperateure in den automatisierten Produktionsanlagen.
Zuerst trat dieser neue Arbeitnehmertyp in den Ölraffinerien, Chemiewerken und den öffentlichen Versorgungsbetrieben in Erscheinung; heute
ist er auch in den Stahl-, Automobil- und metallverarbeitenden Werken
anzutreffen. Für alle Kreise des Wirtschaftslebens - Management und
Gewerkschaften - und darüber hinaus für die ganze amerikanische Gesellschaft wird er bald ein großes Problem darstellen.
Oberflächlich betrachtet mag dieses Problem ziemlich unbedeutend
erscheinen; denn mehr oder weniger dreht es sich zunächst lediglich
darum, welchen "Arbeitskittel" dieser neue Arbeitnehmertyp bekommen
soll.
•
^
-

1

-

�In den Färbereien sind die Schaltpultoperateure aufgestufte
"blue collar workers" - Arbeiter mit nur rund acht Jahren schulischer
Ausbildung. In den Ölraffinerien dagegen werden die gleichen Tätigkeiten an den automatischen Bedienungs- und Kontrollgeräten nur von
Technikern ausgeführt, die eine College-Ausbildung aufzuweisen haben.
Wer nun sind diese Arbeitnehmer von morgen? Sind es "Arbeiter"
(blue collar workers) mit der gleichen Haltung, den gleichen Arbeitsgewohnheiten und der gleichen Loyalität gegenüber den Gewerkschaften,
wie sie der Industriearbeiterschaft von heute eignen? Oder sind es
Angestellte, Menschen mit ganz anderer Einstellung und den dieser
Beschäftigtengruppe eigenen Gewohnheiten und Sorgen? Wird die Automation den "bläuen Kragen" ausbleichen? Erhält der "weiße Kragen" eine
bläuliche Tönung? Oder werden sich in der Praxis überhaupt Unterschiede herausbilden? •
Die Antworten auf diese Fragen werden darüber entscheiden, wie der
Arbeitnehmer des kommenden Automationszeitalters entlohnt werden wird ob auf Stunden-, Tages- oder Wochenbasis. Und die Tatsache, ob das Heer
der Arbeitnehmer in den USA aus Menschen mit "weißen" oder "blauen"
Kragen besteht, wird letztlich auch die Arbeitsbedingungen und Vergütungen bestimmen, die die Industriearbeiter von morgen suchen und fordern.
Bereits heute sind verschiedene Unterscheidungsmerkmale von "blauen"
und "weißen" Arbeitsplätzen weitgehend verblaßt. Einst war die physische
Erschöpfung die unvermeidliche Folge der Fabrikarbeit, während die geistige
Abgespanntheit allein Merkmal des Angestellten war. Heute jedoch, im Zuge
der verstärkten Automatisierung der Produktionsverfahren, ist auch dem
Industriearbeiter die geistige Abgespanntheit nicht mehr unbekannt.
Las Management hat das alte Problem der Fabrikarbeit, die schnelle
Ermüdung der Muskeln, schon seit langem erkannt und den Arbeitnehmern
durch die Festlegung von Arbeitspausen eine Möglichkeit zur physischen
Erholung gegeben. Daraus ergibt sich die Frage: Muß das Management jetzt
- als Folge der Automatisierung - für seine Schaltpultoperateure ähnliche
Pausen für die geistige Erholung einführen?
Dies ist nur das sichtbarste all jener Probleme, die sich in dem
Maße ergeben, wie sich der Charakter der Arbeitnehmerstruktur verändert.
Noch umfassendere Umwälzungen, die eine Änderung in der Haltung von
Gewerkschaften und Management erzwingen werden, zeichnen sich ab. Hierfür zwei Beispiele, die in etwa einen Eindruck von ihrem Umfang vermitteln.
Hoch über der Walzstraße des 120-Millionen-Dollar-Walzwerks der
"U.S. Steel" in Chicago thront ein mit einem grauen Jackett und mit
einer leichten Stoffmütze bekleideter Arbeiter in einer mit Klimaanlage
versehenen Kabine. Es ist der Walzmeister. Vor Einführung der Automation
bediente er. mit großem Fingerspitzengefühl zahlreiche Hebel und kontrollierte damit den Walzdruck der riesigen Walzen. Heute dagegen braucht
er lediglich noch zu entscheiden, in welcher Reihenfolge die einzelnen
Walzen benutzt werden sollen. Diese Information locht er in eine Karte,
die er dem programmierten Elektronenrechner zuführt, der dann vollkommen
selbständig Druck und Durchlaufgeschwindigkeit des Stahls durch die Walzen regelt.
_

�Der Walzmeister ist immer noch ein "blue collar worker", der
stolz auf seine handwerklichen Fähigkeiten ist und der loyal zu seiner Gewerkschaft steht. Seine Arbeit hat sich zwar verändert, aber
sein Arbeitsplatz wurde nicht neu eingestuft, und auch sein Lohn
und seine Stellung im Betrieb sind noch immer die gleichen.
Was aber, wenn er pensioniert wird? Wird sein Nachfolger noch
über die gleichen handwerklichen Fähigkeiten verfügen - wird er sie
überhaupt noch brauchen? Mit größter Wahrscheinlichkeit wird sein
Nachfolger Angehöriger der neuen Klasse der "angelernten Ingenieure"
sein.
In dem großen Wichita-Werk der "Boeing Airplane Company" arbeiten
Dutzende Arbeitnehmer nebeneinander, um Produktionsprogramme auf Lochstreifen für die Batterien von Werkzeugmaschinen zusammenzustellen,
die nach dem numerischen Kontrollsystem arbeiten. Diese Arbeit setzt
keine Kenntnisse der höheren Mathematik voraus; in der Regel ist das
auf den höheren Schulen vermittelte mathematische Wissen ausreichend.
Dennoch müssen diese Programmierer die technischen Eigenheiten der
verschiedenen Typen dieser Werkzeugmaschinen genau kennen oder kennenlernen.
In diesem Werk hat man die Erfahrung gemacht, daß Maschinenwarte
mit einer Oberschulbildung zu guten Programmierern ausgebildet werden
können. Aber auch College-Absolventen sind hier unter den Programmierern
vertreten. Arbeitnehmer mit "blauen" und "weißen" Kragen" arbeiten also
nebeneinander, und ihre Tätigkeiten unterscheiden sich nicht voneinander.
Nur die Art der Bezahlung - Stundenlohn gegenüber Monatsgehalt - zieht
noch den Trennstrich zwischen ihnen.
Der Professor für Soziologie der Columbia-Universität Daniel Bell
ist der Ansicht, daß in dem Maße, wie durch die automatischen Verfahren
die Zahl der für die Produktion erforderlichen Arbeitskräfte zurückgeht, eine neue Gruppe der Gehaltsempfänger an die Stelle der Lohnempfänger rücken wird. Ein Meister in einem Eöhrenwerk sagte: "Als
Schlüsselkräfte in unserem halbautomatischen Werk sind meine Männer
tatsächlich Techniker - nicht mehr Arbeiter im alten Sinne'i"
Und jetzt beginnen die alten Unterscheidungsmerkmale bei Löhnen
und Gehältern immer mehr zu verblassen. Die International Business
Machines Corporation zum Beispiel, die ihrerseits sehr viel zur Automatisierung der Industrie beigetragen hat, hat sämtliche Stundenlöhne
abgeschafft und alle Mitarbeiter auf die Gehaltslisten gesetzt.
Einige wenige Unternehmen sind inzwischen dem Beispiel der IBM
gefolgt, aber schon bald wird der Unterschied zwischen Lohn und Gehalt
nur noch von semantischer Bedeutung sein. Die Vereinigte Automobilarbeitergewerkschaft beispielsweise hatte bei den TarifVerhandlungen
des vergangenen Jahres die Zahlung von Gehältern statt Löhnen zum
Gegenstand der lohnpolitischen Forderungen gemacht. Dies veranlaßte
nicht wenige von den Führungskräften der Automobilindustrie zu der
Äußerungs"Die Automobilarbeiter erhalten ja praktisch jetzt schon
Gehälter."
Dieser

�Dieser Hinweis bezieht sich auf die Garantie für eine zusätzliche
Arbeitslosenunterstützung, die der entlassene A'utomobilarbeiter erhält und die ihm 75 Prozent seines bisherigen Wocheneinkommens im
Falle der Arbeitslosigkeit sichert. Wenn er Kurzarbeit leistet, so
bekommt er 65 Prozent seines Grundlohns für jede Stunde, die er innerhalb 40 Wochenstunden nicht gearbeitet hat.
"Tatsächlich", sagen die Leute der Industrie, "ist dies ein
Gehalt." Inwieweit dieser gewerkschaftliche Erfolg der harten Verhandlungsführung der Gewerkschaft zuzuschreiben ist und in welchem
Maße die Auswirkungen der Automation daran beteiligt sind, läßt sich
natürlich schwer sagen. Es dürfte aber allgemein feststehen, daß,
je mehr sich die Automobilindustrie der Vollautomatisierung nähert,
sie sich um so mehr auch dem Gehaltssystem nähert.
Die Verästelungen dieser Veränderungen reichen aber weit über
die bloßen Details von Tarifabkommen hinaus. Bereits jetzt gibt es
in einigen Gewerkschaften gewisse Auseinandersetzungen über die altbewährten Anciennitätsbestimmungen. Zahlreiche Ortsverbände haben
bereits beantragt, im Falle kurzfristiger Entlassungen diese Bestimmungen außer Kraft zu setzen. Nach ihrer Meinung sollten die älteren
Arbeitnehmer frei darüber entscheiden, ob sie die volle Arbeitszeit
bei vollen Bezügen ableisten oder aber lieber vorübergehend bei 75
Prozent ihrer bisherigen Bezüge ausscheiden wollen. Diese Arbeitnehmer
mit langer Dienstzeit, die meist Endfünfziger und Sechziger sind, würden,
wie die Jüngeren behaupten, wahrscheinlich die vorübergehende Entlassung
bevorzugen, da ihre Kinder erwachsen, ihre Ausgaben geringer sind und
sie die freie Zeit mehr zu schätzen wissen als ihre jüngeren Kollegen,
die auf den vollen, Verdienst angewiesen sind. Bisher allerdings hat
es in dieser Hinsicht noch keine Entschließungen gegeben, und wahrscheinlich wird es in den Ortsverbänden darüber noch ein stärkeres
Tauziehen geben.
Die Produktivität der neuen Produktionsausrüstungen der Industrie
ist heute praktisch als ein konstanter, in die Anlagen selbst von vornherein eingeplanter Faktor zu betrachten. Der Grund hierfür liegt darin,
daß ein Betriebsleiter es nicht gerne sieht, wenn das Bedienungspersonal
die Arbeitsgeschwindigkeit dieser Maschinen beeinflussen kann, weil jede
derartige Einflußnahme auf den Produktionsprozeß letztlich zu einer
verminderten Produktionsleistung führen muß. Der Schaltpultoperateur
in einem automatisierten Betrieb hat daher auch keine Möglichkeit, den
Produktionsablauf von sich aus zu beschleunigen.
Dennoch ist es gerade wegen der Kosten, des Leistungsvermögens
und der Kompliziertheit der automatisierten Produktionssysteme, daß man
heute weitaus mehr Gewicht auf die sorgfältige Wartung und eine schnelle
Reparatur der neuen Ausrüstungen legt als je zuvor. Wenn die Anschaffungskosten für ein automatisiertes Produktionssystem schon mehrere Millionen
Dollar betragen, so bringt jede unvorhergesehene Minute des Stillstands
der Anlage dem Produzenten unwahrscheinlich hohe Kosten. Um die volle
Leistung aus einer automatisierten Maschinengruppe herausholen zu können,
bedarf es eines hohen Verantwortungsgefühls sowohl des Wartungs- als
auch eres Bedienungspersonals.

In

�In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, wie und in welcher Weise das alte Lohnanreizsystem den neuen industriellen Methoden angepaßt werden kann. Einige Industrieberater sind dabei der
Absicht, daß es hierauf überhaupt keine Antwort gibt. Einer von
ihnen sagte es offen heraus: "Die Automatisierung macht es unmöglich,
die Produktionsleistung eines einzelnen Arbeitnehmers zu ermitteln und aus diesem Grunde ist eben auch ein Lohnanreizsystem nicht d«nkbar."
In automatisierten Betrieben Lohnanreizsysteme einzuführen ist
außerordentlich schwierig und kompliziert. Aus diesem Grunde haben
verschiedene Betrieb« sich in letzter Zeit wieder einmal näher mit
dem sogenannten Scanlon-Plan befaßt. Dieses Leistungslohnsystem wurde
bekanntlich in den 30er Jahren von dem Professor für Betriebsführung
am Massachusetts Institute of Technology Joseph Scanion in der amerikanischen Stahlindustrie eingeführt. Es zielt darauf ab, den Arbeitnehmern auf die folgende Weise einen Produktionsanreiz zu bieten: Die
Unternehmensführung ermittelt den Anteil der Arbeitskosten an den gesamten Produktionskosten; sinkt der prozentuale Anteil der Arbeitskosten
unter die Norm, so teilt das Unternehmen den hieraus resultierenden
Gewinn gleichmäßig zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgeber auf. Hierdurch
wird der Schwerpunkt auf die Zusammenarbeit zwischen Gewerkschaften
und Management gelegt, und gleichzeitig wird den Mitarbeitern eine Möglichkeit gegeben, bei der Lösung der Produktionsprobleme mitzuhelfen.
Nach Ansicht der derzeitigen Befürworter eines solchen Planes liegt
sein größter Vorteil darin, daß er sowohl den Arbeitern als auch den
Angestellten ein gemeinsames Anreizsystem bietet und dadurch ein weiteres Unterscheidungsmerkmal zwischen diesen beiden Arbeitnehmergruppen
verwischt.
"In dem Maße, wie die Industrie automatisiert", so erklärte ein
Betriebswirt, "wird sich auch das Bonussystem für die Mitarbeiter mehr
und mehr dem der leitenden Mitarbeiter anpassen."
Es hat also ganz den Anschein, als ob die Arbeiter, an solchen
Vorrechten ständig mehr und mehr teilhaben, Vorrechten, die bisher
nur der Betriebsführung und den Angestellten eingeräumt wurden.
Diese Entwicklung hat natürlich schon vor einigen Jahrzehnten
eingesetzt, und zwar in den 30er Jahren, als die Arbeiter in den Vereinigten Staaten nach und nach in den Genuß eines bezahlten Urlaubs,
von Krankenversicherungsleistungen und Pensionen gelangten. Jetzt aber
erzwingt die Automation einen neuen Einbruch der "blue collar workers"
in die Domäne der Angestellten.
Auch auf die Struktur der Gewerkschaften wird die Automatisierung
einen starken Einfluß ausüben. Sie wird zu einer Schrumpfung der Mitgliederzahlen führen, und wenn der derzeitige Trend andauert, werden
die Gewerkschaften von morgen zahlenmäßig kleiner sein (wenngleich sich
ihre Mitgliedschaft aus höherbezahlten - und in einigen Fällen auch
höherqualifizierten - Mitgliedern zusammensetzen dürfte).
Der Rückgang in der Zahl der Gewerkschaftsmitglieder ist bereits
sehr groß gewesen. Die Automobilarbeitergewerkschaft z.B. erreichte
im Jahre 1953 ihren Mitgliederhöchststand mit 1,4 Millionen. Heute dagegen sind es nur noch rund eine Million. Die Zahl der Mitglieder der

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5 -

�der Vereinigten Stahlarbeitergewerkschaft ging von rund einer Million
im Jahre 1953 auf 843 000 im vergangenen Jahr zurück. Die Maschinistengewerkschaft rutschte mit ihrer Mitgliederzahl sogar von 992 000 im
Jahre 1959 a uf gegenwärtig 646 000 ab.
Diese starken Mitgliederrückgänge haben innerhalb der AFL-CIO zu
Meinungsverschiedenheiten hinsichtlich der grundsätzlichen Frage geführt, welche Haltung die Arbeitnehmerverbände gegenüber der Automatisierung einnehmen sollen. Ob sie darum kämpfen sollen, die vorhandene Arbeit unter ihren Mitgliedern aufzuteilen, oder aber sich für
höhere Löhne und Lohnnebenleistungen für eine geringere Anzahl Mitglieder einsetzen sollen.
Die Vereinigte Bergarbeitergewerkschaft dürfte der Prototyp für
zahlreiche andere Gewerkschaften im Automationszeitalter sein. Die UMWGewerkschaft ging mit der Automation, und das Ergebnis ist sehr eindrucksvoll gewesen. Zwar ging die Zahl ihrer Mitglieder zwischen 1948
und 1961 von 400 000 auf 125 000 zurück, aber die United Mine Workers
sind auch heute noch eine mächtige Gewerkschaft. Die Schichtlöhne
ihrer Mitglieder kletterten von 14 Dollar im Jahre 1948 auf 24 Dollar
heute; und 40 Cent je Tonne geförderte Kohle werden von den Unternehmen
an den bedeutendsten Wohlfahrtsfond der USA, den der UMW-Gewerkschaft,
abgeführt. Das Reinvermögen der Gewerkschaft ist mit 110,3 Millionen
Dollar fast ebenso groß wie das der Automobilarbeiter-, der Stahlarbeiter- und der Maschinisten-Gewerkschaft zusammen. Zwar gibt es in
den Kohlenrevieren eine Arbeitslosigkeit, aber die Gewerkschaftsführung
ist der Ansicht, daß ihre Einstellung gegenüber der Automatisierung
die einzig richtige ist.
Natürlich dürfte es für die Gewerkschaften auch noch einen anderen
Weg geben. In dem Maße, wie durch die Automation die weißen und blauen
"Kragen"-Farben miteinander veimischt werden, könnten sich einige Gewerkschaften verstärkt darum bemühen, durch Organisationskampagnen zur
Gewinnung der Angestellten ihre gewerkschaftliche Macht zu erhalten.
Und die Gruppe der "white collar workers" dürfte für derartige Bemühungen sogar noch empfänglich sein, denn mit der fortschreitenden Automatisierung der Büroarbeit sehen sich viele dieser Arbeitnehmer vor die
gleichen Probleme gestellt - Entlassung und Unsicherheit -, die die
"blue collar workers" bereits kennengelernt haben. Auch hier wieder
beginnen die Unterschiede sich zu verwischen.
Der Walzmeister der Stahlindustrie thront jetzt in einer klimatisierten Kabine, wo sein Vorgänger noch an den heißen Stahlbändern
schmorte. Der Schaltpultoperateur der automatisierten Produktionsanlagen in den Textilfärbereien sitzt heute in einem büroähnlichen Raum,
während er noch bis vor kurzem im Schweiße seines Angesichts zwischen
den dampfenden Farbwannen tätig war. Immer mehr werden die alten
Trennungslinien zwischen Büro und Betrieb verwischt. Der weiße Laborkittel, mehr noch als die verwaschenen blauen und weißen "Kragen" von
heute, dürfte das Symbol der Arbeitnehmerschaft von morgen sein.
Gekürzt aus "Dun's Review and Modern Industry" (Januar 1962).

* * # * *

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6

�Feststellung der Beschäftigten- und Arbeitslosenzahl in den USA
Vergleiche der Arbeitslosenziffern und der Prozentanteile der
Arbeitslosen an der Gesamtzahl der arbeitsfähigen Bevölkerung zwischen den Vereinigten Staaten und europäischen Ländern geben vielfach
ein schiefes Bild, weil man auf beiden Seiten des Atlantiks oftmals
mit ein und demselben Wort zw«i recht verschiedene Sachverhalte umschreibt. Die Schwierigkeiten beginnen mit der "Zählung" und erstrecken sich bis zu der Definition von Begriffen wie "Arbeitspotential"
und der Antwort auf die Frage, wer überhaupt als arbeitslos anzusehen
ist.
Die Arbeitsstatistik der USA wird nicht wie in Europa auf Grund
amtlicher Unterlagen über die Zahl der Beschäftigten und der Arbeitsuchenden und Arbeitslosenunterstützungsempfänger aufgestellt, sondern
aus den Ergebnissen einer Repräsentativumfrage bei 35 000 privaten
Haushaltungen abgeleitet. Wir haben es somit nicht mit einer Zählung
im eigentlichen Sinne, sondern mit errechneten Zahlenwerten zu tun.
Die Umfrage wird im Auftrag des US-Arbeitsministeriums vom Statistischen
Bundesamt monatlich jeweils in der Woche vorgenommen, in die der zwölfte
Tag des Monats fällt. Sie gibt angesichts der sorgfältigen Auswahl der
zu befragenden Haushaltungen nach den Erfahrungswerten der Demoskopie
ein durchaus zutreffendes Bild vom Beschäftigungsstatus sämtlicher Personen im Alter von 14 Jahren und darüber zum Zeitpunkt der Befragung,
die zusammen unter Ausklammerung der Erwerbsunfähigen und der wegen
Erreichung der Altersgrenze ausgeschiedenen Kräfte das "Arbeitspotential" bilden. Dieser Begriff wird in Übersetzungen gewöhnlich als
"Gesamtzahl der Beschäftigten und Arbeitslosen" umschrieben.
Als Beschäftigte gelten alle Personen, die während der Befragungswoche mindestens eine Stunde gegen Lohn oder Gehalt im eigenen gewerblichen oder landwirtschaftlichen Betrieb oder als unbezahlte Kraft
mehr als 15 Stunden in einem gewerblichen oder landwirtschaftlichen
Betrieb tätig waren, der von einem Familienangehörigen geleitet wird.
Als Beschäftigter wird ferner angesehen, wer nicht arbeitet, aber einen
festen Arbeitsplatz hat bzw. einen eigenen Betrieb führt und nur
vorübergehend wegen Krankheit, Wetterverhältnissen, Urlaubs, Arbeitgeber-Arbeitnehmerstreitigkeiten oder aus anderen Gründen frei genommen hat, unabhängig davon, ob er für die Zeit der Untätigkeit bezahlt wird oder nicht.
Der wichtigste Unterschied zwischen der amerikanischen und der
europäischen Arbeitsstatistik besteht wohl in der in den USA üblichen
Hinzurechnung der Selbständigen und der unentgeltlich im Familienbetrieb mitarbeitenden Familienangehörigen zum "Arbeitspotential";
sie werden als "Beschäftigte", und,falls sie auf Arbeitssuche sind,,
als "Arbeitslose" geführt.
Als. Arbeitslose gelten in der US-Arbeitsstatistik alle Personen,
die in der Befragungswoche überhaupt nicht gearbeitet haben und auf
Arbeitssuche waren, unabhängig davon, ob Anspruch auf Leistung aus der
Arbeitslosenversicherung besteht oder nicht. Wer lediglich von sich
behauptet, er wünsche Arbeit und werde einen ihm angetragenen Arbeitsplatz unter dieser oder jener Bedingung annehmen, wird dagegen nicht

- 7 -

�nicht als arbeitslos gewertet. Als arbeitslos gilt ferner, wer in
der Befragungswoche beschäftigungslos ist und normalerweise auf
Arbeitssuche wäre, würde er nicht a) als nur vorübergehend Entlassener darauf warten, an seinen früheren Arbeitsplatz zurückgeholt zu
werden; b) eine feste Zusage in Händen haben, innerhalb der nächsten
30 Tage einen festen Arbeitsplatz zu bekommen; oder c) vorübergehend
krank feiern bzw. mit Sicherheit damit rechnen müssen, in seinem
Beruf oder an seinem Wohnort und in dessen näherer Umgebung keine
Arbeit zu finden. Nicht als arbeitslos werden dagegen beschäftigungslose Personen betrachtet, die zu alt oder zu jung zur Arbeit sind
oder nach ihren Angaben so schwer körperbehindert sind, daß sie
keine Arbeit annehmen können; sie werden selbstverständlich auch bei
der Errechnung des "Arbeitspotentials" nicht berücksichtigt.
Im letzten Jahrzehnt erreichte die Arbeitslosigkeit in den USA
zur Zeit des Koreakrieges mit 3 Prozent ihren tiefsten Stand. Hierin
spiegelt sich sowohl die rasche Verstärkung der US-Streitkräfte um
rund 2 Millionen Mann als auch die 1953 erfolgte Ausweitung der
Verteidigungsausgaben auf 50 Milliarden Dollar - das Dreifache des
Betrags von 1950 - wider. Diese Faktoren führten zusammen zu einer
Überbeschäftigung. Andere Zeiten mit sehr hohem Beschäftigungsstand
waren die Jahre 1947-48' und 1955-57» a ls die Arbeitslosenziffer
bis auf rund 4 Prozent absank, jenen Prozentsatz, den die Regierung
Kennedy gegenwärtig als vernehmlichstes Nahziel ihrer Wirtschaftspolitik ansieht. Am Rande sei vermerkt, daß^ein Absinken der Arbeitslosigkeit auf weniger als 1,5 Prozent nur in Zeiten eines
sehr engen Arbeitsmarktes und der damit verbundenen allgemeinen Verknappung an Arbeitskräften auftritt.

(Eigenbericht)

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8

�John W. Livingston, Direktor der Organisationsabteilung der AFL-CIO:
Die Gewerkschaften und die Angestellten
Der relativ geringe Erfolg der amerikanischen Gewerkschaften
bei der Organisierung der sogenannten "white collar workers" - derjenigen Arbeitnehmer, die weder direkt mit dem Produktionsprozeß
zu tun haben, noch Angehörige der industriellen Fachberufe sind ist bislang eines der Hauptprobleme der amerikanischen Gewerkschaften gewesen.
Zu dieser '"»hite collar workerv-'-Gruppe gehören in erster Linie
die Angestellten im Einzelhandel; die verschiedenen Bürofachkräfte;
die sogenannten "Techniker", eine Berufsbezeichnung, die sich in
den Vereinigten Staaten auf jene Gruppe von Arbeitnehmern bezieht,
die eine gehobene, jedoch unter der Universitätaebene liegende
berufliche Ausbildung aufzuweisen haben;, sowie jene Kräfte schließlich, die als "Professionals ("Studierte") bezeichnet werden und als
Lehrer, Volkswirtschaftler, Ingenieure, usw. ein Studium absolviert
haben.
Natürlich gibt es auch heute schon unter den Angestelltenberufen
einige wenige, die als Schwerpunkte der gewerkschaftlichen Organisation gelten. Bei den Nachrichtendiensten und Zeitungen z.B. sind
durchweg alle Angestellten, Reporter, Redakteure, Anzeigenfachleute
sowie alle jene gewerkschaftlich organisiert und Mitglieder der
"American Newspaper Guild", die nicht leitende Funktionen innehaben.
Das gleiche trifft für den Theater- und Unterhaltungssektor zu. Auch
hier sind die Gagen und Arbeitsbedingungen der Bühnen-, Film-,
Fernseh- und Radiokünstler (Sprache und Musik) größtenteils tarifvertraglich festgelegt.
Aber diese beiden sowie einige andere Beispiele sind nur die
Ausnahmen, die die Regel bestätigen; die überwiegende Mehrheit der
gewerkschaftlich nicht organisierten Arbeitnehmer ist immer noch
in den nichtindustriellen Zweigen der Wirtschaft konzentriert.
Für die amerikanischen Gewerkschaften war es daher besonders
ermutigend, als sich zum Jahresende 1961 mehr als 40 000 New Yorker
Lehrer mit überwältigender Mehrheit für eine Vertretung durch die
Lehrergewerkschaft der "AFL-CIO" aussprachen. Dies war der bei
weitem größte gewerkschaftliche Erfolg bei einer Angestelltengruppe
und in der Tat wohl der überwältigendste Sieg dieser Art, den die
amerikanischen Gewerkschaften auf diesem Sektor je errungen haben.
Deutet dieser Erfolg nun auf einen sich anbahnenden Einbruch
der Gewerkschaften auf dem Angestelltensektor hin? Wir möchten es
glauben. Mit Bestimmtheit wissen wir, daß die wissenschaftlichen
Fortschritte und die technischen Veränderungen unweigerlich zu einer
Erhöhung des Anteils der Angestellten an der Gesamtzahl der Arbeitskräfte führen werden. Schon heute beträgt der Anteil der sogenannten
"blue collar"-Arbeitsplätze weniger als die Hälfte der Gesamtarbeitsplätze, und dieser Anteil wird ständig weiter absinken. Es ist daher
klar, daß die Erfassung der allgemein als "white collar workers"
bezeichneten Arbeitnehmer eine Frage von Leben oder Tod für die
Gewerkschaften ist.
_.

�I

Ich bin zu vorsichtig, mit aller Bestimmtheit behaupten zu wollen,
daß der Sieg der New Yorker Lehrer notwendigerweise für die Zukunft
sehr bedeutungsvoll sein wird. Es handelt sich hier um eine Gruppe
in einer Stadt, deren Administration seit je liberal war. Zum anderen
stand hier eine starke, gut funktionierende Gewerkschaftsbewegung hinter
der Organisationskampagne.
Dennoch war die New Yorker Abstimmung insofern von größter Bedeutung, als sie eindeutig den Beweis erbrachte, daß diese Arbeitnehmergruppen bei einer Abstimmung für eine gewerkschaftliche Vertretung
stimmen und notfalls sogar das Mittel des Streiks dafür einsetzen
würden. Die Abstimmung selbst war nämlich das Ergebnis eines kurzen
Streiks der New Yorker Lehrer. In dieser Hinsicht kann sie als ein
Durchbruch bezeichnet werden; sie beweist ganz eindeutig, daß die
Organisierung der Angestellten nicht unmöglich ist.
Auf alle Fälle jedoch werden wir unsere Anstrengungen verstärken
und das, was wir bei der Abstimmung in New York gelernt haben, für
andere Organisationskampagnen nutzbringend einsetzen. Das Ergebnis
der Abstimmung selbst dürfte dabei auf andere Lehrergruppen großen Einfluß haben.
Allerdings muß in diesem Zusammenhang darauf hingewiesen werden,
daß die Arbeitsverhältnisse der meisten Akademiker und Angestellten
sehr verschiedenartig sind. Sie sind in Privatunternehmen und nicht bei
Regierungsbehörden tätig. Nicht nur durch ihre Arbeitgeber, sondern
auch durch ihre soziale Stellung wird ihnen immer wieder vor Augen
geführt, daß sie sich als etwas Besseres als die Gewerkschaftsmitglieder zu betrachten haben. Diese Einstellung ist vielfach bei jenen
am stärksten ausgeprägt, die ihrem Arbeitnehmerstatus nach den Lohnempfängern am nächsten stehen.
Dies alles sind wirkliche Hindernisse, wenngleich sie vielen als
läppisch erscheinen mögen. In unseren Bemühungen zur Erfassung der
Angestellten ist es daher auch nicht unsere vordringlichste Aufgabe,
auf die aus der Zugehörigkeit zur Gewerkschaft sich ergebenden Vorteile auf dem Gebiet der Einkommen, Arbeitsbedingungen und der Sicherheit des Arbeitsplatzes hinzuweisen, sondern die betreffenden Kreise
davon zu überzeugen, daß die Mitgliedschaft in einer Arbeitnehmerorganisation kein soziales Stigma ist und sich durchaus mit dem vereinbaren
läßt, was sie als ihre Lebensstellung ansehen.
In dieser Hinsicht sollte sich die New Yorker Abstimmung von
großem Nutzen erweisen, denn es ist für eine Stenotypistin weitaus
schwieriger, auf eine Gewerkschaft von oben herabzusehen, wenn sich die
Lehrer bereits zur Gewerkschaft bekannt haben.
Schließlich möchte ich noch in einer Hinsicht an die Stelle der
Zurückhaltung einen vorsichtigen Optimismus setzen. Das Ergebnis von
New York hat meine wachsende Überzeugung gestärkt, daß die feindselige
Einstellung der Angestellten und Akademiker gegenüber den gewerkschaftlichen Organisationen im Schwinden begriffen ist. Allein durch das
bloße Gewicht der Erfahrung werden alle jene Vorurteile fortgeschwemmt,
die dem Selbstinteresse all jener entgegenstehen, die sich bisher an

-

10

�an sie geklammert haben. Immer mehr setzt sich die Erkenntnis durch,
daß Gewerkschaften nicht nur notwendige Einrichtungen für die Ungebildeten und Ungelernten sind, sondern auch ebenso nützlich für
Piloten, Schiffsoffiziere, Filmstars und Schriftsteller sein können.
Ich bin der Überzeugung, daß wir in der "AFL-CIO" dazu beitragen
können, diesen Prozeß zu beschleunigen und die Vorteile der Mitgliedschaft in einer Gewerkschaft auf alle Gebiete auszudehnen, auf denen
sie den Interessen der amerikanischen Arbeitnehmer dienen können.

(Quelle: Eigenbericht)

*

* * *

*

Gewerkschaftliche Kurznachrichten
Audio-Visuelle "Anlernmaschinen"
Wenn auch die automatisierten Produktionsmaschinen immer mehr
Tätigkeiten übernommen haben, die sonst speziell mit der Hand ausgeführt werden, so gibt es doch in verschiedenen Industriezweigen
noch zahlreiche Betriebe, wo die handwerklichen Fähigkeiten des
Arbeitnehmers im Produktionsprozeß von ausschlaggebender Bedeutung
sind. In erster Linie handelt es sich hier um solche Tätigkeiten
und Arbeitsabläufe, die ein großes "Fingerspitzengefühl" und ein
gewisses Mitdenken erfordern, da sie meist aus mehreren Teilabläufen
bestehen.
Eine besondere Schwierigkeit für Unternehmen mit vielen derartigen Arbeitsplätzen besteht heute allgemein darin, die Arbeitnehmer
auf diese Produktionsabläufe und die dabei auszuführenden Tätigkeiten
vorzubereiten, ohne daß viel Zeit und Material (Ausschuß) verlorengeht. Die bisher allgemein üblichen mündlichen und schriftlichen Einweisungsverfahren sind hier insofern nicht immer geeignet, /als sich
das Ablaufschema dem Arbeitnehmer nur sehr langsam einprägt und häufig
Fehlleistungen die Folge sind.
Um diesem Mangel abzuhelfen und den Arbeitern das Ablaufschema
schneller und wirksamer einzuprägen, ist jetzt die "Hughes Aircraft
Company" dazu übergegangen, audio-visuelle "Lehrmaschinen" einzusetzen.
Diese wie Kofferfernsehempfänger aussehenden und wie ein Tonbandgerät
zu bedienenden Apparate vermitteln dabei den Arbeitnehmern durch Bild
und Ton den gesamten Arbeitsvorgang in Einzelphasen. Durch einen Druck
auf den Einstellknopf erscheint auf dem Bildschirm das gleiche Werkstück, das der Arbeiter vor sich hat, während gleichzeitig ein Tonband
mit erklärendem Kommentar abläuft. An Hand seines Werkstückes kann der
Arbeiter jetzt die vorgeschriebenen Tätigkeiten den Anweisungen entsprechend ausführen oder, wenn er die Erklärungen nicht verstanden
hat, das Gerät abstoppen, das Band zurücklaufen lassen und die

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-

�die betreffende Stelle noch einmal abspielen - so lange, bis ihm
die auszuführenden Tätigkeiten 100prozentig klargeworden sind. Dem
Einweisungstext entsprechend, wechseln die Bilder (Dias) auf dem
Schirm von Phase zu Phase.
Nach Angaben des Personalchefs des Unternehmens soll sich
dieses System bisher sehr gut bewährt haben. Die Einarbeitungszeit
für neue Arbeitnehmer konnte ganz erheblich herabgesetzt, die Arbeitsproduktivität beträchtlich gesteigert werden, wobei es gleichzeitig
gelang, die Produktionskosten - bei verbesserter Qualität der Erzeugnisse - erheblich zu senken. Auch von den Gewerkschaften wurden diese
neuartigen "Anlernmaschinen" als ein großer Fortschritt bei der Ausbildung neuer Arbeitskräfte bezeichnet.

(Quelle: Eigenbericht)
* * * * *

Die Schulbank im Betrieb
Betriebliche SchulungsProgramme haben sich während der letzten
zwei Jahrzehnte in den Vereinigten Staaten in solchem Maße ausgeweitet, daß sie heute als wichtiger Bestandteil des amerikanischen Erziehungswesens gelten.
Wandlungen in den Produktionsmethoden, Automation und Nutzbarmachung neuer Energiequellen haben die Unternehmensleitungen dazu
gezwungen, für ihre Belegschaftsmitglieder Sonderfortbildungskurse,
die über den Lehrstoff technischer Fach- und Hochschulen hinausführen,
einzurichten.
Heute bieten die meisten amerikanischen Großfirmen ihren Angestellten Bildungsprogramme, die auf Sonderaufgaben vorbereiten oder
Gelegenheit zu persönlicher Weiterbildung geben. In einigen Fällen
stehen dazu firmeneigene technische Institute zur Verfügung; in
anderen werden Belegschaftsmitgliedern Ausbildungsbeihilfen für
berufsfördernde Lehrgänge an Fachschulen gewährt. Häufiger jedoch
liegen solche Programme in den Händen der Betriebsausbildungsabteilungen, die sie als innerbetriebliche Schulung in Unterrichtsräumen
oder am Arbeitsplatz selbst durchführen.
Programme einzelner Firmen
Vielfältige Programme, von den Ausbildungs- und Personalabteilungen der "Eastman Kodak Company" veranstaltet, laufen in den acht
Werken der Gesellschaft in Rochester (New York), Kinsport (Tennessee),
Longview (Texas) und Peabody (Massachusetts). Sie sind darauf ausgerichtet, in zwangloser Form Angestellte in ihrem Bestreben nach
Selbstentfaltung im Rahmen ihrer täglichen Arbeit zu unterstützen.
Die Betonung liegt dabei auf der eigenen Leistung und der täglichen
Arbeit. James S. Bruce, Ausbildungsdirektor der "Eastman Kodak

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�Kodak Company", erläuterte hierzu: "Ausbildung ist nach unserer
Ansicht am wirkungsvollsten, wenn sie in enger Verbindung mit dem
Arbeitsplatz vorgenommen wird. Jeder einzelne ist für seine Ausbildung
verantwortlich. Letztlich ist jede Entwicklung Selbstentwicklung."
Zahlreiche Lehrgänge sehen im Zusammenhang mit besonderen Ausbildungszielen auch Klassenunterricht vor. Ein willkürlich herausgegriffener Tagesplan zeigt beispielsweise einen Kurs in MatrizenAlgebra an, einen J2stündigen Lehrgang, zu dem sich Wissenschaftler
der angewandten Forschung einmal wöchentlich in den Kodak-Park-Werken
für Film-aimd Fotopapierherstellung in Rochester zusammenfinden. Gleichzeitig treffen sich Mitarbeiter der Abteilung Apparatebau und Optik
zu der ersten von vier Unterrichtsstunden der Arbeitsgemeinschaft
"Wirkungsvoller Stil" . Nur acht Teilnehmer sind zu diesem Kurs zugelassen, der zu Klarheit und Einfachheit im Aufsatzstil hinführt.
Eine Betriebsausbildungsabteilung koordiniert sämtliche Schulungsprogramme der "Eastman Kodak Company". Sie stellt den Zweigwerken
Lehrpersonal und Anschauungsmaterial zur Verfügung.
Gezielte Programme
Auch die "Republic Steel Company" hat ihre Bildungsarbeit auf die
speziellen Bedingungen ihres Unternehmens zugeschnitten. Ihre Programme
zielen auf eine Höherqualifizierung ihrer Arbeiter ab, die mit den
verwickelten Bedienungs- und Wartungsproblemen moderner automatisierter Werkseinrichtungen vertraut gemacht werden. Die Lehrgänge finden
jedoch außerhalb der Werke im "Human Engineering Institute" bei Warren
im Bundesstaat Ohio statt. Das Institut ist eine unabhängige, gemeinnützige Einrichtung, zu deren Aufbau die "Republic Steel Company",
jetzt ihr größter "Kunde", den wesentlichsten Beitrag geleistet hat.
Es ist in der Lage, eine Vielzahl von betrieblichen Fortbildungsprogrammen durchzuführen.
Einen weiteren Weg zur betrieblichen Schulung stellt der Ausbildungsbeihilfenplan der Firma "Chas. Pfizer and Company", eines
bedeutenden amerikanischen Arzneimittelherstellers, dar. In seinem Rahmen erhalten Angestellte, die berufsfördernde Kurse an anerkannten
Colleges und Universitäten belegen, Studiengelder bis zu einer Höhe
von 300 Dollar jährlich und Laboratoriums gebühren bis zu 40 Dollar
von der Firma ersetzt. Seit 1957, dem Beginn dieses Planes, wurden
fast 100 000 Dollar an rund 700 Mitarbeiter ausgezahlt. Gegenwärtig
nehmen über 200 Angestellte Ausbildungsbeihilfen dieser Art in Anspruch.
Die beschriebenen Beispiele sind typisch für die Bildungsprogramme,
die von vielen amerikanischen Industrieunternehmen heute geboten werden.
Es gibt zahlreiche Varianten, je nach den besonderen Erfordernissen
der einzelnen Betriebe. Doch in ihrer Gesamtheit bilden sie einen
neuen Stein im Mosaik des amerikanischen Erziehungswesens.

(Quelle: Eigenbericht)
* • * * •

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�&gt;

Arbeitnehmereinkommen erneut angestiegen
Sowohl die Nettolöhne der amerikanischen Industriearbeiter als
auch die Kaufkraft ihrer Einkommen sind im März mit zunehmender
Länge der durchschnittlichen Arbeitswoche erneut angestiegen, wie
aus der jüngsten Übersicht des US-Arbeitsministeriums über die Entwicklung der Löhne und Einkommen hervorgeht.
Mit 85,00 Dollar für einen Arbeitnehmer mit drei Angehörigen
und 77»34 Dollar für einen Alleinstehenden lagen die durchschnittlichen Wocheneinkommen der amerikanischen Industriearbeiter nach Abzug der Steuern und anderer regelmäßiger Abgaben im März um 60 Cent
höher als im Vormonat und damit nur geringfügig unter dem im November
und Dezember 1961 erreichten Spitzenniveau.
Da die Lebenshaltungskosten zwischen Februar und Ende März nur
geringfügig anstiegen, konnten die industriellen Arbeitnehmer in diesem Zeitraum eine Reallohnerhöhung von 41 Cent realisieren.
Im Vergleich zum März 1961 lagen die durchschnittlichen Industriearbeiterlöhne um rund 5 Dollar höher. Dies stellt (mit Ausnahme von
1959) die größte Zunahme innerhalb von zwölf Monaten während der vergangenen zehn Jahre dar. Unter Berücksichtigung der gestiegenen
Lebenshaltungskosten in diesem Zeitraum (1,1 Prozent) erhöhte sich
somit das Realeinkommen des industriellen Arbeitnehmers in den USA
zwischen März 1 9&amp;1 und März 19^2 um 4 Dollar.

(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

Vermögen der ILGWU-Gewerkschaft
Das gesamte flüssige Vermögen der Gewerkschaft der Damenoberbekleidungsindustrie beläuft sich gegenwärtig nach Angaben des 1.
Vorsitzenden der Gewerkschaft, David Dubinsky, auf 76 674 952 Dollar.
In dieser Summe sind die Einlagen der Krankenversicherungs-, Pensionsund Wohlfahrtsfonds nicht enthalten. Sie umschließt lediglich die der
Zentralverwaltung, den Orts- und Regionalverbänden sowie den verschiedenen Sonderabteilungen der Gewerkschaft zur Verfügung stehenden Mittel.
Zu den anderen Vermögenswerten, über die die Gewerkschaft verfügt, gehören außerdem noch 36 024 64O Dollar, die den Sterbegeldfond für Mitglieder und den Pensionsfond für Angestellte der Gewerkschaft bilden. Weitere 311 738 473 Dollar sind nach dem letzten Finanzausweis der Gewerkschaft in den gemeinsam mit den Unternehmern verwalteten Pensions- und Entlassungsgeldfonds angelegt.
Wie von dem 1. Vorsitzenden der ILGWU weiter mitgeteilt wurde,
hat die Gewerkschaft allein in den vergangenen drei Jahren insgesamt
5,2 Millionen Dollar für philanthropische und gewerkschaftsfordernde

-

14

-

�/

gewerkschaftsfordernde Zwecke sowie für Beiträge an ausländische
Arbeitnehmerorganisationen ausgegeben. Damit erhöht sich die Gesamtsumme dieser Aufwendungen, die seit 1940 geleistet wurden, auf mehr
als 33 Millionen Dollar.
(Quelle: Eigenbericht)
* * * * *

ILGWU will 100 Millionen Dollar in Farmanleihen anlegen
Die ILGWU-Gewerkschaft will in den nächsten vier Jahren insgesamt
100 Millionen Dollar für Familienfarmen in den USA bereitstellen, wie
der 1. Vorsitzende der Gewerkschaft, David Dubinsky, und der US-Landwirtschaftsminister, Orville Freeman, auf einer Pressekonferenz in
Washington bekanntgaben.
Die 100 Millionen Dollar sollen nach den Worten Dubinskys in Farmanleihen angelegt werden, die von der amerikanischen Regierung verbürgt
und über die Farmers Home Administration (FHA) abgewickelt werden.
Die FHA vermittelt an amerikanische Farmer Kredite bis zu 15 000
Dollar, die sie für die Modernisierung ihrer Farmen benötigen, aber
auf dem Kapitalmarkt zu normalen Bedingungen nicht erhalten können.
Während die Farmer diese Kredite mit 5 Prozent zu verzinsen haben,
erhalten die Geldgeber von der FHA 4 1/2 Prozent an Zinsen. Die restlichen 0,5 Prozent werden für Prämienzahlungen für eine Risikoversicherung zugunsten des Investors verwendet.
Die Investitionsmittel der Gewerkschaft sollen aus den verschiedenen Pensions- und Wohlfahrtsfonds aufgebracht werden.

(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
TJSIS-Bonn/Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XV - 8/9

Bad Godesberg,August/September 1962
INHALTSVERZEICHNIS

Frauenarbeit und Haushalteinkommen (i)

Seite 1

Anwendungstechniker als Wegbereiter der
Vollautomatisierung

Seite 8

Die "Stadt-in-der-Stadt"

Seite 10

Vorbereitungskuse für angehende Pensionäre

Seite 11

Gewerkschaftliche Kurznachrichten

Seite 13

Margaret S. Carroll, Abteilung Preise und Lebenshaltungskosten im
US-Bundesamt für Arbeitsstatistik:
Frauenarbeit und Haushalteinkommen (i)
Aus früheren Untersuchungen über die Zusammensetzung des Heers
der Berufstätigen haben wir manches über die beruflichen Qualifikationen und die Einkommensverhältnisse verheirateter Frauen in Relation
zu denen der Gesamtzahl der Berufstätigen und Arbeitslosen und dem
beruflichen Status und Einkommen ihrer Ehemänner und sonstigen Familienangehörigen erfahren. Sie haben aber keine Aufschlüsse über die
Zusammenhänge zwischen beruflichem Status und Einkommen der arbeitende
Ehefrauen und den übrigen Familienverhältnissen erbracht. Sie waren
insbesondere nicht darauf gerichtet, die Zusammenhänge zwischen Haushalteinkommen und Haushaltkosten als einem Schlüssel zur Klärung der
Frage zu durchleuchten, inwieweit wirtschaftliche Notwendigkeiten die
verheirateten Frauen dazu zwingen können, sich eine Arbeit außerhalb
des eigenen Haushalts zu suchen.

Etwas

�Etwas Licht in diese Verhältnisse bringen die bisher unveröffentlichten Ergebnisse einer 1950 vom US-Bundesamt für Arbeitsstatistik (Bureau of Labor Statistics) durchgeführten Untersuchung
der Verbraucherausgaben und ein Vergleich der damaligen Einkommensverhältnisse mit den Richtwerten für die Haushaltkosten, wie sie sich
für Haushalte verschiedener Größe aus der 1950 durchgeführten Umfrage
zur Feststellung der Haushaltkosten städtischer Arbeiterfamilien ergeben. Die Daten aus dem Jahre 1950 lassen sich nicht mit den Ergebnissen der regelmäßigen allgemeinen Umfragen zur Feststellung des
Beschäftigtenstandes vergleichen, gestatten aber sehr wohl Vergleiche
mit den Ergebnissen der Verbraucherausgabenumfrage 196O-61, die gegenwärtig ausgewertet werden.
Arbeitseinkünfte verheirateter Frauen und Haushalteinkommen 1950
Von der Verbraucherausgabenumfrage 1950 wurden 12 489 städtische
Mehrpersonen- und Einzelhaushalte erfaßt, von denen 10 791 Familienhaushalte mit zwei und mehr Personen und 9421 Haushalte mit einem
oder mehreren Ehepaaren waren. Den befragten Haushalten gehörten 9507
verheiratete Frauen an, von denen 3077 zu irgendeinem Zeitpunkt im
Lauf des Jahres berufstätig waren. Die Umfrage läßt erkennen, daß 86
Prozent aller städtischen Verbraucherhaushalte aus Familien mit zwei
oder mehr Personen und 76 Prozent aus mindestens einem Ehepaar bestanden; zu 24 Prozent der Haushalte gehörte eine berufstätige Ehefrau.
In 32 Prozent der Familienhaushalte mit Ehepaar arbeiteten die Ehefrauen zu irgendeinem Zeitpunkt des Jahres, aber in nur 12 Prozent
das ganze Jahr über.
Das durchschnittliche Brutto-Jahreseinkommen der städtischen
Haushalte betrug für:
Sämtliche Haushalte

Dollar

Familien mit zwei und mehr
Personen
Familien mit berufstätiger
Ehefrau

11

4574

11

4773
5482
4327

...ganzjährig beschäftigt

11

...zeitweilig beschäftigt

11

Haushalte ohne berufstätige
Ehefrau

4240

"

4O67

Ohne den Beitrag der Ehefrau hätte das Durchschnittseinkommen
der Haushalte mit berufstätigen verheirateten Frauen unter dem Durchschnitt aller Haushalte gelegen. Mit den Einkünften der verheirateten
Frauen war es höher, um ein weniges bei einer nur zeitweiligen beträchtlich bei ganzjähriger Berufstätigkeit der Ehefrau, (siehe Tafel
i ) . Die Kluft zwischen den Einkommen der Haushalte mit berufstätigen
Ehefrauen ohne die Arbeitsentgelte letzterer und den Einkommen sämtlicher
Haushalte war je größer, je höher der Beschäftigungsstatus des Haushaltvorstandes war. So belief sich beispielsweise das Durchschnittseinkommen
der Haushalte von Selbständigen mit ganzjährig arbeitenden Ehefrauen

-

2

-

�Tafel

I

Durchschni ttsbruttoeinkommen aller Haushalte und der Haushalte mit
berufstätiger Ehefrau, nach dem Beschäft igungsmodus der Frau und dem
Beruf des Hau shaltvors tandes aufgegliedert (Stand 1950)
(in Dollar bzw . Prozent des Durchsc hnitts a!Ller Haushalte)
Beruf d .Haushaltvorstandes

Sämtl.
Haushai
tungen

Einkommen ohne
Arbeitsentgelt der
Ehefrau

Einkommen mit
Arbei tse:ntgelt der
Ehefrau

ganzjährig beschäftigte
Ehefrau

zeitweilig
beschäftigte
Ehefrau

ganzjährig beschäftigte
Ehefrau

zeitweilig beschäftigte
Ehefrau

4240
(100)

5599
(80)

5561
(84)

5482
(129)

4527
(102)

6045
(100)

4514
(71)

4552
(75)

6699
(111)

5458
(90)

4434
(100)

5524
(80)

5657
(82)

5796
(151)

4587
(99)

1)
Gelernte Arbeiter ' 4562
(100)

5624
(79)

5745
(82)

5689
(125)

4488
(98)

5924
(100)

5284
(84)

5500
(89)

5514
(135)

4265
(109)

2989
(100)

2512
(84)

2720
(91)

4201
(140)

5558
(112)

5972
(100)

3751
(65)

5794
(64)

5955
(99)

4684
(78)

1685
(72)

184Q
(78)

5712
(158)

2659
(113)

Sämtliche Berufe

Festangestellte
akadem.Fach- und
Führungskräfte
Büro- und Verkauf sänge st eilte

2)
Angel. Arbeiter '
Ungel. Arbeiter 5)
'
Selbständige

Nicht Erwerbstätige 2555
(100)
1)

einschl. Facharbeiter, Meister, Vorarbeiter u. dergl.

2)

einschl. Maschinenarbeiter u. dergl.

5)

einschl. Hausangestellte und Beschäftigte in Dienstleistungsberufen

-

5 -

�Ehefrauen unter Ausklammerung des Arbeitsentgelts letzterer auf nur
63 Prozent des relativ hohen Durchschnittseinkommens der Selbständigen-Haushalte, während die Vergleichsziffer für Haushalte ungelernter Arbeiter und Angehöriger des Dienstleistungspersonals bei
85 Prozent lag. Demzufolge waren die gesamten Einkünfte der Haushalte
mit berufstätigen Ehefrauen in Relation zu dem Durchschnittseinkommen
der Haushalte des entsprechenden Berufszweigs um so höher, je niedriger
der soziale und wirtschaftliche Status war. Bei den Selbständigen-Haushalten mit berufstätigen Ehefrauen brachte weder eine zeitweilige noch
eine ganzjährige Beschäftigung der Ehefrau das Haushalteinkommen auf
die Durchschnittshöhe aller Haushaltungen Selbständiger. Im Gegenea'ts
hierzu hatte die Familie eines durchschnittlich verdiendenden ungelernten Arbeiters mit berufstätiger Ehefrau ein Einkommen, das bei
ganzjähriger Beschäftigung um 40 Prozent und bei nur vorübergehender
Tätigkeit um 12 Prozent über dem für Haushalte ungelernter Arbeiter
ermittelten Gesamtdurchschnitt lag.
Der Beitrag der verheirateten berufstätigen Frauen zu dem Gesamteinkommen der Haushalte belief sich auf 27 Prozent. Ganzjährig beschäftigte Ehefrauen trugen durchschnittlich 38 Prozent, zeitweilig
arbeitende 18 Prozent bei (Tafel II). Der Anteil des Beitrags zum
Haushalteinkommen schwankte bei den ganzjährig beschäftigten Ehefrauen
je nach Beruf der Haushaltvorstände (unter Nichtansetzung der nicht
Erwerbstätigen) zwischen 36 und 40 Prozent und damit weit weniger
als die durchschnittlichen Haushalteinnahmen in den verschiedenen
Berufssparten. Auch gebietsweise und nach Ortsklassen ausgewiesen
schwankte der Anteil des Beitrags der berufstätigen Ehefrauen zum
Haushaltseinkommen nur zwischen 37 und 40 Prozent bzw. zwischen 37
und 38 Prozent, obwohl das durchschnittliche Haushalteinkommen die
regionalen und örtlichen Unterschiede hinsichtlich Einkommenshöhe
und Lohnniveau durchaus widerspiegelte.
In Zwei-Personen-Haushalten, in denen beide Eheleute das ganze
Jahr über beschäftigt waren, schwankte der Beitrag der Frau zum
Haushalteinkommen zwischen 43 Prozent (wenn der Mann weniger als
2000 Dollar pro Jahr verdiente) und 34 Prozent (wenn er 5000 Dollar
und mehr verdiente). Bei größeren Haushalten verringert sich mit
der Hinzurechnung anderer verdienender Familienangehöriger der prozentuale Beitrag der berufstätigen Ehefrau. Bei den Zwei-PersonenHaushalten belief sich der Beitrag der Ehefrau auf rund 42 Prozent,
bei größeren Haushalten mit weiteren erwachsenen Angehörigen betrug
er nur 31 Prozent und bei Familien mit mindestens einem Kind über 18
Jahren 32 Prozent.
Obwohl die Beschäftigungsdauer der zeitweilig berufstätigen verheirateten Frauen zwischen wenigen Stunden und 47 Wochen im Jahr
schwanken kann, hielt sich ihr Anteil am Haushalteinkommen, nach dem
Beruf des Mannes, gebietsweise und ortsklassenmäßig aufgeschlüsselt,
ebenso stabil wie der Beitrag der ganzjährig (also mehr als 47 Wochen)
arbeitenden Ehefrauen. Der Beitrag der nur zeitweilig beschäftigten
Ehefrauen wies, nach der Zusammensetzung der Haushalte klassifiziert,
größere Schwankungen auf. Hier kommen nicht nur andere Haushaltangehörige

�Tafel II
Durchschnittliche Arbeitsentgelte berufstätiger Ehefrauen und deren
Anteil am Haushalteinkommen« nach dem Beschäftigungsmodus der Ehefrau
und der Haushaltzu3ammensetzung aufgeschlüsselt (stand 1950)

Beruf des Haushaltvorstandes bzw.
HaushaltZusammensetzung

Ganzjährig beschäftigte
Ehefrau
Durchschnittsverdienst
Dollar

Sämtliche

Prozent des
Haushalteinkommens

Zeitweilig beschäftigte
Ehefrau
DurchSchnittsverdienst
Dollar

Prozent des
Haushalteinkommens

208J

38

766

18

2385

36

906

17

Beruf des Haushaltvorstandes
Pestangestellte akadem.
Fach- und Führungskräfte
Büro- und Verkaufsangestellte
Gelernte Arbeiter 1')

2272

59

745

17

2065

36

745

17

2)
Angel. Arbeiter '

2030

58

765

18

Ungel. Arbeiter '

1689

40

658

19

Selbständige

2184

57

890

19

Nicht Erwerbstätige

2027

55

81 9

31

2152

42

888

23

2274

57

844

20

18 Jahre und
darüber

2005

52

847

16

16 bis 17 Jahre

1867

55

782

18

6 bis 15 Jahre

1957

57

716

16

2071

40

555

14

Haushaltart
Haushalt ohne Kinder
mit
Ehepaar
Ehepaar u.a.
Erwachsenen
Haushalt mit Kindern,
davon das älteste

.4)
unter 6 Jahren*
Haushalt mit Kindern
unter 18 u.a.
Erwachsenen

1869

15
755
51
(Anm. 1 - 3 wie bei Tafel i) 4) weniger als 50 Haushalte von der Befragung
erfaßt,
- 5 -

�Haushaltangehörige als Verdiener hinzu, die jährliche Beschäftigungsdauer wird auch durch steigende Verpflichtungen im Haushalt einger
schränkt. Die zeitweilig beschäftigten Mütter von Kindern im Vorschulalter trugen beispielsweise nur 14 Prozent zum Haushalteinkommen bei,
obwohl in diesen Haushalten lediglich Vater und Mutter als Verdiener
in Frage kamen. Die zeitweilig beschäftigten Ehefrauen aus Zwei-Personen-Haushalten trugen dagegen im Durchschnitt mit 23 Prozent zum
Haushalteinkommen bei.
Um die Gründe für die mehr oder weniger gleichbleibende Relation
zwischen dem Arbeitsverdienst der Ehefrau und dem Haushalteinkommen
in den verschiedenen Beschäftigungssparten der Ehemänner herauszufinden, wurden die diesbezüglichen Angaben auch nach dem Beruf der beiden
Partner aufgeschlüsselt. Dabei zeigte sich, daß nur 30 Prozent von 238
bei einer besonderen Befragung erfaßten berufstätigen Ehefrauen derselben Berufssparte angehörten wie ihre Ehemänner; bei den ganzjährig
tätigen Ehefrauen waren es 35 Prozent. Diese Statistik wurde vor allem
durch die relativ geringe Übereinstimmung mit dem Beruf des Mannes bei
Ehefrauen in den Büro- und Verkaufsangestelltenberufen bestimmt; die
Frauen im Angestelltenverhältnis waren in leicht überwiegender Zahl
mit Lohnempfängern verheiratet. Die Übereinstimmung zwischen dem Beruf
des Mannes und dem der Frau war somit wesentlich seltener als die Übereinstimmung der respektiven Arbeitsverdienste. Dies läßt den Schluß zu,
daß die Verdienstaussichten der Ehefrauen in einer festen Beziehung zum
Haushalteinkommen stehen, unabhängig von der Zugehörigkeit der Frau zu
einer bestimmten Berufssparte, und daß die wichtigen Variablen dieser
Statistik - Alter, Bildungsgrad und Beschäftigungsaussichten der Frau von denen des Mannes beeinflußt werden.
Die Übereinstimmung des durchschnittlichen Prozentsatzes des Beitrags der ganzjährig beschäftigten Ehefrauen zum Haushalteinkommen, die
sich bei den Untersuchungen im Jahre 1950 und bei späteren Untersuchungen auch im Ausland ergab, deutet darauf hin, daß die Ehefrauen vielfach
rund 35 bis 40 Prozent des Haushalteinkommens beisteuern, unabhängig
davon, wie hoch dieses ist. Bei Zwei-Personen-Haushalten, bei denen
beide Ehepartner ganzjährig beschäftigt waren, hatte die Hälfte der
Frauen zwischen 33 und 44 Prozent zum Haushalteinkommen beigetragen,
was einem Mittelwert von 39 Prozent entspricht. Dem steht ein Durchschnitt aller Zwei-Personen-Haushalte von 42 Prozent gegenüber.
Um weitere Aufschlüsse über die Zusammenhänge zwischen dem Arbeitseinkommen der Ehefrau und dem des Mannes zu gewinnen, wurden im
Falle der Zwei-Personen-Haushalte mit ganzjährig beschäftigten Ehepartnern das Einkommen der Frau in Beziehung zu dem des Mannes gesetzt.
Dabei zeigte sich, daß ganz generell das Einkommen der Frau mit dem des
Mannes steigt. Der Einkommensmittelwert der Ehefrauen von Männern der
höchsten Einkommensstufe belief sich auf mehr als das Doppelte des Mittelwertes bei Ehefrauen von Männern aus der untersten Einkommensschicht.
Über drei Viertel der Ehefrauen mit Männern in der Einkommensklasse zwischen 4000 und 4500 Dollar verdienten mehr als 75 Prozent der Frauen
von Männern mit weniger als 2000 Dollar Einkommen. Das Einkommen der Ehefrau war bei den Zwei-Peraonen-Haushälten aller Einkömmensschichten nur
in" 5 Prozent der Fälle höher als das des Ehemannes.
Frauenarbeit

�Frauenarbeit und Familienunterhalt
Bei der Erörterung der Frage nach der Notwendigkeit der Frauenarbeit als Beitrag zum Familienunterhalt wird als Kriterium des
Vorliegens dieser "Notwendigkeit" vom Verdienst des Mannes oder von
dem gesamten Haushalteinkommen ausgegangen, meist ohne irgendwelche
Berücksichtigung der tatsächlichen Unterhaltskosten der Familie. Ein
objektives Maß für das Vorliegen dieser "Notwendigkeit" gab es bisher
nicht. Es galt als hinreichend klar, daß eine Zunahme der Frauenarbeit
in Zeiten rückläufiger Arbeitsverdienste der Männer als ein Gradmesser
dafür anzusehen sei, daß die Frauen gezwungenermaßen arbeiten gehen.
Der sichtliche Zusammenhang zwischen dem Einkommen des Mannes und der
Berufstätigkeit der Frau sollte allein schon deshalb geklärt werden,
weil Familien mit niedrigem Einkommen zumeist jünger und kleiner sind
als Familien mit höherem Einkommen und somit geringere Haushaltausgaben haben.
Die Ergebnisse der 1950 vom Bundesamt für Arbeitsstatistik durchgeführten Untersuchung der Verbraucherausgaben und der Umfrage zur Feststellung der Haushaltkosten städtischer Arbeiterfamilien geben uns ein
sehr klar umrissenes Kriterium für die Beurteilung der "Notwendigkeit"
der Berufstätigkeit der verheirateten Frau an die Hand. Bei der Feststellung der Haushaltungskosten ging man 1950 von einem "bescheidenen
aber ausreichenden" Lebensstandard aus, der beträchtlich über dem Lebensminimum lag. Ziel der Untersuchung war es, die Kosten zu ermitteln,
die eine allein auf sich gestellte Familie aufwenden mußte, um vertretbare Ansprüche hinsichtlich der Erhaltung der Leistungsstärke, der
medizinischen Betreuung, der Ernährung der Kinder und der Teilnahme
am Leben der Gemeinschaft zu befriedigen. Die im Verlauf der Untersuchung befragten Haushalte wurden in zwei Gruppen unterteilt, eine,deren
Einkommen ausreichte, die nach diesem Richtsatz errechneten Haushaltkosten für eine Familie der entsprechenden Größe aufzubringen, und eine,
deren Einkommen darunter lag. War die Ehefrau berufstätig, so wurde auch
festgestellt, ob das Haushalteinkommen abzüglich des Verdienstes der
Ehefrau ausgereicht hätte, den vorgesehenen Lebensstandard zu bestreiten.
Die Ergebnisse dieser Untersuchungen wurden nicht nur dazu verwendet, den Einfluß des Geldbedarfs der Familie auf die Beschäftigung der
Frau zum damaligen Zeitpunkt festzustellen, sondern auch, um eventuellen
Wechselwirkungen mit anderen Faktoren, wie Familienzusammensetzung,
Beruf des Mannes und Alter der Ehefrau, auf die Spur zu kommen. Der
Begriff "Notwendigkeit" bedeutet hier und im folgenden ein Einkommen
unter dem Richtsatz, der zur Aufrechterhaltung des bei der Umfrage
zur Feststellung der Haushaltkosten städtischer Arbeiterfamilien
zugrunde gelegten Lebensstandards nicht ausreicht. Die Familien, bei denen
das Vorliegen der "Notwendigkeit" bejaht wurde, lebten nicht notwendigerweise in prekären wirtschaftlichen Verhältnissen, (wird fortgesetzt)

Quelle: Monthly Labor Review,
Vol. 85, Nr. 4. April 1962)

* * * * *

- 7 -

�Anwendungstechniker als V/egbereiter der Vollautomatisierung
Das Gesicht moderner Industriebetriebe beginnt sich immer rascher
und immer drastischer zu verändern: In einer Erdölraffinerie liest
eine elektronische Datenverarbeitungsanlage regelmäßig alle vier Minuten 196 Instrumente ab und fertigt ohne jedes menschliche Zutun alle
20 Minuten eine Dienstanweisung für den Mann im Kontrollraum aus, auf
der genau spezifiziert ist, wie er 19 verschiedene Ventile einzustellen
hat. Und in einigen Jahren schon wird die Datenverarbeitungsanlage auch
diese Regelvorgänge durch elektrische Impulse automatisch korrigieren.
Man kann also ohne Übertreibung sagen, daß wir an der Schwelle
eines neuen industriellen Zeitalters stehen. Es ist zu einem guten
Teil das Werk der Vertreter eines neuen Zweiges der Elektronik, der
Anwendungstechnik oder "application science", die die Kluft zwischen
Laboratorium und Fertigungsstraße zu überbrücken sucht.
Ein typischer Repräsentant dieser neuen Kategorie von Wissenschaftlern ist Dr. Cuthbert C. Hurd, Direktor der Abteilung "Reglersysteme"
der International Business Machines Corporation (IBM) und Planer der
eingangs erwähnten Erdölraffinerie, die im Staat Indiana gelegen ist.
Die Vorarbeiten
Die IBM hat vor Jahren in Ergänzung ihrer Produktion von elektronischen Buchungs- und Rechenanlagen auch die Entwicklung von Steuergeräten nach dem Prinzip der Datenverarbeitungsanlagen aufgenommen. Die
Benutzung solcher Geräte für die Kontrolle des Ablaufs von Fertigungsprozessen bereitete anfangs sehr große Schwierigkeiten, da man sich auf
keinerlei frühere Erfahrungen stützen konnte. So war es notwendig, jede
solche Steuerungsanlage von Grund auf neu zu planen und ihr die vorgesehenen Aufgaben Schritt für Schritt zu übertragen, um einen entsprechenden Erfahrungsschatz aufzubauen.
Die Arbeit des Anwendungstechnikers beginnt mit monatelangen Vorstudien des Betriebs- und Fertigungsablaufs an Ort und Stelle. In enger
Zusammenarbeit mit dem technischen Personal des betreffenden Betriebs
müssen sämtliche Phasen des Produktionsablaufs genauestens analysiert
und gewissermaßen in eine mathematische Formelsprache umgesetzt werden.
Diese Formeln werden dann einer elektronischen Datenverarbeitungsanlage
zugeführt, um auf diese Weise zunächst einmal den gesamten Betriebsablauf zu simulieren.
Die Planung
Nach diesen Vorstudien beginnt die eigentliche Planung des automatischen Produktionsprozesses, die unter dem Gesichtspunkt erfolgt,
durch laufende Produktionskontrollen und eventuell mögliche Vereinfachungen des Produktionsprozesses den Ausstoß pro Zeiteinheit zu erhöhen, die
allgemeinen Herstellungskosten zu senken oder durch die Verringerung des
Abfalls und Vermeidung von Ausschuß Rohstoffe einzusparen. Die Unternehmensleitung wird sich mit Sicherheit nur dann zur Vollautomatisierung
entschließen, wenn derartig einleuchtende Vorteile für sie sprechen.
Der

-

8

-

�Der nächste Schritt ist die Auswahl geeigneter Maschinen und
Anlagen und die Programmierung der als Steuergerät fungierenden
Datenverarbeitungsanlage, die an Hand der Meßwerte an Ventilen, Zählgeräten und Kontrollpunkten die Anweisungen für das Bedienungspersonal
ausdruckt.
In der letzten Phase schließlich wird der Datenverarbeitungsanlage auch noch die Ausführung der letztgenannten Befehle übertragen,
d.h. von ihr ausgehende und über Fernbedienungseinrichtungen weitergeleitete Impulse steuern sämtliche Regelmechanismen an allen wichtigen
Punkten des Produktionsablaufs. Damit ist der eigentliche vollautomatische Betrieb erreicht.
Die Erkenntnisse
Dr. Hurd ist schon durch seine Vergangenheit für seine verantwortungsvolle Tätigkeit wie kaum ein anderer qualifiziert. Die US-Atomenergie-Kommission (AEC) forderte den damaligen College-Professor 1947
auf, die Leitung der technischen Forschungsabteilung im Oak Ridge Laboratory zu übernehmen, einer Atomforschungsanstalt der AEC. Hier kam Hurd
erstmals mit der elektronischen Datenverarbeitung in Berührung, die
damals noch in den Kinderschuhen steckte.
1949 trat Hurd, der sehr schnell die ungeheuren Möglichkeiten des
Einsatzes solcher Rechenanlagen für die wissenschaftliche und technische
Forschung erkannt hatte, zur IBM über, um dort eine Arbeitsgruppe
"Anwendungstechnik" aufzubauen. Er nahm direkten Kontakt mit wissenschaftlichen und technischen Vereinigungen auf, um sich einerseits über
ihre Tätigkeit zu informieren und sie andererseits auf die Leistungsfähigkeit elektronischer Datenverarbeitungsanlagen gerade in der Forschung
hinzuweisen.
In langwierigen Untersuchungen war Dr. Hurd zu der Überzeugung gelangt, daß sich Datenverarbeitungsanlagen nicht nur für Buchungs- und
Rechenaufgaben eigneten, sondern mit Erfolg auch zur Steuerung ganzer
Fabrikanlagen zu verwenden waren. Das war der Anfang der Anwendungstechnik, der Verwendung von Datenverarbeitungsanlagen zur Steuerung des
Produktionsablaufs.
Die Schwierigkeiten
Die Schwierigkeit der Vollautomatisierung eines Produktionsablaufs
liegt in der Tatsache begründet, daß man nicht nur mit einigen wenigen
veränderlichen Größen, sondern mit 30 und 40 Variablen zu rechnen hat:
Temperaturen, Drücken, Durchsatzgeschwindigkeiten, Siedepunkten usw. Eine
optimale Kontrolle über ein derart kompliziertes System allein mit Hilfe
der Mathematik zu erreichen, ist bei dem heutigen Stand dieser Wissenschaft
noch nicht möglich. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit, Theorie und
praktische Erfahrung miteinander zu kombinieren, um eine Lösung für die
jeweiligen Probleme zu finden. Schwierigkeiten und Enttäuschungen lassen
sich bei einem solchen'Vorgehen nicht ausschließen. Umgekehrt bieten
sich dem Anwendungstechniker so fesselnde Aufgaben, wie sie sich ein
wißbegieriger Wissenschaftler nur wünschen kann.
q ,

�Schon heute können Dr. Hurd und seine Kollegen auf stolze Erfolge
verweisen, vor allem bei der Automatisierung kontinuierlicher Prozesse,
wie sie etwa in Ölraffinerien ablaufen. Inzwischen haben die Anwendungstechniker bereits 40 kontinuierliche Produktionsprozesse durchautomatisiert. Ihr nächstes Ziel ist die Automatisierung von diskontinuierlichen Prozessen, die natürlich noch weit schwieriger auf eine mathematische Formel zu bringen sind. Auch hier zeigt sich wiederum, daß der
Erfolg nicht so sehr von der Leistungsfähigkeit der Datenverarbeitungsanlagen als vielmehr von dem Einfallsreichtum der Anwendungstechniker
abhängt. Die Maschinen vermögen die auftretenden Probleme durchaus zu
lösen, sofern sie in geeigneter Form darauf angesetzt, d.h. programmiert
werden. Hurd und seine Mitarbeiter sind überzeugt, daß ihnen das in nicht
zu ferner Zukunft gelingen wird.
(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

Die "Stadt-in-der-Stadt"
"Marina City" - auch die "Stadt-in-der-Stadt" genannt - ist ein
großes und wohl einzigartiges gewerkschaftliches Wohnungsbauprojekt, das
gegenwärtig seiner Vollendung entgegengeht und künftig der "Skyline" von
Chicago, • Metropole des amerikanischen Nordwestens,mit das Gepräge geben
wi rd.
.
Das für Familien der mittleren Einkommensgruppen bestimmte Wohnungsbauprojekt wird aus zwei 60 Stockwerke und 166 Meter hohen, wie überdimensionale Getreidesilos aussehenden runden Hochhäusern bestehen und u.a. ein
Kino, große Geschäftsräume, eine Eisbahn, ein Restaurant und einen Bootsund Jachtklub enthalten. Die Gesamtbaukosten werden von der "BuildingService"-Gewerkschaft, dem Bauherrn, mit rund 36 Millionen Dollar veranschlagt; und bereits im Sommer dieses Jahres sollen die ersten Familien
einziehen können.
Um die Mieter der künftigen Hochhäuser vom Straßenlärm weitgehend
abzuschirmen, beginnen die Wohntrakte erst im 20. Stockwerk, während die
18 anderen Etagen als Parkräume für Automobile eingerichtet werden, so daß
jeder Einwohner seine eigene Garage im Hause haben wird. Die Auffahrt zu
den Park- und Abstellräumen erfolgt dabei über kreisförmige Auffahrtsrampen.
Insgesamt werden in den beiden "Wohntürmen" 900 Wohnungen und Parkmöglichkeiten für 900 Automobile geschaffen werden. Als Wohnungstypen sind
dabei sowohl kleine, komfortable Einheiten, die aus einem kombinierten Wohnund Schlafzimmer, Küche, Bad und kleinem Ankleideraum bestehen, als auch
mehrräumige Appartements mit getrennten oder auch zwei Schlafzimmern
vorgesehen. Jede Wohnung wird eine eigene Heiz- und Kühlanlage erhalten
und jedes Zimmer einen Balkon haben.
Der

10

-

/

�Der Kern der Hochhäuser "besteht aus einer 10,5 Meter dicken Betonröhre, in der sowohl die Versorgungsleitungen als auch die Aufzüge untergebracht sind und die praktisch das Skelett bildet. Um diesen Kern herum
zieht sich in jedem Stockwerk ein kreisrunder Wandelgang, von dem fächerförmig die einzelnen Wohnungen ausgehen. Die Wohnungen selbst wiederum
sind so angelegt, daß sie - gewissermaßen wie ein Tortenstück - sich von
innen nach außen verbreitern.
Das gesamte Projekt wird auf einem rund 1,3 Hektar großen Gelände
errichtet, das die Gewerkschaft für 3 Millionen Dollar von der "Chicago
and North Western Railroad" erwarb. Finanziert wurde der Bau durch 5prozentige Schuldverschreibungen, die von der Gewerkschaft aufgelegt wurden
und von der Bundesverwaltung für den Wohnungsbau garantiert sind. Nach
Fertigstellung von "Marina City" will die Gewerkschaft nach den Angaben
ihres 1. Vorsitzenden, William L. McFetridge, nach und nach ähnliche Projekte in anderen amerikanischen Städten verwirklichen.

(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

Vorbereitungskurse für angehende Pensionäre
In Erkenntnis der Tatsache, daß der Übergang in den Ruhestand wohl
die kritischste Periode im Leben des Menschen darstellt, ist der Ortsverband 65 der Einzel- und Großhandels-Gewerkschaft im vergangenen Jahr
dazu übergegangen, seine Mitglieder auf die Zeit nach der Pensionierung
im Rahmen von Sonderkursen vorzubereiten, um ihrem Lebensabend auf diese
Weise einen neuen Inhalt zu geben.
Das Interesse unter den zur Pensionierung anstehenden Gewerkschaftsmitgliedern war dabei so über Erwarten groß - mehr als 100 nahmen an dem
ersten Kursus teil -, daß sich der Ortsverband nun entschlossen hat, auch
in diesem Jahr wieder einen "Vorbereitungskursus für angehende Pensionäre"
durchzuführen.
Diese Vorbereitungskurse, die im Rahmen des Wohlfahrtsprogramms
der Gewerkschaft durchgeführt werden, machen die angehenden Pensionäre
mit sämtlichen für sie wesentlichen Aspekten des Ruhestandes vertraut.
Neben rein wirtschaftlichen Themen wie etwa Einkommensquellen, Rentenberechnung und Nebenverdienstmöglichkeiten sind es vor allem medizinische,
psychologische, soziologische Probleme, die in den Abendkursen eingehend
behandelt werden. Hinzu kommen noch Fragen der produktiven, sinnvollen
Gestaltung der vermehrten Freizeit der Pensionäre sowie Wohnungs- und
Familienprobleme.
Die

11

�Die Vorträge zu den speziellen Themen werden teils von qualifizierten Gewerkschaftsfunktionären, teils von Ärzten, Psychologen und
anderen Fachkräften gehalten, die sich insbesondere mit den Problemen
älterer Menschen befassen. Die Gesamtdauer des Kursus beträgt 8 Wochen;
pro Woche findet dabei ein Vortragsabend - mit anschließender Diskussion
- statt.
Zum Abschluß des Vorbereitungslehrgangs führt dann der Kursusleiter die Lehrgangsteilnehmer mit schon im Ruhestand lebenden Gewerkschaftsmitgliedern zusammen, die hier über ihre eigenen Erfahrungen
berichten und den Pensionärsaspiranten wertvolle praktische Hinweise
darauf geben können, wie sie ihren Lebensabend "genießen" und sinnvoll
ausfüllen können.
Praktisch jedoch sind diese Vorbereitungskurse erst nur der Anfang
in der gewerkschaftlichen Betreuungsarbeit für ältere Mitglieder. Denn
auch nach der erfolgten Pensionierung ist die "Retail, Wholesale and
Department Store Union" weiter intensiv darum bemüht, den engen Kontakt
zu ihren Pensionären aufrechtzuerhalten und ihnen das Gefühl der
Dazugehörigkeit zu geben. So bleibt der Pensionär u.a. Vollmitglied
seiner Gewerkschaft, nimmt an allen offiziellen Veranstaltungen teil
und behält auch seine sämtlichen Rechte als Mitglied, wie etwa das
Stimmrecht und andere Privilegien. Innerhalb des Ortsvereins bilden
die Pensionäre eine geschlossene Gruppe mit eigenem Exekutivausschuß
und eigenen Fachreferenten.
Daß gerade das Zusammengehörigkeitsgefühl unter den Pensionären
sehr ausgeprägt ist, liegt nicht zu]e tzt auch daran, daß die Gewerkschaft schon seit Jahren gezielte Freizeitprogramme durchführt und zu
diesem Zweck in ihrem Verbandshaus verschiedene Räume eingerichtet hat,
die den älteren Mitgliedern als Aufenthalts-, Lese-, Bastei- und Musikzimmer täglich zur Verfügung stehen. Der Pensionär ist also immer beschäftigt, hat immer etwas vor, ist immer vor eine Aufgabe gestellt.
Und es ist erstaunlich, mit welcher Begeisterung diese gebotenen Möglichkeiten von den Pensionären genutzt werden: Einige erlernen Fremdsprachen,
andere befassen sich mit Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, dritte
wiederum leben ganz ihrem Hobby, lesen, basteln, musizieren oder diskutieren, ganz so, wie es ihnen Spaß macht.
Und daß es ihnen Freude bereitet, zu gewissen Zerstreuungs- und
Betätigungsmöglichkeiten hingeführt zu werden, beweist wohl am besten
die Tatsache, daß rund 90 Prozent aller pensionierten Mitglieder dieser
Gewerkschaft aktiv an diesen Programmen teilnehmen.

(Quelle: Eigenbericht)
* * * * *

12

-

�Gewerkschaftliche Kurznachrichten
Neuer Tarifvertrag in der Aluminiumindustrie
Zwischen fünf Firmen der amerikanischen Aluminiumindustrie und der
Vereinigten Stahlarbeitergewerkschaft ist jetzt ein neuer Tarifvertrag
abgeschlossen worden, der zwar keine Lohnerhöhungen für die Arbeitnehmer
dieses wichtigen Industriezweiges bringt, aber doch sehr weitreichende
neue Lohnnebenleistungen und soziale Verbesserungen.
Der sich in den Grundzügen weitgehend mit dem kürzlich getroffenen
Abkommen in der Stahlindustrie deckende neue Tarifvertrag trat am 1. August
in Kraft und hat eine Laufzeit von zwei Jahren. Zu denjenigen Großunternehmen der Aluminiumindustrie, die den neuen Vertrag unterzeichnet haben,
gehören: "Aluminum Company of America" (ALCOA), Kaiser Aluminum and
Chemical Corporation, Reynolds Metals Company, Olin Mathieson Corporation
und Ormet Corporation.
Zu den bedeutendsten Verbesserungen, die die Gewerkschaft für ihre
Mitglieder aushandeln konnte, zählt vor allem der neue zusätzliche Urlaubsplan. Auf Grund dieser Abmachungen werden die Unternehmer in Zukunft pro Arbeitsstunde und Arbeitnehmer 3 Cent an einen Sonderfonds
abführen, aus dem die Mittel für 7 zusätzliche bezahlte Urlaubstage
für Arbeitnehmer mit längerer Betriebszugehörigkeit aufgebracht werden
sollen. Auf diese Weise hofft man pro Jahr etwa 50 Prozent aller Arbeitnehmer eine zusätzliche Urlaubswoche zu verschaffen. Wenn der Sonderfonds
darüber hinaus noch Überschüsse aufweisen sollte, so wird auf Grund
des Abkommens auch allen anderen Mitarbeitern eine zusätzliche bezahlte
Urlaubswoche gewährt werden.
Eine Zusatzklausel des neuen Urlaubsplans sieht außerdem vor, daß
es allen Arbeitnehmern über 57 freigestellt sein soll, den Urlaub im
jeweiligen Urlaubsjahr zu nehmen oder aber ihn bis zu ihrer Pensionierung anzusammeln, so daß sie dann in den Genuß des Urlaubsgeldes
einschließlich der bis dahin aufgelaufenen Zinsen kämen. Jüngere Arbeitnehmer sind dagegen gehalten, ihren Urlaub zu nehmen, um auf diese
Weise die Zahl der Urlaubsvertretungen (Einstellung arbeitsloser Aluminiumarbeiter) zu erhöhen.
Auch die Erhöhung der zusätzlichen Arbeitslosenunterstützung, die
den entlassenen Aluminiumarbeitern zusammen mit der staatlichen Unterstützung gezahlt wird, bedeutet für die Stahlarbeitergewerkschaft einen
großen Verhandlungserfolg. Auf Grund dieser Vereinbarungen führen die
Unternehmen ab 1. August pro geleistete Arbeitsstunde 9 1/1 Cent an
den Sonderfonds für zusätzliche Arbeitslosenunterstützung ab. Alle
Arbeitnehmer mit mindestens zweijähriger Betriebszugehörigkeit
erhalten im Falle der Erwerbslosigkeit aus diesem Fonds eine wöchentliche Unterstützung, die dem Grundlohn von 24 Wochenstunden (bisher
von 22 Stunden) entspricht. Außerdem können den Empfangsberechtigten
pro Woche noch bis zu 6 Dollar als Familienzulage gewährt werden. Die
Bezugsdauer dieser zusätzlichen Arbeitslosenunterstützung wurde auf
52 Wochen ausgedehnt.
Aus

�Aus dem alten Tarifvertrag übernommen, aber "eingefroren" wurde
die sogenannte "escalator clause" - die laufende Angleichung der
Löhne an die Lebenshaltungskosten - die den Arbeitnehmern in Zukunft
konstant pro Stunde 23 Cent als Ausgleichsbetrag sichern wird.
Neue Tarifverhandlungen über Löhne und Sozialleistungen können
erstmalig wieder ab 1. Juni 1963 zwischen den Tarifpartnern aufgenommen werden.

(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

Gesamtvermögen der US-Gewerkschaften: 1,5 Mrd. Dollar
Das Gesamtvermögen der amerikanischen Gewerkschaften - Zentral-,
Regional- und Ortsverbände - belief sich im Jahre 196O auf insgesamt
1,5 Mrd. Dollar, während die gesamten Verbindlichkeiten 224 Millionen
Dollar betrugen.
Diese Ziffern sind in der jetzt vom amerikanischen Arbeitsministerium herausgegebenen Publikation "Union Financial Statistics" enthalten, die sich auf die Finanzberichte der US-Gewerkschaften stützt,
die diese auf Grund des "Labor-Management Reporting and Disclosure Act
of 1959" jährlich dem Arbeitsministerium einzureichen haben.
Wie aus dieser Übersicht weiter zu entnehmen war, verzeichneten
75 Prozent der insgesamt 260 amerikanischen Arbeitnehmerorganisationen
(ohne die sogenannten "International Unions", US-Gewerkschaften mit
Vertretungen außerhalb der USA) Jahreseinnahmen von weniger als
1 000 000 Dollar. Von diesen Verbänden wiesen 16 Prozent Einnahmen von
weniger als 10 000 Dollar auf, während 27 Prozent Einnahmen zwischen
100 000 und '1'000 000 Dollar verbuchen konnten.
Von den 41 796 Ortsverbänden hatten nur 4 Prozent Jahreseinnahmen
von mehr -als 100 000 Dollar aufzuweisen, während 'JO Prozent pro Jahr
weniger als 10 000 Dollar an Einnahmen zu verzeichnen hatten. Fast
55 Prozent der Ortsverbände wiesen in dem Berichtszeitraum (Finanzjahr
1959/60) sogar nur jährliche Einnahmen von weniger" als 5000 Dollar auf,
während bei 15 Prozent die Eingänge zwischen 5000 und 10 000 Dollar lagen.
Zu den reichsten amerikanischen Gewerkschaften gehören laut Übersicht die Gewerkschaft der Elektroarbeiter (international Brotherhood
of Electrical Workers), die Vereinigte Bergarbeitergewerkschaft (UM**) ,
die Gewerkschaft der Damenoberbekleidungsindustrie (iLGWU), die Teamster- sowie die Stahlarbeiter (USA) -, die Automobilarbeiter (UAW) - und
die Lokomotivführergewerkschaft.
Die

14

-

�Die einzelnen Angaben in der Übersicht sind den Finanzberichten
von insgesamt 44 530 selbständigen Gewerkschaften entnommen - 41 796
Orts-, 260 Gesamtverbänden und 2474 anderen Organisationsformen -, die
im ersten Berichtsjahr zur Abgabe solcher "Reports" verpflichtet waren.
Gegenwärtig beträgt die Zahl der berichterstattungspflichtigen
Gewerkschaften 52 000. In dieser ersten statistischen Auswertung der
Finanzberichte sind die Berichte von rund 8000 kleineren Organisationen
nicht enthalten, die ihre Erklärung entweder zu spät eingereicht oder
aber nicht den Vorschriften entsprechend ausgefüllt hatten.
(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

Arbeitnehmereinkommen auf Rekordniveau
Das durchschnittliche Nettoeinkommen der amerikanischen Industriearbeiter hat sich nach Angaben des US-Amtes für Arbeitsstatistik im Mai
weiter erhöht und damit eine neue Spitze erreicht. Nach Abzug der Steuern
und Sozialabgaben belief sich das Nettoeinkommen eines Arbeitnehmers ohne
Familie auf 78?37 Dollar pro Woche, während ein verheirateter Industriearbeiter mit drei Angehörigen im Durchschnitt 86,05 Dollar verdiente. Gegenüber dem Vormonat liegen diese.Einkommenssätze um rund 0,50 Dollar,
gegenüber dem gleichen Monat des Vorjahres (Mai) um etwas über 4 Dollar
höher.
Die Kaufkraft des durchschnittlichen Einkommens des amerikanischen
Industriearbeiters lag im Mai wieder auf der Rekordhöhe, die erstmals
im Dezember 1961 erreicht wurde. Im Vergleich zum Mai 1961 ergibt sich
so eine Zunahme um 4 Prozent, obwohl die Verbraucherpreise in den vergangenen zwölf Monaten um 1,3 Prozent angestiegen .sind.
(Quelle: Eigenbericht)

-

15 -

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
USIS-Bonn/Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regiecung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XV - 10

• Bad Godesberg, den 1. Oktober 1962INHALTSVERZEICHNIS '

Frauenarbeit und Baushalteinkommen,(il)

Seite 1

Fast 70 Killionen Beschäftigte in den USA

Seite 10

AFL-CIO fordert 35-°)tunden-1..'oche

Seite 11

Gewerkschaftliche Kurznachrichten

Seite 12

Margaret S. Carroll, Abteilung Preise und Lebenshaltungskosten im
US-Bundesamt für Arbeitsstatistik:
Frauenarbeit und Haushalteinkommen (il)
Frauenarbeit als Nebenverdienst
Es hat sich gezeigt, daß 42 Prozent der zu irgendeinem Zeitpunkt
im Jahre 1950 beschäftigten Ehefrauen und 32 Prozent der nicht berufstätigen Ehefrauen Haushalten angehörten, deren Einkommen ohne Einkünfte
der Ehefrau unter dem genannten Richtsatz gelegen hätten (siehe Tafel
III). Manche Zeichen deuten darauf hin, daß die Berufstätigkeit der
Ehefrau mit der "Notwendigkeit" zunahm, allerdings nicht in sehr
starkem Maße. Von sämtlichen in die Untersuchung einbezogenen Frauen
(gleichgültig, ob berufstätig oder nicht), deren Haushalteinkommen
ohne ihren Beitrag nicht für einen angemessenen Lebensstandard ausgereicht hätte, haben 38 Prozent gearbeitet (siehe Tafel IV). Von
allen Frauen, die unter diesem Gesichtspunkt nicht hätten arbeiten
müssen, waren dennoch 28 Prozent berufstätig.
Tafel III

�Tafel

III

Anteil der Ehefrauen mit einem Haushalteinkommen unter dem für Stadthaushalte ermittelten Richtsatz bei Ausklammerung des Arbeitsentgelts der Frau,
nach dem Beschäftigungsmodus der Ehefrau und der Familienzusammensetzung
aufgegliedert (Stand 1950)

HaushaltZusammensetzung

Zahl der Prozent mit Haushalteinkommen unter dem
erfaßten Richtsatz bei Ausklammerung des ArHaushalte beitseinkommens der Frau
Sämtliche
Haushalte

Sämtliche Familienhaushalte

Frau ganzFrau
Frau
nicht
berufs- jährig' beberufs- tätig
schäftigt
tätig

9421

35

32

42

43

ohne Kinder
Ehepaar
Ehepaar u.a.
Erwachsene

2914

30

28

34

35

378

32

29

59

35

mit Kindern, davon
das älteste
18 Jahre u.darüber
1 6 bis- 17 Jahre
6 bis 15 Jahre
unter 6 Jahren

1259

2153
1759

25
45
44
36

20
42
40
35

37
52
55
39

36
49
66

565

46

40

62

72

mit Kindern unter 18
Jahren und anderen
Erwachsenen

393

48

Familienzusammensetzung
Mütter aus Haushalten mit einem weiteren erwachsenen Mitglied und
Kindern im Schulalter und darüber scheinen eher auf den wirtschaftlichen
Zwang zu verdienen zu reagieren als kinderlose Ehefrauen. Von den Ehefrauen
aus Zwei-Personen-Haushalten mit einem Einkommen unter dem Richtsatz waren
46 Prozent berufstätig, bei den Frauen aus Haushaltungen mit höherem Einkommen waren es 38 Prozent - das entspricht einer um ein Fünftel größeren
Häufigkeit der Berufstätigkeit unter den ersteren. Von den Müttern aus
Haushalten mit Kindern unter 18 Jahren sowie weiteren erwachsenen Mitgliedern arbeiteten nur 23 Prozent, sofern das Haushalteinkommen über dem Richtsatz lag, aber 43 Prozent, wenn es darunter lag. Mütter aus Haushaltungen
mit geringerem Einkommen, aber mindestens einem Kind über 18 Jahren oder
einem weiteren erwachsenen Haushaltangehörigen waren etwa im gleichen Maße
berufstätig wie kinderlose Ehefrauen aus solchen Haushalten. Umgekehrt war
Tafel IV

�Tafel IV
Umfang der Beschäftigung von Ehefrauen, nach Haushalteinkommen und
Familienzusammensetzung aufgeschlüsselt (Stand 1950)

Haushaltzusammensetzung

Prozentanteil der beschäftigten Ehefrauen

Prozentanteil der ganzjährig
beschäftigten Ehefrauen

Sämtl.
Familien, deren Ein- S'ämü.
Familien- kommen ohne Arbeits- Famihaushalte verdienst der Ehefrau lienüber dem unter dem - raushalte
Rieht!satz
Rieht
satz lag lag

Sämtliche
Familienhaushalte

Familien, deren Einkommen ohne Arbeitsverdienst der Ehefrau

über dem
Richtsa tz lag

unt er dem
Ric!htsatz

lag

32

28

38

12

11

15

40

38

46

20

19

23

41

36

49

21

20

23

mit Kindern,
davon d .altes te
18 Jahre u.
darüber
30
16 b.17 Jahre 38
6 b .1 5 Jahre 28
unter 6 Jahrarr 21

25
34
22
20

44
43
34
23

14
12
7
2

12
12
4
2

20
13
11
3

mit Kindern
unter 18 Jahren
und anderen Erwachsenen

23

43

11

6

18

ohne Kinder
Ehepaar
Ehepaar u.a.
Erwachsene

32

war die Beschäftigungsrate solcher Mütter aus Haushaltungen mit einem über
dem Satz liegenden Einkommen erheblich niedriger als die Rate der kinderlosen Ehefrauen.
Mütter mit Kindern unter 16 Jahren aus Haushalten ohne anderweitiges
zur Haushaltführung fähiges Mitglied waren weniger geneigt, eine Arbeit
anzunehmen, als andere Ehefrauen, auch wenn die "Notwendigkeit" hierzu
bestand. Lag diese "Notwendigkeit" nicht vor und war das älteste Kind
zwischen 6 und 16 Jahre alt, so betrug der Anteil der Berufstätigen unter
den Müttern 22 Prozent, lag sie vor, lediglich 34 Prozent; gehörte dem
Haushalt aber noch ein weiterer Erwachsener oder ein Kind im höherem
Alter an, so belief sich dieser Anteil auf 43 bzw. 44 Prozent.
Sofern

�Sofern das älteste Kind jünger als 6 Jahre war, hatte die "Notwendigkeit" nur geringen Einfluß auf den Prozentsatz der Ehefrauen,
die zu irgendeinem Zeitpunkt im Verlauf des Jahres arbeiten gingen.
Da man bei diesen Untersuchungen alle Familien als Haushalte mit
einem Kind unter 6 Jahren klassifizierte, wenn dieser Sachverhalt
zu irgendeinem Zeitpunkt im Jahr zutraf, darf man davon ausgehen,
daß etwa ein Sechstel dieser Eamilien ihr erstes Kind im Verlauf des
Jahres bekommen hatten und daß ein Teil dieser Mütter vor ihrer
Niederkunft zu arbeiten aufgehört hatte. Klammern wir die Eamilien
aus, nach deren Größe man darauf schließen kann, daß das erste Kind
im Verlauf des Untersuchungsjahres zur Welt kam, so betrug die Beschäftigungsrate aller Mütter, deren ältestes Kind jünger als 6
Jahre war, nicht 18 sondern 21 Prozent.
Die Rate der ganzjährigen Beschäftigung unter den verheirateten
Frauen nahm mit vorliegender "Notwendigkeit" in etv/a demselben Llaße
zu v.ie der Anteil dieser Frauen an aer Gesamtbeschäftigung der Frauen.
Die Steigerung war allerdings bei Müttern mit Kindern unter 16 Jahren
deutlicher als bei ^en übrigen verheirateten Frauen. Der Prozentsatz
der ganzjährig beschäftigten Mütter, deren ältestes nind zwischen 6
und 16 Jahre alt war, lag bei den Fällen, in denen uie "Notwendigkeit"
zum Verdienen gegeben war, dreimal so hoch wie bei den Fällen, in
denen sie nicht bestand. Mütter mit Kindern unter 18 Jahren aus Haushalten mit einem weiteren Erwachsenen waren dreimal so häufig ganzjährig beschäftigt, wenn die "Notwendigkeit" bestand als wenn sie
nicht bestand.
Beruf des Heushaltvorstandes
Da die "Notwenaigkeit" eine gewisse Rolle bei der Entscheidung
spielt, ob eine Ehefrau eine Stellung annehmen soll oder nicht, steht
zu erwarten, daß Frauen weniger gut verdienender Männer eher geneigt
sind, eine Stelle anzunehmen, als Frauen von Männern in höherbezahlten
Positionen. Generell traf dies 1950 auch zu. Wenn r;.an die Haushalte
jedoch nach dem Beruf aes Haushaltvorstandes klassifiziert, aann hatten
nur 15 Prozent aller Familien aus der Sparte der festangestellten akademischen Jach- und Fährungskräfte bei Ausklammerung des Arbeitsverdienstes
der Ehefrau ein Einkommen, das unter dem Richtsatz lag, und dennoch
naren 28 Prozent der fraglichen Frauen berufstätig. Umgekehrt lag das
Einkommen von 55 Prozent der Haushalte aus der Kategorie ungelernte
Arbeiter unter dem Richtsatz, und nur 38 Prozent der Ehefrauen gingen
zur Arbeit (siehe Tafel V ) .
Wenn auch uie Häufigkeit der BerufStetigkeit der Ehefrauen im
allgemeinen mit dem Grau der "Notwendigkeit" ihres Mitverdienens zunahm, so war uieser Trend doch nicht in allen Beschäftigungskategorien
gleichmäßig ausgebiluet. Die Bereitwilligkeit, im Sinne dieser
"Notwendigkeit" zu handeln, war generell bei den sozial und wirtschaftlich höher einzustufenden Klassen starker. Ein nahezu konstanter Prozentsatz der Ehefrauen von angelernten Arbeitern (Maschinenarbeitern usw.)
ging zur Arbeit, unabhängig davon, ob das Haushalteinkommen über oder
unter dem Richtsatz lag. Die Berufstätigkeit unter den Frauen der gelernten Arbeiter (Facharbeiter, Meister usw.) und der ungelernten Arbeiter
stieg mit vorliegender "Notwendigkeit" um etwa ein Viertel; bei den
Tafel V

�Tafel

V

Haushalteinkommen und Beschäftigungsrate der Ehefrauen, nach dem Beruf
des Haushaltvorstandes und der Haushaltzusammensetzung aufgeschlüsselt
(Stand 1950)

HaushaltZusammensetzung, Haushalteinkommen und Beschäftigungsrate
der Ehefrauen

Beschäftigungsrate der Ehefrauen, deren Mann in
einem der folgenden Berufe tätig ist
Sämtl.
Berufe
1)

akadem.
u.Führungskräfte

35

15

29

.28

40

55

32

28

37

31

55

58

28
38

26
42

34
46

29
37

34
35

34
42

42

51

41

48

45

46
75

59
55

44
62

40
55

Sämtliche Familienhaushalte
Sämtl. Ehefrauen aus
Haushalten mit Einkommen unter dem
Richtsatz ohne
ihren Verdienst
Sämtl. berufstätigen
Ehefrauen
mit Haushalteinkommen (ohne
Einkünfte der
Ehefrau)
über dem Richtsatz
unter dem Richtsatz

Bürogelern- angeu.Ver- te Ar- lernte
kaufs- beiter Arbeiter
angest.

ungelernte
Arbeiter

Zwei-Personen-Haushalte
Sämtl&gt; Ehefrauen aus
Haushalten mit Einkommen unter dem Richtsatz ohne ihren Verdienst
30
Sämtl. beru:Fstätigen
Ehefrauen
mit Haushalteinkommen (ohne
Einkünfte der
Ehefrau )
über dem ]Richtsatz
unter dem Richtsatz

40

,

58
46

40
2)

-

5 -

�Familienhaushalte mit
Kindern, davon das
älteste 16 Jahrff und
darüber
Sämtl. Ehefrauen aus
Haushalten mit Einkommen unter dem
Richtsatz ohne ihren
Verdienst

25

Sämtl. berufstätigen
Ehefrauen
mit Haushalteinkommen (ohne Einkünfte d. Ehefrau)
über dem Richtsatz
unter dem Richtsatz
Familienhaushalte mit
Kindern, davon das
älteste zwischen
6 und 15 Jahren
Sämtl. Ehefrauen aus
Haushalten mit Einkommen unter dem
Richtsatz ohne ihren
Verdienst
Sämtl. berufstätigen
Ehefrauen
mit Haushalteinkommen (ohne Einkünfte d. Ehefrau)
über dem Richtsatz
unter dem Richtsatz
Familienhaushalte mit
Kindern, davon das
älteste unter 6 Jahren
Sämtl. Ehefrauen aus
Haushalten mit Einkommen unter dem
Richtsatz ohne ihren
Verdienst
Sämtl. berufstätigen
Ehefrauen
mit Haushalteinkommen (ohne Einkünfte d. Ehefrau)
über dem Richtsatz
unter dem Richtsatz

18

17

23

48

30

22

38

29

37

33

25
44

21
2)

32
2)

25

34
2)

27
45

44

20

38

41

57

76

28

22

29

26

32

39

22

19

34

34

22
42

23
30

32
32

30
42

36

18

35

31

42

65

21

20

26

21

21

28

20
23

17

26
28

20
23

22
20

30
24

35

-

6 -

2)

�Durchschnittswerte
für s ä m t l i c h e e r f a ß t e n Verbraucherhaushalte
Brutto-Haushalteinkommen
Schuljahre des
Haushaltvorstandes
A l t e r des H a u s h a l t vorstandes

$ 4240

$ 6045

3 4434

$ 4562

$ 5924

$ 2989

10

13

12

10

9

9

47
3,0

42
3,0

42
2,9

43
3,4

Familienstärke

41
3,4

48
2,9

1)
" einschließlich Heushaltvorstände, die als selbständig oder nicht
erwerbstätig geführt werden

2)
weniger als 50 Fälle
den Ehefrauen der Büro- und Verkaufsangestellten um fast zwei Fünftel,
der festangestellten Fach- und Führungskräfte um etwa drei Fünftel.
Diese Schwankungen spiegeln u.a. die Tatsache wider, daß ein Lebensstandard im Sinne des Richtsatzes von den Familien mit überdurchschnittlichem Einkommen als unzureichend empfunden wurde.
Das Vorhandensein oder Nichtvorhandensein von Kindern wirkte sich
in den verschiedenen Berufskategorien unterschiedlich a^us . Relativ geringfügige Abweichungen in der Beschäftigungshäufigkeit traten in den
einzelnen Berufskategorien bei vorliegender "Notwendigkeit" bei kinderlosen Ehefrauen auf, große dagegen bei Müttern. In Zwei-Personen-Haushalten mit einem Einkommen unter dem Richtsatz lag die Beschäftigungsrate der Ehefrauen in allen fünf Eeschäftigungskategorien um zwei bis
drei Fünftel höher als in Haushalten mit einem Einkommen über dem Richtsatz. In Familien mit Kindern, von denen das älteste zwischen 6 und 15
Jahre alt war, traten größere Schwankungen auf. Unter derartigen Familien
der angelernten Arbeiter (Maschinenarbeiter usw.) waren 32 Prozent der
Ehefrauen berufstätig, wobei der Prozentsatz bei Familien, die auf einen
Zusatzverdienst der Frau angewiesen waren, und Familien, bei denen eine
solche "Notwendigkeit" nicht bestand, gleich hoch lag. Die Rate der
Berufstätigkeit der Mütter war jedoch in den einschlägigen Haushalten
der gelernten und ungelernten Arbeiter in Falle des Vorliegens der"Notwendigkeit" etwas höher und bei den Familien der festangestellten akademischen Fach- und Führungskräfte sogar wesentlich höher als bei Nichtvorliegen. In Familien letzterer Art mit einem Einkommen über dem Richtsatz, deren ältestes Kind zwischen 6 und 15 Jahro alt war, arbeiteten
um so mehr Enefrauen, je niedriger der Mann seiner Beschäftigung nach
auf der sozialen und wirtschaftlichen Stufenleiter stand; der Satz betrug
19 Prozent bei den festangestellten akademischen Fach- unü Führungskräften und 52 Prozent in der Gruppe der angelernten Arbeiter.
Alter

. 7.

�Alter der Ehefrau
Die hier aufgezeigten Zusammenhänge zwischen Alter und Beschäftigungsrate der Ehefrauen lassen sich nicht generell als Maßstab
für die Gesamtheit der befragten Haushalte werten, da man fast durchweg versäumt hatte, nach dem Alter der nicht berufstätigen Frauen zu
fragen. Lediglich bei Haushaltungen, die aus einem Ehepaar und weiteren Erwachsenen bestanden, wurde das Alter der Haushaltmitglieder
registriert; dabei zeigte sich, daß die Beschäftigungsrate bei Frauen
unter 50 Jahren 75 Prozent betrug und mit fortschreitendem Alter sank,
um schließlich in der Gruppe der Frauen von 50 bis 59 Jahren 25 Prozent
und in der der Frauen über sechzig 10 Prozent zu erreichen. Unterteilt
man diese Haushalte noch nach solchen mit einem Einkommen über und
unter dem Richtsatz, so zeigt sich, daß bei den Frauen unter 50 Jahren
der Anteil der Berufstätigen in den Haushalten mit einem unter dem
Richtsatz liegenden Einkommen mit 72 Prozent um ein gutes Viertel höher
lag als in den Haushalten mit höherem Einkommen, wo er lediglich 57
Prozent betrug. Bei Frauen über 50 war die Häufigkeit der Berufstätige
keit bei Vorliegen der "Notwendigkeit" 28 Prozent und somit mehr
als doppelt so groß wie in den Fällen, in denen dieser Zwang zur Arbeit
nicht bestand und die Rate bei 13 Prozent lag.
Bei den Zwei-Personen-Haushalten dagegen erweist sich das Vorliegen der "Notwendigkeit" auch bei zunehmendem Alter der Ehefrau weit
seltener als treibende Kraft, eine Stellung anzunehmen. Der Anteil
der berufstätigen Ehefrauen aus der Gruppe der Haushaltungen mit
einem Einkommen unter dem Richtsatz, die auf ein zusätzliches Einkommen angewiesen waren, nahm erst vom 40. Lebensjahr an merklich zu.
Der Prozentsatz der berufstätigen Ehefrauen über 60, bei denen die
"Notwendigkeit" zu bejahen war, lag mit 61 Prozent mehr als doppelt
so hoch wie der der betreffenden Ehefrauen unter 40, dej) zwischen 24
und 29 Prozent schwankte.
Ergänzend sei noch hinzugefügt, daß bei den Haushaltungen der
nicht Erwerbstätigen, die im Vergleich zu den Haushalten mit berufstätigen Vorständen meist aus älteren Menschen bestanden, nur 10 Prozent
der Ehefrauen bei einem höheren Einkommen, als es dem Richtsatz entspricht, und 28 Prozent bei einem geringeren zur Arbeit gingen.
Der Beitrag der Ehefrau zum Haushalteinkommen
Von den 42 Prozent der Haushalte mit berufstätigen Ehefrauen,
deren Einkommen unterhalb des Richtsatzes lag, verdienten 23 Prozent
oder mehr als die Hälfte nicht genug, um das Haushalteinkommen soweit
aufzubessern, daß es den Richtsatz überstieg. Von den Frauen, die
das ganze Jahr über gearbeitet hatten, gehörten aber nur 14 Prozent
Haushaltungen an, deren Einkommen unter Hinzurechnung des Arbeitseinkommens der Ehefrau immer noch unter dem Richtsatz lag. Der Richtwert
wurde für den folgenden Vergleich nicht nach oben berichtigt, um die
durch die Berufstätigkeit der Ehefrau bedingten höheren Haushaltausgaben abzudecken.

�Haushaltzusammensetzung

Prozent der Haushalte mit einem unter dem
Richtwert liegenden Einkommen im Jahr 1950
Sämtl. berufstätigen Ehefrauen

Sämtliche Familienhaushalte
Ohne Kinder
ohne weitere Erwachsene
mit weiteren Erwachsenen

Ganzjährig
beschäftigte
Ehefrauen

Zeitweilig
beschäftigte
Ehefrauen

23

14

29

16
20

11
11

21
30

21
31
31
26

12
13
22
18

28
39
34
27

39

32

43

Mit Kindern, davon das
älteste
18 Jahre und darüber
16 bis 17 Jahre
6 bis 15 Jahre
unter 6 Jahren
Mit Kindern unter
18 Jahren und anderen
Erwachsenen

Der Prozentsatz der arbeitenden Mütter jüngerer Kinder, die mit ihrem
Arbeitsverdienst das Haushalteinkommen auf die Höhe des Richtsatzes und
darüber brachten, war geringer als der der übrigen berufstätigen verheirateten Frauen. Dies ist zum Teil der Tatsache zuzuschreiben, daß die
Berufstätigkeit dieser Frauen in einer größeren Anzahl von Fällen das
Ergebnis eines ohne einen Beitrag ihrerseits sehr viel niedrigeren
Haushalteinkommens war als bei den übrigen arbeitenden Frauen. Bei den
ganzjährig beschäftigten Müttern mit Kindern im Alter von 6 bis 17 Jahren
belief sich in 22 Prozent der Fälle das Gesamthaushalteinkommen auf eine
noch unter dem Richtsatz liegende Höhe; hätten sie nicht gearbeitet,
so wäre das Haushalteinkommen bei 66 Prozent von ihnen hinter dem Richtsatz zurückgeblieben (siehe Tafel III).
(Quelle: Monthly Labor Review,
Vol. 85, Nr. 4, April
1962)
* * * * *

-

9

-

�Fast 70 Millionen Beschäftigte in den USA
Auch während der Sommermonate, die allgemein auf Grund der
Betriebsferien in den großen Industrieunternehmen durch eine gewisse Flaute in der wirtschaftlichen Aktivität gekennzeichnet
sind, hat sich die Lage auf dem amerikanischen Arbeitsmarkt weiter
günstig entwickelt.
Wie aus dem jüngsten Bericht des US-Arbeitsministeriums über
die allgemeine Beschäftigungssituation im August hervorgeht, nahm
die Zahl der Beschäftigten in diesem Monat um 200 000 zu und erreichte
mit 69,8 Millionen damit fast die 70-Millionen-Grenze. Diese Entwicklung ist dabei insofern ermutigend, als auf Grund der saisonalen
Erwartungen normalerweise ein Rückgang in der Beschäftigtenziffer
um rund 300 000 hätte eintreten müssen.
Während jedoch die Entwicklung auf dem Beschäftigungssektor
die jahreszeitlichen Erwartungen übertraf, waren die Erwerbslosenziffern optisch insofern ein wenig enttäuschend, als sich der
Rückgang um 86 000 auf insgesamt 3»9 Millionen nicht im saisonüblichen Rahmen (450 000} hielt. Daher stieg auch die Erwerbslosenrate
gegenüber Juli (5, ~bi°) auf 5»8 Prozent der Gesamtbeschäf tigtenzahl an.
Beschäftigt man sich aber einmal näher mit den Hintergründen
der Erwerbslosenziffer für August, so zeigt sich, daß gerade in diesem Monat verschiedene ungünstige Faktoren das allgemeine Bild trübten. Einmal fiel der Zeitpunkt der Erhebung in die Umrüstungsperiode
der Automobilindustrie für die 6jer Modelle (vorübergehende Entlassung zahlreicher Arbeitnehmer), und zum anderen wies der August einen
ungewöhnlich starken Zustrom von Frauen zum Arbeitsmarkt auf. Bei dem
größten Teil dieser Frauen scheint es sich aber um Lehrerinnen zu
handeln, die ihre Ausbildung jetzt abgeschlossen haben und auf ihre
erste Anstellung warten - also im September wieder aus der Arbeitslosenstatistik verschwinden werden.

\

Es ist also zu erwarten, daß mit der vollen Aufnahme der Arbeit
in der Automobilindustrie, dem Eintritt der jungen Lehrerinnen ins
Berufsleben und der Rückkehr der vielen Teenager zur Schule, die
sich in den Ferien um einen Arbeitsplatz bemüht hatten, die Erwerbslosenziffer im September wieder erheblich absinken wird.
Was die Dauer der Erwerbslosigkeit betrifft, so handelt es sich
bei der großen Masse der Arbeitsuchenden um solche Personen, die
ihren alten Arbeitsplatz aufgegeben haben, um sich etwa anderes zu
suchen, oder um kurzfristig Erwerbslose. Denn nach der jüngsten
Statistik war in den USA im August nur etwa ein Viertel der 3,9
Millionen Erwerbslosen bereits länger als 15 Wochen ohne Arbeit.
Interessant ist in diesem Zusammenhang auch noch eine Untersuchung des "Wall Street Journal" über die Zahl der offenen Stellen in
der Wirtschaft, die kürzlich veröffentlicht wurde. Danach gibt es in
allen größeren Städten der USA eine erhebliche Anzahl offener Stellen,
die in der Regel nur deshalb unbesetzt blieben, weil die Arbeitsuchenden "sehr wählerisch" seien, wie das Blatt betont. Die Hoffnung, einen
besseren als den angebotenen Arbeitsplatz zu finden, die relative

-

10

�relative wirtschaftliche Sicherheit auf Grund der Arbeitslosenunterstützung, des erhaltenen Entlassungsgeldes sowie der vorhandenen Ersparnisse und einer Reihe anderer Paktoren versetzen solche
Arbeitslose in die Lage, sich in Ruhe um einen neuen Arbeitsplatz
zu bemühen, der ihren Vorstellungen weitgehend entspricht.
Diese Tatsache kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, daß
es zahlreichen Erwerbslosen durchaus nicht rosig geht. In erster
Linie handelt es sich bei ihnen jedoch um langfristige Arbeitslose,
die ihren Arbeitsplatz wegen technologischer Veränderungen verloren
haben und wegen ihrer unzureichenden beruflichen Qualifikationen
nur sehr schwer einen neuen Arbeitsplatz finden können. Im Zuge umfangreicher Umschulungsprogramine und anderer Hilfsmaßnahmen bemüht sich
die US-Regierung, auch diese "strukturellen" Arbeitslosen wieder in
den Arbeitsprozeß einzugliedern.
(Quelle: Eigenbericht)

*

*

*

•

*

*

AFL-CIO fordert 35-S tunden-Woche,
Die Verkürzung der Arbeitszeit auf 35 Wochenstunden bei vollem
Lohnausgleich wurde auf einer Tagung des Vorstands des amerikanischen Gewerkschaftsverbandes AFL-CIO vom 12. bis 16. August in Chicago
gefordert, um zusätzliche Arbeitsmöglichkeiten zu schaffen.
In einer diesbezüglichen Resolution kündigte die AFL-CIO ein
umfassendes Programm zur Verwirklichung dieser Forderung an, das ein
gleichzeitiges Vorgehen in zwei getrennten Bereichen vorsieht. Einmal wollen die Gewerkschaften eine Abänderung des Fair Labor Standards
Act erreichen - des Gesetzes über die Regelung der Arbeitsbedingungen
und Löhne aus dem Jahre 1938, das die Einführung der 40-StundenWoche brachte -, um die 35-Stunden-',7oche und einen Überstundenzuschlag
von 100 Prozent auf gesetzlichem "J'ege durchzusetzen. Zum anderen werden die Gewerkschaften fortan bei Tarifverhandlungen mit größtem Nachdruck auf die Verkürzung der Arbeitszeit drängen.
Der Vorstand hat einen besonderen Ausschuß zur Durchsetzung einer
kürzeren gesetzlichen Arbeitszeit ins Leben gerufen, der u.a. Entwürfe für Abänderungsgesetze zu don bestehenden Arbeitszeit- und Lohngesetzen ausarbeiten soll, um die Verabschiedung einer gesetzlichen
Neuregelung zu beschleunigen. Ein besonderer Arbeitsstab in der
AFL-CIO-Zentrale in Washington wird die angeschlossenen Gewerkschaften
bei TarifVerhandlungen in Fragen der Arbeitszeitverkürzung beraten.
Wie George Meany, der Präsident der AFL-CIO, auf der Tagung in
Chicago erklärte, halten die Gewerkschaften die Befürchtung für unberechtigt, die 35-Stunden-Woche werde inflationistische Tendenzen
auslösen, sie glauben vielmehr, daß sie zahlreiche neue Arbeitsmöglichkeiten mit sich bringen werde.
Präsident

�Präsident Kennedy und Arbeitsminister Goldberg haben sich jedoch
gegen eine weitere Verkürzung der Arbeitszeit in den Vereinigten
Staaten ausgesprochen. Goldberg wies darauf hin, daß die USA im
gegenwärtigen Augenblick ihre gesamte Produktionskraft aufbieten
müßten und daß solche gewerkschaftlichen Forderungen dazu angetan
seien, die Zahl der Streiks zu erhöhen.
(Quelle: Eigenbericht)
* * * * *

Gewerkschaftliche Kurznachrichten
US-Lohnerhöhungen im ersten Halbjahr 1962 nicht inflatorisch
Die Mehrzahl der im ersten Halbjahr 1962 in den Vereinigten
Staaten ausgehandelten Tarifverträge brachte über 2 Millionen Arbeitnehmern Lohnerhöhungen, die sich in volkswirtschaftlich vertretbaren
Grenzen hielten.
Arbeitsminister Arthur J. Goldberg wies in diesem Zusammenhang
kürzlich darauf hin, daß sich die Lohnerhöhungen für sämtliche von
neuausgehandelten Tarifverträgen erfaßten Arbeitnehmer im Mittel auf
3,2 Prozent, diejenigen für Arbeitnehmer, die unter Tarifverträge
mit sofort wirksam werdender Lohnerhöhungsklausel fallen, im Durchschnitt auf 3,8 Prozent beliefen.
Über ein Fünftel der erfaßten Arbeitnehmer gehörte dem nichtfahrenden Eisenbahnpersonal an, für das Lohnerhöhungen von etwas über 10 Cent
pro Stunde ausgehandelt wurden. Das entspricht theoretisch einer Steigerung um etwa 4,1 Prozent; wegen des verspäteten Inkrafttretens des
Tarifvertrages ergibt sich aber auf Jahresbasis eine Zunahme um lediglich knapp 3 Prozent.
Eine fast.ebenso große Zahl von Arbeitnehmern war in der Stahlund Aluminiumindustrie beschäftigt, wo die neuen Tarifverträge für
dieses Jahr keine Lohnerhöhungen vorsehen, dafür aber eine Erhöhung
der sozialen Aufwendungen der Unternehmer um 10 bis 11 Cent pro Stunde
oder rund 2,5 Prozent der Lohnkosten.
Der Arbeitsminister erklärte, er schätze sich glücklich, daß
"die Lohnentwicklung in den ersten sechs Monaten dieses Jahres in
den wichtigsten Industriezweigen ihrem Wesen nach nicht inflationistisch war und somit in Einklang mit dem Allgemeininteresse stand".

(Quelle: Eigenbericht)

*

- 12

-

�Beträchtliche Zunahme der Zahl der Ingenieure
Die Zahl der in der amerikanischen Wirtschaft tätigen Ingenieure hat sich zwischen 1950 und i960 um-64 Prozent erhöht, wie aus
einer jetzt veröffentlichten Untersuchung des US-Arbeitsministeriums
hervorgeht. Als Gründe für die beträchtliche Zunahme der technischen
Fachkräfte in der letzten Dekade werden von dem Ministerium u.a.
die verstärkte Forschungs- und Entwicklungstätigkeit, die weitgehenden
technischen Veränderungen in der Industrie sowie die Erhöhung der Verteidigungsausgaben angeführt.
Wie aus der Untersuchung weiter zu entnehmen ist, erhöhte sich
die Zahl der technischen Arbeitsplätze in den USA während der letzten
10 Jahre rund viermal so schnell wie die Gesamtzahl aller Arbeitsplätze, während die Zuwachsrate für farbige Ingenieur* im Vergleich
zur Gesamtzuwachsrate in diesem Zeitraum rund achtmal so hoch war.
Während 1950 lediglich 258O Farbige solche technischen Arbeitsplätze
ausfüllten, waren es i960 insgesamt 11 636.
(Quelle: Eigenbericht)

Durchschnittsgehalt von Büroangestellten 77 Dollar pro Woche
Das durchschnittliche Wochengehalt eines Büroangestellten in den
Vereinigten Staaten beträgt gegenwärtig nach Angaben der "National
Office Management Association" 77 Dollar; das sind 2 Dollar mehr als
1961 .
Nach der neuesten jetzt veröffentlichten Gehaltsübersicht des
Verbandes schwankt das Durchschnittsgehalt für Bürokräfte zwischen
60 Dollar für eine in der Registratur beschäftigte männliche Arbeitskraft und 100 Dollar für erfahrene Buchhalter. Während der höchste
wöchentliche Durchschnitt mit 82 Dollar in den westlichen Teilen
der USA registriert wurde, belief sich das wöchentliche Durchschnittsgehalt in den Oststaaten auf 75 und in den Südstaaten auf 72 Dollar.
Die Gehaltsübersicht stellt das Ergebnis einer umfassenden Analyse
in allen Teilen der USA und in insgesamt 9400 verschiedenen Unternehmen
dar; sie umfaßt insgesamt 64O 000 Büroangestellte und 23 verschiedene
Bürotätigkeiten.

(Quelle: Eigenbericht)

*

-

13

-

�Automatische Lohnerhöhung in der Automobilindustrie
Die rund 500 000 Arbeitnehmer der amerikanischen Automobilindustrie
erhalten seit dem 3. September 1962 um 6 bis 9 Cent höhere Löhne, und
zwar auf Grund des 1948 in die Tarifverträge aufgenommenen sogenannten
"annual improvement factor".
Diese Produktivitätsklauseln, die von der Annahme ausgehen, daß
die jährliche Zunahme der Arbeitsproduktivität in der Automobilindustrie
im Durchschnitt 2,5 Prozent beträgt, sehen vor, daß die Leistungssteigerung den Arbeitnehmern jährlich automatisch in Form höherer Löhne
zugute kommt. Die Erhöhung muß dabei entweder 2,5 Prozent oder 6 Cent
pro Arbeitsstunde betragen, je nachdem welcher Betrag höher ist.
Auch die Hunderttausende Arbeitnehmer der Zulieferbetriebe kamen dabei
in den Genuß dieser Lohnerhöhung.
Wie die Vereinigte Automobilarbeitergewerkschaft (UAW) im Zusammenhang mit der neuen Lohnerhöhung bekanntgab, haben sich die Automobilarbeiterlöhne auf Grund dieser Kontraktklauseln seit 1948 allein
um 77 Cent erhöht.

(Quelle: Eigenbericht)

-

14

-

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
USIS-Bonn/Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XV - 1 1

Bad Godesberg, den 1. November 1962
INHA LTSVERZEICHNIS

Urlaubsregelungen in den USA

Seite

1

Leistungen der Pensionspläne wurden verbessert
(und vier weitere Kurznachrichten)

Seite

13

Frank W. Merrit, Abteilung Löhn«' und Arbeitgeber-Arbeitnehmerbeziehungen im US-Bundesamt für Arbeitsstatistikl
Urlaubsregelungen in den USA
Die Bestimmungen bezüglich der Gewährung von bezahltem Urlaub in
den bedeutenderen Tarifverträgen im Jahr 1961
Der Trend zu einer großzügigeren Urlaubsregelung hat sich bei
den im Jahre 1961 zwischen Unternehmern und Gewerkschaften ausgehandelten bedeutenderen Tarifverträgen deutlich fortgesetzt, wie aus
einer kürzlich abgeschlossenen diesbezüglichen Untersuchung des USBundesamtes für Arbeitsstatistik hervorgeht. Seit 1957» dem Jahr
der letzten derartigen Untersuchungen des Bundesamtes, hat sich der
Anteil der betrieblichen Urlaubsordnungen, die die Gewährung von
4 Wochen bezahltem Urlaub und mehr vorsehen, von 20 auf 43 Prozent
erhöht (siehe Tafel i). Die Urlaubsbestimmungen der 1961 geschlossenen Tarifverträge sahen bei 49 Prozent aller Lohnvereinbarungen für
Belegschaftsmitglieder mit langjähriger Betriebszugehörigkeit einen
Urlaub von 3 bis 3 1/2 Wochen vor. Eine Höchsturlaubsdauer von 2 Wochen, die im Jahre 1949 noch vorherrschend war, fand sich 1961 nur
noch bei einem Zehntel der Verträge«
Tafel I

�Tafel I
Urlaubshöchstgrenzen gemäß einer Anzahl von ausgewählten Tarifverträgen
in den Jahren 1949. 1952. 1957 und 1961
(in Prozent)
Dauer i n Wochen
1949*

bis
1

6

1952**

über
2

2

61

33

,

1957***

.
1 2

2

48

* 1314 Tarifverträge;

3

4

46

4

bis 2 _
und
2

2 1/2

1

15

** 951 Tarifverträge

1961 * * * *

3
und

4 2
1 /2 3
und
und
und

4
und

3 1/2

mehr

mehr

64

20

w e n i - 3 1/2
ger

8

49

43

*** 1529 Tarifverträge

**** 1428 Tarifverträge

Mehc Urlaub bei niedrigerem Dienstalter
Die Verlängerung der Urlaubszeit ging Hand in Hand mit einer Verkürzung der als Voraussetzung für die Gewährung des Höchsturlaubs erforderlichen Betriebszugehörigkeitsdauer. Der Anteil der Tarifverträge,
denen zufolge 15 und 25 Jahre Betriebszugehörigkeit als Voraussetzung
für einen drei- bzw. vierwöchigen Urlaub nachgewiesen werden mußten,
ging in den vier Jahren zwischen der Erstellung der beiden Berichte
von 65 auf knapp 40 Prozent bzw. von 69 auf rund 53 Prozent zurück
(siehe Tafel II). Im Jahr 1961 hatten 26 Prozent der von den untersuchten Tarifverträgen erfaßten Arbeitnehmer - gegenüber nur 11 Prozent
im Jahr 1957 - Anspruch auf 3 Wochen bezahlten Urlaub nach einer Betriebszugehörigkeitsdauer von 10 Jahren,
Zum Zwecke der Untersuchung verschiedener Aspekte der Urlaubsregelung in den Betrieben (Art und Dauer des Urlaubs, Voraussetzungen
und Ermittlung des Anspruchs) analysierte das US-Bundesamt für Arbeitsstatistik 1698 größere Lohnvereinbarungen, die für jeweils mehr als
1000 Arbeitnehmer gültig waren. Daibei handelte es sich,mit anderen
Worten,um sämtliche bedeutenderen Tarifabkommen mit Ausnahme der Abkommen im Bereich des Schienen- und Luftverkehrs. Die Untersuchung
wurde noch vor dem Inkrafttreten des neuen Stahlarbeiter-Tarifvertrags am 1. Juli 1962 abgeschlossen, der weitere Verbesserungen der
Urlaubsregelung in diesem großen Industriezweig mit sich brachte.
Die von den untersuchten Tarifverträgen erfaßten 7»4 Millionen
Arbeiter und Angestellten machten fast die Hälfte aller unter gewerkschaftlichen Tarifverträgen beschäftigten Arbeitnehmer in den
Vereinigten Staaten aus, wiederum unter Ausklammerung der Beschäftigten im Schienen- und Luftverkehr. Von den 1698 erfaßten

2 -

�Tafel II
Anteil einer Anzahl von ausgewählten Tarifverträgen mit Bestimmungen
über die Gewährung von bezahltem Urlaub nach Betriebszugehörigkeitsdauer. 1957 und 1961
(in Prozent)

2 Wochen Urlaub nach
Betriebszugehörigkeit von
1957
1961
1
2
3
5

Jahr
Jahren
Jahren
Jahren

16
20
21
36

3 Wochen Urlaub nach
Betriebszugehörigkeit von
1957
1961

15 unter 5
22
Jahren
24 10 Jahren
30 15 Jahren

5
18
65

4 Wochen Urlaub
nach BetriebsZugehörigkeit v.
1957 1961~

unter 20
7
Jahren
36 20 Jahren
40 25 Jahren

5
20
69

9
31
53

erfaßten Tarifverträgen entfielen 1030 auf die Fertigungsindustrien,
668 auf die übrige Wirtschaft; von den ersteren wurden 4»29 Millionen und von den letzteren 3»07 Millionen Arbeitnehmer betroffen.
Sämtliche in die Untersuchung einbezogenen Abkommen waren zu
Beginn des Jahres 1961 in Kraft, bei 30 Prozent standen neue Verhandlungen im Laufe des Jahres zu erwarten.
Urlaubsregelung durch Tarifverträge vorherrschend
Die betriebliche Urlaubsregelung war bei 92 Prozent der Lohnabkommen unmittelbarer Vertragsbestandteil. Im Bereich der Fertigungsindustrien war die Gewährung von bezahltem Urlaub in fast allen
Fällen im Tarifvertrag geregelt, in den übrigen Wirtschaftszweigen
in vier Fünfteln der Fälle. Von insgesamt 142 Tarifverträgen ohne
direkte Urlaubsklausel entfielen 124 auf das Baugewerbe.
Mehr als 90 Prozent der Tarifverträge mit Urlaubsklauseln regelten die Gewährung von Urlaub nach der Betriebszugehörigkeitsdauer.
Von den 142 Tarifverträgen, in denen eine Urlaubsiregelung nur mittelbar getroffen wurde, verfügten 75 die Abführung eines Unternehmerbeitrags an einen zentralen Fonds, aus dem die Arbeitnehmer die Lohnfortzahlung für die
Urlaubsdauer erhalten. Die restlichen 67 Verträge,
von denen 462 900 Arbeitnehmer betroffen wurden, sahen folgende Regelungen vor.^Tafel III) t

Tafel III

�Tafel III

Art der Urlaubsregelung

Zahl
der Verträge der Betroffenen

Einheitlicher Urlaubsanspruch

18

245 950

Urlaubsanspruch nach Arbeitsstunden

15

93 900

Andere Urlaubsregelungen

34

123 050

Urlaub nach Beschäftigungsdauer-Kategorien
Im Jahre 1961 enthielten mehr als ein Drittel der wichtigeren
Tarifverträge in den Fertigungsindustrien und über die Hälfte der
Abmachungen in den übrigen Wirtschaftszweigen Bestimmungen über die Gewährung von bezahltem Urlaub bis zu vier Wochen, gegenüber einem
Sechstel bzw. einem Viertel im Jahr 1957» In der Mineralölwirtschaft,
in der Gummiindustrie und im Nachrichtenwesen (vergleiche Tafel IV)
sahen sogar über 90 Prozent aller Tarifverträge die Gewährung von
vier Wochen Urlaub vor.
Mit der Verlängerung der Urlaubsdauer einher ging in der Zeit von
1957 bis 1961 eine Verkürzung der als„Voraussetzung für die Urlaubsgewährung geforderten Betriebszugehörigkeitsdauer. Der Anteil der
Verträge, die einen zweiwöchigen Urlaub erst nach 5 Jahren Betriebszugehörigkeit zugestanden, ging von 36 auf 30 Prozent zurück, während
im Falle der Forderung einer zwei- und dreijährigen Betriebszugehörig- '
keit als Voraussetzung für einen zweiwöchigen Urlaub eine leichte
Zunahme zu verzeichnen war. Als Voraussetzung für einen dreiwöchigen
Urlaub wurden von Fall zu Fall 1 bis 25 Jahre vereinbart (siehe Tafel V ) .
Im Jahre 1961 wurden in 40 Prozent der Verträge 15 Jahre und in 36 Prozent 10 Jahre Betriebszugehörigkeit als Voraussetzung für 3 Wochen
Urlaub genannt, gegenüber 65 bzw. 18 Prozent im Jahr 1957»
Bei etwas über der Hälfte der Verträge, die vier Wochen Urlaub
vorsahen, wurden 25 Jahre Betriebszugehörigkeit als Vorbedingung gefordert; 1957 traf dies noch für mehr als zwei Drittel aller derartigen Verträge zu.
Die Jrlaubsansprüche von Belegschaftsangehörigen mit kürzerer
Betriebszugehörigkeit entwickelten sich 1961 in den Industriezweigen,
in denen ohnehin eine großzügige Urlaubsregelung vorherrscht, ebenfalls günstig weiter. So wurde z.B. in der Mineralölindustrie, in der
die Höchstdauer generell bei vier, lochen liegt, ein zweiwöchiger Urlaub schon nach einem Jahr Betriebszugehörigkeit und ein dreiwöchiger
Urlaub nach zehn Dienstjähren gewährt. In der Nahrungsmittel-, Papierund Gummiindustrie sowie auch in der chemischen Industrie und in den
Versorgungsbetrieben, wo die Höchstdauer ebenfalls vier Wochen betrug,
wurden zwei oder drei Jahre Betriebszugehörigkeit als Voraussetzung
für einen zweiwöchigen Urlaub und zehn Jahre für einen dreiwöchigen
Urlaub gefordert. Noch im Jahre 1957 wurde ein dreiwöchiger Urlaub
in fast allen diesen Wirtschaftszweigen frühestens nach 15jähriger
Betriebszugehörigkeit gewährt.
Tafel IV

�Tafel IV
Zahl der Arbeitnehmer
gestaffeltem

mit t a r i :f v e r t r a g l ich

nach

b e z a h l t e n U r l a u b :Im J a h r e 1 9 6 1 ,

B e s c h ä f t i g u n g :ä d a u e r

nach

Wirtschaftszweigen

!a u f g e s c h l ü s s e l t
(in
I n d u s t r i e - oder
Wirtschaftszweig

Tausend)

insgesamt

Höchsturlau bsdauer
1

2

2

1/2

5

5

1/2

(Wochen )
4

über

4
6,0

465,8

58,7

2126,7

694,0

2569,5

57,9

3888,1
Fertigungsind.
Rüstung
59,9
Nahrungsmittel
342,5
Tabak
25,8
65,8
Textil
176,1
Bekleidung
Holz
25,2
29,2
Möbel
155,2
Papier
29,6
Druck
86,0
Chemie
Mineralöl
46,5
111,2
Gummi
Leder
61,4
106,1
Steine
641 , 8
Hüttenwesen
Metallverarbeitung
155,7
500,2
Maschinenbau
Elektrogeräte
424,9
1018,6
Transportm.
Feinmechanik
49,9
Verschiedene
21,5

6,0
2,3
-

520,1

56,9
1,1
-

1692,0
46,4
77,1
21 , 2
4,5
1,7
11,6
25,7
15,5
17,9
18,4
4,7
51,8
69,9
61,3

676,2
11,1
—
1,5
1,2
-

15,8
-

8,0
557,9

1141,5
10,0
244,8
1,0
1,1
4,0
117,5
11,7
64,5
46,5
106,6
1,5
21,5
41,6
54,1
122,7
228,2
42,1
17,4

5,5

4,2
—

Übrige W i r t s c h a f t 1848,5
Bergbau u.Erd«53,2
ölförderung
Transport
498,5
Fernmeldewesen
510,4
Versorgungsbetr.1 77,5
20,1
Großhandel
Einzelhandel
280,3
H o t e l - u n d G a s 't 160,5
stättengewerbe
144,0
Dienstleistung
24,1
Baugewerbe
—
Verschiedene

Gesamtwirtsch.

5756,5*

5,5

-

1,5
59,4
170,7
9,6
4,0
28,5
6,7
-

-

8,2
6,0
7,0
15,5
2,1

2,5
50,0
-

42,7
152,6
180,2
868,5
51,4
1 3,3

28,7
18,9
2,9
64,9
1,1

-

145,8

1,8

454,7

17,8

1228,5

22,2

-

4,2
4,6
18,5

1,8
-

11,4
90,1

4,7

5,9
596,7
504,6
144,4
9,6
154,1

1,5
2,5

16,1
10,5
125,1

12,5
2,9
2,7

—

54,7

-

105,8
68,2
5,0

—
-

3,7

40,7
21,1
""

5,4
-

•

-

—

55,1
—

"

* Wegen Auf- und Abrundungen stimmt die Summe der Einzelangaben nicht
notvuendi gerweise restlos mit der Gesamtsumme überein.
Tafel V

9,4
1,2
1,0

l'li

17,0
—
—
—
—
—

�Tafel V
Z a h l d e r Arb&lt;e i t n e h m e r i n den U r l a u b s k a t e g o r i e n
kei tsdauer

gemä .ß den b e d e u t e n d e r e n T a r i f v e r t r ä g e n
(in

Betriebs zugeh ö r i g k e i tsdauer

bis 1

I n s g e s a n it

5953, 4

b i s zu 1/2 Jahr
1/2 b i s 1 J a h r
1 Jahr
1 bis 2 Jahre
2 Jahre
2 bis 3 Jahre
3 Jahre
4 Jahre
5 Jahre
6 Jahre
7 Jahre
8 Jahre
9 Jahre
10 J a h r e
11 J a h r e
12 J a h r e
13 J a h r e
14 J a h r e
15 J a h r e
16 J a h r e
17 J a h r e
18 J a h r e
19 J a h r e
20 Jahre
21 J a h r e
22 J a h r e
23 J a h r e
24 J a h r e
25 J a h r e
26 J a h r e
30 J a h r e
andere*

nach B e t r i e b s z u g e h ö r i g im Jah r 1961

Tause n d )
Woche n U r l a u b s a n s p r u c h

413, 4
1 3 4 8 , .9
4105, 5
64, 6
1

mm

_
_
m

m

2 1 ,• 1

1

1/2

2258,3
2,6

122,8
66,1
141,8
135,6

2 1/2

2

5637,9
13,4
130,6
877,4
63,4
1^65 +'J

8,2

6,6

1763,2

1102,8

6,3
-

94,4

*m

*
_
_
_
_
_

11,7

2244,7

3,5

4,4
1,3
_

2139,0

14,8
13,7
11,5
7,2
-

10,0
26,7
69,5
14,4
53,9
45,0
21,7
1631,9
8,1

210,0
3,5
-

11 ,6
2,1
_
_
3,8

o»

—
—
—

30,6

5042,4

-

17,2
4,3
-

29,1
-

234,1
1,1

23,3
16,4
10,9
1123,5
284,0
351,0
15,5
18,5
2671,9
5,0
1,2
2,1

14,8
_

6 -

über 4

842,1

2404,8

57,9

1,5
5,0
2,7
6,9
-

_
_
-

_
_
.
-

m

m

52,7

13,3
9,7
5,0

13,1
-

11,2
-

99,1

41,9

2,3

3,5

1,2

10,2

249,1

4,0

4,5

47,2

571,9

5,3

10,0
1,5

10,4 639,5

* einschließlich der Fälle, in denen die Betrieoszugehörigkeitsdauer .in Bruchteilen des Kalenderjahres, meist in Halbjahren, ausgedrückt ist, oder
andere, nicht spezifizierte Vorschriften bezüglich
des Dienstalters maßgebpnd sind .

-

4

5 1/2

3

_
3,8

,
1,5
1,2
-

10,5

-

-

88,9
48,6
11,9
1279,5

10,2

5,0

_
8,7

51,0
1,2

-

5,9

Urlaub

�Urlaub nach Dienst.jahren
Bei fast zwei Fünfteln der betrieblichen Urlaubsregelungen
nach Beschäftigungsdauer erhöhte sich die tatsächliche Urlaubszeit über einen Grundurlaub hinaus in einer festen Relation zum
Dienstalter um halbe Wochen oder Tage. Häufig sieht die Urlaubsordnung nach einem Jahr Betriebszugehörigkeit einen einwöchigen
Grundurlaub und einen zusätzlichen Urlaubstag für jedes weitere
Dienstjahr zwischen dem ersten und fünften vor; ein Arbeiter hätte
in diesem Falle nach 3 Jahren somit einen Anspruch auf eine Woche
und zwei Tage. Die Gewährung solchen zusätzlichen Urlaubs erfolgt
vielfach unter Anrechnung von Jahren und selbst Monaten der Betriebszugehörigkeit. Ein halbwöchiger Urlaub kann bereits vor Beendigung
des ersten Dienstjahres genommen werden. Bei der Mehrzahl der Tarifverträge mit Klauseln über die Gewährung eines eineinhalbwöchigen
Urlaubs wurden drei Jahre Dienstzeit vorausgesetzt, bei einem Viertel sogar nur 2 Jahre,
Die häufigsten Formen der Urlaubsregelung
Die Einzelvorschriften bezüglich der Urlaubsdauer und der
Voraussetzungen unterschieden sich bei den untersuchten Tarifverträgen erheblich voneinander. Es wurden insgesamt 500 verschiedene
Kombinationen in den 1414 tarifvertraglich verankerten Urlaubsordnungen festgestellt^.B. eine Woche Urlaub für ein Jahr Betriebszugehörigkeit, 2 Wochen für 5 Jahre, 3 Wochen für 15 Jahre). Diese
Abweichungen sind nicht zuletzt auf die Praxis der Gewährung von
Urlaub nach Wochen oder Tagen zurückzuführen.
Über die Hälfte der Arbeitnehmer mit tarifvertraglich festgelegtem Urlaub fiel unter 25 Regelungen, von denen jede Bestandteil
von mindestens zehn Tarifverträgen war (Tafel V i ) , die zusammen zwei
Fünftel aller Tarifabkommen mit Urlaubsklauseln ausmachten. Die
zahlenmäßig stärkste Konzentration von Arbeitnehmern findet sich
in der Kategorie "1 Woche bei; 1 Jahr, 1 1 /2 Wochen bei 3 Jahren
und 2 Wochen bei 5 Jahren Dienstzeit"; sie ist in erster Linie
auf 16 größere Lohnabkommen in der Automobilindustrie zurückzuführen.
Die gleiche Regelung, ergänzt durch eine zusätzliche halbe Woche
Urlaub nach 25 Jahren Betriebszugehörigkeit, fand sich in 79 Tarifverträgen und war somit auch in dieser Hinsicht der häufigste Typ.
Über 80 Prozent der Arbeitnehmer, die dieser Form der Urlaubsregelung im Jahre 1961 unterlagen, verteilten sich auf 52 Tarifabkommen
der Stahlindustrie.
-"
Nebenformen der Urlaubsregelung
Der Typ der Urlaubsfinanzieruhg über eine aus regelmäßigen
Beiträgen gespeiste Urlaubskasse findet sich fast nur in Wirtschaftszweigen, die durch saisonbedingte und anderweitige Schwankungen in
der Beschäftigung sowie durch eine starke Arbeitsfluktuation gekennzeichnet sind, wie z.B. die Schiffahrt, die Bekleidungsindustrie
und das Baugewerbe.
Drei

-

7 -

�Tafel VI
Urlaubsregelungen, die sich im Jahre 1961 in .jeweils mindestens zehn
Tarifverträgen fanden

Zahl

Urlaubsgewährung nach Betriebszugehörigkeitsdauer

der

Tarifver- betroffeträge
nen Arbei tnehmer
Insgesamt

18

2 931 600

17
12
19

60 450
32 050
66 750

13
14

21 900
73 000

20

60 650

40

113 650

10

55 700

25

44 400

12

19 050

17

22 300

47

116 900

10

27 500

46

709 050

79

463 550

23

75 150

19

139 150

23

190 950

Zwei Wochen
1 Woche n. 1 Jahr, 2 Wochen n. 2 Jahren
1 Woche n. 1 Jahr, 2 Wochen n. 3 Jahren
1 Woche n. 1 Jahr, 2 Wochen n. 5 Jahren
Drei Wochen
2 Wochen n. 1 Jahr, 3 Wochen n. 10 Jahren
2 Wochen n. 1 Jahr, 3 Wochen n. 12 Jahren
1 Woche n. 1 Jahr, 2 Wochen n. 2 u. 3 Wochen
n. 5 Jahren
1 Woche n. 1 Jahr, 2 Wochen n. 2 u. 3 Wochen
n. 10 Jahren
1 Woche n. 1 Jahr, 2 Wochen n. 2 u. 3 Wochen
n. 15 Jahren
1 Woche n. 1 Jahr, 2 Wochen n. 3 u. 3 Wochen
n. 10 Jahren
1 Woche n. 1 Jahr, 2 Wochen n. 3 u. 3 Wochen
n . 12 Jahren
1 Woche n. 1 Jahr, 2 Wochen n. 3 u. 3 Wochen
n. 15 Jahren
1 Woche n. 1 Jahr, 2 Wochen n. 5 u. 3 Wochen
n. 15 Jahren
1 Woche n. 1, 1 1/2 Wochen n. 3, 2 Wochen n.
5 u. 3 Wochen n. 15 Jahren
1 Woche n. 1, 1 1/2 Woche n. 3, 2 Wochen n. 5,
2 1/2 Wochen n. 10 u. 3 Wochen n. 15 Jahren
Dreieinhalb Wochen
1 Woche n. 1, 1 1/2 Wochen n. 3, 2 Wochen n. 5»
2 1/2 Wochen n. 10, 3 Wochen n.
15 u. 3 1/2 Wochen n. 25 Jahren
Vier Wochen
2 Wochen n. 1, 3 nach 10 u. 4 n. 20 Jahren
1 Woche n. 6 b. 12 Monaten, 2 Wochen n. 1, 3 n. 15
u. 4 n. 25 Jahren
1 Woche n. 6 b. 12 Monaten, 2 Wochen n. 2, 3 n. 15 u.
4 n. 25 Jahren

-

8

-

1 Woche

�Urlaubsgewährung nach Betriebszugehörigkeitsdauer

1
1
1
1
1
1
1

Woche
Woche
Woche
Woche
Woche
Woche
Woche

n. &gt; » 2
n.
2
n. * » 2
n. ' » 2
n.
2
n. ' » 2
n. 1» 2
•

*

•

»

n.
n.
n.
n.
n.
n.
n.

2,
2,
2,
3,
3,
3,
3,

3
3
3
3
3
3
3

n.
n.
n.
n.
n.
n.
n.

10. u . 4 n. 20 Jahren
10 u. 4 n. 25 Jahren
15 u. 4 n. 25 Jahren
10 u. 4 n. 20 Jahren
10 u. 4 n. 25 Jahren
11 u. 4 n. 18 Jahren
12 u. 4 n. 25 Jahren

Zahl der
Tarifver- betroffeträge
nen Arbeitnehmer

25
20
22
29
49
14
T5

57 900
50 250
76 050
87 600
110 800
224 850
32 000

Drei Fünftel aller derartigen Urlaubskassen in der Bekleidungsindustrie basieren auf einer von Unternehmerverbänden und Gewerkschaften
gemeinsam getroffenen Regelung, derzufolge der Unternehmer einen bestimmten Prozentsatz des Wochenlohns an einen Fonds abführt, der Krankenversicherungsplan, Sozialkasse oder anders benannt ist. Diese Kassen
gewähren größtenteils neben dem Urlaubsgeld auch Leistungen im Bereich
der Lebens-, Kranken-, Krankenhauspflege- und Altersversicherung. In
den seltensten Fällen wird jedoch der Anteil am Arbeitgeberbeitrag, der
auf die Aufbringung von Urlaubsgeld entfällt, getrennt ausgewiesen«
Die meisten der 29 Urlaubskassen in der Bekleidungsindustrie stehen
unter ausschließlicher Verwaltung der Gewerkschaft, und da3 im Gesetz
über die Regelung der Arbeitgeber-Arbeitnehmerbeziehungen (LaborManagement Relations Act^j ausgesprochene generelle Verbot der Abführung
von Unternehmerbeiträgen an ausschließlich gewerkschaftlich verwaltete
Treuhandfonds trifft auf sie nicht zu, da sie unter die Ausnahmebestimmungen des Gesetzes fallen. Eine kleinere Zahl von Urlaubskassen
wird von Unternehmer- und Gewerkschaftsseite gemeinsam verwaltet, mit
einem Aufsichtsrat aus Gewerkschafts- und Unternehmervertretern und
einem unparteiischen Vorsitzenden an der Spitze.
Die Sozialkassen im Wassertransportwesen gewähren Beschäftigten,
die ein Jahr ununterbrochen tätig waren, Urlaubszahlungen gemäß den
im folgenden wörtlich zitierten Bestimmungen:
"Ein Beschäftigter hat Anspruch auf Urlaubszahlung gemäß nachstehender Tabelle:

Zahl

�Zahl der Monate, die der betreffende
Arbeitnehmer bei einer Mitgliedfirma
der Kasse innerhalb eines Zeitraums
•on 720 Tagen beschäftigt war

5
4
5
6
7
8

9
10
11
12

Zahl der Urlaubst a g e , für d i e Zah
lungen t g e l e i s t e t
werden
Tage
Tage
Tage
Tage
Tage
Tage
Tage
Tage
Tage
45 Tage

11 1/4
15
18 5/4
22 1/2
26 1/4
3t&gt; 50
55 5 / 8
37 1/2
44 1/4

Monate
Monate
Monate
Monate
Monate
Monate
Monate
Monate
Monate
Monate

Die Höhe deit Urlaubsgeldes errechnet sich aus dem durchschnittlichen Grundgehalt oder -lohn des Arbeitnehmers während des Beschäftigungszeitraums, der bei der Feststellung seines Urlaubsanspruchs zugrunde zu legen ist.
Zusätzlich zu den vorstehenden Leistungen hat ein Arbeitnehmer,
der bei ein und demselben Arbeitgeber mindestens 36O Tage lang ununterbrochen beschäftigt war, Anspruch auf Urlaubsgeld für weitere 18
Tage.
Mit Wirkung vom 16. Juni 1959 hat ein Arbeitnehmer, der bei ein
und demselben Arbeitgeber mindestens 36O Tage lang ununterbrochen
beschäftigt war, Anspruch auf Urlaubsgeld für weitere 30 Tage statt
der eben genannten 18 Tage. "
Im Baugewerbe wird in den meisten Fällen ein bestimmter Betrag
pro Arbeitsstunde oder ein fester Prozentsatz der Wochenlohnsumme
an einen unter gemeinsamer Verwaltung stehenden Fonds abgeführt. Einzelheiten der Verwaltung werden vom Kuratorium der Kasse festgesetzt,
wie das nachfolgende Beispiel zeigt:
"Die Urlaubskasse... wird weiterhin durch ein gemeinsames Kuratorium verwaltet, das sich aus einer gleichen Zahl von Vertretern der
Gewerkschaft und ... der Arbeitgeber zusammensetzt, die ihre Kuratoren
benennen und den Modus für deren Ersatz innerhalb 30 Tagen vom Datum
des Inkrafttretens dieses Vertrags festsetzen.
Jeder Arbeitgeber hat an das Kuratorium zum Betrieb der Urlaubskasse spätestens bis zum 20. eines jeden Monats für jede von seinen
Arbeitnehmern... im Vormonat geleistete Arbeitsstunde einen Betrag
von 10 Cent pro Stunde bis zum 1. Juli 1959 abzuführen, von wo an der
Betrag auf insgesamt 4 Prozent des Bruttolohnes eines jeden Arbeitnehmers ... für den Rest der Laufzeit dieses Vertrags heraufgesetzt
werden soll.
Die

10 -

�Die Urlaubsregelung ist so zu handhaben, daß der Urlaub im
gegenseitigen Einverständnis zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber
genommen wird... Der Arbeitnehmer muß seinen Urlaub jedes Jahr
nehmen, und der Urlaubsanspruch darf, außer bei Vorliegen ungewöhnlicher Umstände und nach Einholung der Zustimmung der Gewerkschaft,
nicht durch eine Zahlung an den Arbeitnehmer abgegolten werden...
Die Urlaubskasse wird gemäß einem Treuhandvertrag betrieben, und
das Kuratorium wählt im Zusammenhang mit demselben eine geeignete
Hinterlegungsstelle aus.
Sämtliche Einzelheiten bezüglich Verwaltung,... Urlaubszeiten
usw. werden von besagten Kuratoren festgelegt,"
Die Form der Urlaubsregelung auf der Basis der geleisteten
Arbeitsstunden findet sich in 15 Tarifverträgen, von denen T«fi das
Druck- und Verlagswesen entfallen. In den betroffenen Betrieben
richtet sich der Urlaub nach der Zahl der im Jahr geleisteten Arbeitstage oder -stunden, wodurch sich im Regelfall ein dreiwöchiger
Urlaub ergibt:
"Die Arbeitnehmer haben Anrecht auf Gutschrift eines ^fierzehntel
Urlaubstages mit Bezahlung für jeden bei ihrem derzeitigen Arbeitgeber geleisteten Arbeitstag mit der Maßgabe, daß innerhalb eines
Jahres nicht mehr als 5 Wochen Urlaub angesammelt werden können."
Rund 79 Prozent der Arbeitnehmer, deren Urlaub sich nach der
geleisteten Arbeitszeit richtet, unterlagen sieben Tarifabkommen im
Bereich des Transportwesens (Hafenarbeiter und Kraftfahrer). Als
typisch für eine derartige Regelung, bei der sich der Urlaub aus
der Zahl der im Laufe eines Jahres geleisteten Arbeitsstunden errechnet, sei aus einem dieser Tarifverträge zitiert:
"Jedem Arbeitnehmer, der während des Geschäftsjahres... von Mitgliedfirmen der Kasse Lohn oder Gehalt für 1200 geleistete Arbeitsstunden oder mehr erhalten hat, steht Urlaubsgeld für 2 Wochen zu,
gleichgültig, ob die geleisteten Stunden nach dem normalen oder dem
Uberstundentarif abgegolten worden sind. Das Urlaubsgeld für zwei
Wochen ist gleich dem Arbeitsentgelt von 80 Arbeitsstunden zum normalen Tarif.
Anmerkung: Es wird ein kleiner gemeinsamer Ausschuß eingesetzt,
um die Möglichkeit der Gewährung von Urlaub an Arbeitnehmer zu prüfen,
die zwischen 650 und 700 Arbeitsstunden (eine Woche Urlaub) oder 1150
und 1200 Arbeitsstunden (zwei Wochen Urlaub) geleistet haben. Der gemischte Ausschuß prüft die bisherige Leistung und Führung des Antragstellers am Arbeitsplatz; seine Entscheidungen sind unanfechtbar.
Jedem Arbeitnehmer, der während des Geschäftsjahrs... von Mitgliedfirmen der Kasse Lohn oder Gehalt für 1500 geleistete Arbeitsstunden oder mehr erhalten hat - gleichgültig, ob die geleisteten
Stunden nach dem normalen oder dem Uberstundentarif abgegolten werden steht Urlaubsgeld für drei Wochen zu, sofern er während fünf der
letzten sechs Jahre 700 Jahresstunden gearbeitet hat. Das Urlaubsgeld

11

�Urlaubsgeld für drei Wochen ist gleich dem Arbeitsentgelt von 120
Arbeitsstunden zum normalen Tarif»"
Eine Urlaubsregelung in Form der Gewährung eines einheitlichen
Urlaubsgeldes, das im allgemeinen dem Arbeitsentgelt von 1 bis 3 1/2
Wochen entspricht, wurde in 8 Tarifverträgen in der Fertigungsindustrie und in zehn der übrigen Wirtschaft vereinbart. Zwei dieser
Verträge, die sich auf 200 000 Beschäftigte erstreckten, sahen die
Gewährung eines Urlaubsgeldes von 200 bzw. 160 Dollar für einen
Urlaub von 14 Kalendertagen vor.

(Quelle: Monthly Labor Review,
Vol. 85, Nr. 8*August
1962)

* * * * *

-

12

�Leistungen der Pensionspläne wurden verbessert
Bei rund drei Fünfteln aller gegenwärtig in Kraft befindlichen
privaten Pensionspläne in den USA dürften die Leistungen während
der vergangenen fünf Jahre zweimal erhöht worden sein. Dies geht aus
einer Untersuchung des US-Amtes für Arbeitsstatistik von insgesamt
99 größeren Pensionsplänen hervor, die zwar keinen repräsentativen
Querschnitt für sämtliche Pläne darstellen, nach Ansicht des Amtes
aber die allgemeine Entwicklung auf diesem Gebiet während der letzten
Jahre ziemlich genau widerspiegeln.
Nach dieser Analyse wurden die Leistungen bei 3/5 der insgesamt
99 untersuchten Pensionspläne das eine Mal im Winterhalbjahr 1957/58
und das andere Mal im Frühjahr 1961 erhöht. Durch diese Pläne wurden
im einzelnen jeweils 1000 bis 300 000 Arbeitnehmer (insgesamt 3 Millionen) der wichtigsten Industriezweige erfaßt.
Was die Verbesserungen der einzelnen Pensionspläne betrifft, so
wurden bei 59 der 99 Pläne die normalen Pensionsleistungen erhöht,
bei 23 bestimmte zusätzliche Leistungen (früheres Pensionsalter, Pensionierung auf Grund eingetretener Invalidität, Übertragbarkeit der
Pensionsansprüche) aufgenommen und bei 39 die eine oder die andere
Leistungsart liberalisiert.
(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

Beträchtliche Ausweitung der gewerkschaftlichen
KrankenVersicherungspläne
Die Zahl der amerikanischen Arbeitnehmer, die einen Krankenversicherungsschutz auf Grund der zwischen Gewerkschaften und Unternehmern ausgehandelten sogenannten "Gesundheitsversicherungspläne"
genießen, ist von 600 000 im Jahre 1945 auf 7 Millionen im Jahre 1950
und 14»5 Millionen Ende des Jahres i960 angewachsen, wie aus einer
Untersuchung des amerikanischen Arbeitsministeriums hervorgeht.
Die Zahl der von privaten Pensionsplänen erfaßten Arbeitnehmer
ist im gleichen Zeitraum "von einer unbedeutenden Anzahl" auf 5 Millionen im Jahre 1950 und 11 Millionen Ende i960 angestiegen.
Allein auf Grund erfolgreicher Tarifverhandlungen in der Automobil- und Stahlindustrie erhöhte sich die Zahl der von Krankenversicherungsplänen erfaßten Arbeitnehmer zwischen 1948 und 1950 um 4»4
Millionen, während gleichzeitig die Zahl der von privaten Pensionsplänen erfaßten Arbeitnehmer um 3»4 Millionen zunahm. Ende i960 kamen,
wie aus der Übersicht des Arbeitsministeriums weiter zu entnehmen ist,
rund 78 Prozent aller auf Grund von Tarifverträgen beschäftigten Arbeitnehmer in den Genuß von privaten Krankenversicherungsleistungen und
etwa 60 Prozent zu zusätzlichen Pensionen.
/
..
_.
, . , .\
^Quelle: Eigenbericht;
* * * * *

-

13

-

�Stahlarbeiter-Gewerkschaft billigte Aktionsprogramm
Die 3000 Delegierten der Vereinigten Stahlarbeitergewerkschaft
billigten auf dem kürzlich in Miami Beach abgehaltenen Zweijahreskongreß ein umfassendes Aktionsprogramm, in dem die verschiedenen
gewerkschaftspolitischen Ziele, insbesondere auf dem Gebiet der
Sicherung der Arbeitsplätze, näher umrissen werden.
Danach will die Stahlarbeiter-Gewerkschaft in Verhandlungen mit
den Unternehmern und durch verstärkte Bemühungen um die Verabschiedung von Arbeitsgesetzen versuchen, die Zahl der Arbeitsplätze in
der Industrie durch eine Verkürzung der wöchentlichen Arbeitszeit
zu erhöhen. "Wenn die Vereinigten Staaten wirtschaftlich stark und
unsere Werktätigen beschäftigt bleiben sollen, so ist die Herabsetzung
der Arbeitszeit ein Ziel, das wir schnell erreichen müssen", heißt es
in der Resolution.
David J. McDonald, der 1. Vorsitzende der USA-Gewerkschaft, kündigte
an, daß seine Gewerkschaft bei den im nächsten Jahr anstehenden Tarifverhandlungen mit den Unternehmen der Stahlindustrie die Einführung
einer Viertagewoche und verlängerten bezahlten Urlaub fordern werde.
Nach seiner Ansicht ist eine 32-Stunden-Woche in der Stahlindustrie
der von der AFL-CIO geforderten 35-Stunden-Woche wegen der durchgehenden Arbeitszeit und der drei 8-Stunden-Schichten pro Tag vorzuziehen.
(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

Mehr als 1/3 aller amerikanischen Frauen werktätig
Mehr als ein Drittel aller amerikanischen Frauen im arbeitsfähigen
Alter sind heute entweder beschäftigt oder aber intensiv um einen Arbeitsplatz bemüht; während es 1890 nur ein Fünftel aller Frauen in
den entsprechenden Altersgruppen waren.
Dies ist das Ergebnis einer umfassenden Analyse des bekannten
amerikanischen Bevölkerungsstatistikers Professor Dr. Hauser auf der
Grundlage der Zensuszahlen aus dem Jahre i960.
Als die Ursache dieses bedeutenden Wandels in der Einstellung
zur Arbeit bei den Frauen führt der Chicagoer Universitätsprofessor die
Tatsache an, daß das Wirtschaftsleben in den Vereinigten Staaten heute
"weniger von der Muskelkraft als von den geistigen sowie den allgemeinen technischen und bürotechnischen Fähigkeiten bestimmt wird". Diese
Schwerpunktverlagerung von der rohen Muskelkraft zu Geist, Beweglichkeit und Erziehung habe dabei den Frauen den Weg zum Arbeitsmarkt geöffnet, resümiert Professor Hauser in der Oktober-Ausgabe des "Scientific American".
Der

-

14

-

�Der Anteil der Büroangestellten an der Gesamtzahl der weiblichen
Arbeitskräfte habe sich, wie Prof. Hauser weiter ausführt, fast um
das Achtfache erhöht, der Anteil der Verkaufsberufe um das Doppelte
zugenommen; der Prozentsatz der führenden Angestellten und Selbständigen sei um mehr als das Doppelte und der Anteil der akademischen
und technischen Arbeitnehmer um fast 50 Prozent gestiegen.

(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

Umschulungsprogramm hatte guten Start
Seit der Verabschiedung des neuen Arbeitskräfte-Ausbildungsund Umschulungsgesetzes durch den Kongreß in diesem Frühjahr sind
bereits 8113 Arbeitnehmer in 30 amerikanischen Bundesstaaten zu den
Umschulungskursen zugelassen worden. Das vorläufig für eine Dauer
von drei Jahren bewilligte und mit 435 Millionen Dollar aus Bundesmitteln ausgestattete Programm ist das erste dieser Art in den USA,
das auf nationaler Ebene durchgeführt wird.
Ziel dieses Ausbildungsprogrammsist es, alle jene Arbeitskräfte
auf einen neuen Beruf umzuschulen, die ihren alten Arbeitsplatz auf
Grund der Automatisierung oder anderer technologischer Veränderungen
verloren haben. Sie werden in erster Linie auf solche neuen Berufe
vorbereitet, für die sich ein immer größerer Bedarf an qualifizierten
Arbeitskräften ergibt.
Sowohl die Kosten für die gesamte Ausbildung als auch die anstelle
der Arbeitslosenunterstützung an die Umschüler gewährten wöchentlichen
Unterhaltsbeihilfen werden während der beiden ersten Jahre ausschließlich
vom Bund getragen, während im dritten Jahr die Kosten zu gleichen Teilen
von Bund und Bundesstaaten aufgebracht werden sollen. Die Unterstützungsbeihilfen werden jeweils für maximal 52 Wochen gewährt.
Wie der amtierende US-Arbeitsminister, W. Willard Wirtz, auf
einer Pressekonferenz erklärte, liegen dem US-Arbeitsministerium zur
Zeit bereits 237 Anträge auf Durchführung von Umschulungskursen für
insgesamt 12 221 Arbeitnehmer in 34 Bundesstaaten vor. Mit der Durchführung von 70 Projekten würde sofort begonnen werden, während 107 Kurse,
die schon genehmigt worden seien, in Kürze beginnen könnten. Die Überwachung all dieser Umschuluhgskurse obliegt dem US-Amt für Erziehung.
(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
USIS-Bonn/Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XV - 12

Bad Godesberg, den 1. Dezember 1962

INHA LTSVERZEICHNIS

Das System der Lehrlingsausbildung in den USA

Seite

1

Nachwuchsförderung für das Zeitalter der Automation

Seite

6

Pacharbeiterschulung in den Entwicklungsländern
ein gemeinsames Problem

Seite

8

Gewerkschaftliche Kurznachrichten

Seit©

9

Edward E. Goshen, Direktor des "Amtes für Lehrlingsfragen und
Ausbildung" im US-Arbeitsministerium:
Das System der Lehrlingsausbildung in den USA
Vor nunmehr 25 Jahren wurde in den USA das erste Lehrlingsausbdldungsgesetz vom Kongreß verabschiedet.' Damit wurden zum ersten Mal allgemeine, auf nationaler Ebene verbindliche Richtlinien für die bis dahin weitgehend informelle Heranbildung
des Facharbeiternachwuchses aufgestellt. In dem folgenden Artikel gibt der Direktor des "Amtes für Lehrlingsfragen und Ausbildung", Edward E. Goshen, einen allgemeinen Überblick über
die Praktiken der Lehrlingsausbildung in den Vereinigten Staaten.
Das altbewährte System der Lehrlingsausbildung als ein Mittel
zur gründlichen Erlernung der schwierigen handwerklichen Techniken
eines Pachberufs ist in den USA während der vergangenen Jahre ganz
auf die neuen Erfordernisse der Industrie und des Arbeitsraarktes
abgestellt worden. Das war schon deshalb notwendig, weil wir in einer
Zeit leben, in der schneller und umfassender als je zuvor neue

-

1

-

�neue Materialien,Tertigungsverfahren und Maschinen entwickelt und
eingeführt werden, die alle einen anhaltenden und starken Einfluß
auf die Industrie und die Ausbildung all jener Personen ausüben,
welche die Güter produzieren, bedienen und warten, die zur Bedarfsbefriedigung unserer ständig wachsenden Bevölkerung erforderlich sind.
In den Vereinigten Staaten ist der Lehrling kein "Lernender",
sondern ein produktiv tätiger Arbeiter, der seine handwerklichen
Fähigkeiten am Arbeitsplatz erwirbt. Während seiner Ausbildungszeit
schafft er schon im Betrieb mit. Er erhält dafür eine Bezahlung, und
die von ihm hergestellten Produkte werden verkauft.
Unser Lehrlingsausbildungssystem zielt, kurz gesagt, darauf abf
Jugendliche eingehend auf jene Berufe vorzubereiten, die allgemein
als "Fachberufe" bezeichnet werden und die neben einem vielseitigen
technischen Können und umfangreichem Wissen auch eine gewisse Reife
und Urteilsvermögen verlangen. Seine theoretischen und technischen
Unterweisungen erhält der Lehrling dabei sowohl am Arbeitsplatz als
auch in der Berufsschule.
Gegenwärtig werd«n in den USA rund 160 000 Lehrlinge durch die
vom "Amt für Lehrlingsfragen und Ausbildung" anerkannten Programme erfaßt. Hinzu kommen noch etwa 200 000 Lehrlinge, die ihre Ausbildung
im Rahmen von Lehrverträgen erhalten, die dem Amt nicht gemeldet sind.
Das Bestreben des "Amtes für Lehrlingsfragen und Ausbildung" ist es
in erster Linie, sämtliche Lehrlingsausbildungsprogramme in den einzelnen Industriezweigen einheitlich auszurichten und sie laufend zu
verbessern.
Die Lehrlingsausbildung, wie sie in den Vereinigten Staaten gehandhabt wird, erfolgt auf einer vollkommen freiwilligen Basis. Sie wird
von den örtlichen Industrieverbänden getragen, denen auch die Verantwortung für die Durchführung und Verwaltung der Programme obliegt.
Die Ausbildungsprogramme werden dabei von den Betrieben selbst finanziert, in denen der Lehrling seine Ausbildung erhält. Neben dem Arbeitsentgelt für ihn tragen sie auch die Kosten für die in der Lehrlingsausbildung tätigen Gesellen und Meister. Die theoretische Ausbildung des Lehrlings hingegen, die in der Regel in Form von Abendklassen an den Berufsschulen erfolgt, wird aus öffentlichen Mitteln
finanziert.
Die besten und erfolgreichsten Lehrlingsausbildungsprogramme in
den USA sind meist diejenigen, die von sogenannten Gemischten Lehrlingsausschüssen verantwortlich geplant und durchgeführt werden. Sie
setzen sich zu gleichen Teilen aus Vertretern der Gewerkschaften und
Unternehmen zusammen und haben u.a. die Aufgabe, den Lehrstoff für
die Ausbildung zusammenzustellen, die geeigneten Fachkräfte für die
Durchführung zu nominieren und vielfach auch die Lehrlinge aus der
Masse der Bewerber nach bestimmten Richtlinien auszuwählen,
Zu den Voraussetzungen, die der Lehrlingsbewerber zu erfüllen
hat, gehören neben dem Abschlußzeugnis einer Oberschule (12jährige
Schulausbildung) - bei besonderen Begabungen oder unter bestimmten
Bedingungen sind jedoch Ausnahmen möglich - auch gewisse körperliche

2

�körperliche und andere Voraussetzungen, die meist von den örtlichen
Lehrlingsausschüssen im einzelnen festgelegt werden. Die Richtlinien
über die Lehrlingsausbildung umfassen außerdem folgende Punkte* Arbeitsbedingungen, Zahl der zu leistenden wöchentlichen Arbeitsstunden,
jeweilige Höhe des Lohnes, Zahl der für die Lehrlinge abzustellenden
Gesellen und Meister,- Dauer der Ausbildung usw. Die durchschnittliche
Lehrzeit liegt heute in den USA zwischen drei und fünf Jahren; nur
in einigen wenigen Fachberufen ist eine zweijährige Lehrzeit vorgeschrieben.
Eine Förderung der Lehrlingsausbildung durch die Bundesregierung
besteht in den USA erst seit dem Jahre 1937» Bis dahin gab es nur
bundesstaatliche Programme. Seinerzeit wurde auch der "National Apprenticeship Act" vom Kongreß verabschiedet. Vorausgegangen war im Jahre
1934 die Bildung des Bundesausschusses für das Lehrlingswesen auf
Grund einer Verordnung des US-Arbeitsministers. Aufgabe dieses Ausschusses war es, als Beratungsgremium bei der Ausarbeitung einer entsprechenden Gesetzgebung zu fungieren. Dieser "Mköpfige Ausschuß setzt
sich auch heute noch aus je fünf Vertretern des Managements und der Gewerkschaften sowie aus einem Vertreter des Bundesamtes für Erziehung
zusammen und hat weiterhin beratende Funktionen.
In dem Lehrlingsausbildungsgesetz aus dem Jahre 1937 wird dem
US-Arbeitsminister vor allem die Aufgabe übertragen, "Unternehmer und
Gewerkschaften bei der Ausarbeitung von Lehrlingsausbildungsprogrammen
zusammenzuführen". Als Verwaltungsbehörde mit der Aufgabe der Durchführung und Verwirklichung der im Gesetz niedergelegten Ziele wurde
seinerzeit der "Apprentice Training Service" geschaffen, das heutige
"Amt für Lehrlingsfragen und Ausbildung".
Seit dem Inkrafttreten des Lehrlingsausbildungsgesetzes hat das
Amt stets eng mit den Unternehmen, den Gewerkschaften, Berufsschulen
und anderen an den Lehrlingsausbildungsprogrammen interessierten oder
von ihnen berührten Kreisen und Organisationen zusammengearbeitet. Sehr
erleichtert wurde diese Zusammenarbeit dabei durch die z.Zt. 50 Außenstellen (in jedem Bundesstaat eine) des "Amtes für Lehrlingsfragen
und Ausbildung".
Alle jene Ausbildungsprogramme, die die neun vom Amt festgelegten
Grundvoraussetzungen erfüllen, können dem Amt zur offiziellen Anerkennung und Eintragung vorgelegt werden - was bedeutet, daß sie volle
staatliche Unterstützung genießen, und daß die im Rahmen dieser Programme ausgebildeten Lehrlinge nach Absolvierung ihrer Lehrzeit einen
"Lehrbrief" erhalten.
Die vom Bundesausschuß für Lehrlingsausbildung empfohlenen und
vom Bundesamt vertretenen Richtlinien für derartige Programme setzen
Normen bezüglich
1. des Mindestalters für den Beginn der Lehrlingsausbildung, das
16 Jahre betragen soll;
2. der Verrichtungen, in denen die Lehrlinge zu unterweisen sind
und die sie in der Praxis am Arbeitsplatz kennenlernen sollen;

- , -

3 -

�3. der Gruppenausbildung, die den Lehrling mit technischen
Fragen vertraut machen soll, die in Zusammenhang mit seiner Tätigkeit stehen;
4« der progressiven Erhöhung des Lohnes der Lehrlinge;
5. der ordnungsgemäßen Überwachung der Ausbildung am Arbeitsplatz;
6. der periodischen Überprüfung des Ausbildungsstandes der Lehrlinge;
7. der Zusammenarbeit zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern;
8. der Anerkennung gezeigter Leistungen; und
9- der Auswahl von Bewerbern um Lehrstellen ohne Rücksicht auf
Rassenzugehörigkeit, Hautfarbe, Religion oder nationale Herkunft voraus

Ein praktisches Beispiel für die Ausbildung von Lehrlingen
Ein typisches Beispiel für ein Lehrlingsausbildungswesen, das
auf den von der Regierung befürworteten Prinzipien beruht, bieten die
Lockheed-Plugzeugwerke in Georgia. Das Schulungsprogramm wurde von
Vertretern der Firma und des 33» Distrikts der amerikanisch-kanadischen
Maschinenbauergewerksc haft (IAM) in enger Fühlungnahme mit der Abteilung Lehrlingsausbildung und Schulung aufgestellt; es wird von einem
gemischten Lehrlingsausbildungsausschuß geleitet, der sich aus je fünf
Vertretern der Lockheed-Werke und der Gewerkschaft zusammensetzt.
Der Ausschuß erläßt die Richtlinien für die Lehrlingsausbildung in
folgenden Berufsgruppen: Maschinenbauer, Werkzeugmacher und Former,
Einrichter, Funk- und Radartechniker und Flugzeugmechaniker.
Die Bewerber um Lehrstellen müssen 18 bis 23 Jahre alt sein. Die
Lehrzeit beträgt vier Jahre, wobei frühere Berufserfahrungen angerechnet
werden können. Mit der praktischen Ausbildung am Arbeitsplatz einher
geht der theoretische Gruppenunterricht im Betrieb oder an einer Berufsschule; er umfaßt mindestens 144 Unterrichtsstunden, die als Arbeitszeit gelten und bezahlt werden.
Der Lehrling arbeitet unter der Aufsicht eines Ausbildungsleiters
und eines erfahrenen Meisters. Der theoretische Unterricht erstreckt
sich auf Fächer wie technisches Zeichnen, Physik und andere Bereiche
der Naturwissenschaften sowie auf Fragen der im Betrieb angewandten
Herstellungsverfahren und der allgemeinen Betriebsführung.
Die Lehrlingstarife.sehen halbjährlich nach jeweils 1040 Arbeitsoder Unterrichtsstunden eine Lohnerhöhung vor. Die Lehrlingslöhne
stehen in einer festen Relation zu den Gesellenlöhnen im ersten Jahr
und steigen von 60 Prozent im ersten Halbjahr auf 92 Prozent im
letzten. Nach Abschluß der Lehre besteht Anspruch auf Zuweisung eines

- 4 -

�eines festen Arbeitsplatzes in dem erlernten Beruf bei einem Lohn,
der dem Mittelwert der Facharbeiterlöhne in dem entsprechenden Berufszweig entspricht.
Der Vorstand der Maschinenbauergewerks;chaft, AI Hayes , ist ein
eifriger Verfechter einer geregelten Lehrlingsausbildung als der
soliden Grundlage fürs ganze Lehen. In einer Informationssitzung
eines Kongreßausschusses, der über Gesetzesvorschläge zur Lehrlingsausbildung beriet, erklärte er kürzlich:
"Seit Hunderten von Jahren ist die Lehre die traditionelle
Methode, das Können der Facharbeiter von einer Generation an die
andere weiterzugeben. Und wenn auch die Technik Inhalt und Form vieler
Berufe von Grund auf gewandelt hat, so blieb die Lehre doch immer
die gründlichste und umfassendste Methode der Nachwuchsschulung."
Die guten Erfahrungen, die man in Amerika mit der strengen Lehrlingsausbildung gemacht hat, kommen seit Jahren schon im Rahmen der
technischen Hilfsprogramme und der Entwicklungshilfe auch anderen Ländern zugute. Amerikanische Spezialisten beraten ausländische Regierungen und Unternehmen bereitwillig in Fragen der Lehrlingsausbildung,
und eine ganze Reihe amerikanischer Großfirmen stellt laufend eine
bestimmte Zahl von Lehrstellen für Ausländer zur Verfügung.

(Quelle: Eigenbericht)

-

5 -

�Nachwuchsförderung für das Zeitalter der Automation
Für elektronische Rechen- und Datenverarbeitungsanlagen, aus
Hilfsgeräten zur Erleichterung schwieriger : mathematischer Berechnungen entwickelt und im Laufe der le tzten Jahre auf nahezu imaginäre
Leistungen gebracht, werden Spezialisten gebraucht, die sie zu bedienen
verstehen. In der amerikanischen Industrie und im Bankwesen, in
Regierungsbehörden, Universitäten und privaten Forschungsinstituten
kommen die "Elektronengehirne", wie man sie früher nannte, in zunehmendem
Haßt zur Anwendung. Man schätzt, daß bis zum Jahr 1970 in den Vereinigten Staaten mindestens 200 000 ausgebildete Kräfte zusätzlich zu den
bereits vorhandenen für die Programmierung und Überwachung derartiger
Automaten benötigt werden.
Die "Konsumenten", d.h. diejenigen Stellen, die die Apparate
benutzen, geben sich ebenso wie die elektronische Industrie große
Mühe, junge Menschen für die relativ neuen Berufe des IngenieurMathematikers, Programmierers, Wartungsingenieurs oder Schaltwerktechnikers zu interessieren. Daneben stellt aber auch die Ausbildung
als solche noch ein relativ schwieriges Problem dar. Man sucht dem
jetzt dadurch zu begegnen, daß man für mathematisch besonders begabte
Oberschüler Arbeitsgemeinschaften und Lehrgänge einrichtet. In einer
Reihe von Städten, in denen es eine Datenverarbeitungsmaschine gibt,
sind unter der Anleitung bewährter Fachkräfte Oberschüler der beiden
letzten Klassen eifrig dabei, in die Geheimnisse der programmgesteuerten Maschinen tiefer einzudringen. Meist sind einigt";Abendstunden in
der Woche dafür reserviert, denn nicht nur die Schüler, sondern auch
die ehrenamtlich tätigen Lehrer opfern für die Kurse ihre Freiz.eit.
Im Räume Washington, wo der erste "Modell"-Lehrgang dieser Art in den
USA kürzlich abgeschlossen wurde, haben fast alle von den 368 Teilnehmern das Unterrichtsziel erreicht.
Der Lehrstoff umfaßt eine Einführung in die Geschichte, die Anwendungsmöglichkeiten und Aufgaben sowie die wichtigsten technischen
Einzelheiten wie Bauelemente, Schaltwerke und Schaltkreise von programmgesteuerten Maschinen. Die Schüler müssen die Funktionsweise solcher
Automaten, von denen manche eine Million und mehr Informationen, d.h.
Zeichen in Form von Buchstaben oder Zahlen, in der Sekunde verarbeiten,
wirklich begriffen haben, um sie später einmal in eigener Verantwortung für die Lösung dieser und jener Aufgabe sinnvoll einzusetzen. Sie
müssen vor allem die Arbeitsweise der Schaltkreise verstehen, die die
Grundelemente der Elektronenrechner darstellen; die dafür benötigten
Baugruppen sind in der jüngsten Zeit so verkleinert worden, daß Tausende auf einen Kubikzentimeter gehen.
Die Lehrgangsteilnehmer sind durchschnittlich 17 Jahre alt. Nach
einiger Zeit sind sie in der Lage, selbst Analysen und Arbeitsprogramme
auszuarbeiten, die dann auch tatsächlich in die am Ort befindliche Maschine eingegeben werden. Dabei stellt sich sehr bald heraus, ob die
Eingabe als Programm überhaupt zu verwerten und für die Lösung dieses
oder jenes Problems geeignet ist.
Dieser Vorbereitung auf das Studium und den künftigen Beruf folgen
die jungen Herren - gelegentlich nehmen auch junge Damen an diesem
Praktikum teil - mit großer Begeisterung. Allerdings stellen die

- 6 -

�die Lehrgänge für die mei&amp;ten von ihnen im wesentlichen nur eine
Intensivierung der Arbeit dar, die in naturwissenschaftlichen Bastelund Experimentiergruppen außerhalb des Unterrichts bereits geleistet
wird und die einmal im Jahr auch für die Öffentlichkeit in den naturwissenschaftlichen Schülerausstellungen sichtbar zum Ausdruck kommt.
Der dabei behandelte Problemkreis umfaßt alle erdenklichen Gebiete
der modernen Naturwissenschaft, einschließlich der Biologie und Medizin.
So manches junge Talent wird auf diese Weise frühzeitig entdeckt
und außerordentlich gefördert. Eine besondere Begabung für die Programmierung von Rechenautomaten bewies der jetzt 17jährige David Malin
aus Bethesda (Maryland) schon als 14jähriger, als er für den alljährlich an seiner Schule durchgeführten naturwissenschaftlichen Wettbewerb eine kleine elektronische Datenverarbeitungsmaschine bastelte,
die einfacheenglische Worte ins Russische und Lateinische übersetzte.
Das Geräit wurde sogar eine Zeitlang im Smithsonian-Museum in Washington ausgestellt.
David, der an dem Computer-Lehrgang in Washington teilnahm, arbeitete im vergangenen Jahr ein selbst für Experten hochinteressantes
Rechner-Programm aus. Ihm liegen u.a. Paktoren zugrunde, die die menschlichen Verhaltensweisen mitbestimmen - Biologie des Gehirns und Nervensystems sowie psychologische Reaktionen -, und es ist ein Versuch,
einen Rechenautomaten so zu programmieren, daß dieser - wie ein Mensch "vernünftig denkt und reagiert". David nennt seine Methode CONTRANS-Verfahren (CONTRANS ist dabei eine Abkürzung aus "Conceptual Thought,
Random Net Simulation"). Es ist im wesentlichen ein Versuch zur mathematischen Darstellung begrifflichen Denkens und dessen Nachahmung durch
den Automaten.
David schrieb einen ausgezeichneten Bericht über seine Untersuchungen, der von der U.S. Association for Computing Machinery zusammen
mit 28 anderen aus insgesamt 243 Arbeiten ausgewählt wurde, um auf
einer Tagung von Spezialisten in Washington vorgetragen zu werden.
David war mit Abstand der jüngste unter den 4000 Konferenzteilnehmern,
die seinen mit komplizierten Schaubildern und Berechnungen gespickten
Vortrag mit großem Beifall quittierten. Im September 1962 hat der
junge Mann das Studium der Mathematik begonnen, das ihm durch Stipendien, von amerikanischen Firmen bereitgestellt, außerordentlich erleichtert wird.

(Quelle: Eigenbericht)
\
# » # # #

�Facharbeiterschulung in den Entwicklungsländern ein gemeinsames Problem
Die dreitägige internationale Konferenz über die Schulung und
Ausbildung von Arbeitskräften in der "Dekade der Entwicklung", die
im Oktober in San Juan auf Puerto Rico zu Ende ging und an der hohe
Regierungsvertreter aus insgesamt 40 Ländern teilgenommen hatten,
kann als ein großer Erfolg gewertet werden. Dies gilt sowohl für
die Beratungen der Konferenz selbst als für die von ihr gefaßten
Beschlüsse.
Ziel dieser Konferenz, zu der die Regierung der Vereinigten
Staaten eingeladen hatte, war es, Wege und Möglichkeiten zu erörtern
und aufzuzeigen, wie und in welcher Form die Heranbildung von Facharbeitern in den Entwicklungsländern vorangetrieben werden kann. Welch
große Bedeutung gerade diesem Aspekt der gesamten Entwicklungshilfe
beizumessen ist, zeigt wohl am besten die Tatsache, daß für die Aufrechterhaltung einer bestimmten wirtschaftlichen Wachstumsrate in
den Entwicklungsländern jeweils eine rund }-6mal größere Ausbildungsrate für Facharbeiter erforderlich ist. Bei einer jährlichen Wachstumsrate von 10 Prozent beispielsweise würde das bedeuten, daß die
Facharbeiterausbildung jährlich um 50 bis 60 Prozent gesteigert werden müßte, wenn die Kapitalinvestitionen in diesen Ländern wirklich
auf fruchtbaren Boden fallen sollen.
Der wichtigste Beschluß der Konferenz von San Juan war zweifellos
die Errichtung eines vorläufigen Sekretariats in Washington, dessen
erste Aufgabe es sein wird, allen interessierten Ländern die Ergebnisse
d,er Konferenz zu übermitteln. Das Sekretariat soll das InformationsBindeglied zwischen den Industrie- und Entwicklungsländern bilden und
allen beteiligten Kreisen die gesammelten Erfahrungen im Einsatz von
Entwicklungshelfern und bei der Durchführung der Facharbeiterausbildung
in den Entwicklungsländern zugänglich machen.
Von ähnlicher weittragender Bedeutung ist auch der Appell der
Konferenz an die ILO und andere auf dem Gebiet der Entwicklungshilfe
tätige internationale Organisationen, diesen angestrebten Ideenund Erfahrungsaustausch im Rahmen ihrer Möglichkeiten mit Nachdruck
zu unterstützen und eng mit dem Sekretariat in Washington zusammenzuarbeiten.
Wie bei jedem neuen Unternehmen auf internationaler Ebene, so läßt
sich natürlich auch hier noch nicht sagen, wie weit es letzten Endes
möglich sein wird, die von den Delegierten gefaßten Beschlüsse in die
Tat umzusetzen. Dennoch dürfte - auch nach der Überzeugung der Konferenzteilnehmer - eines feststehen: nämlich, daß durch die Konferenz und
mit der Bildung einer gemeinsamen Zentralstelle eine solide Ausgangsbasis geschaffen wurde, von der aus die verschiedenen Probleme auf
dem Sektor der Facharbeiterausbildung im internationalen Rahmen erforscht und angepackt werden können.
Natürlich wird auch weiterhin jedes einzelne Land im Einklang
mit seinen ureigensten Bedürfnissen seinen eigenen Weg abstecken müssen,
denn eine allgemeingültige Marschroute in dieser Hinsicht gibt es
nicht - ebensowenig wie ein Dniversalrezept für die Schaffung eines
Facharbeiterpotentials in den Entwicklungsländern, das von allen Konferenzteilnehmern als die wichtigste Voraussetzung für einen schnellen
8

-

�schnellen und bedeutsamen wirtschaftlichen und sozialen Portschritt
angesehen wird.
Kein Land kann aber für sich in Anspruch nehmen, der Hüter allen
Wissens und aller Erfahrungen auf diesem Gebiet zu sein. Selbst die
Vereinigten Staaten nicht, die von allen Ländern - auf Grund ihrer
fast 15jährigen Tätigkeit in den Entwickluhgsgebieten - ja wohl über
den größten Erfahrungsschatz verfügen. Auch sie sind noch nicht im
Besitz all jener wichtigen Informationen und Kenntnisse, die erforderlich sind, um die von der Konferenz gesteckten Ziele zu erreichen.
Und gerade diese Tatsache beweist sicherlich mit am besten, wie wichtig
es für alle in der Entwicklungshilfe tätigen Länder ist, sich gegenseitig über ihre gemachten Erfahrungen zu informieren und ihre gewonnenen Erkenntnisse einander mitzuteilen. Die Konferenz von Puerto Rico
hat dies erneut klargemacht.

(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

GEWERKSCHAFTLICHE KURZNACHRICHTEN
15 Wochen Sonderurlaub alle fünf Jahre
Jeder Arbeitnehmer, der mehr als 15 Jahre bei der "American
Can Company" oder bei der "Continental Can Company" beschäftigt ist,
wird neben seinem normalen Jahresurlaub in Zukunft alle fünf Jahre
noch einen Sonderurlaub von 13 Wochen auf Grund eines neuen Tarifvertrages erhalten, der jetzt zwischen der Vereinigten Stahlarbeitergewerkschaft und den beiden genannten Unternehmen abgeschlossen
wurde•
Der neue Tarifvertrag, der eine Laufzeit von zwei Jahren hat und
rund 15 000 Arbeitnehmer in den Genuß der ausgehandelten Vergünstigungen bringen wird, sieht außerdem eine allgemeine Verlängerung des
Jahresurlaubs sowie die Zahlung eines erhöhten "Ausscheidungsbonus" an
Arbeitnehmer vor, die sich pensionieren lassen. Ziel dieser tarifvertraglichen Vereinbarungen ist es, eine größere Arbeitsplatzsicherheit
für die Beschäftigten in diesem Industriezweig zu schaffen und die
älteren Arbeitnehmer anzuregen, sich früher pensionieren zu lassen.
Was

9 -

�Was die neue Regelung des Jahresurlaubs betrifft, so erhalten
jetzt sämtliche Arbeitnehmer mit mehr als 10 Dienstjahren drei
Wochen (bisher zwei) und solche mit 25jähriger Dienstzeit vier
(bisher drei) Wochen bezahlten Urlaub.
Der bei der Pensionierung von älteren Arbeitnehmern zur Auszahlung kommende Bonus entspricht auf Grund des neuen Vertrages, dem
Betrag von 22-23 (bisher 13) Wochenlöhnen.
Der neue, bis zum 3« September 1964 gültige Tarifvertrag, der
rund 31 000 Arbeitnehmer umfaßt, enthält weder eine Klausel zur vorzeitigen Kündigung noch sieht er irgendwelche Lohnerhöhungen während
der Laufzeit des Abkommens vor.
David J. McDonald, der 1. Vorsitzende der Stahlarbeitergewerkschaft,
bezeichnete das neue Tarifabkommen als einen "beispiellosen Durchbruch...
in Richtung auf eine für das wirtschaftliche Wachstum der USA notwendige
vertragliche Sicherung der Arbeitsplätze und Einkommen". Er rlobte in
diesem Zusammenhang das Management der beiden Unternehmen dafür, daß
es die Gewerkschaft in ihren Bemühungen unterstützt habe, "eine neue
Phase der industriellen Pionierarbeit" einzuleiten.
Der derzeitige Durchschnittsstundenlohn in der amerikanischen
Blechbehälterindustrie beträgt 3»01 Dollar; die untere Lohngrenze
liegt bei 2,17 Dollar, die obere bei 3&gt;56 Dollar.

(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

Internationaler Ausschuß für Ford-Arbeiter
Die Bildung eines Internationalen Ausschusses der Ford-Arbeiter",
der sich mit sämtlichen sozial- und wirtschaftspolitischen Problemen
zu befassen hätte, die sich durch die Ausdehnung dieses großen amerikanischen Automobilkonzerns in 32 Ländern der Erde für die Mitarbeiter
ergeben, wurde von Gewerkschaftsvertretern der amerikanischen Ford-Betriebe vorgeschlagen.
Dieser Vorschlag ist Teil einer Resolution, die von dem "National
Ford Council" der "Vereinigten Aütomobilarbeitergewerkschaft" anläßlich
der letzten Tagung einstimmig angenommen wurde. Der "National Ford
Council" setzt sich aus Vertretern sämtlicher Werke des Unternehmens in
den USA zusammen.
Wie es in der Resolution heißt, wäre es sämtlichen Mitarbeitern
des Unternehmens in aller Welt über den "Internationalen Ausschuß der
Ford-Arbeiter" möglich, auf zahlreichen Gebieten Hand in Hand mit dem
amerikanischen Ausschuß zusammenzuarbeiten: so im Hinblick auf die Harmonisierung der Lohn- und Arbeitsbedingungen, den Informationsaustausch,
die Förderung von Ausbildungsprogrammen, die Koordinierung der tarifpolitischen Ziele und andere Maßnahmen.
(Quelle: Eigenbericht)
-

10

-

�Aktive Entwicklungshilfe der US-Gewerkschaften
In Erkenntnis der großen Bedeutung, die gerade der Gewerkschaftsbewegung in den unterentwickelten Ländern heim Aufbau einer soliden
demokratischen wirtschaftlichen und sozialen Ordnung zukommt, hat
der amerikanische Gewerkschaftsverband "AFL-CIO" mit Unterstützung
zahlreicher Institutionen und Wirtschaftsgruppen in Washington
ein "American Institute for Free Labor Development" gegründet.
In diesem auch anderen Gewerkschaftsverbänden als Vorbild dienenden Institut sollen Gewerkschafter aus den lateinamerikanischen Staaten
in jeweils vierteljährigen Kursen mit dem geistigen Rüstzeug versehen
werden, das sie zur Bewältigung ihrer täglichen Aufgaben benötigen
und das sie sich in Ermangelung entsprechender Schulungseinrichtungen
in ihren eigenen Ländern bisher nicht aneignen konnten.
Hauptziel dieses neuen Instituts ist es daher auch nicht, die Kursusteilnehmer lediglich mit den gewerkschaftspolitischen Tagesaufgaben
- Durchführung von TarifVerhandlungen, administrativen Aufgaben, Organisationskampagnen usw. - vertraut zu machen, sondern ihnen einen allgemeinen tiberblick über die gesamtwirtschaftlichen, sozialen und politischen Zusammenhänge zu verschaffen.
Nachdem der erste Kursus, an dem 45 Gewerkschaftsführer aus dem
lateinamerikanischen Raum teilgenommen haben, jetzt zu Ende gegangen
ist und die ersten praktischen Erfahrungen gesammelt und ausgewertet
werden konnten, sollen vom nächsten Jahr an jeweils 100 bis 120 Gewerkschaftsführer und gewerkschaftliche Nachwuchskräfte an diesen internationalen Kursen in den Vereinigten Staaten teilnehmen.
Im Anschluß an ihre theoretische Ausbildung am "Amerikanischen Institut für die Entwicklung Freier Gewerkschaften" werden die Kursusteilnehmer dann 9 Monate in ihren Heimatländern in der praktischen Arbeit eingesetzt und während dieser Zeit von Vertretern des Instituts
und der eigenen Gewerkschaft betreut und beraten werden.
Wie aus Kreisen der Institutsleitung weiter zu erfahren war,
trägt man sich auch mit der Absicht, in den verschiedenen lateinamerikanischen Ländern regionale und nationale Ausbildungszentren einzurichten, um dort Kurzlehrgänge sowohl für "Anfänger" als auch für
'•"Fortgeschrittene" durchzuführen. In erster Linie jedoch sollen hierbei
die Funktionäre der unteren Verwaltungsebenen geschult werden.
Zu den Teilnehmern der ersten Gruppe, die in einem dreimonatigen
Kursus an dem neuen Gewerkschaftsinstitut in Washington auf ihre gewerkschaftliche Tätigkeit - in einer englisch und einer spanisch sprechenden Klasse - vorbereitet wurden, gehörten Gewerkschafter aus Honduras, Costa Rica, El Salvador, Panama, Venezuela und der Dominikanischen Republik (spanische Gruppe) sowie aus Surinam, Britisch-Guayana,
Trinidad, Jamaica, Britisch-Honduras, Barbados, St. Vincent, Santa
Lucia und Antigua (englische Gruppe). Zum nächsten Kursus, der bis
Ende Dezember läuft, werden Gewerkschafter aus Mexiko und Ländern
der Westküste Lateinamerikas erwartet.
(Quelle: Eigenbericht)
* * * * *
-

11

-

�Die Entwicklung der Löhne im US-Baugewerbe
Zu denjenigen Fachberufen in den USA, die mit an der Spitze
der allgemeinen Lohnskala stehen, gehören auch die Bauarbeiterberufe,
für die nach der neuesten Lohnübersicht des US-Amtes für Arbeitsstatistik ein durchschnittlicher Stundenlohn von 3»85 Dollar (industriearbeiterdurchschnitt 2,33 Dollar) ermittelt wurde.
Dieser jährlich durchgeführten und in der August-Ausgabe der
"Monthly Labor Review" veröffentlichten Analyse der Löhne gewerkschaftlich organisierter Arbeitnehmer liegen die Durchschnittseinkommen von
insgesamt 24 Facharbeiter- und 9 Hilfsarbeiterkategorien (Stichtag
1. Juli 1961) zugrunde.
Nach dieser Übersicht bewegten sich die durchschnittlichen Stundenlöhne in den verschiedenen Facharbeiterberufen zwischen 3&gt;68 Dollar
(Maler) und 4» 54 Dollar (Maurer), wobei der Durchschnitt bei sieben
Berufen 4 Dollar und mehr betrug. Bei den Bauhilfsarbeitern dagegen
lagen die durchschnittlichen Stundenlöhne zwischen 2,98 Dollar (Arbeitsmänner) und 3,35 Dollar (Verputzergehilfen).
Zwischen dem 1. Juli 196O und dem 1. Juli 1961 erhöhten sich
die Durchschnittslöhne für sämtliche Bauarbeiter (die regionalen
Unterschiede waren verhältnismäßig gering) im allgemeinen um 4 Prozent. Lohnerhöhungen bei den Facharbeitern um durchschnittlich 3»8 Prozent standen dabei Anhebungen um 4»8 Prozent bei den Bauhilfsarbeitern gegenüber.
Lohnaufbesserungen von 4 bis 6 Prozent erhielten etwa die Hälfte
aller Facharbeiter und Bauhilfskräfte; 6-8prozentige Erhöhungen dagegen
verzeichneten 1/10 der Facharbeiter und 3/10 aller Hilfsarbeiter.
Regional betrachtet, lagen die durchschnittlichen Bauarbeiterlöhne zwischen 5»22 Dollar in den südöstlichen Bundesstaaten und 4»20
Dollar in den Mittelatlantikstaaten. Bei den Facharbeitern ergaben
sich dabei Unterschiede bis zu 90 Cent (5&gt;50 - 4»40 Dollar), bei den
ungelernten Arbeitern bis zu 1,45 Dollar (2,00 - 3»45 Dollar).
Die folgende Tabelle gibt einen tiberblick über die durchschnittlichen Stundenlöhne in den wichtigsten Bauarbeiter-Fachberufen (Stand
vom 1 . Juli 1961 ):
Fach- und Hilfsarbeiter (nationaler Durchschnitt)

5,85 Dollar

Facharbeiter (Durchschnitt)

4,02 Dollar

Maurer
Zimmerleute
Zementmischer
Bauelektriker
Anstreicher
Verputzer
Klempner
Eisenflechter
Fliesenleger

4»34
5*94
3»90
4»16
3»68
4»14
4,18
4,00
4,03

Dollar
Dollar
Dollar
Dollar
Dollar
Dollar
Dollar
Dollar
Dollar

Arbeitsmänner

-

12

-

�Arbeitsmänner und Hilfskräfte (Durchschnitt)

3,06 Dollar

Maurergehilfen
Arbeitsmänner
Verputzergehilfen
Fliesenlegergehilfen

3,23
2,98
3»35
3,24

Dollar
Dollar
Dollar
Dollar

(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

-

13 -

�</text>
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                <text>&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Nr. 1&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Das Anciennitätsprinzip und seine praktischen Auswirkungen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Automation in den Vereinigten Staaten&lt;br /&gt;Automation - ein Bruch mit der Vergangenheit&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Präsident Kennedy vor dem amerikanischen Gewerkschaftsverband&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 2&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Möglichkeiten einer Arbeitsverkürzung in den USA&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ein Viertel des Einkommens geht für die Steuer drauf&lt;br /&gt;Steigende Aufwendungen für Urlaub und Freizeit in den USA&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Anstieg der Arbeitsproduktivität im Kohlebergbau um 85 Prozent seit 1949&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gewerkschaftliche Kurznachrichten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 3&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Gewerkschaftliche Probleme in den Entwicklungsländern&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nachlese zum "AFL-CIO"-Kongress&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es geht wieder um neue Tarife in der Stahlindustrie&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Präsident Kennedy legte Kongress Sozialbotschaft vor&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Bericht über die Auswirkungen der Automatisierung veröffentlicht&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 4&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Lohnbewegungen 1961/62 in der US-Wirtschaft&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sicherung der Arbeitsplätze und Einkommen wichtiger als höhere Löhne&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zahl der Gewerkschaftsmitglieder geringfügig angestiegen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gewerkschaftliche Kurznachrichten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 5&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Beschäftigung und Arbeitslosigkeit in den Vereinigten Staaten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die "dritte Kraft" am Verhandlungstisch&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Neue Arbeitsplätze durch industrielle und technische Fachausbildung&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Betriebliche Schulung - ein wichtiger Zug des amerikanischen Erziehungswesens&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gewerkschaftliche Kurznachrichten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nr. 6&lt;br /&gt;Die neuen Möglichkeiten der Automatisierung in der Industrie&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;435-Millionen-Dollar-Programm für die Umschulung von Arbeitslosen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Kennedy erläuterte Gewerkschaften seine Wirtschaftspolitik&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Bedeutung des neuen Tarifvertrages der Stahlindustrie&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nr. 7&lt;br /&gt;Die Auswirkungen der Automation auf den Arbeitnehmerstatus&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Feststellung der Beschäftigten- und Arbeitslosenzahl in den USA&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Gewerkschaften und die Angestellten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gewerkschaftliche Kurznachrichten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 8/9&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Frauenarbeit und Haushalteinkommen (I)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Anwendungstechniker als Wegbereiter der Vollautomatisierung&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die "Stadt-in-der-Stadt"&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vorbereitungskurse für angehende Pensionäre&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gewerkschaftliche Kurznachrichten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 10&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Frauenarbeit und Haushalteinkommen (II)&lt;/p&gt;&#13;
&lt;p&gt;Fast 70 Millionen Beschäftigte in den USA&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;AFL-CIO fordert 35-Stunden-Woche&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gewerkschaftliche Kurznachrichten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 11&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Urlaubsregelungen in den USA&lt;/p&gt;&#13;
&lt;p&gt;Leistungen der Pensionspläne wurden verbessert&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;(und vier weitere Kurznachrichten)&lt;/p&gt;&#13;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Nr. 12&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Das System der Lehrlingsausbildung in den USA&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nachwuchsförderung für das Zeitalter der Automation&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Facharbeiterschulung in den Entwicklungsländern ein gemeinsames Problem&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gewerkschaftliche Kurznachrichten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;</text>
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                    <text>INTERNATIONALE ARBEITSMITTEILUNGEN
Inhaltsverzeichnis
1 9 6 3

Nr. 1
Die Bedeutung der Gewerkschaften für
das amerikanische Wirtschaftsleben
Die Aufgaben des "National Labor Relations
Board"
Ein erfolgreiches Jahr für die amerikanischen
Gewerkschaften

Nr. 2
Automatisierung führt zur
"Bildungsgesellschaft"
Die Automation in gewerkschaftlicher Sicht
Internationale Zusammenarbeit auf dem Gebiet
der Rehabilitation Behinderter
Erhebliche Veränderungen in der USBeschäftigungsstruktur seit 1950
Gewerkschaftliche Kurznachrichten
*

Nr. 3
Mode 11vertrag der amerikanischen
Automobilarbeitergewerkschaft
Präsident Kennedy unterbreitete Kongreß
umfassendes Sozialprogramm
Ziele und Aufgaben des US-Arbeitsministeriums
Gewerkschaftliche Kurznachrichten

*

�4
Erziehung und Schulung in einem
Entwicklungszeitalter (i)
Gewerkschaftli che Kurznachrichten
*

Erziehung und Schulung in einem Entwicklungszeitalter (il)
Aktuelle Arbeitsmarktprobleme
Mehr Frauen im höheren Regierungsdienst
Filmore LaDeaux - ein Arbeitnehmerporträt
Gewerkschaftliche Kurznachrichten

6
Der E r f o l g s b e t e i l i g u n g s p l a n
Maschinistengewerkschaft
Gewerkschaftliche

der K a i s e r - S t a h l w e r k e

f e i e r t 75jähriges

Bestehen

Kurznachrichten

1
Die Arbeitsmarkt- und Beschäftigungsprobleme
der USA in den Jahren 1960-1975 (i)
Berufsausbildung im Zeitalter der schnellen
technischen Veränderungen
"DOT" - Ein Bestseller wird neu aufgelegt

�Nr. 8/9
Die Arbeitsmarkt- und Beschäftigungsprobleme
der USA in den Jahren 1960-1975 (il)
Gleiche Berufschancen für die Farbigen
"Stille Einigung" - der neue Stil im USTarif verband lungswesen
Vorbeugen - die Hauptaufgabe des modernen
Unfallschutzes
Gewerkschaftliche Kurznachrichten
*

Nr. 10
Die w i r t s c h a f t l i c h e
den USA

S i t u a t i o n der Farbigen

in

V e r s c h ä r f t e Bestimmungen der US-Post zur
Durchsetzung der R a s s e n g l e i c h h e i t
W i r t s c h a f t l i c h e s Wachstum und A r b e i t s l o s i g k e i t
U n f a l l s c h u t z am A r b e i t s p l a t z a l s
Aufgabe
Seeleutegewerkschaft
S t r e i k v e r z i c h t aus

spricht

gewerkschaftliche

sechsjährigen

*

N r . 11
Die amerikanische Sozialversicherung

t

Entwicklung der Löhne und Lohnnebenleistungen
in den USA
Arbeitslosen-Umschulungsprogramm hatte guten Start
Gewerkschaftliche Bildungsarbeit mit neuen Akzenten
Gewerkschaftliche Kurznachrichten

-

3 -

�Nr. 12
Die Leistungen älterer Arbeitnehmer in
Umschulungskursen
New Yorks einzigartige berufsbildende Oberschule
Beträchtliche Verschiebungen in der
US-Einkommensstruktur
E. A. Willis - ein Arbeitnehmerporträt
Schaffung internationaler Beschäftigungsnormen

* * * * *

- 4 -

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschattsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
l SIS Bonn Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeltsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XVI - 1

Bad Godesberg, den 1. Januar 1963
INHALTSVERZEICHNIS

Die Bedeutung der Gewerkschaften für das
amerikanische Wirtschaftsleben

Seite

1

Die Aufgaben des "National Labor Relations Board"

Seite

7

Ein erfolgreiches Jahr für die amerikanischen
Gewerkschaften

Seite

12

Arthur J. Goldberg, Richter am Obersten Bundesgericht
der Vereinigten Staaten:
Die Bedeutung der Gewerkschaften für das amerikanische Wirtschaftsleben
Aus der Monatsschrift "Overseas" .
Bei Nachdruck sind Angabe des Verfassers, der Quelle
und der Vermerk "Copyright 1962 by the Institute of
International Education" erforderlich.
Der Autor war bis August 1962 US-Arbeitsminister
und davor Mitarbeiter der Rechtsabteilung des Gewerkschaftsverbandes AFL-CIO. Seiner Darstellung
der Rolle der Gewerkschaften in den Vereinigten
Staaten kommt auf Grund seiner langjährigen Erfahrung
in Arbeits- und Gewerkschaftsfragen ein hohes Maß an
Authentizität zu. Im Zusammenhang mit den 19&amp;3 bevorstehenden Feiern anläßlich des 50. Jahrestags der
Schaffung des US-Arbeitsministeriums gewinnt sie
dazu noch besondere Aktualität.
Die amerikanische Gewerkschaftsbewegung leistet ihren Beitrag zur
Entwicklung einer demokratischen Gesellschaft in den Vereinigten Staaten vornehmlich in der Weise, daß sie ihre Kräfte auf die Verbesserung
der wirtschaftlichen und sozialen Lage der arbeitenden Menschen konzentriert. Das Klassenbewußtsein, in anderen Ländern so häufig ein augenfälliger Wesenszug der Gewerkschaftsarbeit, spielte bei der Verbreitung

-

1 -

�Verbreitung des Gewerkschaftsgedankens in den Vereinigten Staaten
niemals eine bestimmende Rolle.
Was die grundlegenden Zielsetzungen angeht, hält sich die
amerikanische Gewerkschaftsbewegung nach wie vor an die richtungweisenden Lehren von Samuel Gompers, Mitbegründer der American
Federation of Labor (AFL) und ihr erster Präsident von der im Jahre
1886 erfolgten Gründung an bis zu seinem Ableben im Jahre 1924«
Gompe rs' Kampf galt der Anerkennung der Gewerkschaften durch
die Unternehmer. Seine Zielsetzungen lauteten einfach genug: kürzere
Arbeitszeit, höhere Löhne und größere Freiheit. Dem Wirken Gompers'
ist es zu verdanken, daß die Gewerkschaften allmählich im ganzen Volk
als unabdingbarer Bestandteil der Gesellschaft anerkannt wurden. Dieser
große Pionier der Gewerkschaftsbewegung ging von der Überzeugung aus,
das Gedeihen der Gewerkschaftsbewegung sei gleichbedeutend mit "einem
besseren Leben für alle". Er war aber gegen den Versuch, dieses Ziel
durch die Anwendung von Gewalt oder ungesetzliche Schritte anzustreben.
In der Satzung des Gesamtverbandes AFL-CIO, der 1955 durch den
Zusammenschluß der American Federation of Labor und des Congress of
Industrial Organizations entstand, werden als wichtigstes Nahziel
"höhere*Löhne, kürzere Arbeitszeit und bessere Arbeitsbedingungen"
genannt. Die Arbeiter werden aufgerufen, darüber hinaus dem höheren
Ziel nachzustreben, "ihre Rechte und Pflichten als Bürger voll auszuschöpfen" . Die Satzung ermutigt alle Arbeitnehmer zur Bildung von
"Gewerkschaften, die ihren eigenen Vorstellungen entsprechen", Sie
bestimmt des weiteren, daß alle Arbeitnehmer "ohne Ansehen der Rasse,
des Glaubens, der Hautfarbe, der nationalen Herkunft oder Abstammung...
an den Vorteilen der Gewerkschaftsorganisation teilhaben" sollen. Sie
bringt ferner die Absicht der AFL-CIO zum Ausdruck, die Hoffnungen
und Aspirationen der Werktätigen mit demokratischen Methoden zu verwirklichen, die mit unseren Gesetzen und Traditionen vereinbar sind
und in den Gesamtrahmen unserer konstitutionellen Regierungs- und
Staatsform passen.
Diese Grundsätze werden des weiteren mit der Versicherung bekräftigt, die AFL-CIO werde "die Sache des Friedens und der Freiheit"
fördern und "freie Gewerkschaften in aller Welt unterstützen, ihnen
beistehen und mit ihnen zusammenarbeiten".
Angesichts des ständigen Wandels und der fortgesetzten Expansion
der amerikanischen industriellen Wirtschaft schreitet der Prozeß der
Organisierung der Arbeiterschaft, der Anerkennung der Gewerkschaften
und der Festsetzung der Löhne und Arbeitsbedingungen durch frei ausgehandelte Tarifverträge rasch voran.
Gegenwärtig sind weit über 100 000 derartige Vereinbarungen zwischen Gewerkschaften und Unternehmern in Kraft. Die Verhandlungen werden gewöhnlich von den einzelnen Gewerkschaften für sich allein
geführt - teils durch das Ortskartell, das die Belegschaft eines
einzelnen Betriebes oder einer Gruppe von Unternehmen vertritt,
teils auch durch mehrere Ortskartelle gemeinsam'," die mit Unternehmens-

-

2

-

�Unternehmensgruppen einer Stadt oder eines bestimmten Gebiets verhandeln, und manchmal - bei Verhandlungen mit Großunternehmen oder
größeren Segmenten eines ganzen Industriezweiges - tritt auch die
nationale Muttergewerkschaft selbst als Gesprächspartner auf.
Der Geltungsbereich der Tarifverträge kann sich außer auf Löhne
und Arbeitsbedingungen noch auf viele andere Fragen erstrecken; dies
ist auch meist tatsächlich der Fall. In den letzten Jahren stand
bei den Verhandlungen in zunehmendem Maße die Forderung nach erhöhten
Lohnnebenleistungen - bezahlte Feiertage, Urlaub, Alters- und Krankenversicherung sowie andere Sozialleistungen - im Vordergrund. Auch der
Wunsch nach größerer Sicherheit des Arbeitsplatzes, wie sie ihren Niederschlag in einer vertraglich garantierten Mindestarbeitswochenzahl
pro Jahr, in den Anciennitätsrechten, in einer vernünftigen Beförderungs- und Versetzungsregelung, in Kündigungsschutzbestimmungen,
Arbeitslosenunterstützungsleistungen und ähnlichen Sozialmaßnahmen
findet, gewinnt immer größere Bedeutung. Tarifverträge erstrecken
sich auch auf Fragen des betrieblichen Unfallschutzes und aller damit
zusammenhängenden Vorkehrungen, der Länge der Arbeitszeit und ihres
Beginns und Endes, der Schicht- und Überstundenarbeit, der Kündigung,
der Verhütung von Streiks und Aussperrungen und des Beschwerderechts
und der Schlichtung.
Der Ausbau des Kollektivverhandlungswesens als wichtigste Methode
zur Erzielung einer weitgehenden Übereinstimmung zwischen Arbeitgebern
und Arbeitnehmern gehört mit zu den auffälligsten Erscheinungen der
amerikanischen Wirtschaftsdemokratie. Dieses Verfahren des Verhandeina
zwischen Gewerkschaft und Management mit dem Ziel, die Arbeitsbedingungen
ohne direkte Konsultation der betroffenen Arbeitnehmer festzusetzen,
wurde stark in Frage gestellt, als die Unternehmer sich weigerten, an
derartigen Kollektiwerhandlungen teilzunehmen. Dann, in der entscheidungsvollen Anfangsphase der ersten Amtsperiode von Präsident Franklin
D. Roosevelt, wurde als Antwort auf diese Weigerung 1935 das Gesetz
zur Regelung der Arbeitgeber-Arbeitnehmerbeziehungen (National Labor
Relations Act) erlassen. Es war dies das wichtigste Arbeitsgesetz,
das bis dahin geltendes Recht im Gesamtgebiet der Vereinigten Staaten
geworden war. Es garantierte allen Arbeitnehmern "das Recht, sich zu
organisieren, Gewerkschaften zu bilden, sich ihnen anzuschließen oder
sie zu unterstützen, über gewählte Vertreter Kollektivverhandlungen
mit den Unternehmern zu führen und zum Zwecke der Führung solcher Verhandlungen und zur gegenseitigen Sicherung und Hilfeleistung gemeinsame
Schritte zu unternehmen".
Das Kollektivverhandlungswesen bildet heute die feste Basis des
expandierenden Bereichs der Zusammenarbeit zwischen den beiden großen
Kontrahenten unseres Wirtschaftssystems, Arbeitgebern und Arbeitnehmern,
und fördert die zunehmende Anerkennung des dritten großen Partners - des
Staates.
Die Entwicklung dieses demokratischen Dreigestirns findet ihren
Ausdruck auch in der Arbeit des Beirates des Präsidenten für Fragen der
Arbeitgeber-Arbeitnehmerbeziehungen, dessen Gründung Präsident Kennedy
1961 durch Erlaß verfügte. Der Ausschuß, in dem Arbeitnehmer, Arbeitgeber

-

3 -

�•

Arbeitgeber und Staat gleich stark vertreten sind, besteht aus 21
Mitgliedern. Er hat bereits eine ganze Reihe von wichtigen Problemen
unserer Wirtschaftsordnung, die gegenwärtig einen raschen Wandel
durchmacht und immer komplizierter wird, aufgegriffen und ergründet
und ist dabei in Neuland vorgestoßen. Lösungen für diese Probleme
können selbstverständlich nicht kurzfristig gefunden werden; der Gedankenaustausch aber, den die Tätigkeit des Ausschusses in Gang setzte,
berechtigt zu der Hoffnung, daß die amerikanische Arbeits- und Sozialpolitik von dieser Seite her neue Impulse erhalten wird und daß die USWirtschaft an der Schwelle eines neuen, erfolgverheißenden Zeitalters
steht.
Die zunehmende Mitwirkung der Gewerkschaften an der Gestaltung
des nationalen Lebens unterstreicht nur einen Aspekt der Gewerkschaftsarbeit, der schon immer besonders gepflegt wurde. Vertreter der Gewerkschaften sitzen in den Beratungsausschüssen zahlreicher Stellen
des Bundes und der Einzelstaaten und sind in verantwortliche Positionen
aufgestiegen. Gewerkschaftsmitglieder werden in steigender Zahl in
Organe der lokalen Selbstverwaltung wie Schulaufsichtsbehörden, Stadtverordnetenversammlungen, Bibliothekskuratorien und dergleichen gewählt oder berufen.
Im ersten und zweiten Weltkrieg traten viele Gewerkschaftsfunktionäre in den Dienst von Behörden. Heute sind die Gewerkschaften durch
führende Mitglieder in einer ganzen Reihe von staatlichen Körperschaften
und Ausschüssen tätig, die sich mit Fragen des Schul- und Bildungswesens, der Ausweitung des Außenhandels usw. befassen.
Bei politischen Wahlen bleibt es den Gewerkschaftsmitgliedern
völlig unbenommen, für wen sie stimmen. Die Gewerkschaften sehen ihre
politische Aufgabe ausschließlich darin, ihre Mitglieder über die Ansichten der Kandidaten und deren bisheriges Verhalten bei Abstimmungen
und im Amt zu unterrichten, die Wählerschaft zur Ausübung ihrer Wahlrechte anzuhalten und sich in die Gesetzgebung, -c^weit sie Wirtschaftsund Sozialfragen betrifft, möglichst schon im Planungsstadium einzuschalten. Diese Mitwirkung der Gewerkschaften an der Gesetzgebungsarbeit
im Kongreß und in den einzelstaatlichen Parlamenten hat ihrerseits tiefe
Rückwirkungen auf die Arbeiterbewegung gezeitigt.
Das amerikanische Arbeitsministerium, das 1963 den 50. Jahrestag
seiner Gründung feiert, entstand unter tatkräftiger Förderung durch
die Gewerkschaften. Obwohl es nur rund 8000 Mitarbeiter beschäftigt
und somit zahlenmäßig das kleinste der zehn Ministerien ist, ließen
es sein Eintreten für die Interessen und das Wohl der Erwerbstätigen in
den USA zu einer der aktivsten Regierungsbehörden werden.
Anfang dieses Jahrhunderts konnte die Gewerkschaftsbewegung in
den Einzelstaaten verschiedene Reformgesetze durchsetzen. Zu den ersten
diesbezüglichen Erfolgen rechnen die von mehreren Bundesstaaten erlassenen Gesetze über die Regelung der Frauen- und Kinderarbeit in der Industrie sowie gesetzliche Vorschriften zur Verhütung von Betriebsunfällen.
Die Gewährung von Renten im Invaliditätsfalle ist heute in den meisten
Einzelstaaten gesetzlich geregelt, und Kinderarbeitsgesetze bestehen
in sämtlichen.
T

- 4 -

�Im Jahre 1890 erließ der Kongreß das sogenannte Sherman-Antir
Trust-Gesetz, das eine Regelung des Handels zwischen den einzelnen
Bundesstaaten brachte. Das Clayton-Anti-Trust-Gesetz von 1914, ein
Ergänzungsgesetz zum Sherman Act, untersagte Alleinverkaufs-Kontrakte
und örtliche Preissenkungen, die ein Abwürgen von Konkurrenten zum
Ziele haben. Es bescheinigte den Gewerkschaften ausdrücklich, daß
sie nicht unter die verbotenen Zusammenschlüsse fallen, beschränkte
den Erlaß einstweiliger Anordnungen gegen gewerkschaftliche Kampfmaßnahmen und erklärte friedliche Streiks, Boykotte und Streikposten
ausdrücklich für zulässig.
Das Adamson-Gesetz von 1916 verfügte die Einführung des Achtstundentages als Grundarbeitszeit für die Eisenbahnbediensteten. Diese
Maßnahme war ein Markstein im langen Kampf der Gewerkschaften um die
Einführung einer verbindlichen Norm für die tägliche Arbeitszeit, die
heute in der ganzen Welt gilt. Das Gesetz zur Regelung der Arbeit bei
den Eisenbahnen (Railway Labor Act) aus dem Jahr 1926 bedeutete, obwohl
es sich nur auf den Transportsektor erstreckte, einen wichtigen Wendepunkt in der Politik der Gewerkschaftsbewegung. Von dem Grundsatz ausgehend, daß Kollektivverhandlungen die Basis für ein gutes Verhältnis
zwischen Arbeitnehmern und Management bilden, verschafften die Gewerkschaften den Bahnbediensteten das Recht, sich ohne Einmischung seitens der Unternehmensleitung zu organisieren und Gewerkschaften beizutreten .
Der Börsenkrach von 1929 lähmte die amerikanische Wirtschaft
nahezu gänzlich. Die Schlangen vor den Armenküchen, die an Werkstoren
angeschlagenen Schilder "Keine freien Stellen" und die allgemeine Angst
und Hoffnungslosigkeit versetzten das Land in einen Zustand der Apathie
und Untätigkeit. Am tiefsten Punkt der Depression, im Jahre 1932, verabschiedete der Kongreß dann das Norris-La Guardia-Gesetz, das die gesetzlichen Streikverbote drastisch einschränkte.
Nur wenige Jahre später erließ der Kongreß weitere wichtige Gesetze
zur Verbesserung des Loses der arbeitenden Menschen, darunter auch das
Sozialversicherungsgesetz von 1935» das die Alters- und Invaliditätsversicherung der Arbeitnehmer regelte.
In der Nachkriegszeit setzten sich die Gewerkschaften entschlossen
gegen die Versuche vor. Kommunisten zur Wehr, die Arbeiterbewegung zu
unterwandern und Einfluß auf sie zu gewinnen. Für die Kommunisten endete
dieser Kampf mit einer vernichtenden Niederlage. Ihren dramatischen Höhepunkt erreichte die Auseinandersetzung in den Jahren 1949 und 1950» als
der Congress of Industrial Organizations (CIC) elf kommunistisch-beherrschte Mitgliedgewerkschaften ausschloß. Der erfolgreiche Widerstand
der amerikanischen Gewerkschaften gegen kommunistische Strömungen im
Inneren bildete den Auftakt zu einer immer stärkeren Teilnahme der Gewerkschaften an dem weltweiten Ringen um Freiheit und Demokratie.
Hand in Hand mit dem Kampf gegen den Kommunismus gingen die Bestrebungen der AFL-CIO, die Arbeiterbewegung auch von anderen korrumpierenden Einflüssen frei zu halten. Ihr Disziplinarausschuß entwarf
sechs Ehrenordnungen für die verschiedenen Bereiche der Gewerkschaftsarbeit, die auf dem Jahreskongreß der AFL-CIO 1957 angenommen wurden. Der

-

5 -

�Der Disziplinarausschuß hatte ferner die Aufgabe, etwaige Mißstände
innerhalb der Mitgliedgewerkschaften aufzudecken. Auf Grund der Ergebnisse seiner Untersuchungen schloß der Jahreskongreß von 1957 drei
große Mitgliedgewerkschaften aus der AFL-CIO aus und ergriff disziplinarische Maßnahmen gegen eine vierte. Eine fünfte Mitgliedgewerkschaft, die vom Vorstand ungebührlicher Praktiken bezichtigt worden
war, leistete der Aufforderung Folge, die Mißstände noch vor der Jahrestagung zu beseitigen.
In der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO), deren Mitglied
die Vereinigten Staaten 1934 wurden, arbeiten die amerikanischen Gewerkschaften seither aktiv mit. Die Mitarbeit in der ILO, die inzwischen
Sonderorganisation der Vereinten Nationen geworden war, hat die APL-CIO
auch nach dem Zusammenschluß fortgesetzt. Die internationale Tätigkeit
der amerikanischen Gewerkschaften findet ihre sinnvolle Ergänzung durch
die Mitgliedschaft im Internationalen Bund freier Gewerkschaften und
in den Internationalen Gewerkschaftssekretariaten.
Ein neugegründeter Zehnerausschuß der AFL-CIO für Fragen der Allianz
für den Fortschritt, an dessen Spitze der Präsident des Verbandes, George
Meany, steht, arbeitet gegenwärtig ein Programm für die Gewerkschaftstätigkeit in den lateinamerikanischen Ländern aus. Der AFL-CIO-Ausschuß
für die Vereinten Nationen richtete ein "Freundschaftsburo" ein, um
interessierte ausländische UN-Delegierte - vornehmlich Männer und Frauen,
die selbst aus der Gewerkschaftsarbeit kommen - mit der amerikanischen
Gewerkschaftsbewegung vertraut zu machen.
Die wachsende Bedeutung, die die Gewerkschaften für das gesamte
Leben des amerikanischen Volkes gewonnen haben, manifestiert sich in
einer Reihe von mächtigen Verwaltungsbauten, die die Gewerkschaften in
jüngerer Zeit in der Landeshauptstadt errichten ließen.
Der Gesamtverband AFL-CIO, der seinen Sitz in Washington hat, vertritt 134 nationale und internationale (d.h. auch in Kanada tätige) Gewerkschaften mit - nach dem Stand von 1§60 - 14 99 2 000 Mitgliedern.
Daneben gibt es noch 50 unabhängige Gewerkschaften mit 3 045 000 Mitgliedern (Stand von 1960). Hinzu kommen noch die unabhängigen Betriebsgewerkschaften und die der AFL-CIO-Zentrale direkt angegliederten selbständigen örtlichen Gewerkschaften mit insgesamt 580 000 Mitgliedern.
Der Zusammenschluß der beiden Verbände AFL und CIO zur AFL-CIO
im Jahre 1955 beendete die Spaltung der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung, die seit 1938 bestanden hatte, als im Zuge der Auseinandersetzung
um die Frage, inwieweit die Arbeitnehmer in Fach- bzw. Industriegewerkschaften zu organisieren seien, eine Gruppe von Gewerkschaften aus dem
damaligen Dachverband AFL austrat und sich in der CIO zusammenschloß.
In den vorausgegangenen sieben Jahrzehnten, in denen die Arbeiterbewegung
von der AFL beherrscht worden war, hatten der Gewerkschaftsgedanke und
die Gewerkschaften selbst einen gewaltigen Aufschwung genommen, und die
wirtschaftliche und soziale Lage der amerikanischen Arbeiter hatte sich
in einem Ausmaß gebessert, das alle Erwartungen übertraf.
Der

�Der Zusammenschluß der beiden rivalisierenden Gewerkschaftsverbände im Jahre 1955 wurde als Beginn einer neuen Zeit begrüßt, der
Zeit der reifen industriellen Demokratie.
Das langwierige Ringen um die Anerkennung der Gewerkschaften ist
längst siegreich beendet, und ihre Stellung im Wirtschaftsleben ist
im Gesetz des Landes inzwischen fest verankert. Eine erneute Bestätigung
fand diese Tatsache, als Präsident Kennedy 1962 durch Erlaß die Beschäftigungsverhältnisse im Bundesdienst dahin igehend modifizierte, daß die
Bundesbediensteten das Recht erhalten, sich durch Organisationen ihrer
eigenen Wahl vertreten zu lassen. So erwachsen den verantwortlichen
Männern an der Spitze der amerikanischen Gewerkschaften immer neue
Aufgaben, die sie mit wachsender Entschlossenheit zu lösen gedenken.

Aus "Overseas", einer Zeitschrift
für Fragen des Erziehungsaustauschs
(Ausgabe September 1962). Copyright
1962 by the Institute of International
Education.

* * * * *

Frank W. McCulloch, Vorsitzender des Nationalen Ausschusses für
ArbeitsbeZiehungen»
Die Aufgaben des "National Labor Relations Board"
Die dem "National Labor Relations Board" (NLRB) vom Kongreß übertragene Aufgabe ist ausschließlich auf ein Ziel gerichtet! das Tarifverhandlungswesen zu fördern und die Freiheit der Arbeitnehmerorganisationen zu sichern, um dadurch den industriellen Frieden zu festigen.
Seit 27 Jahren ist der "National Labor Relations Act" die Grundlage
dieser Bestrebungen.
Die Statuten des "NLRB" sind zwar im Laufe der Jahre verschiedentlich abgeändert oder neu gefaßt worden, und auch der Ausschuß selbst
wurde inzwischen erweitert, aber weder die grundsätzliche Einstellung
in Fragen der Arbeitgeber-Arbeitnehmerbeziehungen in den USA noch die
Aufgaben und die Verantwortlichkeit des "NLRB" hinsichtlich der Förderung dieser Beziehungen haben sich dabei irgendwie geändert.
Es

�Es ist unsere Pflicht, den Interessen der Nation als Ganzen
dadurch zu dienen, daß wir harmonische Beziehungen zwischen den
Sozialpartnern durch die Garantierung und den Schutz gewisser Grundrechte des Arbeitnehmers fördern. Zu diesen Grundrechten zählen u.a.
das Recht der Arbeitnehmer, einer Gewerkschaft beizutreten und sich
in freien und offenen Kollektivverhandlungen mit ihren Arbeitgebern
in Arbeitsfragen auseinanderzusetzen. Wie gesagt ist es die ausschließliche Aufgabe des "NLRB" , die Ziele nur dieses Gesetzes in
der Praxis zu verwirklichen, während die Behandlung aller anderen ,
Rechtsfragen, die sich aus der Anwendung der zahlreichen Arbeitsgesetze - wie etwa des Kinderarbeitsgesetzes, des Mindestlohnoder des Arbeitszeitgesetzes - ergeben, nicht in den Kompetenzbereich
unseres Amtes fällt.
Wir sind eine unabhängige Behörde, an deren Spitze ein fünfköpfiger Ausschuß (Board) steht, dessen Mitglieder vom Präsidenten direkt
für die Dauer von fünf Jahren ernannt werden. Neben der Zentrale in
Washington unterhalten wir noch 28 Regionalbüros in den verschiedenen
Teilen des Landes. Bei einem Jahresbudgetbetrag von rund 20 Millionen
Dollar, der uns zur Verfügung steht, sind in unseren Dienststellen etwa
1850 Angestellte beschäftigt.
Das "Gesetz über Arbeitsbeziehungen" (National Labor Relations
Act) entstand in den Depressionsjähren während der ersten Amtszeit
Präsident Roosewelts. In jener Zeit der Massenarbeitslosigkeit war
die Verhandlungsposition des einzelnen Arbeitnehmers im Hinblick
auf Löhne und Arbeitsbedingungen denkbar schlecht. Bei rund 10 Millionen Arbeitsuchenden mußte der beschäftigte Arbeitnehmer entweder das
akzeptieren, was ihm vom Unternehmer geboten wurde, oder aber seinen Arbeitsplatz aufgeben. Nur im Rahmen einer Organisation hätte
der einzele damals die Möglichkeit gehabt, seine Verhandlungsposition
gegenüber den Unternehmern zu stärken. Derartigen Bemühungen auf
Seiten der Arbeitnehmer wurde von Unternehmerkreisen seinerzeit jedoch heftiger Widerstand entgegengesetzt. Zwischen 1935 und 1935 z«B.
resultierten etwa 70 Prozent aller Streiks aus der Weigerung der Arbeitgeber, die Gewerkschaften als Tarifverhandlungspartner anzuerkennen oder mit ihnen in Verhandlungen einzutreten.
Im Jahre 1935 brachte dann Senator Robert Wagner aus New York
im Kongreß eine Gesetzesvorlage ein, die darauf abzielte, das uneingeschränkte Koalitionsrecht der Arbeitnehmer zu sichern, das allgemeine
Streikrecht zu garantieren und die Arbeitgeber zu zwingen, mit den gewählten Vertretern der Arbeitnehmerverbände über Tarife zu verhandeln. Das noch im gleichen Jahr verabschiedete Gesetz (National Labor
Relations Act) führte im einzelnen die verschiedenen Grundrechte.der
Arbeitnehmer und ihrer Organisationen an und verbot zwecks wirksamer
Durchsetzung der einzelnen Bestimmungen verschiedene bis dahin in der
Wirtschaft übliche Praktiken. AJLs sogenannte "unfair labor practices" unfaire Beschäftigungspraktiken - bezeichnet das Gesetz dabei u.a.l
1. das Abhalten eines Beschäftigten von der Ausübung seiner legitimen gewerkschaftlichen Tätigkeiten durch den Unternehmer;
2. die Unterstützung, Beherrschung oder Kontrolle einer Arbeitnehmerorganisation oder Gewerkschaft durch das Unternehmen^

-

8

�3. die Entlassung oder Diskriminierung von Arbeitnehmern auf
Grund ihrer Zugehörigkeit zu einer Gewerkschaft oder ihrer
Tätigkeit für diese;
4. die Diskriminierung von Arbeitnehmern, die auf Grund des Gesetzes Klage führen oder gegen den Unternehmer als Zeugen
aussagen;
5. die Weigerung des Managements, mit den Gewerkschaften als den
von den Arbeitnehmern gewählten Vertretern in Tarifverhandlungen einzutreten.
Der "National Labor Relations Act" von 1935» der allgemein als
"Wagner Act" bezeichnet wird, verbot zwar sämtliche unfairen Praktiken
der Unternehmer, sagte aber nichts in dieser Hinsicht über die Gewerkschaften aus. Er war daher auch jahrelang Gegenstand heftiger Angriffe
aus den Kreisen des Unternehmertums, der Farmer und anderer Gruppen.
Diese Opposition wuchs von Jahr zu Jahr und erreichte im zweiten Weltkrieg ihren Höhepunkt, als auf Grund des allgemeinen Arbeitskräftemangels die Machtposition der Gewerkschaften immer stärker wurde und
auch teilweise zu einem Mißbrauch der Macht führte. Auf Grund der industrieweiten Streiks, die in der unmittelbaren Nachkriegszeit wichtige
Industriezweige für lange Zeit lähmten (Bergbau, Stahlindustrie,
Schiffsbau), brachte dann Senator Robert Taft aus Ohio im Kongreß
wichtige Xnderungsvorlagen zum "National Labor Relations Act" ein.
Diese Änderungsvorschläge Senator Tafts wurden 1947 v °m amerikanischen Kongreß mit der Verabschiedung des "Labor-Management Relations
Act** (Taft-Hartley Act) weitgehend berücksichtigt, der als "unfaire
Praktiken" der Gewerkschaften folgende Tätigkeiten bezeichnet»
1 • die Ausübung von Zwang oder die Diskriminierung von Mitgliedern oder Nichtmitgliedern wegen der Zugehörigkeit oder Nichtzugehörigkeit zu einer Gewerkschaft;
2. die Weigerung, mit einem Unternehmer Kollektivverhandlungen
zu führen;
3. die Auslösung oder Begünstigung eines Streiks, wenn es dabei
um folgendes geht»
a. Arbeitnehmer zu zwingen, einer Gewerkschaft beizutreten,
b. "Neutrale" zu zwingen, in einer Arbeitsstreitigkeit Partei
zu ergreifen,
c. einen Zwang auf die Unternehmer auszuüben, "MindprheitenGewerkschaften" als Tarifpartner anzuerkennen oder mit
diesen Tarifverhandlungen zu führen^
4. die Einschränkung der Zahl der Gewerkschaftsmitglieder durch
Erhebung außergewöhnlich hoher Beiträge oder Aufnahmegelder;
5. die Erpressung von Geldern von den Unternehmern für Arbeiten,
die nicht geleistet wurden.
Dieses Gesetz wurde dann im Jahre 1959 erneut modifiziert, und verschiedene Paragraphen wurden neu aufgenommen, die u.a. die Offenlegung
der Finanzen der Gewerkschaften verlangen und Vorschriften hinsichtlich
der Verwaltung von Fondsgeldern usw. durch Funktionäre der Gewerkschaften enthalten.
TTV,„„
Unsere

�Unsere praktische Tätigkeit ist weitgehend mit der eines
"Arbeitsgerichtes" zu vergleichen. Die von Einzelpersonen oder
Organisationen bei unseren über das gesamte Staatsgebiet verteilten
Regionalbüros eingehenden Beschwerden oder Hinweise auf Verletzungen
der Gesetzesvorschriften werden von flen Vertretern dieser Büros zuerst auf ihre Stichhaltigkeit hin unitersucht. Wird dabei festgestellt,
daß tatsächlich Verstöße gegen das Gesetz vorliegen, so setzen die
Untersuchungsbeamten das beschuldigte Unternehmen bzw. die Gewerkschaft davon in Kenntnis, setzen eine, Klageschrift auf und benachrichtigen gleichzeitig den Labor Board in Washington, Daraufhin
schicken wir einen Vertreter zur Untersuchung des Falles an Ort und
Stelle, wo er in einem sogenannten "hearing", einem Verfahren zur
Ermittlung der Tatbestände, die betreffenden Parteien anhört. Auf
Grund dieser Verhandlung und nach Anhörung der Argumente beider Seiten fertigt er dann einen Schriftsatz an, der die Tatbestände im einzelnen aufführt, eine Würdigung der Rechtslage enthält und schließlich die sich daraus ergebenden Auflagen oder Maßnahmen angibt.
Die Beamten der Regionalbüros unterstehen disziplinarisch dem
Generalanwalt unseres Amtes und nicht den fünf Mitgliedern des Board};
und die Untersuchungsbeamten sind gegenüber dem Board ebenfalls unabhängig. Sie werden aus einer Liste ausgewählt, die von der unabhängigen
"Civil Service Commission" zusammengestellt wird, der Aufsichtsbehörde
für alle Bundesbeamten»
Wenn eine Partei mit der Entscheidung des Untersuchungsbeamten
nicht einverstanden ist, so kann sie beim Labor Board in Washington
eine Revision des Urteils beantragen» Wir überprüfen dann erneut
die einzelnen Tatbestände, die Rechtslage sowie die vom Untersuchungsbeamten vorgeschlagenen Rechtsmittel und veröffentlichen ein
Urteil, durch das der Fall entweder abgewiesen oder aber der beklagten
Partei zur Auflage gemacht wird, die beanstandeten gesetzwidrigen
Praktiken aufzugeben und entsprechende Schritte zu unternehmen, um
das begangene Unrecht wieder gutzumachen. Wenn z»B. ein Unternehmer
angeklagt ist, Arbeitnehmer auf Grund ihrer Zugehörigkeit zu einer
Gewerkschaft entlassen zu haben, und wir nach Prüfung der Tatbestände
feststellen, daß das tatsächlich der Fall war, so machen wir es dem
Unternehmer zur Auflage, die betreffenden Arbeitnehmer bei rückwirkender Zahlung des Lohnes wiedereinzustellen und sich in Zukunft derartiger antigewerkschaftlicher Praktiken nicht mehr zu bedienen.
Es steht allerdings nicht in unserer Macht, die von uns ergangenen Urteile durchzusetzen oder eine Mißachtung dieser Auflagen zu
bestrafen. In solchen Fällen müssen wir uns an die höheren Bundes«
Appellationsgerichte wenden und diese um die Durchsetzung der Auflagen
ersuchen. Desgleichen kann natürlich jede verurteilte Partei die Aufhebung des Spruches bei einem solchen Gericht beantragen, wenn sie
der Ansicht ist, daß wir den Tatbestand nicht richtig wiedergegeben,
die Rechtslage falsch ausgelegt haben, oder die Auflage ihr ungerechtfertigt erscheint. Wenn wir das A-Ppellationsgerieht um die Durchsetzung
unseres Spruches ersuchen oder, umgekehrt, die beschuldigte.Partei eine
Aufhebung der Auflage verlangt, so ist dieses öffentliche Gericht in
seiner Urteilsfindung vollkommen unabhängig. Es ist dabei durchaus
keine Seltenheit, daß Gerichte unser Urteil in allen Punkten verwerfen
(seit 1935 in 17# aller Fälle).
Neben

-

10 -

�Neben der Behandlung von Fällen "unfairer Arbeitspraktiken"
ist es noch unsere Aufgabe, Repräsentationswahlen in den Betrieben
durchzuführen, damit festgestellt wird, welcher Gewerkschaft die
Arbeitnehmer eines Unternehmens die Vertretungsrechte übertragen
wollen. Denn im Gegensatz zu den meisten europäischen Ländern, wo
mehrere Gewerkschaften gleichzeitig die Interessen der Arbeitnehmer
eines Betriebes wahrnehmen können, kann in den Vereinigten Staaten
immer nur eine Gewerkschaft als bevollmächtigter Arbeitnehmervertreter innerhalb eines Unternehmens agieren. Voraussetzung für die
Übertragung der Vertretungsrechte an eine Gewerkschaft ist, daß
sie die meisten Stimmen bei der Abstimmung auf sich vereinigt.
Wenn also eine Gewerkschaft (oder mehrere) den Anspruch auf die Vertretungsrechte bei einem Regionalbüro des "NLRB" anmeldet und nachweisen kann, daß ein großer Teil der Arbeitnehmer des Betriebes
^gewöhnlich mindestens 30 Prozent) die Vertretung durch diese Gewerkschaft wünscht, dann führen wir auf Grund dieses Antrages eine
Repräsentationswahl durch. Spricht sich eine Mehrheit der Arbeitnehmer
gegen die Vertretung durch eine der kandidierenden Gewerkschaften aus,
so gewinnt keine von ihnen die Vertretungsrechte; im anderen Falle
erhält die Gewerkschaft die ausschließlichen Vertretungsrechte, die
den höchsten Stimmenanteil hat. Sie übernimmt damit die Verpflichtung,
die Arbeitnehmer bei allen Tarif- und anderen Verhandlungen zu vertreten.
So viel über die vom Gesetz uns auferlegten Pflichten und Aufgaben. Wie sieht nun aber unsere Tätigkeit in der Praxis aus?
Im vergangenen Finanzjahr z.B. führten wir insgesamt 6600 Vertretungswahlen durch, bei denen 89 Prozent der rund 500 000 wahlberechtigten Arbeitnehmer ihre Stimmen abgaben. Bei diesen Abstimmungen
über die gewerkschaftlichen Vertretungsrechte wurden 59 Prozent aller
Stimmen für Gewerkschaften abgegeben; und in 55 Prozent der Fälle erhielten die Gewerkschaften die Vertretungsrechte. Im gleichen Zeitraum
gingen bei uns über 12 000 Anzeigen wegen unfairer Arbeitspraktiken
bzw. Verstößen gegea den "Labor-Management Relations Act" ein.
Rund 8000 davon richteten sich gegen Unternehmer, etwa 4000 gegen
Gewerkschaften. Die meisten dieser Streitigkeiten werden in der Regel
auf informelle Art und ohne Ingangsetzung eines Verfahrens zur Zufriedenheit aller Beteiligten beigelegt, und zwar schon auf regionaler
Ebene. Auch die von uns in den Verfahren gefällten Sprüche und die
erteilten Auflagen werden im allgemeinen ohne weiteres von den Verurteilten akzeptiert bzw. beobachtet.

(Quellet Eigenbericht)

******

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11

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�Ein erfolgreiches Jahr für die amerikanischen Gewerkschaften
Ebenso wie die vergangenen Jahre stand auch 1962 ganz im
Zeichen der Bemühungen der Arbeitnehmerverbrinde um eine weitgehende
Absicherung der Arbeitsplätze und Einkommen gegenüber den Auswirkungen der schnellen technologischen Veränderungen, die in letzter
Zeit neben der Industrie auch sämtliche anderen Zweige der Wirtschaft
immer stärker erfaßt haben.
Ausdruck dieser intensiven Bemühungen sind vor allem die zahlreichen Verbesserungen, die die Gewerkschaften in dieser Hinsicht
im vergangenen Jahr in den neu abgeschlossenen Tarifverträgen verankern konnten; aber auch die diesbezüglichen Gesetze und Programme,
die 1962 vom Kongreß verabschiedet wurden, beweisen, in welchem Maße
die Gewerkschaften ihren arbeits- und sozialpolitischen Forderungen
in den gesetzgebenden Körperschaften des Landes Gehör verschaffen
konnten.
Zu den wesentlichen Verbesserungen zum Schutz von Arbeitsplätzen und Einkommen der Arbeitnehmer, die im letzten Jahr in die
Tarifverträge aufgenommen wurden, zählen vor allem die Errichtung
von Arbeitgeberfonds, aus denen alle die Arbeitnehmer einen Härteausgleich erhalten, die auf Grund von Mechanisierungsmaßnahmen
Arbeitszeit- und Einkommenseinbußen erleiden; die Gewährung von
Entlassungsgeldern; die Herabsetzung des Pensionsalters und die Erhöhung der Versicherungsleistungen im Rahmen der privaten Pensionspläne für freigesetzte Arbeitnehmer; sowie die Zahlung von Uraschulungs- und Umzugsbeihilfen.
Auf dem legislativen Sektor fanden diese gewerkschaftlichen
Sicherungsmaßnahmen eine allgemein verbindliche Ergänzung in dem
sogenannten "Manpower Development and Training Act of 1962" einem Bundesgesetz, das all jenen Arbeitnehmern die kostenlose Umschulung auf neue Berufe ermöglicht, die ihren alten Arbeitsplatz
auf Grund von Automationsmaßnahmen verloren haben, und ihnen für
die Dauer eines Jahres finanzielle Zuwendungen in Höhe der Arbeitslosenunterstützung sichert.
Während die Regierung 1962 immer wieder erklärte, daß eine allgemeine Herabsetzung der durchschnittlichen wöchentlichen Arbeitszeit
auf 36 oder 35 Stunden nach ihrer Ansicht nicht das geeignete Mittel
sei, um die Erwerbslosenrate auf ein tragbares Maß (von derzeitig
5,5 auf etwa 4»0 Prozent) zu senken, und das Problem nur mittels geeigneter wirtschaftspolitischer Maßnahmen zur Erhöhung der wirtschaftlichen Wachstumsrate gelöst werden könne, nahm der Exekutivausschuß
der "AFL-CIO" einstimmig eine Entschließung an, in der - als Mittel
zur Vergrößerung des Arbeitsplatzangebots - die Verkürzung der Arbeitswoche von 40 a uf 35 Stunden bei vollem Lohnausgleich gefordert
wird. Gleichzeitig wurde vom Vorstand eine Arbeitsgruppe gebildet,
deren Aufgabe es ist, sich für eine Änderung des "Gesetzes über die
Regelung der Arbeitszeiten und Löhne" und für die Aufnahme kürzerer
Arbeitszeiten in neue Tarifverträge einzusetzen»
In

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12

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�In Anbetracht der verstärkten Bemühungen der Gewerkschaften
um eine Sicherung der Arbeitsplätze und Einkommen der Arbeitnehmer
war die Entwicklung auf dem lohnpolitischen Sektor während des
vergangenen Jahres verhältnismäßig ruhig. Nach den letzten Übersichten
des "Amts für Arbeitsstatistik" verzeichneten die industriellen
Arbeitnehmer im ersten Halbjahr 1962 Lohngewinne von durchschnittlich 2,7 Prozent, und auch für das zweite Halbjahr 1962 kann auf
Grund der bisher vorliegenden Informationen eine ähnliche Entwicklung
angenommen werden»
Im September z.B. belief sich der durchschnittliche Wochenlohn
eines Industriearbeiters mit drei Angehörigen auf insgesamt 85»91
Dollar (78,24 Dollar für Alleinstehende). Gegenüber dem Vergleichsmonat des Vorjahres war damit ein Anstieg der Brutto- und Nettolöhne
um 4*30 Dollar bzw. 3,40 Dollar eingetreten.
Nicht unerwähnt bleiben darf in_diesem Zusammenhang auch die
automatische Lohnerhöhung, die sich - auf Grund der Anhebung der gesetzlich vorgeschriebenen Mindestlöhne von 1,00 Dollar auf 1,20
Dollar - 1961 für rund 2,5 Millionen Arbeitnehmer ergab, die alles
in allem bis September 1962 etwa 500 Millionen Dollar mehr an Löhnen
bekommen haben dürften.
Einen nicht unwesentlichen Teil ihrer Bemühungen und Mittel haben
die amerikanischen Gewerkschaften im letzten Jahr auch wieder für
ihre Auslandsarbeit eingesetzt. Rund 23 Prozent des Gesamtbudgets
der "AFL-CIO" - d.h. etwa 3 Millionen Dollar - wurden 1962 für die
Durchführung der zahlreichen internationalen Aufgaben verwendet. Nicht
eingeschlossen in dieser Summe sind die zahlreichen Beiträge der einzelnen Fachgewerkschaften zugunsten von internationalen Gewerkschaftsverbänden wie dem ICFTU oder Patengewerkschaften in Entwicklungsländern.
Sichtbarster Ausdruck aller Bemühungen der amerikanischen Arbeitnehme rverbände um die Schaffung freier und unabhängiger Gewerkschaften
in allen Teilen der freien Welt ist das "Amerikanische Institut für
die Entwicklung Freier Gewerkschaften", das im Jahr 1962 von der
"AFL-CIOn in Washington eröffnet wurde, und an dem junge Gewerkschafter
aus den südamerikanischen Entwicklungsländern im Rahmen von vierteljährigen Fortbildungskursen mit dem für ihre Tätigkeit in ihren Heimatländern erforderlichen technischen und geistigen Rüstzeug versehen werden sollen.

(Quellet Eigenbericht)

* * # * *

-

13

-

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
I SIS-liimii liad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XVI - 2

Bad Godesberg, den 1. Februar 1963
INHALTSVERZEICHNIS

Automatisierung führt zur "Bildungsgesellschaft"

Seite 1

Die Automation in gewerkschaftlicher Sicht

beite 5

Internationale Zusammenarbeit auf dem Gebiet der
Rehabilitation Behinderter

Seite 8

Erhebliche Veränderungen in der US-Beschäftigungsstruktur seit 1950

Seite 9

Gewerkschaftliche Kurznachrichten

Seite 10

Peter Drucker:
Automatisierung führt zur "Bildungsgesellschaft"
Aus "Think" (Juni 1962)
Bei Ilachdruck sind Angabe des
Verfassers, der Quelle und der
Vermerk "Copyright 1962 by
International Business Corporation" erforderlich.
Für den lMNormalbürger" schlägt sich die Automatisierung nicht so
sehr in der Entwicklung neuer Produktionsmethoden oder in Veränderungen in der Beschäftigungslage als vielmehr in einem tiefgreifenden
Wandel des geistigen und kulturellen Lebens nieder.
Eine Gesellschaft, in der die Automation zum beherrschenden Prinzip der Produktion und des Absatzes geworden ist, muß zwangsläufig zu
einer ""Bildungsgesellschaf-t" werden, zu einer Gesellschaft, in der
Wissen höher als Muskelkraft bewertet wird. Es ist dies eine Gesellschaft, die eörnehniicn die eine'besondere Fähigkeit ins Spiel bringt,
in der der JlenscB alle Kreatur übertrifft.
Größter

�Größter Beschäftigungszuwachs bei Geistesarbeitern
In den Ländern, in denen die Industrialisierung am weitesten
fortgeschritten ist, bilden bereits heute die Geistesarbeiter die
größte aller Beschäftigungsgruppen. In den Vereinigten Staaten ist
die Gruppe derer, die in der Statistik in der Rubrik "Führungskräfte und technische und akademische Fachkräfte" zusammengefasst werden, im letzten Jahrzehnt zur stärksten Beschäftigungsgruppe angewachsen. Sie hat damit in raschem Tempo die Gruppe der angelernten
Maschinisten überflügelt, die Gruppe der für das Zeitalter der Massenproduktion am Fließband typischen Arbeitskräfte. In anderen industrialisierten Ländern zeichnet sich die gleiche Entwicklung deutlich ab.
Größere Bildungschancen
Zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit ist somit die
Schaffung einer Gesellschaft möglich geworden, die jedem lernfähigen
Menschen den Zugang zu einer höheren Bildung eröffnet. In der Vergangenheit, als physische Kraft und manuelle Geschicklichkeit allein
produktiv zu werden vermochten, war die Zahl derer, denen die Gesellschaft eine gute Erziehung angedeihen lassen konnte, naturgemäß aus
Gründen der Wirtschaftlichkeit sehr begrenzt.
Selbst eine noch so reiche Volkswirtschaft früherer Zeiten konnte sich lediglich eine kleine Zahl von Menschen leisten, die nicht
unmittelbar durch ihrer Hände Fleiß zur Erzeugung von Wirtschaftsgütern beitrugen. Heute dagegen wächst die Besorgnis, daß wir nicht genug Menschen mit höherer Bildung haben könnten. Die unmittelbare Folge dieser Befürchtungen ist ein völliger Wandel der Aufstiegschancen
für jeden einzelnen. Seit alters war der Beruf selbst in einer noch
so freien Gesellschaft gewissermaßen erblich.
Von der brotlosen Kunst zum vielgefragten Beruf
Vor 30 Jahren, als ich selbst Student war, wollte einer meiner
Freunde, ein Engländer, Mathematik studieren. Er hatte auf dem College sehr gute Leistungen in diesem Fach gezeigt, war aöer auch nicht
das, was man ein Genie nennt. Die ganze Familie - angesehene, wohlhabende Leute mit akademischer Bildung - drang geschlossen in ihn, um
ihm diese unsinnige Idee auszureden. "Wovon willst du als Mathematiker leben?" fragte man ihn. Ungewöhnlich Begabte konnten sich vielleicht noch ein Stipendium für die Zeit des Studiums erhoffen; darüber hinaus aber gab es für die Jünger solcher brotloser Künste keine andere Zukunft als die des Schulmeisters. Die einzige Möglichkeit,
als "gebildeter Mensch" seinen Lebensunterhalt zu verdienen, boten
die "klassischen" akademischen Berufe des Juristen, Geistlichen, Offiziers, Arztes und Staatsbeamten. Und die Pointe der Geschichte ist,
daß die Familie recht hatte - damals vor knapp 30 Jahren. Ich brauche
wohl nicht erst näher auszuführen, daß man sich heute als Mathematiker
keine Sorgen mehr um sein Fortkommen zu machen braucht.
Das gleiche gilt auch für die anderen akademischen Berufe. Es
gibt nur sehr wenige, die heute nicht ständig und in steigendem Maße
in der Industrie» in Staatsdienst und an den Universitäten gefragt

�gefragt sind. Junge Menschen haben somit bei der Auswahl eines Berufs soviel Möglichkeiten wie nie zuvor. Wenn man den Begriff Freiheit als "Möglichkeit der Wahl" definiert, so ist die Entstehung
einer Bildungsgesellschaft, wie sie aus der Konzeption der Automatisierung erwächst, einer der größten Fortschritte in der Geschichte der Menschheit in Richtung auf die Verwirklichung der Freiheit.
Weder "Chef" noch "Handlanger"
Auch die Gesellschaftsstruktur erfährt hierbei im Zuge dieser
Entwicklung einen Wandel. In Büchern, Zeitungen und politischen Reden wird immer noch von der Annahme ausgegangen, daß es in einer
industrialisierten Gesellschaft zwei Gruppen gebe: eine sehr kleine
Gruppe von "Chefs" und eine große, undifferenzierte Gruppe von "Handlangern". Dies ist das Gesellschaftsbild, das Marx seiner Lehre zugrunde legte; er ging damit aber lediglich von einem Sachverhalt
aus, der im 19« Jahrhundert (und in früheren Jahrhunderten) jedem
als offenkundig, gottgegeben und unabänderlich galt. Heute bilden
nicht mehr länger die "Chefs" noch die "Handlanger" die wichtigste
und größte Gruppe, sondern die "Geistesarbeiter": die Buchhalter,
di©! Ärzte im Gesundheitsdienst, die Verkaufsleiter und Chemie-Ingenieure, die Betriebspsychologen und Produktionsplaner. Keiner von
ihnen ist ein "Chef" im alten Sinne; sie alle sind Angestellte. Nur
wenige von ihnen können damit rechnen, in die oberste Unternehmensspitze aufzusteigen, ja, die wenigsten erstreben überhaupt eine derartige Position; sie sind aber auch ganz eindeutig keine "Handlanger".
Die Rolle der Lehrer
Die wichtigste Untergruppe der "Geistesarbeiter" sind die Lehrer,
die das Wissen, auf dem sich diese moderne Gesellschaft von Gebildeten aufbaut, weiterreichen. In den Vereinigten Staaten sind sie heute
schon die größte Angestelltengruppe. Die Lehrer und nicht die Arbeiter an den Fließbändern der Autoraobilfabriken repräsentieren die Bildungsgesellschaft. Sie sind weder "Chefs" noch Proletarier. Sie gehören zur neuen dritten großen Gruppe, die für die Bildungsgesellschaft typisch ist und in ihr dominiert: dem Mittelstand zugehörig,
gebildet, angestellt und dennoch unabhängig, und sei es nur deshalb,
weil die Lehrer in Gestalt des Wissens einen "Besitz" von weit höherem Wert für den Prpduktionsprozeß und die Gesellschaft "verwalten"
als Land, Kapital..und Produktionsmittel.
Lernen nach der Schule
Es gibt allerdings keine neuen Chancen, die nicht ihrerseits
wieder neue Probleme aufwerfen. Um die Möglichkeiten einer Bildungsgesellschaft wirklich voll ausschöpfen zu können, wird in unseren
Schulen und im gesamten Bildungswesen vieles anders werden müssen.
Wir werden die Menschen vor allem zur Bereitschaft erziehen müssen,
auch nach Beendigung der Schulzeit noch Dinge dazuzulernen. Wir brauchen Menschen, die ein tieferes und stärker systematisiertes Wissen
in den verschiedenen Fachgebieten besitzen.
Das

�Das traditionelle Bildungswesen dürfte sich heute im Hinblick,
auf das zu lehrende Fachwissen vor die bisher größte Aufgabe gestellt
sehen. Früher war es so, daß sich ein junger Mensch in seiner Jugendzeit bestimmte Fertigkeiten aneignete und damit für den Rest seines
Lebens ausgelernt hatte. Als Fachkraft galt, wer einen der traditionellen Handwerksberufe erlernt hatte. In unserer Zeit werden die rein
handwerklichen Fertigkeiten als solche immer bedeutungsloser.
Alte und neue Fertigkeiten
Wird der Betriebsablauf zu einem auf der Automatisierung basierenden "Prozeß", d.h.iauf den systematisierten Fluß von Informationen und Material umgestellt, dann verschmelzen Berufe, die niemals
zuvor in einer engeren Beziehung zueinander gestanden hatten, am Arbeitsplatz zu einer einzigen Tätigkeit. Das Tätigkeitsfeld anderer
Berufe, das bisher ein einheitliches Ganzes gebildet hatte - z.B.
die Tätigkeit eines Elektrikers -, wird auf eine Vielzahl von Werkstücken an verschiedenen Arbeitsplätzen verteilt. Und - was noch
ernstere Folgen hat - viele noch gestern als ewig unentbehrlich angesehene Fertigkeiten können über Nacht bedeutungslos werden, während andere Fertigkeiten, die im Augenblick noch gar nicht bekannt
sind, morgen schon sehr gefragt sein können.
Fähigkeitsquotient
Deshalb kann es erforderlich werden, Begriffe wie "Fähigkeit"
neu zu definieren. Fähigkeit wird nicht mehr länger das sein, was
man erlernt hat, sondern die Kapazität, Neues dazuzul'ernen. Wir sprechen heute vom "Intelligenzquotienten" und meinen damit die Fähigkeit eines Menschen, sein Wissen auf neue Situationen anzuwenden.
Wir sollten vielleicht analog hierzu einen Begriff "Fähigkeitsquotient" schaffen, der als Maß der Fähigkeit eines Menschen dienen
könnte, Erfahrungen mit einer Materie und, einem Instrumentarium auf
eine neue Materie und ein neues Instrumentarium zu übertragen.
Recht schwierig zu lösende Probleme dürfte die auch in einer
Bildungsgesellschaft verbleibende Minorität der Ungebildeten aufwerfen. In einer Bildungsgesellschaft werden die zu lösenden Aufgaben
mehr als bisher den Einsatz von Menschen mit höherem Bildungsgrad
erfordern, so daß sich die Aufstiegschancen in erster Linie denen
bieten werden, die eine höhere Bildung nachweisen können: ein abgeschlossenes College- oder Universitätsstudium.
Verstand und Intuition
Der Mensch ist kein ausschließlich intellekt-bestimmtes, rein
analytisch denkendes Wesen, nicht einmal in der Betätigung der höheren seiner Fähigkeiten. Er hat nicht nur Verstand, sondern auch
Geist und Intuition. Und so sind ja auch die höchsten menschlichen
Leistungen keine Verstandesleistungen: Heiligenleben, Staatskunst,
Werke der Maler und Dichter, und selbst Unternehmertum. Selbst die
Leistungen der Großen unter den Wissenschaftlern beruhen in ebenso
hohem Maße auf Intuition wie auf Verstand. Es handelt sich hier mehr
um Kunstwerke denn um Etüden in Logik, mehr um ein visionäres Erfassen des Unbekannten denn um einen technischen Prozeß, der ja

- 4-

�ja immer auf Wissen basiert.
Um ein neues Gleichgewicht
Um die Vorteile voll ausschöpfen zu können, die die mit der
Automatisierung verbundene Ausweitung der Möglichkeiten und der
Leistungsfähigkeit des Menschen sowie die zusätzlichen Aufstiegsund Bildungschancen mit sich bringen, müssen wir ein Gleichgewicht
in der Bildung des einzelnen anstreben, einen Ausgleich, der der
Intuition und auch den geistigen Eigenschaften und Leistungen den
gebührenden Platz sichert. Auch innerhalb der Gesellschaft ist ein
Gleichgewicht erforderlich, auf daß ästhetischen und geistigen Leistungen kein geringerer Wert beigemessen wird als den analytischen.
Die hier aufgezeigten Perspektiven sind vielversprechend, aber zugegebenermaßen - zu einem erheblichen Teil Spekulation. Die künftigen Möglichkeiten sind jedoch groß genug, um die Phantasie von
Erziehern, Schriftstellern, Politikern, Soziologen und Künstlern
zu beschäftigen. Und auch die damit verbundenen Probleme dürften
groß genug sein, um Techniker, Wirtschaftler und Philosophen zu veranlassen, sich um sie zu kümmern.
Die der Automatisierung zugrunde liegenden Erkenntnisse machtvolle Erkenntnisse von großer Schönheit in Struktur, Rhythmus
und Gesamtaufbau - setzen uns in die Lage, auf technischem und wirtschaftlichem Gebiet Großes zu leisten, und werden auch das soziale
und kulturelle Leben vielfach bereichern. Ihre Anwendung und Nutzbarmachung setzt deshalb viel Verantwortungsbewußtsein und ein tiefes Verständnis der Zusammenhänge voraus.
Aus "Think" (Juni 1962)
* * * * *

Joseph A. Beirne, Präsident der Gewerkschaft der Beschäftigten
im amerikanischen Fernmeldewesen:
Die Automation in gewerkschaftlicher Sicht
Im Fernsprechdienst, dem wichtigsten Tätigkeitsbereich der Gewerkschaft der Beschäftigten im amerikanischen Fernmeldewesen, ist
die Automation seit langem schon Realität. Der erste automatische
Vermittlungsschrank wurde 1889 erfunden und 1891 patentiert. Bis
zum Jahre 1920 waren aber in den Vereinigten Staaten dennoch erst
knapp zwei Prozent aller Anschlüsse mit Selbstwählapparaten ausgestattet. Anfang der zwanziger Jahre begann dann der eigentliche Aufbau des Selbstwähldienstes, der die.Zahl der Telephonteilnehmer in
den darauffolgenden 40 Jahren auf über 70 Millionen emporschnellen
ließ.

In

5

�In diesen Jahren radikaler technischer Veränderungen wurde der
Prozentsatz der im Telephondienst beschäftigten Arbeitskräfte in
Relation zur Zahl der Anschlüsse immer kleiner, wenngleich kaum jemand tatsächlich seinen Arbeitsplatz verlor. Der Bedarf an Angestellten, Technikern und akademisch geschulten Kräften nahm sogar erheblich zu.
In jüngster Zeit mehren sich aber die Anzeichen, daß die Maschinen selbst bei einem weiteren Ausbau des Netzes eine beträchtliche
Verringerung der Zahl der Arbeitsplätze und damit die Entlassung von
Mitarbeitern bewirken werden. Wahre Wunderwerke der Technik wurden
schon in Dienst gestellt und immer neue beginnen auf den Reißbrettern
in den technischen Büros Gestalt anzunehmen. Die Anschlüsse - auch
im Fernverkehr - werden in zunehmendem Maße von den Teilnehmern selbst
und nicht mehr von Gewerkschaftsmitgliedern hergestellt.
Auch in den Büros werden viele Arbeiten plötzlich überflüssig.
Im Jahre 1958 wurde erstmals eine elektronische Buchungsmaschine
von einem Wirtschaftsbetrieb zur Kontenführung eingesetzt. Heute schon
ist die Umstellung auf solche Maschinen im ganzen Land in vollem
Gange. Die erste Datenverarbeitungsanlage wurde 1946 für wissenschaftliche Zwecke entwickelt; 1954 wurde die erste Großrechenanlage an
die private Wirtschaft geliefert. Heute sind in den Vereinigten Staaten 5000 Anlagen in Betrieb und weitere 7000 bestellt; bis 1965 rechnet man mit einem Bestand von rund 18 000. Das bedeutet einen ganz
gewaltigen Einbruch, der uns nur allzu deutlich daran erinnert, daß
wir uns unbedingt mit der Automation auseinandersetzen müssen.
Verständlich, daß man die Automation allenthalben mit einer Mischung aus Hoffnung und Furcht beobachtet. Meine Gewerkschaft begrüßt
die Automatisierung, besteht aber darauf, daß die durch sie heraufbeschworenen sozialen Probleme von der Arbeiterschaft, dem Unternehmertum und von Staat und Öffentlichkeit gemeinsam und im Geiste der Verantwortung gelöst werden müssen. Die Gefahren, die die Automation für
die Wirtschaft und unsere demokratische Lebensform birgt, sind so
groß, daß sie durch Verhandlungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern allein nicht zu bannen sind.
Bei allen Verhandlungen ist dem Allgemeinwohl durch beide Sozialpartner Rechnung zu tragen. Von den Entscheidungen, die am Verhandlungstisch gefällt werden, hängt nicht nur das Schicksal der Arbeiter
und Unternehmer, sondern oftmals auch das der Gemeinde und vielleicht
sogar das der ganzen Gesellschaft ab.
Die Unternehmer müssen erkennen, daß sie sich nicht nur um das
Wohl ihrer Aktionäre, sondern auch um die Belange ihrer Belegschaftsmitglieder zu kümmern haben. Arbeiter und Angestellte geben ihre Löhne und Gehälter in ihren Wohngemeinden aus, die ohne die indirekten
Einnahmen aus den Lohntüten nicht leben könnten.
Die Gewerkschäften ihrerseits dürfen sich nicht generell gegen
jegliche Veränderung sträuben; sie müssen vielmehr an der Lösung der
durch den Wandel heraufbeschworenen Probleme mitarbeiten, um zur

- 6-

�zur Beseitigung der Härten und Nöte beizutragen, die die sogenannte
"technische Arbeitslosigkeit", die Verdrängung vom Arbeitsplatz
durch Maschinen, mit sich bringt.
Natürlich bestehen wirtschaftliche und politische Notwendigkeiten, die Produktivität um jeden Preis zu steigern. Man könnte meiner
Meinung nach die Automation auch dann nicht aufhalten, wenn man das
ernsthaft wünschte. Der Wettbewerb ist so scharf, daß es ein Zurück
nicht geben kann. Der Wirtschaft - und der Demokratie - erwachsen
hieraiis aber neue, .besondere Aufgaben.
Verantwortungsbewußte Gewerkschaftsführer sind sich darin einig,
daß nur eine dynamische Wirtschaft die benötigten Arbeitsplätze zu
schaffen vermag. Wir fordern deshalb die Schaffung einer Bundesbehörde, die sich ausschließlich mit Fragen der Automation befassen
soll. Wir fordern ferner Bundesraittel für die Arbeitsplatzbeschaffung
in Gebieten, die besonders unter der technischen Arbeitslosigkeit
zu leiden haben. Y/ir fordern des weiteren die Bereitstellung von Mitteln für die Umschulung von Arbeitslosen sowie die Herabsetzung des
Pensionsalters. Dies sind ernstgemeinte und wohlüberlegte Vorschläge
zur Behebung eines sich anbahnenden nationalen Notstandes, die eine
ernsthafte Prüfung verdienen.
Die Gefahren, die der Gewerkschaftsbewegung selbst von der Automatisierung her drohen, sind uns wohlbekannt. Es ist uns nicht gelungen, die neu in die Angestelltenberufe hineingewachsenen Arbeitskräfte
in hinreichender Zahl zu organisieren. Dies kann sehr nachteilige Folgen haben. Vielleicht sind unsere Methoden veraltet. Ich glaube dies
zwar nicht, kann diese Möglichkeit aber auch nicht einfach von der
Hand weisen. Vielleicht sollten wir auf die Schaffung einer Großgewerkschaft für die Angestellten aus allen Industriezweigen hinarbeiten.
Welche Konsequenzen ergeben sich aus der Automatisierung für die
Erziehung? Mit Sicherheit die, daß der Mensch nie aufhören sollte, zu
lernen. Wir sehen in einer umfassenden Bildung eine Voraussetzung für
ein erfülltes Leben, und wir wissen, daß auf der Unternehmerseite des
Verhandlungstisches auch Männer sitzen, die über ein großes Wissen
verfügen. Das amerikanische Schulsystem steht somit vor der Aufgabe,
für die Fortbildung auch der_Erwachsenen Sorge zu tragen.
Die"Technik wird den Durchschnittsmenschen zum bloßen Vegetieren
verdammen, wenn man ihn nicht rechtzeitig zu einem Verständnis der Welt
und seiner Zeit verhilft. Dem Erziehungswesen erwächst hier die größte
Aufgabe in der gesamten Geschichte der Pädagogik.
Zur Lösung des Dilemmas zwischen staatlicher Lenkung und freiem
Spiel der Kräfte wurden verschiedene Vorschläge gemacht. Einer scheint
mir besonders bemerkenswert: Statt einer weiteren Verkürzung der Arbeitszeit von 40 beispielsweise auf 36 Stunden sollte man vier Unterrichtsstunden wöchentlich im Betrieb einführen.
Das ist natürlich ein hypothetischer, aber dennoch geistvoller
Vorschlag. Mit weiteren Ideen ist mit Sicherheit zu rechnen, bemüht
man sich doch in den Gewerkschaften, in der Wirtschaft und an den
Universitäten um Lösungen, damit die Automation zum Segen und nicht
zum Fluch der Menschheit werde.
(Aus "Looking Ahead", National
Planning Association)

- 7-

�Dr. med. Howard A. Rusk:
Internationale Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Rehabilitation
Behinderter
Aus "The New York Times" (gekürzt).
Bei Nachdruck sind Angabe des Verfassers, der Quelle und der Vermerk
"Copyright 1962, The New York Times
Company" erforderlich.
Fünfundzwanzig Forschungs- und Lehrprojekte auf dem Gebiet der
Rehabilitation Behinderter werden gegenwärtig im Ausland mit amerikanischer Unterstützung durchgeführt, wie die Leiterin der Abteilung
Rehabilitation und Schulung im US-Bundesministerium für Gesundheits-,
Erziehungs- und Sozialfragen, Mary. E. Switzer, kürzlich bekanntgab.
Die Vorhaben werden sämtlich aus Devisenguthaben der amerikanischen
Regierung finanziert, die aus Verkäufen überschüssiger amerikanischer
Agrarprodukte herrühren. Weitere 25 Projekte sind in Vorbereitung.
Nach den Bestimmungen über den Verkauf überschüssiger amerikanischer landwirtschaftlicher Produkte sind die dafür vereinnahmten
Mittel in Landeswährung nicht in Dollar konvertierbar und müssen in
dem betreffenden Land mit Zustimmung beider Regierungen für förderungswürdige Projekte ausgegeben werden.
Derartige Rehabilitations-Projekte laufen in Ägypten, Birma,
Brasilien, Indien, Indonesien und Israel; in Planung begriffen sind
ähnliche Maßnahmen in Jugoslawien, Pakistan, Polen und Syrien. Sie
reichen von der Ausbildung von Blinden im Weben in Pakistan bis zur
chirurgischen Rehabilitation Leprakranker in Indien.
Auf einer Tagung von Fachkräften auf dem Gebiet der Rehabilitation Behinderter, die Anfang März 1962 unter der Schirmherrschaft
der Amerikanischen Vereinigung für Rehabilitation (National Rehabilitation Association) und der Internationalen Gesellschaft für die
Rehabilitation Behinderter ( International Society for Rehabilitation
of the Disabled) in Washington stattfand, gab der Chirurg Dr. Earle
E. Peacock, Dozent an der Universität von Nordkarolina in Chapel Hill,
einen aufschlußreichen Bericht über das laufende Rehabilitationsvorhaben an der Christlichen Medizinischen Hochschule in Vellore in Indien. Dr. Peacock war damals gerade aus Vellore zurückgekehrt, wo er
als einer von 15 amerikanischen Chirurgen, die sich in einem Zweimonatsturnus ablösen, tätig gewesen war. Er berichtete, daß die in Vellore angewandten Methoden der plastischen Chirurgie nicht weniger
fortschrittlich seien als die in Amerika gebräuchlichen Operationspraktiken.
Auf der gleichen Tagung ergriff auch der damalige Leiter des Amtes für Internationale Entwicklung (AID) im amerikanischen Außenministerium, Fowler Hamilton, das Wort. Wenn er auch darauf hinwies, daß
er bis zur Auswertung der Ergebnisse einer im Augenblick laufenden
diesbezüglichen Untersuchung nichts darüber sagen könne, welche Haltung seine Behörde zur Frage der internationalen Zusammenarbeit auf

- 8 -

�auf dem Gebiet der Rehabilitation und Betreuung der Körperversehrten einnehmen werde, so verlieh er doch seiner persönlichen Überzeugung Ausdruck, daß Gesundheit und Bildung die unerläßliche Voraussetzung für die Hebung der Produktivität in den Entwicklungsländern seien.
Auf der Schlußsitzung der genannten Tagung kündigte General
Omar N. Bradley, Aufsichtsratsvorsitzender der Uhrcnw»rke Bulova
Watch Company, die Stiftung ei&amp;es Stipendiums an, das behinderten
Ausländern eine Fachlehrerausbildung im Uhrmacher- und Feinmechanikerhandwerk in den Vereinigten Staaten ermöglichen soll.
Die Stipendiaten werden an der Joseph-Bulova^Uhrm&amp;cherschule
unterrichtet, die von dem verstorbenen Firraenchef Arde Bulova kurz
nach dem Ende des zweiten Weltkrieges gegründet worden ist und bisher mehr als 7000 Kriegs- und Zivilbeschädigte im Uhrmacherhandwerk
ausgebildet hat. Die ersten Stipendien wurden an Versehrte aus
Australien, Hongkong, Israel, Italien und Nordafrika vergeben. Die
Einbeziehung weiterer Länder in das Stipendienprogramm ist vorgesehen.
Der Wert des einzelnen Arde-Bulova-Stipendiums, das sich auf
zwei Jahre erstreckt und sämtliche Studiengebühren und Ausgaben
für Unterkunft, Verpflegung und ärztliche Betreuung deckt, beträgt
rund 7500 Dollar.
Aus "The New York Times" (gekürzt)
* * * # #

Erhebliche Veränderungen in der US-Beschäftigungsstruktur seit 1950
Die Zahl der in der amerikanischen Landwirtschaft tätigen Arbeitskräfte hat sich in der vergangenen Dekade (1950-196O) um 2,6
Millionen oder um 37 Prozent verringert, während im gleichen Zeitraum allein die Zahl der Arbeitnehmer der Fertigungsindustrie um
3,2 Millionen (= 21 Prozent) zugenommen hat.
Diese Angaben sind in einem Bericht des US-Zensus-Büros enthalten, der sich auf die Ergebnisse der 1960 durchgeführten Volkszählung stützt und im einzelnen auf die in der Beschäftigungs- und
Einkommenstruktur der USA erfolgten Veränderungen eingeht.
Einen prozentual noch größeren Zuwachs an Arbeitskräften als
die Fertigungsindustrie verzeichneten dem Bericht zufolge insbesondere jene Zweige der amerikanischen Wirtschaft, deren gesamtwirtschaftliche Bedeutung zwischen 1950 und i960 zum Teil wesentlich
zugenommen hat. So erhöhte sich z.B. die Zahl der Beschäftigten im
öffentlichen Dienst um 27 Prozent, im Finanz- und Versicherungsgewerbe (einschließlich der Grund- und Bodenfinanzierung) um 41 Prozent, während die Gesamtzahl der in den akademischen, technischen
und ähnlichen Berufen Tätigen sogar um 58 Prozent anstieg.
Zu

- 9-

�Zu denjenigen Industriezweigen, die im vergangenen Jahrzehnt
einen erheblichen Rückgang der Zahl der Beschäftigten verzeichneten,
gehören vor allem der Bergbau, die Eisenbahnen und die Textilindustrie .
Hinsichtlich der Durchschnittseinkommen der verschiedenen Arbeitnehmer- und Berufsgruppen ist aus dem Bericht zu entnehmen, daß
bei den Männern die Gruppe der Juristen, Ingenieure und verwandten
akademischen Berufe mit einem mittleren Jahreseinkommen von 7547
Dollar (Ende 1959) an der Spitze lag, während die Arbeitnehmer der
Ölindustrie und des Bergbaus mit 6521 Dollar und die im Nachrichtenwesen Beschäftigten mit 6373 Dollar noch mit an der Spitze der Einkommenskala standen. Ebenfalls verhältnismäßig hohe Einkommen wiesen auch die männlichen Arbeitnehmer der Flugzeugindustrie (6018 Dollar) und der Luftverkehrsgesellschaften (5877 Dollar) auf.
Unter den weiblichen Arbeitskräften verzeichneten dem Zensus-Bericht zufolge die Angestellten der Eisenbahnen mit 4435 Dollar die
höchsten jährlichen Durchschnittseinkommen, gefolgt von den Arbeitnehmerinnen der Flugzeugindustrie (4202 Dollar), der Ölindustrie und
des Bergbaus (4111 Dollar) sowie der Automobilindustrie (4083 Dollar).

(Quelle: Eigenbericht)

# * # # *

Gewerkschaftliche Kurznachrichten
Lohnerhöhungen für 3&gt;3 Millionen Arbeitnehmer werden im Jahr 1963
automatisch wirksam
Für insgesamt 3&gt;3 Hillionen Arbeitnehmer der amerikanischen Industrie stehen die 1963 a u ^ Grund alter Tarifabkommen fällig werdenden Lohnerhöhungen bereits fest. Dies geht aus einer Untersuchung des
US-Arbeitsministeriuras hervor, die sich mit den in diesem Jahr automatisch wirksam werdenden Lohnerhöhungen sowie mit den anstehenden
Tarifverhandlungen befaßt.
Außer den 3»3 Millionen Arbeitnehmern, für die Lohnerhöhungen
bereits ausgehandelt wurden, besteht noch für weitere rund 3 Millionen Beschäftigte die Möglichkeit, 19&amp;3 a u ^ Grund der in den Vorjahren
abgeschlossenen Verträge in den Genuß von Lohnaufbesserungen und höheren Sozialleistungen zu kommen. Es handelt sich hierbei in erster Linie um die Arbeitnehmer der Stahl-, Gummi- und Elektromaschinenindustrie sowie der Telephongesellschaften und Eisenbahnen, in deren Tarifabkommen die Y/iederaufnahme von Lohnverhandlungen für dieses Jahr vorgesehen ist.
Nach

- 10 -

�Nach Ansicht des "Amtes für Arbeitsstatistik" dürfte der Schwerpunkt der diesjährigen Tarifverhandlungen in die Frühjahrs- und
Sommermonate fallen. Eine Wiedereröffnung der Lohngespräche für das
Betriebspersonal der Eisenbahnen ist für Mai vorgesehen, und auch
für die Stahlindustrie stehen in diesem Monat Lohn-und ähnliche
Tariffragen zur möglichen Entscheidung an. Zu den insgesamt 900 000
Arbeitnehmern der Stahlindustrie kommen noch rund 275 000 Beschäftigte in anderen wichtigen Wirtschaftszweigen, für die ebenfalls
eine Wiederaufnahme der Lohnverhandlungen für Mai vorgesehen ist.
Zu denjenigen Arbeitnehmern, für die bereits Lohnerhöhungen für
1963 in früheren Tarifverträgen festgelegt wurden, gehören mehr als
1,8 Millionen Beschäftigte der Automobil-, Landmaschinen-, Flugzeug-, Fleischkonserven- und Herrenoberbekleidungsindustrie sowie
600 000 Arbeitnehmer des Baugewerbes und rund 900 000 Beschäftigte
in anderen Industriezweigen.
Die durchschnittliche Höhe der vorgesehenen automatischen Lohnerhöhungen beträgt nach Angaben des US-Arbeitsministeriums für rund
875 000 Arbeitnehmer etwa 7 Cent pro Stunde. Weitere 575 000 Beschäftigte werden eine Lohnaufbesserung von rund 6 Cent erhalten,
während der Satz im Baugewerbe 10, 15 und 20 Cent ausmachen wird.

(Quelle: Eigenbericht)

Produktivitätsgewinn-Plan bei Kaiser Steel
Die Vereinigte Stahlarbeitergewerkschaft hat kürzlich mit der
"Kaiser Steel Corporation" einen neuartigen "Zugewinnplan" abgeschlossen, der den rund 7000 Arbeitnehmern der Kaiser-Stahlwerke
in Fontana einen gleichen Anteil an den künftigen durch innerbetriebliche Maßnahmen erwirtschafteten Gewinnen sichern würde.
Mit dem neuen Plan, dessen Einzelheiten erst nach Billigung
durch die Arbeitnehmer bekanntgegeben werden sollen, will man die
verschiedenen Lohnanreizsysteme - Individual- und Gruppenpläne innerhalb des Unternehmens ersetzen, die den Betriebsangehörigen
bisher 32,5 Prozent der durch Einsparungen an Material und Arbeitszeit erzielten Produktivitätagewinne (Basis: 1 Tonne Stahl) sicherten. Gleichzeitig sieht das neue Abkommen die Schaffung eines Beschäftigten-Pools und andere den Arbeitsplatz der Mitarbeiter gegenüber technologischen Veränderungen sichernde Maßnahmen vor. Ebenso
wurde vereinbart, daß sämtliche Betriebsangehörige der "Kaiser Steel
Corporation" in Zukunft mindestens die gleichen Löhne und Lohnnebenleistungen erhalten sollen wie die anderen Arbeitnehmer der Stahlindustrie.
Der

�Der jetzt zwischen den beiden Sozialpartnern der Stahlindustrie abgeschlossene neue Vertrag ist das Ergebnis der mehr
als drei Jahre dauernden Beratungen des aus Vertretern des Managements, der Gewerkschaft und der Öffentlichkeit bestehenden
Sonderausschusses, der 1959 nach Beendigung des 104 Tage währenden Stahlarbeiterstreiks gebildet wurde und die Aufgabe hatte,
sämtliche seinerzeit im Tarifvertrag nicht gelösten außertariflichen Fragen im umfassenden Rahmen zu lösen.

(Quelle: Eigenbericht)
*

Walter Reuther fordert Gewinnbeteiligung für Automobilarbeiter
Eine Gewinnbeteiligung für sämtliche Beschäftigten der
"Großen Drei" der amerikanischen Automobilindustrie forderte
der 1. Vorsitzende der Vereinigten Automobilarbeitergewerkschaft, Walter Reuther, anläßlich einer Tagung der Hauptabteilung "Facharbeiter" der UAW in Chicago. Reuther betonte, daß
im Falle einer Ablehnung der gewerkschaftlichen Forderung durch
Ford, General Motors und Chrysler seine Gewerkschaft bei den
nächsten Tarifverhandlungen statt dessen entsprechend hohe Lohnaufbesserungen verlangen werde, und zwar wahrscheinlich bis zu
45 Cent pro Stunde.
In der amerikanischen Automobilindustrie besteht gegenwärtig nur ein Gewinnbeteiligungsplan bei "American Motors". Der
im vorvorigen Jahr ausgehandelte Plan brachte dem Unternehmen
dabei im ersten am 30. September 1962 abgelaufenen Finanzjahr
Belastungen in Höhe von 18 Cent pro Arbeitnehmer und Arbeitsstunde. Dieser Betrag liegt etwas über der Summe, die sich für
die anderen Unternehmen der Automobilindustrie in Form von höheren Löhnen und Lohnnebenleistungen auf Grund des letzten Tarifvertrages ergab. In Anbetracht der höheren Gewinnrate der "Großen
Drei" hätten die Arbeitnehmer dieser Unternehmen im letzten Jahr
jedoch bei Vorhandensein eines ähnlichen Gewinnbeteiligungsplanes
finanziell besser abgeschnitten.

(Quelle: Eigenbericht)
******

- 12 -

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die (olgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
l SIS -Bonn Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmittellungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XVI - 3

Bad Godesberg, den 1. März 1965
INHALTSVERZEICHNIS

Modellvertrag der amerikanischen
Automobilarbeitergewerkschaft

Seite

Präsident Kennedy unterbreitete Kongreß umfassendes
Sozialprogramm

Seite 10

Ziele und Aufgaben des US-Arbeitsministeriums

Seite 12

Gewerkschaftliche Kurznachrichten

Seite 16

1

Modellvertrag der amerikanischen Automobilarbeitergewerkschaft

Dieser Vertragstext wurde von der Abteilung
"Wissenschaft und Technik" der United Automobile Workers (üAW) ausgearbeitet und dient
den Ortsvereinen der Gewerkschaft als Muster
für Tarifverhandlungen (stand Januari962).

Dieser Tarifvertrag, der am
196 ... zwischen der
,
im folgenden als "Gesellschaft" bezeichnet, einerseits und der
kanadisch-amerikanischen Automobilarbeitergewerkschaft (international Union of United Automobile, Aircraft and Agricultural Implement
Workers of America - UAW) im Congress of Industrial Organizationa
(CIO) und dem Ortskartell Nr
der genannten Gewerkschaft,
im folgenden als "Gewerkschaft" bezeichnet, andererseits geschlossen und unterzeichnet wurde, besagt:
ARTIKEL I - ANERKENNUNG
Abs. 1. Di« Gesellschaft anerkennt die Gewerkschaft als alleinige
Vertretung aller ihrer Arbeitnehmer außer Vorarbeitern «Aufsehern
-

1

-

�Aufsehern und Mitarbeitern der Personalabteilung sowie Büroangestellten und Arbeitsschutzkräften bei Kollektivverhandlungen zur
Festsetzung der Grundlöhne und Lohnstufen, der Arbeitszeit und anderer Arbeitsbedingungen.

ARTIKEL II - PFLICHTMITGLIEDSCBAFT UND
BEITRAGSABZUG VOM LOHN
Abs. 1. Sämtliche Arbeitnehmer, die am Tag des Inkrafttretens dieses
Tarifvertrags der Gewerkschaft angehören, haben, als Voraussetzung
für den Fortbestand ihres Arbeitsverhältnisses, ihre Mitgliedschaft
während der Gültigkeitsdauer dieses Tarifvertrags aufrechtzuerhalten.
Arbeitnehmer, die der Gewerkschaft am Tage des Inkrafttretens des
Tarifvertrages nicht angehören, haben bis zum 50. Tage danach oder
bis zu einem späteren Termin die Mitgliedschaft zu erwerben und diese,
als Voraussetzung für den Fortbestand des Arbeitsverhältnisses, während
der Gültigkeitsdauer dieses Tarifvertrages aufrechtzuerhalten. Arbeitnehmer, die nach dem Tage des Inkrafttretens dieses Tarifvertrages
eingestellt werden, sind gehalten, als Voraussetzung für ihre Weiterbeschäftigung,bis zum 50« Tage nach Beginn des BeschäftigungsverhältnisseB oder bis zu einem späteren Termin die Mitgliedschaft der
Gewerkschaft zu erwerben und diese, als Voraussetzung für den Fortbestand des Beschäftigungsverhältnisses, aufrechteuerhalten.
Abs. 2.Die Gesellschaft behält die Gewerkschafts-Aufnahmegebühren
und die Mitgliedsbeiträge vom Lohn aller unter diesen Tarifvertrag
fallenden Arbeitnehmer ein, die der Gesellschaft eine unterzeichnete
Vollmacht bzw* ihre Einwilligung zur Einziehung erteilen.
ARTIKEL III - VERLUST DER ANCIENNITA*TSRECHTE
Abs. "l.Die Arbeitnehmer gehen ihrer Anciennitätsrechte verlustig,
wenn sie
a) auf Grund schuldhaften Verhaltens entlassen werden;
b) ihre Stellung selbst kündigen;
c) einen von der Firma gewährten Urlaub um mehr als fünf Tage
überschreiten;
d) ohne Benachrichtigung der Gesellschaft der Arbeit mehr als
fünf Tage fern bleiben, es sei denn, sie waren zu einer solchen Be- .
nachrichtigung unfähig;
e) sich nach schriftlicher Aufforderung nicht innerhalb von
fünf Tagen zur Arbeit zurückmelden;
f) nach &lt;Jer unter Berücksichtigung ihrer Anciennitätsrechte
erfolgten Entlassung mindestens ein Jahr ausgestellt waren.
ARTIKEL IV

�ARTIKEL IV - BEURLAUBUNG AUS DRINGENDEN GRÜNDEN
Abs. 1. Allen Arbeitnehmern mit Anciennitätsrechten ist bei Vorliegen dringender Gründe ohne Beeinträchtigung ihrer Anciennitäts- und
anderen Rechte, eine schriftliche Beurlaubung zu gewähren. Als dringende, aber nicht ausschließliche Gründe gelten:
a) die Übernahme eines befristeten oder ständigen Gewerkschaftsamtes oder einer sonstigen Gewerkschaftsfunktion;
b) Schwangerschaft;
c) Krankheit;
d) Schulbesuch;
e) Militärdienst;
f) Wahl oder Berufung in ein öffentliches Amt.
Abs. 2. Alle unter diesen Tarifvertrag fallenden Arbeitnehmer haben
bei einem Todesfall in der Familie Anspruch auf bezahlten Urlaub bis
zur Höchstdauer von drei Tagen. Im Sinne dieses Absatzes gelten als
zur "Familie" gehörig: Ehegatten, Kinder, Eltern, Großeltern und Geschwister.
ARTIKEL V - ANCIENNITJT DER BETRIEBSRATMITGLIEDER,
BETRIEBSOBLEUTE UND VERTRAUENSLEUTE
Abs . 1.
a) Betriebaratmitglieder müssen der höchsten Anciennitätsklasse innerhalb des Betriebs angehören;
b)Betriebsobleute müssen der höchsten Anciennitätsklasse innerhalb ihrer Arbeitsgruppe angehören;
c) Vertrauensleute müssen der höchsten Anciennitätsklasse
innerhalb ihrer Abteilung oder Arbeitsgruppe angehören.
ARTIKEL VI - ÜBERSTUNDEN- UND FEIERTAGS ZUSCHLAGE
Abs. 1. Die Arbeitnehmer erhalten für jede acht Stunden täglich und
40 Stunden wöchentlich überschreitende und für jede in den ersten acht
Stunden des Samstags geleistete Arbeitsstunde 150 Prozent ihres regulären Grundlohns.
Abs. 2. Die Arbeitnehmer erhalten für alle zehn Stunden am Tag oder
acht Stunden am Samstag überschreitenden und für sämtliche am Sonntag
geleisteten Arbeitsstunden 200 Prozent des regulären Grundlohns.
Abs. 5. Der doppelte Grundlohn nebst Feiertagszuschlag ist zu zahlen
im Falle der Beschäftigung an den Feiertagen: Neujahrstag, Heldengedenktag, Unabhängigkeitstag, Tag der Arbeit, Danksagungstag und
1. Weihnachtsfeiertag sowie für je vier Stunden am Hl. Abend und an
Silvester.
Abs. 4.

-

3 -

�Abs. 4« Die Arbeitsverteilung ist nach Möglichkeit so vorzunehmen,
daß erforderlich werdende Überstunden unter den Arbeitskräften
gleichmäßig aufgeteilt werden, sofern nicht bestimmte Arbeitnehmer
für die zu verrichtende Arbeit als besonders befähigt anzusehen sind.
Abs. 5« Arbeitnehmer, die ohne vorhergegangene Benachrichtigung
vom Eintreten eines Arbeitsmangels zur Arbeit gerufen worden sind
oder denen in einem solchen Fall der Arbeitsantritt nicht verwehrt
wird, haben Anspruch auf Beschäftigung während mindestens vier
Arbeitsstunden bzw. auf den normalen Stundenlohn für diese außer
bei Vorliegen von Umständen, die sich der Kontrolle der Geschäftsleitung entziehen.
Abs. 6. Allen Arbeitnehmern ist nach Ablauf der Hälfte der Arbeitszeit zwischen Mittagspause und Arbeitsschluß eine Ruhepause von
zehn Minuten zu gewähren. Vor der Mittagspause und vor Arbeitsschluß ist eine Waschpause von jeweils fünf Minuten einzuräumen.
(Anm.t Eine andere Form der Pausenregelung für in der Fertigung
beschäftigte Arbeitnehmer, wie sie in den großen Automobilwerken
praktiziert wird, sieht Pausen von zusammen 24 Minuten Dauer pro
Acht-Stunden-Schicht vor.)
Abs. 7« Die Arbeitnehmer erhalten für Arbeit in der zweiten Schicht
einen Zuschlag von 5 Prozent pro Stunde und in der dritten Schicht
einen Zuschlag von 10 Prozent.

ARTIKEL VII - LÖHNE
Abs. 1. Die Stundenlohnsätze für die einzelnen Tätigkeiten sind in
dem einen Vertragsbestandteil bildenden Anhang aufgeführt.
Abs. 2. Neu einzustellende Arbeitnehmer werden zu einem Satz eingestellt, der 10 Cent pro Stunde unter dem für die betreffende Tätigkeit üblichen Grundlohn liegt, und erhalten den Grundlohn erst nach
Ablauf der Probezeit.
Abs. 3. Der Lohn von Arbeitnehmern, denen vorübergehend eine niedriger eingestufte Tätigkeit zugewiesen wird, darf wegen eines solchen
Arbeitsplatzwechsels nicht gekürzt werden.
Abs. 4«
a) Sämtliche, von diesem Tarifvertrag erfaßten Arbeitnehmer
fallen unter die nachstehend aufgeführten Bestimmungen über die Gewährung von Teuerungszulage.
b) Die Höhe der Teuerungszulage wird von Vierteljahr zu Vierteljahr an Hand des Verbraucherpreisindex wie folgt bestimmt»
Erstmalige

- 4 -

�Erstmalige Gewährung
der Zulage

basierend auf

in der ersten Lohnperiode beginnend am
oder nach dem 1. Dezember 196«. • und
jedes darauffolgende Vierteljahr

dem am 15. Oktober 196... und
dem jedes darauffolgende Vierteljahr ermittelten Verbrauche rpreisindex

Die Höhe der für einen solchen ViertelJahreszeitraum geltenden Teuerungszulage ergibt sich aus der nachstehenden Tabelle:

Verbraucherpreisindex
laut US-Bundesamt für
Arbeitsstatistik

Teuerungszulage auf die Sätze
der Lohntabelle für die einzelnen Tätigkeiten

bis

keine
1 Cent
2 Cent
3 Cent
4 Cent
5 Cent

i

125,7 126,2 126,7 127,2 127,7 -

125,6
126,1
126,6
127,1
127,6
128,1

pro
pro
pro
pro
pro

Stunde
Stunde
Stunde
Stunde
Stunde

usw. unter Angleicnung um 1 Cent pro Änderung des Index um 0,5 Punkte;
c) Ein Absinken des Index unter 125,6 Punkte hat keine Senkung
der Lohnsätze zur Folge»
d) Die Teuerungszulage ist auch bei der Berechnung der Überstunden-, Sonn- und Feiertags- und Schichtzuschläge sowie bei der Festsetzung der Bereitschaftsentschädigung sowie des Urlaubsgeldes in Ansatz zu bringen.
Abs. 5« Ein jährlicher Lohnsteigerungsfaktor trägt der Tatsache Rechnung, daß eine fortgesetzte Hebung des Lebensstandards der Arbeitnehmer
vom technischen Fortschritt, von immer besseren Geräten, Methoden, Verfahren und Anlagen sowie von der Bereitschaft zur Zusammenarbeit aller
an diesem Fortschritt Beteiligten abhängt. Er beruht auf dem Grundsatz,
daß eine höhere Produktion bei gleichem Aufwand an menschlicher Arbeitskraft ein erstrebenswertes wirtschaftliches und soziales Ziel ist. Aus
diesem Grund erhalten sämtliche von diesem Tarifvertrag erfaßten Arbeitnehmer gemäß nachstehender Tabelle zum 1. September jährlich auf
Grund des jährlichen Lohnsteigerungsfäktors eine Erhöhung ihres Bruttostundtnlohns (ausschließlich Teuerungszulage und Schichtzuschläge) von
2 1/2 Prozent bzw.. 6 Cent pro Stunde, wobei jeweils die für den Betroffenen günstigere Regelung anzuwenden ist.

Lohnerhöhung

-

5 -

�Lohnerhöhung auf Grund des jährlichen
S teigerungsfaktors
Erhöhung auf Grund des
jährlichen Steigerungsfaktors

Brutto stunden lohn
ohne Zuschlä «e
(in Dollar)
b:LS
2,60
2 ,60 - 2,99
3,00 - 3,39

6 Cent pro Stunde
7 Cent pro Stunde
8 Cent
9 Cent
10 Cent
11 Cent

3,40 - 3,79
3,80 - 4,19
4,20 - 4,59

pro
pro
pro
pro

Stunde
Stunde
Stunde
Stunde

Die Erhöhungen des Bruttostundenlohns für die einzelnen Tätigkeiten
werden mit ihrem Inkrafttreten den Bruttolöhnen zugeschlagen.
Abs. 6. An den Feiertagen Neujahr, Heldengedenktag, Unabhängigkeitstag,
Tag der Arbeit, Danksagungstag und 1. Weihnachtsfeiertag erhalten die
Arbeitnehmer den normalen Bruttolohn, ausschließlich Nacht- und Überstundenzuschläge, für einen Acht-Stunden-Tag; am Hl. Abend und an
Silvester für je vier Stunden.
Abs. 7» Sämtliche Arbeitnehmer haben nach mindestens einjähriger Betriebszugehörigkeit Anspruch auf bezahlten Urlaub nach folgendem
Schlüssel:
BetriebsZugehörigkeit
1

Jahr

3 Jahre
5 Jahre
10
15

Jahre
Jahre

Urlaubsgeld
40
60
80
100
120

Stunden
Stunden
Stunden
Stunden
Stunden

Urlaubsdauer
1
1
2
2
3

Woche
Woche
Wochen
Wochen
Wochen

Abs. 8. Arbeitnehmer, die als Geschworene geladen werden und als solche
fungieren, erhalten nach mindestens einjähriger Betriebszugehörigkeit
von der Gesellschaft bis zur Höchstdauer von 60 Tagen eine Entschädigung von mindestens 10 Dollar pro Tag.
ARTIKEL VIII - ALTERS- UND INVALIDITATSRENTEN
Abs. 1. Die in Anhang B spezifizierte Regelung der Tätigkeit der Pensionskasse bestimmt:
a) die Gewährung einer regulären Altersrente für Arbeitnehmer
im Alter von 65 Jahren und darüber von monatlich 2,80 Dollar pro Dienstjahr als Zusatzrente zu den Bezügen aus der staatlichen Altersversicherung;

il
- 6 -

�b) die Gewährung einer Beihilfe bei völliger und andauernder Arbeitsunfähigkeit von 5»60 Dollar pro Monat und Dienstjahr unter Anrechnung der Ansprüche auf andere betriebliche Versor&amp;ungsleistungen•
c) Sämtliche aus der Tätigkeit der Pensionskasse erwachsenden Kosten trägt die Gesellschaft.
d) Die Arbeitnehmer können die Gewährung einer verminderten
Altersrente von einem früheren Zeitpunkt als dem der Erreichung der
Altersgrenze an beantragen, wobei im Todesfalle Anspruch auf ein
Witwengeld in halber Höhe des Rentenanspruchs besteht.
e) Die Gesellschaft trägt die Hälfte der Beiträge zur Krankenhaus- und Arztkostenversicherung der pensionierten Arbeitnehmer
und ihrer Ehefrauen.
ARTIKEL IX - VERSICHERUNGEN
Abs. 1. Das in Anhang C spezifizierte Versicherungsprogramm sieht
vor:
a) eine Lebensversicherung in Höhe von etwa 65OO Dollar;
b) eine Beihilfe im Falle vorübergehender Arbeitsunfähigkeit
in Höhe von etwa 65 Dollar pro Woche als Verdienstausfallentschädigung für die Dauer von 26 Wochen. Diese Zahlungen werden ohne Aufrechnung gegen Ansprüche des Arbeitnehmers an die Krankenhaus- und
Arztkostenversicherung gewährt;
c) eine Krankenhauskostenversicherung bis zu einer Dauer
von 365 Tagen für die Arbeitnehmer und ihre Familienangehörigen für
jeden Krankheitsfall, welche die Kosten für Pflege, Arzneimittel,
Sauerstoff, Anästhesie usw. einschließt^
d) eine Arztkostenversicherung für die Arbeitnehmer und ihre
Familienangehörigen. Bei Operationen werden je nach Art des Eingriffs
unterschiedliche Sätze gewährt; der Höchstsatz beträgt 450 Dollar.
e) Die durchschnittlichen Aufwendungen für die vorstehend
genannten Leistungen belaufen sich je Arbeitnehmer auf durchschnittlich 31 Dollar pro Monat, von denen dieser etwa 4»25 Dollar aufzubringen hat.
f) Die Gesellschaft gewährt entlassenen Arbeitnehmern und
deren Familienangehörigen die uneingeschränkten Leistungen der Krankenhaus- und Arztkostenversicherung auch während der Zeit, in der
ein Anspruch auf Leistungen aus der zusätzlichen betrieblichen Arbeitslosenversicherung besteht, jedoch höchstens für die Dauer von
12 Monaten.

ARTIKEL X

�ARTIKEL X - ZUSATZLICHE ARBEITSLOSENVERSICHERUNG
Abs. 1. Die zusätzliche Arbeitslosenversicherung gewährt während
höchstens 52 Wochen Leistungen in einer Höhe, die der Differenz
zwischen den Leistungen der staatlichen Arbeitslosenversicherung
und 62 Prozent des Bruttolohnes des Arbeitnehmers j entspricht,
zuzüglich je 1,50 Dollar für bis zu vier unterhaltsberechtigte
Angehörige bis zu einem Höchstsatz von 40 Dollar pro Woche.
Abs. 2. Reicht der Arbeitsanfall der Gesellschaft nicht für eine
Beschäftigung während 40 Wochenstunden aus, so hat sie während
der Dauer der von der Firmenleitujng angeordneten Kurzarbeit
die Zeitdifferenz zwischen der geleisteten Wochenstundenzahl und 40 Stunden
mi 165 i&lt;&gt; des regulären Lohnsatzes zu bezahlen. Wird Kurzarbeit
durch höhere Gewalt erzwungen, so hat jeder Arbeitnehmer Anspruch
auf die Bezahlung von 50$ seines normalen Lohnsatzes für die Differenz zwischen der geleisteten Wochenstundenzahl und 40 Wochenstunden.
Die Mittel werden aus dem Fonds der zusätzlichen Arbeitslosenversicherung entnommen, solange dessen Einlagen eine bestimmte Mindesthöhe
nicht unterschreiten, andernfalls von der Gesellschaft direkt aufgebracht .
ARTIKEL XI - ENTLASSUNGSGELD
Abs. 1. Tarifverträge in der Automobilindustrie sehen die Gewährung
eines Entlassungsgeldes nach mindestens einjähriger Betriebszugehörigkeit vor. Nach zwei Jahren Dienstzeit beläuft sich das Entlassungsgeld auf den Gegenwert von 50 Wochenstunden; es steigert sich bis zu
einem Höchstsatz entsprechend 1500 Stunden nach 30jähriger Betriebszugehörigkeit. Die Bezahlung erfolgt aus dem Fonds der zusätzlichen
Arbei ts losen Versicherung.
Abs. 2. Arbeitnehmer, die in einen anderen Betrieb der Gesellschaft
an einem mehr als 50 Meilen (80 km) entferntgelegenen Ort versetzt
werden, haben Anspruch auf eine nach Entfernung und Familienstand
gestaffelte Umzugsbeihilfe bis zu einem Höchstsatz von 580 Dollar.
ARTIKEL XII - ALLGEMEINES
Abs. 1. Die Gesellschaft verpflichtet sich, größte Anstrengungen
zur Verbesserung der hygienischen Verhältnisse und zur Schaffung
aller möglichen Sicherheitsvorkehrungen im Betrieb zu unternehmen.
Die Gesellschaft wird für die Bereitstellung von Verbandskästen für
die Erste Hilfe und Tragbahren sowie für die Einrichtung eines Ambulanzdienstes für alle Betriebsangehörigen Sorge tragen.
Abs. 2. Zieht sich ein Arbeitnehmer während der Arbeitszeit eine
Verletzung zu und ist er deshalb genötigt, sich in Behandlung außerhalb des Betriebs zu begeben, oder wird er wegen eines solchen Unfalls nach Hause geschickt, so erhält er für den Rest der Schicht
seinen normalen Lohn fortgezahlt, sofern ein von der Gesellschaft

-

8

-

�Gesellschaft benannter Arzt bzw. eine von ihr bestimmte Krankenschwester die Unfähigkeit des Arbeitnehmers feststellt, seine Arbeit in
dieser Schicht fortzusetzen.
Abs. 3« Vorarbeitern und Aufsehern ist es untersagt, die Arbeit
anderer Arbeitnehmer zu verrichten, es sei denn in dringenden Fällen
oder zum Zwecke der Instruktion oder bei Entwicklungsarbeiten.
Abs. 4« Die Gesellschaft verpflichtet sich, bei Stellenbewerbern und
Mitarbeitern bezüglich Lohn, Schulung, Höhereinstufung, Beförderung,
Versetzung, zeitweiliger Entlassung, Kündigung, disziplinarischer
oder anderer Maßnahmen keinerlei Unterschiede auf Grund der Rassenzugehörigkeit, des Glaubens, der Hautfarbe, der nationalen Herkunft,
der politischen Überzeugung, des Geschlechts oder des Personenstandes
zu machen.
Abs. 5- Die Gewerkschaft wird ihre Mitglieder zu keinem Streik aufrufen, verpflichten oder ermächtigen, solange nicht sämtliche Möglichkeiten des Beschwerdeverfahrens ausgeschöpft sind. Die Gesellschaft wird keinerlei Aussperrungen vornehmen oder anordnen, solange
nicht sämtliche Möglichkeiten des Verhandlungsverfahrens erschöpft
sind.
Abs. 6. Die Gesellschaft stellt im Betriebsgelände eine Anschlagtafel
zur Benutzung durch die Gewerkschaft auf.
(Quelle: Research &amp; Engineering
Department - UAW)
* * * * *

9 -

�Präsident Kennedy unterbreitete Kongreß umfassendes Sozialprogramm
Ein umfassendes Sozialprogramm für die älteren - im Ruhestand
lebenden und über 64 Jahre alten - Menschen, das diesen Personengruppen neben einer größeren wirtschaftlichen und sozialen Sicherheit vor allem einen verstärkten Schutz bei Krankenhausaufenthalt
und Siechtum bringen soll, ist von Präsident Kennedy jetzt dem Kongreß in Form einer Botschaft zugeleitet worden. Die für die Verbesserung der Alters-Krankenversicherung, der Gesundheitsfürsorge,
der Altenbetreuung und der Wohnverhältnisse vorgesehenen und für
die Durchführung zahlreicher anderer Altenhilfeprogramme notwendigen Mittel werden in der Gesetzesvorlage auf rund 10 Mrd. Dollar
für die nächsten fünf Jahre beziffert.
Die Durchführung der vom US-Präsidenten vorgeschlagenen Hilfsmaßnahmen für die älteren Menschen ist in den USA insofern von großer
sozialer Dringlichkeit, als es dort - im Gegensatz zu zahlreichen
europäischen Ländern - keine gesetzliche, sondern nur eine freiwillige
Krankenversicherung gibt und zum anderen eine staatliche Altersversorgung erst seit 1955 existiert. Das bedeutet, daß die Sozialrenten
für viele ältere Menschen, sofern sie überhaupt noch Beiträge zur
Sozialversicherung leisten konnten, relativ gering sind und in keinem
Verhältnis zu den hohen Arzt-, Krankenhaus- und anderen Versorgungskosten stehen.
Die Dringlichkeit derartiger Hilfsmaßnahmen unterstrich Präsident Kennedy in seiner Gesetzesvorlage unter Hinweis auf folgende
von zahlreichen Regierungsstellen ermittelten statistischen Ergebnisse :
Die sozialen Tatbestände
- Rund 1/1O der amerikanischen Bevölkerung - das sind 17 1/2
Millionen Personen - ist heute älter a&lt;Ls 64 Jahre; in Anbetracht
der hohen Lebenserwartung (Durchschnitt 70 Jahre) wird sich diese
Zahl bis 1980 auf 25 Millionen erhöht haben. Während die Gesamtbevölkerung seit 1900 um das 2 l/2fache zunahm, erhöhte sich die Zahl
der 65 Jahre alten und älteren Leute um 500 Prozent.
- Das Durchschnittseinkommen eines älteren Ehepaares ist nur
halb so groß wie das eines jüngeren; fast 50 $ der über 64jährigen
weisen ein Jahreseinkommen von weniger als 1000, und rund 75 c/° von
weniger als 2000 Dollar auf. 70 Prozent aller älteren Menschen 12,5 Millionen - erhalten heute eine staatliche Altersrente, die im
Durchschnitt 76 Dollar für einen Alleinstehenden, 66 Dollar für eine
Witwe und 129 Dollar im Monat für ein Ehepaar beträgt. Rund 2 1/4
Millionen leben gegenwärtig von der staatlichen Fürsorgeunterstützung
(60 Dollar pro Person und Monat plus 15 Dollar Krankenkostenbeihilfe).
- Ältere Menschen sind viel häufiger und auch länger krank als
jüngere. Von 100 Personen über 64 leiden 80 an einer chronischen
Krankheit; 28 haben eine Herzkrankheit oder zu hohen Blutdruck, 27
Arthritis oder Rheumatismus, 10 haben Augenkrankheiten, 17 Hörfehler, 16 liegen mindestens einmal im Jahr im Krankenhaus.
- 10 -

�- Nur 50 in der 65jährigen und älteren Personen sind krankenversichert. Die durchschnittlichen täglichen Krankenhauskosten betragen gegenwärtig 35 Dollar. Rund die Hälfte aller Sozialrentner
hat außer der Rente kein weiteres Einkommen, und rund 1/3 von ihnen
verfügt nur über flüssige Mittel von weniger als 100 Dollar.
Die vorgeschlagenen Verbesserungen
Zur Verbesserung der wirtschaftlichen und sozialen Lage der
älteren Menschen schlägt Präsident Kennedy in seiner Botschaft die
Verabschiedung folgender Gesetze und Maßnahmen durch den Kongreß vor:
1. Einführung einer Krankenhauskostenversicherung für Sozialrentner im Rahmen des staatlichen Sozialversicherungssystems auf
selektiver Basis, d.h., der Versicherte hat die Wahl zwischen drei
verschiedenen Versicherungsformen - 45'tägiger Vollversicherung,
90tägiger Versicherung bei maximal 90 Dollar Selbstbeteiligung und
180tägiger Versicherung mit einer Selbstbeteiligung in Höhe des
2 l/2fachen Satzes der durchschnittlichen Krankenhaus-Tageskosten;
2. Einbeziehung sämtlicher Personen über 64 in die Krankenhauskostenversicherung, die nicht sozialversicherungspflichtig waren
oder nicht zum Versichertenkreis gehörten;
3. Ausdehnung der staatlichen Alterskrankenversicherung auf die
Fürsorgeempfänger;
4. Bereitstellung größerer Mittel für den Bau und die Unterhaltung von Pflegeheimen;
5- Erhöhte Bundeszuschüsse für die Einrichtungen des allgemeinen
Gesundheitswesens und für die Ausbildung von Ärzten und medizinischem
Fachpersonal;
6. Senkung der Steuersätze für Personen über 64; Erhöhung der
Freibeträge und Heraufsetzung der Steuerpflichtgrenze von gegenwärtig
1333 Dollar auf 2900 Dollar;
7« Erhöhung der staatlichen Wohnungsbauzuschüsse für die Erstellung von Wohnungen für ältere Menschen;
8. Erschließung von neuen und Verbesserung der derzeitigen Beschäftigungsmöglichkeiten für ältere Menseben.
Zwecks Finanzierung der einzelnen Sozialprogramme, vor allem jedoch des Krankenversicherungsprogramms, schlägt Präsident Kennedy eine
Erhöhung der Beitragssätze zur Sozialversicherung um ein 1/4 Prozent
(gemessen an der Lohnsumme) sowie die Anhebung der Sozialversicherungspflichtgrenze von gegenwärtig 4800 auf 5200 Dollar pro Jahr vor.
(Quelle: Special Message on Aiding Our Senior
Citizens)
* * * * *

-

11

-

�Ziele und Aufgaben des US-Arbeitsministeriums
Das amerikanische Arbeitsministerium wurde am 4« März 191?
durch ein vom Kongreß gebilligtes Gesetzeswerk in der Absicht geschaffen, die wirtschaftliche Lage der werktätigen Bevölkerung
und die allgemeinen Arbeitsbedingungen zu verbessern sowie die Möglichkeiten für eine lohnende Beschäftigung zu vermehren. In Ausführung der vom Gesetz vorgeschriebenen Direktiven hat das in zahlreiche
Haupt- und Unterabteilungen gegliederte Arbeitsministerium heute
eine weite Skala von Tätigkeiten auszuführen, die sich praktisch auf
sämtliche Bereiche des Wirtschaftslebens erstrecken.
Sammeln und Auswerten statistischer Angaben
Die für die Gesamtarbeit des Ministeriums wohl wichtigste Aufgabe besteht in der Sammlung, Zusammenstellung, Auswertung und Publizierung statistischer Angaben, die von der Hauptabteilung "Amt für
Arbeitsstatistik" wahrgenommen wird. Bei dieser Arbeit wird das Amt
von fünf Regionalbüros unterstützt, die auch - genauso wie das Amt
selbst - mit anderen Statistischen Ämtern des Bundes und der Bundesstaaten eng zusammenarbeiten. Die Ergebnisse werden neben zahlreichen
Spezialpublikationen vor allem im Mitteilungsblatt des Ministeriums,
der "Monthly Labor Review", veröffentlicht. Die Statistiken und Analysen beziehen sich dabei auf praktisch sämtliche Sachgebiete, die
mit Arbeitsmarkt und Beschäftigungslage, Lebenshaltung, wirtschaftlicher
Entwicklung und Tätigkeit und Arbeitnehmer-Arbeitgeberbeziehungen im
Zusammenhang stehen.
Sicherung der Beschäftigung
Zwei bedeutende Aufgaben des US-Arbeitsministeriums bestehen
darin, die Tätigkeit der Arbeitsämter auf dem Sektor der Vermittlung
von Erwerbslosen und Arbeitskräften zu unterstützen und das Programm
für Arbeitslosenunterstützung zu fördern.
Die öffentliche Arbeitsvermittlung wird gemeinsam von Bund und
Bundesstaaten durchgeführt. Als verantwortlichem Amt des Bundes obliegt es dabei dem Arbeitsministerium, die erforderlichen Maßnahmen
hinsichtlich Finanzierung, Planung und Zusammenarbeit zu treffen
und zu überwachen. Die den Bundesstaaten untergeordneten Arbeitsämter sind die Organe zur praktischen Durchsetzung dieser Anordnungen.
Insgesamt gibt es rund 1700 Arbeitsämter in den Vereinigten Staaten, denen nicht nur die Vermittlung von Arbeitskräften obliegt, sondern auch die Berufsberatung, Durchführung von Spezialtests zur
Ermittlung der beruflichen Fähigkeiten oder Anlagen, Zusammenarbeit
mit den Unternehmern bei der Lösung von Beschäftigungsproblemen,
Herausgabe von Informationen über die Arbeitslage und -bedingungen
an interessierte Kreise.
Arbeitslosenversicherung
Auch in Fragen der Arbeitslosenversicherung auf Grund des
"Social Security Act", der Entrichtung der Arbeitslosenversicherungsbeiträge und der Arbeitsschutzgesetze der Bundesstaaten bildet das

12

-

�das Arbeitsministerium das federführende Organ des Bundes. Es hat
dabei im einzelnen die Aufgabe, die entsprechenden Ministerien der
Bundesstaaten in legislativen, Interpretations-, Verwaltungs- und
Finanzfragen des Programms zu beraten und die Arbeitslosenversicherungsgesetze der Bundesstaaten und ihre Verwaltungsorgane zu überprüfen.
Ebenso hat das Arbeitsministerium die Verantwortung für die Verwaltung des Arbeitslosenunterstützungsprogramms für Kriegsveteranen
und Angestellte des Bundes.
Ausbildung von Arbeitskräften
Durch Kongreßbeschluß wurde der US-Arbeitsminister im Jahre 1937
beauftragt, ergänzende Arbeitsschutzgesetze auszuarbeiten, durchzusetzen und zu überwachen, die sich ausschließlich auf die Lehrlingsausbildung beziehen. Unter den Begriff "Lehrling" fallen nach der
Definition des US-Arbeitsministeriums sämtliche unter einem speziellen
Arbeitsvertrag beschäftigten Arbeitnehmer, die für die Dauer von zwei
bis vier Jahren einen Fachberuf erlernen.
Bei der Durchführung der Aufgaben wird das Ministerium durch ein
nationales Komitee unterstützt, das sich aus Vertretern der Gewerkschaften, Unternehmerverbände und des öffentlichen Erziehungswesens
zusammensetzt. Eine enge Zusammenarbeit besteht auch in dieser Hinsicht
mit den Lehrlingsausschüssen der Bundesstaaten. Bei der Ausarbeitung
der allgemein verbindlichen Richtlinien für die Behörden, die auf lokaler Ebene für die praktische Durchsetzung verantwortlich sind, arbeitet das Arbeitsministerium eng mit den Unternehmer- und Gewerkschaftsverbänden zusammen, während die örtlichen Beauftragten für das Lehrlingswesen wiederum mit den Unternehmern und Ortsgewerkschaften die Grundsätze für die Beschäftigung und Ausbildung von Lehrlingen sowie die
Aufstellung von Ausbildungsprogrammen im einzelnen festlegen.
Ebenso ist es Aufgabe des Ministeriums, Ausbildungs- und Fortbildungsprogramme auszuarbeiten und durchzuführen, die auf eine allgemeine Verbesserung der technischen Fähigkeiten sämtlicher Arbeitnehmer abzielen.
Löhne und Arbeitszeit
Weitere wichtige Funktionen des US-Arbeitsministeriums beziehen
sich auf die Überwachung und Durchsetzung verschiedener Gesetze, die
mit der Festsetzung von Löhnen und Arbeitszeit in Verbindung stehen.
Der "Fair Labor Standards Act"
Die wichtigsten Aufgaben des Ministeriums im Rahmen dieses Gesetzes haben Bezug auf die Handhabung und Durchführung der Mindestlohn-, Überstundenbezahlungs- und Kinderarbeitparagraphen. Dem entsprechenden Amt des Arbeitsministeriums obliegt es, die Verwaltungsrichtlinien festzulegen und Ausführungsbestimmungen zum Gesetz und
Interpretationen des Gesetzes zu veröffentlichen. Ebenso koordiniert
es die Tätigkeit der Regional- und Ortsbüros.
Die

�Die Durchsetzung der Gesetze und die Durchführung von Untersuchungen hinsichtlich der Einhaltung der Gesetze liegt in Händen der
Regional- und Ortsbüros, die gleichfalls in speziellen Fällen Befreiung^ Zertifikate ausstellen können. Die strafrechtliche Verfolgung von
Gesetzesverstößen obliegt jedoch dem Ministerium.
Arbeitsgrundgesetze
Die Verbesserung der allgemeinen Arbeitsbedingungen und damit die
Erhöhung der sozialen Sicherheit und Leistungsfähigkeit der Arbeitnehmer ist eine weitere und sehr umfangreiche Aufgabe des US-Arbeitsministeriums. Sie drückt sich aus in der Entwicklung gesunder Grundlagen
für die Arbeitsgesetze und ihrer Handhabung,; durch Gewährung technischer und administrativer Hilfe an die Bundesstaaten, Gewerkschaften
und alle, die an einer Verbesserung der Arbeitsgesetzgebung interessiert
sind; in industrieweiten Sicherheitsprogrammen sowie in der Schaffung
von Programmen zur Verbesserung der Beschäftigungspraktiken bei jungen
Arbeitnehmern.
Das Ministerium analysiert ferner die bestehenden Arbeitsgesetze
des Bundes und der Bundesstaaten und veröffentlicht entsprechende Informationen hierüber an alle interessierten Kreise. Es dient ebenso
als nationale Informationsstelle für technische Informationen über
sämtliche Aspekte der Arbeitsgesetzgebung und Verwaltung.
Das Arbeitsministerium arbeitet in allen Arbeitsnormfragen eng
mit den entsprechenden Behörden der Bundesstaaten mit dem Ziel zusammen, eine Übereinstimmung der Bundesgesetze mit denen der Bundesstaaten
auf den wichtigsten Sektoren wie Löhne, Arbeitszeit und Betriebssicherheit zu erreichen. Desgleichen ist es Mittler zwischen dem Internationalen Arbeitsamt und den Bundesstaaten und ist diesen dabei behilflich,
die von dieser internationalen Körperschaft als allgemeinverbindlich
erklärten Empfehlungen einzuhalten.
Industrielle Sicherheitsprogramme
Einen großen Rahmen nimmt auch die Arbeit auf dem Gebiet der
industriellen Sicherheit und der Unfallverhütung ein. Auch hier erfolgt eine enge Zusammenarbeit mit den Bundesstaaten bei der Aufstellung von Unfallverhütungsprogrammen und bei der Ausbildung der Sicherheitsinspektoren der Bundesstaaten. Ein wichtiges Organ auf diesem
Sektor bildet dabei der "Federal Safety Council" im US-Arbeitsministerium (Bundesrat für Industrielle Sicherheit), der durch seine 97
Zweigbüros die praktischen Erkenntnisse auf dem Sektor der industriellen Sicherheit vermittelt, die von der "President1s Conference on
Occupational Safety", einem mit Fachkräften des Arbeitsministeriums
besetzten Forschungsausschuß, erarbeitet werden.
Weibliche Arbeitnehmer
Da heute rund ein Drittel aller Arbeitskräfte in den Vereinigten
Staaten Frauen sind, kommt den Aufgaben des Arbeitsministeriums hinsichtlich der Ausarbeitung und Überwachung entsprechender Arbeitsschutzund Sozialgesetze eine sehr große Bedeutung zu. Im einzelnen ist es
hier Aufgabe des Ministeriums, Arbeitsnormen und andere grundlegende

-

14

-

�grundlegende Bestimmungen auszuarbeiten und durchzusetzen, die
allgemeinen Arbeitsbedingungen für weibliche Arbeitskräfte zu verbessern und die Möglichkeiten für eine lohnende Beschäftigung zu
erhöhen. Dazu gehört die Durchführung von Programmen zur Verbesserung
des Status der weiblichen Arbeitnehmer, die Kontaktpflege mit den
Frauenvereinigungen zwecks Informierung über Programme, die Vorteile
für die weiblichen Arbeitskräfte bieten; die Durchführung statistischer
Erhebungen zwecks Erlangung entsprechender Informationen; die Entwicklung von Programmen, die den zivilen und politischen Status der
Frau verbessern; die Organisierung von internationalen technischen
Beistands- und Austauschprogrammen für Frauen sowie die Veröffentlichung all jener Informationen, die sich auf den wirtschaftlichen
und rechtlichen Status der Frau beziehen.
Auf Wunsch der Arbeitsministerien der Bundesstaaten oder von
Organen in den Bundesstaaten und Gemeinden, die die Absicht haben,
neue Arbeitsgesetze über Mindestlöhn, Maximalarbeitszeit oder gleiche
Bezahlung zu erlassen oder bestehende Gesetze wirksamer zu gestalten,
gibt das US-Arbeitsministerium technische Hilfe oder andere Unterstützungen.
Internationale Arbeitsfragen
Große Aufmerksamkeit schenkt das amerikanische Arbeitsministerium
den Entwicklungen auf dem internationalen Arbeitsmarkt und auf dem
Sektor des Arbeitsrechts. In Zusammenarbeit mit dem US-Außenministerium
und anderen an diesen Entwicklungen interessierten Ministerien sammelt
es als Informationszentrale alle entsprechenden Informationen und ist
für die Ausarbeitung der Richtlinien in bezug auf internationale Arbeitsfragen verantwortlich. Es unterhält ferner enge Kontakte zu den
entsprechenden Organisationen der Vereinten Nationen und des Internationalen Arbeitsamtes und ist für die Durchführung der internationalen Austauschprogramme zuständig.

(Quelle: Eigenbericht)

*

• * * *

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15

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�Gewerkschaftliche Kurznachrichten
Höchster Beschäftigungsstand für Januar
Mit 65,935 Millionen Beschäftigten wurde im Januar 1963 die bisher höchste Gesamtbeschäftigtenziffer für diesen Monat erreicht, wie
aus der jüngsten Arbeitsmarktübersicht des "US-Amtes für Arbeitsstatistik" hervorgeht.
Der hohe Beschäftigungsstand ist dabei in erster Linie auf die
erhebliche Zunahme der Gesamtzahl der Arbeitskräfte zurückzuführen
sowie auf die für die Jahreszeit relativ niedrige Erwerbslosenrate,
die nach Ausschaltung der saisonbedingten Einflüsse in dem Bericht mit
5,8 Prozent angegeben wird.
Zwischen Dezember und Ende Januar hat sich die Zahl der Erwerbslosen in den USA um 855 000 auf insgesamt 4 672 000 erhöht. Diese verhältnismäßig große Zunahme ist hauptsächlich durch die Entlassung
von Aushilfspersonal bei den Kaufhäusern, der Post und anderen im
Weihnachtsgeschäft stark engagierten Unternehmen bedingt gewesen.
Auch die Zahl der in Außenberufen tätigen Arbeitnehmer hat sich mit
fortschreitender Jahreszeit weiter verringert.
(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

Versehrtenbetrieb "Unternehmen des Jahres"
Die jährlich vom Verband der Fertigungsindustrie (NAM) an Versehrtenbetriebe verliehene Medaille "Unternehmen des Jahres" wird 1963 die
"Ace Electronics" erhalten, ein Betrieb in Somerville (Massachusetts),
der 275 Arbeitnehmer beschäftigt, darunter allein 240 Körperbehinderte.
Die Auszeichnung soll, wie es in den Verleihungsbestimmungen heißt, jeweils einem Unternehmen zuerkannt werden, das auf dem Gebiet der Beschäftigung Versehrter Arbeitnehmer Hervorragendes geleistet und diesem
Personenkreis die Möglichkeit verschafft hat, seinen körperlichen Gegebenheiten entsprechende Arbeitsplätze zu finden und voll auszufüllen.
Chef
ist Aaron
und heute
hinweisen

dieses elektronische Einzelteile herstellenden Betriebes
N. Solomon, der 1952 mit zwei Versehrten Arbeitnehmern begann
mit Stolz auf einen Jahresumsatz von 1,75 Millionen Dollar
kann.

Die wesentlichen Elemente seiner Personalpolitik sind: 1 . seine
Überzeugung, allen weniger vom Schicksal begünstigten Menschen helfen
zu müssen; 2. die Erkenntnis der Tatsache, daß elektrotechnische Arbeiten in erster Linie an der Werkbank ausgeführt werden und daher besonders gut für Körperbehinderte geeignet sind, und 3« seine festeüberzeugung, daß es keine "Versehrten gibt, wenn man es versteht, di esen

-

16

-

�diesen Personenkreis an Arbeitsplätzen einzusetzen, die seinen speziellen Fähigkeiten entsprechen.
Als für den Erfolg seines Unternehmens ausschlaggebend, bezeichnet Solomon folgende Punkte: Spezielle Anpassung der einzelnen
Arbeitsplätze an die Gegebenheiten der einzelnen Arbeitnehmer; sorgfältige Einweisung und Einführung neuer Arbeitnehmer in ihre Tätigkeiten und Aufgaben; häufige Überprüfung des Neueingestellten, um
festzustellen, wie er sich an seinen Arbeitsplatz und seine Arbeit
gewöhnt hat; enger persönlicher Kontakt zu allen Angestellten; Zahlung von angemessenen Löhnen an alle Arbeitnehmer.

(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

Günstige Streikbilanz im Jahre 1962
Die Gesamtzahl der streikenden Arbeitnehmer ist 1962 weiter
zurückgegangen und erreichte, wie aus einer Übersicht des "US-Amtes
für Arbeitsstatistik" hervorgeht, im vergangenen Jahr den tiefsten
Stand der Nachkriegszeit.
Nicht ganz so günstig fällt dagegen die Bilanz bei der Gesamtzahl der 1962 begonnenen Streiks sowie bei der Gesamtzahl der durch
Streiks verlorengegangenen Arbeitstage aus, obwohl auch hier das
Niveau der günstigsten Jahre seit 1945 erreicht wird.
Bei insgesamt 3500 begonnenen Streiks, von denen 1,25 Millionen
Arbeitnehmer berührt wurden, gingen im vergangenen Jahr insgesamt
19,0 Millionen Arbeitstage verloren (1961 - 16,3 Mio; 196O = 19,1 Mio).
Gemessen an der von sämtlichen nichtlandwirtschaftlichen Zweigen der
US-Wirtschaft im vergangenen Jahr geleisteten Gesamtarbeitszeit, gingen durch die Streiks nur 0,15 Prozent verloren.

(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

-

17 -

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
ISIS-Bonn Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmittellungen" Ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme Irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.
XVI

" 4

Bad Godesberg,den 1.

April 1963

INHALTSVERZEICHNIS

Erziehung und Schulung in einem
Entwicklungszeitalter (i)

Seite

Gewerkschaftliche Kurznachrichten

Seite 12

1

Erziehung und Schulung in einem Entwicklungszeitalter

Unter der vorstehenden Hauptüberschrift
bringen wir in dieser und der nächsten
Ausgabe sechs Beiträge namhafter amerikanischer Regierungsvertreter, Wirtschaftler
und Publizisten zu Fragen der Heranbildung
von Arbeitskräften für die Welt von morgen.
Im Mittelpunkt der Betrachtungen steht die
sich bereits heute abzeichnende wachsende
Nachfrage nach "Kopfarbeitern" mit besonderen Fachkenntnissen und höherer Bildung.
W. Willard Wirtz, US-Arbeitsminister:
Grundsätze und Probleme der Arbeitspolitik und Nachwuchsförderung
Die Welt von heute wird von einem Wandel gekennzeichnet, wie er
in der Geschichte ohne Beispiel ist. Alles scheint in Fluß geraten
zu sein, doch nicht im Sinne einer langsamen Evolution, wie sie sich
einem roten Faden vergleichbar durch die Geschichte zieht. Es ist dies
vielmehr ein Wandel, der sich in "Megatonnen" einer technischen, bevölkerungsmäßigen, politischen, sozialen und wirtschaftlichen Explosion ausdrückt.
Die

-

1

-

�Die Menschheit ist sich - soweit Menschen überhaupt je das Unermeßliche ausdenken können - bewußt, wie sehr die Wissenschaft gewissermaßen von gestern auf heute Begriffe wie Zeit, Entfernung, Erde
und All von Grund auf verändert hat.
Welche Auswirkungen diese wissenschaftliche Revolution aber auf
die Arbeitswelt des Menschen zeitigt, darüber herrschen noch sehr
vage Vorstellungen. Der Beruf wurde bisher fast überall auf der
Welt als eine Tätigkeit angesehen, die man ein ganzes Leben lang
verrichtet. Man ererbte ihn vielfach von seinem Vater, und bezeichnenderweise leiten sich nicht wenige Nachnamen von Berufsbezeichnungen
her. Die Art der lebenslangen Erwerbstätigkeit wurde häufig allein
von dem Umstand bestimmt, daß man in einem landwirtschaftlichen Anbaugebiet, in einer Waldgegend, an der Küste, in einem Industriegebiet
oder in der Nähe einer Grube oder Fabrik geboren worden war. Und heute
besteht nun plötzlich ein direkter Zusammenhang zwischen der Arbeit
und dem Beruf eines Menschen und der Entwicklung einer Wissenschaft,
die er weder beeinflussen noch verstehen kann - und deshalb fürchtet.
Es gilt aber, eine vernünftige Einstellung zu dem Wandel zu gewinnen, dessen Zeuge wir sind: ihn übersehen zu wollen, wäre dumm,
ihn zu fürchten, feige. Es genügt auch nicht, sich dem Wandel "anpassen" zu wollen, denn das hieße, daß der Mensch immer weiter hinter
der Entwicklung der Wissenschaft und Technik zurückbliebe, bis die
Kräfte, die dem Menschen Freiheit verheißen,
zu Kräften der
Vernichtung zu werden drohen.
Das Morgen gehört denjenigen, die dem Wandel offen, ehrlich und
frei entgegensehen, ja, ihm entgegengehen, ihn als ein Wesensmerkmal
des Wachstums und dieses wiederum als den Sinn des Lebens ansehen
und deshalb an die Zukunft glauben.
Zu dieser Haltung wird sich ein Volk und die Menschheit aber
nur durchringen, wenn wir, die wir die staatlichen Maßnahmen im Bereich der Arbeitspolitik und Menschenführung treffen, uns klar und
deutlich zu dem Prinzip bekennen - ja dieses Prinzip erst einmal
aufstellen -, daß eine solche Politik der "Menschenführung" das Recht
und die Fähigkeit eines jeden Menschen garantieren muß, zu arbeiten vielleicht nicht das, was er zu tun erwartete, gegenwärtig tut oder
früher getan hat, aber in jedem Falle etwas, was sowohl an sich als
auch als Beitrag zu einem besseren Leben für die gesamte Menschheit
sinnvoll ist. Die Wesenszüge einer solchen Arbeitspolitik stehen
sämtlich in einem engen Bezugsverhältnis zum Kern einer neuen, tatkräftigen und vielleicht auch mehr pragmatischen Vorstellung von
Erziehung und Schulung. Ich denke in diesem Zusammenhang an fünf
Grundsätze:
1. Jeder Mensch ist erziehbar. Jeder kann eine berufliche Ausbildung mit Erfolg durchlaufen und nützliche Fertigkeiten und Fähigkeiten erwerben, sofern man ihn nur richtig anleitet, berät, testet
und einer Schulung unterwirft, die genau auf die geforderten beruflichen Qualifikationen zugeschnitten ist und seine Fähigkeiten, Wünsche und Grenzen gebührend berücksichtigt.
Wir
-

2

-

�Wir Amerikaner konnten bei der Verwirklichung des Kraftwerkund Bewässerungsprojektes im Tennessee-Tal beobachten, wie sich
Männer und Frauen, deren Arbeitserfahrung sich ausschließlich auf
den von ihren Vorfahren ererbten Beruf des Farmers erstreckte, rasch
und ohne größere Schwierigkeiten den Erfordernissen der Arbeit in
modernen Industriebetrieben anpaßten. In den 20 Jahren von 1940
bis 196O hat sich zum Beispiel die Zahl der Fertigungsarbeiter im
Tennessee-Tal - von einer halben auf eine ganze Million - fast verdoppelt. Der Bedarf an Facharbeitern erhöhte sich um fast 100 Prozent - und wurde auch gedeckt. Das Personaleinkommen stieg gleichzeitig um 508 Prozent! Dies ist ein greifbarer Beweis für die Anpassungsfähigkeit des Menschen an neue berufliche Anforderungen - sofern die Möglichkeiten gegeben sind, die eine expandierende Wirtschaft bieten kann.
2. Jedermann sollte sein Wissen laufend ergänzen. Der rasche
technische Fortschritt bringt es mit sich, daß Fähigkeiten und Fertigkeiten von den niedrigsten bis zu den höchsten Berufen rasch veralten. Zahlreiche Arbeitskräfte können nicht mehr länger hoffen, einen
Beruf zu erlernen und diesen dann bis zur Erreichung der Altersgrenze
auszuüben - ohne je etwas dazuzulernen. Heute muß jeder bereit sein,
sich gegebenenfalls neue Fertigkeiten anzueignen und das vorhandene
Fachwissen immer wieder auf den neuesten Stand zu bringen, wenn wir
ein hinreichendes Reservoir von flexiblen und anpassungsfähigen Arbeitskräften schaffen wollen, das den Bedarf unserer Wirtschaft jederzeit zu decken vermag,
3. Es muß überall mehr für die Bildung getan werden. Industrie
und Wirtschaft sind nicht mehr so standortgebunden wie früher, weshalb sich Beschäftigungsmöglichkeiten heute häufig von einem Ort nach
einem anderen verlagern. Einst maßgebliche Faktoren der Standortwahl
wie die Verfügbarkeit von Energie und günstige Transportverbindungen
verlieren an Bedeutung. Die Industrie ist mobiler als früher und muß
im Hinblick auf die steigenden Anforderungen an das Können ihrer Mitarbeiter auf das Vorhandensein qualifizierter Arbeitskräfte im Bereich
ihres Standorts größeren Wert legen als je zuvor. Andererseits begünstigt das Vorhandensein von Arbeitskraftreserven in manchen Gebieten
deren wirtschaftliche Entwicklung heute oft ganz entschieden.
4. Unsere Schulungsmethoden müssen verbessert werden. Sie sind
den neuen Erfordernissen und Aufgaben anzupassen. Schon finden neue
Lehrmittel und Unterrichtsmethoden - übersichtlichere Fachbücher,
elektronisch gesteuerte Lehrmaschinen, Film, Fernsehen und anderes
Anschauungsmaterial wie Bildtafeln, Aufrisse, Dias und Modelle - in
steigendem Maße im Unterricht Verwendung.
5. Die Lehrkräfte sollten geistig beweglich und fähig sein, auf
die jeweiligen Verhältnisse einer im Wandel begriffenen Arbeitswelt
einzugehen. Die Beurteilung unserer Arbeitspolitik, unsere Menschenführung und aller getroffenen Maßnahmen wird davon abhängen, inwieweit es uns gelingt, die wissenschaftliche und technische Entwicklung
richtig einzuschätzen und uns im voraus auf sie vorzubereiten. Gelingt uns dies, so neutralisieren wir damit nicht nur die Angst der

-

3 -

�der arbeitenden Menschen vor der Wissenschaft und Technik, die
sie in ihrer freien Entfaltung behindert, sondern beugen auch der
Verknappung qualifizierter Arbeitskräfte vor, die ein Hemmschuh
für jede expandierende Wirtschaft ist.
Es wird heute kaum mehr bestritten, daß die Ausbildung und
Umschulung mindestens zu einem Teil Aufgabe des Staates ist. In
anderen Ländern, vornehmlich in Westeuropa, gibt es hierfür zahlreiche Beispielsfälle. Was die Vereinigten Staaten angeht, so sind
wir dabei, unsere ersten diesbezüglichen Erfahrungen in Verbindung
mit dem 19&amp;2 erlassenen Gesetz über Maßnahmen zur Entwicklung des
Arbeitsmarktes und Umschulung (Manpower Development and Training
Act) zu sammeln. Das Gesetz geBtattet im Verlauf der nächsten drei
Jahre die Ausbildung bzw. Umschulung von 400 000 Männern und Frauen
auf Staatskosten - zumeist Opfer der sogenannten technischen Arbeitslosigkeit, d.h. der Verdrängung vom Arbeitsplatz durch Maschinen .
Dieses Gesetz basiert auf der Überzeugung, daß Erziehung, Ausbildung und Umschulung in einer freien und demokratischen Gesellschaft
die beste Methode sind, Mensch und Arbeit miteinander in Einklang zu
bringen, und daß dies vor allem Aufgabe des Staates ist.
Die Entwicklung der intellektuellen und physischen Fähigkeiten
des Menschen durch das demokratische Mittel der Erziehung muß das
Ziel jeder Arbeitspolitik sein. Die Probleme der Welt von heute, vor
die uns der kalte Krieg, die Industrialisierung, die Verstädterung
und die Automatisierung stellen, werden wir nur dann auf eine vernünftige Weise zu lösen vermögen, wenn ein größerer Prozentsatz der
Bewohner dieser Erde eine eingehendere und bessere Erziehung und Schulung als heute erhält.
M

Walter W. Heller, Vorsitzender des Wirtschaftsbeirates des
lo-irasiaenten:
Bildung als Faktor des Wirtschaftswachstums
Im Wirtschaftsleben unserer Zeit gewinnt das sogenannte "menschliche Kapital" immer mehr an Bedeutung, ja es scheint in Zukunft sogar
zum wichtigsten Faktor überhaupt zu werden. Damit erhebt sich die
Frage: Welche Rolle spielt die Erziehung in der wirtschaftlichen und
sozialen Entwicklung, und was tun wir, um Erziehung und Bildung die ja dieses "menschliche Kapital" schaffen und mehren - zu fördern?
Von den vielen Dingen, die die Beantwortung dieser Frage beeinflussen, seien hier nur zwei herausgegriffen:
Erstens:

- 4 -

�Erstens: Die Problematik wirtschaftlichen Wachstums, um die
sich die hochindustrialisierten Volkswirtschaften von Jahr zu Jahr
mehr kümmern müssen, ebensosehr wie um alle Vorgänge, die ein Wachstum begünstigen oder hemmen können. Um das Geheimnis eines rascheren
oder langsameren Wirtschaftswachstums zu ergründen und zu verstehen,
müssen wir die wirtschaftliche Entwicklung in der Vergangenheit analysieren und zu verstehen trachten. Es genügt nicht, den Punkt zu
kennen, den wir erreicht haben; wir müssen uns vielmehr auch Klarheit
darüber verschaffen, wie wir zu ihm gelangt sind.
Wir wissen aus Erfahrung, daß das wirtschaftliche Wachstum keiner
Naturgesetzlichkeit unterliegt; es hängt aber weitgehend von einer
Variablen ab, die sich - innerhalb gewisser Grenzen - dem Willen, dem
Gesetz und der Planung des Menschen gefügig machen läßt. Es gibt heute
schon eine Fülle von Beweisen für die Auffassung, daß die Wirtschaftsexpansion stark von wirtschafts- und sozialpolitischen Maßnahmen mitbestimmt wird, die ihrerseits das Angebot an produktiven Arbeitskräften sowie deren Qualifikationen und die Ansichten mitgestalten.
Zweitens: Die Erkenntnis, daß sich Investitionen in das Erziehungsund Bildungswesen lohnen - eine Erkenntnis, die uns unsere Bemühungen
um das Wirtschaftswachstum in den weniger entwickelten Ländern erst
so recht ins Bewußtsein gerückt hat.
Was nützen Maschinen ohne Menschen, die sie zu bedienen wissen?
Die Produkte unseres technischen Zeitalters lassen sich fertig importieren, eine ausreichende Zahl von Technikern und Wissenschaftlern aber
muß sich jedes Land selbst heranbilden. Und man kann dabei auch nicht
am oberen Ende der Bildungspyramide anfangen; es gilt vielmehr, ihr
zunächst eine breite Basis in Form eines Grundschulwesens zu schaffen,
das das Analphabetentum beseitigt und ein größeres Allgemeinwissen
verbreitet.
Untersuchungen bekannter Fachleute aus mehreren Ländern führten,
in bemerkenswerter Übereinstimmung, zu sehr bezeichnenden und aufschlußreichen Ergebnissen und Folgerungen bezüglich der Rolle des
"menschlichen Kapitals" in der wirtschaftlichen Entwicklung.
Die häufigste Methode der Ermittlung des Beitrags des "menschlichen Kapitals" zum Wirtschaftswachstum besteht in der Errechnung
des Unterschiedes zwischen der Wachstumsrate des Sozialprodukts (oder
der Wertschöpfung innerhalb eines bestimmten Wirtschaftssektors, etwa
der Landwirtschaft) und der Zunahme des tatsächlichen Aufwands an
Bodenfläche, Arbeit (gemessen in geleisteten Arbeitsstunden), Betriebsmitteln, Material und Kapital. Das Ergebnis dieser Aufrechnung ist in
praktisch allen Ländern verblüffend. Die Zunahme des Sozialprodukts
ist um ein Beträchtliches höher als die Zunahme des materiellen Aufwandes. Diese "unerklärliche" Komponente der Wirtschaftsexpansion wird
"Wachstumsdifferenz" genannt und durch solche immaterielle Faktoren
wie Erziehung, Schulung und Forschung hervorgebracht.
Eine Untersuchung der diesbezüglichen Verhältnisse in den Vereinigten Staaten zeigte, daß etwa die Hälfte der Produktionszunahme
während der letzten 50 Jahre Faktoren zuzuschreiben ist, die nicht im

-

5 -

�im Bereich des materiellen Aufwands zu suchen sind. Das ist eine
bemerkenswerte Feststellung, denn noch vor wenigen Jahren glaubten
die meisten Laien und auch zahlreiche Fachleute, das Geheimnis des
Wachstums der US-Wirtschaft beruhe nahezu ausschließlich auf dem
sehr hohen materiellen Aufwand und dem natürlichen Reichtum des
Landes.
Damit mich niemand mißversteht: Technische Neuerungen und Erfindungen des menschlichen Geistes lassen sich selbstverständlich
nur mit genügend Kapital und Arbeit in Produktion und Wirtschaftswachstum ummünzen. Forschungen der jüngeren Zeit haben aber den Nachweis erbracht, daß lediglich 10 bis 20 Prozent des gesteigerten Ausstoßes pro aufgewandte Arbeitseinheit auf Kapitalgüterinvestitionen
zurückzuführen sind. Die Vereinigten Staaten bilden übrigens in dieser Hinsicht keineswegs einen Einzelfall; auch andere Volkswirtschaften sind weit schneller gewachsen, als man auf Grund der Zunahme des
materiellen Aufwandes erwarten durfte.
In Süd- und Mittelamerika zum Beispiel wird die durchschnittliche
Wachstumsrate der Wirtschaft in der Zeit von 1945 his 1955 auf jährlich 4»9 Prozent geschätzt; der erfaßbare materielle Mehraufwand
aber lag bei durchschnittlich 3»1 Prozent pro Jahr. So läßt sich ein
sehr beachtlicher Anteil von 1,8 Prozent auf "Bildung" und anderen
"immateriellen Aufwand" zurückführen.
Eine Untersuchung der wirtschaftlichen Entwicklung in Norwegen
in den Jahren von 1900 bis 1955 führte zu der gleichen Feststellung,
daß ein jährlicher Produktionszuwachs von 1,8 Prozent verbleibt, der
sich durch die Steigerung des materiellen Aufwandes nicht erklären
läßt.
Zu einem Ergebnis, das noch verblüffender ist, gelangt man, wenn
man diese Analyse auf den landwirtschaftlichen Sektor beschränkt. In
den Vereinigten Staaten wurde für die Jahre 1940-1958 eine geradezu
frappante Wachstumsdifferenz ermittelt: bei einem um 1,7 Prozent erhöhten Aufwand pro Jahrzehnt stieg die Erzeugung um 29 Prozent.
Die Ergebnisse dieser Vergleichsrechnung sind auch im Falle der
landwirtschaftlichen Erzeugung der lateinamerikanischen Staaten sehr
eindrucksvoll. Argentinien hatte von 1920 bis 1940 eine Steigerung
des materiellen Aufwandes um 6 Prozent zu verzeichnen, der eine Steigerung der Erzeugung um 27,5 Prozent pro Jahrzehnt gegenübersteht. In
Brasilien erhöhte sich der Aufwand - vom Durchschnitt der Jahre 19251929 zu dem der Jahre 1945-1949 - pro Jahrzehnt um 15, die Erzeugung
um 27 Prozent; für Mexiko lauten die entsprechenden Vergleichszahlen
15,5 und 30 Prozent,
Die von mir hier angeführten Zahlen sagen uns aber nicht nur, daß
Kapital nicht alles bedeutet; sie machen uns auch klar, daß tatsächlich eine Möglichkeit besteht, über den "immateriellen Aufwand" zur
Wirtschaftsexpansion beizutragen: durch Hebung des Bildungsniveaus
und des Ausbildungsstandes der arbeitenden Menschen, durch organisatorische Verbesserungen und gutes Management - und den technischen
Fortschritt. Und dieser "immaterielle Aufwand" hat seinen Ursprung

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6

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�Ursprung größtenteils in der Erziehung und Ausbildung.
In den Vereinigten Staaten dürften die erhöhten Investitionen
auf dem Schulsektor 25 bis 50 Prozent zur Wachstumsdifferenz beigetragen haben, zu jenen 1,6 Prozent des jährlichen Wachstums des
Sozialproduktes, die sich nicht auf den "materiellen Aufwand" zurückführen lassen.
Es ist noch viel Forschungsarbeit zu leisten, ehe wir die Rentabilität von Investitionen in Erziehung, Bildung und Schulung ebenso
sicher errechnen können, wie wir heute die Rentabilität des Kapitalaufwands für Maschinen, Ausrüstungen und Werksanlagen berechnen.
Der Schluß aber, daß Investitionen in das "menschliche Kapital"
einen hohen Gewinn bringen, ist schon heute gerechtfertigt. In unseren Entwicklungsprogrammen und bei allen wachstumsfördernden Maßnahmen sollten wir dieser Erkenntnis gebührend Rechnung tragen.
Wir werden in dieser Erkenntnis ferner durch die Ergebnisse
von Untersuchungen der Zusammenhänge zwischen Bildungsgrad und Einkommen und der Auswirkungen einer Hebung des Bildungsgrades auf
letzteres bestärkt. Da das Einkommen des einzelnen bedingt als Maß
für seinen Beitrag zum Sozialprodukt gelten darf, läßt sich auch der
Einfluß der Erziehung auf das Sozialprodukt bis zu einem gewissen Grad
an der Relation zwischen Bildungsgrad und persönlichem Einkommen
(und damit Produktionsleistung) ablesen. Wir gewinnen auf diese Weise
ein weiteres Maß der "Rentabilität" der Erziehung und Bildung,
Die "Verzinsung" von Investitionen in die Erziehung auf CollegeNiveau ist in den Vereinigten Staaten etwa ebenso hoch wie die Verzinsung von Investitionen in die Wirtschaft. Weiter gehende Untersuchungen haben jedoch gezeigt, daß im Falle der Grund- und Mittelschulen sogar mit einer noch wesentlich höheren "Rendite" zu rechnen ist
als im Falle der akademischen Bildung.
Der Geldaufwand für das Erz,iehungswesen lohnt sich in ähnlicher
Weise auch in anderen Staaten, vor allem in den Entwicklungsländern,
in denen Mangel an geschulten Kräften besteht. In Venezuela beispielsweise nimmt man für die Verzinsung von Investitionen auf dem Erziehungssektor einen wesentlich höheren Satz an als in den Vereinigten Staaten.
Angesichts dieser Untersuchungen und Forschungsarbeiten werden
die Erziehungs- und Arbeitsministerien schon bald in der Lage sein,
den exakten Nachweis zu führen, in welcher Weise und Höhe sich die
Erziehungsausgaben lohnen. Sie werden dann mit ebenso konkreten Zahlen
argumentieren können, wie es beispielsweise die Wirtschafts-, Landwirtschafts- und Transportministerien bisher immer schon vermochten.
Es gibt mit Sicherheit keine Ideallösung, die sich für sämtliche
Länder der Erde gleichermaßen eignet. Dazu unterscheiden sie sich
viel zu sehr hinsichtlich der natürlichen Hilfsquellen, der Kapitalkraft, der Bevölkerung, der Kultur, der Vergangenheit, der Gegenwart
und auch der Zukunft. Aus den Erfahrungen, die wir alle machen, können
wir aber vielleicht allgemeingültige Prinzipien herleiten, die jedes
Land mit Erfolg auf seine spezifischen Probleme und Verhältnisse anzuwenden vermag.
*

�Paul G. Hoffman, Direktor des Sonderfonds der Vereinten Nationen und
ehemaliger Leiter der US-Marshallplan-Behörde:
Hebung des Bildungsniveaus als Voraussetzung., der wirtschaftlichen
Erschließung der Entwicklungsländer
Die Vereinten Nationen haben sich für dieses Jahrzehnt, die
"Entwicklungsdekade", das Ziel gesetzt, das Personaleinkommen in
den wirtschaftlich unterentwickelten Gebieten um jährlich 2,5 Prozent
zu steigern. Gegenüber einer Erhöhung des Personaleinkommens um
durchschnittlich 1 Prozent in den fünfziger Jahren bedeutet dies eine
gewaltige Zunahme.
Fragen wir uns, ob dieses Ziel erreichbar ist, so lautet die
Antwort» "Von den vorhandenen Möglichkeiten her, ja." Es fehlen weder
die notwendigen Hilfsquellen noch mangelt es an Menschen; es dreht
sich lediglich darum, Menschen und Material nutzbringender einzusetzen.
Die Beschleunigung des Entwicklungsprozesses hängt von einer Vielzahl
von Paktoren ab, soziologischen, politischen, wirtschaftlichen und
psychologischen•
Was die Erschließung der materiellen Hilfsquellen angeht, gilt
es zuerst einmal Klarheit darüber zu gewinnen, welche natürlichen
Hilfsquellen in den fraglichen Ländern vorhanden sind. Die Erde ist
reich an Bodenschätzen, was für die den Vereinten Nationen angeschlossenen rund 100 "Entwicklungsländer" vielfach noch mehr als für andere
zutrifft.
Glücklicherweise bieten uns Forschung und Technik eine große Zahl
von Hilfsmitteln, die wirtschaftliche Erschließung eines Landes zu beschleunigen. Die restlichen sieben Jahre dieses Jahrzehnts reichen aus,
um eine Bestandsaufnahme der materiellen Hilfsquellen der Entwicklungsländer durchzuführen und die Erschließung dieses teilweise noch verborgenen Reichtums zum Segen der in diesen Gebieten lebenden Menschen in
Angriff zu nehmen.
Die Erfahrungen, die wir als Vertreter des UN-Sonderfonds - eines
umfassenden Programms der Vereinten Nationen zur Gewährung von Hilfe
zu einem Zeitpunkt, an dem die eigentliche Investitionshilfe von außen
noch nicht eingesetzt hat - bisher gesammelt haben, unterstreichen die
großartigen Möglichkeiten des Einsatzes modernster technischer Hilfsmittel. Es sei hier nur an die Bodenerkundung aus der Luft erinnert,
die uns mit Bestimmtheit in sieben Jahren ebenso viele und mehr geologische Aufschlüsse vermitteln kann wie einst sieben Jahrzehnte Schürfarbeit. Die Luftbildgeologie gestattet die Auffindung von Lagerstätten,
die unter steilen Gebirgszügen, in undurchdringlichen Wäldern, Sandwüsten und Sumpfebenen verborgen liegen.
Luftbildkamera, Magnetometer, Szintillationszähler und andere elektronische Meßgeräte haben den mit Spitzhacke und Spaten in der Erde wühlenden Geologen früherer Zeiten weitgehend verdrängt. Der Geologe von
heute kann mit seinen Geräten nicht nur die Oberflächenbeschaffenheit
der Erde aus der Luft feststellen, sondern auch mit Hilfe von

8

�von Strahlen tief in das Erdinnere "blicken" und nach einem guten
Dutzend Mineralien suchen. Die Meßdaten solcher Geräte haben zur
Auffindung reicher Erdölvorkommen in Wüstengebieten geführt, obwohl
Lagerstätten wertvoller Mineralien nach Auffassung älterer Geologen,
die diese Wüsten einst auf Kamelrücken durchstreift hatten, dort
nicht zu erwarten waren.
Was die Nutzung des vorhandenen Menschenpotentials angeht,
liegen die Dinge leider viel komplizierter. In bezug auf Erziehung
und Bildung wurde in den Entwicklungsländern in der Vergangenheit
viel versäumt. In sämtlichen Ländern mit niedrigem Personaleinkommen
sind Verwaltungskräfte, Techniker, Angehörige der freien Berufe,
Lehrer, Wirtschaftler und Facharbeiter äußerst knapp - gerade jene
Leute, die für eine tatkräftige Erschließung des vorhandenen natürlichen Reichtums unerläßlich sind.
Unsere Erfahrungen zeigen deutlich, daß die Menschen jener Gebiete durchaus zu guten Verwaltungsfachleuten, Technikern, Facharbeitern und Bauern erzogen werden können. Und sie sind auch durchaus
lernbegierig. Die zu bewältigende Erziehungsaufgabe ist gewaltig:
Von der Gesamtbevölkerung der 100 den Vereinten Nationen angeschlossenen unterentwickelten Länder und Territorien von insgesamt 1,3 Milliarden sind rund 750 Millionen im schulpflichtigen Alter und darüber
hinaus des Schreibens und Lesens unkundig.
Aber die Beseitigung des Analphabetentums reicht längst nicht aus.
Millionen Jungen und Mädchen müssen eine Berufsschulung bzw. eine
höhere Schulbildung erhalten. Und schließlich gilt es, als eine der
wichtigsten Voraussetzungen für die wirtschaftliche Entwicklung,
eine möglichst große Zahl von Facharbeitern heranzubilden.
Nach vorsichtigen Schätzungen müssen in diesen Ländern und
Territorien eine Million Führungskräfte für den Staatsdienst, die
akademischen Berufe, die Wirtschaft und den Handel geschult werden
und eine noch größere Zahl von Technikern, Ingenieuren, medizinischtechnischen Kräften und Pädagogen für die öffentliche Verwaltung
und die Wirtschaft.
Was das im Hinblick auf die Angleichung der Entwicklungsländer
an das Erziehungs- und Bildungsniveau der hochindustrialisierten
Staaten bedeutet, hat Professor F. H. Harbison von der Universität
Princeton in einer kürzlich veröffentlichten Studie über Möglichkeiten
zur Nutzung des Arbeitspotentials für die wirtschaftliche Entwicklung
herausgestellt. Er führt den Nachweis, daß in den unterentwickelten
Gebieten in Afrika noch nicht einmal einer von 1000 Einwohnern eine
12jährige Schulung durchgemacht hat und somit der Kategorie der hochqualifizierten Kräfte zuzurechnen ist.
Die Vereinten Nationen und eine ganze Reihe von Staaten haben
ihre Hilfe verstärkt, um mehr für die Erziehung der Bevölkerung in
den Entwicklungsländern tun zu können. Es bedarf aber einer Anstrengung, die weit über das Maß hinausgeht, das man bisher für ausreichend
hielt. Es darf auch keine Zeit mehr verloren werden, bevor diese gewaltige Aufgabe mit entsprechender Tatkraft in Angriff genommen wird,
denn nur auf der Grundlage einer besseren Erziehung und Ausbildung
können diese Länder zu einem rascheren Wirtschaftswachstum gelangen.
*

- 9 -

�Joseph A. Harary, Mitarbeiter des US-Außenministeriums:
Die Schulungsarbeit amerikanischer Unternehmen im Ausland
Wenn die Entwicklungsländer heute Ausschau nach ausländischem
Investitionskapital als einem der wichtigsten Motoren der wirtschaftlichen Entwicklung halten, so denken sie dabei zumeist nur an die
mittelbaren Auswirkungen einer solchen Finanzhilfe und des gewöhnlich
damit verbundenen "Imports" von Management-Kräften und Technikern.
Wie sehr und wieviel ausländische und gemischte Kapitalgesellschaften zur Heranbildung eines Stammes von tüchtigen Facharbeitern
beitragen können und vielfach auch schon beigetragen haben, wird selten richtig gewürdigt.
Nach dem zweiten Weltkrieg hat das ausländische Privatkapital in
zunehmendem Maße aus dem Bewußtsein einer bestehenden Interessengemeinschaft mit dem Gastland heraus gehandelt. Das gemeinsame Interesse
an der Heranbildung von einheimischen Facharbeitern und Verwaltungskräften stand bei Erwägungen dieser Art ebenso im Vordergrund wie
der Wunsch der ausländischen Stammhäuser, die Verantwortung für ihre
Tochtergesellschaften in ständig steigendem Maße an ortsansässige Mitarbeiter zu übertragen, die mit den Verhältnissen des Gastlandes bestens vertraut sind.
Der wichtige Beitrag, den ausländische Gesellschaften bei der
Schulung und Fortbildung von Fachkräften in den "mittleren" Berufen
und selbst von Spitzenkräften leisten können, die für den wirtschaftlichen und sozialen Fortschritt in den Entwicklungsländern so dringend
benötigt werden, findet in jüngerer Zeit immer stärkere Beachtung.
Um eine Vorstellung von der Bedeutung dieser Erziehungsarbeit
von Firmen mit Filialen im Ausland zu gewinnen, wurde das AuslandsSchulungsprogramm
von zwölf bedeutenden amerikanischen Unternehmen
aus zwölf verschiedenen Branchen einer kritischen Überprüfung unterzogen. Es handelte sich um Firmen mit ausländischen Zweigbetrieben,
die jeweils einige tausend oder viele tausend Mitarbeiter beschäftigen. Bei aller Verschiedenheit haben diese Firmen doch vieles
gemeinsam:
Sämtliche Unternehmen sind in mehreren Ländern, darunter auch
Entwicklungsländer, tätig; rekrutieren ihre Mitarbeiter, wenn irgend
möglich, auf dem lokalen Arbeitsmarkt; besetzen höhere Positionen, wo
möglich, aus den Reihen der bisherigen Mitarbeiter; suchen die Zahl
der Mitarbeiter mit einer anderen als der Nationalität des Gastlandes
auf das absolut nötige Minimum zu beschränken; wenden viel Zeit und
Geld für die innerbetriebliche Schulung und Weiterbildung ihrer Mitarbeiter und verschiedentlich sogar von deren Familienangehörigen auf;
und können auf ein langjähriges erfolgreiches diesbezügliches Wirken
zurückblicken, das dem wirtschaftlichen und sozialen Leben im engeren
und weiteren Bereich der Standorte ihrer Zweigbetriebe entscheidende
Impulse gegeben hat.

-

10

-

�Die zwölf Firmen beschäftigten zusammengenommen in ihren Auslandsbetrieben 575 OOO Arbeiter und Angestellte, von denen nur 5200
oder weniger als 1 Prozent Amerikaner oder Staatsangehörige eines
anderen als des Gastlandes sind. Bezeichnenderweise steht einem
starken Anstieg der Zahl der Ortskräfte in der Zeit nach dem zweiten
Weltkrieg ein bemerkenswerter Rückgang der amerikanischen und sonstigen ausländischen Mitarbeiter gegenüber, wurden deren Funktionen doch
zunehmend auf inzwischen ausgebildete einheimische Kräfte übertragen.
Eine der Firmen beschäftigt im Ausland über 100 000 Ortskräfte
und lediglich 900 Amerikaner; bei einer anderen Firma lauten die
Vergleichszahlen 33 000 und 250. Eine dritte Gesellschaft mit 135 000
Ortskräften beschäftigt lediglich 2200 Amerikaner und andere Ausländer;
bei einer ihrer Töchter entfällt auf 1000 ortsansässige Beschäftigte
gar nur ein Amerikaner. Das sind nur einige wenige Beispiele.
Tausende nicht-amerikanische Angestellte und ehemalige Arbeiter
sind in diesen ausländischen Zweigbetrieben in Aufsichts- und Führungspositionen aufgestiegen - einige sogar bis in den Vorstand. Sie haben
fast alle "von der Pike auf" gedient und sind von Stufe zu Stufe geklettert; sie bekamen immer mehr Verantwortung übertragen, je mehr
ihre Fähigkeiten gewachsen waren.
*
Die Tatsache, daß Tausende von Amerikanern im Laufe der Zeit durch
Ortskräfte ersetzt werden konnten, ist ein deutlicher Beweis für die
Wirksamkeit der Schulungsarbeit. Die zwölf Gesellschaften lassen sich
in ihrer Schulungsarbeit deshalb auch generell von den Betriebs- und
Branchenerfordernissen leiten. Die Schulung selbst reicht von der
Einweisung von Neulingen durch die unmittelbaren Vorgesetzten über
den Gruppenunterricht bis zu der Vergabe von Stipendien und der Finanzierung der Teilnahme an internationalen Fachtagungen. Die hierfür
jährlich ausgeworfenen Summen gehen in die Millionen.
Eine der Gesellschaften hat bisher 5000 ausländischen Ingenieuren
einen Studienaufenthalt in den Vereinigten Staaten ermöglicht; keiner
der Stipendiaten war Werksangehöriger und keiner wurde verpflichtet,
später für die betreffende Firma zu arbeiten.
Viele amerikanische Gesellschaften dehnen ihre Erziehungsarbeit
auf die Angehörigen ihrer Beschäftigten und selbst auf breitere Bevölkerungskreise aus, die überhaupt nichts mit der Firma zu tun haben.
Dies gilt sowohl für allgemeinbildende Kurse als auch für die berufliche und fachliche Schulung. Der Unterricht findet zum Teil in werkseigenen Schulungsräumen statt, zum Teil auch in den örtlichen Schulen,
die vielfach erhebliche Zuwendungen seitens der Firmen erhalten. Nicht
selten werden ursprünglich von den Werken eingerichtete Schulen und
Kurse später von der örtlichen Verwaltung übernommen und der Allgemeinheit zugänglich gemacht.
In Venezuela richtete beispielsweise eine amerikanische Firma
an mehreren Plätzen Berufsschulen ein, die später dem venezolanischen
Staat kostenlos übereignet wurden. Die Firma veranstaltete des weiteren betriebswirtschaftliche Kurse, die nach zweijährigem Bestehen

-

11

-

�Bestehen von der Universität Caracas übernommen und weitergeführt
wurden. Einige andere amerikanische Firmen in Brasilien stellen
Studenten, die von den Universitäten ausgewählt und vorgeschlagen
werden, regelmäßig Praktikantenstellen zur Verfügung.
Alle diese Beispiele beweisen, in welch hohem Maße ausländische
Gesellschaften zur Nachwuchsförderung gerade in den Entwicklungsländern beitragen können. Sie geben intelligenten und entwicklungsfähigen Kräften viele Aufstiegschancen. Das gilt vor allem für die
Berufe, bei denen der Arbeitskräftemangel am meisten fühlbar ist.
Der Trend weist eindeutig in die Richtung einer Verstärkung dieser
Anstrengungen seitens der Unternehmen, gehen sie doch von der Erkenntnis aus, daß jeder Fortschritt des Gastlandes auch ihnen selbst
zugute kommen wird.
(Quelle: Eigenbericht)
* * * * *

Gewerkschaftliche Kurznachrichten
Durchschnittliche Lohnerhöhungen nur drei Prozent im Vor.jahr
Die im Rahmen von Großtarifverträgen (mehr als 1000 Arbeitnehmer)
im vergangenen Jahr ausgehandelten Lohnerhöhungen für industrielle
Arbeitnehmer beliefen sich nach Angaben des US-Amtes für Arbeitsstatistik im Durchschnitt auf 3 Prozent. Rund 4/5 der insgesamt 3»75
Millionen Arbeitnehmer, für die neue Tarifverträge abgeschlossen wurden, erhielten dabei eine Lohnaufbesserung von 3»4 Prozent.
Im Vergleich zu 19&amp;1 liegt dieser Durchschnittswert zwar etwas
höher; dabei ist allerdings zu berücksichtigen, daß seinerzeit der
allgemeine Durchschnittssatz für Lohnerhöhungen sehr stark durch die
Tarifverträge der Automobilindustrie beeinflußt wurde, die - zugunsten
höherer Lohnnebenleistungen - nur geringe Aufbesserungen der Stundenlöhne für die Arbeitnehmer brachten.
Für weitere 4,1 Millionen durch Großtarifverträge erfaßte Arbeitnehmer wurden 1962 keine neuen Lohnabkommen abgeschlossen. Jedoch erhielten 2,75 Millionen von ihnen, das sind 65 Prozent, Lohnerhöhungen auf Grund der in den Vorjahren abgeschlossenen Verträge.
Zu den restlichen industriellen Arbeitnehmern, die 1962 keine Lohnerhöhung erhielten, gehören auch die des Bergbaus und der Bekleidungsindustrie, die auf Grund der in den Vorjahren abgeschlossenen langfristigen Tarifverträge 1962 in neue Lohnverhandlungen hätten eintreten können, aber von dieser Option keinen Gebrauch machten.
Zu denjenigen GroßtarifVerhandlungen, die bis zum Jahresende
nicht abgeschlossen werden konnten und deren Ergebnisse dementsprechend auch nicht in die Lohnstatistik für 1962 aufgenommen wurden,
zählen vor allem die für die Hafenarbeiter der Ostküste, die Angestellten der New Yorker Zeitungen und die Eisenbahner.
*
-

12

(Quelle: Eigenbericht)
-

�Einzelhandelsgewerkschaft will Automationsstudie durchführen
Der Exekutivausschuß der amerikanischen Einzelhandelsgewerkschaft
(Retail Clerks International Association) hat nach Abschluß seiner
letzten Tagung in Bai Harbour (Florida) die Arbeitgeber des Einzelhandels aufgefordert, sich an der Durchführung einer umfassenden
Analyse über die Auswirkungen der Automatisierung in diesem bedeutenden Wirtschaftszweig und über die Möglichkeiten zur Sicherung
der Arbeitsplätze dieses Beschäftigtenkreises finanziell (50:50) zu
beteiligen.
Der 1. Vorsitzende der Gewerkschaft, James A. Suffridge, appelierte in diesem Zusammenhang mit großer Eindringlichkeit an "alle Segmente
des Einzelhandels", diese gewerkschaftlichen Bemühungen zu unterstützen,
damit sämtliche Probleme, die die Automation für den Einzelhandel mit
sich bringe, erforscht und geklärt werden könnten. Bisher habe sich die
Automatisierung noch nicht in vollem Umfange im Einzelhandel ausgewirkt, wenngleich man schon gewisse Auswirkungen auf Grund der Einführung zahlreicher technischer Neuerungen während der letzten Jahre
verspürt habe. So seien z.B. zahlreiche kleine Einzelhandelsgeschäfte
inzwischen von der Bildfläche verschwunden, während die Kettenläden,
Diskontläden und selbst die Warenhäuser in jüngster Zeit ihre Rationalisierungsbemühungen beträchtlich verstärkten. Zwar habe sich dieser
Mechanisierungstrend bisher in erster Linie auf die Bereiche der Lagerhaltung und Lagerkontrolle, der Verpackung und einige andere Tätigkeiten erstreckt, aber mit einer ähnlich starken Autoraationswelle wie
in der Fertigungsindustrie sei auch im Einzelhandel in naher Zukunft
zu rechnen.
Dies seien die Gründe gewesen, die die Gewerkschaft veranlaßt
hätten, sich weitaus stärker als bisher um die Sicherung der Arbeitsplätze und Erhaltung der Beschäftigungsmöglichkeiten für ihre Mitglieder zu bemühen.
*
Arbeiter den Angestellten gleichgestellt
Der erste Kollektivvertrag der Vereinigten Automobilarbeitergewerkschaft (UAW),der eine vollkommene tarifpolitisehe Gleichstellung
der Produktionsarbeiter mit den Angestellten zum Inhalt hat, ist kürzlich zwischen dem Ortsverein 55 der UAW und den "Sabo Machine and
Tool Works" in Buffalo abgeschlossen worden.
Wenn auch diese bedeutsame tarifvertragliche Vereinbarung mit
einem verhältnismäßig kleinen Unternehmen abgeschlossen wurde, so dürfte
sie doch für die künftige Lohnpolitik der Automobilarbeitergewerkschaft
von großer Bedeutung sein und auf die Vertragsverhandlungen - zumindest
bei Mittel- und Kleinbetrieben - in Zukunft großen Einfluß haben.
Der neue Dreijahresvertrag, der für die Produktionsarbeiter eine
Abkehr von dem bisherigen Lohnzahlungssystem (Wochenlohn) bringt und
ihnen all jene arbeitsrechtlichen Vergünstigungen einräumt, die bisher
nur den Angestellten vorbehalten waren, sieht für die Arbeiter - je

-

13

-

�je nach Qualifikation und Arbeitsplatz - Jahresgehälter zwischen
5510 und 648O Dollar sowie Gehaltsaufbesserungen während der beiden
nächsten Jahre von jeweils 180 Dollar vor. Außerdem wurde die durchschnittliche Arbeitswoche von bisher 40 a uf 37»5 Stunden (5 Arbeitstage zu je 7 1/2 Stunden) herabgesetzt. Überstunden werden künftig
mit 150 Prozent des Normalsatzes vergütet, Samstags- und Sonntagsarbeit mit 200 und Peiertagsarbeit mit 300 Prozent.
Eine sehr wesentliche Verbesserung stellt auch die Regelung der
Feierschichtenvergütung sowie die Bezahlung von Krankheitsurlaub dar.
Während bei Feierschichten oder vorübergehender Entlassung das Gehalt
dem Arbeitnehmer (1 Monatsgehalt pro Dienstjahr) für eine bestimmte
Zeit weitergezahlt wird, erhält er bei Erkrankung seine Bezüge für
drei Monate und - wenn der Arzt ein längeres Aussetzen für erforderlich hält - noch darüber hinaus. Auch wenn der Arbeitnehmer gezwungen
ist, sich "aus wichtigen persönlichen Gründen" frei zu nehmen, kann
er für die Dauer von drei Monaten künftig sein volles Gehalt weiterbeziehen .
Zu den weiteren Verbesserungen, die die "Local 55" für ihre Mitglieder und sich selbst aushandeln konnte, gehören ein "Union Shop"Abkommen, Abzug der Gewerkschaftsbeiträge vom Gehalt; Gewährung eines
Lebenshaltungskostenausgleichs auf Grund der sogenannten "escalator
clause" (Lohngleitklausel), Bezahlung der Lebens- und Krankenversicherungsprämien durch den Unternehmer, Gewährung von sieben bezahlten
Feiertagen pro Jahr sowie bezahlter Urlaub bis zu vier Wochen (nach
20jähriger Dienstzeit).
(Quelle: Eigenbericht)

Bauarbeiterlöhne nur geringfügjg gestiegen
Die durchschnittlichen Stundenlöhne im amerikanischen Baugewerbe
sind im letzten Quartal 1962 nur um 0,4 Prozent oder 1,4 Cent angestiegen, wie aus der jüngsten - in 100 Städten und in sieben verschiedenen Bauberufen durchgeführten - Lohnanalyse des US-Arbeitsministeriums
hervorgeht.
Nach den vorliegenden Ergebnissen betrug der im Baugewerbe gezahlte durchschnittliche Stundenlohn am Ende des vergangenen Jahres
3,98 Dollar. Die stärksten Lohngewinne verzeichneten im Erhebungszeitraum (Oktober-Dezember) die Elektriker (4&gt;9 Cent), gefolgt von
den Maurern und Klempnern mit 1,8 bzw. 1,6 Cent, während alle anderen
Bauberufe - Maler, Verputzer, Zimmerleute, Bauhilfsarbeiter - Lohnanhebungen von weniger als 1 Cent registrierten.
(Quelle: Eigenbericht)
* * * * *

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�je nach Qualifikation und Arbeitsplatz - Jahresgehälter zwischen
5510 und 648O Dollar sowie Gehaltsaufbesserungen während der beiden
nächsten Jahre von jeweils 180 Dollar vor. Außerdem wurde die durchschnittliche Arbeitswoche von bisher 40 auf 37»5 Stunden (5 Arbeitstage zu je 7 1/2 Stunden) herabgesetzt. Überstunden werden künftig
mit 150 Prozent des Normalsatzes vergütet, Samstags- und Sonntagsarbeit mit 200 und Feiertagsarbeit mit 300 Prozent.
Eine sehr wesentliche Verbesserung stellt auch die Regelung der
Feierschichtenvergütung sowie die Bezahlung von Krankheitsurlaub dar.
Während bei Feierschichten oder vorübergehender Entlassung das Gehalt
dem Arbeitnehmer (1 Monatsgehalt pro Dienstjähr) für eine bestimmte
Zeit weitergezahlt wird, erhält er bei Erkrankung seine Bezüge für
drei Monate und - wenn der Arzt ein längeres Aussetzen für erforderlich hält - noch darüber hinaus. Auch wenn der Arbeitnehmer gezwungen
ist, sich "aus wichtigen persönlichen Gründen" frei zu nehmen, kann
er für die Dauer von drei Monaten künftig sein volles Gehalt weiterbeziehen .
Zu den weiteren Verbesserungen, die die "Local 55" für ihre Mitglieder und sich selbst aushandeln konnte, gehören ein "Union Shop"Abkommen, Abzug der Gewerkschaftsbeiträge vom Gehalt; Gewährung eines
Lebenshaltungskostenausgleichs auf Grund der sogenannten "escalator
clause" (Lohngleitklausel), Bezahlung der Lebens- und Krankenversicherungsprämien durch den Unternehmer, Gewährung von sieben bezahlten
Feiertagen pro Jahr sowie bezahlter Urlaub bis zu vier Wochen (nach
20jähriger Dienstzeit).
(Quelle: Eigenbericht)

Bauarbeiterlöhne nur geringfügig gestiegen
Die durchschnittlichen Stundenlöhne im amerikanischen Baugewerbe
sind im letzten Quartal 1962 nur um 0,4 Prozent oder 1,4 Cent angestiegen, wie aus der jüngsten - in 100 Städten und in sieben verschiedenen Bauberufen durchgeführten - Lohnanalyse des US-Arbeitsministeriums
hervorgeht.
Nach den vorliegenden Ergebnissen betrug der im Baugewerbe gezahlte durchschnittliche Stundenlohn am Ende des vergangenen Jahres
3,98 Dollar. Die stärksten Lohngewinne verzeichneten im Erhebungszeitraum (Oktober-Dezember) die Elektriker (4&gt;9 Cent), gefolgt von
den Maurern und Klempnern mit 1,8 bzw. 1,6 Cent, während alle anderen
Bauberufe - Maler, Verputzer, Zimmerleute, Bauhilfsarbeiter - Lohnanhebungen von weniger als 1 Cent registrierten.
(Quelle: Eigenbericht)
* * * * *

_

14

-

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
USJS-Bonn Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XVI - 5

Bad Godesberg, den 1 . Mai

TW5

INHALTSVERZEICHNIS

Erziehung und Schulung in einem Entwicklungszeitalter (ü)

Seite

1

Aktuelle Arbeitsraarktprobleme

Seite

6

Mehr Frauen im höheren Regierungsdienst

Seite

9

Filmore LaDeaux - ein Arbeitnehmerporträt

Seite 11

Gewerkschaftliche Kurznachrichten

Seite 13

Erziehung und Schulung in einem Entwicklungszeitalter

Zweiter Teil unserer Artikelreihe zu
Fragen der Heranbildung von Arbeitskräften für die Welt von morgen. Im Mittelpunkt der Betrachtungen steht die sich
bereits heute abzeichnende wachsende
Nachfrage nach "Kopfarbeitern" mit besonderen Fachkenntnissen und höherer
Bildung.

M. J. Rathbone, Präsident der Standard Oil Company of New Jersey:
Erfahrungen einer amerikanischen Ölgesellschaft mit ihren
Schulungsprogrammen im Ausland
Die Entwicklungsländer sehen sich, meiner Meinung nach, vier
grundlegenden Erfordernissen gegenüber:
Erstens benötigen sie Kapital, um Industrien aufzubauen, die
Landwirtschaft zu modernisieren und die notwendigen Versorgungseinrichtungen und Verkehrsanlagen zu erstellen.
Zweitens müssen sie ihren Bürgern eine bessere Erziehung und
Schulung angedeihen lassen, damit sie sich den Umweltbedingungen einer
modernen Industriegesellschaft anzupassen lernen.
_ .,
°
*
Drittens

�Drittens brauchen ihre Bürger den psychologischen Arbeitsanreiz,
den leistungsgerechte Gewinne oder Löhne darstellen, wie sie eine freie
Wettbewerbswirtschaft am ehesten zu bieten vermag.
Viertens gilt es, stabile politische Verhältnisse zu schaffen.
Es ist nicht zuletzt auch Aufgabe der Entwicklungsländer selbst,
diese Vorbedingungen für ihren weiteren Aufstieg zu erfüllen. Die
hochindustrialisierten Staaten aber sollten ihnen jede nur mögliche
Hilfestellung hierbei leisten. Das ist das Gebot der Stunde für unsere
demokratischen Institutionen: den Staat, das Erziehungswesen und die
Wirtschaft.
Der Staat hat dafür zu sorgen, daß jeder seiner Bürger eine angemessene Allgemeinbildung erhält. Er ist aber oftmals nicht in der Lage,
Ausbildungsmöglichkeiten gerade in jenen Fächern und Berufen bereitzustellen, die für das Funktionieren eine Industriegesellschaft am wichtigsten sind. Und gerade auf diesem Gebiet kann die private Wirtschaft
einen Beitrag leisten, der allen zugute kommen wird.
Ich darf aus eigener Erfahrung berichten, daß international tätige
Großfirmen wie die Standard Oi1 viel Mühe auf die Schulung und Weiterbildung von Menschen in allen Teilen der Welt verwenden. Es gehört mit
zu den Grundprinzipien sämtlicher unserer im Ausland tätigen Tochtergesellschaften, allen Betriebsangehörigen die Chance zur Erlernung neuer
und höherer Fertigkeiten und zur Mehrung ihres Wissens zu bieten.
Die meisten unserer Mitarbeiter haben früher oder später einmal
an einem oder mehreren allgemeinbildenden Lehrgängen oder an praktischen Schulungskursen im Betrieb teilgenommen. Diese Programme reichen
von Lehrgängen im Schweißen bis zur Unterweisung im Labor, im Raffineriebetrieb und in Verwaltungsfragen.
Wir stützen uns bei diesen Schulungsprogrammen weitgehend auf
amerikanische Fachkräfte, die wir in das betreffende Land entsenden.
Die meisten dieser "Erzieher" - und ich meine Erzieher in des Wortes
wahrster Bedeutung - kehren in ihre Heimat zurück, sobald sie Ersatzkräfte herangebildet haben, die ihre Aufgabe übernehmen können, Wir und
andere Betriebe haben gewissermaßen seit Jahren schon unser eigenes
"Friedenskorps" im Einsatz.
Damit niemand glaubt, irgendein Land sei so weit fortgeschritten,
daß es nicht noch vom Fachwissen anderer lernen kann, möchte ich auf
die vielen Lehr- und Ausbildungsstätten verweisen, die ausländische
Firmen hier in den Vereinigten Staaten zur Weiterbildung ihrer amerikanischen Mitarbeiter eingerichtet haben. Dieses Einfließen von Kenntnissen aus dem Ausland ist nur dazu angetan, uns zu lehren, wie wir
selbst es noch besser machen könnten.
Die Standard Oil unterhält ihrerseits z,wei Ausbildungsstätten
im Ausland, an denen Ingenieure und Fachkräfte für Management-, Buchhaltungs- und Verkaufsaufgaben geschult werden. Die eine befindet sich
in Abington (England), die andere in Cali (Kolumbien). Während der
letzten fünf Jahre haben 2000 Mitarbeiter an den Lehrgängen dieser
Institute teilgenommen.
Derartige
2

�Derartige Schulungsprogramrae sind nach unserer Auffassung von
größter Wichtigkeit, weil sie den Wissensstand unserer Mitarbeiter
h&gt;eben. Und ich bin sicher, daß die Kursteilnehmer mit neuem Wissen
und einem erweiterten geistigen Horizont in ihre Gemeinschaften zurückkehren und mehr als zuvor zur Förderung des Gemeinwohls beitragen
werden.
Die Schulung der Führungskräfte in Managementfragen erfolgt auf
Universitäten. Seit dem Ende des zweiten Weltkrieges wurde über 500
ausländischen Mitarbeitern unserer Firma eine Fortführung und Vervollständigung ihres wirtschaftswissenschaftlichen Studiums an amerikanischen und auch ausländischen Universitäten ermöglicht. Eine unserer Tochtergesellschaften litt so stark unter dem Mangel an Führungskräften, daß wir in Zusammenarbeit und mit Unterstützung der Northwestern University in Chicago ein eigenes Institut in jenem Lande einrichteten und dort nicht nur Betriebsangehörige»sondern auch andere
Interessenten in Fortbildungskursen schulen ließen.
Der Erfolg unserer Schulungsarbeit läßt sich an der Zusammensetzung der Vorstände der 20 wichtigsten unserer Auslandstöchter ablesen. Bei elf dieser Unternehmen hat der Generaldirektor die Staatsangehörigkeit des Gastlandes; und von den insgesamt 116 Direktoren
sind 79» oder fast 60 Prozent, Nicht-Amerikaner. In den Führungspositionen der nächstniedrigeren Stufe ist der Anteil der Ortskräfte
noch weit höher und reicht in manchen Fällen fast an 100 Prozent heran.
Natürlich haben nicht nur die amerikanischen Ölgesellschaften,
sondern auch Unternehmen aus zahlreichen anderen Wirtschaftszweigen
umfassende Auslandsschulungsprogramme eingerichtet. Sie haben wie wir
die Erfahrung machen müssen, daß die Entwicklung der wirtschaftlichen
Hilfsquellen und die Heranbildung von fähigen Arbeitskräften ein langwieriger und mit zahlreichen schweren Problemen verbundener Prozeß ist.
Ein solches Problem ist das "Abspringen" von ausländischen Firmenangehörigen. Es kommt ziemlich häufig vor, daß sich von uns geschulte
Kräfte, nachdem sie es zu etwas gebracht haben, einen neuen Arbeitsplatz bei einer anderen Firma oder im Staatsdienst suchen - sehr zum
Kummer der Betriebsleitungen unserer Tochtergesellschaften. Von höherer
Warte betrachtet, ist der Verlust aber nicht so schlimm, denn alles, was
die Entwicklung der Gesamtwirtschaft des Gastlandes fördert, wirkt
sich indirekt auch für uns wieder günstig aus.
Die Wirtschaft vermag auf internationaler Ebene noch manches zu
tun, um die Hebung des allgemeinen Bildungsniveaus in vielen Gebieten
der Erde zu beschleunigen. Sie kann vor allem die qualitativen Anforderungen in der bereits laufenden Schulungsarbeit in vielen Fällen noch
höher schrauben. So viel die Industrie auch bereits auf dem Gebiet der
Schulung und Bildung weiter Bevölkerungsteile geleistet hat, gibt es
doch auch viele Beispiele eines glatten Versagens ausländischer Gesellschaften vor dieser Aufgabe. Hier sei nur die oftmals unsinnige
Verzögerung bei der Vorbereitung von Ortskräften auf Positionen herausgestellt, für die sie - nach entsprechender Schulung und Einarbeitung durchaus qualifiziert sind. Wir Amerikaner jedenfalls sind der Auffassung, daß wir im Falle einer Entsendung ins Ausland kaum etwas
Nützlicheres tun können, als nach Kräften zur Ausbildung unseres Nachfolgers auf unserem Platz beizutragen.
*

- 3-

�Ernst W. Leonhard:
Bewährte Institutionen zur Schulung landwirtschaftlicher Kräfte in
einem Entwicklungszeitalter
Zwischen dem derzeitigen Entwicklungszeitalter, das für viele
Völker Asiens und Afrikas angebrochen ist oder bald anbrechen wird,
und der Pionierzeit des vergangenen Jahrhunderts in den Vereinigten
Staaten besteht manche eindeutige Parallele. Für die Landwirtschaft
beispielsweise ist die Ausgangsbasis so ziemlich die gleiche. Es fehlt
weder an ertragsfähigem Boden noch an den Menschen, die ihn bestellen
könnten - es fehlen aber gewisse "technische" Voraussetzungen wie Geld,
Maschinen, eine straffe Organisation und, last not least, das notwendige
Fachwissen.
Gerade letzteres Problem hat Amerika beispielgebend zu lösen
verstanden, ernährt doch heute jeder amerikanische Farmer sich und
27 Menschen im In- und Ausland. Er verdankt dies neben seiner Ausrüstung, seinem Fleiß auch seinem Kopf - seinem Fachwissen.
Die Bauern und Handwerker, die vor einem runden Jahrhundert mit
ihren, Familien, dem Zuge nach dem Westen folgend, in das Gebiet der
Great Plains, der Großen Ebenen, in den nördlichen Zentralstaaten kamen und dort neue Farmen und neue Betriebe gründeten, erkannten sehr
rasch, wie wichtig eine gründliche schulische Ausbildung für ihre
Söhne und Töchter gerade am Rande der Wildnis war. Sie verlangten nach
Schulen und Hochschulen, die in erster Linie auf die praktischen Erfordernisse des Lebens zugeschnitten waren. Sie durften nicht viel
kosten und sollten Unterricht und Forschung auf die Notwendigkeit
ausrichten, die landwirtschaftliche Produktion zu steigern, die allgemeinen Lebensbedingungen auf dem Lande zu verbessern und für die aufstrebende Industrie des jungen Landes tüchtigen Nachwuchs heranzubilden.
Der Kongreß hatte Verständnis für diese Wünsche und erließ deshalb im Jahre 1862 das Morrill-Gesetz, das die Errichtung von mindestens einer agrarwissenschaftlich-technischen Hochschule in jedem Bundesstaat verfügte. Die Finanzierung dieser Hochschulen wurde durch die
Übereignung von Bundesland an die Einzelstaaten zum Zwecke des Verkaufs
an meistbietende Interessenten gesichert, weshalb die auf Grund des
Morrill-Gesetzes geschaffenen Institute noch heute die Bezeichnung
Land-Grant College, "Landdotationshochschule", führen. Das System
der Dotations-Colleges umfaßt gegenwärtig 71 Anstalten, die 1962
ein Fünftel der gesamten amerikanischen Studentenschaft auf sich vereinigten, und auf die 40 Prozent sämtlicher in diesem Jahr in den Vereinigten Staaten verliehenen Doktorgrade entfielen.
Jede dieser Anstalten ist auf die Bedürfnisse des Bundesstaates
zugeschnitten, in dem sie liegt. Ein typisches Beispiel ist die naturwissenschaftlich-technische Staatsuniversität von Iowa in Arnes,
die als erste in die Rechte und Pflichten einer Hochschule im Sinne
des Morrill-Gesetzes eintrat. Heute zählt sie 10 000 Studenten; statt
je eines Kurses in "Landwirtschaft" und "Maschinenbau" bietet sie Vorlesungen in 80 Haupt- und Nebenfächern auf den Gebieten der Landwirtschaft, der Technik, der Hauswirtschaft, der Natur- und Geisteswissenschaften und der Veterinärmedizin.
T&gt;„IJ

�Bald zeigte sich, daß die Hochschulen, eine so segensreiche Tätigkeit sie auch entfalteten, allein nicht ausreichten, um genügend
Wissen ins Volk zu tragen. Da es sich als unmöglich erwies, Bauern
und Farmer in genügend großer Zahl in die Hörsäle zu holen, entschlossen sich einige der Colleges, die erarbeiteten neuen agrarwissenschaftlichen Erkenntnisse unmittelbar unter der Landbevölkerung zu verbreiten - unter den Menschen, die sie am ehesten und wirksamsten in die
Praxis umsetzen konnten. Schon 1870 hat beispielsweise der Präsident
der Iowa State University einen Fünftagekurs für Farmer in einer
Kreisstadt abgehalten.
Aus diesen Anfängen entwickelte sich im Lauf der Jahre, zuerst
auf lokaler und später auf einzelstaatlicher Ebene, ein ständiger
Kontakt zwischen Hochschule und Landvolk. Die Ausdehnung dieser Aufklärungsarbeit auf dem Lande auf das gesamte Bundesgebiet brachte die
Schaffung des sogenannten Landwirtschaftlichen Beratungsdienstes, des
Agricultural Extension Service, durch das 1914 erlassene Smith-LeverGesetz. Der Beratungsdienst, der sich vor allem auf die DotationsColleges stützt, wurde dem US-Landwirtschaftsministerium unterstellt
und entsendet heute in jeden Kreis einen oder mehrere Berater, sogenannte "Kreisagenten". Sie organisieren land- und hauswirtschaftliche
Lehrgänge für die Landbevölkerung, unterweisen die Farmer in neuen
Anbaumethoden, klären sie über die landwirtschaftsfordernden Maßnahmen
der Regierung und die Marktaussichten für ihre Erzeugnisse auf. Die
Kreisagenten organisieren auch Großaktionen wie zum Beispiel die Aufforstung kahlgeschlagener Gebiete. Nicht selten bestreiten sie auch
den Landwirtschaftsfunk im Regionalprogramm des Lokalsenders und versorgen die Presse mit wichtigen Informationen aus dem Bereich der
Landwirtschaft.
Die Landwirtschafts-Colleges wiederum tun alle s, um die Arbeit
der rund 6 300 Kreisagenten zu fördern. Sie stellen Lehrkräfte für spezielle Kurse zur Verfügung und betreiben Musterfaraon und Versuchsanstalten in den Hauptanbaugebieten.
Das letzte Glied schließlich in der Kette der landwirtschaftlichen
Schulung sind die Farmjugend-Gruppen, die sogenannten 4 H-Clubs, deren
vier "H" die Anfangsbuchstaben der englischen Worte für Kopf, Herz, Hand
und Gesundheit symbolisieren. In rund 94 000 Ortsvereinen wetteifern
über 2,3 Millionen Jungen und Mädchen miteinander um Bundespreise
in Ackerbau und Viehzucht. So erlernen sie in einer Art sportlichem
Wettkampf in der täglichen Arbeit auf dem Hof und auf den Feldern modernste agrarwissenschaftliche Methoden. Die Aufsicht über die örtlichen
4 H-Clubs obliegt wiederum den Kreisagenten, die mithin ständig in
engstem Kontakt auch mit der Landjugend stehen.
Wie leistungsfähig dieses Erziehungssystem in der Praxis ist, läßt
sich wohl am besten an den hohen Erträgen der amerikanischen Landwirtschaft ablesen. Diese hohe Produktivität ist das Ergebnis der Verwendung
modernster Maschinen im Verein mit der Anwendung der neuesten Erkenntnisse der landwirtschaftlichen Forschung, wie sie von den Universitäten
und den landwirtschaftlichen Versuchsanstalten des Bundes und der Einzelstaaten betrieben wird.
Das

�Das amerikanische Beispiel dürfte gerade für die Entwicklungsländer, die weitgehend noch zu den Hungergebieten der Erde zählen,
sehr ermutigend sein, gilt es doch dort, möglichst rasch eine leistungsstarke Landwirtschaft aufzubauen. Sie erst kann das Brot schaffen, das der Arbeit Lohn auch in jenen Ländern werden soll.

(Quelle: Eigenbericht)

* * * #

Aktuelle Arbeitsmarktprobleme
Gezielte Maßnahmen zur Lösung der Arbeitsmarktprobleme
Eine wesentliche Voraussetzung für ein kontinuierliches und kräftiges wirtschaftliches Wachstum ist ein leistungsfähiges, hochqualifiziertes und voll eingesetztes Arbeitspotential. Ist diese Grundbedingung in einer Volkswirtschaft nicht gegeben, so ist auch eine maximale
Hutzung der anderen wichtigen Hilfsquellen wie Kapital, Rohstoffe, Boden und Industriekapazität nicht möglich.
Die Einbeziehung brachliegender Arbeitsreserven in den wirtschaftlichen Prozeß ist gegenwärtig ein Problem, mit dem sich zahlreiche Länder auseinanderzusetzen haben. Auch die Vereinigten Staaten haben in
dieser Hinsicht gegen zahlreiche spezielle Schwierigkeiten anzukämpfen:
Rund 2 Millionen neue Arbeitsplätze müssen pro Jahr für Schulentlassene
und jene älteren Arbeitnehmer gefunden werden, die ihren Arbeitsplatz
auf Grund technologischer Veränderungen verloren haben; die wirtschaftliche Wachstumsrate muß so stark erhöht werden, daß die sich ständig
vergrößernde Zahl der Arbeitnehmer auch in Zukunft ausreichende Beschäftigungsmöglichkeiten vorfindet.
All diese Arbeitsmarkt- und Wachstumsprobleme werden auch in dem
jetzt veröffentlichten ersten Bericht Präsident Kennedys über die allgemeine Beschäftigungssituation in den USA angesprochen, der mehr als
nur ein statistisches Dokument darstellt. Bekanntlich ist ja die amerikanische Regierung auf Grund des "Manpower Training and Development Act
of 1962" verpflichtet, jährlich einen umfassenden Bericht über die
Arbeitsmarktsituation und die allgemeinen Probleme zu veröffentlichen
und Wege und Möglichkeiten aufzuzeigen, wie und in welcher Form jeder
Arbeitswillige produktiv in die Wirtschaft eingegliedert werden kann.
Die heutigen Arbeitsmarktprobleme, denen sich die USA gegenübersehen, sind in erster Linie die Folge der zahlreichen technologischen
und strukturellen Veränderungen, die sich nun schon seit rund zehn
Jahren in verstärktem Maße in der amerikanischen Wirtschaft vollziehen
und die - bei gleichzeitigem stetigen Anstieg der Gesamtbeschäftigten-

- 6 -

�Gesamtbeschäftigtenziffer - eine nicht unerhebliche Erwerbslosigkeit
brachten. Dies ist hauptsächlich darauf zurückzuführen, daß die Zahl
der jährlich neu geschaffenen Arbeitsplätze seit 1957 nicht im gleichen Verhältnis wie die Arbeitnehmerzahl angestiegen ist. Die in den
vergangenen Jahren erzielten Produktionsgewinne resultierten nämlich
fast ausschließlich aus der höheren Produktivität und nicht aus dem
Einsatz von mehr Arbeitskräften.
Mit ständig steigendem Lebensstandard haben sich außerdem einige
sehr wesentliche Veränderungen in den Verbrauchergewohnheiten ergeben,
die u.a. in der Schwerpunktverlagerung von der Güterproduktion auf die
Dienstleistungszweige sichtbar zum Ausdruck kommen. Die sich in den
letzten Jahren immer schneller ausbreitende Automation hat schließlich zu einer stetigen Anhebung der Arbeitsplatzanforderungen in der
Gesamtwirtschaft geführt - eine Entwicklung, die auch darin ihren
Niederschlag findet, daß die größte Wachstumsrate jene Arbeitsplätze
aufzuweisen haben, die ein Hochschulstudium, Spezialwissen oder eine
besondere Fachausbildung voraussetzen, und daß die größte Arbeitslosigkeit unter den jungen Arbeitnehmern und bei solchen herrscht, die
entweder technisch inzwischen überholte Berufe ausübten, in rückläufigen Industriezweigen tätig gewesen sind oder keine Facharbeiterausbildung aufweisen.
Typisch für die Veränderungen, die inzwischen stattgefunden haben, ist übrigens auch die Tatsache, daß, obwohl die Erwerbslosenrate
gegenwärtig 6,1 Prozent beträgt, doch eine nicht unwesentliche Zahl
offener Arbeitsplätze für Arbeitnehmer mit Spezialausbildung und
höheren Qualifikationen vorhanden ist.
Das derzeitige Arbeitsmarktproblem besteht also in erster Linie
darin, das verfügbare Arbeitspotential den veränderten Gegebenheiten
in Industrie und Wirtschaft anzupassen und gleichzeitig die seit 1957
rückläufige wirtschaftliche Wachstumsrate wesentlich zu erhöhen. Dieses Ziel streben auch die von Präsident Kennedy in seinem Bericht gemachten Vorschläge an, die darauf abgestimmt sind, einmal die gesamtwirtschaftliche Aktivität (durch Senkung der Einkommensteuer) zu erhöhen und zum anderen die "strukturellen" Arbeitslosen im Rahmen von
Umschulungs- und Jugendförderungsprogrammen (Jugend-Aufbaukorps Nationaler Hilfsdienst) auf Zukunftsberufe umzuschulen.
Alle diese Maßnahmen sind als Ergänzung für die bereits angelaufenen Programme gedacht - wie etwa das Entwicklungsprogramm für die
wirtschaftlichen Notstandsgebiete mit hoher Arbeitslosigkeit oder
das vom Bund finanziell unterstützte Umschulungsprogramm für
technologische Arbeitslose, in dessen Rahmen bereits 40 000 Arbeitnehmer umgeschult werden.

(Quelle: Eigenbericht)

i

7 -

�Verbesserte Beschäftigungslage - aber Kernprobleme bleiben bestehen
Mit der Erhöhung der allgemeinen wirtschaftlichen Aktivität in
den vergangenen Wochen hat sich auch die Lage am amerikanischen Arbeitsmarkt wesentlich gebessert. Erfreulich ist dabei, daß die Auftriebsmomente in diesem Jahr stärker sind als sonst jahreszeitlich
üblich.
Dies gilt vor allem für die Beschäftigtenziffer, die zwischen
Februar und März um 790 000 auf 67,148 Millionen anstieg. Aber auch
die Erwerbslosenziffer, die von 4»918 auf 4&gt;501 Millionen zurückging,
entwickelte sich sehr günstig - desgleichen die Erwerbslosenrate, die
von 6,1 auf 5»6 Prozent absank und damit den stärksten Monatsrückgang
seit vier Jahren aufwies.
Aber auch die verschiedenen Trends, die gegenwärtig die Lage am
Arbeitsmarkt bestimmen, sind alles in allem sehr ermutigend. So ist
z.B. den Lageberichten des US-Arbeitsministeriums zu entnehmen, daß in
erster Linie Erwachsene in neue Arbeitsplätze vermittelt wurden, und
zwar hauptsächlich solche, die eine ganztägige Beschäftigung suchten;
daß die durchschnittliche Länge der Arbeitswoche weiter zugenommen hat
und die Zahl der Anträge auf Erwerbslosenunterstützung weiter rückläufig war.
Trotz dieser günstigen Entwicklung bleibt die Lage am Arbeitsmarkt
jedoch insofern weiterhin unbefriedigend, als eine Erwerbslosenrate
von 5»6 Prozent immer noch erheblich über dem Hundertsatz (4 Prozent)
liegt, den die Regierung Kennedy als wünschenswert und volkswirtschaftlich tragbar erachtet. Ob diese Rate allein mit konjunkturpolitischen Mitteln erreicht werden kann, ist sehr zweifelhaft, da der
Problemkern der Arbeitslosigkeit in den USA tiefer liegt.
Im Zuge der großen technischen Umwälzungen, die sich in den vergangenen Jahren in der amerikanischen Wirtschaft vollzogen haben, hat
sich nämlich nicht nur der Arbeitsmarkt, sondern auch die industrielle
Beschäftigungsstruktur ganz erheblich verändert. Während einerseits
die Nachfrage nach ungelernten Arbeitern stark zurückgegangen ist, hat
sich andererseits der Bedarf an höher qualifizierten Arbeitskräften
sprunghaft erhöht. Um das vorhandene Arbeitspotential voll in den Wirtschaftsprozeß eingliedern zu können, sind daher außer den wirtschaftspolitischen noch eine Reihe gezielter Maßnahmen auf dem Gehiet der
Erziehung, Ausbildung und Umschulung erforderlich.
Wie brennend dieses Problem der Anpassung des Arbeitspotentials
an die neuen Gegebenheiten inzwischen geworden ist, zeigt eine sehr
aufschlußreiche Analyse der "Chase Manhattan Bank" in New York über
die gegenwärtige Struktur der Erwerbslosigkeit in den Vereinigten
Staaten. Danach besteht die größte Arbeitslosigkeit heute in der Gruppe
der ungelernten nichtlandwirtschaftlichen Arbeitskräfte, während die
akademischen und technischen Fachberufe den geringsten Grad der Erwerbslosigkeit aufweisen.
Bei

8

-

�Bei einer Aufschlüsselung der derzeitigen Arbeitslosen nach
dem Lebensalter zeigt sich ferner, daß gerade die jüngeren Jahrgänge - und hier wieder insbesondere die Gruppe der noch nicht 20jährigen - am stärksten von der Erwerbslosigkeit betroffen sind und
daß der geringste Prozentsatz der Arbeitslosigkeit bei solchen
männlichen und weiblichen Arbeitnehmern zu verzeichnen ist, die in
der Blüte ihres Erwerbslebens stehen - also den 30-50jährigen.
Bezeichnend für den allgemeinen Beschäftigungstrend in den USA sind
auch die Feststellungen in der Analyse der Chase Manhattan Bank
über das Verhältnis zwischen Bildungsniveau und Arbeitslosigkeit.
Hier zeigt sich nämlich, daß der Anteil der Erwerbslosen mit Oberschul- und teilweiser College-Ausbildung an der Gesamtarbeitslosenzahl zwischen 1950 und 196O von 2,3 a u f 1»4 Prozent zurückgegangen
ist, während andererseits der Anteil bei den Volksschülern, die weniger als 12 Schuljahre aufzuweisen haben, beträchtlich zugenommen
hat.
Schon diese kurzen Beispiele dürften gezeigt haben, daß das Arbeitslosenproblem in den USA zu einem großen Teil auch ein Erziehungsund Ausbildungsproblem ist, das in den kommenden Jahren noch dadurch
kompliziert wird, daß die Zahl der Schulentlassenen sprunghaft ansteigt .
Die amerikanische Regierung hat dieses Problem schon seit langem
erkannt und sich in den vergangenen zwei Jahren intensiv darum bemüht,
durch Verabschiedung zahlreicher Maßnahmen und Programme (größere Bundesmittel für das Erziehungswesen, Ausbildung von Arbeitskräften und
Umschulung auf zukunftssichere Berufe, Bundesmittel für die wirtschaftlichen Notstandsgebiete, Förderungsprogramme für die Jugend) dieser
Entwicklung Rechnung zu tragen.

(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

Mehr Frauen im höheren Regierungsdienst
Zu den bemerkenswertesten Entwicklungen auf dem amerikanischen
Arbeitsmarkt während der Nachkriegs jähre gehört zweifellos das starke
Vordringen der weiblichen Arbeitskräfte. Rund 1/3 des derzeitigen
Arbeitspotentials der USA - das sind rund 24 Millionen - sind Frauen.
Im Vergleich zu 1939 ist damit eine Zunahme um etwa das Doppelte eingetreten.
Aber nicht nur die Zahl der werktätigen Frauen hat sich in diesem
Zeitraum erhöht, auch das allgemeine Beschäftigungsniveau dieses Arbeitnehmerkreises ist in all den Jahren ständig angestiegen. Dies liegt
einerseits daran, daß die Frauen in immer neue Berufe eingedrungen
sind, zum anderen an dem allgemein höheren Bildungsgrad.
Die

�Die Folge dieser Entwicklung ist, daß Frauen heute in zunehmendem Maße auch in jenen Berufsgruppen und Positionen anzutreffen sind,
die früher fast ausschließlich den Männern vorbehalten waren. Dies
gilt sowohl für die Privatwirtschaft als auch für den öffentlichen
Dienst.
über die Entwicklung der Frauenarbeit im amerikanischen Regierungsdienst gibt eine von der Abteilung für Frauenfragen des US-Arbeitsministeriums jetzt herausgegebene Broschüre sehr interessante
Aufschlüsse, die den Titel "Frauen im Regierungsdienst 1939-1959"
(Women in the Federal Service, 1939-1959) trägt. Danach hat sich
der Anteil der Frauen an jenen höheren Positionen, die ein Fachstudium oder eine akademische Ausbildung erfordern, zwischen 1939 und
1959 von acht auf 18 Prozent erhöht. Mit 34 758 weiblichen Angestellten in diesen Kategorien hat sich die Gesamtzahl seit 1939 um das
5 l/2fache erhöht.
Natürlich besteht die überwiegende Mehrheit der weiblichen Arbeitnehmer im Regierungsdienst auch heute noch aus Büroangestellten
und Schreibkräften. Ihr Anteil an der Gesamtzahl (576 000) der weiblichen Angestellten belief sich 1959 immer noch auf 78 Prozent. Dennoch
hat sich der Anteil der Akademikerinnen prozentual weitaus stärker
erhöht, was zum größten Teil darauf zurückzuführen ist, daß sie, wie
in dem Bericht betont wird, "Hervorragendes in ihren Tätigkeitsbereichen leisten" .
Zwar habe in den vergangenen Jahren auch die Zahl der weiblichen
Akademikerinnen im öffentlichen Dienst mit einem Rechts-, Medizin- oder
Ingenieurstudium weiter zugenommen, aber die größten Anstiege seien
doch in Berufen festzustellen gewesen, die für die weiblichen Arbeitnehmer bessere Aufstiegsmöglichkeiten böten. So sei z.B. die Zahl
der Mathematikerinnen und Statistikerinnen allein in den vergangenen
20 Jahren um das Zwölffache angestiegen.
Auch in den volkswirtschaftlichen, sozial- und naturwissenschaftlichen Tätigkeitsbereichen ist dem Bericht zufolge die Zahl der weiblichen Arbeitnehmer seit 1939 ständig angewachsen. In der Gruppe der
Chemiker wurden z.B. 1959 14 Prozent sämtlicher Arbeitsplätze von
Frauen besetzt, während vor 20 Jahren der Anteil lediglich drei Prozent betrug.
Die Gesamtzunahme der Zahl weiblicher Arbeitnehmer im Regierungsdienst ist, wie in der Broschüre betont wird, in erster Linie durch
die Ausweitung der Tätigkeitsbereiche der Regierung auf den Gebieten
der Wirtschaft und der Verteidigung bedingt gewesen. Rund die Hälfte
der 576 000 weiblichen Arbeitnehmer wurde Ende 1959 allein von militärischen Dienststellen beschäftigt,^während ein weiteres Viertel
im US-Amt für Kriegsteilnehmerversorgung, im US-Postministerium und
im Ministerium für Gesundheits-, Erziehungs- und Sozialfragen tätig war.

(Quelle: Eigenbericht)

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10 -

�Filmore LaDeaux - ein Arbeitnehmerporträt
Filmore LaDeaux ist Prüftechniker bei den Zenith-Radio- und
Fernaehwerken in Chicago - ein Nachkomme des berühmten Sioux-Häuptlings "Rote Wolke" und Angehöriger des Stamms der Oglala. Der Name
LaDeaux leitet sich von dem einzigen Weißen in der Reihe seiner
Vorfahren her, einem Franzosen.
Die indianische Kolonie in Chicago schätzt ihn als eines ihrer
aktivsten Mitglieder. Ob es sich darum handelt, einer mittellos in
Chicago zugewanderten Rothaut zu helfen oder die Jugend die alten
indianischen Tänze zu lehren: Filmore ist immer zur Stelle. Trotz
solcher Anerkennung fühlt er sich als einfacher Arbeiter: "Ich bin ein
Mensch mit geringen Ansprüchen und Freude an simplen Vergnügungen",
sagt er von sich selbst.
Geboren wurde Filmore LaDeaux vor etwas mehr als 40 Jahren eineinhalbtausend Kilometer von Chicago entfernt am Rande der Black Hills
in dem Dorf La Creek im Staate South Dakota. Er ist ziemlich weit
herumgekommen - als Soldat im zweiten Weltkrieg sogar bis nach Europa.
Zum Radio- und Fernsehtechniker wurde er nach seiner Entlassung aus
dem Wehrdienst an der rundfunktechnischen Fachschule in Detroit im Staate
Michigan ausgebildet.
In Detroit lernte Filmore auch seine spätere Frau Katherine kennen,
eine Weiße englisch-irischer Abstammung. Sie hat ihm im Lauf der Jahre
fünf Kinder geboren. 1957 siedelten die LaDeaux nach Chicago über, wo
die Zenith Radio Corporation Filmore einen guten "Job" anbot: die Qualitätsprüfung der vom Band rollenden Fernsehgeräte. Normal arbeitet die
Belegschaft 8 Stunden am Tag, 40 in der Woche . In Zeiten langsameren
Geschäftsganges kommt es auch mal zu einer Herabsetzung der Arbeitszeit; bei Hochkonjunktur heißt es dafür Überstunden machen, so daß
aus den 40 oft 50 Stunden werden, wobei die Überstunden natürlich mit
150 Prozent des normalen Stundenlohns abgegolten werden.
Die Gewerkschaft der Hochfrequenztechniker - die Radionic Workers
of America -, der LaDeaux und seine Arbeitskollegen angehören, hat für
ihre Mitglieder mit Zenith ein Tarifabkommen getroffen, das den Beschäftigten eine Reihe von Lohnneben- und Sozialleistungen sichert.
Die Firma trägt die Kosten für eine zusätzliche Krankenkosten- und
Rentenversicherung und gewährt einen beträchtlichen Zuschuß zu den
Beiträgen zu einer Lebensversicherung. Ein Teil des Firmengewinns
wird jährlich an einen Treuhandfonds abgeführt, aus dem - als eine Art
Gewinnbeteiligung - den Mitarbeitern der Zenith eine Zusatzrente zur
Altersrente aus der staatlichen Sozialversicherung gezahlt wird. Scheidet ein Werksangehöriger vorzeitig aus dem Arbeitsverhältnis aus, so
erhält er seinen angesammelten Anteil ausgezahlt; im Todesfalle fällt
er den Erben zu.
Filmore LaDeaux wohnt mit den Seinen in einem der älteren Stadtviertel Chicagos. Die Straßen sind nicht sehr weiträumig angelegt, aber
sauber und ruhig. Mrs. LaDeaux macht fast die ganze Hausarbeit selbst.
Ein Waschautomat und andere Elektrogeräte erleichtern ihr diese Aufgabe
etwas, und auch die "großen" Kinder helfen schon tüchtig mit. Eine

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�Eine geräumige Kühltruhe gestattet es ihr, Fleisch und Gemüse auf
Vorrat einzukaufen. Filmore repariert in seiner Freizeit auch noch so
manchen Fernsehapparat "auf eigene Rechnung" und hilft damit dem Familienbudget etwas auf.
Die ganze Liebe der Familie gilt der Pflege des indianischen
Brauchtums; die Gelegenheit hierzu bietet das "Indianerzentrum" der
Stadt, das American Indian Center. Das Institut ist von morgens bis
abends geöffnet und veranstaltet laufend Ausstellungen indianischer
Kunst und kunsthandwerklicher Erzeugnisse. Hier erwachen auch die
alten indianischen Tänze zu neuem Leben, auf die sich Filmore noch
sehr gut versteht. Er hat sie inzwischen längst auch seinen Kindern
beigebracht und sie auch die Sprache der Sioux gelehrt.
Filmore spricht nicht viel. Dabei ist er ein rechter Philosoph
und Lebenskünstler: "Wir haben unser Auskommen. Ich muß schwer arbeiten und verdiene: nicht gerade sehr viel; mir macht aber das Leben,
das ich mir aufbauen konnte, sehr viel Spaß."
Natürlich träumen auch die LaDeaux so manchen Traum. Der wichtigste aber dürfte, seiner Bescheidenheit wegen, wohl schon bald in
Erfüllung gehen: ein kleines Häuschen in South Dakota, aus Baumstämmen
selbst gefügt. Dann wünscht sich Filmore noch einen alten Lastwagen
oder Bus, um ihn als Radio- und Fernsehwerkstatt auszurüsten und damit,
Nomade, der er ist, von Dorf zu Dorf zu ziehen. Mit 65 Jahren wird dann
noch die Altersrente aus der Sozialversicherung und eventuell eine
Zusatzrente aus der Betriebsversicherung dazukommen - die LaDeaux haben wirklich wenig Grund, sich um ihre persönliche Zukunft Sorge zu
machen. Ist es erst einmal so weit, will Filmore auch nicht mehr über
die Dörfer fahren und Radios reparieren, sondern an einem See oder
Fluß in der Nähe seines Häuschens fischen gehen.
Besonderes Vergnügen werden ihm sicher in seinen alten Tagen die
Powwows bereiten, die Stammeszusammenkünfte der Indianer, auf denen
in langem Palaver Wichtiges - und Unwichtiges - erörtert und Kriegstänze aufgeführt werden. Dann wird Filmore Zeit genug haben, um von
Anfang bis Ende dabeizusein. Doch heute schon steht in LaDeaux Garage
ein großer Kombi, der ihn und seine Familie gelegentlich zu derartigen
Veranstaltungen bringt. Und Mrs. LaDeaux, die Weiße, hat inzwischen im
Schneidern der Kostüme für solche Powwows die Handfertigkeit einer Indianersquaw erworben.

(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

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�Gewerkschaftliche Kurznachrichten
Strittige Arbeitsfragen bei den Eisenbahnen beigelegt
Die letzten fünf Punkte, die bisher bei der Auseinandersetzung
zwischen der Gewerkschaft der Eisenbahnangestellten("Brotherhood of
Railway Clerks") und der "Southern Pacific" über Arbeitsfragen nicht
in Verhandlungen zwischen den beiden Sozialpartnern geklärt werden
konnten, sind jetzt von einem dreiköpfigen Schiedsausschuß entschieden worden.
Der unter dem Vorsitz des bekannten Professors für Arbeitsfragen
der Stanford-Universität J. Keith Mann stehende und mit je einem Vertreter der beiden Sozialpartner als Beisitzer tagende Ausschuß hat dabei folgende verbindliche Empfehlungen bekanntgegeben:
Die Eisenbahngesellschaft wird zusammen mit der Gewerkschaft ein
Umschulungs- und Ausbildungsprogramm für alle jene Arbeitnehmer durchführen, die ihren Arbeitsplatz auf Grund der Einführung neuer, arbeitsparender Maschinen verloren haben, damit diese, entsprechend ihren
Fähigkeiten und ihrem Dienstalter, an neue Arbeitsplätze im Unternehmen
selbst umgesetzt werden können. Während der Umschulungszeit werden sie
als Beihilfe pro Tag 19 Dollar erhalten.
Entlassungen, die auf Grund wirtschaftlicher Einflüsse vorgenommen
werden müssen, sind dann wieder rückgängig zu machen, wenn sich die wir
schaftliche Lage bessert. Die Arbeitsplätze müssen dann im gleichen Ver
hältnis, in dem Einschränkungen vorgenommen wurden, wieder eingerichtet
werden .
Arbeitnehmer, die nur vorübergehend entlassen werden, können erst
nach einer Wartezeit von sechs Monaten die Unterstützungsleistungen vom
Unternehmen erhalten, die dieses an jene Arbeitnehmer zahlt, welche
ihren Arbeitsplatz ganz verloren haben.
Schließlich wird die Eisenbahngesellschaft die über eine Stunde
hinaus gehende Zeit als normale Arbeitszeit vergüten, die der Arbeitnehmer braucht, um von seiner Wohnung an seinen Arbeitsplatz zu gelangen. Ebenso werden in Zukunft alle Arbeitnehmer, die ihren Arbeitsplatz nicht an ihrem Wohnort haben, pro Tag 7»50 Dollar Trennungsentschädigung erhalten.
(Quelle: Eigenbericht)

Gesamtguthaben der privaten Wohlfahrts- und Pensionsfonds
52 Mrd. Dollar
Der Vermögensstand der insgesamt 120 510 melde- und offenlegungspflichtigen privaten amerikanischen Wohlfahrts- und Pensionsfonds belief sich Ende 196O auf insgesamt 33,4 Mrd. Dollar, wie aus einer
Untersuchung des US-Arbeitsministeriums hervorgeht.

Zu

�Zu dieser Summe kommen noch Guthaben in Höhe von 18,8 Mrd.
Dollar, die von den Versicherungen als Deckungsreserve für die Gewährleistung der Pensions- und Altersversorgungsleistungen von rückversicherten Plänen gehalten werden.
Die Gesamtsumme von 52,2 Mrd. Dollar stellt eine Zunahme der Gesamtguthaben gegenüber 1959 um 4»5 Mrd. Dollar dar.
Wie aus dem Bericht des US-Arbeitsministeriums weiter zu entnehmen
ist, verfügten Ende 1960 1050 Wohlfahrts- und Pensionspläne über
Guthaben von 5 Millionen Dollar und mehr; davon waren 98O Pensionsund 70 Wohlfahrtspläne. Rund 100 Pläne - 90 Pensions- und 10 Wohlfahrtspläne - wiesen jeweils ein Guthaben von über 50 Millionen Dollar
auf.

(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

-

14 -

�internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
l SIS Bonn Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XVI - 6

Bad Godesberg, den 1. Juni 1963
INHALTSVERZEICHNIS

Der Erfolgsbeteiligungsplan der Kaiser-Stahlwerke

Seite

1

Maschinistengewerkschaft feiert 75jähriges Bestehen

Seite

12

Gewerkschaftliche Kurznachrichten

Seite

13

Der Erfolftsbeteiligungsplan der Kaiser-Stahlwerke

Im folgenden bringen wir die wichtigsten Bestimmungen des zwischen der Stahlarbeitergewerkschaft (United Steelworkers of America - USY/)
und der Kaiser Steel Corporation vereinbarten
Erfolgsbeteiligungsplans, der am 1. März 1963
in Kraft trat. Der Plan, das Ergebnis dreijähriger Beratungen, wurde von einem aus je drei Vertretern der Gewerkschaft und des Unternehmens
sowie drei neutralen Fachleuten (zwei Universitätsprofessoren und ein Schiedsmann für Arbeitsstreitigkeiten) bestehenden Ausschuß ausgearbeitet .
Die für die Berechnung des Erfolgsanteils unwesentlichen Abschnitte werden in der vorliegenden Übersetzung nur zusammenfassend referiert.

Abschnitt I und II
Die beiden ersten Abschnitte enthalten lediglich Eingangsbestimmungen.
Abschnitt III - Geltungsbereich
Der Plan gilt für sämtliche Beschäftigten des Werks Fontana (Kalifornien) der Kaiser Steel Corporation, die von der Amerikanischen Stahlarbeitergewerkschaft (United Steelworkers of America) vertreten werden.
Er tritt am 1. März 1963 in Kraft.
Abschnitt IV

�Abschnitt IV - Sicherung des Arbeitsplatzes
Um durch gemeinsame Anstrengungen und so rasch, wie entsprechende Verbesserungen nur gemacht werden können, die höchstmögliche Produktivitätssteigerung zu erzielen, ist es notwendig, nicht nur dafür
Sorge zu tragen, daß die Ergebnisse derartiger Produktivitätssteigerungen der Gesellschaft und ihren Beschäftigten gleichermaßen zugute
kommen, sondern auch den Beschäftigten einen ausreichenden Schutz ge^
gen den Verlust des Arbeitsplatzes oder Einkommenseinbußen zu bieten,
die derartige Maßnahmen andernfalls nach sich ziehen könnten. Um diesen Zweck zu erreichen und die größtmögliche Produktivitätssteigerung
herbeizuführen, sind die folgenden Maßnahmen zu ergreifen. Keine der
nachstehenden Bestimmungen ist jedoch dahin gehend auszulegen, daß sie
die Gesellschaft zu Neueinstellungen zwingt.
A. Beschäftigungsgarantie 1. Zweck dieser Bestimmung ist es, den
Beschäftigten vom Tag des Inkrafttretens dieses Plans an einen ausreichenden Schutz gegen den Verlust der Beschäftigungsmöglichkeit auf Grund
technischer Veränderungen, neuer oder verbesserter Arbeitsmethoden oder
irgendwelcher anderer Veränderungen im Betrieb zu bieten, die nicht auf
eine Verringerung des Arbeitsstundenanfalls auf Grund eines Rückgangs
der Fertigung von Stahlendprodukten oder eine Änderung des Produktionsprogramms oder der Produktionserfordernisse zurückzuführen sind. Dieser
Schutz ist durch die Schaffung einer auf das gesarate Werk auszudehnenden Arbeitsreserve zu gewährleisten...
Zusammenfassung der restlichen Bestimmungen des Abschnitts IV:
Anspruch auf Beschäftigung in der Arbeitsreserve im Falle einer
andernfalls notwendig werdenden Ausstellung besteht frühestens
nach 26wöchiger Betriebszugehörigkeit. Ist der Höchststand der
Arbeitsreserve (siehe weiter unten) erreicht, ist eine Ausstellung zulässig; sie ist jedoch rückgängig zu machen, sobald die
Zahl der Angehörigen der Arbeitsreserve den Höchststand unterschreitet. Jeder Angehörige der Arbeitsreserve ist verpflichtet,
einen ihm von der Gesellschaft angebotenen ständigen,höher dotierten Arbeitsplatz anzunehmen; bei Weigerung verliert er das
Anrecht auf Beschäftigung in der Arbeitsreserve. Der Einsatz der
Arbeitsreserve im Betrieb obliegt der Werksleitung, darf jedoch
. nicht dazu führen, daß andere Beschäftigte von ihrem festen Arbeitsplatz verdrängt oder auf Kurzarbeit gesetzt werden. Die Weigerung, zur Arbeitsreserve überzutreten, bewirkt keinen Verlust
der Ansprüche an die betriebliche Arbeitslosenversicherung.
Im ersten Monat nach dem Inkrafttreten des Plans beziffert sich
die Höchststärke der Arbeitsreserve auf die Zahl der Beschäftigten, die Anspruch auf Beschäftigung haben, die die Gesellschaft
aber zu dem Zeitpunkt nicht an ihrem bisherigen Arbeitsplatz weiterbeschäftigen kann. Von da an ist die Höchststärke gleich der
Zahl der Anspruchsberechtigten, für die keine Beschäftigungsmöglichkeit besteht, oder gleich dem Unterschied zwischen der Standardarbeitszeit im vorletzten Monat und der tatsächlich geleisteten Arbeitszeit (außer Arbeitsreserve) dividiert durch 173
oder durch die monatliche Durchschnittsarbeitszeit, sofern die
entsprechende Zahl niedriger ist. Innerhalb der Arbeitsreserve
sind zwei Gruppen zu unterscheiden, die Gruppe der Produktionsund Wartungsarbeiter-und die der Büro- und technischen Angestellten.
Beschäftigte
- 2 -

�Beschäftigte, deren fällige Beförderung auf Grund technischer Änderungen ausgesetzt oder deren Arbeitsplatz aus diesen Gründen
zurückgestuft wird, haben Anspruch auf eine Ausgleichszahlung in
Höhe des Unterschieds zwischen dem an sich zu beanspruchenden und
dem tatsächlich- gezahlten Lohn. Der Anspruch auf Ausgleichszahlung erlischt nach 52 Wochen oder nach Zuweisung eines ständigen,
gleich hoch oder höher dotierten Arbeitsplatzes; er erlischt ferner, wenn sich der Beschäftigte weigert, einen solchen Arbeitsplatz anzunehmen. Bei Kurzarbeit auf Grund technischer Veränderungen hat jeder Beschäftigte Anspruch auf einen Kurzarbeitszuschlag in Höhe seines Durchschnittsstundenlohns multipliziert mit
der Zahl der Stunden, die ihm an 40 Stunden fehlen und für die er
keine andere Bezahlung erhalten hat.
Die genannten Ausgleichszahlungen und die Kurzarbeitszuschläge
sind von dem gemäß Abschnitt V, B zu ermittelnden Gesamtdollarmehrertrag abzusetzen.
Abschnitt V - Erfolgsbeteiligung
A. Normen. 1. Sämtliche Verbesserungen hinsichtlich Arbeitsleistung, Materialnutzung und Ertragsfähigkeit sowie die Ergebnisse technischer Veränderungen sind auf der Basis der laufenden Geschäftstätigkeit im Kalenderjahr 1961 zu bemessen. Die Normen für die Produktionskosten und deren Verbesserung sind in anteilmäßigen Produktionskosten
pro hergestellte Tonne Eisen und Stahl auszudrücken. Andere als StahlAbfallprodukte sind ebenfalls der Produktion zuzurechnen. Bei neuen
Produkten, die bisher von der Gesellschaft nicht hergestellt worden
sind, werden die Vertragspartner neue Normen festsetzen.
2. Die Normen (die Verglaichsziffern für das Jahr 1961) sind in
einer gesonderten Anlage aufgeführt. Die Normen wurden für jedes Produkt der einzelnen Abteilungen festgesetzt, um Änderungen in den Produktionsprogrammen und in der Kapazitätsausschöpfung hinreichend Rechnung tragen zu können. Die Normen setzen sich aus einem Basiswert, der
Arbeitsnorm, und einer V/erkstoffe-, Hilfsstoffe-und Vorratsnorm (Materialnorm) zusammen, die auf den im Laufe des Jahres 1961 verzeichneten
unterschiedlichen Graden der Geschäftstätigkeit basieren; die Normen
werden jeweils in Dollar ausgedrückt. Die Normen sind so zu bemessen,
daß die Erfolgsbeteiligungsplan-Normkosten bei Anwendung als Ganzes
auf das Kalenderjahr 1961 den laufenden Kosten des Jahres 1961 entsprechen, wobei jedoch von der Annahme auszugehen ist, daß die im Januar 1963 gültigen Stundenlohn- und Lohnsteuersätze sowie sämtliche
Lohnneben- und Sozialleistungen bereits das ganze Jahr 1961 hindurch
bestanden haben.
3« Die Materialkostennormen nach Abschnitt V, A sind um die prozentuale Erhöhung oder Senkung der vom US-Bundesamt für Arbeitsstatistik veröffentlichten Großhandelspreisindex-Ziffern für Stahlhüttenerzeugnisse auf den letzten Monatsstand zu erhöhen oder zu senken, der
am 10. des Monats verfügbar ist, der auf den Monat folgt, für den die
Berechnung der erzielten Ertragssteigerung erfolgen soll, wobei der
Jahresstand 1961 mit dem letzten vor dem Monat des Inkrafttretens des
Erfolgsbeteiligungsplans verfügbaren Monatsstand zu vergleichen und
der niedrigere von beiden zugrunde zu legen ist.
4. Die

- 3 -

�4« Die Arbeitskostennormen nach Abschnitt V, A sind um die prozentuale Erhöhung oder Senkung des vom US-Bundesamt für Arbeitsstatistik veröffentlichten Einzelhandelspreisindex auf den letzten Monatsstand zu erhöhen oder zu senken, der am 10. des Monats verfügbar ist,
der auf den Monat folgt, für den die Berechnung der erzielten Ertragssteigerung erfolgen soll, wobei der Jahresstand 1961 mit dem letzten
vor dem Monat des Inkrafttretens des Erfolgsbeteiligungsplans verfügbaren Monatsstand zu vergleichen und der niedrigere von beiden zugrunde zu legen ist.
5» Die im jeweiligen Monat anfallenden laufenden Kosten für innerhalb der Kaiser Steel Corporation produzierte Rohstoffe sind in der
V/eise zu berechnen, daß als Pr.is für diese Stoffe der Preis eingesetzt
wird, der bei der Festsetzung der Norm benutzt wurde, wobei bei Ljualitätsänderungen entsprechende Preiskorrekturen vorzunehmen sind. Änderungen des Großhandelspreisindex für Stahlhüttenerzeugnisse bewirken
keine Auf- oder Abschläge bei diesen Produkten. Die Kosten für andere
verbrauchte Materialien, über die Bestandslisten geführt werden, sind
auf der gleichen Basis zu berechnen, die bei der Pestsetzung der Normen benutzt wird.
B. Berechnung von Ertragssteigerungen. 1. Die anteilmäßigen Monatserträge werden, ausgehend vom jeweiligen Arbeitsaufwand und dem
Verbrauch an Werkstoffen, Hilfsstoffen und Vorräten pro erzeugte Tonne
Stahl, aber unter Ausschluß der Aufwendungen für Anlageverbesserungen
durch Vergleich mit den gemäß der vorstehenden Regelung ermittelten
und modifizierten Normen - in Dollar ausgedrückt - berechnet, indem
a) die Differenz zur Materialkostennorm pro Tonne erzeugten Stahls
ermittelt, mit der Zahl der im jeweiligen Monat erzeugten Tonnen Stahl
multipliziert und hierzu
b) die Differenz zur Arbeitskostonnorm pro Tonne erzeugten Stahls,
multipliziert mit der Zahl der i : j^weili ;en Monat erzeugten Tonnen
Stahl, addiert wird. Als Arbeitskosten gelten die in dem jeweiligen Monat angefallenen laufenden Arbeitskosten ausschließlich der Anteile,
die auf nach Januar 1963 in Kraft getretene Lohnsteuererhöhungen, Lohnerhöhungen oder Verbesserungen der Sozialleistungen entfallen.
2. Die Gesamtdollarerträge werden dann um die Investitionen in bestehende Anlagen verringert, die zum Zwecke der Senkung der Herstellungskosten getätigt worden sind, wie zum Beispiel die Sauerstoffbeschickung
eines vorhandenen Siemens-Martin-Ofens. Investitionen dagegen, die zum
Zwecke der Einführung eines neuen Verfahrens oder wegen der Aufstellung
neuer Maschinen als Mittel zur Kapazitätsausweitung, zur Errichtung einer neuen Betriebsabteilung oder Auswertung eines neuen Verfahrens - zum
Beispiel die Aufstellung eines neuen Sauerstoffofens - getätigt werden,
sind nicht von den Gesamtdollarerträgen abzusetzen. Die Aufrechnung von
Kapitalgüterinvestitionen der ersteren Art ist auf jene Monate beschränkt,
in denen Kostensenkungen bei dem Prozeß erzielt worden sind, um dessentwillen sie getätigt wurden, und mit dem niedrigeren der nachstehenden
Beträge in Ansatz zu bringen: ein Drittel der tatsächlichen Kostensenkung, um derentwillen die Investitionen getätigt wurden, oder ein Sechzigstel der investierten Summe, Derartige Abschläge sind nur so lange
zulässig, bis sie insgesamt die Höhe der fraglichen Kapitalgüterinvestition erreichen.
3» Bei

- 4-

�3« Bei der Ermittlung der Gesamtdollarerträge der einzelnen Monate
sind Aufwendungen für einzelne Reparatur- und Wartungsmaßnahmen in
Höhe von 300 000 Dollar und darüber auf einen Zeitraum von 12 Monaten
umzulegen.
4. a) Abschlagszahlungen seitens der Gesellschaft, durch die
bestimmte Arbeitsanreize und Sonderzuschläge im Sinne von Abschnitt
VI abgelöst werden, sind monatlich als laufende Arbeitskosten zu
verrechnen, wobei von der in der betreffenden Betriebsgruppe im jeweiligen Monat bezahlten Zahl der Stunden, dem Prozentsatz' für das
Jahr 1961 und den im'Dezember 1961 in Kraft befindlichen Stundenlöhnen auszugehen ist. Für Betriebsgruppen, die nach 1961 in einen
Lohnanreizplan oder in eine Sonderzuschlagsregelung einbezogen worden
sind, ist bei der Berechnung von dem Prozentsatz auszugehen, der bei
der Festsetzung der Abschlagszahlung gemäß Abschnitt VI zugrunde gelegt wird.
b) Derartige Aufschläge auf die laufenden Arbeitskosten werden beginnend mit dem ersten vollen Monat nach dem Monat, in dem eine
solche Abschlagszahlung geleistet worden ist, verrechnet, und zwar
so lange, bis sie insgesamt die Höhe der fraglichen Ablösungssumme
erreichen.
c) Von diesem Zeitpunkt an werden die entsprechenden Beträge
gemäß den vorstehenden Bestimmungen berechnet, als laufende Arbeitskosten gewertet und jeden Monat dem Bruttoanteil der Beschäftigten
zugeschlagen. Diese Aufstockung wird für die Betriebsgruppen für die
Zeiten ausgesetzt, in denen sie ihre Leistungen schuldhaft auf einem
Stand halten, der merklich unter dem des Bemessungszeitraumes liegt.
5. Die Berechnungen sind monatlich durchzuführen und unterliegen
einer jährlichen Überprüfung Die Gesellschaft stellt der Gewerkschaft
monatlich die wichtigsten statistischen Gesamtdaten in bezug auf Produktion, geleistete. Arbeitsstunden, Beschäftigtenstand, Gesamtbeschäftigungs- und Materialkosten zur Verfügung, die als vertraulich
zu behandeln sind. Die Unterlagen auf denen diese statistischen Übersichten basieren, sind den von der Gewerkschaft benannten Vertretern
zur Überprüfung und Beglaubigung offenzulegen.
C. Der Bruttoanteil der Beschäftigten. 1. Ein erster Teil des
Bruttoanteils der Beschäftigten besteht aus 32,5 Prozent des nach
den weiter oben angeführten Richtlinien errechneten Dollar-Nettoertrags.
2. a) Von diesem Teil des Bruttoanteils der Beschäftigten werden im ersten Monat nach Anlaufen des Erfolgsbeteiligungsplans 0,2
Prozent der Gesamtbeschäftigungskosten in diesem Monat, im zweiten
Monat 0,4 Prozent, im dritten Monat 0,6 Prozent abgezogen usw. bei
einer Steigerung um jeweils 0,2 Prozent von Mona't zu Monat, bis die
weiter unten vorgesehene Anpassung erfolgt ist.
b) Die Gesellschaft richtet ein Konto ein, das die Bezeichnung Lohn- und Sozialreserve führt.. Dieser Reserve werden jeden Monat
die gesamten vorstehend beschriebenen Abzüge vom Bruttoanteil der

-

5 -

�der Beschäftigten zugewiesen. Aus dieser Reserve wird monatlich der
gesamte Mehrbetrag der Beschäftigungskosten entnommen, der durch
Erhöhungen der Löhne und Sozialleistungen gemäß den in Abschnitt VII
dieses Plans enthaltenen Garantievorschriften verursacht wird.
Als Ausnahmeregelung zu dieser Bestimmung werden Beschäftigungsmehrkosten, die durch eine für die gesamte Industrie binnen sechs Monaten
nach dem Inkrafttreten dieses Plans wirksam werdende Erhöhung der
Löhne und Sozialleistungen verursacht werden, nur zur Hälfte aus
der Lohn- und Sozialreserve entnommen. Als eine weitere Ausnahme zu
dieser Bestimmung ist für den Fall, daß in irgendeinem Monat die Beschäftigungsmehrkosten auf Grund einer für die gesamte Industrie wirksam werdenden Erhöhung der Löhne und Sozialleistungen den Bruttoanteil
der Beschäftigten übersteigen, der darüber hinaus gehende Betrag als
ein von der Firma zu tragender Kostenanteil anzusehen, nicht aus der
Lohn- und Sozialreserve zu entnehmen und nicht als Defizit auf künftige Erträge der Beschäftigten aus dem Erfolgsbeteiligungsplan aufzurechnen .
c) Die Vertragspartner setzen alle 6 Monate die Progression
der vom Bruttoanteil der Beschäftigten einzubehaltenden Abzüge neu
fest. Diese Neufestsetzung erfolgt nach dem Grundsatz, daß die Abzüge
innerhalb eines Zeitraums von 12 Monaten gleichmäßig in solchem Maße
zu erhöhen sind, daß sich der Saldo der Lohn- und Sozialreserve 6 Monate nach Inkrafttreten einer für die gesamte Industrie wirksam werdenden Erhöhung der Löhne und Sozialleistungen auf Null stellt.
3. Ein zweiter Teil des Bruttoanteils der Beschäftigten besteht
aus
a)
Abschnitts
b)
Abschnitts

den Beträgen, die gemäß Unterabschnitt B, Absatz 4 c dieses
vorgesehen sind; und
den Beträgen, die gemäß den Unterabschnitten H und L des
VI vorgesehen sind.

D» Ertragsverteilung. 1 . Die nach dejji vorausgegangenen Abschnitt
V,C errechneten Bruttoanteile der Beschäftigten werden, abzüglich etwaiger Beträge, die auf Grund einer Entscheidung der Vertragspartner
zu gegebener Zeit benötigt werden, um eine bereits eingeführte Sozialleistung zu verbessern oder eine neue Sozialleistung (außer den in Abschnitt VII behandelten) einzuführen, wie zum Beispiel - doch nicht
auf diese Beispiele beschränkt - zusätzliche Feiertage, längerer Urlaub, Verbesserungen der Versicherungsleistungen, Altersversorgung, zusätzliche Arbeitslosenversicherung und Arbeitszeitverkürzungen, unter
den Beschäftigten als ein Aufgeld zum Arbeitsentgelt gemäß dem nachstehenden Schlüssel aufgeteilt, bis Gruppe A 10 Prozent erreicht.
Gruppe '

Faktor

A
2,0
B
3,5
C
5,0
D
6,5
E
8,0
F - Betriebsgruppen, für die Arbeitsanreiz- 0
plane weiterbestehen, sind ausgeschlossen
1) Die Gruppen, zu denen die einzelnen Betriebsgruppen gehören, sind
in Anhang "A - Gruppeneinteilung" aufgeführt, die historischen Gesichtspunkten und Billigkeitsmomenten der Entlohnung gleichermaßen
Rechnung zu tragen sucht.
,
\

�a) Die gesamten Stundenlohnnormen jeder Gruppe sind mit dem
ihr zugeordneten Faktor zu multiplizieren, um die Faktoreinheiten
jeder Gruppe zu erhalten.
b) Die Faktoreinheiten jeder Gruppe sind durch die gesamten
Faktoreinheiten zu dividieren, um den Prozentanteil jeder Gruppe an
dem Gesamtbeschäftigtsnanteil zu erhalten.
c) Der jeweilige Prozentanteil jeder Gruppe ist mit dem Gesamtbeschäf tigtenantei1 zu multiplizieren, um den Dollaranteil jeder
Gruppe zu erhalten.
d) Der Dollaranteil jeder Gruppe ist durch die jeweiligen
Stundenlohnnormen zu dividieren, um die Prozentausschüttung jeder
Gruppe zu erhalten.
c) Die Prozentausschüttung jeder Gruppe ist mit der Stundenlohnnorm jedes Beschäftigten zu multiplizieren.
2. Der Betrag, der nach Anwendung von Absatz 1 als Beschäftigtenanteil verbleibt, wird den Beschäftigten als Aufgeld zum Arbeitsentgelt nach folgendem Modus ausgezahlt:
a) Der verbleibende Betrag ist durch die Gesamtstundenlohnnormen sämtlicher unter den Langfristigen Erfolgsbeteiligungsplan fallenden Beschäftigten, die an der Ausschüttung teilnehmen, zu dividieren,
um die Prozentausschüttung zu erhalten.
b) Die Stundenlohnnorm jedes Beschäftigten ist mit der Prozentausschüttung zu multiplizieren.
3. Der Ertragsanteil des Beschäftigten wird als zusätzliches Entgelt in Form eines "Aufgeldes" ausgezahlt und gilt als Teil des regulären Arbeitsentgelts für den Monat, für den er ausgezahlt wird,
verändert hingegen die Basis für die Berechnung bestehender Lohnanreize nicht.
4. Wird der Beschäftigtenanteil oder ein Teil davon auf Grund
einer Übereinkunft zwischen den Vertragspartnern dazu verwendet, eine
neue oder verbesserte Sozialleistung einzuführen, so sind die für
diese Leistung aufzubringenden Beträge in geeigneter Weise zu schätzen,
monatlich umzulegen und jährlich anzugleichen.
5» Die Ausschüttung an die mit Produktions- und Wartungsarbeiten
befaßten Beschäftigten für den jeweiligen Monat erfolgt am letzten
Donnerstag des auf diesen folgenden Monats, die an die Büro- und technischen Angestellten an dem darauffolgenden Zahltag. Die Ausschüttungen
für die einzelnen Monate sind nach der bestgeeigneten statistischen
Methode so aufzuteilen, daß übermäßige Schwankungen von Monat zu
Monat vermieden werden, wobei von den Ziffern der vorausgegangenen
6 Monate auszugehen ist.
VI. Lohnanrei ze

�VI. Lohnanreize
Zusammenfassung: Die Kollektiwertragsbestimmungen über die .
Gewährung von Lohnanreizprämien bleiben unverändert in Kraft;
neue Prämien dürfen dagegen nicht eingeführt werden. Die Gesellschaft kann Lohnanreizpläne für einzelne Betriebsgruppen
durch eine Ablösungssumme abgelten, sofern diese für einen
Zeitraum von mindestens 13 Wochen vor einem entsprechenden
Angebot seitens der Gesellschaft die Zahlung von Prämien bewirkt haben. Die Ablösungssumme entspricht dem höheren der
beiden Beträge, die.sich ergeben, wenn 1. die mit der Zahl
der während der letzten 13 Wochen vor dem Angebot geleisteten Arbeitsstunden multiplizierte Differenz zwischen Prämienlohn und normalem Stundenlohn mit zehn multipliziert oder 2. die
Zahl der während der unmittelbar auf das Angebot folgenden 52
Wochen geleisteten Arbeitsstunden mit der genannten Differenz
multipliziert wird. Die betreffenden Betriebsgruppen entscheiden mit Stimmenmehrheit über Annahme oder Ablehnung eines
solchen Ablösungsangebots.
Im Falle der Annahme eines solchen Angebots werden die Beschäftigten der betreffenden Betriebsgruppe in den Erfolgsbeteiligungsplan einbezogen und für die Zeit, während der die Ablösungszahlung gemäß Abschnitt V, B Absatz 4 b als laufender Arbeitskostenanteil anzusehen ist, in eine Faktorgruppe eingestuft, die zwei Stufen unter der ihnen nach Anhang A an sich
zuzuordnenden Faktorgruppe liegt; nach dieser Zeit erfolgt
die Einreihung in die eigentliche Faktorgruppe.
Im Falle einer Ablehnung der Ablösung durch die Beschäftigten
werden die Prämien fortgezahlt. Allgemeine Lohnerhöhungen bewirken ein Ansteigen der Stundenlohnsätze, verändern die Basis
für die Berechnung der Lohnanreizprämien jedoch nicht.
Die Gesellschaft ist gehalten, den Betriebsgruppen möglichst
rasch Ablösungsangebote zu unterbreiten, über deren Annahme oder
Ablehnung diese binnen 90 Tagen durch Mehrheitsbeschluß zu
entscheiden haben. Erfolgt ein Ablösungsangebot nicht innerhalb
zwei Jahren nach Inkrafttreten des Erfolgsbeteiligungsplans,
so werden die fraglichen Betriebsgruppen in den Erfolgsbeteiligungsplan einbezogen und als zur Faktorgruppe A gehörig
angesehen, sofern in diesen zwei Jahren die für ihre Faktorgruppe ausgezahlten Erfolgsanteile nicht mindestens drei Monate
hindurch die ausgezahlten Prämien übersteigen; die Erfolgsanteile sind in diesen Fällen zusätzlich zu den Prämienanreizen
zu zahlen. Die Einstufung in Faktorgruppe A hört auf, sobald
die Beschäftigten ein Ablösungsangebot annehmen oder die Ausschüttungen für ihre Faktorgruppe die Prämien erreichen oder
übersteigen.
Beschäftigte, die aus irgendwelchen Gründen Sonderzuschläge erhalten ,haben im Falle einer Ablösung Anspruch auf das Zehnfache
der während der letzten 13 Wochen bezahlten Zuschläge. Ablösungssummen, die ausgeschiedenen Beschäftigten zustünden,
sind dem Bruttoanteil der Beschäftigten gemäß Abschnitt V,
Unterabschnitt C gutzuschreiben. Bei der Rentenberechnung sind

-

8

�sind Ablösungszahlungen wie Lohneinkünfte zu behandeln,
nicht dagegen bei der Berechnung anderer Sozialleistungen.
Die Gesellschaft kann das Ablösungsangebot im Falle der
Ablehnung zu gegebener Zeit wiederholen, wobei die Beschäftigten innerhalb einer Frist von 60 Tagen über seine
Annahme oder Ablehnung zu entscheiden haben. Die Beschäftigten haben frühestens 60 Tage nach Inkrafttreten des Erfolgsbeteiligungsplans das Recht,von sich aus durch Mehrheitsbeschluß die Ablösung der Prämien und Zuschläge sowie
die Einbeziehung in den Erfolgsbeteiligungsplan und die Einsetzung in die Rechte nach Abschnitt V, D zu verlangen.
Beträge ,die den an einem Lohnanreizplan beteiligten Beschäftigten am Tage des Inkrafttretens des Erfolgsbeteiligungsplans zustehen, werden dem Bruttoanteil der Beschäftigten
zugerechnet, wenn diese sich für die Annahme einer Ablösungssumme und die Beteiligung am Erfolgsbeteiligungsplan entscheiden. Das gleiche gilt für Beschäftigte, die an sich unter den
Erfolgsbeteiligungsplan fallen, aber zu einer Arbeitsgruppe
versetzt werden, die unter einen Lohnanreizplan fällt. Das
Verfahren der Übertragung ist das gleiche wie im Falle Ablösungssummen .
VII. Mindestgarantie
A. Am 51. Dezember 19^3 und am Ende jeden folgenden Kalenderjahres
ist eine Analyse der laufenden Arbeitskosten und der laufenden Gesamtarbeits- und Materialkosten für den entsprechenden Zeitraum zu erstellen. Zeigt eine solche Analyse, daß sich die laufenden Gesamtarbeitskosten (einschließlich des Bruttoanteils der Beschäftigten) auf einen
geringeren Prozentanteil an den Gesamtarbeits- und Materialkosten
belaufen als den der Arbeitskostennorm an den Gesamtnormkosten für
den entsprechenden Zeitraum (vor Anwendung der Indizes des US-Bundesamtes für Arbeitsstatistik), so schreibt die Gesellschaft dem ersten
Teilbetrag des Bruttoanteils der Beschäftigten einen Betrag zu, der
sich mit den laufenden Arbeitskosten (einschließlich des Bruttoanteils der Beschäftigten) zu den Gesamtarbeitskosten (einschließlich
dieses Betrags) addiert, die denselben Prozentanteil der Gesamtkosten (einschließlich dieses Betrags) ausmachen, den die Arbeitskostennorm an den Gesamtnormkosten (vor Anwendung der Indizes des
US-Bundesamtes für Arbeitsstatistik) hat. Es ist dem ersten Teilbetrag des Bruttoanteils der Beschäftigten jeweils ein Zwölftel dieses
Betrags per Monat zuzuweisen, beginnend spätestens mit der zweiten
Zahlungsperiode unter dem Gewinnbeteiligungsplan, die auf die Durchführung dieser Berechnung folgt, bis der Gesamtbetrag dem ersten Teilbetrag des Bruttoanteils der Beschäftigten gutgeschrieben ist. Diese
Beträge sind bei der Festsetzung künftiger Verpflichtungen der Gesellschaft gemäß diesem Unterabschnitt nicht in Ansatz zu bringen.
Sie sind vielmehr als Kosten der Gesellschaft anzusehen und nicht als
Defizit gegen künftige Erträge der Beschäftigten aus dem Gewinnbeteiligungsplan aufzurechnen. Die Anwendung dieses Absatzes darf jedoch
nicht dazu führen, daß die laufenden Gesamtarbeits- und Materialkosten, einschließlich des Beschäftigtenanteils, im betreffenden Zeitraum die Gesamtnormkosten für die entsprechende Produktion übersteigen.
B.

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�B. Die im Zusatzprotokoll zu dem zwischen der Gesellschaft und
der Gewerkschaft geschlossenen Vertrag vom 9« März 1961 enthaltene
Zusicherung, daß zwischen der Gewerkschaft und den großen Stahlerzeugern vereinbarte Erhöhungen der Löhne und Sozialleistungen auch
seitens der Gesellschaft vorgenommen werden, bleibt weiterhin in
Kraft.
C. Auf Grund von Unterabschnitt B bewirkte Erhöhungen der Beschäftigungskosten werden mit Ausnahme etwaiger für den Bereich der
gesamten Stahlindustrie innerhalb 6 Monaten nach dem Inkrafttreten
dieses Plans wirksam werdender Erhöhungen der Löhne und Sozialleistungen gemäß Abschnitt V, C, 2 b aus der Lohn- und Sozialreserve
entnommen. Wie in dem genannten Abschnitt vorgesehen, darf der
Nettoanteil der Beschäftigten per Saldo niemals passiv sein. Ist
der in Unterabschnitt V, C angeführte erste Teilbetrag des Bruttoanteils der Beschäftigten niedriger als die Gesamtsumme, die sich
aus der Anwendung der im Bereich der Stahlindustrie eingetretenen
Erhöhungen der Löhne und der Gewährung bisher nicht gewährter Lohnnebenleistungen errechnet, so schießt die Gesellschaft die Differenz
zu. Bei der Berechnung der Kosten solcher Lohnerhöhungen ist die Anreizwirkung derselben, wie sie für die Kaiser Steel Corporation im
Jahre 1961 bestanden hätte, zu berücksichtigen. Der dieser Anreizwirkung zuzumessende Betrag soll den Beschäftigten nach demselben
Modus ausgezahlt werden, der bei der Verteilung der Gewinnanteile
der Beschäftigten angewandt wird. Er ist als Teil der Kostenrechnung
der Gesellschaft anzusehen und gilt nicht als Defizit, das gegen künftige Erträge der Beschäftigten aus dem Gewinnbeteiligungsplan aufgerechnet werden kann.
VIII. Das Verhältnis des Plans zu anderen Vereinbarungen
Zusammenfassung: Arbeitsstreitigkeiten, die sich aus der Durchführung des Erfolgsbeteiligungsplans ergeben, sind nach den einschlägigen Bestimmungen des Tarifvertrags beizulegen. Meinungsverschiedenheiten, die sich aus der Auslegung der Bestimmungen
des Plans oder hinsichtlich der Verwendung des Beschäftigtenanteils auf Sozialleistungen, der Behandlung solcher Leistungen
als Arbeitskostenanteil und der Revision des Plans nach Abschnitt
IX ergeben, sind vor den Langfristigen Ausschuß zu bringen und
gegebenenfalls den unabhängigen Mitgliedern desselben zur endgültigen bindenden Entscheidung zu übergeben.
Soweit der Plan nicht ausdrücklich etwas anderes verfügt, bleiben
sämtliche zwischen der Gesellschaft und der Gewerkschaft getroffenen Vereinbarungen uneingeschränkt in Kraft.
Die Rechte der Unternehmensleitung bezüglich Absatz, Einkauf,
Forschung, Vergütung der Führungskräfte, Kapazitätsausweitung
u.a. werden durch diesen Plan nicht berührt.
IX. Geltungsdauer
A. Dieser Plan gilt unbefristet und kann jedes Jahr innerhalb eines
Zeitraums von 90 Tagen vor dem Jahrestag seines Inkrafttretens einer
Überprüfung und Revision seitens der Gesellschaft und der Gewerkschaft
unterzogen werden.
••

-

10

-

�B. In Zahlungsperioden des Erfolgsbeteiligungsplans, in denen die
Produktion an Stahlendprodukten mehr als 24 Stunden ruht, sind die Normen
für die Arbeits- und Materialkosten proportional zur Dauer des Produktionsstillstands herabzusetzen.
C. Dieser Plan ist seitens der beiden Vertragspartner mit viermonatiger Frist kündbar, wobei die Kündigung dem Vertragspartner innerhalb der 12 Monate zugestellt werden muß, die auf den vierten Jahrestag
des Inkrafttretens dieses Planes folgen, bzw. in jedem darauffolgenden
vierten Jahr.
D. Spricht einer der Vertragspartner eine solche Kündigung aus,
kommen die beiden Vertragspartner gemeinsam überein, welche Regelung
für die Zeit nach der Kündigung zu treffen ist. Diese Übereinkunft
ist unter gebührender Berücksichtigung der Zielsetzungen zu treffen,
die in den Abschnitten bezüglich des Sachverhalts und der Annahme des
Langfristigen Gewinnbeteiligungsplans angeführt sind, sowie der Entwicklung, die sich während der Geltungsdauer des Plans ergeben hat, und
der Gründe, die für seine Kündigung angeführt wurden. Können sich die
Vertragspartner nicht innerhalb von 60 Tagen einigen, ist die Angelegenheit den unabhängigen Mitgliedern des Langfristigen Ausschusses zur
Überprüfung zu unterbreiten.
E. Ausgehend von dieser Überprüfung, sind die unabhängigen Mitglieder des Langfristigen Ausschusses ermächtigt, eine oder sämtliche der
nachstehenden Maßnahmen zu treffen. Sie können
1. beschließen, sich jeglichen Eingriffs zu enthalten, oder diesen
auf einen anderen Zeitpunkt verschieben, um Gelegenheit zu weiteren Gesprächen zu schaffen;
2. Vermittlungsversuche unternehmen, einschließlich geheimer Beratungen mit Vertretern beider Vertragspartner;
3. den Langfristigen Ausschuß einberufen; und schließlich
4. den beiden Vertragspartnern einen Bericht zustellen, der die
Standpunkte der Parteien zusammenfaßt, den strittigen Sachverhalt umreißt und den beiden Vertragspartnern Empfehlungen erteilt.
F. Bei Kündigung des Plans und NichtZustandekommen einer die
Kündigung aufhebenden Einigung ist jede der Vertragsparteien berechtigt,
ihre Zuflucht zu Streik bzw. Aussperrung zu nehmen, um ihren Standpunkt
zu untermauern, ungeachtet irgendwelcher anderer zwischen den Vertragspartnern bestehender Abmachungen.
G. Bei Einstellung dieses Plans ist die Lohn- und Sozialreserve
restlos an fiie Beschäftigten nach dem gleichen Modus auszuzahlen, nach
dem die Erifölgsanteile auf Grund dieses Plans ausgezahlt werden.

(Aus "Monthly Labor Review"
Vol. 86, Nr. 2,Februar 1963)
s
* * * * *

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�Maschinistengewerkschaft feiert 75.jähriges Bestehen
Als die 19 Maschinisten eines Eisenbahnausbesserungswerks in
Atlanta (Georgia) am 5- Mai 1888 heimlich in einem Lokomotivschuppen
zusammenkamen, um die "Gewerkschaft der Maschinisten" aus der Taufe
zu heben, steckte die Gewerkschaftsbewegung in den USA noch in den
Kinderschuhen, Zusammenschlüsse solcher Art waren in dieser Zeit an
der Tagesordnung, aber nur wenige Gründungen hatten Bestand. Und auch
Tom Talbot, der erste Präsident der "International Association of
Machinists" (lAM) , und seine 18 Kollegen waren damals wohl kaum davon
überzeugt, daß ihre Gewerkschaft einmal zu den vier größten in den
Vereinigten Staaten zählen würde.
Über 900 000 Mitglieder
Mit über 900 000 Mitgliedern und fast 2000 Ortsvereinen stellt
die IAM-Gewerkschaft unter Führung ihres Präsidenten AI Hayes heute
einen wichtigen Paktor nicht nur in der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung, sondern auch im wirtschaftlichen und sozialpolitischen Leben
des Landes dar. Ihre Stärke ist dabei zweifellos die sehr breite
Streuung ihrer Mitglieder, die sich im Gegensatz zu den anderen großen
Gewerkschaften der Vereinigten Staaten nicht auf einen einzelnen Industriezweig konzentrieren, sondern auf eine Vielzahl von Branchen verteilen .
Schon die Tatsache, daß sie mit rund 15 000 Unternehmen Tarifverträge abgeschlossen hat (die bei weitem größte Zahl, die von einer
einzelnen Gewerkschaft je abgeschlossen wurde), zeigt, wie groß ihr
tatsächlicher Einfluß ist. Waren es früher in erster Linie die Maschinisten und Maschinenwärter vor allem der Eisenbahnen, die in der IAMGewerkschaf t organisiert waren, so sind es heute sowohl die Arbeitnehmer
der Raumfahrtindustrie und das technische Personal der Luftfahrtgesellschaften als auch die Beschäftigten der Werkzeug- und Büromaschinensowie der metallverarbeitenden und der Elektroindustrie - also der
aufstrebenden Wirtschaftszweige -, die der IAM ihre Vertretungsrechte
übertragen haben.
Führend in der Lohn- und Sozialpolitik
Als Talbot und seine Kollegen 1888 die Gewerkschaft gründeten,
belief sich ihr Tagesverdienst bei einer Arbeitszeit von 10-12 Stunden
auf etwa 2 - 2 1/2 Dollar. Heute dagegen liegt schon der Stundenlohn
der Mitglieder der IAM-Gewerkschaft über diesen Sätzen, wobei der größte
Teil von ihnen es auf Stundenverdienste von weit über 3 Dollar bringt.
Aber nicht nur auf dem Gebiet der Löhne ist die IAM-Gewerkschaft
in all den Jahren Schrittmacher für die weniger stark organisierten
Industrien gewesen, auch in der Sozialpolitik war sie mit bahnbrechend.
Die heute in der amerikanischen Wirtschaft allgemein üblichen Lohnnebenleistungen wie Unternehmerbeiträge zu Krankenversicherungs-, Wohlfahrtsund Pensionsfonds gehen mit auf die Initiative dieser Gewerkschaft
zurück.
Künftige

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�Künftige Ziele
Als die wichtigsten künftigen gewerkschaftlichen Ziele der IAM
bezeichnete AI Hayes kürzlich folgende:
1. Verstärkte Organisationsbemühungen unter Berücksichtigung der
und im Hinblick auf die sich schnell vollziehenden strukturellen Veränderungen im amerikanischen Arbeitspotential.
/

2. Genaue Untersuchung der Einflüsse der Automation auf den
beruflichen, wirtschaftlichen und sozialen Status der Arbeitnehmerschaft und Durchsetzung von geeigneten Maßnahmen zur Milderung der
negativen Auswirkungen.
3. Durchführung von Ausbildungs-, Fortbildungs- und Umschulungskursen für all jene Arbeitnehmer, die ihren Arbeitsplatz auf Grund der
technologischen Veränderungen verlieren.
4. Ausweitung und Verbesserung der Lehrlingsausbildungsprogramme
zwecks Sicherung eines leistungsfähigen hochqualifizierten Facharbeiternachwuchses.

(Quelle: Eigenbericht)
* * * * *

Gewerkschaftliche Kurznachrichten
Erster gewerkschaftlicher Arbeitsvertrag für die Postangestellten
Ein Tarifverhandlungsabkommen zwischen dem amerikanischen Postministerium und den sechs als vertretungsberechtigt anerkannten Postarbeitergewerkschaften wurde jetzt vom Postmaster General (Postminister)
der USA und den Gewerkschaftsvertretern unterzeichnet. Es ist das
erste Generalabkommen dieser Art überhaupt, das für die rund 500 000
Postangestellten und Beamten im allgemeinen Postdienst und in den
34 000 Postämtern der USA abgeschlossen wurde.
Dieser Vertrag geht auf die Initiative Präsident Kennedys zurück,
der sich im vergangenen Jahr für eine Ausdehnung der gewerkschaftlichen Vertretungsrechte auch auf die Bundesbediensteten ausgesprochen
hatte. Sichtbarer Ausdruck dieser Bemühungen ist das im Januar dieses
Jahres in Kraft getretene sogenannte Arbeitnehmer-Arbeitgeber-Programm,
in dem die Vertretungsrechte der Bundesbediensteten offiziell anerkannt
werden.
Der neue Einjahresvertrag bezieht sich jedoch nur auf solche tarifvertragliche Abmachungen wie Arbeitsbedingungen, Beschwerdeverfahren usw.
und enthält, im Gegensatz zu den in der Privatwirtschaft abgeschlossenen

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�abgeschlossenen allgemeinen Tarifverträgen keine bindenden Abmachungen über Löhne, Arbeitszeit und Sozialleistungen - Beschäftigungsbedingungen, die vom amerikanischen Kongreß festgesetzt werden.
In de.m 60 Druckseiten umfassenden Vertragswerk verpflichten sich
die Gewerkschaften unter anderem, von ihrem Streikrecht keinen Gebrauch zu machen und sich nicht an irgendwelchen gewerkschaftlichen
Kampfmaßnahmen zu beteiligen, die gegen die Regierung gerichtet sind.
Neben Abmachungen über die Vertretungsrechte, die den Gewerkschaften
eingeräumt werden, enthält das Abkommen auch detaillierte Angaben
über die Abwicklung von Disziplinar- und Beschwerdeverfahren sowie
über die Einspruchsrechte der Angestellten der amerikanischen Bundespost.
(Quelle: Eigenbericht)
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Eastman Kodak zahlte 55.6 Millionen Dollar als Gewinnbeteiligung
Eine Summe von 55,6 Millionen Dollar hat die "Eastman Kodak
Company" in diesem Jahr an ihre 48 000 Mitarbeiter in den Vereinigten Staaten im Rahmen ihres Gewinnbeteiligungsplans ausgezahlt oder
auf Spar- und Investitionskosten überwiesen. Das ist die höchste
Summe, die seit der Einführung dieses Gewinnbeteiligungssystems im
Jahre 1912 an die Eastman-Belegschaft ausgeschüttet wurde.
Auf Grund des allgemeinen Verteilungsschlüssels erhalten die
Arbeitnehmer der "Eastman Kodak Company" für jede 1000 Dollar, die sie
in den vergangenen Jahren verdient haben, einen Gewinnbonus in Höhe
von 56,75 Dollar. Darüber hinaus sind noch sämtliche Mitarbeiter des
Unternehmens mit mehr als fünf Dienstjahren berechtigt, am sogenannten
Spar- und Investitionsprogramm teilzunehmen, für das jährlich ein Teil
der Gesamtsumme abgezweigt wird. Die auf diesen Konten eingehenden
Gelder werden für den Erwerb von Aktien, Schuldverschreibungen oder
Regierungsanleihen verwendet. In diesem Jahr waren insgesamt 15 000
Mitarbeiter des Unternehmens an diesem Programm teilnahmeberechtigt.
Die Gewinnbeteiligung, die in jedem Jahr auf einer Vorstandssitzung beschlossen werden muß, richtet sich jeweils nach der Höhe
der Dividende, die vom Unternehmen auf die Stammaktien gewährt wird.
Die zweithöchste Gewinnbeteiligungssumme (50,9 Mio Dollar) gelangte im vergangenen Jahr zur Ausschüttung.
(Quelle: Eigenbericht)

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�Studienausschüsse zur Vorbereitung der Tarifverhandlungen
in der Automobilindustrie
Die Vereinigte Automobilarbeitergewerkschaft (UAW) hat sowohl
mit der "General Motors Corporation" (GM) als auch mit der "Ford
Motor Company" ein Übereinkommen erzielt, wonach zwei paritätisch
besetzte Studienausschüsse gebildet werden sollen, deren Aufgabe es
sein wird, die bei den nächstjährigen Tarifverhandlungen wahrscheinlich im Mittelpunkt stehenden Probleme vorbereitend zu erörtern.
Die Anregung zur Bildung solcher gemeinsamer Ausschüsse war von
dem 1. Vorsitzenden der UAW-Gewerkschaft, Walter P. Reuther, ausgegangen, der im März in einem Rundschreiben an die Firmen der Automobilund Landmaschinenindustrie darauf hingewiesen hatte, daß "wegen der
immer verwickelter werdenden Tarifverhandlungen" solche Studienkommiasionen dringend erforderlich sind. "Wir sind der Ansicht", so schrieb
Reuther, "daß die TarifVerhandlungen selbst viel rationeller geführt
werden können, wenn sich die beiden Tarifpartner schon lange vor Beginn
der eigentlichen Verhandlungen zusammensetzen und all jene Punkte der
Übereinstimmung festlegen, und daß den nationalen Belangen und den
Bedürfnissen der Arbeitnehmer und ihrer Familien dadurch mehr Rechnung
getragen wird."
Die ersten Beratungen zwischen den Vertretern der UAW-Gewerkschaft
einerseits und der "General Motors Corporation" sowie der "Ford Motor
Company" andererseits fanden bereits Mitte April statt. Im gemeinsamen
zwölfköpfigen UAW-GM-Studienausschuß führten der J. Vorsitzende der
UAW-Gewerkschaft, Walter P. Reuther, sowie der Vizepräsident von GM,
Louis G. Seaton, den Vorsitz, während Ford für die Verhandlungen als
Spitzenvertreter seinen Viaapräsidenten Malcolm L. Denise bestellt
hatte .
In einer gemeinsamen, nach der ersten Fühlungnahme veröffentlichten Erklärung betonen Reuther und Denise, daß "sowohl die Gewerkschaft
als auch das Unternehmen darin übereinstimmen, daß der Studienausschuß
durch seine Vorarbeit lange vor Beginn der eigentlichen Verhandlungen
einen konstruktiven Beitrag leisten" könne.
Der Vertrag zwischen der UAW-Gewerkschaft und General Motors
läuft am 31. August 1964 aus. Er erfaßt rund 325 000. Arbeitnehmer.
Als besondere Verhandlungspunkte für die Studienausschüsse nannte
Walter Reuther u.a. Arbeitslosigkeit und Verdrängung von Arbeitnehmern,
die Auswirkung der höheren Produktivität auf Grund leistungsfähigerer
Maschinen, Uberstundenbezahlung, zusätzliche Pensions- und Arbeitslosenunterstützungsleistungen.

(Quelle: Eigenbericht)

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�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
USIS-Bonn/Bad Godesberg
Der Inhalt der ..Arbeitsmittellungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XVI - 7

Bad Godesberg, den 1. Juli 1963
INHALTSVERZEICHNIS

Die Arbeitsmarkt- und Beschäftigungsprobleme der USA
in den Jahren 1960-1975 (i)

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1

Berufsausbildung im Zeitalter der schnellen
technischen Veränderungen

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"DOT" - Ein Bestseller wird neu aufgelegt

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15

Die Arbeitsmarkt- und Beschäftigungsprobleme der USA
in den Jahren 1960-1975 (I)
Grundtendenzen, Veränderungen und künftiger Arbeitskräftebedarf
Die umwälzenden technischen Veränderungen des vergangenen
Jahrzehnts, die ihren sichtbarsten Ausdruck in der Automation finden, haben tiefgreifende strukturelle Umschichtungen im gesamten Arbeitspotential der Vereinigten Staaten
herbeigeführt. Zahlreiche altüberlieferte Berufe sind durch
die modernen Produktionstechniken bereits für immer ausgelöscht worden, viele neue, höherqualifizierte Tätigkeiten
haben sich den Arbeitnehmern eröffnet. Millionen ist es bisher gelungen, sich mit Erfolg den neuen beruflichen Gegebenheiten anzupassen, viele aber haben - wie die relativ hohe
Zahl der "technologischen Arbeitslosen" zeigt - diese Umstellung aus eigener Kraft nicht geschafft. Diesen Menschen
neue berufliche Chancen zu geben, ist das Ziel des sogenannten "Manpower Development and Training Act", der im vergangenen Jahr vom US-Kongreß verabschiedet wurde und in
dessen Rahmen bisher 435 Millionen Dollar für die Umschulung langfristiger Arbeitsloser auf neue Berufe bereitgestellt wurden. Eine wichtige Voraussetzung für eine erfolgreiche Eingliederung der bisherigen und künftigen strukturellen Arbeitslosen in die Wirtschaft ist die genaue
Kenntnis der heutigen und künftigen Struktur des gesamten
Arbeitsmarktes sowie der jeweiligen beruflichen Anforderungen, die an die Arbeitnehmerschaft gestellt werden.

Im

�Im Verfolg dieser Ziele hat das amerikanische Arbeitsministerium eine umfassende Analyse über die heutige
Arbeitsmarktsituation sowie über die bis 1975 zu erwartenden Veränderungen erstellt und im März dieses Jahres
veröffentlicht. In den beiden folgenden Beiträgen geben
c die wichtigsten Ergebnisse des ersten Berichts dieser Art überhaupt wieder.
Die derzeitige Situation
mmenfassung der wichtigsten Ergebnisse
1. Beschäftigung: Die Gesamtbeschäftigtenzahl der Vereinigten
Staaten hat sich seit dem Ende des zweiten Weltkrieges ständig erhöht,
aber noch stärker ist in diesem Zeitraum die Zahl der verfügbaren Gesamtarbeitskräfte angestiegen.
Die Gesamtzahl aller beschäftigten Arbeitnehmer - Unselbständige,
Selbständige, im Haushalt Beschäftigte oder im Familienbetrieb ohne
Bezahlung Tätige - belief sich 1962 im Durchschnitt auf 67,8 Millionen.
Gegenüber 1947 ist damit eine Zunahme um 10 Millionen festzustellen,
was einem prozentualen Anstieg um 17 Prozent gleichkommt. Im selben
Zeitraum aber hat sich das gesamte Arbeitspotential um 13 Killionen
oder 21 Prozent erhöht - ein Anstieg, der teils durch die Bevölkerungszunahme, teils durch die Zunahme der Zahl der werktätigen Frauen bedingt war. hierin auch die Frauen heute nur rund 1/3 des gesamten
Arbeitspotentials ausmachen, so belief sich doch ihr Anteil an der Gesamtzunahme zwischen 1947 u n d 1962 auf etwa 3/5«
•2. Erwerbslosigkeit: Auch der Anteil der Erwerbslosen an der Gesamtzahl der verfügbaren Arbeitskräfte hat entsprechend zugenommen.
Im Jahre 1962 waren im Durchschnitt rund 4 Millionen Amerikaner erwerbslos. Das entspricht einer Erwerbslosenrate von 5 1/2 Prozent.
Damit wurde in fünf hintereinanderfolgenden Jahren jeweils ein Satz
von mindestens 5 1/2 Prozent registriert. In den ersten Nachkriegsjahren hingegen betrug die Durchschnittsrate weniger als 4 Prozent.
Diese Ziffern zeigen, daß es der amerikanischen Wirtschaft in den vergangenen Jahren nicht gelungen ist, das vorhandene Arbeitspotential
voll zu nutzen.
3« Ein besonderes Problem stellen in diesem Zusammenhang die
langfristigen Erwerbslosen dar. Zwischen 1957 und 1962 stieg die Zahl
der längerfristigen Erwerbslosen (15 Wochen und mehr) um 100 Prozent
an, und die der langfristigen (mehr als 6 Monate) sogar um 150 Prozent.
Die Gesamtzunahme der Arbeitslosigkeit in diesem Zeitraum betrug nicht
ganz 40 Prozent, die der kurzfristigen (unter fünf Wochen) nicht ganz
20 Prozent.In Anbetracht dieser Tatsachen gewinnt die Frage der Sicherstellung einer ausreichenden Arbeitslosenunterstützung oder überbrückungsbeihilfe für solche Arbeitnehmer stark an Bedeutung, die mehr als 6
Monate erwerbslos sind. (Die derzeitige Maximaldauer der Unterstützung
in den USA beträgt im Durchschnitt 39 Wochen. Anm.d.Red.)

1t

- 2 -

�4« Besondere Aufmerksamkeit verdienen ebenfalls einige ernste
und schwer zu lösende Beschäftigungsprobleme: die hohe Arbeitslosigkeit unter den
a) Jugendlichen, b) den älteren Arbeitnehmern, c) den Farbigen,
d) den in rückläufigen Industriezweigen Beschäftigten, e) den in
wirtschaftlichen Notstandsgebieten Lebenden und f) allgemein den
ungelernten Arbeitnehmern. Obwohl festzustellen ist, daß keine Beschäftigtengruppe gegenüber der Erwerbslosigkeit immun ist, so ist
doch die Anfälligkeit gerade der oben angeführten Gruppen auf Grund
eines gemeinsamen Faktors - unzureichende berufliche ^oialif ikationen - besonders stark.
Um die kritischen Probleme der am schwersten von der Arbeitslosigkeit betroffenen Gruppen zu lösen, bedarf es nicht nur einer
allgemeinen stärkeren wirtschaftlichen Expansion, sondern gleichfalls erheblich zahlreicherer Möglichkeiten für die Erziehung und
berufliche Ausbildung. Außerdem müssen wesentliche Anstrengungen
unternommen werden, um den jüngeren Arbeitnehmern eine bessere berufliche Anleitung und Führung zu geben, die Vorurteile gegenüber
älteren Arbeitnehmern und Angehörigen der Hinderheitengruppen abzubauen, die Freizügigkeit in der Arbeitsplatz- und Arbeitsortswahl
zu erhöhen und die wirtschaftlichen Notstandsgebiete strukturell
zu verbessern.
5« In der derzeitigen Beschäftigten- und Arbeitslosenstruktur
kommen folgende wichtige Entwicklungen zum Ausdruck, die alle die
Notwendigkeit für Haßnahmen zur Beschleunigung des wirtschaftlichen
Wachstums unterstreichen:
a) Die Zunahme des Bruttosozialprodukts in den Nachkriegsjähren,
so eindrucksvoll sie auch sein mag, ist in erster Linie durch den
Anstieg der Arbeitsproduktivität und weniger durch eine Erhöhung der
Beschäftigtenzahl oder der Gesamtarbeitszeit bedingt gewesen.
Zwischen 1947 u n d 1961 nahm die Gesamterzeugung der Privatwirtschaft um 59 Prozent zu. Hehr als 4/5 dieser Zunahme sind dabei durch
die Erhöhung der Arbeitsleistung pro Arbeitnehmer und Stunde eingetreten. Die Gesamtbeschäftigtenzahl auf dem privaten Sektor nahm im
gleichen Zeitraum nur um 10 Prozent zu. Und der Gesamtanstieg der geleisteten Arbeitsstunden war noch geringer - nur 5 Prozent -, und
zwar auf Grund des Rückganges der durchschnittlichen jährlich geleisteten Arbeitszeit, der zum größten Teil auf den sehr steilen Anstieg
der Halbtagsbeschäftigungen zurückzuführen ist.
b) Die wirtschaftliche Wachstumsrate lag in den vergangenen.fünf
Jahren erheblich unter der Durchschnittsrate der vorangegangenen Dekade. Zwischen 1947 und 1957 nahm das Bruttosozialprodukt, unter Zugrundelegung eines konstanten Dollarwertes, im Durchschnitt um 3f8
Prozent pro Jahr zu. In den letzten Jahren dagegen belief sich die
Zuwachsrate auf lediglich 2,9 Prozent.
c) Die Wachstumsrate für neue Arbeitsplätze auf dem privaten
Wirtschaftssektor ist ebenfalls zurückgegangen. Während zwischen 1947
und 1957 auf dem nichtlandwirtschaftlichen Sektor jährlich rund
700 000 neue Arbeitsplätze dazukamen, waren es zwischen 1957 und 1962
lediglich noch 175 000 pro Jahr.

AI
- 5-

�d) Lediglich auf dem öffentlichen Sektor ist seit 1957 eine
steinende Tendenz festzustellen gewesen. Die Zunahme der Zahl neuer Arbeitsplätze erfolgte dabei hauptsächlich bei den Bundesstaaten und. Gemeinden - und hier wiederum in erster Linie im Erziehungswesen.
6. Die regionalen Verlagerungen von Industrieunternehmen und
die Umschichtungen auf dem Beschäftigungssektor haben zu einer erhöhten Freisetzung von Arbeitskräften geführt und damit zwangsläufig V/iedereinstellungsprobleme geschaffen.
Diejenigen Berufe mit expandierenden Beschäftigungsmöglichkeiten verlangen heute im allgemeinen eine längere schulische und
berufliche Ausbildung. Freigesetzte Arbeitnehmer ohne die erforderlichen Qualifikationen haben es sehr schwer, neue Arbeitsplätze zu finden.
7. Ein akuter Mangel an Arbeitskräften besteht gegenwärtig
in zahlreichen Fach- und Spezialberufen.
Die Zahl der neu ins Arbeitsleben eintretenden Jugendlichen
mit abgeschlossener Ausbildung hat mit dem allgemein steigenden
Bedarf an Ingenieuren, Mathematikern, Naturwissenschaftlern, Soziologen, Lehrern, Ärzten, Krankenschwestern und ähnlichen akademischen, technischen und Fachberufen nicht Schritt gehalten. Ungeachtet des allgemein hohen Niveaus der Arbeitslosigkeit besteht in
zahlreichen Spezialberufen ein ausgesprochener Personalmangel, und
zwar auf nationaler ebenso wie auf regionaler Ebene.
8. Die Arbeitnehmermobilität ist in den Vereinigten Staaten
relativ groß, reicht aber doch nicht aus, um einen vollständigen
Ausgleich zwischen den Angeboten an Arbeitnehmern und Arbeitsplätzen herbeizuführen.
Von den 1961 beschäftigten Llännern und Frauen wechselten 8
Millionen - das sind 10 Prozent - ihren Arbeitsplatz im Laufe des
Jahres. Einige veränderten sich aus eigenem Entschluß, in der Absicht, einen besseren Arbeitsplatz zu finden oder aus sonstigen
Gründen, andere dagegen gezwungenermaßen, weil sie ihren alten Arbeitsplatz verloren hatten.
In der vielfach außerordentlich hohen Veränderungsrate der
18- und 19jährigen spiegeln sich insbesondere die großen Schwierigkeiten wider, denen sich heute unerfahrene Arbeitnehmer ohne
eine spezielle berufliche Ausbildung gegenüber sehen. Die hohe Veränderungsrate unterstreicht hier die Notwendigkeit für eine umfassendere und realistischere berufsschulmäßige Unterweisung von Jugendlichen und für eine verbesserte Berufsausbildung.
9« Die künftigen Arbeitsmarktprobleme der USA ergeben sich aus
der erwarteten unvergleichlich hohen Zunahme der Gesamtzahl der Arbeitskräfte in den 60er Jahren sowie durch die radikalen strukturellen Veränderungen in der Yfachstumsrate des Arbeitspotentials.
a) Die Gesamtzahl der Arbeitskräfte in den USA wird sich in
den 60er Jahren um rund 1} Millionen vergrößern und zwischen 1970 und

- 4-

�und 1975 u m weitere 7 Millionen zunehmen, so daß das Arbeitspotential 1975 etwa 93 Millionen Werktätige umfassen wird. Dieser Anstieg wird sehr viel größer sein als in jeder anderen 15-JahresPeriode zuvor.
b) Die jungen Arbeitnehmer unter 25 werden in den 60er Jahren
rund die Hälfte des erwarteten Zuwachses ausmachen, weitere 30 Prozent die älteren Frauen.
10. Auch die künftigen Produktivitätsgewinne werden zum wirtschaftlichen V/achstum beitragen und einen erheblichen Einfluß auf
den Arbeitsmarkt haben.
Seit dem Ende des zweiten Weltkrieges lag die V/achstumsrate der
Arbeitsproduktivität in den Vereinigten Staaten über dem langfristigen Durchschnitt. In der privaten Wirtschaft belief sich die jährliche Zunahme der Arbeitsleistung pro Arbeitnehmer und Arbeitsstunde
auf durchschnittlich 3 Prozent, während die Durchschnittsrate für
das letzte halbe Jahrhundert 2,4 Prozent beträgt. Geht man von der
Annahme aus, daß sich auch in Zukunft die Produktivitätsgewinne in
dem bisherigen Rahmen halten werden, so wäre zum Ausgleich der durch
den technischen Fortschritt bewirkten Verminderung der Zahl der Arbeitsplätze eine jährliche wirtschaftliche V/achstumsrate erforderlich, bei der pro Jahr 2 Liillionen neue Arbeitsplätze geschaffen werden können.
11. Um eine Vollbeschäftigung für das schnell wachsende Arbeitspotential sicherzustellen, wäre ein beträchtlicher Anstieg der Zahl
der Arbeitsplätze in den nichtlandwirtschaftlichen Zweigen der amerikanischen Volkswirtschaft erforderlich, zumal mit einem v/eiteren
Rückgang der Beschäftigung in der Landwirtschaft zu rechnen ist. Auch
in den nächsten Jahren werden die Farmer in etwa dem gleichen Umfang
wie bisher in andere, nichtlandwirtschaftliche Arbeitsplätze überwechseln.
Von den nichtlandwirtschaftlichen Wirtschaftszweigen wird die
Dienstleistungsindustrie auch in Zukunft die größte Zahl an neuen Arbeitsplätzen schaffen. Die Zahl der Beschäftigten auf diesem Sektor
dürfte in den 60er Jahren um etwa 30 Prozent zunehmen. In den gütererzeugenden Branchen dagegen wird die Zahl der Gesamtarbeitsplätze
nur geringfügig ansteigen. Eine Ausnahme bildet lediglich die Bauwirtschaft, wo - unter der Voraussetzung, daß die angestrebte Vollbeschäftigung erreicht v/erden kann - ein Zuwachs von 40 Prozent zu
erwarten ist.
12. Akademische und technische Berufe werden in den 60er Jahren
die größte Zuwachsrate aufzuweisen haben; eine überdui f'.i.schnittliche
Zunahme in der Beschäftigung dürfte bei den Angestellten (\7hitecollar-Berufe), den Facharbeitern und den Beschäftigten in den Dienst,
leistungsbetrieben registriert werden.
Zu denjenigen Berufen, die eine besonders hohe Uachstumsrate in
diesem Jahrzehnt aufweisen werden, zählen vor allem die Ingenieursberufe, die meisten der naturwissenschaftlichen und die Lehrberufe.
Auch bei den Technikern ist eine ähnliche stürmische Entwicklung zu
erwarten.

Uli

- 5-

�13« Die voraussichtlichen Veränderungen in der Beschäftigungsstruktur geben aber nur ein unvollständiges Bild von dem künftigen
Arbeitskräftebedarf, denn ein weiterer erheblicher Bedarf wird sich
ebenfalls durch technologische Umschichtungen ergeben.
14» Der gesicherte Nachschub an Arbeitskräften für bestimmte
Beschäftigungsgruppen wird aber nicht allein von den Erziehungs- und
Ausbildungseinrichtungen abhängig sein, sondern auch durch solche
unabwägbaren Faktoren beeinflußt werden wie die Berufswahl, die jeder einzelne zu treffen hat. Es ist daher sehr schwer, das künftige
Angebot an Arbeitskräften in festen Ziffern auszudrücken. Verschiedene Vergleichsanalysen über das künftige Angebot und die Nachfrage nach Arbeitskräften sind jedoch inzwischen auf einer vorläufigen
Basis für die Fach- und akademischen Berufe mit dem Ziel erstellt
worden, die Planung von Ausbildungsprogrammen und anderen in dieser
Richtung notwendigen Schritten zu erleichtern. Damit soll den personellen Bedürfnissen in diesen entscheidend wichtigen*Berufen Rechnung getragen werden.
a) Der derzeitige Umfang der Lehrlingsausbildungsprogramme i6t
zu gering, um selbst die in den kommenden Jahren durch Tod, Pensionierung oder Berufswechsel sich ergebenden natürlichen Abgänge in
den einzelnen Facharbeitergruppen auszugleichen.
b) Die Neuzugänge in den akademischen und Fachberufen würden dagegen in etwa den voraussichtlichen Bedarf decken. Dennoch wird auch
weiterhin mit einem Personalmangel in zahlreichen Fachberufen zu rechnen sein, insbesondere dort, wo ein höheres Eildungs- und Ausbildungsniveau erforderlich ist.

Die voraussichtlichen Beschäftiigungstrends in den
einzelnen Wirtschaftszweigen
Ein guter Ausgangspunkt für die voraussichtlichen Entwicklungen
auf dem Beschäftigungssektor sind die heute schon überblickbaren Auswirkungen, die sich durch die Veränderungen in der Bevölkerungsstruktur ergeben.
Bis zum Jahre 1970 wird sich die Gesamtbevölkerung der Vereinigten Staaten nach den Voraussagen des US-Zensusbüros auf rund 210 Millionen erhöht haben und damit um 28 Millionen größer sein als im Jahr
1960. In den folgenden fünf Jahren dürfte es eine weitere Steigerung
um etwa 17 Millionen geben, so daß die USA im Jahre 1975 eine Gesamtbevölkerung von etwa 226 Millionen aufweisen werden.
Auf Grund dieser erwarteten Zunahme der Bevölkerung (sowie der
Veränderungen in der Teilnahme am Erwerbsleben in den einzelnen Altersgruppen der Männer und Frauen) ergibt sich eine bisher nicht gekannte Zunahme in der Zahl der verfügbaren Arbeitskräfte - ein Zuwachs
um rund 20 Millionen zwischen i960 und 1975« Die Zahl der in der Privatwirtschaft Tätigen wird dabei von rund 67 Millionen im Jahre 1960
auf etwa 80 Millionen im Jahr 1970 und 88 Millionen im Jahr 1975 ansteigen - was eine Zunahme um rund ein Drittel bedeutet.
Die

,(

- 6 -

�Die Zunahme der in der Privatwirtschaft tätigen Arbeitnehmer
wird dabei von erheblichen Veränderungen in der industriellen Beschäftigungsstruktur begleitet sein. Zahlreiche Industriezweige
werden auf Grund von Veränderungen in den Verbrauchergewohnheiten,
der Investitionsentscheidungen der Wirtschaft und der der Regierung hinsichtlich der Verwendung der öffentlichen Gelder entweder
einen Zuwachs oder einen Verlust an Produktionsvolumen und Beschäftigten aufweisen. Zu den anderen Paktoren, die einen nachhaltigen Einfluß auf die Beschäftigungsstruktur haben werden, sind
die Portschritte in der Technik, die Einführung neuer Produkte und
die Veränderungen in der Verfügbarkeit von natürlichen Hilfsquellen zu rechnen.
Der einzige Großsektor der amerikanischen Volkswirtschaft,
auf dem bestimmt mit einem Rückgang der Beschäftigtenzahl zwischen
1960 und 1975 selbst in Anbetracht einer Vollbeschäftigung zu rechnen ist, ist die Landwirtschaft. Die ständige Erhöhung der Arbeitsproduktivität in der Landwirtschaft, die die Hauptursache für den Rückgang in der Zahl der landwirtschaftlichen Arbeiter im vergangenen
Jahrzehnt war, wird auch in der Periode bis 1975 auf Grund der vermehrten Verwendung von Haschinen, Kunstdünger, Futtermittelzusätzen,
Herbiziden und Insektiziden andauern. Der ständige Rückgang in der
Zahl der Farmen, insbesondere der kleinen, geringe Einkommen erwirtschaftenden Farmen, wird gleichfalls anhalten. Auf der anderen Seite wird der Bedarf der größeren Farmen an zusätzlichen Arbeitskräften durch die weitere Mechanisierung in engen Grenzen gehalten werden. Alles in allem ist damit zu rechnen, daß die Zahl der landwirtschaftlichen Arbeitnehmer zwischen 1960 und 1970 von 5»7 auf 4»3
Millionen und bis 1975 auf 4»0 Millionen zurückgehen wird.
Im gleichen Zeitraum aber wird sich die Zahl der nichtlandwirtschaftlichen Arbeitnehmer schnell erhöhen. Nach den Schätzungen
des amerikanischen Arbeitsministeriums wird sich hier ein Anstieg
zwischen i960 und 1970 von 61 auf 76 Millionen und bis 1975 auf fast
84 Millionen ergeben. Die größte Zunahme werden dabei die unselbständigen Arbeitnehmer aufweisen, deren Zahl von 51»5 Millionen
(1960) auf 71,5 Millionen (1975) ansteigen wird. Die Zahl der anderen Arbeitnehmer (Selbständige, in Familienbetrieben ohne Bezahlung
Tätige usw.) wird sich ebenfalls, aber weniger stark erhöhen, und
zwar von 9»5 a u f 12 Millionen.
Die folgende Übersicht zeigt die voraussichtliche Entwicklung
bei den unselbständigen Arbeitnehmern in den verschiedenen Wirtschaftszweigen:
Wirtschaftszweig

-7

�Wirtschaftszwei g

Zahl der Beschäftigten
(in Millionen)
tatsächliche

voraussichtliche

Veränderungen
1 96O-I 975
(in *)

1960

1970

54,3

67,7

74,2

37

Lienstleistungszweige
(Gesamt)
34,0

43,7

48,8

44

11,4
.4
111

14,0

15,6

37

Regierung

8,5
8,
,5

11,5

12,8

51

Dienste, Verschiedenes

,A
7,4
7,

10,2

11,9

61

Transport,offentl.
Versorgung

,0
4,0
4,

4,4

4,5

13

Finanz, Versicherungen, Immobilien

2,7

3,5

3,9

44

20,4

24,0

25,4

25

Fertigungsindustrie

16,8

19,2

20,3

21

Bauwirtschaft

2,9

4,0

4,4

52

Bergbau

0,7

0,7

0,7

0

Gesamtwirtschaft

Groß- und Einzelhandel

Güterproduz.Zweige
(Gesamt)

1975

Von den nichtlandwirtschaftlichen Wirtschaftszweigen werden also
die Dienstleistungen hervorbringenden Industrien einen stärkeren Zuwachs
an Beschäftigten aufweisen als die Fertigungsindustrien. Die gesamte
prozentuale Zunahme bis 1975 dürfte hier fast 45 Prozent ausmachen,
während in den traditionellen güterproduzierenden Zweigen' nur eine Zunahme von etwa 25 Prozent erwartet wird.
Die Entwicklung in den einzelnen Wirtschaftszweigen
A. Dienstleistungszweige
1. Groß- und Einzelhandel; Die Zahl der Beschäftigten im Groß und
Einzelhandel, die in den vergangenen Dekaden erheblich angestiegen
ist, wird auch in den nächsten 15 Jahren dem bisherigen Trend folgen.
In dem Maße, in dem die Bevölkerung und die Verbraucherausgaben ansteigen, wird auch der Groß- und Einzelhandel ein ständig größeres Gütervolumen umzuschlagen und daher auch mehr Arbeitnehmer zu beschäftigen
haben. Auf Grund der technischen Entwicklung - wie die vermehrte

�vermehrte Aufstellung von Automaten, der Ausbau der Selbstbedienungsläden, die Einbeziehung von Elektronenrechnern für die Lagerkontrolle und Buchhaltung usw. - wird sich jedoch die Zuwachsrate
etwas abflachen. Insgesamt gesehen dürfte sich hier zwischen 196O
und 1970 eine Zunahme der Beschäftigtenzahl um rund 23 Prozent ergeben. Sie dürfte 1970 an die 14 Millionen betragen und bis 1975 auf
über 15 1/2 Millionen anwachsen. Jedoch wird sich das schon seit
1939 festgestellte Verhältnis von 1:3 zwischen den im Groß- und im
Einzelhandel Beschäftigten nicht verändern.
Ein Großteil der Neuzugänge in diesem Wirtschaftszweig wird aus
Halbtagsbeschäftigten bestehen, unter ihnen viele Frauen und Jugendliche. Der Aufbau von Shopping Centers in den Vororten der Großstädte und der Trend nach einer Verlängerung der Geschäftszeit bis
in die späten Abendstunden forcieren den Bedarf an stundenweise
Beschäftigten - Arbeitnehmern, die in den angrenzenden Siedlungsgebieten wohnen. Auch wird der Groß- und Einzelhandel weiterhin
zahlreiche Beschäftigungsmöglichkeiten für Selbständige bieten.
2. Regierung: Die Zahl der im öffentlichen Dienst Beschäftigten
wird zwischen 196O und 1970 um rund ein Drittel zunehmen und einen
Stand von etwa 11 Millionen erreichen. Ein Anstieg um weitere 2
Millionen auf insgesamt 13 Millionen wird für die Periode 1970-1975
erwartet. Wie auch schon in den vergangenen 15 Jahren werden die bundesstaatlichen und kommunalen Verwaltungen dabei den stärksten Anstieg
zu verzeichnen haben. Auf Grund der allgemeinen Bevölkerungszunahme
und des Zustroms von Personen aus den ländlichen Gegenden in die
Stadtgebiete und aus den Städten in die Vororte ergibt sich zwangsläufig ein höherer Bedarf an Arbeitskräften für das Erziehungswesen,
den öffentlichen und allgemeinen Gesundheitsdienst, die Ordnungsund Schutzorgane wie Polizei und Feuerwehr, die Straßenreinigung
und -Unterhaltung sowie für die Wohlfahrtspflege. Aus diesen Gründen
ist zu erwarten, daß die Zahl der von den Bundesstaaten und Gemeinden
Beschäftigten in den nächsten 15 Jahren um etwa 50 Prozent ansteigen
wird, während der Beschäftigtenstand des Bundes sich nur* unwesentlich
verändern dürfte.
3« Verschiedene Dienstleistungszweige; Mit dem weiteren Anstieg
deB Pro-Kopf-Einkommens ist zu erwarten, daß die Verbraucher - wie
auch in den vergangenen 15 Jahren - einen immer größeren Teil ihres
Einkommens für die zahlreichen Dienstleistungen aufwenden werden.
Die Zahl der Arbeitsplätze wird sich daher in diesen Wirtschaftszweigen bis 1975 weitaus stärker erhöhen als in allen anderen Sektoren
der US-Wirtschaft. Bis zum Jahre 1970 dürfte sie bis auf 10 Millionen
und bis 1975 auf fast 12 Millionen ansteigen. Das entspricht einer
Zunahme um 60 Prozent.
Innerhalb dieser großen Gruppe werden die Arzt- und Heilberufe
die stärksten Zugänge aufweisen. Bei den Faktoren, die die Zuwachsrate beeinflussen, sind neben der Bevölkerungszunahme insbesondere
die Erhöhung der Zahl der älteren Menschen und der Kinder zu nennen
sowie die steigenden Einkommen, die Ausweitung des öffentlichen Gesundheitsdienstes und der medizinischen Forschung, die Veränderungen
in der Gesundheitsvorsorge und der Bau.neuer medizinischer Einrichtungen.
Aber

- 9 -

�Aber auch auf anderen Dienstleistungssektoren wird die Beschäftigtenziffer beträchtlich zunehmen. Dies wird in erster Linie darauf
zurückzuführen sein, daß viele Unternehmen die Werbung für ihre Produkte immer mehr den Agenturen überlassen, in stärkerem Maße als
bisher die Durchführung ihres gesamten Rechnungswesens Buchhaltungsund Buchprüfungsfirmen und das Inkasso und die Kunden-Kreditabwicklung den auf diesem Sektor tätigen Fachunternehmen übertragen werden.
Schließlich wird noch die höhere Zahl von Jugendlichen im schulpflichtigen Alter einen höheren Bedarf an Lehrkräften nicht nur in den
öffentlichen Schulen, sondern auch in den privaten Bildungsstätten
bedingen.
4. Transport- und öffentliche Versorgungsunternehmen; Wie schon
in den vergangenen Dekaden werden die Beschäftigungstrends innerhalb
dieser Gruppe auch in den nächsten 10 bis 15 Jahren sehr unterschiedlich sein. Unter Berücksichtigung dieser Trends und von der allgemeinen Annahme ausgehend, daß eine Vollbeschäftigung erreicht werden
kann, ist eine Zunahme der Zahl der Arbeitskräfte von gegenwärtig
4,0 auf 4,4 (1970) und 4,5 Millionen (1975) zu erwarten.
5. Finanz, Versiaherungen,. Immobilien: Der Beschäftigtenstand in
diesen Dienstleistungszweigen hat sich in all den Jahren stetig erhöht. Auch in den nächsten 15 Jahren wird das der Fall sein. Es kann
damit gerechnet werden, daß 1970 rund 3»5 und 1975 etwa 3,9 Millionen
in diesen Branchen Beschäftigung finden. Das entspräche einer Zunahme
um 45 Prozent. Auslösende Faktoren sind hier die zunehmende Kompliziertheit des gesamten Finanzwesens, die weiter steigenden Einkommen
und das allgemeine Wachstum der Wirtschaftsunternehmen und der Stadtbevölkerung.
Bei den Banken, die i960 rund ein Viertel aller Arbeitnehmer dieser Gruppe beschäftigten, wird die Zunahme in der Zahl der Arbeitsplätze trotz der stärkeren Verwendung von elektronischen Datenverarbeitungsanlagen besonders rasch erfolgen. Bis zum Jahre 1975 dürfte
dabei der Anteil der Banken an der Gesamtbeschäftigtenzahl dieser
Gruppe bis auf 40 Prozent ansteigen. Im Versicherungswesen und bei
den Immobilienfirmen kann dagegen mit einer Zunahme der Beschäftigtenzahl um etwa ein Drittel gerechnet werden.
Da die weiblichen Arbeitnehmer gegenwärtig rund die Hälfte aller
Beschäftigten in diesen Branchen ausmachen, ergeben sich hier durch den
schnellen Anstieg der Arbeitnehmerzahl bedeutende Auswirkungen auf die
Frauenbeschäftigung.
B. Güterproduzierende Zweige
1. Fertigungsindustrie; Die Zahl der Beschäftigten in der Fertigungsindustrie dürfte zwischen i960 und 1970 nicht so stark ansteigen
wie in sämtlichen anderen nichtlandwirtschaftlichen Zweigen der US-Wirt-schaft. Mit 16,8 Millionen Arbeitnehmern hatte die Fertigungsindustrie
- der größte Wirtschaftssektor - 196O einen Anteil an der gesamten
(nichtlandwirtschaftlichen) Beschäftigtenziffer von rund 30 Prozent.
Bis zum Jahrä.1970 wird sich die Beschäftigtenziffer auf 19 Millionen
erhöhen, der Anteil dabei aber auf 28 Prozent zurückgehen. Auch bis

10

-

�bis 1975 wird eine weitere - wenn auch relativ viel geringere Zunahme um eine Million auf insgesamt 20 Millionen bei gleichzeitigem
weiteren Rückgang des Beschäftigtenanteils erwartet. Auch in diesem
Fall gehen die Schätzungen von der Annahme aus, daß eine Vollbeschäftigung erreicht werden kann. Wenn allerdings dieses hohe Beschäftigungsniveau nicht erzielt werden sollte, dann wird die Zahl der Arbeitnehmer in diesem Industriezweig wesentlich niedriger sein, da die
Fertigungsindustrie ja bekanntlich am stärksten auf die Ausschläge
des Konjunkturbarometers reagiert.
Innerhalb der verschiedenen Branchen dieses Industriezweiges
dürften die Entwicklungstrends sehr unterschiedlich verlaufen. Wie
auch schon in all den Nachkriegs jähren wird dabei die Dauergüterindustrie einen größeren Zuwachs an Arbeitsplätzen aufweisen als die
Verbrauchsgüterindustrie. Zwischen 196O und 1975 dürfte die Zunahme
in den Lauergüterzweigen dabei um etwa das Doppelte größer sein. Auf
Grund der zu erwartenden höheren Ausgaben der Regierung für Raketen,
Raumfahrzeuge und elektronische Geräte dürfte die Zahl der Arbeitsplätze in den entsprechenden Produktionszweigen erheblich ansteigen.
Beträchtliche Zunahmen sind auch in anderen Dauergüterindustrien zu
erwarten, die sich vor allem mit der Herstellung von automatischen
Produktionseinrichtungen und anderen fortschrittlichen Maschinen und
Geräten befassen. Von den Verbrauchsgüterzweigen dürften die chemische
Industrie, das Druckereigewerbe und die Papierindustrie die stärksten
Zugänge von Arbeitskräften aufweisen.
2. Bauwirtschaft: Die Beschäftigungszuwachsrate im Baugewerbe
wird in den nächsten 15 Jahren erheblich über der der Gesamtwirtschaft
(ohne Landwirtschaft) liegen, und zwar auf Grund des zu erwartenden
Mehrbedarfs an Wohn-, Industrie- und Geschäftsbauten. Der Wohnungsbau
wird dabei einen erheblichen Auftrieb durch die Zunahme der Bevölkerung und der Familieneinheiten, die Erhöhung der Familieneinkommen,
und auf Grund der anhaltenden Bevölkerungsumschichtungen von den Stadtkernen in die Vororte erhalten. Eine direkte Folge dieser Entwicklung
sind größere Aufwendungen der öffentlichen Hand für den Bau von Schulen,
Krankenhäusern und Straßen. Mit der allgemeinen Expansion der Volkswirtschaft wird sich auch der Bedarf an neuen Fabriken, Geschäftshäusern, Läden und Banken erhöhen. Insgesamt dürfte die Bautätigkeit
zwischen 196O und 1970 nach Schätzungen des US-Handelsministeriums
um 57 Prozent zunehmen und sich bis 1975 verdoppelt haben. Der Anteil
der Reparaturarbeiten am Gesamtvolumen der Bauwirtschaft, der gegenwärtig etwa ein Drittel beträgt, dürfte sich in dieser Periode wesentlich erhöhen. Die Zunahme der Beschäftigtenzahl wird jedoch nicht ganz
mit der Entwicklung Schritt halten, da einerseits die Mechanisierung
weiter fortschreiten wird und zum anderen mehr Fertigbauteile Verwendung finden dürften.
In Anbetracht dieser Gegebenheiten dürfte die Zahl der Beschäftigten im Baugewerbe bis 1970 auf rund 4»0 Millionen ansteigen, was
einer Steigerung gegenüber i960 um 38 Prozent gleichkommt. Unter der
Voraussetzung einer Vollbeschäftigung ist für 1975 mit einer Gesamtbeschäftigtenzahl im Baugewerbe von 4»5 Millionen zu rechnen.
3. Bergbau-*

-

11

�5. Bergbau; Im Gegensatz zu allen anderen Wirtschaftszweigen,
wird die Beschäftigung im Bergbau zwischen 1 96O und 1975 wahrscheinlich konstant bleiben und sich in Nähe der 700 OOO-Grenze bewegen.
Im Steinkohlebergbau, wo die Zahl der Arbeitnehmer im vergangenen
Jahrzehnt sehr stark abgesunken ist, ist mit weiteren Rückgängen
zu rechnen. Da jedoch in den anderen Zweigen des Bergbaues geringfügige Zunahmen zu verzeichnen sein werden, wird sich der heutige
Beschäftigtenstand kaum verändern.

(Quelle: "Monthly Labor Review",
Vol. 86, Nr. 3, März 1965)

* * * * *

Solomon Barkin, Stellvertretender Direktor der Abteilung für Arbeitsund Sozialfragen der OECD in Paris:
Berufsausbildung im Zeitalter der schnellen technischen Veränderungen
Aus "Free Labour World".
Bei Nachdruck ist die Angabe der
Quelle und des Verfassers erforderlich.

Durch die Mechanisierung, die Anwendung wissenschaftlicher Methoden in der Betriebsführung, die Automation und jetzt auch durch die
Neugestaltung der Wirtschaftsstruktur in den Notstandsgebieten sind
zahlreiche Veränderungen in der amerikanischen Volkswirtschaft ausgelöst worden.
*
Diese Entwicklungen haben zwangsläufig auch große Veränderungen
der Struktur und Art der industriellen Arbeitsplätze mit sich gebracht.
Ein vollkommen neuer Produktionsarbeitertyp zeichnet sich immer deutlicher ab. Die Zahl der Wartungsberufe nimmt ständig zu, und der Bedarf
an wissenschaftlich und technisch gebildeten Arbeitskräften weitet
sich sprunghaft aus.
Der Übergang von der rein handwerklichen Tätigkeit zur mechanisierten Fließbändarbeit brachte eine wesentliche Verminderung der
physischen Anstrengungen und eine stärkere Spezialisierung für die
Arbeiter mit sich. Gleichzeitig wurden sie weitgehend von ihrer Verantwortung für das Gesamtprodukt entbunden. Die Arbeitnehmer in den
Massengüterindustrien wurden "Maschinisten", die die Aufgabe haben.

-

12

�haben, die Maschine zu überwachen, zu steuern und zu warten. Die
erforderliche Ausbildung, die sie hierfür benötigten, war unterschiedlich, in der Regel jedoch nicht sehr umfassend.
Die wissenschaftliche Betriebsführung verstärkte den Bedarf
an Management-Spezialisten mit einem umfangreicheren Wissen zur
Beherrschung spezieller Betriebsführungstechniken. Eine längere
schulische Ausbildung wurde zwangsläufig für einen großen Arbeitnehmerkreis zum wesentlichen Kriterium für eine Anstellung.
Unsere Zeit, die uns die automatischen Produktionsverfahren,
insbesondere die Elektronenrechner und die Servomechanismen bescherte, hat auch einen neuen Produktionsarbeitertyp, den Operateur von Produktionsautomaten, geschaffen, für den wir die entsprechenden neuen schulischen Ausbildungsmöglichkeiten bereitstellen müssen. Die in diesem Beruf gestellten körperlichen und handwerklichen Anforderungen liegen heute unter denen der Arbeiter in
den Massengüterindustrien.
Von Bedeutung ist jedoch, daß sich die Verantwortung des Bedienungspersonals für Produktionsautomaten erhöht hat. Sie sind entweder als einzelne oder als Angehörige einer Arbeitsgruppe für eine ganze Produktionsstufe verantwortlich. Die Hauptanforderungen, die an sie gestellt werden, sind geistiger Art. Während die
Maschine sich selbst reguliert, ist es ihre Pflicht, die Arbeitsweise der Maschine zu kennen. In erster Linie obliegt es ihnen dabei,
mögliche Pannen, die sich aus unbekannten Ursachen ergeben können,
rechtzeitig zu erkennen und die Maschine so einzustellen, daß sie
maximale Leistungen erreicht.
Diese Fähigkeiten gewinnen immer stärker
Operateur muß in der Lage sein, solche Pannen
organen - Auge, Nase, Ohr - zu "erspüren". Er
jenen Symptomen unterscheiden können, die auf
hindeuten, und jenen,die normal sind.

an Bedeutung. Der
mit seinen Sinnesmuß ebenso zwischen
einen Leistungsabfall

Um diese Sinneneindrücke zweckentsprechend auswerten zu können,
muß der Operateur eine genaue Kenntnis seiner Tätigkeiten haben. Dazu gehören sowohl die Betriebsanweisungen seiner Maschinen als auch
die betreffenden Produktionsverfahren und -techniken, das Kontrollsystem, die Kontrollinstrumente und die Symptome von Pannen. Vor
allem aber muß er entscheiden können, welche Schritte zu unternehmen
sind, wenn es zu einer Störung des Produktionsablaufs kommt. Dies
ist insofern ein sehr wichtiger Faktor, als jede - wenn auch noch so
geringfügige - Fehlentscheidung im Hinblick auf Zeit und Geld von
weitreichender Bedeutung sein kann. Da er schließlich Teil einer
Arbeitsgruppe ist, werden an ihn auch erhöhte menschliche Anforderungen gestellt, das heißt, er muß es verstehen, ein gutes Arbeitsklima zu schaffen und zu erhalten.
Die Ausbildung eines solchen Operateurs von Produktionsautomaten weicht in vielerlei Hinsicht von der der Arbeitnehmer der Massengüterindustrien ab. Nicht die besonderen technischen oder handwerklichen Fähigkeiten stehen hier im Mittelpunkt, sondern in erster
Linie die geistigen.
-.,

�Ein hohes Niveau an technischem Wissen wird ihn für eine große
Anzahl von Tätigkeiten qualifizieren - Wissen, das ihm im Rahmen des
allgemeinen technischen Unterrichts an den Aufbauschulen vermittelt
werden kann. Außerdem aber muß ihm ein großes Verantwortungsgefühl
anerzogen werden, das für die Erledigung seiner Aufgaben erforderlich ist.
Der Maschinenwärter benötigt in dieser neuen Ära ebenfalls umfangreichere Kenntnisse von Werkzeugen, Materialien und Pruduktionstechniken. Neue Verfahren werden strändig eingeführt, und im gleichen
Augenblick, wo sie da sind, muß er sie auch beherrschen. In der Technik der Zukunft werden Hydraulik, Pneumatik und Elektronik eine
bedeutende Rolle spielen. Das Wartungspersonal muß dafür gerüstet
sein.
Die größten beruflichen Chancen bieten sich gegenwärtig für die
aus den unteren Rängen aufgestiegenen Instrumentenmechaniker. Ähnlich
günstige Aussichten bestehen auch in verstärktem Maße für die Allroundmechaniker, die in der Lage sein müssen, sehr viel mehr handwerkliche Tätigkeiten auszuführen als in den Industriebetrieben heute
allgemein üblich sind.
Die gesamte Berufsschulausbildung darf nicht länger nur darauf
ausgerichtet sein, junge Menschen auf einen speziellen Beruf vorzubereiten. Die Berufe sind einem ständigen Wandel unterworfen und bestehen vielfach nur dem Namen nach weiter. Die beruflichen Anforderungen werden weiter zunehmen. Zwar wird es auch in Zukunft zahlreiche Berufe geben, die keine besonders hohen Anforderungen an die
Arbeitnehmer stellen, aber diese werden in erster Linie ir den Randzweigen der amerikanischen Wirtschaft anzutreffen sein und zudem ebenfalls ständig an Niveau gewinnen. Als Volk können wir es urs nicht lei
sten, daß das Arbeitspotential leistungsmäßig nicht voll benutzt wird.
Dazu sind die Investitionen für die Produktionsausrüstungen, das Erziehungs- und Ausbildungswesen, den sozialen Überbau und die Sozialleistungen zu groß.
Die Erhöhung der Lebenserwartung bedeutet gleichzeitig auch eine
Veränderung des Arbeitslebens. Die bisherigen Erfahrungen haben deutlich gezeigt, daß der einzelne Arbeitnehmer seine Tätigkeit den technologischen Veränderungen ir der Wirtschaft immer wieder anpassen muß.
Durch den Rückgang der alten Industrien werden zwangsläufig viele
Arbeitnehmer freigesetzt, für die es neue Arbeitsplätze zu schaffen
gilt. Auch die erheblich größer gewordene Mobilität der Industrie
selbst wird ähnliche Auswirkungen zur Folge haben.
All diese Trends zeigen ganz klar, daß es in Zukunft nötig ist,
die jungen Menschen nicht nur auf einen bestimmter. Beruf vorzubereiten, sondern sie so auszubilden, daß sie sich während ihres langen
Arbeitslebens den jeweiligen Veränderungen in der Beschäftigungsstruktur anpassen können.
Ziel der Erziehung und Ausbildung muß es daher sein, die jungen
Menschen auf ein Leben der ständigen Anpassungen vorzubereiten, ihre
geistigen Fähigkeiten zu schärfen und ein Verantwortungsgefühl bei

-

14

-

�bei ihnen zu entwickeln. Ihr Lernvermögen muß darüber hinaus so entwickelt werden, daß sie selbst in der Lage sind, sich immer neues
Wissen zu erarbeiten. Die Lehrmethoden müssen denjenigen für Erwachsene angepaßt werder, die sich bei der Weiterbildung mehr auf
das früher Erlernte als auf die direkte Unterweisung stützen, wie
dies bei den Jugendlichen der Fall ist.
Die größte Beachtung verdient in diesem Zusammenhang der praktische, berufsfördernde Unterricht an den Aufbauschulen, deren Lehrpläne den heutigen Bedürfnissen der Industrie anzupassen sind. Der
Absolvent dieser Schule muß das sichere Gefühl haben, den künftigen
beruflichen Anforderungen gewachsen zu sein und sein Leben lang lernen
und sich fortbilden zu können.

(Aus "Free Labour World".)

* * * * *

"DOT" - Ein Bestseller wird neu aufgelegt
Zu den zahlreichen Bestsellern, die das amerikanische Arbeitsministerium im Eigenverlag laufend herausbringt - Veröffentlichungen
über arbeits- und lohnpolitische Entwicklungen, Gewerkschaftsfragen
und die Automation -, zählt vor allem eine Publikation, die sich trotz
der ihr anhaftenden Trockenheit eines großen Leserkreises im In- und
Ausland erfreut. Sie trägt den nüchternen Titel "Dictionary of
Occupational Titles" - kurz "DOT" genannt - und enthält eine genaue
Beschreibung aller heute in der amerikanischen Industrie und Wirtschaft ausgeübten Berufe.
Seit der Veröffentlichung der 1. Auflage des "DOT" im Jahre 1939,
in der insgesamt 17 452 Berufe beschrieben waren, sind von diesem
Standardwerk bereits über 200 000 Exemplare abgesetzt worden. Zwar
sind in all den Jahren ständig Neuauflagen erschienen - die letzte
grundlegende Neufassung wurde 1949 vorgenommen -, dennoch aber entspricht das "Berufe-Lexikon" - zumal die Zahl der Berufe inzwischen
auf 25 000 angewachsen ist - nicht mehr den tatsächlichen Verhältnissen, weil es noch nicht jene Tausende von neuen Tätigkeiten aufführt,
die durch die schnell fortschreitende Technik geschaffen wurden.
Da weitere Überarbeitungen auch nur Stückwerk bleiben würden, hat
das US-Arbeitsministerium sich jetzt entschlossen, einen vollkommen
neuen Band herauszubringen und zu diesem Zweck eine große "Bestandsaufnahme" in allen Industrie- und Wirtschaftszweigen durch geschulte
Fachleute vornehmen zu lassen.
Schon die ersten Untersuchungsberichte lassen erkennen, daß sich
inzwischen die Zahl der tatsächlich ausgeübten Berufe einerseits ganz
erheblich vergrößert hat, andererseits aber auch zahlreiche berufliche

-

15

-

�berufliche Tätigkeiten nur noch auf dem Papier existieren.
Zu denjenigen Industrien, die eine Vielfalt von neuen Tätigkeiten hervorgebracht haben, zählen vor allem die Flugzeugindustrie, die datenverarbeitenden Zweige der Wirtschaft und sämtliche
mit der Atomenergie in Zusammenhang stehenden Wirtschaftsunternehmen.
Nach dem bisherigen Stand der Erhebungen ist damit zu rechnen, daß
der neue Band des "Berufe-Lexikons" mehr als 40 000 Berufsbezeichnungen aufführen wird, darunter etwa 6000, die in den letzten Ausgaben überhaupt noch nicht erwähnt waren.
Die für die Herausgabe des "DOT" erforderlichen Unterlagen werden von Spezialisten auf Grund von Interviews zusammengestellt, die
sie in den verschiedensten Betrieben der einzelnen Industrie- und
Wirtschaftszweige mit den entsprechenden Fachleuten für Arbeitsplatzfragen sowie mit den Arbeitnehmern selbst an ihren Arbeitsplätzen führen.
Im einzelnen sammeln sie dabei Informationen über die auszuführenden Tätigkeiten, die jeweils erforderlichen Kenntnisse und
Qualifikationen, die notwendige Ausbildungszeit, die körperlichen
und geistigen Voraussetzungen, die Arbeitsbedingungen usw.
Ehe der neue "D0T"-Band - wie vorgesehen - im nächsten Frühjahr erscheinen kann, müssen noch rund 60 000 Einzelanalysen durchgeführt, die Ergebnisse ausgewertet und redaktionell bearbeitet werden. Dann aber wird das US-Arbeitsministerium der interessierten
Fachwelt wieder ein Nachschlagewerk anbieten können, von dem man
heute schon sagen kann, daß es wieder ein Bestseller ist.

(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

-

16

-

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
USIS-Bonn/Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmittellungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XVI - 8/9

Bad Godesberg, der. 1. August 1963
INHALTSVERZEICHNIS

Die Arbeitsmarkt- und Beschäftigungsprobleme der USA
in den Jahren 1960-1975 (II)

Seite

1

Gleiche Berufschancen für die Farbigen

Seite

9

"Stille Einigung" - der neue Stil im US-Tarifverhandlungswesen

Seite

10

Vorbeugen - die Hauptaufgabe des modernen Unfallschutzes
Gewerkschaftliche Kurznachrichten

Seite
Seite

11
13

Die Arbeitsmartc L- und Beschäf -,igy.pgsproble:i.e der USA in den
Jahren 1960-1975 (il)
Die Veränderungen in den einzelnen Berufsgruppen
A. Allgemeines

In der Beschäftigungsstruktur der Vereinigten Staaten werden
sich in den nächsten 15 Jahren erhebliche Veränderungen ergeben.
Die auslösenden Faktoren sind dabei die sehr unterschiedlichen
Wachstumstrends der einzelnen Industriezweige, das aller Voraussicht
nach sich noch steigernde Tempo des technologischen Fortschritts
sowie das Fortbestehen all.jener Einflüsse, die auch schon in den
vergangenen Jahren die beruflichen Umschichtungen bewirkten.. Eine
genaue Analyse der künftigen Beschäftigungstrends in den wichtigsten Berufen ist deshalb von großer Bedeutung, weil sich nur dadurch ein exakter Überblick über den künftigen Arbeitskräftebedarf,
das Arbeitsangebot, die Mangelberufe und die beruflichen Anforderungen gewinnen läßt.
Bei der Beurteilung des künftigen Arbeitskräftebedarfs in den
einzelnen Berufszweigen ist sowohl die Zahl der auf Grund des allgemeinen wirtschaftlichen V/achstums neu entstehenden Arbeitsplätze
zu berücksichtigen als auch die Zahl jener, die durch das Ausscheiden von Arbeitnehmern aus dem Beruf wegen Tod, Krankheit, Pensionierung, Berufswechsel oder aus anderen Gründen, zwangsläufig frei
werden

-

- , -

Auf

�Auf die Tatsache, daß sich durch personelle Umschichtungen von
einem Industriezweig zum anderen weitere Veränderungen der 2iusammensetzung des Arbeitspotentials ergeben werden, wurde bereits hingewiesen. Jeder Industriezweig hat eine spezielle Struktur, die wie in der Vergangenheit - auch in Zukunft solchen Veränderungen
unterworfen sein wird, die aus der Einführung neuer Produkte und
neuer Produktionsverfahren sowie aus anderen technischen und wirtschaftlichen Entwicklungen resultieren. Durch die Veränderungen
der Beschäftigungsstruktur innerhalb der Industriezweige selbst
und das ungleiche Wachstum der einzelnen Industrien wird die Nachfrage nach Arbeitskräften mit speziellen Kenntnissen auch in Zukunft
beeinflußt werden. Und wie aus den bisher, vom US-Arbeitsministerium
durchgeführten Untersuchungen hervorgeht, wird sich dies in der Weise
auswirken, daß die Nachfrage nach Arbeitnehmern mit guter Schulbildung und einer umfassenden beruflichen Ausbildung weiter zunehmen
wird, während die Beschäftigungschancen für ungelernte Arbeitnehmer
ständig zurückgehen werden.
Die Bedeutung einer soliden schulischen Ausbildung für die
berufliche Karriere erhält durch den schnellen technischen Wandel
und die damit verbundenen häufigen Veränderungen in den beruflichen
Anforderungen noch einen besonderen Akzent. Die Arbeitnehmer müssen
in Zukunft eine weitaus größere berufliche Anpassungsfähigkeit besitzen als bisher, wobei eine gute schulische und berufliche Ausbildung die Grundlage für den Aufbau eines anpassungsfähigen Arbeitspotentials ist.
Die wichtigsten Beschäftigungstrends in den kommenden Jahren
werden folgende sein:
1 . ein weiterhin verhältnismäßig schneller Anstieg der Zahl der
Arbeitnehmer in den Angestelltenberufen, insbesondere in den akademischen und technischen Pachberufen;
2. ein langsamerer Anstieg der Zahl der "Arbeiter" ("bl.ue
collar workers"), wobei die Handwerksberufe die größte und die
Hilfsarbeitersparten keine Zunahme aufzuweisen haben werden;;
3. eine überdurchschnittliche Zunahme der Zahl der Arbeitsplätze
in den Dienstleistungszweigen und
4. ein weiterer Rückgang der Zahl der Farmer und landwirtschaftlichen Arbeiter.
Bei einem voraussichtlichen Anstieg der Gesamtbeschäftigtenzahl
zwischen 196O und 1970 um 20 Prozent werden die Angestelltenberufe
eine Zunahme um 30, die "Arbeiterberufe" eine Zunahme um 14 Prozent
erfahren. In der gesamten Periode 1960-1975 dürfte die Zahl der Beschäftigten in den USA um 31 Prozent zunehmen - in den "White-collar"Berufen um 46 und in den "Blue-collar"-Berufen um 21 Prozent.

Die

2

�Die Veränderungen ir. der Beschäftigungsstruktur

Berufsgruppen

66,7

1960-1975

Voraussichtl.
Stand 1970
in Mio in &lt;/o

Voraussichtl. VerändeStand 1975
rung
in Mio in fo (1P601975)
in

100

80,5

100

87,6

100

+

31

Stand i960
i n Hi 0
in &lt;?o

Gesamt

-

Akadem. u.
techn.
Fachkräfte

7,5

11,2

10,7

13,3

12,4

14,2

+

65

Manager, leitende Angestellte u.
Inhaber(ohne
Farmer)

7,1

10,6

8,6

10,7

9,4

10,7

+

32

Büroangestellte u.a.

9,8

14,7

12,8

15,9

14,2

16,2

+

45

Verkäufer

4,4

6,6

5,4

6,7

5,9

6,7

12,8

12,8

+

12,8

10,3

11,2

u . F a c h a r b e i t e r 8,6

30

13,6

16,3

+

18

16,0

16,9

14,2

Fabrikarbeiter 12,0

11 ,1

13,8

12,5

14,3

+

51

-

28

- + 34

Handwerker, Vor-

Dienstpersonal
Hilfsarbeiter
(ohne Landwirtschaft und
Bergbau)
Farmer, Verwalter, Landwirtschaf tl.
Arbeiter

8,3

12,5

3,7

5,5

3,7

4,6

3,7

4,3

5,4

8,1

4,2

5,3

3,9

4,5

B. Die voraussichtlichen Veränderungen
1. Akademische und technische Fachkräfte; Die Gruppe der akademischen und technischen Fachberufe, die in der vergangenen Dekade den
größten Zuwachs von allen Berufsgruppen aufzuweisen hatte, dürfte in
den Jahren 196O-I975 eine Wachstumsrate erreichen, die um mehr als
das Doppelte über der Durchschnittsrate liegt. Der Anstieg der Beschäftigtenzahl wird hier zwischen i960 und 1970 rund 43 Prozent betragen und zwischen 1970 und 1975 um weitere 16 Prozent zunehmen. Die

-

3

-

�Die Gesamtzahl der in den akademischen und technischen Fachberufen
Tätigen würde sich damit bis 1975 auf mehr als 12 Millionen erhöhen.
Der Arbeitskräftebedarf wird dabei in praktisch allen Berufszweigen
ganz erheblich ansteigen, so auch in der Gruppe der Lehrer, Ärzte,
Sozialwissenschaftler, Geistlichen, Juristen, Ingenieure und Naturwissenschaf tler.Allerdings werden die Wachstumsraten innerhalb dieser Gruppe unterschiedlich sein.
In den Ingenieur- und den naturwissenschaftlichen Berufen wird
der Arbeitskräftebedarf bis 1975 auf etwa 2,4 Millionen ansteigen,
was eine Erhöhung um das Doppelte gegenüber 1960 bedeutet. Der Bedarf an Ingenieuren wird sich 1970 auf fast 1,4 Millionen belaufen das sind 550 000 mehr als i960. Das Arbeitsplatzangebot für Wissenschaftler dürfte bis 1970 auf 580 000 Stellen anwachsen im Vergleich
zu 335 000 im Jahre 196O. Der größte Bedarf ergibt sich hier für die
Zweige der Luft- und Raumfahrt, der medizinischen Forschung, der Verteidigung sowie für die technischen Hilfsprogramme. Besonders groß
wird die Nachfrage nach solchen Wissenschaftlern sein, die bereits
ihr Doktorat besitzen oder in ihrer beruflichen Ausbildung schon
weiter sind. Zu berücksichtigen ist in dieser Hinsicht jedoch, daß
die zu erwartenden Schwerpunkte in den wissenschaftlichen Sparten
nicht mit Bestimmtheit angegeben werden können, zumal im Jahre 1970
etwa bestimmte Spezialisten gefragt sein dürften, über deren Wirken
heute noch keine klare Vorstellung herrscht.
Generell kann jedoch schon jetzt gesagt werden, daß bei den
Mathematikern und Physikern die größten Zunahmen erfolgen werden;
aber auch die Aussichten für Chemiker und Biologen sind äußerst
günstig. Andere wissenschaftliche Berufe dagegen - wie etwa der
des Geologen - dürften eine erheblich geringere Wachstumsrate aufwei sen.
Die Zahl der technisch-wissenschaftlichen Fachkräfte belief
sich im Jahre i960 auf rund 775 000. Der Bedarf an diesen Spezialisten wird sich in den nächsten 10 bis 15 Jahren zumindest ebenso stark
erhöhen wie die Zahl der Wissenschaftler und Ingenieure, so daß bis
1975 möglicherweise eine Verdoppelung eintritt.
Bei den Lehrberufen wird sich 1970 ein Bedarf von insgesamt
fast 2,5 Millionen Lehrkräften ergeben. Gegenüber 196O bedeutet das
eine Zunahme um rund 500 000. Dieser Schätzung liegt dabei die Erwartung zugrunde, daß sich die Zahl der Schulpflichtigen weiterhin stark
erhöht, die durchschnittliche Länge der Schulzeit weiter zunimmt und
die angestrebte maximale Klassenstärke verwirklicht werden kann.
Der Bedarf an Lehrkräften wird an den Colleges verhältnismäßig
stärker zunehmen als an den Grund- und Oberschulen. Die Zahl der an
Colleges und Universitäten tätigen Lehrkräfte und Professoren betrug
1960 etwa 175 000; diese Zahl müßte, bis 1970 jedoch um etwa 80 Prozent erhöht werden, wenn zu diesem Zeitpunkt allen Jugendlichen ein
College- und Universitätsstudium gesichert sein soll, die den höheren
Bildungsweg einschlagen wollen.
Die

4

�Die außerordentliche hohe Wachstumsrate in den technischen
Berufen, die auch in den nächsten Jahren beibehalten werden dürfte,
ist ein weiterer bemerkenswerter Trend auf dem Beschäftigungssektor.
Obwohl der Mangel an Ingenieuren und Wissenschaftlern - und die sich
hieraus ergebende Notwendigkeit, sie von solchen Aufgaben zu entlasten, die von weniger qualifizierten Kräften ausgeführt werden können auch in den beiden letzten Dekaden dazu beigetragen hat, die Beschäftigungsmöglichkeiten für technische und wissenschaftliche Hilfskräfte
zu vergrößern, hat dieses schnelle Wachstum doch fundamentalere Gründe.
Es ist in erster Linie durch die zunehmende Kompliziertheit der modernen Technik bedingt, durch die der Bedarf an solchen Arbeitnehmern
forciert wurde, die einige Grundkenntnisse in der Mathematik und den
Naturwissenschaften sowie eine spezielle Fachausbildung besitzen.
2. Manager, leitende Angestellte und Inhaber: Die Zahl der Geschäftsinhaber dürfte in den nächsten Jahren nur geringfügig zunehmen,
da der schon in der letzten Dekade feststellbare Trend zur Bildung
größerer Wirtschaftsunternehmen sich fortsetzen und damit die Zahl
der Firmen etwa auf dem derzeitigen Stand halten wird. Die Zahl der
Manager und anderer leitender Angestellter in Wirtschaft und Regierung
sollte dagegen weiterhin verhältnismäßig schnell zunehmen.
Auf Grund dieser sehr unterschiedlichen Trends wird die Zunahme
in dieser Gruppe im Vergleich zu allen anderen Angestelltengruppen
wahrscheinlich geringer sein. Dennoch dürfte die relative Zunahme
hier etwa ebenso hoch sein wie die Zunahme in allen Berufsgruppen, die
für die Zeit zwischen i960 und 1970 rund 20 Prozent und für die folgenden fünf Jahre 9 Prozent betragen wird. Die Gesamtzahl der Beschäftigten in der Gruppe der Manager, leitenden Angestellten und Geschäftsinhaber wird dabei bis 1970 auf 8,6 Millionen und bis 1975 auf 9,4 Millionen ansteigen.
3. Angestellte: Die Zahl der in dieser Gruppe erfaßten Arbeitnehmer dürfte in den nächsten 15 Jahren eine relativ starke Zunahme erfahren, da der Anfall an neuen Büroarbeiten aller Art nicht gänzlich
durch die Einführung moderner Elektronenrechner und anderer neuzeitlicher Büromaschinen kompensiert werden kann. So wird sich die Zahl
der Angestellten bis 1970 auf etwa 12 f 8 Millionen und bis 1975 auf
rund 14 Millionen erhöhen, was einen Anstieg gegenüber 196O um 45 Prozent bedeutet.
Die Hauptursache für die relativ starke Zunahme der Zahl der Angestellten ist in der zu erwartenden schnellen Geschäftsausweitung im
Finanz- und Versicherungswesen und in ähnlichen Geschäftsbereichen zu
suchen sowie in der Fortdauer des Trends der vergangenen Jahre, den
Bürokräften Tätigkeiten zu übertragen, die bisher hauptsächlich von
den Verkäufern und den Geschäftsinhabern ausgeführt wurden. So brachte
z.B. der Selbstbedienungstrend im Einzelhandel eine wesentliche Verminderung des Verkaufspersonals, während gleichzeitig zahlreiche neue
Arbeitsplätze für Kassierer und Prüfer geschaffen wurden.

At
-

5 -

�4. Verkaufspersonal; Die Zahl der Verkäufer dürfte bis 1970
rund 5 1/2 Millionen und bis 1975 fast 6 Millionen erreichen, was
einer Zunahme um rund 1/3 entspricht. Zu den Wachstumsfaktoren sind
hier vor allem die steigende Bevölkerungszahl und die steigenden
Pro-Kopf-Einkommen zu rechnen; aber auch die zunehmende Halbtagsbeschäftigung dürfte die Gesamtbeschäftigtenzahl stark positiv beeinflussen. Alle diese Wachstumsfördernden Faktoren werden dabei einen
stärkeren Einfluß auf die Zahl der Arbeitsplätze haben als die die
Wachstumsrate hemmenden Selbstbedienungstechniken und andere arbeitsparende Einrichtungen.
5. Handwerker, Vor- und Facharbeiter; Unter den "blue collar
workers" weist diese Gruppe auch in Zukunft die günstigsten Beschäftigungsaussichten auf. Die Zahl dieser Facharbeiter dürfte in
der Periode 1960-1975 um etwa 2 1/2 Millionen zunehmen und damit die
11-Millionen-Grenze überschreiten.
Die größten Zugänge innerhalb dieser Gruppe werden dabei Mechaniker, Baufach-, Metallfach- und Vorarbeiter verzeichnen. Auf Grund
des steigenden Bedarfs an Mechanikern, Wartungs- und Reparaturpersonal
für die Installierung, Wartung und Reparatur der immer komplizierter
werdenden Produktionsausrüstungen der Industrie sowie der technischen
Anlagen in Regierungsdienststellen und Privathaushalten kann hier mit
einer Gesamtbeschäftigtenzahl von 2 3/4 Millionen 1970 und von 3 Millionen im Jahr 1975 (i960 =• 2 Mio) gerechnet werden.
Das zu erwartende große Bauvolumen in der nächsten Dekade wird
für die Baufachberufe eine ähnliche hohe Zunahme bringen. Die Beschäftigtenzahl wird dabei von gegenwärtig 2 1/2 Millionen (i960) auf
3 3/4 Millionen im Jahre 1975 ansteigen, wobei die Berufschancen
für Bauleiter, Betonierer, Maurer, Bauelektriker und Klempner besonders
günstig sind.
6. Fabrikarbeiter und .berufsverwandte Gruppen; Diese zur Zeit noch
größte Arbeitnehmergruppe wird in den nächsten 15 Jahren eine unterdurchschnittliche Wachstumsrate aufweisen. Ihr Anteil an der Gesamtbeschäf tigtenziff er wird dabei von gegenwärtig 18 Prozent (i960) auf
etwa 16 Prozent zurückgehen. Dennoch wird sich auch in dieser Gruppe
die Gesamtarbeitnehmerzahl um.rund 2 Millionen erhöhen, so daß sie
im Jahre 1975 einen Stand von 14 Millionen erreichen wird.
Zahlreiche industrielle Arbeitsplätze werden auch in den kommenden Jahren durch die Einführung moderner automatischer Produktionseinrichtungen verlorengehen, wenngleich sich dieser Prozeß allmählich
vollziehen wird. Durch die zunehmende Verwendung von Lastkraftwagen
jedoch werden sich größere Beschäftigungsmöglichkeiten für Lastwagenund Busfahrer - eine der Hauptgruppen in dieser Kategorie -.ergeben.
Darüber hinaus wird die dynamische technische Entwicklung zahlreiche
Arbeitsplätze für angelernte Arbeiter schaffen.
7. Hilfsarbeiter (außer Landwirtschaft); Die Gesamtzahl der industriellen Hilfsarbeiter, die im Jahre i960 rund 3,7 Millionen betrug,
dürfte sich in den nächsten 15 Jahren selbst bei Erreichung der angestrebten Vollbeschäftigung kaum .verändern, so daß ihr Anteil am gesamten

-

6

-

�gesamten Arbeitspotential von gegenwärtig 5 1/2 Prozent (i960)
auf weniger als 4 1/2 Prozent (l 975) absinken wird.
Die ungelernten Arbeiter dürften auch in Zukunft in -verstärktem
Maße durch Baggerraupen, Grabenbaumaschinen und ähnliche mechanische
Geräte aus ihren angestammten Arbeitsplätzen verdrängt werden, ebenso
wie die verstärkte Einführung von Gabelstaplern, Kränen, Transportbändern und anderen hydraulisch-mechanischen Hebewerkzeugen den zunehmenden Abbau von Arbeitsplätzen für ungelernte Arbeiter in Fabriken,
Lagerhäusern und Güterumschlagplätzen bewirken wird. Dennoch werden
sich aber, wie aus der Untersuchung des US-Arbeitsministeriums hervorgeht, für diese Arbeitnehmergruppe auch in den nächsten 10-15 Jahren
relativ viele neue Beschäftigungsmöglichkeiten ergeben.
8. Dienstpersonal: In dieser Beschäftigungsgruppe wird die Zahl
der Arbeitnehmer relativ schnell und stark zunehmen. Die Wachstumsrate wird dabei über dem Gesamtdurchschnitt liegen. Von 8,3 Millionen
im Jahre 196O wird die Zahl der Arbeitskräfte bis 1970 auf rund 11 Millionen und bis 1975 auf 12 1/2 Millionen ansteigen, was einer Zunahme von
etwa 50 Prozent entspricht.
Einen relativ schnellen Anstieg dürften dabei - in Anbetracht der
zu erwartenden Bevölkerungszunahme - die in den öffentlichen Sicherheits- und Schutzorganen Tätigen, wie Polizisten und Feuerwehrleute,
aufweisen. Sehr erheblich.wird auch die Zunahme bei Vollschwestern sein,
desgleichen bei dem Pflegepersonal in Krankenhäusern und ähnlichen Einrichtungen. Zu den anderen Gruppen mit. großer Wachstumsrate zählen
ferner: Kellner, Kellnerinnen, Köche und Raumpfleger.
9. Farmberufe: Die Zahl der Farmer und der in der Landwirtschaft
tätigen Fach- und Hilfskräfte wird auch in den nächsten 15 Jahren weiter annehmen, und zwar zwischen i960 und 1970 um 20 Prozent und zwischen
1970 und 1975 um weitere 6-7 Prozent. In der Gesamtperiode dürfte der
Rückgang dabei bis zu 1 1/2 Millionen betragen, d.h., die Gesamtzahl
wird von 5 1/2 auf rund 4 Millionen absinken.
C. Der Arbeitskräftebedarf auf Grund der zu erwartenden Abgänge
Während in den vorangegangenen Abschnitten, die im Gefolge der
Bevölkerungszunahme, der wirtschaftlichen Expansion und der industriellen und technologischen Veränderungen sich ergebenden Beschäftigungstrends behandelt wurden, soll in diesem abschließend noch kurz auf den
Arbeitskräftebedarf eingegangen werden, der sich durch die normalen
Abgänge infolge Tod, Invalidität, Pensionierung usw. zwangsläufig
ergibt. Nach den.vorliegenden Unterlagen wird die Zahl der zwischen
1960 und 1970 durch Abgänge frei werdenden Arbeitsplätze größer sein
als der Nettozuwachs an Arbeitsplätzen in diesem Zeitraum (13&gt;8 Mio).
In zahlreichen Berufen, insbesondere solchen, in denen überwiegend
Frauen beschäftigt werden, übersteigt die Zahl der benötigten "Ersatzkräfte" die Zahl der für die Besetzung neu geschaffener Stellen erforderlichen Kräfte ganz erheblich. So müssen z.B. rund 8 Prozent aller Volksund Oberschullehrer jährlich ersetzt werden, während der durchschnittliche jährliche Nettozuwachs an Stellen zwischen i960 und 1970 lediglich
2 1/2 Prozent beträgt.
Wann

-

7 -

�V/enn auch die statistischen Unterlagen über die Todes- und
die Pensionierungsrate bei männlichen Arbeitnehmern ziemlich lückenlos sind und ebenso die Beschäftigungsgewohnheiten von weiblichen
Arbeitskräften sich - zwecks Ermittlung des wahrscheinlichen Ersatzbedarfs - relativ genau analysieren lassen, so gibt es doch für
die Feststellung des voraussichtlichen Arbeitskräftebedarfs auf Grund
des Berufswechsels von Arbeitnehmern keine zuverlässigen Angaben.
Die folgenden Angaben sind daher als Minimum-Ziffern zu werten.
Nach Auswertung der diesbezüglichen Unterlagen in den einzelnen
Berufsgruppen ergibt sich den Angaben des US-Arbeitsministeriums zufolge folgendes Bild: Bei männlichen Arbeitnehmern wird die Abgangsrate
in den sechziger Jahren rund 2 Prozent pro Jahr betragen. In der Gruppe
der akademischen und technischen Fachkräfte sowie in der Gruppe der
Fabrikarbeiter wird dabei eine Separationsrate von 1,7 Prozent und
in der Gruppe der Manager, leitenden Angestellten und Geschäftsinhaber von 2,6 Prozent zu verzeichnen sein. Die Abgangsrate für Frauen
wird sich dagegen auf rund 5 Prozent belaufen; und im Gegensatz zu
den Männern werden die Raten der einzelnen Gruppen keine deutlichen
Unterschiede aufweisen.
Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die zwischen 1960
und 1970 jährlich in den wichtigsten Berufsgruppen zu erwartenden
Abgänge :
Berufsgruppe

Gesamt

Männer

Frauen

231 J00

83 300

148 000

Angest. u.Inhaber

209 900

156 300

53 600

Angestellte u.a.

414 900

59 600

355 300

Verkäufer

142 200

55 200

87 000

187 500

176 000

11 500

304 200

148 200

156 000

Akademische und
techn. Fachkräfte
Manager, leitende

Handwerker, Vor- und
Facharbeiter
Fabrikarbeiter und
verw. Berufe

(Quelle: "Monthly Labor Review",
Vol. 86, Nr. 3, März 1963)

* * * * *

-

8 -

�Gleiche Berufschancen für die Farbigen
Präsident Kennedy hat dem amerikanischen Kongreß Ende Juni
eine umfangreiche Gesetzesvorlage unterbreitet, die im wesentlichen
darauf abzielt, der farbigen Bevölkerung die gleichen Berufschancen
in allen Zweigen der Wirtschaft und der öffentlichen Verwaltung im
Rahmen eines Bundesgesetzes zu sichern. Durch vom Staat getragene
Förderungsprogramme soll darüber hinaus die berufliche Ausbildung und
Fortbildung der Neger verbessert werden, so daß sie in stärkerem
Maße als bisher auch in die höheren und besser bezahlten Positionen
aufrücken können. Damit wird ein Prozeß wesentlich beschleunigt,
der sich bisher fast unbemerkt vollzog und der farbigen Bevölkerung
trotz starker Gegenströmungen bemerkenswerte Fortschritte in beruflicher, wirtschaftlicher und sozialer Hinsicht brachte.
2 3 Neger-Millionäre
Daß es heute in den Vereinigten Staaten bereits 25 Neger-Millionäre gibt, rund 400 Farbige ein Jahreseinkommen von mehr als 50 000
Dollar beziehen und weitere zehntausend zwischen 10 000 und 50 000
Dollar pro Jahr verdienen, ist dabei für die Beurteilung der erzielten Fortschritte von geringerer Bedeutung als die Tatsache, daß die
farbige Bevölkerung in den vergangenen Jahren in immer mehr Berufe
eindringen konnte, die ihr bis dahin versperrt waren. Das gilt nicht
für die akademischen, sondern für eine Vielzahl anderer Berufe, die
bislang nur den Weißen vorbehalten waren.
So hat zum Beispiel kürzlich eine große amerikanische Fluggesellschaft mit der Ausbildung von Neger-Stewardessen begonnen,
während ein großer Einzelhandelskonzern junge farbige College-Absolventen als Geschäftsführer in seinen Supermärkten einsetzen will.
Natürlich sind dies alles
daß die berufliche Integration
Druck der öffentlichen Meinung
reichen privaten Vereinigungen
- unaufhaltsam fortschreitet.

noch Ausnahmen, aber sie zeigen doch,
- wenn auch nur zum Teil unter dem
oder auf Grund der Bemühungen der zahlzur Förderung der rassischen Integration

Mehr Akademiker
Sehr aufschlußreich in dieser Hinsicht sind dabei die kürzlich
vom US-Zensus-Büro veröffentlichten Ziffern über die Farbigen, die
in geistigen und akademischen Berufen beschäftigt sind. Nach dieser
Übersicht gab es im Jahre i960 etwas über 9000 Ärzte, Zahnärzte
und Rechtsanwälte; 235 Architekten! 3662 Chefbuchhalter und Buchprüfer; 1539 Chemiker; 4378 Diplomingenieure; 14 276 Sozialhelfer und
130 659 Lehrer.
So eindrucksvoll diese Ziffern auch sein mögen, sie können
dennoch nicht die Tatsache überdecken, daß der Anteil der Farbigen
an diesen Berufen im Verhältnis zur weißen Bevölkerung immer noch
sehr gering ist. Denn obgleich jeder 9. Amerikaner (also 11J6 der
Gesamtbevölkerung) schwarzer Hautfarbe ist, übersteigt der Anteil
der Neger in den akademischen Berufen nur in ganz wenigen Fällen
10$. Auch in zahlreichen Fachberufen ist das Verhältnis trotz .der.

�der großen Anstrengungen der Gewerkschaften bei der Durchsetzung
und Anwendung gleicher Beschäftigungsbedingungen noch relativ
ungünstig für die Farbigen. Lediglich im öffentlichen Dienst
konnte bisher - dank den intensiven Bemühungen der Regierung mit 13$ ein positives Verhältnis erreicht werden.

(Quelle: Eigenbericht)
« * x- * *

"Stille Einigung" - der neue Stil im US-Tarifverhandlungswesen
Die Lohnverhandlungen in der Stahlindustrie gehörten in der
Nachkriegszeit immer zu den großen tarifpolitischen Ereignissen in
den USA. Und in Anbetracht der Härte, mit der diese Verhandlungen
in der Regel geführt wurden, stellte sich die gesamte Wirtschaft
meist schon Monate vorher auf die möglichen Folgen solcher tarifpolitischen Auseinandersetzungen ein. Der letzte große Streik in diesem
wichtigen Wirtschaftszweig, der die US-Wirtschaft weitgehend paralysierte und mit 116 Tagen Dauer zugleich der längste war, fand bekanntlich im Jahre 1959 statt.
In diesem Jahr nun gingen die mit Spannung erwarteten Kollektivverhandlungen der Stahlindustrie vollkommen lautlos und praktisch unbemerkt über die Bühne. Die Mitteilung der beiden Tarifpartner
La vergangenen Monat man habe sich bereits auf einen neuen Tarifvertrag geeinigt, löste daher auch in der amerikanischen Öffentlichkeit
und Wirtschaft allgemeine Überraschung und Erleichterung aus.
Nun, für eingeweihte Kreise und Kenner des amerikanischen Tarifverhandlungswesens kommt diese "stille Einigung" allerdings gar nicht
so überraschend. Die beiden Tarifpartner haben nämlich dieses Mal
sämtliche wichtigen Anliegen und Forderungen in einem im Vorjahr gebildeten gemeinsamen "Tarifverhandlungs-Studienausschuß" in den vergangenen Monaten eingehend erörtert und ihre Standpunkte so weit
präzisiert und einander angenähert, daß sich der eigentliche Tarifverhandlungsausschuß gleich mit konkreten Ergebnissen dieser Vorverhandlungen befassen und dadurch die Verhandlungen in relativ kurzer
Zeit abschließen konnte.
Daß dieser neue Stil im amerikanischen Tarifverhandlungswesen
- die Versachlichung der Verhandlungen, der Verzicht auf öffentliche
Polemik, die Führung vorbereitender, klärender Gespräche - sich auch
in anderen wichtigen Zweigen der US-Wirtschaft durchzusetzen beginnt,
zeigen sowohl die in den letzten Wochen zwischen der Automobilarbeitergewerkschaft und den großen Automobilkonzernen getroffenen Abkommen über die Bildung gemeinsamer Studienausschüsse für die im nächsten Herbst anstehenden Verhandlungen als auch die zwischen der
Elektrikergewerkschaft und der "General Electric" (260 000 Arbeitnehmer) erzielte Einigung über die Schaffung eines ähnlichen Gremiums.
Diese
10

-

�Diese Entwicklung vollzieht sich nahezu zwangsläufig, denn
im Gegensatz zu früheren Jahren, wo es in den Tarifverhandlungen
fast ausschließlich um höhere Löhne und Sozialleistungen ging,
stehen heute die Arbeitsfragen im Vordergrund - Probleme also, die
nicht in unter Zeitdruck stehenden Verhandlungen zu lösen sind. Die
Sicherung der Arbeitsplätze vor den Auswirkungen der Automation,
die Umschulung der durch die Technik verdrängten Arbeiter, die Gewährung von Entlassungsgeldern, Übergangsbeihilfen, Umzugskosten usw.
sind dabei die wichtigsten Tariffragen, um die es heute geht.
Daher ist es auch nicht verwunderlich, daß der neue Tarifvertrag der Stahlarbeitergewerkschaft roit den 11 großen Firmen der
Stahlindustrie keine Lohnerhöhungen vorsieht - ein Faktum, das
bisher einfach undenkbar gewesen wäre -, sondern vor allem solche
Punkte enthält, die auf die Erhaltung der Zahl der Arbeitsplätze
abzielen. Auch der stark herausgestellte Urlaubsplan, der den
Arbeitnehmern mit höherem Dienstalter alle fünf Jahre zusätzlich
13 Wochen Urlaub sichert, dient diesem Ziel, denn hierdurch werden
nach Schätzung der Gewerkschaft rund 25 000 neue Arbeitsplätze geschaffen. Das der Gewerkschaft zugestandene größere Mitspracherecht
bei der Vergabe solcher Aufträge an andere Firmen, die ohne weiteres
auch im eigenen Betrieb abgewickelt werden können, soll ebenfalls
dazu beitragen, den derzeitigen Bestand an Arbeitsplätzen zu sichern.
Dennoch bringt der neue Vertrag, der eine Laufzeit von zwei
Jahren hat, den Arbeitnehmern der Stahlindustrie eine Reihe verbesserter Sozialleistungen wie höhere Lebensversicherungen und Krankenhausversicherungsleistungen, so daß die Gesamtaufwendungen der Unternehmer
für Löhne und Sozialleistungen, die gegenwärtig rund 4»30 Dollar pro
Stunde betragen, auf etwa 4»50 Dollar angehoben werden dürften.
(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

Vorbeugen - die Hauptaufgabe des modernen Unfallschutzes
An seinem Arbeitsplatz ist der amerikanische Arbeiter heute
Unfällen weniger stark ausgesetzt als in seinem Heim. Dies ist die
nüchterne Feststellung der amerikanischen industriellen Unfallstatistik, aus der auch hervorgeht, daß die Unfallrate seit 1912 um
rund die Hälfte zurückgegangen ist, obwohl in diesem Zeitraum die
Zahl der Gesamtarbeitskräfte sich fast verdoppelte.
Dieser Erfolg auf dem Gebiet der Unfallverhütung is t aber noch
insofern besonders bemerkenswert, als sich ja nicht allein die Zahl
der Werktätigen erhöht hat, sondern auch die Gefahrenquellen auf
Grund des stärkeren Einsatzes von Maschinen, der Einführung neuer
Produktionsverfahren, neuer Materialien und Werkstoffe wesentlich
vermehrt haben.
Teamwork

�Teamwork Voraussetzung
Der gesamte Unfallschutz in den modernen Industriebetrieben
ist damit zwangsläufig sehr viel umfangreicher und komplizierter
geworden und daher nicht mehr allein von den technischen "Sicherheitsingenieuren" zu bewältigen, sondern nur noch von einem Team ausgesuchter Spezialisten, dem heute sowohl Physiker, Chemiker, Toxikologen, Ärzte als auch neuerdings Hygieniker angehören.
Die spezielle Aufgabe dieser Sicherheitsspezialisten besteht
in erster Linie darin, in enger Zusammenarbeit mit den anderen Mitgliedern des Sicherheitsteams mögliche, die Sicherheit und Gesundheit der Arbeitnehmer bedrohende Gefahrenquellen rechtzeitig aufzuspüren und entsprechende Sicherheits- und Schutzmaßnahmen zu entwickeln.
Ein gutes Beispiel für einen vorbildlichen vorbeugenden betrieblichen Unfallschutz bietet in dieser Hinsicht die "North
American Aviation, Inc." in Los Angeles, ein auf dem Gebiet des
Flugzeugbaus und der friedlichen Nutzung der Atomenergie tätiges
Unternehmen, in dem gerade die gesundheitsschädigenden Dauereinflüsse
in der Unfallverhütung eine große Rolle spielen.
Es beginnt mit der Einstellung
Aus diesem Grunde hat auch hier die medizinische Abteilung eine
relativ große Bedeutung und zahlreiche wichtige Aufgaben im Rahmen
des betrieblichen Unfall- und Gesundheitsschutzes zu erfüllen. Schon
bei der Einstellung wacht sie darüber, daß keine Arbeiter angenommen
werden, die mit irgendwelchen übertragbaren Krankheiten behaftet sind
oder auf Grund ihrer körperlichen Konstitution gegenüber speziellen
Dauereinflüssen am Arbeitsplatz besonders anfällig erscheinen. Vielfach wird diesen Bewerbern auch eine spezielle ärztliche Behandlung
empfohlen, durch die physische Mängel, die einer Einstellung im V,rege
stehen, beseitigt werden können.
Darüber hinaus hat die medizinische Abteilung die Aufgabe, bei
Erkrankungen oder Unfällen Erste Hilfe zu leisten und solche Arbeitnehmer gründlich zu untersuchen, die krank gewesen sind oder einen
Unfall gehabt haben und die ihre Arbeit wieder aufnehmen wollen.
Durch diese Untersuchungen will man verhindern, daß noch nicht voll
genesene oder wiederhergestellte Arbeiter ihre Tätigkeit vorzeitig
aufnehmen und damit sich selbst und andere gefährden.
Abschirmung nach außen
In Anbetracht der Tatsache, daß die modernen Industriebetriebe
zahlreiche Vorerzeugnisse und Rohstoffe aus anderen Betrieben beziehen,
kommt den Betriebshygienikern heute bei der Abschirmung äußerer Gefahrenquellen eine große Bedeutung zu. Auch in dieser Beziehung war
die "North American Aviation" bahnbrechend, denn den Hygienikern
dieses Unternehmens ist es zuzuschreiben, daß in den USA heute sämtliche Produzenten von Chemikalien ihren Erzeugnissen Hinweiszettel
beilegen, auf denen genau die chemischen Bestandteile der Sendung

- 12

-

�Sendung angegeben sind. Auf diese Weise sind die Betriebshygieniker
jederzeit vollkommen im Bilde, welche gesundheitsgefährdenden Stoffe
in der Produktion verwendet werden und welche Schutzmaßnahmen jeweils zu treffen sind.
Auswertung der Unfallberichte
Ein wichtiger Bestandteil des gesamten Unfallverhütungsprogramms des Unternehmens ist die Auswertung sämtlicher Unfallberichte,
wobei selbst bei kleinsten Verletzungen den genauen Unfallursachen
nachgegangen wird. Dies ist insofern von großer Bedeutung, als ja
auch bei geringfügig erscheinenden Unfällen immer die Möglichkeit
der Wiederholung besteht bzw. ernsthaftere Verletzungen aus der Ursache resultieren können. Daher ist man in jedem Fall von vornherein
bemüht, das Übel abzustellen, ehe Schlimmeres passiert.
Das Ergebnis dieser vielseitigen Bemühungen des Unternehmens
spiegelt
sich in der niedrigen Unfallrate wider, die selbst in den
vollkommen neuen Produktionszweigen, wo nur relativ geringe Erfahrungen über den Umgang mit neuen Materialien und Energiequellen zur
Verfügung standen, weit unter dem industriellen Durchschnitt liegt.
Mit besonderem Stolz verweisen die Sicherheitsingenieure der "North
American Aviation" dabei auf die Tatsache, daß sie in der "Atomics
International", einem Zweigunternehmen, bisher keinen Fall von Strahlenschädigung, registrierten - ein bemerkenswerter Erfolg, der nur
durch eine enge Zusammenarbeit aller Angehörigen des Sicherheitsteams ermöglicht wurde.

(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

Gewerkschaftliche Kurznachrichten
13,7 Mrd. Dollar an Sozialrenten 1962 ausgezahlt
An rund 17»3 Millionen bezugsberechtigte Männer, Frauen und
Kinder wurden im Haushaltjahr 1962 im Rahmen des amerikanischen Sozialversicherungsgesetzes Renten und andere Versorgungsleistungen
in Höhe von 13»7 Mrd. Dollar ausgezahlt, wie aus einer Übersicht des
Treuhänderausschusses der staatlichen Versicherungsfonds hervorgeht.
Bei einer Vergrößerung des Empfängerkreises um 1,5 Millionen haben
sich dabei die gesamten Auszahlungen im Vergleich zu 1960/61 um 1,8
Mrd. Dollar erhöht.
Mehr als die Hälfte der Mehrleistung resultiert aus den i960
und 1961 vorgenommenen Verbesserungen der Sozialgesetze. Während
723 000 Personen auf Grund der 1961 vom Kongreß gebilligten Rentenleistungen für versicherte Personen im Alter zwischen 62 und 64 Jahren

-

13

-

�Jahren und ihre Angehörigen (vorgezogener Eintritt des Versicherungsfalles bei verminderter Rentenleistung) in den Genuß von Rentenbezügen kamen, erhielten weitere 169 000 Personen erstmals Sozialrenten
auf Grund der Gesetzesänderungen aus den Jahren i960 und 1961, durch
die die Mindestversicherungsdauer herabgesetzt wurde.

(Quelle: Eigenbericht)

Tarifverträge folgten im 1. Quartal 1965 dem Yor.jahrstrend
Die im 1. Quartal 1963 abgeschlossenen Tarifverträge hielten sich
was die Höhe der Lohnaufbesserungen und der von den Unternehmern zugestandenen Sozialleistungen betrifft, weitgehend auf dem Niveau des ver
gangenen Jahres.
Dies ist einer Untersuchung des "Bureau of National Affairs"
zu entnehmen, einer privaten Forschungsorganisation, die insgesamt
67O Großtarifverträge analysierte, die zwischen Januar und Ende März
dieses Jahres abgeschlossen wurden.
Die durchschnittliche Lohnerhöhung im Rahmen dieser Verträge
betrug dabei 7»5 Cent pro Stunde gegenüber 7&gt;4 Cent im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Die Zahl der abgeschlossenen Tarifverträge, die
nicht eine sofortige, sondern eine spätere Lohnerhöhung vorsehen, hat
weiter zugenommen. Während im Vorjahr 48 Prozent aller abgeschlossenen
Tarifabkommen Lohnerhöhungen zu einem späteren Zeitpunkt (in der Regel
ein Jahr nach Abschluß des Vertrages) vorsahen, waren es in den ersten
drei Monaten dieses Jahres 51 Prozent.
Auch die Zahl der Tarifverträge mit neuen oder verbesserten Sozialleistungen nahm im Vergleich zu 1962 zu. Seinerzeit waren es 58
Prozent aller Abkommen, in diesem Jahr dagegen 41 Prozent.

(Quelle: Eigenbericht)

Fast .jeder Industriearbeiter erhält Lohnnebenleistungen
Mit nur ganz wenigen Ausnahmen kommen heute praktisch sämtliche
in Industriebetrieben tätigen Arbeiter und Angestellten in den Genuß
einer oder mehrerer Lohnnebenleistungen wie bezahlte Feiertage, bezahlter Urlaub, Krankenversicherungs- oder Pensionsleistungen. Dies geht
aus einer Übersicht des US-Arbeitsministeriums über die Gewährung
von freiwilligen Sozialleistungen in Großstadtbetrieben hervor.
Nach
-

14

-

�Nach dieser Statistik hatten die Angestellten der Industrieunternehmen im Erhebungszeitraum (1961/62) im Durchschnitt 7»8 bezahlte
Feiertage pro Jahr, die Arbeiter 7»0 Tage. Bezahlter Urlaub wurde
99 Prozent aller Arbeitnehmer gewährt; rund die Hälfte von ihnen
erhielt vier und mehr Wochen nach 25jähriger Dienstzeit.
Eine Anwartschaft auf Leistungen privater - und größtenteils
von den Unternehmern allein finanzierter - Y/ohlfahrts- und Pensionspläne wiesen 99 Prozent aller Angestellten und 97 Prozent aller Produktionsarbeiter auf. Ferner war von den Industrieunternehmen für 95
Prozent aller Angestellten und für 91 Prozent aller Arbeiter eine
Lebensversicherung und für 84 Prozent aller Angestellten und 88 Prozent aller Arbeiter eine Krankenversicherung abgeschlossen. Leistungen
aus privaten Pensionsplänen allein (zusätzlich zu der staatlichen Altersversicherung) haben schließlich 78 Prozent aller Angestellten und
68 Prozent aller Produktionsarbeiter bei ihrem Eintritt in den Ruhestand
zu erwarten.
(Quelle: Eigenbericht)

* # * * *

-

15 -

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbczichungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
I s i s liinni r.dil Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XVI - 10

Bad Godesberg, den 1. Oktober 1963
INHALTSVERZEICHNIS

Die wirtschaftliche Situation der Farbigen in den USA

Seite 1

Verschärfte Bestimmungen der US-Post zur Durchsetzung
der Rassengleichheit

Seite 16

Wirtschaftliches Wachstum und Arbeitslosigkeit

Seite 17

Unfallschutz am Arbeitsplatz als gewerkschaftliche Aufgabe

Seite 18

Seeleutegewerkschaft spricht sechsjährigen Streikverzicht aus

Seite 19

Matthew A. Kessler, Mitarbeiter des US-Bundesamtes für
Arbeitsstati stik:
Die wirtschaftliche Situation der Farbigen in den USA *
Eine Untersuchung über die Entwicklung in den Jahren 1955 bis 19^2
Das schrittweise Aufrücken der Farbigen in den USA
(von denen über 90 Prozent Neger sind) in höherqualifizierte und besser bezahlte Berufe hat sich in der
zweiten Hälfte der fünfziger Jahre ebenso wie in der
vorausgegangenen Zeit konsequent fortgesetzt. Die
Unterschiede aber zwischen Weiß und Schwarz hinsichtlich des erreichten sozialen Status sind nach wie vor
sehr groß, was offenbar wird, wenn man die üblichen
Kriterien zur Beurteilung des wirtschaftlichen Wohlergehens auf die beiden Bevölkerungsgruppen getrennt
anwendet. Die Entwicklungstendenzen aufzuspüren, ist
Zweck der nachstehenden Untersuchungen.

Vergleiche auch IAM, X - 4» "Beträchtliche Fortschritte der Negerbevölkerung auf wirtschaftlichem und sozialem Gebiet".

-

1 -

�Der Prozentsatz der Farbigen in den nur niedrige Qualifikationen erfordernden Berufen ist noch immer höher als der derM.Veißen. Das
gleiche gilt auch für den Anteil der Farbigen an der Arbeitslosigkeit, der in allen Altersgruppen und bei beiden Geschlechtern mindestens eineinhalbmal so hoch ist wie der weiße Anteil; in manchen
Altersgruppen beträgt er sogar das Dreifache. Farbige werden mithin,
gleich, welcher Beschäftigungssparte sie angehören, in unverhältnismäßig hohem Maße von Arbeitslosigkeit bedroht. Nicht nur, daß Farbige
eher und schneller entlassen werden als Weiße, sie sind dann auch in
der Regel länger arbeitslos als ihre weißen Kollegen.
Während die farbigen Familien in den ersten Nachkriegsjähren
recht erhebliche Einkommenssteigerungen zu erzielen vermochten,
konnten sie seit Mitte der fünfziger Jahre trotz des weiteren Vordringens der Farbigen in höher bezahlte Berufe mit dem Anstieg des
Durchschnittseinkommens weißer Haushalte nicht Schritt halten.
Im Laufe der beiden letzten Jahrzehnte haben die Farbigen es
verstanden, die seit alters her zwischen ihnen und den Weißen bestehende "Erziehungslücke" einzuengen - eine Entwicklung, die in ihrem stetigen, wenn auch langsamen Vorrücken auf der Berufe-Leiter zum Ausdruck kommt. Seit Mitte der fünfziger Jahre aber ist der relative Bildungsstand von Farbigen und Weißen jedoch im wesentlichen unverändert
geblieben.
Veränderungen j n den einzelnen Wirtschaftszweigen und Berufsgruppen
In der gesamten Nachkriegszeit war auf Seiten der Farbigen ein
deutlicher Trend sichtbar, aus den Landarbeiterberufen herauszukommen.
Im Jahr 1962 waren 12 Prozent aller farbigen Beschäftigten in der Landwirtschaft tätig, 1955 dagegen noch 16 und 1948 sogar 21 Prozent (siehe
Tafel i) . Dieser rapide Rückgang ist das Ergebnis der vor allem im
Süden zu beobachtenden Abwanderung zahlreicher Farbiger, die vorher
als ertragsbeteiligte Pächter tätig waren oder als selbständige Bauern
hart an der Rentabilitätsgrenze liegende Farmen bewirtschaftet hatten,
in andere Berufe, einer Abwanderung, die durch die verbesserten Beschäftigungsaussichten in anderen Wirtschaftszweigen begünstigt wurde.
Dieses Streben nach einem höheren Einkommen mußten jedoch viele
Farbige, die ihren Platz in der Landwirtschaft aufgaben und in einen
anderen Beruf überwechselten, mit einer zunehmenden Unsicherheit des
Arbeitsplatzes bezahlen. Da ihnen häufig eine ausreichende schulische
und fachliche Vorbildung fehlt und sie durch die Einstellungs- und Ausstellungspraktiken vieler Betriebe noch immer vielfach benachteiligt
werden, sind ihre Beschäftigungsaussichten weitgehend auf ungelernte
und Anlernberufe beschränkt. Dies sind wiederum die Berufe, die
von Konjunkturschwankungen und Massenentlassungen auf Grund der fortschreitenden Automatisierung am meisten betroffen werden. Wenn sich
auch in den akademischen und Angestelltenberufen seit Mitte der fünfziger Jahre sowohl für Weiße als auch für Farbige zahlreiche neue
Beschäftigungsmöglichkeiten ergeben haben, so ist doch der Anteil
der Farbigen unter den Hausangestellten, Arbeitern und angelernten
Maschinenarbeitern immer noch unverhältnismäßig hoch.
Angestelltenberufe:

2

-

�Tafel I
Beschäftigung, nach Wirt schaftszweigen und Hautfarbe g e g l i e d e r t .
i n den Jahren 1948, 1955 und '1 962 *
( i n Prozent)
Wirtschaftszweig

Weiße
1962

Gesamtbeschäftigung (Mio)
Prozent
Gütererzeugung
Landwirtschaft
Bergbau,Forstwirtsch. u.
Fischfang
Baugewerbe
Fertigung
D i e n s t l e i stungen
Transport u .
Versorgung
Handel
Haushalte
Erziehungswesen

Akadem.Berufe
(außer Lehrkräften)
Wirtschafts- u.
Wartungsdienste
Andere ( e i n s c h l •
Unterhaitungsgewerbe)
Finanz, Versicherungen ,Immobilien
Behörden

Farbige
1962

1948

1955

1948

1955

60,749

56,698

55,454

7,098

6,496

5,944

100

100

100

100

100

100

7,2

46,2
10,1

48,6
12,6

56,2
11,7

41,5
15,7

47,5
21,1

1,1
6,4

1,4
6,5

1,5
6,0

0,4
5,7

0,7
5,5

5,0
4,4

26,8

28,2

28,5

18,4

19,7

18,9

58,6

55,8

51,4

65,8

58,5

52,5

41,4

7,0

7,4

8,5

5,4

6,0

6,4

19,8

20,2

20,1

2,6

2,2

1,7

15,8
15,8

15,5
16,5

11,5
16,1

5,5

4,0

2,8

4,4

5,0

2,1

6,9

5,5

5,9

7,4

4,9

5,5

2,8

2,5

2,4

2,2

1,4

1,0

4,5

5,5

4,2

7,2

7,2

7,4

4,7
5,1

4,0
4,6

5,5
4,6

2,1
5,4

1,9
4,2

1,5
5,5

* Die Zahlenangaben für 1948 und 1955 sind nicht auf den im Jahre 1957
eingeführten Bewertungsmodus der Erwerbslosigkeit umgerechnet. Wegen
Auf- und Abrundungen addieren sich die Einzelangaben nicht notwendigerweise zu den Gesamtziffern.

�Angestelltenberufe: Zwischen 1955 und 1962 rückten Farbige
in wachsender Zahl und über ihren Anteil hinaus in höherqualifizierte
und besser bezahlte Angestelltenberufe auf. Dennoch waren 1962 nur 17
Prozent aller beschäftigten Farbigen in Angestelltenberufen tätig,
während die Vergleichszahl bei weißen Beschäftigten bei 47 Prozent
lag (siehe Tafel I I ) . Das Zahlenverhältnis von Weißen zu Farbigen betrug 28 zu 1, während es auf das Gesamtarbeitspotential bezogen bei
9 zu 1 lag. Die Zahl der Farbigen in den Angestelitenberufen hat seit
1955 um 50 Prozent zugenommen; das entspricht etwa dem Zuwachs in
der ersten Nachkriegszeit oder dem Zweieinhalbfachen der Zunahme bei
den weißen Beschäftigten. Wenn es aber nicht zu einer weiteren erheblichen Steigerung dieses Trends kommt, wird der Prozentsatz der
Farbigen in den Angestelltenberufen noch auf Jahre hinaus erheblich
unter dem der Weißen liegen.
Farbige haben in größerer Zahl Zugang zu den akademischen, technischen und Büroangestelltenberufen gefunden als zu anderen Angestelltenberufen. Seit Mitte der fünfziger Jahre ist bei diesen Berufen ein
Zuwachs um rund 60 Prozent zu verzeichnen, der vor allem die Zunahme
der Beschäftigungsmöglichkeiten bei Behörden widerspiegelt. Der Schwerpunkt der Beschäftigung von Farbigen in Angestelltenberufen liegt bei
den Bürokräften, ist doch fast jeder zweite als Buchhalter, Sekretärin),
Schreibkraft, Stenograph, Bediener von Büromaschinen oder in der Registratur beschäftigt.
Die größte relative Zunahme der Beschäftigung von Farbigen entfiel während des Zeitraums von 1955 bis 1962 auf akademische Berufszweige (wie Krankenhauswesen, ärztliche Versorgung, andere Gebiete
der Medizin, Sozialfürsorge und Kirchendienst) sowie Wirtschafts-,
Wartungs- und Reparaturdienste, die sämtlich im Verlauf der sieben
Berichtsjahre eine 70prozentige Zunahme verzeichneten. Diese Steigerung kommt in etwa der gleich, die schon in den ersten Nachkriegsjahren zu beobachten war; auf Seiten der Weißen steht ihr eine Zunahme um lediglich 35 Prozent seit 1955 gegenüber. Das Vorrücken der
Farbigen war auch im Bereich des in zügigem Ausbau befindlichen Erziehungswesens sehr auffällig, wo
einem 60prozentigen Zuwachs eine
Zunahme um nur 50 Prozent auf Seiten der Weißen gegenübersteht. Das
Bestreben der Regierung, die völlige Gleichstellung von Schwarz und
Weiß bei Neueinstellungen zu gewährleisten, dürfte die Ursache für
die fortgesetzte Zunahme der farbigen Beschäftigten im öffentlichen
Dienst seit Mitte der fünfziger Jahre sein, wo einer Steigerung
um 40 Prozent bei farbigen Beschäftigten eine Zunahme um 18 Prozent
bei den Weißen gegenübersteht.
Die Beschäftigung Farbiger in den akademischen und technischen
Berufen hat seit Mitte der fünfziger Jahre etwas rascher zugenommen
als die der Weißen. Dennoch waren 1962 nur rund 5 Prozent aller
berufstätigen Farbigen - gegenüber 12,5 Prozent aller berufstätigen
Weißen - in diesen Sparten beschäftigt.

Tafel II

�Tafel II
Beschäftigung, nach Berufsgruppen und Hautfarbe gegliedert,
in den Jahren 1948. 1955 und 1962 *
(in Prozent)

Beschäftigungsgruppe

Weiße

Farbige

1962

1955

1948

Gesamtbeschäftiu n g (Mio)
Prozent

6 0 , 749
100

56,698
100

53,454
100

Angestelltenberufe

47,5

42,1

39,1

16,7

12,0

9,0

12,6

9,8

7,2

5,3

3,5

2,4

11,9
15,8
7,0

11,1
14,2
6,9

11 , 6
13,6
6,7

2,6
7,2
1,6

2,3
4,9
1,3

2,3
5,5
1,1

35,4

39,0

40,5

39,5

41,8

59,7

13,6

14,1

14,6

6,0

5,2

5,5

17,5

20,2

21 , 0

19,9

20,9

20,1

4,3

4,7

4,9

15,6

15,8

14,5

10,6

9,0

7,9

52,8

31,6

50,3

Hausangest.
Andere

2,1
8,5

1,8
7,2

1,5
6,4

14,7
18,1

14,8
16,8

15,6
14,7

Landarbeiter
Farmer u.
Verwalter
Vorleute u.
Arbeiter

6,8

9,9

12,4

1 1 ,0

14,5

21 , 0

4,0

6,0

7,8

2,7

5,0

8,5

2,8

3,9

4,6

8,3

9,5

12,5

Akademische u .
techn.Berufe
Manager,Führungskräfte u.Selbständige**
Büroangest.
Verkaufsangest.
Arbeiterberufe
Facharbeiter
u. Meister
Maschinenarbeiter
Ungel. Arbeiter***
Dienstleistungsberufe

*' Siehe Fußnote Tafel I
** Außer Landwirtschaft
*** Außer Landwirtschaft und Bergbau

-

5 -

1962

7,098
100

1955

6,496
100

1948

5,944
100

�Bei guten B e s c h ä f t i g u n g s a u s s i c h t e n auf dem E r z i e h u n g s s e k t o r war
ein höherer P r o z e n t s a t z der f a r b i g e n Akademiker a l s Grund- und
M i t t e l s c h u l l e h r e r (meist Frauen und Mädchen) e i n g e s e t z t a l s bei
den Weißen: nahezu zwei F ü n f t e l gegenüber einem F ü n f t e l . Bezeichnend für den s o z i a l e n A u f s t i e g der Farbigen in der jüngsten Z e i t
i s t auch i h r e zunehmende Beschäftigung i n den expandierenden t e c h nischen Berufen: einem A n s t i e g der Beschäftigung der Farbigen um
das Fünffache im Verlauf der fünfziger J a h r e i s t eine Zunahme der
Gesamtbeschäftigung in d i e s e n Berufen um" zwei D r i t t e l zuzuordnen.
A l l e r d i n g s b e t r ä g t der A n t e i l der Farbigen an der Gesamtbeschäftigung in den akademischen und technischen Berufen immer noch e r s t
1 ,5 P r o z e n t .
Nur v i e r vom Hundert a l l e r farbigen B e r u f s t ä t i g e n waren 1962
a l s Manager, Führungskräfte und S e l b s t ä n d i g e sowie a l s Verkaufsa n g e s t e l l t e t ä t i g , was e i n e r l e i c h t e n Zunahme gegenüber den Jahren
1948 und 1955 gleichkommt. Der A n t e i l der i n d i e s e Kategorie e i n zureihenden weißen B e s c h ä f t i g t e n war mit 19 Prozent w e s e n t l i c h höher.

A r b e i t e r b e r u f e : Hier war nach e i n e r l e i c h t e n Zunahme der Bes c h ä f t i g u n g von Farbigen während der e r s t e n N a c h k r i e g s z e i t zwischen
1955 und 1962 e i n l e i c h t e r Rückgang i h r e s A n t e i l s auf den Stand von
1948 zu b e o b a c h t e n . Der A n t e i l der Angehörigen der A r b e i t e r b e r u f e
an der Gesamtbeschäftigung F a r b i g e r b e t r u g dabei f a s t während der
ganzen N a c h k r i e g s z e i t rund zwei F ü n f t e l . In den l e t z t e n sieben Jahren
ging aber auch der A n t e i l der weißen B e s c h ä f t i g t e n in diesen Berufen
etwas zurück.
Mehr a l s a c h t von zehn f a r b i g e n Angehörigen der A r b e i t e r b e r u f e
und sechs von zehn weißen A r b e i t e r n v e r b l i e b e n i n der Kategorie der
u n g e l e r n t e n oder a n g e l e r n t e n A r b e i t e r . Die Beschäftigungsmöglichkeiten in den f r a g l i c h e n Berufen k o n z e n t r i e r e n s i c h auf jene g ü t e r erzeugenden I n d u s t r i e n und die ihnen nahestehenden Wirtschaftszweige
(wie das Transportgewerbe), d i e gegen Konjunkturschwankungen besonders
s t a r k a n f ä l l i g s i n d . Hinzu kommt, daß die Nachfrage nach u n g e l e r n t e n
A r b e i t e r n in der N a c h k r i e g s z e i t i n f o l g e der f o r t s c h r e i t e n d e n Automat i s i e r u n g und a n d e r e r t e c h n i s c h e r Entwicklungen s t ä n d i g zurückgegangen i s t .
Dienstleistung;sberufe:Der A n t e i l der Farbigen u n t e r den Hausanges t e llTe^nH^eTnirchlielin^h. Hausmädchen, B a b y s i t t e r ,
Haushälterinnen,
Chauffeure, Wäscherinnen usw.) i s t siebenmal so hoch wie der der
Weißen. Während der e r s t e n N a c h k r i e g s z e i t b l i e b die Zahl der f a r b i g e n
H a u s a n g e s t e l l t e n p r a k t i s c h u n v e r ä n d e r t auf dem g l e i c h e n Stand, während
d i e Beschäftigung von Farbigen in anderen D i e n s t l e i s t u n g s b e r u f e n wie
K r a n k e n p f l e g e r , F r i s e u r und Koch um 25 Prozent zunahm. Dieser Trend
hat s i c h i n den Jahren von 1955 b i s 1962 mit nur geringen Veränderungen bei Hausangestellten und e i n e r mit 18 P r o z e n t s e h r bemerkenswerten Zunahme der f a r b i g e n Neuzugänge in anderen D i e n s t l e i s t u n g s berufen f o r t g e s e t z t . Ein s t e t i g e r Anstieg der Beschäftigung i n den
D i e n s t l e i s t u n g s b e r u f e n (außer H a u s a n g e s t e l l t e n ) war i n der Nachkriegsz e i t auch bei weißen A r b e i t s k r ä f t e n e i n g e t r e t e n , der sich i n den b e i den B e r i c h t s z e i t r ä u m e n j e w e i l s auf 20 b i s 25 Prozent b e l i e f . Im Jahre
1962 waren wie in der e r s t e n N a c h k r i e g s z e i t p r o z e n t u a l doppelt sovielc^
-

6

-

�Tafel III
Die Arbeitslosigkeitsrate f, nach Hautfarbe gegliedert.
in den Jahren 19A7-1962*

Jahr

1962
1961
196O
1959
1958
1957
1956
1955

*
**

Weiße

Farbige

4,9
6,0
5,0
4,9
6,1
3,9
3,3
3,6

11,0
12,5
10,2
10,7
12,6
8,0
7,5
7,9

Prozentanteil d.
Farbigen**

224
208
204
218
207
205
227
219

Jahr

Weiße

Farbige

1954
1953
1952
1951
1950
1949
1948
1947

4,5
2,3
2,4
2,8
4,6
5,2
3,2
3,3

8,9
4,1
4,6
4,8
8,5
8,2
5,2
5,4

Prozentänteild.
Farbigen**

198
178
192
171

185
158
163

164

Siehe Anm. Tafel I
Weiße «* 100 Prozent

soviel.farbige wie weiße Arbeitnehmer in diesen rasch expandierenden, aber
noch immer relativ schlecht bezahlten und nur geringe bis mäßige Qualifikationen erfordernden Dienstleistungsberufen beschäftigt.
Arbeitslosigkeit und Teilzeitarbeit
Arbeitslosigkeit; Die Hauptlast der Arbeitslosigkeit hatten während
der gesamten Nachkriegszeit jeweils die Farbigen zu tragen. Obwohl der
Anteil der Farbigen am Arbeitspotential 1962 lediglich 10 Prozent betrug,
belief sich ihr Anteil an der Arbeitslosenziffer auf rund 20 Prozent.
Dieses Mißverhältnis bestand bei männlichen und weiblichen Arbeitskräften
gleichermaßen .
Die Arbeitslo-sigkeitsrate der Farbigen erreichte 1962 mit 11,0 den
dritthöchsten Wert in der gesamten Nachkriegszeit (siehe Tafel III) und
war damit doppelt so hoch wie die der Weißen. Dieses Zahlenverhältnis bestand praktisch die ganze Nachkriegszeit hindurch und zeigte in jüngerer
Zeit eher die Tendenz, sich weiter zu verschlechtern. In den Jahren 19471949 lag die Arbeitslosigkeitsrate der Farbigen im Durchschnitt um 60 Prozent über der der weißen Arbeitnehmer, während sie in den Jahren 1954-19^2
konstant rund doppelt so hoch war.
Farbige Jungen und Mädchen im Alter von 14 bis 19 Jahren wiesen fortgesetzt eine der höchsten Arbeitslosigkeitsraten unter allen Altersgruppen
beider Hautfarben auf (siehe Tafel IV). Im Jahre 1962 hielt sich die Arbeitslosigkeitsrate der Farbigen dieser Altersgruppen auf nahezu 25 Prozent,
verglichen mit etwa 12 Prozent bei weißen Jugendlichen. Seit 1955 ist ferner ein rascherer Anstieg der Arbeitslosigkeitsrate bei der farbigen Jugend
Tafel IV

�Tafel IV
Die Arbeitslosigkeitsrate^ nach Hautfarbe, Alter und Geschlecht
gegliedert, in den Jahren 1948. 1955 und 1962*
(in Prozent)
Alter u. Geschlecht

Männer insgesamt
14
20
25
35
45
54

bis 19 Jahre
bis 24 Jahre
bis 34 Jahre
bis 44 Jahre
bis 54 Jahre
Jahre u.darüber
Frauen insgesamt

14
20
25
35
45
55

bis 19 Jahre
bis 24 Jahre
bis 34 Jahre
bis 44 Jahre
bis 54 Jahre
Jahre u.darüber

Weiße

Farbige

1962

1955

1948

1962

1955

1948

4,6

5,4

3,1

11,0

8,2

12,3
8,0
3,8
3,1
3,5
4,1

9,6
6,3
2,5
2,4

8,3
5,8
2,4
1,9

13,2

2,8

3,7

2,2
2,8

20 %7
14,6
10,5
8,6
8,3
10,1

7,4
5,8
7,8

5,1
7,,6
10,6
4,2
4,5
3,1
3,5

5,5

3,9

3,4

11,1

7,5

5,2

11 ,5
7,7
5,4
4,5
3,7
3,5

8,2

6,9
3,6
3,2
2,3
2,5
2,6

28,2
18,2

16,2
11,4

11,5
8,9
7,1
3,6

9,1
4,9
4,6
4,4

10,4
8,9
6,1
3,3
2,4

4,5
3,8
3,4
2,9
2,8

11,2
8,0

2,2

* Siehe Fußnote Tafel I
Jugend aufgetreten, erhöhte sie sich doch um rund 60 Prozent gegenüber
30 Prozent bei weißen Jungen und Mädchen,*
Bei männlichen farbigen Arbeitnehmern der Altersgruppen von 25 bis
34 und von 35 bis 44 (denen der größte Teil der Haupternährer der Familien
angehört) war die Arbeitslosigkeitsrate 1962 mit 9 Prozent fast dreimal
so hoch wie bei ihren weißen Altersgenossen. Ein ähnliches Zahlenverhältnis bestand auch schon 1955«
Selbst innerhalb der einzelnen Beschäftigungskategorien bestehen
große Unterschiede in den Arbeitslosigkeitsraten von Farbigen und Weißen,
wobei die Rate dar Farbigen die der Weißen im allgemeinen wesentlich übersteigt.
Bei' '.'eißen und Farbigen haben die Berufe an der Basis der Berufspyramide,
die Arbeiter in nicht-landwirtschaftlichen Beschäftigungszweigen und die
Maschinenarbeiter, gewöhnlich eine hohe Arbeitslosigkeitsrate aufzuweisen,
und hier waren und sind die Unterschiede zwischen Weiß und Schwarz auch
nicht so groß wie in den meisten anderen Beschäftigungssparten (siehe
Tafel V ) . Dies dürfte auf die zahlenmäßig starke Vertretung dieser Berufe
in den weitgehend gewerkschaftlich organisierten Massengüterindustrien
zurückzuführen sein, wo die von den Gewerkschaften ausgehandelten Tarifverträge zum Teil Bestimmungen über die gleiche Behandlung von Weißen und
Farbigen bei der Einstellung enthalten. Die Unterschiede in den

-

8

�Tafel V
Arbeitslosigkeitsrate in einzelnen Beschäftigungsgruppen« nach
Hautfarbe gegliedert, in den Jahren 1955 und 1962*

Beschäftigungsgruppe

Sämtl.Gruppen**
Büro u.Verkaufsangestellte
Facharbeiter u.
Meister
Maschinenarbeiter
Hausangestellte
Andere Dienstleistungsberufe
Landarbeiter u.
Aufseher
Ungelernte
Arbeiter (außer
Land- u.Bergarb.)

*
**

***

Weiße

Farbige

Prozentanteil
d.Farbigen***

1962

1955

1962

1955

1962

1955

4,9

3,5

11,0

7,7

224

208

5,8

3,2

7,7

7,0

203

219

4,8
6,9
3,1

3,9
5,5
3,0

9,7
12,0
7,1

8,8
8,4
5,6

202
174
229

226
153
187

5,3

5,2

10,8

8,8

204

169

3,9

3,0

5,8

6,3

149

210

11,0

9,8

15,8

12,1

144

123

Berücksichtigt wurden nur Arbeitslose mit echter Berufserfahrung
Einschließlich der hier nicht gesondert ausgewiesenen Berufsgruppen:
akademische und technische Berufe; Manager, Führungskräfte und Selbständige; und Farmer und Farmverwalter
Weiße = 100 Prozent

den Gesamtarbeitslosigkeitsraten von Weißen und Farbigen erklären sich
aber zum Teil aus eben dieser höheren Konzentration der Farbigen in den
Berufsgruppen an der Basis der Pyramide.
Die Farbigen weisen nicht nur höhere Arbeitslosigkeitsraten auf, sie
sind auch viel häufiger von Entlassung bedroht als ihre weißen Kollegen.
Etwa drei von zehn Farbigen, die zu irgendeinem Zeitpunkt im Jahre 1961
ausgestellt wurden, waren dreimal oder noch öfter im Verlauf dieses Jahres arbeitslos geworden, während dieses Schicksal bei den Weißen nur zwei
von zehn traf. Hinzu kommt, daß die Dauer der vorübergehenden Arbeitslosigkeit bei Farbigen länger war,oder daß diese oft weit länger brauchten, um eine neue Stelle zu finden. Seit Beginn der statistischen Erfassung der Arbeitslosigkeitsdauer unter Berücksichtigung der Hautfarbe
im Jahre 1954 bezifferte sich der Anteil der Farbigen an der mittelund langfristigen Arbeitslosigkeit mit einer Dauer von 15 bzw. 27 Wochen und mehr all die Jahre über auf 20 bis 30 Prozent (siehe Tafel V i ) .
Tafel VI

�Tafel VI
Anteil der Farbigen an der mittel- und langfristigen Arbeitslosigkeit
in den Jahren von 1934 bis 1962
(in Prozent)
Jahr

1962
1961
1960
1959
1958
1957
1956
1955
1954

15 Wochen und darüber

27 Wochen und darüber

28,4
23,6
26,0
26,2
23,0
23,8
21,6
21,5
24,0

25,9
22,5
24,9
24,3
22,0
22,4
21 ,8
20,0
20,4

Teilzeitbeschäftigung: In der Zeit nach 1956 war der Prozentsatz
der farbigen Teilzeitbeschäftigten ständig hö&amp;er als der der weißen.
Im Jahre 1P62 arbeiteten 21 Prozent sämtlicher in einem Beschäftigungsverhältnis stehenden Farbigen und 14 Prozent aller berufstätigen Weißen
weniger als 35 Stunden; der Anteil der aus wirtschaftlichen Notwendigkeiten (mangelnde Aufträge, Materialknappheit und dergleichen) zur
Teilzeitarbeit gezwungenen Farbigen lag bei etwa dem Dreifachen des für
Weiße ermittelten Satzes von 3 Prozent, d.h. bei 10 Prozent der Gesamtbeschä:f tigtenzif fer der Farbigen (siehe Tafel VII) . 1962 stellte der
farbige Bevölkerungsteil wie in den vorausgegangenen Jahren ein Viertel
aller außerhalb der Landwirtschaft aus wirtschaftlichen Gründen Teilzeitarbeit Leistenden, während sein Anteil an der nichtlandwirtschaftlichen Gesamtbeschäftigung bei lediglich 10 Prozent lag.
Der Anteil der Farbigen an der Gesaratziffer der Teilzeitarbeiter
aus wirtschaftlichen Gründen bezifferte sich auf 16 Prozent, ihr Anteil
an der Zahl der Teilzeitbeschäftigten, die eine solche Beschäftigung
nur in Ermangelung eines ganztägigen Arbeitsplatzes angenommen hatten,
dagegen auf 35 Prozent. In der letzten Gruppe stellen Jugendliche und
ältere Frauen den Hauptanteil, die vielfach als Hausangestellte oder
in anderen Dienstleistungsberufen tätig sind, (fahrend der Prozentsatz
der aus wirtschaftlichen Gründen Teilzeitbeschäftigten bei farbigen
Arbeitnehmern in den letzten sechs Jahren erheblich gestiegen ist, hat er
sich bei weißen Arbeitnehmern ungefähr auf gleicher Höhe gehalten. Umgekehrt war eine Zunahme der freiwillig Teilzeitbeschäftigten nur unter
den weißen Arbeitnehmern zu verzeichnen.

1

-

10

Tafel VII

�Tafel VII
Nichtlandwirtschaftliche Beschäftigung, nach ganztägiger Arbeit,
Teilzeitarbeit und Hautfarbe gegliedert, in den Jahren 1936 und 19^2
(in Prozent)
Beschäftigung

1956

1962

56,388
100

52,661
100

6,267
100

85,7

88,4

78,6

79,5

3,2

3,0

10,3

9,0

davon in der
Regel vollbesch.

1,6

1,8

2,8

3,3

davon in der
Regel teilzeitbeschäftigt

1,6

1,2

7,5

5,7

11,1

8,6

11,0

11,5

Vollbeschäftigt*
Teilzeitbeschäftigt
aus w i r t s c h a f t l .
,nden**

Teilzeitbeschäftigt
aus anderen Gründen
in der Regel
teilzeitbesch.

**

Farbige

1962
Sämtl. Beschäftigte:
Zahl ( i n Mio)
Prozent

*

Weiße

1956

5,733
100

Die Ziffer schließt sämtliche Arbeitnehmer ein, die während der
Erhebungswoche 35 und mehr Stunden gearbeitet haben, sowie alle,
die nur wegen Krankheit, Urlaub oder schlechtem Wetter daran
gehindert waren, ganztägig zu arbeiten.
Die Ziffer schliefit sämtliche Arbeitnehmer ein, die wegen Arbeitsverlangsamung, Materialknappheit, Arbeitsplatzwechsel, Fehlen
eines ganztägigen Arbeitsplatzes usw. weniger als 35 Wochenstunden
gearbeitet haben.

Anm.: Wegen Auf- und Abrundungen ergänzen sich die Prozentangabe nicht
notwendigerweise zu 100.
Die Prozentzahlen der ganz jjährj.g ganz tägi,g beschäftigten weißen
und farbigen Arbeitnehmer differieren sehr stark. Bei den männlichen
farbigen Arbeitnehmern mit Berufserfahrung waren im Jahr 1961 die
Hälfte und bei den weißen zwei Drittel als das ganze Jahr über ganztägig tätig gemeldet. Dieser Unterschied besteht schon seit Ende der
vierziger Jahre, d.h. seitdem derartige Statistiken geführt werden. _In

-

11

�In der Nachkriegszeit stieg der Prozentsatz der Frauen und Mädchen, die das ganze Jahr über ganztägig beschäftigt sind, bei
farbigen beträchtlich an, während er sich bei weißen Frauen etwa
konstant hielt. Dieser Anstieg ist teilweise auf die Tatsache
zurückzuführen, daß farbige Frauen und Mädchen nicht mehr in dem
bisherigen Ausmaß in der Landwirtschaft beschäftigt werden, wo
die Beschäftigungslage starken jahreszeitlichen Schwankungen unterworfen ist. Im Jahre 1961 waren im Verhältnis fast ebenso viele
farbige wie weiße Frauen und Mädchen ganzjährig ganztägig beschäftigt, nämlich 32 bzw. 38 Prozent.
Beteiligung am Erwerbsleben: Eine der augenfälligsten Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt stellte während der letzten Jahre der
scharfe Rückgang der Neuzugänge bei den farbigen männlichen Jugendlichen und das geringe Interesse älterer farbiger Männer an einem
Arbeitsplatz dar (siehe Tafel VIII) . Im Jahre 1962 lagen die Beteiligungsraten der Farbigen in diesen Altersgruppen unter denen der
Weißen. Der besonders starke Rückgang bei den Farbigen entspricht
einem seit langem sichtbaren Trend. Er wurde durch den langfristigen
Rückgang der landwirtschaftlichen Beschäftigung, den Wunsch nach
längerer Schulbildung und die Verbesserung der Pensionsregelung ausgelöst - Entwicklungen, die auch bei den Weißen in den letzten Jahren
eine große Rolle gespielt haben.
In den fünfziger Jahren waren an der Landflucht 70 Prozent Jugendliche beteiligt, die noch keine 20 Jahre alt waren oder das
zwanzigste Lebensjahr im Verlauf dieser Dekade erreichten. Im allgemeinen sind die Jugendlichen auf dem Lande, gleichgültig, ob sie
noch zur Schule gehen oder nicht, als in der Landwirtschaft tätig
anzusehen. Ihre Beteiligungsrate liegt gewöhnlich höher als die der
städtischen Jugend der gleichen Altersklassen. Angesichts des ständigen
Rückgangs des Anteils der farbigen Beschäftigten in der Landwirtschaft
in der Zeit von 1955 bis 1962 darf man mit ziemlicher Sicherheit folgern, daß ein großer Teil der aus den ländlichen Bezirken abgewanderten
Jugendlichen nicht der weißen Rasse, angehörte. Des weiteren dürften
der starke Anstieg der Zahl der Schüler und Studenten und die in den
letzten Jahren ungewöhnlich hohe Arbeitslosigkeitsrate unter der
farbigen Jugend zu diesem Absinken der Beteiligung der Jugendlichen
am Erwerbsleben beigetragen haben.
Sowohl die Beteiligungsrate der weißen als auch die der farbigen
Männer der Gruppe im Alter von 65 und darüber gingen von 1955 bis 1962
ganz erheblich zurück, nämlich um 9 bzw. 13 Prozent. Der verstärkt
laut werdende Wunsch nach frühzeitiger Pensionierung scheint mit
zu den Ursachen zu zählen, daß es auch in der Gruppe der 55- bis
64jährigen zu einem - wenn auch nicht so eindeutigen - Rückgang
der Beteiligungsrate kam, wobei der Rückgang wiederum bei den Farbigen ausgeprägter war als bei den Weißen.
In der Hauptgruppe der 25- bis 64jährigen, in der die Beteiligungsraten ohnehin immer am höchsten liegen, blieben die Farbigen
weiterhin leicht hinter den Weißen zurück. Das ist unter Umständen
darauf zurückzuführen, daß die Rate der Invalidität auf Grund von
Krankheit und Unfall bei männlichen Farbigen höher ist, da die
Tafel VIII

�Tafel VIII
Rate der Beteiligung am Erwerbsleben der Altersgruppen, nach Hautfarbe
und Geschlecht gegliedert, in den Jahren 194^*

1955 und 1962

Altersgruppe
und
Geschlecht

1962

1955

1948

196?

1955

1948

Männer u.Frauen

56,1

57,1

56,7

60,0

61,9

63,5

Manner

7R,£

82,8

84,2

76,4

81 , 8

84,8

14
20
25
35
45
55
65

40,8
86,5
97,4
97,9
96,0
86,7
30,6

45,6
86,5
97,8
98,3
96,7
88,4
39,5

50,7
84,4
96,0
98,0
95,9
89, &amp;
46,6

38,4
89,3
95,3
94,5
92,2
81,5
27,2

48,8
89,7
95,8
96,2
94,2
83,1
40,0

58,4
85,6
95,3
97,2
94,6
88,4
50,3

Frauen

35,6

33,7

30,6

45,6

44,4

44,4

14
20
25
35
45
55
65

29,7
47,1
34,1
42,2
48,9
38,0
9,8

30,5
45,8
32,8
39,9
42,7
31,8
10,5

32,8
45,1
31,3
35,1
33,3
23,3
8,6

24,0
48,6
52,0
59,7
60,5
46,1
12,2

25,3
46,7
51,3
56,0
54,8
40,7
12,1

30,4
47,1
50,6
53,2
51,1
37,6
17,3

bis 19 Jahre
bis 24 Jahre
bis 34 Jahre
bis 44 Jahre
bis 54 Jahre
bis 64 Jahre
Jahre u.darüber

bis 19 Jahre
bis 24 Jahre
bis 34 Jahre
bis 44 Jahre
bis 54 Jahre
bis 64 Jahre
Jahre u.darüber

Weiße

Farbige

die Farbigen einen relativ hohen Anteil an den gefahrvolleren Handarbeiterberufen stellen.
Farbige Frauen und Mädchen nehmen schon immer proportional stärker
am Erwerbsleben teil als ihre weißen Schwestern. Der in der Nachkriegszeit eingetretene Anstieg der Beteiligungsrate erwachsener Frauen e±faßte Weiße und Farbige gleichermaßen. Trotz dieses Wandels standen
1962 nur etwa zwei Fünftel aller weißen Frauen und Mädchen der Altersgruppen zwischen 25 und 64 Jahren im Erwerbsleben gegenüber drei Fünfteln aller farbigen.
Einkommen und Erziehung
Einkommen; Bei den Farbigen entfällt häufig auf die einzelne Familie eine größere Zahl von Erwerbspersonen und somit eine höhere Rate
der Beteiligung am Erwerbsleben(pro Familie)als bei den Familien Weißer. Dieser Sachverhalt ist dazu angetan, die bestehenden Einkommensunterschiede zwischen Farbigen und Weißen zu verwischen. Eine gegenteilige Wirkung haben dagegen die nicht zum Einkommen gerechneten
rrallöhne in der Landwirtschaft, in der relativ viele Farbj ge

13

�Farbige tätig sind. Dennoch ist das Haushalteinkommen ein recht
brauchbares Kriterium zur Beurteilung des wirtschaftlichen und sozialen Status, da viele Ausgabegepflogenheiten eng mit der Familie
als selbständige Einheit verknüpft sind.
Das Durchschnittseinkommen sowohl der weißen wie der farbigen
Haushalte ist in den beiden letzten Jahrzehnten ganz beträchtlich
gestiegen. Die Farbigen konnten - insbesondere während des zweiten
Weltkrieges und in den Jahren unmittelbar danach - auf Grund der
kriegsbedingten Verknappung von ungelernten Arbeitskräften und der
staatlichen Maßnahmen zur Anhebung der Einkommen der am schlechtesten bezahlten Arbeiter sehr beachtliche Einkommenssteigerungen
erzielen. Das Haushalteinkommen der Farbigen stieg von weniger als
40 Prozent des Haushalteinkommens der weißen Familien im Jahre 1959
auf nahezu 60 Prozent zu Anfang der fünfziger Jahre. Wenngleich die
Einkommen der Farbigenhaushalte auch in der Folgezeit weiter angestiegen sind, so kam es doch zu keiner weiteren Verringerung des
Abstands zwischen den beiden Bevölkerungsgruppen.

Tafel IX
Haushaiteinkomment nach Hautfarbe gegliedert, in den Jahren
1948. 1955 und 1961
(Prozent der Haushaltungen)
Haushalteinkomrnen
(in Dollar)
Alle Einkommensklassen
weniger als 5000
3000 bis 4999
5000 bis 9999
10 000 u.darüber

1961
Weiße

100,0
18,6
19,4
44,7
17,1

1955

Farbige

100,0
47,5
24,4
22,8
5,6

Weiße

100,0
25,7
30,5
36,6
6,5

1948

Farbige

100,0
57,3
28,3
15,7
0,6

Weiße

100,0
42,6
55,2
19,1
5,1

Farbige

100,0
78,1
16,5
5,5
0,4

Anm.: Wegen Auf- und Abrundungen addieren sich die Prozentangaben nicht
notwendigerweise zu 100.
Dieses Phänomen ist sohl der Tatsache zuzuschreiben, daß im letzten
Jahrzehnt die akademischen, technischen und Managerberufe, in denen die
Farbigen noch immer nur schwach vertreten sind, einen weit größeren
Einkommenszuwachs (bis zu nahezu 70 Prozent) zu verzeichnen hatten als
die an der Basis der Beschäftigungspyramide zu findenden Berufsgruppen,
in denen der Anteil der Farbigen hinwiederum besonders hoch ist. Das
Einkommen der angelernten Arbeiter und der Angehörigen der Dienstleistungsberufe stieg im selben Zeitraum um lediglich 40 Prozent, während
es in den vierziger Jahren einen Zuwachs von rund 180 Prozent aufzuweisen hatte.
Im

�Im Jahre 1948 hatten nahezu 8 von 1C farbigen Haushalten ein
Bareinkommen von weniger als 3000 Dollar (siehe Tafel I X ) . Dieser
Satz fiel bis 1955 auf 6 von 10 und bis 1961 auf 5 von 10; dennoch
war der Anteil an Familien mit so geringem Einkommen bei den Farbigen
etwa zweieinhalbmal so groß wie bei den Weißen. Seit 1955 hat der
Anteil der Farbigenhaushalte in der Einkommensklasse von 5000 bis
10 000 Dollar eine 50prozentige Zunahme erfahren und kletterte auf
23 Prozent der Gesamtzahl sämtlicher Farbigenhaushalte, lag dabei aber
noch immer unter dem mit 45 Prozent ausgewiesenen Anteil bei den weißen
Haushalten. Am oberen Ende der Einkommensskala, in der Klasse der Haushalte mit einem Einkommen von 10 000 Dollar und darüber, rangierten 1961
immerhin 6 Prozent der farbigen Haushalte gegenüber lediglich 0,5 Prozent in den Jahren 1948 und 1955« Trotz des in den letzten Jahren zu
beobachtenden Aufstiegs vieler Farbiger in höher bezahlte Berufe und
damit höhere Einkommensklassen besteht noch immer eine große Kluft
zwischen den Haushalteinkommen weißer und farbiger Familien, fallen
doch anteilmäßig dreimal soviel weiße Haushalte in die Einkommensklasse
von 10 000 Dollar und darüber.
Bildung; Sehr beachtliche Erfolge zeitigten die Bemühungen, die
seit langem bestehende Lücke zwischen dem Bildungsstand der Weißen
und dem der Farbigen zu schließen. Im Jahre 1962 hatten die Angehörigen
der Altersklasse von 25 bis 29 Jahren bei den Weißen eine durchschnittliche schulische Ausbildung von 12,5, bei den Farbigen von 11,2 Jahren
aufzuweisen. Bei den Farbigen entspricht dies einer Verlängerung der
Schulzeit um rund 4 1/2 Jahre, gegenüber 1940, bei den Weißen einer
Verlängerung um nur 2 Jahre. Diese in der Nachkriegszeit eingetretene
weitgehende Angleichung ist größtenteils auf die Tatsache zurückzuführen, daß die Kinder der Farbigen von den gebotenen schulischen Bildungsmöglichkeiten mehr Gebrauch machen als früher. An der Grundschule
sind die Unterschiede in den Einschulungsraten so gut wie ausgeglichen,
während sich in den höheren Schulen die Unterschiede nur wenig verringert
haben, so daß der Prozentsatz der farbigen Oberschüler noch immer merklich hinter dem der Weißen zurückbleibt.
Seit Mitte der fünfziger Jahre aber haben sich die Unterschiede
im Bildungsstand kaum mehr verringert, wenn auch beide Gruppen eine
Verlängerung des durchschnittlichen Schulbesuchs um ein Jahr aufzuweisen haben. Jüngst verfügbar gewordene Einkommensstatistiken, die nach
Hautfarbe und Bildungsstand des Haushaltvorstandes gegliedert sind,
untermauern die schon in anderen Untersuchungen erarbeitete Folgerung,
daß sich die Einkommenslücke zwischen Weißen und Farbigen selbst mit
steigenden Bildungsniveau nicht von selbst schließt. Immerhin ist sie •
bei Personen mit College-Ausbildung schon viel schmäler geworden, bezifferte sich doch das Haushalteinkomraen farbiger College-Absolventen
auf rund 85 Prozent des Einkommens ihrer weißen Kollegen.

(Quelle:"Monthly Labor Review",
Juli 1963, Vol. 86, Nr. 7)

* * * * *

-

15

-

�Verschärfte Bestimmungen der US-Post zur Durchsetzung
der Rassengleichheit
Sowohl durch Aufklärung als auch mit Hilfe wirtschaftlicher
Druckmittel will das amerikanische Postministerium jetzt versuchen,
die von ihm erlassenen Antidiskriminierungsbestimmungen bei all jenen
Wirtschaftsunternehmen durchzusetzen, die mit der Postverwaltung in
geschäftlichen Beziehungen stehen oder aber postalische Dienste übernommen haben.
So wurde kürzlich eine neue Klausel in sämtliche Dienstleistungsverträge aufgenommen, die die Postverwaltung mit rund 10 000 Inhabern
von Drugstores und anderen Geschäften mit Postschaltern abgeschlossen
hat, nach der die Unternehmen in Zukunft gehalten sind, jeden Kunden
ohne Rücksicht auf seine Hautfarbe zu bedienen und auch bei der Einstellung von Personal das Gleichheitsprinzip in Anwendung zu bringen.
Diese Vertragsklausel ist besonders für die Posthalter in den Südstaaten von großer Bedeutung, da hier die rassische Diskriminierung am
stärksten ausgeprägt ist.
Außerdem sind künftig sämtliche Personen, die Büroräume an die
US-Bundespost vermieten, vertraglich verpflichtet, auch in den übrigen
Teilen des Bürogebäudes die gleichen Antidiskriminierungsbestimmungen
durchzusetzen.
Diesen neuen Maßnahmen voraus gingen zahlreiche andere Anordnungen des US-Postministers, J. Edward Day, die in erster Linie auf die
Durchsetzung des Prinzips der Rassengleichheit im Postdienst selbst
abzielen wie unter anderen die Bestimmung, daß Beförderungen ohne
Rücksicht auf die Hautfarbe des Vorgeschlagenen zu erfolgen haben.
Inzwischen sind sechs Postamtsvorsteher des Rechts, Untergebene zu
befördern, verlustig gegangen, weil sie gegen diese Anordnung verstoßen
haben.
Außerdem wurden in den vergangenen Wochen insgesamt 27 Postamtsvorsteher aus den Südstaaten zu Aussprachen mit dem Postminister und
leitenden Angestellten des Postministeriums nach Washington beordert,
um ihnen nachdrücklich klarzumachen, daß die "Desegregation" im Postdienst heute eine Realität ist. Die US-Bundespost kann dabei bereits
auf sehr eindrucksvolle Erfolge hinweisen: Von den insgesamt 585 000
Postangestellten sind rund 117 000 oder 20 Prozent Farbige; während
sich vor zwei Jahren der Anteil der Neger in AufSichtspositionen lediglich auf 5 Prozent belief, beträgt er heute 10 Prozent; in der Bundeshauptstadt Washington sind von den insgesamt 9000 Postangestellten über
7000 Farbige, von denen auch etwa die Hälfte aller AufSichtspositionen
bekleidet wird; das Hauptpostamt von Los Angeles, das drittgrößte der
USA, hat seit kurzem einen Farbigen als Amtsvorsteher.
(Quelle: Eigenbericht)

-

16

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�Wirtschaftliches Wachstum und Arbeitslosigkeit
Obwohl die gute Konjunktur nun schon über zwei Jahre andauert,
die Wirtschaft in den vergangenen Monaten zahlreiche bemerkenswerte
Erfolge erzielen konnte und auch die Aussichten für die nächste Zukunft allgemein als sehr gut bezeichnet werden, ist man sowohl in
Kreisen der Wirtschaft als auch der Regierung und in der Öffentlichkeit mit der Gesamtentwicklung nicht ganz zufrieden. Der Grund hierfür ist die immer noch relativ ungünstige Lage am Arbeitsmarkt. Denn
obwohl die Beschäftigtenzahl in letzter Zeit stetig angestiegen ist,
im Juni ein Zugang von 1,3 Millionen verzeichnet wurde und im gleichen Monat zum ersten Mal in der Geschichte der USA über 70 Millionen
Werktätige registriert werden konnten, sind 4»ö Millionen Amerikaner
oder 5»7 Prozent des Arbeitspotentials arbeitslos.
Große Sorge bereiten Regierung und Öffentlichkeit in dieser Hinsicht insbesondere zwei Arbeitnehmergruppen: die Jugendlichen und die
Farbigen. Der Anteil der erwerbslosen Teenager an der Gesamtzahl der
Arbeitskräfte z.B. beträgt gegenwärtig rund 1,6 Prozent. Zwar ist dieser hohe Prozentsatz zum Teil darauf zurückzuführen, daß während der
langen Sommer-Schulferien sich sehr viele Jugendliche um einen temporären Arbeitsplatz bemühen - dies kann jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, daß die Erwerbslosenrate unter den Teenagern in den letzten
Jahren ständig extrem hoch gewesen ist, noch die Tatsache erklären,
daß die Gesamtzunahme der Arbeitslosenziffer im Juni (plus 800 000)
allein durch den Zugang Jugendlicher bedingt war. In krassem Gegensatz
hierzu steht die Entwicklung der Arbeitslosenrate bei den verheirateten
Männern, die im Juni auf 3»1 Prozent absank und damit erheblich unter
dem Stand des Vorjahres lag.
Wesentlich verschärft wird das Problem der Jugendarbeitslosigkeit noch durch den allgemeinen Bevölkerungstrend, der für die nächsten Jahre einen erheblich größeren Zustrom von Jugendlichen zum.
Arbeitsmarkt erwarten läßt. In diesem Jahr z.B. werden rund 1 Million
Jugendliche mehr als im vergangenen Jahr das 16. Lebensjahr erreichen
und zum Teil aller Wahrscheinlichkeit nach nicht weiter die Schule
besuchen, sondern sich um einen Arbeitsplatz bemühen.
Ein ähnliches schwieriges wirtschaftliches und soziales Problem
bilden in dieser Hinsicht auch die Farbigen, deren Erwerbslosenrate
um das Doppelte über dem nationalen Durchschnitt liegt und besonders
hoch unter den Teenagern ist.
Wenn man auch nicht gerade behaupten kann, daß die zunehmenden
Spannungen zwischen der weißen und der farbigen Bevölkerung und die
verstärkten Bemühungen der Regierung zur Durchsetzung der Bürgerrechte
allein den mangelnden Beschäftigungsmöglichkeiten zuzuschreiben sind,
so trägt doch andererseits die starke Arbeitslosigkeit, insbesondere
unter der farbigen Bevölkerung, erheblich zur allgemeinen wirtschaftlichen und sozialen Unrast bei, ganz gleich, wie gut die allgemeine
wirtschaftliche Lage auch sein mag.
Die Regierung Kennedy hat bisher zahlreiche energische Schritte
zur Lösung dieser eng miteinander verwobenen Probleme - Arbeitslosigkeit und Bürgerrechte - unternommen und mit den kürzlich dem

-

17

-

�dem Kongreß unterbreiteten Bürgerrechtsvorlagen einen entscheidenden
Vorstoß gewagt. Die meisten der vorgeschlagenen gesetzlichen Maßnahmen haben dabei einen ausgesprochen wirtschaftspolitischen Charakter.
Sie sollen all jene Bemühungen ergänzen, die bisher zur Beschleunigung des wirtschaftlichen Wachstums und zur stärkerem Nutzung des
Arbeitspotentials unternommen wurden - wie die Programme zur Verbesserung der schulischen und beruflichen Ausbildung, zur Ausweitung
der Beschäftigungs- und Bildungsmöglichkeiten, zur Beseitigung der
Diskriminierung bei der Einstellung von Arbeitskräften oder zur speziellen Förderung der Jugend.
Die stärkste Wirkung bei all den wirtschaftlichen Förderungsmaßnahmen könnte jedoch von dem vorgeschlagenen Steuersenkungsprogramm ausgehen, das jetzt dem Kongreß zur Beratung vorliegt. Dieses
Programm, das eine erhebliche Senkung der Einkommensteuer zwecks
Erreichung eines langfristigen, größeren wirtschaftlichen Wachstums
vorsieht, stellt wohl die wirkungsvollste Ergänzung zu all den anderen
Maßnahmen zur Beseitigung der Arbeitslosigkeit dar. Denn es wäre, wie
US-Arbeitsminister Wirtz erst kürzlich erklärte, völlig sinnlos,
Arbeitnehmer auf produktive Zukunftsberufe umzuschulen oder diskriminierende Einstellungspraktiken gesetzlich zu beseitigen, wenn es
in der Wirtschaft einfach nicht genügend Arbeitsplätze gibt.
Es wäre daher auch verkehrt, alle diese in eine Richtung zielenden Maßnahmen nach gewissen Prioritäten einzustufen, denn sowohl
das Steuersenkungsprogramm als auch die Erziehungs-, Förderungsund Bürgerrechts-Programme stellen ein Ganzes dar und sind auch
als solches zu behandeln, wenn eine maximale Wirkung von ihnen ausgehen, soll.
(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

Unfallschutz am Arbeitsplatz als gewerkschaftliche Aufgabe
Der Unfallschutz am Arbeitsplatz ist eines der Hauptanliegen
der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung. Immer neue Verfahren, Maschinen und Produkte bringen für den arbeitenden Menschen immer neue
Gefahren mit sich, denen es rechtzeitig durch entsprechende Sicherheitsvorkehrungen zu begegnen gilt.
Insgesamt wurden im Jahr 1962 in den Vereinigten Staaten 1,99
Millionen Betriebs- und Arbeitsunfälle registriert, von denen 13 700
tödlich verliefen und 83 300 bleibende Gesundheitsschäden zur Folge
hatten. Anders ausgedrückt entfielen auf je 100 000 Arbeitskräfte
21 Todesfälle. Diese Zahl dürfte mehr als ausreichen, um die Bedeutung der Unfallverhütungsmaßnahmen zu unterstreichen.
Die Gewerkschaften schalten sich aktiv in die Planung und Entwicklung von Sicherheitsmaßnahmen in den Betrieben ein und suchen
durch die Ausarbeitung von Gesetzgebungsvorschlägen zu Fragen der

-

18

�der Unfallverhütung und des Gesundheitsschutzes am Arbeitsplatz und
durch den Einbau entsprechender Vorschriften in die Tarifverträge
den Arbeitsschutz zu verbessern. Sie beteiligen sich darüber hinaus
in immer stärkerem Maße an Fachtagungen, die von Unfallschutzorganisationen und staatlichen Stellen mit dem Ziel abgehalten werden,
den Erfahrungsaustausch unter allen Beteiligten zu fördern. Die
Fortschritte auf dem Gebiet des betrieblichen Unfallschutzes sind
zu einem guten Teil den von den Unternehmensleitungen und Gewerkschaften gemeinsam erarbeiteten Sicherheitsvorschriften zu danken.
Ein Beispiel für die Früchte einer solchen Zusammenarbeit bietet
die Papier- und Holzschliffindustrie in den waldreichen Pazifikstaaten Washington, Oregon und Kalifornien. Eine 1946 eingeleitete
Kampagne zur Verbesserung des Arbeitsschutzes in den Papiermühlen
führte dazu, daß die Unfallrate pro 1 Killion geleistete Arbeitsstunden von 38,9° im Jahre 1945 auf 4*66 im Jahr i960 zurückging. Den
Kern des Sicherheitsprogramms bilden persönliche Schutzmaßnahmen wie
das Tragen von Sicherheitshelmen, Schutzbrillen, Plastikgesichtsmasken, rutschfestem Schuhwerk, feuerfester Kleidung, Arbeitshandschuhen
und dergleichen.
Die Unfallverhütung beginnt im Grunde mit der Analyse der Unfallgefahren; die Beschaffung geeigneter Schutzkleidung und -einrichtungen ist der nächste Schritt. Die größte Schwierigkeit besteht leider
sehr häufig darin, die Arbeiter von der Notwendigkeit des ständigen
Gebrauchs der Schutzeinrichtungen und der konsequenten Beachtung der
Sicherheitsvorschriften zu überzeugen. Der arbeitende Mensch selbst
ist es schließlich, der am meisten zur Vermeidung von Unfällen und
Gesundheitsschädigungen am Arbeitsplatz beitragen kann. Von seiner
Einstellung zur Frage des Unfallschutzes hängt der Erfolg aller
Sicherheitsmaßnahmen - und unter Umständen sein Leben - ab.
Hier setzt deshalb auch die erzieherische Arbeit der Gewerkschaften ein. In der Gewerkschaftspresse und durch Aufklärungsschriften wirken sie auf ihre Mitglieder ein. Die Bedeutung dieser Aufklärungsarbeit wird in ihrem ganzen Umfang erst klar, wenn man sich
vergegenwärtigt, daß die am Arbeitsplatz anerzogene Vorsicht den
Menschen ja auch auf der Straße und zu Hause vielfach davor bewahren
wird, sich unnötigerweise Gefahren auszusetzen.
(quelle: Eigenbericht)
* * * * *

Seeleutegewerkschaft spricht sechsjährigen Streikverzicht aus
Einen Streikverzicht für mindestens sechs Jahre vereinbarte die
amerikanische Seeleutegewerkschaft (National Maritime Union) mit dem
Verband der amerikanischen Reeder (American Merchant Marine Institute)
im Rahmen eines neuen Tarifvertrages, der sich auf rund 25 000 Seeleute im Dienst von 34 Passagier- und Frachtschiffahrtsgesellschaften
erstreckt.
Der

19

�Der neue Tarifvertrag, der vorläufig bis Juni 19&amp;9 gelten soll,
sieht für Matrosen u.a. die Gewährung von 60 Tagen bezahltem Urlaub
pro Jahr nach einjähriger Fahrenszeit, erhöhte Arbeitgeberbeiträge
zur Altersversicherung sowie die Abführung eines Betrags von zunächst
25 Cent und später 50 Cent pro Mann und Arbeitstag an einen neu zu
errichtenden Sozialfonds vor. Die höheren Versicherungsbeiträge werden zur Finanzierung eines Ruhegeldes von monatlich 150 Dollar verwendet werden, auf das künftig alle Seeleute nach 20jähriger Fahrenszeit
ohne Rücksicht auf ihr jeweiliges Lebensalter Anspruch haben. Die Mittel
des Sozialfonds sollen vor allem zur Milderung von Härten verwendet
werden, die sich aus der fortschreitenden Automatisierung ergeben.
Der Vertrag sieht des weiteren die Neuaufnahme von Verhandlungen
über Löhne, Überstundenzuschläge und Sozialnebenleistungen in gewissen
Abständen vor und verpflichtet beide Tarifpartner für den Fall, daß
bei derartigen Verhandlungen eine Einigung nicht innerhalb 30 Tagen
erreicht wird, sich der Zwangsschlichtung durch einen unabhängigen
ständigen Schiedsmann zu unterwerfen.
Der Vertragsentwurf war um die Jahresmitte in Form eines FünfPunkte-Plans 74 Reedereien mit zusammen 40 000 Beschäftigten unterbreitet worden. Er sah neben den vorstehend genannten Bestimmungen
auch die Einführung des sogenannten " agency shop", d.h. die Abführung
eines Solidaritätsbeitrags an die Gewerkschaft durch die nichtorganisierten Arbeitnehmer vor.

(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

-

20

-

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Diese» Bulletin enthalt Material über Arbeitsbezichungcn, Gewcrkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Information*! Operations Unit
l'SlS-Doiin r&gt;;ul Godesberg
Der Inhalt der ..Arbeitsmitteilungen- ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XVI - 11

Bad Godesberg, deri 1. November 1963
INHALTSVERZEICHNIS

Die amerikanische Sozialversicherung

Seite

1

Seite

5

Arbeitslosen-Umschulungsprogramm hatte guten Start

Seite

10

Gewerkschaftliche Bildungsarbeit mit neuen
Akzenten
Gewerkschaftliche Kurznachrichten

Seite
Seite

10
12

Entwicklung der Löhne und Lohnnebenleistungen
in den USA

.

Robert M. Ball, Leiter des US-Bundesamtes für die Sozialversicherung:
Die amerikanische Sozialversicherung
Konzeption und Gliederung - Beiträge und Leistungen
Die Vereinigten Staaten waren in den ersten Jahrzehnten ihres
Bestehens ein überwiegend agrarwirtschaftlich orientiertes Land, dessen
"Grenze" - hier als Grenzbereich zwischen Wildnis und Kulturlandschaft,
zwischen dem "Fernen Westen" und den zivilisierten Regionen an der
Ostküste des amerikanischen Kontinents verstanden - jedem strebsamen
Menschen Aufstiegschancen und sogar die Aussicht,, auf einen gewissen
Wohlstand bot. Eine der frühesten Formen der "sozialen Sicherheit"
oder "Sozialversicherung"war das vom Staat jedem Bürger zugestandene
Recht, sich bis zu 64 ha Land kostenlos anzueignen, sofern er es produktiv zu nutzen vermochte. Die Amerikaner sind es auf Grund solcher
historischer Entwicklungen seit Generationen gewohnt, sich für sich
und ihr Schicksal selbst verantwortlich zu fühlen, für sich und ihre
Familie selbst aufzukommen, sich vor Not und Abhängigkeit selbst zu
schützen und darüber hinaus zum Wachstum und Gedeihen des Gemeinwesens
beizutragen.
Die

-

1 -

�Die Vorstellung, daß jedermann für sich selbst zu sorgen habe,
ist auch heute noch fester Bestandteil des amerikanischen Denkens.
Andererseits hat der Staat heute wie damals die Aufgabe, seine Bürger dazu in die Lage zu versetzen, sich selbst zu helfen - heute
natürlich in einer Form, die einer hochindustrialisierten Gesellschaft angemessen ist. Diese Gesellschaftsform, die den Amerikanern
einerseits einen ständig steigenden Lebensstandard brachte, führte
andererseits zu einer in früheren Zeiten unbekannten Abhängigkeit
von einem laufenden Geldeinkommen.
Aus diesen Erwägungen heraus erließ der amerikanische Kongreß
1935 das Gesetz über die Schaffung eines Bundessozialversicherungssystems, das den einzelnen vor jenen Risiken schützen soll, gegen
die er sich anderweitig kaum selbst zu schützen vermag. Mit anderen
Worten, die Sozialversicherung verbürgt allen arbeitenden Menschen
ein Recht auf Rente nach Erreichung der Altersgrenze oder bei vorzeitiger Arbeitsunfähigkeit und, für den Fall des Ablebens, dejn.
Hinterbliebenen einen Anspruch auf Witwen- oder Waisenrente.
Ergänzt wird die Bundessozialversicherung durch die einzelstaatlichen Arbeitsunfall- und Arbeitslosen-Versicherungen, die bei
gewissen Leistungen Bundeszuschüsse erhalten. Eng mit der Sozialversicherung verknüpft sind ferner die Maßnahmen zur Rehabilitation
Behinderter'und die Tätigkeit der Gesundheits- und WohlfahrtsbehÖrden, insbesondere auch die Programme für Mutter und Kind.
Die Alters-, Hinterbliebenen- und Invaliditätsversicherung, die
Sozialversicherung im engeren Sinne, zeichnet sich durch drei Hauptcharakteristika aus:
1. Allgemeiner Geltungsbereich. Die amerikanische Sozialversicherung erstreckt sich,im Gegensatz zur Regelung in manchen anderen
Ländern,auf fast sämtliche Erwerbspersonen, gleichgültig, ob sie als
Selbständige tätig sind oder gegen Lohn oder Gehalt für andere arbeiten, ob sie in der Landwirtschaft, in der Fabrik oder im Büro be-»
schäftigt sind oder ob sie den Streitkräften angehören. Sie erfaßt
rund neun Zehntel sämtlicher Erwerbspersonen. Nur zwei größere Personenkreise fallen nicht unter die Beitragspflicht: die Bundesbediensteten, für die ein eigenes Sozialversicherungswerk besteht, und die
freischaffenden Arzte.
Der Beitrag wird in Form einer "Sozialversicherungssteuer" auf
das Einkommen erhoben und je zur Hälfte von Arbeitgeber und Arbeitnehmer aufgebracht. Ausgehend von je drei Prozent für das Jahr 1961,
wird er bis 1968 auf je 4 5/8 Prozent angehoben werden. Der Einkommensteil, der jährlich 4800 Dollar übersteigt, unterliegt dabei nicht
der "Besteuerung". Selbständige zahlten - ebenfalls bis zu einer
Einkommenshöhe von 4800 Dollar pro Jahr - 1961 noch 4,5 Prozent und
werden ab 1968 dann 6,9 Prozent abzuführen haben.
2. Rechtsanspruch auf Leistungen. Die Leistungen aus der Sozialversicherung basieren auf einem gesetzlich festgelegten Rechtsanspruch,
der sich auf die einkommensabhängigen Beiträge gründet.

1t
-

2

-

�3. Schutz vor drei Risiken. Die Sozialversicherung umfaßt die
Alters-, die Hinterbliebenen- und die Invaliditätsversicherung, die
als ein einheitliches Ganzes verwaltet werden. Ihr Zweck ist ein
umfassender Schutz gegen Einkommensverlust bei Invalidität, Erreichung der Altersgrenze oder Tod des Hauptverdieners. Die Wartezeit
für Hinterbliebenenrente ist im günstigsten Fall nach rund eineinhalbjähriger Berufsausübung erfüllt. Nach dem Gesetz gilt als versichert, wer für j.edes Jahr nach 1950 - das Jahr des Eintritts des
Versicherungsfalles ausgenommen - eine abgedeckte Versicherungszeit
von jeweils mindestens einem Quartal nachweisen kann. Bei der Altersund Invaliditätsrente, die frühestens nach zehnjähriger Versicherungsdauer wirksam wird, ist zusätzlich Voraussetzung, daß fünf von den
zehn Jahren bei Eintritt des Versicherungsfalles entsprechend abgedeckt sind.
Ende Juni 1963 wurden Renten aus der Sozialversicherung an über
18fc5 Millionen Personen gezahlt; das entspricht einer Zunahme um
nahezu zwei Millionen gegenüber Juni 1962. In dem am 30. Juni zu Ende
gegangenen Haushaltjahr 1962/63 wurden Leistungen in Höhe von über
15 Milliarden Dollar gezahlt, d.h. zehn Prozent mehr als im vorigen
Haushaltjähr.
a) Altersrente . Nach den derzeitigen gesetzlichen Bestimmungen
wird Altersrente dem Versicherten im Falle des Ausscheidens aus dem
Beruf nach Vollendung des 65. Lebensjahres gewährt. Sie liegt je nach
dem früheren Einkommen zwischen 40 Dollar und 127 Dollar pro Monat.
Für die Ehefrau wird ein Zuschuß in Höhe von 50 Prozent der Grundrente
gezahlt, sofern sie ebenfalls das 65. Lebensjahr vollendet oder mindestens ein Kind zu versorgen hat. Sowohl der Versicherte als auch seine
Ehefrau können die Rente schon nach Vollendung des 62. Lebensjahres zu
einem verminderten Satz beziehen. Im Gegensatz zur Rentenregelung in
vielen anderen Ländern ist auch der wirtschaftlich von der Ehefrau
abhängige Ehemann bezugsberechtigt, wenn die Ehefrau als vollversichert
gilt. Es wird ferner ein Zuschlag für bis zu zwei Kinder unter 18 Jahren
gewährt, denen auch ältere Kinder gleichzusetzen sind, bei denen die
Vollinvalidität vor Vollendung des 18. Lebensjahres eingetreten ist.
b) Hinterbliebenenrente.Beim Tod des versicherten Arbeitnehmers (oder Selbständigen) wird Hinterbliebenenrente an die Witwe
(oder den abhängigen Witwer)frühestens nach Vollendung des 62. Lebensjahres und an Witwen jeden Alters mit mindestens einem bezugsberechtigten Kind, Waisenrente an Kinder unter 18 Jahren (oder vollinvalide
Kinder) und Elternrent« an abhängige Eltern gezahlt. Die Witwenrei
ist ab Vollendung des 62. Lebensjahres in voller Höhe zahlbar und beträgt für die alleinstehende Witwe 40 Dollar bis zu 104,80 Dollar.
Bei Witwen jeden Alters mit einem bezugsberechtigten Kind liegt sie
zwischen 60 Dollar und 190,60 Dollar, bei einer Witwe mit zwei Kindern
zwischen 60 Dollar und 254 Dollar. Die Waisenrente für ein Kind beträgt 40 Dollar bis zu 95,30 Dollar und für zwei Kinder 60 Dollar bis
zu 190,60 Dollar. Die Versicherung gewährt ferner ein Sterbegeld in
Höhe von 120 Dollar bis 255 Dollar.

ol
-

3 -

�c) Invaliditätsrente. Bei völliger Erwerbsunfähigkeit besteht
Anspruch auf Invaliditätsrente in Höhe der den bezahlten Beiträgen
entsprechenden ungekürzten Altersrente; für abhängige Familienangehörige gilt dieselbe Regelung wie vorstehend unter "Altersrenten"
dargelegt.
Bei sämtlichen Rentenformen ist noch die Bestimmung zu beachten,
daß der Höchstbetrag, der an eine Familie ausgezahlt werden kann,
jeweils auf das Doppelte der Grundrente des Versicherten beschränkt
ist. Für Erwerbsunfähige sieht das Sozialversicherungsgesetz Bundeszuschüsse bei Gesundheitsmaßnahmen vor, die im Rahmen des von Bund
und Einzelstaaten gemeinsam getragenen Rehabilitationsprogramms durchgeführt werden.
4. Einkommensabhängigkeit der Leistungen. Die Rentenleistungen
richten sich bis zur Höchstgrenze von 48OO Dollar nach dem Durchschnittseinkommen und nur bedingt nach der Länge der Mitgliedschaft.
Aus diesem Grund war es auch schon in den ersten Jahren nach Errichtung der Versicherung möglich, Renten in ungekürzter Höhe auszuzahlen.
Da der Versicherte durch sein Einkommen die Höhe seiner späteren Pension selbst bestimmt, bleibt der Anreiz zu beruflicher Leistung und
schnellem Fortkommen erhalten. Die späteren Rentenbezüge stehen in
einer direkten Relation zu den wirtschaftlichen Verhältnissen und dem
Lebensstandard des Versicherten. Dabei wird den Angehörigen der unteren Einkommensgruppen ein höherer Prozentsatz ihres Arbeitseinkommens als Rente gewährt als denjenigen in den besser verdienenden
Gruppen.
5« Rente und zusätzliches Einkommen. Leistungen der Sozialversicherung werden, das ist die Grundkonzeption, zum Ausgleich des Einkommensverlustes durch Alter, Tod des Hauptverdieners oder Arbeitsunfähigkeit gewährt. Ein unbedingtes Recht auf Rente besteht erst nach
Vollendung des 72. Lebensjahres. Das heißt, in der Praxis werden Versicherte im Alter von 65 bis J2 Jahren, die voll berufstätig sind,
keine Rente erhalten, während Versicherte von 65 und darüber, die nur
noch gelegentlich oder z.B. halbtags beschäftigt sind, Leistungen beziehen können. Die Gewährung von Leistungen ohne Rücksicht auf zusätzliche Arbeitseinkommen - bzw. auf Einkünfte bei Selbständigen würde zwangsläufig die Abführung höherer Beiträge erforderlich machen.
Ohne rentenmindernde Wirkung sind dagegen Einkünfte aus Vermögen,
Ersparnissen und Wertpapierbesitz.
6. Ein beitragsgespeistes Kassensystem. Die Sozialversicherung
wird ausschließlich aus den Arbeitgeber- und Arbeitnehmerbeiträgen
bzw. den Beiträgen der selbständigen Gewerbetreibenden, Angehörigen
der freien Berufe und Farmer und aus den Einkünften aus der langfristigen Anlage der Rückstellungen gespeist.
Die Beitragsabhängigkeit der Leistungen der Sozialve- Lcherung
ist ein Faktor, der das Verantwortungsbewußtsein der Mitglieder gegenüber der Versicherung stärkt. Der Beitragspflichtige ist sich darüber im klaren, daß die Leistungen, die er bzw. seine Familienangehörigen zu erwarten haben, durch seine eigenen Beiträge mitfinanziert
werden, - was sein persönliches Interesse an der Gesunderhaltung
der Finanzierungsbasis des gesamten Systems wachhält.

Ix
-

4 -

�7. Aufsichtsorgane . Das Sozialversicherungssystem untersteht
dem Bundesamt für die Sozialversicherung im Ministerium für Gesundheits-, Erziehungs- und Sozialfragen. Ein Verwaltungsrat ist
verpflichtet, dem Kongreß jedes Jahr über die Höhe der Rückstellungen, die versicherungstechnische Lage und die voraussichtliche Einnahmen- und Ausgabenentwicklung in den nächsten fünf Jahren Bericht
zu erstatten. Nach dem Sozialversicherungsgesetz ist in regelmäßigen Abständen eine Überprüfung der Beitragssätze, der versicherungstechnischen Bilanz, der Anlagepolitik und des gesamten übrigen Finanzgebarens durch einen Beratungsausschuß aus Vertretern der Arbeitnehmer, Arbeitgeber und der Öffentlichkeit vorzunehmen. Der Ausschuß
kann auf Grund seiner Feststellungen etwaige Änderungen zur Sicherung
einer gesunden Finanzbasis vorschlagen.

(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

Entwicklung der Löhne und Lohnnebenleistungen in den USA
Eine Übersicht über die Jahre 1954 bis 1962

Die Lohnveränderungen auf Grund von Tarifverträgen zeigten in den
letzten Jahren eine deutliche Verflachungstendenz, wie das US-Bundesamt für Arbeitsstatistik Anfang Oktober bekanntgab.
Im Rezessionsjähr 1954 waren die ausgehandelten Lohnerhöhungen
mit (durchschnittlich) 5 1/2 Cent pro Stunde relativ niedrig, während
sie in den drei folgenden Jahren auf über zehn Cent anstiegen. In
den darauf folgenden drei Jahren, von 1958 bis 1960, variierten die
durchschnittlichen Steigerungsbeträge zwischen 8 1/2 und 9 Cent pro
Stunde, um 1961 auf durchschnittlich 7 Cent abzusinken. Im Jahr 1962
war ein leichter Anstieg auf 8 Cent zu verzeichnen (siehe Tafel i ) •
Legt man die 1961 und 1962 erzielten Lohnerhöhungen auf sämtliche
Beschäftigte um, die in diesem Zeitraum in irgendeiner Form von Tarifverhandlungen berührt wurden - unter Einschluß also auch der Arbeiter
und Angestellten, deren Löhne unverändert gleichgeblieben sind -, so
errechnet sich für die beiden Jahre ein Durchschnitt von 7 Cent.
Verflachungstendenzen auch bei stufenweisen Lohnerhöhungen
Auch die Lohnveränderungen, die auf Grund älterer Tarifverträge
wirksam wurden - Erhöhungen in Anpassung an den steigenden Lebenshaltungskostenindex auf Grund einer Lohngleitklausel und inzwischen in
Kraft getretene stufenweise Lohnerhöhungen -, sind geringer ausgefallen. Soweit Arbeiter und Angestellte tatsächliche Lohnaufbesserungen
erhielten, bewegten sie sich in Üen Jahren von 1956 bis 1958 zwischen
Tafel I

�Tafel

I

G e n e r e l l e Lohnerhöhungen a u f Grund t a r i f v e r t r a g l i c h e r

Vereinbarungen

i n den J a h r e n 1954 h i s 1962

Gesamtwirtschaft

1962
1961
1960

1959
1958
1957
1956
1955
1954

Fertigungsindustrien

Ausgewählte
andere Wirtschaftszweige

durchschn. durchschn.
Anpassung E r h ö h u n g

durchschn.durchschn.
A n p a s s u n g Erhöhung

durchschn.
Anpassung

durchschn.
Erhöhung

Cent

Cent

&lt;fo

Cent

&lt;$&gt;

Cent

#

A u s g e h a n d e l t im J a h r
5,0
2,4 6,8
2,9
6,0
6,5
2,5
2,4
3,2
5,2
8,9
8,7
7,4
5,7
7,5
5,5
7,2
7,1
10,4
9,9
- 10,7
10,7
9,4
9,5
5,6
5,7

10,2
9,0
7,4
8,8
9,7
10,4
10,5
15,5
5,6

4,0
5,6
5,5
4,0
-

10,2
10,0
7,5
8,9
9,8
10,4
10,6
15,9
5,6

4,1
5,6
5,5
4,0
-

3,5
2,6
3,2
3,1
-

10,2
9,0
8,5
7,6
14,0
-

3,8

7,0
6,9
8,5
8,8
8,6
10,1
10,7
10,1
5,6

io

2,9
2,8
5,2
5,9
-

Cent

8,0
7,0
8,7
8,8
8,8
10,4
10,7
10,5
5,7

&lt;/o

5,6
2,9
5,2
5,9
-

&lt;fo

Cent

in Kraft g e t r e t e n im Jahr
1962
1961
1960

1959
1958
1957
1956
1955
1954

7,5
6,2
8,5
7,8
12,5
-

2,8
2,7
5,5
5,5
-

9,0
8,0
9,4
8,8
12,6
12,7
10,8
-

3,4
5,1
5,6
5,6
-

6,5
6,9
9,0
8,4
-

2,6 8,0
2,7 8,0
5,2 9,4
5,5 9,1
- 11,5
-

3,0
5,0
5,7
5,7
-

10,0
5,7
7,0
7,0
-

5,0

5,7
5,4
-

1) E r f a ß t sind sämtliche T a r i f v e r t r ä g e , die auf 1000 und mehr A r b e i t e r
und A n g e s t e l l t e Anwendung f i n d e n : Daten für d i e J a h r e 1954 b i s 1958
sind nur zum T e i l v e r f ü g b a r .
Anm.s In der Rubrik "Anpassung" sind sämtliche Verträge b e r ü c k s i c h t i g t ,
g l e i c h g ü l t i g , ob d i e Löhne g l e i c h b l i e b e n oder Lohnerhöhungen
oder Kürzungen e i n t r a t e n . Unter "Erhöhungen" sind nur Verträge
a n g e f ü h r t , die t a t s ä c h l i c h eine Lohnerhöhung b r a c h t e n .

6

-

�zwischen 11 und 13 Cent die Stunde, von 1959 bis 1962 zwischen
8 und 9 1/4 Cent.
Dieser Verflachungstrend war in den Fertigungsindustrien ausgeprägter als in der übrigen Wirtschaft. Langfristige Tarifverträge,
die Lohnverhandlungen in manchen Industriezweigen nur alle zwei oder
drei Jahre zulassen, und die unterschiedliche Höhe der ausgehandelten Lohnaufschläge in den einzelnen Jahren beeinflussen diese Entwicklung.
Ähnliche Entwicklung im Baugewerbe
Parallel zur Entwicklung in der übrigen Wirtschaft verlief die
Lohnentwicklung im Bau- und Bauhilfsgewerbe (siehe Tafel I I ) . Während
die Erhöhungen in der Zeit vor 1954 zwischen 3 und 10 Prozent schwankten, beliefen sie sich 1954 und 1955 auf durchschnittlich 3,5 Prozent,
stiegen dann in der Zeit von 1956 bis 1959 vorübergehend auf 4,5 bis
4,9 Prozent an, um in den folgenden Jahren auf 4 Prozent und darunter
abzusinken.
Tafel II
Durchschnittliche Lohnanpassungen in 7 Beschäftigungssparten des

ll

2~1

Bau- und Bauhilfsgewerbes ' in Großstädten ' von 1948

bis

1962

Anpassungen in Kraft getreten im Jahr

Cent

Prozent

1962
1961
1960
1959
1958
1957
1956
1955
1954
1953
1952
1951
1950
1949
1948

14,2
14,2
14,8
15,6
14,5
15,0
13,6
9,9
11,0
11,0
15,0
10,0
15,0
5,0
20,0

5,8
5,9
4,2
4,7
4,5
4,9
4,7
5,5
5,5
4,6
6,4
4,5
7,0
5,0
10,0

1) Maurer, Zimmerleute, Elektriker, Maler, Stukkateure, Installateure
und Bauhilfsarbeiter
2) Die Angaben für die Jahre 1956 bis 1962 basieren auf Untersuchungen
in 100 Großstädten, die für die Zeit bis zum 4. Quartal des Jahres
1955 auf Erhebungen in 85 Großstädten.
Wei terer

�Weiterer Ausbau der Lohnnebenleistungen
Neben reinen Lohnerhöhungen konnten die Arbeitnehmer auch wesentliche Verbesserungen der Lohnnebenleistungen aushandeln. Die ohnehin
sehr ausgeprägte Tendenz der Gewerkschaften, bei Tarifverhandlungen auf
Verbesserungen der Lohnnebenleistungen zu dringen, findet in der Tatsache
ihren Niederschlag, daß eine oder mehrere derartige Verbesserungen in
den Jahren 1954 und 1955 in rund zwei Dritteln und 1962 in fast drei
Vierteln aller Verträge vereinbart worden sind (siehe Tafel III).
Tafel III
Prozentsatz der in den Jahren 1954 bis 1962 ausgehandelten Tarifverträge
mit Klauseln über die Gewährung bzw. Verbesserung von Lohnnebenleistungen

Art d. Lohnnebenleistung
Tarifverträge mit
positiven Veränd.
Schichtzulagen
Bezahlter Urlaub
Bezahlte Feiertage
Leistungsprämien
Pensionen
Kranken- und
Sozialkassen
Arbeitsl.-Zusatzvers.
Entlassungsgeld
Geschworenen-Vergütung
Bez.Urlaub bei
Trauerfall
Bez. Krankenurlaub

1962

1961

196O

1959

1958

1957

1956

1955

1954

74,8

70,7

72,0

72,5

75,1

77,7

65,9

67,0

9,4

8,7
51,2
18,5
5,1
29,2

9,2
54,8
25,8
8,5
28,2

7,9

55,8
15,4
5,5
52,8

72,7
8,6
27,5
20,6
6,5
52,0

26,5
22,4
7,5
20,7

15,2
55,9
51,5
12,5
18,2

21,5
38,6
52,4
14,1
25,5

8,5
29,7
25,4
6,0
25,0

8,0
20,0
25,0
4,0
20,0

44,4
10,6
6,4

46,1
5,9
8,7

50,1
0,5
7,9

55,6
2,5
4,5

56,4
0,6
4,0

59,9
1,1
2,7

44,9
8,1
3,0

59,2
6,0
1,9

58,0
-

4,5

7,4

4,2

4,6

5,7

5,4

9,7

5,9

2,0

7,9
5,1

6,5
4,5

5,5
2,7

5,6
3,4

5,5
3,1

6,9
2,5

4,4
5,9

4,-5
5,5

5,0
2,0

17,0

10,2

10,0

-

29,2

21,2

27,7

27,5

Andere Lohnnebenleistungen
16,4
Tarifverträge ohne
Veränderungen
25,2
Tarifvertr. m. negativen Veränderungen
Lohnändernde Tarifvertr. insgesamt
1106

9,0
24,9

0,1

-

0,3

0,2

-

1088

1054

1015

875

828

22,2
1191

33,8

32,0

0,4

1,0

1545

1215

Tafel IV

�Tafel IV
Prozentsatz der Produktionsarbeitqy, die von 1959 bis 1962 ausgehandalten Tarifverträgen mit Klauseln über die Gewährung oder Verbesserung
von Lohnnebenleistungjen betroffen wurden

Art d. Lohnnebenleistungen
Tarifverträge mit positiven
Veränderungen
Schichtzulagen
Bezahlter Urlaub
Bezahlte Feiertage
Lei stungsprämien
Pensionen
Kranken- u . S o z i a l k a s s e n
Arbeitslosen-Zusatzvers.
Entlassungsgeld
Geschworenen-Vergütung
Bez. Urlaub b . T r a u e r f a l l
Bez. Krankenurlaub
Andere Lohnnebenleistungen
T a r i f v e r t r ä g e O.Veränderungen
T a r i f v e r t r ä g e m. n e g a t i v e n
Veränderungen
E r f a ß t e Arbeitnehmer
insgesamt ( i n Tausend)

1962

1961

1960

1959

62,5
6,6
58,1
10,9
2,9
54,9
35,1
17,3
5,3
4,5
7,4
4,2

76,7

85,5

81 ,0

6,4
59,6
16,8
4,1
48,1
58,4
18,8
21,5
19,5
5,8
5,5

5,0
40,2
30,1
6,5
40,8
70,7
0,5
10,8
2,8
2,6
2,7

9,5
45,8
29,9
8,7
42,0
42,1
5,4
6,2
5,8
5,9
5,5

25,8
57,5

54,0
25,2

10,1
14,5

12,7
18 c 7
0,3

4037

4035

4508

5545

Kranken- und Altersversicherung im Vordergrund
Bei den Verbesserungen dieser Leistungen stand fast in jedem
Jahr der Ausbau der Krankenversicherungs- und Pensionskassen im
Vordergrund. Mindestens ein Drittel aller abgeschlossenen Tarifverträge enthielt diesbezügliche Bestimmungen; 1960 waren es sogar 50
Prozent. Eine günstigere Pensionsregelung brachten 1957 etwa ein Sechstel der Tarifverträge und 1962 etwa ein Drittel. Mehr Urlaub wurde,
von 1954 abgesehen, jeweils in mindestens einem Viertel aller Tarifverträge vereinbart.
(Quelle: U.S, Department
of Labor-News)

* * * * *

9

-

�Arbeitslosen-Umschulungsprogramm hatte guten Start
Der im vergangenen Jahr vom Kongreß zur Eingliederung der langfristigen, meist durch die Automation aus ihren angestammten Berufen
verdrängten erwerbslosen Arbeitnehmer verabschiedete sogenannte
"Manpower Training and Development Act" hat sich nach Meinung von
US-Arbeitsminister W. Willard Wirtz bisher als ein wirksames Instrument zur Beseitigung der Ursachen der Dauerarbeitslosigkeit erwiesen.
Wie der Minister auf einer Pressekonferenz ausführte, wurden
seit dem 1. August vorigen Jahres insgesamt 1800 Umschulungsprojekte
für rund 66 000 Erwerbslose von der Aufsichtsbehörde gebilligt, die
länger als 15 Wochen arbeitslos waren. Unter den Umschulungsteilnehmern
haben bereits 43 000 ihren Kursus beginnen bzw. schon beenden können,
während der Rest in Kürze die für ihn vorgesehenen Fachkurse besuchen
wird.
Von dtn im ersten Jahr des staatlichen Umschulungsprogramms, 1962,
umgeschulten 800 000 Arbeitnehmern sind rund 70 Prozent bereits in
neue Dauerarbeitsplätze vermittelt worden, wobei in fast allen Fällen
die Umschüler in Berufen untergebracht werden konnten, die das in der
Ausbildung erlernte Fachwissen erfordern.
Wie der US-Arbeitsminister weiter bekanntgab, wurden inzwischen
auch zahlreiche Versuchs- und Spezialprogramme entwickelt, an denen
insgesamt 27 000 Dauerarbeitslose teilnehmen können. Ziel dieser Projekt« ist es, neuartige Umschulungsmethodan zu entwickeln, um auch
den hartnäckigen Fällen von Dauerarbeitslosigkeit zu Leibe zu rücken.
In erster Linie handelt es sich dabei um jene Arbeitslosen in den
Slums der großen Städte, um die älteren Arbeitnehmer, Schulentlassenen, Körperbehinderten, Angehörigen der Minderheitengruppen oder um
solche mit unzureichender Schulbildung.
Der Schwerpunkt der derzeitigen Umschulungsprogramme liegt nach
Angaben von Arbeitsminister Wirtz auf folgenden Berufen: Maschinenwärter, Automechaniker, Schweißer, Karosserieschlosser, Elektromechaniker, Flugzeugbaumonteur, Stenograph, Stenotypistin, Kontoristin,
Kranken-Vollschwester und Schwesternhelfefin.
(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

Gewerkschaftliche Bildungsarbeit mit neuen Akzenten
Die Schulungs- und Bildungsarbeit der amerikanischen Gewerkschaften hat sich in den vergangenen Jahren grundlegend gewandelt. Diese
Feststellung gilt sowohl für den Lehrstoff und die Art der Programmdurchführung als auch hinsichtlich des Umfanges der gesamten Arbeit.
Während

�Während in früheren Jahren die Gewerk»chaften in erster Linie
bemüht waren, in Nachfeierabendkursen ihren Mitgliedern all das
praktische Wissen näherzubringen, das sie für eine aktive Betätigung
in der Gewerkschaft oder als Vertrauensleute benötigten, so versuchen
sie heute, ihnen darüber hinaus in Spezial- und Sonderkursen sowie
in längeren Sommerseminaren auch das geistige Rüstzeug zu vermitteln,
das für eine erfolgreiche Behauptung in unserer modernen Industriegesellschaft erforderlich ist.
Ein Vergleich früherer und heutiger Lehr- und Unterrichtspläne
zeigt, welch ein großer Wandel sich hier in relativ kurzer Zeit vollzogen hat. Die Grundlage eines jeden Schulungsprogramms vergangener
Jahre bildeten hauptsächlich solche Fächer wie Gewerkschaftsgeschichte,
Arbeits- und Gewerkschaftsgesetze, Beschwerdeführung, wirtschaftliche
Grundbegriffe, freie Rede. Zwar werden diese Themen auch heute noch
in den "Anfängerkursen" behandelt, aber der Schwerpunkt der gewerkschaftlichen Schulungsarbeit liegt doch in der Regel auf einer weit
höheren Ebene. Die "höhere Schule" hat auch hier die "Grundschule" und das Seminar den Abendkurs - weitgehend abgelöst. Themen wie allgemeine Wirtschaftstrends, Konjunktur- und Finanzpolitik, die Automation und ihre Auswirkungen auf die Gesamtwirtschaft, den Arbeitsmarkt
und die Beschäftigungsstruktur oder Betriebspsychologie und Verhaltensforschung sind heute in vielen Lehrplänen enthalten. Hinzu treten nun
noch zahlreiche allgemeinbildende Kurse wie etwa Außenpolitik, die Aufgaben der Gewerkschaft im Entwicklungszeitalter oder sogar rein
künstlerische oder geisteswissenschaftliche Themen.
Hier einige Beispiele für die praktische Schulungsarbeit, wie
sie in den USA heute von einigen großen Industriegewerkschaften durchgeführt wird:
Die Elektroarbeitergewerkschaft (IBE'.V) hat für die Ausbildung
ihrer Funktionäre und Mitglieder vor einigen Jahren in Bayberry (Long
Island) auf einem 125 Hektar großen Grundstück ein sogenanntes "Erziehungszentrum" gebaut, wo Woche für Woche JQ Mitglieder des Ortsvereins Nr. 3 zu einem siebentägigen Kursus - der Lohnausfall wird
ihnen von der Gewerkschaft voll vergütet - zusammenkommen, um im
"kritischen Denken" geschult zu werden.
Aktuelle Themen werden dabei in Fachvorträgen behandelt und anschließend zur Diskussion gestellt, so daß jeder seine eigenen Gedanken zu den angesprochenen Problemen kritisch entwickeln kann. Zur Vertiefung des neu gewonnenen Wissens steht den Kursusteilnehmern eine
große Bibliothek mit politischen, wirtschaftswissenschaftlichen, philosophischen, geschichtlichen und kunstgeschichtlichen Werkti
Verfügung.
Ein Thema, das in den Schulungskursen der Gewerkschaften eine
immer größere Bedeutung gewonnen hat, ist die Außen- und Weltpolitik.
Eine besondere Aktivität in dieser Hinsicht hat dabei die Automobilarbeitergewerkschaft (UAW) entwickelt, die z.B. im letzten Jahr 30
Funktionäre von Ortsverbänden auf eine Informationstour nach Europa
schickte, damit sie sich aus erster Hand über die politische Lage in
der Alten fe]' und die politischen Probleme in den einzelnen Ländern
informieren konnten. Nach ihrer Rückkehr in die USA, haben sie dann

-

11

-

�dann in Verträgen vor UAW-Mitgliedern ihre gewonnenen Eindrücke und
Erkenntnisse einem weiten Kreis zugänglich gemacht.
Auch die alljährlich von dieser Gewerkschaft abgehaltene Inf^rmationstagung "Appointment United Nations" - ''Treffpunkt Vereinte Nationen" - soll die Funktionäre und Mitglieder mit den Problemen der
Weltpolitik vertraut machen. In diesem Jahr kamen z.B. 300 Mitglieder
nach dem Hauptquartier der UN in New York, um an Sitzungen der Vollversammlung teilzunehmen, Gespräche mit UN-Vertretern aus aller Welt
zu führen und die Arbeit der UN kennenzulernen.
Welch eine große Bedeutung die gewerkschaftliche Schulungsarbeit
in den USA gewonnen und wie sehr das Interesse unter den Funktionären
und Mitgliedern in jüngster Zeit zugenommen hat, beweisen nicht nur
die Tatsache, daß zahlreiche Gewerkschaften neben ihren traditionellen
mehrwöchigen Sommerkursen inzwischen auch Herbst- und Winterkurse eingeführt haben, sondern auch die steigenden Teilnehmerziffern. In diesem
Jahr z.B. haben allein 20 000 Betriebsobmänner und Gewerkschaftsmitglieder an den von der MAFL-CIQW durchgeführten sogenannten "labor
institutes" teilgenommen, Schulungskursen auf höherer Ebene, die an
den Universitäten und Colleges - vielfach in enger Zusammenarbeit mit
ihnen - abgehalten werden. Hinzu kommen noch rund 8000 Gewerkschafter,
die in diesem Jahr Fortbildungskurse besuchten, die in Sommerlagern, Hotels und anderen Einrichtungen durchgeführt wurden.
(Quelle« Eigenbericht)

* * * * *

Gewerkschaftliche Kurznachrichten
Streiflichter aus dem Tarifverhandlungssektor
Der schon seit einigen Jahren im amerikanischen Tarifverhandlungswesen sichtbare Trend zum Abschluß von Tarifverträgen mit mehrjähriger
Laufzeit hat sich in jüngster Zeit weiter verstärkt. Wr'hrend noch in
den 50er Jahren der Tarifvertrag mit einjähriger Laufzeit die allgemeine Norm war und in den folgenden Jahren der Zweijahresvertrag immer
mehr in den Vordergrund rückte, scheint sich jetzt der Übergang zu
längerfristigen Verträgen mit drei- bis fünfjähriger Laufzeit zu vollziehen.
Zu den großen amerikanischen Gewerkschaften, die sich in jüngster
Zeit diesem Trend angeschlossen haben, zählen auch die Gewerkschaften
der Elektroarbeiter (IUE) und der Telephon- und Telegraphenarbeiter
(CWA), Der von der "IUE" mit der "Fedders Corporation" ausgehandelte
Vertrag z.B., der in den nächsten drei Jahren jährlich Lohnerhöhungen
von 5 Cent pro Arbeitsstunde und höhere Urlaubsgelder (2,25$ der JaLreslohnsumme pro Woche) vorsieht, wurde für 36 Monate abgeschlossen;
das Abkommen der "CWA" mit der "Bell Telephone Company" dagegen hat
sogar eine Laufzeit von 38 Monaten. Dieser Vertrag, der den rund
20 000 Beschäftigten des Unternehmens sofortige Lohnerhöhungen u_m

-

12

�um 20 Cent pro Stunde und zahlreiche verbesserte Sozialleistungen
bringt, sieht zwar keine fixierten Lohnerhöhungen für die nächsten
zwei Jahre vor, enthält aber eine sogenannte "reopening clause" - die
Möglichkeit zur Aufnahme neuer Lohnverhandlungen in den Jahren 19^4
und 1965.
#

Nachdem schon die Produktionsarbeiter der amerikanischen Stahlindustrie seit einigen Monaten auf Grund des neuen Tarifvertrags alle
fünf Jahre zusätzlich 13 Wochen bezahlten Urlaub erhalten, wurde eine
ähnliche Regelung jetzt auch für sämtliche Angestellten der "U.S. Steel
Corporation" und der "Bethlehem Steel Company" getroffen.
Der Angestellten-Urlaubsplan der "U.S. Steel", der auch sämtliche
leitenden Angestellten (lediglich die Positionen vom Vizepräsidenten
aufwärts wurden ausgenommen ) mit einschließt, sieht - im Gegensatz
zu der Regelung bei den Lohnempfängern - einen nach Länge der Dienstzeit gestaffelten Sonderurlaub für alle Mitarbeiter vor. Dieser Mitarbeiterkreis hat dabei die Wahl, den zusätzlichen Urlaub alle fünf
Jahre tatsächlich zu nehmen oder aber sich das Urlaubsgeld auszahlen
zu lassen, das dann allerdings in Schuldverschreibungen der Regierung
oder in Aktien des Unternehums anzulegen ist.
Im einzelnen sieht der Sonderurlaubsplan dieses Großunternehmens
der Stahlindustrie vor, daß Angestellten mit mehr als 20 Dienstjahren
alle 5 Jahre neben dem ihnen sowieso zustehenden vierwöchigen Jahresurlaub weitere 8 Wochen bezahlter Urlaub zu gewähren ist, während
Mitarbeiter mit 6 Dienstjahren zusätzlich sechs Wochen und solche mit
weniger als 6 Dienstjahren vier Wochen Sonderurlaub erhalten sollen.
Die "Bethlehem Steel Company" gibt dagegen ihren sämtlichen
Angestellten pro Jahr zwei Wochen Sonderurlaub, wobei allerdings
die eine Urlaubswoche in Form einer Urlaubsgeldzahlung in Anrechnung
gebracht wird, während es bei der zweiten Woche dem Mitarbeiter freigestellt ist, ob er sich das Geld auszahlen läßt oder sie tatsächlich
für einen Urlaub verwendet,
*
Die auf Grund des Gewinnbeteiligungsplans der "Kaiser Steel
Corporation" monatlich an die Mitarbeiter zur Auszahlung kommenden
Bonus sind nach einer Mitteilung des Unternehmens im August stark
zurückgegangen. Sie beliefen sich in diesem Monat im Durchschnitt
auf 39 Dollar, während in den Vormonaten durchschnittlich folgende
Beträge zur Auszahlung kamen», März 79 Dollar; April 95 Dollar; Mai
77 Dollar; Juni 100 Dollar; und Juli 65 Dollar. Nach Angaben der Unternehmensleitung ist der Rückgang der Bonuszahlungen auf die geringere
Produktion in den Urlaubsmonaten zurückzuführen.

(Quelle! Eigenbericht)
» * * # *

-

13

-

�Erwerbslosenziffer auf 5.5 Millionen abgesunken
Die derzeitige gute Wirtschaftslage in den USA kommt auch in
den soeben vom US-Arbeitsministerium veröffentlichten Beschäftigungsund Erwerbslosenziffern für den Monat September zum Ausdruck.
Die Beschäftigtenzahl lag dabei nach uen Berechnungen des "Amts
für Arbeitsstatistik" mit 69 546 000 um rund 1 Million höher als im
gleichen Monat des Vorjahres, während die Zahl der Arbeitslosen um
541 000 auf 3 516 000 zurückging und damit etwa so hoch war wie im
Jahr 1962.
Im Vergleich zum August ist jedoch die Gesamtbeschäftigtenziffer
um rund 1 Million abgesunken, was in erster Linie darauf zurückzuführen
ist, daß rund 2 Millionen schulpflichtige Teenager mit Schulbeginn ihre
Ferienarbeitsplätze aufgegeben haben.
Die Erwerbslosenrate betrug im September 5t6 Prozent; das bedeutet
einen Anstieg um l/lO Prozent gegenüber August. Die Erwerbslosenrate
für verheiratete Männer ging dagegen - wie in allen Monaten in den
letzten zwei Jahren - weiter zurück und belief sich auf 2,9 Prozent.

(Quellei Eigenbericht)

* * * * *

14

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen. Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
USIS-Bonn/Bad Godesberg
Der Inhalt der ..Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XVI _ 12

Bad Godesberg, den 1. Dezember 1965
INHALTSVERZEICHNIS

Die Leistungen älterer Arbeitnehmer in
Umschulungskursen

Seite

1

New Yorks einzigartige berufsbildende Oberschule

Seite

9

Seite

10

E.A. Willis - ein Arbeitnehmerporträt

Seite

12

Schaffung internationaler Beschäftigungsnormen

Seite

13

Betrachtliche Verschiebungen in der

US-Einkommen»struktur

Die Leistungen älterer Arbeitnehmer in Umschulungskursen
Die Verbesserung der Beschäftigungsmöglichkeiten für ältere Arbeitnehmer, die ihren Arbeitsplatz auf Grund technologischer Veränderungen verloren haben, ist ein Problem, das in den Vereinigten Staaten
in den vergangenen Jahren immer stärkere Beachtung gefunden hat. Während sich die US-Regierung seit mehr als zwei Jahren mittels eines umfassenden und großzügigen Umschulungsprogramms ("Manpower Training and
Development Act") auf nationaler Ebene bemüht, dem Problem der technologischen Arbeitslosigkeit beizukommen, haben zahlreiche Industrieunternehmen von sich aus den Versuch unternommen, die aus ihren angestammten
Arbeitsplätzen verdrängten Mitarbeiter in Sonderkursen mit den neuen
Arbeitstechniken vertraut zu machen und sie innerbetrieblich umzusetzen,
Der nachfolgende Bericht faßt die Ergebnisse einer Untersuchung
über die Leistungen und das Leistungsvermögen älterer Arbeitnehmer im
Rahmen industrieller Umschulungskurse zusammen, und zwar am Beispiel
von vier Industrieunternehmen verschiedener Branchen, in denen die Auswirkungen der Automation besonders groß waren.
Umfang und Art der Untersuchung
Bei den vier für diese Untersuchung ausgewählten Firmen handelt
es sich um Betriebe, in denen die technische Umstellung die Umschulung
einer größeren Zahl von Mitarbeitern erforderlich machte. Insgesamt
werden mehr als 2000 Umschüler der verschiedensten Berufe durch diese

�diese Studie erfaßt: Produktionsarbeiter in einer Ölraffinerie; Wartungsmechaniker einer Luftfahrtgesellschaft; Techniker und Facharbeiter in einem Flugzeugwerk, sowie Operateure einer Telefongesellschaft.
Diese vier Firmen waren die einzigen von rund 100 angeschriebenen,
die geeignete objektive Unterlagen über die Leistung der einzelnen
Arbeitnehmer während des Umschulungslehrganges besaßen. Bei diesen
Umschülern handelt es sich sowohl um ältere (über 40 Jahre) als auch
um jüngere Facharbeiter, für die außerdem die Personalbogen mit allen
erforderlichen Angaben wie Alter, Schulbildung, beruflicher Werdegang
usw. zur Auswertung zur Verfügung standen. Die Angaben über die Leistungen der einzelnen Umschüler wurden aus den Unterlagen dejr Unternehmen sowie auf Grund von Interviews mit den Ausbildungsleitern zusammengestellt.
Bei den Umschulungskursen handelte es sich in der Regel um Speziallehrgänge, bei denen der Teilnehmerkreis in der Regel sehr klein
gehalten wurde. Die Auswertung der Ausbildungsergebnisse erfolgte in
den meisten Fällen nach zwei Altersgruppen. Wegen der Verschiedenartigkeit der Kurse war es aber nicht möglich, das Gesamtergebnis zusammenzufassen. Vergleiche zwischen den Leistungen älterer und jüngerer
Umschüler wurden daher nur für individuelle Kurse angestellt. Obwohl
jede Analyse nur relativ wenige Umschüler umfaßte, so war deren Zahl
doch groß genug, um zu einigermaßen fundierten Schlußfolgerungen zu
gelangen.
Die Aspekte der Ausbildung
a) Technologische Veränderungen. Die Umschulungsprogramme waren
bei den hier untersuchten Unternehmen ein fester Bestandteil des gesamten technischen Umstellungsprogramms. Obwohl sich durch die Einführung der neuen Maschinen und Geräte die Verrichtungen und Tätigkeiten
an den einzelnen Arbeitsplätzen wesentlich veränderten, hielt man es
in den Firmenleitungen für zweckmäßiger und praktischer, die von der
Umstellung betroffenen Mitarbeiter umzuschulen statt sie zu entlassen
oder neue Kräfte einzustellen, die das erforderliche Fachwissen bereits
besaßen.
b) Ältere und jüngere Arbeitnehmer. Obwohl aus den Untersuchungsergebnissen vielfach hervorgeht, daß die Gruppe der jüngeren Umschüler im allgemeinen bessere Leistungen in den Kursen zeigte, so gab
es doch einige bemerkenswerte Ausnahmen, die eine Erfolgsbeurteilung
ausschließlich nach Altersgesichtspunkten unzweckmäßig erscheinen lassen. In Fällen nämlich, in denen sich der Ausbildungskursus über eine
längere Periode erstreckte, zeigten die älteren Arbeitnehmer vielfach
bessere Leistungen als die jüngeren. Außerdem wurde festgestellt,
daß in den meisten Kursen ein gewisser Prozentsatz der älteren Arbeitnehmer - bis zu 40 Prozent - bessere Leistungen aufwies als ein großer Teil der jüngeren Umschüler. Die jüngeren Umschüler scheinen im
allgemeinen schneller zu lernen, wenn die Ausbildungskurse relativ
kurz sind oder wenn es sich bei den zu erlernenden neuen Tätigkeiten
um schnell einprägbare Maschinenarbeiten handelt. Tafel I und II
geben einen Überblick über die Leistungen von jüngeren und älteren
Arbeitern in Umschulungskursen.
Tafel I

�Tafel I
Ausbildungskursus für Meßgeräte-Mechaniker in einer Ölraffinerie
Leistungsvergleich zwischen älteren und .jüngeren Umschülern

Jüngere Umschüler
(unter 40 Jahre)

Art des Kursus

Teilnehmerzahl

Grundrechnungs.
arten

Ältere Umschüler
(über 40 Jahre)

Prozent
über
unter
dem Durchschn,

29

71

Teilnehmerzahl

Prozent
über
unter
dem Durchschn,

67

33

Bruch-, Dezimalrechnen

8

47

53

7

71

29

Kontrollventile

8

50

50

7

43

57

Kontrollgeräte
u. Ventile

8

50

50

6

67

33

Flüssigkei tsstandsmesser

8

50

50

6

50

50

Generatoren
u.AC-Stromkreise

7

43

57

6

50

50

Durch

�Durch die Ergebnisse dieser Untersuchung wird erneut die große
Bedeutung unterstrichen , die einer individuellen - statt altersmäßigen - Bewertung der Anpassungsfähigkeit eines Arbeitnehmers auf
Grund seiner spezifischen Leistungen und seiner natürlichen Fähigkeiten zukommt. Willkürlich gezogene Altersgrenzen bei Ausbildungsund Umschulungsprogrammen würden zwangsläufig zum Ausschluß vieler
älterer Arbeitnehmer führen, die durchaus in der Lage sind, ein hohes
Leistungsniveau zu halten.
c) Vorherige Beratung. Die Untersuchung ergab ferner, daß die Auswahl der Umschüler bis zu einem gewissen Grade nach keinem besonderen
System erfolgte. Nur wenige mußten sich einer Vorprüfung oder einem
Interview unterziehen oder beraten lassen. Die Tatsache jedoch, daß
die Leistungen der vorher geprüften Umschüler eindeutig besser waren
als die der nicht geprüften, deutet darauf hin, daß es auf Grund solcher Ausleseverfahren möglich ist, ein besseres Verhältnis zwischen
den natürlichen Fähigkeiten des Umschülers und den Kursusanforderungen
herzustellen und die Programme auf die speziellen Erfordernisse der
Kursusteilnehmer abzustellen. Die eingehende Beratung trägt ferner dazu
bei, die besonders bei älteren Arbeitnehmern bestehenden Vorurteile
hinsichtlich der Umschulung abzubauen. Viele widersetzen sich nämlich
einer Umschulung nur deshalb, weil diese Kurse für sie "etwas Neues"
sind, oder weil sie keinerlei Erfahrungen in dieser Hinsicht besitzen.
d) Schulische Ausbildung. Die Untersuchungsergebnisse deuten ferner
darauf hin, daß eine mangelhafte schulische und berufliche Ausbildung
ein ernstes Handikap für den Umschüler darstellen kann. Die Gruppe der
Älteren wies im Durchschnitt ein niedrigeres Bildungsniveau auf als
die der Jüngeren; ältere und jüngere Arbeitnehmer mit gleichem Bildungsniveau dagegen wichen in der Leistung nur unwesentlich voneinander ab.
In der Ölraffinerie z.B.,wo bei der Auswahl der Umschüler für einige
Kurse das Bildungsniveau stärker berücksichtigt wurde, erzielten alle
älteren Arbeitnehmer in fünf von den sechs Kursen höhere Bewertungen
als der Gruppendurchschnitt.
e) Notwendigkeit für weitere Forschungen. Die Ergebnisse der ersten Studie dieser Art lassen eindeutig erkennen, daß weitere Untersuchungen über die Möglichkeiten und die Probleme der Umschulung älterer
Arbeitnehmer notwendig sind. Da die ständigen technologischen Veränderungen zweifellos die Notwendigkeit einer Umschulung von Arbeitnehmern
noch vergrößern werden, würde es sehr nützlich sein, mehr über die
Methoden zu wissen, mit denen sich die besten Ergebnisse bei älteren
Umschülern erzielen lassen.
Eine umfassendere Verbreitung des Wissens über die Fähigkeiten
älterer Arbeitnehmer, neue berufliche Qualifikationen zu erwerben und
das erreichte Niveau durch ständige Weiterbildung aufrechtzuerhalten,
sollte wesentlich dazu beitragen, die Anpassung des Arbeitspotentials
an die zu erwartenden technischen Veränderungen zu erleichtern.
Grenzen der Untersuchung
Bei der Beurteilung der Untersuchungsergebnisse ist es wichtig,
sich die Grenzen der Studie vor Augen zu halten. Wenn auch zum Beispiel
die Leistungen der älteren Arbeitnehmer mit den Leistungen der jüngeren

-

4 -

�jüngeren in den verschiedenen Kursen verglichen werden, so wird doch
in der Studie die Frage nicht direkt behandelt, ob die Leistung den
Mindesterwartungen der Arbeitgeber entsprochen hat. Andererseits
konnte aber auch nicht nachgewiesen werden, daß irgendein Umschüler
auf Grund der Testergebnisse entlassen wurde. Anscheinend zogen die
Unternehmen es vor, als Maßstab für die Bewertung des einzelnen die
Leistungen am Arbeitsplatz zu nehmen.
Ebenso beschränkte sich die Untersuchung ausschließlich auf jene
Leistungsaspekte der Umschüler, die aus den Unternehmensunterlagen ersichtlich waren. Für eine Gesamtbeurteilung sollten aber vergleichbare
Unterlagen wie Anwesenheitslisten, die Stetigkeit in der Arbeitsableistung und die Höhe der Arbeitsproduktivität des Umschülers nach seinem
Einsatz am neuen Arbeitsplatz mit herangezogen werden. Das Interesse
des Umschülers an den ArbeitsplatzVeränderungen und der Umschulung und
seine Einstellung dazu sowie die Ansichten und Meinungen der Kursusleiter und Lehrer über die Leistung des Umschülers wurden in der Untersuchung ebenfalls nicht berücksichtigt.
Schließlich sollte auch nicht erwartet werden, daß die Ergebnisse
der Untersuchung sich mit den Erfahrungen solcher Umschulungsprogramme
decken, für die sämtliche Umschüler vorher sorgfältig geprüft und
nur solche zugelassen werden, bei denen auf Grund des Tests die Erfolgsaussichten am größten sind.
Ein praktisches Beispiel der Umschulung
Um seinen Facharbeiterstamm mit den sich aus der Einführung neuer
Fertigungsmethoden und neuartiger Maschinen und Geräte ergebenden neuen^
arbeitstechnischen Fertigkeiten vertraut zu machen, hat eines der vier
untersuchten Unternehmen - ein großes Flugzeugwerk an der Westküste in den vergangenen Jahren zahlreiche Umschulungsprogramme durchgeführt.
Von den insgesamt mehr als 2C0 Umschulungskursen wurden für diese Untersuchung sechs ausgewählt, die als repräsentativer Querschnitt gelten
können und für die umfassende Unterlagen für jüngere sowohl als auch
ältere Umschüler vorhanden waren. In den folgenden Absätzen wird die
Art der Kurse kurz beschrieben.
Optische Meß- und Ausfluchtgeräte. Die hohen Geschwindigkeiten der
modernen Flugzeuge und die dadurch bedingte größere Materialbeanspruch,ung machen es erforderlich, daß heute im Flugzeugbau die Einzelteile
mit sehr viel größerer Präzision und viel geringste Toleranzen zusammengefügt werden. Da die herkömmlichen Meß- und Justiergeräte den Anforderungen nicht mehr entsprachen, mußte die Flugzeugindustrie eine ganze
Reihe neuartiger optischer Meß- und Ausfluchtgeräte einführen. Diese
Umstellung in der Fertigung machte es dabei notwendig, eine große Anzahl von Betriebsangehörigen mit den neuen Meßtechniken vertraut zu
machen.
Zu diesem Zweck wurden bei den untersuchten Unternehmen insgesamt
46 Arbeiter in Sonderkursen an diesen neuen Geräten ausgebildet. 24 Umschüler waren jüngere, 22 ältere Facharbeiter. Die Ausbildungsgruppen
wurden dabei sehr klein gehalten. Sie umfaßten jeweils nur 4 bis 5
Umschüler. Die theoretische Ausbildung, einschließlich der Einweisung

-

5 -

�Einweisung in die Bedienung der Geräte, wurde durch praktische
Arbeit im Betrieb ergänzt, wobei die Umschüler die Geräte selbst aufzustellen und zu bedienen hatten.
Elektronik. Wegen der zunehmenden Verwendung von elektronischen
Ausrüstungen - sowohl bei den Planungsarbeiten als auch im Flugzeugbau selbst - wurden von dem Unternehmen zahlreiche längere Ausbildungslehrgänge für Ingenieure, technische Schreibkräfte sowie für das Wartungspersonal durchgeführt.
Ingenieure. Ein Einführungskursus in Elektronik wurde für insgesamt 53 Ingenieure in der Absicht durchgeführt, diesen Fachkräften
einen allgemeinen Überblick über die spezifischen Anwendungstechniken
zu vermitteln. Bei rund 1/3 dieser Gruppe handelte es sich um ältere
Arbeitnehmer. Der Kursus erstreckte sich - bei jeweils 2 mal 2 1/2
Unterrichtsstunden pro Woche (nach Feierabend) - über einen Zeitraum
von 23 Monaten. Die Gesamtstundenzahl betrug 300. Rund die Hälfte der
Zeit wurde für theoretische Unterweisungen und diesbezügliche Diskussionen aufgewendet, der Rest für praktische Arbeiten im Laboratorium.
Die Umschüler wurden aus allen technischen Abteilungen des Unternehmens ausgewählt. Obwohl alle Kursusteilnehmer als "Ingenieure" eingestuft waren, besaß etwa 1/3 von ihnen kein Ingenieursdiplom, Alle jedoch wiesen, zumindest eine Oberschulbildung auf.
Technische Schreibkräfte. Ein Kursus über die Grundlagen der
Elektronik wurde von dem Unternehmen für 38 Mitarbeiter - technische
Schreibkräfte - in der Absicht durchgeführt, sie mit der Terminologie
vertraut zu machen, die bei der Beschreibung von elektronischen Geräten
heute verwendet wird. Abgehalten wurde dieser Unterricht nach Betriebsschluß zweimal wöchentlich für die Dauer von zwei Stunden während
eines Zeitraumes von fünf Monaten. Der Kursus bestand nur aus theoretischen Unterweisungen und Diskussionen zwischen Lehrern und Lehrgangsteilnehmern. Von den 38 Umschülern waren 19 über 40 Jahre alt.
Wartungspersonal für elektronische Anlagen. Der dritte Kursus
- ebenfalls über Elektronik - zielte darauf ab, das Wartungspersonal
auf neue Tätigkeiten vorzubereiten, hauptsächlich in bezug auf die
Wartung und Reparatur technisch weiterentwickelter elektronischer Geräte
und Anlagen. Im Gegensatz zu den anderen Fortbildungskursen fanden
diese Unterweisungen während der Arbeitszeit statt, und zwar an fünf
Tagen der Woche (jeweils 3 1/2 Stunden). Die Gesamtdauer betrug vier
Monate. Neben einer theoretischen Einweisung in die Elektronik wurden
umfangreiche Laboratoriumsversuche mit Testgeräten und elektronischen
Einzelteilen durchgeführt. Obwohl hier die Anforderungen in erster Linie
geistiger Art waren, wurden doch auch an die manuelle Geschicklichkeit
und die Kombinationsgabe der Umschüler erhebliche Ansprüche gestellt.
Nach Beendigung des Kursus wurden die Teilnehmer höher eingestuft und
erhielten (im Gegensatz zu den Umschülern in den vorher beschriebenen
Kursen) eine bessere Bezahlung. Gleichzeitig wurde ihnen der Titel
" Industrie-Elektronik-Mechaniker" zuerkannt.
Die

-

6

-

�Die 18 Umschuler, die den Kursus beendeten, waren aus einer
Gruppe von 50 Wartungstechnikern sorgfältig ausgewlhlt. Bei neun
dieser 18 Teilnehmer handelte es sich um ältere Arbeitnehmer.
Zugelassen aus dieser Prüfungsgruppe wurden nur 20 Arbeitnehmer,
und zwar die mit den höchsten Bewertungsziffern. Die meisten von
ihnen verfügten bereits über gewisse Erfahrungen in der Wartung
weniger komplizierter elektronischer Geräte, Von diesen 20 verließ
einer vorzeitig den Kursus, um eine besser bezahlte Position zu
übernehmen, während ein anderer wegen Krankheit ausschied.
Maschinenbauer. Mit der Einführung neuer Waffensysteme ergaben
sich für zahlreiche Maschinenbauer erhebliche Schwierigkeiten bei
der Analysierung und Interpretation gewisser auf den Konstruktionszeichnungen verwendeter Symbole. Die Meister dieser Abteilung ersuchten daraufhin die Betriebsführung, einen Fortbildungskursus für Konstruktionszeichnungslesen durchzuführen. Nach einer ersten Überprüfung der in Frage kommenden Mitarbeiter wurden schließlich 17 Umschüler ausgewählt, von denen acht über 50 Jahre alt waren. Der siebentägige Kursus wurde während der Betriebsstunden abgehalten (täglich
2 Stunden) und umfaßte das Erlernen der Symbole und ihre Übertragung
auf das Werkstück.
Schweißer. Die zahlrei chen Verbesserungen und Veränderungen auf
dem Gebiet der Schweißtechnik machten die Durchführung zahlreicher
Fortbildungs- und Uraschulungskurse erforderlich. Viele neue Metalle Legierungen mit Titan und Zirkon - lassen sich nach den konventionellen Schweißverfahren nicht zusammenfügen. Außerdem sind die technische
Anforderungen, die an den Schweißer gestellt werden (winzige Nähte,
schwierigere Montage),heute erheblich größer.
Die eingetretenen technischen Veränderungen machen es ferner erforderlich, daß die Schweißer über gewisse metallurgische Kenntnisse
verfügen und die Ursachen von MetallVerformungen kennen. Außerdem sind
die Schwe_ißgeräte selbst sehr viel komplizierter geworden, was bedingt, daß die Schweißer genau wissen müssen, wie sie etwa die Temperatur, den Gasstrom und die Schweißgeschwindigkeit regeln können.
Der durchgeführte Kursus war ursprünglich nur für solche Schweiße
vorgesehen, die bereits mit den neuen Geräten und Techniken vertraut
waren. Im Gegensatz zu den anderen erwähnten Kursen lag dabei der
Schwerpunkt nicht im Theoretischen (nur 20$ der Gesamtzeit), sondern
im Praktischen. Die Umschüler bekamen dabei Standard-Prüfungsaufgaben
zugewiesen, und die Leistungen der einzelnen wurden genau registriert
und bewertet. Jeder Kursusteilnehmer erhielt nach Abschluß der Ausbildung eine Endbewertung. Grundlage hierfür war die Anzahl der Stunden, die jeder einzelne brauchte, um die von der "U.S. Air Force" vorgeschriebenen Leistungsnormen zu erreichen.
Die Umschüler hatten sich entweder selbst um die Teilnahme beworben oder waren von ihren Meistern empfohlen worden. Rund 200 wurden
auf Grund ihrer Leistungen ausgewählt, die sie bei einem Testschweißen
zeigten. Die Gewerkschaft setzte bei der Unternehmensführung die
Klassifizierung der Absolventen als "Schweißer" sowie höhere Löhne
für alle durch, die den Kursus mit Erfolg bestanden hatten.
Die

�Die Leistungen in den Umschulungskursen
Zur Beurteilung der Umschüler in dem Flugzeugwerk wurden sowohl
die theoretischen als auch die praktischen Leistungen zugrunde gelegt.
Tafel II gibt einen Überblick über die Leistungen der jüngeren und
älteren Umschüler in den sechs Kursen.

Tafel II
Umschulungskurs in einem Flugzeugwerki
Leistungsvergleich zwischen älteren und jüngeren Umschülern

Ältere Umschüler

Jüngere Umschüler

Prozent

Prozent
Art des Kursus

Teilnehmerzahl

über
unter
dem Durchschn

Teilnehmerzahl

über unter
dem Durchschn

Optische
Hilfsgeräte
b .Werkzeugmaschinen

24

79

21

22

36

64

Einführung
in die Elektronik f.Ingenieure

36

53

47

17

47

53

Grundlagen d.
Elektronik für
techn .Schreibkräfte

19

53

47

19

42

58

Allgem.Fortbildung f.Elektronik-Mechaniker

67

33

33

67

Konstruktionszeichnungslesen I
f.Maschinenbauer

78

22

25

75

44

56

50

50

Konstruktionszeichnungslesen
II f.Maschinenbauer
Nur
dem
ein
dem

n
7

8

in einem der sechs Kurse wies die Hälfte der älteren Umschüler über
Durchschnitt liegende Noten auf. In zwei weiteren Kursen lag noch
erheblicher Teil der älteren Umschüler (40 Prozent und mehr) über
Durchschnitt. Bei den jüngeren Teilnehmern dagegen lag die Mehrzahl

-

8

�Mehrzahl mit ihren Leistungen in fünf Kursen über dem Durchschnitt.
Am schlechtesten schnitten die Jüngeren in dem zweiten Kursus für
Konstruktionszeichnungslesen ab. Nur geringe Leistungsunterschiede
bestehen zwischen den beiden Gruppen, wenn man die Schulbildung als
Bewertungsbasis heranzieht.
(Aus "Monthly Labor Review",
August 1963, Vol. 86, Nr. 8)

* * * * *

New Y'orks einzigartige berufsbildende Oberschule
Eine der bemerkenswertesten Oberschulen in den Vereinigten
Staaten ist die sogenannte "Aviation High School" in New York City.
Sie ist die einzige höhere Lehranstalt des Landes, an der die Schüler neben ihrer normalen schulischen Ausbildung auch gleichzeitig
eine umfassende berufliche Vorbereitung erhalten.
Die jetzt 25 Jahre bestehende öffentliche Oberschule wird gegenwärtig von rund 2200 Schülern besucht und hat einen Lehrkörper von 130
Fach- und Speziallehrern. Sie -verfügt über modernste technische Einrichtungen - im Werte von mehreren Millionen Dollar - für die Heranbildung von qualifizierten jungen Flugzeugmechanikern. Etwa 55 Prozent
der Lehrer unterrichten in den traditionellen Oberschulfächern wie
Englisch, Mathematik, Geschichte, Fremdsprachen usw., die etwa die
Hälfte des Gesamtlehrplanes ausmachen; bei den restlichen Lehrern handelt es sich um ausgesprochene Fachkräfte, von denen 80 Prozent Spezialprüfungen im Flugzeugbau abgelegt haben.
Strenge Aufnahmeprüfung
Die Auswahl der Schüler erfolgt nach einer strengen Prüfungsordnung, die sowohl zahlreiche schriftliche Arbeiten als auch ein persönliches Interview für die Bewerber vorsieht, in denen ihre beruflichen Interessen und ihre Einstellung zur Ausbildung als Flugzeugmechaniker getestet werden..Diese scharfe Auslese ist nötig, denn von den
rund 25OO Bewerbern jährlich können in der Regel nicht mehr als 830
aufgenommen werden.
Der sich über vier Jahre erstreckende Lehrplan ist in wissenschaftliche, praktische und technische Fächer aufgeteilt. Dem Schüler stehen
dabei zwei Bildungswege offen: 1. Vorbereitung auf den späteren CollegeBesuch; 2. Vorbereitung auf den künftigen Beruf durch eine gewerblichschulische Fachausbildung. Nach dem ersten Schuljahr erfolgt eine Zwischenprüfung, um alle diejenigen Schüler aus dem gewerblichen Zweig
zu entfernen, die sich für eine technische Ausbildung als ungeeignet
erwiesen.

-

9

�1/3 seht zum College
Der von den Schülern nach bestandener Abschlußprüfung eingeschlagene weitere Bildungs- -oder Berufsweg sieht in der Regel so aus:
etwa 29 Prozent von ihnen beginnen ein Studium, hauptsächlich an höhren technischen Lehranstalten oder Technischen Hochschulen; einige
wenige besuchen die verschiedenen Militärakademien; rund 27 Prozent
suchen sich einen ihrer Ausbildung entsprechenden Arbeitsplatz in der
Industrie; 10 Prozent wenden sich anderen industriellen Tätigkeiten
zu; während der Rest zunächst seine Militärzeit ableistet.
Da die New Yorker "Aviation High School" eine der insgesamt 68
vom Bundesaufsichtsamt für die Luftfahrt (FAA) anerkannten Schulen
des Landes zur Ausbildung von Flugzeugmechanikern ist, erhalten die
Absolventen neben ihrem Reifezeugnis auch ein Berufszertifikat der
FAA mit auf den Weg. Welche Bedeutung diese Abschlußzeugnisse für den
beruflichen Werdegang haben, zeigt die Tatsache, daß bisher mehr als
8000 Absolventen dieser Schule Arbeitsplätze in der Flugzeugindustrie
oder bei Luftfahrtgesellschaften als Piloten oder Chefmechaniker erhalten haben.
Der Schulkomplex in New York umfaßt insgesamt fünf große Gebäude,
darunter zwei jeweils 7 Stockwerke hohe Haupttrakte. In einem Trakt
sind die Klassen untergebracht, in denen der wissenschaftliche Unterricht durchgeführt wird, sowie fünf Laboratorien, vier Säle für das
technische Zeichnen und die Kunsterziehung, ferner die Bibiothek,
Verwaltungsräume, eine Cafeteria und Ambulanzräume. Das andere Hauptgebäude beherbergt 32 Werkräume für die praktische und technische
Ausbildung der angehenden Flmgzeugmechaniker.
Der praktische Unterricht umfaßt u.a. folgende Fächer: FlugzeugRumpf- und Flügelbau; Wartung und Überholung von einfachen und technisch komplizierten Antriebsaggregaten; Metallverarbeitung; Hydraulik;
Zusatzbauteile (Vergaser, Magnete usw.); Elektrizität; Bedienung von
Arbeits- und Werkzeugmaschinen; Propellerreparatur; und Schweißen.

(Quelle: Eigenbericht)
* * * * *

Beträchtliche Verschiebungen in der US-Einkommensstruktur
Die Einkommensverteilung in den USA hat sich auch in den vergangenen Jahren weiter zugunsten der unselbständigen Arbeitnehmer
(Lohn- und Gehaltsempfänger) entwickelt und diesem Personenkreis
mit 71 Prozent den bisher höchsten Anteil am Volkseinkommen gesichert.
Wie aus einer jetzt vom US-Handelsministerium veröffentlichten
Übersicht hervorgeht, entfielen 1962 vom Volkseinkommen in Höhe von
453,7 Mrd. Dollar allein 322,9 Mrd. Dollar auf Löhne und Gehälter (einschließlich der verschiedenen Sozialleistungen). Die nächstkleineren
Posten bildeten die Gewinne der Kapitalgesellschaften (vor Abzug der

-

10

-

�der Steuern) mit 47,0 Mrd..Dollar und die Einkommen der selbständigen
Berufe und der nichteingetragenen Wirtschaftsunternehmen mit 36,5 Mrd.
Dollar. Relativ unbedeutend waren dagegen die Farmereinkünfte und die
Einkünfte aus Kapitalanlagen und Mieten.
Bei einem Vergleich mit dem Jahre 1948 zeigt sich, daß nicht
nur das US-Volkseinkommen seither von 223,5 auf 453,7 Mrd. Dollar angewachsen ist - und sich damit mehr als verdoppelt hat -, sondern daß
auch erhebliche Verschiebungen in der Einkommensstruktur eingetreten
sind. Hauptnutznießer dieser Entwicklung waren vor allem die Unselbständigen, die ihren Anteil von 63 auf 71 Prozent erhöhen konnten, Besonders bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang die Tatsache, daß der
Anteil der Sozial- und Lohnnebenleistungen am Gesamteinkommen seit 1948
um mehr als das Doppelte zugenommen hat - er stieg von 2,6 auf 5,9 Prozent an.
Beträchtliche Anstiege verzeichneten auch die Einkünfte aus Spareinlagen, Savings Bonds und anderen Geldanlagen (Zunahme von 1,9 auf
rund 5 Prozent), geringere die Erträge aus Dividenden (von 3,2 auf 3,7
Prozent).
Demgegenüber ist der Anteil der Gesellschaftsgewinne am Volkseinkommen nach 1949 nicht unerheblich - von 14,7 auf 10,4 Prozent zurückgegangen, obwohl nach dem "Tief" des Jahres 1958 inzwischen wieder eine kräftige Erholung eingetreten ist. Auch die Mieteinkommen
waren 1962 mit 2,6 Prozent anteilmäßig geringer als 1948 (3,3 L Ä)» desgleichen die Einkommen der freien Berufe und der Selbständigen, deren
Anteil am Volkseinkommen im vergangenen Jahr nur noch 8 Prozent
(1948 - 10%) betrug.
Den relativ stärksten Rückgang allerdings verzeichneten die Farraereinkommen, die 1948 noch 8 Prozent des Volkseinkommens auf sich vereinigt
hatten, im Vorjahr aber nur noch über einen Anteil von 2,9 Prozent verfügten. Selbst wenn man berücksichtigt, daß immer mehr landwirtschaftliche
Arbeiter und Farmer den .Yeg in die Stadt und damit in andere Wirtschaftszweige gefunden haben und die Zahl der Farmen ständig abgenommen hat, so
zeigt doch die Einkommensentwicklung der Landwirtschaft in den vergangenen 14 Jahren recht deutlich, daß dieser Wirtschaftszweig dem allgemeinen Aufwärtstrend der Einkommen nicht hat folgen können.
Wie stark sich die gesamte Einkommensstruktur in den USA während
der Nachkriegsjähre verschoben hat, zeigt übrigens auch eine andere,
kürzlich vom US-Zensusbüro veröffentlichte Übersicht. Danach haben die
Gehaltsempfänger im Jahre 196O die bisher stärkste Gruppe in der obersten Einkommensklasse der USA (mehr als 15 000 Dollar im Jahr), die
Selbständigen, zum ersten Mal überflügeln können. Mit einem Anteil von
rund 50 Prozent sind sie dabei zur weitaus stärksten Gruppe der "Oberklasse" der US-Einkommensskala avanciert.
, sie zweite Einkommensklasse (lO 000 - 15 000 Dollar) hat sich
in rund zehn Jahren ganz erheblich verstärkt. Zwischen 1951 und 196O hat
sich die Zahl ihrer Einkommensträger - bei Zugrundelegung eines konstanten Dollarwertes - fast verdreifacht. Während 1951 lediglich 5 Prozent
aller amerikanischen Familien Einkommen von über 10 000 Dollar aufwiesen,
waren es i960 bereits 14 Prozent.
(Quelle: Eigenbericht)
* * * * *
1 1

�E. A. Willis - ein. Arbei.tne hmerporträt
Edward A. Willis, Warenprüfer einer W$inkellerei und Spirituosenfabrik in Fresno im Staat Kalifornien Und in seiner Freizeit Zahlkellner eines Restaurationsbetriebs, ist mit seinen 46 Jahren noch zu
einem der größten Abenteuer unserer Zeit bereit: "Tony" Willis träumt
davon, im Rahmen des amerikanischen Friedenskorps als Entwicklungshelfer nach Afrika, Asien oder Südamerika geschickt zu werden, um
dort beim Aufbau des Jugendsports mitzuwirken.
Aus kinderreicher Familie
Nun, Tonys Leben ist auch so schon abwechslungsreich genug, ob
sein Wunsch in Erfüllung geht oder nicht. Er wurde 1917 in Phoenix,
der Hauptstadt Arizonas, geboren. Er hat es in seiner Jugend nicht
ganz einfach gehabt. Er ist Neger und stammt aus einer Familie mit
neun Kindern, alles Jungen. Nach Abschluß der Oberschule besuchte er
zunächst das Junior College in Phoenix und später die dortige Lehrerbildungsanstalt. Das Geld für das Studium verdiente er sich in den
unterrichtsfreien Stunden als Hausmeister beim Gouverneur des Staates
Arizona. Nach dem Abschlußexamen in Geschichte und Staatswissenschaften trat er in den Dienst der Polizei von Phoenix. Doch inzwischen war
der zweite Weltkrieg ausgebrochen, und Willis wurde für fünf Jahre
Soldat. Auf einen kürzeren Einsatz in Nordafrika folgte die Abkommandierung nach Burma, wo er als Zugführer einen Bautrupp befehligte,
der am Bau der Burma-Straße mitwirkte. Willis gehörte später dem
ersten Konvoi an, der über diese im Krieg berühmt gewordene Militärstraße rollte.
Vom Ausfahrer zum Prüfer
Einer seiner Brüder verschaffte ihm nach Kriegsende dann eine
Stellung in einer Weinhandlung im kalifornischen Fresno. Er fand
Gefallen am Wein- und Spirituosenhandel und ging deshalb später zu
einer größeren Weinkellerei, die auch noch eine Schnapsbrennerei unterhielt. "Ich fing als Ausfahrer an und legte auch sonst überall im
Betrieb mit Hand an", berichtet er heute rückschauend. "Ich habe die
Traubenpresse bedient und den Kran, mit dem die Mostbehälter in die
Gärbottiche geleert werden."
Heute aber arbeitet Tony als Prüfer, überwacht den Verschnitt
von Whiskysorten, probiert die Destillate und kontrolliert den Warenausgang. Sein Betrieb hat seit langem schon die Fünftagewoche bei
täglich achtstündiger Arbeitszeit eingeführt. An den Wochenenden hilft
Tony als Zahlkellner im Restaurationsbetrieb eines Motels aus.
Sehr aktiv im Gemeinschaftsleben
Arbeit und "weekend Job" hindern ihn aber nicht daran, auch im
Gemeinschaftsleben eine recht aktive Rolle zu spielen. Da ist einmal
der Kriegsteilnehmerverband, die "Veterans of Foreign Wars", dessen
Ortsverein er seit 1962 als Commander vorsteht, zum andern die Mitgliedschaft in einer Loge und im Schulverein zu nennen. Daß Willis
Gewerkschafter ist, versteht sich für ihn von selbst, und er ist
stolz darauf, schon mehrfach an TarifVerhandlungen mit den Arbeitgebern

-

12

-

�Arbeitgebern im Weinbau teilgenommen zu haben. "Wir kamen bisher
immer ohne Streik aus", weiß er hierüber zu berichten. Mir macht das
'Geben und Nehmen' solcher Verhandlungen direkt Spaß. Heute geht es
uns weniger um höhere Löhne als um die Verbesserung von Lohnnebenleistungen wie Kranken- und Lebensversicherung."
Eigenheim mit fünf Zimmern und allem Komfort
Das also ist der Hintergrund, vor dem sich Tony Willis' berufliches und "gesellschaftliches" Leben abspielt. Den Rahmen für sein
Privatleben bildet ein weiß verputztes Häuschen in einem bescheidenen
Wohnviertel von Fresno. Das Eigenheim hat neben einem Wohn- und einem
Eßzimmer noch drei Schlafräume sowie Küche und Bad. Es ist mit dem
für einigermaßen wohlsituierte Leute üblichen Komfort ausgestattet,
und es fehlen weder der Kühlschrank, noch die Waschmaschine und der
Geschirrspülautomat.
Willis' Frau fühlt sich mit ihren zwei Töchtern Patricia Diane
(13) und Valencie Yvonne (10) und dem Haushalt keineswegs voll ausgelastet und arbeitet deshalb vormittags noch in einer Schulküche, wo
die Mahlzeiten für die Schulspeisung bereitet werden. Die Hausarbeit
macht sie, von den beiden Töchtern schon ein wenig unterstützt, ganz
allein. Lediglich zum Bügeln hat sie eine Hilfe. Mrs. Willis scheint
den Ehrgeiz zu haben, es ihrem Manne gleichzutun, ist sie doch laufend
für die Baptistenkirche und mehrere Frauenvereine tätig.
Neue Berufschancen für Farbige
Aber immer alle Hände voll zu tun und immer Betrieb und Abwechslung zu haben, das scheint genau das zu sein, was Mr. und Mrs. Willis
bei guter Laune hält. Seine Hautfarbe macht Tony Willis kaum irgendwelchen Kummer, und er ist, was die Rassenfrage angeht, ein Optimist.
Warum, das hat er mit wenigen Worten recht überzeugend zum Ausdruck
gebracht: "Seit dem letzten Krieg haben sich uns Farbigen viele neue
Arbeitsgebiete aufgetan. Unsere Aufgabe ist es nun, uns die notwendige
Kenntnisse anzueignen."
(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

Schaffung internationaler Beschäftigungsnormen
Die Schaffung einheitlicher internationaler Beschäftigungsstandards als einer wesentlichen Voraussetzung für die Ausweitung des
Welthandels und der Exportmärkte für amerikanische Erzeugnisse hat ein
gemischter Gewerkschafts-Industrieausschuß gefordert, dessen Vorsitzer
der Präsident des amerikanischen Gewerkschaftsverbandes "AFL-CIO",
George Meany, ist.
Der

�Der Ausschuß h a t j e t z t einen umfassenden B e r i c h t über s e i n e Beratungen v e r ö f f e n t l i c h t , die er a n l ä ß l i c h der White-House-Konferenz
über die Ausweitung der US-Exporte k ü r z l i c h in der amerikanischen
Bundeshauptstadt f ü h r t e . Darin wird b e t o n t , daß, sobald einmal die
u n t e r dem allgemeinen Niveau liegenden Beschäftigungsbedingungen
a l s Faktor im i n t e r n a t i o n a l e n Wettbewerb a u s g e s c h a l t e t s e i e n , der
Lebensstandard und d i e Kaufkraft i n den Ländern mit einem Substandard
erhöht und dadurch neue Exportmärkte geschaffen würden.
In dem B e r i c h t wird w e i t e r f e s t g e s t e l l t , daß die b e t r ä c h t l i c h e n
Unterschiede zwischen den USA und i h r e n w i c h t i g s t e n Konkurrenten auf
den '.Veitmärkten h i n s i c h t l i c h der Löhne in l e t z t e r Zeit etwas g e r i n g e r
geworden s i n d . Dies s e i darauf zurückzuführen, daß die d u r c h s c h n i t t l i c h e n Lohnerhöhungen i n den I n d u s t r i e l ä n d e r n in den vergangenen Jahren
größer waren a l s in den V e r e i n i g t e n S t a a t e n s e l b s t . Durch die umfassende Einführung moderner, k o s t e n s p a r e n d e r Maschinen und P r o d u k t i o n s a u s rüstungen h ä t t e n d i e USA f e r n e r die F e r t i g u n g s k o s t e n t r o t z weiter s t e i gender Löhne r e l a t i v n i e d r i g h a l t e n können.
(Quelle: Eigenbericht)

* * * *

-

14

*

-

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                <text>Internationale Arbeitsmitteilungen 1963</text>
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                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
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                <text>&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Nr. 1&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Bedeutung der Gewerkschaften für das amerikanische Wirtschaftsleben&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&#13;
&lt;p&gt;Die Aufgaben des "National Labor Relations Board"&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ein erfolgreiches Jahr für die amerikanischen Gewerkschaften&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 2&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Automatisierung führt zur "Bildungsgesellschaft"&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Automation in gewerkschaftlicher Sicht&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Internationale Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Rehabilitation Behinderter&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erhebliche Veränderungen in der US-Beschäftigungsstruktur seit 1950&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gewerkschaftliche Kurznachrichten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 3&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Modellvertrag der amerikanischen Automobilarbeitergewerkschaft&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Präsident Kennedy unterbreitete Kongress umfassendes Sozialprogramm&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ziele und Aufgaben des US-Arbeitsministeriums&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gewerkschaftliche Kurznachrichten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 4&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erziehung und Schulung in einem Entwicklungszeitalter (I)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&#13;
&lt;p&gt;Gewerkschaftliche Kurznachrichten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 5&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erziehung und Schulung in einem Entwicklungszeitalter (II)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Aktuelle Arbeitsmarktprobleme&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Mehr Frauen im höheren Regierungsdienst&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Filmore LaDeaux &amp;nbsp;- ein Arbeitnehmerporträt&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gewerkschaftliche Kurznachrichten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 6&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Der Erfolgsbeteiligungsplan &amp;nbsp;der Kaiser-Stahlwerke&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Maschinistengewerkschaft feiert 75jähriges Bestehen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gewerkschaftliche Kurznachrichten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 7&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Arbeitsmarkt- und Beschäftigungsprobleme der USA in den Jahren 1960-75 (I)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Berufsausbildung im Zeitalter der schnellen technischen Veränderungen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"DOT" - Ein Bestseller wird neu aufgelegt&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 8/9&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Arbeitsmarkt- und Beschäftigungsprobleme der USA in den Jahren 1960-1975 (II)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gleiche Berufschancen für die Farbigen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Stille Einigung" - der neue Stil im US-Tarifverhandlungswesen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vorbeugen - die Hauptaufgabe des modernen Unfallschutzes&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gewerkschaftliche Kurznachrichten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 10&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die wirtschaftliche Situationen der Farbigen in den USA&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Verschärfte Bestimmungen der US-Post zur Durchsetzung der Rassengleichheit&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wirtschaftliches Wachstum und Arbeitslosigkeit&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Unfallschutz am Arbeitsplatz als gewerkschaftliche Aufgabe&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Seeleutegewerkschaft spricht sechsjährigen Streikverzicht aus&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 11&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die amerikanische Sozialversicherung&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Entwicklung der Löhne und Lohnebenleistungen in den USA&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Arbeitslosen-Umschulungsprogramm hatte guten Start&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gewerkschaftliche Bildungsarbeit mit neuen Akzenten&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gewerkschaftliche Kurznachrichten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 12&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Leistungen älterer Arbeitnehmer in Umschulungskursen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;New Yorks einzigartige berufsbildende Oberschule&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Beträchtliche Verschiebungen in der US-Einkommensstruktur&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;E. A. Willis - ein Arbeitnehmerporträt&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Schaffung internationaler Beschäftigungsnormen&lt;/p&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST - Sonderbeilagen 1965
A.

4*

1.

KENNEDY ERKLAERT STANDPUNKT DER USA ZU WELTPOLITISCHEN
FRAGEN
Ausstiege aus den Ferasehinterriew T O B 17* 12« 1962.
STANDPUNKT DER USA ZU WELTPOLITISCHEN FRAGEN
W o r t l a u t
des Fernsehinterriew von 17* 12* 1962.

A. 18.

1.

KENNEDY UNTERBREITET BOTSCHAFT UEBER DIE LAGE DER NATIONEN
State of the Union Message

W. 25.

1.

KENNEDY LEGT NEUEN HAUSHALT VOR
Zusammenfassung der wichtigsten Punkte des Budget 1963/64*

W. 25.

1.

KENNEDY1 DIE US-WIRTSCHAFT AM SCHEIDEWEG
Aussusge aus dem Wirtschaftsbericht des US-Praesidenten.

A. 15.

3.

EUROPA! KALEIDOSKOPE ODER GETRUEBTER KRISTALL
W o r t l a u t
der Ansprache des ehemaligen US-Ausssnministers DEAN G. ACHESON vor der Uniwersitaet von
Kalifornien, 13. 3. 1963.
EUROPEi KALEIDOSCOPE OR CLOUDED CRYSTAL
Address by the Honorable Dean Aoheson st the University
of California, Berkeley, California, Marsh 13, 1963*

A. 15«

3.

GEORGE C. MCGHEE SOLL NEUER BOTSCHAFTER DER USA IN BONN
WERDE
Praesldent Kennedy hat am Mittwoch seine Absicht bekannt
gegeben, den gegsnwaertigen Staatssekraetser fuer Politische
Fragen im amerikanischen Aussenminlstorium, George C. MeGhee,
sum neuen Botschafter der USA in der Bundesrepublik su ernennen.

W. 12.

4*

SONDERBOTSCHAFT PRAESIDENT KENNEDYS ZUR AUSLANDSHILFE
W o r t l a u t
der Sonderbotschaft sur Auslandshilfe der
USA, die Praesident Kennedy am 2. April 1963 dem amerikanischen
Kongrsss unterbreitet hat.

W. 17.

5.

DIE VEREINIGTEN STAATEN UND DIE VERHANDLUNGEN ZUR
AUSWEITUNG DES HANDELS - Eins Hintergrundanalyse.

A. 24.

5.

USA WEISEN SOWJETISCHEN PROTEST GEGEN DEN AUFBAU EINER
NATO-ATOMSTREITMACHT ZURUECK
W o r t l a u t
der Antwortnote der Vereinigten Staaten
(18.5.1963) auf die Note der UdSSR wom 8.4.1963.

A. 24.

5.

ABENTEUER DES RAUMFLUGS
Cooper - ein idealer Astronaut, Forsohungsrorhaben, Verlauf
und ersts Ergebnisse des Raumflugexperiments MERCURY-ATLAS 9*

A. 14.

6.

NEUE BEMUEHUNGEN DER USA UM DEN WELTFRIEDEN
W o r t l a u t
der Rede des US-Praesidenten JOHN F. KENNEDY,
Tom 10.6.1963 vor Absolventen der Amerikanischen Universitaet
in Washington.

�25.

6.

ANSPRACHE DES PRAESIDENTEN DER VEREINGTEN STAATEN
JOHN P. KENNEDY in der Paulskirche zu Frankfurt/Main.

25.

6.

Remarks of the President of the United States of America
JOHN P. KENNEDY, in the Asaembly Hall of Paulekirohe, Prankfurt,

26«

6«

Remarks of the President of the United States of Amsrioa
JOHN P. KENNEDY, at the Free Universitär Berlin, Germany.

26.

6.

Remarks of the President of the United States of America
JOHN P. KENNEDY, at the City Hall, West Berlin, Germany.

W. 26.

7.

SONDERBOTSCHAPT PRAESIDENT KENNEDYS UEBER US-ZAHLUNGSBILANZ
W o r t l a u t
der Sonderhotschaft, am 1 S.Juli 1963
an den US-Kongress.

A. 27.

9.

KENNEDY RUFT ZUR ZUSA*&lt;MENARBEIT PUER DEN FRIEDEN AUF
W o r t l a u t
der Rede vom 20. 9» 1963» vor der
18» Vollversammlung der Vereinten Nationen gehalten.

A. 27.

9.

DIE ROLLE DEUTSCHLANDS IN DER ENTWICKLUNG DER WELTPOLITIK
W o r t l a u t einer Rede, die der Vorsitzende des Planungsstahs im US-Aussenministerium, WALT W. ROSTOW, am 18.9*1963
vor der Universitaet von Dayton gehalten hat.

9. 10.

BETRACHTUNGEN EINES AMERIKANERS UEBER BERLIN
Ansprache des Botschafters GEORGE C. MCCHEE, im Amerika Haus,
Nuernherg, am 9*10. 1963.

A. 18. 10.

TESTSTOPPVERTRAG IN KRAFT GETRETEN
W o r t l a u t
des Vertrages ueber ein Verbot von Kemmaffenversuchen in der Atmosphaere, im Weltraum und unter Wasser.

A.

1. 11.

Ansprache Sr. Exzellenz des Auseenministers der Vereinigten
Staaten DEAN RUSK, gehalten am 27*10.1963» in der Paulskirohe
su Frankfurt/Main, anlaesalieh der Einweihung der
GEORGE C. MARSHALL - Gedenkstaette am Opernplatz.

W.

8. 11.

HANDELSAUSWEITUNG UND WIRTSCHAFTSWACHSTUM IN DER
ATLANTISCHEN GEMEINSCHAFT
W o r t l a u t
einer Ansprache von US-Botschafter
George C. MoGhee, gehalten vor der Handelskammer Koblenz,5*11•

A.

6. 12.

WIR WERDEM IN DEM STREBEN NACH FRIEDEN UNERMUEDLICH SEIN
Ansprache Praesident JOHNSONS vor beiden Haeuaern des
Kongresses am 27« November 1963*

A.

6. 12.

UNSERE KRAFT UND ENERGIE IST AUF DIE ZUKUNFT GERICHTET
Botschaft Praesident JOHNSONS zum Erntedanktag 1963*

A. 13. 12.

NATUERLICHE HILFSQUELLEN DER WELT
Die Situation heute und in der Zukunft
W o r t l a u t
des Vortrags von US-Botschafter GEORGE C.
MCGHEE, gehalten am 11.12. 63, vor der Arbeitsgemeinschaft
fuer Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen, Dueaseldorf•

�PRÄSIDENT JOHN F. KENNEDY
ERLÄUTERT

STANDPUNKT DER USA ZU WELTPOLITISCHEN FRAGEN
Wortlaut des Fernsehinterviews vom
17. Dezember 1962

�STANDPUNKT DER USA ZU WELTPOLITISCHEN FRAGEN

Nachstehend übermitteln wir Ihnen den
Wortlaut eines Fernsehinterviews, das
Präsident Kennedy den Vertretern dreier
amerikanischer Rundfunk- und Fernsehanstalten - William H. Lawrence von der
American Broadcasting Company, George
Herman vom Columbia Broadcasting System
und Sander Vanocur von der National
Broadcasting Company - am 16. Dezember
1962 im Weißen Haus gewährt hat und das
von den Sendern dieser Anstalten am
17« Dezember ausgestrahlt wurde.

MR. LAWRENCE: Wenn Sie, Herr Präsident, auf die beiden ersten Jahre
Ihrer Amtsführung zurückblicken - entsprechen Ihre Erfahrungen in
diesem Amt Ihren ursprünglichen Erwartungen? Sie hatten sich ja
eingehend über die Machtbefugnisse des Präsidenten und deren Ausübung unterrichtet. Inwieweit sind die Dinge nun so gelaufen, wie
Sie es sich im voraus gedacht hatten?
DER PRÄSIDENT: Nun ja, zunächst einmal halte ich die Probleme heute
für schwieriger, als ich sie mir vorgestellt hatte. Zweitens sind
die Möglichkeiten der Vereinigten Staaten begrenzt, diese Probleme
zu lösen. Gegenwärtig sehen wir uns im Kongo einer sehr schwierigen
Situation gegenüber. Es ist uns nicht gelungen, die Verwirklichung
der von uns vertretenen Politik zu erreichen. Wir sind auch in einer
Reihe weiterer Gebiete sehr engagiert. Wir versuchen zu klären,
ob sich eine Lösung für den Streit zwischen Pakistan und Indien
finden läßt, wollen wir doch zu beiden freundschaftliche Beziehungen
unterhalten. Sie aber, sind nicht imstande, zu einem Übereinkommen
zu gelangen. Die Macht der Vereinigten Staaten, Lösungen herbeizuführen, hat mit anderen Worten Grenzen.
Ich glaube, unsere Leute werden furchtbar ungeduldig und sind
wahrscheinlich auch müde und verdrossen und sagen: "Wir tragen diese
Last schon 17 Jahre lang, können wir sie nun niederlegen?" Wir
können sie nicht niederlegen, und ich sehe in diesem Jahrhundert,
auch keine Chance für uns, sie niederzulegen.
Deshalb möchte ich also sagen, daß die Probleme schwieriger
sind, als ich sie mir vorgestellt hatte. Die den Vereinigten Staaten auferlegte Verantwortung ist größer, als ich sie mir vorgestellt hatte, und unsere Möglichkeiten, günstige Resultate zu erzielen, unterliegen größeren Beschränkungen, als ich angenommen
hatte. Und das dürfte meiner Meinung nach für jeden Präsidenten
gelten, denn es ist nun einmal ein Unterschied zwischen jenen.

- 1

�jenen, die Ratschläge erteilen, Reden halten oder Gesetze beschließen, und dem Mann, der unter verschiedenen Alternativvorschlägen
zu wählen hat und bestimmen muß, welches die Politik der Vereinigten
Staaten sei. Es ist viel einfacher, Vorträge zu halten als schließlich ein Urteil zu fällen, denn die Ratgeber sind leider häufig geteilter Meinung. Schlägt man einen falschen Kurs ein, und das habe ich
gelegentlich getan, so trägt der Präsident die Last der Verantwortung - und das mit vollem Recht. Die Berater dagegen können auf neue
Ratschläge sinnen.
MR. LAWRENCE: Das bringt uns, Herr Präsident, auf eine Frage, die
mich schon immer interessiert hat. Wie kommt nun eigentlich eine
Entscheidung des Präsidenten wie im Falle Kubas zum Beispiel zustande?
DER PRÄSIDENT: Die jüngste wurde tatsächlich, was den einzuschlagenden Kurs und den Entschluß angeht, innerhalb eines Zeitraums von
fünf oder sechs Tagen herausdestilliert. Während dieser Zeit haben
die rund 15 Personen, die unmittelbar zu Rate gezogen worden sind,
ihre Ansicht mehrfach geändert, da jede Maßnahme, welche auch immer
wir ergreifen mochten, mit mehreren Nachteilen behaftet war und da
auch jede Maßnahme, die wir ergreifen mochten, die Möglichkeit barg,
daß sie sich zu einem Atomkrieg mit der Sowjetunion auswachsen werde.
Schließlich aber entwickelte sich eine generelle Übereinstimmung und eine solche bestand sicherlich nach der Prüfung sämtlicher Alternativen -, daß der am Ende eingeschlagene Kurs des Handelns der richtige sei.
Bei meinen Gesprächen mit Mitgliedern des Kongresses schlugen
verschiedene von ihnen eine andere Alternativlösung vor, als wir
sie an jenem Montag mit den Tatsachen bekannt machten. Ich habe das
Gefühl, daß sie, wären sie diese fünf Tage dabeigewesen, die wir mit
der Beurteilung der verschiedenen Alternativen und der Vor- und Nachteile etwaiger Maßnahmen zugebracht hatten, wahrscheinlich den gleichen Weg eingeschlagen hätten wir wir. Ich denke, wir haben den richtigen gewählt. Hätten wir am Mittwoch innerhalb der ersten 24 Stunden
handeln müssen, so wären wir meiner Meinung nach bei unserer Wahl
nicht so vorsichtig verfahren, wie wir es schließlich taten: eine
Quarantäne gegen den Einsatz von Offensivwaffen.
Darüber hinaus hatte dies eine weit größere Wirkung, als wir
ursprünglich annahmen, weil die Sowjetunion es meines Erachtens
äußerst ungern gesehen hätte, wenn wir Schiffe angehalten hätten,
die einige ihrer geheimsten und bestbehüteten Waffentypen mit sich
führten. Der Grund für den Abzug der IL-28 durch die Sowjetunion
dürfte, wie ich annehme, zu einem Teil in der Tatsache zu suchen
sein, daß wir eine sehr intensive Luftbildaufklärung in niedriger
Höhe betrieben. Nun, niemand hätte wahrscheinlich geglaubt, daß
eine derartige Belästigung möglich wäre. Herr Castro konnte uns
nicht gestatten, die ausgedehnten Flüge über seiner Insel in 70 m
Höhe tagein, tagaus auf unbestimmte Zeit fortzusetzen; er wußte aber
auch, daß er sehr ernste Repressalien zu gewärtigen hätte, wenn er
eines unserer Flugzeuge abschießen würde. Es ist somit sehr schwierig,

-

2

-

�schwierig, sich jeweils ein Urteil darüber zu bilden, welche Auswirkungen unsere Entscheidungen in anderen Ländern zeitigen werden.
In diesem Falle, scheint mir, haben wir die richtige getroffen; 1961
trafen wir bezüglich Kubas die falsche.
MR. HERMAN: Ich möchte auf die Frage der Übereinstimmung und Ihr
Verhältnis zu dieser Übereinstimmung zurückkommen. Sie haben erklärt,
und auch die Verfassung besagt, die Entscheidung könne nur vom Präsidenten getroffen werden.
DER PRÄSIDENT: Sie kennen ja wohl die alte Geschichte von Abraham
Lincoln und seinem Kabinett. Er sprach: "Wer dafür ist, sage 'ja'",
und das ganze Kabinett stimmte mit "ja"; und dann, "wer dagegen ist,
sage 'nein'",und Lincoln stimmte allein mit "nein" und erklärte:
"Das Abstimmungsergebnis lautet 'nein1'." Natürlich, denn die Verfassung bürdet die Verantwortung dem Präsidenten auf. Der Kurs, den
wir schließlich einschlugen, fand keine ungeteilte Zustimmung;
der Kurs aber, den wir schließlich einschlugen, bot den Vorteil,
daß er uns auch noch andere Schritte gestattete, falls dieser erfolglos sein sollte. Mit anderen Worten, wir begannen in gewissem Sinne
mit einem Minimum. Wäre das alles nämlich ohne Erfolg geblieben, hätten wir allmählich weitergehen können bis zu wesentlich massiveren
Aktionen, die notwendig geworden wären, falls der erste Schritt keinen Erfolg gezeitigt hätte. Ich möchte annehmen, daß die Mehrheit
das schließlich einsah, wenngleich anfangs sehr scharfe Unterschiede
in den Auffassungen bestanden hatten. Das war schon sehr wertvoll,
weil die Beteiligten besondere Verantwortung in ihrem eigenen Bereich
trugen; Verteidigungsminister McNamara mußte mich demgemäß bezüglich
der militärischen Stärke der Vereinigten Staaten in jenem Gebiet beraten, der Außenminister mußte seine Beurteilung der Haltung der Organisation der amerikanischen Staaten (OAS) und der NATO geben. Meiner Meinung nach gelangte die Mehrheit auf diese Weise dahin, den Kurs zu bill
gen, den wir schließlich einschlugen. Das machte die Dinge leichter.
1961 war die Lagebeurteilung durch die von der Exekutive zugezogenen
Berater in der Kuba-Angelegenheit einmütig, und diese Lagebeurteilung
war falsch. Und ich trug die Verantwortung. Im Endeffekt läuft es
darauf hinaus, daß die Berater, gleichgültig wieviel an der Zahl,
häufig geteilter Auffassung sind, und der Präsident schließlich eine
Wahl zu treffen hat.
Der andere Gesichtspunkt kommt in Worten zum Ausdruck, die Präsident Eisenhower am 19« Januar (1961) an mich richtete. Er sagte:
"Dinge, die man an Sie als Präsident heranträgt, sind niemals belanglos. Handelt es sich um Belanglosigkeiten, dann werden sie auf
niedrigerer Ebene geregelt." Die Dinge, die einem als Präsidenten
vorgelegt werden, sind also immer schwierige Dinge und damit Dinge,
die weitreichende Konsequenzen haben. Das trägt dazu bei, einige der
Lasten des Präsidentenamtes zu vergrößern, wozu sich auch schon andere
Präsidenten geäußert haben.
MR. VANOGUR:

�MR. VANOCUR: Herr Präsident, während der Kuba-Krise bestand ein
Problem, mit dem Sie offensichtlich vertraut sind und das Ihnen
auch heute Sorge bereitet, die Möglichkeit nämlich, daß ein Präsident in streng vertraulichen und geheimen Besprechungen sich ausspricht und dann etwas davon nach außen dringt. Glauben Sie, daß
dies den freien und offenen Fluß an Ratschlägen behindert, die jeder Präsident doch haben muß?
DER PRÄSIDENT: Nein, ich finde es bedauerlich, daß solchermaßen Dinge
ausgeplaudert werden, aber allein beim Weißen Haus sind wohl an die
1300 Reporter akkreditiert, und es gibt meines Wissens 100 oder 150
Leute, die mehr oder weniger über das Bescheid wissen, was auf den
Tagungen des Sicherheitsrates vorgeht. Da sind einmal die Leute, die
selbst dabei sind, und da sind die anderen, die auf Grund der dort
getroffenen Entscheidungen Anweisungen erhalten - und ich weiß, Menschen reden nun einmal. Und wie ich zum Zeitpunkt des Kuba-Fehl Schlages im April 1961 sagte, hat der Erfolg hundert Väter, und die Niederlage ist ein Waisenkind. Ich glaube, wenn eine Sache gutgeht, dann
besteht auf allen Ebenen eine verstärkte Tendenz, darüber zu reden,
und solche Berichte sind oft ungenau. Ich möchte sagen, im Nationalen
Sicherheitsrat klappt es mit der Geheimhaltung recht gut. Wird sie
durchbrochen, ist das bedauerlich.
MR. VANOCUR: Trifft es zu, Herr Präsident, daß Sie sich im ersten Jahr
Ihrer Amtszeit verschiedentlich persönlich telephonisch mit dem Außenministerium in Verbindung gesetzt haben, um zu versuchen, eine Antwort
auf eine früher gestellte Anfrage zu erhalten?
DER PRÄSIDENT: Ja, das tue ich auch heute noch, wenn es angebracht
ist, denn nach meinem Dafürhalten besteht im Staatsdienst eine große
Neigung, Akten zu lange auf dem Schreibtisch zu behalten. Und mir
scheint, hier handelt es sich um eine echte Funktion: der Präsident
kann zwar kein Ministerium verwalten, aber er kann ihm immerhin Impulse geben.
MR. VANOCUR: Erinnern Sie sich an irgendeine bestimmte Antwort, die
Sie von einem Gesprächspartner im Außenministerium erhielten, der
einen derartigen Anruf nicht erwartet hatte - an irgendeine besondere
Antwort, die Ihnen irgend jemand gab?
DER PRÄSIDENT: Nein, sie reagieren immer, sie sagen immer "ja". Es
dauert einige Zeit, bis man das raus hat. Sie werden sich erinnern,
daß es mich, nachdem ich mit Herrn Chruschtschow in Wien zusammengetroffen war und sie (die Russen) uns ein Aide-memoire überreicht
hatten, mehrere Wochen kostete, um unsere Antwort, koordiniert mit
den Briten, den Franzosen und den Deutschen,über das Außenministerium
abzuschicken. Das dauerte viel zu lange. Nun, ich habe den Eindruck,
daß es uns gelungen ist, diesen Prozeß zu beschleunigen; das Ganze
bleibt aber ein ständiges Problem in verschiedenen Ministerien. Von
jeder Entscheidung werden so viele Interessen berührt. Ob die Entscheidung Afrika oder Asien betrifft, sie geht auch die Europa-

- 4 -

�Europa-Abteilung an, sie geht die zuständige Abteilung an, sie geht das
Verteidigungsministerium an, sie kann das Zentralamt für Nachrichten
und Abwehr (CIA) berühren, sie geht in den meisten Fällen das Finanzministerium an, sie kann die Weltbank angehen, sie geht die Delegation
bei den Vereinten Nationen an. Mir scheint es eine der Funktionen des
Präsidenten zu sein, auf eine beschleunigte Erledigung all dieser
Dinge zu dringen. Andernfalls kann man warten, während die Welt zusammenstürzt.
MB. VANOCUR: Sie haben einmal gesagt, daß Sie jetzt mehr, aber weniger
gerne lesen. Sind Sie immer noch so ein unersättlicher Zeitungs- und
Zeitschriftenleser? Ich erinnere mich - wir alle, die wir Sie auf Ihrer Wahlkampagne begleitet haben -, daß damals in Ihrem Umkreis keine
Zeitschrift vor Ihnen sicher war»
DER PRÄSIDENT: 0 ja. Nein, nein, ich glaube, das ist von unschätzbarem
Wert, auch wenn es einem - es ist niemals angenehm, wenn man etwas liest
was nicht erfreulich ist, aber ich würde sagen, daß das dem Präsidenten eine unschätzbare Möglichkeit gibt, wirklich zu kontrollieren, was
in der Verwaltung passiert, und so erfahre ich mehr Dinge, die für
mich von Belang und wissenswert sind. So möchte ich meinen, daß Herrn
Chruschtschows totalitäres System, das hinsichtlich der Fähigkeit zu
geheimen Maßnahmen usw. viele Vorteile bietet, doch den kolossalen
Nachteil hat, daß man selbst und die ganze Regierung nicht täglich der
Schmirgelwirkung der Presse ausgesetzt ist, auch wenn es einem nicht
paßt und auch wenn man wünschte, sie würden das nicht schreiben; und
selbst wenn man das mißbilligt, so gibt es doch keinen Zweifel, daß
wir unsere Aufgabe in einer freien Gesellschaft ohne eine sehr, sehr
aktive Presse überhaupt nicht erfüllen könnten.
Andererseits ist die Presse dafür verantwortlich, daß die Dinge
nicht zu politischen Zwecken entstellt werden, daß man nicht irgendwelche Meldungen herausgreift, um eine politische These zu beweisen.
Meiner Meinung nach ist es ihre Pflicht, der Verwaltung so streng wie
möglich auf die Finger zu sehen, aber immer in dem Bestreben, der
Wahrheit so nahe wie möglich zu kommen, und nicht bloß aus irgendwelchen politischen Beweggründen.
MR. LAWRENCE: Herr Präsident, wie beurteilen Sie im Licht der Wahlergebnisse, die zumindest auf der Kongreßebene sicherlich die republikanischen Hoffnungen zunichte machten, Ihre Aussichten auf bedeutsame
innenpolitische Erfolge in der kommenden Kongreßperiode?
DER PRÄSIDENT: Nun, ich denke, unsere Position wird etwa dieselbe sein
wie in den letzten zwei Jahren. Ich meine damit, daß kontroverse Dinge
sehr hart umkämpft sein werden.
MR. LAWRENCE: Hat sich das Stimmungsbild des Repräsentantenhauses
durch die Verschiebungen nicht ein wenig verändert?
DER

�DER PRÄSIDENT: Ich würde sagen, ein bißchen zu unseren Ungunsten.
Unsere Situation ist nicht ganz so gut wie in den letzten zwei Jahren,
aber wir stehen ungefähr wieder dort, wo wir in den letzten zwei Jahren
waren, das heißt, daß bei jeder Abstimmung drei bis vier Mehrstimmen
auf dieser oder jener Seite über Sieg oder Niederlage entscheiden.
MR. LAWRENCE: Rechnen Sie zum Auftakt wieder mit einer Grundsatzentscheidung in der Auseinandersetzung über den GeschäftsordnungsaUsschuß?
DER PRÄSIDENT: Ich hoffe, daß es bei der gegenwärtigen Mitgliederzahl des
Geschäft sordnungsausathusses bJeibt, weil wir andernfalls nicht arbeitsfähig sind. Wir sind unten durch, wenn wir verlieren - wenn sie versuchen, die Geschäftsordnung zu ändern. In diesem Falle käme- keine ..
kontroverse Vorlage mehr vor das Plenum, würde meiner Meinung nach
unser ganzes Programm ausgehöhlt.
MR. LAWRENCE: Als Sie noch ein junger Abgeordneter waren, haben Sie
selbst für die Beschränkung der Amtsdauer der Präsidenten auf zwei
Perioden gestimmt. Würden Sie jetzt, nachdem Sie dieses Amt selbst eine
Zeitlang bekleidet haben und auch die Auswirkungen auf Präsident Eisenhowers zweite Amtsjeriode beobachten konnten, erneut dafür stimmen, auch
wenn Sie selbst von der Änderung nicht betroffen wären?
DER PRÄSIDENT: Ja, ich würde es tun, gewiß. Ich weiß, daß 1947 besondere Umstände herrschten, aber ich glaube, acht Jahre sind genug, und
ich bin nicht sicher, ob ein Präsident - wie in meinem Falle, wenn ich
wiedergewählt würde -,ob man dann so sehr benachteiligt wäre. Es gibt
nicht viele Stellen zu besetzen. Das gehört überhaupt nicht zu den Befugnissen der Präsidentschaft, die Ämterpatronage. Sie werden in den
ersten Monaten besetzt. Die meisten dieser Stellen sind ohnehin den
Kongreßmitgliedern vorbehalten. Somit spielt die Patronage keine Rolle.
Ich glaube, es gibt viele andere Befugnisse der Präsidentschaft, die
in der zweiten Amtsperiode genauso gehandhabt werden wie in der ersten.
MR. VANOCUR: Herr Präsident, was diesen Punkt betrifft...
DER PRÄSIDENT: Tatsächlich besitzt Präsident Eisenhower heute in der
Republikanischen Partei großen Einfluß und deshalb auch im ganzen Lande.
Und er hat großen außenpolitischen Einfluß, obwohl er keinerlei Amt
bekleidet. In mancher Hinsicht ist sein Einfluß sogar in gewissem Grade
gewachsen. Dasselbe gilt effektiv auch für Präsident Truman und Präsident Hoover. Ich glaube nicht, daß es davon abhängt... der Präsident
hat auch noch in seiner zweiten Amtsperiode gewichtigen Einfluß wenngleich ich selbst noch nicht in der zweiten Amtsperiode bin -, das
kann man wohl sagen.
MR. VANOCUR: Herr Präsident, was diesen Punkt betrifft, so bedarf ein
großer Teil Ihres Programms noch der Zustimmung des Kongresses. Manche
Leute meinen, daß Sie das entweder in den kommenden zwei Jahren schaffen
oder überhaupt nicht mehr, selbst wenn Sie für eine zweite Amtsperiode
wiedergewählt werden. Sind Sie auch dieser Ansicht?
DER
6

�DER PRÄSIDENT: Nein, Erstens glaube ich, daß wir schon eine Menge
geleistet haben. Ich habe mir neulich einmal vergegenwärtigt, was
wir im Januar 1961 in Angriff genommen hatten, und im Hinblick auf
die Steuern, die soziale Sicherheit, die Änderungen in der Sozialgesetzgebung, die Strukturverbesserung in Notstandsgebieten, die
Mindestlöhne, das Friedenskorps, die Allianz für den Fortschritt,
die Abrüstungsbehörde, die Stärkung der Landesverteidigung und den
Ausbau unseres Weltraumprogramms muß ich sagen, wir haben das alles
erreicht, auch das Außenhandelsgesetz*, vielleicht nicht in jedem
Fall in dem ursprünglich: von uns vorgeschlagenen Ausmaß, aber doch
beträchtliche Fortschritte. Ich meine, wir können in den nächsten
zwei Jahren noch mehr schaffen.
Ich möchte meinen, daß es - sollte ich im Jahre 19^5 wiedergewählt werden - neue Probleme geben wird, und ich sehe in einer zweiten
Amtszeit nicht notwendigerweise einen Niedergang. Ich bin ganz und
gar nicht dieser Meinung. Ja, ich glaube, man weiß dann weitaus mehr
über das Amt. Es ist ein gewaltiger Wechsel vom Senator zum Präsidenten. In den ersten Monaten ist es überaus schwierig. Aber ich
habe keinen Grund, anzunehmen, daß ein Präsident mit den Machtbefugnissen dieses Amtes und der Verantwortung, die diesem Amt auferlegt ist, - falls er befindet, daß dies oder jenes getan werden
müsse - es in der zweiten Amtszeit nicht genausogut tun kann wie
in der ersten, wobei dies natürlich von der Zusammensetzung des
Kongresses abhängt. Tatsache ist, daß mit der Kongreß, von meiner
jetzigen Warte aus gesehen, weit mächtiger erscheint als damals, als
ich noch selbst im Kongreß saß. Das liegt jedoch daran, daß man als
Mitglied des Kongresses einer von 100 im Senat oder einer von 435
im Repräsentantenhaus ist, so daß die Macht also geteilt ist. Aber
in meinem jetzigen Amt sehe ich mich einem bestimmten Kongreß gegenüber, der kollektiven Macht des Kongresses, insbesondere der Blockierung
von Vorlagen, und das ist eine wesentliche Macht.
MR. VANOCUR: Herr Präsident, wie Sie gesagt haben, beginnt die Macht
wie auch die Nächstenliebe zu Hause. Und Sie scheinen nun im Hinblick
auf das, was wir hier in den USA tun müssen, eine Ansicht, und der
Kongreß scheint eine andere Ansicht zu haben. Für die Verteidigung
und die nationale Sicherheit wird eine Menge Geld bewilligt werden,
aber es besteht eine gewisse Abneigung, für eine andere Form der Kapitalinvestition - nämlich das Erziehungswesen - und ähnliche innenpolitische Programme Gelder einzusetzen. Ist dies lediglich eine Frage
der Mittel oder liegt es an den (mit dieser Angelegenheit verbundenen)
kirchlichen Aspekten, daß Sie kein Erziehungsgesetz durchbringen?
DER PRÄSIDENT: Nun, im Hinblick auf das Erziehungswesen ist die Frage
zweifellos, wie die Mittel verteilt werden; wie sie aufgeteilt werden,
ist einer der Faktoren. Eine weitere Angelegenheit, die hinzukommt,
ist die Frage der Integration. Ich glaube, Sie wissen, daß Thomas
Jefferson einmal gesagt hat, wolle man erwarten, daß das Volk unwissend und frei sei, so würde man etwas erwarten, was es noch niemals
gegeben habe und niemals geben werde. Im Jahre 1970 wird es bei uns
doppelt soviel junge Menschen geben, die ein College besuchen wollen,
wie im Jahre i960. Das bedeutet, daß wir in zehn Jahren so viele

- 7 -

�so viele Schulgebäude erstellen müssen wie in den 1 60 Jahren der
Geschichte unseres Landes zusammengenommen.
Ferner haben wir diese Millionen junger Menschen, die die Schule
verlassen und noch keine Ausbildung haben - und dies zu einem Zeitpunkt, wo geschulte und keine ungelernten Arbeitskräfte benötigt werden. Wir brauchen also Gelder für ihre Ausbildung in Berufsschulen,
für die Umschulung von Arbeitern, für Unterstützungsfonds für Colleges,
und dann wiederum Gelder, um diejenigen unterstützen zu können, die
promovieren oder ein ingenieurwissenschaftliches, naturwissenschaftliches und mathematisches Studium fortführen wollen. Auf diesem Gebiet
gibt es bei uns ernste Mängel, und doch streben wir nach dem Weltenraum, der Verteidigung und allem übrigen. Die Sowjetunion konzentriert
sich hierauf. Für alle diese Dinge sind also Geldmittel erforderlich,
aber dies alles ist umstritten, Einige Leute sind der Ansicht, daß
die Bundesregierung hierbei keine Rolle spielen sollte. Und doch hat
gerade die Bundesregierung - seit dem Gesetz über die Landschenkung
an Hochschulen (Land-grant Act) und zurück bis zu dem Gesetz über die
Schaffung des Nordwest-Territoriums (Northwest Ordinance) - hierbei
eine wichtige Rolle gespielt. Meiner Ansicht nach hat die Bundesregierung auf dem Gebiet des Erziehungswesens eine große Verantwortung. Wir
können nicht unsere Stärke auf industriellem, militärischem, wissenschaftlichem und sozialem Gebiet aufrechterhalten, wenn wir nicht über
eine gebildete Bürgerschaft verfügen. Und ich bin der Oberzeugung, daß
die Bundesregierung eine Rolle spielen muß. Wir werden also dem Kongreß ein Programm unterbreiten. Auf Grund der Tatsache, die Sie erwähnten, und auch aus anderen Gründen waren wir zwar nahe daran, das
Erziehungsgesetz durchzubringen, hatten dann aber bedauerlicherweise
keinen Erfolg.
MR. LAWRENCE: Herr Präsident, wurde das Problem, ein Erziehungsgesetz

in diesem Jahre durchzubringen, durch die Ereignisse in Oxford, Mississippi, und durch den Einsatz von Bundestruppen dort noch erschwert?
DER PRÄSIDENT: Ja, ich denke schon.
MR. LAWRENCE: Wie-wollen Sie ankämpfen gegen diese neue...?
DER PRÄSIDENT: Wie ich schon sagte, ist dies ein Fall, bei dem wir es
fast geschafft haben; auch Präsident Eisenhower hatte es beinahe geschafft, und wir waren einmal nahe daran, wir konnten eine Gesetzesvorlage durch das Repräsentantenhaus bringen, durch den Senat, beinahe
durch das Haus, und schafften es doch nicht. In einem weiteren Versuch,
der dem höheren Schulwesen galt, erhielten wir die Zustimmung des Senats
und des Hauses, und dann scheiterte er, scheiterte am Vermittlungsausschuß. Nun, Oxford, Mississippi, wodurch das ganze Problem Bundesregierung und Erziehungswesen noch heikler geworden ist - ja, ich nehme
schon an, daß es in einigen Teilen der Vereinigten Staaten als Faktor
gelten wird,der nachteilig für uns sein wird. Ich weiß aber wirklich
nicht, wie der Präsident der Vereinigten Staaten Ihrer Meinung nach
anders hätte handeln sollen. Das Gericht, das sich aus Richtern der
Südstaaten zusammensetzte, entschied, daß es im Einklang mit der

-

8 -

�der Verfassung sei, wenn Mr. Meredith an die Universität von
Mississippi gehe. Der Gouverneur von Mississippi widersetzte sich
dem, es gab Tumult und Aufruhr um Mr. Meredith, wodurch sein Leben
gefährdet, wurde. Wir entsandten daraufhin die Bundesvollstreckungsbeamten (Marschälle), und es wurden immerhin von den vier-- oder
fünfhundert Beamten - von denen wenigstens Dreiviertel selber aus
dem Süden kamen - 150 oder 160 auf die eine oder andere Weise verwundet. Als es so aussah, als ob diese Beamten überrannt werden würden, entsandten wir schließlich Truppen. Ich glaube nicht, daß jemand,
der die Situation überdenkt, glauben kann, daß uns irgendeine
andere
Möglichkeit blieb. Andererseits freilich gebe ich zu, daß dies viel
Bitterkeit mir und der Bundesregierung gegenüber in Mississippi und
anderen Teilen der USA verursacht hat» Man erwartet doch von mir,
daß ich gemäß meinem auf die Verfassung geleisteten Eid handele, was
wir auch tun werden. Aber es macht es noch schwieriger, ;ein Erziehungsgesetz durchzubringen. Aus all diesen Gründen aber dürfen wir diesen
großen Kraftquell unserer Jugend nicht vernachlässigen. Vielmehr
müssen wir. uns an die Arbeit machen und sehen, daß diese Schulen gebaut
werden, die Lehrer ein entsprechendes Gehalt bekommen und die höhere
Schulbildung all diesen Jungen und Mädchen ermöglicht wird. Jedesmal,
wenn ich durch unser Land fahre, sehe ich da die vielen Sechs-, Siebenund Acht- und Neunjährigen, die sich in unsere Schulen und Colleges drängen, und jeder Gouverneur wird Ihnen dann sagen, daß der Bau von Schulen
und Ausbildungsstätten eines seiner Hauptprobleme ist,(und)wo die Bundesregierung eine Verantwortung hat.
MR. VANOCUR: Glauben Sie, daß wir uns einen Augenblick dem Thema der
Aufgabe und Verantwortung des Präsidenten in der Außenpolitik zuwenden
könnten? Als damals, an jenem Montag ein Kongreßmitglied mit den von
Ihnen getroffenen Maßnahmen in bezug auf Kuba nicht einverstanden war ist die Aufgabe, die Ihnen auf Grund der Verfassung zukommt, sehr klar,
aber in Fragen der Innenpolitik ist diese Aufgabe und Verantwortung
geteilt. Wie nutzen Sie die Präsidentschaft - diese 'Antreiber-Kanzel',
um mit Theodore Roosevelt zu sprechen -, um diese Leute dort auf dem
Kapitol, die wirklich so etwas wie Barone und Souveräne sind, in Bewegung zu bringen? Haben Sie Möglichkeiten, sie zu einer Aktion zu veranlassen, die Ihrer Überzeugung nach unbedingt notwendig ist?
DER PRÄSIDENT: Nun ja, die Verfassung und die Entwicklung des Kongresses
begünstigen eine Verzögerung. Es ist sehr leicht, eine Ge,setzesvorlage
im Kongreß zu Fall zu bringen. Viel schwieriger ist es dagegen, eine
durchzubringen. Durch einen Ausschuß durchzukommen, sagen wir mal, durch
den Ausschuß für Haushaltsfragen, durch den Unterausschuß, und dort
eine Mehrheit zu erlangen, dann durch den Gesamtausschuß und wieder
eine Mehrheit zu erlangen, zu dem Geschäftsordnungsausschuß zu gehen
und die Sache auf die Tagesordnung zu bringen; dann vor das Repräsentantenhaus zu kommen und wieder eine Mehrheit zu erzielen, das Ganze
noch einmal von neuem im Senat zu beginnen, mit Unterausschuß und Gesamtausschuß - und dabei ist die Debatte im Senat nicht begrenzt, so
daß man eine Sache nie zur Abstimmung bringen kann, wenn auf Seiten der
Gegner genügend Entschlossenheit vorhanden ist, selbst wenn sie sich
in der Minderheit befinden -, die Gesetzesvorlageu durch den Senat
zu bringen und dann einstimmig im Vermittlungsausschuß zwischen Haus
und Senat eine Kompromißfassung zustande zu bringen oder aber, wenn

- 9 -

�wenn ein Mitglied Einspruch dagegen erhebt, die Vorlage wieder zurückzuleiten durch den Geschäftsordnungsausschuß, durch den Kongreß,
und dies alles bei einer umstrittenen ßesetzesvorlage, bei der machtvolle Gruppen opponieren, das ist eine außerordentlich schwierige
Aufgabe. Lies ist also der Kampf, den ein Präsident führen muß, der
ein Programm im Kongreß durchbringen will, und besonders dann, wenn
auf Grund des Anciennitätsprinzips bestimmte Personen Schlüsselpositionen innehaben, die diesem Programm in keiner Weise aufgeschlossen
gegenüberstehen und die vielleicht sogar, obwohl sie Mitglieder der
eigenen Partei sind, in politischer Opposition zum Präsidenten stehen
aber dies ist ein Kampf, den jeder Präsident durchstehen mußte, der
ein Programm im Kongreß durchzubringen versucht hat. So ist zum Beispiel Franklin D. Roosevelt 1936 mit der größten Mehrheit in der Geschichte gewählt worden und erlitt seine schwerste Niederlage wenige
Monate später mit dem Gesetz über den Obersten Bundesgerichtshof.
Der Kongreß und das Präsidialamt verkörpern also zwei verschiedene Institutionen und zwei verschiedene Gewalten. Sie müssen zwangsläufig in Konflikt miteinander geraten, aber sie müssen auch so gut
wie möglich zusammenarbeiten. Das ist aber auch der Grund, warum kein
Programm eines Präsidenten jemals angenommen wurde. Nur dann ist ein
Programm eines Präsidenten schnell und leicht angenommen worden,
wenn es unwesentlich war. Aber wenn es von Bedeutung ist, wichtige
Interessen berührt und umstritten ist, dann kommt es zum Kampf,
und der Präsident ist dabei niemals ganz erfolgreich.
MR. VANOCUR: Herr Präsident, ist es richtiger, ein Gesetz, das völlig
verwässert ist, an dem Sie aber großes Interesse nehmen, zu akzeptieren oder seine Ablehnung hinzunehmen in der Hoffnung, dadurch die
öffentliche Meinung zur Unterstützung dieses Gesetzes zu einem späteren Zeitpunkt zu mobilisieren?
DER PRÄSIDENT: Nun, ich möchte sagen, daß es unter den von Ihnen genannten Bedingungen meines Erachtens besser ist, die Niederlage hinzunehmen. Was aber gewöhnlich eintritt und was in den vergangenen zwei
Jahren auch geschehen ist, war, daß eine ganze Menge unserer Gesetze
in einer annehmbaren Form verabschiedet wurde, doch nicht so, wie wir
sie vorgelegt hatten. Der Kongreß hat ebenseinen eigenen Willen, seine
eigenen Ansichten und sein eigenes Urteil, und er steht dem Volk nahe,
Das gesamte Repräsentantenhaus ist gerade erst neu gewählt worden.
So ist es nur natürlich, wenn die Abgeordneten die Dinge aus anderer
Sicht sehen als ich. Ich möchte also sagen, was wir tun müssen, ist,
es so gut wie möglich zu machen. Aber wenn ein Gesetz völlig verwässert ist, wäre es sinnlos, ein Fünkchen Erfolg haben zu wollen
statt eines gehaltvollen Gesetzes.
MR. LAWRENCE: Herr Präsident, zur Ausübung der Ihnen als Präsident
zur Verfügung stehenden Macht - und ich glaube, dafür war vielleicht
das bekannteste, in weitesten Kreisen erörterte Beispiel die Zurücknahme der von denl Stählgesellschaften bereits verkündeten Stahlpreiserhöhung - haben einige Leute angedeutet, daß Sie, nun rückschauend,
vielleicht doch nicht so energisch gehandelt haben würden. Inwieweit
ist diese Annahme richtig?
DER

-

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�DER PRÄSIDENT: Ich muß sagen - wenn ich auch nicht gern an alte Wunden
rühre - daß daraus eine sehr ernste Situation hätte werden können.
Die Situation, denke ich, wäre, eben weil ein Vertrauensfaktor mit
im Spiele war, sehr ernst geworden, hätte ich nicht versucht, meinen ganzen Einfluß geltend zu machen, um die Stahlpreiserhöhung rückgängig zu machen. Die Stahlarbeitergewerkschaft hatte die für sie
rigoroseste Regelung seit dem Ende des zweiten Weltkrieges akzeptiert;
das war drei oder vier Monate vorher geschehen. Sie tat es wohl auch
zum Teil deshalb, weil ich gesagt hatte, wir könnten uns ein weiteres
Hochschrauben der inflationistischen Spirale nicht leisten, dies gefährdete unsere Wettbewerbsfähigkeit gegenüber dem Ausland. So unterzeichneten sie. Unmittelbar nachdem ihr jüngstes Abkommen unterschrieben war - das war am Freitag oder am Sonnabend davor - setzte auf einmal die Stahlindustrie ihre Preise herauf. Mir schien, daß jetzt Treu
und Glauben auf dem Spiele standen und daß die Gewerkschaft, nachdem
ich sie gebeten hatte, die nichtinflationistische Regelung zu akzeptieren, zu Recht den Eindruck bekommen könnte, getäuscht worden zu
sein, wenn ich bei der Stahlindustrie nicht meinen Einfluß dahin geltend machte, ihre Preise stabil zu halten. Meiner Ansicht nach wären
jegliche TarifVerhandlungen zwischen den Sozialpartnern gefährdet worden, wäre uns jede künftige Einflußnahme - vom Standpunkt der Öffentlichkeit - auf große Auseinandersetzungen zwischen den Sozialpartnern,
die wahrlich öffentliche Interessen berühren, unmöglich gemacht worden.
Deshalb bedaure ich nichts. Tatsache ist jedenfalls, daß wir Erfolg
hatten.
Angenommen, wir hätten versucht, dies in einer Rede des langen
und breiten zu behandeln, und wären dann gescheitert. Ich meine, das
hätte einen schweren Rückschlag für das Ansehen des Amtes des Präsidenten bedeutet. Wenn ich heute zurückdenke - ich glaube, ich würde
ein zweites Mal nicht anders handeln, als ich damals gehandelt habe.
Es hat keinen Sinn, erst großen Krach zu schlagen, wenn man mit seinen Ansichten dann doch nicht durchdringt. Es hat keinen Sinn, bei einer Streitfrage das Ansehen des Amtes des Präsidenten in die Waagschale zu werfen, wenn man dann doch klein beigeben muß. Nun, eine unglückliche Rückwirkung dieser ganzen Angelegenheit war die Überzeugung, daß
sich die Regierung in eine Reihe von Angelegenheiten der Sozialpartner
oder überhaupt in die Frage der Organisation des freien Unternehmertums
einmischen könnte. Es war bedauerlich, daß aus diesem besonderen Fall
allgemeine Schlußfolgerungen gezogen wurden. Aber ich muß sagen, daß
wir angesichts des Problems, dem ich mich an jenem Dienstagabend gegenübersah, alles unternehmen mußten, um den Gang der Ereignisse umzukehren.
MR. LAWRENCE: Herr Präsident, Ihr Vorgänger, Präsident Eisenhower, warnte in seiner Abschiedsbotschaft an das amerikanische Volk unmittelbar
vor der Übergabe seines Amtes vor den Gefahren eines möglichen militärisch-industriellen Übergewichts, das die Demokratie in ihrem ureigensten Wesen gefährden könne. Sind Sie sich dieser Gefahr in Ihrer bisherigen Amtszeit überhaupt bewusst geworden?
DER PRÄSIDENT: Nun, davon war vielleicht vor Monaten mehr zu spüren als
heute, möchte ich sagen. Natürlich werden bei der Einstellung der Produktion eines Waffensystems immer Tausende von Menschen , die Interessen
eines

�eines Gemeinwesens, die Interessen von Mitgliedern des Kongresses, die
Interessen des betreffenden Bundesstaates berührt. So dauert beispielsweise das Tauziehen um die Bomber vom Typ B-70 schon eine ganze Weile
an. Sie sind unserer Ansicht nach als Waffe einfach nicht wert, was sie
kosten würden. Aber es ist ein sehr mühsames Ringen mit dem Kongreß.
Zweimal hat der Kongreß schon die Mittel für das Programm bewilligt,
zweimal haben wir dieses Geld nicht ausgegeben. Aber ich muß sagen, daß
wir, so wie die Lage heute ist, auch keinem übermäßigen Druck ausgesetzt
sind.
MR. LAWRENCE: Nun, Sir, ich las in dieser Woche in einem unserer großen
Magazine mit besonderem Interesse eine Annonce, eine zweiseitige farbige Anzeige, die für die Skybolt-Rakete warb.
DER PRÄSIDENT: Ja, die Anzeige habe ich gesehen.
MR. LAWRENCE: Und darin wurde die Rakete als besonders erfolgreich gepriesen - kein Wort von Mißerfolgen, obgleich Sie auf fünf Fehlschläge
hingewiesen hatten. Und es hieß weiter darin, daß mit diesem Waffensystem, würde es weiterentwickelt, Milliarden Dollar an Steuergeldern eingespart würden. Sahen Sie darin den Versuch, Druck auf Sie auszuüben?
DER PRÄSIDENT: Ich glaube schon, daß man damit versuchte, unsere Entscheidung zu beeinflussen. Daran ist nichts Verwerfliches. Tatsache ist,
daß die Skybolt für die Zukunft der Douglas Company von größter Bedeutung ist. Tausende von Betriebsangehörigen arbeiten daran. Viele Leute
in den Vereinigten Staaten sind der Ansicht, daß dieses Programm nützlich sei, und natürlich sind die Briten sehr daran interessiert. So meine ich schon, daß die Annonce ein Versuch war, mich und Mr. McNamara auf
die Tatsachen oder das, was nach Ansicht der Douglas Company die Tatsachen sind, anderweitig aufmerksam zu machen. Ich habe erst heute die Anzeige gesehen. Das einzige, worauf wir hinweisen sollten, ist, daß es
um zweieinhalb Milliarden Dollar geht, um daiait eine Waffe zu bauen, mit
der unsere B-52-Bomber ausgerüstet werden sollen - zu einer Zeit, wo wir
bereits Milliarden in POLARIS und MINUTEMAN investiert haben und wo schon
von der Entwicklung der TITAN III und anderer Raketen die Rede ist. Es
gibt einfach eine Grenze dafür, wieviel wir brauchen, und auch wieviel
wir uns leisten können für ein erfolgreiches Abschreckungsmittel. Wir haben unsere U-Boote, wir haben MINUTEMAN-Raketen auf dem Kontinent, wir
haben B-52-Bomber und zum Teil noch B-47 im Einsatz, und wir haben die
taktischen Streitkräfte in Europa. Wenn es um die Frage geht, mit wieviel Megatonnen Schlagkraft wir für einen Atomkrieg gerüstet sind, so
würde ich sagen, daß das, was uns zur Verfügung steht, einfach Vernichtung bedeutet. Wie oft, meinen Sie, muß man ein Ziel mit Atomwaffen treffen? Wenn nun von diesen 2,5 Milliarden Dollar die Rede ist, so glauben
wir einfach nicht, daß wir dafür etwas Gleichwertiges für die nationale
Sicherheit eintauschen. Nun, ich weiß, daß manche anderer Meinung sind
als wir, aber das ist nun einmal unsere Ansicht.
MR. HERMAN: Im Zuge des technischen Fortschritts, Herr Präsident, scheinen neue Waffensysteme und neue Geräte, die für die Zukunft des Landes
lebenswichtig sein können, immer aufwendiger zu werden und immer mehr
Arbeitskräfte zu absorbieren. Steuern wir auf einen Punkt zu, an dem wir,
ist die Produktion eines neuen Waffensystems erst einmal angelaufen,
uns bereits soweit engagiert haben, daß wir fast gezwungen sind, e_s_

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�es weiterzuführen, weil ein Aufhören unsere Wirtschaft aus den Fugen
brächte, Tausende arbeitslos würden und so fort?
DER PRÄSIDENT: Nun ja, es ist ein Problem, zumal solche Systeme in
der Regel zwei-, drei- oder viermal so kostspielig sind, als es
anfangs scheint. Eines der Probleme, mit denen wir uns jetzt befassen,
ist die Frage, ob wir mit dem Nike-Zeus-System, einem Anti-RaketenSystem, herauskommen sollten. Wir hoffen nämlich eines Tages ein System zu entwickeln, das es uns erlaubt, einfliegende Projektile im
Flug abzufangen und unschädlich zu machen und damit einen atomaren
Angriff auf die Vereinigten Staaten ganz auszuschalten. Aber das
wird Milliarden kosten. Und es ist sinnlos, eine Produktion voranzutreiben, solange das System nicht vollkommen ist. Manche denken, der
Zeitpunkt sei jetzt gekommen, aber wir wollen noch weitere Untersuchungen abwarten. Doch gibt es keinen Zweifel, daß, wenn man keine
B-70 oder keine Skybolts baut, davon Tausende Arbeitsstellen, das
Wohlergehen von Gemeinden, betroffen werden, und das ist eines unserer
schwierigsten Probleme. Andererseits, können wir nicht zulassen, daß
unser Verteidigungsbudget uns über den Kopf wächst. Wir geben jetzt
52 Milliarden Dollar pro Jahr aus, eine ungeheure Summe, und wir
könnten 60 oder 65 Milliarden ausgeben, wenn wir uns nicht beschränkten, so gut wir können.
MR. HERMAN: Erhielt das Nike-Zeus-Programm durch Herrn Chruschtschows
Prahlerei, er könne jederzeit und überall eine Fliege in der Luft
treffen, neuen Auftrieb?
DER PRÄSIDENT: Mag er eine Fliege treffen - ob er aber tausend Fliegen
mit Ködern treffen könnte... Sehen Sie, jedes einfliegende Projektil
kann vier oder fünf Projektile mit sich führen. Jedenfalls könnten
sie als Projektile erscheinen, und der Radarschirm muß diese aufspüren
und bei Fluggeschwindigkeiten von Tausenden von Kilometern in der Stunde
und bei Hunderten ankommender Flugobjekte herausfinden, welches nun
das echte Projektil ist und welches die Köder sind. Das ist eine unerhört schwierige Aufgabe. Man kann eines treffen, man versucht im Grunde,
eine Gewehrkugel mit einer Gewehrkugel abzuschießen. Wenn nun Tausende
Gewehrkugeln auf einen zukommen, so ist dies eine ungemein schwere
Aufgabe, die wir noch nicht gemeistert haben - und ich glaube nicht,
daß er sie bereits gemeistert hat. In der günstigeren Position ist der,
der angreift.
MR. HERMAN: Sie meinen, er hat die Kunst, eine Kugel zu treffen, gemeistert?
DER PRÄSIDENT: Ja. Das haben wir auch.
MR. LAWRENCE: Herr Präsident, Sie sprachen neulich von den Gefahren
und Schwierigkeiten unzulänglicher Nachrichtenverbindungen zwischen
uns und der Sowjetunion, wie die Kubakrise sie deutlich gemacht hat.
Ich meine, es wäre ein noch ernsteres Problem, wenn Ihr Radarschirm
Projektile, oder was als solche erscheint, in größerer Zahl aufzeigen
würde?
DER
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-

�DER PRÄSIDENT: Ja. Gut, es gibt - Eines der Argumente dafür, das Flugzeug weiter zu bauen, ist, daß, wenn Sie einfliegende Projektile ausgemacht haben, Sie Ihre Plugzeuge starten lassen und in der Luft halten könnten. Wenn sich das Ganze als falscher Alarm herausstellen sollte, könnten Sie sie zurückbeordern. Mit Projektilen,können Sie das nicht,
und der Präsident könnte ohne umfassende Informationen zu haben gezwungen sein, eine Entscheidung innerhalb von.15 Minuten zu treffen. Sie
erinnern sich an den Fall, wo der aufgehende Mond eine Vielzahl von einfliegenden Projektilen vortäuschte? Natürlich ist das mehrere Jahre her.
Doch dies scheint mir eine allzugroße Vereinfachung. Tatsache ist, daß
die Vereinigten Staaten ziemlich lange warten könnten, weil wir Raketen
in festen Stellungen haben, und diese Raketen könnten immer noch abgefeuert werden und die Sowjetunion vernichten, ebenso wie die U-Boot-Polarisraketen es könnten. So besteht keine Gefahr, denke ich, daß wir auf
Grund unvollständiger und ungenauer Informationen Feuerbefehl geben würden, weil uns nur fünf oder sechs Minuten Zeit für.eine Entscheidung zur
Verfügung steht. Ich meine, allein die Polaris macht es uns möglich, so
lange abzuwarten, bis wir genügend Informationen an der Hand haben, und
daß er weiß, daß wir die Sowjetunion vernichten könnten. Gerade darin
liegt die Abschreckung. Wenn er seine Raketen einmal abgefeuert hat, ist
sowieso alles vorüber, weil wir genügend Reserven haben, um zurückzufeuern und die Sowjetunion zu vernichten. Wenn dieser Tag kommt, wenn es zu
einem massiven Feuerwechsel kommt, dann bedeutet dies das Ende, weil wir
dann von Westeuropa, der Sowjetunion, den Vereinigten Staaten, von 150
Millionen Toten in den ersten 18 Stunden sprechen. Und Sie könnten weiter geheni wenn jede Seite.auf Städte zielt, um so viele Menschen wie
nur möglich in allen diesen Gemeinwesen mit allen zur Verfügung stehenden Waffen zu töten. Sie könnten weiter töten und weiter feuern. Das ist
es, was das atomare Zeitalter zu einer so gefahrvollen Zeit macht, und
warum ich so oft diese Reden lese darüber, wer dieses oder jenes tun müsse; ich aber meine, sie sollten auf das achten, was zur Debatte steht.
MR. LAWRENCE« Wie dringend ist die Notwendigkeit einer schnelleren Nachrichtenverbindung zu uns und der Sowjetunion?
DER PRÄSIDENT« Sie wäre wünschenswert. Es ist nicht - Wenn er seine Projektile abgefeuert hat, hilft es uns wenig, einen direkten Draht zum
Kreml zu haben und ihn zu fragen, ob es wirklich wahr sei. Aber ich denke, daß es besser sei, wir wären schneller als wir es heute,sind* Es dauerte mehrere Stunden im Falle Kubas, und ich denke, eine Nachrichtenverbindung ist wichtig. Ebenso wie mit dem Kreml sind auch unsere Nachrichtenverbindungen mit einem großen Teil Lateinamerikas unzulänglich, und
wir wissen häufig nicht, was sich dort abspielt. Eben weil Informiertsein
wesentlich für eine Entscheidung ist, versuchen wir unsere Nachrichtenverbindungen in der ganzen Welt zu verbessern.
MR. VANOCUR« Herr Präsident, haben Sie, seit Sie Ihr Amt übernommen haben,
feststellen können, daß diese furchtbare Verantwortung für das Schicksal
der Menschheit Sie und Ministerpräsident Chruschtschow - trotz aller Differenzen, die Sie trennen - im Bewusstsein dieser gemeinsamen Verantwortung, einander nähergebracht hat? Er schien dies anzudeuten, vor allem in
seiner Rede vor dem Obersten Sowjet.
DER
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�DER PRÄSIDENT: Ich glaube, in dieser Rede hat Chruschtschow gezeigt,
daß er sich über das Atomzeitalter im klaren ist. Aber das kubanische
Unternehmen hat es für uns natürlich noch schwieriger gemacht, irgendwelche erfolgreichen Verhandlungen zu führen, weil hier versucht worden ist, doch ganz wesentlich das Gleichgewicht der Kräfte zu ändern.
Dies geschah in aller Heimlichkeit» Es wurde alles, was nur möglich
war, unternommen, um uns zu täuschen; und die Sowjets planten, im
November vor aller Welt die Tatsache mitzuteilen, daß diese Raketen
in solch unmittelbarer Nähe der Vereinigten Staaten stationiert
worden seien. Es bestand nicht etwa die Absicht, sie abzufeuern, weil
die Sowjets, sollten sie in eine nukleare Auseinandersetzung geraten, auf ihre eigenen Raketen in der Sowjetunion zurückgreifen können.
Aber politisch hätte dies das Gleichgewicht der Kräfte geändert... So
dürfte es also noch einige Zeit dauern, bevor es für uns möglich ist,
zu einem wirklichen Einvernehmen mit Herrn Chruschtschow zu gelangen.
Aber ich bin doch der Meinung, daß seine Rede deutlich werden läßt,
daß er erkannt hat, in welcher gefährlichen Welt wir leben. Das
wirkliche Problem liegt in dem Wunsch der Sowjets, ihre Macht und
ihren Einfluß zu erweitern. Würde sich Herr Chruschtschow mit den
wahren Interessen der Bevölkerung der Sowjetunion befassen - höherem
Lebensstandard und Gewährleistung der eigenen Sicherheit -, dann gäbe
es keinen realen Grund, warum die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion - getrennt durch so viele tausend Meilen Land und Wasser, beide
reiche Länder, beide mit einer sehr tatkräftigen Bevölkerung - nicht
miteinander in Frieden leben sollten. Immer wieder aber wird diese
Entschlossenheit sichtbar, die die Chinesen in der militantesten Form
zeigen und die die Sowjets ebenfalls gezeigt haben, nämlich, sich nicht
mit einer friedlichen Welt dieser Art abzufinden, sondern auf einer
kommunistischen Welt zu bestehen. Daraus erwächst die wirkliche Gefahr:
ein Konflikt dieser beiden Systeme auf weltweiter Ebene im Atomzeitalter ist, was die sechziger Jahre so gefährlich macht.
MR. VANOCUR: Botschafter Kennan, der ein guter Kenner der Sowjetunion
ist, schrieb in einem seiner letzten Bücher, daß wir es hier mit einem
konditionierten Denken, das die Möglichkeit des Mißverständnisses ausschließt, zu tun haben, daß das einzige, was die Sowjets wirklich verstehen, dieses ist: daß man sie vor Tatsachen stellt und ihnen sagt,
•das ist es, was wir tun werden1'. Das verstehen sie. Sind Sie der Ansicht, daß es irgendeinen Weg gibt, an Herrn Chruschtschow heranzukommen, um ihm wirklich begreiflich zu machen, daß es Ihnen ernst ist
und daß Sie entschlossen sind zu tun, was Sie sagen, Sir, oder ist dies
gänzlich...?
DER PRÄSIDENT: Nun, es ist schwer. Zurückschauend auf Kuba möchte ich
annehmen, daß die Tatsache des mangelnden Kontaktes zwischen den beiden
Regierungen zu denken gibt. Ich meine, daß wir nicht erwartet haben, er
werde Raketen auf Kuba stationieren, weil es für ihn eine so unkluge
Handlungsweise zu sein schien, dies zu tun, wie sich später auch herausgestellt hat. Er muß offenbar gedacht haben, er könnte es insgeheim
machen, und die Vereinigten Staaten würden sich damit abfinden. Nun,
er hat unsere Absichten nicht richtig beurteilt.
Und wenn Sie die Geschichte unseres Jahrhunderts überblicken, so
entstand der erste Weltkrieg aus einer Reihe von Fehlurteilen über die
15 -

�die Absichten anderer - gewiß auch der zweite Weltkrieg, wo Hitler
dachte, daß er Polen an sich reißen könnte, daß die Briten nicht in
den Kampf eingreifen und nach der Niederlage Polens den Kampf nicht
fortsetzen würden; Korea, wo die Nordkoreaner offensichtlich nicht
mit uns gerechnet hatten und wir nicht mit der Einmischung der Chinesen;
und wenn Sie alle diese Fehlschlüsse bedenken, die zum Kriege trieben,
und dann die Kluft in Betracht ziehen, die zwischen den Überzeugungen
der Vereinigten Staaten und denen der Sowjetunion klafft - wir glauben
an eine Welt unabhängiger Regierungen und Staaten, sie an eine monolithische, kommunistische Welt - und in diesen Kampf noch die nukleare Gleichung einbeziehen, so ist es das, was unsere Zeit, wie ich bereits zuvor
sagte, so gefahrenvoll macht. Wir müssen unseren Weg mit Festigkeit weiterverfolgen, an Hand der besten Informationen, die wir erhalten können,
und mit Umsicht. Ein Fehler kann alles vernichten - ein grober Fehler
von Herrn Chruschtschow oder von uns hier. Und darum ist es viel leichter,
Reden zu halten über einige der Dinge, die wir tun sollten; ich meine
aber, daß jeder, der sich die Liste der verhängisvollen Möglichkeiten von
Atomwaffen vor Augen hält, der sich bewußt ist, daß die Kommunisten ein
vollständig verzerrtes Bild von den Vereinigten Staaten haben und daß
wir sie nicht verstehen, weiß:das ist es, was das Leben in den sechziger
Jahren so gefahrenvoll macht»
MR. HERMANi Ihre Unterredung über den Kontakt mit der Sowjetunion,über
ein sorgfältiges Vorgehen und Handeln zwingt mir unwiderstehlich das
Bild des Herrn Gromyko auf, der hier sitzend, vielleicht auf dieser Couch,»•
DER PRÄSIDENT| Genau da.
MR. HERMANi Hier. Gerade vor DER PRÄSIDENT| Direkt neben Mr. Vanocur.
MR. VANOCURi Er ist nicht mein Freund.
MR. HERMANi Das war eine Gelegenheit, da Sie in Verbindung standen, er
sprach mit Ihnen, er erzählte Ihnen seine sehr interessante Version,
daß es auf Kuba keine Raketenwaffen gäbe, ja überhaupt keine Offensivwaffen gäbe. Jetzt hatten Sie Kontakt. Was mußten Sie nun tun? Mußten
Sie die Zähne zusammenbeißen, um den Stuhl herumgehen?
DER PRÄSIDENT! Nein, ich las ihm meine Septembererklärung vor, daß wir
Maßnahmen ergreifen würden, wenn sie Offensivwaffen auf Kuba stationierten»
Er antwortete nicht. Darum sage ich, daß wir noch weit davon entfernt
sind - Herr Chruschtschow und ich befinden uns im gleichen Boot, insofern
als wir beide über diese atomare Macht verfügen und darum beide daran
interessiert sind, unsere Gemeinwesen zu bewahren. Wir fahren indes insofern nicht auf gleichem Kurs, als die Sowjets ihre Macht ständig vergrößern wollen und dazu entschlossen sind; in der Kubakrise haben sie
außerdem klarwerden lassen, daß sie gewillt sind, große Risiken einzugehen,
die nur zu einer direkten Kollision führen können. Nun, ich habe einen

-

16 -

�einen ganzen Tag in Wien damit zugebracht, zu seiner Rede vom 6.
Januar 1961 Stellung zu nehmen, in der er erklärte, er werde Befreiungskriege unterstützen, und ich sagte ihm, daß dies ein Weg sei, der
für die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion mit einer direkten
Konfrontation enden würde, was im Fall Kuba tatsächlich geschah.
Man kann nicht viele solche Fälle riskieren, denn wir wissen nicht
genau, ob die Sowjetunion in jedem Falle zurückweichen wird, wie eben
im Falle Kuba. Und für die Vereinigten Staaten wird es schwer sein,
sich dort abzusetzen, wo es um lebenswichtige Interessen unserer
Nation geht.
MR. LAWRENCE: Herr Präsident, waren Sie, während Gromyko hier saß
und einfach erklärte, daß es auf Kuba keine Offensivwaffen gäbe,
zu irgendeinem Zeitpunkt versucht aufzustehen, an Ihren Schreibtisch
zu gehen und eine Luftaufnahme hervorzuholen?
DER PRÄSIDENT: Nein. Denn unsere Informationen waren noch unvollständig,
und wir hatten auch noch nicht endgültig darüber entschieden, welchen
Kurs wir einschlagen würden. Wir erhielten die Information am Dienstag,
unser Gespräch fand am Donnerstag statt. Wir führten eine intensive
Aufklärung durch, und wir erwogen noch, ob es ratsam sei, einen anderen Aktionskurs einzuschlagen. Und deshalb wäre es sehr unklug von
uns gewesen, ihm im einzelnen darzulegen, was wir wußten. Wir wollten
ihm auch nicht die Genugtuung geben, seine Schritte anzukündigen.
Deshalb war es überaus wichtig, daß die Vereinigten Staaten dies bekanntgaben, bevor er es tat.
MR. LAWRENCE: Wir hätten damit die Initiative verlieren können?
DER PRÄSIDENT: Genau das. Er hätte dies bekanntgeben können, und dann
hätten wir auf eine Initiative ihrerseits reagieren müssen. Auf diese
Weise behielten wir die Initiative. Daher war es sehr wichtig, Gromyko
nicht ins Bild zu setzen, obwohl ich ihn nicht irreführte, denn wie ich
bereits sagte, verlas ich meine Erklärung vom September, und er muß sich
gefragt haben, warum ich dies tat. Aber er erwiderte nichts darauf.
MR. VANOCUR: Herr Präsident, viele Leute sagen... daß ein amerikanischer
Präsident Chruschtschow schützen müsse, denn Chruschtschow sei der
beste sowjetische Ministerpräsident, den wir jemals haben könnten.
Glauben Sie, daß dies wirklich die Aufgabe eines amerikanischen Präsidenten ist, oder hat ein amerikanischer Präsident die Pflicht, die
nationalen Interessen zu wahren?
DER PRÄSIDENT: Nein, ich glaube nicht, daß es unsere Aufgabe ist,
Herrn Chruschtschow zu schützen. Dieses Argument, daß sein Nachfolger
schlimmer sein würde - nun, ich weiß nicht, wie sein Nachfolger sein
wird. Aber ich glaube, daß es unsere Pflicht ist, zu versuchen, unsere
lebenswichtigen Interessen zu schützen, die Sicherheit der freien Welt
zu wahren und Chruschtschow unsere Absichten eindeutig genug wissen zu
lassen, damit er seinen Angelegenheiten in einer Weise nachgehen kann,
die unsere Sicherheit nicht gefährdet und die nicht zum Kriege führt.
Wir möchten nicht gezwungen werden, unsere Sicherheit mit kriegerischen
Mitteln zu erhalten. Aber Chruschtschow muß wissen, daß es für die Vereinigten Staaten lebenswichtige

-

17 -

�*

lebenswichtige Interessen gibt, für die sie kämpfen werden. Und
wenn er und die Kommunisten und die Sowjetunion jetzt ihre Kraft
darauf verwenden wollen, zu demonstrieren, wie sich ihr System
in der Sowjetunion bewährt, so bin ich der Ansicht, daß seine lebenswichtigen Interessen leicht mit der ihm zur Verfügung stehenden Macht
geschützt werden können und wir eine lange Zeit des Friedens haben
könnten. Dann könnten wir ein Urteil darüber fällen, welches System
bessere Dienste leistet. Wir glauben, daß das unser System ist. Er hat
argumentiert, seines wäre besser. Demgegenüber, scheint mir, ist es
gerade dieses ständige Streben, das Gleichgewicht der Kräfte auf
der Welt zu ändern, welches das Element der Gefahr heraufbeschwört.
Nun, ich glaube wirklich, wenn Sie die Rede Chruschtschows von
vergangener Woche lesen, so werden Sie feststellen, daß wir - und die
Welt - in einer noch viel schlechteren Lage wären, wenn die Chinesen
die kommunistische Bewegung beherrschen würden, denn die Chinesen
glauben an den Krieg als Mittel zur Verwirklichung der kommunistischen
Welt. Chruschtschows Mittel sind Vernichtung, aber er glaubt, daß eine
friedliche Koexistenz und diese Befreiungskriege, kleine Kriege unsere
Niederlage bringen werden. Die chinesischen Kommunisten glauben, dies
durch ständige Schläge zu erreichen, und daß sie es im Falle eines
Krieges, eines atomaren dritten Weltkrieges mit ihren 750 Millionen
Menschen überstehen werden. So sind für uns ganz offensichtlich die
von Chruschtschow vertretenen Ansichten besser als die der chinesischen Kommunisten. Aber leider will uns auch Chruschtschow nicht wohl.
MR. VANOCURi Gibt es irgendeine Möglichkeit, wie wir auf die wachsende
Spaltung innerhalb des kommunistischen Blocks einwirken können, oder
sollten wir es einfach bei der Welt belassen, die wir jetzt haben,
und sicherstellen, daß sie nicht reif für eine kommunistische Durchdringung wird?
DER PRlSIDENTl Ich meine zu diesem Disput, der sich weiter verstärkt,
daß wir, wie Sie vorschlagen, weiterhin unsere Aufmerksamkeit jenem
großen Teil der Welt widmen sollten, der sich in einer wirklich verzweifelten Lage befindet. In Lateinamerika, Afrika, Asien gibt es Länder, die unsere Hilfe, unsere Unterstützung dringend brauchen. Wenn
wir unsere Aufgabe, die freie Welt zu stärken, erfüllen, dann werden
wir, so scheint es mir, einen Druck, einen Gegendruck gegen den kommunistischen Vormarsch auslösen, und dann wird der Kommunismus feststellen
daß die Lage im Innern unter diesem Druck noch viel schwieriger geworden ist.
Ich glaube, wir neigen dazu, die Welt in eine kommunistische
und eine freie zu unterteilen, sie als zweigeteilt zu betrachten. Tatsache ist, daß die Welt so geteilt, so von Armut heimgesucht und in
vieler Hinsicht in einer so verzweifelten Lage ist, daß wir bereits
voll damit ausgelastet sind, den Teil der Welt, der nichtkommunistisch
ist, ganz Afrika, die jungen unabhängigen und von Armut heimgesuchten
Länder, zu stärken. Da besuchte uns kürzlich der Ministerpräsident von
Somaliland, wo das Jahreseinkommen pro Kopf der Bevölkerung bei
45 Dollar liegt. Der durchschnittliche Wochenlohn in der amerikanischen

18

-

�amerikanischen Industrie beträgt etwa 94 Dollar - gegenüber 45
Dollar im Jahr! Nun, er hat erschütternde Probleme zu lösen. Sie
können auch Lateinamerika nehmen, zum Beispiel Nordostbrasilien,
wo die Leute von 100 Dollar im Jahr leben. So haben wir in unserem
eigenen Raum eine große Aufgabe zu verrichten. Wenn wir dieses Gebiet stärken können - denn der Kommunismus ist meiner Meinung nach
ein völlig trügerisches System, das den Wünschen des einfachen Mannes
gar nicht entspricht - dann, glaube ich, werden wir auch erfolgreich
sein.
MRJ HERMANl Als Ministerpräsident Chruschtschow während der KubaKrise ein Angebot für eine Inspektion auf Kuba machte, hatten Sie da
irgendeine Hoffnung, daß dies ein Durchbruch sein könnte, ein Beginn,
um eine Art von Frieden zwischen unseren beiden Systemen zu erreichen,
so daß wir an unseren eigenen Problemen arbeiten können?
DER PRÄSIDENT! Nein, ich glaube nicht, daß es das schon ist. Aber es
kann vielleicht mit der Zeit dazu kommen.
MR. HERMANl Hatten Sie, als dieses Angebot gemacht wurde, die Hoffnung,
daß es tatsächlich verwirklicht werden könnte?
DER PRlSIDENTi Nein. Aber ich denke doch zumindest, daß Kuba - wie auch
aus der Rede in der vergangenen Woche hervorgeht, die eine wichtige
Rede war - Ghruschtschow die Gefahren hat erkennen lassen, die ein Zusammenstoß zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion in
einem Gebiet von großer Bedeutung mit sich bringt. Das, meine ich,
ist eine sehr heilsame Tatsache. Aber ich glaube nicht, daß wir jetzt
einen Gesamtwechsel in der kommunistischen Politik erleben werden,
MR. HERMANl Wäre es Ihrer Ansicht nach ein Durchbruch gewesen, falls
eine internationale Inspektion Kubas gestattet worden wäre - ein Anfang,
ein erster Beginn?
DER PRÄSIDENT* Nein, ich glaube nicht, daß dies die Dinge im wesentlichen berührt hätte, da ich nicht annehme, daß wir jene Art von Inspektion erreicht hätten, die wirklich notwendig ist, weil ein totalitäres System die Form der Inspektion, die wirklich wünschenswert ist,
nicht akzeptieren kann. Was Sie praktisch sagen, bedeutet, daß Kuba
geöffnet wird, daß die Sowjetunion geöffnet wird. Sie werden es. nicht
tun, weil ein totalitäres System nur unter Geheimhaltung existieren
kann.
MR. HERMANl Haben die Inspektionen, die anderswo in der Welt stattgefunden haben, beispielsweise in Nordkorea, Ihnen irgendeine Hoffnung
gegeben, daß dies als System funktionieren wird?
DER PRiSIDENTi Nein. Ich glaube, die Kamera wird tatsächlich unser
bester Inspektor sein.
MR. LAWRENCE!

-

19

�MR. LAWRENCE: Herr Präsident, sehen Sie in der Art, wie die KubaKrise beendet oder doch praktisch beendet wurden in der Art, wie sie
zumindest vom Höhepunkt der Fieberkurve herunterkam, sowie in der
Entwicklung anderer weltweiter Probleme irgendwelche Anzeichen, die
Sie zu der Annahme führen könnten, daß eine Gipfelkonferenz zu irgendeinem Zeitpunkt in der nahen Zukunft nützlich sein würde?
DER PRÄSIDENT: Nein, nicht gerade zu diesem Zeitpunkt. Ich glaube,
daß das Treffen in Wien von Nutzen war. Es war nützlich für mich aber ich glaube nicht, daß wir bis dahin zurückgehen sollten, es sei
denn, daß wir den Weg wirklich frei sehen, ein Abkommen über die Atomversuche oder die Abrüstung zu erreichen oder in Europa selbst zu einer
gewissen Verständigung zu gelangen. Das ist wirklich unser Wunsch. Wie
ich schon sagte, leben wir jetzt in einer Zeit, die zu gefährlich ist,
als daß wir Spannungen zwischen der Sowjetunion und den Vereinigten
Staaten haben oder solche wünschen sollten. Und daher sollten wir meines Erachtens alles fördern, was ihre Politik, die uns abträglichen
Dinge zu unterstützen, mildern kann. Aber solange wir nicht einen
gewissen Durchbruch auf irgendeinem Gebiet sehen, halte ich ein Treffen
zwischen Herrn Chruschtschow und mir nicht für sehr vorteilhaft, auch
wenn wir miteinander in Verbindung standen... und über unsere Beauftragten in New York Verhandlungen führen. Aber ich glaube nicht, daß
für uns eine Notwendigkeit besteht, jetzt zusammenzukommen. Ich glaube,
daß Chruschtschow wahrscheinlich genauso denkt,
MR. LAWRENCE: "Viele haben erwartet, Herr Präsident, daß sich die
Berlin-Krise unmittelbar nach den amerikanischen Wahlen wieder
,r
verschärfen" würde. Dies scheint zumindest, auch wenn dies dann nicht
ganz zutraf, der Zeitplan gewesen zu sein. Glauben Sie nun, daß die
Vorgänge auf Kuba die sowjetische und die ostdeutsche Regierung in
bezug auf Berlin zu größerer Vorsicht veranlaßt haben?
DER PRÄSIDENT: Nun, ich glaube, weder Ministerpräsident Chruschtschow
noch sonst jemand möchte das öfter durchmachen, was wir in Kuba durchgemacht haben. Und ich glaube, sie sind sich darüber im klaren, daß
West-Berlin für uns von lebenswichtigem Interesse ist, daß wir uns
dort gebunden haben und daß wir dort bleiben werden. Auf der anderen
Seite hat er ein sehr lebenswichtiges Interesse in Ostdeutschland; er
versucht dieses Regime zu stützen und seine eigene Stellung in Osteuropa zu festigen. Berlin ist eine sehr gefährliche Position, besonders auf Grund seiner geographischen Lage, denn wir müssen die" Verbindungen zu einem Gebiet aufrechterhalten, das 120 Meilen hinter
ihren Linien liegt. So besteht für sie immer die Möglichkeit, uns
dort die Luft abzuschnüren. Aber ich möchte glauben, daß Chruschtschow
mit einiger Vorsicht vorgehen wird, weil er meines Erachtens weiß, daß
es dort nicht nur um ein lebenswichtiges Interesse geht, sondern daß
dort auch die Möglichkeit eines direkten Aufeinanderprallens besteht.
So zeigt meiner Ansicht nach die Rede Chruschtschows, wie ich bereits
sagte, daß er dies weiß. Und im Gegensatz zu denjenigen im kommunistischen Lager, im besonderen den Chinesen, die Chruschtschow wegen
seiner Nachgiebigkeit angreifen, glaube ich, daß Chruschtschow erkannt
hat, daß er jetzt mit Vorsicht vorgehen muß, so wie wir.
MR. HERMAN:
-

20

-

�MR. HERMAN: Würden Sie erläutern, Herr Präsident, warum Sie in Ihrem
Trinkspruch auf Bundeskanzler Adenauer gesagt nahen, daß dies ein
Wendepunkt, eine neue Ära in der Geschichte sei?
DER PRÄSIDENT: Nach meiner Ansicht ist dies eine der Entscheidung
zustrebende Zeit. Wir haben verschiedene derartige Perioden gehabt.
Aber es ist nicht dies allein. In Kuba war es das erstemal, daß sich
die Sowjetunion und die Vereinigten Staaten direkt gegenüberstanden
und daß die Aussicht bestand, die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion könnten Truppen einsetzen, was sich dann leicht zu einem Atomkrieg hätte ausweiten können. Dies ist eine wichtige Tatsache. Zweitens ist da der chinesisch-indische Konflikt, zwischen diesen beiden
riesigen Ländern, den beiden größten Ländern der Welt. Wenn die
Sowjetunion so -viele Jahre auf den Aufbau ihrer Politik der Freundschaft gegenüber Indien verwandt hat, so ist es jetzt eine Tatsache,
daß China die Inder angegriffen hat. Und drittens sind da die Be- Ziehungen zwischen der Sowjetunion und China als Folge des chinesischindischen Konflikts und als Folge des Disputs zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion über Kuba. Ich möchte sagen, daß alles
das diese Zeit zu einer sehr wichtigen Epoche macht.
MR. VANOCUR: Wie können Sie als der Führer der westlichen Allianz,
des stärksten Mitgliedlandes, die europäischen Länder, die immer
unabhängiger, immer wohlhabender werden - was genau dem entspricht,
was Sie, wie Sie sagten, erhofften -, wie können Sie diese Länder
dazu bringen, Ihrer Führung zu folgen? Offensichtlich sind doch Verteidigungsminister McNamara und Außenminister Rusk nicht mit einem
alles in allem zufriedenstellenden Bericht von der NATO-Tagung zurückgekommen. Die Europäer scheinen nicht gewillt zu sein, die konventionellen Streitkräfte auszubauen. Haben Sie große Machtbefugnisse,
zu bestimmen?
DER PRÄSIDENT: Nein, zunächst einmal kann man das seine tun. Wir tun
unseren Teil. Wir haben unsere Truppen in Westeuropa stehen. Es sind
die am besten ausgerüsteten. Wir haben dort sechs Divisionen, ein
Viertel aller Divisionen an der westlichen Front. Sie sind sehr gut
ausgerüstet. Sie können morgen bereits zum Einsatz kommen, was bei
den meisten anderen Verbänden nicht der Fall ist. So leisten wir
dort unseren Beitrag. Wir stellen ferner die größte Kriegsflotte der
Welt. Wir stellen außerdem die Atomstreitkräfte für die (freie) Welt,
und wir führen ferner ein umfassendes Weltraumprogramm für die freie
Welt durch. Ebenso tragen wir in Südvietnam die gesamte Last. So tun
die Vereinigten Staaten mehr als nur ihren Teil. Wir hoffen, daß
Westeuropa größere eigene Anstrengungen machen wird - sowohl hinsichtlich der Aufstellung konventioneller Streitkräfte als auch bei der
Hilfe an die Entwicklungsländer.
Nun können wir sie natürlich nicht zwingen, dies zu tun. Wir
können nicht sagen, "gut, wenn Sie das nicht tun wollen, dann werden
wir unsere Truppen zurückziehen und Europa schutzlos lassen". Aber

_ 21

�Aber ich glaube, daß die Vereinigten Staaten sehr viel getan und ihre
Lasten getragen haben, und wir hoffen, daß Westeuropa, da es jetzt
aufblüht, auch seinen Teil beitragen wird. Wir haben in vier Jahren,
von 1948 bis 1952, zwölf Milliarden Dollar nach Westeuropa hineingepumpt. Der Betrag an Hilfe, die wir Lateinamerika im Rahmen der
"Allianz für den Fortschritt" gewährt haben, ist nur ein Bruchteil
dessen.
So haben wir, scheint mir, ein Recht, da wir in bezug auf Europa
gezeigt und bewiesen haben, daß wir keine Paradesoldaten sind. Es gibt
wohl kaum ein Land in Europa - unter den Ländern, von denen wir
sprechen -, das so viele Männer und einen so großen Prozentsatz seiner
Bevölkerung und seines Bruttosozialprodukts für die Verteidigung einsetzt wir wir.
MR. VANOCUR: Glauben Sie, Herr Präsident, daß Sie einmal den Punkt
erreichen werden, an dem Sie sagen müßten: ''Macht, was ihr wollt,
ich kann nicht vor das amerikanische Volk treten und' von ihm verlangen,
diese Last auf sich zu nehmen..." Nehmen wir als Beispiel einmal die
Skybolt-Rakete.
DER PRÄSIDENT: Gut, nehmen wir einmal die Skybolt. Die Vereinigten
Staaten haben die Skybolt-Rakete entwickelt. Wir haben 350 Millionen
Dollar in die Skybolt-Rakete investiert. Kein anderes Land hat etwas
für die tatsächliche Produktion der Skybolt-Rakete ausgegeben. Wenn
wir sie fertig entwickelt gehabt hätten, würden die Engländer uns
hundert Raketen abgekauft, wir vielleicht tausend gekauft haben.
Das hätte uns 2,5 Milliarden Dollar gekostet. Wir bestreiten heute
30 Prozent der Infrastruktur-Kosten der NATO, der Versorgungslinien
zu den Depots in Europa. Dies kostet uns etwa 3 Milliarden Dollar
in unserer Zahlungsbilanz. Da ist die Hilfe, die wir überall in der
Welt gewähren - Sie wissen, die amerikanischen Bürger sind sehr kritisch, und die amerikanische Presse druckt eine Menge negativer Berichte
denn negative Berichte geben Schlagzeilen, positive Berichte dagegen
nicht, so daß sie stets den Eindruck erhalten, die Vereinigten Staaten
täten nicht ihren Teil. Wenn ich an das denke, was wir 15 Jahre lang seit 1945 - getan haben, an die Länder, die wir unterstützt haben, die
Bündnisse, deren Kern und Mittelpunkt wir sind, die Bereitwilligkeit
der Vereinigten Staaten, überall in der Welt Lasten auf sich zu nehmen,
so halte ich das schon für eine phantastische Sache. Eine Million Amerikaner tun heute außerhalb des Gebietes der Vereinigten Staaten Dienst.
Es gibt kein anderes Land in der Geschichte, das ähnliche Last auf sich
nahm. Andere Länder hatten auch Truppen außerhalb ihres Landes stehen,
aber nur zu Eroberungszwecken. Wir haben zwei Divisionen in Südkorea',
nicht um Südkorea zu kontrollieren, sondern um es zu verteidigen. Eine
große Zahl, von Amerikanern befindet sich in Südvietnam. Nun gut, kein
anderes Land der Erde hat dies seit Beginn der Welt getan; Griechenland,
Rom, Napoleon und alle anderen waren stets auf Eroberung aus. Wir haben
eine Million Amerikaner im Ausland, und sie suchen diese Länder zu verteidigen. Nun, was wir hier sagen wollen, ist, daß das reiche Westeuropa seinen Teil beitragen muß, und ich hoffe, daß es das tun wird.
MR. HERMAN:

^2 _

�MR. HERMAN: Nichts von dem, was ein Präsident jemals sagt, bleibt
ohne Wirkung. Glauben Sie nicht, daß die von Ihnen soeben gemachten
Ausführungen auf Sie zurückkommen werden, wenn der Kongreß das neue
Bewilligungsgesetz erörtert, und Sie dann Ihre eigenen Zitate wieder
hören werden?
DER PRÄSIDENT: Nein, ich glaube, daß die Amerikaner wissen sollten,
was sie tun, und ich glaube, daß Westeuropas Erfolg letztlich der
größte Erfolg der amerikanischen Außenpolitik seit dem zweiten Weltkrieg, seit dem Wiederaufbau Europas ist. Es ist genau das, was wir
wollten. Ganz zwangsläufig werden die Europäer Meinungsverschiedenheiten mit uns haben. Aber alles, was wir von Westeuropa fordern,
ist, sich nicht abzuschließen, nicht nur eine reiche, sorgfältige
abgeschirmte Gruppe von Ländern zu werden, sondern vielmehr seine
Rolle in dieser großen, weltweiten Auseinandersetzung zu übernehmen,
so wie wir dies getan haben...
MR. HERMAN: Aber können sie ihre Rolle ohne die Entwicklung eigener
nuklearer Waffen und einer eigenen nuklearen Abschreckung spielen, und
würde eine weitere Verbreitung der Atomwaffen nicht unserer Politik
zuwiderlaufen?
DER PRÄSIDENT: Nun, wir wollen nicht sechs oder sieben Atommächte
in Europa, die ihre Mittel für Kernwaffen ausgeben, zumal die Vereinigten Staaten dieses riesige Waffenarsenal haben. Aber wenn diese
Länder das wünschen, so halten wir sie nicht davon ab. Wenn die Franzosen beschließen, selbst eine Atommacht zu werden, dann ist dies
ihre Entscheidung. Die Frage ist, ob die Vereinigten Staaten sich
daran beteiligen und mithelfen sollen, Frankreich zu einer Atommacht
zu machen, und dann Italien, Westdeutschland, Belgien. Wie kann es
die Sicherheit stärken, wenn wir zehn, zwanzig, dreißig Atommächte
haben, die ihre Atomwaffen unter verschiedenen Bedingungen abfeuern
können? Das liegt nicht in unserem Interesse und ist meines Erachtens auch nicht im Interesse des Friedens oder im Interesse Westeuropas. Und es ist äußerst kostspielig. Warum etwas duplizieren,
was wir bereits getan haben und heute noch in 'Westeuropa tun, solange
unsere Garantien gut sind?
MR. VANOCUR: Herr Präsident, ehe Sie gewählt wurden, beliebte Ihr Herr
Vater den Reportern die kleine Geschichte zu erzählen, daß er Sie einmal gefragt habe, warum Sie diesen Job denn wollten, und er Ihnen erläutertchabe, warum Sie ihn sich nicht wünschen sollten, und Sie gaben
ihm offensichtlich eine Antwort... ich weiß nicht, ob sie ihn befriedigt hat, Sie anscheinend aber doch. Würden Sie ihm heute, nach zwei
Jahren Amtszeit noch dieselbe Antwort geben?
DER PRÄSIDENT: Ach, Sie meinen, daß irgend jemand es tun würde?
MR. VANOCUR: Yes, Sir.
DER PRÄSIDENT:

-

2,3

-

�DER PRÄSIDENT: Ja. Ich bin der Meinung, daß die Präsidentschaft in
vieler Hinsicht befriedigend sein kann, zumal, wie ich sage, äie
uns alle angeht, als Bürger und als Eltern und so weiter, samt all
den Problemen, über die wir heute abend hier gesprochen haben. Lauter
Probleme, über die ich mir, wenn ich nicht Präsident wäre, als
Vater oder als Bürger Gedanken machen würde. So hat man zumindest
eine Möglichkeit, etwas dagegen zu tun. Und wenn das, was man tut,
nützlich und erfolgreich ist, dann bringt es natürlich eine große
Befriedigung mit sich. Wenn das Resultat der Entscheidung aber ein
Fehlschlag ist oder wenn man erfolglos bleibt, dann ist das freilich
ein großer Rückschlag. Ich muß aber nach zwei Jahren in diesem Amt
und mit den Erfahrungen als Präsident- keine Erfahrungen, auf die man
sich auch nur einigermaßen angemessen vorbereiten könnte - ich muß
sagen, daß ich ziemlich zuversichtlich bin, was die Vereinigten
Staaten anbelangt. Eben weil dieses Land selbstkritisch ist und
von aller Welt kritisiert wird, mit 180 Millionen Einwohnern seit
17 Jahren - eigentlich sind es mehr als das - seit fast 20 Jahren,
weil es dasjenige ist, das zuerst die Welt vor den Gefahren des Nazismus
bewahrt und seither gegen die kommunistische Gefahr verteidigt hat, und
wenn wir nicht gewesen wären... wir sind in einer starken Position,
Ich möchte meinen, daß es ein gutes Resultat für unser Land ist, das
nur sechs Prozent der Weltbevölkerung stellt und das diese Belastungen
nur sehr widerstrebend auf sich nimmt. Ich meine, wir sollten an diesen Weihnachten mit uns selbst ganz zufrieden sein.

* * * * *

- 24

-

�A M E R I K A

KENNEDY ERLÄUTERT STANDPUNKT DER USA ZU
WELTPOLITISCHEN FRAGEN

- Auszüge aus dem Fernsehinterview vom 17. Dezember 1962 -

\

�Allgemeines - XVI/1

KENNEDY ERLÄUTERT STANDPUNKT DER USA ZU
WELTPOLITISCHEN FRAGEN

WASHINGTON - (AD) - In einem einstündigen Fernsehinterview
mit den drei großen amerikanischen Rundfunk- und Fernsehgesellschaften ABC, CBS und NBC hat Präsident Kennedy am 17« Dezember
1962 den Standpunkt der USA zu den wichtigsten weltpolitischen
Fragen dargelegt.
Der Präsident benutzte diese Gelegenheit, um einen Rückblick
auf die zwei Jahre seiner Amtszeit zu geben und gleichzeitig auf
die großen Aufgaben hinzuweisen, denen sich die freie Welt in den
kommenden Jahren gegenübersehen wird. Neben innenpolitischen Fragen, denen ein großer Teil des Interviews gewidmet war,ging Kennedy
vor allem auf das amerikanisch-sowjetische Verhältnis, die BerlinFrage, das Kuba-Problem sowie die Verteidigung Europas und der
fre ien Welt ein.
Der amerikanische Präsident wies eingangs des Interviews darauf
hin, daß die Probleme, mit denen er sich im Laufe seiner bisherigen
Amtszeit auseinandersetzen mußte, schwieriger und die den USA auferlegte Verantwortung größer gewesen seien, als er sich dies ursprünglich vorgestellt habe. In vielen weltpolitischen Fragen wie
beispielsweise der Kongo-Frage, ader in dem Streitfall zwischen
Pakistan und Indien sei die Fähigkeit der Vereinigten Staaten, diese
Probleme zu lösen, begrenzt. Dennoch dürfe man nicht ungeduldig oder
gleichgültig werden, betonte der Präsident, wobei er sich gegen die
Ansicht wandte, daß die USA die Bürde, die sie nunmehr seit 17 Jahre
tragen, niederlegen sollten. "Wir können diese Bürde nicht niederlegen", so erklärte er wörtlich, "und ich sehe auch keine Möglichkeit, dies in diesem Jahrhundert zu tun." Kennedy unterstrich dabei
die große Verantwortung, die der Präsident der USA zu tragen habe.
Werde eine falsche Entscheidung getroffen, und dies sei auch bei
ihm der Fall gewesen, dann laste die Bürde der Verantwortung auf
dem Präsidenten allein.
Berlin und Europa
Die Ausführungen Kennedys zu Berlin und zur Verteidigung Europas haben folgenden Wortlaut:
Frage:

�"AMERIKA DIENST
Frage: "Viele haben erwartet, Herr Präsident, daß sich die
Berlin-Krise unmittelbar nach den amerikanischen Wahlen wieder
•verschärfen' würde. Dies scheint zumindest, auch wenn dies dann
nicht ganz zutraf, der Zeitplan gewesen zu sein. Glauben Sie nun,
daß die Vorgänge auf Kuba die sowjetische und die ostdeutsche Regierung in bezug auf Berlin zu größerer Vorsicht veranlaßt haben?
Antwort: Nun, ich glaube, weder Ministerpräsident Chruschtschow
noch sonst jemand möchte das öfter durchmachen, was wir in Kuba
durchgemacht haben. Und ich glaube, sie sind sich darüber im klaren,
daß West-Berlin für uns von lebenswichtigem Interesse ist, daß wir
uns dort gebunden haben und daß wir dort bleiben werden. Auf der anderen Seite hat er ein sehr lebenswichtiges Interesse in Ostdeutschland; er versucht dieses Regime zu stützen und seine eigene Stellung
in Osteuropa zu festigen. Berlin ist eine sehr gefährliche Position,
besonders auf Grund seiner geographischen Lage, denn wir müssen die
Verbindungen zu einem Gebiet aufrechterhalten, das 120 Meilen hinter
ihren Linien liegt. So besteht für sie immer die Möglichkeit, uns
dort die Luft abzuschnüren. Aber ich möchte glauben, daß Chruschtschow
mit einiger Vorsicht vorgehen wird, weil er meines Erachtens weiß,
daß es dort nicht nur um ein lebenswichtiges Interesse geht, sondern
daß dort auch die Möglichkeit eines direkten Aufeinanderprallens besteht. So zeigt meiner Ansicht nach die Rede Chruschtschows, wie ich
bereits sagte, daß er dies weiß. Und im Gegensatz zu denjenigen im
kommunistischen Lager, im besonderen den Chinesen, die Chruschtschow
wegen seiner Nachgiebigkeit angreifen, glaube ich, daß Chruschtschow
erkannt hat, daß er jetzt mit Vorsicht vorgehen muß, so wie wir.
Frage; Würden Sie erläutern, Herr Präsident, warum Sie in Ihrem
Trinkspruch auf Bundeskanzler Adenauer gesagt haben, daß dies ein
Wendepunkt, eine neue Ära in der Geschichte sei?
Antwort: Nach meiner Ansicht ist dies eine der Entscheidung
zustrebende Zeit. Wir haben verschiedene derartige Perioden gehabt.
Aber es ist nicht dies allein. In Kuba war es das erstemal,. d)aß sich
die Sowjetunion und die Vereinigten Staaten direkt gegenüberstanden
und daß die Aussicht bestand, die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion könnten Truppen einsetzen, was sich dann leicht zu einem Atomkrieg hätte ausweiten können. Dies ist eine wichtige Tatsache. Zweitens ist da der chinesisch-indische Konflikt, zwischen diesen beiden
riesigen Ländern, den beiden größten Ländern der Welt. Wenn die
Sowjetunion so viele Jahre auf den Aufbau ihrer Politik der Freundschaft gegenüber Indien verwandt hat, so ist es jetzt eine Tatsache,
daß China die Inder angegriffen hat. Und drittens sind da die Beziehungen zwischen der Sowjetunion und China als Folge des chinesischindischen Konflikts und als Folge des Disputs zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion über Kuba. Ich möchte sagen, daß
alles das diese Zeit zu einer sehr wichtigen Epoche macht.
Frage; Wie können Sie als der Führer der westlichen Allianz,
des stärksten Mitgliedlandes, die europäischen Länder, die immer
unabhängiger, immer wohlhabender werden, - was genau dem entspricht,
was Sie, wie Sie sagten, erhofften -, wie können Sie diese Länder

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2

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�"AMERIKA PIEKST
Länder dazu bringen, Ihrer Führung zu folgen? Offensichtlich sind
doch Verteidigungsminister McNamara und Außenminister Rusk nicht
mit einem alles in allem zufriedenstellenden Bericht von der NATOTagung zurückgekommen. Die Europäer scheinen nicht gewillt zu sein,
die konventionellen Streitkräfte auszubauen. Haben Sie große Machtbefugnisse, zu bestimmen?
Antwort; Nein, zunächst einmal kann man das seine tun. Wir tun
unseren Teil. Wir haben unsere Truppen in Westeuropa stehen. Es sind
die am besten ausgerüsteten. Wir haben dort sechs Divisionen, ein
Viertel aller Divisionen an der westlichen Front. Sie sind sehr gut
ausgerüstet. Sie können morgen bereits zum Einsatz kommen, was bei
den meisten anderen Verbänden nicht der Fall ist. So leisten wir dort
unseren Beitrag. Wir stellen ferner die größte Kriegsflotte der Welt.
Wir stellen außerdem die Atomstreitkräfte für die (freie) Welt, und
wir führen ferner ein umfassendes Weltraumprogramm für die freie
Welt durch. Ebenso tragen wir in Südvietnam die gesamte Last. So
tun die Vereinigten Staaten mehr als nur ihren Teil. Wir hoffen, daß
Westeuropa größere eigene Anstrengungen machen wird - sowohl hinsichtlich der Aufstellung konventioneller Streitkräfte als auch bei der
Hilfe an die Entwicklungsländer.
Nun können wir sie natürlich nicht zwingen, dies zu tun .Wir
können nicht sagen, 'gut, wenn Sie das nicht tun wollen, dann werden
wir unsere Truppen zurückziehen und Europa schutzlos lassen'. Aber
ich glaube, daß die Vereinigten Staaten sehr viel getan und ihre
Lasten getragen haben, und wir hoffen, daß Westeuropa, da es jetzt
aufblüht, auch seinen Teil beitragen wird. Wir haben in vier Jahren,
von 1948 bis 1952, zwölf Milliarden Dollar nach Westeuropa hineingepumpt. Der Betrag an Hilfe, die wir Lateinamerika im Rahmen der
"Allianz für den Fortschritt*1 gewährt haben, ist nur ein Bruchteil
dessen.
So haben wir, scheint mir, ein Recht, da wir in bezug auf Europa
gezeigt und bewiesen haben, daß wir keine Paradesoldaten sind. Es
gibt wohl kaum ein Land in Europa - unter den Ländern, von denen wir
sprechen -, das so viele Männer und einen so großen Prozentsatz seiner
Bevölkerung und seines Bruttosozialprodukts für die Verteidigung einsetzt wie wir.
Frage; Glauben Sie, Herr Präsident, daß Sie einmal den Punkt
erreichen werden, an dem Sie sagen müßten: 'Macht, was ihr wollt,
ich kann nicht vor das amerikanische Volk treten und von ihm verlangen, diese Last auf sich zu nehmen...' Nehmen wir als Beispiel
einmal die Skybolt-Rakete.
Antwort: Gut, nehmen wir einmal die Skybolt. Die Vereinigten
Staaten haben die Skybolt-Rakete entwickelt. Wir haben 550 Millionen
Dollar in die Skybolt-Rakete investiert. Kein anderes Land hat etwas
für die tatsächliche Produktion der Skybolt-Rakete ausgegeben. Wenn
wir sie fertig entwickelt gehabt hätten, würden die Engländer uns

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3 -

�AMERIKA DIENST"
uns hundert Raketen abgekauft , wir vielleicht tausend gekauft haben.
Das hätte uns 2,5 Milliarden Dollar gekostet. Wir bestreiten heute
30 Prozent der Infrastruktur-Kosten der NATO, der Versorgungslinien
zu den Depots in Europa. Dies kostet uns etwa 3 Milliarden Dollar
in unserer Zahlungsbilanz. Da ist die Hilfe, die wir überall in der
Welt gewähren - Sie wissen, die amerikanischen Bürger sind sehr
kritisch, und die amerikanische Presse druckt eine Menge negativer
Berichte, denn negative Berichte geben Schlagzeilen, positive Berichte
dagegen nicht, so daß sie stets den Eindruck erhalten, die Vereinigten Staaten täten nicht ihren Teil. Wenn ich an das denke, was
wir 15 Jahre lang - seit 1945 - getan haben, an die Länder, die wir
unterstützt haben, die Bündnisse, deren Kern und Mittelpunkt wir
sind, die Bereitwilligkeit der Vereinigten Staaten,überall in der
Welt Lasten auf sich zu nehmen, so halte ich das schon für eine
phantastische Sache. Eine Million Amerikaner tun heute außerhalb
des Gebietes der Vereinigten Staaten Dienst. Es gibt kein anderes
Land in der Geschichte, das ähnliche Last auf sich nahm. Andere Länder hatten auch Truppen außerhalb ihres Landes stehen, aber nur zu
Eroberungszwecken. Wir haben zwei Divisionen in Südkorea, nicht um
Südkorea zu kontrollieren, sondern um es zu verteidigen. Eine große
Zahl von Amerikanern befindet sich in Südvietnam. Nun gut, kein anderes Land der Erde hat dies seit Beginn der Welt getan; Griechenland,
Rom, Napoleon und alle anderen waren stets auf Eroberung aus. Wir
haben eine Million Arnerikaner im Ausland, und sie suchen diese Länder
zu verteidigen. Nun, was wir hier sagen wollen, ist, daß das reiche
Westeuropa seinen Teil beitragen muß, und ich hoffe, daß es das tun
wird.
Frage; Nichts von dem, was ein Präsident jemals sagt, bleibt
ohne Wirkung. Glauben Sie nicht, daß die von Ihnen soeben gemachten
Ausführungen auf Sie zurückkommen we'rden, wenn der Kongreß das neue
Bewilligungsgesetz erörtert, und Sie dann Ihre eigenen Zitate wieder
hören werden?
Antwort; Nein,ich glaube, daß die Amerikaner wissen sollten,
was sie tun, und ich glaube, daß Westeuropas Erfolg letztlich der
größte Erfolg der amerikanischen Außenpolitik seit dem zweiten Weltkrieg, seit dem Wiederaufbau Europas ist. Es ist genau das, was wir
wollten. Ganz zwangsläufig werden die Europäer Meinungsverschiedenheiten mit uns haben. Aber alles, was wir von Westeuropa fordern,
ist, sich nicht abzuschließen, nicht nur eine reiche, sorgfältige
abgeschirmte Gruppe von Ländern zu werden, sondern vielmehr seine
Rolle in dieser großen, weltweiten Auseinandersetzung zu übernehmen,
so wie wir dies getan haben...
Frage; Aber können sie ihre Rolle ohne die Entwicklung eigener nuklearer Waffen und einer eigenen nuklearen Abschreckung spielen, und würde eine weitere Verbreitung der Atomwaffen nicht unserer
Politik zuwiderlaufen?
Antwort:

�"AMERIKA DIENST"
Antwort; Nun, wir wollen .nicht sechs oder sieben Atommächte in
Europa, die ihre Mittel für Kernwaffen ausgeben, zumal die Vereinigten Staaten dieses riesige Waffenarsenal haben. Aber wenn diese
Länder das wünschen, so halten wir sie nicht davon ab. Wenn die
Franzosen beschließen, selbst eine Atommacht zu werden, dann ist
dies ihre Entscheidung. Die Frage ist, ob die Vereinigten Staaten
sich daran beteiligen und mithelfen sollen, Frankreich zu einer
Atommacht zu machen, und dann Italien, Y/estdeutschland, Belgien.
Wie kann es die Sicherheit stärken, wenn wir zehn, zwanzig, dreißig
Atommächte haben, die ihre Atomwaffen unter verschiedenen Bedingungen
abfeuern können? Das liegt nicht in unserem Interesse und ist meines
Erachtens auch nicht im Interesse des Friedens oder im Interesse
Westeuropas. Und es ist äußerst kostspielig. Warum etwas duplizieren,
was wir bereits getan haben und heute noch in Westeuropa tun, solange
unsere Garantien gut sind?
Das amerikanisch-sowjetische Verhältnis und Kuba
Frage; Herr Präsident, haben Sie, seit Sie Ihr Amt übernommen
haben, feststellen können, daß diese furchtbare Verantwortung für
das Schicksal der Menschheit Sie und Ministerpräsident Chruschtschow trotz aller Differenzen, die Sie trennen - i::i. Bewußtsein dieser
gemeinsamen Verantwortung»einander nähergebracht hat? Er schien
dies anzudeuten, vor allem in seiner Rede vor dem Obersten Sowjet.
Antwort; Ich glaube, in dieser Rede hat Chruschtschow gezeigt,
daß er sich über das Atomzeitalter im klaren ist. Aber das kubanische
Unternehmen hat es für uns natürlich noch schwieriger gemacht, irgendwelche erfolgreichen Verhandlungen zu führen, weil hier versucht worden ist, doch ganz wesentlich das Gleichgewicht der Kräfte zu ändern.
Dies geschah in aller Heimlichkeit. Es wurde alles, was nur möglich
war, unternommen, um uns zu täuschen; und die Sowjets planten, im
November vor aller Welt die Tatsache mitzuteilen, daß diese Raketen
in solch unmittelbarer Nähe der Vereinigten Staaten stationiert
worden seien. Es bestand nicht etwa die Absicht, sie abzufeuern, weil
die Sowjets, sollten sie in eine nukleare Auseinandersetzung geraten, auf ihre eigenen Raketen in der Sowjetunion zurückgreifen können.
Aber politisch hätte dies das Gleichgewicht der Kräfte geändert... So
dürfte es also noch einige Zeit dauern, bevor es für uns möglich ist,
zu einem wirklichen Einvernehmen mit Herrn Chruschtschow zu gelangen.
Aber ich bin doch der Meinung, daß seine Rede deutlich werden läßt,
daß er erkannt hat, in welcher gefährlichen Welt wir leben. Das
wirkliche Problem liegt in dem Wunsch der Sowjets, ihre Macht und
ihren Einfluß zu erweitern. Würde sich Herr Chruschtschow mit den
wahren Interessen der Bevölkerung der Sowjetunion befassen - höherem
Lebensstandard und Gewährleistung der eigenen Sicherheit -, dann gäbe
es keinen realen Grund, warum die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion - getrennt durch so viele tausend Meilen Land und Wasser, beide
reiche Länder, beide mit einer sehr tatkräftigen Bevölkerung - nicht
miteinander in Frieden leben sollten. Immer wieder aber wird diese
Entschlossenheit sichtbar, die die Chinesen in der militantesten Form
zeigen und die die Sowjets ebenfalls gezeigt haben, nämlich»sich nicht
mit einer friedlichen Welt dieser Art abzufinden, sondern auf einer
kommunistischen Welt zu bestehen. Daraus erwächst die wirkliche Gefahr:
ein Konflikt dieser beiden Systeme auf weltweiter Ebene im Atomzeitalter ist, was die sechziger Jahre so gefährlich macht.'
Frage:

�"AMERIKA DIKITST
Frage: Botschafter Kennan, der ein guter Kenner der Sowjetunion
ist, schrieb in einem seiner letzten Bücher, daß wir es hier mit
einem konditionierten Denken, das die Möglichkeit des Mißverständnisses ausschließt, zu tun haben, daß das einzige, was die Sowjets
wirklich verstehen, dieses ist: daß man sie vor Tatsachen stellt
und ihnen sagt, 'das ist es, was wir tun werden'. Das verstehen sie.
Sind Sie der Ansicht, daß es irgendeinen Weg gibt, an Herrn Chruschtschow
heranzukommen, um ihm wirklich begreiflich zu machen, daß es Ihnen
ernst ist und daß Sie entschlossen sind zu tun, was Sie sagen, Sir,
oder ist dies gänzlich...?
Antwort: Nun, es ist schwer. Zurückschauend auf Kuba möchte ich
annehmen, daß die Tatsache des mangelnden Kontaktes zwischen den
beiden Regierungen zu denken gibt. Ich meine, daß wir nicht erwartet
haben&gt;er werde Raketen auf Kuba stationieren, weil es für ihn eine so
unkluge Handlungsweise zu sein schien, dies zu tun, wie sich später
auch herausgestellt hat. Er muß offenbar gedacht haben, er könnte es
insgeheim machen, und die Vereinigten Staaten würden sich damit abfinden, Nun, er hat unsere Absichten nicht richtig beurteilt.
Und wenn Sie die Geschichte unseres Jahrhunderts überblicken, so
entstand der erste Weltkrieg aus einer Reihe von Fehlurteilen über die
Absichten anderer - gewiß auch der zweite Weltkrieg, wo Hitler dachte,
daß er Polen an sich reißen könnte, daß die Briten nicht in den Kampf
eingreifen und nach der Niederlage Polens den Kampf nicht fortsetzen
würden; Korea, wo die Nordkoreaner offensichtlich nicht mit uns gerechnet hatten und wir nicht mit der Einmischung der Chinesen; und wenn Sie
alle diese Fehlschlüsse bedenken, die zum Kriege trieben, und dann
die Kluft in Betracht ziehen, die zwischen den Überzeugungen der Vereinigten Staaten und denen der Sowjetunion klafft - wir glauben an eine
Welt unabhängiger Regierungen und Staaten, sie an eine monolithische,
kommunistische Welt - und in diesen Kampf noch die nukleare Gleichung
einbeziehen, so ist es das, was unsere Zeit, wie ich bereits zuvor sagte,
so gefahrenvoll macht. Wir müssen unseren Weg mit Festigkeit weiterverfolgen ,an Hand der besten Informationen, die wir erhalten können,
und mit Umsicht. Ein Fehler kann alles vernichten - ein grober Fehler
von Herrn Chruschtschow oder von uns hier. Und darum ist es viel leichter, Reden zu halten über einige der Dinge, die wir tun sollten; ich
meine aber, daß jeder, der sich die Liste der verhängnisvollen Möglichkeiten von Atomwaffen vor Augen hält, der sich bewußt ist, daß
die Kommunisten ein vollständig verzerrtes Bild von den Vereinigten
Staaten haben und daß wir sie nicht verstehen, weiß: das ist es, was
das Leben in den sechziger Jahren so gefahrenvoll macht."
Das Interview leitete dann zu dem Kuba-Problem und dem Gespräch
über, das kurz vor Ausbruch der Kuba-Krise zwischen Präsident Kennedy
und dem sowjetischen Außenminister Gromyko stattgefunden hatte.
Der sowjetische Außenminister hatte dabei erklärt, daß sich weder
Raketen noch andere Offensivwaffen auf Kuba befänden.
Präsident Kennedy sagte in diesem Zusammenhang folgendes:
"Ich las ihm meine Erklärung vom September vor, in der wir betont

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6

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�"AMERIKA DIENST"
betont hatten, daß wir Maßnahmen ergreifen würden, falls Raketen nach
Kuba geschafft würden. Er erwiderte daraufhin nichts... Herr Chruschtschow und ich befinden uns in demselben Boot, insofern als wir beide
über diese nukleare Kapazität verfügen und ebenso beide unsere Gesellschaften verteidigen wollen. Wobei wir uns allerdings nicht auf der
gleichen Linie befinden, ist,daß die Sowjets ihre Macht ausdehnen und
auf Kuba ihre Entschlossenheit und Bereitschaft gezeigt haben, große
Risiken einzugehen, die eigentlich nur zu einem direkten Zusammenstoß
führen können. Ich habe in Wien einen ganzen Tag damit zugebracht,
über seine Rede zu sprechen, die er am 6. Januar 1961 gehalten und in
der er ausgeführt hatte, daß er Befreiungskriege unterstütze. Ich
erklärte, daß dies der Weg sei, der schließlich zu einer direkten
Konfrontation der USA und der Sowjetunion führen würde; und genau das
war auf Kuba der Fall. Sie können nicht zu viele solcher Situationen
erwarten, weil man nicht in jedem Falle sicher sein kann, daß die
Sowjetunion sich zurückzieht, wie sie dies im Fall Kubas tat. Und
für die Vereinigten Staaten ist es schwer, sich zurückzuziehen, wenn
lebenswichtige Interessen auf dem Spiel stehen.
Frage; Herr Präsident, waren Sie, während Gromyko hier saß
und einfach erklärte, daß es (auf Kuba) keine Offensivwaffen gäbe,
zu irgendeinem Zeitpunkt versucht aufzustehen, an Ihren Schreibtisch
zu gehen und eine Luftaufnahme hervorzuholen - ?
Antwort: Nein. Denn unsere Informationen waren noch unvollständig,
und wir hatten auch noch nicht endgültig darüber entschieden, welchen
Kurs wir einschlagen würden. Wir erhielten die .Information am Dienstag,
unser Gespräch fand am Donnerstag statt. Wir führten eine intensive
Aufklärung durch, und wir erwogen noch, ob es ratsam sei, einen anderen Aktionskurs einzuschlagen. Und deshalb wäre es sehr unklug von
uns gewesen, ihm im einzelnen darzulegen, was wir wußten. Wir wollten
ihm auch nicht die Genugtuung geben, seine Schritte anzukündigen. Deshalb war es überaus wichtig, daß die Vereinigten Staaten dies bekanntgaben, bevor er es tat.
Frage:

Wir hätten damit die Initiative verlieren können?

Antwort; Genau das. Er hätte dies bekanntgeben können, und dann
hätten wir auf eine Initiative ihrerseits reagieren müssen. Auf diese
Weise behielten wir die Initiative. Daher war es sehr wichtig, Gromyko
nicht ins Bild zu setzen, obwohl ich ihn nicht irreführte, denn wie ich
bereits sagte, verlas ich meine Erklärung vom September, und er muß sich
gefragt haben, warum ich dies tat. Aber er erwiderte nichts darauf.
Frage: Herr Präsident, viele Leute sagen... daß ein amerikanischer
Präsident Chruschtschow schützen müsse, denn Chruschtschow sei der beste
sowjetische Ministerpräsident, den wir jemals haben könnten. Glauben Sie,
daß dies wirklich die Aufgabe eines amerikanischen Präsidenten ist, oder
hat ein amerikanischer Präsident die Pflicht, die nationalen Interessen
zu wahren?
Antwort:

�"AMERIKA DIENST"
Antwort; Nein, ich glaube nicht, daß es unsere Aufgabe ist, Herrn
Chruschtschow zu schützen. Dieses Argument, daß sein Nachfolger
schlimmer sein würde - nun, ich weiß nicht, wie sein Nachfolger sein
wird. Aber ich glaube, daß es unsere Pflicht ist, zu versuchen, unsere
lebenswichtigen Interessen zu schützen, die Sicherheit der freien Welt
zu wahren und Chruschtschow unsere Absichten eindeutig genug wissen
zu lassen, damit er seinen Angelegenheiten in einer Weise nachgehen
kann, die unsere Sicherheit nicht gefährdet und die nicht zum Kriege
führt. Wir möchten
nicht gezwungen werden,umere Sicherheit mit kriegerischen Kitteln
zu erhalten. Aber Chruschtschow muß wissen, daß es für die Vereinigten Staaten lebenswichtige Interessen gibt, für die sie kämpfen werden.
Und wenn er und die Kommunisten und die Sowjetunion jetzt ihre Kraft
darauf verwenden wollen, zu demonstrieren, wie sich ihr System in der
Sowjetunion bewährt, so bin ich der Ansicht, daß seine lebenswichtigen
Interessen leicht mit der ihm zur Verfügung stehenden Macht geschützt
werden können und wir eine lange Zeit des Friedens haben könnten.
Dann könnten wir ein Urteil darüber fällen, welches System bessere
Dienste leistet. Wir glauben, daß das unser System ist. Er hat Argumentiert, seines wäre besser. Demgegenüber, scheint mir, ist es gerade
dieses ständige Streben, das Gleichgewicht der Kräfte auf der Welt
zu ändern, welches das Element der Gefahr heraufbeschwört.
Nun, ich glaube wirklich, wenn Sie die Rede Chruschtschows von
vergangener Woche lesen, so werden Sie feststellen, daß wir - und die
Welt - in einer noch viel schlechteren Lage wären, wenn die Chinesen
die kommunistische Bewegung beherrschen würden, denn die Chinesen glauben an den Krieg als Mittel zur Verwirklichung der kommunistischen Welt.
Chruschtschows Mittel sind Vernichtung, aber er glaubt, daß eine friedliche Koexistenz und diese Befreiungskriege, kleine Kriege unsere Niederlage bringen werden. Die chinesischen Kommunisten glauben, dies durch
ständige Schläge zu erreichen, und daß sie es im Falle eines Krieges,
eines atomaren dritten Weltkrieges mit ihren 750 Millionen Menschen
überstehen werden. So sind für uns ganz offensichtlich die von Chruschv
tschow vertretenen Ansichten besser als die der chinesischen Kommunisten.
Aber leider will uns auch Chruschtschow nicht wohl.
Frage: Gibt es irgendeine Möglichkeit, wie wir auf die wachsende
Spaltung innerhalb des kommunistischen Blocks einwirken können, oder
sollten wir es einfach bei der Welt belassen, die wir jetzt haben,
und sicherstellen, daß sie nicht reif für eine kommunistische Durchdringung wird?
Antwort; Ich meine zu diesem Disput, der sich weiter verstärkt,
daß wir, wie Sie vorschlagen, weiterhin unsere Aufmerksamkeit jenem
großen Teil der Welt widmen sollten, der sich in einer wirklich verzweifelten Lage befindet. In Lateinamerika, Afrika, Asien gibt es Länder, die unsere Hilfe, unsere Unterstützung dringend brauchen. Wenn
wir unsere Aufgabe, die freie Welt zu stärken, erfüllen, dann werden
wir, so scheint es mir, einen Druck, einen Gegendruck gegen den
kommunistischen Vormarsch auslösen, und dann wird der Kommunismus
feststellen, daß die Lage im Innern unter diesem Druck noch viel
schwieriger geworden ist.
Ich

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�AMERIKA DIENST"
Ich glaube, wir neigen dazu, die Welt in eine kommunistische
und eine freie zu unterteilen, sie als zweigeteilt zu betrachten»
Tatsache ist, daß die Welt so geteilt, so von Armut heimgesucht
und in vieler Hinsicht in einer so verzweifelten Lage ist, daß wir
bereits voll damit ausgelastet sind, den Teil der Welt, der nichtkommunistisch ist, ganz Afrika, die jungen unabhängigen und von
Armut heimgesuchten Länder, zu stärken. Da besuchte uns kürzlich
der Ministerpräsident von Somaliland, wo das Jahreseinkommen pro
Kopf der Bevölkerung bei 45 Dollar liegt. Der durchschnittliche
Wochenlohn in der amerikanischen Industrie beträgt etwa 94 Dollar gegenüber 45 Dollar im Jahr! Nun, er hat erschütternde Probleme
zu lösen. Sie können auch Lateinamerika nehmen, zum Beispiel Nordostbrasilien, wo die Leute von 100 Dollar im Jahr leben. So haben
wir in unserem eigenen Raum eine große Aufgabe zu verrichten. Wenn
wir dieses Gebiet stärken können - denn der Kommunismus ist meiner
Meinung nach ein völlig trügerisches System, das den Wünschen des
einfachen Mannes gar nicht entspricht - dann, glaube ich, werden wir
auch erfolgreich sein.
Frage: Als Ministerpräsident Chruschtschow während der
ein Angebot für eine Inspektion auf Kuba machte, hatten Sie
gendeine Hoffnung, daß dies ein Durchbruch sein könnte, ein
um eine Art von Frieden zwischen unseren beiden Systemen zu
so daß wir an unseren eigenen Problemen arbeiten können?

Kuba-Krise
da irBeginn,
erreichen,

Antwort: Nein, ich glaube nicht, daß es das schon ist. Aber es
kann vielleicht mit der Zeit dazu kommen.
Frage; Hatten Sie, als dieses Angebot gemacht wurde, die Hoffnung,
daß es tatsächlich verwirklicht werden könnte?
Antwort: Nein. Aber ich denke doch zumindest, daß Kuba - wie auch
aus der Rede in der vergangenen Woche hervorgeht, die eine wichtige
Rede war - Chruschtschow die Gefahren hat erkennen lassen, die ein
Zusammenstoß zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion
in einem Gebiet von großer Bedeutung mit sich bringt. Das, meine ich,
ist eine sehr heilsame Tatsache. Aber ich glaube nicht, daß wir jetzt
einen Gesamtwechsel in der kommunistischen Politik erleben werden.
Frage; Wäre es Ihrer Ansicht nach ein Durchbruch gewesen, falls
eine internationale Inspektion Kubas gestattet worden wäre - ein
Anfang, ein erster Beginn?
Antwort: Nein, ich glaube nicht, daß dies die Dinge im wesentlichen
berührt hätte, da ich nicht annehme, daß wir jene Art von Inspektion
erreicht hätten, die wirklich notwendig ist, weil ein totalitäres System
die Form der Inspektion, die wirklich wünschenswert ist, nicht akzeptieren kann. Was Sie praktisch sagen, bedeutet, daß Kuba geöffnet wird,
daß die Sowjetunion geöffnet wird. Sie werden es nicht tun, weil ein
totalitäres System nur unter Geheimhaltung existieren kann.
Frage :

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�"AMERIKA DIENST
Frage; Haben die Inspektionen, die anderswo in der Welt stattgefunden haben, beispielsweise in Kordkorea, Ihnen irgendeine
Hoffnung gegeben, daß dies als System funktionieren wird?
Antwort: Nein. Ich glaube, die Kamera wird tatsächlich unser
bester Inspektor sein.
Frage: Herr Präsident, sehen Sie in der Art»wie die Kuba-Krise
beendet oder doch praktisch beendet wurde, in der Art, wie sie zumindest vom Höhepunkt der Fieberkurve herunterkam, sowie in der
Entwicklung anderer weltweiter Probleme irgendwelche Anzeichen,
die Sie zu der Annahme führen könnten, daß eine Gipfelkonferenz zu
irgendeinem Zeitpunkt in der nahen Zukunft nützlich sein würde?
Antwort: Nein, nicht gerade zu diesem Zeitpunkt. Ich glaube, daß
das Treffen in Wien von Nutzen war. Es war nützlich für mich - aber
ich glaube nicht, daß wir bis dahin zurückgehen sollten, es sei denn,
daß wir den Weg wirklich frei sehen, ein Abkommen über die Atomversuche oder die Abrüstung zu erreichen oder in Europa selbst zu einer
gewissen Verständigung zu gelangen. Las ist wirklich unser V/uns eh.
Wie ich schon sagte, leben wir jetzt in einer Zeit, die zu gefährlich ist, als daß wir Spannungen zwischen der Sowjetunion und den
Vereinigten Staaten haben oder solche wünschen sollten. Und daher
sollten wir meines Erachtens alles fördern, was ihre Politik, die uns
abträglichen Dinge zu unterstützen, mildern kann. Aber solange wir
nicht einen gewissen Durchbruch auf irgendeinem Gebiet sehen, halte
ich ein Treffen zwischen Herrn Chruschtschow und mir nicht für sehr
vorteilhaft, auch wenn wir miteinander in Verbindung standen... und
über unsere Beauftragten in New York Verhandlungen führen. Aber ich
glaube nicht, daß für uns eine Notwendigkeit besteht, jetzt zusammenzukommen. Ich glaube, daß Chruschtschow wahrscheinlich genauso denkt."

*

* * *

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�A M E R I K A

D I E N S T

KENNEDY UNTERBREITET BOTSCHAFT ÜBER
DIE LAGE DER NATION
(State of the Union Message)

�"AMERIKA DIENST

Allg./XVI - 3

KENNEDY UNTERBREITET BOTSCHAFT ÜBER DIE LAGE DER NATION

Nachstehend übermitteln wir Ihnen den
Wortlaut der Botschaft über die Lage
der Nation (State of the Union Message),
die Präsident John F. Kennedy am 14»
Januar 19^3 auf einer gemeinsamen Sitzung
des US-Kongresses verlesen hat. Er legt
darin sein innen- und außenpolitisches
Regierungsprogramm für das dritte Jahr
seiner Amtszeit dar.

Herr Vizepräsident,
Herr Sprecher des Repräsentantenhauses,
Sehr verehrte Mitglieder des 88. Kongresses:
Ich beglückwünsche Sie alle - nicht nur zu Ihrem Wahlsieg,
sondern auch zu der bevorzugten Rolle, die Sie in der Geschichte
spielen werden. Denn Sie und ich sind privilegiert, der großen
Republik in einer Zeit dienen zu dürfen, die sich leicht als das
entscheidendste Jahrzehnt ihres Bestehens erweisen kann. Die Entscheidungen, die wir treffen, zum Guten oder zum Bösen, mögen das
Wohlergehen der Nation auf Generationen hinaus beeinflussen.
Vor wenig mehr als 100 Wochen habe ich das Amt des Präsidenten übernommen. Als ich den Kongreß und meine Landsleute um ihre
Mithilfe ersuchte, versprach ich keine leichten Lösungen. Ich
versprach und forderte nur Mühe und Hingabe. Diese haben der Kongreß und das Volk in hohem Maße aufgebracht. Und heute kann ich,
nachdem ich in den letzten Monaten Zeuge einer gesteigerten Hochachtung vor unseren nationalen Zielsetzungen und unserer Macht als
Nation war, nachdem ich die mutige Ruhe eines einigen Volkes in
einer gefährlichen Stunde erlebt und eine ständige Verbesserung
der Aufstiegsmöglichkeiten und des Wohlstandes unserer Bür*ger
beobachtet habe, Ihnen berichten, daß die Lage dieser alten, aber
jugendlichen Nation im 175« Jahr ihres Bestehens gut ist.
In der Welt jenseits unserer Grenzen sind ständige Fortschritte
beim Aufbau einer Welt der Ordnung gemacht worden. Die Bevölkerung
von West-Berlin bleibt frei und sicher. In Laos ist eine Lösung, die
zwar immer noch prekär ist, erreicht worden. In Südvietnam wurde
der Aggression die Spitze genommen. Im Kongo dürfte das Ende der
qualvollen Wirren in Sicht sein. Die Troika-Doktrin ist tot. Und
wenn die Gefahr auch noch nicht ganz beseitigt ist, wurde dennoch
eine tödliche Bedrohung von Kuba abgewendet.
Hier

1

�"AMERIKA DIENST"
Hier bei uns in den USA liegt die Rezession hinter uns. Heute
sind über eine Million mehr Männer und Frauen beschäftigt, als dies
vor zwei Jahren der Fall war. Die durchschnittliche Arbeitswoche
in den Fabriken beträgt erneut über 40 Stunden. Unsere Industrien
produzieren mehr Güter als jemals zuvor, und über die Hälfte der
Produktionskapazität, die noch vor hundert Wochen still und ungenutzt dalag, läuft wieder auf vollen Touren.
Um es kurz zu sagen, sowohl hier bei uns als auch im Ausland
ist man jetzt vielleicht versucht, sich auszuruhen. Denn der Weg
war lang, die Last schwer, und das Tempo immer angespannt.
Aber wir können uns nicht damit zufriedengeben, hier stehenzubleiben . Jies ist der Anstieg , , nicht der Gipfel. Das bloße Fehlen von
Krieg bedeutet nicht Frieden. Keine Rezession bedeutet noch nicht
Wachstum. Wir haben einen Anfang gemacht - aber wir haben erst begonnen .
Jetzt ist die Zeit gekommen, um unsere Erfolge voll und ganz
auszunutzen-um aus der Erneuerung unserer nationalen Stärke heraus
die Verwirklichung unserer nationalen Ziele zu erreichen.
Amerika hat sich 22 Monate einer ununterbrochenen wirtschaftlichen Erholung erfreuen können. Aber Erholung ist nicht genug. Wenn
wir auf lange Sicht Erfolg haben wollen, dann müssen wir die Stärke
unserer Wirtschaft auf lange Sicht ausbauen. Wir müssen den Weg zu
einer höheren Wachstumsrate und zur Vollbeschäftigung verfolgen.
Denn dies würde in jedem Jahr ein Mehr von vielen zehn Milliarden Dollar an Produktion, Gewinnen, Löhnen, öffentlichen Einnahmen
bedeuten. Dies würde das Ende der hartnäckigen Flaute bedeuten, die
die Arbeitslosigkeit in 61 von 62 Monaten auf einer Rate von fünf
Prozent oder mehr gehalten hat - und auch ein Ende des wachsenden
Druckes in Richtung auf solche restriktiven Maßnahmen wie die 35Stunden-Woche, die allein unsere Arbeitskosten pro Stunde bis zu
14 Prozent erhöhen, eine neue inflationistische Lohn-Preis-Spirale
auslösen und unsere Bemühungen, mit anderen Ländern zu konkurrieren,
unterminieren könnte.
Um diese größeren Erfolge zu erreichen, ist vor allem anderen
ein Schritt notwendig: die Verwirklichung einer wesentlichen Senkung
und Revision der Bundeseinkommensteuer noch in diesem Jahr.
Denn es wird - für alle diejenigen in der Regierung, in der
Wirtschaft und in den Gewerkschaften, die die Verantwortung für unseren wirtschaftlichen Erfolg tragen - immer deutlicher, daß unser
veraltetes Steuersystem auf die Kaufkraft, die Gewinne und die Beschäftigung hemmend wirkt. Es wurde einst mit dem Ziel geschaffen,
der Inflation sinhalt zu gebieten, behindert heute aber statt dessen
das Wirtschaftswachstum. Es entmutigt jede zusätzliche Anstrengung
und Risikobereitschaft. Es bringt Verwirrung in die Nutzung unserer

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�AMERIKA DIENST"
unserer Hilfsquellen und begünstigt immer wieder neue Rezessionen,
verringert die Staatseinnahmen und führt zu chronischen Haushaltsdefiziten.
Heute, da der inflationistische Druck der Kriegs- und Nachkriegszeit nicht mehr länger droht und der Dollar wieder neues Ansehen gewonnen hat und keine militärische Krise unsere Hilfsquellen
überfordert - heute ist die Zeit zum Handeln. Wir können es uns nicht
leisten, ängstlich und langsam vorzugehen. Denn es handelt sich hier
um die vordringlichste Aufgabe, vor die sich der Kongreß im Jahre 1963
gestellt sieht.
Schon bald werde ich in einer Botschaft an den Kongreß eine
ständige Senkung der Steuersätze vorschlagen, die die Steuerbelastung
um 13,5 Milliarden Dollar verringern wird. Hiervon entfallen 11 Milliarden Dollar auf die Senkung der Einkommensteuersätze, die gegenwärtig zwischen 20 und 91 Prozent liegen, auf einen vernünftigeren Satz
von 14 bis 65 Prozent bei gleichzeitiger Teilung der derzeitig ersten Steuergruppe. 2,5 Milliarden Dollar entfallen auf die Senkung
des Körperschaftssteuersatzes von 52 Prozent - der dem Staat gegenwärtig den Hauptanteil am Gewinn zuspricht - auf den vor der Koreakrise üblichen ständigen Satz von 47 Prozent. Dies geschieht zusätzlich zu der Senkung der Körperschaftssteuerbelastung um über 2 Milliarden Dollar auf Grund der im vergangenen Jahr eingeführten Steuererleichterungen für Investitionen und der erweiterten Abschreibungsmöglichkeiten .
Um diese Steuersenkungen innerhalb der Grenzen eines noch tragbaren Haushaltsdefizits vornehmen zu können, fordere ich: erstens
diese Steuersenkungen innerhalb von drei Kalenderjahren stufenweise
vorzunehmen, beginnend 1963 mi't einer Jahresrate von rund 6 Milliarden
Dollar; zweitens diese Steuersenkungen - beginnend 1 9&amp;4 - m^
ganz
bestimmten Strukturänderungen zu koppeln, die die Steuerbasis verbreitern, ungerechtfertigte oder unnötige Begünstigungen aufheben,
gewisse Härten beseitigen oder mildern und im Endeffekt rund 3»5 Milliarden der entgangenen Steuern wettmachen werden; und drittens die Haushaltseinnahmen von vornherein - ohne irgendwelche Änderung der Steuerbelastung - um jährlich 1,5 Milliarden Dollar über eine allmähliche
Vorverlegung der Steuertermine der großen Kapitalgesellschaften durch
raschere Veranlagung zu erhöhen. Dieses Gesamtprogramm wird durch
Steigerung des Volkseinkommens zu gegebener Zeit auch zu höheren
Staatseinnahmen führen. Es ist ein von fiskalischer Verantwortung getragenes Programm, der sicherste und vernünftigste Weg, um möglichst
bald einen ausgeglichenen Haushalt bei einer ausgeglichenen vollbeschäftigten Wirtschaft zu erzielen.
Diese Senkung der Steuerbelastung um Netto 10 Milliarden Dollar
wird zu einer Vermehrung der Kaufkraft der amerikanischen Familien und
Wirtschaftsunternehmen in jeder Steuergruppe führen, wobei die Verbraucher der unteren Einkommensgruppen am meisten profitieren werden. Außerdem wird sie die Initiative und die Risikobereitschaft fördern, von

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�"AMERIKA DIENST"
von denen unser freies Wirtschaftssystem abhängig ist, höhere Investitionen, eine höhere Produktionskapazität und eine bessere
Ausnutzung der vorhandenen Kapazität bewirken, mit zur Schaffung der
zwei Millionen neuen Arbeitsplätze beitragen, die wir jährlich brauchen, sowie das amerikanische Prinzip der zusätzlichen Belohnung für
zusätzliche Anstrengungen stärken. Ich will damit nicht sagen, daß
Maßnahmen für eine Senkung der Steuern und eine Steuerreform der
einzige Weg sind, um diese Ziele zu erreichen.
- Ohne Zweifel könnte eine massive Erhöhung der öffentlichen
Ausgaben ebenfalls Arbeitsplätze und wirtschaftliches Wachstum
schaffen - aber in Anbetracht der heutigen Verhältnisse sollte den
privaten Verbrauchern, Arbeitgebern und Investoren zuerst eine ausreichende Chance gegeben werden.
- Ohne Zweifel könnte eine vorübergehende Steuersenkung unserer
Wirtschaft einen Impuls geben - aber ein langfristiges Problem erfordert eine langfristige Lösung.
- Ohne Zweifel würde auch eine Herabsetzung entweder der Einkommen- oder der Körperschaftssteuer allein schon eine große Hilfe
darstellen - aber die Wirtschaftsunternehmen brauchen Kunden und die
Arbeitsuchenden Arbeitsplätze.
- Ohne Zweifel würde eine Herabsetzung der Steuern ohne eine
Reform vielen einfacher und attraktiver erscheinen - aber unser wirtschaftliches Wachstum wird ebenfalls durch eine Vielzahl von steuerlichen Ungerechtigkeiten und Präferenzen gehemmt, die den Fluß der
Investitionsgelder in falsche Bahnen gelenkt haben.
- Und schließlich gibt es ohne Zweifel einige, die eine Herabsetzung der Steuern lieber in der Hoffnung aufschieben würden, daß
letztlich ein Ende des kalten Krieges einen entsprechenden Schnitt
bei den Ausgaben ermöglichen könnte - aber dieses Ende ist nicht in
Sicht, und sich diesem Wunsche hinzugeben wäre kostspielig und widersinnig.
Mit der Vorlage eines Steuerprogramms, das selbstverständlich
das Defizit vorübergehend erhöhen wird, es aber letzten Endes ausgleichen kann, und in Anbetracht der Notwendigkeit einer Kontrolle
der Ausgaben werde ich in Kürze ein Regierungsbudget für das Haushaltsjahr 1964 vorlegen, das die erforderlichen Erhöhungen für Verteidigung, Raumfahrt und den Zinsendienst berücksichtigt und das die
Gesamtausgaben für alle anderen Posten unter dem Niveau für das laufende Jahr hält.
Dies erfordert die Reduzierung oder den Aufschub vieler wünschenswerter Programme - Auffangen eines großen Teils der Gehaltserhöhungen
für Bundesbedienstete im vergangenen Jahr durch Personaleinsparungen
und andere Sparmaßnahmen, Stillegung gewisser Einrichtungen und Beendigung gewisser Prodjkte sowie für mehrere Programme die Aufbringung

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�"AMERIKA DIENST"
Aufbringung von Anleihen von privater Seite anstatt durch die
öffentliche Hand. Aber ich bin überzeugt, daß die Verabschiedung
der Steuersenkung und -reform in diesem Jahr alle anderen innenpolitischen Probleme, die dieser Kongreß zu lösen hat, überschattet.
Denn wir können nicht auf die Dauer die Sache des Friedens und der
Freiheit anführen, wenn wir nicht im eigenen Lande Vorbild sind.
Eine Steuersenkung allein ist jedoch nicht genug, um unsere
Gesellschaft zu stärken, um für die vier Millionen Amerikaner, die
in jedem Jahr geboren werden, neue Möglichkeiten zu schaffen und
um das Leben der 32 Millionen Amerikaner zu verbessern, die immer
noch am Rande der Armut leben.
Die Qualität des amerikanischen Lebens muß Schritt halten mit
der Quantität der amerikanischen Güter.
Unser Land kann es sich nicht leisten, einerseits reich und
andererseits bitter arm zu sein.
Dadurch, daß wir die Budgetkosten der gegenwärtigen Programme
niedrig halten, damit sie in den von mir genannten Grenzen bleiben,
ist es sowohl möglich als auch dringend notwendig, weitere neue
Maßnahmen zu ergreifen, die aufzuschieben wir uns nicht leisten
können.
Diese Maßnahmen sind auf eine Reihe fundamentaler Voraussetzungen gegründet, die unter vier miteinander in Beziehung stehende
Sparten fallen:
Erstens müssen wir unsere Nation dadurch stärken, daß wir mehr
für unsere Jugend tun:
- Die Zukunft eines jeden Landes, das von dem Willen und der
Weisheit seiner Bürger getragen wird, leidet Schaden - und zwar nicht
wieder gutzumachenden Schaden - wenn von seinen Kindern nicht alle von der Grundschule über die höhere Schule - die Erziehung erhalten,
die eine volle Entfaltung ihrer Fähigkeiten ermöglicht. Heute beenden
schätzungsweise vier von zehn Schülern des fünften Schuljahres nicht
einmal die Oberschule - und das ist eine Vergeudung, die wir uns nicht
leisten können.
- Ferner ist nicht einzusehen, weshalb eine Million junger Amerikaner nach der Schulzeit keine Arbeit finden, nicht gebraucht werden
und oft als Ungelernte auf der Straße bleiben müssen, obwohl ihre
Kräfte nutzbringend eingesetzt werden könnten.
- Schließlich läßt der Erfolg unserer Freiwilligen vom Friedenskorps in Übersee - die meisten von ihnen junge Männer und Frauen mit
echtem Können und dem Idealismus zur Hilfeleistung für Völker, die
solcher Hilfe bedürfen - die Einrichtung eines ähnlichen Korps für den
Dienst in unseren eigenen Gemeinwesen als verdienstvoll erscheinen: _in.

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�'AMERIKA DIENST"
in Heilanstalten, in Indianerreservaten, in Altersheimen und
Jugendhaftanstalten, in Schulen für Analphabeten oder für geistig
Behinderte. So wie der Idealismus unserer Jugend dem Weltfrieden
bereits gedient hat, so kann er auch zu Ruhe und Frieden in der
Heimat beitragen.
Zweitens müssen wir unsere Nation stärken, indem wir ihre
Gesundheit schützen:
- Unsere arbeitenden Männer und Frauen sollten, anstatt
Unterstützung von der Öffentlichen Wohlfahrt in Anspruch nehmen
zu müssen, sobald sie alt und krank sind, jetzt damit beginnen, im
Rahmen des Sozialversicherungssystems Vorsorge für Krankheit im
Alter zu treffen.
- Außerdem werden alle Wunder medizinischer Forschung nur wenig
ins Gewicht fallen, wenn wir den gegenwärtigen Zustand, nämlich den
wachsenden Mangel an Ärzten, Zahnärzten und Schwestern und den weitverbreiteten Mangel an Pflegeheimen und modernen städtischen Krankenhauseinrichtungen, nicht beheben können. Nur um zu verhindern, daß
der gegenwärtige Prozentsatz an Ärzten und Zahnärzten weiter absinkt,
müssen wir die Kapazität unserer medizinischen Hochschulen in den
nächsten zehn Jahren um 50 Prozent, die unserer zahnärztlichen Hochschulen um 100 Prozent erhöhen.
- Schließlich - und ich sage dies aus tiefer Besorgnis - bin
ich der Überzeugung, daß das Ausgeliefertsein der Geisteskranken
und der geistig Behinderten an die Gnade und Barmherzigkeit geschlossener Anstalten nur zu oft eine unnötige Grausamkeit für diese
selbst und ihre Familien bedeutet, die unser Volk nicht dulden dürfte.
Geistige Behinderung ist bei uns dreimal häufiger als beispielsweise
in Schweden - und diese Zahl kann und muß verringert werden.
Drittens müssen wir unsere Nation durch den Schutz der Grundrechte
ihrer Bürger stärken:
- Das Recht auf saqhgemäße Beratung muß jedem Angeklagten vor
Gericht zustehen, gleichgültig, in welcher wirtschaftlichen Lage er
sich befindet.
- Und das kostbarste und gewichtigste Recht auf der Welt, das
Recht auf Teilnahme an einer freien amerikanischen Wahl, darf keinem
Bürger auf Grund seiner Hautfarbe oder Rasse verweigert werden. Ich
wünschte, daß alle politisch mündigen Amerikaner, die Wählen dürfen,
auch zur Wahl gingen - auf jeden Fall aber sollte in diesem Gedenkjahr
für die Emanzipationserklärung vor hundert Jahren allen, die wählen
wollen, dies stets auch gestattet sein.
Viertens müssen wir unsere Nation stärken, indem wir unsere
natürlichen Hilfsquellen und Einrichtungen auf wirtschaftlichste
Weise nutzen:
- Das

�'AMERIKA DIENST"
- Das Wohlergehen unserer Wirtschaft ist von intakten Verkehrsadern abhängig, und ich glaube, daß wir uns durch verstärkten Wettbewerb und den Abbau von Verordnungen eine zeitgemäßere und wirtschaftlichere Art der Dienstleistungen innerhalb des amerikanischen
Transportwesens schaffen können. Der örtliche Berufsverkehr, der
noch schlechter daran ist, ist eine kommunale Dienstleistung, die
ebenso notwendig ist wie Krankenhäuser und Autobahnen. Fast Dreiviertel
unserer Bevölkerung lebt in Städten, die nur zwei Prozent der Bodenfläche unseres Landes einnehmen, und wenn der örtliche Verkehr nicht
zusammenbrechen soll und unsere verstopften Städte entlastet werden
sollen, muß.die Bundesregierung ermutigend und helfend einschreiten.
- Ferner muß sich unsere Regierung um die Nahrungsmittel- und
Rohstoffbevorratung kümmern, mit einem bedauerlichen Aufwand von über
16 Milliarden Dollar. Wir müssen das Einkommen der Farmer auch weiterhin stützen, wir sollten aber nicht die Bestände an Agrarerzeugnissen
in Höhe von 7&gt;5 Milliarden Dollar, die wir bereits besitzen, noch vermehren. Wir müssen einen Vorrat an strategisch wichtigen Rohstoffen
halten, doch die Rohstoffe im Werte von 8,5 Milliarden Dollar, die wir aus gutem und schlechtem Grund - bereits aufgekauft haben, sind mehr
als ausreichend; und wir sollten ermächtigt werden, überschüssige Bestände so abzustoßen, daß der Markt nicht gestört wird.
- und als Letztes, unsere heute bereits überlaufenen Nationalparks und Erholungsgebiete werden in zehn Jahren doppelt soviel Besucher zählen wie jetzt. Wenn wir nicht heute schon auf die künftige
Mehrung dieser und anderer großer Schätze unserer Natur - nicht nur
der Parks und Waldungen, sondern auch der Wild- und Naturschutzgebiete,
der Wasserbauprojekte aller Art - bedacht sind, dann werden unsere Kin- I
der und Kindeskinder im wahrsten Sinne des Wortes einmal ärmer sein. Dem
Kongreß werden in Kürze Vorschläge unterbreitet werden, um diesen großen
Aufgaben gerecht zu werden.
Das sind nicht allein innenpolitische Angelegenheiten. Denn von
der größeren Dynamik und Stärke im eigenen Lande hängen unser Schicksal
und unsere Zukunft in der Welt ab - unsere Fähigkeit, die Sicherheit
freier Menschen und Staaten aufrechtzuerhalten und zu gewährleisten unsere Fähigkeit, ihre Respektierung unserer Führungsrolle zu erlangen unsere Fähigkeit, unseren Handel auszuweiten, ohne unsere Zahlungsbilanz
zu gefährden - unsere Fähigkeit, uns den wechselnden Anforderungen des
Wettbewerbs und der Herausforderung des kalten Krieges anzupassen.
Wir werden mehr nach dem beurteilt werden, was wir im eigenen
Hause vollbringen, als nach dem, was wir im Ausland predigen. Nichts
von dem, was wir für die Entwicklungsländer tun könnten, würde diesen
auch nur halb soviel helfen wie eine blühende Wirtschaft in den USA,
die die Rohstoffe aus diesen Ländern verbraucht; und nichts könnte den
Ehrgeiz unserer Gegner auch nur halb so stark anstacheln wie eine chronisch kränkelnde Wirtschaft in den USA. Diese innenpolitischen Aufgaben
würden die Kraftreserven unserer Sicherheit nicht anzapfen - sie sind
das eigentliche Fundament für den Fortbestand und den Erfolg der Frei-

�"AMERIKA PIEKST"
Wenden wir uns jetzt der Welt draußen zu. Noch vor wenigen
Jahren suchte der Kommunismus in Südostasien, in Afrika, in
Osteuropa, in Lateinamerika, ja sogar im Weltraum das Bild einei
einheitlichen, auf sich vertrauenden und sich ausweitenden Imperiums zu vermitteln, das ein träges Amerika und eine sich in
Unordnung befindliche freie Welt immer mehr einengte. Aber heute
würden wohl nur wenige Menschen an ein solches Bild glauben.
In den vergangenen Monaten haben wir erneut die Wissenschaft-^
liehe und militärische Überlegenheit der Freiheit bekräftigt. Wir
haben unsere Weltraumbemühungen verdoppelt, um sicherzustellen,
daß wir in Zukunft die ersten sind. Wir haben die weitestreichenden1
Verteidigungsverbesserungen getroffen, die unser Land jemals in
Friedenszeiten unternommen hat. Und wir haben die Grenzen der
Freiheit von Vietnam bis nach West-Berlin aufrechterhalten.
Aber Beschaulichkeit oder Selbstgefälligkeit können unsere
Sicherheit genauso gefährden wie die Waffen unserer Gegner. Eine
kurze Atempause ist noch nicht mit Frieden gleichzusetzen. Gefahrvolle Probleme bestehen weiterhin von Kuba bis zum Südchinesischen
Meer. Die Aussichten der Welt verheißen, kurz gesagt, nicht ein
Jahr der Erholung, sondern ein Jahr der Verpflichtungen und der
Möglichkeiten.
Vier besondere große Möglichkeiten zeichnen sich hier ab:
die Atlantische Allianz, die Entwicklungsländer, die neuen chinesisch-sowjetischen Schwierigkeiten und das Bemühen um einen weltweiten Frieden.
Wie steht es erstens um die große Allianz? Das freie Europa
tritt in eine neue Phase seiner langen und glanzvollen Geschichte
ein. Die Ära der kolonialen Expansion ist vorüber, die Ära der
nationalen Rivalitäten schwindet, und eine neue Ära der luterdependenz und der Einheit gewinnt Gestalt. Den alten Marx'sehen Prophezeiungen zum Trotz haben sich die freien Nationen Europas bereitgefunden, zu tun, was kein Eroberer erzwingen konnte: eine einheitliche Zielsetzung und Macht und Politik in jedem Aufgabenbereich
herzustellen.
Seit siebzehn Jahren haben wir diese Entwicklung sowohl politisch als auch wirtschaftlich konsequent unterstützt. Weit davon
entfernt, an dem neuen Europa Anstoß zu nehmen, betrachten wir sa
als willkommenen Partner, nicht als Rivalen. Denn der Weg zum Frieden und zur Freiheit der Welt ist noch sehr lang, und es gibt Lasten, die nur vollgültige Partner zu teilen vermögen - in der Vorsorge für die gemeinsame Verteidigung, in der Ausweitung des Welthandels, in der Ausgleichung unserer Zahlungsbilanz, in der Unterstützung der mündig werdenden Nationen, in der Abstimmung politischer
und wirtschaftlicher Direktiven und in der Einbeziehung anderer
Industriestaaten in unsere gemeinsamen Anstrengungen, namentlich
Japans, dessen bemerkenswerte wirtschaftliche und politische Entwicklung in den fünfziger Jahren ihm jetzt gestattet, in der Weltpolitik eine gewichtige konstruktive Rolle zu übernehmen.
;

8

-

Zweifellos

�"AMERIKA DIENST"
Zweifellos wird man auch weiterhin den Meinungsverschiedenheiten
mehr Aufmerksamkeit widmen als den Vereinbarungen über künftiges Handeln, während Europa den Übergang von der Unabhängigkeit zu einer
präziser formulierten Interdependenz vollzieht. Doch sind dies ehrliche Differenzen zwischen redlichen Bundesgenossen - und sie treten
tatsächlich konkreter und häufiger unter unseren westeuropäischen
Verbündeten auf als zwischen ihnen und den Vereinigten Staaten. Denn
die freiheitliche Einigkeit hat noch nie auf der Uniformität der Ansichten beruht. Aber nach wie vor herrscht innerhalb dieses Bündnisses
prinzipielle Übereinstimmung in den Grundsatzfragen.
Die erste Aufgabe des Bündnisses bleibt die gemeinsame Verteidigung. Im letzten Monat legten Premierminister Macmillan und ich
Pläne für einen neuen Abschnitt unserer langjährigen gemeinschaftlichen Bemühungen fest, wobei es darum geht, bei der umfassenderen Aufgabe des Aufbaus einer gemeinsamen Kernwaffenverteidigung für die
gesamte Allianz Hilfestellung zu leisten.
In der Vereinbarung von Nassau wird anerkannt, daß die Sicherheit des Westens unteilbar ist und daß wir dementsprechend unsere
Verteidigung einrichten müssen. Aber sie stellt auch fest, daß unser
Bündnis ein Bündnis stolzer und souveräner Nationen ist, das am besten
funktioniert, wenn wir dies nicht vergessen. Sie stellt ferner fest,
daß die Kernwaffenverteidigung des Westens keine Angelegenheit ist, für
die nur die gegenwärtigen Atommächte allein zuständig sind, daß Frankreich demnächst eine solche Macht sein wird und daß wir - ohne die Risiken der Kernwaffenausbreitung zu vergrößern - Wege finden müssen, um
die Mitwirkung unserer anderen Partner bei der Planung, Bemannung und
Leitung einer wirklich multilateralen Kernwaffenstreitmacht innerhalb
eines sich immer enger gestaltenden NATO-Bündnisses zu verstärken.
Schließlich stellt das Übereinkommen von Nassau fest, daß die Kernwaffenverteidigung nicht ausreicht, daß die vereinbarten NATO-Ziele für
die konventionellen Streitkräfte verwirklicht werden müssen und daß die
NATO-Bündnispartner es nicht darauf ankommen lassen dürfen, in eine
Lage zu geraten, in der sie jede Drohung nur noch mit Kernwaffen oder
aber überhaupt nicht beantworten könnten.
Wir stehen den Entscheidungen von Nassau noch zu nahe und sind von
ihrer endgültigen Verwirklichung noch zu weit entfernt, um sagen zu
können, welchen Platz sie in der Geschichte einnehmen werden. Ich
glaube jedoch, daß die nukleare Verteidigung zum ersten Mal angefangen
hat zu einer Quelle des Vertrauens statt zu einem Streitobjekt zu werten.
Das nächste dringende Anliegen der Allianz sind unsere gemeinsamen wirtschaftlichen Ziele auf dem Gebiet des Handels und der Expansion. Die amerikanische Nation ist weiterhin um das Defizit in
ihrer Handelsbilanz besorgt, das zwar kleiner geworden ist, aber
trotzdem ein hartnäckiges und unangenehmes Problem bleibt. Wir sind
darüber hinaus überzeugt, daß engere wirtschaftliche Beziehungen

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�"AMERIKA DIENST"
Beziehungen zwischen allen freien Nationen für Prosperität und Frieden entscheidend wichtig sind. Weder wir noch die Mitglieder des
Gemeinsamen Marktes sind so reich, daß wir es uns auf die Dauer leisten könnten, landwirtschaftliche Betriebe oder Fabriken vor dem
frischen Wind der ausländischen Konkurrenz abzuschirmen oder die
Handelsbeziehungen mit anderen Nationen der freien Welt einzuschränken. Wenn sich der Gemeinsame Markt jetzt auf Protektionismus und Restriktionen verlegen sollte, würde er seine eigenen Grundprinzipien
untergraben. Die amerikanische Regierung will die ihr vom Kongreß
im vergangenen Jahr übertragene Vollmacht dazu benutzen, um die Ausweitung des Handels auf beidtn Seiten des Atlantik und auf der ganzen
Welt zu ermutigen.
Wie steht es nun zweitens mit den Entwicklungsländern und bündnisfreien Nationen? Sie waren, so glaube ich, über den plötzlichen
und geheimen Versuch der Sowjets, Kuba zu einer nuklearen Aggressionsbasis zu machen, und über die anmaßende Invasion Chinas in Indien
überaus bestürzt. Sie sind durch unsere sofortige Hilfe für Indien,
durch unsere über die Vereinten Nationen geleistete Unterstützung
für die Wiedervereinigung des Kongo, durch unser geduldiges Bemühen
um die Abrüstung und durch unsere bessere Behandlung von Bürgern und
Besuchern, deren Hautfarbe zufällig nicht weiß ist, beruhigt. Und
in dem Maße , in dem der alte Kolonialismus schwindet und der Neokolonialismus der kommunistischen Mächte krasser denn je in Erscheinung
tritt, erkennen sie immer klarer, daß es in der Auseinandersetzung
der Welt nicht um die Frage Kommunismus gegen Kapitalismus geht, sondern um die Frage Zwang gegen Entscheidungsfreiheit.
Sie erkennen, daß die Sehnsucht nach Unabhängigkeit in der ganzen
Welt die gleiche ist, ob es sich nun um die Unabhängigkeit von WestBerlin oder von Vietnam handelt. Sie erkennen, daß eine solche Unabhängigkeit allen kommunistischen Ambitionen zuwiderläuft, aber in
Übereinstimmung mit den unsrigen steht, und daß unsere Haltung gegenüber ihren Nöten beweglich und einfallsreich ist, während die Kommunisten sich auf alte Doktrinen und Dogmen stützen.
Dennoch ist es für jedes Land schwer, sich auf eine von außen
kommende oder subversive Bedrohung seiner Unabhängigkeit einzustellen,
wenn seine Energien im täglichen Kampf mit den Kräften der Armut und
Verzweiflung aufgezehrt werden. Es ist wenig sinnvoll für uns, in
Reden und Resolutionen die Schrecken des Kommunismus anzugreifen,
50 Milliarden Dollar pro Jahr zur Verhinderung seines militärischen
Vormarsches aufzuwenden und dann über die Ausgaben - hauptsächlich
für amerikanische Erzeugnisse - zu nörgeln, die weniger als ein Zehntel jener Summe ausmachen und die anderen Nationen helfen, ihre Unabhängigkeit zu festigen und das soziale Chaos zu beseitigen, in dem
der Kommunismus seit je gedieh.
Ich bin stolz - und ich glaube, auch die meisten Amerikaner sind
stolz - auf das gemeinsame Verteidigungs- und Hilfsprogramm, daß
mit Unterstützung beider Parteien unter drei verschiedenen Präsidenten

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�AMERIKA DIENST
Präsidenten ausgebaut wurde und das, mit all seinen bekannten
Problemen, wesentlich dazu beigetragen hat, daß nicht ein einziges
der fast 50 Mitglieder der Vereinten Nationen», die seit dem Ende
des zweiten Weltkrieges ihre Unabhängigkeit gewonnen haben, dem
Kommunismus anheimfiel.
Ich bin stolz auf ein Programm, das dazu beigetragen hat,
Millionen von Menschen an der Front der Freiheit mit Waffen, Nahrung
und Kleidung zu versorgen.
Ich bin besonders stolz darauf, daß dieses Land ein riesiges
gemeinsames Vorhaben für die sechziger Jahre in Angriff genommen hat,
um wirtschaftliches Wachstum und sozialen Fortschritt im gesamten
amerikanischen Raum zu schaffen - die Allianz für den Fortschritt.
Ich unterschätze die Schwierigkeiten nicht, denen wir uns bei
dieser gemeinsamen Anstrengung zusammen mit unseren nächsten Nachbarn
gegenübersehen. Die freien Nationen dieser Hemisphäre haben jedoch in
enger Zusammenarbeit damit begonnen, dieser Allianz Gestalt zu geben.
Durch dieses Programm erhält gegenwärtig jedes vierte Kind im schulpflichtigen Alter in Lateinamerika eine Sonderration an Lebensmitteln
aus unseren Überschußbeständen, wurden ferner 1,5 Millionen Schulbücher
verteilt; und es werden 17 000 Klassenräume erstellt. Es hat dazu beigetragen, Zehntausende von Bauernfamilien auf Grund und Boden anzusiedeln, den sie ihr eigen nennen können. Es hat unsere Nachbarn zu größerer Selbsthilfe und Reformen angeregt - zu fiskalischen, sozialen,
institutionellen und Landreformen. Es bringt Millionen, die bisher
vergessen waren, Heime, Hoffnung und Gesundheit. Die Männer und Frauen
dieser Hemisphäre wissen, daß die Allianz keinen Erfolg haben würde,
wenn sie nur eine andere Bezeichnung für Geschenke aus den Vereinigten
Staaten wäre - und daß sie nur dann Erfolg haben kann, wenn die lateinamerikanischen Staaten selbst ihre ganze Kraft zur Erfüllung dieser Aufgabe einsetzen.
Las gleiche gilt für Afrika, für den Mittleren Osten und Asien.
Wo immer Nationen bereit sind, sich selbst zu helfen, sind wir bereit,
sie beim Aufbau neuer Bollwerke der Freiheit zu unterstützen. Wir kaufen keine Stimmen für den kalten Krieg; wir sind den gefährdeten Nationen zu Hilfe geeilt, und zwar den Neutralen genauso wie unseren Verbündeten. Was wir aber verlangen - und es ist alles, was wir verlangen
- ist, daß unsere Unterstützung so verwendet wird, daß sie größtmöglichen Nutzen bringt, und daß durch nutzlose Streitigkeiten mit
anderen unabhängigen Ländern die eigenen Bemühungen dieser Länder
nicht verzettelt werden.
Trotz aller Erfolge in der Vergangenheit dürfen wir uns um des
weiteren Fortschrittes des gemeinsamen Hilfsprogramms willen mit dem
bisher Erreichten keinesfalls zufriedengeben. Wir haben dieses Programm reorganisiert, um es zu einem wirksameren, schlagkräftigeren
Instrument zu machen, und dieser Prozeß wird in diesem Jahr weiter
andauern.
AV O T .

�"AMERIKA DIENST"
Aber im Kampf um die Entwicklung der freien Welt werden wir auch
weiterhin bergan schreiten müssen. Regierungshilfe kann die Punktion
der Privatinvestition, der Ausweitung des Handels, der Stabilisierung
der Rohstoffpreise und vor allem der Eigenbemühungen um die Verbesserung der Verhältnisse nur ergänzen. Der Prozeß des Wachstums geht
stufenweise vor sich - und trägt Früchte erst in einem Jahrzehnt und
nicht in einem Tag. Unsere Erfolge werden weder über Nacht kommen
noch aufsehenerregend sein. Aber wenn diese Programme jemals eingestellt werden sollten, dann würden unsere Fehlschläge in einem
Dutzend Länder auf einen Schlag und mit Sicherheit spürbar sein.
In dem Kampf gegen die Armut dürfen jedoch Geld und technische
Hilfe nicht unsere einzigen Waffen sein. Letztlich ist die entscheidende Anstrengung eine Sache der Zielsetzung - die nicht nur den
Brennstoff des Geldes, sondern die Flamme des Idealismus erfordert.
Und niemand trägt den Geist des amerikanischen Idealismus wirksamer
in die entfernten Winkel der Erde und verleiht unseren Hoffnungen
besseren Ausdruck als das Friedenskorps.
Vor einem Jahr arbeiteten im Friedenskorps noch weniger als
900 Freiwillige, Heute in einem Jahr werden es über 9000 Männer
und Frauen sein, im Alter zwischen 18 und 79» die bereit sind, zwei
Jahre ihres Lebens zu geben, um Menschen in anderen Ländern zu helfen.
Tatsächlich sind es nahezu eine Million Amerikaner, die ihrem
Lande und der Sache der Freiheit in Übersee dienen - eine Zahl, die
kein anderes Volk aufweisen kann. Ohne Frage sollten diejenigen von
uns, die hier in der Heimat bleiben, froh sein, indirekt helfen zu
können, indem sie unsere Hilfsprogramme unterstützen, indem sie den
fremden Besuchern, Studenten und Diplomaten unsere Türen öffnen und
indem sie Tag für Tag sowohl mit Taten als auch mit Worten beweisen,
daß wir ein gerechtes und großherziges Volk sind.
Drittens, was können wir uns von den wachsenden Belastungen und
Spannungen innerhalb des kommunistischen Blockes erhoffen? Hier muß
Hoffnung mit Vorsicht verbunden werden. Denn bei den sowjetisch-chinesischen Meinungsverschiedenheiten geht es um die Mittel, nicht um
die Ziele. Ein Disput darüber, wie die freie Welt begraben werden kann,
ist kein Anlaß, über den der Westen sich freuen kann.
Wenn ein Druck auch noch keinen Bruch bedeutet, so ist es
dennoch klar, daß die verschiedensten Kräfte innerhalb des kommunistischen Lagers am Werke sind, und zwar trotz aller eisernen Disziplin der Reglementierung und trotz aller eisernen ideologischen
Dogmen. Marx ist erneut des Irttums überführt worden, denn es sind
die geschlossenen kommunistischen Gesellschaften und nicht die
freien und offenen Gesellschaften, die den Keim der inneren Auflösung
in sich tragen.
Die

�AMERIKA DIENST
Die Unordnung innerhalb des kommunistischen Imperiums wurde
noch durch zwei weitere gewaltige Kräfte vergrößert. Eine ist die
historische Kraft des Nationalismus und der Sehnsucht aller Menschen
nach Freiheit. Die andere ist die offenkundige Erfolglosigkeit der
kommunistischen Volkswirtschaften. Denn eine geschlossene Gesellschaft steht den Fortschrittsideen nicht aufgeschlossen gegenüber.
Und auch ein Polizeistaat wird herausfinden, daß er das Wachsen des
Getreides nicht befehlen kann.
Neue Nationen, die aufgefordert werden, zwischen den beiden
konkurrierenden Systemen zu wählen, brauchen nur die Verhältnisse
in Ost- und Westdeutschland, in Ost- und Westeuropa, in Nord- und
Südvietnam zu vergleichen. Sie brauchen nur die Enttäuschung des
kommunistischen Kuba den Verheißungen der Allianz für den Fortschritt
für die westliche Hemisphäre gegenüberzustellen. Und alle Welt weiß,
daß kein erfolgreiches System eine Mauer errichtet, um seine Bevölkerung ein- und die Freiheit auszusperren, und daß die Mauer, die
Berlin teilt, ein Symbol des kommunistischen Versagens ist.
Und als Letztes: Was können wir tun, um aus der gegenwärtigen
Atempause heraus zu einem dauerhaften Frieden zu gelangen? Ich möchte
wiederum zur Vorsicht mahnen. Ich sehe keine augenfällige Änderung
der Methoden und Ziele der Kommunisten voraus. Wenn aber alle diese
Tendenzen und Entwicklungen die Sowjetunion dazu bewegen können, den
Pfad des Friedens zu wandeln, dann wollen wir ihr zu verstehen geben,
daß alle freien Völker sie begleiten werden. Bis sie sich aber zu dieser Wahl entschließt und bis die Welt ein verlässliches System der
internationalen Sicherheit entwickeln kann, haben die freien Völker
keine andere Wahl, als ihre Waffen griffbereit zu halten.
Unser Land wird deshalb auch weiterhin die beste Verteidigung
der V/elt nötig haben - eine Verteidigung, die den sechziger Jahren angemessen ist. Das bedeutet bedauerlicherweise einen steigenden Verteidigungshaushalt, denn es gibt keinen Ersatz für eine ausreichende Verteidigung; und zu Discountladenpreisen ist sie nicht zu haben. Es bedeutet die Aufwendung von über 15 Milliarden Dollar in diesem Jahr,
allein für unsere Kernwaffenrüstung - eine Summe, die etwa ebenso groß
ist wie die Verteidigungshaushalte unserer europäischen Alliierten zusammen .
Aber es bedeutet auch eine verbesserte Luft- und Raketenverteidigung, eine verbesserte zivile Verteidigung, den Ausbau'der Einheiten
zur Partisanenbekämpfung und, was von höchster Wichtigkeit ist, die
Schaffung schlagkräftigerer und elastischerer nicht-nuklearer Streitkräfte. Denn Drohungen mit massiven Vergeltungsmaßnahmen mögen vor
kleineren Aggressionen nicht abschrecken - und eine Sperrkette von
Zerstörern in Quarantäne oder eine Division gutausgerüsteter Soldaten
an einer Grenze können unserer wirklichen Sicherheit nützlicher sein
als eine Anhäufung furchterregender Waffen über jede denkbare
Notwendigkeit hinaus.
Unsere

�"AMERIKA DIENST"
Unsere Verpflichtung gegenüber der nationalen Sicherheit ist
jedoch keine Verpflichtung, den Aushau unserer militärischen Einrichtungen ins Unendliche fortzusetzen. Wir tun die Abrüstung nicht als
einen schönen Traum ab. Denn wir sind davon überzeugt, daß dies
letztlich der einzige Weg ist, die Sicherheit aller ohne Gefährdung
der Interessen des einzelnen zu gewährleisten. Auch verwechseln wir
ehrenhafte Verhandlungen nicht mit Beschwichtigung. So wie wir in
der Verteidigung der Freiheit niemals müde werden, so werden wir auch
niemals das Streben nach Frieden aufgeben.
In diesem Bemühen bedürfen die Vereinten Nationen unserer vollen
und fortdauernden Unterstützung. Wie wertvoll sie im Dienst der Sache
des Friedens sind, zeigte sich erneut in ihrer Rolle bei der Regelung
in Westneuguinea, ihrer Inanspruchnahme als Forum zur Beilegung der
Kuba-Krise und in ihrer Aufgabe bei der Vereinigung des Kongo. Heute
sind die Vereinten Nationen in erster Linie Beschützer der Kleinen
und Schwachen und ein Sicherheitsventil für die Starken. Morgen können
sie den Rahmen für eine Welt des Rechts bilden - eine Welt, in der
keine Nation über das Geschick einer anderen bestimmt und in der die
riesigen Hilfsquellen, die jetzt für Zwecke der Zerstörung genutzt
werden, konstruktiven Zielen dienen.
Mit einem Wort, unsere Gegner mögen also wählen. Entscheiden sie
sich für den friedlichen Wettbewerb, so sollen sie ihn haben. Falls
sie sich darüber klar werden, daß ihre ehrgeizigen Pläne nicht zu
verwirklichen sind - wenn sie erkennen, daß ihre 'Befreiungskriege'
und ihre Wühlarbeit letzten Endes scheitern - wenn sie erkennen, daß
die Akzeptierung einer Inspektion mehr Sicherheit gewährleistet, als
wenn noch mehr Nationen die Möglichkeit gegeben wird, sich in der
schwarzen Kunst der Kernwaffen und des Atomkrieges zu üben - und wenn
sic,so wie wir, tatsächlich willens sind, ihre Energien den großen unvollendeten Aufgaben de:r eigenen Völker, zuzuwenden - dann kann die Übereinstimmung ganz gewiß sehr weite Gebiete umfassen: eine klare Einigung im Falle Berlin, Stabilität in Südostasien, Beendigung der Kernwaffenversuche, neue Sicherungen gegen Überraschungsangriffe oder Angriffe auf Grund eines Irrtums, und endlich auch eine allgemeine und
vollständige Abrüstung.
Denn wir wollen nicht den weltweiten Sieg eines Landes oder
Systems, sondern den weltweiten Sieg des Menschen. Die moderne Welt
ist zu klein, ihre Waffen sind zu zerstörerisch - sie vermehren sich
zu- rasch - und das Übel ist zu groß, als daß irgendeine andere Form
des Sieges in Frage käme.
Die Vereinigten Staaten werden,um dieses Ziel zu erreichen,
auch weiterhin einen größeren Teil ihres Bruttosozialprodukts als
jedes andere Volk der freien Welt aufwenden. Fünfzehn Jahre lang
hat keine andere freie Nation isich so viel abverlangt. Durch heiße
und kalte Kriege, durch Rezession und Wohlstand, durch das Atom- und
Weltraumzeitalter hindurch hat das amerikanische Volk weder gezögert,
noch ist es jemals in seinem Glauben ermattet. Wenn es zuzeiten
scheint, als ob unsere Handlungen dazu angetan seien, das Leben anderer zu erschweren, so nur, weil die Geschichte das Leben für uns
alle schwer gemacht hat.
_,

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�AMERIKA DIENST
Schwere Tage müssen aber nicht unbedingt dunkle Tage sein.
Ich glaube, wir leben - was die Sache des Friedens und der Freiheit angeht - in einer stolzen und denkwürdigen Zeit. Wir sind beispielsweise
stolz auf Major Rudolf Anderson, der sein Leben über der Insel Kuba
gelassen hat. Wir neigen uns vor dem Spezialisten James Allen Johnson,
der an der Grenze von Südkorea sein Leben gab. Wir gedenken in Ehrfurcht Sergeant Gerald Pendells, der in Vietnam gefallen ist. Sie
gehören zu den vielen, die in diesem Jahrhundert fern der Heimat für
unser Land gestorben sind. Unsere Aufgabe und die Aufgabe aller
Amerikaner ist es nunmehr, uns ihres Opfers würdig zu erweisen.
Meine Freunde k ich.iSchließe-mit einem Wort der Hoffnung. Wir lassen uns durch die augenblickliche Windstille oder den etwas helleren
Himmel über uns nicht einschläfern. Wir wissen um das, was darunter
brodelt, um die Stürme, die in diesem Jahr hinter dem Horizont auf uns
warten. Aber die Winde, die einen Wandel bewirken, scheinen nunmehr
stärker au wehen als'' je zuvor - in der kommunistischen Welt ebenso
wie in unserer eigenen. Seit 175 Jahren segeln wir mit diesen Winden
im Rücken und getragen von der Strömung der menschlichen Freiheit.
Wir steuern unser Schiff, erfüllt von Hoffnung, wie Thomas Jefferson
sagte, 'die Furcht hinter uns lassend'.
Auch heute heißen wir diese Winde willkommen - und wir haben allen
Grund zu der Annahme, daß die uns tragende Strömung stark ist. Wir
danken dem allmächtigen Gott, daß er uns durch eine gefährliche Enge
geleitet hat, und erbitten abermals seine Hilfe in unserem Bemühen,
das 'gute Schiff Union' zu steuern."

* * *- * *

�A M E R I K A

D I E N S T

fi ./XV-4
KENNEDY LEGT NEUEN HAUSHALT VOR
Zusammenfassung der wichtigsten Punkte d$s Budgets 1963/64

WASHINGTON - (AD) - Präsident Kennedy hat dem amerikanischen
Kongreß am 17« Januar 1963 den neuen Haushalt für das am 1. Juli
beginnende Finanzjahr 1964 vorgelegt, der mit Einnahmen in Höhe
von 86,9 Mrd. Dollar und Ausgaben von 98,8 Mrd. Dollar ein Defizit
von 11,9 Mrd. Dollar aufweist.
In seiner Botschaft an den Kongreß, die auf 1182 Seiten eine
detaillierte Aufschlüsselung der einzelnen Regierungsprogramme im
Finanzjahr 1964 (1963/64) gibt, unterstreicht Kennedy, daß die von
ihm vorgeschlagene Haushalts- und Finanzpolitik "den dringendsten
Erfordernissen unseres Volkes Rechnung tragen, die wirksame Durchführung der Regierungsaufgaben fördern und die die Wachstumsrate unserer Wirtschaft hemmenden Bremsen beseitigen helfen wird. Wir haben nicht zwischen einem Defizit und einem Haushaltsüberschuß zu
wählen, sondern vielmehr zwischen zwei Arten von Defiziten: einem
chronischen Defizit der Trägheit auf Grund eines unzureichenden
wirtschaftlichen Wachstums und einem temporären Defizit auf Grund
eines Steuer- und Ausgabenprogramms, das unsere nationale Sicherheit
gewährleisten, die Wirtschaftstätigkeit beleben, die Steuereinnahmen
steigern und künftige Haushaltsüberschüsse schaffen soll. Die erste
Art von Defizit ist ein Zeichen der Vergeudung und der Schwäche, die
zweite stellt eine Investition in die Zukunft dar. Es ist von größter Wichtigkeit für die kommenden Jahre, daß wir jetzt mutig handeln,
wenn wir für eine ständig steigende Zahl von Arbeitsfähigen mehr
Arbeitsplätze sicherstellen, wenn wir einen höheren Lebensstandard
erreichen und wenn wir weiterhin die von uns innerhalb der Gemeinschaft der freien Welt geforderte führende Rolle ausüben sollen. Ich
bin fest davon überzeugt, daß das in diesem Haushalt niedergelegte
Programm eine richtige Anwendung der fiskalischen Mittel zur Verwirklichung dieser wichtigen Ziele verkörpert".
Beträchtliche ungenutzte Kapazitäten
Kennedy betont, daß sich das wirtschaftliche Klima in den beiden letzten Jahren wesentlich gebessert habe und daß eine weitere
bedeutende Besserung möglich sei. In den beiden vergangenen Jahren
habe die Bereitstellung von Gütern und Dienstleistungen um 9 Prozent
zugenommen; die Lohn- und Gehaltszahlungen seien um 10 Prozent und

1

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�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT
und die Gesellschaftsgewinne um 18 Prozent gestiegen; und es
seien über eine Million neue Arbeitsplätze in der Wirtschaft
geschaffen worden. Dabei sei jedoch das Preisniveau in den USA
mit am stabilsten gewesen, und das Zahlungsbilanzdefizit habe
beträchtlich abgebaut werden können.
Damit, so unterstreicht Kennedy, dürften sich die USA jedoch
nicht zufriedengeben. Im vergangenen Jahr sei die wirtschaftliche
Entwicklung hinter den Erwartungen zurückgeblieben, und die Kluft
zwischen den tatsächlichen und den potentiellen Leistungen der
Wirtschaft, die sich 1957 zu öffnen begann, sei bisher noch nicht
geschlossen worden. Die ungenutzten Produktionskapazitäten seien
zu groß, Eie Arbeitslosigkeit sei zu hoch, und die Wachstumsrate
bleibe hinter den Möglichkeiten zurück. Die in den vergangenen zwei
Jahren erzielten Fortschritte dürften nicht die Tatsache verschleiern, daß die amerikanische Wirtschaft mehr Arbeitsplätze bereitstellen und mehr Güter erzeugen könne, als dies gegenwärtig der
Fall sei.
Seit mehr als fünf Jahren, so führt der Präsident aus, habe
die Gesamtnachfrage nach Gütern und Dienstleistungen von Seiten der
Verbraucher und der Unternehmen nicht mehr zur vollen Ausnutzung der
in der Wirtschaft vorhandenen Kapazitäten ausgereicht. Ein wesentlicher Grund hierfür sei in den hohen Steuern und Abgaben - bei
Bund, Einzelstaaten und Kommunen - zu sehen, die gegenwärtig insgesamt über 150 Mrd. Dollar im Jahr ausmachen. Wenn die Wirtschaft
wieder auf Hochtouren laufen solle, dann müsse die die Verbraucherausgaben und die Unternehmerinitiative hemmende Wirkung der Steuern
beseitigt werden. Aus diesem Grunde enthalte der neue Haushalt als
wichtigen Bestandteil ein Steuersenkungs- und Reformprogramm, das
die Wirtschaftstätigkeit beleben und Vollbeschäftigung sowie eine
höhere Wachstumsrate bei stabilen Preisen bringen solle. Wenn auch
die durch eine Senkung der Steuern bewirkte Wirtschaftsexpansion
später zu höheren Haushaltseinnahmen führen werde, so sei die unmittelbare Auswirkung zunächst jedoch ein Einnahmeausfall. Aus diesem
Grunde seien in dem neuen Haushalt auch die Ausgaben stark eingeschränkt worden.
Höhere Aufwendungen für Verteidigung und Weltraumprogramme
Für die Verteidigung und die Weltraumprogramme, so betont
Kennedy, "wo eine falsche Sparsamkeit die nationalen Interessen,
ja selbst das Fortbestehen der USA als Nation ernstlich gefährden
könnte", seien die Ausgabenansätze erhöht worden. Desgleichen seien
auch die Aufwendungen zur Bedienung der Staatsschuld gestiegen. Dagegen sei der Gesamtbetrag der Ausgaben für alle übrigen Programme
mit 29,4 Mrd. Dollar um 300 Millionen Dollar niedriger als in diesem
(Finanz-)Jahr, wobei Erhöhungen bei einzelnen Programmen durch Kürzungen bei anderen ausgeglichen werden.
Der Präsident weist darauf hin, daß bei der Vorlage des neuen
Finanzplanes der Regierung für das Haushaltsjahr 1964 mehr Nachdruck

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�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT
Nachdruck auf die Darlegung eines Gesaratzahlungsplanes gelegt
worden ist, der nicht nur die tatsächlichen Einnahmen und Ausgaben
des Bundeshaushalts, sondern auch die Einnahmen und Ausgaben der
Treuhandfonds und anderweitiger Programme ausweist.
GesamtZahlungsplan

Finanzjahr

1962

1963

1964

in Milliarden Dollar
tatsächlich
geschätzt
Gesamteinnahmen einschließlich
Treuhandfonds (Trust Funds)

101,9

108,5

112,2

Gesaratausgaben einschließlich
Treuhandfonds (Trust Funds)

107,7

116,8

122,5

Defizit einschließlich
Treuhandfonds (Trust Funds)

5,8

8,3

10,3

Haushaltseinnahmen

81,4

85,5

86,9

Haushaltsausgaben

87,8

94,3

98,8

6,4

8,8

11,9

Haushaltsdefizit

Keine Inflationsgefahr
Kennedy betont, daß niemand auf Grund des Defizits im neuen
Haushalt Furcht vor einer inflationistischen Entwicklung oder Besorgnisse hinsichtlich der Zahlungsbilanz zu haben brauche. Das Programm für eine stetige Wirtschaftsexpansion und steigende Produktiv]
stehe durchaus im Einklang mit der Aufrechterhaltung einer relativen
Preisstabilität, wie sie bereits in den letzten Jahren bestanden hab
Dies sei von besonderer Wichtigkeit für den Außenhandel. Eine nachhaltige Wirtschaftsexpansion werde sich günstig auf die Inlandsinvestitionen sowie die Produktivität der Industrie auswirken und zusammen
mit den Maßnahmen zum Ausgleich der Zahlungsbilanz zu einer Stärkung
des Dollars beitragen, was von den Freunden der USA im Ausland in
immer stärkerem Maße erkannt werde.
Steuersenkungen und strukturelle Änderungen
Das neue Steuerprogramm, so führt Kennedy aus, bringe eine
beträchtliche ständige Senkung der Einkommen- und Körperschaftssteuersätze sowie verschiedene wichtige strukturelle Änderungen, um die
wirtschaftliche Expansion zu fördern, die Gleichheit in der Besteuerung
zu verbessern und die Steuergesetze Sowie die Verwaltung zu vereinfache
Ein Teil der Steuersenkungen solle bereits dieses Jahr wirksam werden.

�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT
werden, während eine weitere Senkung der Steuersätze sowie die
strukturellen Änderungen für 19&amp;4 unt* 19^5 vorgesehen seien. Das
gesamte Programm, das er dem Kongreß in Kürze unterbreiten werde,
stelle eine Einheit und einen wichtigen Schritt in den Bemühungen
zur Stärkung und Verbesserung des Steuersystems dar. Unter Zugrundelegung der Einkommen in diesem Jahr dürfte das Steuerprogramm insgesamt für den Steuerzahler eine Entlastung von Petto 10 Mrd. Dollar
bringen. Da diese Steuersenkung jedoch zu einer Beschleunigung der
Wirtschaftsexpansion und damit zu höheren Einkommen und Unternehmergewinnen führen werde, werde innerhalb weniger Jahre ein erhöhter Fluß
an Steuereinnahmen einsetzen.
Haushaltsansätze berücksichtigen Auswirkungen der Steuersenkung
Bei dem Ansatz für die Haushaltseinnahmen, so erklärt Kennedy, se
von der Voraussetzung ausgegangen worden, daß das Bruttosozialprodukt
1963 auf 578 Mrd. Dollar ansteigen werde, wobei diese Zahl einen Mittelwert mit möglichen Abweichungen von 5 Mrd. Dollar nach beiden Seiten darstelle. Dabei seien auch die wirtschaftlichen Auswirkungen
des vorgeschlagenen Steuerprogramms berücksichtigt worden. Die in
diesem Jahr vorgesehenen Steuersenkungen würden insgesamt einen Einnahmeausfall im neuen Haushaltsjahr von 5*3 Mrd. Dollar bringen, der
jedoch, da die zu erwartende Wirtschaftsexpansion eine Einnahmensteigerung bewirken werde, zum Teil wieder ausgeglichen werde, so daß sich
aus dem neuen Steuerprogramm lediglich eine Minderung des Steueraufkommens um netto 2,7 Mrd. Dollar ergeben dürfte. Trotz dieses Steuerausfalls könne jedoch auf Grund des zu erwartenden höheren Bruttosozialprodukts sogar mit einer Zunahme der Einnahmen um 1,4 Mrd. Dollar
im Finanzjahr 1964 feerechnet werden.
Ausgaben stellen ein Minimum dar
Die von ihm vorgeschlagenen Ausgaben, so unterstreicht der Präsident, stellten ein Minimum dar, das zur Erfüllung der dringend notwendigen Aufgaben einer vielseitigen und expandierenden Gesellschaft
in einer Zeit des kalten Krieges unbedingt notwendig sei.

Ausgaben

�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT
AUSGABEN (Zusammenfassung)

Finanzjahr

1962

Haushaltsausgaben

1963

1964

in Milliarden Dollar
tatsächlich . geschätzt

Nationale Verteidigung
Weltraumforschung und Technik
Zinsendienst

Zwischensumme

51,1
1,3
9,2

53,0
2,4
9,8

55,4
4,2
10,1

61 , 6

65,2

69,7

2,8

2,7

1,1
5,4
1,9

2,9
6,7
2,4
3,3
0,5
4,9
1,4
5,5
2,0

26,8

29,6

29,4

-

0,1

0,4

0,6

0,6

87,8

94,5

0,7
98,8

20,4
2,71,5
0,7
0,4

21 ,8
2,9
0,5
0,9
1,7

22,8
5,2
1,0
0,6
1,5

0,5
25,2

0,5
27,5

0,5
28,4

5,5

4,8

4,7

116,8

122,5

Übrige Programmez
I n t e r n a t i o n a l e Angelegenheiten
Landwirtschaft
Bodenschätze
Handel und Transportwesen
Wohnungsbau und S t ä d t e e n t w i c k l u n g
G e s u n d h e i t s - und Sozialprogramme
Erziehungswesen
Kri e g s v e t e r a n e n
Allgemeine Regierungsausgaben

5,9
2,1
2,8
0,3

4,5

Zwischensumme
Sonstiges
abzüglich Posten der Rechnungsangleichung
Haushaltsausgaben-Gesamtsumme:

5,7
2,5
3,4
0,3
5,6
1,5

5,5
2,2

Treuhandfonds':
Gesundheits- und Sozialprogramme
Handel und Transportwesen
Wohnungsbau und Städteentwicklung
Kriegsveteranen
Andere
Abzüglich Posten der Rechnungsangleichung
Gesamtsumme Treuhandfonds:
Abzüglich interministerielle
Transaktionen

107",7

Gesamtsumme:
-

5

-

Wohin

�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT
Wohin der Haushalts-Dollar rollt
Von jedem Dollar, den der amerikanische Steuerzahler aufgebracht
hat, sind in dem neuen US-Haushalt 55 Cent für die nationale Verteidigung, 4,2 Cent für die Weltraumprogramme, 10,1 Cent für den Schuldendienst, 5 »6 Cent .für die Landwirtschaft, 5»5 Cent für Gesundheitsund Sozialprogramme, 5,4 Cent für Kriegsveteranen-Programme und 14»2
Cent für alle übrigen Regierungsaufgaben zusammen bestimmt. Die zur
Bestreitung der Haushaltsausgaben erforderlichen Mittel werden zu
47 Prozent durch die Einkommensteuer, zu 24 Prozent durch die Körperschaftssteuer, zu 12 Prozent durch die Verbrauchssteuern, zu 10 Prozent
über den Kapitalmarkt und zu 7 Prozent durch andere Einnahmequellen
aufgebracht.
Verteidigung nicht zu Discount-Preisen
Für die nationale Verteidigung fordert Präsident Kennedy 55»4
Mrd. Dollar an. Dieser Betrag liegt um 10 Mrd. Dollar über dem Ausgabenniveau des Jahres 19&amp;0 und um 2,4 Mrd. Dollar höher als im laufenden Haushaltsjahr. In der Botschaft wird in diesem Zusammenhang auf
die Gefahren hingewiesen, denen sich die freie Welt heute gegenübersieht, und betont, daß es für die Verteidigung keine Discount-Preise
gebe .
Wörtlich erklärt der amerikanische Präsident zum Thema internationale Verteidigung:
"Für die Verteidigung gibt es keine Discount-Preise. Die freie
Welt muß jederzeit darauf vorbereitet sein, den Gefahren eines globalen Atomkrieges, einem begrenzten konventionellen Konflikt und der
heimlichen Guerilla-Tätigkeit entgegenzutreten.
Das Budget des Jahres 1964 führt die Politik der Regierung fort,
die zum Schutz gegen jede dieser Gefahren benötigten flexiblen und
ausgewogenen Streitkräfte aufzustellen und zu stärken und sie zu den
niedrigstmöglichen Kosten auszurüsten und aufrechtzuerhalten. Die gesamten Ausgaben für die nationale Verteidigung werden für das kommende
Jahr auf 56 Mrd. Dollar veranschlagt, wovon 55,4 Milliarden Dollar auf
den Ordentlichen Haushalt entfallen. Dieser Betrag liegt um rund 10
Mrd. Dollar über dem Ausgabenniveau des Jahres i960 und hat zusammen
mit der Erweiterung des Weltraumprogramms in erster Linie die Ausweitung des Haushalts seit dem Amtsantritt meiner Regierung bewirkt.
j)ie im Budget für 1964 enthaltenen Vorschläge für die nationale
Verteidigung legen - wie in den letzten Jahren - auch weiterhin den
Nachdruck auf:
aine starke strategische Vergeltungsmacht, die einen Überraschungsangriff überstehen und in kontrollierter und flexibler Weise wirksam
gegen den Aggressor zurückschlagen kann. Eine weitere Anzahl von im
Inland stationierten Minuteman-Raketen wird bereitgestellt und in
sicheren und über das Land verteilten Anlagen untergebracht. Sechs

-

6 -

�AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT
Sechs weitere Polaris-U-Boote werden zur Verfügung stehen, und
die Arbeiten an den verbesserten Ausführungen der Minuteman- und
der Polaris-Raketen werden fortgesetzt}
verbesserte Luft- und Raketen-Verteidigungsstreitkräfte. Unser
Verteidigungssystem für die Bomberabwehr und unser ballistisches
Raketen-Warnsystem werden verstärkt. Große Anstrengungen werden
weiterhin auf die Entwicklung einer Verteidigung gegen Raketen verwendet werden, wozu auch die weitere Erprobung der Nike-Zeus-Raketenabwehrrakete sowie die Anfangsentwicklung der moderneren Nike-X-Boden-Luft-Rakete gehören;
schlagkräftigere und beweglichere konventionelle Erd-, Seeund Luftstreitkräfte, um den Bereich einer nicht-nuklearen Reaktion
auf einen Angriff zu erweitern. Die Bereitstellung konventioneller
Waffen, Ausrüstungen, Munition, Hubschrauber sowie taktischer Jagdund Aufklärungsflugzeuge der Luftstreitkräfte für eine wirksamere
Unterstützung der Erdkampfeinheiten wird beschleunigt werden. Die
Haushaltsansätze sehen 16 einsatzbereite Armeedivisionen, 3 Divisionen und Luftgeschwader des Marinekorps, eine weitere Modernisierung
der Flotte sowie zusätzliche 15 000 Mann für die Armee zur Erprobung
der Konzeption einer Luftangriffsdivision und andere neue Lufteinheiten vor&gt;
6sin Strahlenschutz-Programm der Zivilverteidigung, mit dessen
Hilfe die Chancen, daß ein großer Teil unserer Bevölkerung einen
eventuellen Atomangriff überleben würde, verbessert werden;
Verstärkte Einheiten zur Abwehr der Subversion, um unseren Verbündeten zu helfen, mit kommunistischer Unterwanderung und insgeheim
betriebener bewaffneter Aggression innerhalb ihrer Landesgrenzen fertig zu werden."
3,75 Milliarden Dollar für die Auslandshilfe
In dem Abschnitt der Botschaft, in dem Präsident Kennedy die
internationalen Programme und ihre Finanzierung behandelt, wird auf
die Entschlossenheit der USA hingewiesen, die Sicherheit der freien
Welt weiterhin zu fördern und zu stärken - nicht nur durch die
Verpflichtungen, die die USA zur Verteidigung der Freiheit eingegangen seien, sondern auch durch die Zusicherung, zur wirtschaftlichen
und sozialen Entwicklung der weniger bevorzugten unabhängigen Völker
beizutragen. "Der Angriff des kommunistischen China auf Indien sowie
der anhaltende Kampf Vietnams gegen eine massive, von außen unterstützte bewaffnete Subversion sind die jüngsten Beispiele für die
Notwendigkeit und Bedeutung unserer Unterstützung", heißt es in der
Botschaft wörtlich. "Das ständig zunehmende Tempo der Modernisierung
sowie die wachsenden Bemühungen am Reformen und Selbsthilfe in zahlreichen Nationen verdienen unsere Unterstützung und Förderung."
Die

�"AMERIKA DIENST"
Wenden wir uns jetzt der Welt draußen zu. Noch vor wenigen
Jahren suchte der Kommunismus in Südostasien, in Afrika, in
Osteuropa, in Lateinamerika, ja sogar im Weltraum das Bild eines
einheitlichen, auf sich vertrauenden und sich ausweitenden Imperiums zu vermitteln, das ein träges Amerika und eine sich in
Unordnung befindliche freie Welt immer mehr einengte. Aber heute
würden wohl nur wenige Menschen an ein solches Bild glauben.
In den vergangenen Monaten haben wir erneut die wissenschaftliche und militärische Überlegenheit der Freiheit bekräftigt. Wir
haben unsere Weltraumbemühungen verdoppelt, um sicherzustellen,
daß wir in Zukunft die ersten sind. Wir haben die weitestreichenden
Verteidigungsverbesserungen getroffen, die unser Land jemals in
Friedenszeiten unternommen hat. Und wir haben die Grenzen der
Freiheit von Vietnam bis nach West-Berlin aufrechterhalten.
Aber Beschaulichkeit oder Selbstgefälligkeit können unsere
Sicherheit geneuso gefährden wie die Waffen unserer Gegner. Eine
kurze Atempause ist noch nicht mit Frieden gleichzusetzen. Gefahrvolle Probleme bestehen weiterhin von Kuba bis zum Südchinesischen
Meer. Die Aussichten der Welt verheißen, kurz gesagt, nicht ein
Jahr der Erholung, sondern ein Jahr der Verpflichtungen und der
Möglichkeiten.
Vier besondere große Möglichkeiten zeichnen sich hier ab:
die Atlantische Allianz, die Entwicklungsländer, die neuen chinesisch-sowjetischen Schwierigkeiten und das Bemühen um einen weltweiten Frieden.
Wie steht es erstens um die große Allianz? Das freie Europa
tritt in eine neue Phase seiner langen und glanzvollen Geschichte
ein. Die Ära der kolonialen Expansion ist vorüber, die Ära der
nationalen Rivalitäten schwindet, und eine neue Ära der Interdependenz und der Einheit gewinnt Gestalt. Den alten Marx'sehen Prophezeiungen zum Trotz haben sich die freien Nationen Europas bereitgefunden, zu tun, was kein Eroberer erzwingen konnte: eine einheitliche Zielsetzung und Macht und Politik in jedem Aufgabenbereich
herzustellen.
Seit siebzehn Jahren haben wir diese Entwicklung sowohl politisch als auch wirtschaftlich konsequent unterstützt. Weit davon
entfernt, an dem neuen Europa Anstoß zu nehmen, betrachten wir es
als willkommenen Partner, nicht als Rivalen. Denn der Weg zum Frieden und zur Freiheit der Welt ist noch sehr lang, und es gibt Lasten, die nur vollgültige Partner zu teilen vermögen - in der Vorsorge für die gemeinsame Verteidigung, in der Ausweitung des Welthandels, in der Ausgleichung unserer Zahlungsbilanz, in der Unterstützung der mündig werdenden Nationen, in der Abstimmung politischer
und wirtschaftlicher Direktiven und in der Einbeziehung anderer
Industriestaaten in unsere gemeinsamen Anstrengungen, namentlich
Japans, dessen bemerkenswerte wirtschaftliche und politische Entwicklung in den fünfziger Jahren ihm jetzt gestattet, in der Weltpolitik eine gewichtige konstruktive Rolle zu übernehmen.
Zweifellos

y

�"AMERIKA DIENST"
Zweifellos wird man auch weiterhin den Meinungsverschiedenheiten
mehr Aufmerksamkeit widmen als den Vereinbarungen über künftiges Handeln, während Europa den Übergang von der Unabhängigkeit zu einer
präziser formulierten Interdependenz vollzieht. Doch sind dies ehrliche Differenzen zwischen redlichen Bundesgenossen - und sie treten
tatsächlich konkreter und häufiger unter unseren westeuropäischen
Verbündeten auf als zwischen ihnen und den Vereinigten Staaten. Denn
die freiheitliche Einigkeit hat noch nie auf der Uniformität der Ansichten beruht. Aber nach wie vor herrscht innerhalb dieses Bündnisses
prinzipielle Übereinstimmung in den Grundsatzfragen.
Die erste Aufgabe des Bündnisses bleibt die gemeinsame Verteidigung. Im letzten Monat legten Premierminister Macmillan und ich
Pläne für einen neuen Abschnitt unserer langjährigen gemeinschaftlichen Bemühungen fest, wobei es darum geht, bei der umfassenderen Aufgabe des Aufbaus einer gemeinsamen Kernwaffenverteidigung für die
gesamte Allianz Hilfestellung zu leisten.
In der Vereinbarung von Nassau wird anerkannt, daß die Sicherheit des Westens unteilbar ist und daß wir dementsprechend unsere
Verteidigung einrichten müssen. Aber sie stellt auch fest, daß unser
Bündnis ein Bündnis stolzer und souveräner Nationen ist, das am besten
funktioniert, wenn wir dies nicht vergessen. Sie stellt ferner fest,
daß die Kernwaffenverteidigung des Westens keine Angelegenheit ist, für
die nur die gegenwärtigen Atommächte allein zuständig sind, daß Frankreich demnächst eine solche Macht sein wird und daß wir - ohne die Risiken der Kernwaffenausbreitung zu vergrößern - Wege finden müssen, um
die Mitwirkung unserer anderen Partner bei der Planung, Bemannung und
Leitung einer wirklich multilateralen Kernwaffenstreitmacht innerhalb
eines sich immer enger gestaltenden NATO-Bündnisses zu verstärken.
Schließlich stellt das Übereinkommen von Nassau fest, daß die Kernwaffenverteidigung nicht ausreicht, daß die vereinbarten NATO-Ziele für
die konventionellen Streitkräfte verwirklicht werden müssen und daß die
NATO-Bündnispartner äs nicht darauf ankommen lassen dürfen, in eins
Lage zu geraten, in der sie jede Drohung nur noch mit Kernwaffen oder
aber überhaupt nicht beantworten könnten.
Wir stehen den Entscheidungen von Nassau noch zu nahe und sind von
ihrer endgültigen Verwirklichung noch zu weit entfernt, um sagen zu
können, welchen Platz sie in der Geschichte einnehmen werden. Ich
glaube jedoch, daß die nukleare Verteidigung zum ersten Mal angefangen
hat zu einer Quelle des Vertrauens statt zu einem Streitobjekt zu werden.
Das nächste dringende Anliegen der Allianz sind unsere gemeinsamen wirtschaftlichen Ziele auf dem Gebiet des Handels und der Expansion. Die amerikanische Nation ist weiterhin um das Defizit in
ihrer Handelsbilanz besorgt, das zwar kleiner geworden ist, aber
trotzdem ein hartnäckiges und unangenehmes Problem bleibt. Wir sind
darüber hinaus überzeugt, daß engere wirtschaftliche Beziehungen

-

9 -

�"AMERIKA DIENST
Beziehungen zwischen allen freien Nationen für Prosperität und Frieden entscheidend wichtig sind. Weder wir noch die Mitglieder des
Gemeinsamen Marktes sind so reich, daß wir es uns auf die Dauer leisten könnten, landwirtschaftliche Betriebe oder Fabriken vor dem
frischen Wind der ausländischen Konkurrenz abzuschirmen oder die
Handelsbeziehungen mit anderen Nationen der freien Welt einzuschränken. Wenn sich der Gemeinsame Markt jetzt auf Protektionismus und Restriktionen verlegen sollte, würde er seine eigenen Grundprinzipien
untergraben. Die amerikanische Regierung will die ihr vom Kongreß
im vergangenen Jahr übertragene Vollmacht dazu benutzen, um die Ausweitung des Handels auf beiden Seiten des Atlantik und auf der ganzen
Welt zu ermutigen.
Wie steht es nun zweitens mit den Entwicklungsländern und bündnisfreien Nationen? Sie waren, so glaube ich, über den plötzlichen
und geheimen Versuch der Sowjets, Kuba zu einer nuklearen Aggressionsbasis zu machen, und über die anmaßende Invasion Chinas in Indien
überaus bestürzt. Sie sind durch unsere sofortige Hilfe für Indien,
durch unsere über die Vereinten Nationen geleistete Unterstützung
für die Wiedervereinigung des Kongo, durch unser geduldiges Bemühen
um die Abrüstung und durch unsere bessere Behandlung von Bürgern und
Besuchern, deren Hautfarbe zufällig nicht weiß ist, beruhigt. Und
in dem Maße , in dem der alte Kolonialismus schwindet und der Neokolonialismus der kommunistischen Mächte krasser denn je in Erscheinung
tritt, erkennen sie immer klarer, daß es in der Auseinandersetzung
der Welt nicht um die Frage Kommunismus gegen Kapitalismus geht, sondern um die Frage Zwang gegen Entscheidungsfreiheit.
Sie erkennen, daß die Sehnsucht nach Unabhängigkeit in der ganzen
Welt die gleiche ist, ob es sich nun um die Unabhängigkeit von WestBerlin oder von Vietnam handelt. Sie erkennen, daß eine solche Unabhängigkeit allen kommunistischen Ambitionen zuwiderläuft, aber in
Übereinstimmung mit den unsrigen steht, und daß unsere Haltung gegenüber ihren Nöten beweglich und einfallsreich ist, während die Kommunisten sich auf alte Doktrinen und Dogmen stützen.
Dennoch ist es für jedes Land schwer, sich auf eine von außen
kommende oder subversive Bedrohung seiner Unabhängigkeit einzustellen,
wenn seine Energien im täglichen Kampf mit den Kräften der Armut und
Verzweiflung aufgezehrt werden. Es ist wenig sinnvoll für uns, in
Reden und Resolutionen die Schrecken des Kommunismus anzugreifen,
50 Milliarden Dollar pro Jahr zur Verhinderung seines militärischen
Vormarsches aufzuwenden und dann über die Ausgaben - hauptsächlich
für amerikanische Erzeugnisse - zu nörgeln, die weniger als ein Zehntel jener Summe ausmachen und die anderen Nationen helfen, ihre Unabhängigkeit zu festigen und das soziale Chaos zu beseitigen, in dem
der Kommunismus seit je gedieh.
Ich bin stolz - und ich glaube, auch die meisten Amerikaner sind
stolz - auf das gemeinsame Verteidigungs- und Hilfsprogramm, daß
mit Unterstützung beider Parteien unter drei verschiedenen Präsidenten

-

10

-

�"AMERIKA DIENST"
Präsidenten ausgebaut wurde und das, mit all seinen bekannten
Problemen, wesentlich dazu beigetragen hat, daß nicht ein einziges
der fast 50 Mitglieder der Vereinten Nationen,, die seit dem Ende
des zweiten Weltkrieges ihre Unabhängigkeit gewonnen haben, dem
Kommunismus anheimfiel.
Ich bin stolz auf ein Programm, das dazu beigetragen hat,
Millionen von Menschen an der Front der Freiheit mit Waffen, Nahrung
und Kleidung zu versorgen.
Ich bin besonders stolz darauf, daß dieses Land ein riesiges
gemeinsames Vorhaben für die sechziger Jahre in Angriff genommen hat,
um wirtschaftliches Wachstum und sozialen Fortschritt im gesamten
amerikanischen Raum zu schaffen - die Allianz für den Fortschritt.
Ich unterschätze die Schwierigkeiten nicht, denen wir uns bei
dieser gemeinsamen Anstrengung zusammen mit unseren nächsten Nachbarn
gegenübersehen. Die freien Nationen dieser Hemisphäre haben jedoch in
enger Zusammenarbeit damit begonnen, dieser Allianz Gestalt zu geben.
Durch dieses Programm erhält gegenwärtig jedes vierte Kind im schulpflichtigen Alter in Lateinamerika eine Sonderration an Lebensmitteln
aus unseren Überschußbeständen, wurden ferner 1,5 Millionen Schulbücher
verteilt; und es werden 17 000 Klassenräume erstellt. Es hat dazu beigetragen, Zehntausende von Bauernfamilien auf Grund und Boden anzusiedeln, den sie ihr eigen nennen können. Es hat unsere Nachbarn zu größerer Selbsthilfe und Reformen angeregt - zu fiskalischen, sozialen,
institutionellen und Landreformen. Es bringt Millionen, die bisher
vergessen waren, Heime, Hoffnung und Gesundheit. Die Männer und Frauen
dieser Hemisphäre wissen, daß die Allianz keinen Erfolg haben würde,
wenn sie nur eine andere Bezeichnung für Geschenke aus den Vereinigten
Staaten wäre - und daß sie nur dann Erfolg haben kann, wenn die lateinamerikanischen Staaten selbst ihre ganze Kraft zur Erfüllung dieser Aufgabe einsetzen.
Das gleiche gilt für Afrika, für den Mittleren Osten und Asien.
Wo immer Nationen bereit sind, sich selbst zu helfen, sind wir bereit,
sie beim Aufbau neuer Bollwerke der Freiheit zu unterstützen. Wir kaufen keine Stimmen für den kalten Krieg; wir sind den gefährdeten Nationen zu Hilfe geeilt, und zwar den Neutralen genauso wie unseren Verbündeten. Was wir aber verlangen - und es ist alles, was wir verlangen
- ist, daß unsere Unterstützung so verwendet wird, daß sie größtmöglichen Nutzen bringt, und daß durch nutzlose Streitigkeiten mit
anderen unabhängigen Ländern die eigenen Bemühungen dieser Länder
nicht verzettelt werden.
Trotz aller Erfolge in der Vergangenheit dürfen wir uns um des
weiteren Fortschrittes des gemeinsamen Hilfsprogramms willen mit dem
bisher Erreichten keinesfalls zufriedengeben. Wir haben dieses Programm reorganisiert, um es zu einem wirksameren, schlagkräftigeren
Instrument zu machen, und dieser Prozeß wird in diesem Jahr weiter

�"AMERIKA DIENST"
Aber im Kampf um die Entwicklung der freien Welt werden wir auch
weiterhin "bergan schreiten müssen. Regierungshilfe kann die Punktion
der Privatinvestition, der Ausweitung des Handels, der Stabilisierung
der Rohstoffpreise und vor allem der Eigenbemühungen um die Verbesserung der Verhältnisse nur ergänzen. Der Prozeß des Wachstums geht
stufenweise vor sich - und trägt Früchte erst in einem Jahrzehnt und
nicht in einem Tag. Unsere Erfolge werden weder über Nacht kommen
noch aufsehenerregend sein. Aber wenn diese Programme jemals eingestellt werden sollten, dann würden unsere Fehlschläge in einem
Dutzend Länder auf einen Schlag und mit Sicherheit spürbar sein.
In dem Kampf gegen die Armut dürfen jedoch Geld und technische
Hilfe nicht unsere einzigen Waffen sein. Letztlich ist die entscheidende Anstrengung eine Sache der Zielsetzung - die nicht nur den
Brennstoff des Geldes, sondern die Flamme des Idealismus erfordert.
Und niemand trägt den Geist des amerikanischen Idealismus wirksamer
in die entfernten Winkel der Erde und verleiht unseren Hoffnungen
besseren Ausdruck als das Friedenskorps,
Vor einem Jahr arbeiteten im Friedenskorps noch weniger als
900 Freiwillige, Heute in einem Jahr werden es über 9000 Männer
und Frauen sein, im Alter zwischen 18 und 79» die bereit sind, zwei
Jahre ihres Lebens zu geben, um Menschen in anderen Ländern zu helfen.
Tatsächlich sind es nahezu eine Million Amerikaner, die ihrem
Lande und der Sache der Freiheit in Übersee dienen - eine Zahl, die
kein anderes Volk aufweisen kann. Ohne Frage sollten diejenigen von
uns, die hier in der Heimat bleiben, froh sein, indirekt helfen zu
können, indem sie unsere Hilfsprogramme unterstützen, indem sie den
fremden Besuchern, Studenten und Diplomaten unsere Türen öffnen und
indem sie Tag für Tag sowohl mit Taten als auch mit Worten beweisen,
daß wir ein gerechtes und großherziges Volk sind.
Drittens, was können wir uns von den wachsenden Belastungen und
Spannungen innerhalb des kommunistischen Blockes erhoffen? Hier muß
Hoffnung mit Vorsicht verbunden werden. Denn bei den sowjetisch-chinesischen Meinungsverschiedenheiten geht es um die Mittel, nicht um
die Ziele. Ein Disput darüber, wie die freie Welt begraben werden kann,
ist kein Anlaß, über den der Westen sich freuen kann.
Wenn ein Druck auch noch keinen Bruch bedeutet, so ist es
dennoch klar, daß die verschiedensten Kräfte innerhalb des kommunistischen Lagers am Werke sind, und zwar trotz aller eisernen Disziplin der Reglementierung und trotz aller eisernen ideologischen
Dogmen. Marx ist erneut des Irttums überführt worden, denn es sind
die geschlossenen kommunistischen Gesellschaften und nicht die
freien und offenen Gesellschaften, die den Keim der inneren Auflösung
in sich tragen.
Die

-

12

-

�AMERIKA DIENST
Die Unordnung innerhalb des kommunistischen Imperiums wurde
noch durch zwei weitere gewaltige Kräfte vergrößert. Eine ist die
historische Kraft des Nationalismus und der Sehnsucht aller Menschen
nach Freiheit. Die andere ist die offenkundige Erfolglosigkeit der
kommunistischen Volkswirtschaften. Denn eine geschlossene Gesellschaft steht den Fortschrittsideen nicht aufgeschlossen gegenüber.
Und auch ein Polizeistaat wird herausfinden, daß er das Wachsen des
Getreides nicht befehlen kann»
Neue Nationen, die aufgefordert werden, zwischen den beiden
konkurrierenden Systemen zu wählen, brauchen nur die Verhältnisse
in Ost- und Westdeutschland, in Ost- und Westeuropa, in Nord- und
Südvietnam zu vergleichen. Sie brauchen nur die Enttäuschung des
kommunistischen Kuba den Verheißungen der Allianz für den Fortschritt
für die westliche Hemisphäre gegenüberzustellen. Und alle Welt weiß,
daß kein erfolgreiches System eine Mauer errichtet, um seine Bevölkerung ein- und die Freiheit auszusperren, und daß die Mauer, die
Berlin teilt, ein Symbol des kommunistischen Versagens ist.
Und als Letztes: Was können wir tun, um aus der gegenwärtigen
Atempause heraus zu einem dauerhaften Frieden zu gelangen? Ich möchte
wiederum zur Vorsicht mahnen. Ich sehe keine augenfällige Änderung
der Methoden und Ziele der Kommunisten voraus. Wenn aber alle diese
Tendenzen und Entwicklungen die Sowjetunion dazu bewegen können, den
Pfad des Friedens zu wandeln, dann wollen wir ihr zu verstehen geben,
daß alle freien Völker sie begleiten werden. Bis sie sich aber zu dieser Wahl entschließt und bis die Welt ein verlässliches System der
internationalen Sicherheit entwickeln kann, haben die freien Völker
keine andere Wahl, als ihre Waffen griffbereit zu halten.
Unser Land wird deshalb auch weiterhin die beste Verteidigung
der Welt nötig haben - eine Verteidigung, die den sechziger Jahren angemessen ist. Das bedeutet bedauerlicherweise einen steigenden Verteidigungshaushalt, denn es gibt keinen Ersatz für eine ausreichende Verteidigung; und zu Discountladenpreisen ist sie nicht zu haben. Es bedeutet die Aufwendung von über 15 Milliarden Dollar in diesem Jahr.
allein für unsere Kernwaffenrüstung - eine Summe, die etwa ebenso groß
ist wie die Verteidigungshaushalte unserer europäischen Alliierten zusammen *
Aber es bedeutet auch eine verbesserte Luft- und Raketenverteidigung, eine verbesserte zivile Verteidigung, den Ausbau der Einheiten
zur Partisanenbekämpfung und, was von höchster Wichtigkeit ist, die
Schaffung schlagkräftigerer und elastischerer nicht-nuklearer Streitkräfte. Denn Drohungen mit massiven Vergeltungsmaßnahmen mögen vor
kleineren Aggressionen nicht abschrecken - und eine Sperrkette von
Zerstörern in Quarantäne oder eine Division gutausgerüsteter Soldaten
an einer Grenze können unserer wirklichen Sicherheit nützlicher sein
als eine Anhäufung furchterregender Waffen über jede denkbare
Notwendigkeit hinaus.
Unsere

�"AMERIKA DIENST"
Unsere Verpflichtung gegenüber der nationalen Sicherheit ist
jedoch keine Verpflichtung, den Aushau unserer militärischen Einrichtungen ins Unendliche fortzusetzen. Wir tun die Ahrüstung nicht als
einen schönen Traum ab. Denn wir sind davon überzeugt, daß dies
letztlich der einzige Weg ist, die Sicherheit aller ohne Gefährdung
der Interessen des einzelnen zu gewährleisten. Auch verwechseln wir
ehrenhafte Verhandlungen nicht mit Beschwichtigung. So wie wir in
der Verteidigung der Freiheit niemals müde werden, so werden wir auch
niemals das Streben nach Frieden aufgeben.
In diesem Bemühen bedürfen die Vereinten Nationen unserer vollen
und fortdauernden Unterstützung. Wie wertvoll sie im Dienst der Sache
des Friedens sind, zeigte sich erneut in ihrer Rolle bei der Regelung
in Westneuguinea, ihrer Inanspruchnahme als Forum zur Beilegung der
Kuba-Krise und in ihrer Aufgabe bei der Vereinigung des Kongo. Heute
sind die Vereinten Nationen in erster Linie Beschützer der Kleinen
und Schwachen und ein Sicherheitsventil für die Starken. Morgen können
sie den Rahmen für eine Welt des Rechts bilden - eine Welt, in der
keine Nation über das Geschick einer anderen bestimmt und in der die
riesigen Hilfsquellen, die jetzt für Zwecke der Zerstörung genutzt
werden, konstruktiven Zielen dienen.
Mit einem Wort, unsere Gegner mögen also wählen. Entscheiden sie
sich für den friedlichen Wettbewerb, so sollen sie ihn haben. Falls
sie sich darüber klar werden, daß ihre ehrgeizigen Pläne nicht zu
verwirklichen sind - wenn sie erkennen, daß ihre 'Befreiungskriege'
und ihre Wühlarbeit letzten Endes scheitern - wenn sie erkennen, daß
die Akzeptierung einer Inspektion mehr Sicherheit gewährleistet, als
wenn noch mehr Nationen die Möglichkeit gegeben wird, sich in der
schwarzen Kunst der Kernwaffen und des Atomkrieges zu üben - und wenn
sic,so wie wir, tatsächlich willens sind, ihre Energien den großen unvollendeten Aufgaben de:r eigenen Völker, zuzuwenden - dann kann die Übereinstimmung ganz gewiß sehr weite Gebiete umfassen: eine klare Einigung im Falle Berlin, Stabilität in Südostasien, Beendigung der Kernwaffenversuche, neue Sicherungen gegen Überraschungsangriffe oder Angriffe auf Grund eines Irrtums, und endlich auch eine allgemeine und
vollständige Abrüstung.
Denn wir wollen nicht den weltweiten Sieg eines Landes oder
Systems, sondern den weltweiten Sieg des Menschen. Die moderne Welt
ist zu klein, ihre Waffen sind zu zerstörerisch - sie vermehren sich
zu- rasch - und das Übel ist zu groß, als daß irgendeine andere Form
des Sieges in Frage käme.
Die Vereinigten Staaten werden,um dieses Ziel zu erreichen,
auch weiterhin einen größeren Teil ihres Bruttosozialprodukts als
jedes andere Volk der freien Welt aufwenden. Fünfzehn Jahre lang
hat keine andere freie Nation 'sich so viel abverlangt. Durch heiße
und kalte Kriege, durch Rezession und Wohlstand, durch das Atom- und
Weltraumzeitalter hindurch hat das amerikanische Volk weder gezögert,
noch ist es jemals in seinem Glauben ermattet. Wenn es zuzeiten
scheint, als ob unsere Handlungen dazu angetan seien, das Leben anderer zu erschweren, so nur, weil die Geschichte das Leben für uns
alle schwer gemacht hat.
_ ,
B
Schwere
- 14 -

�"AMERIKA DIENST"
Schwere Tage müssen aber nicht unbedingt dunkle Tage sein.
Ich glaube, wir leben - was die Sache des Friedens und der Freiheit angeht - in einer stolzen und denkwürdigen Zeit. Wir sind beispielsweise
stolz auf Major Rudolf Anderson, der sein Leben über der Insel Kuba
gelassen hat. Wir neigen uns vor dem Spezialisten James Allen Johnson,
der an der Grenze von Südkorea sein Leben gab. Wir gedenken in Ehrfurcht Sergeant Gerald Pendells, der in Vietnam gefallen ist. Sie
gehören zu den vielen, die in diesem Jahrhundert fern der Heimat für
unser Land gestorben sind. Unsere Aufgabe und die Aufgabe aller
Amerikaner ist es nunmehr, uns ihres Opfers würdig zu erweisen.
Meine Freunde % ich-iSchließe mit einem Wort der Hoffnung. Wir lassen uns durch die augenblickliche Windstille oder den etwas helleren
Himmel über uns nicht einschläfern. Wir wissen um das, was darunter
brodelt, um die Stürme, die in diesem Jahr hinter dem Horizont auf uns
warten. Aber die Winde, die einen Wandel bewirken, scheinen nunmehr
stärker au wehen als" je zuvor - in der kommunistischen Welt ebenso
wie in unserer eigenen. Seit 175 Jahren segeln wir mit diesen Winden
im Rücken und getragen von der Strömung der menschlichen Freiheit.
Wir steuern unser Schiff, erfüllt von Hoffnung, wie Thomas Jefferson
sagte, 'die Furcht hinter uns lassend'.
Auch heute heißen wir diese Winde willkommen - und wir haben allen
Grund zu der Annahme, daß die uns tragende Strömung stark ist. Wir
danken dem allmächtigen Gott, daß er uns durch eine gefährliche Enge
geleitet hat, und erbitten abermals seine Hilfe in unserem Bemühen,
das 'gute Schiff Union' zu steuern."

* * * * *

�A M E R I K A

D I E N S T

Wi ./ xv -4
KENNEDY LEGT NEUEN HAUSHALT VOR
Zusammenfassung der wichtigsten Punkte d$s Budgets 1963/64

WASHINGTON - (AD) - Präsident Kennedy hat dem amerikanischen
Kongreß am 17• Januar 1963 den neuen Haushalt für das am 1. Juli
beginnende Finanzjahr 1964 vorgelegt, der mit Einnahmen in Höhe
von 86,9 Mrd. Dollar und Ausgaben von 98,8 Mrd. Dollar ein Defizit
von 11,9 Mrd. Dollar aufweist.
In seiner Botschaft an den Kongreß, die auf 1182 Seiten eine
detaillierte Aufschlüsselung der einzelnen Regierungsprogramme im
Finanzjahr 1964 0963/64) gibt, unterstreicht Kennedy, daß die von
ihm vorgeschlagene Haushalts- und Finanzpolitik "den dringendsten
Erfordernissen unseres Volkes Rechnung tragen, die wirksame Durchführung der Regierungsaufgaben fördern und die die Wachstumsrate unserer Wirtschaft hemmenden Bremsen beseitigen helfen wird. Wir haben nicht zwischen einem Defizit und einem Haushaltsüberschuß zu
wählen, sondern vielmehr zwischen zwei Arten von Defiziten: einem
chronischen Defizit der Trägheit auf Grund eines unzureichenden
wirtschaftlichen Wachstums und einem temporären Defizit auf Grund
eines Steuer- und Ausgabenprogramms, das unsere nationale Sicherheit
gewährleisten, die Wirtschaftstätigkeit beleben, die Steuereinnahmen
steigern und künftige Haushaltsüberschüsse schaffen soll. Die erste
Art von Defizit ist ein Zeichen der Vergeudung und der Schwäche, die
zweite stellt eine Investition in die Zukunft dar. Es ist von größter Wichtigkeit für die kommenden Jahre, daß wir jetzt mutig handeln,
wenn wir für eine ständig steigende Zahl von Arbeitsfähigen mehr
Arbeitsplätze sicherstellen, wenn wir einen höheren Lebensstandard
erreichen und wenn wir weiterhin die von uns innerhalb der Gemeinschaft der freien Welt geforderte führende Rolle ausüben sollen. Ich
bin fest davon überzeugt, daß das in diesem Haushalt niedergelegte
Programm eine richtige Anwendung der fiskalischen Mittel zur Verwirklichung dieser wichtigen Ziele verkörpert".
Beträchtliche ungenutzte Kapazitäten
Kennedy betont, daß sich das wirtschaftliche Klima in den beiden letzten Jahren wesentlich gebessert habe und daß eine weitere
bedeutende Besserung möglich sei. In den beiden vergangenen Jahren
habe die Bereitstellung von Gütern und Dienstleistungen um 9 Prozent
zugenommen; die Lohn- und Gehaltszahlungen seien um 10 Prozent und

-

1

�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT
und die Gesellschaftsgewinne um 18 Prozent gestiegen; und es
seien über eine Million neue Arbeitsplätze in der Wirtschaft
geschaffen worden. Dabei sei jedoch das Preisniveau in den USA
mit am stabilsten gewesen, und das Zahlungsbilanzdefizit habe
beträchtlich abgebaut werden können.
Damit, so unterstreicht Kennedy, dürften sich die USA jedoch
nicht zufriedengeben. Im vergangenen Jahr sei die wirtschaftliche
Entwicklung hinter den Erwartungen zurückgeblieben, und die Kluft
zwischen den tatsächlichen und den potentiellen Leistungen der
Wirtschaft, die sich 1957 zu öffnen begann, sei bisher noch nicht
geschlossen worden. Die ungenutzten Produktionskapazitäten seien
zu groß, Sie Arbeitslosigkeit sei zu hoch, und die Wachstumsrate
bleibe hinter den Möglichkeiten zurück. Die in den vergangenen zwei
Jahren erzielten Fortschritte dürften nicht die Tatsache verschleiern, daß die amerikanische Wirtschaft mehr Arbeitsplätze bereitstellen und mehr Güter erzeugen könne, als dies gegenwärtig der
Fall sei.
Seit mehr als fünf Jahren, so führt der Präsident aus, habe
die Gesamtnachfrage nach Gütern und Dienstleistungen von seiten der
Verbraucher und der Unternehmen nicht mehr zur vollen Ausnutzung der
in der Wirtschaft vorhandenen Kapazitäten ausgereicht. Ein wesentlicher Grund hierfür sei in den hohen Steuern und Abgaben - bei
Bund, Einzelstaaten und Kommunen - zu sehen, die gegenwärtig insgesamt über 150 Mrd. Dollar im Jahr ausmachen. Wenn die Wirtschaft
wieder auf Hochtouren laufen solle, dann müsse die die Verbraucherausgaben und die Unternehmerinitiative hemmende Wirkung der Steuern
beseitigt werden. Aus diesem Grunde enthalte der neue Haushalt als
wichtigen Bestandteil ein Steuersenkungs- und Reformprogramm, das
die Wirtschaftstätigkeit beleben und Vollbeschäftigung sowie eine
höhere Wachstumsrate bei stabilen Preisen bringen solle. Wenn auch
die durch eine Senkung der Steuern bewirkte Wirtschaftsexpansion
später zu höheren Haushaltseinnahmen führen werde, so sei die unmittelbare Auswirkung zunächst jedoch ein Einnahmeausfall. Aus diesem
Grunde seien in dem neuen Haushalt auch die Ausgaben stark eingeschränkt worden.
Höhere Aufwendungen für Verteidigung und Weltraumprogramme
Für die Verteidigung und die Weltraumprogramme, so betont
Kennedy, "wo eine falsche Sparsamkeit die nationalen Interessen,
ja selbst das Fortbestehen der USA als Nation ernstlich gefährden
könnte", seien die Ausgabenansätze erhöht worden. Desgleichen seien
auch die Aufwendungen zur Bedienung der Staatsschuld gestiegen. Dagegen sei der Gesamtbetrag der Ausgaben für alle übrigen Programme
mit 29,4 Mrd. Dollar um 300 Millionen Dollar niedriger als in diesem
(Finanz-)Jahr, wobei Erhöhungen bei einzelnen Programmen durch Kürzungen bei anderen ausgeglichen werden.
Der Präsident weist darauf hin, daß bei der Vorlage des neuen
Finanzplanes der Regierung für das Haushaltsjahr 1964 mehr Nachdruck

-

2

-

�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT
Nachdruck auf die Darlegung eines Gesamtzahlungsplanes gelegt
worden ist, der nicht nur die tatsächlichen Einnahmen und Ausgaben
des Bundeshaushalts, sondern auch die Einnahmen und Ausgaben der
Treuhandfonds und anderweitiger Programme ausweist.
GesamtZahlungsplan

1962

Finanzjahr

1963

1964

in Milliarden Dollar
tatsächlich
geschätzt
Gesamteinnahmen einschließlich
Treuhandfonds (Trust Funds)
Gesamtausgaben einschließlich
Treuhandfonds (Trust Funds)
Defizit einschließlich
Treuhandfonds (Trust Funds)
Haushaltseinnahmen
Haushaltsausgaben
Haushaltsdefizit

101,9

108,5

112,2

107,7

116,8

122,5

5,8

8,3

10,3

81,4
87,8

85,5

86,9

94,3
8,8

98,8

6,4

11,9

Keine Inflationsgefahr
Kennedy betont, daß niemand auf Grund des Defizits im neuen
Haushalt Furcht vor einer inflationistischen Entwicklung oder Besorgnisse hinsichtlich der Zahlungsbilanz zu haben brauche. Das Programm für eine stetige Wirtschaftsexpansion und steigende Produktive•
stehe durchaus im Einklang mit der Aufrechterhaltung einer relativen
Preisstabilität, wie sie bereits in den letzten Jahren bestanden hab
Dies sei von besonderer Wichtigkeit für den Außenhandel. Eine nachhaltige Wirtschaftsexpansion werde sich günstig auf die Inlandsinvestitionen sowie die Produktivität der Industrie auswirken und zusammen
mit den Maßnahmen zum Ausgleich der Zahlungsbilanz zu einer Stärkung
des Dollars beitragen, was von den Freunden der USA im Ausland in
immer stärkerem Maße erkannt werde.
Steuersenkungen und strukturelle Änderungen
Das neue Steuerprogramm, so führt Kennedy aus, bringe eine
beträchtliche ständige Senkung der Einkommen- und Körperschaftssteuersätze sowie verschiedene wichtige strukturelle Änderungen, um die
wirtschaftliche Expansion zu fördern, die Gleichheit in der Besteuerung
zu verbessern und die Steuergesetze sowie die Verwaltung zu vereinfachen,
Ein Teil der Steuersenkungen solle bereits dieses Jahr wirksam werden.
-

3 -

�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT
werden, während eine weitere Senkung der Steuersätze sowie die
strukturellen Änderungen für 19&amp;4 un(* 1965 vorgesehen seien. Das
gesamte Programm, das er dem Kongreß in Kürze unterbreiten werde,
stelle eine Einheit und einen wichtigen Schritt in den Bemühungen
zur Stärkung und Verbesserung des Steuersystems dar. Unter Zugrundelegung der Einkommen in diesem Jahr dürfte das Steuerprogramm insgesamt für den Steuerzahler eine Entlastung von Petto 10 Mrd. Dollar
bringen. Da diese Steuersenkung jedoch zu einer Beschleunigung der
Wirtschaftsexpansion und damit zu höheren Einkommen und Unternehmergewinnen führen werde, werde innerhalb weniger Jahre ein erhöhter Fluß
an Steuereinnahmen einsetzen.
Haushaltsansätze berücksichtigen Auswirkungen der Steuersenkung
Bei dem Ansatz für die Haushaltseinnahmen, so erklärt Kennedy, se
von der Voraussetzung ausgegangen worden, daß das Bruttosozialprodukt
1963 auf 578 Mrd. Dollar ansteigen werde, wobei diese Zahl einen Mittelwert mit möglichen Abweichungen von 5 Mrd. Dollar nach beiden Seiten darstelle. Dabei seien auch die wirtschaftlichen Auswirkungen
des vorgeschlagenen Steuerprogramms berücksichtigt worden. Die in
diesem Jahr vorgesehenen Steuersenkungen würden insgesamt einen Einnahmeausfall im neuen Haushaltsjahr von 5&gt;3 Mrd. Dollar bringen, der
jedoch, da die zu erwartende Wirtschaftsexpansion eine Einnahmensteigerung bewirken werde, zum Teil wieder ausgeglichen werde, so daß sich
aus dem neuen Steuerprogramm lediglich eine Minderung des Steueraufkommens um netto 2,7 Mrd. Dollar ergeben dürfte. Trotz dieses Steuerausfalls könne jedoch auf Grund des zu erwartenden höheren Bruttosozialprodukts sogar mit einer Zunahme der Einnahmen um 1,4 Mrd. Dollar
im Finanzjahr 1 9^4 feerechnet werden.
Ausgaben stellen ein Minimum dar
Die von ihm vorgeschlagenen Ausgaben, so unterstreicht der Präsident, stellten ein Minimum dar, das zur Erfüllung der dringend notwendigen Aufgaben einer vielseitigen und expandierenden Gesellschaft
in einer Zeit des kalten Krieges unbedingt notwendig sei.

Ausgaben

�"AMERIKA DIENST" - V/IRTSCHAFT UND ARBEIT
AUS GABEN (Zusammenfassung)

Finanzjahr

1962

Haushaltsausgaben

1965

1964

in Milliarden Dollar
tatsächlich . geschätzt

Nationale Verteidigung
Weltraumforschung und Technik
Zinsendienst

Zwischensumme

51,1
1,5
9,2

55,0
2,4
9,8

55,4
4,2
10,1

61 ,6

65,2

69,7

2,8
5,9
2,1
2,8
0,5
4,5
1,1
5,4
1,9

2,9
6,7
2,4
5,5
0,5
4,9
1,4
5,5
2,0

2,7
5,7
2,5
5,4
0,5
5,6
1,5

26,8

29,6

29,4

-

0,1

0,4

0,6

0,6

0,7

87,8

94,5

98,8

20,4
2,7-

21,8

22,8

2,9
0,5
0,9
1,7

5,2
1,0
0,6
1,5

Übrige Programme:
I n t e r n a t i o n a l e Angelegenheiten
Landwirtschaft
Bodenschätze
Handel und Transportwesen
Wohnungsbau und S t ä d t e e n t w i c k l u n g
G e s u n d h e i t s - und Sozialprogramme
Erziehungswesen
Kri egsveteranen
Allgemeine Regierungsausgaben
Zwischensumme
Sonstiges
abzüglich Posten der Rechnungsangleichung
Haushaltsausgaben-Gesamtsumme:
Treuhandfonds':
Gesundheits- und Sozialprogramme
Handel und Transportwesen
Wohnungsbau und Städteentwicklung
Kriegsveteranen
Andere
Abzüglich Posten der Rechnungsangleichung
Gesamtsumme Treuhandfonds:

1,5
0,7
0,4

Abzüglich interministerielle
Transaktionen

0,5

0,5

0,5

25,2

27,5

28,4

5,5

4,8

4,7

116,8

122,5

107",7

Gesamtsumme:
-

5

-

5,5

2,2

Wohin

�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT
Wohin der Haushalts-Dollar rollt
Von jedem Dollar, den der amerikanische Steuerzahler aufgebracht
hat, sind in dem neuen US-Haushalt 55 Cent für die nationale Verteidigung, 4»2 Cent für die Weltraumprogramme, 10,1 Cent für den Schuldendienst, 5,6 Cent .für die Landwirtschaft, 5,5 Cent für Gesundheitsund Sozialprogramme, 5»4 Cent für Kriegsveteranen-Programme und 14»2
Cent für alle übrigen Regierungsaufgaben zusammen bestimmt. Die zur
Bestreitung der Haushaltsausgaben erforderlichen Mittel werden zu
47 Prozent durch die Einkommensteuer, zu 24 Prozent durch die Körperschaftssteuer, zu 12 Prozent durch die Verbrauchssteuern, zu 10 Prozent
über den Kapitalmarkt und zu 7 Prozent durch andere Einnahmequellen
aufgebracht.
Verteidigung nicht zu Discount-Preisen
Für die nationale Verteidigung fordert Präsident Kennedy 55*4
Mrd. Dollar an. Dieser Betrag liegt um 10 Mrd. Dollar über dem Ausgabenniveau des Jahres 1960 und um 2,4 Mrd. Dollar höher als im laufenden Haushaltsjahr. In der Botschaft wird in diesem Zusammenhang auf
die Gefahren hingewiesen, denen sich die freie Welt heute gegenübersieht, und betont, daß es für die Verteidigung keine Discount-Preise
gebe.
V/örtlich erklärt der amerikanische Präsident zum Thema internationale Verteidigung:
"Für die Verteidigung gibt es keine Discount-Preise. Die freie
Welt muß jederzeit darauf vorbereitet sein, den Gefahren eines globalen Atomkrieges, einem begrenzten konventionellen Konflikt und der
heimlichen Guerilla-Tätigkeit entgegenzutreten.
Das Budget des Jahres 1964 führt die Politik der Regierung fort,
die zum Schutz gegen jede dieser Gefahren benötigten flexiblen und
ausgewogenen Streitkräfte aufzustellen und zu stärken und sie zu den
niedrigstmöglichen Kosten auszurüsten und aufrechtzuerhalten. Die gesamten Ausgaben für die nationale Verteidigung werden für das kommende
Jahr auf 56 Mrd. Dollar veranschlagt, wovon 55»4 Milliarden Dollar auf
den Ordentlichen Haushalt entfallen. Dieser Betrag liegt um rund 10
Mrd. Dollar über dem Ausgabenniveau des Jahres 196O und hat zusammen
mit der Erweiterung des Weltraumprogramms in erster Linie die Ausweitung des Haushalts seit dem Amtsantritt meiner Regierung bewirkt.
Bie im Budget für 1964 enthaltenen Vorschläge für die nationale
Verteidigung legen - wie in den letzten Jahren - auch weiterhin den
Nachdruck auf:
sine starke strategische Vergeltungsmacht, die einen Überraschungsangriff überstehen und in kontrollierter und flexibler Weise wirksam
gegen den Aggressor zurückschlagen kann. Eine weitere Anzahl von im
Inland stationierten Minuteman-Raketen wird bereitgestellt und in
sicheren und über das Land verteilten Anlagen untergebracht. Sechs

- 6 -

�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT
Sechs weitere Polaris-U-Boote werden zur Verfügung stehen, und
die Arbeiten an den verbesserten Ausführungen der Minuteman- und
der Polaris-Raketen werden fortgesetzt}
verbesserte Luft- und Raketen-Verteidigungsstreitkräfte. Unser
Verteidigungssystem für die Bomberabwehr und unser ballistisches
Raketen-Warnsystem werden verstärkt. Große Anstrengungen werden
weiterhin auf die Entwicklung einer Verteidigung gegen Raketen verwendet werden, wozu auch die weitere Erprobung der Nike-Zeus-Raketenabwehrrakete sowie die Anfangsentwicklung der moderneren Nike-X-Boden-Luft-Rakete gehören;
schlagkräftigere und beweglichere konventionelle Erd-, Seeund Luftstreitkräfte, um den Bereich einer nicht-nuklearen Reaktion
auf einen Angriff zu erweitern. Die Bereitstellung konventioneller
Waffen, Ausrüstungen, Munition, Hubschrauber sowie taktischer Jagdund Aufklärungsflugzeuge der Luftstreitkräfte für eine wirksamere
Unterstützung der Erdkampfeinheiten wird beschleunigt werden. Die
Haushaltsansätze sehen 16 einsatzbereite Armeedivisionen, 3 Divisionen und Luftgeschwader des Marinekorps, eine weitere Modernisierung
der Flotte sowie zusätzliche 15 000 Mann für die Armee zur Erprobung
der Konzeption einer Luftangriffsdivision und andere neue Lufteinheiten vor&gt;
ein Strahlenschutz-Programm der Zivilverteidigung, mit dessen
Hilfe die Chancen, daß ein großer Teil unserer Bevölkerung einen
eventuellen Atomangriff überleben würde, verbessert werden;
Verstärkte Einheiten zur Abwehr der Subversion, um unseren Verbündeten zu helfen, mit kommunistischer Unterwanderung und insgeheim
betriebener bewaffneter Aggression innerhalb ihrer Landesgrenzen fertig zu werden."
3,75 Milliarden Dollar für die Auslandshilfe
In dem Abschnitt der Botschaft, in dem Präsident Kennedy die
internationalen Programme und ihre Finanzierung behandelt, wird auf
die Entschlossenheit der USA hingewiesen, die Sicherheit der freien
Welt weiterhin zu fördern und zu stärken - nicht nur durch die
Verpflichtungen, die die USA zur Verteidigung der Freiheit eingegangen seien, sondern auch durch die Zusicherung, zur wirtschaftlichen
und sozialen Entwicklung der weniger bevorzugten unabhängigen Völker
beizutragen. "Der Angriff des kommunistischen China auf Indien sowie
der anhaltende Kampf Vietnams gegen eine massive, von außen unterstützte bewaffnete Subversion sind die jüngsten Beispiele für die
Notwendigkeit und Bedeutung unserer Unterstützung", heißt es in der
Botschaft wörtlich. "Das ständig zunehmende Tempo der Modernisierung
sowie die wachsenden Bemühungen um Reformen und Selbsthilfe in zahlreichen Nationen verdienen unsere Unterstützung und Förderung."
Die

�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UM) ARBEIT
Die militärische und wirtschaftliche Unterstützung der USA
für andere Länder wird für das Haushaltsjahr 1964 mit 3,75 Mrd.
Dollar veranschlagt. Dieser Betrag liegt um 100 Millionen Dollar
unter der Summe für das gegenwärtige Haushaltsjahr. Während die
Aufwendungen für die Wirtschaftshilfe um 200 Millionen Dollar auf
2,3 Mrd. Dollar erhöht werden, sollen die Ausgaben für die militärische Auslandshilfe gekürzt werden, Kennedy weist in diesem
Zusammenhang darauf hin, daß die USA hei der Bereitstellung dieser
Mittel sehr selektiv verfahren werden, wobei vor allem solche Projekte und Programme berücksichtigt werden sollen, die für die rasche
Entwicklung von Ländern entscheidend sind, denen bei der Aufrechterhaltung der Sicherheit der freien Welt Bedeutung zukommt und die die
Bereitschaft und Fähigkeit zum Einsatz ihrer eigenen Hilfsquellen
in wirksamer Weise demonstriert haben.
Kennedy geht in diesem Zusammenhang vor allem auf die Allianzfür den Fortschritt - das Hilfsprogramm für Lateinamerika - ein und
empfiehlt ein Programm, das für diese Länder über 1 Milliarde Dollar
vorsieht. Diese Hilfe soll über das Amt für Internationale Entwicklung, die Interamerikanische Entwicklungsbank, die Export-Import-Bank
und durch das Lebensmittel-für-den-Frieden-Programm erfolgen. Auch
das überaus erfolgreiche Programm des Friedenskorps soll in Lateinamerika
mit Vorrang fortgeführt werden.
Bundesausgaben im Ausland
Kennedy weist in seiner Haushaltsbotschaft weiter darauf hin,
daß bei der Vorbereitung des neuen Budgets alle vorgesehenen Ausgaben,
die sich auf die Zahlungsbilanz auswirken, eine besondere Überprüfung
erfahren hätten. Man sei vor allem bemüht gewesen, die Bundesausgaben
im Ausland zu reduzieren, ohne dabei die Verteidigung der freien Welt
zu gefährden.
A'uf die Kosten der Entwicklungshilfe hinweisend, appellierte Kennedy erneut an die europäischen Länder, einen größeren Kostenanteil zu
übernehmen. Wörtlich heißt es hierzu in der Botschaft:
"Wir werden auch weiterhin nachdrücklich unser Bemühen fortsetzen,
andere Länder, vor allem die europäischen Länder und Japan, zu ermutigen, einen größeren Anteil der Kosten der Wirtschaftshilfe für die
Entwicklungsländer zu übernehmen und die Unterstützung der militärischen Verteidigung innerhalb ihrer eigenen Grenzen zu verstärken..."
Weltraumforschung
Für die amerikanische Raumforschung und Raumfahrt sieht das
Budget eine Erhöhung der Mittel des US-Bundesamtes für Luft- und
Raumfahrt vor, die es ermöglichen soll, das Projekt höchster Dringlichkeit, der Landung eines bemannten amerikanischen Raumschiffes
auf dem Mond, weiter durchzuführen, sowie die vielfältigen Programme

-

8

�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT
Programme für die Entwicklung verbesserter Forschungs- und Nachrichtensatelliten zu verwirklichen. Die Ausgaben für die Raumforschung
und Raumfahrt werden Schätzungen zufolge im Jahr 1964 auf 4,2 Mrd.
Dollar steigen - eine Summe, die um 1,8 Mrd. Dollar über den Ausgaben
des derzeitigen Haushaltsjahres liegt und einen Anstieg von 75 Prozent bedeutet. Durch Konzentration der Kräfte soll vor allem sichergestellt werden, daß die Entwicklung des Apollo-Raumschiffs für den
bemannten Mondflug und der Saturn-Rakete, die das Raumschiff zum Mond
tragen wird, ohne Verzögerung vorangeht.
In, der Botschaft des Präsidenten wird der Erfolg der amerikanischen
Venus-Raumsonde Mariner II als Beispiel für die Fortschritte angeführt,
die die Vereinigten Staaten in der Raumfahrt erzielen konnten. Auch
die Entwicklung weiterer Satelliten für geophysikalische, Astronomische
und meteorologische Forschungen sowie für die Nachrichtenübermittlung
soll mit Nachdruck vorangetrieben werden. Das Budget sieht außerdem
Mittel für Forschungsprojekte vor, durch die die technischen Voraussetzungen für unbemannte Flüge zum Mars und zur Venus sowie für bemannte Raumflüge weiter vervollkommnet werden sollen.
15 Mrd. Dollar für die wissenschaftliche Forschung
Für die wissenschaftliche Forschung und Entwicklung werden in
dem neuen Haushalt 14,953 Mrd. Dollar ausgewiesen; das sind 2,693
Mrd. Dollar mehr als im laufenden Haushaltsjahr und 4*585 Mrd. Dollar
mehr als im Haushaltsjahr 1962. Die amerikanische Bundesregierung stellt
im allgemeinen über zwei Drittel der für diese Zwecke in den USA aufgewendeten Mittel zur Verfügung.
Sofern der Kongreß diesen Ansatz billigt, werden hiervon das Verteidigungsministerium 7,653 Mrd. Dollar, das US-Amt für Luft- und Raumfahrt 4,2 Mrd. Dollar, die US-Atomenergie-Kommission 1,503 Mrd. Dollar,
das Ministerium für Gesundheits-, Erziehungs- und Sozialfragen 778
Millionen Dollar, die Amerikanische Stiftung für die Wissenschaft 193
Millionen Dollar, das Landwirtschaftsministerium 187 Millionen Dollar
und andere Dienststellen 419 Millionen Dollar erhalten.

* * * * *

- 9 -

�A M E R I K A

D I E N S T

Wi./XV-4
KENNEDY: DIE US-WIRTSCHAFT AM SCHEIDEWEG

WASHINGTON - (AD) - Nachstehend übermitteln wir Ihnen Auszüge aus dem
Wirtschaftsbericht, den Präsident
Kennedy am 21. Januar 1963 dem amerikanischen Kongreß vorgelegt hat.

Die Teile des Wirtschaftsberichts Präsident Kennedys, die sich
mit den grundlegenden Zielen der amerikanischen Wirtschaftspolitik
sowie mit den wirtschaftspolitischen Maßnahmen im Jahre 1963 befassen, haben folgenden Wortlaut:
"Den Bestimmungen des Employment Act von 1946 entsprechend
berichte ich Ihnen heute:
daß die 'wirtschaftliche Lage1 der Vereinigten Staaten im
Jahre 1962 durch stetige Fortschritte auf dem Gebiet der Beschäftigung, der Gütererzeugung und der Kaufkraftsteigerung gekennzeichnet wurde;
daß 'die sich abzeichnenden Trends' für 1 9&amp;3 weitere Fortschritte verheißen;
daß eine noch nachhaltigere Expansion unserer Wirtschaft unbedingt erforderlich ist, um das in dem Gesetz geforderte hohe Niveau
•der Beschäftigung, der Gütererzeugung und der Kaufkraft' zu erreichen und um die seit 1957 vorhandene Lücke zwischen dem''bestehenden
Niveau' und dem für die Durchführung der in diesem Gesetz aufgezeigten Politik 'erforderlichen Niveau' zu schließen;
daß der Kern meines Programms für 19&amp;3 zur 'Verwirklichung
der in dem Gesetz aufgezeigten Politik1 eine umfassende Steuersenkung und Revision ist, die zeitlich und strukturell sorgfältig abgestimmt wurde, um den Fortschritt in Richtung auf eine Vollbeschäftigung und ein schnelleres wirtschaftliches Wachstum zu beschleunigen, während gleichzeitig die Preisstabilität der letzten Monate
erhalten bleibt und die Zahlungsbilanz weiter verbessert wird.

Die
-

1

�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT
Die Lage der Wirtschaft stellt das amerikanische Volk vor
eine Vielzahl von schwierigen Aufgaben. Die Expansion dauerte im
ganzen Jahre 1962 an, wobei die Gesamtlohn- und ;?t'haltssumme,
die Gewinne, der Verbrauch und die Gütererzeugung neue Höchststände
erreichten. Dies strafte die Befürchtungen jener Lügen, die vorausgesagt hatten, daß wir der unheilvollen Kette von Rezessionen, die
immer häufiger unsere wirtschaftliche Expansion unterbrachen 1953/54 nach 45 Monaten der Expansion, 1957/58 nach 35 Monaten der
Expansion, 1960/61 nach 25 Monaten der Expansion - nur mehr eine
weitere hinzufügen würden... Doch die 22 Monate einer stetigen Erholung haben bereits diese traurige Folge unterbrochen, und die Aussichten deuten auf eine weitere Expansion im Jahr 1963 hin.
Aber obwohl die Wirtschaftstätigkeit re?e ist, trachtet das
amerikanische Volk in seinen Bestrebungen doch nach mehr - und das
mit Recht. Denn alle die Fortschritte, die die USA erzielt haben,
bleiben beträchtlich hinter den Möglichkeiten zurück, die die Wirtschaft verheißt - Möglichkeiten, die wir ausschöpfen müssen, um
unseren Wohlstand im eigenen Lande zu heben und der Sache der Freiheit im Ausland zu dienen...
Gerade in den beiden vergangenen Jahren haben die Regierung und
der Kongreß eine Reihe wichtiger Schritte zur Förderung der Erholung
und zur Stärkung der Wirtschaft getan...
Diese Politik ermöglichte 1961 eine schnelle Erholung nach der
Rezession und brachte 1962 eine stetige Expansion - einen Fortschritt,
der die gesamte Wirtschaftstätigkeit auf ein neues hohes Niveau hob.
Die Rekordrate des Bruttosozialprodukts im letzten Quartal des vergangenen Jahres von 562 Mrd. Dollar lag, unter Berücksichtigung
eingetretener Preisveränderungen, um 10 Prozent höher als im ersten
Quartal des Jahres 1961 und um 8 Prozent über dem Höchststand der
letzten Erholungsperiode im zweiten Quartal i960. Der Index der industriellen Produktion lag im vergangenen Monat um 16 Prozent über dem
Tiefststand im Januar 1961 und um 7 Prozent über dem bisherigen
Monatshöchststand vom Januar i960.
,
Diese Produktionsausweitung brachte eine Vielzahl von Verbesserungen bei den Einkommen, auf dem Arbeitsmarkt und bei den Gewinnen mit sich, während das Preisniveau stabil blieb und unsere Zahlungsbilanz sich verbesserte. Im Verlauf der Expansion der Jahre
1961/62
stieg erstens das Personaleinkommen um 46 Mrd. Dollar auf 450
Mrd. Dollar an und lag damit um 12 Prozent über seinem Höchststand
während der vorangegangenen Expansionsperiode. Das Nettoeinkommen
pro Farm erhöhte sich um 330 Dollar, während das Nettoeinkommen
der in der Landwirtschaft Beschäftigten um 800 Millionen Dollar
anstieg. Das Gesamteinkommen der amerikanischen Verbraucher nach
Abzug der Steuern erhöhte sich um 8 Prozent; dies bedeutet für eine
vierköpfige Familie eine Verbesserung des Lebensstandards (unter
Zugrundelegung der Preise von 1962) um 40C Dollar pro Jahr;
erhöhte

�"AMERIKA PIEKST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT
erhöhte sich zweitens die Zahl der Beschäftigten in der Industrie um 2 Millionen, während die durchschnittliche wöchentliche
Arbeitszeit in der Industrie von 39»3 auf 40,3 Stunden anstieg*
erreichten drittens die Unternehmergewinne, wie bereits betont
wurde, im Jahre 1Q62 einen Rekordstand von 51 Mrd. Dollar;
blieben viertens die Großhandelspreise außerordentlich stabil,
während die Verbraucherpreise lediglich um 1,1 Prozent pro Jahr anzogen - kein anderes großes Industrieland der Welt, Kanada ausgenommen,
kann sich einer größeren Preisstabilität erfreuen;
verbesserte sich fünftens die Wettbewerbslage, was zusammen mit
einer engeren internationalen Zusammenarbeit auf finanziellem Gebiet
und umfassenden Maßnahmen zur Einschränkung der Devisenkosten der Verteidigung, der Entwicklungshilfe sowie anderer Programme zu einer wesentlichen Verringerung unseres Zahlungsbilanzdefizits - von 3»9
Mrd. Dollar im Jahre i960 auf 2,5 Mrd. Dollar im Jahre 1961 und etwa
2 Milliarden Dollar jetzt, im Jahre 1962 - beigetragen hat.
Ausblick für 1 963
Die Aussichten für eine anhaltende mäßige Expansion im Jahre 1963
sind jetzt günstig:
1. Die Investitionen der Wirtschaft dürften, zum Teil infolge
des Anreizes, den die Abschreibungsreform vom vergangenen Jahr und
die Steuerstundung bei Investitionen gaben, sowie auf Grund der Aussicht auf eine baldige Steuersenkung und -reform, im Jahre 1963 insgesamt zumindest leicht ansteigen.
2. Der Wohnungsbau sollte etwa den Stand des Jahres 1962 halten.
3. Die Regierungskäufe - der Bundesregierung, der Einzelstaaten
sowie der Kommunen zusammengenommen - dürften um jeweils 2 Mrd. Dollar
pro Quartal steigen.
4

4. Die Verbraucherkäufe dürften sich in dem durch die Erfolge
der Wirtschaft sowie durch Regierungsmaßnahmen gesetzten Rahmen ausweiten.
Diese Aussichten lassen - unter Berücksichtigung der vorgeschlagenen Steuersenkung - einen Ansatz des Bruttosozialprodukts für 1963
mit 578 Mrd. Dollar berechtigt erscheinen, wobei diese Zahl als Mittelwert eines 10-Mrd.-Dollar-Bereichs zu betrachten ist.
Ich rechne nicht mit einer fünften Nachkriegsrezession, die unseren Fortschritt im Jahre 1963 aufhalten würde. Es ist nicht die
Angst vor der Rezession, sondern es sind vielmehr fünf Jahre einer zu
großen Arbeitslosigkeit, ungenutzte Kapazitäten und rückläufige Gewinne - und die daraus resultierende Drosselung unserer Wachstumsrate -

-

3 -

�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT
Wachstumsrate -,welche die Steuersenkung und -reform zu einer so
dringenden Sache machen. Die wirtschaftliche Expansion im Jahre
1963 wird, soweit dies einigermaßen abzusehen ist, die Wirtschaft
weit hinter dem hohen Stand der maximalen Beschäftigung, Produktion
und Kaufkraft zurückbleiben lassen, den der Employment Act vorsieht...
Die Wiedergesundung, die kurz nach meiner Amtsübernahme vor zwei
Jahren eingeleitet wurde, hängt jetzt in einem Augenblick der Entscheidung in der Schwebe. Ich glaube nicht, daß das amerikanische
Volk lediglich damit zufrieden sein wird - oder sollte -, neue
Rekorde aufzustellen. Die private Initiative und die Politik des
Staates müssen Hand in Hand arbeiten, um die Hindernisse einzureißen, die in den Jahren nachlassender Wirtschaftstätigkeit seit
1957 aufgebaut wurden, und die Nation in eine neue Periode stetiger
Vollbeschäftigung und raschen wirtschaftlichen Wachstums zu führen.
Dies kann nicht über Nacht erreicht werden, aber es ist zu schaffen,
Das Haupthindernis auf dem Wege zur Vollbeschäftigung ist eine unrealistisch schwere Steuerlast. Die Zeit ist gekommen, diese zu
besei tigen...
Steuersenkung und -reform im Jahre 196$
Lassen Sie mich
fiskalische Klugheit
kung fordern, selbst
größer wird -, warum
stehende Weg ist, um

darlegen, warum in der heutigen Wirtschaft
und Verantwortungsbewußtsein eine Steuersenwenn dadurch zeitweilig das Haushaltsdefizit
die Steuersenkung der beste uns zur Verfügung
die Staatseinkünfte zu erhöhen.

Wir haben nicht die Wahl - wie dies manchmal übermäßig vereinfacht dargestellt wird - zwischen Steuersenkung und Defizit auf der
einen und einem durch kluge Haushaltsgebarung spielend ausgeglichenen Budget auf der anderen Seite... Wenn wir in die Rezession hineinschlittern sollten, weil wir keine Entscheidung über die Steuern
getroffen haben, dann wäre das Haushaltsdefizit im nächsten Jahr ohne
Steuersenkung größer als das zu erwartende Defizit mit Steuersenkung.
Tatsächlich könnte eine neue Rezession alle Rekorde von Defiziten
in Friedenszeiten brechen. Und wenn wir versuchen sollten, den Ausgleich des Haushalts durch drastische Kürzung der Ausgaben zu erreichen - notwendigerweise auf Kosten der Verteidigung und anderer lebenswichtiger Programme -, würden wir nicht nur die Sicherheit unseres
Landes gefährden, sondern wir würden auch Nachfrage, Produktion und
Beschäftigungsstand so herabdrücken, daß das Steueraufkommen sinken
und der Regierungshaushalt erst recht ins Defizit geraten würde.
Dies zu versuchen, verbietet sich daher von selbst.
Solange wir also nicht die volle Prosperität mit den daraus
resultierenden, den Haushalt ausgleichenden Staatseinnahmen wiederhergestellt haben, liegt unsere Wahl in der Praxis nicht zwischen
Defizit und Überschuß, sondern zwischen zwei Arten von Defiziten:
zwischen einem Defizit aus Verschwendung und Schwäche heraus und
einem Defizit, dem wir ausgesetzt sind, während wir unsere künftige
Stärke aufbauen...
S o la n ge

- 4 -

�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT
Solange wir in großer Zahl Arbeiter ohne Arbeitsplätze und
Produzenten ohne Absatzmärkte haben, werden wir als Nation
immer
wieder in ein Defizit der Trägheit und der Schwäche geraten. Wenn
wir jedoch statt dessen das Defizit als Nebenprodukt unserer positiven
Steuerpolitik zur Expansion unserer Wirtschaft vorübergehend erhöhen,
dann wird sich dies als eine Quelle der Stärke und nicht als ein Zeichen der Schwäche auswirken...
In dem Maße, in dem die Wirtschaft zur Vollbeschäftigung zurückkehrt, wird das Budget zu einem konstruktiven Gleichgewicht zurückfinden .
Dies wäre natürlich nicht der Fall, wenn wir laufend die Grenzen
unserer Produktionskapazität anspannten, wenn die durch die Steuersenkung freigewordenen Dollar auf starre Engpässe in der Industrie
und bei den Facharbeitern stoßen würden. Dann würde eine Steuersenkung eine offene Einladung für die Inflation, für eine neuerliche
Lohn-Preis-Spirale sein und unsere mühsam erreichte Besserung der
Zahlungsbilanz gefährden. Wir haben heute jedoch nicht nur brachliegende Arbeitskräfte und ungenutzte Produktionskapazitäten,
auch neue, zusätzliche Arbeitskräfte und Produktionskapazitäten vergrößern ständig unser Produktionspotential. Wir verfügen über eine
Wirtschaft, die voll und ganz in der Lage und bereit ist, auf den
Anreiz einer Steuersenkung zu reagieren.
Wege zu rascherem Wachstum
Das von mir umrissene Steuerprogramm erstreckt sich über drei
Jahre. Seine belebenden Auswirkungen werden jedoch noch viel länger
spürbar sein. Denn der Preis langanhaltender abgeschwächter Wirtschaftstätigkeit ist unter anderem langsames Wachstum. Eine Wirtschaft,
die nicht in der Lage ist, ihr Produktionspotential voll zu nutzen,
sieht keine Notwendigkeit, dieses rasch zu erhöhen. Der Investitionsanreiz wird von dem Gewicht der Überkapazität erdrückt. Der Mangel
an Arbeitsplätzen verlangsamt das Anwachsen der Beschäftigtenzahl.
Wenn eingeschränkte Märkte, Arbeitsmöglichkeiten und Anreize den Umfang der Anstrengungen und des Einfallsreichtums einengen, dann
blühen defensive, restriktive Praktiken - angefangen von Manipulationen mit Arbeitskräften bis zu Marktabsprachen. Wenn jedoch die
Wirtschaft aus der Lethargie der vergangenen fünf bis sechs Jahre
erwacht, dann wird schon das Ende der abgeschwächten Wirtschaftstätigkeit zu einem rascheren Wachstum führen. Die Vollbeschäftigung wird
den Würgegriff restriktiver Praktiken lockern und das Tor zu Neuerung
und Wandel weiter öffnen.
Wenn auch Programme zur vollen Nutzung vorhandener Hilfsquellen
der unbedingt notwendige erste Schritt einer positiven Politik für
ein rascheres Wachstum sind, so ist es doch nicht zu früh, andere
Programme zur Stärkung der der Wachstumskapazität der Nation zugrunde
liegenden Hilfsquellen voranzutreiben. Niemand zweifelt daran, daß
die Grundlagen der wirtschaftlichen Größe Amerikas in der Erziehung,
Ausbildung und Anpassungsfähigkeit unserer Bevölkerung und in unserer
fortschrittlichen und fortschreitenden industriellen Technik liegen.
Tief

�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT
Tief verwurzelte Grundlagen lassen sich nicht über Nacht erneuern
und verbreitern. Aber die Erreichung der nationalen wirtschaftlichen
Zielsetzung ist auch nicht eine Aufgabe für heute oder morgen, für
dieses oder das nächste Jahr. Wenn wir nicht jetzt etwas tun, um die
menschlichen und materiellen Grundlagen für das Wachstum zu verstärken,
dann werden wir später in diesem Jahrzehnt und im nächsten den Preis
dafür in Form eines langsameren Wachstums bezahlen müssen. Wir müssen
also jetzt beginnen.
Die Bundesregierung ist bereits die Hauptquelle der finanziellen
Unterstützung für Forschung und Entwicklung in den Vereinigten Staaten. Die meisten Mittel, die gegenwärtig für Forschungszwecke aufgewendet werden, fließen über das Verteidigungsministerium, das Bundesamt für Luft- und Raumfahrt und die Atomenergie-Kommission an private
Unternehmen...
Da eine steigende Produktivität eine Hauptquelle wirtschaftlichen
7/achstums ist und Forschung und Entwicklung wiederum notwendige Quellen
des Produktivitätszuwachses sind, muß die Bundesregierung meiner Meinung nach jetzt damit beginnen, das Gleichgewicht im Einsatz der wissenschaftlichen Kräfte wiederherzustellen. Zu diesem Zweck werde ich
eine Anzahl von Maßnahmen vorschlagen, um die zivile Forschung und
Entwicklung zu fördern und die Nebenprodukte der militärischen und
der Weltraumforschung der zivilen Industrie leichter zugänglich zu
machen. Zu diesen Maßnahmen gehören:
1. Schaffung eines bundesstaatlich-einzelstaatlichen technischen
Beratungsdienstes;
2. neue Mittel und Wege, um der zivilen Industrie die Nutzung
der Ergebnisse der von der Regierung finanzierten Forschung
zu erleichtern;
3. Unterstützung der industriellen Forschung und Entwicklung und
der technischen Informationsdienste auf selektiver Basis;
4. Unterstützung von Forschungsverbänden der Industrie;
5. Anpassung der Einkommensteuergesetze, um den Firmen einen
zusätzlichen Anreiz für Investitionen in Forschungseinrichtungen zu geben;
6. Anreize für die Ausbildung von Forschungspersonal der Industrie
an Universitäten...
Die Geschichte wird die amerikanische Verpflichtung zu einer umfassenden Erziehung einmal als einen unserer größten Beiträge zur Zivilisation werten. In immer stärkerem Maße häufen sich auch eindrucksvolle Beweise dafür
daß die Erziehung und Ausbildung eine der am
tiefsten reichenden Wurzeln des wirtschaftlichen Wachstums ist. Durch
ihre direkten Auswirkungen auf die Qualität und Anpassungsfähigkeit
der arbeitenden Bevölkerung und durch ihre indirekten Auswirkungen
auf den Fortschritt von Wissenschaft und Wissen bildet die Erziehung
letzten Endes die Quelle eines großen Teiles unserer gesteigerten
Produktivität...
_
In

-

6 -

�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT
In unserer Gesellschaft muß die Hauptverantwortung für die Bewältigung der erzieherischen Aufgaben und Erfordernisse bei den einzelstaatlichen Regierungen und den Kommunen, bei privaten Institutionen und bei den einzelnen Familien liegen. Aber heute, wo die Erziehung entscheidend wichtig für die Bewältigung von Aufgaben und
Pflichten des Bundes in bezug auf die nationale Sicherheit und das
wirtschaftliche Wachstum ist, bedarf es einer zusätzlichen Unterstützung und Hilfe des Bundes. Die Dollar-Beiträge, die die Bundesregierung leisten würde, sind gering im Vergleich zu den 30 Mrd.
Dollar, die unser Land gegenwärtig für das Erziehungswesen aufwendet;
aber sie sind dringend erforderlich, wenn wir uns die großen Möglichkeiten zunutze machen v/ollen, die vor uns liegen.
In einer Botschaft zum Erziehungswesen, die demnächst unterbreitet wird, werde ich eine Anzahl spezifischer Vorschläge machen. Sie
alle sind dazu bestimmt, unser Erziehungssystem zu stärken. Sie werden
die Qualität verbessern, die Möglichkeiten vergrößern und zur Erweiterung der vorhandenen Kapazitäten führen...
Die Erziehung darf nicht im Klassenzimmer aufhören. In einer expandierenden Wirtschaft steht der arbeitende Mensch vor der Notwendigkeit, seine Kenntnisse fortgesetzt der jeweiligen technischen Entwicklung anzupassen. Der einzelne und der Betrieb haben die Hauptverartwortung für die Umschulung auf sich genommen, die erforderlich ist,
um mit dem technischen Fortschritt gleichauf zu bleiben - und ihre
Fähigkeit hierzu wächst, wenn die Marktlage sich bessert und die Gewinne steigen. Aber die Regierung muß diese privaten Bemühungen unterstützen und ergänzen, wenn den Erfordernissen in vollem Umfang genügt
werden soll.
Um das Wachstum zu erleichtern, müssen wir beständig die Hindernisse abbauen, die der vollen Entfaltung der Möglichkeiten unserer
arbeitenden Bevölkerung im Wege stehen. Eine bessere Unterrichtung
wird hierbei von Nutzen sein - aber es wird noch mehr verlangt. Einrichtungen, die Arbeiter an ihre Arbeitsplätze fesseln oder ein vorzeitiges Eintreten in den Ruhestand fördern, müssen kritisch überprüft
werden. Eine Beendigung der rassischen und religiösen Diskriminierung,
die nicht nur einen Affront gegenüber unseren grundlegenden Idealen
darstellt, sondern auch mit ihrem Leerlauf unsere Wirtschaft belastet,
bietet einen verpflichtenden Beitrag zum Wachstum. Genauso wie wir
bemüht sind, den Anreiz für Investitionen in Sachwerten zu erhöhen,
müssen wir auch bestrebt sein, den Anreiz zur Entwicklung der Fähigkeiten und Möglichkeiten des Menschen und zur Förderung ihres wirksamen Einsatzes zu verstärken.
Es wird nicht einfach sein, die Wachstumsrate in den USA zu steigern. Wir verfügen nicht mehr über eine zahlenmäßig starke Landbevölkerung, die in die Industrie abwandern könnte. Wir haben nicht die
Möglichkeit, aus der im Laufe einer Generation anderswo entwickelten
modernen Technik für uns Kapital zu schlagen. Das einzige uns leicht
erreichbare Wachstum ist ein Wachstum, das dem Erfolg unserer Bemühungen entspringt, der bis 1957 zurückreichenden Periode nachlassender
Wirtschaftstätigkeit "ein Ende zu setzen - dieses Wachstum müssen wir
erreichen, schon weil es nicht zu verantworten ist, daß die amerikanis
Wirtschaft in einer Zeit der Krisen auf zu niedrigen Touren läuft.
Über

�•

"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT
Über die Vollbeschäftigung hinaus müssen wir uns jedoch auf
die Hauptquellen allen langfristigen Wachstums stützen: auf Menschen,
Maschinen und Wissen. Wir müssen eine Vielzahl von Maßnahmen - sowohl
einfallsreiche wie routinemäßige - ausfindig machen und anwenden, um
unser Volk in die Lage zu versetzen, alle die Verheißungen unserer
Technik und unserer Wirtschaft zu verwirklichen. In einem Rahmen der
Vollbeschäftigung können diese Maßnahmen dazu beitragen, unsere
Wachstumsrate auf vier Prozent und mehr anzuheben, das amerikanische
Volk zu größerem Wohlstand und die freie Welt zu größerer Sicherheit
zu führen."

**..••*

8

-

�EUROPE: KALEIDOSCOPE OR CLOUDED CRYSTAL
Address by
The Honoiable Dean Acheson
at the
University of California
Berkeley, California
Marih 13, 1963

Our neeting today is one postponad by the crisis before lastr In
accordance with the principle of the conservation of energy, so I an told,
nothing is ever lost; though it soi..etlraes seens to ne that it would be
well if sorce things were,. For instance, the address I was to have niade here
appearcd in January in Foreign Affatrs, while the one I was to have niade at
the California Institute of Technology was brought forth at West Point in December with devastating effect upon the regard in which the la^d of my ancestors
had previously held nie. At any rate, afcer the crises of October and January
my two speeches have gone the way of all Speeches* and we raust Start over,
Some of ny dosest friends and severest critics will doubtless observe that,
in order to take a fresh look at the world Situation, I have -- like Lord Nelson -put the telescope to my blind eye In a way they will be right, siace one can
never take a wholly fresh look. External impressions must go through some
brain,
With that caveat, let us have a look, after the high wind of last January,
at the State of well- or ill-being of what has been probably the most long continued, enligbüened, extensive, and en.coessful endeavor in history» What has
been done since the end of the last war, a period of less than twenty years, is
nothing less than tha restoration of allies, friends, and former enemies alike
after shattering experiences, and the building of a Western European-North
American nexue to deal with the woriJ vide dangers and problems of an entirely
new wer Id.
At the outset let me renind you that success has its problems too. Crises
and dlffleultlcfl are with us not because the right policy or action eludes us,
but frem the very nature of human li:e and of the Situation we have faced. The
idea that a right course exists whic&gt;. will prevent difficulties frei arising
or remove them if they do, rests on tue assumption that all is con^trollable
if only we knew how.- But it is not true that all is controllable, or that difficulties cotr.e only from eirors. Thers are times in history when a vise and highly
successful course a^peais to, and often does, result in olmost as m^ny difficulties as it has resolved* A convr'escing patient well on the road to recovery,
may be irri-.atingly cantatikerouj- in asserting his new sense of strength and independence, as well as rerentnent at h"s former dependence. Yet recovery marks
success, not failure..

�-2By ehe January crisis, I mean General deGaulle1s manifesto declaring French
policy, his vetoing of British entry into the Common Market, the Franco-German
Treaty, and his reaffirraation of France's aim for an lndependent nuclear capability, Some American press comment treats these events as a heavy blow to common
policy in Europe, as previously conceived, at least, in this country. Many
voices seem to counsel making what they call compromises with General deGaulle,
since they see his star in the ascendant. This analysis and advlce seem to me
not only thoroughly nistaken, but to be as unfair to General deGaulle as they
are to the United States.
fluch as I disagree with many of General deGaulle's policies and ideas, I
defer to no one in ny admiration of his character, especially his serenity, and
his intelligence. No one, now living and active, occurs to me whose own personallty makes as great, and generally beneficial, an impact on his envlronment as
the General's. That is as good a definition of greatness as I know.
But to advise making a compromise with the General is another matter. It
1s not possible to persuade, bribe or coerce General deGaulle from following a
course upon which he is set. But he can and does in tiroe recognize the inevitable
and adjust his conduct to it, as he did in Algeria. It has been wisely Said
that "the mode by which the inevitable comes to pass is effort." The power of
the United States to shape the inevitable for General deGaulle is immense. To
urge either him or this country to depart from policies in which each deeply
believes does both an injustice, and is a waste of time.
One point of view is that General deGaulle's actions in January presented
Europe and North America with a wholly changed Situation. From another point of
view these events are said to have revealed much, but changed little. Both
views present facets of the truth. The same thing happens when a couple which
has been getting along badly has a blazing public row. It reveals what was
already known, but, perhaps, a little raore — the depth of incompat'bility.
It would be a mistake to press siniles too far. General deGaulle has not
declared war on the Anglo-Saxons, as he calls the British and ourselves. He
has not even proposed that Europe seek a divorce from its marriage to America,
which for twenty years has been one of both convenience and necessity. He has
evidenced a growing distaste for it and a desire for Separation from bed and
board; if not a judicial Separation, at least a judicious Separation.

as
If
he
is
He

Why is this sc? The General may be deeply, indeed tragically, mistaken —
I think he is in this case — but he is neither unintelligent nor sinister.
we are to oj»?ose his course, we must understand it. The convictions on which
is now acting he has held and expressed for some time. The place to begin
with what he said in January as he excluded the British from the Common Market.
began this way:
" . . . The Treaty of Rome was concluded between six Continental states*
As a wholc, these states are, economically
speaking, alike. . . . Because this grouplng and these ties are
sc pronounced what they have to produce, t&gt;t buy, to seil, to consuroe, they prefer to produce, buy, seil, and consume within thelr
own compleX;. This, then, is in accordance with the realities of
the Situation.

�• 3 "Furthernore, it should be added Chat fron the point of
view of their economic development, cheir social progress, and
their technical capacity, they are all in step and march in a
very similar manner. Also, tl.ere is no political disagreement between
them, no boundary questions, no domination or power rivalries. On
the contrary, they are united in the first place because of their
awareness that together they possess a large part of the sources
of our civilization and also wich respect to their security, because they are Continentals and are faced with a Single identical
menace fron one end to the other of their territorial complex.
"In short, they are united because not one of them is tied
to an outside power by any special political or military pact."
Please note carefully the last paragraph. The six nations referred to,
France, Germany, Italy, and the Benelux countries, are united because, he Said,
not one of them is tied to any outside power by any special political or military pact. But all of them are signatories of the North Atlantic Treaty which
provides:
". . . an armed attack against one orraoreof them (the member
states) in Europe or North America shall be considered an attack
against them all; and consequently • . . if such an armed attack
occurs, each of them . . . will assist the Party or Parties so attacked
by taking forthwith, individually and in concert with the other
Parties, such actlon as it doems necessary, including the use of armed
force, to restore and maintain the security of the North Atlantic
area."
Both Great Britain and the United States are signatories of the same treaty.
One would, therefore, suppose it piain that all the signatores were "tied"
to one another by a very "special political (and) military pact." This treaty
had not escaped the General's attention. He simply chose to ignore it, so far
as the six countries were concerned, leaving Great Britain and the United States
as "outside powers" tied by this special relationship.
Then came Britain to alloy this incomposlte unity.
"England, in fact," said the General, "is insular, maritime, linked by its trade, its markets, its supply needs, to the
most diverse and often the most rennte countries. Its activities
are essencially of an industrial and commercial nature and it
carries on very little agricultural activity. All of its activities are characterized by very Singular and distinctive practices
and traditions . . .
"It must be admitted that the entry of Great Britain
first and then that of those states will completely change the
arrangements as a whole . . . . Kence we should envisage the
setting up of another Common Market. But the one that would
be establi*bed, conslsting of eleven countries and later of
thirteen and later, perhaps, of eighteen, would, dbubtless,
bear little resemblance to the one that the six have constructed.

�4~
"Moreover this Community, growing In this manner, would
find itself confronted with all the problems of its economic
relations with a host of otber countries and primarily with the
United States*
"It is to be anticipat?d that this would soon destroy the
coherer.ce existing betwesn all the members, which would be very
numerous;, and that in the final analysis a colossal Atlantic
Community subject to and directed by America would appear, which
would malce short work of absorbing the European Community *
"This is a hypothesis which may be perfectly justifled
in the eyes of some people but that is not at all what France
vadtrö-to' Oft .and what Franct is doing and which rejr-sents an
absolutely European setup."
Here the General comes back again to the basically disqualifying characteristic
of the British applicatton -~ its tondency to involve the Continental eilte with
America. deGaulle's nightnare is the broader American-led Atlantic Community
"which would raake short work of absorbing the European Community.." Soon, again,
he returns to this Obsession.
At Athens the United States gava clear assurances that it would react with
nuclear weapons to a Soviet nuclear attack or to a Soviet conventional attack
which could not otherrlse be resisted. Nevertheless, the General said:
" i &gt; . no one in the world and particularly ho one in America,
can say whether, where, w1 in, how, or to what extent American
nuclear weapons would be uscd to defend Europe. This does not
of course prevent American nuclear arms, which are the most
powcrful of all, from remaining the essential guarantee of world
peace • • • •
"Thus, principles and reallties are in accord in lcading
France to provide itself with an atomic force of its own. This of
course by no means excludes the possibility of the action of that
force being combined with that of simllar forces of its allies.
But, for us, in this Situation, Integration is something that
cannot be imagined . • , «,
"In the Bahamas, the United States and Great Britain
concludel an agreement, and we were asked to adhere to it . • * .
It is a matter of establishing an atomic force, called multilateral
,. • .. This multilateral fcrce would be used to defend Euiope
and would be undar American command of NATO. . . »"
Here it is not the supposed uncertain availabllity of American nuclear
power in the defense of Europe which really bothers the General. Indeed, he
refers to that power as "the essential guarantee of world peace." What the
General finds objectionable is what he calls "the American command of NATO."
What the General says that France w.mts, certainly what he wants, is what he has
called "an absolutely European setup»" Before considering whether this is wise,
possible, or desired by any of France 1 s partners in the Six, let us consider
for a mor.^nt Genera?. deGaulle's con-eption of Europe. For he has one, and it
is not a mere cloak for French parocMftllM or for illusions of "grandeur."

�-5To some che French vcto of che British applicacion was a classic example of
Chose European enmicies againsc which Che Fächer of our CounCry so eloquently
warned us in his Farewell Address:
"Europa," he sald, "has a saC of priraary interests,
which co us have none, or a very remote relacion. Hence,
she must be engaged in frequenC controversies, Che causes
of which are essencially foreign Co our concerns. Hence,
therefore, it must be unwise in us Co implicate ourselves,
by artificial Cies, in che crdinary vicissiCudes of her
policics, or Che ordinary ccnbinations and collusions of
her friendships or enmitieSo"
Far be ic fron ne Co say ChaC enmicies, ancienC or modern, have no effecc
in General deGaulle's thoughcs o&gt;_ decisions. BuC here I do noc chink ChaC he
is motivated by ancienc European entr.ities. Racher, I believe ChaC General
deGaulle is curning General Washington's advice around and givlng ic Co his
European parcners. Only a small paraphrase of Che Farewell Address is necessary
Co state General deGaulle's advice to Europe. "The greac rule of conducc for
us in regard to (non-European) nacicns is Co have wich ehern as liccle policical
conneccion as possible. Why, by incerweaving our desciny in any conneccion
wich Che (United States), entangle cur peace and prospericy in Che Coils of
(American) anbicion, rivalship, inCeresC, humor, or caprice? IC is our crue
policy Co steer clear of permanent allianee with any porCion of Che world
(beyond Europe.)"
This, I Chink, is whaC he is saying«. The quescion remains, why? Why,
in a world where terrestial Space has all buC been eliminaCed, in a Century when
all Europe, combined Co defend icself apainst che chen mosc powerful European
nacion, twice called for che aid of America -- why, now, when Europe has no adequate defense apart from America, should General deGaulle preach so suicidal a
doctrine' If chere is any answer, ic must lie in his coneeption of a Europe
from the AclanCic Co the Urals.
So far as I know, che phrase crops up firsC in 1959, when he observed ChaC
disarmament held no security for France unless ic applied "from che AclanCic
Co che Urals" —• an eminencly sensible idea. On May 31, 1960, it appeared in
a wholly new seteing:
•. . . " , . . it is only in the equilibrium of the universe
Chat one shall find peacer On our old continent the Organization of a Western group, more or less equal to that which
exists in the East, could one day make possible an underStanding (entente) from the Atlantic to the Urals without risking
the independence of anyone.»
,. Then Europe, the whole of it,
no longer cut in two by the ambitions of ideologies . . . shall
again become the home and eeotex of civilization . . . and obligate the great countries wh^ch on other continents march toward
power to take to Cooperation rather than the temptatlons of
war,"

�.6.
By Docenber 29, 1961, enthusiasn and rhetoric
staten:nt thr.t the General would b. syrapathetic to
"major Western powers and Soviet Russia," provided
and that "the discussion be that of reestablishing
of extending Moscow's hold over our kontinent."

had receded to the sober
negotlations between the
the Kremlin ceased its threat
a balance in Europe, not

But by the press Conference of Hay 15, 1962, the idea was again füll blown.
Speaking of three principal goals which he had set for hinseif, he described the
second in this way:
11

• . . To contribute tc the construction of Europe in the
fields of politics, cf defen?a and of economy, so that the expansion and action of this ensemble may aid French prosperity
and security and, at the sane time, re-establish the possibillty
of a European balance vis-a-vis the European Countries."
(On the solidarity betwaen Germany and France depends
not only the security of the two peoples but also) "the destiny
of the whole of Europe, fron the Atlantic to the Ural Mountains;
for if a structure, a f i m , prosperous and attractive Organization, can be created in Western Europe — then there reappear
the possibilities of a European balance with the Eastern states and the
prospect of a truly European Cooperation, particularly if, at
the sane time, the totalitarian regime ceased to poison the
Springs."

�.7In these passages the aGaulle conceptlon of Europe from the Atlantic to the
rais is set out with admirable clarity. It is simply this: resting upon the
olidarity of Germany and France, Westein Europe can becorae so organized and
owerful as to balance the Eastern satellites and European Russia and open the
ossibility of a truly European cooperative System extending from the Atlantic to
he Ural Mountains. This contemplates an internal equilibrium wholly within the
rea. To achieve this equilibrium it is not enough that power factors should not
nvite disequilibrium.n It is necessary that inducements to harmoniKation of
olicies within this Europe outweigh the inducements to conflict. Hov does
eneral deGaulle's Europe meet these criteria?
Some factors support the deGaulle appraisal — the populatlon of NATO Europe
larger than the Six) is slightly larger and, probably, more industrially competent
han that of the Soviet Union; its raw naterial resources and lndustrial productive
otential are as large or larger; its agriculture is infinitely superior. But here
mportant factors shift to the East.
The present armaments of the Soviet part of this Europe, conventional and
uclear, are today so superior to those of Western Europe as to defy any realistic
ope of equalization within this confined area. This is so, not only because of the
uantitative and qualitative disparity, but because no possibility exists within this
roposed society to change this disparity. The Soviet Union is directed by a
lonolithic autocracy, which will not be susceptible to any attempt by General deGaulle
o reduce its power. In Western Europe the difficulty now, and in the future as in
he past, lies in stimulating and coordinating the wills of separate peoples and
;overnments. Each government has its own difficultles; when those are put together,
hey increase geometrically. Western Europe cannot and will not be stimulated within
laullist Europe to increase its power without destroying Gaullist Europe. If the
ieneral attempts to stimulate it, his Russian colleagues will stop it; if they
itimulate it, they will dispose of him -«• and, perhaps more. Gaullist Europe must,
herefore, be a Europe under Soviet hegenony.
The General's partners see this as piainly as we do, and most of them want no
&gt;art of it. Perhaps, some of them, but only a few, nourish the hope, which I discern
iow and then in French official utterances, that they might have the best of both
rorlds by terminating, or attenuating, the American presence in Europe but still
•etaining the guarantee of American defensive protection« This would mean that
:hey would do nothing to face the Russi ins, lnstead of ourselves, with the alternative of resorting to nuclear war to deter the pressure of conventional power, lnstead,
&gt;y the development of a small national nuclear force, they would hope to be able to
letonate ours. Thus, so the argument runs, without the bürden of either conventional
&gt;r nuclear forces of any sise, they could protect themselves from the disconcertingly
&gt;owerful eastern portion of a Europe extending from the Atlantic to the Urals.
If by some such method General deGaulle seeks the best of all worlds, he surely
illocates to the United States the worst. For we would be assigned to defend Europe
lgainst the inevitable consequences of his policy -- domination by the Soviet Union -•
fhlle being excluded from any part or influence in establishing in Western Europe
»hat Genetal Washington called "a respectable defensive posture." Our task under
those circumstances would require the mutual incineration of the Soviec Union and
the United States. It is difficult to conceive of any government in this country
jndertaking so unpromising a commitment, A relatively simple effort by a Western
Surope defense integrated with power of the United States could deny the Soviet
Union conventional superiority in Europe and face it with the necessity to resort
to nuclear war to impose Its will by force.

�B.
So it seems to nie piain that the conceptlon of a Europe from the Atlantic
to the Urals 1s a conceptlon wholly at variance with the North Atlantic Treaty
so long as the Soviet Union maint a:\ns anything like its rpresent purposes
and attitudes. If it should cease to maintain them, the treaty would cease
to be of importance« General deGaulle cannot have both the Europe of his
conceptlon and ths treaty of his corception. Not because he does not want
both, but because ths tisks and ha?ards to the United States under those
circumstances of assuraing the treaty obllgations as he would conceive them
are too great. One would hope that this truth is well and widely understood*
The weakness of General deGaulle's position in the eyes of his European
partners will lie not only in its basic fallacy which we have just examined,
but in the vast difficulty of France's achieving what she must to fulfill
specific portions of the program,, Let us have a brief look at the French
milltary Situation» This requires an entirely new conventional force and
an entirely new nuclear establishment«
The conventional goal is to have at least as large and well armed a
force in Europe as the Gernans have» At present the Germans have twelve
divisions, whlch cculd, and doubtless will, be much better than they are.
They certainly will have more. The French troop uprisings in Algeria, the
O.A.S c , the desertions and trials of senior officers are only the most dramatic lidication that the French array, which since the war has been fighting
losing guerrilla wars in Asia and Africa, taust be reorganized, reraanned,
reofficered, reequipped, and redeployed. This ls not because NATO or Washington wants it, but because it is a pressing necesslty for France. It is
also a lengthy, dlfficult, and very costly process, as German experience
(ahead of France's) has so poignantly reminded us through "Der Spiegel"
affair. General deGaulle must sonetimes be tempted to repeat the Duke of
Wellington's wryly Ironie remark, provoked by a draft of troops sent to him
in the Peninsula, "I don't know what Impression these men may make on the
enemy, but, by God, they terrify ne!"
On top of this heavy and inescapable budget demand, must be imposed
the bill for the nuclear deterrent, the Force de Frappe ••- or, as the
London Economist put it, "Höre Frappe for a Franc." General deGaulle, with
characteristic candor, does not overstate what a French Force de Frappe
could do, but I think he does overestimate its significance»
"It ls perfectly true," he said in January, "that
the quantity of nuclear arms we can furnish ourselves will
far from cqual the mass of those of the two giants of
today . * ..
"In 1945 two bombs, which were elementary, caused the
capitulation of Japan, which could not retaliate . . . The
Frrnr'j atonic force will, from the beginning of its Organization, have the sinister and terrible capaclty to destroy
millions and millions of nen in a few instants,&gt; This fact
cannot but lnfluence, at least somewhat, the intentions of
such a possible aggressor,"

�-9We have nlready discussed the conception of the indepcndent French
forces as a trigger to fire the U.S. Strategie nuclear force; and polnted
out why this idea is unacceptable to us. We nust now consider the Utility
of the force» as the General is doing in the passage quoted, wholly apart
fron any lnvolvement of American Power. All that is claimed ls that it
eould affect the lntentlons of a possible aggressor "at least sonewhat."
In the strict sense of the words this is difflcult and useless to deny. But
the General surely neans more than this. He expects that his force will
have aroeasurableand, indeed, significant deterrent effect* The question is,
will it? And under what circumstances?
The French force can have very little deterrent effect if Its weapons
would have little chance of reaching any targets. When French atoroie war«
heads are developed, they will be borober-bornej therroonuclear ones are not
seheduled until the 1970's andraissilevehicles roay be a long way off.
Moreover, while General deGaulle says modestly that the French force will be
far fron equal to those of elther of the giants, the fact ls that it would
be unlikely to aroount to 27. of elther. This would be no threat to the Sovlet
air force. Indeed, the General clearly thlnks of lt as an anti-clty weapon.
The Chance that so small a force, or any of lt, would be able to penetrate
defenses to populous'Centers ("to destroyrollllonsandroillionsof nen In a
few instants") is not good* The desirability to Soviet Russia of destroylng lt
before it left the ground would be great enough to suggest that, on balance,
the rlsks of destructlon which such a force night pose would be considerally
greater in France than in the Soviet Union.
At any rate, the opportunlty to contrlbute to the creatlon of this
French force would not seem to be over-alluring to France's European neighbors; and the flnancial effort lt would impose upon the French economy
night well reverse the happily strong position which it has only just attalned
after soroanyyears of internal and external strain and draln. The fact of
the matter is that France's nilitary position ls very weak, Indeed, and ls
llkely to renain so for a conslderable period. This is not only unfortunate
for the NATO alliance, but it ls disastrous to any deslgn of General deGaulle
to convince his European nelghbors that he can lead then to any purely Euro«
pean«provided security, or further any such deeply held politlcal purposes
as the Geraan one to protect Berlin and reunlte Germany,
From an even broader point of view, General deGaulle's Europe offers
little promise of elther strength or beneficial contributlon to free world
strength. While the veto of the British application was put primarily on
the danger of the American Trojan Horse, it was also put on the ground of
the differentness of Great Britain from the Continental societles* It was
an Island. It looked outward, llnked by trade with "the most remote countries,
lts "activities . . . characterized by very Singular and distinetive prac«
tices and traditlons," Contrasted with this the General attributes to the
stx contlnental countries a preference "to produce, buy, seil, and consume
within their own conplex." In this contrast General deGaulle was quick to
see a conflict of leadership and conception, deeply rooted in history.

�10Sotne months ago a German friend said to me, "The Six are too parochial
for their owa and the general good&lt;&gt; What we need is an Infusion of salt
watero" When General deGaulle looks bayond the continent, what does he see?
Only forcier French African colonies which he wishes to bring into a Community
for which Britain was too exotic0 Tbc Common Market, like the United States,
is too larga a produetr and consumer to buy, seil, and consume within its own
coraplex, To attenpt this will have tl:e most harmful consequences within its
own area and to the 'ast external area of the free world which must live
by trade with these two great uarkets
American policy toward the Common
Market from its inception has been that such an Arrangement with low external
tariffs and other batriers was good; with high ones, bad. It was welcomed
not as an Instrument to constrict tho trade of Europe within a club under
French hegeraony, but as a new great rarket designed to expar.d trade with a
sense of outward-looking responsibilicies* The Trade Ftpansion Act, passed
in the last Session of the Congress, xs founded on this conception» No one
has stated it better than the father of the Common Market, II« Jean Monnet:
"There are urgent prcblems which neither Europe nor America
can settle alone* These are, to my mind, the monetary stability
0£ the West, the Organization of agriculture in an increasingly
industrial world, help to the developing countries to speed their
growth and, of course, the freeing of trade to be negotiated ba»
tvreen yoursalves and the Comtncn Market" _/
The contrast b..twoen this statemont and the narrow preference for a Europe
seeking an economic existenca within its own complex gives soma measure of
the haim which the announcad policy of the press Conference portends*
In the light of this analysis, what should be the response of the United
States policy to the events of Januaty? To begin with, it should be a calm
response, kaeping a sens« of proport^on, avoiding the acriraonious and spiteful.
It shov-ld not assume, as some of the press has, that all is lost because
General daGaulle has starkly revealed long-Standing Opposition to coamonly
favorcd policy, It should be basci on the knowledge that the General's
Position will not f5.nd favor with our common allies because it is not in
the cornon inte:'e&lt;5ts. It should ras.; on the further fact that tht-, 'Jnited
States is strong, and is regarded as strong by friends and opponer.Cs alike,
while France, though happily much he?.Ithier than recently, is stil1 far from
being a robust leider.. In short, General deGaulle's d&amp;aarche has changed
very little, though it has shown the Intention and capacity to slow some
things up.Our present European defense policy is right and should be continued.
This consists in konstant pressuxe tovard developing a conventional defensive
position which, as it grows in strength, constantly makes clear to rhe Soviets
that to attain their ends by threat or pressure of force increasingly faces
them with rssort to nuclear war«, No doors should be closed to French participation and Cooperation If French attitudes unduly delay or frusttate
agreen»nts through NATO Channels to gat on with the common defense, efforts
should go forward directly with nations able and willing to make pfogress.

*/

Address by -luan Monnet, J •
Award in Naw York.

!-&lt;-&gt; .,-,-• tec»*ving the 1962 freedom

�We should understand that France, because of troubles in Asia and Africa,
has make mighty little contribution for a decade; and, under the best circumstances, eoulq not have been expected to nake much more for another decade«
Furthenriore, whntever is dcne to renal 3 the French a m e d rorces is a necessary
preJ.vde to any effektive participation. Whatever the General does to develop
a nuclear capability he will do anyway, and the less tirne we spend worrying
about it the better.
As for a Strategie nuclear force in Europe, a multinational approach
is the best one in principle. But it does seem to me a waste of time to
chase its distant implications of control and connand to drily logical extremes before there is anything to control or command. Our allies can hardly
have very solid ideas about how they want to partieipate in nuclear defense
until they know something about it. This they have been prevented from
learning by self-defeating, excessive secrecy. These barriers should be
removed. Carefully selected officers and civilians should be given every
opportunity to learn the detailed costs of a nuclear establishment, tt*« intrlcacies of the deployment, protection, targeting, and control of Strategie
nuclear weapons, and something of the Operation of various types of weapons.
If this were done, the discussion of what is popularly called a "NATO" or
"European" nuclear force would be revolutionized. Only then can we hope for
really wise planning with our allies for the coiaaon defense,with the funetion
and deploynent of the various arms de^rmined in relation to the problem
and not to national prestige, pride, er suspicion.
In the political field, the ev nts of January carry a clear and stern
warning of the panalty we pay in out relations with Germany for failure to face
up to unequivocal decisions on policy toward Central Europe and the reunification of Germany. This, of course, lies at the heart of policy toward
Berlin. American and European interests, when seen free from the fog of
Illusion, require reunification within a united Europe, within a closely
knit Atlantic alliance. Since the disastrous Camp David meeting Gernans have
been disturbed over our constant negotii ;ions with the Russians under Russian
threats. Fruitless as they have been, with no real concesslons made, they
seemed to Germans to edge toward increr.sing recognition of the East German
regime; they kept German politics conf &lt;nuously upset and moved German sympathy
toward General deGaulle's support of Oerraan ambitions which is, perhaps,
more strongly stated than unreserved-. Our f lirtation with Moscow, like many
which have no serious purpose, has sueeeeded only in embittering more legitimate relationships. The time has come to stop it and State our intentions
unequivocally,
While the January offensive began on the supposedly economic front, and
did a good deal of damage, I sec no reason why the war should go on there.
The occasion for it all, the British application to the Common Market, is
now in unpredictable limbo. The Five üould gladly, and, in time, might
successfully, overbear France, if British politics were not to intervene and
change the British position. No one can see clearly at present what will
happen. But, if tempers and resenfmerts are not exaeerbated, there should
be enough common interest in important areas to push on in the directions
which M. lionnet has pointrd out«

�In the freeing of trade, the Treaty of Roiae will by 1966 prevent any one
country from blocking a course desired by the others. If we and the Five
move vigorously toward the lowering of barriers into the great markets of
Europe and America, we can shape the sort of inevitabillty whlch General
deGaulle will accept. Recently Mr. Per Jacobsson, the Managing Director of
the International Monetary Fund observed that "perhaps the best thing that
can happen to the underdeveloped countries is the pursuit of active expansionary policies in the more industrial countries" and suggested that this be
done cooperatively through the Fund and the Organization for Economic Coopera»
tion and Development in Paris. M. Ilonnet has urged that the leading financlal countries get on with the closely related task of improving the monetary
stability of the West. Here are endeavors in which General deGaulle can join
without embarrassment or inconsistency. They are whoily in accord with
French interests as he sees them.
In short, January was not a good month. General deGaulle did the West
a bad turn in vetoing the British apilication. He disclosed some long-range
plans which must be opposed and which, if intelligently opposed by pressing
on with better ones, have not much Chance of getting very far. In other
directions there is room and need for Cooperation with him in important work.
The writer of Eccleslastes has told us that there is "a time to every purpose. . ..
a time to break down and a time to build up." January last was, apparently,
a time to break down in the midst of a long time of building up. It did some
damage. It is now time to repair that and get on again with building up.

�A M E R I K A

D I E N S T

i l l g . / X V I - 11
EUROPA: KALEIDOSKOP ODER GETRÜBTER KRISTALL
von
Dean G. Acheson

-

A N S P R A C H E
g e h a l t e n vor d e r U n i v e r s i t ä t von K a l i f o r n i e n

am M i t t w o c h , dem 13« März 19&amp;3
(Wortlaut)

in

Berkeley

�EUROPA I KALEIDOSKOP ODER GETRÜBTER KRISTALL

Unser heutiges Zusammentreffen ist die Nachholung einer Veran»
staltung, die angesichts der vorletzten Krise verschoben worden war.
Nach dem Grundsatz von der Erhaltung der Energie geht, wie ich mich
belehren ließ, nichts je wirklich verloren! manchmal jedoch möchte
ich meinen, es wäre ganz gut, wenn manche Dinge doch verlorengingen«
Die Ansprache beispielsweise, die ich hier halten sollte, erschien
im Januar in "Foreign Affairs", während eine andere, die ich an der
Technischen Hochschule von Kalifornien hätte halten sollen und die
dann in West Point im Dezember von mir vorgetragen wurde, verheerende
Auswirkungen auf die Achtung hatte, die mir das Land meiner Vorfahren
bis dahin entgegengebracht hatte« Jedenfalls sind meine beiden Reden
nach den Krisen vom Oktober und Januar den Weg aller Reden gegangen,
und wir müssen ganz von vorn beginnen»
Einige meiner engsten Freunde und schärfsten Kritiker werden
zweifellos bemerken, daß ich, um einen neuen Blick auf die Weltlage
zu werfen, das Fernrohr • wie Lord Nelson - an mein blindes Auge halte«
In gewissem Sinne werden sie damit recht behalten, denn niemand wird
schon beim zweiten Blick mehr völlig unbefangen sein» Äußere Eindrücke
müssen erst das Hirn passieren«
Eingedenk dieser Vorwarnung wollen wir nun, nach dem Windstoß
vom Januar, einen Blick auf das Wohl oder Wehe dessen werfen, was die
bisher am beharrlichsten fortgesetzte, die weitestblickende, die umfassendste und die erfolgreichste geschichtliche Bestrebung darstellen
dürfte« Was seit Ende des letzten Krieges in einem Zeitraum von noch
nicht einmal zwanzig Jahren bewerkstelligt wurde, ist nicht weniger als
die Wiederaufrichtung von Verbündeten, Freunden und früheren Feinden
nach erschütternden Erfahrungen und der Aufbau einer westeuropäischnordamerikanischen Verbindung mit dem Ziel, den weltweiten Gefahren
und Problemen einer völlig neuen Welt zu begegnen«
Ich

*. 1 -

�Ich darf Sie von vornherein daran erinnern, daß auch der Erfolg
mit Problemen verbunden ist. Krisen und Schwierigkeiten tauchen auf,
nicht weil uns die rechte Politik abgeht oder weil es an richtigen
Maßnahmen mangelt; sie entspringen vielmehr dem ureigenen Wesen
menschlichen Lebens und der Lage, der wir uns gegenüber sehen. Die
Vorstellung, daß ein richtiger Kurs möglich sein müsse, der keine
Schwierigkeiten aufkommen läßt oder diese beseitigt, sobald sie
auftauchen, beruht auf der Annahme, daß alles regelbar ist, sofern
man nur weiß, wie. Es trifft aber nicht zu, daß alles regelbar ist
oder daß Schwierigkeiten nur aus Irrtümern herrühren. Es gibt Zeiten
in der Geschichte, in denen ein weiser und höchst erfolgreicher Kurs
ebenso viele Schwierigkeiten hervorzurufen scheint und oft auch tatsächlich hervorruft, wie er zu beseitigen vermochte. Ein Rekonvaleszent
auf dem Weg der Besserung kann sehr wohl in lästiger und streitsüchtiger
Weise auf sein neues Gefühl der Stärke und Unabhängigkeit pochen und
dabei gleichzeitig nichts mehr von seiner früheren Abhängigkeit wissen
wollen. Und doch ist die Genesung ein Zeichen von Erfolg und nicht von
Mißerfolg.
Mit der Januar-Krise meine ich die Erklärung General de Gaulles
zur französischen Politik, sein Veto gegen den Beitritt Großbritanniens
zum Gemeinsamen Markt, den deutsch-französischen Vertrag und die Bekräftigung des Strebens Prankreichs nach einem unabhängigen nuklearen
Potential. Verschiedene amerikanische Pressekommentare werten diese
Ereignisse als einen schweren Schlag für eine gemeinsame Politik in
Europa, wie man sie vorher, zumindest in unserem Land, ins Auge gefaßt
hatte. Viele scheinen den Ratschlag zu geben, mit General de Gaulle,
wie man es nennt, Kompromisse zu schließen, da sie seinen Stern als
im Steigen begriffen erachten. Diese Lagebeurteilung und diese Ratschläge scheinen mir nicht nur von Grund auf irrig, sondern gegenüber
General de Gaulle wie auch gegenüber den Vereinigten Staaten unfair
zu sein.
So sehr ich auch vieles an der Politik und den Ideen General
de Gaulles mißbillige, so stehe ich doch in meiner Bewunderung für
seinen Charakter, besonders seine Gelassenheit, und seine Intelligenz

2

-

�Intelligenz hinter niemandem zurück. Ich wüßte keinen unter den derzeitig Lebenden und Tätigen, dessen Persönlichkeit einen so großen
und im allgemeinen wohltuenden Eindruck auf seine Umgebung macht wie
die des Generals.

Das ist die beste mir bekannte Definition von Größe,

Zu Kompromissen mit dem General zu raten, ist eine andere Sache,
General de Gaulle ist weder durch Geld, gute V/orte noch Zwang von
einem Kurs abzubringen, den er einmal eingeschlagen hat. Er vermag
aber sehr wohl im rechten Zeitpunkt das Unvermeidbare zu erkennen und
sein Verhalten darauf abzustellen, und er tut dies auch, wie Algerien
zeigte, Es geht das kluge Wort, die beste Methode, das Unvermeidbare
herbeizuführen, sei die Anstrengung. Die Fähigkeit der Vereinigten Staaten, das Unvermeidbare für General de Gaulle zu gestalten, ist gewaltig.
Ihn oder unser Land zur Preisgabe von politischen Konzeptionen drängen
zu wollen, an die beide fest glauben, wäre sowohl ungerecht als auch
ZeitVerschwendung.
Eine Ansicht besagt, der Schritt General de Gaulies vom Januar
habe Europa und Nordamerika vor eine gänzlich veränderte Lage gestellt.
Einer anderen Ansicht zufolge sollen diese Geschehnisse viel enthüllt,
aber wenig geändert haben. Beide Ansichten sind Facetten der Wahrheit,
Es ist nichts anderes passiert, als daß ein Ehepaar, das seit langem
schlecht miteinander auskommt, einen lautstarken Streit in aller
Öffentlichkeit ausgetragen hat. Er enthüllt nur, was ohnehin schon bekannt war, vielleicht aber auch ein bißchen mehr - die Tiefe der Gegensätzlichkeiten •
Es wäre falsch, die Parallelen zu weit zu ziehen, General de
Gaulle hat den Angelsachsen, wie er die Briten und uns nennt, nicht
den Krieg erklärt. Er hat noch nicht einmal vorgeschlagen, daß Europa
die Scheidung seiner Ehe mit Amerika beantragen solle, die zwanzig
Jahre hindurch eine Verbindung aus Gründen der Bequemlichkeit und
Notwendigkeit war. Er hat eine zunehmende Abneigung für sie dokumentiert und den Wunsch nach Trennung von Tisch und Bett; wohl keine
juristische Scheidung, zumindest aber eine Trennung aus Vernunftgründen.
Weshalb

�Weshalb ist das so? Der General mag in einem tiefen, ja tragischen Irrtum befangen sein - wie meiner Meinung nach in diesem Falle - t
aber er ist weder unintelligent noch böswillig. Wenn wir uns seinem
Kurs widersetzen, müssen wir ihn zuerst verstehen. Die Überzeugungen,
nach denen er jetzt handelt, hat er bereits seit geraumer Zeit gehegt
und zum Ausdruck gebracht. Der Punkt, an dem wir ansetzen müssen, ist
seine im Januar abgegebene Erklärung, als er die Briten vom Gemeinsamen
Markt ausschloß, Er begann folgendermaßen:
"...Der Vertrag von Rom wurde zwischen sechs kontinentalen
Staaten geschlossen - Staaten, die, wirtschaftlich betrachtet,
gleich geartet sind ...Wenn man sie so zusammenfaßt und miteinander verbindet, daß das, was sie produzieren, kaufen, verkaufen
und verbrauchen, vorzugsweise in ihrem eigenen Verband produziert,
gekauft, verkauft und verbraucht wird, so entspricht das den wirklichen Gegebenheiten.
Hinzu kommt außerdem, daß sie sich hinsichtlich ihrer wirtschaftlichen Entwicklung, ihres sozialen Fortschritts und ihrer
technischen Fähigkeiten alle im Gleichschritt befinden und in sehr
ähnlicher Weise vorgehen. Ferner gibt es zwischen ihnen keinerlei
politische Streitfragen, keine Grenzprobleme und keine Herrschaftsoder Machtrivalitäten. Im Gegenteil, sie fühlen sich solidarisch
vor allem in dem Bewußtsein, einen bedeutenden Teil der Quellen
unserer Zivilisation gemeinsam zu besitzen, und hinsichtlich
ihrer Sicherheit auch deshalb, weil sie Kontinentalstaaten sind
und sich vom einen Ende ihres Gesamtgebiets zum anderen ein und
derselben Bedrohung ausgesetzt sehen.
Schließlich sind sie solidarisch auf Grund der Tatsache, daß
keiner von ihnen nach außen hin durch irgendeinen politischen oder
militärischen Sondervertrag gebunden ist."
Widmen Sie bitte dem letzten Absatz besondere Aufmerksamkeit. Die
sechs Länder, von denen hier die Rede ist - Frankreich, Deutschland, Italien und die Benelux-Staaten -, sind solidarisch, weil, wie er sagt,
keines von ihnen nach außen hin durch irgendeinen politischen oder

- 4 -

�oder militärischen Sondervertrag gebunden ist. Aber sie gehören sämtlich zu den Signatarstaaten des Nordatlantikpaktes, der bestimmt
"...daß ein bewaffneter Angriff gegen einen oder mehrere von
ihnen (den Vertragspartnern) in Europa oder Nordamerika als
ein Angriff gegen sie alle angesehen wird; sie vereinbaren daher,
daß im Falle eines solchen bewaffneten Angriffs jeder von ihnen ...
dem Vertragsstaat oder den Vertragsstaaten, die angegriffen werden,
Beistand leistet, indem jeder von ihnen unverzüglich für sich
und im Zusammenwirken mit den anderen Vertragsstaaten die Maßnahmen, einschließlich der Anwendung von Waffengewalt, trifft,
die er für erforderlich erachtet, um die Sicherheit des nordatlantischen Gebiets wieder herzustellen und zu erhalten."
Sowohl Großbritannien als auch die Vereinigten Staaten sind Signatarstaaten desselben Vertrages. Demnach sollte man meinen, es sei klar,
daß sämtliche Signatarstaaten durch eben diesen "politischen (und)
militärischen Sondervertrag" aneinander "gebunden" sind. Dieser Vertrag
ist der Aufmerksamkeit des Generals nicht entgangen. Er zog es einfach
vor, ihn zu ignorieren, soweit die sechs Länder angesprochen waren, und
dafür Großbritannien und den Vereinigten Staaten die Rolle von "nach
außen hin" durch dieses Sonderverhältnis gebundenen Mächten zu überlassen.
Dann kam Großbritannien, um diese lautere Einheit zu vergällen.
"England ist genaugenommen", sagt der General, "ein Inselstaat,
auf die See ausgerichtet, durch seinen Handel, seine Märkte und
seine Versorgung an die verschiedensten, oftmals an die entlegensten Länder gebunden. Es ist in erster Linie ein Industrie- und
Handelsstaat, der nur wenig Landwirtschaft betreibt. Alles, was
es tut, wird bestimmt von sehr ausgeprägten, ganz eigenartigen
Gewohnheiten und Traditionen...
Man muß verstehen, daß der Beitritt erst Großbritanniens und
dann jener anderen Staaten die Gesamtheit der Anpassungen...
völlig verändern würde... Es müßte dann die Schaffung eines ganz
anderen Gemeinsamen Marktes in Erwägung gezogen werden. Aber dieser

-

5 -

�dieser Markt der Elf und dann der Dreizehn und dann vielleicht
der Achtzehn würde zweifellos in keiner V/eise demjenigen gleichen, den die Sechs aufgebaut haben.
Übrigens hätte eine derartig anwachsende Gemeinschaft zu
gewärtigen, daß sich ihr auch alle jene Probleme ihrer Wirtschaftsbeziehungen zu einer Vielzahl anderer Länder und vor
allem zu den Vereinigten Staaten stellen würden.
Es ist vorauszusehen, daß der Zusammenhalt zwischen all
diesen zahlreichen und verschiedenartigen Mitgliedern nicht von
langer Dauer wäre und daß dann schließlich eine riesige, von
Amerika abhängige und geführte atlantische Geraeinschaft entstünde,
die binnen kurzem die europäische Gemeinschaft aufsaugen würde.
Das ist eine hypothetische Entwicklung, die man nach Ansicht
gewisser Leute durchaus rechtfertigen könnte, aber es ist keineswegs das, was Frankreich gewollt hat und betreibt, nämlich eine
ausgesprochen europäische Konstruktion zu schaffen."
Hier kommt der General wieder auf das Merkmal des britischen
Aufnahmegesuchs zurück, das im Grunde seine Ablehnung veranlaßte seine Tendenz, die kontinentale Elite mit Amerika zu verstricken.
De Gaulles Alptraum ist die umfassendere atlantische Gemeinschaft unter
amerikanischer Führung, "die binnen kurzem die europäische Gemeinschaft
aufsaugen würde". Kurz darauf wendet er sich abermals dieser Zwangsvorstellung zu.
In Athen hatten die Vereinigten Staaten klare Zusicherungen gegeben, daß sie einen sowjetischen Kernwaffenangriff oder einen sowjetischen Angriff mit konventionellen Waffen, dem kein anderer Widerstand
entgegengesetzt werden könnte, mit Kernwaffen beantworten würden.
Gleichwohl erklärte der General:
"... Niemand in der Welt und niemand in Amerika kann sagen,
ob, wo, wann, wie und in welchem Umfang die amerikanischen
Kernwaffen zur Verteidigung Europas eingesetzt würden. Das ändert
im übrigen überhaupt nichts

daran, daß die amerikanische

Kern-

waffenrüstung als die mächtigste der Welt die ausschlaggebende

-

6 -

�ausschlaggebende Garantie für den Weltfrieden bleibt...
So haben Grundsätze und Realitäten Frankreich gleicherma Ü3n veranlaßt, sich eine eigene Atomstreitmacht zu schaffen.
Das schließt natürlich keineswegs aus, daß der Einsatz dieser
Streitmacht mit dem Einsatz der entsprechenden Machtmittel seiner Alliierten kombiniert wird. Aber für uns ist die Integration
in dieser Frage völlig unvorstellbar...
Nun haben Amerika und Großbritannien auf den Bahama-Inseln
ein Abkommen geschlossen, und man hat uns aufgefordert, ihm beizutreten... Es handelt sich um die Aufstellung einer sogenannten
multilateralen Atomstreitmacht ... Diese multilaterale Streitmacht
ist für die Verteidigung Europas bestimmt, und sie untersteht dem
amerikanischen NATO-Kommando..."
Hier stört den General in Wirklichkeit nicht die angeblich ungewisse Verfügbarkeit der amerikanischen Kernwaffen für die Verteidigung
Europas. Vielmehr bezeichnet er diese als "die ausschlaggebende Garantie für den Weltfrieden". Woran der General Anstoß nimmt, ist das, was
er "das amerikanische NATO-Kommando" nennt. Was nach den Worten des
Generals Frankreich wünscht und was er bestimmt selber wünscht, ist
andererseits das, was er als "ausgesprochen europäische Konstruktion"
bezeichnet hat. Bevor wir überlegen, ob dies klug, möglich oder für
irgendeinen der Partner Frankreichs im Zusammenschluß der sechs EWGLänder wünschenswert ist, wollen wir uns für einen Augenblick mit der
Europa-Konzeption des Generals de Gaulle beschäftigen. Denn er hat eine
solche, und sie ist keineswegs ein Deckmantel für französische Kirchturmpolitik oder für Illusionen französischer "Größe". Für manche
Beobachter war das französische Veto gegen den britischen Aufnahmeantrag ein klassisches Beispiel jener europäischen Zwistigkeiten, vor
denen der Vater unseres Vaterlandes uns mit so beredten Worten in seiner Abschiedsbotschaft gewarnt hat:
"In Europa", führte er aus, "gibt es eine Anzahl vordringlicher Interessen, die mit unseren Interessen in keiner oder nur
sehr entfernter Beziehung stehen. Es wird demgemäß zwangsläufig
in häufige Streitigkeiten verwickelt werden, deren Ursachen _im.

-

7 -

�im wesentlichen in keinem Zusammenhang mit unseren Belangen
stehen. Es wäre somit unklug, uns durch künstliche Bindungen
in die üblichen Wechselfälle seiner Politik oder die häufigen
Bündnisse und Machenschaften seiner Freundschaften oder Feindschaften zu verstricken."
Ich will damit keineswegs sagen, daß die Feindschaften, die alten
und neueren, keinen Einfluß auf die Gedanken oder Entscheidungen General
de Gaulies haben. Aber in diesem Fall glaube ich nicht, daß er sich von
früheren europäischen Feindschaften leiten läßt. Ich bin vielmehr der
Ansicht, daß General de Gaulle General Washingtons Ratschlag umkehrt
und ihn seinen europäischen Partnern gibt. Es bedarf nur eines kurzen
Zitats aus Washingtons Abschiedsbotschaft, um General de Gaulles Ratschlag an Europa darzulegen. "Die Hauptregel unseres Verhaltens gegenüber den (nicht-europäischen) Völkern besteht darin...,mit ihnen so
wenig wie möglich politische Verbindungen zu unterhalten... Warum
sollten wir, indem wir unser Schicksal mit den (Vereinigten Staaten)
verflechten, unseren Frieden und unser Gedeihen in die Wirrungen des
(amerikanischen) Ehrgeizes, seiner Rivalitäten, Interessen, Stimmungen
oder Launen verstricken? Es ist unsere aufrichtige Politik, uns aus
dauernden Allianzen mit irgendeinem Teil der (außereuropäischen) Welt
herauszuhalten."
Dies ist, glaube ich, das, was er sagt. Die Frage bleibt, weshalb?
Warum sollte - in einer Welt, in der die räumlichen Entfernungen so
gut wie aufgehoben sind, in einem Jahrhundert, in dem ganz Europa,
geeint in der Verteidigung gegen die damals mächtigste europäische
Nation, Amerika zweimal um Hilfe ersucht

hat -, warum sollte General

de Gaulle jetzt, wo Europa ohne die Vereinigten Staaten über keine
ausreichende Verteidigung verfügt, solche selbstmörderischen Thesen
verkünden? Wenn es hierauf überhaupt eine Antwort gibt, so muß sie in
seiner Konzeption eines Europas vom Atlantik bis zum Ural zu suchen
sein.
Soweit mir bekannt ist, tauchte diese Wendung erstmals 1959 auf,
als er feststellte, daß eine Abrüstung Frankreich keine Sicherheit
gewährt, solange sie nicht "vom Atlantik bis zum Ural" reiche - ein
äußerst vernünftiger Gedanke. Am 31« Mai 196O tauchte sie dann in einem
vollkommen neuen Zusammenhang erneut auf:
-

8

-

�"...Nur in einem Gesamtgleichgewicht ist der Frieden zu
finden. Auf unserem alten Kontinent könnte durch die Bildung
einer westlichen Gruppe, die etwa

der im Osten gleichkommt,

eines Tages ein Einvernehmen (Entente) vom Atlantikbis zum Ural
herbeigeführt

werden, ohne die Unabhängigkeit irgendeines

Landes aufs Spiel zu setzen

Dann wird Europa - das ganze Europa,indcht

mehr länger durch den Ehrgeiz von" Ideologien gespalten, wieder
Hort und Mittelpunkt der Kultur werden... und die Großmächte, die
auf anderen Kontinenten zur Macht emporsteigen, zwingen, sich zur
Zusammenarbeit bereitzufinden statt den Verlockungen des Krieges
zu erliegen. "
Am 29. Dezember 1961 machten Enthusiasmus und Rhetorik der
nüchternen Erklärung Platz, daß der General für Verhandlungen zwischen
den "westlichen Großmächten und Sowjetrußland" sei, vorausgesetzt, daß
der Kreml seine Drohungen einstellt und daß "die Diskussion darum geht,
das Gleichgewicht in Europa wieder herzustellen und nicht Moskaus Macht
über den Kontinent weiter auszudehnen11.
Aber auf der Pressekonferenz vom 15« Mai 1962 wurde die Idee erneut hochgespielt. Bei der Erörterung von drei Hauptzielen, die er sich
gesetzt habe, umriß er das zweite Ziel wie folgt:
"...Zum Aufbau Europas auf dem Gebiet der Politik, der Verteidigung und der Wirtschaft beizutragen, so daß die Expansion und
das Vorgehen dieses Ganzen die Prosperität und Sicherheit Frankreichs
mehren und gleichzeitig wieder Möglichkeiten zur Schaffung eines
europäischen Gleichgewichts im Verhältnis zwischen den europäischen
Staaten eröffnet werden.'"
(Von der Solidarität zwischen Deutschland und Frankreich hängt
nicht nur die Sicherheit dieser beiden Völker ab, sondern auch)
"das Schicksal ganz Europas, vom Atlantik bis zum Uralgebirge;
gelingt es, eine Konstruktion, eine feste, prosperierende und
attraktive Organisation in Westeuropa zu schaffen, dann ergeben
sich auch wieder Möglichkeiten eines europäischen Gleichgewichts
mit den östlichen Staaten , und die Aussicht auf eine wirkliche
europäische Zusammenarbeit, insbesondere dann, wenn gleichzeitig
das totalitäre Regime seine Brunnenvergiftung einstellt."

12.

- 9 -

�In diesen Passagen wird die Konzeption de Gaulles von einem
Europa vom Atlantik bis zum Ural mit bewundernswerter Klarheit zum
Ausdruck gebracht. Sie lautet ganz einfach: Auf der Basis der Solidarität zwischen Deutschland und Frankreich kann Westeuropa so
straff organisiert und mächtig werden, daß es ein Gegengewicht zu
den östlichen Satelliten und dem europäischen Rußland darstellt und
die Möglichkeit zur Schaffung eines echten kooperativen europäischen
Systems vom Atlantik bis zum Uralgebirge eröffnet. Dies setzt ein
inneres Gleichgewicht innerhalb dieses Gebietes voraus. Um dieses
Gleichgewicht zu erreichen, genügt es nicht, daß die Machtkomponenten
nicht einer Störung des Gleichgewichts hier Vorschub leisten. Es ist
vielmehr notwendig, daß die Anreize zur Harmonisierung der Politik
innerhalb dieses Europa die Anreize zum Konflikt überwiegen. Wie
will das Europa des Generals de Gaulle diesen Kriterien gerecht werden?
Einige Faktoren sprechen für die Auffassung de Gaulles: Die
Bevölkerung KATO-Europas (das über die Sechs hinausgeht) ist etwas
größer und wahrscheinlich industriell besser geschult als die der
Sowjetunion; seine Rohstoffquellen und sein industrielles Produktionspotential sind ebenso groß, wenn nicht größer; seine Landwirtschaft
ist weit überlegen. Andere einschlägige wichtige Faktoren geben dem
Osten aber ein Übergewicht:
Der Rüstungsstand des sowjetischen Teils dieses Europa ist, auf
nuklearem wie auf konventionellem Gebiet, dem Westeuropas so weit
überlegen, daß jede realistische Hoffnung auf einen Ausgleich innerhalb dieses begrenzten Gebietes einfach hinfällig ist. Und dies nicht
nur auf Grund der qualitativen und quantitativen Ungleichheit, sondern
auch auf Grund der Tatsache, daß innerhalb des vorgeschlagenen Gemeinwesens keine Möglichkeit besteht, dieses ungleiche Kräfteverhältnis
zu ändern. Die Sowjetunion wird von einer

monolithischen Autokratie

beherrscht, die sich von etwaigen Versuchen General de Gaulles, ihre
Macht zu verringern, nicht beeindrucken lassen wird. In Westeuropa
liegt die Schwierigkeit heute - und in der Zukunft ebenso wie in der
Vergangenheit - darin, das Wollen verschiedener Völker und Staaten
zu wecken und zu koordinieren. Jeder Staat hat seine eigenen Schwierigkeiten; wenn diese Schwierigkeiten nun zusammenkommen, nehmen
sie in geometrischer Reihe zu.
.Vesteuropa
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10

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�Westeuropa kann und wird im Rahmen eines gaullistischen
Europa nicht dazu gebracht werden, seine Macht zu vergrößern, ohne
dieses gaullistische Europa zu zerstören. Versucht der General, es
dahin zu bringen, dann werden ihm seine russischen Kollegen Einhalt
gebieten;.machen diese den.Versuch, werden sie sich seiner entledigen und es vielleicht damit noch nicht bewenden lassen. Das gaullistische
Europa muß somit ein Europa unter sowjetischer Hegemonie sein.
Die Partner des Generals sehen dies ebenso klar wie wir selbst,
und die meisten von ihnen möchten sich an so etwas nicht beteiligen.
Manche, aber sicherlich nur wenige von ihnen, nähren vielleicht die
Hoffnung, die ich hier und da aus offiziellen französischen Verlautbarungen herauslese, daß sie mit beiden Seiten am besten fahren würden,
wenn sie die Präsenz der USA in Europa beenden oder abschwächen, dabei
aber die Garantie defensiven amerikanischen Schutzes beibehalten könnten.
Dies liefe darauf hinaus, daß sie nichts tun würden, um die Russen an
unserer Stelle mit der Alternative eines Atomkrieges zu konfrontieren,
um sie vor dem Druck mit konventioneller Gewalt abzuschrecken. Statt
dessen würden sie hoffen, durch die Aufstellung einer kleinen nationalen Kernwaffenstreitmacht in der Lage zu sein, die unsrige zum Einsatz
zu bringen. Damit, so wird argumentiert, könnten sie sich, ohne die
Bürde einer größeren konventionellen oder nuklearen Streitmacht auf
sich zu nehmen, vor dem unverhältnismäßig mächtigen östlichen Teil
eines vom Atlantik bis zum Ural reichenden Europa schützen.
Wenn General de Gaulle mit solchen Methoden das Beste beider
Seiten zu erlangen sucht, so überläßt er den Vereinigten Staaten sicherlich den schlechtesten Teil. Uns würde nämlich die Aufgabe zugeteilt,
Europa gegen die unausweichlichen Konsequenzen seiner Politik - die
Beherrschung durch die Sowjetunion - zu verteidigen, ohne daß man uns
gestatten würde, an der Schaffung einer, wie General Washington es
nannte,

"achtunggebietenden Verteidigungsstellung" in Westeuropa

mitzuwirken oder Einfluß darauf zu nehmen. Unsere Aufgabe würde es
unter diesen Umständen erforderlich machen, daß sich die Sowjetunion
und die Vereinigten Staaten gegenseitig in Schutt und Asche legen.
Man kann sich schwerlich vorstellen, daß eine Regierung in unserem
Lande je eine so wenig verlockende Verpflichtung übernehmen werde. Eine
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11

-

�Eine relativ geringe Anstrengung seitens einer mit der Macht der
Vereinigten Staaten integrierten Verteidigung Westeuropas könnte der
Sowjetunion die konventionelle Überlegenheit in Europa verwehren
und sie vor die Notwendigkeit stellen, ihre Zuflucht zu einem Atomkrieg zu nehmen, um ihren Willen mit Gewalt durchzusetzen.
Somit scheint mir auf der Hand zu liegen, daß die Konzeption eines
Europa vom Atlantik bis zum Ural eine Konzeption ist, die völlig von
der des Nordatlantikpaktes abweicht, so lange die Sowjetunion auch nur
im entferntesten an ihren gegenwärtigen Zielsetzungen und Auffassungen
festhält. Sollte sie diese aufgeben, verlöre der Pakt seine Bedeutung.
General de Gaulle kann nicht sowohl das Europa seiner Konzeption als
auch den Vertrag seiner Konzeption haben. Nicht, weil er nicht beides
wünscht, sondern weil unter diesen Umständen die Risiken und Gefahren
für die Vereinigten Staaten im Falle der Übernahme der Vertragsverpflichtungen, wie er sie sich vorstellt, zu groß wären. Man kann nur hoffen, daß
diese Wahrheit allgemein wohl verstanden wird.
In den Augen seiner europäischen Partner dürfte die Schwäche der
Position General de Gaulies nicht nur in seinem grundlegenden Irrtum
liegen, den wir soeben untersucht haben, sondern auch darin, daß es
Frankreich überaus schwerfallen wird, das zu erreichen, was es zur
Erfüllung bestimmter Teile des Programms erreichen muß. Werfen wir
einen kurzen Blick auf die militärische Situation Frankreichs. Diese
erfordert den Aufbau völlig neuer konventioneller Streitkräfte und eines
völlig neuen Kernwaffenpotentials.
Das konventionelle Ziel besteht darin, zumindest ebenso große
und gut ausgerüstete Streitkräfte in Europa zu haben wie die Deutschen.
Zur Zeit verfügen die Deutschen über zwölf Divisionen, die noch viel
besser sein könnten - und zweifellos bald sein werden -, als es augenblicklich der Fall ist. Ihre Zahl wird sicherlich noch erhöht. Die
französischen Militärrevolten in Algerien, die O.A.S., die Desertionen
und die Prozesse gegen hohe Offiziere sind nur die dramatischsten
Anzeichen dafür, daß die französische Armee, die nach dem Weltkrieg
in Asien und in Afrika einen Guerillakrieg nach dem anderen verlor,
reorganisiert werden, neue Mannschaften, Offiziere und Ausrüstungen
erhalten und neu gegliedert werden muß. Dies muß nicht deshalb geschehen.

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12

-

�geschehen, weil die NATO oder Washington es wünschen, sondern weil
es für Frankreich eine zwingende Notwendigkeit ist. Das ist ein ebenso langwieriger wie schwieriger und sehr kostspieliger Prozeß, woran
uns die deutschen Erfahrungen (die die französischen vorweggenommen
haben) anläßlich der "Spiegel"-Affäre so eindringlich erinnerten.
General de Gaulle müssen wohl manchmal die sarkastischen Worte des
Herzogs von Wellington auf die Lippen kommen, der angesichts eines
Truppenkontingents, das man ihm auf die iberische Halbinsel geschickt
hatte, trocken bemerkte: "Ich weiß nicht, welchen Eindruck diese Leute
auf den Feind machen werden; aber mir jagen sie, weiß Gott, einen
Schrecken ein!"
An erster Stelle unter den hohen und unausweichlichen Haushaltsanforderungen steht der Ansatz für die nukleare Abschreckungswaffe, für
die "force de frappe" oder, wie der Londoner "Economist" schrieb,
die Forderung "mehr Frappe für einen Franc". General de Gaulle übertreibt dabei in seiner charakteristischen Offenheit keineswegs, was
eine französische "force de frappe" bewirken könnte, aber ich glaube,
er überschätzt ihre Bedeutung.

"Es trifft durchaus zu", sagte er im Januar, "daß
die Menge an Atomkampfmitteln, mit der wir uns ausrüsten
können, bei weitem nicht an die Massenvorräte der heutigen
beiden Giganten heranreichen wird... 1945 führten zwei
damals noch sehr einfache Bomben zur Kapitulation Japans,
/

das ihnen nichts entgegenzusetzen hatte... Die französische Atomstreitmacht wird vom Beginn ihres Aufbaus
an die Grimme und schreckliche Fähigkeit besitzen, in
wenigen Augenblicken Millionen und Abermillionen Menschen
zu vernichten. Diese Tatsache wird bestimmt - wenigstens
in einem gewissen Umfang - nicht ohne Einfluß auf die Absichten eines etwaigen Angreifers bleiben."

Wir

�Wir haben bereits die Konzeption erörtert, nach der unabhängige! französische Streitkräfte als

Abzugshebel den Abschuß amerikani-

scher strategischer Atomwaffen auslösen könnten, und dargelegt, weshalb diese Idee für uns nicht akzeptabel ist. Wir müssen jetzt die
Nützlichkeit solcher Streitkräfte erörtern,wie es der General in dem
zitierten Absatz tut, und zwar völlig unabhängig von einer Einbeziehung der amerikanischen Macht. Behauptet wird lediglich, daß diese
Streitkräfte auf die Absichten eines etwaigen Angreifers''toenigstens
in einem gewissen Umfang" nicht ohne Einfluß bleiben werden. Nimmt
man diese Behauptung wörtlich, so ist es schwierig und nutzlos, ihre
Richtigkeit zu bestreiten. Aber der General meint sicher mehr damit.
Er erwartet, daß seine Streitkräfte einen meßbaren, ins Gewicht fallenden Abschreckungseffekt haben werden. Die Frage ist, wird dies der
Fall sein? Und unter welchen Bedingungen?
Die französischen Streitkräfte hätten nur einen sehr geringen Abschreckungseffekt, falls ihre Waffen nur wenig Aussicht haben, irgendwelche Ziele zu erreichen. Wenn französische Atomsprengköpfe entwickelt
werden, dann solche, die von Flugzeugen befördert werden; thermonukleare
Sprengköpfe sind bis in die siebziger Jahre nicht vorgesehen, und es
dürfte noch lange dauern, bis Raketengeschosse verfügbar sind. Und
weiter! Während General de Gaulle bescheiden meint, daß die französischen Kampfmittel bei weitem nicht an diejenigen der beiden Giganten
heranreichen werden, verhält es sich S o, daß sie1 wahrscheinlich noch
nicht einmal auf zwei Prozent der einen oder anderen kommen dürften.
Dies wäre für die sowjetischen Luftstreitkräfte keine Bedrohung.
Tatsächlich denkt der General ganz eindeutig an eine städtevernichtende
Waffe. Die Aussicht, daß eine so kleine Streitmacht oder ein Teil davon
die Abwehr dichtbevölkerter Zentren durchbrechen könnte,"um in wenigen
Augenblicken Millionen und Abermillionen Menschen zu vernichten", ist
nicht groß. Da Sowjetrußland immerhin bestrebt sein müßte, diese Kampfmittel zu vernichten, bevor sie noch den Boden verlassen haben, ist
anzunehmen, daß die Vernichtungsrisiken, die eine solche Streitmacht
heraufbeschwört, in der Bilanz für Frankreich beträchtlich größer als
für die Sowjetunion sein würden.
Auf jeden Fall wäre die Möglichkeit, zur Schaffung

-

14

-

dieser

�dieser französischen Streitmacht beizutragen, für die europäischen
Nachbarn Frankreichs nicht allzu verlockend. Und die finanzielle
Belastung, die sie der französischen Wirtschaft auferlegen würde,
könnte die erfreulich starke Position, die diese nach so vielen
Jahren innerer und äußerer Spannungen und Aderlässe gerade erst
gewonnen hat, leicht wieder ins Gegenteil verkehren. Tatsache ist,
daß die militärische Position Frankreichs sehr schwach ist und wahrscheinlich noch eine beträchtliche Zeitlang schwach bleiben dürfte.
Das ist nicht nur für das NATO-Bündnis bedauerlich, sondern es muß sich
auch katastrophal auf die Absichten General de Gaulles auswirken,
seine europäischen Nachbarn davon zu überzeugen, daß er sie zu einer
ausschließlich von den Europäern gewährleisteten Sicherheit führen kann
oder daß er die Verwirklichung so sehnlich erstrebter politischer Ziele
wie der deutschen Zielsetzung, Berlin zu schützen und Deutschland
wiederzuvereinen, zu fördern vermag.
Sieht man die Dinge in einem noch größeren Rahmen, so bietet sich
dem Europa General de Gaulles wenig Aussicht, eigene Stärke zu gewinnen
oder einen positiven Beitrag zur Stärke der freien Welt zu leisten.
Zwar wurde das Veto gegen den Aufnahmeantrag der Briten hauptsächlich
mit der Gefahr begründet, daß die Amerikaner sie als Trojanisches Pferd
benutzen könnten, doch kam als weiterer Grund zur Sprache, daß Großbritannien ganz anders als die kontinentalen Gesellschaften geartet
sei. Es sei eine Insel. Es blicke nach außen, sei durch seinen Handel
mit "den entlegensten Ländern" verbunden; was es tue, werde "bestimmt
von sehr ausgeprägten, ganz eigenartigen Gewohnheiten und Traditionen".
Demgegenüber bescheinigt der General den sechs Kontinentalstaaten,
sie zögen es vor, "innerhalb ihres eigenen Verbandes zu produzieren,
zu kaufen, zu verkaufen und zu verbrauchen". General de Gaulle war
rasch bereit, in diesem Gegensatz einen geschichtlich tief verwurzelten Konflikt der Führungskräfte und Konzeptionen zu erblicken.
Vor einigen Monaten erklärte mir ein deutscher Freund: "Die Sechs
haben einen zu engen Horizont, um dem eigenen und dem allgemeinen Wohl
zu dienen. Was wir brauchen, ist ein Schuß Salzwasser." Was sieht
General de Gaulle, wenn er über den Kontinent hinausschaut? Nur die
ehemaligen afrikanischen Kolonien Frankreichs, die er in eine Gemeinschaft

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15 -

�Gemeinschaft einbeziehen möchte, für welche ihm Großbritannien zu
fremdartig war. Der Gemeinsame Markt ist genau wie die Vereinigten
Staaten ein zu bedeutender Produzent und Verbraucher, um nur innerhalb
seines eigenen Verbandes kaufen, verkaufen und verbrauchen zu können.
Wenn man dies versuchen wollte, würde es die schlimmsten Konsequenzen
für das eigene Gebiet und für die weiten Außenzonen der freien Welt
haben, die vom Handel mit diesen beiden großen Märkten leben müssen.
Die amerikanische Politik gegenüber dem Gemeinsamen Markt ging seit
seiner Gründung davon aus, daß ein

solches Arangement unter der Voraus-

setzung niedriger Außenzölle und anderer Schranken gut, bei hohen
Barrieren dagegen schlecht sei. Der Gemeinsame Markt wurde nicht als
ein Instrument für die Abkapselung des europäischen Handels innerhalb
eines geschlossenen Vereins unter französischer Hegemonie begrüßt,
sondern als ein neuer großer Markt, der der Ausweitung des Handels
auch aus weltoffenem Verantwortungsbewußtsein dient. Das vom Kongreß
in der vergangenen Sitzungsperiode verabschiedete Gesetz über die Ausweitung des Außenhandels (Trade Expansion Act) fußt auf dieser Konzeption. Niemand hat dies besser formuliert als Jean Monnet, der Vater
des Gemeinsamen Marktes:
"Es gibt dringende Probleme, die weder Europa noch Amerika
allein lösen kann. Dabei handelt es sich nach meiner Auffassung
um die Währungsstabilität des Westens, um die Organisation der
Landwirtschaft in einer sich zunehmend industrialisierenden Welt,
um die Hilfe für die Entwicklungsländer, die deren Wachstum beschleunigen soll, und selbstverständlich um die Freigabe des
Handels, die zwischen Ihnen (den Amerikanern) und dem Gemeinsamen
Markt ausgehandelt werden muß."
Der Gegensatz zwischen dieser Peststellung und der kurzsichtigen
Vorliebe für ein Europa, das sein wirtschaftliches Auskommen innerhalb
des eigenen Verbandes sucht, ist ein gewisser Maßstab dafür, welcher
Schaden aus der auf der Pressekonferenz angekündigten Politik erwachsen
kann •
Wie sollennun die Vereinigten Staaten im Lichte dieser Analyse
auf die Ereignisse des Januar reagieren? Zunächst einmal sollten sie

-

16 -

�sie eine besonnene Antwort geben, die Sinn für die richtigen Proportionen erkennen läßt und Schärfe und Groll vermeidet. Sie darf nicht,
wie es zum Teil in der Presse der Fall war, auf der Annahme basieren,
daß alles verloren sei, weil General de Gaulle unumwunden einen schon
seit langem bestehenden Widerstand gegen eine allgemein befürwortete
Politik aufgedeckt hat. Sie sollte auf dem Wissen basieren, daß die
Haltung des Generals von unseren gemeinsamen Verbündeten nicht gebilligt werden wird, weil sie nicht im gemeinsamen Interesse liegt.
Sie sollte des weiteren auf der Tatsache basieren, daß die Vereinigten
Staaten stark sind und von Freund und Feind gleichermaßen als stark
angesehen werden, während Frankreich

zwar glücklicherweise wesentlich

gesündere Verhältnisse als noch vor kurzem aufzuweisen hat, aber noch
immer weit davon entfernt ist, kraftvoll die Führung zu übernehmen.
Kurzum, die Demarche de Gaulles hat sehr wenig geändert, wenn sie auch
die Absicht und die Fähigkeit aufgezeigt hat, den Gang der Dinge in
einigen Fällen zu bremsen.
Unsere gegenwärtige Verteidigungspolitik in Europa ist richtig
und sollte fortgeführt werden. Sie besteht in dem beständigen Drängen
auf die Entwicklung einer konventionellen Verteidigungsposition, die,
während ihre Stärke wächst, den Sowjets beständig klarmacht, daß sie
der Versuch, ihre Ziele durch Drohung oder gewaltsamen Druck zu erreichen, in zunehmendem Maße mit der Notwendigkeit konfrontiert, zum
Atomkrieg Zuflucht zu nehmen. Einer französischen Beteiligung und
Mitarbeit sollten die Türen nicht verschlossen werden. Wenn die Haltung
Frankreichs Abmachungen, die im Rahmen der NATO hinsichtlich des weiteren Aufbaus der gemeinsamen Verteidigung getroffen werden, über
Gebühr hinaus verzögert oder hintertreibt, dann sollten die diesbezüglichen Bemühungen eben direkt auf die Nationen verwandt werden,
die fähig und willens sind., Fortschritte zu machen. Wir sollten uns
darüber im klaren sein, daß Frankreich wegen der Schwierigkeiten in
Asien und Afrika ein Jahrzehnt lang einen ungemein geringen Beitrag
geleistet hat und daß von ihm im günstigsten Fall auch für ein
weiteres Jahrzehnt nicht viel mehr zu erwarten ist. Ferner ist alles
das, was zur Reorganisation der französischen Streitkräfte unternommen
wird, ein notwendiges Vorspiel für jedwede wirksame Beteiligung, Was

-

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�Was immer der General für die Entwicklung eines nuklearen Potentials
unternimmt, unternimmt er ohnehin, und je weniger Zeit wir daran
verschwenden, uns deshalb Sorgen zu machen, desto besser.
Was eine' strategische Atomstreitmacht in Europa anbelangt, so
ist das multinationale Konzept im Prinzip das beste. Es dürfte
meines Erachtens aber Zeitverschwendung sein, den noch in ferner
Zukunft liegenden Problemen der Kontroll- und Befehlsgewalt bis
in die letzten logischen Extreme nachzuspüren, ehe es überhaupt
etwas zu kontrollieren oder zu befehligen gibt. Unsere Verbündeten
können ja gar keine sehr konkreten Vorstellungen davon haben, wie
sich ihre Beteiligung an der nuklearen Verteidigung gestalten soll,
solange sie nichts darüber wissen. Darüber etwas zu erfahren, hat
ihnen eine zum eigenen Schaden übertriebene Geheimhaltung verwehrt.
Diese Barrieren sollten beseitigt werden. Sorgfältig ausgewählten
Offizieren und Zivilpersonen sollte jede erdenkliche Gelegenheit
gegeben werden, im Detail die Kosten einer Atomrüstung» die Schwierigkeiten der Bereitstellung, des Schutzes, der Einsatzplanung
und der Kontrolle strategischer Atomwaffen und einiges über die
Bedienung verschiedener Waffentypen zu erfahren. Dadurch würde
die Diskussion

'über das, was gemeinhin als "NATO"- oder "europäische"

Atomstreitmacht bezeichnet wird, radikal verwandelt. Nur dann können
wir für die gemeinsame Verteidigung eine wirklich kluge Planung im
Verein mit unseren Verbündeten erhoffen, bei der Aufgaben und Bereitstellung der verschiedenen Waffen von dem zu lösenden Problem, nicht
aber von nationalem Prestige, Stolz oder Mißtrauen bestimmt werden.
Im politischen Bereich laufen die Ereignisse des Januar auf
eine deutliche und emste Warnung hinaus, welche Strafe in unseren
Beziehungen zu Deutschland für das Versäumnis, zu zahlen ist, uns zu
unzweideutigen politischen Entschlüssen hinsichtlich Mitteleuropas
und der Wiedervereinigung Deutschlands durchzuringen. Dies berührt
natürlich auch den Kern der Berlin-Politik. Amerikanische und
europäische Interessen erfordern, wenn man sie frei vom Nebel der
Illusion betrachtet, die Wiedervereinigung innerhalb eines vereinten
Europa, innerhalb einer eng geknüpften atlantischen Allianz.Seit

_

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�Seit dem verhängnisvollen Treffen in Camp David sind die Deutschen
über unsere beständigen Verhandlungen mit den Russen unter russischen Drohungen beunruhigt. Ergebnislos und ohne echte Zugeständnisse, wie sie bisher verliefen, schienen sie den Deutschen auf eine
zunehmende Anerkennung des ostdeutschen Regimes hinzudeuten;sie versetzten die deutsche Politik fortlaufend in Aufregung und lenkten die
Sympathie der Deutschen auf die Unterstützung der deutschen Ambitionen durch General de Gaulle, die nachdrücklicher zugesagt als
vorbehaltlos gegeben worden sein dürfte. Unser Flirt mit Moskau
vermochte,wie viele andere, die ohne ernste Absichten begonnen worden
sind, weiter nichts, als weit engere Beziehungen zu vergiften. Es
ist an der Zeit, dem ein Ende zu machen und unsere Absichten unzweideutig darzulegen.
Wenn die Januar-Offensive auch dort begann, wo man die Wirtschaftsfront vermuten darf, und allerlei Schaden angerichtet hat, so sehe
ich doch keinen Grund, weshalb der Krieg dort weitergehen sollte.
Der Anlaß dafür, nämlich der britische Aufnahmeantrag, ist jetzt
auf unbestimmte Zeit ad acta gelegt. Die Fünf würden Frankreich
gerne - mit der Zeit vielleicht auch mit Erfolg - umstimmen, sofern
die britische Politik nicht einen Weg einschlägt, der die Haltung
Großbritanniens ändert. Niemand kann gegenwärtig klar erkennen,
wie sich die Dinge entwickeln werden. Aber wenn die Erregung

und

der Groll nicht angefacht werden, sollten sich in wichtigen Bereichen
genügend gemeinsame Interessen ergeben, um in den von Jean Monnet
gewiesenen Richtungen weiter vorzustoßen.
Was die Liberalisierung des Handels betrifft, so wird der Vertrag von Rom ab 1966 jeden Einzelpartner daran hindern, einen von den
anderen gewünschten Kurs zu blockieren. Wenn wir und die Fünf tatkräftig auf den Abbau der Schranken rings um die großen Märkte Europas
und Amerikas hinarbeiten, können wir das Unvermeidbare so gestalten,
wie es General de Gaulle akzeptieren wird. Der geschäftsführende
Direktor des Weltwährungsfonds, Per Jacobsson, hat kürzlich erklärt,
es sei "vielleicht das Beste, was den Entwicklungsländern passieren
kann, wenn die industriell fortgeschrittenen Länder eine aktive

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19 -

�aktive expansive Handelspolitik betreiben", und er regte an, daß dies
in gemeinschaftlicher Weise über den Fonds und die Organisation für
Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in Paris geschehen könnte. Jean Monnet forderte mit Nachdruck, die führenden
Finanzländer sollten sich weiter der damit eng verknüpften Aufgabe
widmen, die Stabilität der westlichen Währungen zu erhöhen. An diesen
Bemühungen kann sich General de Gaulle ohne Verlegenheit und inneren
Widerspruch beteiligen. Sie stehen in vollem Einklang mit den französischen Interessen, wie er sie sieht.
Kurzum, der Januar war kein guter Monat. General de _Gaulle hat
dem Westen mit der Ablehnung des britischen Aufnahmegesuchs einen
schlechten Dienst erwiesen. Er enthüllte dabei einige langfristige
Pläne, denen man entgegentreten muß und die, wenn man ihnen du^rch
kluges Vorantreiben besserer Pläne entgegentritt, keine großen Entwicklungsaussichten haben. Auf anderen Gebieten besteht die Möglichkeit und die Notwendigkeit, bei bedeutenden Aufgaben mit ihm zusammenzuarbeiten. Der Ecclesiastes-Verfasser hat uns gesagt: "Ein jegliches
hat seine Zeit. . .''brechen und bauen". Der vergangene Januar war anscheinend eine Zeit des Brechens inmitten einer langen Aufbauperiode.
Dabei ist einiger Schaden angerichtet worden. Jetzt ist es an der Zeit,
ihn wieder zu reparieren und den Aufbau weiter fortzusetzen.

*

* * *

20

*

�A M E R I K A

D I E N S T

Allg./XVI - 11

GEORGE C. MCGHEE
SOLL NEUER BOTSCHAFTER DER USA IN BONN V/ERDEN

WASHINGTON - (AI)) - Präsident Kennedy hat am Mittwoch seine
Absicht bekanntgegeben, den gegenwärtigen Staatssekretär für Politische Fragen im amerikanischen Außenministerium, George C. McGhee,
zum neuen Botschafter der USA in der Bundesrepublik zu ernennen.
McGhee, der bisherige dritte Mann im State Department, wird Botschafter Walter C. Dowling nach Ablauf seiner Amtszeit in Bonn wahrscheinlich Ende August oder Anfang September - ablösen.
In einer Erklärung des Weißen Hauses würdigte Präsident Kennedy
die Verdienste McGhees, der seit nahezu siebzehn Jahren auf verschiedenen Posten wertvolle Arbeit geleistet habe. "Meine Entscheidung, ihn zu bitten, seinen gegenwärtigen wichtigen Posten zu verlassen ,um Botschafter der USA in der Bundesrepublik zu werden", so
heißt es in der Erklärung wörtlich, "spiegelt die große Bedeutung
wider, die ich der Aufrechterhaltung enger und kooperativer Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und Deutschland im Rahmen der
Atlantischen Allianz beimesse."
Wie aus der Erklärung Kennedys weiter hervorgeht, soll Botschafter Dowling nach Beendigung seiner Tätigkeit in Bonn einen
anderen wichtigen Posten übernehmen. Kennedy würdigte in der genannten Erklärung auch die Leistungen Dowlings und führte wörtlich
aus: "Sein Beitrag zur Entwicklung enger Bindungen zwischen den
Vereinigten Staaten und der Bundesrepublik Deutschland während
der vergangenen dreieinhalb Jahre war besonders wichtig zu einer
Zeit, in der die Rolle Deutschlands in der europäischen Gemeinschaft
und in der Atlantischen Allianz nach Umfang und Bedeutung immer
größer wurde."
George C. McGhee wurde am 10. März 1912 in Waco im Staate
Texas geboren. Schon bei seinem Studium an den Universitäten Dallas
(Texas) und Oklahoma hatte er sich vornehmlich auf Geologie und
Geophysik konzentriert. Um sein Studium bestreiten zu können,
hatte er ein Jahr lang als Geologe für eine Ölgesellschaft in
Dallas gearbeitet. Kurz nach seinem Abgang von der Oklahoma-Universität erhielt er ein Rhodes-Stipendium, das ihm die Fortführung
1

�"AMERIKA DIENST"
Fortführung seiner Studien in Oxford gestattete, wo er 1937 zum
Doktor promovierte, ehe er für kurze Zeit an die Londoner Universität übersiedelte.
Noch vor Beendigung seiner dreijährigen Studienzeit in Oxford
hatte McGhee ein eigenes Verfahren zur Bestimmung geologischer Formationen entwickelt. Obwohl er schon damals den Entschluß gefaßt
hatte, später in den Staatsdienst zu treten, begann er nach seiner
Rückkehr in die Vereinigten Staaten eine nur kurze, aber um so erfolgreichere Karriere als Ölsucher. Sie stellte seine finanzielle Unabhängigkeit sicher, noch ehe er das dreißigste Lebensjahr vollendet
hatte. Im Januar 1938 wurde er Teilhaber einer Erdölfirma, und 1940
konnte er, begünstigt durch große Ölfunde, im Staate Louisiana eine
eigene Ölgesellschaft aufbauen.
Damit war der Zeitpunkt für den Beginn einer Laufbahn im Staatsdienst gekommen. McGhee nahm eine Stellung in der Kriegsproduktionsbehörde, dem War Production Board, an. Im weiteren Verlauf des Krieges ging er als Offizier zur US-Marine und wurde vornehmlich auf dem
pazifischen Kriegsschauplatz eingesetzt. Für die Leitung eines kombinierten See- und Lufteinsatzes, bei dem 600 Menschen aus Seenot gerettet werden konnten, wurde er mit dem Orden "Legion of Merit", dem
Tapferkeitsorden, ausgezeichnet.
Kurz nach Kriegsende kehrte McGhee wieder in den Regierungsdienst
zurück, zunächst als Sonderreferent des Unterstaatssekretärs für Wirtschaftsfragen im US-Außenministerium. 1947» als die kommunistischen
Versuche einer Infiltration Griechenlands ihrem Höhepunkt zustrebten,
wurde er Koordinator der Griechenland- und Türkei-Hilfe. Zwei Jahre später ernannte ihn Präsident Truman zum Unterstaatssekretär für Nahost-,
Südasien- und Afrika-Fragen; in dieser Position war er maßgeblich an
der Planung und Abwicklung des Punkt-4-Programms zur technischen Hilfeleistung beteiligt. Von 1951 bis 1953 vertrat er die Vereinigten Staaten in der Türkei als Botschafter und Direktor der Amerika-Hilfe.
In den folgenden acht Jahren widmete sich Botschafter McGhee vornehmlich privaten geschäftlichen Angelegenheiten und der Mitarbeit in
einer Reihe von wissenschaftlichen und gemeinnützigen Vereinigungen und
Gesellschaften.
Nachdem McGhee bereits seit 1958 verschiedentlich vom Nationalen
Sicherheitsrat als Berater herangezogen worden war, brachte das Jahr
1961 seine Rückkehr in den Staatsdienst, als ihn Präsident Kennedy
als Unterstaatssekretär für politische Planung und Vorsitzer des Rates
für politische Planung in das State Department berief. 1961 war er
maßgeblich an den Vorbereitungen für die Berlin-Verhandlungen mit den
Sowjets beteiligt. Während der Kongo-Krise spielte er eine aktive
Rolle in den amerikanischen Bemühungen um eine geeignete Lösung und
machte in einer Sondermission eine einmonatige Reise nach Afrika.

Im
-

2

�AMERIKA DIENST"
Im November 1961 rückte McGhee im Zusammenhang mit einer
Umbesetzung der Führungsspitze des State Department auf den Posten
des Staatssekretärs für Politische Fragen auf und nahm damit die
dritte Position im US-Außenministerium ein.
Die Berufung zum Botschafter in Bonn bringt für George McGhee
die Erfüllung des lang gehegten Wunsches, wieder in den diplomatischen
Außendienst zurückzukehren. Mit ihm kommt ein Mann als Vertreter der
amerikanischen Regierung nach Bonn, der die Grundzüge und Zielsetzungen der US-Außenpolitik wie kaum ein anderer kennt und seit Jahren
selbst aktiv an ihrer Gestaltung mitgearbeitet hat.
Botschafter McGhee ist verheiratet und hat sechs Kinder. Er
ist ein Freund der Künste, photographiert gerne und spielt Tennis.
Er geht, wenn Zeit und Umstände es gestatten, viel auf Reisen. Während
seiner Tätigkeit in Washington verbrachte er seine Freizeit zumeist
auf einem Gut, das er in Virginia, unweit der amerikanischen Hauptstadt, besitzt.

* * * * *

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3 -

�A M E R I K A

D I E N S T

ffi ./XV-15
SONDERBOTSCHAFT PRÄSIDENT KENNEDYS ZUR AUSLANDS HILFE

WASHINGTON - (AD) - Nachstehend übermitteln
wir Ihnen den Wortlaut der Sonderbotschaft
zur Auslandshilfe der USA, die Präsident
Kennedy am 2. April 19^3 dem amerikanischen
Kongreß unterbreitet hat.

Das Weiße Haus
Botschaft über die Verteidigungs- und Hilfeprogramme der freien Welt
An den Kongreß der Vereinigten Staaten:
"Der Frieden hat seine Siege, die nicht weniger rühmlich sind
als die des Krieges", so schrieb Milton. Und kein Sieg in Friedenszeiten in unserer Geschichte hat eine weiter reichende Auswirkung
gehabt oder hat der Sache des Friedens besser gedient als die Siege,
die wir während der letzten 17 Jahre durch die Programme für gegenseitige Hilfe und Verteidigung unserer Nation errangen. Diese Siege
wurden im wesentlichen in aller Stille und nicht mit lauten Fanfaren
errungen. Sie zielten nicht darauf ab, Territorien für die Vereinigten Staaten oder Unterstützung in den Vereinten Nationen zu gewinnen,
sondern Dutzenden von Staaten in aller Welt, die eine Schlüsselstellung einnehmen, Freiheit und Hoffnung zu bewahren und Tyrannei und
Subversion zu ersparen.
Die Vereinigten Staaten geben heute über 10 Prozent ihres
Bruttosozialprodukts für Programme aus, die hauptsächlich der Verbesserung unserer nationalen Siehe rheit dienen. Etwas weniger als
ein Zwölftel dieses Betrages und w eniger als 0,7 Prozent unseres
Bruttosozialprodukts werden für da s Programm für gegenseitige Hilfe
aufgewandt, davon etwa die Hälfte für wirtschaftliche Entwicklung
und die andere Hälfte für militari sehe und andere kurzfristige Hilfe.
Vom Standpunkt unserer nationalen Interessen überwiegt der Wert
dieses Programms seine Kosten bei weitem. Es ist sicherlich gerechtfertigt, wenn die reichste Nation der Welt knapp ein Prozent

-

1

-

�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT
Prozent ihres Bruttosozialproduktes für die Unterstützung der weniger
vom Glück begünstigten Schwesternationen ausgibt, allein schon auf
Grund ihrer internationalen Verantwortung. Aber da diese Programme
nicht nur das sind, was ohnehin rechtens ist, sondern eindeutig in
unserem nationalen Interesse liegen, muß alle Kritik in diesen Rahmen
gerückt werden. Daß unsere Hilfsprogramme verbesserungsfähig sind,
steht hier nicht zur Debatte. Daß sie aber sowohl unserer nationalen
Tradition entsprechen als auch unseren nationalen Interessen dienen,
steht gänzlich außer Zweifel.
Die Geschichte zeigt, daß unsere Hilfsprogramme für die Türkei
und für Griechenland die entscheidenden Faktoren waren, die die Türkei in die Lage versetzten, sich gegen nachhaltigen sowjetischen Druck
zu behaupten, Griechenland, eine kommunistische Aggression niederzuwerfen, und beide, wieder stabile Verhältnisse herzustellen und auf
dem Wege zu wirtschaftlichem und sozialem Wachstum voranzuschreiten.
Die Geschichte zeigt, daß der Marshall-Plan es den Ländern Westeuropas, einschließlich Großbritanniens, ermöglicht hat, sich von den
Verwüstungen des schrecklichsten Weltkrieges zu erholen, eine neue militärische Stärke aufzubauen, dem expansionistischen Druck des stalinistischen Rußland zu widerstehen und eine wirtschaftliche Wiedergeburt
einzuleiten, die Westeuropa zum zweitgrößten und -reichsten Industriegebiet der heutigen Welt gemacht hat, zu einem pulsierenden Zentrum der
Stärke der freien Welt, das jetzt selbst zum Wachstum und zur Stärke
der Entwicklungsländer beiträgt.
Die Geschichte zeigt, daß unsere militärische und wirtschaftliche
Hilfe für die Länder an den Grenzen der kommunistischen Welt - wie
Persien, Pakistan, Indien, Vietnam und das freie China - es bedrohten
Völkern ermöglicht hat, da frei und unabhängig zu bleiben, wo sie
sonst entweder von der aggressiven kommunistischen Macht überrannt worden oder dem völligen Chaos, der Armut und der Verzweiflung anheimgefallen wären.
Die Geschichte zeigt, daß unsere Beiträge zur Auslandshilfe der
entscheidende Faktor bei dem Entstehen und Wachsen einer ganzen Familie
internationaler Finanzinstitutionen und -behörden waren, die in dem unaufhörlichen Krieg gegen die Not und in dem Kampf um Wachstum und Freiheit eine immer wichtigere Rolle spielen.
Und schließlich wird die Geschichte zeigen, daß heute unsere Anleihen im Rahmen der technischen und Entwicklungshilfe dort Hoffnung
geben, wo diese Hoffnung fehlte, dort die Initiative wecken, wo es an
Dynamik mangelte» und daß sie überall auf der Erde zum Fortschritt anspornen - daß sie gleichzeitig die militärische Sicherheit der freien
Welt fördern und damit mithelfen, dort Barrieren gegen die Ausbreitung
des Kommunismus zu errichten, v/o sie am meisten zählen, mithelfen, jene
Weltgemeinschaft unabhängiger und selbständiger Nationen aufzubauen, in
der wir leben möchten, und schließlich auch dem aus tiefstem Herzen kommenden amerikanischen Drang Genüge leisten, jenen eine hilfreiche Hand
hinzustrecken, die hart arbeiten, um sich und ihren Kindern ein besseres
Leben zu schaffen.
Trotz
2 -

�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT
Trotz lautstarker Opposition von allem Anfang an, trotz düsterer
Voraussagen, daß die Auslandshilfe unser Land in den Bankrott führen
werde, trotz der Warnungen, daß wir unser Geld mit dem Marshall-Plan
und den darauf folgenden Programmen "in ein Rattenloch würfen", und
trotz der großen Schwierigkeiten in der Praxis sowie einiger Fehler
und Enttäuschungen ist es eine Tatsache, daß unsere Hilfsprogramme
generell durchweg das erreicht haben, was sie erreichen sollten.
Nirgendwo auf der Welt befindet sich die Freiheit auf dem Rückzug - weder in Europa, Asien und Afrika noch in Lateinamerika -, wie
es ohne amerikanische Hilfe sehr wohl hätte der Fall sein können. Wir
wissen jetzt, daß diese Freiheit - die Freiheit insgesamt, unsere eigene eingeschlossen - geschmälert wird, wenn andere Länder unter kommunistische Herrschaft fallen, wie China im Jahre 1949» Nordvietnam
und die nördlichen Provinzen von Laos im Jahre 1954 und Kuba im Jahre
1959« Die Freiheit, jegliche Freiheit, wird durch die versteckten,
vielgestaltigen und unaufhörlichen kommunistischen Subversionsbemühungen in Lateinamerika, Afrika, im Mittleren Osten und in Asien bedroht.
Und ebenso werden die Aussichten der Freiheit in Ländern gefährdet
oder untergraben, denen die Hoffnung fehlt, die Hoffnung auf ein besseres Leben, das sich auf wirtschaftlichen Fortschritt, Erziehung, soziale Gerechtigkeit und auf die Entwicklung stabiler Institutionen
stützt. Hier liegen die vorgeschobenen Grenzposten der Freiheit, die
wir durch unsere militärischen und wirtschaftlichen Hilfsprogramme zu
festigen versuchen; und indem das geschieht, dienen sie unserem tiefsten nationalen Interesse.
Diese Auffassung wurde nacheinander von drei Präsidenten - Demokraten sowohl als auch Republikanern - vertreten.
Sie ist in neun aufeinanderfolgenden Kongressen mit überparteilicher Mehrheit gebilligt worden.
Sie hat seit 17 Jahren die Unterstützung einer überparteilichen
Mehrheit des amerikanischen Volkes gefunden.
Und sie ist erst kürzlich von einem Ausschuß aus hervorragenden
amerikanischen Bürgern, der unter der Leitung von General Lucius D. Clay
steht und dem die Herren Robert Anderson, Eugene Black, Clifford Hardin,
Robert Lovett, Edward Mason, L.F. McCollum, George Meany, Herman Phleger
und Howard Rusk angehören, erneut bekräftigt worden. In ihrem Bericht
heißt es: "Wir sind der Überzeugung, daß diese Programme, richtig geplant und durchgeführt, von entscheidender Bedeutung für die Sicherheit
unserer Nation und für die Erfüllung unserer weltweiten Pflichten notwendig sind."
Es besteht also, kurz gesagt, seit vielen Jahren eine nationale
Übereinstimmung bezüglich der entscheidenden Bedeutung dieser Programme.
Grundsatz und Zielsetzung der amerikanischen Hilfe für die weniger gesicherten und weniger vom Glück begünstigten Nationen werden und können
nicht ernsthaft in Zweifel gestellt werden.
Die

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*

Die Erfordernisse der Gegenwart
Die Frage ist-nunj Wie steht es um die Zukunft? Wie groß ist angesichts dieser Fortschritte der Vergangenheit das Ausmaß der gegenwärtigen Erfordernisse, welche Möglichkeiten nahen wir, und mit welchen Veränderungen müssen wir an diesem Scheideweg der Weltgeschichte
rechnen?
Ich glaube, wir stehen an einem wirklichen Scheideweg. Unsere Welt
steht vor dem Höhepunkt einer historischen Umwälzung. Eine Woge der
nationalen Unabhängigkeit hat fast alle Entwicklungsländer erfasst, in
denen rund ein Drittel der Menschheit lebt; die industrielle und wissenschaftliche Revolution breitet sich bis in die entlegensten Gebiete der
Erde aus. Die Völker der Erde stehen vor zwei unvereinbaren Auffassungen
vom Wert, von den Rechten und der Rolle des Einzelmenschen.
In den etwa 80 Entwicklungsländern werden in den kommenden Tagen,
Monaten und Jahren zahllose große und kleine Entscheidungen getroffen
werden - Entscheidungen, die zusammengenommen das wirtschaftliche und
soziale System errichten, die politische Führung und Form und die politische Praxis bestimmen und die Gestalt der Institutionen prägen werden, die für ein Drittel der Menschheit entweder Entscheidungsfreiheit
oder Zwang bringen v/erden. Und diese Entscheidungen werden gewaltige
Auswirkungen auf die Gestalt der Welt haben, in der unsere Kinder heranwachsen.1
Afrika ist in unruhiger Bewegung, um seine Unabhängigkeit zu festigen und diese Unabhängigkeit durch wirtschaftliche und soziale Entwicklung für seine Völker sinnvoll zu machen. Das amerikanische Volk
hat seine Sympathie für diese Ziele zum Ausdruck gebracht und immer wieder bekräftigt.
Das freie Asien wendet sich entschlossen gegen die politische,
wirtschaftliche und militärische Herausforderung der' unablässigen Versuche des kommunistischen China, den Kontinent zu beherrschen.
Lateinamerika ist dabei, entscheidende Schritte in Richtung auf
eine wirkliche Demokratie zu tun - und das inmitten eines turbulenten,
raschen sozialen Wandels und angesichts der drohenden Gefahr der kommunistischen Unterwanderung.
Die Vereinigten Staaten können - als die reichste und mächtigste
Nation und als die Nation, die für die Unabhängigkeit der Völker und ein
besseres Leben für alle Menschen eintritt - auf diesem Höhepunkt des
Zeitalters der Entscheidung ebensowenig abseits stehen wie sie sich aus
der Gemeinschaft der freien Nationen lösen können. Unsere Anstrengung
ist nicht nur symbolisch: sie ist auf unsere lebenswichtigen Sicherheitsinteressen gerichtet.
Ich hoffe, daß das amerikanische Volk durch seine Vertreter im Kongreß in diesem Jahr unseren Antrag auf Mittel für die Auslandshilfe aus
diesem Zusammenhang heraus prüfen wird, einen Antrag, der sorgfältig und
ausdrücklich darauf abgestimmt ist, diesen spezifischen Aufgaben gerecht
zu werden. Es handelt sich nicht um eine lästige Bürde. Es handelt sich
vielmehr um ein neues Kapitel unseres Anteils an einem unausgesetzten

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unausgesetzten lebenswichtigen Kampf - um die konstruktivste, größte
Anforderungen stellende Aufgabe, die größte Aufgabe, die Menschen
jemals um der Freiheit und ihrer Mitmenschen willen auf sich genommen haben.
Geplante Verbesserungen
In einer sich ständig ändernden Welt müssen unsere gemeinsamen
Verteidigungs- und Hilfeprogramme laufend überprüft werden. Meine
in dieser Botschaft enthaltenen Empfehlungen spiegeln die Arbeit des
Clay-Ausschusses, die von dem neuen Leiter des Amtes für Internationale Entwicklung durchgeführte Untersuchung sowie die Erfahrungen
wider, die im ersten vollen Jahr der Durchführung des vom Kongreß 1961
verabschiedeten neuen und verbesserten Programms gesammelt wurden. In
diesen Untersuchungen besteht grundsätzliche Übereinstimmung, daß
diese HilfeProgramme von großem Wert für unsere eigensten nationalen
Interessen sind, daß ihre grundlegenden Konzeptionen sowie ihre Durchführung, wie sie in der bestehenden Gesetzgebung verankert sind, richtig
sind, daß bei der Verwirklichung dieser Konzeptionen Fortschritte erzielt wurden und weiterhin erzielt werden, daß aber noch viel zu tun
übrig bleibt, um unsere Leistungen zu verbessern und den bestmöglichen
Nutzen aus diesen Programmen zu ziehen.
Ferner besteht in all diesen Untersuchungen grundsätzliche Übereinstimmung hinsichtlich sechs Hauptempfehlungen für die Zukunft.
Ziel Nr. 11 Die Anwendung strengerer Maßstäbe hinsichtlich der
Förderungswürdigkeit und Bereitschaft zur Selbsthilfe bei der Unterstützung der Entwicklungsländer. Diesem Ziel wurde von dem Ausschuß
zur Stärkung der Sicherheit der freien Welt (Clay-Bericht), der die
Meinung vertritt, daß die Anwendung solcher Kriterien zu wesentlichen
Einsparungen bei ausgewählten Progranmen im Laufe der nächsten ein bis
drei Jahre führen könnte, besondere Aufmerksamkeit gewidmet.
In dieser Richtung sind bereits beträchtliche Fortschritte erzielt
worden. Während die Anzahl früherer Kolonien, die ihre Unabhängigkeit
erlangt haben, die Gesamtliste der unterstützten Länder vergrößert hat,
gehen 80 Prozent der gesamten Wirtschaftshilfe gegenwärtig nur an 20
Länder; und die Militärhilfe ist sogar noch enger konzentriert. Der Anteil der Entwicklungsanleihen gegenüber den ausgesprochenen Zuwendungen
hat sich von 10 Prozent auf 60 Prozent erhöht. Wir haben unsere gesamten
Entwicklungsanleihen auf eine "Rückzahlbar-in-Dollar-Basis" gestellt,
und in diesem Jahr verstärken wir - wie der Clay-Ausschuß dies empfahl unsere Bemühungen, die Anleihebedingungen so zu formulieren, daß die
Zinssätze und Fälligkeitstermine mehr als bisher der unterschiedlichen
Finanzkraft der verschiedenen Länder angepaßt sind.
Insbesondere im Rahmen der Allianz für den Fortschritt - und in
zunehmendem Maße auch bei anderen Hilfeprogrammen - wird der Nachdruck
von den Empfängerländern selbst auf Selbsthilfe und auf eigene Reformen

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Reformen gelegt, indem unsere Hilfe als Katalysator für den Fortschritt und nicht als Almosen verwendet wird. Schließlich geben
wir nicht nur - wo immer die Verhältnisse dies gestatten - der
Wirtschafts- gegenüber der Militärhilfe den Vorzug, sondern sehen
uns neuerdings auch Umfang und Zweck der örtlichen Streitkräfte,
die unsere Hilfe empfangen, sehr kritisch an. Die Tatsache, daß
wir bei unserer Militärhilfe eine stärkere Betonung auf die innere
Sicherheit sowie auf den zivilen Einsatz legen, steht im Einklang
mit der Erfahrung, daß militärische Streitkräfte in Entwicklungsländern eine ebenso bedeutende wirtschaftliche wie auch schützende
Rolle spielen können. So wurden beispielsweise in Lateinamerika im
Finanzjahr 1963 die Militärhilfemittel, die für die Unterstützung
von technischen, medizinischen und anderen für Zivilprojekte eingesetzten Einheiten bereitgestellt wurden, mehr als verdoppelt.
Ziel Nr. 2: Das Streben nach einer Reduzierung und schließlichen
Einstellung der amerikanischen Unterstützung dadurch, daß die einzelnen Nationen so schnell wie möglich in die Lage versetzt werden,
auf eigenen Füßen zu stehen. Sowohl den USA als auch den von uns
unterstützten Ländern muß daran gelegen sein, den Punkt zu erreichen,
wo sie aus eigener Kraft wachsen können, den Punkt, wo sie Hilfe von
außen nicht mehr länger benötigen, um ihre Unabhängigkeit zu wahren.
Unser Ziel ist nicht ein willkürlicher Termin für die Einstellung
der Hilfe, sondern eine möglichst weitgehende Vorverlegung des
"Starttermins", des Zeitpunkts also, "wo ihre Volkswirtschaften genügend Schwung gewonnen haben, um sich selbständig weiterzuentwickeln,
und wo sie zur Deckung des wachsenden Kapitalbedarfs nur der gleichen
normalen Quellen der Finanzierung von außen bedürfen, die auch unser
Land viele Jahrzehnte lang in Anspruch genommen hat.
Für einige ist dieses Ziel, was die Wirtschaftshilfe betrifft,
in greifbare Nähe gerückt. Bei anderen wird es länger dauern. Aber
in allen Fällen sollten besondere zur Selbständigkeit führende Programme und Dringlichkeitsstufen festgesetzt werden, einschließlich
jener Maßnahmen, die von den Empfängerländern und allen anderen, die
diesen Ländern zu helfen bereit sind, ergriffen werden müssen.
Die bisherige Entwicklung zeigt deutlich, daß die Auslandshilfe
kein endloser oder unwandelbarer Prozeß ist. Vor fünfzehn Jahren ging
unsere Unterstützung nahezu ausschließlich an die fortgeschrittenen
Länder Europas und an Japan; heute wird sie fast ausschließlich
in die Entwicklungsländer gelenkt. Vor zehn Jahren wurde der größte
Teil unserer Hilfe zur Stärkung der militärischen Streitkräfte und
labilen Volkswirtschaften verwendet; inzwischen wurde diese Hilfe
auf die Hälfte reduziert, und unsere Unterstützung kommt in zunehmendem
Maße der wirtschaftlichen Entwicklung zugute. Es gibt jedoch noch wichtige Fälle, in denen sich die militärische Drohung des Kommunismus nicht
verringert hat und sowohl Militär- als auch Wirtschaftshilfe noch erforderlich ist. Die Reihe solcher Fälle reicht von relativ stabilen
Grenzen wie in Korea und der Türkei bis zu Gebieten aktiver Aggression
wie Vietnam.
Ziel

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Ziel Nr. 3 : Sicherstellung einer größeren Beteiligung anderer
Industrienationen an den Kosten der internationalen Entwicklungshilfe.
Die Vereinigten Staaten stehen bei der Unterstützung der Entwicklungsländer nicht mehr allein, und ihr anteilmäßiger Beitrag zu den Kosten
verringert sich. Der Fluß der Geldmittel aus anderen Industrieländern
der sich gegenwärtig auf insgesamt 2 Milliarden Dollar im Jahr beläuft
dürfte anhalten; und wir rechnen mit einer noch engeren Zusammenarbeit
mit diesen Ländern, um unsere gemeinsamen Bemühungen in wirksamster
Weise zum Tragen zu bringen. Ferner haben die internationalen Kreditinstitutionen sowie die für die technische Unterstützung zuständigen
Einrichtungen, für die wir große Beiträge leisten, das Programm sowie
den Umfang ihrer Tätigkeit erweitert; und wir rechnen mit einer Ergänzung dieser Hilfsquellen von Fall.zu Fall in Verbindung mit größeren Beiträgen seitens anderer Länder. Wir werden weiterhin mit unseren Verbündeten zusammenarbeiten und sie auffordern, ihre Hilfeanstrengungen zu intensivieren und ihre Unterstützung zu Bedingungen
zu gewähren, die für die Entwicklungsländer weniger beschwerlich sind.
Ziel Nr. 4 : Abschwächung nachteiliger Auswirkungen des Hilfeprogramms auf unsere eigene Zahlungsbilanz und auf unsere eigene
Wirtschaft. Noch vor wenigen Jahren wurde mehr als die Hälfte der
Mittel der amerikanischen Wirtschaftshilfe im Ausland ausgegeben, was
zum Abfluß unserer Dollar und unseres Goldes beitrug. Über achtzig
Prozent der für die Einhaltung unserer bis dato gegebenen Zusicherungen erforderlichen Mittel werden nun in den Vereinigten Staaten ausgegeben werden, was zum Wachstum unserer Wirtschaft und der Beschäftigungsmöglichkeiten beitragen wird.. Dieser Anteil wird in dem Maße
steigen, in dem weitere Maßnahmen zu diesem Zweck ergriffen werden.
Ich möchte hinzufügen, daß unsere Zahlungsbilanzsituation heute durch
die Rückzahlung von Anleihen, die den europäischen Ländern im Rahmen
des Marshall-Plans und seitens der Export-Import-Bank gewährt wurden,
günstig beeinflußt wird. Ich bin überzeugt, daß wir in Zukunft, wenn
das Einkommen in den Entwicklungsländern ansteigt, ähnlichen Nutzen
aus den Anleihen ziehen werden, die wir jetzt diesen Ländern gewähren.
Unserer Wirtschaf t wird ebenfalls durch die Ausweitung kommerzieller Exporte auf Länder geholfen, deren gegenwärtiges Wachstum und
deren Prosperität durch die amerikanische Wirtschaftshilfe in früheren Jahren angespornt wurde . Im Laufe der vergangenen zehn Jahre haben
sich unsere Exporte nach Westeuropa und Großbritannien mehr als verdoppelt, und unsere Exporte nach Japan haben um das Vierfache zugenommen. Ebenso können wir damit rechnen, daß sich die Handelsmöglichkeiten mit denjenigen Ländern in Zukunft ausweiten werden, deren wirtschaftliche Entwicklung wir im Augenblick fördern,
überdies verwenden wir unsere Agrarprodukte in steigenden Maße
im Rahmen des Lebensmittel-für-den-Frieden-Programms, um das wirtschaftliche Wachstum der Entwicklungsländer anzuregen und zur Verwirklichung anderer außenpolitischer Ziele der USA beizutragen. In
dem Maße, wie sich die Volkswirtschaften dieser Länder aufwärtsentwickeln, ermutigen wir sie, bei diesen Waren von Verkäufen^ in ausländischer Währung zu Bar- oder Dollarkreditverkäufen überzugehen.
Die

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Die anteilmäßige Last unserer Unterstützungsprogramme ist
ständig vermindert worden - von rund 2 Prozent unseres Bruttosozialprodukts bei Anlaufen des Marshall-Plans auf 0,7 Prozent
heute, von 11,5 Prozent des Bundeshaushalts im Jahre 1949 auf gegenwärtig 4 Prozent.
Obwohl diese Zahlen erkennen lassen, daß unsere Hilfeprogramme relativ gesehen - heute beträchtlich weniger Kosten als noch vor zehn oder
fünfzehn Jahren, setzen wir dennoch unsere Bemühungen fort, um sie
wirksamer zu gestalten und den Gewinn aus jedem investierten Dollar
zu vergrößern. Das Personal, die Verfahren und die Durchführung werden
ständig verbessert. Eine Anzahl von Außenstellen sind geschlossen, verkleinert oder mit den Botschaften oder regionalen Dienststellen zusammen
gelegt worden. Diese Bemühungen um größere Wirksamkeit und Wirtschaftlichkeit werden unter dem neuen Administrator noch beschleunigt
werden .
Ziel Nr. 5 : Fortsetzung der Verteidigungsunterstützung für die
von einem kommunistischen Angriff von innen oder außen her bedrohten
Länder. Unser Militärhilfeprogramm war ein entscheidender Faktor, um
die sowjetische und chinesische Militärmacht über zehn Jahre lang
verhältnismäßig fest in ihren Grenzen zu halten. Ohne den Schutz dieses Programms wäre der erhebliche wirtschaftliche Fortschritt der an
den sino-sowjetischen Bereich grenzenden Entwicklungsländer kaum möglich gewesen. Mit dem Aufbau ihrer wirtschaftlichen Stärke werden
diese Länder auch einen größeren Teil der Lasten ihrer Verteidigung
übernehmen können. Wir dürfen jedoch nicht annehmen, daß die Militärhilfe für diese Länder - oder für andere, die vor allem einem
subversiven Angriff von innen her ausgesetzt sind - in absehbarer Zukunft eingestellt werden kann. Im Gegenteil: wenn es auch möglich sein
wird, das eine oder andere Programm zu reduzieren oder einzustellen,
so müssen wir doch mit der Notwendigkeit neuer und erweiterter Programme rechnen.
Indien ist ein Modellfall. Es kann kaum noch bezweifelt werden,
daß es klug war, die bemerkenswerten und erfolgreichen Bemühungen des
indischen Subkontinents um Fortschritt und Stabilität durch amerikanische Hilfeleistungen zu unterstützen. Die Bedrohung, die durch den
chinesischen Angriff auf Indien im vergangenen Herbst offenbar wurde,
wird vielleicht weitere Anstrengungen unsererseits erforderlich machen,
um die Sicherheit dieses entscheidend wichtigen Gebietes zu stärken,
unter der Voraussetzung, daß diese Anstrengungen durch entsprechende
Leistungen Indiens und Pakistans ergänzt werden.
Im großen und ganzen ist jedoch der Umfang der Militärhilfe
gering im Verhältnis zu den Ausgaben für unsere nationale Sicherheit;
in diesem Finanzjahr beläuft sie sich auf rund 3 Prozent unseres
Verteidigungsbudgets. "Dollar für Dollar", so erklärte der Clay-Ausschuß unter besonderer Bezugnahme auf die Grenzgebiete, "tragen diese
Programme mehr zur Sicherheit der freien Welt bei als entsprechende
Posten in unseren Verteidigungsbewilligungen... Diese Länder stellen

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stellen mehr als zwei Millionen Soldaten, die zum überwiegenden Teil
für jeden Notfall gerüstet sind." Ohne Zweifel würde - wenn es dieses
Programm nicht gäbe - unser Verteidigungsbudget erheblich erhöht werden müssen, um einen gleichwertigen Beitrag zur Verteidigung der freien
Welt zu leisten.
Ziel Nr. 6: Stärkere Heranziehung privater Investitionen sowie
anderer nichtstaatlicher Hilfsquellen bei der Unterstützung der Entwicklungsländer. In den vergangenen Monaten sind eine Reihe neuer Maßnahmen ergriffen worden, um Erfahrung und Können einer Vielzahl von
privaten Organisationen und Einzelpersonen hier in den USA für dieses
Programm zu mobilisieren. Genossenschaften sowie Spar- und Darlehensverbände haben sich sehr aktiv für die Schaffung ähnlicher Einrichtungen im Ausland, insbesondere in Lateinamerika, eingesetzt. Unsere landwirtschaftlichen Hochschulen und die Universitäten schalten sich zunehmend in unsere verschiedenen Programme ein, um bei der Entwicklung
von Agrargebieten in Übersee zu helfen. In Lateinamerika sind beispielsweise bereits 37 amerikanische Universitäten und landwirtschaftliche
Hochschulen am Werk - und eine weitere erhebliche Steigerung dieser
Arbeit ist im kommenden Jahr zu erwarten. Führende Persönlichkeiten
des öffentlichen und privaten Lebens aus dem Staat Kalifornien beraten
mit den zuständigen Stellen in Chile, wie die Möglichkeiten und Hilfsmittel eines bestimmten Bundesstaates besser auf die Unterstützung eines
bestimmten Landes ausgerichtet werden können. Die Gewerkschaften, Stiftungen, Handelsverbände, Berufsvereinigungen und viele andere Institutionen verfügen ebenfalls über Wissen und Hilfsmittel, die wir in
immer stärkerem Maße heranziehen, um den ganzen Komplex privater und
öffentlicher Einrichtungen, von denen unser eigenes nationales Leben
abhängt, systematischer und sinnvoller bei diesem wichtigen Prozeß des
nationalen Aufbaues einzusetzen. Dem Modernisierungsprozeß liegt das
zentrale Problem der Schaffung, Anpassung und Verbesserung der Institutionen zugrunde, ohne die keine moderne Gesellschaft auskommen kann.
Privatinvesti tJonen
Die wichtigste neue Initiative im diesjährigen Programm erstreckt
sich auf unsere verstärkten Bemühungen, die Investition von Privatkapital in den Entwicklungsländern zu ermutigen. Bei der Förderung amerikanischer Privatinvestitionen durch die Gewährung von Investitionsgarantien - bisher in Höhe von 900 Millionen Dollar -, durch Kostenbeteiligung an Investitionsprüfungen, Anleihen in Landeswährung und
andere nach den gegenwärtigen Gesetzen mögliche Maßnahmen ist bereits
ein beachtlicher Fortschritt erzielt worden. Allein während der ersten
Hälfte des laufenden Haushaltsjahres wurden privaten Firmen 7,7 Millionen Dollar in Landeswährung als Anleihen zur Verfügung gestellt.
Ich glaube jedoch, daß sowohl von seiten der Regierung durch eine
verstärkte Tätigkeit des Amtes für Internationale Entwicklung (AID)
als auch auf gesetzgeberischem Gebiet durch den Kongreß noch viel mehr
getan werden müßte. Von Regierungsseite werden unsere Botschafter und
Missionen im Ausland angewiesen, bei ihren Verhandlungen mit den

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den Entwicklungsländern nachdrücklicher darauf hinzuweisen, wie
wichtig es ist, die privaten Hilfsquellen voll auszuschöpfen und
das Klima sowohl für einheimische wie auch für ausländische Privatinvestitionen zu verbessern. Insbesondere bin ich darüber besorgt,
daß das Investitionsgarantieprogramm in einigen Ländern nicht in
vollem Umfang durchgeführt werden kann, da es die dortigen Regierungen
versäumen, die normalen, zwischenstaatlichen Zusicherungen bezüglich
der Investitionsgarantien zu geben.
Darüber hinaus wird auch das Amt für Internationale Entwicklung
(AID) seine eigene Tätigkeit bea-üglich der Förderung der privaten
Wirtschaftstätigkeit verstärken und ausweiten - sowohl hinsichtlich
der Bemühungen, den Entwicklungsländern beim Aufbau einer starken
Privatwirtschaft zu helfen, als auch hinsichtlich der Einrichtungen,
durch die Kapital und technisches Können der Privatwirtschaft für die
wirtschaftliche Entwicklung mobilisiert werden.
Auf gesetzgeberischem Gebiet empfehle ich folgendes:
a. Eine Änderung der Steuerbestimmungen für einen Versuchszeitraum, um amerikanischen Steuerzahlern die Möglichkeit zu geben, Neuinvestitionen in Entwicklungsländern abzusetzen, was auch in gewissem
Umfang für Reinvestitionen ihrer Gewinne in diesen Ländern gelten
sollte. Eine solche Steuererleichterung dürfte durch die Ermöglichung
höherer Kapitalerträge wesentlich dazu beitragen, daß weitere Privatinvestitionen in den Entwicklungsländern getätigt werden. Der Ausschuß
amerikanischer Geschäftsleute für die Allianz für den Fortschritt hat
eine solche Maßnahme empfohlen.
b. Eine Änderung der Bestimmungen für Investitionsgarantien im
Auslandshilfegesetz, um das Garantieprogramm zu erweitern und klar
zu umreißen.
Der wirtschaftliche und soziale Fortschritt kann nicht von den
Regierungen allein erreicht werden. Die wirksame Beteiligung des
fortschrittlichen amerikanischen Geschäftsmannes, insbesondere in
Verbindung mit Privatinteressen in dem Entwicklungsland selbst,
bringt im Entwicklungsprozeß nicht nur die finanzielle Investition,
sondern auch seine technischen und betriebswirtschaftlichen Kenntnisse
ins Spiel. Seine erfolgreiche Beteiligung trägt wiederum dazu bei,
das Klima des Vertrauens zu schaffen, das so entscheidend wichtig
ist, um das lebensnotwendige ausländische und inländische Kapital
anzuziehen und zu halten. Wir begrüßen und ermutigen jede Initiative,
die in Lateinamerika auf dem privaten Sektor ergriffen wird, um das
industrielle Wachstum zu beschleunigen, und hoffen, daß auch in anderen
Entwicklungsländern ähnliche kooperative Anstrengungen gemacht werden.
Die Allianz für den Fortschritt
Die Erfolge der Allianz für den Fortschritt in den kommenden
Jahren werden - in einem ganz besonderen Sinne - Maßstab unserer

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unserer Entschlossenheit, unserer Ideale und unserer Klugheit und
Besonnenheit sein. In diesem vergangenen Jahr ist unsere Fähigkeit
und Findigkeit als Volk gerade hier in der westlichen Hemisphäre
in ganz eindeutiger Weise auf die Probe gestellt worden. Wir handelten
unverzüglich, um der Bedrohung durch aggressive Kernwaffen auf Kuba
zu begegnen, und wir fanden die Nationen Lateinamerikas auf unserer
Seite. Ihnen wurde ebenso wie uns erneut bewußt, welche Gefahr darin
liegt, zuzulassen, daß die Armut und Hoffnungslosigkeit eines ganzen
Volkes irgendwo hier auf diesem Kontinent lange währt.
Hätte man die Bedürfnisse des kubanischen Volks in der Zeit vor
Castro befriedigt - seinen Wunsch nach Nahrungsmitteln, Wohnraum, Bildung und Arbeit sowie, allem voran, sein Verlangen nach demokratischer
Mitbestimmung in der Erfüllung seiner eigenen Hoffnungen - dann hätte
es weder einen Castro noch Raketen auf Kuba gegeben und die Nachbarn
Kubas hätten sich nicht dem gewaltigen Risiko des Widerstands gegen
eine drohende Aggression von seiten dieser Insel auszusetzen brauchen.
Es gibt nur einen einzigen Weg, um zu vermeiden, in
Zukunft einem ähnlichen Dilemma gegenüber zustehen. Man muß in allen
Ländern Lateinamerikas die Hoffnung wecken und den Völkern dieses Kontinents zu verstehen geben, daß sie für sich eine bessere Zukunft gestalten können - nicht dadurch, daß sie den unmenschlichen Geboten
einer fremden und zynischen Ideologie folgen, sondern dadurch, daß
sie ihrem eigenen Wollen Ausdruck verleihen, sich ein eigenes Urteil
bilden und verantwortungsbewußt als Bürger handeln.
Als Amerikaner haben wir seit langem die Rechtmäßigkeit dieser
Bestrebungen anerkannt. In den vergangenen Monaten haben wir - wie
nie zuvor - erkennen können, welche Dringlichkeit ihnen zukommt und,
wie ich meine, durch welche konkreten Maßnahmen sie sich verwirklichen
lassen.
In weniger als zwei Jahren ist aus dem ZehnJahresprogramm der
Allianz für den Fortschritt mehr geworden als eine Idee, mehr als eine
Verpflichtung von Regierungen. Die notwendige erste Anstrengung, um
Pläne auszuarbeiten, Institutionen zu errichten, zu erproben und zu
prüfen - haben eine neue Hingabe und Bereitschaft erforderlich gemacht
und wachgerufen - eine neue Bereitschaft zum klugen Kompromiß zwischen
alten und neuen Lebensformen. Auf lange Sicht wird diese Anstrengung
und nicht die Drohung des Kommunismus das Schicksal der Freiheit in
der westlichen Hemisphäre bestimmen.
Diese Jahre waren für keine Gruppe in Lateinamerika leicht.
Eine ähnliche Änderung der grundlegenden Ausrichtung unserer eigenen
Gesellschaft wäre gewiß nicht leichter gewesen. Die Schwierigkeit
der herbeizuführenden Veränderungen läßt den Erfolg vieler Nationen
in Lateinamerika bei der Durchführung von Reformen, die ihren fundamentalen wirtschaftlichen und sozialen Aufbau gesünder und auch gerechter gestalten helfen, in einem noch helleren Licht erscheinen.
Einige
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Einige eindrucksvolle Erfolge sind bereits sichtbar geworden.
In den meisten Ländern dieses Gebietes werden immer mehr neue Wohnungen gebaut. Die Ausbildungsmöglichkeiten wachsen rasch. Der
Straßenbau schreitet insbesondere in landwirtschaftlichen Gebieten
schnell voran. Mit Hilfe von amerikanischen Geldern werden über zwei
Millionen Schulbücher verteilt, um dem Analphabetentum bei etwa der
Hälfte der 210 Millionen Bewohner Lateinamerikas zu Leibe zu rücken.
In den Ländern der Allianz für den Fortschritt wird die Ernährung
von 8 Millionen Kindern und Müttern durch Lebensmittel
aus dem Programm "Nahrungsmittel für den Frieden" ergänzt, und diese Zahl dürfte
im nächsten Jahr auf fast 16 Millionen anwachsen.
In dem von Unruhen heimgesuchten Nordosten Brasiliens wird
im Rahmen eines Abkommens mit dem Land Rio Grande do Norte ein Programm in Angriff genommen, um 3000 Lehrer auszubilden, 1000 Klassenräume, zehn Berufsschulen, acht Volksschulen und vier Lehrerbildungsstätten zu errichten. In Venezuela ist ein 30-Millionen-DollarProjekt zur Beseitigung von Elendsvierteln in Angriff genommen worden.
In Bogota in Kolumbien wächst auf dem Gebiet des ehemaligen Flugplatzes
eine neue Stadt für 71 000 Menschen, die sich mit Unterstützung des
Treuhandfonds für Sozialen Fortschritt ihre Wohnungen selbst bauen.
In diesem Jahr habe ich einen Brief von Senor Argemil Plazas
Garcia erhalten, den ich bei der Einweihung eines Wohnungsbauprojekts im Rahmen der Allianz für den Fortschritt in Bogota traf. Er
schreibt mir: "Heute lebe ich mit meinen dreizehn Kindern in diesem
Haus, und wir sind sehr glücklich, daß wir solche Armut nicht mehr
kennen und nicht mehr wie Ausgestoßene von Ort zu Ort ziehen müssen.
Wir wissen jetzt, was Würde und Freiheit ist... Meine Frau, meine
Kinder und ich schreiben Ihnen diesen einfachen Brief, um Ihnen den
herzlichen Dank der kolumbianischen Freunde auszusprechen, die nunmehr ein Heim haben, in dem sie glücklich leben können." Zahlreiche
Anfänge der Selbsthilfe und der Reformen zeichnen sich jetzt ab, die
von noch größerer und weitreichender Bedeutung sind. Seit 1961 haben
elf lateinamerikanische Länder - Argentinien, Brasilien, Bolivien,
Kolumbien, Chile, Costa Rica, die Dominikanische Republik, El
Salvador, Mexiko, Panama und Venezuela - strukturelle Reformen in
ihren Steuersystemen vorgenommen. Zwölf Länder haben ihre Einkommensteuergesetzgebung und ihre Steuerverwaltung verbessert. In Venezuela,
der Dominikanischen Republik und zwei Staaten Brasiliens sind umfassende Programme zur besseren Bodennutzung und zur Landreform in
Angriff genommen worden. Verhältnismäßig begrenzte Pläne werden
gegenwärtig in Chile, Kolumbien, Panama, Uruguay und Mittelamerika
durchgeführt.
Sechs lateinamerikanische Länder - Kolumbien, Chile, Bolivien,
Honduras, Mexiko, und)Venezuela - haben dem Expertenausschuß der Organisation Amerikanischer Staaten Entwicklungsprogramme unterbreitet. Dieses Gremium hat die Pläne der ersten drei Länder analysiert
und darüber Bericht erstattet; zu den Plänen der restlichen Länder
soll in Kürze berichtet werden.
w^v,
Wenn

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Wenn man berücksichtigt, was in Jahrzehnten versäumt worden
ist, oder daß die grundlegenden Probleme nur gelegentlich Aufmerksamkeit fanden, dann ist der Anfang, der gemacht worden ist, ermutigend. Vielleicht am bedeutsamsten von alledem aber ist der Wandel,
der sich im Fühlen und Denken der Menschen vollzogen hat - ein
zunehmender Wille, ihr Land zu entwickeln. Wir können den Lateinamerikanern nur helfen, sich selbst zu helfen. Aus diesem Grunde
ist die zunehmende Entschlossenheit der Völker dieses Gebietes,
moderne Gesellschaften aufzubauen, so erfreulich. Und aus diesem
Grunde müssen auch die verantwortlichen Politiker in Lateinamerika
auf den Willen des Volkes mit einem größeren Verständnis für die
dringenden Aufgaben und Ziele reagieren, damit aus Erwartungen nicht
Enttäuschung, aus Hoffnung nicht Verzweiflung wird. Die anstehenden
Reformgesetze müssen verabschiedet werden, aus Worten müssen Taten
werden, und der Mechanismus zur Durchführung der Programme muß aufgebaut und verstärkt werden. Das sind keine leichten Schritte, wie
wir aus eigener Erfahrung wissen, aber sie müssen getan werden.
Wir selbst beabsichtigen, unsere Unterstützung in Lateinamerika
auf jene Länder zu konzentrieren, die sich an die in der Charta von
Punta del Este niedergelegten Prinzipien halten, und mit unseren Nachbarn zusammenzuarbeiten, um genauer die besonderen politischen
Fluktuationen, Reformen und andere Maßnahmen•der Selbsthilfe aufzuzeigen, die notwendig sind, um unsere Hilfe wirksam zu gestalten
und der Allianz zum Erfolg zu verhelfen. Die Empfehlung des ClayAusschusses, unsere Bemühungen um die Förderung einer wirtschaftlichen Integration innerhalb dieses Gebietes und die Ausweitung
des Handels zwischen den lateinamerikanischen Ländern zu verstärken,
ist überaus wertvoll. Die Entschlossenheit der mittelamerikanischen
Präsidenten, sich kühn in dieser Richtung zu bewegen, hat mich während
meines jüngsten Zusammentreffens mit ihnen in San Jose, Costa Rica,
sehr beeindruckt; und das Amt für Internationale Entwicklung hat bereits ein Regionalbüro in Mittelamerika eröffnet, unterstützt eine
regionale Entwicklungsbank und beteiligt sich an regionalen Handelskonferenzen.
In den ersten zwei Jahren der Allianz für den Fortschritt ist
ein Anfang gemacht worden, aber die Arbeit, die noch vor uns liegt,
muß fortlaufend schnellstens in Angriff genommen werden. Zahlreiche
Voraussetzungen für ein erfolgreiches Jahrzehnt sind vorhanden, und
der grundsätzliche Kurs für die Zukunft ist klar. Es liegt nun bei
allen Partnern der Allianz»stetig die Kräfte und den Willen aufzubieten, die notwendig sind, um unerschütterlich diesen Kurs zu verfolgen .
Die gesetzgeberischen Maßnahmen für dieses Jahr
Wenn man die vorerwähnten Tatsachen und Grundsätze in Programmkosten und Bewilligungen umsetzt, und zwar auf der Grundlage der Anwendung der vorher dargelegten und vom Clay-Ausschuß bekräftigten
Maßstäbe, dann ergibt sich folgendes Bild:
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1. Mehr als 200 Millionen Dollar an Mitteln der Wirtschaftshilfe, die gegenwärtig verfügbar sind, dürften im laufenden Finanzjahr eingespart und nicht verwendet werden; und mehr als 100 Millionen Dollar dieser nicht verwendeten Mittel werden für künftige Anleihezwecke verfügbar sein;
2. Zusätzlich zu den eingesparten Mitteln, die in das nächste
Jahr hinübergenommen werden, hat eine genaue Prüfung ergeben, daß eine
Anzahl von Reduzierungen der ursprünglichen Haushaltsvoranschläge für
die Wirtschafts- und Militärhilfe vorgenommen werden können, ohne daß
die nationalen Interessen dadurch ernstlich in Mitleidenschaft gezogen
werden •
Diese Faktoren zusammengenommen erlauben eine Kürzung des ursprünglichen Haushaltsvoranschlages von 4»9 Milliarden Dollar auf 4»5 Milliarden Dollar. Dieser Betrag bringt - in Übereinstimmung mit den Maßstäben und Empfehlungen - die erwarteten Reduzierungen der Militär- und
Wirtschaftshilfe für eine Reihe von Ländern sowie unvermeidbare Erhöhungen für andere zum Ausdruck. Die wesentlichen für die Bewilligungen des Jahres 19^4 vorgeschlagenen Netto-Erhöhungen sind folgende:
- zusätzliche 525 Millionen Dollar für Anleihen in Lateinamerika
- davon 125 Millionen Dollar durch das Amt für Internationale Entwicklung (AID) und 200 Millionen Dollar durch den Treuhandfonds für Sozialen Fortschritt, der von der Interamerikanischen Entwicklungsbank für
die Vereinigten Staaten verwaltet wird (wofür im Haushaltsjahr 19&amp;5
keine Bewilligung notwendig war, da im Jahr zuvor eine zweijährige Bewilligung ausgesprochen wurde);
- zusätzliche 85 Millionen Dollar für Anleihen in der übrigen Welt,
vor allem für Länder wie Indien, Pakistan und Nigeria, die jenem Höhenniveau der Selbsthilfe und des wirtschaftlichen und sozialen Fortschritts gerecht werden, das es ermöglicht, unsere Hilfe auf die
schließliche volle Selbständigkeit abzustellen;
- zusätzliche 80 Millionen Dollar für die Militärhilfe, einschließlich der erhöhten Anforderungen für Indien (wobei die Summe
noch weit unter dem Stand im Haushaltsjahr 1961 liegt); und
- zusätzliche 50 Millionen Dollar für den Nothilfe-Fonds, der
die für unsere eigene Sicherheit notwendige Flexibilität gewährleistet. Wir können und dürfen die Möglichkeit nicht außer acht lassen,
daß in Gebieten, die heute ruhig erscheinen, neue Bedrohungen - ähnlich denen in Laos oder Vietnam - auftreten oder daß sich neue Chancen
bieten, große Erfolge für die Sache der Freiheit zu erzielen. Die Auslandshilfepolitik kann ebensowenig unbeweglich sein wie die Außenpolitik
selbst.
Ich halte es für notwendig und wünschenswert, daß diese Mittel
vom Kongreß zur Verfügung gestellt werden, um den Anforderungen des
Programms gerecht zu werden und für neue Möglichkeiten des Programms

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�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT
Programms zur Verfügung zu stehen. Mittel, die auf Grund der verschärften Maßstäbe für die Auswahl und Durchführung von Projekten,
unseres Hilfeprogramms nicht benötigt werden, sollen, wie auch im
laufenden Jahr, nicht ausgegeben oder bereitgestellt werden.
Die Änderungen in der Gesetzgebung, die ich hiermit vorschlage,
berühren die Grundzüge des Aufbaus und der Zielsetzung des Auslandshilfegesetzes von 1961 in seiner geänderten Form nicht. Grundsätzliche
Änderungen dieser Gesetzgebung scheinen heute nicht notwendig.
Eine relativ geringfügige Änderung, die ich vorschlage, betrifft
die getrennte Ausgabeermächtigung für die Bewilligung der Mittel zur
Unterstützung amerikanischer Schulen und Krankenhäuser im Ausland. Eine
Reihe dieser von Amerikanern geförderten Schulen sind in den Entwicklungsländern sehr erfolgreich gewesen, indem sie eine nach amerikanische
Maßstäben ausgerichtete Ausbildung boten. Bisher ist ihnen eine gewisse
Unterstützung aus den allgemeinen Mitteln für die Wirtschaftshilfe zugeflossen, aber das hat sich in zunehmendem Maße als unzweckmäßig erwiesen. Getrennte Ausgabeermächtigungen und Bewilligungen würden dazu
dienen, diesen Schulen die Durchführung eines langfristigen Ausbildungsprogramms zu ermöglichen, und es ihnen erleichtern, sich auf eine gesunde finanzielle Basis zu stellen und, soweit überhaupt möglich, eines
Tages von amerikanischer Regierungsunterstützung unabhängig zu werden.
Schließlich ersuche ich den Kongreß, im Rahmen dieser Gesetzgebung
den Abschnitt des Gesetzes über die Ausweitung des Handels zu ändern,
der verlangt, daß Importe aus Polen und Jugoslawien nicht die gleiche
Zollbehandlung erfahren dürfen wie andere. Es wäre zweckmäßig, diese
Änderung in dieses (Auslandshilfe-) Gesetz einzubauen,zumal ich davon
überzeugt bin, daß der Handel und andere Formen normaler Beziehungen
für unsere künftigen Beziehungen zu diesen Ländern eine gesündere
Basis darstellen als die Hilfe.
Zusammenfassung
Lassen Sie mich abschließend noch einmal die überragende Bedeutung
der Bemühungen unterstreichen, denen wir uns verschrieben haben.
An diesem Punkt der Geschichte können wir auf zahlreiche Erfolge
in dem Kampf um die Erhaltung der Freiheit zurückblicken. Tag für Tag
erringt unser Land in den Elendsvierteln und den kleinen Dörfern, in
den Krankenhäusern und Schulen sowie in den Regierungsämtern einer
Welt, die entschlossen ist, sich emporzuarbeiten, unbemerkte Siege
im Kampf gegen die kommunistische Subversion. Zwei Jahrhunderte der
Pionierarbeit und des Wachstums müssen auf Jahrzehnte, ja sogar Jahre
zusammengedrängt werden. Es ist dies ein Tätigkeitsbereich, für den
uns unsere Geschichte prädestiniert, zu dem uns unsere Aspirationen
drängen und auf den uns unsere nationalen Interessen hinlenken.
Überall

�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT
Überall auf der Welt zeigen sich - für alle sichtbar - Risse
in dem monolithischen Block unseres Gegners. Für das amerikanische
Volk ist dies eine Zeit, in der es gilt, mit Weitblick, Geduld,
Fleiß und Klugheit zu handeln. Ob zum Guten oder Schlechten: wir
geben das Tempo an. Die Führungsmacht der Freiheit darf nicht
nachlassen oder zögern, soll nicht ein anderer das Tempo bestimmen.
Wir haben es gewagt, die sechziger Jahre das Jahrzehnt der
Entwicklung zu nennen. Doch nicht die Ausdruckskraft unserer Schlagworte, sondern das Maß an Beharrlichkeit, das wir aufbringen, wird
darüber entscheiden, ob diese Generation von Amerikanern die führende Rolle verdient, die die Geschichte uns übertragen hat.

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�A M E R I K A

D I E N S T

W1./17-5.1963
DIE VEREINIGTEN STAATEN UND DIE VERHANDLUNGEN
ZUR AUSWEITUNG DES HANDELS
Hintergrundanalyse

Das amerikanische Gesetz über die Ausweitung des Handels
(Trade Expansion Act) und die in den Vereinigten Staaten angelaufenen Vorbereitungen, seine Bestimmungen so weitgehend wie
möglich auszuschöpfen, basieren auf der Überzeugung, daß eine
Ausweitung des Welthandels die Prosperität aller Völker mehren
wird. Das Gesetz leitet sich direkt aus dem Gesetz über gegenseitige Handelsabmachungen von 1934 (Reciprocal Trade Agreements Act)
her und soll die Bemühungen der Vereinigten Staaten um den Abbau
internationaler Handelsschranken nicht nur fortführen, sondern
noch intensivieren. Die Vereinigten Staaten erhoffen von einer internationalen Arbeitsteilung, welche die damit verbundenen wirtschaftlichen Vorteile nahelegen, nicht nur für sich selbst, sondern
auch für ihre Handelspartner (darunter insbesondere die Europäische
Wirtschaftsgemeinschaft - EWG) und Drittländer in allen Teilen der
Welt günstige Auswirkungen. Diese liberale Einstellung zum Welthandel hat ihren Ursprung in den politischen und wirtschaftlichen
Reformen der dreißiger Jahre, die eine Abkehr von dem aus der Depression geborenen Protektionismus einleiteten. Sie war das ausschlaggebende Moment, das die Vereinigten Staaten zur Mitarbeit
im Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommen (General Agreement on
Tariffs and Trade - GATT) und bei allen während der Nachkriegszeit
geführten Verhandlungen bestimmte, die auf den Abbau der Handelsschranken abzielten. Den ausländischen Produzenten eröffnete sie
den Zutritt zum größten und reichsten einheitlichen Markt der Erde
in bisher einmaligem Umfang.
Der Erfolg der Bemühungen der USA um die Ausweitung des Welthandels läßt sich an der zu verzeichnenden Senkung der US-Zölle
und auch an der Erhöhung der Einfuhren gegenüber dem Zeitraum von
1931 bis 1935 ablesen. Damals beliefen sich die amerikanischen Zölle
ad valorem im Durchschnitt auf 50 Prozent, 1961 nur noch auf 12 Prozent; im gleichen Zeitraum stiegen die amerikanischen Einfuhren von
durchschnittlich 1,7 Mrd. Dollar im Jahr auf 14,6 Mrd.
Die Regierung Kennedy hat klar zu verstehen gegeben, da.ß sie
das neue Handelsgesetz, das die Voraussetzung für eine einschneidende und umfassende Senkung der Zölle auf der Basis der Gegen-

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�"AMERIKA DIENST" - '.VIRTSCHAFT UND ARBEIT
Gegenseitigkeit schafft, als die wichtigste gesetzgeberische Maßnahme der beiden ersten Jahre ihrer Amtstätigkeit ansieht. Unmittelbar nachdem Präsident Kennedy die Zustimmung des Kongresses zu diesem Gesetz erwirkt hatte, gab er den Anstoß zur Aufnahme von Verhandlungen mit dem Ziel, die nunmehr gegebenen Möglichkeiten zum Abbau
der Zölle voll zu nutzen.
Die vorliegende Analyse soll die wichtigsten Bestimmungen des
Trade Expansion Act zusammenfassend darstellen, das Verfahren erläutern, durch das die Vereinigten Staaten die Änderungen der USZollsätze zu erreichen suchen, die Haltung der USA zu den Fragen
umreißen, die voraussichtlich bei den Verhandlungen auf Grund des
Trade Expansion Act zur Sprache kommen werden, und die amerikanische
Ansicht auch zu anderen Formen der Behinderung des Handels umreißen.
I. Das Gesetz über die Ausweitung des Handels (Trade Expansion Act)
Die Zielsetzungen
Sinn und Zweck des Trade Expansion Act lassen sich vielleicht
am besten an den Motiven ablesen, die Präsident Kennedy bewogen haben, sich für seine Annahme einzusetzen.
1 . Die Industriestaaten unter den Handelspartnern der Vereinigten Staaten haben sich während der GATT-Verhandlungen des Jahres 1961
(der sog. Dillon-Runde) darüber beklagt, daß die Vereinigten Staaten
viel zu geringe Zollkonzessionen anzubieten haben, um weiter gehende
Konzessionen von ihrer Seite zu rechtfertigen. Diese Beschränkung
war eine Folge der Bestimmungen des damals geltenden Reciprocal Trade
Agreements Act. In der Erkenntnis, daß dieser keine Möglichkeit zu
Senkungen der amerikanischen Außenhandelszölle über den erreichten
Punkt hinaus bot, entschloß sich die Regierung Kennedy, den Kongreß
um weiter gehende diesbezügliche Vollmachten zu ersuchen.
2. Präsident Kennedy war zu der Auffassung gelangt, daß die
amerikanische Wirtschaft dringend des Anreizes bedürfe, den ein verschärfter Wettbewerb auf den heimischen und ausländischen Märkten mit
sich bringen mußte. Im Sinne der genannten liberalen Grundkonzeption
der Wirtschaftspolitik der Vereinigten Staaten will Präsident Kennedy
die amerikanische Industrie dem Wettbewerb mit der ausländischen Konkurrenz unter dem geringstmöglichen Schutz durch Zollmauern aussetzen.
Gleichzeitig will er damit erreichen, daß die Weltmärkte den amerikanischen Exportgütern mehr als bisher geöffnet werden.
3. Die Vereinigten Staaten hoffen, mit dem wachsenden Gemeinsamen
Markt in Europa eine Regelung aushandeln zu können, die die Gewähr für
einen expandierenden Güteraustausch mit diesem wichtigen Markt bietet.
Vor den Zollverhandlungen von 1961 betrugen die EWG-Zölle im arithmetischen Mittel etwa 14 Prozent, die Zölle der Vereinigten Staaten 12
Prozent. Geht man von den Einfuhren aus, so lagen die Gemeinsamen
Außenzöl\Ltarife der EWG bei etwa 5,7 Prozent, die der USA bei 7,1 Prozent. Wegen der Vielschichtigkeit der Zollstruktur ist solchen Angaben
als Maßstab nur ein relativer Wert beizumessen.
TT
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�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT
Um ihre eigenen Exportaussichten zu verbessern, mußten die Vereinigten Staaten - darüber war man sich durchaus im klaren - dem
Gemeinsamen Markt und anderen wichtigen Handelspartnern, die eine Erhöhung ihres Absatzes auf dem aufnahmefähigen amerikanischen Markt
erstreben, sehr umfangreiche Konzessionen anbieten. Aus diesem Grund
ermächtigt der Trade Expansion Act den Präsidenten zu Zollsenkungen,
die weit über das bisherige Maß hinausgehen.
4. Die Außenpolitik der Vereinigten Staaten ist um die Verbesserung der wirtschaftlichen Verhältnisse in den weniger entwickelten
Ländern der Erde bemüht. Voraussetzung für diese ist es aber, daß die
Entwicklungsländer die Möglichkeit erhalten, ihre Produkte in den hochindustrialisierten Ländern abzusetzen. Der Trade Expansion Act verfolgt
deshalb auch das Ziel, diesen Exporten die Märkte der Industriestaaten
zu öffnen, und zwar ohne von den Entwicklungsländern als Gegenleistung
ähnliche Konzessionen zu verlangen.
5. Eine Ausweitung des Welthandels bei rationellerer Nutzung der
Rohstoffquellen und die daraus -resultierende Verbesserung des Loses
der Menschen in allen Teilen der Welt lassen sich nur durch einen weitgehenden Abbau der Zollschranken bewerkstelligen.
Die Bestimmungen
Die Verwirklichung seiner Zielsetzungen sucht der Trade Expansion
Act vornehmlich durch folgende Schlüsselbestimmungen sicherzustellen:
1. Die amerikanischen Zollsätze können, auf der Basis der Gegenseitigkeit, gesenkt werden
a) um bis zu generell 50 Prozent, bei nur wenigen Ausnahmen;
b) um bis zu 100 Prozent
i) bei Gütern, bei denen auf die USA und die EWG zusammen
ein Anteil von mindestens 80 Prozent am Ausfuhrhandel
der freien Welt entfällt (eine Bestimmung, die nach dem
Abbruch der Verhandlungen zwischen der EWG und Großbritannien vorläufig kaum zur Anwendung gelangen dürfte);
ii) bei bestimmten Agrar- und Tropenprodukten;
iii) bei Waren mit einem Zollsatz von 5 Prozent und darunter
(denn Zölle in dieser Höhe machen gewöhnlich mehr Verwaltungsarbeit als sie zum Schutz der Wirtschaft beitragen).
2. Die Zollsenkungen sind über einen Zeitraum von fünf Jahren auf
der Basis der Meistbegünstigung vorzunehmen.
3. Das Gesetz enthält einige wenige bindende, dabei aber variable
Ausnahmevorschriften, z.B. bezüglich Teppichen, Glaswaren,
Uhren, Blei und Zink, Erdöl usw. Auf die betreffenden Waren
entfällt jedoch nur ein sehr geringer Prozentsatz der amerikanischen Gesamteinfuhr. Es dürften so ziemlich alle Länder

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3 -

�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT
Länder einige besondere Waren haben, bei denen eine
Sonderregelung zu treffen ist. Um die Verhandlungen aber
zu einem erfolgreichen Abschluß bringen zu können, muß die
Zahl derartiger Sonderfälle auf ein Minimum beschränkt bleiben.
4.

Als Novum in der amerikanischen Gesetzgebung erhält der
Präsident die Vollmacht, von Zollsenkungen hart betroffenen
Industrien und Arbeitnehmern zeitlich begrenzte Hilfe zu
gewähren. Diese Hilfe, die für besondere Fälle als Kompensation für den Fortfall bisher wirksamer Vergünstigungen
gedacht ist, soll die betroffenen Industrien in die Lage
versetzen, sich dem Wettbewerb anzupassen, und den Arbeitern Gelegenheit bieten, neue Fertigkeiten zu erwerben und
sich für neue Arbeitsplätze zu qualifizieren. Es handelt
sich auch insofern um ein Novum, als der Anpassung an Veränderungen Vorrang gegenüber dem Schutz vor ihnen eingeräumt
wird. Die Anpassungshilfe wird die Fälle, in denen andere
Schutzbestimmungen zur Anwendung gebracht werden, auf ein
Mindestmaß reduzieren. Es ist damit zu rechnen, daß sie zur
hauptsächlichsten Sicherheitsvorkehrung überhaupt wird, deren
sich die Vereinigten Staaten bedienen.

5.

Andere Vorschriften des Gesetzes sehen Verhandlungen mit
dem Ziel vor, internationale Absatzvereinbarungen zu treffen, um schädliche Nebenwirkungen zu verringern. Unter ganz
bestimmten Umständen, wenn die Senkung von Zollsätzen erwiesenermaßen einen Industriezweig schwer schädigt, ist auch
eine Heraufsetzung des Zolls um maximal 50 Prozent des Standes von 1954 zulässig.
Obwohl der Trade Expansion Act aus diesem Grund die Aufhebung von Zollvergünstigungen auch weiterhin gestattet, bedeutet dies nicht, daß die USA von dieser Bestimmung häufigen Gebrauch machen werden, wie sie dies ja auch bisher
nicht getan haben.

/

In Zukunft wird sie aus zwei Gründen sogar noch seltener
angewandt werden. Erstens besitzt der Präsident nunmehr
die Vollmacht, geschädigten Industrien Anpassungshilfe zu
gewähren (und er hat bereits klar zu verstehen gegeben, daß
er diese Bestimmung als Hauptinstrument zu gebrauchen gedenkt). Zweitens sind die im Gesetz niedergelegten Voraussetzungen für den Widerruf von Zollvergünstigungen weit
schwieriger zu erfüllen als früher.
Selbst unter der bisherigen gesetzlichen Regelung haben
die Vereinigten Staaten wie kaum ein anderes GATT-Mitglied
die einmal gewährten Zollkonzessionen aufrechterhalten,
und dies trotz des starken Drucks auf ihre Zahlungsbilanz.
Während die Vereinigten Staaten ihre Zölle auf 3000 bis
4000 Positionen senkten, wurde bei lediglich 130 Gütern
ein Widerruf der Vergünstigungen erwogen. Nur in 35 Fällen
•

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�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT
Fällen wurde die Aufhebung für gesetzlich zulässig erklärt,
und bei wiederum mehr als der Hälfte dieser Fälle wurde sie
vom Präsidenten abgelehnt.
6.

Das Geaetz gestattet für den Fall, daß andere Staaten andere
alB Zollbeschränkungen gegen amerikanische Exporte verhängen,
die Anwendung von Repressalien, um sicherzustellen, daß Zollaenkungen nicht durch andere Maßnahmen null und nichtig gemacht und amerikanische Agrar- und Industrieexporte keiner ungerechtfertigten Diskriminierung ausgesetzt werden.

Die Verfahrensregelung
Die amerikanische Verfassung ermächtigt den Kongreß, Einfuhrabgaben festzusetzen. Im Trade Expansion Act hat der Kongreß jedoch dem
Präsidenten Vollmacht erteilt, innerhalb der vorstehend aufgezeigten
Grenzen Zollsenkungen auszuhandeln und ihnen zuzustimmen. Die von ihm
ausgehandelten Vereinbarungen bedürfen nicht der späteren Zustimmung
des Kongresses, der sich lediglich ausbedungen hat, daß je zwei Vertreter des Senats und des Repräsentantenhauses den US-Verhandlungsdelegationen als Berater beigegeben werden.
Bezüglich der Führung der Verhandlungen über die angestrebten Zollsenkungen verfügt der Trade Expansion Act die Einsetzung eines Sonderbeauftragten (des Präsidenten) für Handelsverhandlungen (Special Representative for Trade Negotiations) mit dem Rang eines Botschafters. Auf
diesen Posten wurde Christian Herter, Außenminister unter Präsident
Eisenhower, berufen; zu seinem Stellvertreter wurde William Gösset ernannt, ehemaliger Vizepräsident der Ford Motor Company.
Mr. Herter kam zu dem Entschluß, nur einen kleinen Mitarbeiterstab
aufzubauen und die eigentlichen Verhandlungen dem Außenministerium zu
überlassen. Verhandlungsführer ist W. Michael Blumenthal, stellvertretender Unterstaatssekretär für wirtschaftliche Angelegenheiten im USAußenministerium. Er hat direkten Vortrag beim Sonderbeauftragten, der
seinerseits unmittelbar dem Präsidenten Bericht erstattet.
Die Koordinierung der Tätigkeit der in Handelsverhandlungen eingeschalte ven Regierungsstellen wurde dem Beratungsausschuß für das
Gesetz zur Ausweitung des Handels (Trade Expansion Act Advisory
Committee) übertragen, dessen Vorsitz Mr. Herter führt. Ihm gehören ferner Außen-, Finanz-, Verteidigungs-, Innen-, Landwirtschafts-, Handelsund Arbeitsminister an.
Das Gesetz verpflichtet den Sonderbeauftragten,1. die Stellungnahme der US-Zollkommission (einer selbständigen Bundesbehörde) bezüglich aller für derartige Verhandlungen in Aussicht genommenen Waren
einzuholen; 2. die Stellungnahme des Arbeits-, Finanz-, Handels-,
Innen-, Landwirtschafts- und Verteidigungsministeriums vor Abschluß
jedes Abkommens anzuhören; und 3- öffentliche Informationssitzungen
bezüglich der für Verhandlungen in Aussicht genommenen Waren zu veranstalten.
Diese

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�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT
Diese Konsultation soll dem Präsidenten die Entscheidung
darüber erleichtern, welche Waren zum Gegenstand von Verhandlungen
zu machen und welche Konzessionen während der Verhandlungen anzubieten sind.
Die ersten Schritte zur Durchführung des im Oktober 1962 erlassenen
Gesetzes wurden innerhalb kürzester Frist unternommen. Mr. Herter unterbreitete bereits im Januar 19^3 der EWG-Kommission, der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), dem GATT
und den Regierungen der wichtigsten Länder in Europa seine ersten
Vorstellungen bezüglich seiner Aufgabe. Die Vereinigten Staaten regten
kurz nach Jahresbeginn 19&amp;3 an, die Eröffnung der offiziellen GATTVerhandlungen zum frühestmöglichen Zeitpunkt im Jahre 1964 ins Auge
zu fassen.
Der Präsident drängt zur Eile, um die Bestimmungen des Trade
Expansion Act so rasch und weitgehend wie möglich ausschöpfen zu
können.

II. Der amerikanische Standpunkt zu den vorgesehenen GATTZo11Verhandlungen
Die Vereinigten Staaten haben den Wunsch, mit möglichst vielen
GATT-Mitgliedern sowie allen Ländern gegenseitige Handelsgespräche zu
führen, die bereit sind, sich dem Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommen anzuschließen.
Die USA vertreten die Ansicht, daß eine bedeutende Ausweitung des
Welthandels nur dann erreicht werden kann, wenn eine möglichst große
Zahl von Handelsnationen an dieser Zollrunde teilnimmt, darunter vor
allem die großen Export- und Importstaaten und auch die Niedriglohnund Niedrigpreisländer z.B. in Asien.
Die Vereinigten Staaten wünschen ferner, daß über eine möglichst
große Zahl von Positionen verhandelt wird. Sie hoffen, daß sich die
Zahl der Waren, über die gesonderte Verhandlungen nötig sind, auf ein
Minimum reduzieren läßt.
In dem ernsthaften Bemühen, dem Welthandel einen starken Auftrieb
zu geben, befürworten die USA eine allgemeine Senkung der Zölle um
50 Prozent. Ziel dieses Vorschlages ist es, zeitraubende positionsweise Verhandlungen von vornherein auszuschalten, die sich bei früheren
Versuchen als ungeeignet erwiesen haben, umfangreichere Zollsenkungen
zu erreichen. Die Vereinigten Staaten sind bereit, über Zollsenkungen
zu verhandeln, die rund 95 Prozent ihres gesamten Außenhandels berühren. Das ist ein sehr viel höherer Prozentsatz als bei sämtlichen
bisherigen Verhandlungen.
Obwohl in der Vergangenheit mehrere europäische Staaten in vorbereitenden Gesprächen ein lineares Zollsenkungsverfahren mit dem Ziel
der Verhandlungsvereinfachung befürwortet hatten, sind jetzt Bedenken

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�"AMERIKA DIENST" - Y/IRT3CHAFT UND ARBEIT
Bedenken laut geworden, daß eine linerare Senkung der Zölle für die
EWG weniger vorteilhaft wäre als für die Vereinigten Staaten. Da die
EWG-Tarife auf einer mittleren Höhe angeglichen wurden, sind die Unterschiede zwischen den höchsten und den niedrigsten Sätzen nicht mehr
sehr groß, während die amerikanischen Zollsätze, die bei null Prozent
beginnen, untereinander stark variieren. Aus diesem Grunde befürchten
einige Länder, daß bei einer linearen Senkung der Zölle die bereits
relativ niedrigen EWG-Sätze weiter reduziert werden, während einige
amerikanische Zölle selbst bei einer Halbierung nach wie vor verhältnismäßig hoch bleiben 'miüßten.
Diese Furcht ist völlig unbegründet. Von den 5000 Gütern der
amerikanischen Zolliste weisen nämlich rund 10QP einen Zollsatz von
null Prozent auf. Im Vergleich zur Zolliste der EWG ist dieser Anteil
erheblich größer. Von den restlichen 4000 Positionen weisen nur rund
900 Zollsätze auf, die über 30 Prozent hinausgehen. Nur bei einigen
wenigen Gütern übersteigt der Tarif 50 Prozent. Es ist also nur ein
Bruchteil aller in den USA zollpflichtigen Güter, der zur Gruppe
der Waren mit hohen Zöllen gehört.
Zudem aber vertreten die Vereinigten Staaten die Ansicht, daß nicht
die Zollhöhe das entscheidende Kriterium ist, sondern vielmehr die
Rolle, die ein zollpflichtiges Gut im Außenhandel spielt. So kann z.B.
ein Zollsatz von 20 Prozent durchaus die Absatzchancen für "das Produkt
"A" zunichte machen, während das Produkt "B" trotz eines Zollsatzes von
90 Prozent gehandelt wird. Tatsächlich werden Güter mit hohen Zollsätzen in erheblichen Mengen in die USA importiert. Niedrigere Zölle
könnten daher in solchen Fällen zu einer wesentlichen Zunahme der Einfuhren nach den Vereinigten Staaten führen und wären somit als wertvolle Konzession anzusprechen. Güter mit hohen Zollsätzen sind bei
früheren Verhandlungen von den USA vielfach ausgeklammert worden,
da niedrigere Zollsätze höhere Importe nach sich gezogen hätten.
Die von den Vereinigten Staaten jetzt vorgeschlagene lineare Zollsenkung eröffnet den nach den USA exportierenden Ländern große Marktchancen und dürfte zudem wesentliche strukturelle Veränderungen in der
amerikanischen Wirtschaft nach sich ziehen. Daher werden die Vorteile,
die ausländischen Exporteuren auf dem amerikanischen Markt aus einer
linearen Zollsenkung erwachsen, größer sein als die, die die amerikanischen Exporteure im EWG-Raum infolge der Senkung der bereits mäßigen
EWG-Zölle einhandeln.
Das Eintreten der Vereinigten Staaten für eine lineare Zollsenkung
um 50 Prozent stellt keineswegs einen Versuch dar, eine Freihandelszone
zu schaffen. Das Meistbegünstigungsverfahren, das bei den GATT-Verhandlungen in Anwendung kommt, macht einen solchen Versuch von vornherein
unmöglich. Ebenso stehen die Vorschläge der USA nicht im Widerspruch zu
einer Gemeinsamen Agrarpolitik der EWG. Die Vereinigten Staaten erkennen
durchaus an, daß ein Geraeinsamer Außenzoll und eine Gemeinsame Agrarpolitik eine wesentliche Voraussetzung für den Aufbau der Europäischen
Wirtschaftsgemeinschaft darstellen, die von den USA voll und ganz unterstützt wird. Die Vereinigten Staaten sind viel mehr wegen des Umfangs des Schutzes besorgt als wegen des Prinzips des Schutzes selbst.
Die

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�AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT
Die USA sind der Ansicht, daß die Agrarfragen mit in die Verhandlungen einbezogen werden müssen. Der Anteil der landwirtschaftlichen
Produkte an den gesamten amerikanischen Exporten nach den Ländern des
Geraeinsamen Marktes beträgt rund 40 Prozent. Da die EWG im Begriff
ist, eine Gemeinsame Agrarpolitik und mit ihr ein neues System zum
Schutze der Landwirtschaft der EWG zu entwickeln, das auf die Erhöhung
der derzeitigen Schutzwälle hinauslaufen könnte, haben die Vereinigten
Staaten die EWG um die vorherige Zusicherung ersucht, daß ihnen der Zugang zum Gemeinsamen Markt nicht wesentlich erschwert werde, solange
die Verhandlungen über den Abschluß einer langfristigen Regelung fortgeführt werden.
•

In diesem Zusammenhang ist auch die Frage aufgetaucht, ob es überhaupt sinnvoll sei, über Agrarzölle zu verhandeln, wenn sich die Gemeinsame Agrarpolitik zur Abschirmung der EWG anderer Schutzmaßnahmen
als Zölle bedient. Die USA sind der Auffassung, daß die Gemeinsame
Agrarpolitikkein unüberwindliches Hindernis für ernsthafte Verhandlungen
darstellt und daß durch solche Verhandlungen die Schaffung oder das
Funktionieren einer Gemeinsamen Agrarpolitik nicht präjudiziert zu werden
braucht. Erstens sind und werden zahlreiche landwirtschaftliche Erzeugnisse durch herkömmliche Zölle geschützt; zweitens könnten die Zollsätze für Agrarprodukte beispielsweise genausogut- im Rahmen der normalen
GATT-Verfahren ausgehandelt werden; und schließlich könnten für solche
Produkte, die sich für derartige Verfahren nicht eignen, internationale
Warenabkommen abgeschlossen werden.
Die Vereinigten Staaten haben als Beitrag zur Lösung der internationalen Probleme auf dem Agrarsektor angeboten, eine Modifizierung
ihrer agrarpolitischen Richtlinien in Betracht zu ziehen, durch die
Importe begrenzt oder Exporte subventioniert werden.
Die Vereinigten 'Staaten sind gegenüber den Entwicklungsländern
zu speziellen Konzessionen bereit und hoffen, daß andere Industrieländer ein Gleiches tun werden. Neben der Herabsetzung aller Zölle
um 50 Prozent schlagen die USA auch die Abschaffung sämtlicher Zölle
für eine Anzahl tropischer Produkte vor. Obgleich diese Produkte in den
Ländern der gemäßigten Klimazonen nicht erzeugt werden, treffen sie
doch häufig auf den Wettbewerb mit Ersatzprodukten, die in den Industrieländern hergestellt werden - wie dies z.B. bei tierischen und
pflanzlichen Fetten und Ölen der Fall ist.
Es ist wichtig, in diesem Zusammenhang darauf hinzuweisen, daß
die Vereinigten Staaten gefordert haben, bei Zollverhandlungen mit
Entwicklungsländern nicht auf dem Prinzip der vollen Reziprozität zu
bestehen. Sie sind der Meinung, daß die Entwicklungsländer vielfach
der Hilfe bedürfen, um ihre Exporte absetzen zu können und daß ein gewisser Schutz der aufstrebenden jungen Volkswirtschaften durchaus angebracht
ist.

III.

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�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT
III. Andere Handelsbeschränkungen
Die Vereinigten Staaten haben außerdem den Wunsch, auch über jene
Handelsbeschränkungen zu verhandeln, die nicht zollpolitischer Art sind.
Wo immer Mittel und Wege für den Abbau solcher Handelsschranken gefunden werden können, sind die USA bereit, die erforderlichen gesetzgeberischen Maßnahmen zwecks Änderung ihrer nationalen Gesetze einzuleiten.
Diese Hindernisse - in der Regel Gesetze und Bestimmungen, die den
Handel selbst dann noch hemmen, wenn keine Zölle erhoben werden - bereiten den USA ebenso ernste Sorgen wie anderen Ländern. Die große
Bedeutung, die die Vereinigten Staaten der Beseitigung gerade dieser
Handelsschranken für ihre eigenen Exporte beimessen, ist schon daran zu
ersehen, daß der Trade Expansion Act dem Präsidenten verschiedene Möglichkeiten an die Hand gibt, Repressalien zu ergreifen - Möglichkeiten,
die hoffentlich niemals angewendet werden müssen.
In den vorbereitenden Gesprächen zwischen den Vereinigten Staaten
und ihren wichtigsten Handelspartnern wurde auch duch letztere.- allgemein
gefördert, daß derartige Handelsbeschränkungen bei eventuellen Handelsgesprächen Gegenstand von Erörterungen sein müßten.
Die USA erklärten sich sofort damit einverstanden, diesen Fragenkomplex zu diskutieren. Sie sind der Meinung, daß die amerikanischen
Exporte unter diesen Beschränkungen mindestens ebenso zu leiden haben
wie die Exporte anderer Länder in die USA. Dennoch verdienen die Zölle
die größte Beachtung, und die Verhandlungen über andere Handelsfragen
dürfen keinesfalls den Bemühungen um eine Senkung der Zölle im Wege
stehen.
Zu den wichtigsten nicht zollpolitischen Handelsbeschränkungen
gehören:
Mengenmäßige Einfuhrbeschränkungen. Die Vereinigten Staaten haben
sich seit langem gegen dieses Uberlbleibsel aus den wirtschaftlichen
Krisen der Kriegs- und Nachkriegs jähre gewandt, bilde.t es doch ein
schwerwiegendes Hindernis auch für zahlreiche amerikanische. Ausfuhren.
Die mengenmäßigen Einfuhrbeschränkungen der Vereinigten Staaten, die
im Einklang mit den GATT-Verfahren bisher aufrechterhalten wurden,
betreffen lediglich Blei, Zink, Baumwolle, Weizen und Weizenprodukte,
einige Milchprodukte und Erdnüsse.
Vorschriften über Präferenzkäufe. In vielen GATT-Ländern bestehen
Gesetze oder interne Anweisungen, wonach Regierungskäufe nicht bei ausländischen Lieferanten getätigt werden dürfen. Der amerikanische "Buy
American Act" betrifft nur die Beschaffungskäufe der Bundesregierung.
Er enthält kein Verbot des Erwerbs ausländischer Erzeugnisse und räumt
amerikanischen Produzenten lediglich einen gewissen Preisvorteil ein,
ohne Auslandskäufe in praxi zu unterbinden.
Hygienische

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�"AMERIKA DIENST" -

WIRTSCHAFT UND ARBEIT

Hygienische und gesundheitliche Vorschriften. Die Hygiene- und
Gesundheitsvorschriften eines jeden Landes können dazu benutzt werden,'
die Einfuhren zu blockieren. Amerikanische Exporteure beklagen sich
darüber, daß sie trotz Gewährleistung einwandfreier hygienischer
Produktionsverhältnisse ständig gegen dieses Problem anzukämpfen haben.
Vielfach haben ausländische Exporteure auch behauptet, daß die amerikanischen Vorschriften, die den US-Produzenten zur Einhaltung anderer
als im Ausland üblicher Normen zwingen, diskriminierend seien. Die
Vereinigten Staaten sind bereit, diese Vorwürfe in dem Wunsch zu prüfen,
eine für beide Seiten zufriedenstellende Lösung zu finden.
Zollberechnungsgrundlagen. Die Höhe der Zölle hangt eindeutig von
der Erhebungsbasis ab. Es gibt kein allgemein anerkanntes System zur
Ermittlung des Zollwertes. Der Gemeinsame Markt berechnet den Zoll
nach dem Cif-Wert des importierten Gutes, die USA dagegen legen den
Fob-Wert als Basis zugrunde, der in der Regel um 10 bis 15 Prozent niedriger ist als der Cif-Wert.
Um sicherzustellen, daß die Importe in zolltechnischer Hinsicht
nicht unterbewertet werden, haben die Zollbehörden - einschließlich der
amerikanischen - ihre eigenen Methoden zur Wertbestimmung der Importgüter entwickelt. Diese voneinander abweichenden Verfahren stehen ebenfalls zur Verhandlung an.
Anti-Dumping-Maßnahmen.. Alle Staaten suchen zu verhindern, daß
ausländische Dumping-Verkäufe ihren Binnenmarkt aus dem Gleichgewicht
bringen. Maßnahmen zur Bekämpfung des Dumpings werden von allen Industrieländern angewendet. Verfahrenstechnische Schutzvorkehrungen gegen
ein Dumping sind auch im GATT-Protokoll enthalten, und der Gemeinsame
Markt selbst hat Bestimmungen zur Unterbindung von Dumping-Verkäufen
eines Partnerstaates auf den Märkten eines anderen erlassen. Auch die
Vereinigten Staaten besitzen ein derartiges Gesetz, das den GATT-Bestimmungen entspricht. Die Anwendung dieses Gesetzes und seine Bestimmungen bezüglich der vorübergehenden Aussetzung der Zollberechnung
nach Einleitung einer Untersuchung sind von einigen Exporteuren von
Industrieerzeugnissen kritisiert worden. Die Vereinigten Staaten untersuchen diese Frage gegenwärtig gemeinsam mit anderen Mitgliedstaaten
der OECD. Sie sind bereit, diese Frage ebenso wie andere Vorwürfe bezüglich handelsdiskriminierender Praktiken im Gesamtrahmen von Zollverhandlungen zu erörtern.

*

* * *

-

10

*

�Die amerikanische Note hat folgenden
Wortlaut:

"Die Botschaft der Vereinigten Staaten von Amerika erweist dem
Außenministerium der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken ihre
Hochachtung und hat die Ehre, auf die Note des Außenministeriums vom
8. April 1963 Bezug zu nehmen, in der die Ansichten der sowjetischen
Regierung im Zusammenhang mit den Plänen dargelegt werden, die gegenwärtig innerhalb der Nordatlantikpaktorganisation erörtert werden
und die in der Entwicklung begriffene Organisation nuklearer Verteidigungsstreitkräfte der NATO betreffen.
Die sowjetische Regierung erhebt in ihrer Note im Hinblick auf
die Maßnahmen, die die freien Länder Europas und Nordamerikas zur
Gewährleistung ihrer Sicherheit ergreifen mußten, eine Reihe grundloser Anschuldigungen. Sie erklärt, daß diese Maßnahmen jeder Rechtfertigung entbehrten, die Gefahr des Ausbruchs eines thermonuklearen
Krieges vergrößerten und von vornherein jeden Fortschritt auf dem

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�"AMERIKA DIENST"
dem Gebiet der Abrüstungsverhandlungen zunichte machten.
Die Vereinigten Staaten weisen diese Beschuldigungen zurück.
Es ist wichtig, erneut darauf hinzuweisen, daß die Tätigkeit der
NATO im Lichte jener Umstände beurteilt werden muß, die seinerzeit
zur Gründung der westlichen Allianz und ihrem - sowohl in der
Konzeption wie auch in der Wirklichkeit - rein defensiven Charakter führten. Die Tatsachen der Nachkriegsgeschichte zeigen unwiderlegbar auf, daß die NATO im Jahre 1949 auf Grund eines freien und
spontanen Entschlusses der freien Länder Europas geschaffen wurde,
gemeinsam zusammen mit den Vereinigten Staaten und Kanada ihre
Selbstverteidigung zu organisieren. Die Länder wollten sichergehen,
daß sie nicht das Schicksal jener Staaten erleiden würden, die in der
Zeit vor Gründung der NATO eines nach dem anderen unter sowjetische
Herrschaft gefallen waren. Seither haben die Länder Westeuropas und
der NATO sich mit Erfolg ihre Freiheit und nationale Unabhängigkeit
erhalten, ohne den rein defensiven und nicht-aggressiven Charakter
der Allianz dadurch zu verändern.
Die Vereinigten Staaten sind der Ansicht, daß die NATO-Allianz
sowohl das Recht als auch die Pflicht, hat, die Erhaltung der Freiheit und Unabhängigkeit ihrer Mitglieder weiterhin zu gewährleisten.
Dieses Recht und diese Pflicht schließen die Aufrechterhaltung der
modernen Rüstungen ein, die erforderlich sind, um jeder Drohung
seitens eines oder mehrerer Länder zu begegnen, die über gleichartige
Rüstungen verfügen. Die Vereinigten Staaten weisen jede Vorstellung
zurück, daß einer Allianz, zu der Länder Europas gehören, die innerhalb der Reichweite Hunderter sowjetischer Atomraketen und Atombomber
liegen, entsprechende Streitkräfte verwehrt werden sollten. Es ist
absurd, darauf zu bestehen, daß die Sowjetunion selbst das Vorrecht
zur Stationierung nuklearer Waffen in Positionen haben müsse, die
die Städte Westeuropas bedrohen, und daran festzuhalten, daß eigentlich von Seiten der NATO keine dementsprechenden Verteidigungsmiißnahmen ergriffen werden dürfen.
Die 1.957 gefaßten Beschlüsse der NATO, eine eigene Atomstreitmacht
aufzustellen, waren lediglich die Antwort auf wiederholte Drohungen
der Sowjetunion, Kernwaffen einzusetzen, und erfolgten im Hinblick
auf die gewaltigen Anstrengungen der sowjetischen Regierung, ihr
Kernwaffen- und Raketenarsenal weiter auszubauen. Die sowjetische
Regierung hat seitdem in keiner Weise zu erkennen gegeben, daß sie
beabsichtigt, den Ausbau ihrer nuklearen Stärke zu verlangsamen: und
sie hat ihre ungerechtfertigten und gefährlichen Drohungen, ihr nukleares Potential einzusetzen und die NATO-Länder zu vernichten, fortgesetzt. Um nur ein Beispiel zu erwähnen, möchten die Vereinigten
Staaten die Aufmerksamkeit der sowjetischen Regierung auf die von
ihrem Verteidigungsminister, Marschall Malinowski, anläßlich des 45»
Jahrestages der Roten Armee am 22. Februar 1963 gehaltene Rede lenken.
Seine Rede ist ein Beispiel, das die Anstrengungen der NATO-Länder, ihre
Verteidigungsstärke zur Sicherung des Friedens und zum Schutze ihrer
Freiheit auszubauen, rechtfertigt. Die Note der sowjetischen Regierung
scheint anzudeuten, daß lediglich die Sowjetunion das Recht habe, ihre

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AMERIKA DIENST"
ihre militärische und vor allem ihre nukleare Stärke auszubauen,
während entsprechende Anstrengungen der NATO-Länder zur Verbesserung
ihres Verteidigungspotentials eine 'Bedrohung des Weltfriedens' und
einen Ausdruck t der Politik des Kalten Krieges'darstellten. Es liegt
auf der Hand, daß die Vereinigten Staaten eine derartige Argumentation, die im Widerspruch zu dem vorgegebenen Wunsche der sowjetischen Regierung steht, zu -den NATO-Ländern Beziehungen der Zuversicht und des gegenseitigen Vertrauens herzustellen, nicht akzeptieren können.
Die Ausführungen in der sowjetischen Note hinsichtlich der
Politik der Vereinigten Staaten in der Frage der nuklearen Waffen
entbehren genauso jeder Grundlage wie die Beschuldigungen in bezug
auf die westlichen Verteidigungsmaßnahmen im allgemeinen. Die Vereinigten Staaten haben sich der Ausbreitung nuklearer Waffen auf
den Besitz einzelner Nationen konsequent widersetzt und im Zusammenhang mit den Abrüstungsverhandlungen, der Verteidigungspolitik und der
internationalen Zusammenarbeit für die friedliche Nutzung der Atomenergie zahlreiche Schritte eingeleitet, um eine solche Entwicklung
zu verhindern. Leider sind die von den Vereinigten Staaten im Rahmender
Abrüstungsverhandlungen unternommenen Bemühungen, die Möglichkeiten
eines Krieges durch Zufall oder Irrtum zu verringern, bisher von
der UdSSR zum größten Teil zurückgewiesen worden, obgleich die Vereinigten Staaten sich durch die Annahme des Vorschlages einer direkten
Nachrichtenverbindung seitens der Sowjets ermutigt fühlen. Die Versuche,
über die Internationale Atomenergiebehörde Garantien für die Atomprogramme zu schaffen, sind jedoch von der UdSSR abgelehnt worden.
Was indessen die von seiten der Vereinigten Staaten und ihrer Verteidigungspartner unternommenen Schritte zur Reduzierung des Kriegsrisikos anbelangt, sind die schärfsten Sicherheitsvorkehrungen getroffen worden, um den unbefugten oder zufälligen Einsatz von Kernwaffen
auszuschalten und eine zu allen Zeiten von Verantwortung getragene
Kontrolle der Atomwaffen zu gewährleisten.
Alle Verteidigungsprogramme, denen sich die Vereinigten Staaten
angeschlossen haben oder anschließen werden, sei es innerhalb der
NATO oder irgendeiner anderen Allianz der freien Welt, stehen voll
und ganz mit diesen seit langem bestehenden Zielsetzungen in Einklang.
Die sowjetische Regierung hat die Frage der multilateralen Streitmacht aufgeworfen, die gegenwärtig innerhalb der NATO erörtert wird.
Eine solche Streitmacht würde voll und ganz mit dem Ziel in Einklang
stehen, die Entwicklung neuer nationaler nuklearer Waffenprogramme zu
verhindern. Eine solche Streitmacht würde multilateraler Besitz sein,
multilaterale Besatzungen haben und keiner einzelnen Regierung zur
Verfügung stehen. Die Schaffung einer solchen Streitmacht würde der
Vermehrung unabhängiger nuklearer Potentiale eher hinderlich als
förderlich sein. Sie würde um einen unbefugten Einsatz oder einen
Einsatz auf Grund eines Zufalls zu verhindern, den gleichen Sicherheitsbestimmungen unterworfen sein wie die übrigen nuklearen Streitkräfte der NATO. In diesem Zusammenhang ist es notwendig, klarzustellen, daß die Schiffe - im Gegensatz zu den sowjetischen Behauptungen - nicht als Handelsschiffe 'getarnt' wären. Es würden de jure
und de facto Kriegsschiffe sein', die eindeutig als Teil der westlichen

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�AMERIKA DIENST
westlichen Verteidigungsstreitmacht gekennzeichnet wären, und es
würde kein Versuch unternommen werden, diese Schiffe als Handelsschiffe zu tarnen.
Die Vereinigten Staaten vermerken, daß die Sowjetunion wieder
einmal eine Reihe haltloser und unbegründeter Anschuldigungen gegen
die Bundesrepublik Deutschland erhoben hat, deren in demokratischer
Form frei gewählte Regierung sich den anderen freien Staaten in der
kollektiven Selbstverteidigung angeschlossen hat. Die Verteidigungsstruktur der Bundesrepublik wurde innerhalb der Struktur der NATO
konzipiert und gestaltet und dient allein dem Zweck, einen Beitrag
zu den Verteidigungserfordernissen der Atlantischen Allianz zu leisten, um jeder möglichen Bedrohung von Mitgliedern der Allianz
begegnen zu können. Jeder objektive Beobachter erkennt, daß die Spannungen und Gefahren in Europa ihren Ursprung nicht in der Politik der
Bundesrepublik haben, sondern vielmehr in der unnatürlichen Teilung
Deutschlands, wie sie in -der mitten durch Berlin führenden Mauer in
ihrer groteskesten und unmenschlichsten Form zum Ausdruck kommt,sowie
in der Weigerung der sowjetischen Regierung, zuzulassen, daß dem
deutschen Volk sein natürliches Recht auf Selbstbestimmung gewährt
wird. Wenn die sowjetische Regierung wirklich eine Normalisierung der
Situation in Mitteleuropa anstrebt, sollte sie sich vor allem um die
Beseitigung dieser Ungerechtigkeiten bemühen.
Die sowjetische Regierung führt eine Reihe von Problemen an, an
deren Lösung sie, wie sie zugibt, interessiert ist. Der sowjetischen
Regierung ist eine Vielfalt von Möglichkeiten zur Demonstration
einer echten Bereitschaft geboten, gerechte Lösungen für die internationalen Probleme herbeizuführen. Um nur ein Beispiel zu nennen:
Ein Übereinkommen zur Einstellung der Kernwaffenversuche würde auf
die internationale Lage tiefgreifende Auswirkungen haben, es würde auf
konkrete Weise zur Verlangsamung des Wettrüstens und dazu beitragen,
eine weitere Ausbreitung der Kernwaffen zu verhindern. Die Vereinigten Staaten ihrerseits werden nicht nachlassen in ihren Bemühungen,
Fortschritte in der Frage der Abrüstung und des Kernwaffenversuchsverbots zu erzielen.
Die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten können und werden
sich nicht durch Drohungen davon abbringen lassen, alle zum Schutz
ihrer Sicherheit notwendigen Maßnahmen zu treffen. Gleichzeitig aber
bleiben die Vereinigten Staaten entschlossen, alle Wege zu beschreiten, die Hoffnung auf eine Verminderung der Spannung und eine Vergrößerung der Friedensauasichten bieten."

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�A M E R I K A

D I E N S T

�Allg./24.5.1963

ABENTEUER DES RAUMFLUGS
Cooper - ein idealer Astronaut

Als der ideale Astronaut, der sein Raumfahrzeug auch in kritischer Situation zu führen versteht und der unter den besonderen
Bedingungen im Weltraum als aufmerksamer wissenschaftlicher Beobachter fungiert, erwies sich Luftwaffenmajor Leroy Gordon Cooper. Sein
Flug vom 15«/l6« Mai 19^3, bei dem er 22mal die Erde umkreiste, bildet die Krönung des MERCURY-Programms der NASA (US-Amt für Luft- und
Raumfahrt). Das Experiment ist von allen Raumflügen, die von den
Vereinigten Staaten bisher überhaupt unternommen worden sind, als
eines der ergiebigsten zu werten. Was inzwischen über den Flug selbst,
die Erlebnisse Coopers und die Ausbeute an wissenschaftlichen Daten
bekanntwurde, ist verständlicherweise noch sehr lückenhaft und nicht
viel mehr als "rohes Material". Die Auswertung im Detail wird Wochen
und Monate in Anspruch nehmen. Dennoch lohnt es sich, auf die bereits
bekanntgewordenen Einzelheiten jetzt schon näher einzugehen.
Bei dem Experiment MERCURY-ATLAS. 9,wie die offizielle Bezeichnung für die Flugmission Major Coopers mit seinem Raumschiff "Faith 7"
lautete, ging es weniger darum, ein Fluggerät zu testen, als Forschungsaufgaben zu erfüllen und die Reaktionen des Menschen und seine
Leistungsfähigkeit unter der Einwirkung relativ lang dauernder Schwerelosigkeit zu untersuchen. Cooper befand sich nahezu viermal länger
in diesem Zustand als sein Vorgänger Schirra. Er hatte dabei ein ungemein reichhaltiges Arbeitsprogramm zu absolvieren, und er selbst
besaß anscheinend noch den besonderen Ehrgeiz, mit seinen Vorräten
an Sauerstoff, Treibstoff und Strom so sparsam wie nur möglich umzugehen. Die Beobachter auf den Bodenstationen vermerkten diese Disziplin mit größter Bewunderung; sein Kamerad Shepard sah sich im Funksprechverkehr mit Cooper sogar einmal zu der scherzhaften Bemerkung
veranlaßt: "Nun kannst du ruhig damit aufhören, die Luft anzuhalten atme doch mal Sauerstoff!"
Die wenigen Beschwerden, die sich bei Major Cooper nach der
Landung zeigten, klangen sehr bald wieder ab. Die erste äußerte sich
in einem Schwindelanfall von 15 Sekunden Dauer, unmittelbar nachdem
er an Bord des Flugzeugträgers "Kearsarge" aus seiner Raumkapsel
geklettert war. Die Raumflugmediziner hatten dies erwartet und

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und hätten selbst einen Ohnmachtsanfall nicht als etwas Ungewöhnliches empfunden. Der Astronaut sprach mit etwas heiserer Stimme,
seine Augen waren leicht gerötet; das letztgenannte Symptom schreibt
sein Arzt dem lang dauernden "Bespülen" des Gesichts mit reinem Sauerstoff zu. Nichts Ungewöhnliches war ferner das Absinken des Blutdrucks
bei gleichzeitiger Beschleunigung des Herzschlags beim Aufstehen aus
der Ruhelage. 48 Stunden nach der Landung waren sämtliche Beschwerden
verschwunden. Gebräunt, entspannt und frisch wie eh und je stellte
sich Cooper in Cape Canaveral, vier Tage nach seinem "Start nach dem
Lehrbuch", den rund 300 Journalisten aus 50 Ländern.
Physiologische Daten
Die medizinischen Kontrollen sind allerdings noch lange nicht
abgeschlossen; Cooper wird noch mehrere Wochen lang unter gründlicher
Beobachtung stehen. Das US-Amt für Luft- und Raumfahrt hatte insgesamt 71 Raumflugmediziner bei den Bodenstellen rund um den Erdball
stationiert, die gemeinsam mit Ärzten der verschiedensten Fachrichtungen den Plug Coopers beobachteten. Sie hatten die mit den Telemetriesignalen übermittelten physiologischen Meßdaten zu überwachen, die
Flugleitung bei Auftreten erkennbarer Störungen sofort zu informieren
und über Funk dem Astronauten notfalls Anweisungen zu geben. In dieses
System hatte man erstmals einen auf den Bermudas stationierten Elektronenrechner eingeschaltet, der so programmiert war, daß er den jede
Minute gemessenen Puls laufend mit dem "Normalpuls" Coopers verglich.
Bei einer anomalen Abweichung wurden sofort Warnungen über eine angeschlossene elektrische Schreibmaschine ausgedruckt.
Coopers Puls, der in der Startphase unter dem ungeheuren Beschleunigungsdruck auf über 150 angestiegen war, fiel nach dem Eintritt
in die Umlaufbahn bald auf den Normalwert von 75 bis 92 Schlägen pro
Minute zurück. Während der Schlafperiode zwischem dem 9» u n d 15« Umlauf - Cooper selbst schätzt die Zeit, in der er fest schlief, auf
sechseinhalb bis sieben Stunden - wurden für den Pulsschlag 55 bis
58, für die Atmung 16 Frequenzen in der Minute gemessen.
Kurz nach Beginn des 13. Umlaufs wurden die Beobachter auf den
Bodenstationen alarmiert. Der Puls des Astronauten war plötzlich auf
über 100 gestiegen, ging dann aber bald wieder auf einen normalen
Wert zurück. Später stellte sich heraus, daß es Cooper infolge eines
Ansteigens der Temperatur im Raumanzug ungemütlich geworden war. Dadurch war er auch in seinem Schlaf gestört worden. Nachdem er aber
die Temperatur reguliert hatte, schlief er wieder ein. Die Bodenstationen waren angewiesen, ihn nicht zu stören und den Funksprechverkehr mit der Kapsel vorübergehend einzustellen. Am späten Vormittag
des 16. Mai, rund 21 Stunden nach dem Start Coopers mit "Faith 7"
in Cape Canaveral, meldete sich in Muchea (Australien) eine wohlbekannte Stimme. Cooper berichtete, daß er gut ausgeruht sei und sich
sehr wohl fühle.
Nach seiner Rückkehr erzählte Cooper, daß er beim Aufwachen
zunächst gar nicht gewußt habe, wo er sich befinde. Die Schwerelosigkeit habe sich insofern unangenehm ausgewirkt, als seine Arme in der
Kabine "schwebten", die Hände gefährlich nahe an den Schaltern und
Hebeln. Schleunigst habe er sie daraufhin anter den Gurten "verstaut",
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�AMERIKA DIENST"
"verstaut", mit denen er angeschnallt war.
Die Kontrollmessungen 22 Stunden nach dem Start ergaben: "Alles
an Bord O.K." 18,2 Grad Celsius betrug die Temperatur im Raumanzug,
33» 7 Grad Celsius in der Kabine. Eine übermäßige Erhöhung der Temperatur im Raumanzug, der ein von der Kabinenkühlung unabhängiges Kühlsystem besitzt, wurde nicht nur von den üblichen Thermometern,, sondern bei einem Ansteigen auf mehr als 24 Grad Celsius auch von dem
neuen, bei Cooper erstmals verwendeten Körperthermometer zur zusätzlichen Kontrolle registriert. Dieses kleine elektronische Gerät enthält ein Halbleitermaterial, das seinen elektrischen Widerstand mit
der Temperatur verändert und so sehr zuverlässig Zehntelgrade von
Temperaturen zwischen 24° und 65 0 C meldet. Es war im Helm vor dem
rechten Ohr des Astronauten befestigt. Cooper brauchte es zum Temperaturmessen nur unter die Zunge zu schieben, mußte dazu jedoch das
Visier öffnen, weshalb er angewiesen war, insgesamt nur viermal die
Temperatur zu nehmen.
Rund 20 Mal hatte Cooper auch seinen Blutdruck zu messen, und
zwar durch Aufpumpen einer an ein Spezialgerät angeschlossenen, mit
einem kleinen Mikrophon ausgestatteten Manschette am linken Oberarm.
Er brauchte dazu nur einen ".'.Knopf auf dem linken Instrumentenbord zu
drücken.- alles andere, einschließlich der Übermittlung des Meßwerts
zu den Bodenstellen, verlief automatisch.
Die Stromkurven für das EKG, das die Herztätigkeit anzeigt, lieferten vier Elektroden am Körper, die so geschaltet waren, daß jeder
Herzschlag in den Beobachtungsstationen registriert wurde. Zwei weitere
Elektroden auf der Brust gaben ihre Impulse an einen sogenannten Pneumographen, ein Gerät, das die Atemtätigkeit laufend kontrolliert und registriert.
Cooper hat nach Angaben seiner Ärzte während seines Raumflugs
von 34 Stunden und 21 Minuten(22 Erdumkreisungen)3»17 kg abgenommen.
Dies ist relativ wenig im Vergleich zu dem Gewichtsverlust, der bei
seinen Vorgängern Schirra (6 Erdumkreisungen - 2,04 k g ) , Carpenter
(3 Erdumkreisungen - 2,72 kg) und Glenn (3 Erdumkreisungen - 2,42 kg)
festgestellt wurde. Wie diese war auch Cooper schon drei Tage vor
dem Starttermin (14. Mai 1963) auf eine Spezialkost gesetzt worden,
die bei hoher Energiezufuhr nur geringe Rückstände bildet. An dem
zuerst vorgesehenen Starttag hatte er schon mehr als fünf Stunden in
der Kabine seiner Raumkapsel zugebracht - umsonst, wie sich zeigte, als
dann wenige Minuten vor dem geplanten Abschuß feststand, daß wegen technischer Mängel in der Radarstation auf den Bermudas der Start verschoben werden mußte. "Eine recht realistische Simulatorübung", meinte
Cooper lakonisch, als er wieder herauskletterte. Als er am nächsten
Morgen wieder gewogen wurde, zeigte die Waage 1 Pfund weniger an als
am Vortage.
Über den Wasserhaushalt seines Körpers und die Nierenfunktion
während des Weltraumflugs versuchten die Wissenschaftler durch eine
genau geregelte Wasserzufuhr und die Anweisung zur regelmäßigen Entnahme von Urinproben, die nach der Rückkehr auch auf die Ausscheidung

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Ausscheidung von Salzen, u.a. Calcium aus dem Skelett, untersucht
wurden, einen exakten Überblick zu bekommen. Das erste, wonach
Cooper nach seiner Rückkehr verlangte, war Ananassaft, von dem er
gleich vier große Gläser zu sich nahm; drei Stunden später, zur
ersten regulären Mahlzeit, folgten sechs Glas Milch. Mit dem Trinken
während der Weltraumreise hatte es etwas gehapert, weil der Astronaut
mit der Druckschlauchverbindung am Wasserbehälter (Fassungsvermögen
rund 2,5 l) Schwierigkeiten bekam. Die Eiserne Ration griff er jedoch
nicht an. Er hatte offenbar auch gar kein ausgesprochenes Durstgefühl
empfunden.
Die Kontrolle des Wasserhaushalts ist überaus wichtig. Drei Fünftel des menschlichen Körpergewichts entfallen auf Wasser, von dem der
Körper täglich 2,5 bis 5»5 1 in Form von Flüssigkeiten und mit der
Nahrung zugeführt bekommt. Nahezu die Hälfte davon ist in den Muskeln
gespeichert, die zu 75 Prozent aus Wasser bestehen, während das Skelett
nur 34 Prozent Wasser enthält. Eine Wasserverarmung des Körpers führt
zu schweren Störungen, vor allem zum Zerfall von Eiweiß.
Nur nichts verschütten!
An Nahrungsmitteln waren mundgerecht, abgepackte Fertiggerichte
und dehydrierte Speisen, die einige Minuten nach Hinzufügen von Wasser
eßfertig und sehr wohlschmeckend sind, an Bord; ihr Kalorienwert betrug insgesamt 2576» Die Erprobung der in kleinen Plastikbehältern mitgeführten dehydrierten Nahrungsmittel erfolgte bereits im Hinblick auf
die Versor&amp;ung der GEMINI-Astronauten, die bis zu zwei Wochen um die
Erde kreisen sollen.
Essen und Trinken bereitete Cooper keinerlei Schwierigkeiten.
Pflichtgemäß hielt er die Mahlzeiten ein, brachte aber von den Speisen
mehr als erwartet wieder mit, einfach deshalb, weil er trotz der anstrengenden Tätigkeit keinen Hunger verspürte. Ärger gab es mit Wasser,
das er verschüttet hatte. Es schwebte in Tropfen, manchmal zu einer
lockeren Masse geballt, in der Kabine herum, nahm ihm die Sicht aus
dem Kabinenfenster und verdeckte gelegentlich sogar die Anzeigewerte
von einigen der mehr als 100 Instrumente, die er laufend zu kontrollieren hatte .
über solche Schwierigkeiten ließ er aber kein Sterbenswort verlauten, als er mit den Bodenstellen sprach. Nur einmal machte er seinem
Ärger Luft mit den Worten: "Da photographiere ich schon am laufenden
Band, und nun muß ich auch noch am laufenden Band aufräumen!" Daß er
dabei auch Wassertropfen nachjagen mußte, ahnte am Boden niemand. Nachdem sie seinen Handschuhen immer wieder entschlüipf en,
fing er sie
endlich mit dem Taschentuch. Dies hatte letztlich sogar sein Gutes.
Mit dem feuchten Tuch kühlte er sich das Gesicht und empfand dies als
äußerst angenehm. Cooper meint, bei künftigen Raumflügen sollten die
Astronauten auf jeden Fall feuchte Taschentücher zur Verfügung haben.
"Willkommen daheim auf der guten alten Erde"
So lautete die Inschrift eines der vielen Transparente, mit denen
Cape Canaveral, der Ort, von dem aus er zu seiner Expedition von

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von 54 Stunden und 21 Minuten gestartet war, Fliegermajor Cooper
festlich empfing. Der Pilot des Raumschiffes "Faith 7" berichtete
den Journalisten, daß von ihm aus der Flug noch länger hätte ausgedehnt werden können, sofern keine ernsten technischen Störungen
zum Abbruch zwängen. Das Versagen der zwei Umrichter, mit denen
Gleichstrom zur Erzielung höherer Spannungen in Wechselstrom umgewandelt wird, betrachtet er nicht als einen solchen Anlaß, obgleich
dadurch die automatische Steuerung vollkommen unbrauchbar geworden
war. Schließlich sei er ja im Gebrauch der Handsteuerung genügend
geübt gewesen, erklärte Cooper.
Die körperliche und geistige Verfassung des Astronauten hätte
nach Ansicht von Dr. Charles A. Berry, dem Leiter der Abteilung
Flugmedizin am NASA-Forschungszentrum für bemannten Raumflug in
Houston (Texas), eine Ausdehnung der Flugdauer ohne weiteres zugelassen. Auch angesichts der Bordvorräte an Sauerstoff, Treibstoff
für die Lageregelungsdüsen, Trinkwasser und Nahrung wäre eine längere Flugdauer vertretbar gewesen. Mit einem frischen KohlendioxydFilter, entsprechend mehr Wasser und Betriebsstrom für die Apparaturen hätte sich Cooper sogar sechs Tage lang mit seiner Raumkapsel
"Faith 7" i m Weltraum aufhalten können.
In Zukunft mehr "Mitspracherecht" der Raumschiffpiloten
Das disziplinierte Verhalten Coopers, seine Fähigkeit, sich stets
auf das Wichtige voll und ganz zu konzentrieren, seine gleichbleibende
Ruhe und Besonnenheit auch in Augenblicken, in denen ein anderer den
Atem anhält und kaum zu reagieren, geschweige denn richtig zu reagieren vermag, haben die Verantwortlichen des MERCURY-Programms davon
überzeugt, daß man einem zuvor aufs sorgfältigste auf seine Eignung
geprüften Raumschiffpiloten ein größeres Mitspracherecht bei der
Durchführung eines Flugexperiments einräumen müsse. Damit würde
auch den Wünschen entsprochen, die schon die anderen amerikanischen
Astronauten geäußert haben.
Nach Meinung von NASA-Flugdirektor Christopher Kraft sollte in
Zukunft überhaupt keine bestimmte Zahl von Erdumkreisungen vorgeschrieben werden. Vielmehr müßte entsprechend dem Ablauf des Fluges
und der Funktionsfähigkeit von Mensch und Maschine während des Experiments üie ü'lugdauer bestimmt werden.
Ob es überhaupt noch einmal zu einem Raumflug mit einer MERCURYKapsel kommt, der dann allerdings eine Woche und vielleicht sogar noch
länger dauern dürfte, wird erst nach Auswertung der Ergebnisse von
MERCURY-ATLAS 9 entschieden. Aus jedem Flug, der bisher unternommen
wurde, haben die NASA-Leute- und alle anderen an den Versuchen beteiligten Spezialisten unendlich viel gelernt. Den Erfahrungsschatz durch
weitere, der Mission von "Faith 7" ähnliche Flüge zu vergrößern, wäre
nach Meinung vieler Mitarbeiter der NASA nur wünschenswert, denn dies
alles käme auch dem GEMINI-Projekt zugute, bei dem in etwa 18 Monaten
der erste Testflug mit einer bemannten Kapsel zu erwarten ist.
Aber

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Aber das Ganze ist auch eine Geldfrage. Für das seit fünf
Jahren laufende MERCURY-Programm, ein 500-Millionen-Dollar-Projekt, sind vorläufig keine weiteren Flüge genehmigt, obgleich
noch Raumkapseln und die anderen erforderlichen Ausrüstungen zur
Verfügung stehen.
Visuelle Experimente und Wahrnehmungen
Ein von Nichtfachleuten wenig beachtetes, für künftige Operationen im Weltraum aber außerordentlich wichtiges Experiment war
die Beobachtung eines kleinen Blinklicht-Satelliten. Dieser war
an der Unterseite der Kapsel montiert und von Cooper während des
J. Umlaufs 15 Minuten vor Sonnenuntergang durch einen Federmechanismus in einem bestimmten Winkel abgestoßen worden. Hierdurch wollte
man erreichen, daß er eine etwas andere Umlaufbahn erhält als das
Raumschiff "Faith 7"« Die 4&gt;5 kg schwere Kugel von 14»6 cm Durchmesser trug an den Seiten zwei Xenonlampen, die in kurzen Lichtblitzen die Helligkeit einer ganzen Batterie von 100-Watt-Lampen
entwickelten.
Zunächst glaubte Cooper, daß dieses Experiment fehlgeschlagen
sei, weil er den Blinklicht-Satelliten nicht ausmachen konnte. Im
5. Umlauf aber entdeckte er ihn plötzlich - überraschenderweise
auf der Tagseite der Erde - infolge der Reflexion des Sonnenlichts
am Kugelkörper. Von da an vermochte ihm Cooper dank der in Abständen von 1 Sekunde aufblitzenden Blinklichter in den Erdschatten
zu folgen. Der Abstand seines Raumschiffs zu dem Zweitsatelliten
vergrößerte sich dabei seiner Meinung nach allmählich von 16 auf
21 km. Als er zum letzten Mal die Lichtzeich.en sichtete - die
Batterien der Xenonlampen waren nach 10 Stunden erschöpft -,
hatte sich der Blinkkörper nach Schätzung des Astronauten inzwischen 27 bis 29 km von "Faith 7" entfernt. Die Helligkeit der Lichtblitze sollte bei einem Abstand von 11 bis 15 km von der MERCURYKapsel ungefähr der des Polarsterns entsprechen. Cooper ist jedoch
der Ansicht, daß die tatsächliche Helligkeit geringer war.
Derartige optische Hilfen spielen bei späteren Rendezvous-Manövern zwischen Raumschiffen eine außerordentlich wichtige Rolle
und können nicht durch Radar ersetzt werden. Um ein Zusammentreffen
mit einem anderen Raumschiff herbeizuführen, muß der Pilot zunächst
einmal das Blinklicht gegen den Sternenhintergrund fixieren. Die
einzige Information, die er dann benötigt, ist die Geschwindigkeit,
mit der sich die beiden nunmehr auf einer Bahn befindlichen Raumfahrzeuge einander nähern. Diese kann mit Hilfe mehrerer Methoden,
beispielsweise durch die Messung der Laufzeit von Radarsignalen,
ermittelt werden.
Die MERCURY-Astronauten haben drei Möglichkeiten, ihre Position
zu bestimmen. Aus dem periodisch vorgenommenen Vergleich zwischen
Bordzeit und Bodenzeit können sie ihre Position einmal mit Hilfe
einer Karte finden, auf der die Umläufe und die für jeden einzelnen
Umlauf vorausberechneten Zeiten eingetragen sind. Die zweite Navigationshilfe ist eine Sternkarte in Verbindung mit dem Sternnaviga-.
tionsgerät, die dritte die Berechnung der Position nach bestimmten

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Landmarken, z.B. Küste, Gebirge usw.
Cooper nutzte die Gelegenheit reichlich, um die Erdoberfläche
nach geeigneten Landmarken abzusuchen. Er hatte dabei besonderes
Glück, weil die Sicht größtenteils außerordentlich gut war. Es erschien ihm beinahe unglaubhaft, aus seiner Flughöhe zwischen 160
und 265,2 km nicht nur das Himalaja-Massiv in Einzelheiten, sondern
auch Dörfer, Straßen, Eisenbahnlinien und unter besonderen Bedingungen sogar Wohnhäuser mit rauchenden Schornsteinen zu erkennen.
Die Ostküste der Vereinigten Staaten konnte er von Florida bis hir.lauf nach Washington oder New York - darüber war er sich nicht ganz
sicher - ausmachen. Dallas und seinen neuen Wohnort Houston in Texas
fand er ohne Schwierigkeit.
Bodenmarken als Navigationshilfen sind jedoch, ebenso wie starke
Lichtquellen auf der Erdoberfläche - ein sehr erfolgreicher Versuch
in dieser Hinsicht wurde während Coopers Weltraumflug mit starken
Scheinwerfern in Südafrika unternommen -, unbrauchbar, sobald eine
dichte Wolkendecke dazwischen liegt. Für Kursmanöver auf einer Erdsatellitenbahn oder gar für den Einflug in eine Bahn zum Mond oder
in den interplanetaren Raum ist jedoch größte Navigationsgenauigkeit
von entscheidender Bedeutung. Cooper sollte deshalb im Auftrag eines
Instituts der Technischen Hochschule Massachusetts, das das Steuerungsund Navigationssystem für die APOLLO-Raumschiffe entwickelt, durch
photographische Aufnahmen ermitteln, inwieweit der Erdhorizont in
Verbindung mit dem Mond als zweitem Bezugspunkt für die Navigation
beim Flug zum Mond benutzt werden kann.
Im besonderen ging es bei diesem Versuch darum, eine geeignete
unveränderliche Horizontlinie in der Atmosphäre nahe der Erdoberfläche zu finden, die von den jeweiligen atmosphärischen Bedingungen
nicht beeinflußt wird. Bei Tageslicht und in der Dämmerung machte
Cooper unter den verschiedensten Blickwinkeln zur Erde Hundertevon
Aufnahmen mit verschiedenen Filmen und Filtern.
Dies war jedoch nur einer von den vielen Aufträgen, die er für
weitere amerikanische Forschungsinstitute, u.a. für das Zentralamt
des US-Wetterdienstes zur Vorbereitung der Flüge von Wetterbeobachtungssatelliten vom Typ NIMBUS, zu erfüllen hatte.
Das grüne Lämpchen
Bis zum 19« Umlauf ging alles wie am Schnürchen, was die Flugleitung zu Kommentaren wie "Unglaubliche Präzision" oder "Ein Flug
nach dem Lehrbuch" veranlaßt hatte. Auch die technischen Experimente
klappten ausgezeichnet. Eines davon war ein Versuch, zur Einsparung
von Strom das Kabinenkühlsystem abzuschalten und die Einregulierung
des Temperaturgleichgewichts in der Kabine zu beobaohten. Im 4»
Umlauf hatte Cooper die Kabinenkühlung abgestellt und versuchte,
nur noch mit der Kühlung seines Raumanzugs auszukommen. Dies funktionierte so ausgezeichnet, daß er erst im 21. Umlauf die Kabinenkühlung wieder einschaltete, auf die er während der Rückkehrphase
wegen der starken Erhitzung der Kapselwandung nicht verzichten durfte.
Bin

�"AMERIKA DIENST"
Ein weiterer Test war die Erprobung drei verschiedener weißer
Farbpigmente auf der Basis von Titanoxyd, Zirkonoxyd und Zinkoxyd
als eines möglichen Außenanstrichs für künftige Raumschiffe, der
infolge•seiner geringeren Absorption von Sonnenenergie, als sie ein
dunkler Anstrich aufweist, die Innentemperatur um 6 bis 8,3 Grad
Celsius niedriger halten würde. Auch das Experiment mit der kleinen
Fernsehkamera verlief zufriedenstellend. Alles in allem schien es
ein Routineflug zu sein, bei dem eine Menge Forschungsaufgaben zu
erfüllen waren, aber sonst nichts passierte.
Das Aufleuchten eines grünen Lämpchens am Instrumentenbord 28 Stunden und 59 Minuten nach dem Start - änderte plötzlich die
ganze Situation. Die Lampe leuchtet normalerweise nach dem Zünden
der Bremsraketen auf, sobald die Raumkapsel nicht mehr schwerelos
ist, sondern sich mit einer Erdbeschleunigung von mindestens 0,05 g
schon in der Abstiegsbahn befindet. Die Bremsraketen sollten ja
auch erst nach drei weiteren vollen Umläufen gezündet werden.
Cooper, der sofort die Bodenstationen von dem Vorfall unterrichtete,
bekam von dort die Bestätigung, daß sich "Faith 7" weiterhin bei
gleicher Geschwindigkeit auf normalem Kurs befinde.
Der Pilot hatte im ersten Augenblick die Sache gar nicht ernst
genommen, ebensowenig die Flugleitzentrale. Die Erkenntnis, daß in
der Automatik ein Fehler aufgetreten sein müsse und Cooper nur mit
der Handsteuerung sicher zurückkommen könne, setzte sich erst nach
Durchführung verschiedener Tests durch, die die Ursache für das Aufleuchten zutage bringen sollten.
Darüber waren eineinhalb Stunden vergangen. Cooper hatte festgestellt, daß die Gleichumrichter für das automatische Stabilisierungsund Kontrollsystem ausgefallen waren. Es blieb tatsächlich keine andere Wahl als den Astronauten anzuweisen, das Landemanöver selbst
durchzuführen. Mit optischer Orientierung an den Sternen und am Erdhorizont drehte er durch Aktivierung der kleinen Schubdüsen die Kapsel über Asien in die Position, die für die Zündung der Bremsraketen
erforderlich war. Dann folgte mit Assistenz von John H. Glenn, der
auf einem amerikanischen Beobachtungsschiff vor der japanischen Küste
stationiert war, das Countdown für die Zündung der drei Bremsraketen.
Der Astronaut drückte den Zündknopf. Unmittelbar darauf verspürte er einen heftigen Ruck: der Abstieg auf einer fast 64OO km
langen Bahn bis zum vorgesehenen Landepunkt hatte begonnen. Die Hitze
in der Kapsel nahm merklich zu, draußen flogen rot- und weißglühende
Teile vom abgeworfenen Bremsraketensatz vorbei. Die Vibrationen, die
beim Eintritt in die dichteren Luftschichten auftreten, hatte sich
Cooper schlimmer vorgestellt; auch die Schwerebelastung infolge des
starken Abbremsens sei überhaupt kein Problem gewesen. Als er in 63OO
Höhe den kleinen Stabilisierungsfallschirm auslöste, bemerkte er ein
"Knattern, Tosen und einen heftigen Ruck". Im gleichen Augenblick,
in dem er in 3000 m Höhe den Hauptfallschirm auslöste, entdeckte
er die Hubschrauber in der Luft, die ihn schon erwarteten. In knapp
7 km Entfernung vom Flugzeugträger "Kearsarge" ging er auf dem V/asser
nieder. Schon 38 Minuten später befand er sich mit "Faith 7" an Bord.
Bildunterschriften:

�"AMERIKA DIENST"
Bildunterschriften;
1)

Unter Assistenz von Joe Schmitt, der schon die Vorgänger
Leroy Gordon Coopers betreute, legt der 6. amerikanische
MERCURY-Astronaut im Hangar S (Cape Canaveral) den Druckanzug an. (63-1698)

2)

Start! Nach übereinstimmenden Berichten des Astronauten und
der Bodenbeobachtungsstellen war noch kein Start einer
ATLAS-Rakete so perfekt und nahezu frei von allen Vibrationen wie der von MERCURY-ATLAS 9 mit Fliegermajor Leroy
Gordon Cooper in seinem Raumschiff "Faith 7".
Ort: Cape Canaveral, Areal 14
Zeit: 15. Mai 1963, 1404Uhr MEZ

3)

(63-2507)

Die Aufnahme zeigt die Anordnung der 18 Reaktionsdüsen zur
Lageregelung der MERCURY-Kapsel. Cooper mußte in der Endphase
seines Fluges wegen Ausfalls zweier Gleichumrichter, mit denen
Gleichstrom zur Erzielung höherer Spannungen in Wechselstrom
umgewandelt und dann wieder gleichgerichtet wird, die Lageregelung über die Handsteuerung betätigen und so sein Raumschiff "Faith 7" i n die richtige Position zur Zündung der
Bremsraketen manövrieren. (H-42778)

(Bilder: AD)
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9

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D I E N S T

Allg./14.$.63

NEUE BEMÜHUNGEN DER USA UM DEN WELTFRIEDEN

WASHINGTON - (AD) - Präsident Kennedy bezeichnete
am 10. Juni 1963 in einer Rede vor der Amerikanischen
Universität in Washington den totalen Krieg im Atomzeitalter als "sinnlos" und kündigte neue Bemühungen
der Vereinigten Staaten um den Weltfrieden an. Bei
allen Anstrengungen zur Sicherung der eigenen Lebensinteressen, so führte Kennedy aus, müßten Konfrontationen vermieden werden, die einem Gegner nur die
Wahl zwischen Demütigung oder Atomkrieg ließen.
Der Präsident betonte fernerhin, daß die amerikanische Verpflichtung zur Verteidigung Westeuropas und
West-Berlins unverändert weiterbestehe und daß die
USA sich niemals mit der Sowjetunion auf Kosten anderer Nationen arrangieren würden.
Die Vereinigten Staaten, so führte der Präsident aus,
würden sich im Gespräch auf hoher Ebene mit den Sowjets
um einen Vertrag über die Einstellung der Kernwaffenversuche bemühen. Die USA würden keine Versuche in
der Atmosphäre durchführen, wenn die anderen Atommächte ebenfalls auf solche Versuche verzichteten.
Die Gespräche zwischen den USA, Großbritannien und
der Sowjetunion über ein Kernwaffenversuchsverbot
sollen, wie Kennedy ankündigte, in Kürze in Moskau
beginnen.
Die Rede des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
"'Es gibt wenige irdische Dinge, die schöner sind als eine
Universität', schrieb John Masefield in seiner Würdigung der englischen Universitäten - und seine Worte haben hier in gleicher
Weise Gültigkeit. Er bezog sich damit nicht auf die Türme und
Spitzen, nicht auf die Grünanlagen des Universitätsgeländes und
auf die efeubewachsenen Mauern. Er bewunderte die großartige
Schönheit der Universität, weil sie, wie er sagte, 'ein Platz ist,
wo diejenigen, die die Unwissenheit hassen, nach Wissen streben
können, wo diejenigen, die die Wahrheit sehen, danach streben können, auch andere sehend zu machen'.
Ich
-

1

�"AMERIKA DIENST"
Ich habe daher diesen Zeitpunkt und diesen Ort gewählt, um
ein Thema zu erörtern, über das zu oft Unwissenheit herrscht und
bei dem die Wahrheit zu selten gesehen wird - und doch ist es
eines der wichtigsten Themen auf Erden: der Weltfrieden.
Welche Art Frieden meine ich? Nach welcher Art Frieden streben wir? Nicht nach einer Pax Americana, die der Welt durch amerikanische Kriegswaffen aufgezwungen wird. Nicht nach dem Frieden des
Grabes oder der Sicherheit des Sklaven. Ich spreche hier von dem
echten Frieden, jenem Frieden, der das Leben auf Erden lebenswert
macht, jenem Frieden, der Menschen und Nationen befähigt, zu wachsen und zu hoffen und ein besseres Leben für ihre Kinder aufzubauen - nicht nur Frieden für Amerikaner, sondern Frieden für alle
Menschen, nicht nur Frieden in unserer Generation, sondern Frieden
für alle Zeiten.
Ich spreche vom Frieden, weil der Krieg ein neues Gesicht
trägt. Ein totaler Krieg ist sinnlos in einem Zeitalter, in dem
Großmächte starke und verhältnismäßig unverwundbare Atomstreitkräfte
unterhalten können und sich weigern, zu kapitulieren ohne vorher auf
diese Streitkräfte zurückgegriffen zu haben. Er ist sinnlos in einem
Zeitalter, in dem eine einzige Atomwaffe fast das Zehnfache der
Sprengkraft aller Bomben aufweist, die von den gesamten alliierten
Luftstreitkräften während des zweiten Weltkrieges abgeworfen wurden.
Er ist sinnlos in einem Zeitalter, in dem die bei einem Atomkrieg
freigesetzten tödlichen Giftstoffe durch Wind und Wasser und Boden
und Saaten bis in die entferntesten Winkel des Erdballs getragen und
sich selbst auf die noch ungeborenen Generationen auswirken würden.
Es ist heute, wenn der Friede gewahrt werden soll, unerläßlich, jedes
Jahr Milliarden Dollar für Waffen auszuwerfen, die lediglich zu dem
Zweck geschaffen werden, sicherzustellen, daß wir sie niemals einzusetzen brauchen. Aber zweifellos ist die Anlage solcher unnützen
Arsenale, die nur der Vernichtung und niemals dem Aufbau dienen
können, nicht der einzige, geschweige denn der wirksamste Weg zur
Gewährleistung des Friedens.
Ich spreche deshalb vom Frieden als dem notwendigen vernünftigen Ziel vernünftiger Menschen. Ich bin mir bewußt, daß das Streben
nach Frieden nicht so dramatisch ist wie das Kriegsstreben - und oft
treffen die Worte desjenigen, der nach Frieden strebt, auf taube
Ohren. Aber es gibt keine Aufgabe für uns, die dringlicher wäre.
Manche sagen, es sei zwecklos, von Weltfrieden, internationalem
Recht oder internationaler Abrüstung zu sprechen, und daß alles nutzlos sein wird, solange nicht die Führer der Sowjetunion eine aufgeschlossenere Haltung einnehmen.
Ich hoffe, sie werden dies tun.
Ich glaube, wir können ihnen dabei helfen. Aber ich glaube auch,
daß wir unsere eigene Haltung überprüfen müssen - als Einzelpersonen
und als Nation -, denn unsere Einstellung ist genauso wichtig wie die
ihre. Und jeder Absolvent dieser Universität, jeder denkende Bürger,
der den Krieg verabscheut und mithelfen will, den Frieden zu schaffen.

2

�"AMERIKA DIENST*
schaffen, sollte zunächst in sich gehen und seine eigene Einstellung zu den Möglichkeiten des Friedens, zur Sowjetunion, zum Verlauf des Kalten Krieges, zur Freiheit und zum Frieden hier im eigenen
Lande überprüfen.
Lassen Sie uns zunächst unsere Einstellung zum Frieden selbst
überprüfen. Zu viele von uns halten ihn für unmöglich. Zu viele von
uns halten ihn für nicht realisierbar. Aber das ist ein gefährlicher,
defaitistischer Glaube. Er führt zu der Schlußfolgerung, daß der
Krieg unvermeidlich ist, daß die Menschheit zum Untergang verurteilt
ist, daß wir uns in der Gewalt von Kräften befinden, die wir nicht
kontrollieren können.
Wir brauchen diese Ansicht nicht zu akzeptieren. Unsere Probleme
sind von Menschen geschaffen; deshalb können sie auch von Menschen
gelöst werden. Und die Größe, die der menschliche Geist erreichen
kann, bestimmt der Mensch selbst. Kein Schicksalsproblem der Menschheit liegt außerhalb der Reichweite des Menschen. Die menschliche
Vernunft und der menschliche Geist haben oftmals das scheinbar Unlösbare gelöst - und wir glauben, daß sie dies erneut tun können.
Ich spreche jetzt nicht von der absoluten, nicht mehr faßbaren
Idee des Weltfriedens und des guten Willens, von der einige Phantasten
und Fanatiker immer noch träumen. Ich leugne nicht den Wert von Hoffnungen und Träumen, aber wir würden lediglich Entmutigung und Ungläubigkeit Tür und Tor öffnen, machten wir dies zu unserem einzigen und
unmittelbaren Ziel.
Wir sollten uns statt dessen auf einen praktischeren, leichter
erreichbaren Frieden konzentrieren, der nicht auf einer plötzlichen
Revolutionierung der menschlichen Natur, sondern auf einer allmählichen Evolution der menschlichen Institutionen basiert - auf einer
Reihe von konkreten Maßnahmen und wirksamen Übereinkünften, die im
Interesse aller Betroffenen liegen.
Für diesen Frieden gibt es keinen einzelnen einfachen Schlüssel,
keine großartige oder magische Formel, die sich eine oder zwei Mächte
anzueignen hätten. Der echte Friede muß das Produkt vieler Nationen
sein, die Summe vieler Maßnahmen. Er muß dynamisch, nicht statisch
sein, er muß flexibel sein, um den großen Aufgaben einer jeden Generation zu entsprechen. Denn der Friede ist ein Prozeß - ein Weg,
Probleme zu lösen.
Bei einem solchen Frieden wird es Streitigkeiten und Interessengegensätze geben, wie sie innerhalb von Familien und Nationen vorkommen. Der Weltfriede, wie auch der Friede in Stadt und Land, erfordert
nicht, daß jeder seinen Nachbarn liebt. Er erfordert lediglich, daß
man in gegenseitiger Toleranz miteinander lebt, seine Auseinandersetzungen einer gerechten und friedlichen Lösung zuführt. Und die
Geschichte lehrt uns, daß Feindschaften zwischen Nationen - wie zwischen Einzelnen - nicht ewig dauern. Wie starr unsere Neigungen und
Abneigungen auch immer erscheinen mögen, der Gang der Zeit und der
Ereignisse wird oft überraschende Wendungen in den Beziehungen zwischen Nationen und Nachbarn bringen.
_

-

3-

�"AMERIKA DIENSTSO wollen wir unermüdlich weiter arbeiten. Der Friede braucht
nicht unerreichbar und der Krieg nicht unvermeidlich zu sein. Indem
wir unser Ziel klarer definieren, indem wir es greifbarer und weniger
fern erscheinen lassen, können wir dazu beitragen, daß alle Völker es
erkennen, Hoffnung daraus schöpfen und sich unbeirrt darauf zubewegen.
Lassen Sie uns zweitens unsere Haltung gegenüber der Sowjetunion
überprüfen. Es ist entmutigend, zu denken, daß die sowjetischen Führer
wirklich glauben könnten, was ihre Propagandisten unablässig schreiben.
Es ist entmutigend, eine kürzlich erschienene autoritative sowjetische
Veröffentlichung über militärische Strategie zu lesen und Seite um
Seite völlig haltlose und unglaubliche Behauptungen zu finden - wie die,
daß sich amerikanische imperialistische Kreise darauf vorbereiten, verschiedene Arten von Kriegen auszulösen... daß die sehr reale Gefahr
eines Präventivkrieges besteht, der von amerikanischen Imperialisten
gegen die Sowjetunion gestartet wird... daß die politischen Ziele
der amerikanischen Imperialisten in der wirtschaftlichen und politischen Versklavung der europäischen und anderen kapitalistischen Länder.,
und in der Erreichung der Weltherrschaft... durch Angriffskriege bestehen' .
Sicher ist es so, wie es in der Schrift heißt, daß 'der Gottlose
flieht und niemand jagt ihn...' Dennoch ist es betrüblich, diese
sowjetischen Erklärungen zu lesen - und die Größe der Kluft zu erkennen,
die uns trennt. Es ist aber auch eine Warnung - eine an das amerikanische Volk gerichtete Warnung, nicht in die gleiche Falle hineinzutappen wie die Sowjets, sich nicht nur ein verzerrtes hoffnungsloses
Bild von der anderen Seite zu machen, den .Konflikt nicht als etwas
Unvermeidliches und den Ausgleich nicht als unmöglich anzusehen und
nicht jede Kommunikation lediglich als Austausch von bloßen Worten und
Drohungen zu betrachten.
Keine Regierung und kein Gesellschaftssystem ist so schlecht, daß
man das unter ihm lebende Volk als bar jeglicher Tugend ansehen kann.
Wir Amerikaner finden den Kommunismus als eine Verneinung der persönlichen Freiheit und Würde im tiefsten Grunde abstoßend. Dennoch aber
können wir das russische Volk zu vielen seiner vollbrachten Leistungen
- in der Wissenschaft und im Weltraum, in der wirtschaftlichen und
industriellen Entwicklung, in der Kultur und auf Grund seines mutigen
Handelns - beglückwünschen.
Unter den vielen Eigenschaften, die den Völkern unserer beiden
Länder gemeinsam sind, ist keine ausgeprägter als unsere beiderseitige Abscheu vor dem Krieg. Unter den großen Weltmächten haben wir und das ist beinahe einzigartig - noch nie
gegeneinander im Krieg
gestanden, und kein anderes Volk in der Geschichte der Kriege hat
wohl mehr gelitten als das russische Volk im Verlauf des zweiten
Weltkrieges. Wenigstens zwanzig Millionen verloren ihr Leben. Unzählige Millionen Häuser und Bauernhöfe brannten nieder oder wurden zerstört, Ein Drittel des russischen Gebiets - darunter nahezu zwei
Drittel der Industriegebiete - wurde verwüstet - ein Verlust, dem die
Verwüstung unseres gesamten Landes östlich von Chicago entspräche.
Sollte

�•AMERIKA DIENST
Sollte heute - wie auch immer - ein totaler Krieg ausbrechen,
dann würden unsere beiden Länder die Hauptziele darstellen. Es ist
eine Ironie, aber auch eine harte Tatsache, daß die beiden stärksten
Mächte zugleich auch jene sind, die in der größten Gefahr einer Zerstörung schweben. Alles, was wir aufgebaut haben, alles, wofür wir
gearbeitet haben, würde vernichtet werden. Und selbst im Kalten
Krieg - der für so viele Länder, unter ihnen die engsten Verbündeten der USA, Lasten und Gefahren bringt - tragen unsere beiden
Länder die schwersten Lasten. Denn wir werfen beide für gigantische
Waffen riesige Beträge aus - Beträge, die für den Kampf gegen Unwissenheit, Armut und Krankheit besser verwendet werden könnten. Wir
sind beide in einem unheilvollen und gefährlichen Kreislauf gefangen,
in dem Argwohn auf der einen Seite Argwohn auf der anderen auslöst
und neue Waffen wieder neue Abwehrwaffen hervorbringen.
Kurz gesagt, sowohl die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten
als auch die Sowjetunion und ihre Verbündeten haben ein gemeinsames
tiefes Interesse an einem gerechten und wahren Frieden und der Einstellung des Wettrüstens. Abkommen, die zu diesem Ziel führen, sind
im Interesse der Sowjets wie auch in unserem. Und selbst bei den
feindseligsten Ländern kann man damit rechnen, daß sie solche - wenn
auch nur solche - vertraglichen Verpflichtungen akzeptieren und einhalten, die in ihrem eigenen Interesse sind.
Wir wollen unseren Meinungsverschiedenheiten gegenüber nicht die
Augen verschließen - wir wollen aber unser Augenmerk auch auf unsere
gemeinsamen Interessen und auf jene Möglichkeiten richten, durch die
diese Differenzen sich beseitigen lassen. Und wenn wir sie auch jetzt
nicht bereinigen können, so können wir doch wenigstens dazu beitragen,
daß die Vielfalt in der Welt erhalten bleibt.Denn letztlich bildet die
Tatsache, daß wir alle Bewohner dieses Planeten sind, das uns im tiefsten gemeinsame Band. Wir alle atmen die gleiche Luft, uns allen liegt
die Zukunft unserer Kinder am Herzen, und wir alle sind sterblich.
Lassen Sie uns drittens unsere Einstellung zum Kalten Krieg
überprüfen. Wir wollen uns daran erinnern, daß wir nicht in eine
Debatte verwickelt sind, bei der es darum geht, Pluspunkte zu sammeln.
Wir sind nicht hier, um Lob und Tadel zu verteilen oder mit dem Finger
auf andere zu zeigen. Wir müssen uns mit der Welt, wie sie ist, auseinandersetzen, und nicht, wie sie hätte sein können, wäre die Geschichte
der letzten 18 Jahre anders gelaufen.
Wir dürfen daher in der Suche nach Frieden nicht nachlassen,
hoffend, daß konstruktive Veränderungen innerhalb des kommunistischen
Blocks Lösungen herbeiführen könnten, die heute noch unerreichbar
scheinen. Wir müssen unsere Politik so betreiben, daß es schließlich
im Interesse der Kommunisten liegt, einem echten Frieden zuzustimmen.
Vor allem müssen Atommächte, bei steter Verteidigung der eigenen
Lebensinteressen, solche Konfrontationen vermeiden, die einem Gegner
nur die Wahl eines demütigenden Rückzugs oder eines Atomkriegs lassen.
Wollte man im Atomzeitalter diesen Kurs einschlagen, so wäre dies nur
der Beweis für den Bankrott unserer Politik oder, für die Welt, einer
kollektiven Todesbereitschaft.
Daher

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5 -

�"AMERIKA DIENST
Daher sind die Waffen Amerikas keine provozierenden, sie sind
sorgfältig kontrolliert, für die Abschreckung bestimmt und für den
selektiven Einsatz geeignet. Unsere Streitkräfte sind dem Frieden
verpflichtet und in Zurückhaltung geschult. Unsere Diplomaten sind
angewiesen, unnötigen Ärger und rein rhetorische Feindseligkeit
zu vermeiden. Wir können uns um ein Nachlassen der Spannungen bemühen,
ohne deshalb in unserer Wachsamkeit nachzulassen. Und wir bedürfen unsererseits nicht der Drohungen, um unsere Entschlossenheit zu zeigen.
Wir haben es nicht nötig, ausländische Rundfunksendungen zu stören,
aus Furcht, unser Glaube könnte durch sie entwurzelt werden. Wir
wollen unser System keinem Volk gegen seinen Willen aufzwingen. Wir
sind aber willens und in der Lage, mit jedem anderen System auf der
Erde in einen friedlichen Wettstreit einzutreten.
In der Zwischenzeit suchen wir die Vereinten Nationen zu stärken,
ihre finanziellen Probleme lösen zu helfen, sie zu einem wirksameren
Instrument des Friedens zu machen, sie zu einem echten Sipherheitssystem für die Welt zu entwickeln - einem System, das in der Lage
ist, Streitfragen auf der Basis des Rechts beizulegen, die Sicherheit
der Großen und Kleinen zu garantieren und Bedingungen zu schaffen, unter
denen die Waffen schließlich abgeschafft werden können.
Gleichzeitig bemühen wir uns, den Frieden innerhalb der nichtkommunistischen Welt zu erhalten, wo viele Nationen - alle unsere
Freunde - über Fragen uneinig sind, die die westliche Einheit schwächen, die eine kommunistische Intervention begünstigen oder die zum
Kriege zu führen drohen. Wir sind in unseren Bemühungen in Westneuguinea, im Kongo, im Mittleren Osten und auf dem indischen Subkontinent trotz Kritik von beiden Seiten beharrlich und geduldig geblieben.
Wir haben gleichzeitig versucht, anderen ein Beispiel zu geben, indem
wir kleine, aber doch nicht unwichtige Differenzen mit unseren eigenen
nächsten Nachbarn in Mexiko und in Kanada beizulegen suchten.
Wenn ich von anderen Nationen spreche, dann möchte ich einen Punkt
klarstellen. Wir sind durch Allianzen an viele Nationen gebunden. Diese
Bündnisse bestehen, weil ihre und unsere Belange sich im wesentlichen
decken. An unserer Verpflichtung zum Beispiel, Westeuropa und WestBerlin zu verteidigen, hat sich nichts geändert, weil unsere lebenswichtigen Interessen nach wie vor die gleichen sind. Die Vereinigten
Staaten werden sich mit der Sowjetunion nicht auf Kosten anderer Nationen und anderer Völker arrangieren, nicht allein, weil sie unsere
Partner sind, sondern weil ihre und unsre Interessen konvergieren.
Unsere Interessen stimmen jedoch nicht nur bei der Verteidigung
der Grenzen der Freiheit überein, sondern auch in dem Vorwärtsstreben
auf den tfegen des Friedens. Es ist unsere Hoffnung - und das Ziel der
alliierten Politik -, die Sowjetunion überzeugen zu können, daß auch
sie jede Nation ihre eigene Zukunft bestimmen lassen sollte, solange
diese Wahl nicht die anderer beeinträchtigt. Das Streben der Kommunisten, anderen ihr politisches und wirtschaftliches System aufzuzwingen,
ist der Hauptgrund für die Spannungen in unserer heutigen Welt. Denn es
ist außer Zweifel, daß der Friede weitaus gesicherter wäre, wenn alle

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�"AMERIKA DIENST

\

alle Nationen davon Abstand nähmen, sich in die Selbstbestimmungsrechte anderer einzumischen.
Dies wird neue Anstrengungen zur Schaffung eines Weltrechts einen neuen Rahmen für weltweite Gespräche - erfordern. Es wird eine
bessere Verständigung zwischen uns und der Sowjetunion voraussetzen.
Und eine bessere Verständigung wird vermehrte Kontakte und Verbindungen erfordern. Ein Schritt in dieser Richtung ist die vorgeschlagene Vereinbarung für die Schaffung eines direkten Drahts
zwischen Moskau und Washington, durch den auf beiden Seiten die gefährlichsten Verzögerungen, Mißverständnisse und Fehldeutungen der
Maßnahmen des anderen vermieden werden sollen, wie sie in Krisenzeiten leicht auftreten könnten.
Wir haben ferner in Genf über andere erste Maßnahmen der Rüstungskontrolle gesprochen, die die Intensität des Wettrüstens einschränken
und die Risiken eines Zufallskrieges verringern sollen. Unser Hauptziel in Genf bleibt auf lange Sicht jedoch die allgemeine und vollständige Abrüstung - die in Phasen stattfinden und gleichlaufende
politische Entwicklungen beim Aufbau der neuen Institutionen des
Friedens, die an die Stelle der Rüstungen treten würden, zulassen soll.
Die Abrüstung war seit den zwanziger Jahren ein Anliegen der
amerikanischen Regierung. Die letzten drei Regierungen haben sich
intensiv darum bemüht. Und so ungewiß die Aussichten auch heute noch
sein mögen, so haben wir doch die Absicht, diese Bemühungen fortzusetzen, - fortzusetzen, damit alle Länder, einschließlich unseres
eigenen Landes, besser erfassen können, welche Probleme und Möglichkeiten tatsächlich in der Abrüstung liegen.
Der eine große Verhandlungskomplex, der vor dem Abschluß steht der aber dringend eines neuerlichen Anstoßes bedarf - betrifft den
Vertrag zur Ächtung der Kernwaffenversuche. Der Abschluß eines solchen
Vertrages - so nah und doch noch so fern - würde die Schraube des
Wettrüstens auf einem seiner gefährlichsten Gebiete zum Stillstand
bringen. Dadurch würden die Atommächte in die Lage versetzt, auf
wirksamere Weise mit einer der größten Gefahren fertig zu werden,
die die Menschheit bedrohen - der weiteren Ausbreitung der Kernwaffen.
•

Er würde unsere Sicherheit erhöhen - er würde die Gefahr eines
Krieges herabsetzen. Dieses Ziel ist wichtig genug, um unser ständiges
Bemühen zu verdienen, wobei wir weder der Versuchung erliegen dürfen,
die ganzen Bemühungen aufzugeben, noch der Versuchung, von unserem
Beharren auf den entscheidend wichtigen Sicherheitsgarantien abzugehen.
Ich benutze daher diese Gelegenheit, um zwei wichtige Entscheidungen in dieser Hinsicht bekanntzugeben.
Erstens: Ministerpräsident Chruschtschow, Premierminister
Macmillan und ich sind übereingekommen, daß in Kürze Erörterungen
auf hoher Ebene in Moskau beginnen werden - mit dem Ziel eines baldigen Abkommens über einen umfassenden Vertrag über die Einstellung

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�t

AMERIKA DIENST"
Einstellung der Kernwaffenversuche. Die Erfahrungen der Geschichte
lehren uns, daß wir unsere Hoffnungen zügeln müssen, aber unsere
Hoffnungen werden von den Hoffnungen der gesamten Menschheit begleitet sein:
Zweitens: Um unseren guten Willen und unsere aufrechte Gesinnung in dieser Angelegenheit zu demonstrieren, erkläre ich hiermit, daß die Vereinigten Staaten nicht beabsichtigen, Kernwaffenversuche in der Atmosphäre durchzuführen, solange andere Staaten es nicht
tun. Wir werden nicht die ersten sein, die diese Versuche wieder aufnehmen. Eine solche Erklärung ist kein Ersatz für einen formalen,
bindenden Vertrag - aber ich hoffe, daß sie zum Abschluß eines solchen
beitragen wird. Noch würde ein solcher Vertrag Ersatz für die Abrüstung
sein - ich hoffe aber, daß er uns helfen wird, die Abrüstung zu erreichen.
'
Lassen Sie uns, meine amerikanischen Mitbürger, schließlich
unsere Haltung gegenüber dem Frieden und derFreihei t hier im eigenen
Lande überprüfen. Der Wert und der Geist unserer eigenen Gesellschaft
müssen unsere Anstrengungen im Ausland rechtfertigen und sie unterstützen. Sie müssen sich im eigenen Einsatz zeigen - zu dem viele
von Ihnen, die heute ihr Studium abschließen, eine einzigartige Gelegenheit haben werden, indem sie ohne Bezahlung im Friedenskorps im Ausland oder in dem geplanten Nationalen Hilfsdienst hier im eigenen
Land Dienst tun.
Aber wo immer wir auch sind, müssen wir alle in unserem täglichen
Leben dem jahrhundertealten Glauben gerecht werden, daß Frieden und
Freiheit Hand in Hand gehen. In zu vielen unserer Städte ist der Friede
heutzutage nicht gesichert, weil die Freiheit unvollkommen ist.
Die Exekutive hat auf allen Verwaltungsebenen - kommunalen,
einzelstaatlichen und nationalen - die Verantwortung, mit allen Mitteln im Rahmen ihrer Autorität für die Freiheit aller Bürger zu sorgen
und sie zu schützen. Die Legislative hat die Verantwortung, diese
Autorität, wo sie heute noch unzureichend ist, entsprechend zu festigen.
Und alle Bürger in allen Bereichen haben die Verantwortung, die Rechte
aller anderen und das Gesetz des Landes zu respektieren.
All dies steht im Zusammenhang mit dem Weltfrieden. 'Wenn jemand
desWege dem Herrn Wohlgefallen', so heißt es in der Heiligen Schrift,
'macht Er auch seine Feinde mit ihm zufrieden'.
Und ist nicht letztlich der Friede im Grunde eine Sache der Menschenrechte - des Rechts, unser Leben ohne Furcht vor Vernichtung ganz
zu leben, des Rechts künftiger Generationen auf ein gesundes Dasein?
So wie wir uns um den Schutz unserer nationalen Interessen bemühen, so wollen wir auch die menschlichen Interessen schützen. Und
die Abschaffung des Krieges und der Waffen dient eindeutig den einen
wie den anderen. Kein Vertrag, so sehr er auch zum Vorteil aller sein

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�AMERIKA DIENST
sein und so genau er auch formuliert sein mag, kann eine absolute
Sicherheit gegenüber den Gefahren der Täuschung und der Umgehung
bieten. Aber er kann - wenn er in seiner Durchführung nur wirksam
genug ist und weitestgehend im Interesse seiner Unterzeichner liegt
weitaus mehr Sicherheit bieten und weniger Risiken bergen als ein
unvermindertes, unkontrolliertes und unberechenbares Wettrüsten.
Wie die Welt weiß, werden die Vereinigten Staaten niemals
einen Krieg beginnen. Wir wollen keinen Krieg. Wir rechnen jetzt
nicht mit einem Krieg. Die gegenwärtige Generation von Amerikanern
hat bereits genug - mehr als genug - von Krieg, Haß und Unterdrükkung erlebt. Wir werden auf den Krieg vorbereitet sein, wenn andere
ihn wünschen. Wir werden jederzeit bemüht sein zu versuchen, ihn
zu unterbinden. Aber wir werden ebenfalls unseren Teil dazu beitragen, eine Welt des Friedens aufzubauen, in der die Schwachen sicher
und die Starken gerecht sind. Wir stehen nicht hilflos vor dieser
Aufgabe und sind nicht ohne Hoffnung im Hinblick auf ihren Erfolg.
Voller Vertrauen und ohne Furcht werden wir weiterarbeiten, nicht
in Richtung auf eine Strategie der Vernichtung, sondern in Richtung
auf eine Strategie des Friedens."

* * * # *

- 9 -

�THE

W H I T E

HOUSE

Remarks of t h e P r e s i d e n t of t h e U n i t e d S t a t e s of America
JOHN F . KENNEDY
i n t h e Assembly H a l l of P a u l s k i r c h e , F r a n k f u r t ,

June 2 5 , 1963

Germany

�One hundred and fifteen years ago a most learned Parliament
was convened in this historic hall. Its goal was a united German
Federation. Its members were poets and professors, lawyers and
thinkers, doctors and clergymen, freely elected in all parts of
the land. No nation applauded its endeavors as warmly as my own.
No assembly ever strove nore ardently to put perfection into
practice. And though in the end it failed, no other building in
Germany more deserves the title of "cradle of German democracy."
But can there be such a title? In my own home city of Boston,
Faneuil Hall - once the meeting-place of the authors of the Revolution - has long been known as the "cradle of American liberty."
But when, in 1852, the Hungarian patriot Kossuth addressed an
audience there, he criticized the name. "It is, he said, "a great
name - but there is aomething in it which saddens my heart. You
should not say 'American liberty.' You should say 'liberty in
America.' Liberty should not be either American or European - it
should just be 'liberty.'"
Kossuth was right. For unless liberty flourishes in all lands,
it cannot flourish in one. Conceived in one hall, it must be
carried to many. Thus the seeds of the American Revolution had been
brought earlier from Europa, and they later took root around the
World. And the German Revolution of 1848 transmitted ideas and
idealists to America and other lands. Today, in 1963» democracy and
liberty are more international than ever. And the spirit of the
Frankfurt Assembly, like the spirit of Faneuil Hall, must live in
many hearts and nations if it is to live at all.
For we live in an age of interdependence as well as independence - an age of internationalism instead of nationalism. In 1848
many countries were indifferent to the goals of the Frankfurt Parliament. It was, they said, a German problem. Today there are no
exclusively German problems, or American problems, or even European
Problems. There are world problems - and our two countries and
continents are inextricably bound together on the tasks of peace
as well as war.
We are • irtners for peace - not in a narrow bilateral context
but in a framework of Atlantic Partnership. The ocean divides us
less than the Mediterranean divided the ancient world of Greece and
Rome. Our Constitution is oldard yours is young - cur culture is young
and yours is old - but in our commitment to freedom, we can and
must speak with but one voice. Our roles are distinct but complementary - and our goals are the same: peace and freedom for all men,
for all men, for all time, in a world of abundance and justice.
That is why our nations are working together to strengthen
KATO, to expand trade, to assist the developing countries, to
align our monetary policies and to build the Atlantic Community.
I would not diminish the miracle of West Germany's economic
achievements. But the true German miracle has been your rejection
of the past for the future - your reconciliation with France,
your participation in the building of Europe, your leading role in
NATO, and your growing Support for constructive undertakings
throughout the world.
Your
-

2

-

�Your economic institutions, your constitutional guarantees, your
confidence in civilian autlority, are all harmonious with the ideals
of older democracies. And they form a firm pillar of the democratic
European Community.
But Goethe teils us in his greatest poem that Faust lost the
liberty of his soul when he said to the passing moment: "Stay, thou
are so fair." And our liberty, too, is endangered if we pause for the
passing moment, if we rest on our achievements, if we resist the pace
of progress. For time and the world do not stand still. Change is
the law of life. And those who look only to the past are certain to
miss the future.
The future of the West lies in Atlantic Partnern ip - a System
of Cooperation, interdependence and harmony whose peoples can jointly
meet their burdens and opportun!ties throughout the world. Some say
that is only a dream, but I do not agree. A generation of achievement the Marshall Plan, NATO, the Schuman Plan, and the Common Market urges us up the path to greater unity.
There will be difficulties and delays. There will be doubts and
discouragement. There will be differences of approach and opinion. But
we have the will and the means to serve three related goals - the heritage of our countries, the unity of our continents and the interdependence of the Western Alliance.
Some say that the United States will neither hold to these
purposes nor abide by its pledges - that we will revert to a narrow
nationalism. But such doubts fly in the face of history. For eighteen
years the United States has stood its watch for freedom all around
the world. The firmness of American will, and the effectiveness of
American strength, have been shown, in support of free men and free
governments, in Asia, in Africa, in the Americas, and, above all, here
in Europe. We have undertaken, and sustained in honor, relations of
mutual trust and Obligation with more than forty allies. We are proud
of this record, which more than answers all doubts. But, in addition,
these proven commitments to the common freedom and safety are assured,
in the future as in the past, by one great fundamental fact - that they
are deeply rooted in America's own self-interest. Our commitment to
Europe is indispensable - in our interest as well as yours.
I'. is n...t in our interest to try to dominate the European
Councils of decision. If that were our objective, we would prefer to
see Europi divided and weak, enabling the United States to deal with
each fragment individually. Instead we look forward to a Europe united
and strong - speaking with a common voice - acting with a common will a world power capable of meeting world problems as a füll and equal
partner.
This is in the interest of us all. For war in Europe, as we
learned twice in 40 years, destroys peace in America. A threat to
the freedom of Europe is a threat to the freedom of America. That is
why no administration in Washington can fail to respond to such a
threat - not merely from good will but from necessity. And that _is_

-

3 -

�is why we look forward to a united Europe in an Atlantic Partnerhsip an entity of interdependent parts, sharing equally both burdens and
decisions, and linked to £ether in the tasks of defense and the arts
of peace.
This is no fantasy. It will be achieved by concrete steps to
solve the problems that face us all: military, economic and political.
Partnership is not a posture but a process - a continuous process
that grows stronger each year as we devote ourselves to common tasks.
The first task of the Atlantic Community was to assure its common
defense. That defense was and still is indivisible. The United States
will risk its cities to defend yours because we need your freedom
to protect ours. Hundreds of thousands of our soldiers serve with
yours on this continent, as tangible evidence of that pledge. Those
who would doubt our pledge or deny this indivisibility - those who
would separate Europe from America or split one ally from another would only give aid and comfort to the men who make themselves our
adversaries and welcome any Western disarray.
The purpose of ouf common military effort is not war but peace not the destruction of nations but the protection of freedom. The
forces that West Germany contributes to this effort are second to none
among the Western European nations. Your nation is in the front line
of defense - and your divisions, side by side with our own, are a
source of strength to us all.
These conventional forces are essential; and they are backed by
the sanction of thousands of the most modern weapons here on European
soil and thousands more, only minutes away, in posts around the world.
Together our nations have developed for the forward defense of free
Europe a deterrent far surpassing the present or prospective force
of any hostile power.
Nevertheless, it is natural that America1s nuclear position has
raised questions 'vifhin the Alliance. I believe we must confront these
questions - not by uarning the clock backward to separate nuclear
deterrents - but by developing a more closely unified Atlantic
deterrent, with genuine European participation.
How this can best be done, end it is not easy - in some iraqra more
difficult to split the atom physically - how this can best be done
is now under discussion with those who may wish to join in this effort.
The proposal before us is for a new Atlantic force. Such a force would
bring strength instead of weakness, cohesion instead of division.
It would belong to all members, not one, with all participating on
a basis of füll equality. And as Europe moves towards unity, its role
and responsibility, here as elsewhere, would and must increase
accordingly.
Meanwhile, there is much to do. We must work more closely together
on strategy, training and planning. European officers from NATO are
being assigned to Strategie Air Command Headquarters in Omaha,
Nebraska. Modern weapons are being deployed here in Western Europa.
And

�And America's Strategie deterrent - the most pov/erful in history will continue to be at the Service of the whole Alliance.
Second: Our partnership is not military alone. Economic unity
is also imperative - not only among the nations of Europe, but across
the wide Atlantic.
Indeed, economic Cooperation is needed throughout the entire Free
World• By opening our markets to the developing countries of Africa,
Asia and Latin America, by contributing our capital and our skills, by
stabilizing basic prices, we can help assure them of a favorable
climate for freedom and growth. This is an Atlantic responsibility.
For the Atlantic nations themselves helped to awaken these peoples.
Cur merchants and traders ploughed up their soils - and their
secieties as well - in search of minerals and oil and rubber and coffee.
Now we raust help them gain füll membership in the 20th Century, closing
the gap between rieh and poor.
Another great economic challenge is the Coming round to trade
negotiations. Those deliberations are much more important than a
technical discussion of trade and commerce. They are an opportunity
to build common industrial and agricultural policies across the
Atlantic. They are an opportunity to open up new sources of demand to
give new impetus to growth, and make more Jobs and prosperity, for our
expanding populations. They are an opportunity to recognize the trading
needs and aspirations of other Free World countries, including Japan.
In short, these negotiations are a test of our unity. While each
nation must naturally look out for its own interests, each nation must
also look out for the common interest - the need for greater markets
on both sides of the Atlantic - the need to reduce the imbalance between
developed and underdeveloped nations - and the need to stimulate the
Atlantic economy to higher levels of produetion rather than to stifle
it by higher levels of protection.
We must not return to the 1930 's when we exported to each other
our own Stagnation. We must not return to the discredited view *that
trade favors some nations at the expense of others. Let no one think
that the United States - with only a fraction of its economy dependent
on trade and only a small part of that with Western Europa - is seeking
trade expansion in order to dump our goods on this Continent. Trade
expansion will help us all. The experience of the Common Market - like
the experience of the German Zollverein - shows an increased rise in
business activity and general prosperity resulting for all partieipants
in such trade agreements, with no member profiting at the expense of
another. As they say on my own Cape Cod, a rising tide lifts all the
boats. And a partnership, by definition, serves both partners, without
domination or unfair advantage. Together we have been partners in
auversity - let us also be partners in prosperity.
Beyond development and trade is monetary policy. Here again our
interests run together. Indeed there is no field in which the wider
interest of all more clearly outweighs the narrow interest of one.
We have lived by that principle, as bankers to freedom, for a generation.
Now that other nations - including West Germany - have found new

-

5 -

�new economic strenght, it is time for common efforts here, too.
The great free nations of the world must take control of our monetary
Problems if those problems are not 4 o take control of us.
Third and finally, our partnership depends on common political
purpose. Against the hazards of division and lassitude, no lesser
force will serve. History teils us that disunity and relaxation are
the great internal dangers of an alliance. Thucydides reporte that
the Peloponnesians and their allies were mighty in battle but
handicapped by their policy-making body - in which, he related "each
presses its own ends... which generally results in no action at
all... they devote more time to the prosecution of their own
purposes than to the consideration of the general welfare - each
supposes that no härm will come of his own neglect, that it is the
•.usiness of another to do this or that - and so, as each separately
entertains the same illusion, the common cause imperceptibly decays."
Is that also to be the story of the Grand Alliance? Welded in a
moment of imminent danger, will it disintegrate in complacency, with
each member pressing its own ends to the neglect of the common cause'?
This must not be the case. Our old dangers are not gone beyond return,
and any division among us would bring them back in doubled strength.
Our defenses are now strong - but they must be made stronger. Our
economic goals are ncw clear - but v/e must get on with their Performance. And the greatest of our necessities, the most notable of our
omissions, is progress toward unity of political purpose.
For we live in a world in which our own united strength and
will must be our first reliance. As I have said before, and will say
again, we work toward the day when there may be real peace between
us and the Communi sts. V/e will not be second in that effort. But that
day is not yet here.
V/e in the United States and Canada are 200 million, and here
on the European side of the Atlantic Alliance are nearly 300 million
more. The strength and unity of this half-billion human beings are
and will continue to be the anchor of all freedom, for all nations.
Let us from time to time pledge ourselves again to the common purposes.
But let us go on, from words to actions, to intensify our efforts for
still greater unity among us, to build r.ew associations and institutions on those already established. Lofty words cannot construct
an alliance or maintain it - only concrete deeds can do that.
The great present task of construction is here on this continent
where the effort for a unified free Europe is underway. It is not for
Americans to prescribe to Europeans how this effort should be carried
forward. Nor do I believe that there is any one right course or any
Single final pattern. It is Europeans who are building Europe.
Yet the reunion of Europe, as Europeans shape it - bringing a
permanent end to the civil wars that have repeatedly wracked the
aorld - will continue to have the determined support of the United
States. For that reunion is a necessary step in strengthening the
community of freedom. It would strengthen our alliance for its defense.
And it would be in our national interest as well as yours.
T+
b

�It is otfly a fully cohesive Europe that can protect us all
against fragmentation of the alliance. Only such a Europe will
permit füll reciprocity of treatment across the ocean, in facing the
Atlantic agenda. With only such a Europe can we have a füll giveand-take between equals, an equal sharing of responsibilities,
and an equal level of sacrifice. I repeat again - so that there
may be no raisunderstanding - the choice of paths to the unity of
Europa is a choice which Europe must inake, But as you continue thi s
great effort, undeterred by either difficulty or delay, you should
know that this new European greatness will be not an object of
fear, but a source of strength, for the United States of America.
There are other political tasks before us. We must all learn to
practice more completely the art of consultation on matters stretching
well beyond immediate military and economic questions. Together, for
example, we must explore the possibilities of leashing the tensions
of the Cold War and reducing the dangers of the arms race . Together
we must work to strengthen the spirit of those Europeans who are
now not free, to reestablish their old ties to freedom and the West,
so that their desire for liberty and their sense of nationhood, and
their sense of belonging to the Western Community will survive for
future expression. We ask those who would be our adversaries to
understand that in our relations with them we will not bargain one
nation's interest against another's and that the commitment to the
cause of freedom is common to us all.
All of us in the West must be faithful to our conviction that
peace in Europe can never be complete until everywhere in Europe,
and that includes Gerinany, men can choose, in peace and freedom, how
their countries shall be governed, and choose - without threat to
any neighbor - reunification with their countrymen.
I preach no easy liberation and I make no empty promises; but
ir.y countrymen ,since our country was founded, believe strongly in the
proposition that all men shall be free and all free men shall have
this right of choice.
As we look steadily eastward in the hope and purpose of new
freedom, we must also look - end evermore closely - to our transAtlantic ties. The Atlantic Community will not soon become a Single
overarching super-state. But practical steps toward s tronger coimicr puipose
are well v/ithin our means. As we widen our common effort in defense,
and our threefold Cooperation in economics, we shall inevitably
strengthen our political ties as well. Just as your current efforts for
unity in Europe will produce a stronger voice in the dialogue between
us, so ir. America our current battle for the liberty and prosperity of
al] Citizens can only deepen the meaning of our common historic
:-urposes. In the far future there may be a new great union for us all.
But for the present, there is plenty for all to do in building new
and er.during connections.
In short, the words of Thucyiides are a warning, not a prediction.
We have it ir. us, as 18 years have shown, to build our defenses, to
strengthen our economies, and to tighten our political bonds, both
in gocd weather and in bad. We can move forward with the confidence
that is born of success and the skill that is born of experience. And

_ 7 .

�And as we rnove, l e t us t; ke h e a r t from the c e r t a i n t y t h a t we are
not only u n i t e d by danger and n e c e s s i t y , but by hope and purpose
as w e l l .
i

For we know nov; that freedom is raore than the rejection of tyranny that prosperity is more than an escape from want - that partnership
is more than a sharing of power. These are all, above all, great human
adventures. They must have meaning and conviction and purpose - and
because they do, in'your country now and in mine, in all the nations
of the Alliance, we are called to a great new mission.
It is not a mission of self-defense alone - for that is a
means, not an end. It is not a mission of arbitrary power - for we
rejeet the idea that one naiion should dominate another. The mission
is to create a new social order, founded on liberty and justice, in
which men are the masters of their fate, in which states are the
servants of their Citizens, and in which all men and women can share
a better life for themselves and their children. That is the objeet
of our common policy.
To realize this vision, we must seek, above all, a world of
peace - a world in which peoples dwell together in mutual respect
and work together in mutual regard - a world where peace is not a
mere interlude between wars, but an incentive to the creative
energies of humanity. Je will not find such a peace today, or even
tomorrow. The obstacles to hope are large and menacing. Yet the goal
of a peaceful world must - today and tomorrow - shape our decisions and
inspire our purposes.
So we are all idealists. We are all visionaries. Let it not be
said of this Atlantic generation that we left ideals and visions to
the past, nor purpose and determination to our adversaries. We have
come too far, we have sacrificed too much, to disdain the future now.
And we shall ever remember what Goethe told us - that the "highest
wisdom, the best that mankind ever knew" was the realization that
"he only earns his freedom and existence who daily conquers them
anew." Thank you.

*

* * * *

i

-

8

-

�THE

WHITE
H 0 U S E
Frankfurt, Germany

Ansprache des Präsidenten der Vereinigten Staaten
JOHN F. KENNEDY
in der Paulskirche zu Frankfurt am Main

Dienstag, 25. Juni

1963

�Vor 115 Jahren hat in diesem historischen Saal ein Parlament der erlauchtesten Geister Deutschlands getagt. Sein Ziel war
ein geeinter deutscher Bundesstaat. Dieses Parlament bestand aus
Dichtern und Professoren, aus Rechtsgelehrten und Philosophen, aus
Ärzten und Geistlichen, die in allen Teilen des Landes frei gewählt
worden waren. Und keine Nation spendete seiner Arbeit wärmeren Beifall als meine eigene. Keine parlamentarische Versammlung hat jemals
größere Anstrengungen unternommen, etwas Vollkommenes ins Werk zu
setzen. Und obwohl ihre Bemühungen letzten Endes scheiterten, kann
kein anderes Gebäude in Deutschland begründeteren Anspruch auf den
Ehrentitel der "Wiege der deutschen Demokratie" erheben.
Aber wie steht es überhaupt mit der Berechtigung eines solchen
Titels? In meiner eigenen Heimatstadt Boston ist die Faneuil Hall,
in der einst die Urheber unserer Revolution zusammenkamen, seit
langem als "Wiege der amerikanischen Freiheit" bekannt. Als jedoch im
Jahre 1852 der ungarische Patriot Kossuth dort eine Ansprache hielt,
übte er an dieser Bezeichnung Kritik. "Das ist ein schöner Name",
sagte er, "obgleich daran etwas auszusetzen ist, was mein Herz betrübt. Man sollte nicht von der 'amerikanischen Freiheit' sprechen.
Man sollte vielmehr von der 'Freiheit Amerikas' sprechen. Die Freiheit darf weder amerikanisch noch europäisch, sondern sie muß schlicht
und einfach 'die Freiheit' sein."
Kossuth hatte recht. Denn so lange die Freiheit nicht in allen
Ländern blüht, kann sie in einem einzelnen nicht gedeihen. Aus dem
Saale, von dem sie ihren Ausgang nahm, muß sie zu vielen anderen
weitergetragen werden. So ist die Saat der amerikanischen Revolution
von 1776 schon vorher aus Europa herübergebracht worden und hat später
in aller Welt Wurzeln geschlagen. Und auch die deutsche Revolution
von 1848 sandte
Ideen und Idealisten nach Amerika und anderen Ländern aus. Heute, im Jahre 19&amp;3» haben Demokratie und Freiheit internationalere Verbreitung gewonnen als je zuvor. Und der Geist der
Frankfurter Nationalversammlung muß genau wie der Geist von Faneuil
Hall in vielen Herzen und Nationen lebendig sein, wenn er überhaupt
lebendig bleiben soll.
Denn wir leben sowohl in einem Zeitalter wechselseitiger Abhängigkeit als auch in einem solchen der Unabhängigkeit - im Zeitalter des Internationalismus, nicht mehr des Nationalismus. Im Jahre
1848 verhielten sich viele Länder gleichgültig gegenüber den Zielen
der Frankfurter Nationalversammlung. Das war,ihrer Meinung nach,
ein deutsches Problem. Heute gibt es keine ausschließlich deutschen
Probleme oder amerikanischen Probleme oder europäischen Probleme
mehr. Wir haben es mit Weltproblemen zu tun - und unsere beiden Länder und Kontinente sind hinsichtlich der Aufgaben des Friedens wie
des Krieges unauflöslich miteinander verbunden.
Wir sind Partner bei der Sicherung des Friedens - nicht in
einem engumschriebenen, zweiseitigen Verhältnis, sondern im Rahmen
der Atlantischen Partnerschaft. Der Ozean trennt uns weniger noch,
als früher das Mittelmeer die antike Welt der Griechen und Römer

-

2

�Römer zu trennen vermochte. Wir besitzen eine alte und Sie eine
junge Verfassung - wir haben eine junge und Sie eine alte Kultur -,
aber was unsere Verpflichtung auf die Freiheit betrifft, so können
und müssen wir alle ein und dieselbe Sprache sprechen. Unsere Rollen
sind verschieden, doch ergänzen sie einander - und unsere Ziele sind
die gleichen: Friede und Freiheit für alle Menschen, für alle Zeiten,
in einer Welt des Überflusses und der Gerechtigkeit.
Aus diesem Grunde arbeiten unsere Nationen zusammen: um die
NATO zu festigen, um den Handel auszuweiten, um den Entwicklungsländern beizustehen, um eine gemeinsame finanzpolitische Linie zu
finden und um die Atlantische Gemeinschaft aufzubauen. Ich möchte
das Wunder der wirtschaftlichen Leistungen Deutschlands nicht verkleinern. Aber das wahre deutsche Wunder war Ihre Abkehr von der
Vergangenheit um der Zukunft willen - war Ihre Aussöhnung mit Frankreich, Ihre Beteiligung an der Schaffung Europas, Ihre führende Rolle
in der NATO und Ihre wachsende Unterstützung konstruktiver Vorhaben
in allen Teilen der Welt.
Ihr Wirtschaftsgefüge, Ihre Verfassungsgarantien, Ihr Vertrauen
in die Autorität ziviler Instanzen, das alles steht im Einklang mit
den Idealen älterer Demokratien. Und sie bilden einen festen Pfeiler
der demokratischen europäischen Völkergemeinschaft.
Doch wie uns Goethe in seinem größten Werke berichtet, sollte
Faust die Freiheit seiner Seele verspielt haben, sobald er zum flüchtigen Augenblicke sagte: "Verweile doch, du bist so schön." So ist auch
unsere Freiheit in Gefahr, wenn wir beim flüchtigen Augenblick verweilen, wenn wir uns auf unseren Leistungen ausruhen, wenn wir das Tempo
des Fortschritts bremsen. Denn die Zeit und die Welt stehen nicht still.
Der Wandel ist das Gesetz des Lebens. Und wer nur auf die Vergangenheit
blickt, verpaßt mit Sicherheit die Zukunft.
Die Zukunft des Westens beruht auf der Atlantischen Partnerschaft
- einem System der Zusammenarbeit, der wechselseitigen Abhängigkeit
und der Übereinstimmung zwischen Völkern, die ihre Lasten gemeinsam
tragen und ihre Chancen in aller Welt gemeinsam nutzen können. Mancher
mag sagen, das sei lediglich ein Traum, doch ich bin anderer Meinung.
Eine ganze Kette großer Leistungen - Marshallplan, NATO, Schumanplan
und Gemeinsamer Markt - drängt uns auf dem Weg zu größerer Einheit
immer weiter voran.
Wir müssen mit Schwierigkeiten und Hindernissen rechnen. Es
werden sich Zweifel und Enttäuschungen einstellen. Es werden methodische und Meinungsverschiedenheiten auftreten. Aber wir haben den
Willen und auch die Mittel, drei eng miteinander verbundenen Zielen
zu dienen: dem Erbe unserer Länder, der Einheit unserer Kontinente
und der Interdependenz der Bündnispartner des Westens.
Manche behaupten, die Vereinigten Staaten würden weder an diesen
Zielsetzungen festhalten, noch ihre Verpflichtungen einlösen - wir
würden vielmehr zu einem beschränkten Nationalismus zurückkehren.
Aber solche Zweifel verflüchtigen sich angesichts der geschichtlichen

-

3 -

�geschichtlichen Tatsachen. Seit 18 Jahren haben die Vereinigten
Staaten in aller Veit für die Freiheit Wache gehalten. Die Festigkeit des amerikanischen V/illens und der wirksame Einsatz amerikanischer Stärke zur Unterstützung freier Menschen und freier Regierungen sind in Asien, Afrika, auf dem amerikanischen Kontinent und vor
allem auch hier in Europa unter Beweis gestellt worden. '.Vir haben
zu über 40 Verbündeten Beziehungen auf der Basis gegenseitigen Vertrauens und wechselseitiger Verpflichtungen hergestellt und in Ehren
aufrechterhalten. Wir sind stolz auf diesen Sachverhalt,der alle
Zweifel mehr als ausreichend beantwortet. Außerdem wird diese nachweisliche Erfüllung unserer Verpflichtungen gegenüber der gemeinsamen
Freiheit und Sicherheit nach wie vor durch eine wichtige, grundlegende
Tatsache verbürgt: sie wurzelt nämlich tief im eigenen amerikanischen
Interesse. Unsere Verpflichtung gegenüber Europa ist unerläßlich - in
unserem eigenen wie in Ihrem Interesse.
Wir haben kein Interesse an dem Versuch, die beschlußfassenden
europäischen Gremien zu beherrschen. Wäre dies unser Ziel, so würden wir ein gespaltenes und schwaches Europa bevorzugen, das den
Vereinigten Staaten die Möglichkeit böte, mit den Einzelteilen getrennt zu verhandeln. Statt dessen setzen wir unsere Hoffnungen auf
ein einiges und starkes Europa - das eine gemeinsame Sprache spricht
und mit einem gemeinsamen Willen handelt -, in eine Weltmacht, die
imstande ist, die Weltprobleme als vollgültiger und gleichberechtigter Partner anzupacken.
Das liegt in unser aller Interesse. Denn ein Krieg in Europa
zerstört, wie wir in 40 Jahren zweimal erfahren haben, auch den Frieden in Amerika. Eine Bedrohung der Freiheit Europas ist eine Bedrohung
der Freiheit Amerikas. Deshalb kann keine Regierung in Washington
eine solche Drohung unbeantwortet lassen - das ist nicht nur eine
Frage des guten Willens, sondern eine Notwendigkeit. Und deshalb
hoffen wir auch auf ein vereintes Europa im Rahmen einer Atlantischen
Partnerschaft - als Gesamtheit interdependenter Teile, die an Lasten
und Entscheidungen gleichermaßen beteiligt und sowohl durch die Aufgaben der Verteidigung als auch durch die Werke des Friedens miteinander verknüpft sind.
Diese Vorstellung ist keine Phantasie. Sie wird Wirklichkeit
werden durch konkrete Maßnahmen zur Lösung der Probleme, vor die wir
uns alle gestellt sehen: im militärischen, im wirtschaftlichen und
im politischen Bereich. Partnerschaft ist kein Zustand, sondern ein
Prozeß - ein fortlaufender Prozeß, der sich von Jahr zu Jahr um so
stärker auswirkt, je mehr wir uns den gemeinsamen Aufgaben widmen.
Die erste Aufgabe der Atlantischen Gemeinschaft bestand in der
Sicherung der gemeinsamen Verteidigung. Diese Verteidigung ist nach
wie vor unteilbar. Amerika setzt seine Städte aufs Spiel, um Ihre
Städte zu verteidigen, weil wir Ihrer Freiheit bedürfen, um unsere
Freiheit schützen zu können. Hunderttausende unserer Soldaten dienen
gemeinsam mit den Ihrigen auf diesem Kontinent als konkretes Unterpfand jener Verpflichtung. Wer diese unsere Verpflichtung in Zweifel
zieht oder ihre Unteilbarkeit leugnet - wer einen Keil zwischen

- 4 -

�zwischen Europa und Amerika treiben oder die Verbündeten einander
entfremden möchte -, der unterstützt und stärkt damit nur jene
Leute, die sich selbst als unsere Gegner betrachten und denen jede
Verwirrung des »Yestens willkommen ist.
Das Ziel unserer gemeinsamen militärischen Anstrengungen
ist nicht der Krieg, sondern der Friede, nicht die Vernichtung von
Nationen, sondern die Sicherung der Freiheit. Die Streitkräfte, die
die Bundesrepublik Deutschland zu diesem Zweck beisteuert, werden
von denen keines anderen europäischen Landes über troffen. Ihr Land
steht in der ersten Verteidigungslinie - und Ihre Divisionen sind,
Schulter an Schulter mit den unsrigen, eine Quelle der Stärke für
uns alle.
Diese konventionell bewaffneten Streitkräfte sind von entscheidender Bedeutung, und dahinter stehen 'Tausende der modernsten Waffen
hier auf europäischem Boden sowie weitere Tausende, nur Minuten entfernt, rund um die Welt in Bereitschaft. Zusammen haben unsere Länder für die Vorwärtsverteidigung des freien Europas e:Ln Abschrekkungspotential entwickelt, das die gegenwärtige oder voraussichtliche
Stärke jedes Gegners bei weitem übertrifft.
Dennoch liegt es in der Natur der Sache, daß Amerikas nukleare
Position innerhalb des Bündnisses Fragen aufgeworfen hat. Ich glaube,
wir müssen uns mit diesen Fragen auseinandersetzen, nicht indem wir
die Uhr auf die Zeit der separaten nationalen Abschreckung zurückdrehen, sondern indem wir eine noch einheitlichere atlantische Abschreckungsmacht mit echter europäischer Beteiligung schaffen.
Wie sich dies am besten bewerkstelligen läßt, wird gegenwärtig
mit jenen erörtert, die an diesem Vorhaben teilzunehmen wünschen.
Der zur Diskussion s'tehende Vorschlag zielt auf eine neue atlantische
Streitmacht ab. Eine solche Streitmacht würde Stärke statt Schwäche
und Zusammenhalt statt Spaltung hervorbringen. Sie würde allen Mitgliedern und nicht einem einzigen gehören, wenn alle auf der Basis der
Gleichberechtigung beteiligt sind. Und je weiter Europa auf dem Wege
zur Einheit vcranschreitet, desto größer wird und muß demgemäß seine
Rolle und Verantwortung hier und anderswo werden.
Vorläufig aber gibt es noch viel zu tun. Auf den Gebieten der
Strategie, der Ausbildung und der Planung müssen wir noch enger zusammenarbeiten. Europäische NATO-Offiziere werden dem Hauptquartier
des Strategischen Luftkommandos in Omaha zugeteilt. Moderne Waffen
werden in Westeuropa bereitgestellt. Und Amerikas strategische Abschreckungsmacht - die stärkste der Geschichte - wird weiterhin im
Dienste des gesamten Bündnisses stehen.
Zweitens ist unsere Partnerschaft nicht nur militärischer Art.
Die wirtschaftliche Einheit - und zwar nicht nur zwischen den Nationen Europas, sondern auch über den Atlantik hinweg - ist eine
ebenso gebieterische Notwendigkeit.
Tatsächlich

-

5 -

�Tatsächlich ist eine wirtschaftliche Zusammenarbeit innerhalb
der gesamten freien Welt vonnöten. Indem wir den Entwicklungsländern
in Afrika, Asien und Lateinamerika unsere Märkte öffnen, ihnen unser
Kapital und unsere Erfahrungen zur Verfügung stellen und die Rohstoffpreise stabilisieren, können wir die Schaffung eines Klimas fördern,
das die Freiheit und das Wirtschaftswachstum begünstigt. Dies ist
eine atlantische Aufgabe, denn die atlantischen Nationen trugen
dazu bei, diese Völker zu erwecken. Unsere Kaufleute und Händler
begannen auf der Suche nach Mineralstoffen, Öl, Kautschuk und Kaffee,
ihren Boden und gleichzeitig ihre Gesellschaftsformen umzupflügen.
Jetzt müssen wir ihnen dabei helfen, vollgültige Mitglieder der Gesellschaft des 20. Jahrhunderts zu werden und die Kluft zwischen
;irm und reich zu überbrücken.
Eine andere große wirtschaftliche Aufgabe stellt uns die bevorstehende Verhandlungsrunde der Handelsgespräche. Diese Beratungen
stellen sehr viel mehr dar als nur technische Diskussionen über Zollund Handelsfragen. Sie bieten die Möglichkeit zur Schaffung einer
gemeinsamen Industrie- und Agrarpolitik über den Atlantik hinweg.
Sie bieten ferner eine Gelegenheit, neuen Bedarf zu wecken, um dem
wirtschaftlichen Wachstum neuen Auftrieb zu geben und mehr Arbeitsplätze und größeren Wohlstand für unsere wachsende Bevölkerung
zu schaffen. Sie geben uns auch Gelegenheit, die Hand*-. 1 swünsche und
Erwartungen der anderen freien Völker einschließlich Japans kennenzulernen.
Kurzum, diese Verhandlungen sind ein Prüfstein für unsere Einigkeit. Wenngleich jedes Land selbstverständlich seine eigenen Interessen im Auge hat, muß es doch seinen Blick auch auf die gemeinsamen
Interessen richten - auf die Notwendigkeit, die Märkte auf beiden Seiten des Atlantiks auszuweiten, auf die Notwendigkeit, das Gefälle
zwischen hoch- und minderentwickelten Ländern zu verringern, und auf
die Notwendigkeit, die atlantischen Volkswirtschaften auf ein höheres
Produktionsniveau zu bringen, statt sie durch höhere Schutzwälle zu
ersticken.
Wir dürfen nicht in die dreißiger Jahre zurückfallen, als wir
uns gegenseitig die eigene Stagnation exportierten. Wir dürfen nicht
zurückkehren zu der überholten Auffassung, daß der Handel einige Nationen auf Kosten der anderen begünstige. Niemand soll glauben, daß
die Vereinigten Staaten, deren Wirtschaft nur zum kleinen Teil vom
Außenhandel und zu einem noch geringeren Teil vom Handel mit Westeuropa abhängt, eine Ausweitung des Handels anstreben, um den
europäischen Kontinent mit amerikanischen Waren zu überschwemmen.
Die Ausweitung des Handels wird uns allen zugute kommen. Die Erfahrungen des Gemeinsamen Marktes verheißen - ähnlich wie die des
Deutschen Zollvereins - allen Partnerstaaten solcher Handelsabmachungen eine erhöhte wirtschaftliche Aktivität und Prosperität, ohne
daß sich einzelne Mitglieder auf Kosten anderer bereichern. In meiner Heimat, an der Cape-Cod-Küste, sagt man: Die steigende Flut macht
alle Boote flott. Und eine Partnerschaft dient laut Begriffsbestimmung
beiden Partnern, ohne Bevormundung oder Übervorteilung. Wir waren

-

6 -

�waren Partner in der Not - so lassen Sie uns auch Partner in der
Prosperität sein.
liber der Wirtschaftsentwicklung und Handelsausweitung steht
die Finanzpolitik. Auch hier laufen unsere Interessen wieder zusammen. Tatsächlich gibt es keinen Bereich, in dem die umfassenderen
Interessen aller Beteiligten die engeren Einzelinteressen eindeutiger
überwiegen. Als Sachwalter der Freiheit haben wir seit einer Generation nach diesem Prinzip gehandelt. Jetzt, nachdem andere Länder
einschließlich der Bundesrepublik Deutschland von neuem erstarkt sind,
ist auch hier die Zeit für weitere, gemeinsame Anstrengungen gekommen.
Die großen freien Nationen der Erde müssen ihre Währungsprobleme
bewältigen, damit sie nicht von diesen überwältigt werden.
Drittens und letztens beruht die Atlantische Partnerschaft
auf einer gemeinsamen politischen Zielsetzung. Gegen die Gefahren
der Spaltung und Erschlaffung ist mit geringeren Kräften nichts auszurichten. Die Geschichte lehrt, daß Uneinigkeit und Ermüdung die
großen inneren Gefahren sind, die einem Bündnis drohen. Thukydides
berichtet, die Peloponnesier und ihre Verbündeten seien mächtig in
der Schlacht, doch gehemmt durch eine politische Führung gewesenen der
"jeder seine eigenen Absichten verfolgt..., was im allgemeinen dazu
führt, daß jede Aktion unterbleibt... Sie verwenden mehr Zeit auf
die Besorgung ihrer eigenen Geschäfte als auf die Sorge für das Gemeinwohl... Jeder glaubt, daß aus seinen eigenen Versäumnissen kein
Schaden erwachse und daß es die Aufgabe anderer sei, dies oder jenes
zu tun - und da somit jeder für sich die gleiche Illusion hegt, gerät
die gemeinsame Sache unmerklich immer mehr in Verfall."
Soll unsere Große Allianz etwa das gleiche Schicksal erleiden?
Wird sie, die im Augenblick höchster Gefahr geschmiedet wurde, in
Selbstgefälligkeit zerfallen, weil jedes Mitglied seine eigenen Ziele
zum Nachteil der gemeinsamen Sache verfolgt? Das darf nicht geschehen.
Die alten Gefahren sind keineswegs ein für allemal gebannt, und jede
Spaltung in unseren Reihen könnte sie mit doppelter Macht wieder auf
den Plan rufen.
Unsere Verteidigung ist jetzt stark - doch muß sie noch stärker
werden. Unsere wirtschaftlichen Aufgaben sind jetzt klar - doch
müssen wir ihre Erfüllung weiter vorantreiben. Das größte Erfordernis und unsere bemerkenswerteste Unterlassung ist freilich der Fortschritt zu wahrer politischer Gemeinschaft.
Denn wir leben in einer Welt, in der wir uns in erster Linie
auf unsere eigene vereinte Stärke verlassen müssen. Wie ich schon
gesagt habe und hier erneut betonen möchte, arbeiten wir auf den
Tag hin, da es einen wirklichen Frieden zwischen uns und den Kommunisten geben kann; und wir werden uns in diesem Bemühen von niemandem übertreffen lassen. Aber dieser Tag ist noch nicht angebrochen.
Wir haben in den Vereinigten Staaten und in Kanada 200 Millionen
Menschen, und hier auf der europäischen Seite des Atlantischen Bündnisses kommen noch nahezu 300 Millionen hinzu. Die Stärke und

- 7 -

�und Einigkeit dieser halben Milliarde Menschen sind jetzt und in
Zukunft der Anker aller Freiheit für alle Nationen. Wir wollen uns
von Zeit zu Zeit der gemeinsamen Ziele versichern. Aber lassen wir
den Worten Taten folgen, indem wir unsere Bemühungen um noch mehr
Einigkeit zwischen uns verstärken und neue Verbindungen und Institutionen schaffen, die auf den bereits vorhandenen aufbauen. Durch
schöne Worte läßt sich keine Allianz errichten, sondern nur durch
konkrete Taten.
Die große konstruktive Aufgabe der Gegenwart liegt hier auf
diesem Kontinent, wo Bemühungen um die Schaffung eines geeinten
Europas im Gange sind. Es ist nicht Sache der Amerikaner, den
Europäern vorzuschreiben, wie diese Bemühungen voranzutreiben sind.
Ebensowenig glaube ich, daß es nur einen einzigen richtigen Kurs
oder nur eine alleingültige Form dafür gibt. Die Europäer selbst sind
es, die Europa bauen.
Doch der Zusammenschluß Europas wird, wenn Europäer ihn vollziehen, auch weiterhin die entschlossene Unterstützung der Vereinigten Staaten finden - und für immer die Bruderkriege beenden, die wiede
holt die Welt verwüstet haben. Denn dieser Zusammenschluß ist ein notwendiger Schritt für die Stärkung der Gemeinschaft der Freiheit. Er
würde unser Bündnis zu ihrer Verteidigung stärken. Und er läge sowohl in unserem wie auch in Ihrem nationalen-Interesse,
Nur ein in sich gefestigtes Europa kann uns alle vor der Zersplitterung des Bündnisses bewahren. Nur ein solches Europa ermöglicht eine echte Reziprozität in allem Tun und Trachten über den Ozean
hinweg, angesichts unseres wahrhaft atlantischen Arbeitsprogramms. Nur
mit einem solchen Europa ist ein uneingeschränktes Geben und Nehmen
zwischen Gleichberechtigten möglich und eine gleichmäßige Verteilung
der Verantwortung wie auch der Opfer. Ich möchte - damit keine Mißverständnisse aufkommen - noch einmal wiederholen; die Wahl der Wege
zur Einheit Europas muß von den Europäern getroffen werden. Wenn Sie
aber, unbeeindruckt durch Schwierigkeiten oder Verzögerungen, dieses
große Werk fortsetzen, sollen Sie wissen, daß die Vereinigten Staaten
von Amerika in dieser neuen Größe Europas keinen Anlaß zur Furcht,
sondern einen Quell der Stärke sehen.
Es werden Ihnen noch weitere politische Aufgaben gestellt werden.
Wir alle müssen die Kunst der Konsultation in Fragen, die weit über
die direkte militärische und wirtschaftliche Zusammenarbeit hinausgehen, noch besser beherrschen lernen. So müssen wir beispielsweise
gemeinsam die Möglichkeiten einer Lockerung der Spannungen im Kalten
Kriege und einer Verringerung der Gefahren des Wettrüstens erkunden.
Wir müssen gemeinsam alles tun, um jenen Europäern Mut zu machen, die
gegenwärtig nicht frei sind, ihre alten Verbindungen zur Freiheit und
zum Westen wiederherzustellen, auf daß der Wunsch nach Freiheit und
das Gefühl der nationalen Zusammengehörigkeit für spätere Zeiten
lebendig bleiben.
Möchten

�Möchten doch jene, die sich als unsere Gegner betrachten, endlich begreifen, daß wir, in unseren Beziehungen zu ihnen, nicht die
Interessen anderer Staaten gegeneinander ausspielen werden, und daß
wir uns alle gleichermaßen der Sache der Freiheit verschrieben haben.
Wir alle hier im Westen müssen treu zu unserer Überzeugung stehen,
daß der Friede in Europa nie vollständig sein kann, solange nicht überall in Europa die Menschen in Frieden und Freiheit darüber befinden
können, wie ihre Länder regiert werden sollen, und - ohne Bedrohung
irgendeines Nachbars - die Wiedervereinigung mit ihren Landsleuten
erwählen können.
Ich predige keine leichte Befreiung, und ich mache keine leeren
Versprechungen. Meine Landsleute sind jedoch fest von dem Grundsatz
überzeugt, daß alle Menschen frei sein sollen und alle freien Menschen
Anspruch auf Entscheidungsfreiheit haben.
So wie wir ständig in der Hoffnung und zielstrebigen Erwartung
neuer Freiheit nach dem Osten blicken, so müssen wir auch unsere
Aufmerksamkeit - und zwar immer nachdrücklicher - auf unsere transatlantischen Bindungen richten. Die Atlantische Gemeinschaft wird sicher
nicht schon in Kürze zu einem einheitlichen, alles überwölbenden tiberstaat werden. Aber praktische Schritte auf dem Weg zu einer entschiedeneren gemeinsamen Zielsetzung liegen durchaus im Bereich unserer
Möglichkeiten. Je mehr wir unsere gemeinsamen Verteidigungsanstrengungen und unsere wirtschaftliche Zusammenarbeit in den drei erwähnten
Bereichen intensivieren, werden sich zwangsläufig auch unsere politischen
Bindungen festigen. Genauso wie Ihre gegenwärtigen Bemühungen um Einheit in Europa Europas Stimme im Zwiegespräch mit uns nachdrücklicher
zur Geltung bringen werden, so kann unser gegenwärtiges Ringen um Freiheit und Wohlfahrt aller amerikanischen Bürger die Bedeutung unserer
gemeinsamen historischen Zielsetzungen nur stärken. Die fernere Zukunft mag für uns alle vielleicht einen neuen großen Bund bereithalten.
Doch hier und heute schon gibt es für jeden genug zu tun, um neue und
dauerhafte Verbindungen zu schaffen.
Kurzum, die Worte des Thukydides sind eine Warnung, keine Voraussage. Wie die letzten 13 Jahre beweisen, sind wir sehr wohl imstande,
unsere Verteidigungssysteme auszubauen, unsere Volkswirtschaften zu
festigen und unsere politischen Bindungen in guten wie in schlechten
Tagen noch enger zu gestalten. Wir können mit jener Zuversicht weiter
voranschreiten, die aus dem Erfolg erwächst, gepaart mit jenem Können,
das die Erfahrung verleiht. Und auf unserem Weg wollen wir Mut aus
der Gewißheit schöpfen, daß nicht nur Gefahr und Notwendigkeit, sondern
ebenso auch Hoffnung und Zielstrebigkeit uns einen.
Denn wir wissen jetzt, daß Freiheit mehr bedeutet als Ablehnung
der Tyrannei - daß Prosperität mehr bedeutet als Erlösung von der Not
- daß Partnerschaft mehr bedeutet als Beteiligung an der Macht. All
das sind in erster Linie große Menschheitsabenteuer. Sie müssen Sinn
und Überzeugungskraft und Zielstrebigkeit haben, und weil das so ist heute in Ihrem Land und in meinem und in allen Nationen des Bündnisses -,
sind wir zu einer großen neuen Mission aufgerufen.

Es
_

o _

�Es ist nicht allein eine Hission der Selbstverteidigung - denn
sie ist ein Mittel, kein Endzweck. Es ist nicht eine Mission aus
eigener Machtvollkommenheit, denn wir lehnen die Vorstellung ab,
daß eine Kation eine andere bevormunden dürfe. Unsere Mission ist
die Schaffung einer neuen Gesellschaftsordnung, die auf Freiheit
und Gerechtigkeit fußt, wo der Mensch Herr seiner Geschicke, wo
der Staat der Diener seiner Bürger ist und wo alle Männer und Frauen
eines besseren Lebens für sich und ihre Kinder teilhaftig werden
können.
Um diese Vision Wirklichkeit werden zu lassen, müssen wir vor
allem eine Welt des Friedens erstreben - eine Welt, in der die Völker
in gegenseitiger Achtung zusammen leben und in gegenseitiger Wertschätzung zusammenarbeiten, eine Welt, in der der Friede nicht mehr
nur eine Pause zwischen zwei Kriegen ist, sondern den schöpferischen
Kräften der Menschheit Auftrieb gibt. Wir werden einen solchen Frieden
nicht heute finden, auch nicht morgen. Große, dräuende Hindernisse
stehen der Erfüllung der Hoffnung im Wege. Dennoch muß das Ziel der
Schaffung einer friedlichen Welt - heute wie morgen - unsere Entscheidungen leiten und unser Wollen beflügeln.
Insofern sind wir alle Idealisten. Insofern sind wir alle
Visionäre. Man soll dieser atlantischen Generation nicht nachsagen
können, daß sia Ideale und Visionen der Vergangenheit und Zielstrebigkeit und Entschlußkraft ihren Widersachern überlassen habe. Wir
haben bereits zu viel erreicht und zu große Opfer gebracht, um jetzt
die Zukunft preiszugeben. Und wir sollten immer des Goetheworts eingedenk bleiben: "Dies ist der Weisheit letzter Schluß - Nur der verdient sich Freiheit wie das Leben, der täglich sie erobern muß".

10

-

�THE

W H I T E

H O U S E

Remarks of the President of the United States of America
JOHN F. KENNEDY

at the Free University Berlin, Germany

June 26, 1963

1

�Mr. Mayor, Mr. Chancellor, distinguished Ministers, Members
of the Faculty and Pellows of this University, Fellow Students,

I am honored to become an instant graduate of this distinguished
University. The fact of the matter is, of course, that any university, if it is a university, is free. So one might think the words
"Free University" are redundant but not in V/est Berlin. So I am
proud to be here.today and I am proud to have this association on
behalf of my fellow countrymen in this great center of learning.
Prince Bismarck once Said that one third of the students of German
universitiee broke down from overwork, another third broke down from
dissipation, and the other third ruled Germany. I do not know which
third of the Student body is here today, but I am confident that I
am talking to the future rulers of this country and also of other
free countries stretching around the world who have sent their
sons and daughters to this center of freedom in order to understand
what the world struggle is all about.
I know that when you leave this school, you will not imagine
that this institution was founded by Citizens of the world,
including my own country, and was developed by Citizens of West
Berlin, that you will not imagine that these men who teach you have
dedicated their lives to your knowledge in order to give this school's
graduates an economic advantage in the life struggle. This school
is not interested in turning out merely corporation lawyers or skilled
accountants. What it is interested in, and this must be true of every
university, it must be interested in turning out Citizens of the world
- men who comprehend difficult, sensitive tasks that lie before us
as free men and women, and men who are willing to commit their energies
to the advancement of a free Society. That is why you are here and
that is why this school was founded, and all of us benefit from it.
It is a fact that in my own country in the American Revolution,
that revolution, and the society that developed thereafter, was
built by some of the most distinguished scholars in the history of
the United States who were at the same time among our foremost
politicians. They did not believe that College was merely for the
study, they thought is was for the market place as well. And Madison
and Jefferson and Franklin and all the others who built the United
States, who built our Constitution, who built it on a sound framework,
I believe set an example for us all. And what is true of my country has
been true of your country and the countries of Western Europe.
As an American said a hundred years ago, was John Milton to
conjugate Greek verbs in his library when the freedom of Englishmen
was imperilled? The duty of the scholar, of the educated man, of
the man or woman whom society has developed talents in, the duty of
that man or woman is to help build the society which has made their
own advancement possible . You understand it. And I understand it,
and I am proud to be with you.
Goethe,

_

2

�Goethe, whose home city I visited yesterday, believed that
education and culture were the answer to international strife.
With sufficient learning, he v/rote, "a Scholar forgets national
hatreds, Stands above nations, and feels the well-being or troubles
of a neighboring people as if they happened to his own."
That is the kind of scholar that this University is training.
In the turbulent years, since this Institution was founded, dedicated
to the motte- "Truth, Justice, and Liberty, much has changed. The
University enrollment has increased seven-fold, and related Colleges
have been founded. West Berlin has been blockaded, threatened,
harassed - but it continues to grow in industry, and culture, and size
and in the hearts of free men. Germany has changed. Western Europe and
indeed the entire world have changed. But this University has maintaine
its fidelity to these three ideals - truth, justice and liberty.
I choose, therefore, to discuss the future of this city briefly
in the context of these three obligations. Speaking a äiort time ago
in the center of the city I reaffirmed my country's commitments to
West Berlin1s freedom and restated our donfidence in its people
and their courage. The shield of the military commitment with which
we in association with two other great powers guard the freedom of
West Berlin will not be lowered or put aside so long as its presence is
needed. But behind that shield, it is not enough to mark time - to
adhere to a status quo while awaiting a change for the better. In a
Situation fraught with challenge, and the last four years in the
world have seen the most extraordinary challenge, the significance of
which we cannot even grasp today, and only when history and time have
passed can we realize the significant events that happened at the
end of the fifties and the beginning of the sixties - in a Situation
fraught with change and challenge in an era of this kind every resident
of West Berlin has a duty to consider where he is, where his city is
going, and how best it can get there. The scholar, the teacher, the
intellectual have a higher duty than any of the others. For society
has trained you to think as well as do. This Community has committed
itself to that objeetive, and you have a special Obligation to think
and to help forge the future of this city in terms of truth and
justice and liberty.
First, what does truth require? It requires us to face the
facts as they are, not to involve ourselves in self-deception, to
refuse to think merely in slogans. If we are to work for the future
of this city, let us deal with the realities as they actually are,
not as they might have been and not as we wish they were.
Reunification, I believe, will some day be a reality. The
lessons of history support that belief, especially the history in
the world of the last 18 years. The strongest force in the world
today has been the strength of the State, of the idea of hationalism
of a people, and in Africa, and Latin America and Asia - all around the
globe - new countries have sprung into existence determined to
maintain their freedom. This has been one of the strongest forces on
the side of freedom, and it is a source of satisfaction to me that so
many countries of Western Europe recognized this and chose to move

-

3 -

�move with this great tide. And therefore ,that tide has served us,
and not our adversaries. But we all know that a police state regime has
been imposed on the Eastern sector of this city and country. The
peaceful reunification of Berlin and Germany will, therefore, not
be either quick or easy. We must first bring others to see their own
true interest better than they do today.
What will count in the long run are the realities of Western
strength, the realities of Western commitment, the realities of
Germany as a nation and a people, without regard to artificial
boundaries of barbed wire. Those are the realities upon which we
rely - and on which history will move, and others, too, would do
well to recognize them.
And secondly. what does justice require? In the end, it requires
liberty, and I will come to that. But in the meantime, justice
requires us to do what we can do, in this transition period, to
improve the lot and maintain the hopes of those on the other side.
It is important that the people on the quiet streets in the East
be kept in touch with Western society - through all the contacts
and communication that can be established - through all the trade
that Western security permits.
Above all, whether they see much or little of the West, what
they see must be so bright as to contradict the daily drum-beat of
distortion from the East. You have no higher opportunity, therefore,
than to stay here in West Berlin - to contribute your talents and
skills to its life - to show your neighbors democracy at work, a growing
and productive city offering freedom and a better life for all.
You are helping now by your studies and by your devotion to
freedom, and you.therefore,earn the admiration of your fellow students
from wherever they come.
Today I have had a chance to see all this myself. I have seen
housing and factories and office buildings; commerce and a vigorous
academic and scientific life here in this Community. I've seen the
people of this city. And I think that all of us who have come here
know that the morale of this city is high, the Standard of living is
high, faith in the future is high, and that this is not merely an
isolated outpost cut off from the world, cut off from the West.
Students come here from many countries. And I hope more will come,
especially from Africa and Asia. Those of you who may return from
study here to other parts of Western Europe will still be helping to
forge a society which most of those across the wall yearn to join.
The Federal Republic of Germany - as all of us know from our viäits
better than ever - has created a free and dynamic economy from the
disaster of defeat, and a bulwark of freedom from the ruins of
t'yranny.
V/est Berlin and V/est Germany have dedicated and demonstrated
their commitment to the liberty of the human mind, the welfare of
the Community, and peace among nations. They offer social and economic security and progress for their Citizens. And all this has

- 4 -

�has been accomplished - and this is the important point - not
only because of their economic plant and capacity, but because
of their commitment to democracy. Because even economic wellbeing and democracy must go hand-in-hand.
And finally. what does liberty require? The answer is clear:
a united Berlin, in a united Germany, united by self-determination and living in peace. This right of free choice is no special privilege
claimed for Germans alone; it is an elemental requirement of human
justice. So this is a goal we shall never abandon. And it is a
goal which may well be obtainable most readily in the context of
a reconstitution of the larger Europe on both sides of the harsh
line which now divides it.
This idea is not new in the postwar West. Secretary Marshall,
soon after he delivered his famous speech at Harvard University
urging aid to the reconstruction of Europe, was asked what area his
proposal might cover; and he replied that he was "taking the commonly
accepted geography of Europe - west of Asia."
His offer of help and friendship was rejected -^ut it is not too
early to think once again in terms of all of Europe. For the winds
of change are blowing across the curtain as well as in the rest
of the world. The cause of human rights and dignity, some two
centuries after its birth in Europe and the United States, is still
moving men and nations with ever-increasing momentum. The Negro
Citizens of my own country have strengthened their demand for
equality and opportunity - and the American people and government
are determined to respond. The pace of decolonization has quickened
in Africa. The peoples of the developing nations have intensified
their pursuit of social and economic justice.
The people of Eastern Europe, even after 18 years of oppression,
are not immune to change. The truth doesn't die. The desire for
liberty can never be fully suppressed. The people of the Soviet Union,
even after 45 years of party dictatorship, feel the forces of historical
evolution. The harsh precepts of Stalinism are officially recognized
as bankrupt. Economic and political Variation and dissent are appearing,
for example, in Poland, in Rumania, and the Soviet Union itself. The
growing emphasis on scientific and industrial achievement has been
accompanied by increased education and by intellectual ferment. Indeed,
the very nature of the modern technological Society requires human initiative and the diversity of free minds. So history itself runs against
the Marxist dogma, not toward it. Nor are such rsystems equipped to deal
with the Organization of modern agriculture and the diverse energies
of the modern consumer in a developed society.
In short, these dogmatic police states are an anachronism. Like
the division of Germany, and of Europe, it is against the tide of
history. The new Europe of the V/est - dynamic, diverse and democratic must exert an ever-increasing attraction to the peoples to the East.
And when the possibilities of reconciliation appear, we in the West
will make it clear that we are not hostile to any people or system,
provided they choose their own destiny without interfering with the
free choice of others. There will be wounds to heal and suspicions to
be eased on both sides. The difference in living Standards will have

-

5 -

�have to be reduced - by leveling up, not down. Fair and effective
agreements to end the arms race must be reached. These changes will
not come today or tomorrow, but our efforts must continue undiminished.
As I said this morning, I am not impressed by the opportunity
open to opular fronts throughout the world. I do not believe that
any Democrat can successfully ride that tiger. But I do believe of
the necessity of great powers working together to preserve the
human race, or otherwise we can be destroyed.
This process can only be helped by the growing unity of the
West, and we must all work towards that unity. For in unity there is
strength, and that is why I travel to this continent. And any
division or weakness only makes our task more difficult. Nor can
the West ever negotiate a peaceful reunification of Germany from
a divided and uncertain and competitive base.
In short, only if they see over a period of time that we are
strong and united, that we are vigilant and determined, are others
likely to abandon their course of armed aggression or Subversion.
Only then would genuine, mutually acceptable proposals to reduce
hostility have a chance to succeed.
This is not an easy course. There is no easy course to the
reunification of Germany and the reconstitution of Europe . But life
is never easy. There is work to be done and obligations are to be met obligations to truth, to justice and to liberty.

-

6 -

�THE

WH I T E

Remarks of t h e P r e s i d e n t

of

H 0 U S E

he United States of America

JOHN F . KENNEDY
at

t h e C i t y H a l l , W st Berlin, Germany

June 26, 1963

�I am proud to come to this city as the guest of your
distinguished Mayor who has symbolized throughout the world
the fighting spirit of West Berlin.
And I am proud to visit the Federal Republic with your
distinguished Chancellor who for so many years has committed
Germany to deraocra-cy ana freedom and progress, and to come here
in the Company of my fellow American»General Clay, who has been
in this city during its great moments of crisis and will come
again if ever needed.
Two thousand years ago the proudest boast was: "civis
Somanus sum." Today, in the world of freedom, the proudest boast
is: "Ich bin ein Berliner."
There are many people in the world who really don't understand - or say they don't - what is the great issue between the
Free World and the Communist "world. Let them come to Berlin.
There are some who say that Communism is the wave of the
future. Let them come to Berlin.
V

And there are some who say - in Europe and elsewhere -:
We can work with the Gommunists. Let them come to Berlin.
And there are even a few who say that it's true that Communism
is an evil System, but it permits us to inake economic progress.
Laßt sie nach Berlin kommen.'"
Freedom has many diff iculti es, and democracy is not perfect.
But we have never had to put a wall up to keep our people in to keep them from leaving us.
I want to say on behalf of my countrymen who live many
miles away on the other side of the Atlantic - who are far distant
from you - that they take the greatest pride that they have been
able to share with you, even from a distance, the story of the last
18 years. I know of no town, no city that has been besieged for 18
years that still lives with the vitality and the force and the
hope and the determination of the City of West Berlin.
While the wall is the most obvious and vivid demonstration
of the failures of the Communist System for all the world to see,
we take no satisfaction in it. For it is, as your Mayor said, an.
offense not only against history, but an offense against humanity separating families, dividing husbands and wives and brothers and
sisters, and dividing up people who wish to be joined together.
What is true of this city is true of Germany. Real lasting
peace in Europe can never be assured as long as one German out
of four is denied the elementary right of free men, and that is to
make a free choice. In 18 years of peace and good faith, this
generation of Germans has earned the right to be free, including
the right to unite their families and their nation in lasting
peace with good will to all people.
You
-

2

-

�You live in a defended island of freedom. But your life is
part of the mein. So let me ask you as I close to lift your eyes
beyond the dangers of today to the hope of tomorrow - beyond the
freedom merely of this ßity of Berlin, or your country of Germany to the advance of freedom everywhere, beyond the wall, to the
day of peace with justice; beyond yourselves, and ourselves, to all
mankind. Freedom is indivisible, and when one man is enslaved, all
are not free. When all are free, then we can look forward to that
day when this city will be joined as one - and this country and
this great continent of Europe - in a peaceful and hopeful globe.
When that day finally comes - as it will - the people of West
Berlin can take sober satisfaction in the fact that they were in th
front lines for almost two decades.
All free men, wherever they may be, are Citizens of Berlin.
Therefore, as a free man, I take pride in the words: "Ich bin ein
Berliner."

* * * * *

�A M E R I K A

D I E N S T

-Vi./26.7.1963
SONDERBOTSCHAFT PRÄSIDENT KENNEDYS
ÜBER US-ZAHLUNGSBILANZ

Washington - (AD) - Nachstehend übermitteln
wir Ihnen den Wortlaut der Sonderbotschaft,
die President Kennedy am 18. Juli 19&amp;5 a n
den US-Kongreß gerichtet hat.

"An den Kongreß der Vereinigten Staaten:
Kurze Zeit nach meiner Amtseinführung habe ich dem Kongreß
über die Probleme berichtet, die das wachsende und von einem starken Goldabfluß begleitete Zahlungsbilanzdefizit seit Ende der fünfziger Jahre für die USA in drei aufeinanderfolgenden Jahren aufgeworfen hatte. Und ich gab damals ein Programm bekannt, durch das
sowohl das Vertrauen in den US-Dollar wie auch schließlich der Ausgleich unserer internationalen Konten wiederhergestellt werden
sollte. Die Aufgabe, vor die wir uns so zwangsweise gestellt sahen,
wurde damals noch durch die Notwendigkeit vergrößert, der zunehmenden Arbeitslosigkeit nicht nur Einhalt zu gebieten, sondern sie
mehr und mehr abzubauen und unsere stagnierende Wirtschaft wiederzubeleben. Wir lehnten damals die Wahl zwischen zwei gleichermaßen
unannehmbaren Alternativen ab - nämlich die Beschäftigungslage im
Inland um den Preis einer Schwächung des Dollars im Ausland zu verbessern oder den Dollar um den Preis einer Schwächung der Wirtschaft
und der Nation zu stärken - und suchten nach einem neuen Weg, um
gleichzeitig unser Wirtschaftswachstum im Inland zu beschleunigen,
die Arbeitslosigkeit zu reduzieren und den Dollar durch die Beseitigung des Defizits in unserer internationalen Zahlungsbilanz zu
stärken. Es erscheint jetzt - fast zweieinhalb Jahre später angebracht, auf die Probleme zurückzublicken, denen wir uns damals
gegenübersahen, den inzwischen erzielten Fortschritt zu überprüfen
und den neuen Kurs abzustecken.
Da gibt es vieles, aus dem wir Mut schöpfen können. Unsere
Wirtschaft hat ihr Wachstum wieder aufgenommen, und die Arbeitslosigkeit konnte gesenkt werden. Der Dollar ist weiterhin stark und
wird durch nahezu 40 Prozent der Golddeckungsbestände der freien

-

1

-

�»

"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT DND ARBEIT
freien Welt sowie ein neu aufgebautes Netz bilateraler und multilateraler Finanzvereinbarungen abgesichert. Unser Goldabfluß wurde
um die Hälfte vermindert. Es gibt Anzeichen für eine langfristige
Verbesserung unserer internationalen Wettbewerbsposition, da unsere
Preise und Kosten konstant bleiben, während sie bei den anderen
steigen. Das Defizit in unserer Zahlungsbilanz ist gesenkt worden von 3»9 Milliarden Dollar im Jahre 196O auf 2,4 Milliarden Dollar
im Jahre 1961 und 2,2 Milliarden Dollar im Jahre 1962.
Darüber hinaus ist die grundlegende Stärke unserer Wirtschaft
gewaltig, real und von Bestand. Unser Zahlungsbilanzdefizit wurde,
was unseren Goldabfluß sowie die Zunahme unserer kurzfristigen
liquiden Verbindlichkeiten gegenüber Ausländern betrifft, ständig
durch die Zunahme unserer langfristigen, hohe Erträge abwerfenden
Auslandsguthaben ausgeglichen oder sogar mehr als ausgeglichen Guthaben, die in der Vergangenheit eine wachsende Quelle der Stärke
für unsere Zahlungsbilanz waren und die es auch weiterhin sein werden. Heute besitzen Amerikaner über 60 Milliarden Dollar in privaten
Auslandsinvestitionen, und die an die amerikanische Regierung zurückzuzahlenden Dollaranleihen belaufen sich auf insgesamt mehr als
11 Milliarden Dollar. Ende 1962 überstiegen alle diese Guthaben zusammen unsere Verbindlichkeiten gegenüber Ausländern um schätzungsweise 27 Milliarden Dollar. Und die Guthaben zeigten im Laufe der
Jahre eine wachsende Tendenz: Unsere Gesamteinnahmen aus diesen Guthaben betrugen 1959 rund 3 Milliarden Dollar; 1962 stiegen die Einnahmen auf 4,3 Milliarden Dollar, und für die kommenden Jahre rechnen
wir abermals mit einem weiteren erheblichen Zuwachs.
Dies alles sind Zeichen des Fortschritts. Doch noch immer ist
die Arbeitslosigkeit zu hoch, die Wachstumsrate zu niedrig, und es
muß - wiewohl auf lange Sicht günstig wirkende Kräfte am Werk sind heute noch mehr geschehen, um das fortwährende Zahlungsbilanzdefizit
zu beseitigen.
Ein wesentlicher Teil unseres Fortschrittes war bisher auf besondere Abmachungen mit anderen befreundeten Ländern zurückzuführen über vorzeitige Schuldentilgungsleistungen, Vorauszahlungen für militärische Lieferungen und über Geldaufnahmen im Ausland durch die USA.
Wenngleich sich ähnliche Abmachungen auch 1963 wieder als geeignet
erweisen könnten, um einen wesentlichen Teil des Brutto-Defizits
abzudecken, so darf man sich doch nicht auf unbegrenzte Zeit auf derartige spezielle Transaktionen verlassen. Während darüber hinaus bei
unserer Handelsbilanz und bei den Auslandsausgaben der Regierung bescheidene Verbesserungen festzustellen waren, hat der Kapitalabfluß,
sowohl an kurzfristigen wie an langfristigen Mitteln, weiter zugenommen .
Obwohl weitere Anstrengungen dringend notwendig sind, möchte
ich ganz eindeutig klarstellen, daß die USA auch bei der Lösung ihrer
internationalen Zahlurigsprobleme weiterhin an ihrer historischen Politik des Eintretens für freieren Handel und Kapitalverkehr festhalten
und auch weiterhin zu ihren Verpflichtungen stehen werden, einen fairen

-

2

�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT
fairen Anteil an der Verteidigung und der Entwicklung der freien
Welt zu tragen. Gleichzeitig werden wir die Politik fortsetzen,
durch die die Arbeitslosigkeit gesenkt und das Wirtschaftswachstum
hier im Inland beschleunigt werden soll - denn der Wohlstand aller
freien Völker ist unlösbar verflochten mit dem Fortschritt, der
von unserem eigenen Volke erzielt wird. Und ich möchte genauso eindeutig klarstellen, daß die USA weiterhin den Goldwert des Dollars
erhalten werden, der zu einem Satz von 35 Dollar pro Unze frei in
Gold konvertierbar ist und nach wie vor den Grundstein des Handelsund Zahlungssystems der freien Welt bildet.
Die Erhaltung des Vertrauens im Inland und die Fortführung der
Zusammenarbeit mit dem Ausland erfordern jedoch weitere administrative
und legislative Schritte, die den Kern unseres anhaltenden Zahlungsbilanzdefizits berühren - Schritte zur Steigerung unserer langfristigen Bemühungen um eine Verbesserung der Leistung unserer Wirtschaft
über Jahre hinweg, um den Ausgleich gegenüber dem Ausland zu erreichen
und die Expansion im Inland sicherzustellen - Schritte zur Intensivierung unserer kurzfristigen Bemühungen um einen Abbau des Zahlungsbilanzdefizits, während
die langfristigen Kräfte am Werke sind sowie Schritte zur Erweiterung der Zahl der Abmachungen, durch die
unser Defizit bis zur Wiederherstellung eines Ausgleichs auf eine
Weise finanziert werden soll, daß ein kontinuierliches, reibungsloses
Funktionieren der internationalen Währungs- und Handelssysteme gewährleistet ist.
Bevor wir uns nun den auf diesen beiden letzteren Gebieten erforderlichen Maßnahmen zuwenden, möchte ich erneut die Notwendigkeit
einer Verbesserung des Gesamtwirtschaftsbildes der USA auf lange Sicht
unterstreichen - dies schließt erhöhte Investitionen und verstärkte
Maßnahmen zur Modernisierung mit dem Ziel der Steigerung der Produktivität und der Gewinne, die Aufrechterhaltung der Stabilität der
Kosten und Preise sowie die Vollbeschäftigung und eine schnellere Expansion ein. Sie sind der Schlüssel zur Verbesserung unserer internationalen Wettbewerbsfähigkeit, zur Steigerung unseres Handelsüberschusses sowie zur Verringerung unseres Kapitalabflusses.
Aus diesem Grund ist eine baldige Verabschiedung des bereits
früher vorgelegten umfassenden Programms für eine Steuersenkung und
Revision des Steuersystems der wichtigste Schritt, der zur Erzielung
des Ausgleichs gegenüber dem Ausland wie auch der Expansion im Inland
getan werden kann. Die größeren Investitionsanreize und die vermehrte
Kaufkraft, die die Senkung der Einkommen- und Körperschaftssteuer
mit sich bringen wird,dürfte - zusammen mit den im vergangenen Jahr
gewährten Vergünstigungen für Investitionen und den erweiterten Abschreibungsmöglichkeiten - den Arbeitsmarkt, die Produktion, die Umsätze und die Investitionstätigkeit beleben, vor allem wenn ständig
ausreichende Kredite zu vernünftigen langfristigen Zinssätzen verfügbar sind. Eine blühende Wirtschaft mit hohen Investitionen führt
zu den schnellen Fortschritten in bezug auf Produktivität und Leistung, die zur Verbesserung unserer Wettbewerbsposition gegenüber
dem Ausland so dringend erforderlich sind. /
~

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3 -

�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT
Um neue Auslandsmärkte erschließen und die im eigenen Lande
erzielten Wachstums- und Leistungssteigerungen erhalten zu können,
müssen wir die in den letzten &lt;Tahren erreichte Kosten-Preis-Stabilität aufrechterhalten und Lohn- und Gewinnerhöhungen auf einen angemessenen Anteil an unserer steigenden Produktivität beschränken. Aus
diesem Grunde ermahnen wir die Arbeitgeber und Arbeitnehmer seit
zwei Jahren, sich bei der Lösung von Streitfragen im Rahmen von
Kollektivverhandlungen von dem Gesichtspunkt einer vernünftigen
Lohn-Preis-Relation leiten zu lassen. Der Erfolg unserer Bemühungen,
unser Preisniveau gegenüber dem unserer wichtigsten Konkurrenten
niedrig zu halten, stellt einen gewichtigen Faktor dar, der auf einen
langfristigen Ausgleich unserer Zahlungsbilanz hinwirkt. Diese Tatsache sollte man über den augenblicklichen kurzfristigen Entwicklungen
nicht übersehen.
Bis sich diese langfristigen Kräfte voll auszuwirken beginnen,
müssen wir eine Reihe von Sofortmaßnahmen in besonderen Bereichen
treffen, um das Defizit in unseren internationalen Transaktionen zu
verringern und unsere Goldreserven zu erhalten.
1. Ausweitung der Ausfuhr
Unsere kommerziellen Exporte an Waren und Dienstleistungen nach
anderen Ländern überstiegen 1962 unsere Importe um 4,3 Milliarden
Dollar, und sie bewegen sich in diesem Jahr bisher auf etwa gleicher
Höhe. Darin liegt unsere größte Stärke, doch können wir es nicht dabei
bewenden lassen. Unsere Warenexporte haben sich in den letzten drei
Jahren nur mäßig erhöht und mit der raschen Zunahme der Importe,
die mit der Expansion der heimischen Wirtschaft einherging, nicht
Schritt gehalten. Die Folge war, daß der Überschuß im kommerziellen
Handel 1962 zurückging, statt in zunehmendem Maße zu einer Stütze für
unsere übrigen Transaktionen zu werden.
t

Das wichtigste langfristige Korrektiv für diese Situation ist ,
die Durchführung des Gesetzes über die Ausweitung des Handels von
1962. Der Sonderbeauftragte für Handelsverhandlungen schickt sich an,
die mir in diesem Gesetz übertragenen Vollmachten im höchstmöglichen
Maße auszuschöpfen, indem er auf lineare Zollsenkungen und die Beseitigung anderer Handelshindernisse hinarbeitet. Damit dürften sich
den amerikanischen Ausfuhren neue Märkte eröffnen, während die bestehenden Märkte eine Ausweitung erfahren.
Wie bereits erwähnt, soll unser langfristiges Programm für die
heimische Wirtschaft - darunter die Steigerung der Investitionstätigkeit, die Erhöhung der Produktivität und die Aufrechterhaltung der Lohn
Preis-Stabilität - die Wettbewerbsposition unserer Produkte im Inund Ausland verbessern. Die Fortdauer der Preisstabilität im Inland
wird, bei Anhalten des Preisauftriebs im Ausland, ein immer günstigeres Klima für den amerikanischen Export schaffen; meine Regierung
konzentriert sich auf sechs Sofortmaßnahmen, um die amerikanische
Wirtschaft in die Lage zu versetzen, unser Exportpotential. zu nutzen.
Erstens :

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�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT
Erstens: Die Export-Import-Bank hat ein völlig neues ExportFinanzierungsprogramm eingeleitet, das der amerikanischen Wirtschaft
nunmehr Kreditmöglichkeiten einräumt, die denen in anderen Ländern
gleichen. Das wichtigste Element dieses neuen Programms ist die
Rückversicherung kurz- und mittelfristiger Ausfuhrkredite durch die
Foreign Credit Insurance Association, an der über 70 private Versicherungsgesellschaften gemeinsam mit der Export-Import-Bank beteiligt sind. Ich ersuche den Kongreß dringend, umgehend die volle
Leistungsfähigkeit dieses Instituts durch Erneuerung seiner Lizenz
und Bereitstellung ausreichender Mittel wiederherzustellen.
Zweitens: Das Außen- und das Handelsministerium haben ihre
Bemühungen im Ausland zur Sondierung neuer Märkte und zur Förderung
des Verkaufs und des Absatzes amerikanischer Produkte verstärkt
und ausgeweitet.
Drittens: Das Handelsministerium hat ein umfassendes Programm
zur Anleitung und Unterstützung derzeitiger und potentieller amerikanischer Exporteure ausgearbeitet. Für die Unterstützung der Bemühungen des Handelsministeriums zur Belebung unseres Exports habe
ich einen relativ geringen Betrag an zusätzlichen Mitteln angefordert.
Diese Mittel, die sich auf 6 Millionen Dollar belaufen, sind vom Repräsentantenhaus nicht bewilligt worden. Wenn wir aber unseren Außenhandelsüberschuß vergrößern wollen, ist es notwendig, diese Mittel
in das endgültige Bewilligungsgesetz wieder einzubauen. Diese bescheidene Summe wird sich vielfach auszahlen, in Form höherer Exporte,
eines geringeren Zahlungsbilanzdefizits und eines verstärkten Schutzes
unserer Goldreserven.
Viertens: Das Landwirtschaftsministerium hat im März ein neues
Auktionsprogramm für den direkten Verkauf von Baumwolle im Ausland
bekanntgegeben. Es ist zu erwarten, daß diese neue Absatztechnik
eine dem Wettbewerb angepaßte Preisgestaltung für unsere Baumwolle
auf den Exportmärkten gewährleisten und unseren Export um rund 100
Millionen Dollar gegenüber dem Vorjahr steigern wird.
Fünftens: Die derzeitigen Seefrachtraten benachteiligen unseren
Export gegenüber dem Import. Die Atlantik-Frachtraten für Güterverschiffungen in östlicher Richtung sind weitaus höher als die für
vergleichbare Frachten in umgekehrter Richtung. Eine ähnliche Situation herrscht auf anderen Frachtrouten. Wenn auch diese beträchtlichen Unterschiede in der unmittelbaren Nachkriegsperiode der
Dollar-Knappheit vertretbar waren, zu einer Zeit also, als Europa
darum kämpfte, wieder auf die Beine
zu kommen, so ist ihr
Ausmaß heute jedoch völlig ungerechtfertigt. Aus diesem Grunde habe
ich den Handelsminister angewiesen, durch die Seeschiffahrtsverwaltung eine Korrektur vornehmen zu lassen; und ich fordere das Bundesamt für die Seeschiffahrt auf, in seiner Eigenschaft als unabhängige
Aufsichtsbehörde die Frage der spezifischen Export-Frachtraten zu
untersuchen, die ungebührlich hoch erscheinen. Sollten gesetzliche
Maßnahmen sich als notwendig erweisen, so wird um solche ersucht
werden.
Sechstens:

�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT
Sechstens: Um unseren Bestrebungen zur Ausweitung des Exports
weiteren Nachdruck zu verleihen, werde ich zum 17. und 18. September
eine ''White House'-Konferenz über die Ausweitung der Exporte mit dem
Ziel einberufen, amerikanische Firmen, ob sie gegenwärtig im ExportGeschäft tätig sind oder nicht, auf die Möglichkeiten und Vorteile
der Aufnahme oder Ausweitung von Export-Bemühungen hinzuweisen. Wir
werden diese Gelegenheit benutzen, die amerikanischen Geschäftsleute
mit Nachdruck darauf hinzuweisen, daß verstärkte Anstrengungen zur
Erhöhung ihrer Exporte sowohl in ihrem eigenen als auch im Interesse
unseres Landes liegen.
2. Tourismus
Ein anderes Element in unseren kommerziellen Transaktionen, dem
wir unsere Aufmerksamkeit zuwenden müssen, ist die sich immer mehr zu
unseren Ungunsten entwickelnde Netto-Bilanz im Touristenverkehr. Mit
wachsendem Wohlstand, der Reisen amerikanischer Touristen ins Ausland
begünstigt
, haben sich die Ausgaben der Touristen in anderen Ländern im vergangenen Jahr um weitere 10 Prozent auf fast 2 1/2 Milliarden Dollar erhöht. Dieser Anstieg wurde zum Teil durch die höheren
Ausgaben ausländischer Touristen in den Vereinigten Staaten wieder ausgeglichen. Aber das Ergebnis war letztlich ein Abfluß von 1,4 Milliarden Dollar, was etwa zwei Dritteln des Gesamt-Zahlungsbilanzdefizits
des vergangenen Jahres entspricht. Dieses Jahr dürften die Ausgaben
noch weit größer sein. Aus diesem Grunde mußten wir die Zoll-Freigrenze für zurückkehrende Touristen auf 100 Dollar pro Person herabsetzen. Im vergangenen Jahr wurden durch diese Maßnahme Einsparungen
von über 100 Millionen Dollar erzielt, und ich bin froh, daß der
Kongreß diese Einschränkung um weitere zwei Jahre verlängert hat. Wir
haben ferner durch die Errichtung des US-Reisedienstes versucht, unsere Einnahmen über Besuchsreisen nach den USA zu erhöhen. Zur Unterstützung dieser Bemühungen empfehle ich nachdrücklich, daß der Kon' greß die für den US-Reisedienst angeforderten Bewilligungen voll
billigt.
Darüber hinaus ersuche ich im Einvernehmen mit den zuständigen
Regierungsbehörden die amerikanische Reise- und Fremdenverkehrswirtschaft, eine gemeinsame Kampagne mit dem Ziel in Angriff zu nehmen,
die Amerikaner anzuspornen, ihr eigenes Land und seine ruhmreiche
Tradition besser kennenzulernen. Bis zum Frühjahr 1964 soll das Programm "seht e uch Amerika heute an" auf vollen Touren laufen, auf daß
unsere gewaltigen Hilfsquellen im.höchstmöglichen Ausmaß genutzt
und Reisen im eigenen Lande zu einer reizvolleren Alternative zu
Auslandsreisen werden.
3. Auslandsausgaben der Regierung
Die Ausgaben der Bundesregierung im Ausland erfolgen weitgehend
für Verteidigung und Hilfe. Sie sind Ausdruck der Verpflichtungen,
die sich für uns aus unserer führenden Position in der Welt und unserer unbestrittenen wirtschaftlichen Stärke ergeben. Nach der
Wiedererholung der übrigen Industriestaaten, vor allem unserer

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�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT
unserer Verbündeten in Westeuropa, haben wir uns nachdrücklich und
mit zunehmendem Erfolg bemüht, zusammen mit ihnen eine bessere Verteilung
unserer gemeinsamen Verantwortung sicherzustellen. Diese
Bemühungen haben es uns zusammen mit einer rigorosen Überprüfung
unserer Auslandskäufe ermöglicht, unsere Auslandsausgaben trotz
steigender weltweiter Anforderungen und Kosten zu senken, und gleichzeitig die Sicherheit der freien Welt zu vergrößern und die Hilfe
für die Entwicklungsländer unvermindert fortzusetzen.
Die laufende Modernisierung unserer bewaffneten Streitkräfte
und die Verbesserung ihrer Schlagkraft, die eine Erhöhung unserer
Verteidigungsbereitschaft zur Folge hatten, verringern die Notwendigkeit,von Dollarausgaben im Ausland. Weitere Einsparungen dürften
sich gleichzeitig dadurch ermöglichen lassen, daß wir unsere Hilfe
mehr als bisher an~ Beschaffungskäufe in den USA knüpfen und die
zivilen Ausgaben scharf einschränken. Bis zum Januar 1965 dürfte dies
zu einer Kürzung der Staatsausgaben im Ausland gegenüber 1962 um rund
1 Milliarde Dollar führen.
a) Militärausgaben.
Das Verteidigungsministerium hat seit dem Amtsantritt meiner
Regierung nachdrückliche Anstrengungen unternommen, die Auslandsausgaben ohne Minderung der Militärischen Einsatzbereitschaft zu
verringern.
Trotz der Berlin-Maßnahmen des Jahres 1961 und der steigenden
Kosten im Ausland konnten die Gesamtauslandsausgaben des Verteidigungsministeriums auf diese Weise noch unter dem Stand von 196O gehalten
werden. Auf Grund des Wunsches unserer Verbündeten, die zur Stärkung
der Verteidigung der freien Welt benötigten modernen militärischen
Ausrüstungen von uns zu erwerben, und zwar zu geringeren Kosten als
wenn sie die Ausrüstungen selbst herstellen würden, ergab sich ein
beträchtliches Gegengewicht zu diesen Ausgaben, so daß unsere NettoVerteidigungsausgaben im Ausland von 2,7 Milliarden Dollar im Jahre
1960 auf 1,9 Milliarden Dollar im Jahre 1962 zurückgegangen sind.
Im Rahmen dieser ständigen Bemühungen hat mich der Verteidigungsminister dahin gehend unterrichtet, daß die Jahresrate der Auslandsausgaben des Verteidigungsministeriums durch Maßnahmen, die noch vor
Ende des Kalenderjahres 1964 in Kraft treten sollen, gegenüber dem
Stand von 1962 um über 300 Millionen Dollar gesenkt werden wird.
Gleichzeitig wird das Verteidigungsministerium weiterhin Vereinbarungen
mitrunseren wichtigsten Verbündeten anstreben, um diese zu veranlassen,ihre militärischen Beschaffungskäufe in den USA zu erhöhen,
um so den Nettoabfluß weiter zu verringern. Der Verteidigungsminister
hat mir ferner versichert, daß diese Ausgabensenkung ohne jede
Schwächung unserer militärischen Position und ohne Beeinträchtigung
der Fähigkeit erreicht werden kann, unseren Verpflichtungen gegenüber
unseren Verbündeten in allen Teilen der Welt nachzukommen.
Neben

�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT
Neben den direkten Ausgaben des Verteidigungsministeriums erhöhten sich unsere Verteidigungsausgaben im Ausland jahrelang
durch die Kosten der Programme für den Ankauf strategischer Rohstoffe in anderen Ländern. Die Kosten dieser Programme gehen nunmehr
stetig zurück, nachdem ihr Zweck erfüllt ist und sie nicht mehr
länger benötigt werden. Binnen zwei Jahren werden sie sich gegenüber
dem Stand von 1962 um 200 Millionen Dollar verringern lassen, so daß
sich eine Gesamteinsparung an Dollar-Ausgaben für die Verteidigung
von über 500 Millionen Dollar ergeben wird.
b) Amt für Internationale Entwicklung
Im Jahre i960 wurde nur etwa ein Drittel der Ausgaben im Rahmen
der Hilfsprogramme für den Ankauf amerikanischer Güter und Dienstleistungen verwendet. Im vergangenen Jahr ist dieser Anteil auf rund
50 Prozent gestiegen. Während des Haushaltjahres, das im vergangenen
Monat auslief, waren volle 80 Prozent der Zusagen des Amtes für Internationale Entwicklung an den Export amerikanischer Güter und
Dienstleistungen geknüpft. Der Rest entfiel praktisch auf Käufe in
den Entwicklungsländern und nicht in den Industriestaaten, welche die
Zahlungsbilanzüberschüsse aufweisen, die eine Ursache unseres Defizits
sind. Während des Haushaltjahres 1964» für das die Mittel gegenwärtig
im Kongreß geprüft werden, dürften die Zusagen des Amtes für Internationale Entwicklung, die an amerikanische Exporte geknüpft sind,
insgesamt die 80-Prozent-Grenze übersteigen. Ich habe den Administrator des Amtes angewiesen, diese Politik fortzusetzen und zu verstärken, so daß sich die Hilfsausgaben, die im Haushaltjähr 19^5 unsere
Zahlungsbilanz belasten, abermals um etwa 500 Millionen Dollar verringern werden - verglichen mit dem Finanzjahr 1961 von etwa 1 Milliarde Dollar auf höchstens 500 Millionen Dollar, was dem niedrigstmöglichen Stand entspricht.
c) Andere Ministerien und selbständige Bundesbehörden
Die Auslandsausgaben aller übrigen Regierungsbehörden sind ebenfalls einer besonderen Überprüfung und Kontrolle durch den Direktor
des Amtes für Haushaltsplanung unterzogen worden. Die Gesamtauslandsausgaben der Regierung - ausgenommen Verteidigung und Auslandshilfe,
Zahlungen des Schatzamtes für Auslandsschulden und Pensionszahlungen
des Bundes -, die unter diese Überprüfung fallen, betragen gegenwärtig
etwa 600 Millionen Dollar im Jahr. Der Direktor des Amtes für Haushaltsplanung hat mir versichert, daß die rigorose Überprüfung der Auslandsausgaben dieser anderen Ministerien und Bundesbehörden zu weiteren
beträchtlichen Einsparungen in der Zahlungsbilanz führen wird. Diese
Einsparungen würden zusammen mit denen, die auf Grund von Revisionen
der Programme im Rahmen des Gesetzes über die Ausweitung des Handels
und der Hilfe mit Agrarerzeugnissen (P.L. 480) zu erwarten sind, pro
Jahr einige hundert Millionen Dollar betragen. Dies schließt auch
mein Ersuchen an den Kongreß ein, ein Gesetz zu verabschieden, das
eine freiere Verwendung unserer gegenwärtigen Guthaben in den Währungen einer Anzahl anderer Länder ermöglicht.
4-i

8

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�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT
4 • Abfluß kurzfristigen Kapitals
Durch geschickte Handhabung der Möglichkeiten, die Schuldenverwaltung und Währungspolitik bieten, haben das Schatzamt und das
Zentralbankensystem den Abfluß kurzfristigen Kapitals durch eine
Reihe behutsam vorgenommener Erhöhungen der Sätze für kurzfristiges
Geld beträchtlich eingeschränkt, während gleichzeitig ein ausreichendes Kreditvolumen erhalten und die Sätze für langfristige Gelder
sowie für Bankkredite niedrig gehalten werden konnten und vielfach
sogar noch weiter absanken. Die Erfahrungen während der sich seit
zweieinhalb Jahren vollziehenden Wiedeierholung berechtigen zu der
sicheren Erwartung, daß es uns durch entschlossene Bemühungen gelingen
wird, Gelder für langfristige Investitionen und Hypotheken reichlich
und billig verfügbar zu halten und gleichzeitig die Zinssätze für
kurzfristiges Geld zu erhöhen. Vom Februar 1961 bis zum 12. Juli 1963
zog der Satz für neu aufgelegte Breimonatspapiere des Schatzamtes
um 76 Basispunkte an, während der Anstieg bei langfristigen Bonds
des Schatzamtes auf nur 22 Basispunkte beschränkt werden konnte
und die Erträge bei erstklassigen Industrieanleihen und Hypotheken
praktisch zurückgingen.
Der erfaßte Abfluß kurzfristigen Geldes machte - zusammen mit
dem nichtregistrierten Netto-Abfluß ,der zweifellos größtenteils auf
kurzfristige Kapitalbewegungen zurückzuführen ist - 19^2 etwa 1,6
Milliarden Dollar aus und hat sich bisher auch in diesem Jahr in
beträchtlicher Höhe fortgesetzt. Eine starke Einschränkung dieses
Abflusses würde unsere Gesamtzahlungsbilanz bedeutend stärken. Aus
diesem Grunde haben mehrere Zentralbanken eine Erhöhung des Diskontsatzes von 3 auf 3 1/2 Prozent beschlossen. Gleichzeitig haben der
Zentralbankrat und die Bundesrückversicherungsanstalt der Depositenbanken die Höchstgrenze für Zinsen bei Zeiteinlagen, die zwischen 90 Tagen und einem Jahr fällig werden, angehoben, so daß unsere Banken nunmehr wirksamer den Wettbewerb mit den ausländischen Banken aufnehmen
und Mittel anziehen können, die anderenfalls aus dem Lande abgezogen
würden.
Wenn auch keiner von uns eine Anhebung der Zinssätze in einer
Zeit begrüßt, in der unsere Wirtschaft nicht mit voller Kapazitätsauenutzung arbeitet - in einer Zeit, in der liquide Sparguthaben
schnell zunehmen und keine gleichzeitige Beschränkung des Kreditvolumens und keine gleichlaufende Erhöhung der Zinssätze für Bankkredite, Hypotheken oder andere langfristige Schuldverschreibungen
erfolgt -»dürfte eine Anhebung der Sätze für kurzfristiges Geld
wenig oder überhaupt keine nachteilige Auswirkungen auf unsere
Wirtschaft haben. Die bisher einmalige Zunahme liquider Sparguthaben dürfte die Märkte für langfristigeres Kapital vor den Auswirkungen der höheren Sätze für kurzfristiges Geld weitgehend abschirmen. Mir ist sowohl von Vertretern des Schatzamtes wie des
Zentralbankensystems versichert worden, daß sie alles in ihren Kräften Stehende tun werden, sowohl bei der Schuldenverwaltung wie auch
durch Offenmarkt-Geschäfte, um bei Vermeiden einer Inflation zu
verhindern, daß die im Lande verfügbaren Kredite zurückgehen oder

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�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT
oder bei den Zinssätzen für langfristiges Geld ein Druck nach oben
entsteht, solange die Wirtschaft nicht mit voller Ausnutzung ihrer
Kapazität arbeitet. Andere Bundesbehörden werden sich darum bemühen,
daß auch weiterhin genügend private Hypotheken zu stabilen Zinssätzen
verfügbar sind. Trotzdem fordert die Situation immer dringlicher, auf
fiskalischem Gebiet einen Anreiz zu geben, wie dies durch die prompte
Verabschiedung der von mir empfohlenen wesentlichen Steuersenkungen
geschehen könnte.
5 • Abfluß langfristigen Kapitals
Der Abfluß langfristigen Kapitals, soweit er aus Direkt-Investitionen in ausländischem Produktionseinrichtungen resultiert, scheint
in den letzten Jahren zurückgegangen zu sein, während die PortefeuilleInvestitionen in Form von langfristigen Anleihen oder WertpapierKäufen stark angestiegen sind. Während unser langfristiges Programm
den Anreiz für Investitionen im Inland erhöhen und den Abfluß auf
Grund von Direkt-Investitionen weiter verringern dürfte, sind beim
zunehmenden Abfluß langfristigen Kapitals für Portefeuille-Investitionen im Ausland bisher noch keinerlei Anzeichen eines Rückganges
erkennbar. Dieser Kapitalabfluß ist von 850 Millionen Dollar im Jahre
196O auf 1,2 Milliarden Dollar im Jahre 1962 gestiegen und liegt bisher
in diesem Jahr - auf Jahresbasis umgerechnet - weit über 1,5 Milliarden
Dollar.
Angesichts des Fortbestehens direkter Kontrollen und unzureichender Kapitalmarkteinrichtungen in zahlreichen anderen Ländern sowie der
großen Differenz bei langfristigen Zinssätzen zwischen den großen Industriestaaten und den USA scheint es nur drei mögliche Lösungen für
dieses Problem zu geben, von denen zwei unter den derzeitigen Bedingungen
nicht akzeptabel sind:
Eine wesentliche Erhöhung unseres gesamten Zinsgefüges für langfristige Anlagen würde für unsere Wirtschaft einen Rückschlag bedeuten,
die Arbeitslosigkeit erhöhen und unseren Import-Bedarf erheblich einschränken, wodurch wiederum die Volkswirtschaften der freien Nationen
Schaden erleiden würden.
Die Einführung direkter Kapitalkontrollen, wie sie in den meisten
Ländern angewandt werden, ist bei Verhältnissen, wie sie bei uns herrschen, nicht angebracht. Sie stünde im Gegensatz zu unserem grundlegenden Prinzip freier Märkte. Wir können diesen Weg nicht beschreiten.
Eine dritte Alternative, die ich empfehle, würde der Verkaufsflut
ausländischer Effekten auf unseren Märkten Einhalt gebieten und stünde
voll und ganz in Einklang sowohl mit einer Wirtschaftsexpansion wie auch
einem freien Kapitalverkehr. Ich ersuche den Kongreß um die Verabschiedung eines Zinsausgleichssteuergesetzes, das praktisch für Ausländer,
die Geld in diesem Land aufnehmen, die Zinskosten um ein Prozent erhöhen und so dazu beitragen würde, die Zinssätze für langfristige
Finanzierungen in den USA und im Ausland einander anzugleichen. Die
Höhe der Steuer würde von 2,75 Prozent bis auf 15 Prozent des Effektenwertes ; abgestuft werden, je nach Fälligkeit der Schuldverschreibung.

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�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT
Schuldverschreibung, und sollte 15 Prozent im Falle von DividendenPapieren betragen. Diese Steuer sollte bis 1965 in Kraft bleiben,
da bis dahin eine Besserung sowohl bei unserer Zahlungsbilanz als
auch der Lage auf den ausländischen Kapitalmärkten ihre Aufhebung
gestatten dürfte.
Angesichts dieser Alternative wird die Verwendung von Spareinlagen für Investitionen in Wertpapieren weiterhin das Ergebnis
von Entscheidungen sein, die durch die Marktpreise bestimmt werden.
Es wird weder Begrenzungen hinsichtlich des Absatzes ausländischer
Titel noch eine staatliche Prüfung von Kreditnehmern geben. Wir vertrauen darauf, daß ausschließlich der Preis den Abfluß amerikanischer
Gelder durch Erwerb von Aktien, Schuldverschreibungen und langfristigen
Anleihen eindämmen wird, ganz gleich, ob es sich um neue oder alte
Emissionen handelt, ob sie öffentlich aufgelegt oder privat placiert
worden sind.
Auf Direktinvestitionen würde sich die Steuer nicht beziehen desgleichen nicht auf Wertpapiere oder Anleihen, die in weniger als
drei Jahren fällig werden, oder von Geschäftsbanken gewährte Anleihen.
Diese Ausnahmen werden sicherstellen, daß Exportkredite im vollem Umfang
verfügbar bleiben. Außerdem werden Wertpapiere unterentwickelter Länder oder von Firmen, die hauptsächlich in diesen Ländern tätig sind,
nicht dieser Steuer unterliegen.
Ebensowenig wird die Steuer bei Geschäften mit ausländischen
Wertpapieren»die sich bereits im Portefeuille von Amerikanern befinden,
oder beim Wertpapiererwerb durch Ausländer zur Anwendung kommen.
Emissionsfirmen oder Händler werden dann von der Steuer befreit sein,
wenn sie bei Neuemissionen Aktien oder Wertpapiere an Ausländer
verkaufen. Alle Amerikaner jedoch, die neue oder alte Wertpapiere
von ausländischen Emissionären oder Besitzern erwerben, würden der
Steuer unterliegen. Um ungerechte Belastungen von Transaktionen zu
vermeiden, die nahezu abgeschlossen sind, sollte die Steuer nicht auf
Offerten von Wertpapieren angewendet werden, für die ein ordnungsgemäßer Zulassungsantrag bei der Wertpapier- und Börsenkommission bereits
läuft. Ebenso sollten bereits, eingegangene Abnahmeverpflichtungen davonunberührt bleiben.
Der Finanzminister wird dem Kongreß die Einzelheiten dieses Vorschlages unterbreiten, und es wurde mir versichert, daß der Ausschuß
für Haushaltsfragen des Repräsentantenhauses bereit ist, diese Vorlage
mit größter Dringlichkeit zu beraten, sobald eine Entscheidung über
das gesamte Steuersenkungs- und -re*formprograram,das dem Haus jetzt
vorliegt, gefallen ist. Da die Wirksamkeit dieser Steuer von einer
schnellen und sofortigen Anwendung abhängt, ersuche ich den Kongreß,
diese Gesetzgebung mit dem Datum dieser Botschaft wirksam werden zu
lassen. Die Bundesfinanzverwaltung wird sofort eine Übergangsregelung
treffen, um die Erfüllung der in dieser Empfehlung vorgesehenen
Vorschriften bis zum Erlaß entsprechender gesetzlicher Bestimmungen
durch den Kongreß sicherzustellen.

6.

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6. Investitionen ausländischer Geldanleger
Die Investitionen ausländischer Anleger in Wertpapiere, amerikanischer Privatunternehmen sind im Jahre 1962 sehr schnell auf weniger als 150 Millionen Dollar zurückgegangen. Das bessere Investitionsklima, das die Verabschiedung des dem Kongreß jetzt vorliegenden
Steuersenkungs- und -feformprogramms mit sich bringen wird, dürfte
zwar viel zur Verbesserung der Situation beitragen; daneben aber
brauchen wir ein direktes Aktionsprogramm zur Förderung des Auslandsabsatzes von Wertpapieren amerikanischer Privatunternehmen. Ein derartiges Programm sollte auch die Auslandsbeteiligung an der Finanzierung von neuen oder Ausbauvorhaben von im Ausland tätigen amerikanischen Privatfirmen steigern.
Um diesen beiden Seiten ein und desselben Problems gerecht zu
werden, sollte sich ein neues und positives Programm auf die folgenden
Tätigkeitsbereiche richten:
a) die Feststellung und kritische Durchleuchtung der juristischen, verwaltungstechnischen und institutionellen Restriktionen, die
auf den Kapitalmärkten anderer Industriestaaten der freien Welt fortbestehen und sowohl den Erwerb amerikanischer Wertpapiere unterbinden
als auch die amerikanischen Gesellschaften bei der Finanzierung ihrer
Auslandstätigkeit aus nicht-amerikanischen Quellen behindern.
b) eine Überprüfung amerikanischer staatlicher und privatwirtschaftlicher Maßnahmen, die den Erwerb von Wertpapieren amerikanischer
privater Unternehmen durch Ausländer beeinträchtigen; und
c) umfassende und
kanischen Geldwirtschaft,
ternehmen an ausländische
von ausländischem Kapital
verbessern.

tatkräftige Anstrengungen seitens der amerium Wertpapiere privater amerikanischer UnGeldgeber abzusetzen und die Verfügbarkeit
für im Ausland tätige US-Unternehmen zu

^
Ein solches Programm erfordert zwangsläufig eine Zusammenfassung
des technischen Wissens und der Anstrengungen seitens der Regierung
und der Geldwirtschaft. Ich habe das Finanzministerium ersucht, in
Fühlungnahme mit dem Außenministerium einen entsprechenden Organisationsplan aufzustellen und ein derartiges Programm auszuarbeiten.
Die größere Freizügigkeit des Kapitals und die vermehrte Beteiligung von Ausländern und ausländischen Geldinstituten am Eigentum
und an der Finanzierung amerikanischer Unternehmen, auf die diese
Anstrengungen gerichtet sind, werden dazu beitragen, die wirtschaftlichen und politischen Bindungen innerhalb der freien Welt und ihres
Währungssystems zu verstärken. Wertpapiere privater amerikanischer
Unternehmen könnten und sollten zu einem unserer besten Exportartikel werden. Verstärkte Investitionen ausländischer Geldgeber
in derartige 3 Wertpapiere werden einen ausgeglicheneren Kapitalverkehr in beiden Richtungen zwischen dem Kapitalmarkt der Vereinigten

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�"AMERIKA DIENST" - y/IRTSCHAFT UND ARBEIT
Vereinigten Staaten und den ausländischen Kapitalmärkten auslösen
und die Auswirkungen des Netto-Abflusses an langfristigem Kapital
aus den Vereinigten Staaten auf unsere Zahlungsbilanz abschwächen.
7. Besondere Transaktionen
Besondere Transaktionen der Regierung deckten 1,4 Milliarden
Dollar unseres Zahlungsbilanzdefizits von 1962 ab. Darunter fielen
vorzeitig geleistete Schuldentilgungsraten fremder Staaten, Vorauszahlungen auf Rüstungskäufe in den USA und die Ausgabe von Obligationen mittlerer Laufzeit an ausländische Institutionen, die in
staatlichem Auftrag Dollar-Guthaben unterhalten. Weitere vorzeitige
Schuldentilgungen sind auch für 1963 zu erwarten - so hat Frankreich eben jetzt die vorzeitige Rückzahlung von 160 Millionen Dollar
angekündigt -, doch es ist klar, daß es sich hier um einmalige Zuflüsse handelt, die sich kaum später wiederholen dürften. Es ist auch
nicht wahrscheinlich, daß die Vorauszahlungen auf Rüstungskäufe abermals so hoch sein werden, da sich die Lieferfristen verkürzen.
Insofern als unser anhaltendes Zahlungsbilanzdefizit dazu führt,
daß ausländische Zentralbanken Dollar-Guthaben ansammeln, die ihren
normalen Dollarbestand übersteigen bedeutete es eine gewisse Abhilfe,
als eine Anzahl ausländischer Regierungen und Zentralbanken mit dem
Ankauf einer neuen Art von nichthandelsfähigen mittelfristigen Papieren
des Schatzamtes, die entweder auf Dollar oder auf ihre eigenen Währungen lauten, als einer ihnen genehmen Alternative zu dem Ankauf von
Gold begannen, Rund 610 Millionen Dollar sind bisher im Jahre 19&amp;3 i"
solchen Papieren ausgegeben worden.
Weitere vorzeitige Schuldenrückzahlungen sowie der weitere Absatz dieser Papiere während des Restes dieses Jahres werden das noch
nie dagewesene Ausmaß an Zusammenarbeit, wie sie gegenwärtig im internationalen Finanzverkehr vorherrscht, sowie die wachsende Erkenntnis
widerspiegeln, daß die Korrektur unausgeglichener Zahlungsbilanzen
sowohl eine Pflicht der Überschuß- wie auch der Defizitländer ist.
In diesem Geiste werden wir weiter auf eine umfassendere und gerechtere Aufteilung der Verteidigungslasten sowie auf den teilweisen oder
gänzlichen Abbau von Handelsschranken drängen, die unseren Export behindern.
8. Goldverkäufe
Das nach d i e s e n besonderen R e g i e r u n g s t r a n s a k t i o n e n v e r b l e i b e n d e
D e f i z i t wird über Goldverkäufe und e r h ö h t e Dollar-Guthaben a b g e d e c k t .
Im J a h r e 1962 b e t r u g d i e s e s D e f i z i t rund 2,2 M i l l i a r d e n D o l l a r . Es
wurde durch Abgabe von Gold für 890 M i l l i o n e n D o l l a r , 17 M i l l i o n e n
D o l l a r aus unseren Devisenbeständen sowie e i n e Erhöhung der a u s l ä n dischen Guthaben an US-Dollar und amerikanischen S t a a t s p a p i e r e n um
653 M i l l i o n e n D o l l a r und e i n e Zunahme der Dollar-Guthaben des I n t e r n a t i o n a l e n Währungsfonds um 626 M i l l i o n e n D o l l a r a b g e d e c k t .
Der

�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT
Der Gesamtgoldabfluß in den beiden Jahren 1961 und 1962 zusammen
war nur geringfügig höher als der Goldabfluß allein im Jahre i960.
Und der Goldabfluß im Jahre 1963 liegt bei einer Jahresrate, die niedriger als die vom vergangenen Jahr ist. Da die Anhebung der kurzfristigen Zinssätze auf Grund der jüngsten Maßnahmermehrerer Zentralbanken Ausländern einen wesentlich größeren Anreiz geben wird, ihr
Geld in Dollar einschließlich kurzfristiger Papiere der US-Regierung
anzulegen, besteht jetzt mehr Aussicht, daß ein noch größerer Teil
unseres Defizits über steigende ausländische Guthaben statt über
den Verkauf von Gold abgedeckt wird.
9. Internationaler Währungsfonds
Beim Internationalen Währungsfonds (IWF) liegen die Dinge jedoch
anders. Im vergangenen Jahr stiegen die Dollar-Guthaben des IWF an,
da andere Länder ihre Dollar-Schulden zurückzahlten und sich bei der
Kreditaufnahme, soweit angängig, auf andere konvertierbare Währungen
konzentrierten. Die Bestimmungen des IWF besagen jedoch, daß das
Gesamtguthaben des Fonds in einer bestimmten Währung - außer im Falle
der Inanspruchnahme der Ziehungsrechte, d.h. der Kreditaufnahme - die
bei der Gründung geleistete Einzahlung (in der Praxis 75 Prozent) nicht
überschreiten darf; die Dollarbestände haben aber diese Grenze nunmehr
fast erreicht.
Um dieser Situation gerecht zu werden, haben die Vereinigten Staaten den Fonds um die Einräumung eines Standby-Kredits in Höhe von 500
Millionen Dollar ersucht, der es ihnen gestattet, im Laufe des kommenden Jahres von Zeit zu Zeit Kreditmittel in Anspruch zu nehmen. Das
Direktorium des IWF hat diesem Ersuchen entsprochen. Wir beabsichtigen,
diese Ermächtigung dazu zu benutzen, Rückzahlungen zu ermöglichen, die
sich im Laufe der nächsten zwölf Monate auf etwa 500 Millionen Dollar
belaufen werden. Wenn ein Land Rückzahlungen an den IWF zu leisten
wünscht, werden wir konvertierbare ausländische Devisen abrufen und
dafür mit Dollar bezahlen. Das Land, das die Rückzahlung leistet,
wird seine eigenen Dollar dazu benutzen, um diese ausländischen Devisen bei uns anzukaufen und sie an den IWF abzuführen. Alle Transaktionen werden zu pari vorgenommen. Auf diese Weise wird der IWF einen
weiteren Teil unseres Defizits dadurch abdecken, daß er seine DollarGuthaben erhöht; und seine Schuldner werden auch künftig über eine
einfache kostenlose Methode verfügen, um ihren Verpflichtungen gegenüber dem IWF nachzukommen. Die Alternative für sie unter den gegenwärtigen Umständen, nachdem sie nicht mehr direkt in Dollar zahlen
können, würde sein, entweder in den USA Gold anzukaufen und dieses
an den IWF abzuführen oder aber mit ihren Dollar andere konvertierbare Währungen auf dem offenen Markt anzukaufen, was für sie mit
zusätzlichen Kosten und Unannehmlichkeiten verbunden wäre.
Abhebungen durch die USA auf Grund dieser neuen Vereinbarung
müssen in drei Jahren zurückgezahlt werden, wobei gegebenenfalls eine
Verlängerung um zwei Jahre möglich ist. Es müssen keine Zinsen bezahlt
werden, aber bei jeder Inanspruchnahme des Kredits wird eine einmalige
Verwaltungsgebühr von einem halben Prozent erhoben.
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�AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT
10. Die Entwicklung eines internationalen Währungssystems
Während der beiden vergangenen Jahre sind große Fortschritte
bei der Stärkung der Grundlagen für ein internationales Währungssystem gemacht worden, von dem die gesamte freie Welt abhängt. Es
wurde eine weit engere Zusammenarbeit zwischen den Zentralbanken
der führenden Industriestaaten erreicht. Es wurden gegenseitige
Kreditvereinbarungen getroffen, um verhängnisdrohenden Störungen
im internationalen Zahlungssystem rasch begegnen zu können - Vereinbarungen, die die monetären Auswirkungen der Berlin-Krise des
Jahres 1961, des starken Drucks auf den kanadischen Dollar im Frühjahr 1962, der Kuba-Krise im vergangenen Herbst, der Reaktionen auf
den Ausschluß Großbritanniens vom Gemeinsamen Markt sowie einer
Anzahl weniger spektakulärer Ereignisse erfolgreich abschwächten,
die vielleicht in anderen Jahren gefährliche Wellen von Währungsspekulationen ausgelöst hätten. Informelle und dabei äußerst wirksame Arbeitsbeziehungen haben sich zwischen einer Anzahl der gleichen
Länder in bezug auf den Londoner Goldmarkt herausgebildet, durch
die für die Zukunft jede Wiederholung des alarmierenden Anstiegs
der Goldpreise ausgeschaltet wird, der im Oktober i960 so große Unsicherheit ausgelöst hatte. Schließlich haben zehn der führenden
Industriestaaten eine Zusage gegeben, 6 Milliarden Dollar an zusätzlichen Mitteln für den Internationalen Währungsfonds bereitzustellen,
die im Falle einer Gefährdung der Stabilität des internationalen
Währungssystems eingesetzt werden könnten.
Alles in allem wurde damit ein starkes Bollwerk als Schutz
vor erfolgreichen Angriffen auf die Hauptwährungen geschaffen..Unsere
Bemühungen um eine Verstärkung dieses Schutzes werden fortgesetzt.
Während dieser Prozeß abläuft, werden die Vereinigten Staaten fortfahren, mit anderen Ländern Maßnahmen zu prüfen und zu erörtern,
die zur weiteren Stärkung des internationalen Währungssystems auf
lange Sicht ergriffen werden könnten. Das Interesse der USA an der
ständigen Weiterentwicklung des seinerzeit in Breton Woods geschaffenen Systems ist keine Folge unseres gegenwärtigen Zahlungsbilanzdefizits; es spiegelt vielmehr unser Streben wider, ausreichende Vorkehrungen für die Erhöhung der internationalen Liquidität zu treffen,
um den expandierenden Welthandel in den kommenden Jahren finanzieren
zu können. Einer der Gründe, die die Erschließung neuer Quellen
liquider Mittel erforderlich machen dürften,ist in eben der Tatsache
zu sehen, daß wir der übrigen Welt immer wehiger Dollar verfügbar
machen werden, je mehr es uns gelingt, unsere Zahlungsbilanzlücke
zu schließen.
Im gegenwärtigen Zeitpunkt ist die US-Regierung nicht imstande,
irgendwelche spezifischen Maßnahmen für eine langfristige Verbesserung
des internationalen Währungssystems zu empfehlen. Wir prüfen diese
Frage jedoch eingehend. Wir werden mögliche Verbesserungen mit unseren Freunden im Ausland erörtern. Und wir werden ihren Initiativen
gegenüber aufgeschlossen sein. Wir teilen ihre Ansicht, daß das Problem einer Verbesserung des Zahlungsmechanismus sorgfältige gemeinsame
Überlegungen erfordert. Zugleich geben wir jedoch nicht vor, daß Gespräche über langfristige Reformen des Systems ein Ersatz für Maßnahmen
sind, die wir selbst jetzt ergreifen müssen.
Verheißungen
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Verheißungen für die Zukunft
Eine volle Verwirklichung des von mir heute umrissenen Aktionsprogramms sollte zu einer wesentlichen Verbesserung unserer internationalen Zahlungsbilanz führen. Die Regierungsausgaben im Ausland
werden im Laufe der nächsten 18 Monate um 900 Millionen Dollar zurückgehen. Und die Auswirkungen der Anhebung der Zinssätze für kurzfristige Gelder und der Zinsausgleichssteuer werden zusammen diesem
Betrag etwa gleichkommen oder ihn, was noch wahrscheinlicher ist,
sogar übersteigen. Erfolge in dieser Größenordnung - schätzungsweise
2 Milliarden Dollar - werden uns die Zeit geben, die wir für unser
grundlegendes langfristiges Programm benötigen, das darauf gerichtet
ist, unsere internationale Wettbewerbsposition zu verbessern und Investitionen in den Vereinigten Staaten attraktiver zu gestalten.
Diese beiden Ziele müssen die Grundlage für jede permanente
Schließung der Zahlungsbilanzlücke bilden, und mit diesem Programm
werden sie ohne jede Gefährdung unseres Wirtschaftswachstums im
Inland erreicht werden. Mit ihm wird sich dies bewerkstelligen
lassen, ohne unser Festhalten an den Prinzipien eines freieren Handels
und eines freien Kapitalverkehrs in Frage zu stellen Es wird vielmehr
dazu beitragen, dem Drängen auf noch restriktivere Maßnahmen entgegenzuwirken. Kurz gesagt, wenn wir jetzt unsere Anstrengungen intensivieren müssen, so können wir dies in vollem Vertrauen auf die Zukunft
tun.

* * * * *

�A M E R I K A

D I E N S T

Allg./27.9.1963

DIE ROLLE DEUTSCHLANDS IN DER ENTWICKLUNG DER WELTPOLITIK

DAYTON (Ohio) - (AD) - Nachstehend
übermitteln wir Ihnen den Wortlaut
einer Rede, die der Vorsitzende des
Planungsstabes im US-Außenministerium,
Walt W. Rostow, am 18. September 1963
vor der Universität von Dayton gehalten
hat.

"Ich bin heute hierhergekommen, um zu Ihnen über die Rolle
Deutschlands in der Entwicklung der Weltpolitik zu sprechen.
Wenn man das heutige Deutschland betrachtet und die Geschichte
dieses Jahrhunderts überdenkt, dann wird klar, daß die inneren
Verhältnisse der Bundesrepublik Deutschland und ihre Rolle im
Weltgeschehen Ausdruck einer außerordentlichen Leistung sind sicherlich einer der größten Leistungen der Nachkriegsgeneration.
Ich meine damit nicht nur das Wunder des deutschen wirtschaftlichen Wiederaufstiegs, durch welches ein verwüstetes Land, dem
ein wichtiger Teil seines Territoriums temporär weggenommen wurde,
rund elf Millionen Flüchtlinge aufnehmen und dann darangehen konnte,
seinen Wiederaufbau zu betreiben und für alle seine Menschen neue
Fundamente des wirtschaftlichen und sozialen Lebens zu schaffen.
Ich denke vielmehr an die Bildung einer stabilen, demokratischen
Staatsführung, getragen von einer weitgehenden nationalen Übereinstimmung in außen- und innenpolitischen Angelegenheiten, die über
die großen Parteien hinausreicht,und nahezu frei von der Bitterkeit und Zersplitterung
die die demokratische Politik in Teilen Europas in der Vergangenheit gekennzeichnet haben.
Ich denke an die unerschütterliche Loyalität der Bundesrepublik
Deutschland gegenüber den Konzeptionen der europäischen Integration
und der atlantischen Partnerschaft.
Ich denke an die wachsende Rolle Deutschlands als einer konstruktiven Kraft in vielen Teilen der Welt außerhalb Europas.

Und

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Und ich denke auch an die Verbindung von innerer Haltung
und Entschlossenheit, mit der das deutsche Volk trotz ständiger
kommunistischer Provokationen und angesichts der kommunistischen
Versuche, seine Berechtigte Sorge um seine Landsleute und seinen
berechtigten Anspruch auf nationale Selbstbestimmung als einen
Wunsch nach blutiger Rache für die Niederlage im zweiten Weltkrieg
hinzustellen, seiner endlichen Wiedervereinigung mit friedlichen
Mitteln entgegenblickt.
Um das Ausmaß dieser Leistung zu verstehen, muß man auf die
neuere Geschichte Deutschlands und die vier Hauptfaktoren zurückgreifen, die zusammen diese Geschichte so schwierig gestaltet haben
- schwierig für Deutschland, für seine Nachbarn und für die Welt.
Erstens ist Deutschland, gemessen an den Staaten der Neuzeit,
erst spät gegründet worden. Frankreich, England, Rußland und selbst
die Vereinigten Staaten hatten bereits ein klares Empfinden für
nationale Identität und nationale Einheit entwickelt, als die
deutschen Stämme Mitte des 19« Jahrhunderts noch um die Errichtung
einer wirklichen nationalen Einheit kämpften. Diese Zufallserscheinung der Geschichte mochte Deutschland das Gefühl geben, daß es in
Eile eine Menge nachzuholen hatte, ehe es den ihm zustehenden Platz
in Europa und in der Welt einnehmen konnte. Es machte Deutschland
bei der Bestimmung seines nationalen Geschicks unsicherer und selbstbewußter zugleich.
Zweitens wurde die deutsche Einheit in ihrer ersten Phase durch
das Land Preußen beherrscht, Dieses nordöstliche Gebiet hatte eine
lange vom Militarismus geprägte Geschichte hinter sich und stand den
liberalen Strömungen des Denkens und Empfindens ziemlich fern, die
Ende des 18. Jahrhunderts.und insbesondere während der Französischen
Revolution und in der Zeit danach Westeuropa, einschließlich Westdeutschland, erfaßten. In gewissem Sinne verkörpert das heutige
Deutschland den Sieg - und meiner Überzeugung nach den endgültigen
Sieg - jener Männer, die im Jahre 1848 die Frankfurter Nationalversammlung zustande brachten, wenngleich die Revolution von 1948 durch
Preußen und die deutschen Nationalisten seinerzeit zunichte gemacht
wurde,
.
Drittens ist da die einfache Tatsache der Tatkraft, der Entschlossenheit und Fähigkeit der Deutschen, ihr Nationalgefühl und
ihre nationale Identität in der Welt nachdrücklich zum Ausdruck zu
bringen. Im Zusammenspiel der politischen Machtinteressen in Europa
hat dieses Sich-Vordrängen, sagen wir, zwischen 1860 und 1945 immer
wieder die größten Probleme dadurch aufgeworfen, daß die deutschen
Ambitionen und die Lebensinteressen anderer Nationen frontal aufeinanderprallten - obschon es lang andauernde Perioden gab, in denen
Deutschland friedliche Kanäle für sein Talent und seinen nationalen
Ehrgeiz fand, die in vielerlei Hinsicht eine Bereicherung des internationalen Lebens bedeuteten - zum Beispiel auf dem Gebiet der Wissenschaft, der Pädagogik, der Literatur sowie in allen anderen Bereichen
der westlichen Kultur.
rt^A
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Und schließlich gibt es die Tatsache der geographischen Lage:
Deutschland liegt im Scheitelpunkt des Gleichgewichts der Kräfte
in Europa. Seine Lage, seine Bevölkerung und die Konzentration
seiner Hilfsquellen machen es zu einem entscheidend wichtigen
Gebiet zwischen Ost und West. Manche Deutschen konnten einst sogar
davon träumen, diese Lage zu nutzen, um Europa zu beherrschen. Vom
Standpunkt der Kommunisten aus ist Deutschland im Kampf um die
Weltherrschaft nach wie vor der lohnendste Preis.
Das Zusammenwirken dieser Faktoren der Geschichte, der nationalen Kämpfe und der geographischen Lage ist die Ursache ernster
Schwierigkeiten gewesen. Den erfahrenen schmerzlichen Lehren aber
ist in den Nachkriegsjähren durch das deutsche Volk selbst, durch
seine westlichen Nachbarn und bis zu einem gewissen Grade auch durch
uns eine Wendung zum Konstruktiven gegeben worden.
Denn wir in den Vereinigten Staaten haben in unserer Europapolitik
zwischen den beiden Weltkriegen
. schwere Fehler gemacht, und auch
wir mußten schmerzliche Lehren hinnehmen und zur Anwendung bringen.
Dadurch daß wir dem Völkerbund nicht beitraten, und dadurch daß wir
unsere Anwesenheit und unser militärisches Potential nicht zu einem
festen Faktor in den europäischen Sicherheitskalkulationen machten,
trugen wir zur Schaffung einer Situation bei, die es Hitler ermöglichte, von einer deutschen Herrschaft über Europa und einer europäischen Herrschaft über die Welt zu träumen. Wie ich mich erinnere,
enthielten die Tagebücher Graf Cianos mit ihren detaillierten Aufzeichnungen der Achsendiplomatie in den dreißiger Jahren praktisch keine
Hinweise auf die Vereinigten Staaten. Hitler und Mussolini träumten
ihre Träume und machten Pläne, als ob die Vereinigten Staaten als
Faktor im europäischen Kräftespiel gar nicht existierten. Unser Isolationismus in der Zeit zwischen den Kriegen ermutigte noch zu dieser
tragischen Engstirnigkeit.
Eingedenk dieser Lehren bemühte sich die amerikanische Regierung
unmittelbar nach dem Kriege, gegenüber dem europäischen Kontinent eine
Politik zu betreiben, durch die die Fehler früherer Zeiten vermieden
würden.
Nachdem es im Winter und Frühjahr 1946 ..klargeworden war, daß die
Sowjetunion die Einigung Deutschlands und Europas auf der Basis der
politischen Freiheit nicht zulassen würde, begannen wir eine Politik
zu entwickeln, die noch immer Gültigkeit hat, nämlich eine Politik,
die den Aufbau eines blühenden und "vereinigten Westeuropas,das in
militärischen und anderen wichtigen Angelegenheiten eng mit den Vereinigten Staaten und Kanada verbunden sein, und das in weitgehender
Übereinstimmung mit Nordamerika seine Rolle als Großmacht im Weltgeschehen wieder einnehmen würde, unterstützte.
Vier Faktoren bestimmten die Gestaltung dieser Politik.
Da war erstens Deutschland selbst. Man hielt es für entscheidend
wichtig, ein starkes, integriertes europäisches Gefüge zu schaffen, das

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das ein voraussichtlich noch für einige Zeit gespaltenes Deutschland
als gleichberechtigten Partner aufnehmen konnte, ein Gefüge, das
den Deutschen die Möglichkeit gehen würde, ihre große Tatkraft
und ihre Hilfsquellen zu mobilisieren und diese angesichts der unumgänglichen Belastungen, die ihnen durch die Geschichte und die
geographische Lage ihres Landes auferlegt wurden, in konstruktive
Bahnen zu lenken. Bundeskanzler Adenauer hat sehr richtig gesagt,
daß die Mitgliedschaft Deutschlands in einer integrierten europäischen
Gemeinschaft den besten Schutz gegen ein Wiederaufleben nationalistischer Tendenzen in Deutschland gewähre.
Zweitens war da Moskau. Europa sah sich einem geeinten Gegner
gegenüber, der im Begriff war, sein bis zur Elbe erweitertes Imperium
zu konsolidieren, und der jede Uneinigkeit, oder Schwäche, die er beim
Westen entdecken konnte, für sich auszunutzen suchte. Ein vereintes,
mit den Vereinigten Staaten verbundenes Europa schien das einzige
leidlich sichere Organisationsgefüge zu sein, das mit diesem zentralisierten und immer mächtiger werdenden Herd aktiver Feindseligkeit
fertig zu werden vermochte.
Drittens gab es jene Erkenntnis, in der viele Menschen beiderseits des Atlantik die eigentliche geschichtliche Lehre des zweiten
Weltkriegs sahen, daß nämlich in der Welt der zweiten Hälfte des
20. Jahrhunderts die einzelnen Nationalstaaten Europas nur dann
wirksam eine bedeutendere Rolle im Weltgeschehen spielen könnten,
wenn sie sich vereinten und wenn diese Vereinigung in der Form eines
echten Zusammenschlusses, nicht aber einer lockeren Gruppierung
völlig souveräner Staaten erfolgte. Der Schauplatz der Weltpolitik
hatte sich derart erweitert, daß er den gesamten Planeten umfaßte;
und die Technologie effektiver Macht hatte den Maßstab der alten
Staaten Europas weit übertroffen. Der geschichtliche Wettstreit
um Macht und Ansehen unter ihnen ließ sich nur auf Kosten ihrer
allgemeinen Bedeutung als einer Stimme in der Weltpolitik und unter
dem Risiko für ihre gemeinsame Sicherheit weiter fortführen.
Und schließlich gab es das wirtschaftliche Argument: Das volle
wirtschaftliche Potential Europas konnte nur auf der Grundlage eines
weiträumigen und äußerst konkurrenzfähigen Festlandmarktes entwickelt
werden.
Ich kann mich noch sehr lebhaft daran erinnern, daß Anfang 1946,
als diese Fragen zum erstenmal erörtert wurden - ich bekleidete damals eine untergeordnete Stellung im US-Außenministerium -, die Gefahren dieser Politik für die Vereinigten Staaten offen dargelegt
wurden: Wie könnten wir sicher sein, daß ein vereintes Europa tatsächlich eine mit den amerikanischen Interessen in Einklang stehende
Politik verfolgen würde? Würde es nicht sicherer sein, mit Europa
ein bilaterales Beziehungsverhältnis einzugehen, das es uns - auf
Grund der aus unserer Verhandlungsposition resultierenden Möglichkeiten - erlauben würde, den Einfluß der Vereinigten Staaten auf
die europäischen Angelegenheiten über einen längeren Zeitraum zu

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Wir entschieden uns dafür, daß den umfassenderen Interessen
der Vorrang gebührte; und wir setzten uns weiter für die Förderung
der «uropäischen Integration ein. Hinter dieser Entscheidung stand
ein Akt des Vertrauens - des Vertrauens darin, da3 die elementare Kraft der
atlantischen Verbindung, die bereits in zwei Weltkriegen erprobt
und unter Stalin einer dritten Prüfung unterzogen worden war,
obsiegen würde., und daß ein Vereintes Europa seine Politik auf dem
sich in unseren jeweiligen Interessen im Grunde Deckenden, nicht
aber auf den möglichen Divergenzen und Antagonismen aufbauen würde die offenkundig genug waren und sind.
Diese Einstellung gegenüber dem Problem Europas und Deutschlands
bildete den Ausgangspunkt für den Ausbau des Marshallplans. Wir trugen
unser Teil zum Aufbau der NATO bei, wir setzten uns für die Montanunion und Euratom ein und unterstützten den Gemeinsamen Markt. Im
Rahmen dieser Politik - auf die die deutsche Führung schöpferisch
reagierte - hat dann die Bundesrepublik den Weg zu einer Rolle der
Würde, der Gleichberechtigung und Führung innerhalb Westeuropas
selbst, in den Gremien der Atlantischen Gemeinschaft und im Weltgeschehen wiedergefunden.
Ich glaube, das deutsche Volk und seine politischen Führer verstehen besser als die meisten anderen, daß die wirklichen Probleme,
denen sie und wir im Westen gegenüberstehen, nur durch eine geschlossene europäische Aktion und atlantische Partnerschaft gelöst werden
können .
In geschichtlicher Hinsicht haben sie - mit echter Einsicht
und Aufrichtigkeit - die alte Rivalität mit Frankreich aus der Welt
geschafft und die französisch-deutsche Wiederannäherung zum Hauptziel
einer Politik auf lange Sicht gemacht, die im Rahmen einer integrierten europäischen Gemeinschaft und gesunden atlantischen Partnerschaft
zu verwirklichen ist.
In militärischer Hinsicht leben die Deutschen schließlich an
einer exponierten Grenze der freien Welt. Sie wissen, daß der Schutz
dieser Grenze und West-Berlins nicht durch bloße Gesten oder selbstauferlegte Zurückhaltung der Kommunisten erreicht worden ist, sondern durch eine gewaltige Mobilisierung militärischer Hilfsmittel
und den offensichtlichen Willen, sie zu nutzen, Sie wissen ferner, daß
die militärische Stärke der Vereinigten Staaten - in der Form unterirdischer Silos, der unter der Meeresoberfläche operierenden POLARISUnterseeboote, der Flugzeugträger, der alarmbereiten Flugzeuge auf den
über die ganze Welt verstreuten Flugstützpunkten und der einsatzbereiten Reserve in den Vereinigten Staaten, zusammen mit den Truppen der
amerikanischen Garnison in Berlin und den amerikanischen Soldaten,
die auf deutschem Boden Seite an Seite mit ihren eigenen stehen, und
zusammen mit allen anderen Kontingenten und Zusagen der NATO - ein
entscheidend wichtiger und unersetzlicher Bestandteil ihrer Sicherheit
ist.
Da

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Da ihr Wirtschaftsleben eng mit dem anderer Teile Europas
verflochten ist, begreifen sie, daß ihr Wohlstand von einer nach
außen gerichteten Handelspolitik abhängig ist - von Maßnahmen,
deren Ziel die Ausweitung und nicht die Einengung jener Gebiete
ist, die sich in einem auf niedrigen Zöllen basierenden Handelssystem zusammengeschlossen haben. Sie haben die Konzeption einer
echten wirtschaftlichen Integration in Europa unterstützt - mit
gemeinsamen Gremien mit beträchtlichen Entscheidungsbefugnissen -,
und sie waren bereit, bedeutende Opfer zu bringen, um sie funktionsfähig zu machen.
Sie haben darüber hinaus in der wirtschaftlichen Integration eine
erste Station auf dem Wege zu anderen Formen der europäischen Einheit
gesehen, die sowohl die politischen als auch die wirtschaftlichen
Beziehungen zwischen den übrigen europäischen Ländern einschließen.
Deutschland war durch die Geschichte seiner Kolonien beraubt
worden und war daher in dieser Generation»befreit von der Verpflichtung und der Belastung, seinen Teil zur großen Wandlung des Kolonialismus beizutragen, in der Lage,an die Probleme der Entwicklungsländer
auf einer weltweiten Basis und mit neuen Vorstellungen von der Aufgabe
und ihren Möglichkeiten heranzugehen.
Angesichts einer Viertelmillion amerikanischer Truppen, die in
Deutschland zur Verteidigung einer notwendigerweise gemeinsamen Grenze
stationiert sind, hat die deutsche Bundesregierung Verständnis für
die Belastung unserer Zahlungsbilanz, die sich aus unserer Verpflichtung zur gemeinsamen Verteidigung der freien Welt ergibt; und siel
zeigte sich aufgeschlossen und hilfreich, wenn es darum ging, einen
Teil ihrer Auswirkungen zu mildern.
Und schließlich haben die Deutschen, den Blick nach Osten und
auf die 18 Millionen Deutschen gerichtet, die gegen ihren Willen
im Grunde genommen noch immer unter einem Besatzungsregime stehen,
zur gleichen Zeit aber das Wesen des Atomzeitalters wohl begreifend,
den Kampf um Selbstbestimmung und nationale Einheit mit friedlichen
Mitteln und im Rahmen des westlichen Bündnisses fortgesetzt.
Kurz gesagt, die Deutschen haben aus ihren Erfahrungen sowie den
gemeinsamen Erfahrungen dieses Jahrhunderts gelernt; sie beträchten
nüchtern ihre Probleme als Nation, sie studieren die moderne Militärtechnik und die Formen moderner Nachrichtenübermittlung, und sie haben
begriffen, daß keiner von uns im Westen - und dies gilt natürlich
auch für die Vereinigten Staaten - unsere Probleme lösen kann, es
sei denn, daß wir gemeinsame Sache machen, es sei denn, daß wir unsere
Politik auf der Grundlage uneingeschränkter Loyalität gegenüber den
Werten und der großen Tradition des Westens aufbauen, an denen wir
alle teilhaben. Sie haben erkannt, daß die Aufgabe, der wir 1945
gegenüberstanden und seither noch immer gegenüberstehen, nicht nur
ältere Konzeptionen des Nationalismus, der nationalen Verteidigung
und des nationalen Bestimmung einschließt, sondern darüber hinaus geht.

Wir

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Wir haben allen Grund anzunehmen, daß Form und Art der deutschen
Politik in allen großen politischen Parteien und im Denken und Fühlen des deutschen Volkes fest verankert sind - auch in der jetzt heranwachsenden jüngeren Generation, die die Tage Hitlers nicht mehr richtig erlebt hat. Aber die heutige Welt ist so eng ineinander verflochten,
daß auch wir in den Vereinigten Staaten einen Teil der Verantwortung
für die Erhaltung der Kontinuität der deutschen Politik tragen.
Erstens: Wir müssen Deutschland weiterhin nicht nur ein zuverlässiger Verbündeter sein, sondern ihm auch als treuer Partner dabei helfen,
innerhalb der NATO die Verteidigung der westlichen Grenze, einschließlich West-Berlins, aufrechtzuerhalten. Der deutsche Beitrag zur eigenen
wie auch zur westlichen Verteidigung ist erweitert und ausgebaut worden. Wir stehen beide im Begriff, zusammen mit einigen unserer NATOYerbündeten die Errichtung einer multilateralen Atomstreitmacht innerhalb der NATO zu prüfen, die den europäischen Ländern eine annehmbare
Beteiligung an der nuklearen Abschreckung bietet, ohne zur Entstehung
weiterer nationaler Atommächte zu führen. Wir stehen beide im Begriff,
gemeinsam mit allen unseren NATO-Verbündeten unsere strategische
Konzeption neu zu durchdenken, eine vereinbarte Verteidigungspolitik
der NATO für das Atomzeitalter auszuarbeiten und den Kurs abzustecken,der
dieser Konzeption dauernde Wirksamkeit verleihen-würde.
Die Stabilität der deutschen Politik hängt von dem weiteren Erfolg der kollektiven Verteidigung Westeuropas sowie von der Rolle
Deutschlands als einem geachteten Seniorpartner bei diesen Bemühungen
ab .
Wir haben in den vergangenen zwei Jahren in Berlin und während
der Kuba-Krise bewiesen, daß die Verpflichtung der Vereinigten Staaten
zur kollektiven Verteidigung auch weiterhin besteht, obwohl die Sowjetunion Kernwaffen entwickelt hatte und damit in die Lage gekommen war,
den Vereinigten Staaten in einem Atomkrieg schweren Schaden zuzufügen.
Die sowjetische Taktik der nuklearen Erpressung, die 1958 in Berlin
begann und bis 1962 fortgesetzt wurde, schlug fehl. Die erste Voraussetzung für die Stabilität des Westens ist, daß solche Taktiken auch
in Zukunft fehlschlagen, sollten sie je wieder versucht werden.
Zweitens: In einer Zeit, in der wir die Gefahren und die Spannungen des kalten Krieges zu verringern trachten und zu ergründen suchen,
wie weit wir ohne Gefahr in Richtung auf eine Rüstungskontrolle gehen
können, ist es unerläßlich, daß wir unsere Verbündeten so eingehend wie
nur möglich dort konsultieren, wo ihre Interessen auf dem Spiele stehen
könnten. Aus diesem Grund haben wir uns in Moskau allem Drängen widersetzt,
das Atomversuchsverbot mit einem Nichtangriffspakt zwischen der NATO und
den Staaten des Warschauer Paktes zu koppeln. Die atlantische Partnerschaft ist mehr als lediglich ein Verteidigungsbündnis. Sie ist eine
Gruppe von Nationen mit einem gemeinsamen Erbe und umfassenden bleibenden gemeinsamen Interessen. Wir sind ganz offensichtlich bereit,
gemeinsam zu kämpfen. Wir müssen jedoch auch lernen, genauso eng zusammenzuarbeiten, um die Möglichkeiten zu sondieren, allmählich in
Richtung auf eine friedlichere Welt voranzukommen.
Wir

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Wir haben während der Berlin-Krise der Jahre 1961/62 einander
fast täglich bis ins kleinste Detail konsultiert. Wir beabsichtigen
genauso enge Beratungen wenn wir die Möglichkeiten prüfen, die sich
uns vielleicht in den kommenden Monaten für eine Verringerung der
Gefahren und der Spannungen des kalten Krieges bieten werden. Und
bei diesen Konsultationen muß die Frage des hoch immer gespaltenen
Deutschland, dessen Bevölkerung das Recht auf Selbstbestimmung noch
immer verwehrt wird, von Deutschland und den Verbündeten Deutschlands
mit größter Sorgfalt und Ernsthaftigkeit behandelt werden.
Drittens: Wir müssen Deutschland dabei unterstützen, im Rahmen
der Einheit Europas, welchen Grad auch immer diese erreichen mag,
eine maximale Rolle bei all den schöpferischen Unternehmungen der
freien Welt zu spielen, die bereits sehr umfassend sind, jedoch immer
noch stärker ausgeweitet werden: bei der kühnen Aufgabe der Hilfe
für die Entwicklungsländer, bei der Formulierung der Handelspolitik
nicht nur innerhalb Europas und zwischen Europa und den Vereinigten
Staaten, sondern auch auf einer weltweiten Basis, auf der wir Wege
zur Schaffung eines Handelssystems finden müssen, das sowohl den
fortgeschrittenen als auch den weniger entwickelten Ländern der
Völkergemeinschaft der freien Welt Nutzen bringt; und auf dem Gebiet
der Währung, wo wir in den sechziger Jahren neue Wege zur Stützung
eines Warenflusses und eines Kapitalverkehrs finden müssen, die weit
rascher anwachsen als die Goldvorräte der Welt.
Obwohl unsere Beziehungen auf bilateraler Basis zu Deutschland
sehr eng und umfassend sind - und sie sollten dies auch sein, da wir
zusammen einen sehr großen Anteil von den Lasten der europäischen
Verteidigung tragen -, so sind wir letztlich doch durch die Loyalität
gegenüber einem umfassenderen Zukunftsbild miteinander verbunden.
Dieses Zukunftsbild gliedert sich in drei Teile: in die Einheit Europas,
in den Aufbau der Atlantischen Gemeinschaft und in die systematische
Ausnutzung der Energien und Hilfsquellen der Atlantischen Gemeinschaft
für die größeren Ziele des Friedens und des Wohlstandes auf der Welt.
Dieses Zukunftsbild ist aber augenscheinlich noch unvollendet. Die
europäische Einheit steht in einem
Stadium zwischen Pause
und Debatte - keineswegs dem ersten derartigen Zwischenstadium seit
1945 - In diese Debatte sind natürlich auch die langfristigen Beziehungen Großbritanniens zum europäischen Kontinent einbezogen. Und weil
die europäische Debatte zum Teil auch die geeigneten langfristigen
Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und einem geeinten Europa
berührt, kommen wir in bestimmten Fragen der transatlantischen Partnerschaft vorläufig nicht weiter - obgleich hier im Stillen mehr Fortschritte
erreicht wurden ,als die Zeitungen berichten.
Es sollte uns weder überraschen noch enttäuschen, wenn wir auf
dem Wege zu diesen Zielen - die von unseren drei Nachkriegspräsidenten
in gleicher Weise unterstützt worden sind - nur langsam vorankommen.
Dies ist das größte internationale Aufbauwerk, das jemals in Friedenszeiten von souveränen Nationen in Angriff genommen worden ist. Für
jedes einzelne Land stehen Fragen von großer Bedeutung auf dem Spiel,
die sowohl weit in seine Geschichte als auch in seine derzeitige Politik
hineinreichen.
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Wie jedoch Präsident Kennedy auf seiner Europa-Reise im Juni
dieses Jahres eindeutig klargestellt hat, stehen wir auch weiterhin
fest zu unserer Zusage, die Bemühungen um ein Höchstmaß der europäischen Einheit, das die Europäer selbst innerhalb des größeren
Rahmens der Atlantischen Partnerschaft schaffen können, zu unterstützen .
Wir bleiben diesem Zukunftsbild, das nunmehr seit fast einer
Generation fest in die amerikanische Politik eingebettet ist,
verpflichtet, nicht aus Trägheit oder weil wir die damit verbundenen
Schwierigkeiten nicht erkennen. Wir bleiben diesem Zukunftsbild fest
verpflichtet, weil es den Interessen der Vereinigten Staaten, den
Interessen Europas und den Interessen der Freiheit überall auf der
Welt am besten dient.
Obwohl diese Politik die Antwort auf den von Stalin unmittelbar
nach dem Kriege unternommenen Versuch war, ein verarmtes und entmutigtes Westeuropa an sich zu reißen, ist sie unseres Erachtens keineswegs an eine Fortsetzung der gegen den Westen gerichteten Vorstoßtätigkeit der Sowjets gebunden, wie wir sie zum Beispiel in Berlin
in den Jahren von 1958 bis 1962 erlebt haben. Wir brauchen ein geeintes Europa, das über den Atlantik hinweg als Partner mit uns zusammenarbeitet, aus Gründen, die weit über die Zeit, in der wir leben, und die Probleme, denen wir uns gegenübersehen werden, hinaus
reichen .
Das Wesen der militärischen Technik - und das nukleare Potential
der Kommunisten - bedingen es, daß die Atlantische Gemeinschaft wohl
die kleinste Einheit ist, die den Aufbau einer rationellen und wirksamen Verteidigung Europas möglich macht. Die Aufgabe, eine Gemeinschaft unabhängiger Staaten zu organisieren, die sowohl die fortgeschrittenen Länder des nördlichen Teils der freien Welt als auch die
schnell aufstrebenden Länder Asiens, des Mittleren Ostens, Afrikas
und Lateinamerikas umfaßt, macht unsere Zusammenarbeit über den Atlantik hinweg notwendig. Die Probleme, die sich für uns aus den mit
Moskau geführten Verhandlungen über eine Kontrolle der Atomwaffen ergeben, berühren lebenswichtige Interessen jedes einzelnen Mitgliedstaates der Atlantischen Gemeinschaft und fordern Entschlossenheit
innerhalb der Völkerfamilie; gleiches gilt auch für das Problem des
kommunistischen China, für Chinas aggressive Haltung jetzt und in
Zukunft,im besonderen dann, wenn es über eigene Atomwaffen verfügen
wird.
Wenn wir mit aller Vorstellungskraft,
die Zukunft blicken, können wir uns keinen
gen entsprechenden Zeitraum vorstellen, in
eine Zusammenarbeit mit Nordamerika Europa
würde.

deren wir fähig sind, in
den gegenwärtigen Planundem ein Zusammenschluß und
nicht zum Vorteil gereichen

Oder anders ausgedrückt, es werden sich für uns alle nur Gefahren abzeichnen, wenn sich Europa von den Vereinigten Staaten trennen
oder wenn es seinen großen Wohlstand und die jüngste Lockerung der
Spannungen mit Moskau zum Anlaß nehmen sollte, dem überholten Nationalismus erneut freien Lauf zu lassen.
.

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Die kommunistischen Machthaber haben über die jüngste Periode
der Entspannung zwei Dinge gesagt, die beachtenswert sind: erstens,
daß es keine' ideologische Koexistenz geben dürfe. Das bedeutet, daß
sie die gegenwärtigen Verhandlungen als eine begrenzte Phase - eine
wichtige Phase - im kalten Krieg betrachten, als einen Versuch nämlich, die Gefahr eines Atomkriegs, der weder in ihrem noch in unserem
Interesse wäre,zu verringern. Das bedeutet ferner, daß die Kommunisten
die Absicht haben - mit allen anderen ihnen zur Verfügung stehenden
Mitteln - darauf zu beharren, die Expansion ihrer Macht und ihres Einflusses weiter zu betreiben.
Alle der Regierung - die das Verhalten der Kommunisten in allen
Teilen des Erdballs beobachtet - zur Verfügung stehenden Informationen lassen darauf schließen, daß die Kommunisten in keiner Weise
in ihren Bemühungen nachgelassen haben, ihre Macht und ihren Einfluß
auf Kosten des Westens weiter auszubauen.
Sie haben dann zweitens gesagt, daß sie in einer Periode verminderter Spannung hoffen und erwarten, die - wie sie es nennen - dem
Wesen des Westens immanenten Widersprüche werden sich in zunehmendem
Maße geltend machen. Sie hoffen und erwarten, daß wir im Westen, wenn
die Krisen in Berlin und anderswo etwas weniger akut sind, nicht klug
genug sein werden, zusammenzuhalten; und sie haben offensichtlich
die Absicht, jede Spaltung, die sich unter uns zeigen könnte, auszunutzen .
Wir sollten diese Warnungen ernst nehmen; und sie stehen in einer
Beziehung zu der Aufrechterhaltung jenes politischen Denkens und Handelns in Deutschland, das, wie ich bereits erwähnt habe, eine der
größten kollektiven Leistungen der Nachkriegszeit darstellt.
Ich bin überzeugt, daß die Deutschen und die deutsche Politik
loyal an den Konzeptionen der europäischen Einheit und der atlantischen Partnerschaft und an der kollektiven Verteidigung der Werte der
westlichen Kultur festhalten werden, die dieser Politik zugrunde liegen. Dies bedeutet aber, daß Deutschlands Verbündete in Europa und
Nordamerika tätig zu dieser Politik stehen müssen.
Die Probleme auf unserer gemeinsamen Tagesordnung im Westen haben
sich in den letzten Monaten geändert, wie sie sich in der Zeitspanne
seit etwa 1947» als die gegenwärtige Politik konzipiert wurde, schließlich oft geändert haben. Die Politik der atlantischen Staaten hat in
diesen beiden Jahrzehnten °ine große Elastizität bewiesen, Wir haben
Probleme und Krisen mancherlei Art überstanden, und die Kernstruktur der
NATO ist noch immer intakt, und die Impulse für die europäische Einheit
sind noch immer lebendig. Wir sind mit den Problemen des wirtschaftlichen Wiederaufbaus und der Auslandshilfe in den Entwicklungsländern und
mit einer Fülle von Problemen auf dem Gebiet des Handels und der Währungen fertig geworden. Wir sind mit Vorstößen gegen die Türkei und
Griechenland und zweimal mit größeren Vorstößen gegen Berlin fertig
geworden. Wir haben unsere gemeinsame Strategie aus einer Zeit, da
die Hauptbedrohung die Rote Armee zu Lande war, der wachsenden Kompliziertheit einer Zeit angepaßt, in der die Sowjetunion über ein Arsenal

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Arsenal nuklearer Waffen und die Mittel zum Einsatz dieser Waffen
mit Hilfe von Raketen verfügt. Wir sind mitten im Übergang, aus
einer Zeit deB nuklearen Monopols der USA in eine Zeit, in der eine
Verteilung der Lasten und der Verantwortung der nuklearen Verteidigung zunehmend möglich ist. Wir haben Augenblicke erlebt, da wir kur-2
vor einem Kriege standen, und wir hatten längere Perioden relativer
Ausgeglichenheit in den Spannungen zwischen Moskau und dem Westen»
Wir haben erlebt, wie die Beziehungen zwischen West- und Osteuropa
aus der düsteren Hoffnungslosigkeit der Zeit Stalins in eine Zeit
übergingen, da Männer auf beiden Seiten des Eisernen Vorhangs mit
gesteigerter Hoffnung auf größere nationale Unabhängigkeit und menschliche Freiheit im Osten und die Wiederherstellung alter Verbindungen
rechnen durften, die sich aus den gemeinsamen religiösen und kultu»
rellen Bindungen Ost- und Westeuropas herleiten.
Wir haben miterlebt, wie Westeuropa eine Reihe schwerer Krisen
in den alten Kolonialgebieten überstand und neue Beziehungen der
Assoziierung und Partnerschaft mit den früheren Kolonien und mit
anderen Nationen fand, die sich unter dem Banner der nationalen Un*
abhängigkeit und Erneuerung gebildet haben.
Alle diese Anpassungen sind nicht leicht vor sich gegangen;
und da es sich um demokratische Gesellschaften handelte, konnten alle
die Schwierigkeiten sehen. Unsere Debatten finden in aller Öffentlichkeit statt. Aber wir haben allen Grund zu glauben, daß die Politik»
die Maschinerie und die Geisteshaltung, die in der vergangenen Genera»
tion gestaltet wurden, sich auf eine Weise fortentwickeln werden,
daß sie die Einigkeit des WestenB - nicht seine Zersplitterung - för»
dem»
Dabei hat Deutschland heute eine große Rolle zu spielen. Keine
Nation hat ein größeres Interesse am Erfolg einer kollektiven Politik
im Westen oder ist mehr befähigt feiner solchen Politik Substanz zu
verleihen. Deutschlands Sicherheit nach dem Kriege, seine Prosperität!
seine Ruhe im Inneren und seine wachsende Rolle im Weltgeschehen sind
in dieser Politik verwurzelt; und was die Deutschen und Deutschland
heute bereits erreicht haben, ermöglicht es ihnen, tatkräftig voranauschreiten, wenn es gilt» ihr den Weg in die nächste Phase der westlichen Geschichte zu ebnen. Die Welt indes, in der wir heute leben»
ist so eng miteinander verknüpft, daß die Standhaftigkeit des einen
von der Standhaftigkeit aller abhängt. Insbesondere wir in den Vereinigten Staaten - die wir» ob wir es wolle n oder nicht, immer noch
die Führer des Westens sind, - müssen fest auf dem Kurs bleiben.
Wenn wir als Nation unsere Loyalität gegenüber den großen Zielsetzungen der europäischen Einheit und der atlantischen Partnerschaft
bewahren - die der Präsident auf seiner Europa-Reise im Juni so nach»
haltig bekräftigt hat -, dann können wir nicht nur der Stabilität der
deutschen Politik, sondern auch des stetigen Fortschritts der Sache
der Freiheit in jedem Teil unseres Globus sicher sein»'*
* * * * *

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�Ailg./27.9.1963

KENNEDY RUFT ZUR ZUSAMMENARBEIT FÜR DEN FRIEDEN AUF

NEW YORK - (AD) - Wortlaut der Rede, die der
Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika,
John F. Kennedy, am 20. September 19&amp;3 "vor der
18. Vollversammlung der Vereinten Nationen gehalten hat.

"Herr Präsident, Herr Generalsekretär, Delegierte der
Vereinten Nationen, meine Damen und Herren!'
Wir treffen hier erneut in unserem Bemühen um den Frieden
zusammen. Vor 24 Monaten, als ich zuletzt die Ehre hatte, vor diesem Gremium zu sprechen, lag der Schatten der Furcht düster über
der Welt. Die Freiheit West-Berlins war in unmittelbarer Gefahr.
Ein Abkommen über ein neutrales Laos schien weit entfernt. Das
Mandat der UN im Kongo wurde angegriffen. Die finanzielle Zukunft
der Weltorganisation war in Frage gestellt. Dag Hammarskjöld war
tot. Für seinen Posten wurde die Troika-Doktrin gefordert, und
die Kernwaffenversuche in der Atmosphäre waren soeben von der Sowjetunion wiederaufgenommen worden.
Dies waren Tage der Angst für die Menschheit - und manche
fragten sich laut, ob diese Weltorganisation weiter fortbestehen
könnte. Aber die 16. und die 17» Vollversammlung erreichten nicht
nur, daß die Weltorganisation weiterbestand, sondern auch daß
Fortschritte erzielt wurden. Die Vereinten
Nationen zeigten sich
ihrer Verantwortung gewachsen und trugen dazu bei, die Spannungen
zu verringern, die düstere Zukunft abzuwenden.
Heute haben sich die Wolken etwas gelichtet, so daß neue
Hoffnungsstrahlen durchbrechen können. Der Druck auf West-Berlin
scheint vorübergehend nachgelassen zu haben. Die politische Einheit im Kongo ist weitgehend wiederhergestellt. In Laos besteht
zumindest eine neutrale Koalition - auch wenn sie noch Schwierigkeiten hat. Die Integrität des UN-Sekretariats wurde erneut gefestigt. Ein Jahrzehnt der Entwicklung im Zeichen der Vereinten
Nationen ist angebrochen. Und schließlich wurde zum erstenmal nach
17 Jahren der Bemühungen ein spezifischer Schritt unternommen, um
das atomare Wettrüsten zu begrenzen.
Ich
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�"AMERIKA DIENST"
Ich meine Hiermit den Vertrag über das Verbot von Kernwaffenversuchen in der Atmosphäre, im Weltraum und unter Wasser, der zwischen der Sowjetunion, Großbritannien und den Vereinigten Staaten
abgeschlossen und inzwischen bereits von fast hundert Staaten unterzeichnet wurde. Dieser Vertrag wurde von der Bevölkerung der ganzen
Welt, die dankbar ist, von der Furcht vor radioaktiven Niederschlägen befreit zu sein, aus tiefstem Herzen begrüßt, und ich bin fest
davon überzeugt, daß er am kommenden Dienstagvormittag um 11.30 Uhr
die überwältigende Unterstützung des amerikanischen Senats findepn
wird.
Die Welt ist dem Dunkel noch nicht entronnen. Die langen Sc hatten
der Auseinandersetzungen und Krisen halten uns noch immer umfan gen.
Doch kommen wir heute in einer Atmosphäre wachsender Hoffnung ir
einem verhältnismäßig ruhigen Augenblick zusammen. Daß ich hier
zugegen bin, ist nicht ein Zeichen der Krise, sondern der Zuvers icht.
Ich bin nicht hier, um über eine neue Friedensbedrohung oder übe r
neue KriegsanzeichBn" zu berichten. Ich bin Vielmehr gekommen, Um die
Vereinten Nationen zu grüßen und Ihnen die Unterstützung des am« rikanischen Volkes bei Ihren täglichen Beratungen zu demonstrieret
Denn welcher Wert der Arbeit dieser Körperschaft beizumessrn ist,
das hängt nicht vom Vorhandensein von Notstandssttuatic jn ab, vnd
der Weg zur Gewinnung des Friedens kann auch nicht nur aus dramatischen Siegen bestehen. Der Friede ist ein täglicher, wochen- und
monatelanger Prozeß der allmählichen Meinungsänderung, der langsamen
Aushöhlung alter Widerstände, des stillen Aufbaus neuer Strukturen.
Und so undramatisch solche Friedensbemühungen auch sind, so müssen
dieseTBemühungen doch ständig fortgesetzt werden.
Heute mögen wir eine Pause im kalten Kriege erreicht haben,
aber das ist noch kein dauerhafter Friede. Ein Versuchsstoppvertra^
ist ein Meilenstein, aber damit ist noch kein Goldenes Zeitalter
angebrochen. Wir sind keineswegs aus unseren Verpflichtungen entlassen, sondern haben nur eine Chance erhalten. Und wenn wir diesen
Moment und diesen Schwung nicht voll zu nutzen verstehen, sondern
unsere neugewonnenen Hoffnungen und Einsichten in neue Mauern und
Waffen der Feindschaft umwandeln lassen - wenn diese Pause des kalten
Krieges lediglich zu seiner Erneuerung statt zu seiner Beendigung
führt -, dann wird die Nachwelt zu Recht in vorwurfsvoller Anklage
mit Fingern auf uns alle weisen. Wenn wir aber diese Pause zu einer
Periode fruchtbarer Zusammenarbeit auszudehnen vermögen, wenn Beide
Seiten jetzt neues Vertrauen und echte Erfahrung im konkreten Zusammenwirken für den Frieden gewinnen, wenn wir jetzt imstande sind,
die Kontrolle der tödlichen Waffen ebenso' kühn und weitblickend zu
betreiben wie vorher ihre Herstellung, dann kann dieser erste kleine
Schritt sicherlich zum Beginn einer langen und fruchtbringenden Reise
werden.
Die Aufgabe, den Frieden zu schaffen, ist den Führern aller
Nationen, der großen wie der kleinen, gestellt, denn die Großmächte

-

2

-

�AMERIKA DIENST"
Großmächte besitzen kein Monopol auf Konflikte und Ambitionen. Der
kalte Krieg ist nicht die einzige Ausdrucksform der Spannungen in
der heutigen Welt, und das nukleare Wettrüsten ist nicht der einzige
Rüstungswettlauf. Auch kleine Kriege sind gefährlich in einer nuklear
bewaffneten Welt. Die mühselige Arbeit für den Frieden ist eine
Aufgabe für alle Nationen, und bei dieser Anstrengung kann sich keiner
von uns abseits halten. Diesem Ziel darf sich niemand versagen.
Die Verminderung der weltweiten Spannungen darf nicht als Vorwand für die engstirnige Verfolgung selbstsüchtiger Interessen benutzt werden. Wenn die Sowjetunion und die Vereinigten Staaten trotz
all ihrer globalen Interessengegensätze und ideologisch bedingten
Auseinandersetzungen und der immer noch gegeneinander gerichteten Kernwaffen - imstande sind, ein Terrain der gemeinsamen Interessen und des Einvernehmens zu finden, dann sollte dies anderen Nationen
sicherlich auch gelingen - Nationen, die von regionalen Konflikten,
Rassenkämpfen oder von den Todeszuckungen des alten Kolonialismus
in Atem gehalten werden. Chronische Streitigkeiten, die wertvolle
Kräfte den notwendigen Aufgaben des Volkes entziehen oder die Energien
beider Seiten verschleißen, sind für niemand von Nutzen - und das
Erkennungsmerkmal des Verantwortungsbewußtseins ist in der modernen
Welt die Bereitschaft, nach friedlichen Lösungen zu suchen»
Für einen Versuch ist es niemals zu früh; für eine Aussprache
ist es niemals zu spät; und es ist höchste Zeit, daß viele Dispute,
die auf der Tagesordnung dieser Vollversammlung stehen, aus Streitgegenständen zu Verhandlungsgegenständen gemacht werden.
Tatsache ist, daß die Vereinigten Staaten als eine der großen
Atommächte eine besondere Verantwortung tragen. Es handelt sich faktisch um eine dreifache Verantwortung: eine Verantwortung gegenüber
unseren eigenen Mitbürgern, eine Verantwortung gegenüber Menschen in
aller Welt, die von unseren Entscheidungen betroffen werden, und eine
Verantwortung gegenüber der kommenden Generation der Menschheit. Wir
glauben, daß auch die Sowjetunion diese besondere dreifache Verantwortung trägt und daß diese dreifache Verantwortung unsere beiden
Länder verpflichtet, das Hauptaugenmerk weniger auf unsere Differenzen
und mehr auf die Mittel zu ihrer friedlichen Beilegung zu richten.
Viel zu lange schon haben wir beide unsere Militärhaushalte immer
weiter erhöht und unsere Kernwaffenvorräte und unsere Fähigkeit zur
Zerstörung alles Lebens auf diesem Planeten - alles menschlichen,
tierischen und pflanzlichen Lebens - immer weiter vermehrt, ohne
damit eine entsprechende Erhöhung unserer Sicherheit zu erreichen.
Unsere Konflikte sind sicherlich realer Natur. Unsere Idealvorstellungen von der Welt sind verschieden. Wir würden niemandem
einen Dienst erw.eisen, wenn wir es versäumten, unsere Meinungsverschiedenheiten klar herauszustellen. Eine der zentralen Meinungsverschiedenheiten erwächst aus dem Glauben des amerikanischen Volkes
an das Selbstbestimmungsrecht für alle Völker.
Wir

�"AMERIKA DIENST"
Wir glauben, daß es den Menschen in Deutschland und Berlin freigestellt sein muß, ihre Hauptstadt und ihr Land wiederzuvereinigen.
Wir glauben, daß es den Menschen in Kuba freigestellt sein
muß, die Früchte der Revolution einzubringen, die so betrügerisch
von innen verraten und von außen ausgebeutet wurde.
Um es kurz zu sagen, wir glauben, daß es den Menschen in der
ganzen Welt - in Osteuropa ebenso wie in Westeuropa, in Südafrika
ebenso wie in Nordafrika, in den alten Staaten ebenso wie in den
jungen - freigestellt sein muß, über ihre eigene Zukunft zu bestimmen,
ohne Diskriminierung oder Diktat und ohne Zwang oder Subversion.
Dies sind grundlegende Meinungsverschiedenheiten zwischen uns
und der Sowjetunion, und sie lassen sich nicht verheimlichen. Solange
sie weiterbestehen, setzen sie einer Übereinkunft Grenzen und verbieten sie ein Nachlassen der Wachsamkeit. Unsere Verteidigungsvorkehrungen
rund um den Erdball werden zum Schutz-e der Freiheit aufrechterhalten
werden, und unsere Entschlossenheit, diese Freiheit zu wahren, wird
jeder Drohung oder Herausforderung gewachsen sein.
Ich möchte aber den führenden Männern der Sowjetunion und ihrem
Volke zurufen, daß wir, wenn unsere beiden Länder vollständige Sicherheit erreichen sollen, einer weit besseren Waffe bedürfen als der Wasserstoffbombe, einer besseren Waffe als Raketen oder Atom-U-Boote und diese bessere Waffe ist friedliche Zusammenarbeit.
Wir haben uns in den letzten Jahren auf einen Vertrag über die
beschränkte Einstellung der Kernwaffenversuche geeinigt, auf eine
Nachrichtenverbindung zwischen unseren Hauptstädten für den Dringlichkeitsfall, auf eine Grundsatzerklärung bezüglich der Abrüstung, auf
eine Erweiterung des Kulturaustauschs, auf eine Zusammenarbeit im
Weltraum, auf die friedliche Erforschung der Antarktis und auf eine
Entschärfung der Kuba-Krise des vergangenen Jahres.
Darum glaube ich, daß die Sowjetunion und die Vereinigten Staaten
zusammen mit ihren Verbündeten weitere Abkommen erreichen können Abkommen, die unserem gemeinsamen Interesse entspringen, die gegenseitige Vernichtung zu verhindern.
über die Reihenfolge weiterer Schritte kann es keinerlei Zweifel geben. Wir müssen weiterhin nach einem Übereinkommen über Maßnahmen
zur Verhinderung eines Krieges durch Zufall oder Fehleinschätzung trachten. Wir müssen weiterhin ein Übereinkommen über Maßnahmen zur Sicherung
gegen einen Überraschungsangriff anstreben, wozu die Errichtung von
Beobachtungsposten an Schlüsselpunkten gehört. Wir müssen uns weiterhin
um ein Abkommen über die Einschränkung des nuklearen Wettrüstens durch
eine Kontrolle der Überstellung von Kernwaffen, eine Verwendung spaltbaren Materials für friedliche Zwecke sowie ein Verbot unterirdischer
Versuche mit angemessenen Inspektionen und Einhaltungsgarantien bemühen. Wir müssen uns weiterhin um ein Übereinkommen über einen freieren
Informationsaustausch und Personenverkehr von Ost nach West und von
West nach Ost bemühen.
,„.

�"AMERIKA DIENST1
Wir müssen, ermutigt durch die gestrige positive Antwort des
sowjetischen Außenministers auf diesen Vorschlag, weiterhin eine
Übereinkunft über ein Abkommen suchen, durch das Massenvernichtungswaffen aus dem Weltraum verbannt werden. Sehen wir zu, daß wir unsere
Delegierten wieder an den Verhandlungstisch bringen, damit sie ein
durchführbares Abkommen in dieser Richtung ausarbeiten.
Lassen Sie uns auf diese und andere Weise den steilen und schwierigen Pfad zu einer umfassenden Abrüstung beschreiten, das gegenseitige Vertrauen durch gegenseitige Verifizierung festigen und die Institutionen des Friedens schaffen, während wir gleichzeitig unsere
Kriegsmaschinen demontieren. Wir dürfen nicht deswegen, weil etwa
nicht in allen Punkten eine Übereinstimmung erzielt werden kann, die
Übereinkunft dort hinausschieben, wo ein Übereinkommen möglich ist.
Und wir dürfen Vorschläge nicht einfach nur aus propagandistischen
Gründen unterbreiten.
Schließlich gibt es auf einem Gebiet, auf dem die Vereinigten
Staaten und die Sowjetunion eine führende Stellung einnehmen - dem
Gebiet der Raumfahrt - Ansatzpunkte genug für eine neue Zusammenarbeit,für weitere gemeinsame Anstrengungen bei der Ausarbeitung eines
Weltraumrechts und der Erforschung des Weltraumes. Zu diesen Möglichkeiten gehört auch eine gemeinsame Expedition zum Mond. Der Weltraum
bietet keine Souveränitätsprobleme; in einer Resolution dieser Versammlung haben die Mitglieder der Vereinten Nationen auf jegliche
territorialen Rechtsansprüche im Weltraum oder auf Himmelskörpern
verzichtet und erklärt, daß das Völkerrecht und die Charta der Vereinten Nationen gültig sein sollen. Warum sollte daher der erste
Plug des Menschen zum Mond Gegenstand eines nationalen Wettstreits
sein? Warum sollten sich die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion
bei der Vorbereitung solcher Expeditionen auf immense Doppelleistungen
auf dem Gebiet der Forschung, der Konstruktion und der Ausgaben einlassen? Wir sollten lieber prüfen, ob d±e Wissenschaftler und Astronauten unserer beiden Länder - ja der ganzen Welt - bei der Eroberung
des Weltraumes nicht zusammenarbeiten können, um eines Tages in diesem Jahrzehnt -nicht Vertreter einer einzigen Nation, sondern Vertreter der gesamten Menschheit zum Mond zu schicken.
Alle diese und andere neue Schritte in dieser Richtung auf eine
friedliche Zusammenarbeit sind möglich. Die meisten von ihnen setzen
unsererseits eine umfassende Konsultation mit unseren Verbündeten
voraus - denn deren eigene Interessen werden davon genauso berührt
wie die unsrigen, und wir werden niemals ein Abkommen auf ihre Kosten
abschließen.
Die meisten solcher Abkommen werden lange und sorgfältige Verhand
lungen erfordern. Und die meisten von ihnen werden eine neue Einstellung zum kalten Krieg bedingen - den Wunsch, nicht seinen Gegner zu
•beerdigen', sondern sich mit ihm in einer großen Anzahl friedlicher
Arenen, in.Ideen, in der Produktion und im Dienste an der gesamten
Menschheit zu messen.
. Der

�"AMERIKA DIENST"
Der Wettstreit wird weitergehen - der Wettstreit zwischen
Menschen, denen eine monolithische Welt vorschwebt, und denen,
die an die Mannigfaltigkeit glauben. Aber es sollte ein Wettstreit
der Leitbilder und nicht der Zerstörung, ein Wettstreit der Leistungen und nicht der Einschüchterung sein. Im Namen der Vereinigten
Staaten von Amerika begrüße ich einen solchen Wettstreit. Denn wir
glauben, daß die Wahrheit stärker ist als der Irrtum und die Freiheit
dauerhafter als der Zwang. Und im Wettstreit um ein besseres Leben
wird die ganze Welt der Sieger sein.
Das Bemühen um die Verbesserung des Loses der Menschen aber ist
nicht die Aufgabe einiger weniger. Es ist die Aufgabe aller Völker
- handelnd für sich allein, handelnd in Gruppen und handelnd im
Rahmen der Vereinten Nationen. Denn Pest und Plage, Verlorenheit
und Verderb, Naturkatastrophen und der Hunger der Kinder - sind
Feinde eines jeden Volkes. Land und Meer und Luftraum - sie gehen
heute alle Völker an. Und Wissenschaft, Technik und Bildung können
Verbündete eines jeden Volkes sein.
Nie zuvor besaß der Mensch in so hohem Maße die Fähigkeit, seine
Umwelt zu ordnen, Hunger und Durst ein Ende zu setzen, Armut und Krankheit zu besiegen, das Analphabetentum zu beseitigen und das große
menschliche Leid zu bannen. Es steht in unserer Macht, diese Generation
zur tüchtigsten der Menschheitsgeschichte zu machen - oder zu ihrer
letzten.
Die Vereinigten Staaten haben seit Kriegsende Hilfe im Werte von
mehr als 100 Milliarden Dollar an Länder geleistet, die eine lebensfähige Wirtschaft aufzubauen suchten. Und vor zwei Jahren, auf die
Woche genau, gründeten wir das Friedenskorps, um allen interessierten
Ländern zu helfen, den Bedarf an entsprechend geschulten und begeisterungsfähigen Arbeitskräften zu decken. Andere hochindustrialisierte
Länder, deren Volkswirtschaften vor noch nicht allzu langer Zeit erst
mit unserer Unterstützung wiederaufgebaut worden sind, erkennen nun
ihrerseits ihre Verantwortung gegenüber den weniger entwickelten
Völkern.
Die Bereitstellung von Entwicklungshilfe durch die einzelnen
Länder muß fortgesetzt werden. Aber auch die Vereinten Nationen
müssen eine größere Rolle in den Bemühungen spielen, allen Menschen
die Früchte der Wissenschaft und Industrie unserer Zeit zukommen zu
lassen. Eine Konferenz der Vereinten Nationen zu diesen Fragen, die
vor Monaten in Genf stattgefunden hat, eröffnete den Entwicklungsländern neue Ausblicke. Im kommenden Jahr wird eine UN-Konferenz über
Handelsfragen die Notwendigkeit prüfen, diesen Ländern neue Märkte
zu eröffnen. Und über vier Fünftel des UN-Systems sind heute dabei,
die Waffen der Wissenschaft und Technik für das EntwicklungsJahrzehnt
der Vereinten Nationen zu mobilisieren.
Es kann aber noch mehr, noch weit mehr geschehen. Es könnten
beispielsweise
- eine

�AMERIKA DIENST"
- eine Weltzentrale für medizinische Nachrichten unter den
Auspizien der Weltgesundheitsorganisation (WHO) vor Epidemien und
den nachteiligen Folgen bestimmter Drogen warnen und die Ergebnisse
neuer Versuche und Entdeckungen verbreiten;
--regionale Forschungszentren unser gemeinsames medizinisches
Wissen erweitern und zusätzlich Wissenschaftler und Ärzte für die
jungen Staaten heranbilden;
- ein weltumspannendes System von Satelliten die Verbreitung
von Nachrichten und Wettermeldungen in allen Teilen der Erde ermöglichen;
- ein weltweites Naturschutzprogramm die Wald- und Wildbestände
erhalten helfen, die gegenwärtig von der Gefahr der -Vernichtung bedroht sind, die Gewinnung von Nahrungsmitteln aus den Weltmeeren
steigern, und die Verseuchung der Luft und des Wassers durch industrielle und nukleare Abfallstoffe verhindern; und schließlich
- ein weltweites Programm zur Ertragssteigerung der Landwirtschaft und Verbesserung der Nahrungsmittelverteilung - ähnlich wie das
1
Lebensmittel-für-den-Frieden'-Programm meines Landes - jedem hungernden Kind die Nahrung geben, die es braucht.
Doch der Mensch lebt nicht von Brot allein - und die Mitglieder
dieser Organisation sind durch die Charta verpflichtet, die Menschenrechte zu fördern und zu achten. Diese Rechte aber werden nicht geachtet, wenn ein buddhi\stischer Mönch aus seiner Pagode vertrieben oder
eine Synagoge geschlossen wird, wenn einer protestantischen Kirche
die Errichtung einer Mission verwehrt oder ein Kardinal gezwungen
wird, sich zu verbergen, oder aber wenn in einer überfüllten Kirche
während des Gottesdienstes Bomben explodieren.
Die Vereinigten Staaten sind gegen jede Diskriminierung und
Verfolgung aus rassischen oder religiösen Gründen, wo immer sie auftreten mögen, ob in unserem eigenen Lande oder sonstwo auf der Welt.
Wir sind bemüht, das Unrecht in unserem eigenen Lande wiedergutzumachen.
Die amerikanische Regierung hat - durch Gesetzes- und Verwaltungsmaßnahmen, durch moralische und rechtliche Verpflichtungen - eine
entschlossene Anstrengung unternommen, um unsere Nation von der viel
zu lange schon bestehenden Diskriminierung auf den Gebieten des Erziehungswesens, des Wohnungswesens, des Verkehrs-, der Beschäftigung,
des öffentlichen Dienstes sowie der Erholungs- und der öffentlichen
Einrichtungen zu befreien. Und daher zögern wir nicht, weder hier
noch vor irgendeinem anderen Forum, alles rassische und religiöse
Unrecht, werde es von Freund oder Feind begangen, zu verdammen.
Ich weiß, daß einige von Ihnen Diskriminierungen in diesem Lande
erfahren haben. loh bitte Sie jedoch, mir zu glauben, daß dies nicht
dem Wunsch der meisten Amerikaner entspricht, daß wir Ihren Kummer

- 7 -

�AMERIKA DIENST"
Kummer und Ihre Empörung teilen und daß wir gewillt sind, derartige
Praktiken nicht nur für die Besucher unseres Landes, sondern genauso
für seine Bürger für alle Zeit zu beenden.
Ich hoffe, daß nicht nur unsere Nation, sondern auch alle anderen Staaten mit verschiedenen Rassen diesen Normen der Fairness
und der Gerechtigkeit entsprechen werden. Wir sind unabänderlich gegen die Apartheid und alle Formen der menschlichen Unterdrückung.
Wir vertreten die Rechte der Schwarzen in Afrika nicht, um die Weißen
aus Afrika zu vertreiben. Uns geht es um das Recht aller Menschen auf
gleichen Schutz und gleiche Chancen - und da die Menschenrechte unteilbar sind, kann diese Organisation nicht beiseite stehen, wenn diese
Rechte von einem ihrer Mitglieder mißbraucht oder Vernachlässigt werden.
Neue Anstrengungen sind notwendig, wenn die jetzt 15 Jahre alte
Menschenrechtsdeklaration der UN-Vollversammlung ihre volle Bedeutung
erlangen soll. Und es sollten neue Mittel zur Förderung der Freiheit
der Rede und des Ideenaustauschs gefunden werden - durch bessere Reisemöglichkeiten und Nachrichtenverbindungen und durch einen vermehrten
Austausch von Besuchergruppen, Büchern und Rundfunksendungen, denn
jetzt, da die Welt das Wettrüsten ablehnt, muß der Wettstreit der Ideen
blühen - und dieser Wettstreit muß so umfassend und fair wie möglich
sein.
Die amerikanische Delegation ist bereit, UN-Initiativen zur Verfolgung all
der Ziele anzuregen, die ich erwähnt habe. Denn dies ist
eine Organisation für den Frieden - und der Friede kann nicht ohne
Fortschritte kommen.
Die Vereinten Nationen können stolz sein auf die Verdienste, die
sie sich bei der Bewahrung des Friedens erworben haben, obwohl noch
immer gewaltige Aufgaben zu bewältigen sind. Wir dürfen uns glücklich
schätzen, daß wir auf das Geschick unseres ausgezeichneten Generalsekretärs und auf den tapferen Einsatz jener zählen dürfen, die sich in
den Dienst der Sache des Friedens am Kongo und im Mittleren Osten, in
Korea und Kaschmir, in Westneuguinea und Malaysia gestellt haben. Aber
was die Vereinten Nationen in der Vergangenheit vollbrachten, ist weniger wichtig als ihre künftige Aufgabe. Wir können ihren friedensbewahrenden Apparat nicht als selbstverständliche Einrichtung betrachten. Dieser Apparat bedarf einer soliden Finanzierung - und diese ist
nicht gegeben, wenn man zuläßt, daß einige Mitglieder sie dadurch an
der Erfüllung ihrer Pflichten hindern, daß sie ihren eigenen Verpflichtungen nicht nachkommen. Die Vereinten Nationen müssen von allen unterhalten werden, die hier von ihren Rechten Gebrauch machen, und alle
UN-Maßnahmen müssen bis zum Letzten unterstützt werden.
Zu oft läßt das Interesse an einem in Krisenstimmung eingeleiteten
Unternehmen nach, sobald sich die Lösung der Probleme hinzieht und
sich die Rechnungen stapeln. Aber wir müssen standfest genug sein, jede
Unternehmung zu Ende zu führen.
Es

8

�"AMERIKA DIENST1
Es ist zum Beispiel sehr wichtig, nicht die außerordentlichen
Erfolge der Vereinten Nationen im Kongo in Frage zu stellen. Dieses
Land, das erst vor drei Jahren um die Hilfe der Weltorganisation
nachsuchte, hat jetzt darum gebeten, daß die Vereinten Nationen
noch etwas länger dort bleiben. Meines Erachtens sollte diese
Vollversammlung alle notwendigen Schritte zur Konsolidierung der
bereits erzielten Erfolge unternehmen und das junge Land in seinem
Kampf um den Fortschritt schützen. Lassen Sie uns vollenden, was wir
begonnen haben, denn 'wer seine Hand an den Pflug legt und sieht
zurück1, so sagt uns die Heilige Schrift, 'der ist nicht geschickt
zum Reich Gottes'.
Ich hoffe ebenso, daß die jüngste Initiative einiger Mitglieder,
eine Bereitschaftsfriedenstruppe, die von den UN abgerufen werden
kann, vorzubereiten, andere Länder zu ähnlichen Zugeständnissen ermutigen wird.
Die Vereinigten Staaten sind auch weiterhin bereit,
logistische und andere materielle Unterstützung zu gewähren.
Eine Überwachung ohne spezifische Vorkehrungen für eine friedliche Lösung genügt jedoch nicht. Wir sollten den Aufgabenbereich
für Sondermissionen erweitern, die an Ort und Stelle die Verhältnisse
prüfen und sich um eine Schlichtung bemühen, und wir sollten in
stärkerem Maße den Internationalen Gerichtshof einschalten und die
Arbeit der Internationalen Rechtskommission beschleunigen.
Die Vereinten Nationen können als starre, unbewegliche Organisation keinen Bestand haben. Ihre Aufgaben und Verpflichtungen wachsen
ebenso wie ihre Größe. Ihre Charta wie auch ihre Verfahren müssen
geändert werden. Die Verfasser der Charta hatten nicht im Sinn, ihr
ein für allemal eine starre Form zu geben. Die Waffen- und Kriegstechnik hat uns alle - in weitaus stärkerem Maße als vor achtzehn
Jahren - in einer Welt und zu einem Menschengeschlecht mit einem gemeinsamen Geschick vereint.
In einer solchen Welt bürgt selbst absolute Souveränität
nicht mehr für absolute Sicherheit. Die Friedensvereinbarungen müssen
mit den Kriegserfindungen gleichziehen und ihnen sodann den Rang ablaufen. Die Vereinten Nationen müssen auf ihren Erfolgen aufbauen
und aus ihren Fehlern lernen und so zu einem wahren Weltsicherheitssystem ausgebaut werden.
Aber der Friede beruht nicht allein auf Chartas und feierlich
geschlossenen Verträgen, er ruht in den Herzen und im Denken der Menschen. Wann er daraus vertrieben ist, dann besteht auch keinerlei
Hoffnung, daß irgendein Schritt, ein Pakt, ein Vertrag oder eine
Organisation den Frieden erhalten kann. So wollen wir nicht alle
unsere Hoffnungen auf Pergament und Papier gründen, sondern vielmehr danach streben, Frieden in die Herzen und das Denken der Menschen zu tragen.
Ich

�AMERIKA DIENST"
Ich glaube, daß die Probleme des Menschenschicksals die Kräfte
des Menschen nicht übersteigen.
Vor zwei Jahren habe ich vor diesem Gremium erklärt, daß die
Vereinigten Staaten einen Vertrag über einen begrenzten Atomstopp
vorgeschlagen hätten und bereit seien, einen solchen zu unterzeichnen. Heute ist dieser Vertrag bereits unterzeichnet. Er wird nicht
den Krieg beseitigen. Er wird nicht die grundlegenden Konflikte aus
der Welt schaffen. Er wird nicht die Freiheit für alle gewährleisten.
Aber er kann als Hebel wirken. Und Archimedes soll, als er das Prinzip der Hebelwirkung erläuterte, zu seinen Freunden gesagt haben:
•Gebt mir einen Standpunkt und ich hebe die Welt aus den Angeln.'
Meine Mitbürger auf diesem Planeten: Lassen Sie uns hier in dieser Versammlung der Nationen unseren Standpunkt beziehen. Und lassen
Sie uns sehen, ob wir zu unseren Lebzeiten die Welt einem gerechten
und dauerhaften Frieden näherbringen können."

* * * * *

10

�BETRACHTUNGEN EINES AMERIKANERS UßER BERLIN

ANSPRACHE

Sr. Exzellenz, des Botschafters der Vereinigten Staaten,
GEORGE C. MCGHEE

gehalten im Amerika-Haus zu Nürnberg am 9- Oktober 1963

�BETRACHTUNGEN EINES AMERIKANERS ÜBER BERLIN

Meine Damen und Herren,
es ist mir ein Vergnügen, an der Berlin-Woche des hiesigen
Amerika-Hauses teilzunehmen. Das mir heute abend gestellte Thema
ist die Politik Amerikas bezüglich Berlins. Es ist dies ein Thema,
zu dem Millionen V/orte gesprochen und geschrieben worden sind.
Dennoch scheinen mir die Fragen, um die es hier geht, nichts an
Aktualität einzubüßen. Wenn ich auch in erster Linie über Berlin
spreche, so möchte ich doch auch die Bedeutung des Berlin-Problems
als eines Aspekts der umfassenderen Frage der deutschen Einheit aufzeigen.
Um meine Ausführungen in die rechte Perspektive zu rücken,
dürfte es zweckmäßig sein, daß ich gemeinsam mit Ihnen erst einmal
einige der mit der Berlin-Frage verknüpften historischen Tatsachen
rekapituliere.
Wir beginnen vielleicht am besten mit der Situation unmittelbar bei Kriegsende. Es lagen gewisse Vereinbarungen vor, die von
der Sowjetunion, Großbritannien und den Vereinigten Staaten 1944
innerhalb der Europäischen Beratungskommission unterzeichnet worden
waren und die Schaffung von Besatzungszonen in Deutschland und die
Verwaltung Groß-Berlins betrafen. Zusätzliche Vereinbarungen bezüglich des gleichen allgemeinen Fragenkomplexes, die eine Mitwirkung
auch der Vorläufigen Regierung der Republik Frankreich an der
Besetzung Deutschlands vorsahen, wurden im Juni und Juli 1945 unterzeichnet. Diese Dokumente legten im wesentlichen den rechtlichen
Status

Groß-Berlins fest.

Auf Grund dieser Vereinbarungen wurde Groß-Berlin in vier Sektoren geteilt. Ein Punkt von größter Wichtigkeit ist hierbei, daß
die Stadt unter die gemeinsame Verwaltung der vier Mächte gestellt
worden ist. Im Einklang mit diesen Abmachungen wurde die Alliierte
Kommandantur aus den -vier - von den jeweiligen Zonenbefehlshabern
ernannten - Stadtkommandanten geschaffen. Den vier Stadtkommandanten,
stand ein Stab von Fachleuten zur Seite. Der Kommandantur übergeordnet

1

-

�übergeordnet war der Alliierte Kontrollrat aus den vier Zonenbefehlshabern. Der Kontrollrat übte die oberste Verfügungsgewalt
in Deutschland aus - in Angelegenheiten, die Deutschland als
Ganzes betrafen.
Die Alliierte Kommandantur trat erstmals am 11. Juli 1945
zusammen und arbeitete bis Juli 1948, als der sowjetische Vertreter seinen wohlbekannten "Ausmarsch" antrat. Die Kommandantur
setzte ihre Tätigkeit von diesem Zeitpunkt an bis zum 21. Dezember
1948 aus, als die Kommandanten der Westsektoren

die folgende Er-

klärung abgaben:
"Es kann nicht mehr länger geduldet werden, daß die
Weigerung der sowjetischen Behörden, an den Sitzungen
der Alliierten Kommandantur teilzunehmen, die ordnungsgemäße und gesetzmäßige Verwaltung Berlins behindert.
Die Alliierte Kommandantur wird deshalb unverzüglich ihre
Arbeit wiederaufnehmen. Sollten sich die sowjetischen Behörden jetzt oder zu einem späteren Zeitpunkt dazu bereit
finden, den Vereinbarungen nachzukommen,an die die vier
Mächte gebunden sind, dann kann die Vier-Mächte-Verwaltung
Berlins wieder aufgenommen werden. Während ihres Fernbleibens werden die drei westlichen Alliierten die Befugnisse
der Alliierten Kommandantur ausüben, wenn sie sich auch
darüber im klaren sind, daß sie ihre Entscheidungen im
gegenwärtigen Zeitpunkt wegen der sowjetischen Obstruktion
lediglich in den westlichen Sektoren durchsetzen können."
Eine Prüfung der verschiedenen einschlägigen Dokumente läßt
ganz eindeutig erkennen, daß die Westmächte und die Sowjetunion
übereingekommen waren, Groß-Berlin als ein von den vier Besatzungszonen getrenntes und gesondertes Gebiet zu behandeln. Es wurde nicht
als Teil irgendeiner der vier Besatzungszonen angesprochen.
Die westlichen Alliierten sind mithin in Berlin kraft ihres
Siegerrechts. Wir sind nicht dort auf Grund der Duldung einer anderen Besatzungsmacht. Wir sind und bleiben in Berlin, bis wir nicht
mehr gebraucht werden, um die Grundrechte seiner Bürger zu wahren.
In diesem Zusammenhang

umriß Präsident Kennedy unseren Standpunkt

2

-

�Standpunkt im Juli 1961 in seinem an das amerikanische Volk
gerichteten Bericht sehr klar,als er erklärte:
"Wir können und werden es nicht zulassen, daß die Kommunisten uns - sei es allmählich oder mit Gewalt - aus
Berlin vertreiben. Denn die Erfüllung unseres dieser
Stadt gegebenen Versprechens ist für die Moral und Sicherheit Westdeutschlands, für die Einheit Westeuropas und
den Glauben der gesamten freien Welt wesentlich. Die
sowjetische Strategie richtet sich seit langem schon
nicht nur auf Berlin, sondern auch auf die Teilung und
Neutralisierung ganz Europas, um uns an unsere eigenen
Küsten zurückzuwerfen, ,Yir müssen unser der freien Bevölkerung West-Berlins gegebenes und oft wiederholtes Versprechen halten und unsere Rechte und ihre Sicherheit
selbst angesichts der Gewalt wahren, um das Vertrauen der
anderen freien Völker in unser Wort und unsere Entschlossenheit nicht zu verlieren. Die Stärke der Allianz, von der
unsere Sicherheit abhängt, ist wiederum von unserer Bereitschaft abhängig, unseren Verpflichtungen ihnen gegenüber
nachzukommen."
Dies ist eine klare und unzweideutige Bekräftigung unserer
Entschlossenheit, in Berlin zu bleiben. Sie dürfte bei niemandem
irgendwelche Zweifel an unserem Entschluß aufkommen lassen, die
Chance von über zwei Millionen Berlinern, in Freiheit zu leben,
offenzuhalten und sie zu verteidigen.
Diese Entschlossenheit erstreckt sich auch auf das Festhalten
am Recht auf Zugang nach Berlin. Das Recht auf freien und uneingeschränkten Zugang ist offenkundig Wesensbestandteil des Rechtes
der Alliierten auf Anwesenheit in Berlin. Darüber hinaus wurde es
durch Vereinbarungen bestätigt, die 1945 unter den Kriegsverbündeten
getroffen und 1949 erneut bekräftigt wurden. Diese Zugangsrechte des
Westens schließen eindeutig das Recht zum Transport von Nahrungsmitteln und anderen Versorgungsgütern ein, die für die Bevölkerung
der Stadt bestimmt sind. Das Recht der Berliner selbst, Güter von
Westdeutschland und anderswoher zu beziehen und dorthin zu verschicke

�verschicken, ist ebenso offenkundig Wesensbestandtei1 des besonderen Status, der Berlin zuerkannt ist.
Ich brauche diesem Zuhörerkreis die Einzelheiten unserer Entgegnung auf die ersten ernsthaften Versuche, unsere Position in
Berlin unhaltbar zu machen, nicht erst ins Gedächtnis zurückzurufen. Die Luftbrücke, die wir 1948 einrichteten, nachdem der Landzugang zur Stadt abgeschnitten worden war, führte zum Scheitern
der Anstrengungen der Kommunisten, die Alliierten gewaltsam aus
Berlin zu verdrängen und die Bevölkerung der Stadt durch Hunger
zur Unterwerfung unter den Kommunismus zu zwingen. In einem Zeitraum
von etwas mehr als elf Monaten wurden über zweieinviertel Millionen
Tonnen Nahrungsmittel und Versorgungsgüter in über einer Viertelmillion Flügen von französischen, britischen und amerikanischen
Luftwaffenangehörigen nach West-Berlin geschafft. Als die Luftbrücken-Aktion ihren Höhepunkt erreicht hatte, landete, wie Sie
sich vielleicht erinnern werden, alle 45 Sekunden eine Maschine in
West-Berlin.
Die Luftbrücke ist ein unauslöschliches Kapitel in der Geschichte der Verteidigung der Freiheit, ebenso wie der Mut der
Berliner während der Blockade. Sie hielten aus trotz dürftigster
Rationen. Die Kommunisten boten ihnen Lebensmittel für den Fall an,
daß sie sich in Ost-Berlin registrieren ließen, doch sie schlugen,
von einigen tausend abgesehen, dieses Anerbieten aus. Im Winter,
als Brennstoffe knapp wurden, froren sie meist ganz erbärmlich.
Monatelang gab es nur drei Stunden am Tag elektrischen Strom. Die
Berliner haben sich der Brüderschaft der freien Völker würdig
erwiesen. Die Bewunderung für ihren Mut und ihre Ausdauer hat erheblich dazu beigetragen, den Namen des deutschen Volkes in den
Augen der Welt wieder zu Ansehen zu bringen.
Das gemeinsame Erlebnis der Blockade schmiedete ein dauerhaftes Freundschaftsband zwischen den Berlinern und den Amerikanern
und ihren Verbündeten. Das Läuten der Freiheitsglocke im Turm des
Westberliner Rathauses mahnt jeden Tag zur Mittagsstunde an die
gemeinsame Sache.
Es

- 4 -

�Es hat seit dem Fehlschlagen der Blockade im Jahre 1948 auch
noch andere Bedrohungen der Freiheit West-Berlins gegeben. Einige
dieser Bedrohungen waren mit kommunistischen Ultimaten verknüpft,
andere nicht. Frisch im Gedächtnis ist uns noch die sowjetische
Herausforderung vom Februar-März 19&amp;2 in den Luftkorridoren einer der lebenswichtigen Verbindungen des freien Berlin mit der
Außenwelt. Wie 1948 begegneten die alliierten Behörden und die privaten Luftgesellschaften, deren Piloten den normalen Flugverkehr
von und nach Berlin ununterbrochen aufrechterhalten haben, dieser
Bedrohung mit ruhiger aber fester Entschlossenheit. Eben erst haben
wir eine ausgedehnte Periode harten diplomatischen Drucks auf Berlin
durchlebt, die im November 1958 begann. Während dieser ganzen Zeit
haben der Mut und die Standhaftigkeit der Berliner niemals nachgelassen. Trotz der grausamen Mauer bewahren die Berliner ihren
Gleichmut. Allen Drohungen und Schikanen zum Trotz haben die freien
Berliner den Wiederaufbau ihrer Stadt und die Wiederbelebung ihrer
Wirtschaft tatkräftig vorangetrieben.
Berlin ist wieder die größte Metropole zwischen Paris und
Moskau. Schon bei einem kurzen Besuch kann man sehen, wie aus
Ruinen und Trümmern neue Bürogebäude, Appartementhäuser, Hotels
und Läden entstanden sind. Hunderttausende neuer Arbeitsplätze wurden in den vergangenen 15 Jahren geschaffen, und alle einschlägigen
Indexziffern beweisen, daß die Wirtschaft Berlins ständig wächst.
Doch das freie Berlin gedeiht nicht nur in materieller Hinsicht,
auch das kulturelle Leben hat einen großen Aufschwung genommen.
Kunst, Musik, Theater und das akademische Leben - sie alle tragen
jetzt wieder dazu bei, Berlins einstigen Ruf als großes europäisches
und westliches Kulturzentrum wiederherzustellen. Seine wirtschaftliche Vitalität, die erwiesene Tapferkeit seiner Bevölkerung und
das anerkanntermaßen hohe kulturelle Niveau haben alle mitgeholfen,
Berlin seinen Platz unter den ersten Städten der Welt wieder zu
verschaffen .
Es gibt indessen noch ein anderes Element, das Erwähnung verdient, nämlich, $aß Berlin in den vergangenen 15 Jahren auch Schauplatz einer äußerst erfolgreichen westlichen Zusammenarbeit war.
In' der ersten Zeit nach Beendigung der Blockade wurde der Stadt für

-

5 -

�für ihren Wiederaufbau fast eine Milliarde Dollar an direkter
oder indirekter Hilfe aus Mitteln des Marshallplans zur Verfügung
gestellt. Die anderen westlichen Verbündeten schalteten sich ein,
sobald die Erholung von den Kriegsschäden im eigenen Lande einsetzt
Als dann die Bundesrepublik ihrerseits daranging, eine eigene leistungsfähige Wirtschaft aufzubauen, trug auch sie innerhalb der
Grenzen ihrer wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit in steigendem
Maße hierzu bei, bis

sie schließlich den Punkt erreichte, -von dem

an sie die Hauptverantwortung übernahm. Alles dies, gepaart mit
der Initiative und Tatkraft Berlins und seiner Bevölkerung, war
von unschätzbarem Wert für das Wiedererstarken der Stadt.
Abgesehen von den wirtschaftlichen Aspekten dieser Zusammenarbeit, kommt ihr auch noch eine große politische Bedeutung zu.
Was die Berlin-Politik anlangt, gibt es zwischen Frankreich, Großbritannien und den Vereinigten Staaten keine grundsätzlichen Meinungsverschiedenheiten. Die drei Mächte, die eine grundlegende Verantwortung in Berlin haben, sind sich im Hinblick auf ihre Verpflic
tung einig,

dem freien 3erlin Demokratie, Freiheit und Fortschritt

zu erhalten.
Diese Einigkeit in den Zielsetzungen teilen die westlichen
Bündnispartner nicht nur mit den Bürgern des freien Berlin, sondern
mit dem gesamten deutschen Volk. Mit dem ganzen deutschen Volke
gemeinsam haben wir den Wunsch, nicht nur Berlin, sondern Deutschland in Frieden und Freiheit wiedervereint zu sehen.

Wir wollen

die Tatsache niemals aus den Augen verlieren, daß die fortdauernde
Prosperität und Lebensfähigkeit des freien Berlin und die Aufrechterhaltung seiner engen Bindungen zu der Bundesrepublik für die
schließliche Wiedervereinigung Deutschlands von großer Wichtigkeit
sind. Der Präsident der Vereinigten Staaten hat im vergangenen Monat in seiner Rede vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen
die amerikanische Einstellung bezüglich Berlin-und der Wiedervereinigung Deutschlands kristallklar herausgearbeitet. Auf die Unterschiede zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion eingehend, sagte er:
"Unsere

�"Unsere Konflikte sind sicherlich realer Natur. Unsere
Idealvorstellungen

von der Welt sind verschieden. Wir

würden niemandem einen Dienst erweisen, wenn wir es versäumten, unsere Meinungsverschiedenheiten klar herauszustellen. Eine der zentralen Meinungsverschiedenheiten
erwächst aus dem Glauben des amerikanischen Volkes an
das Selbstbestimmungsrecht für alle Völker.
Wir glauben, daß es den Menschen in Deutschland und Berlin
freigestellt sein muß, ihre Hauptstadt und ihr Land wiederzuvereinigen...
Um es kurz zu sagen, wir glauben, daß es den Menschen in
der ganzen Welt - in Osteuropa ebenso wie in Westeuropa,
in Südafrika ebenso wie in Nordafrika, in den alten Staaten
ebenso wie in den jungen - freigestellt sein muß, über ihre
eigene Zukunft zu bestimmen, ohne Diskriminierung oder Diktat und ohne Zwang oder Subversion..."
Wir können die Vorstellung nicht akzeptieren,daß die Elementarbegriffe menschlicher Gerechtigkeit wahlweise anwendbar sind. Die
sittlichen Überlegungen, die die Selbstbestimmung zum guten Recht
der Völker Afrikas erheben, sind gleichermaßen auf den Fall Deutschland und Berlin anwendbar. Ich als Amerikaner darf sagen, daß mein
Land ein vereintes, freies und demokratisches Berlin, das seinen
rechtmäßigen Platz als großartige Hauptstadt eines freien und geeinten Deutschland einnimmt, weiterhin standhaft als eines seiner Ziele
ansehen wird.
Ich weiß, daß es ungeduldige Stimmen gibt, die die sofortige
Wiedervereinigung fordern. Ich sage frei und offen, daß ich jedoch
gleichzeitig nicht etwa konkrete Vorschläge zu hören bekomme, die
aufzeigen, wie dies ohne Anwendung von Gewalt zu bewerkstelligen wäre,
auf die wir im Westen als Mittel zur Erreichung dieses Ziels verzichtet haben. Wir dürfen uns weder durch semantische Wortdeutelei
oder Schlagworte irreführen lassen, noch der Selbsttäuschung erliegen. Wir müssen uns mit den Realitäten der Welt von heute auseinandersetzen. Jene, die die Bastion Berlin bewachen, die in die täglichen

-

7 -

�täglichen Ausfälle und Paraden des Umgangs mit den Kommunisten verwickelt sind, kennen diese Realitäten. Pluspunkte lassen sich in
Berlin nicht leicht erzielen.
Dies heißt aber nicht, daß wir deshalb in unserer Entschlossenheit nachlassen. Wir brauchen nicht das künstliche Stimulans des
Konflikts und der Spannung, um in unserem Entschluß neu bestärkt zu
werden. Wir anerkennen die einfache Wahrheit, daß

die Freiheit von

der Woge der Zukunft getragen wird, daß die evolutionären Entwicklungsprozesse, die für die Freiheit arbeiten, eine ganz eigene innere
Schwungkraft besitzen. Diese Prozesse haben eine größere Chance,
sich zu entfalten, wenn keine Spannungen auftreten, die nur dazu angetan sind,

den Status quo einzufrieren und sinnvolle friedliche

Anpassungen politisch unmöglich zu machen.
Wir können manche Entwicklung im Osten als Vorboten der Zukunft
betrachten. Die starren Dogmen des Stalinismus, die in der Vergangenheit

Millionen Menschen Not und Tod brachten, werden nun in Osteuropa

offiziell als Ketzerei bezeichnet. Wir stoßen auf abweichende Stimmen,
auf Zweifel an früher als unumstößlich geltenden Dogmen und auch auf
unmißverständliche Beweise einer natürlichen Freiheitssehnsucht der
Menschen. Ähnliche Kräfte

sind, wenn auch noch stärker gedämpft

und strenger überwacht, auch in der Ostzone Deutschlands vorhanden.
Ich zähle diese Punkte auf, um meine Überzeugung zu unterstreichen,
daß die Teilung Deutschlands dem Strom der Geschichte zuwiderläuft.
Wenn uns vielleicht auch die Geschichte begünstigen mag, so
müssen wir dennoch einsehen, daß eine Wiedervereinigung Berlins und
Deutschlands nicht schnell und nicht auf leichte V/eise zu erreichen
ist. Wir müssen einsehen, daß die Zeiten Geduld, Ruhe und Einsicht,
gepaart mit Entschlossenheit, fordern. Eine Frage aber, auf die wir
heute eine Antwort finden müssen, lautet: Wie können wir den Menschen
in Mitteldeutschland helfen, mit den Schwierigkeiten fertig zu werden,
die ihnen aus der Existenz der Mauer erwachsen? Diese Frage hat mehrere
Aspekte.
Zunächst muß der Westen stark und einig bleiben. Wir hier sind
uns der vielen Vorteile voll bewußt, die die Freiheit in ihren im
Westen entwickelten Formen mit sich bringt. Wir müssen der Welt aber

-

8

-

�aber deutlich vor Augen führen, daß die westlichen Wertbegriffe
universale Werte sind und den Aspirationen aller Menschen entgegenkommen. Die marxistischen Dialektiker attackieren eine Karikatur
des westlichen Kapitalismus, wie ihn Marx Mitte des 19- Jahrhunderts
sah. Wir können der Welt nicht nur beweisen, daß das westliche System einer freien Gesellschaft der beste Weg ist, die geistigen und
seelischen Bedürfnisse des Menschen zu befriedigen, sondern auch,
daß unser freies Wirtschaftssystem das wirksamste Mittel ist, die
materiellen Wünsche der Menschen zu erfüllen. Wir müssen schwer
arbeiten, um die Dynamik unseres Systems fortgesetzt unter Beweis
zu stellen

und um der Welt die mannigfaltigen Vorteile der Ent-

scheidungsfreiheit vor Augen zu führen.
Auf wirtschaftlichem Gebiet sind die Schwierigkeiten, denen
sich Osteuropa gegenübersieht, von einer deutschen Expertengruppe,
nämlich dem "Forschungsbeirat für Fragen der Wiedervereinigung
Deutschlands", wie folgt charakterisiert worden1 "Die Wirtschaft
des Ostblocks ist das Opfer der tiefen Kluft zwischen ideologischer
Loyalität und den praktischen -volkswirtschaftlichen Erfordernissen."
Erst kürzlich hat die Presse die Probleme aufgezeigt, mit denen sich
die Wirtschaftsplaner des Sowjetblocks im COMECON konfrontiert sehen.
Die Opposition rumänischer Stellen zu den für ihr Land ausgearbeiteten Plänen, die seiner industriellen Entwicklung ein Ende gesetzt
hätten, ist allgemein bekannt. Vergleichen Sie diese Situation einmal mit jener, die wir in Westeuropa vorfinden. Obwohl wir auch im
Westen Meinungsverschiedenheiten antreffen, so besteht doch keinerlei Zweifel darüber, daß der Gemeinsame Markt neue wirtschaftliche
Impulse zu einer Zeit hervorgebracht hat, in der sich der Ostblock
immer akuteren Schwierigkeiten gegenübergestellt sieht. Unser
spezifisches Wirtschaftssystem habe ich bereits erwähnt. Hier in
der Bundesrepublik, wo Sie von einer freien Marktwirtschaft profitieren, genießen Sie ebenfalls die Segnungen einer fortschrittlichen Sozialpolitik. Ganz eindeutig ist die soziale Gerechtigkeit
in den freien Volkswirtschaften des Westens

unendlich viel größer

als in Osteuropa. Konkret gesprochen können wir sicher sein, daß
die Arbeiter in der Ostzone genau wissen, wieviel mehr Annehmlichkeiten ihre Kollegen in der Bundesrepublik unter diesem System

-

9 -

�System genießen, als ihnen unter dem dort herrschenden System
geboten werden. Trotz der im Osten bestehenden Beschränkungen
des Meinungsaustausches mit dem Westen sind die offensichtlichen
Vorteile des westlichen Systems den Menschen in Osteuropa durchaus bekannt und werden auch in zunehmendem Maße diskutiert. Der
Westen wird für den Osten immer mehr zu einem Magnet von mächtiger Anziehungskraft, einer Anziehungskraft, die dort zwangsläufig zu einer Neuorientierung führen und neue Beziehungen zwischen Ost und West möglich machen wird. Wie Präsident Kennedy
in seiner Ansprache vor Studenten der Freien Universität in Berlin
erklärte: "Ganz gleich, ob sie (die Menschen des Ostens) viel oder
wenig vom Westen sehen, was immer sie sehen muß so strahlend sein,
daß es den täglichen Propagandawirbel der Entstellung klar wider- legt." Auf eine Zeit eingehend, in der sich Möglichkeiten für eine
Aussöhnung zwischen Ost und West abzeichnen, erklärte der Präsident
weiter: "Dann gilt es, Wunden zu heilen und das Mißtrauen auf beiden Seiten abzubauen. Es gilt dann die Unterschiede im Niveau des
Lebensstandards auszugleichen - das heißt, es nach oben und nicht
nach unten anzugleichen. Es gilt, faire und wirksame Abkommen zur
Beendigung des Wettrüstens zu treffen. Diese Veränderungen werden
nicht heute oder morgen eintreten, aber wir müssen unsere Bemühungen mit unverminderter Kraft fortsetzen."
Daneben gilt es, mit großer Wachsamkeit die westliche Einigkeit zu wahren, die allein unser System in großem Rahmen funktionsfähig machte. Diese Einigkeit wurde in Krisenzeiten glänzend unter
Beweis gestellt. Ich brauche nur abermals an die Reaktion des Westens auf die Berliner Blockade zu erinnern und als ein Beispiel
aus jüngster Zeit die Solidarität des Westens während der Kuba-Krise
im vergangenen Jahr anzuführen. In der Tat wurden zahlreiche Einrichtungen, die unsere Einigkeit hier dokumentieren, in Krisenzeiten geboren. Ich brauche in diesem Zusammenhang nur die NATO zu erwähnen.
Dennoch sollten und können wir, wie ich glaube, in Zeiten der
relativen Ruhe genauso einig sein wie in Krisenzeiten. Wenn wir
unser System für die östliche Welt anziehend machen wollen, müssen
wir unsere Ideen und Hilfsquellen zusammenfassen. Einigkeit ist dabei
die wesentliche Voraussetzung.
Lassen
-

10

-

�Lassen Sie mich das, was ich eben generell gesagt habe,
speziell auf Berlin anwenden.
Die amerikanische Verpflichtung gegenüber Berlin wurde erst
kürzlich durch Präsident Kennedy anläßlich seines Berlin-Besuches
im Juni dieses Jahres erneut bestätigt. Ich brauche wohl nicht zu
wiederholen, was er in so beredter Weise bei dieser Gelegenheit
zum Ausdruck brachte. Niemand sollte die diesbezügliche feste
Entschlossenheit der Amerikaner und ihrer Alliierten anzweifeln.
Wir verstehen und würdigen den Wunsch der Berliner Behörden
und der Bevölkerung der Stadt nach normaleren Beziehungen zu ihren
Landsltuten in der Bundesrepublik. Ich glaube, die Geschichte wird
meine Worte bestätigen, wenn ich behaupte, daß es zahlreiche Beweise
unseres Mitempfindens bezüglich dieses natürlichen Wunsches gibt.
Seit Jahren bestehen Regelungen, um einem Großteil der Gesetze und
Abkommen der Bundesrepublik auf Berlin auszudehnen. Die Vertreter
von 2 l/2 Millionen freien Berlinern spielen eine aktive und einflußreiche Rolle im Parlament der Bundesrepublik.
Gleichzeitig haben wir jedoch auf des Aufrechterhaltung des
besonderen Status von Berlin bestanden. Wenn wir Berlin verteidigen
und weiterhin die Freiheit und Prosperität seiner Bürger gewährleisten sollen, dann ist es ganz klar, daß wir eine starke Basis brauchen, von der aus wir operieren können. Verstehen Sie mich bitte nicht
falsch - ich verwende das Wort Basis nicht im militärischen Sinn.
Wir halten es für wichtig, unsere rechtlich starke Position in der
Stadt beizubehalten, und zwar sowohl im Interesse Berlins als auch
in unserem eigenen. Für mich gilt es als erwiesen, daß ein eventueller Mangel an Klarheit hinsichtlich der alliierten Position letzten
Endes unser Verantwortungsbewußtsein gegenüber dieser Stadt schwächen
und unsere Fähigkeit, eben dieser Verantwortung gerecht zu werden, in
Frage stellen könnte. Offensichtlich ist die sowjetische Führung in
den letzten Jahren gegenüber der Weltmeinung empfindlicher und rücksichtsvoller geworden. Für Berlin und die Alliierten ist es von lebenswichtiger Bedeutung, daß die Welt ein wohlwollendes Verständnis
für die Probleme hat, um die es in der Berlin-Frage geht. Die Überzeugungskraft unserer Argumentation vor dem Forum der Weltmeinung

-

11

-

�Weltmeinung hängt aber weitgehend von der Integrität unserer
Position ab.
Wir legen es den deutschen Stellen nahe, die von mir hier
angeführten Erwägungen bei ihren Überlegungen ernsthaft zu prüfen.
Diese Erwägungen sind natürlich nur für die Übergangsperiode von
Belang - so lange, bis die gerechte und friedliche Wiedervereinigung
Deutschlands, die wir genau so glühend herbeisehnen wie die Deutschen,
erreicht werden kann.
Daneben gibt es noch andere Dinge, die wir in diesem Interimszeitraum tun sollten und müssen:
Wir müssen uns ernsthaft darum bemühen, jenen Menschen die Hoffnung zu erhalten, deren Verbindung zu ihren deutschen Landsleuten
durch die unmenschliche, mitten durch das Herz Berlins führende
Mauer abgeschnitten wurde.
In Einklang mit unseren allgemeinen politischen Zielen müssen
wir neue Anstrengungen zur Milderung der menschlichen und physischen
Härten unternehmen, die den Ostdeutschen durch die Errichtung der
Mauer zugefügt worden sind.
Diese beiden Ziele lassen sich im Rahmen eines friedlichen Wettbewerbs erreichen. Wir haben viele mutige und zuversichtliche Äußerungen von kommunistischen Führern über die Überlegenheit des Kommunismus gehört. Sie waren ausnahmslos begleitet von düsteren Beschreibungen der Unzulänglichkeiten unseres Systems im Westen. Berlin stellt
für sie eine Herausforderung dar, ihre zuversichtlichen Worte durch
Taten zu bekräftigen. Es fordert sie heraus, sich vor aller Öffentlichkeit dem Wettbewerb der Ideen zu stellen. Wir haben gehört, was
sie zur Verteidigung der Mauer vorbringen. Sie geben vor, ihre
"Errungenschaften" gegen übergriffe des Westens verteidigen zu müssen.
Wir alle wissen, daß dies nicht der Wahrheit entspricht - daß sie in
Wirklichkeit die magnetische Anziehungskraft der Freiheit fürchten,
wie sie in West-Berlin zu finden ist.
Wir haben ein Recht, ihnen entgegenzuhalten: "Wenn ihr so vom
Wert eurer Ideen überzeugt seid, dann laßt doch die Bevölkerung frei

12

-

�frei zwischen beiden Systemen wählen! Gestattet den freien Berlinern, Ost-Berlin zu betreten, und erlaubt den Ostdeutschen, nach
dem Westen zu kommen!" '.Vir haben auch das Recht, zu fragen: "Warum
muß die Bevölkerung der Sowjetzone noch immer Furcht davor haben,
eine andere Meinung zu äußern? Warum wird die Bevölkerung der Sowjetzone durch ihre Behörden von jedem Kontakt mit ihren Brüdern im
Westen abgeschnitten? Warum ist ein Gebiet, das für seine Produktivität und seinen Fleiß bekannt war, nicht in der Lage, seine Bevölkerung mit dem Notwendigsten zu versorgen? Warum ist die Produktivität der deutschen Arbeiter oder Bauern im Osten (die sich vom
Wesen her in nichts von ihren Kollegen in Westdeutschland unterscheiden) soviel niedriger als im Westen?"
'.Vir appellieren an die Sowjetführung, die letztlich die Verantwortung für Ostdeutschland trägt, eine Verbesserung der Lebensbedingungen der dortigen Bevölkerung zu gestatten. Die Kommunisten
sollen ihr Sperrfeuer lügenhafter Propaganda einstellen und der
Bevölkerung erlauben, die Verhältnisse im Westen selbst in Augenschein zu nehmen und sich ihre eigene Meinung zu bilden.
Und weiter: Was soll die endlose Kette kleiner Schikanen,
die sowohl den Zugang nach Berlin als auch das Leben in der Stadt
selbst berühren? Wenn die kommunistischen Führer so von ihrem Endsieg in Frieden überzeugt sind, warum setzen sie dann ihre Bemühungen
fort, Berlin zu isolieren und zu schwächen? Ist dies ein Zeichen von
Zuversicht, oder fürchten sie in Wirklichkeit, im freien Wettbewerb
der Ideen nicht bestehen zu können?
Wenn wir diesen Fragen auf den Grund gehen, so sollten wir dies
nicht in provokativer oder aggressiver Weise tun, denn damit würden
wir nur unserer eigenen Sache schaden. Was ich vielmehr vorschlage,
ist eine gemeinsame Anstrengung des Westens, um seine Anziehungskraft
auf den Osten immer mehr zu verstärken. Wir sollten klar zum Ausdruck bringen, daß wir keinem wie auch immar gearteten System feindselig gegenüberstehen, das den Menschen die- Freiheit läßt, ihr
Schicksal selbst zu bestimmen. Ich bin überzeugt, daß die Anziehungskraft unseres westlichen Systems so groß ist, daß der Sieg letzten

13

�letzten Endes unser sein wird, wenn sich die Menschen tvrv frei en+
scheiden dürfen.
Wie schon Präsident Kennedy in Berlin sagte: "Es gibt keinen
einfachen Weg zur Wiedervereinigung Deutschlands und Wiederherstellung Europas. Aber das Leben ist niemals einfach. Es gibt
Arbeit, die getan werden muß, Verpflichtungen, die erfüllt werden
müssen - Verpflichtungen gegenüber der Wahrheit, der Gerechtigkeit
und der Freiheit."
In diesem Sinne trete ich dafür ein, daß wir alle unsere Anstrengungen, unsere Fähigkeiten und unsere Hilfsquellen vereinen,
damit Berlin und Deutschland schließlich in Frieden und Freiheit
wiedervereinigt werden.

* * * * *

-

14 -

�A M E R I K A

D I E N S T

Allg./l8.10.1963

TESTSTOPPVERTRAG IN KRAFT GETRETEN

WASHINGTON - (AD) - Der Vertrag über das Verbot von
Kernwaffenversuchen und anderen nuklearen Explosionen
in der Atmosphäre, im Weltraum und unter Wasser ist
am 10. Oktober 19&amp;3 mit der feierlichen Hinterlegung
der Ratifikationsurkunden in Washington, London und
Moskau in Kraft getreten. Der Kreis der Vertragspartner, der ursprünglich nur die Vereinigten Staaten,
Großbritannien und die Sowjetunion umfaßte, hat sich
nach der Unterschriftsleistung der Außenminister dieser drei Staaten am 5« August 1963 i n Moskau durch
die Beitrittserklärungen anderer Regierungen inzwischen um mehr als hundert Staaten erweitert. In
Washington wurden bis zum Tag des Inkrafttretens Beitrittserklärungen von 102 Regierungen abgegeben. Der
Vertrag wurde allgemein als ein erster Schritt zum
Abbau der internationalen Spannungen begrüßt. Präsident John F. Kennedy versicherte anläßlich des Inkrafttretens des Teststoppvertrages, daß die Vereinigten
Staaten "dem Buchstaben und dem Inhalt nach" zu dem
Vertrag stehen werden. Der Teststoppvertrag hat folgenden Wortlaut:
VERTRAG
über ein Verbot von Kernwaffenversuchen in der Atmosphäre,
im Weltraum und unter Wasser

Die Regierungen der Vereinigten Staaten von Amerika, des Vereinigten Königreiches von Großbritannien und Nordirland und der
Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken, nachstehend als "die
ursprünglichen Vertragspartner" bezeichnet, die
es als ihr Hauptziel verkünden, schnellstmöglich ein Abkommen
über eine allgemeine und vollständige Abrüstung unter strikter
internationaler Kontrolle im Einklang mit den Zielsetzungen der
Vereinten Nationen zu erreichen, das dem Wettrüsten ein Ende machen
und den Anreiz zur Produktion und zur Erprobung aller Arten von Waffen, einschließlich Kernwaffen, beseitigen würde,
die
-

1

�"AMERIKA DIENST
die Einstellung aller Versuchsexplosionen nuklearer Waffen
für alle Zeiten zu erreichen suchen, entschlossen, die diesbezüglichen Verhandlungen fortzusetzen, und von dem Wunsche beseelt,
der Vergiftung der Umwelt des Menschen durch radioaktive Substanzen ein Ende zu setzen,
haben folgendes vereinbart:
Artikel I
1 . Jeder Partner dieses Vertrages verpflichtet sich, jegliche
Versuchsexplosion mit Kernwaffen oder jegliche andere nukleare Explosion zu verbieten, zu verhindern und solche an keinem seiner
Jurisdiktion oder Kontrolle unterstehenden Platz durchzuführen:
a) in der Atmosphäre; jenseits ihrer Grenzen, einschließlich
des Weltenraums; oder unter Wasser, einschließlich der
territorialen Gewässer oder auf hoher See; oder
b) in irgendwelchen anderen Bereichen, falls eine solche
Explosion bewirkt, daß radioaktive Rückstände außerhalb
der territorialen Grenzen des Staates auftreten, unter
dessen Jurisdiktion oder Kontrolle eine derartige Explosion durchgeführt wird. In diesem Zusammenhang herrscht
Einvernehmen, daß die Bestimmungen dieses Unterabschnitts
den Abschluß eines Vertrages nicht präjudizieren, der zu
einem ständigen Verbot aller nuklearen Versuchsexplosionen,
einschließlich aller derartigen unterirdischen Explosionen,
führt und dessen Abschluß die Partner, wie sie in der
Präambel dieses Vertrages erklärten, zu erreichen suchen.
2. Jeder Partner dieses Vertrages verpflichtet sich außerdem,
davon Abstand zu nehmen, die Durchführung irgendeiner Kernwaffenversuchsexplosion oder einer anderen Kernexplosion an irgendeinem
Ort innerhalb der bezeichneten Bereiche oder von der in Paragraph 1
dieses Artikels beschriebenen Wirkung zu veranlassen, zu unterstützen
oder sich in irgendeiner Weise an ihr zu beteiligen.
Artikel II
1. Jeder Partner kann Zusätze zu diesem Vertrag vorschlagen.
Der Wortlaut jedes vorgeschlagenen Zusatzes soll den DepositarTiegierungen unterbreitet werden, die ihn an alle Partner dieses
Vertrages weitergeben werden. Danach sollen die Depositarregierungen, sofern dies von einem Drittel oder mehr der Partner gewünscht
wird, eine Konferenz zur Erörterung eines solchen Zusatzes einberufen, zu der alle Partner einzuladen sind.
2. Jeder Zusatz zu diesem Vertrag muß von einer Stimmenmehrheit
aller Partner dieses Vertrages, einschließlich der Stimmen aller
ursprünglichen Vertragspartner, gebilligt werden. Der Zusatz soll

- 2

�"AMERIKA DIENST"
soll für alle Partner mit der Hinterlegung der Ratifikationsurkunden durch eine Mehrheit aller Partner, einschließlich der Ratifikationsurkunden aller ursprünglichen Vertragspartner,in Kraft
treten.
Artikel III
f

1 . Dieser Vertrag soll allen Staaten zur Unterzeichnung
offenstehen. Jeder Staat, der diesen Vertrag nicht vor seinem Inkrafttreten gemäß Paragraph 3 dieses Artikels unterzeichnet, kann
ihm zu jedem anderen Zeitpunkt beitreten.
2. Dieser Vertrag bedarf der Ratifizierung durch die Signatarstaaten. Die Ratifikationsurkunden und die Beitrittsurkunden sollen
bei den Regierungen der ursprünglichen Vertragspartner - den Vereinigten Staaten von Amerika, dem Vereinigten Königreich von Großbritannien und Nordirland und der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken - hinterlegt werden, die hiermit als Depositarregierungen
bezeichnet werden.
3. Dieser Vertrag soll nach seiner Ratifikation durch alle
ursprünglichen Vertragspartner und nach der Hinterlegung der Ratifikationsurkunden in Kraft treten.
4. Für Staaten, deren Ratifikations- oder Beitrittsurkunden
nach dem Inkrafttreten dieses Vertrages hinterlegt werden, soll
er mit dem Datum der Hinterlegung ihrer Ratifikations- oder Beitrittsurkunden in Kraft treten.
5. Die Depositarregierungen sollen umgehend alle Signatarmächte sowie alle beitretenden Staaten über den Zeitpunkt jeder
Unterzeichnung, den Zeitpunkt der Hinterlegung jeder einzelnen
Ratifikations- und Beitrittsurkunde zu diesem Vertrag, über das
Datum ihres Inkrafttretens und das Datum des Eingangs jeglicher
Ersuchen um eine Konferenz oder anderer Mitteilungen unterrichten.
6. Dieser Vertrag soll von den Depositarregierungen gemäß
Artikel 102 der Charta der Vereinten Nationen registriert werden.
Artikel IV
Dieser Vertrag soll von unbegrenzter Dauer sein.
Jeder Partner soll in Ausübung seiner nationalen Souveränität
das Recht haben, von dem Vertrag zurückzutreten, sofern er entscheidet, daß außergewöhnliche Ereignisse, die im Zusammenhang mit dem
Gegenstand dieses Vertrages stehen, die höchsten Interessen seines
Landes gefährdet haben. Er soll alle übrigen Partner des Vertrages
drei Monate im voraus von einem solchen Rücktritt benachrichtigen.
Artikel V

�"AMERIKA DIENST"
Artikel V
Dieser Vertrag, dessen englischer und russischer Text in
gleicher "/eise authentisch sind, soll in den Archiven der Depositarregierungen hinterlegt werden. Ordnungsgemäß beglaubigte Kopien dieses Vertrages sollen von den Depositarregierungen den Regierungen der Signatar- und der beitretenden Staaten übersandt
werden .
Zum Zeugnis dessen haben die Unterzeichneten, ordnungsgemäß
bevollmächtigt, diesen Vertrag signiert.
Gegeben in dreifacher Ausfertigung zu Moskau am fünften Tage
des August Eintausendneunhundertunddreiundsechzig.
Für die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika
(gez.) Dean Rusk
Für die Regierung des Vereinigten Königreiches von Großbritannien
und Nordirland
(gez.) Home
Für die Regierung der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken
(gez.) A. Gromyko

* * * * *

4 -

�A M E R I K A

D I E N S T

ANSPRACHE
S r . Exzellenz des Außenministers der V e r e i n i g t e n S t a a t e n
Dean Rusk

gehalten am 2 7 . Oktober 1965 in der P a u l s k i r c h e zu F r a n k f u r t (Main)
a n l ä ß l i c h der
Einweihung der George C. M a r s h a l l - G e d e n k s t ä t t e am Opernplatz

�"AMERIKA DIENST"

Allg./XVI-39
I. General Marshall

Es ist eine hohe Ehre für mich, Herr Bundeskanzler, Ihnen und
dem deutschen Volk hier die Dankbarkeit aller Amerikaner für die
Ehrung zu bekunden, die Sie heute General George Catlett Marshall
zuteil werden lassen. Es freut mich insbesondere, daß auch Mrs.
Marshall hier unter uns weilt. Von besonderer Bedeutung ist ferner,
daß einige der prominentesten Mitglieder unseres Senats und Repräsentantenhauses hierhergekommen sind - Männer, die selbst engstens
mit General Marshall zusammengearbeitet haben und durch ihre Anwesenheit die Tatsache bezeugen, daß jeder einzelne Amerikaner, der für
die als Marshall-Plan bekannte große Partnerschaft zwischen Ihnen
und uns gewirkt hat, mit ganzer Einsatzfreude und Hingabe am Werk
war. Dieses große Unterfangen wäre ohne das Verständnis und die
praktische Mitarbeit vieler unserer Bürger, die heute hier im Geiste
mit uns sind, nicht möglich gewesen.
Für diejenigen unter uns, die an seiner Seite tätig waren,
stellte General Marshall eine Persönlichkeit olympischer Größe dar.
Er führte uns im größten aller Kriege und errang dennoch den Friedensnobelpreis. Er war ein warmherziger Mensch und gleichzeitig ein
Mann, der hinsichtlich der Pflichten der Staatsbeamten eine sehr
strenge Dienstauffassung vertrat, und er hatte tiefsten Respekt vor
den verfassungsmäßigen Gepflogenheiten eines demokratischen Volkes.
Einfach und unkompliziert in Geist und Denken, war er, was Klarheit
und den Blick für das Wesentliche angeht, selbst noch so gebildeten
Kollegen Vorbild. Ich höre ihn förmlich zu seinen Kollegen sagen:
"Meine Herren, betrachten Sie unsere Probleme bitte nicht so, als
handelte es sich um militärische Probleme - das könnte sie nämlich
leicht zu militärischen Problemen machen."
General Marshall hatte zwei wesentliche Eigenschafte. , die die
Größe eines Staatsmannes ausmachen. Er besaß die Fähigkeit, große
Konzeptionen zu formulieren - Ziele, die nach Lord Acton durch ihre
Großartigkeit die Vorstellungskraft und durch ihre Einfachheit die

«

-

1

�die Vernunft in Bann schlagen. Und er hatte den Willen, an diesen
Konzeptionen festzuhalten, bis sie verwirklicht waren.
Nachdem General Marshall von der gescheiterten Moskauer
Konferenz von 1947 zurückgekehrt war, begann in seinem Denken die
Idee eines umfassenden Plans zur Einigung und zum Wiederaufbau
Europas Gestalt anzunehmen. Noch vor Sommeranfang traf er seinen
Entschluß. Am 5« Juni 1947 hielt er dann seine Rede vor der HarvardUniversität, in der er den europäischen Ländern für den Fall, daß
sie einen gemeinsamen Plan zum wirtschaftlichen Wiederaufbau entwickelten, die Mitwirkung der Vereinigten Staaten an dessen Verwirklichung in Aussicht stellte.
Es fanden sich natürlich allenthalben Menschen, die ihm Rat
und Hilfe anboten. Die Verantwortung aber konnte er mit niemandem
teilen. Er allein konnte aus der Verpflichtung heraus, die ihm sein
Amt auferlegte, dem Präsidenten in einer Zeit wirtschaftlicher
Schwierigkeiten im eigenen Lande und angesichts der herannahenden
Wahlen empfehlen, vor sein Volk zu treten und um die Bereitstellung
von 16 Milliarden Dollar für ein Unternehmen zu ersuchen, das man
bestenfalls als ein wohlüberlegtes und notwendiges Wagnis bezeichnen
konnte .
Doch er hatte bereits eine klare Konzeption im Sinn, und er war
überzeugt, daß sie richtig war. So zauderte er nicht lange.
Und damit sind wir bei dem zweiten Element seiner Größe: der
Fähigkeit, eine einmal entwickelte Konzeption mit Beharrlichkeit und
Mut der Verwirklichung entgegenzuführen.
Und jenem Mut auch - dem Mut, sich nicht von der Ungewißheit
und den Schwierigkeiten einschüchtern zu lassen, denen er sich am
Anfang dieses Unternehmens im Sommer 1947 gegenüber fand - verdanken wir die nützliche wirtschaftliche Partnerschaft zwischen Europa
und den Vereinigten Staaten, deren Auswirkungen in unseren Tagen in
steigendem Maße sichtbar werden.

II.

-

2

-

�II. Die wirtschaftliche Partnerschaft

Diese Partnerschaft ist weit über die Träume des Jahres 1947
hinaus gediehen, ohne sich je von den Grundsätzen gelöst zu haben,
die General Marshall seinerzeit aufgestellt hat:
1. daß Europa in dieser Partnerschaft seine Rolle als kollektive Einheit spielen soll, und
2. daß die Vereinigten Staaten die Möglichkeiten zur Zusammenarbeit, die sich aus der Einheit Europas ergeben, voll
ausschöpfen sollen.
Der erste dieser beiden Grundsätze fand seinen Niederschlag in
der Schaffung dreier großer Institutionen - in der Gemeinschaft für
Kohle und Stahl, in EURATOM und im Gemeinsamen Markt.
In diesen Einrichtungen wurde die Vision eines wahrhaft vereinten Europas erstmals Wirklichkeit: eines Europas, das als Einheit
handeln konnte, und zwar nicht auf Grund der Hegemonie eines einzelnen Staates oder endloser Verhandlungen von vielen, sondern auf Grund
der Übereinkunft der europäischen Staaten, gewisse Fragen als Angelegenheiten von gemeinsamem Interesse zu behandeln, die von gemeinsamen Organen im Namen einer einzigen Gemeinschaft angegangen werden
sollten.
Und jedesmal, wenn Europa einen wirklichen Schritt vorwärts in
Richtung auf eine größere wirtschaftliche Einheit tat, gingen die
Vereinigten Staaten auf die Notwendigkeit und die Möglichkeit der
engeren Partnerschaft ein, die dieser Schritt schuf.
Unser als Starthilfe für die Gemeinschaft für Kohle und Stahl
gegebener Kredit, unsere Zusammenarbeit mit EURATOM auf dem Gebiet
der Atomenergie und die Verabschiedung unseres Gesetzes

über die

Ausweitung des Handels sind sichtbare Beweise dafür, daß das amerikanische Ziel die Schaffung eines vereinten Europas war, ins auf
eigenen Füßen stehen konnte und in der Lage war, mit den Vereinigten
Staaten als gleichberechtigter und sich seines Eigenwertes bewußter
Partner zu verhandeln und seine historische Rolle in der Weltpolitik
wieder zu übernehmen.

. ~

-

3 -

�Auf wirtschaftlichem Gebiet gibt es für Europa und die Vereinigten Staaten noch vieleDinge zu tun.

Sie füllen eine lange

Liste: Handel, Entwicklung und das Zahlungsbilanzproblem - ein
Problem, das aus den wirtschaftlichen Aufgaben und den Sicherheitsfunktionen der Vereinigten Staaten resultiert, die diese in
der freien Welt übernommen haben, und das nach unserer Ansicht
wirkungsvoll durch gemeinsame Maßnahmen in der OECD und anderen
Gremien gelöst werden kann. Wenn ich auf meine Tätigkeit im öffentlichen Dienst zurückblicke, dann muß ich feststellen, daß die Hälfte
der Zeit mit Sorgen über zuviel Gold und die andere Hälfte mit
Sorgen über

- u wenig Gold ausgefüllt war. Ich wünschte, wir könnten

herausfinden, welcher Goldbestand wohl der richtige ist.
Die Fortschritte der letzten 15 Jahre geben uns guten Grund zu
der Annahme, daß diese wirtschaftliche Agenda der Partnerschaft mit
Erfolg abgewickelt werden kann, wenn wir an den Grundkonzeptionen
festhalten, von denen General Marshall in der Harvard-Universität
sprach«
Unsere wirtschaftliche Partnerschaft ist mit der tiefgehenden
Verpflichtung verknüpft, die Handelsschranken zwischen uns abzubauen es ist dies eine Linie, die von Bundeskanzler Erhard wohl verstanden und von ihm geschickt verfochten wird. Liberale Handelspraktiken
sind lebenswichtig für das Wohlergehen unserer Völker und für die
freie Welt als Ganzes. Sie sind nicht minder bedeutsam für die
Erreichung unserer gemeinsamen Ziele auf dem Gebiet der Politik und
der Sicherheit, denn wirtschaftliche Stärke ist hierfür Voraussetzung.
In allen unseren Ländern gibt es jedoch auch Stimmen, die uns - vielfach politisch überzeugend, manchmal aber auch nur lautstark - zu
Maßnahmen zu drängen suchen, die in die andere Richtung weisen zurück zu höheren Zöllen, zu kleinen Märkten und zum wirtschaftlichen Isolationismus. Es wäre gefährlich, würden wir diesen Ratschlägen folgen. Denn die wirtschaftliche Zerplitterung der freien Welt
könnte dahin führen, daß alles,was wir zusammen in den vergangenen
15 Jahren so erfolgreich aufgebaut haben, wieder niedergerissen wird.
III.

�III. Politische Partnerschaft

Im Juni sprach Präsident Kennedy in dieser berühmten Stadt
von der Notwendigkeit einer engeren Partnerschaft zwischen den
Vereinigten Staaten und einem zur Einheit strebenden Europa,
nicht allein auf dem Gebiet der Wirtschaft, sondern auch in Fragen
der Politik und der Verteidigung. Ich möchte zunächst auf die politische Zusammenarbeit eingehen. Diese Frage gewinnt im gegenwärtigen
Stadium der Ost-West-Beziehungen ganz besondere Bedeutung.
An dieser Stelle möchte ich zwei Warnungen einflechten. Erstens:
die Sowjetführer haben weder ihr Weltherrschaftsziel noch ihren Entschluß aufgegeben, dieses Ziel mit allen für sie ungefährlichen
Mitteln zu verfolgen. Zweitens: die begrenzten Abkommen, die wir
jüngst mit der Sowjetunion getroffen haben, stellen keine Detente
dar. Der "heiße Draht", der für einen etwaigen Ernstfall zwischen
Moskau und Washington eingerichtet wurde, das Verbot der Kernwaffenversuche in der Atmosphäre, im Weltraum und unter Wasser, die
Resolution, den Weltraum von Massenvernichtungswaffen frei zu
halten - das alles sind nützliche, wenn auch kleine Schritte auf dem
Wege zum Frieden.
Ohne Fortschritt in Richtung auf die Bereinigung solcher kritischer politischer Streitfragen wie Berlin und die Teilung Deutschlands, Vietnam, Laos und Kuba kann es keine echte Entspannung geben,
und solange die Einwilligung in eine Inspektion und Überprüfung aussteht, sind in der Frage der Abrüstung nur geringe Fortschritte zu
erwarten .Semit haben wir in der freien Welt keinen Grund, in unserer
Wachsamkeit nachzulassen.
Innerhalb der kommunistischen Welt aber sind interessante Entwicklungen im Gange. Hier sind der chinesisch-sowjetische Dialog
und die Spannungen in den Beziehungen zwischen den beiden Staaten
zu nennen. In den kommunistischen Staaten Osteuropas mehren sich
die Zeichen eines wachsenden Nationalbewußtseins. Es herrscht
offensichtlich eine nüchterne Einschätzung der Gefahren eines

-

5 -

'

�III» Politische Partnerschaft

Im Juni sprach Präsident Kennedy in dieser berühmten Stadt
von der Notwendigkeit einer engeren Partnerschaft zwischen den
Vereinigten Staaten und einem zur Einheit strebenden Europa,
nicht allein auf dem Gebiet der Wirtschaft, sondern auch in Fragen
der Politik und der Verteidigung. Ich möchte zunächst auf die politische Zusammenarbeit eingehen. Diese Frage gewinnt im gegenwärtigen
Stadium der Ost-West-Beziehungen ganz besondere Bedeutung.
An dieser Stelle möchte ich zwei Warnungen einflechten. Erstens:
die Sowjetführer haben weder ihr Weltherrschaftsziel noch ihren Entschluß aufgegeben, dieses Ziel mit allen für sie ungefährlichen
Mitteln zu verfolgen. Zweitens: die begrenzten Abkommen, die wir
jüngst mit der Sowjetunion getroffen haben, stellen keine Detente
dar. Der "heiße Draht", der für einen etwaigen Ernstfall zwischen
Moskau und Washington eingerichtet wurde, das Verbot der Kernwaffenversuche in der Atmosphäre, im Weltraum und unter Wasser, die
Resolution, den Weltraum von Massenvernichtungswaffen frei zu
halten - das alles sind nützliche, wenn auch kleine Schritte auf dem
Wege zum Frieden.
Ohne Fortschritt in Richtung auf die Bereinigung solcher kritischer politischer Streitfragen wie Berlin und die Teilung Deutschlands, Vietnam, Laos und Kuba kann es keine echte Entspannung geben,
und solange die Einwilligung in eine Inspektion und Überprüfung aussteht, sind in der Frage der Abrüstung nur geringe Fortschritte zu
erwarten .Semit haben wir in der freien Welt keinen Grund, in unserer
Wachsamkeit nachzulassen.
Innerhalb der kommunistischen Welt aber sind interessante Entwicklungen im Gange. Hier sind der chinesisch-sowjetische Dialog
und die Spannungen in den Beziehungen zwischen den beiden Staaten
zu nennen. In den kommunistischen Staaten Osteuropas mehren sich
die Zeichen eines wachsenden Nationalbewußtseins. Es herrscht
offensichtlich eine nüchterne Einschätzung der Gefahren eines

-

5 -

�eines nuklearen Schlagabtauschs. Es bereitet Schwierigkeiten,
die wirtschaftlichen Kraftreserven auf die widerstreitenden Anforderungen der Rüstung, der Industrialisierung, der Verbrauchsdeckung und der Förderung der Weltrevolution zu verteilen. Und
es bestehen Anzeichen für ein steigendes Interesse an größerer
persönlicher Freiheit.
Es sind eindeutig Wandlungsprozesse hinter dem Eisernen Vorhang im Gange. Es wäre falsch, baldige Veränderungen zu erwarten.
Es wäre aber ebenso falsch, die Macht freiheitlicher Ideen zu
unterschätzen - Ideen, deren Lebenskraft

aioh im Lauf

der Ge-

schichte mehrfach erwiesen hat und die tief in der menschlichen
Natur verwurzelt sind.
Wie Präsident Kennedy vor der Freien Universität in Berlin
erklärte, ist unser Hauptziel die Wiederherstellung Europas - nicht
des künstlich geteilten Europas, wie es seit 1945 besteht, sondern
eines Europas, in dem sich jedes Volk der Selbstbestimmung und Freiheit erfreut.
Solch ein Europa wird gegenwärtig durch die Politik der Sowjetunion unmöglich gemacht, und die Ereignisse der Zeit nach 1945 deute
darauf hin, daß sich dieses Hindernis nicht so ohne weiteres durch
schöne Reden oder Überzeugungskraft überwinden läßt. Es kann nur
mit Gewalt oder durch einen friedlichen Wandel beseitigt werden.
Hier handelt es sich aber um Fragen, die durch Gewalt nicht entschieden werden können, würden durch sie doch eben jene Ziele ver-»,
nichtet, die wir uns gesetzt haben. Die Ausweitung des Handels und
verstärkte Kontakte mit den kommunistischen Staaten sind dem eher
dienlich. Als Teil dieser Bemühungen, einen konstruktiven Wandel
zu beschleunigen, sollten wir versuchen, zu Vereinbarungen über
Maßnahmen zu gelangen, die auf die Beseitigung der Teilung Deutschlands gerichtet sind. Wir müssen den Blick beharrlich auf unser Ziel
der Wiedervereinigung des deutschen Volkes in Freiheit richten.
Dieses Ziel ist wichtig, nicht nur aus Gründen der Gerechtigkeit
und der Menschlichkeit, sondern weil es keinen sicheren und dauerhaften Frieden geben kann, bis daß die aus der unfreiwilligen Spaltung des deutschen Volkes resultierenden Spannungen beseitigt sind.
Es

�Es kann kein befriedigendes politisches Abkommen geben, das dieses
Ziel außer acht läßt. Folglich dürfen wir bei Verhandlungen mit
kommunistischen Staaten nichts tun, das den Anschein erwecken könnte,
als setzten wir das Siegel der Zustimmung unter den Status quo für
das deutsche Volk. Daraus folgt außerdem, daß wir durch solche Verhandlungen die wachsende Stärke und Einheit des Westens nicht in
Gefahr bringen dürfen.
Dies sind keine Fragen, die die Vereinigten Staaten oder irgendein anderes Land einseitig entscheiden können oder werden. Aus eben
diesem Grunde kommt der Frage der politischen Konsultation ganz besondere Bedeutung zu. Von meinem Lande wird kein Abkommen, das unsere
Verbündeten betrifft,

ohne derartige Konsultierung geschlossen werden.

Im Nordatlantikrat und durch unsere normalen diplomatischen Verbindungen stehen uns wirksame Konsultationsmöglichkeiten zur Verfügung.
Wir haben von diesen Möglichkeiten in den letzten zwei Jahren reichlich Gebrauch gemacht. Nun aber müssen wir in diesen lebenswichtigen
Fragen eine noch engere Partnerschaft anstreben.
Alle unsere Länder sollten aus den Möglichkeiten, die die Diskussion

im Nordatlantikrat in dieser Hinsicht bietet, größeren

Nutzen ziehen. Die Vereinigten Staaten haben ihre Initiative zu
solchen Konsultationen innerhalb des Rates erheblich verstärkt und
hoffen, daß andere Mitglieder das gleiche tun werden.
Auch hoffe ich, daß die führenden politischen Planer der interessierten Länder unter der Ägide des Rates in den Ad-hoc-Arbeitsgruppen der METO
Öfter zusammenkommen können. Auf diese Weise würden die Männer, die
in ihren eigenen Hauptstädten die Entscheidungen in diesen Fragen zu
treffen haben, zu einem besseren Verständnis der gegenseitigen Ansichten gelangen. Dafür haben wir ein nützliches Vorbild in der Beratergruppe für atlantische Planung, die die NATO-Planer aus den einzelnen Hauptstädten in regelmäßigen Abständen zusammenführt.
Wir alle sind uns durchaus darüber im klaren, daß es in den
transatlantischen Beziehungen gewisse Probleme gibt. Mein eigener

-

7 -

�eigener Eindruck geht dahin, daß sie nicht wirklich transatlantischer Natur sind, sondern aus dem Fehlen einer Antwort auf die
Frage resultieren: Was ist Europa und wer spricht für es? Da aber
die grundlegenden Verpflichtungen der Mitglieder der großen
atlantischen Gemeinschaft die gleichen sind, hege ich keine Bedenken bezüglich der Lebensfähigkeit einer transatlantischen
Partnerschaft zwischen den Vereinigten Staaten und einem starken,
kraftvollen und geeinten Europa.
Die Antworten aber müssen die europäischen Staaten - wie schon
1947 - selbst geben.

IV. Verteidigungs-Partnerschaft
Ich wende mich nun dem zweiten Gebiet zu, auf dem, wie Präsident
Kennedy ausführte, den Grundsätzen der europäischen Einheit und atlantischen Partnerschaft neue Bedeutung gegeben werden kann - dem Gebiet der Verteidigung.
Wir brauchen zum Schutz des atlantischen Raumes eine starke und
mannigfaltig gegliederte westliche Streitmacht.
Diese Streitmacht muß sowohl nukleare wie nichtnukleare Komponenten einschließen.
Die Militärbehörden der NATO haben Sollstärken festgesetzt, deren
Erreichung dazu beitragen würde, daß wir über eine ausgewogene Gesamtstreitmacht verfügen. Es ist wichtig, daß diese Ziele erreicht werden.
Dann könnte auch niemand mehr auf die Idee verfallen, der Westen sei
in der Verteidigung seiner lebenswichtigen Interessen lax oder gleichgültig.
Ich hoffe, daß das Bündnis als Ganzes die gesteckten Ziele erreichen wird. In einer echten Partnerschaft müssen die Lasten gerecht verteilt sein; alle Länder müssen ihren fairen Anteil an der Gesamtstärke
der Allianz tragen,
Die Vereinigten Staaten leisten ihren vollen Beitrag zu dieser
Partnerschaft und werden dies auch weiterhin tun. Wir können stolz
auf die Tatsache sein, daß die Vereinigten Staaten im allgemeinen
ihre Ziele erreicht oder übertroffen haben, und wir bedauern, daß
-

8

-

�daß dies für gewisse andere Mitglieder des Bündnisses nicht
zutrifft. Wir sind von der Idee durchdrungen, daß die Allianz
als Ganzes ihre Verpflichtungen erfüllen sollte, und wir hoffen
zutiefst, daß dies auch geschehen wird.
Da Sie in der Bundesrepublik und wir in den Vereinigten
Staaten die schwerste NATO-Bürde tragen, kann ich zu Ihnen ganz
offen sprechen. Sie und wir arbeiten in engster Partnerschaft in
der NATO zusammen. Wir ziehen einander vertrauensvoll zu Rate. Wenn
wir sagen, Ihre Verteidigung ist unsere Verteidigung, dann meinen
wir das auch. Das haben wir in der Vergangenheit bewiesen, und wir
werden dies auch.in Zukunft unter Beweis stellen.
Wir haben sechs Divisionen in Deutschland stehen. Wir haben
die Absicht, diese Divisionen hier zu belassen, solange sie gebraucht werden - und unter den gegenwärtigen Umständen werden sie
ohne Zweifel auch weiterhin notwendig sein. Unsere Streitkräfte in
Deutschland werden durch das größte logistische System der Welt
versorgt, das sie mit Hilfe der modernsten und schlagkräftigsten
Ausrüstung in höchster Einsatzbereitschaft hält. Und hinter ihnen
stehen nukleare Streitkräfte

von nahezu unvorstellbarer Schlag-

kraft.
Ich darf Sie auch daran erinnern, daß die zentrale NATO-Front
nicht die einzige Grenze der Freiheit bildet, an der Streitkräfte
der Vereinigten Staaten Wache halten. Wir haben über 2 700 000
Mann unter Waffen, von denen fast eine Million fern der Küsten
der Vereinigten Staaten zu Lande und zu Wasser stationiert sind.
Als eine Nation mit über vierzig Verbündeten und weltweiten
Verteidigungsverpflichtungen sind wir naturgemäß sehr stark an
der Beweglichkeit unserer Streitkräfte interessiert.
In diesem Zusammenhang möchte ich noch ein Wort zum Lufttransport einer US-Panzerdivision nach Deutschland sagen, die hier
an Manövern teilnimmt. Diese Übung war ein Experiment und eine
Demonstration - gestützt

auf die Lufttranspcrtkapazität, zu

deren Schaffung wir uns 1961 im Zusammenhang mit der Berlin-Krise

- 9

�Berlin-Krise verpflichtet haben. Hauptziel war hierbei ,den schnellen
Aufmarsch von Verstärkungen im Falle einer ernsten Krise zu ermöglichen. Es handelte sich also um die Erprobung einer neuen und wichtigen zusätzlichen Kapazität zur Stärkung der militärischen Partnerschaft zwischen den Vereinigten Staaten und Europa.
Ist dieser Lufttransport einer Panzerdivision gleichbedeutend
mit dem Abzug amerikanischer Truppen aus Deutschland? Die Antwort
heißt: "Nein" - das Gegenteil ist der Fall. Infolge dieses Lufttransportunternehmens befindet sich zur Zeit vorübergehend eine
siebente Division in Europa. Darüber hinaus steht noch äU Ausrüstung
für eine weitere Division bereit. Auf diese Weise bildet die von
den Vereinigten Staaten mit so hohem Kostenaufwand aufgebaute Lufttransportkapazität eine bedeutsame Quelle zusätzlicher Stärke
für die Allianz.
Die Partnerschaft zwischen den nordatlantischen Verbündeten
muß auch auf die atomare Verteidigung ausgedehnt werden.
Die Gelegenheit dazu ergibt sich, wie im Falle politischer
Konsultationen, aus der Notwendigkeit, einem spezifischen Problem
zu begegnen. Dieses Problem wird durch eine wachsende sowjetische
Atommacht aufgeworfen, die in Hunderten gegen Westeuropa und die
Vereinigten Staaten gerichteten sowjetischen Raketen ihren Ausdruck
findet. •
Die wirksamste Art und Weise, dieser Bedrohung zu begegnen,
schien zwei aufeinanderfolgenden Regierungen der Vereinigten Staaten
eine Kombination von amerikanischen Fernwaffen und Mittelstreckenraketen, die alliierten Streitkräften mit multilateralen Mannschaften
unter multilateralen Kontrollen und Besitzrechten überstellt werden
sollten.
Eine solche multilaterale Raketenflotte wäre von militärischer
Wirksamkeit. Ihre zielsicheren und wohlgeschützten Raketen wären
Teil des Gesamtbedarfs an westlicher Abschreckungsstärke.
Sie würde die atlantische Partnerschaft stärken, indem sie
die Vereinigten Staaten und Europa durch ein unauflösbares atomares
Band verknüpft. Die Raketen und Sprengköpfe stünden in gemeinsamem
-

10 -

�gemeinsamem Besitz und unter gemeinsamer Kontrolle; sie könnten nicht
einseitig abgezogen werden»
Sie würde ferner den europäischen Zusammenhalt stärken, indem
sie den gegenwärtigen nichtnuklearen Mächten die Gelegenheit böte,
sich an dem Besitz, dem Personal und der Kontrolle einer schlagkräftigen Atomstreitmacht auf derselben Grundlage wie andere Mitglieder dieser Streitmacht zu beteiligen.
Sie wäre somit ein wirksames Mittel, um den Prinzipien, von
denen General Marshall sprach, im gegenwärtigen politischen Rahmen
Europas Wirkung zu verleihen.
Mit zunehmender Ausweitung dieses Rahmens muß natürlich auch
auf diesem Gebiet, ebenso wie im Bereich der politischen Konsultation, Raum für eine Weiterentwicklung vorhanden sein. Der Präsident sprach eindeutig von dieser Möglichkeit im Zusammenhang
mit der Raketenflotte, als er hier im vergangenen Juni erklärte,
daß Europa immer größere Verantwortung auf diesem Gebiet übernehmen
könne und solle, je weiter es auf dem Weg zur Einheit voran schreite.

V. Die Reaktion Europas und die Rolle Deutschlands
Die atlantische Partnerschaft verdankte ihre Anfänge auf wirtschaftlichem Gebiet sowohl der von den Vereinigten Staaten zum Ausdruck gebrachten Bereitschaft, zu handeln, als auch der Reaktion in
Europa selbst. Wie ja auch General Marshall in seiner Rede sagte:
"Die Initiative muß von Europa ausgehen."
Vor 16 Jahren konnte Deutschland bei der Formulierung der
europäischen Antwort nur eine begrenzte Rolle spielen. Aber in
den darauffolgenden Jahren haben wir erlebt, wie die Bundesrepublik
ein; gesundes politisches System entwickelte, einen bemerkenswerten wirtschaftlichen Aufstieg nahm und einen hervorragenden Platz
in der Europa-,Atlantik- und Weltpolitik errang. Sie haben eine geschichtlich bedeutsame Aussöhnung mit Frankreich erreicht. In diesen
Bemühungen war es Kanzler Konrad Adenauer, der die Führung übernahm
und eine unvergängliche Rolle in der deutschen - und europäischen -

-

11

-

�europäischen - Geschichte spielte. Seine Leistung wurde durch Dr.
Ludwig Erhards "Wirtschaftswunder" kraftvoll gestützt.
Auf Grund dieser großen Anstrengungen ist Deutschland in der
Lage, eine höchst bedeutsame Rolle im Aufbau der europäischen
Einheit und der Partnerschaft zwischen Europa und Nordamerika zu
spielen. Die Möglichkeiten, die jetzt vor Ihnen liegen, sind mindestens ebenso faszinierend wie diejenigen, denen sich die europäischen Länder vor 16 Jahren gegenübersahen.
Die Notwendigkeit einer solchen Anstrengung wurde vor wenig
mehr als einer Woche auch von Bundeskanzler Erhard unterstrichen,
als er sein Regierungsprogramm umriß. Es ist ein deutsches Programm,
das auf dem basiert, was nach Ansicht des Kanzlers den Interessen
Deutschlands am besten dient. Aber es ist auch ein europäisches
Programm, ein atlantisches Programm und ein Programm der "freien
Welt".
Lassen Sie mich, im Hinblick auf die konstruktive Rede des
Regierenden Bürgermeisters Brandt vom Dienstag auch beiläufig bemerken, daß es für uns Amerikaner, die wir in den Hauptpunkten
unserer Außenpolitik eine gemeinsame Linie beider Parteien anstreben,
ermutigend ist, zu sehen, daß bei den führenden Männern Ihrer
großen Parteien Einvernehmen in den Grundzügen Ihrer Außenpolitik
herrscht.
Wir hoffen, daß wir im Verein mit Bundeskanzler Erhard und
seinen fähigen Kollegen im Kabinett weitere Portschritte in Richtung
auf die europäische Einheit und atlantische Partnerschaft erzielen
werden.
In diesem Bemühen wird die Standhaftigkeit unserer beiden
Länder und anderer Staaten, die unsere Ziele teilen, voll und ganz
auf die Probe gestellt werden. Denn wir werden auf unserem Weg auf
Hindernisse stoßen.
Es wird in der weiteren Entwicklung der europäischen Integration
und atlantischen Partnerschaft nicht an Schwierigkeiten fehlen.
Bei einer Bewegung solchen historischen Ausmaßes bleiben sie nicht aus.
Wir

�Wir müssen uns auf zeitweilig auftretende Verzögerungen und Enttäuschungen gefaßt machen. Aber wir bewegen uns mit dem Strom
der Geschichte, und die Dinge können gar keinen anderen Verlauf
nehmen.
Wenn die Freiheit siegen soll, müssen wir mit tiefster
innerer Überzeugung und Entschlossenheit voranschreiten.
Ich bin heute hierhergekommen, um erneut die Bereitschaft
meines Landes

zu bekunden, unserer Partnerschaft eine neue Di-

mension zu geben.
Bei Ihnen und den anderen, die die Ziele der europäischen
Einheit und atlantischen Partnerschaft teilen, liegt die Entscheidung darüber, ob diese Bemühungen fortgeführt werden.
Indem wir auf diesem Weg voranschreiten, ehren wir den Mann,
dessentwegen wir hier versammelt sind, in der ihm gemäßen Weise den Staatsmann, der als erster diesen Ideen Ausdruck und Inhalt
verlieh: General George C. Marshall.

* * * * *

-

15 -

&lt;

�A M E R I K A

D I E N S T
W. &amp; A. XV-40

HANDELSAUSWEITUNG UND WIRTSCHAFTSWACHSTUM
IN DER ATLANTISCHEN GEMEINSCHAFT
ANSPRACHE
Sr. Exzellenz, das Botschafters der Vereinigten Staaten,
GEORGE C. MCGHEE

gehalten vor der Handelskammer Koblenz am 5« November 1965

�HANDELSAUSWEITUNG UND WIRTSCHAFTSWACHSTUM
IN DER ATLANTISCHEN GEMEINSCHAFT

Die Ereignisse unserer e igenen Zeit in historischer Perspektive zu betrachten,ist ein sehr schwieriges Unterfangen - ein Unterfangen aber, dem wir uns unterziehen müssen, wollen wir sinnvoll
fuer die Zukunft planen. Es gibt eine Reihe guter Gründe, gerade
diesen Zeitpunkt gegen Jahresende dazu auszuersehen,uns Rechenschaft über uns s elost und die Richtung abzulegen, die die Dinge
nehmen.
In Deutschland kennzeichnet das Jahr 1963 das Ende der Ira
Adenauer - einer Ära, in der eine Nation aus dem Chaos der Niederlage in eine führende Position innerhalb der Völkerfamilie emporgestiegen ist. Unter Bundeskanzler Erhard fängt nunmehr ein neuer
Abschnitt der deutschen Geschichte an.
In Europa brachte 1963 einen vorübergehenden Stillstand auf
dem Wege zu einer wirtschaftlichen Integration innerhalb einer
erweiterten Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft, eine Entwicklung,
die zwangsläufig auch den Prozess der politischen Integration verlangsamte .
In der Welt als Ganzes kam es zu weithin wirksamen Veränderungen in den politischen Verhältnissen. Der Übergang von kolonialer Abhängigkeit zu nationaler Unabhängigkeit ist in Asien
und Afrika weit fortgeschritten; die Spaltung zwischen der
Sowjetunion und dem kommunistischen China hat sich vertieft und
ist vielleicht sogar nicht wieder rückgängig zu machen; und ein
erster kleiner Schritt wurde unternommen, die Kernwaffen unter
Kontrolle zu bringen.
Einige
- 1 -

�Einige der Tendenzen und Sachverhalte,die ich hier kurz angeführt habe,leiten sich aus früheren Entscheidungen her, andere werden
in Zukunft Entscheidungen von uns verlangen. Ein Gebiet, auf dem uns
sicherlich Entscheidungen bevorstehen,ist das des internationalen
Handels. Die Möglichkeiten einer weiteren Expansion des Welthandels
sind deshalb heute abend mein Thema. Diese Möglichkeiten sind naturgemäss für uns von grosser Bedeutung, nehmen doch unsere beiden Länder
in der Rangfolge der Handelsnationen der Erde die beiden ersten
Plätze ein. Dabei geht es aber um weit mehr als nur um Handelsinteressen. Wie wir und unsere Partner diese Möglichkeiten nutzen, wird
tiefgreifende Auswirkungen nicht nur auf die Prosperität,sondern auch
auf die Stärke und den Zusammenhalt der freien Welt haben.
Rückblick auf die letzten zehn Jahre
In den letzten zehn Jahren hat sich vieles ereignet, das uns mit
Befriedigung erfüllt. Der Warenaustausch unter den Ländern der freien
Welt,auf die übrigens über neun Zehntel des gesamten Welthandels entfallen, nahm wertmässig von etwa 75 Milliarden Dollar im Jahre 1953
auf über 150 Milliarden Dollar im Jahre 1965 zu. Im gleichen Zeitraum erhöhte sich der Außenhandel der heute der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft angehörenden sechs Länder um das Zweieinhalbfache,
nämlich von rund 15 Milliarden Dollar auf 37 Milliarden Dollar. Und
um von der Bundesrepublik zu sprechen, so stieg ihr Außmhandel um
mehr als das Dreifache von rund 4 Milliarden auf etwa 15 Milliarden
an»
Sie werden mir wohl sicherlich beipflichten, daß dieser eindrucksvollen Ausweitung des Außenhandels, mindestens was Deutschland
betrifft, eine ähnlich starke Belebung auch der übrigen Wirtschaftstätigkeit auf dem Fuße folgte. Die nach außen orientierte liberale
Handels-und Zahlungspolitik,die Deutschland und andere Länder der
freien Welt betreiben, hat uns allen Vorteile gebracht.
Es haben selbstverständlich viele Faktoren zu der bemerkenswerten
Entwicklung des Welthandels beigetragen, an der die Bundesrepublik
so hervor"0^nden Anteil gehabt hat. In der Bundesrepublik gebührt
das Verdienst der Tüchtigkeit und dem Fleiß des deutschen Arbeiters
- 2-

�Arbiters, der Tatkraft und Initiative der deutschen Wirtschaftskapitäne und dem Geschick in der Wahl der Mittel der Wirtschaftspolitik
seitens des Staates. Natürlich gab es da auch noch ein anderes einflußreiches Moment. In einer Zeit,der Erholung, die auf die Zerstörungen des Krieges und die Unterbrechung der Welthandelsverbindungen
, folgte, war eine Ausweitung der Produktion und des Handels zfc erwarten.
Es waren darüber hinaus aber noch drei weitere wichtige Faktoren
mitgestaltend am Werk.
Es herrscht hier, wie ich nicht bezweifle, allgemeine Übereinstimmung bezüglich der Wichtigkeit des ersten dieser Faktoren. Ich
meine den Schutzschild, den die NATO gegenüber der Bedrohung aus
dem Osten darstellt. Die militärische Stärke, die vor einer Aggression abzuschrecken vermag, war und ist unerlässliche Voraussetzung
für das wirtschaftliche und politische Wohl Europas» Der Beitrag
unserer beiden Länder zur NATO ist hinreichend bekannt.
Ein zweiter Faktor waren die finanziellen Mittel, die über
das Auslandshilfeprogramm der Vereinigten Staaten in die Weltwirtschaft gepumpt worden sind. In der Zeit vor Anlaufen des MarahallPlans und während seiner Laufzeit erhielten die Länder Europas
2|) Milliarden Dollar an amerikanischer Wirtschaftshilfe - zum Teil
in Form von nicht-rückzahlbaren Beihilfen, zum Teil in Form v«n
Krediten -,um ihre Zahlungsbilanzdefizite während der ersten Nachkriegsjahre ausgleichen zu können. Bei fortschreitender wirtschaftlichen Erholung profitierte Europa darüberhinaus noch von den weiteren
32 Milliarden Dollar an amerikanischer Hilfe, die außereuropäischen
Ländern gewährt und von diesen zu einem guten Teil zum Kauf europäischer Waren verwendet wurden.
Der dritte wichtige Faktnr,auf den ich hier näher eingehen
möchte, ist die Liberalisierung des Zahlungsverkehrs und des Handels.
Der Fortschritt in Richtung auf einen freieren Zahlungs-und Handelsverkehr setzte schon kurz nach dem Kriege ein und erhielt in Europa
- 3 -

�Europa einen besonderen Auftrieb unter dem Marshall-Plan, sah man
doch die Beseitigung der Zahlungs-und Handelsbeschränkungen als eine
notwendige Ergänzung der Hilfe an. Ich halte es für sehr instruktiv,
hierbei einen Augenblick zu verweilen und einen Überblick über das zu
geben, was wir durch gemeinsame Anstrengungen zwischen uns erreicht
haben. Richten wir unser Augenmerk zunächst auf den Fortschritt, den
wir auf dem Gebiet des Zahlungsverkehrs erzielt haben.
Auf dem Weg zur Konvertibilität der Währungen
Am Ende des zweiten Weltkrieges litten die meisten europaeischen
Währungen unter den Fesseln sehr strenger Devisenkontrollen. Eine Zahlung, gleich welcher Art, an einen Gläubiger in einem anderen Land zu
leisten, erforderte eine Genehmigung, und die Erteilung einer solchen
Genehmigung wurde häufig wegen Devisenmangel abgelehnt. Der Wert der
europäischen Währungen war s» unsicher und der Bedarf an Waren aller
Art so groß, daß die Länder zögerten, einander nennenswerte Kredite
einzuiXumen. Zahlungen wollten sie außer in Form von Waren des d-ringlichsten Bedarfs, die ohnehin knapp waren, nur in Gold oder Dollar annehmen - und das zu einer Zeit, da sowohl die Gold- als auch die
Dollar- Reserven in fast allen europäischen Ländern sehr gering
waren.
Die Folge war, daß die meisten europäischen Länder bilaterale Abkommen mit jedem einzelnen ihrer Handelspartner abachloßen in dem Versuch, die Zahlungen untereinander auszugleichen. In den meisten Fällen
waren die Kreditmöglichkeiten im nahmen dieser bilateralen Abkommen
ohnehin sehr beschraenkt, und war der Kredit ausgeschöpft, hatte die
Tilgung entweder in Gold oder konvertierbarer Währung zu erfolgen.
Dieses System des bilateralen Zahlungsausgleichs war dazu angetan,
den Handel abzuschnüren und zu zerrütten.
Im Jahre 1947 wurde offenkundig, daß sich Produktion und Handel
in Europa ohne die Schaffung eines flexibleren Zahlungssy3tems nicht
weiter ausbauen ließen. Um diesem Bedürfnis Rechnung zu tragen,
schlössen die Mitgliedstaaten der Organisation für Wirtschaftliche
Zusammenarbeit in Europa (OEEC) im Zuge des Anlaufens des Marshall-

_ 4-

�Marshall-Plans 1946 das Intereuroifiische Zahlungsabkommen. Dieses
Abkommen gestattete den Mitgliedstaaten zum ersten Male, laufende
Verbindlichkeiten und Forderungen auf multilateraler Basis zu verrechnen. Deutschland konnte zum Beispiel Importe aus Italien mit
Forderungen gegenüber Frankreich begleichen, Ein bilateraler Ausgleich der Zahlungsverpflichtungen war nicht mehr länger erforderlich.
Dieses System der multilateralen Verrechnung wurde in der Folge
durch die 19p0 erfolgte Gründung der Europäischen Zahlungsunion - der
sogenannten EZU - weiter verbessert, die in Ergänzung der Verrechnungsmöglichkeiten erhebliche Kreditmöglichkeiten auf Gegenseitigkeit bot.
Unter dem stimulierenden Einfluß der EZU nahmen Handel und Produktion
in Europa rasch zu, wurden in vielen Ländern wieder stabile finanzielle
Verhältnisse hergestellt und begann Europas Dollar-Defizit abzunehmen«
Die Mehrzahl der Beschränkungen im innereuropäischen Zahlungsverkehr
wurde aufgehoben.
Gestützt auf die zusätzliche Stärke, zu der ihnen die EZU verhelfen hatte, machten die europäischen Währungen weitere Fortschritte in
Richtung auf die Liberalisierung des Geldverkehrs, und Ende 1958 wa**
das unmittelbare Ziel, die Konvertierbarkeit der Währungen, im laufenden Zahlungsverkehr, erreicht. Das bedeutete, dass alle Kontrollen
oder Beschränkungen des laufenden Zahlungsverkehrs aufhörten. In
einigen europäischen Ländern, vor allem in der Bundesrepublik, wurde
diese Liberalisierung auch auf den Kapitalverkehr ausgedehnt. Leider
halten mehrere Länder, die über große Devisenreserven verfügen, eine
Aufhebung ihrer Restriktionen des Kapitalverkehrs noch immer nioht für
angebracht. Von dieser relativ unbedeutenden Ausnahme abgesehen, war
jedoch Ende 1958 das Ziel eines freien Zahlungsverkehrs im wesentlichen erreicht. Die praktische Bedeutung der annähernden Verwirklichung der Konvertibilität läßt sich kaum überschätzen. Heute kann
beispielsweise jedes Land der Erde, das österreichische Schillinge
vereinnahmt hat, mit diesen Schillingen seine Importe aus jedem beliebigen Erzeugerland der Welt finanzieren. In den veröffentlichten
Gold- und Devisenausweisen führen die Länder der freien Welt auoh ihre
Bestände an Währungen wie Holländische Gulden und Deutsche Mark auf.

- 5-

�auf. Ein Geschäftsmann in Europa,Asien oder Afrika, der Waren
für Deutsche Mark oder italienische Lire einkauft, bezahlt in Devisen, mit denen er praktisch ebensoviel anfangen kann wie mit
Dollar oder Gold. Durch die von den europäischen Ländern erreichte freie Konvertierbarkeit ist die Welt gesünder und sind ihre
Zukunftsaussichten sehr viel günstiger geworden.
Gewiss hat die Umstellung auf die durch die Konvertibilität
geschaffenen Verhältnisse nach 1956 Schwierigkeiten mit sich gebracht. Das ständige Defizit in der Zahlungsbilanz der Vereinigten Staaten erfüllt uns alle mit Besorgnis. Wie Sie wissen, gehen
wir dieses Problem von verschiedenen Seiten her an, und wir lassen
uns dabei von dem festen Entschluß leiten, dieses Problem nicht
nur zu lösen, sondern es so zu lösen, daß keiner unserer Handelspartner dadurch irgendwie geschädigt wird. Wir sind entschlossen,
dieses Defizit zu beseitigen, und wir sind »estrebt, dies womöglich auf dem Wege der Ausweitung und nicht der Einengung des
privaten Handels und Zahlungsverkehrs zu erreichen.
Wir alle dürfen stolz sein auf den bisher unerreichten Grad
enger Zusammenarbeit, den unsere Finanz- und Währungsbehörden bei
der Umstellung auf eine Welt der Konvertibilität erreioht haben.
Gemeinsam haben sie neue und stärkere Schutzwälle gegen spekulative
Geldbewegungen und andere Störungen des Währungsgefüges aufgerichtet. Ich schätze mich glücklich, sagen zu dürfen, daß die zuständigen Stellen der Bundesrepublik dabei Hervorragendes geleistet haben.
Vor zwei Monaten gaben die zehn wichtigsten Industrieländer
der Welt auf der Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds in
Washington bekannt, daß sie das gegenwärtige Währungsystem gemeinsam überprüfen wollen, um festzustellen, ob es der Verbesserung
bedarf und die steigende Nachfrage der expandierenden Weltwirtschaft nach liquiden Mitteln zu decken vermag. Diese Überprüfung
soll sicherstellen, daß zu jedem Zeitpunkt liquide Mittel in
ausreichender Menge verfügbar sind und daß unsere internationalen
- 6 -

�internationalen Währungsorgane.auch in Zukunft imstande sind, die
Handelswege zwischen den freien Völkern von Hindernissen frei zu
halten.
Handelsliberalisierung und wirtschaftliche Integration
Das andere Hauptelement des in der Nachkriegszeit in der freien
Welt zu beobachtenden Drangs nach wirtschaftlicher Freiheit war der
Wunsch, den Handel zu liberalisieren. Die Liberalisierung des Handels
war dabei schwieriger und ist nicht so weit gediehen wie die Beseitigung der Währungsrestriktionen. Dennoch sind die weitblickenden
politischen Führer Europas auf dem Weg über den Abbau von Handelsrestriktionen bis zur wirtschaftlichen Integration und über diese
hinaus auch zur politischen Integration ein großes Stück vorangekommen .
Der Prozeß der Liberalisierung des Handels setzte auf multilateraler Basis nach dem Kriege mit der Unterzeichnung des Allgemeinen ?oll-und Handelsabkommens - GATT - ein. In Europa erhielt
er durch den Marshall-Plan einen besonderen Auftrieb. Die Zug um
Zug erreichte Liberalisierung des Zahlungsverkehrs zwischen den
OEEC - Mitgliedern war von einem schrittweisen Abbau der mengenmässigen Handelsbeschränkungen begleitet. Später liberalisierten
dann die europäischen Länder ihren Außenhandel mit Partnern außerhalb ihres Wirtschaftsraumes. Die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft trieb diesen Proz^J in der Folge mit der Senkung der gegenseitigen Zölle weiter voran und eine andere Gruppe europäischer
Staaten - die EFTA - ist ebenfalls dabei, die Zölle im Handel
zwischen ihren Mitgliedern abzubauen. Die Vielfalt «n Institutionen
und Abkürzungen - GATT, OEEC (inzwischen in OECD umgewandelt),
EWG und EFTA - lässt sowohl die Stärke des Dranges nach mehr Freiheit im Handel deutlich werden als auoh die Schwierigkeiten ihrer
Verwirklichung.
Im Rahmen des GATT drückt sich der Fortschritt in den Verhandlungen über die Anwendung der von den Beteiligten anerkannten
Grundsätze für einen fairen Handel aus, die unter anderen die Zufluchtnahme zu mengenmässigen Einfuhrbeschränkungen begrenzen.

- 7-

�begrenzen. Innerhalb der OEEC hatte man nicht nur die quantitativen
Handelsrestriktionen beseitigt, sondern auch im Zuge der weiteren
Entwicklung die enge Konsultation und Zusammenarbeit zur allgemeinen Praxis erhoben. Die Wirtschaftspolitik der einzelnen Länder
wurde zur Diskussion gestellt und in ihren Auswirkungen auf andereStaaten überprüft. Von diesen Ansätzen ausgehend, begannen die
weitblickendsten unter den europäischen Staatsmännern in der wirtschaftlichen Zusammenarbeit einen Weg zu erk«aa«nr. ihre Länder
einander näherzubringen, und schließlich zu «iner Union zu vereinigen.
Dieser Weitblick war es, wie wir alle wissen, der 1952 zur
Gründung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl und
später, im Jahre 1957» sur Schaffung der EWG und ihrer Schwesterarganisation EURATOM führte.
Die Geschichte der europäischen Integration seit dem Inkrafttreten der europäischen wirtschaftlichen Verträge ist noch in guter
Erinnerung. Wir können mit Recht behaupten, dass die EWG in wirtschaftlicher Hinsicht ein Erfolg war und einen verstärkten Güteraustausch zwischen den Mitgliedstaaten in Gang brachte. ™ie Sie sich
erinnern, entschlossen sich die Vereinigten Staaten im Jahre 1957»
die EWG zu fördern und ihren Aufbau nach Kräften zu unterstützen.
Wir trafen diese Entscheidung, obwnhl wir erkannt hatten, daß die
EWG im Bereich des reinen Handels angesichts ihrer Binnenhandelspräferenz auf eine Diskriminierung gegenüber Götom aus Nichtmitgliedstaaten - einschließlich meines eigenen Landes - hinauslaufen würde. Nach unserer Meinung rechtfertigte jedoch das größere Ziel der europäischen Integration diesen Preis. Natürlich wurden
wir damals durch die zu erwartende liberale Orientierung der EWG
in diesem Glauben bestärkt. Wir waren überzeugt, daß eine größere
nach außen orientierte Gemeinschaft einen expandierenden Absatrrmarkt auch für Erzeugnisse aus Ländern außerhalb der EWG bilden
werde.
Die Verlangsamung des europäischen Integrationsprozeß«? im
Jahre 1965 wird von den meisten unter uns natürlich tief bedauert.
- 8 -

�bedauert. Und wenn ich sage, daß unsere beiden Länder aufrichtig
auf eine baldige Gelegenheit zu erneuten Gesprächen über die Frage
des Beitritts Großbritanniens zum Gemeinsamen Markt hoffen, dann
glaube ich, damit die Einstellung hier in Deutschland korrekt wiedergegeben zu haben. Gans gleich,ob es dazu kommen wird oder nicht,
wir beide haben jedenfalls alles Interesse daran, auf dem Weg zur
Liberalisierung des Handels weiter voranzuschreiten. Die Portschritte auf diesem Weg haben uns in den Nachkriegsjähren ein hohes
Maß an Prosperität und Stärke beschert, und trotz verschiedener
Rückschläge im Jahre 19^5 liegen noch bedeutsame Möglichkeiten vor
uns.
Eine dieser Möglichkeiten bietet das Gesetz zur Ausweitung
des Handels. Dieses Gesetz gibt Präsident Kennedy Vollmachten zur
Herabsetzung und vollkommenen Aufhebung von Zöllenj wie sie kein
amerikanischer Präsident je besessen hat. Präsident Kennedy hat verfügt, Vorbereitungen für die optimale Nutzung der ihm übertragenen
Vollmachten in der neuen GATT-Runde zu treffen, die im kommenden
Jahr stattfinden soll.
Diese Politik drückt unsere Anerkennung der Tatsache aus, daß
den Vereinigten Staaten in der EWG zum ersten Mal ein Partner von
fast gleicher wirtschaftlicher Stärke gegenübersteht. Sowohl die
Vereinigten Staaten als auch die EWG besitzen eine hochentwickelte
Industrie. Beide haben eine große, im Wohlstand lebende Bevölkerungi
Die Aaßenzölle beider bewegen sich in etwa auf dem gleichen Durchschnittsniveaut bei einigen Gütern werden die Zollsätze der Gemeinschaft über denen der Vereinigten Staaten liegen, bei anderen wird
ein umgekehrtes Verhältnis herrschen.
Gerade weil sie einander so ähnlich sind, müssen diese beiden
großen Wirtschaftseinheiten zusammenarbeiten, wenn sie sich nicht
gegenseitig zerschlagen wollen. Eng miteinander in Harmonie verbunden, können sie zu einem Motor von fast unbegrenzter Stärke
für die Umgestaltung der Welt werden.
Wir sind der Überzeugung, daß die Vereinigten Staaten und
die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft in den bevorstehenden

-9 -

�beverstehenden Verhandlungen den gegenseitigen Zugang zu ihren
Märkten auf einer Basis erweitern können, die für uns beide vorteilhaft wäre. Durch die Ausdehnung der Meistbegünstigung auf
andere Handelspartner können die beiden großen gemeinsamen Märkte
die einander eingeräumten Konzessionen dazu benutzen, die Handelsschwierigkeiten und die Besorgnisse der gesamten freien Welt zu
vermindern. Ausserdem können umfassende Zollsenkungen durch die
Vereinigten Staaten, die EWG und andere Handelsnationen viel
zur Verringerung solcher Probleme beitragen, wie sie sich aus
der sogenannten "Zollkluft" zwischen der EWG und der EFTA ergeben.
Man muß sich jedoch darüber im klaren sein, daß der Erfolg
der Verhandlungen als Ganzes von der Fähigkeit abhängen wird, zu
Übereinkünften auch auf dem Gebiet der Agrarerzeugaiase zu gelangen,
ebenso wie bezüglich des Handels mit Industrierzeugnissen. In
diesem Zusammenhang sind wir bereit, über jeden Aspekt unserer
eigenen Landwirtschaftspolitik zu diskutieren. Zum anderen wird es
jedoch nötig sein, daß unsere europäischen Freunde ihrerseits Übereinstimmung hinsichtlich einer Reihe wichtiger Aspekte der Landwirtschaftspolitik des Gemeinsamen Marktes erzielen. Wir wissen,
daß sie dies vor schwerwiegende Probleme stellt, dennoch sind wir
ganz aufrichtig überzeugt, daß dies Probleme sind, mit denen man
sich, den Blick auf die Zukunft gerichtet, unbedingt befassen muß.
Die Vorbereitungen auf die Kennedy-Runde
Die Handelsverhandlungskonferenz s&lt;&gt;ll im nächsten Frühjahr
in Genf beginnen. Die Vorbereitungen auf sie sind sehr umfangreich.
Bereits seit Monaten leisten die technischen Experten auf beiden
Seiten des Atlantik harte Arbeit. Es dürfte für Sie interessant
sein, etwas über einige Schritte zu erfahren, die wir in den Vereinigten Staaten gegenwärtig unternehmen, um unseren gesetzlichen
Erfordernissen Genüge zu tun.
Der erste diesbezügliche Schritt wurde von Präsident Kennedy
genau vor zwei Wochen unternommen, als er der Zollkommission eine
- 10 -

�eine Liste von rund 6000 Positionen vorlegte, über die wir zu verhandeln beabsichtigen. Umfang und Gliederung dieser Liste sämtlicher
Importartikel der USA - wenn wir von den wenigen absehen wollen,
die auf Grund besonderer gesetzlicher Bestimmungen ausgenommen sind dürften mehr als ausreichend beweisen, wie stark wir uns einer
Liberalisierungspolitik verpflichtet fühlen. Unsere Liste stellt eine
Aufforderung an die EWG dar, an diesen Aspekt der Verhandlungen im
gleichen Geist heranzugehen.
Das Gesetz zur Ausweitung des Handels verpflichtet die Zollkommission, den Präsidenten über die wahrscheinlichen wirtschaftlichen Auswirkungen sämtlicher vorgeschlagenen Handelsvertragskonaessionen auf jeden einzelnen Artikel zu unterrichten. Sie muß ihm
ihre Stellungnahme innerhalb von sechs Monaten nach Eingang der
Liste unterbreiten. In dieser Zeit ist die Kommission gehalten,
Informationsaitzungen durchzuführen und allen interessierten Personen Gelegenheit zu geben, ihre Ansichten darzulegen.
Weitere Einvernahmen werden gleichzeitig vom Handels-Informatijnsausschuß durchgeführt, einem Gremium, das sich aus Vertretern
mehrerer Stellen der US-Regierung zusammensetzt. Diesem Ausschuß
werden die Stellungnahmen aller interessierten Personen au allen,
das vorgeschlagene Handelsabkommen berührenden Fragen zugeleitex.
Bei diesen Ausschußberatungen geht es in erster Linie um die Klärung
der Frage, welche ausländischen Zölle und Handelsrestriktionen die
amerikanischen Exporteure am meisten behindern. Diese Formalitäten
sind gesetzlich vorgeschrieben. Wenn diese Gesetzespflichten auch
leider sehr zeitraubend sind, so bedeutet ihre Erfüllung d&lt;-ch keineswegs, daß die Vereinigten Staaten an den Verhandlungen weniger
stark interessiert sind. Lassen Sie mich daher mit Nachdruck betonen,
daß wir mit den Verhandlungen so früh beginnen möchten, wie uns
dies nach dem Gesetz nur möglioh ist.
Bei jeder Zollverhandlung wird es Ausnahmen geben. Und in der
Tat haben die EWG-Länder bei den Zollsenkur-gen untereinander
Ausnahmen gemacht. Das Gesetz zur Ausweitung des Handels nimmt ausdrücklich gewisse Erzeugnisse von den Verhandlungen aus. Es läßt
- 11 -

�läßt überdies dem Präsidenten vollkommen freie Hand, auf Grund der
Empfehlungen der Zollkommission, des Sonderbevollmächtigten für
Handelsverhandlungen und anderer von ihm bestimmter Behörden zusätzliche *aren zurückzustellen. Wir beabsichtigen jedoch, diese Ausnahmeparagraphen so selten wie nur möglich anzuwenden, und vertrauen
darauf, daß andere Staaten sich gleiche Zurückhaltung auferlegen.
ErfolgBauaeiohten.
Ich habe die Vorbereitungen umrissen,die die Vereinigten Staaten
unternehmen, um zu zeigen, wie ernst wir diese Verhandlungen nehmen
und wie entschlossen wir sind, unser Teil zur Mehrung der Erfolgsaussichten beizutragen.
Sind die Aussichten gut? Oder wird dieser Berg von Anstrengungen
nur eine Maus an greifbaren Erfolgen hervorbringen?
Manche Kommentatoren haben den Vereinigten Staaten vorgeworfen,
sieverfolgten gegenüber der EWG einen, wie sie es nennen, "harten
Kurs". Es wäre exakter, unsere Haltung als anpassungsfähig, aber
fest zu bezeichnen.
Wir erkennen die berechtigten Bedürfnisse anderer Länder an und
wollen nach Mitteln und Wegen suchen,sie dem Rab-en eines Abkommens
einzufügen, das allen Teilen gerecht wird. Darin sind wir anpassungsfähig. Wir betrachten diese Verhandlungen nicht als ein Ringen um
Vorteile, bei dem die eine Seite verlieren muß, wenn die andere Seite
gewinnt.
Nach unserer Meinung können und werden beide Seiten bei gegenseitigen Zugeständnissen gewinnen.
Ich glaube, es gibt viele Gründe, weshalb wir ein gemeinsames
Interesse am Gelingen dieser Verhandlungen haben.
Erstens liegt es im gemeinsamen Interesse aller Beteiligten,
die Senkung der Zölle und den Abbau auch der anderen Handelsschranken
sicherzustellen. Das belebt die Produktion und den Handel, schafft
neue Arbeitsplätze und steigert allgemein die Prosperität.

- 12 -

�Prosperität.
Zweitens ist das Gelingen dieser Verhandlungen um einer
grösseren Gemeinsamkeit innerhalb der freien "Zelt willen dringend
notwendig. Diese Verhandlungen sind notwendigerweise kompliziert
und technischer Natur und dennoch mehr als blosse Übungen in der
Abfassung von Gutachten. Sie sind,indem sie die Volkswirtschaften
vieler Nationen aufeinander abstimmen helfen,die bestmögliche Antwort auf die Bedürfnisse - und Hoffnungen - des größten Teils der
Menschheit.
Beide Punkte werden durch die Bedürfnisse und Interessen der
EWG selbst illustriert. Seitdem für England - vorläufig nur, wie
wir hoffen - die Tür zugeschlagen wurde, ist die Kluft zwischen der
SWG und dem anderen großen Handelsblock in Europa, der EFTA, breiter
und tiefer geworden. Beide Blöcke hoffen, bis 1967 die Zölle im Inneren beseitigen zu können. Die EWG hat bereits 60 Prozent dieses Wege« zurückgelegt, und die EFTA wird den gleichen Punkt Ende dieses
Jahres erreichen.
Die auf diese V/eise geschaffenen Zolldiskriminierungen werden
die traditionellen Handelsverbindungen ganz beträchtlich stören.
Um nur ein Beispiel zu nennen* Der Außenhandelsüberschuß der Bundesrepublik für das vergangene Jahr wurde auf insgesamt 900 Millionen
Dollar geschätzt, der Überschuß aber im Handel allein mit den
EFTA-Ländern auf 1,4 Milliarden Dollar. Ohne diesen riesigen Überschuß im Handel mit den EFTA-Ländern, der durch Zolldiskriminierunger
in zunehmendem Maße gefährdet wird, hätte Deutschland im Jahr 19^2
ein Handelsdefizit in Höhe von 500 Millionen Dollar zu verzeichnen
gehabt.
Auch die EFTA-Länder würden unter einer Verbreiterung der
Kluft zu den EWG-Staaten zu leiden haben. So ging beispielsweise
der Handel zwischen Schweden und Belgien im vergangenen Jahr schon
erheblich zurück. Beide Länder haben darauf hingewiesen, daß die
Zolldiskrepanzen zwischen EWG und EFTA einen Punkt erreicht haben,
an dem sie den innereuropäischen Handel gefährden«
- 15 -

�Erfolge in den Bemühungen um Zcllsenkungen in Genf können,bis
sich neue- Möglichkeiten für Fortschritte in der europäischen Integration ergeben, nicht nur eine Verbreiterung der Kluft zwischen
den beiden Hälften Europas verhindern, sondern sogar zu ihrer Beseitigung beitragen.
Auch die Entwicklungsländer sind zutiefst besorgt über die
Zukunft ihres Außenhandels. Dieses Problem war, wie Sie wissen,
in den letzten Jahren Gegenstand eingehender Untersuchungen , und
es wird auch das Hauptthema der im nächsten Jahr stattfindenden
UN-Konferenz über Handel und Entwicklung sein. von grcßt9r Bedeutung ist auch die Tatsache, daß man innerhalb des GATT auf Ministerebene übereingekommen ist, dem Problem des Handels der Entwicklungsländer im Rahmen der Kennedy-Runde besondere Beachtung zu schenken.
Wir dürfen erwarten, daß die in diesen Verhandlungen anzustrebende
Liberalisierung des Handels zu einer Belebung des Warenverkehrs
zwischen Industrie- und Entwicklungsländern beitragen und damit
unseren Anstrengungen auf dem Gebiet der Auslandshilfe noch
größere Wirksamkeit verleihen wird.
Wie die Vereinigten Staaten stellt auch die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft dank ihres Kräftepotentials eine Weltwirtschaftsmacht dar. Das Drängen nach einer stärkeren Liberalisierung des
Handels, das allenthalben in der Welt spürbar ist, konzentriert sich
deshalb auf die Europäische Gemeinschaft. Und es wird sich in den
kommenden Monaten sicher noch verstärken. Ich weiß, daß sich die
führenden Männer Europas dieses Drängens bewußt sind. Die EWG ist
dabei, ihre weitreichende Verantwortung zu begreifen. So erklärte
Prifess.ir Walter Hallstein, der Präsident der EWG-Kommission, im
S.-&gt;mmer dieses Jahres»
" Die beiden Aspekte unseres Wesens - im Innern verbunden und
für die übrige Welt offen und ihr zugewandt - sind nicht voneinander
zu trennen. "
Ist die Welt voll von Bedürfnissen,so ist sie doch auch
voller Hoffnungen. Auch diese sind auf Genf gerichtet.

- 14 -

4

�Da ist die Hoffnung der großen Mehrheit der Europäer auf
einen Zusammenschluß Europas. Da hegen Menschen guten Willens auf
beiden Seiten des Atlantik die Hoffnung auf eine fruchtbare Partnerschaft der alten und neuen Heimstatt westlicher Kultur. Da ist die
von Völkern in anderen Teilen der Welt leidenschaftlich genährte Hoffnung auf uneingeschränkte Mitwirkung im wirtschaftlichen wie im
politischen Konzert der Nationen.
Ich kann mir nicht vorstellen, daß diejenigen, die diese Erfordernisse negieren und diese Sehnsüchte leugnen, eine Mehrheit darstellen oder sich durchsetzen werden. Ihre Stimmen sind Widerhall
einer unglücklichen Vergangenheit, aber nioht Prophezeiungen für
die Zukunft. Wir haben in den Nachkriegsjähren zuviel getan und
sind einander auf dem Wege der internationalen Zusammenarbeit schon
zu weit entgegengekommen, um jetzt noch diesen Weg zu verlassen.
Der Abbau von Restriktionen im Zahlung? :nd Handelsverkehr
hat uns bereits ein beispielloses Maß an Stärke, Prosperität und
Zusammenhalt eingebracht. Ich vertraue darauf, daß wir bei wachsendem gegenseitigen Verständnis und zunehmender Gemeinsamkeit
der Zielsetzungen auf unserem Weg zu noch größeren Erfolgen gelangen
werden.

*****

15

�A M E R I K A

D I E N S T

Ailg./ xvi-44

"WIR WERDEN IN DEM STREBEN NACH FRIEDEN UNERMÜDLICH SEIN"
Ansprache Präsident Johnsons vor beiden Häusern des Kongresses
(27. November 1963)

"UNSERE KRAFT UND ENERGIE IST AUF DIE ZUKUNFT GERICHTET"
Botschaft Präsident Johnsons zun Erntedanktag 1965
(28. November 1963)

�Der amerikanische Praesident Lyndon B. Johnson gab am 27. November vor
einer gemeinsamen Sitzung beider Haeuser des amerikanischen Kongresses seine
erste grosse politische Erklaerung ab, in der er betonte, dass die Ideen und
Ideale des verstorbenen Praesidenten John Fitzgerald Kennedy "verwirklicht
werden muessen und werden." Johnson forderte, dass der Verkuendung von Hass
und Gewalt ein Ende gesetzt und vor allem das Buergerrechtsprogramm des
verstorbenen Praesidenten verabschiedet werden sollte.

"Mr. Speaker, Herr Praesident, Mitglieder des Repraesentantenhauses und
des Senats, meine amerikanischen Mitbuerger:
Alles, was ich habe, wuerde ich gerne dafuer geben, wenn ich heute nicht
hier stehen muesste.
Der groesste Fuehrer unserer Zeit ist durch die niedertraechtigste Tat
unserer Zeit niedergestreckt worden. Heute lebt John Fitzgerald Kennedy in
den unsterblichen Worten und Werken, die er hinterlassen hat. Er lebt im
Herzen und in der Erinnerung der Menschheit fort. Er lebt in den Herzen
seiner Landsleute weiter.
Es gibt keine Worte, die die Trauer wiedergeben koennten, die wir ueber
den Verlust empfinden. Es gibt keine Worte, die stark genug sind, um unserer
Entschlossenheit Ausdruck zu verleihen, den Schwung Amerikas nach vorne, den
er eingeleitet hat, fortzutuehren.
Der Traum von der Eroberung der Weiten des Weltraums - der Traum von
einer Partnerschaft ueber den Atlantik hinweg - und auch ueber den Pazifik
hinweg - der Traum von einem Friedenskorps fuer die weniger entwickelten
Laender - der Traum der Erziehung und Ausbildung fuer unsere Jugend - der
Traum von Arbeitsplaetzen fuer alle, die Arbeit suchen - der Traum von der
Betreuung unserer alten Mitbuerger - der Traum von einem umfassenden Feldzug gegen geistige Erkrankungen - und vor allem der Traum von gleichen
Rechten fuer alle Amerikaner, ohne Ruecksicht auf Rasse und Hautfarbe diese und andere amerikanische Traeume haben durch seinen energischen
Willen und seine Hingabe Leben und Gestalt gewonnen.
Die Ideen und Ideale, die er in so edler Form verkoerperte, muessen
und werden nunmehr wirksam in die Tat umgesetzt werden.
Unter der Fuehrung John Kennedys hat unser Land gezeigt, dass es den
Mut besitzt, nach Frieden zu streben, und auch den inneren Mut besitzt,
einen Krieg zu riskieren. Wir haben bewiesen, dass wir denen ein guter und
zuverlaessiger Freund sind, die nach Frieden und Freiheit streben. Wir
haben gezeigt, dass wir denen genau so ein furchtbarer Gegner sein koennen,
die den Weg des Friedens ablehnen, und die uns oder unseren Verbuendeten
das Joch der Tyrannei aufzuzwingen suchen.
Unser Land wird zu seinen Verpflichtungen stehen - von Sued-Vietnam
bis Westberlin. Wir werden in dem Streben nach Frieden unermuedlich sein;
wir werden in unserer Suche nach Gebieten der Uebereinstimmung selbst mit
denen, mit denen wir verschiedener Meinung sind, ideenreich sein; und wir
werden grosszuegig und loyal zu denen stehen, die sich mit uns in der
gemeinsamen Sache zusammenschliessen.

�In diesem Zeitalter, in dem es keine Verlierer im Frieden und keine
Sieger im Krieg geben kann - muessen wir die Verpflichtung erkennen,
nationale Staerke mit nationaler Zurueckhaltung aufzuwiegen - muessen
wir gleichzeitig auf beides, die Konfrontation der Staerke und die Beschraenkung der Staerke,vorbereitet sein - muessen wir bereit sein, die
nationalen Interessen zu verteidigen und ueber das geroeinsame Interesse
zu verhandeln. Dies ist der Weg, den wir weiter verfolgen werden. Diejenigen, die unseren Mut auf die Probe stellen, werden finden, dass er
stark ist. Und diejenigen, die unsere Freundschaft suchen, werden
finden, dass sie aufrichtig ist. Wir werden erneut beweisen, dass der
Starke in der Anwendung der Staerke gerecht und dass der Gerechte in
der Verteidigung der Gerechtigkeit stark sein kann. Und alle sollen
wissen, dass wir niemand Sonderrechte gewaehren, aber auch niemand mit
Hass verfolgen werden.
Wir werden den Kampf gegen Armut und Elend, Unwissenheit und
Krankheit weiterfuehren - in anderen Laendern und in unserem eigenen.
Wir werden der gesamten Nation dienen und nicht nur einem Teil oder
einem Sektor oder einer Gruppe - sondern allen Amerikanern. Dies naemlich
sind die Vereinigten Staaten -ein vereintes Volk mit einheitlicher Zielsetzung.
Unsere amerikanische Einheit haengt nicht von der Einstimmigkeit ab.
Wir haben Meinungsverschiedenheiten; aber heute - wie schon in der Vergangenheit - koennen wir aus diesen Meinungsverschiedenheiten Staerke
statt Schwaeche - Weisheit statt Verzweiflung fuer uns gewinnen. Beide —
das Volk wie die Regierung -- koennen wir uns in einem Programm vereinen,
das klug, gerecht und konstruktiv ist.
Das Kapitol ist seit 32 Jahren meine Heimat. Ich habe gemeinsam mit
Ihnen viele stolze Augenblicke erlebt - den Stolz ueber die Faehigkeit
des Kongresses der Vereinigten Staaten zu handeln, sich jeder Krise gewachsen zu zeigen und aus unseren Meinungsverschiedenheiten kraftvolle
Programme des nationalen Handelns zu gewinnen.
Die Kugel eines Meucheln»erders hat mir die ungeheure Last der
Praesidentschaft aufgebuerdet. Ich stehe hier heute, um Ihnen zu sagen,
dass ich Ihre Hilfe brauche; ich kann diese Buerde nicht allein tragen.
Ich brauche die Hilfe aller Amerikaner. Unsere Nation hat einen tiefen
Schock erlitten, und in diesem kritischen Augenblick ist es unsere Pflicht
- die Ihre und die meine - als Regierung der Vereinigten Staaten jede
Unsicherheit zu beseitigen und zu zeigen, dass wir zu entschlossenem
Handeln faehig sind, dass der grausame Verlust des Fuehrers unserer Nation
uns nicht schwaecht, sondern uns stark werden laesst, dass wir handeln
koennen und handeln werden, und zwar jetzt.
Hier aus diesem Hause einer repraesentativen Regierung soll alle
Welt wissen - und niemand soll uns missverstehen - dass sich diese
Regierung erneut verpflichtet zur unerschuetterlichen Unterstuetzung
der Vereinten Nationen, zur ehrenhaften und entschlossenen Durchfuehrung
unserer Verpflichtungen gegenueber allen unseren Verbuendeten, zur
Aufrechterhaltung einer militaerischen Staerke, die keiner anderen
unterlegen ist, zur Verteidigung der Staerke und der Stabilitaet des
Dollar, zur Erweiterung unseres Aussenhandels, zu einer Verstaerkung
unserer Programme der gegenseitigen Unterstuetzung und Zusammenarbeit
in Asien und Afrika und zur Foerderung unserer Allianz-fuer-den-Fortschritt
in der westlichen Hemisphaere*

�Am 20. Januar 1961 hat John F. Kennedy seinen Landsleuten zugerufen,
dass unser Werk als Nation 'nicht In den ersten tausend Tagen vollbracht
sein wird noch In der Amtszelt dieser Regierung, ja vielleicht noch nicht
einmal In der Zelt unseres Lebens auf diesem Planeten. Aber*, so sagte
er, 'lasst uns trotzdem einen Anfang machen*.
Heute, In diesem Augenblick neuer Entschlossenheit moechte Ich
meinen amerikanischen Mitbuergern zurufen: Lasst uns fortfahren.
Dies Ist unsere Aufgabe - nicht zu zoegern, nicht lnne zu halten,
uns nicht abzuwenden und nicht ueber diesem unglueckllchen Augenblick zu
verweilen, sondern auf unserem Weg fortzuschreiten, damit wir das Schicksal zu erfuellen vermoegen, das die Geschichte uns bestimmt hat. Unsere
vordringlichsten Aufgaben liegen hier in diesem Hause.
Als erstes koennte keine Gedenkrede oder Lobpreisung beredter das
Andenken Praesident Kennedys ehren als die baldmoegliche Verabschiedung
des Buergerrechtsgesetzes, fuer das er gekaempft hat. Wir haben lange
genug in unserem Land von gleichen Rechten gesprochen. Wir haben dies
hundert Jahre lang oder noch laenger getan. Es ist jetzt wirklich an
der Zeit, das naechste Kapitel zu schreiben - und zwar in den Gesetzesbueehern.
Ich fordere Sie nochmals mit allem Nachdruck auf - so wie ich dies
schon im Jahre 1957 und erneut 1960 getan habe - ein Gesetz ueber die
Buergerrechte zu verabschieden, damit wir voranschreiten koennen, um
jede Spur einer Diskriminierung oder Unterdrueckung aufgrund von Rasse
oder Hautfarbe in unserem Staatswesen zu beseitigen. Es kann fuer die
Vereinigten Staaten im eigenen Lande wie im Ausland keine groessere
Kraftquelle geben.
Und zweitens koennte das Werk Praesident Kennedys durch keine
Massnahme unsererseits passender fortgefuehrt werden als durch die
fruehestmoegliehe Verabschiedung der Steuergesetzesvorlage, fuer die
er gekaempft hat - ein Gesetz, das dazu bestimmt ist, unser Nationaleinkommen und unsere Bundeseinnahmen sowie unsere Sicherheit vor einer
Rezession zu vergroessern. Dieses Gesetz bedeutet - wenn es ohne
Saeumen verabschiedet wird - weitere Sicherheit fuer die jetzt in Arbeit
Stehenden und weitere Arbeitsplaetze fuer die zur Zeit Arbeitslosen,
und einen groesseren Anreiz fuer unsere Wirtschaft.
Kurzum: Es ist jetzt nicht die Zeit zu zoegern. Es ist die Zeit
zu handeln - die Zeit fuer energische und vorausschauende Massnahmen
hinsichtlich der noch nicht verabschiedeten Gesetze ueber das Erziehungswesen, damit das Licht des Wissens in jedes Heim und jede noch
so kleine Gemeinde in Amerika dringt - fuer energische und vorausschauende Massnahmen in bezug auf die Arbeitsplatzbeschaffung fuer
Jugendliche; fuer energische und vorausschauende Massnahmen in bezug
auf das noch nicht verabschiedete Auslandshilfegesetz, damit wir klarstellen, dass wir unsere Aufgaben und Verantwortungen gegenueber dieser
Hemisphaere oder der Welt nicht leichtfertig preisgeben noch unserer
Regierung ihre Flexibilitaet in der Behandlung der Aussenpolitik nehmen,
- sowie fuer starke und vorausschauende Massnahmen in bezug auf die
uebrigen Bewilligungsgesetze.

�Wenn der Kongress in diesem neuen Geist handelt, so kann er auf die
volle Mitarbeit und Unterstuetzung seitens der Exekutive rechnen. Und
im besonderen versichere ich, dass die Regierung sich bei ihren Ausgaben
aeusserste Sparsamkeit und Maessigung auferlegen wird. Ich werde darauf
bestehen, dass die Regierung fuer jeden Dollar, den sie ausgibt, auch den
vollen Gegenwert erhaelt. Die Regierung wird ein Beispiel an Umsicht und
Sparsamkeit geben. Dies soll nicht bedeuten, dass wir bestehende Not bei
uns nicht beseitigen oder dass wir zu unseren Verpflichtungen nicht stehen
werden. Wir werden beides tun.
Ich, der ich lange Zeit beiden Haeusern des Kongresses angehoert habe,
glaube fest an die Unabhaengigkeit und Unantastbarkeit der Legislative.
Ich verspreche Ihnen, dass ich diese stets respektieren werde. Dies ist
mir zutiefst in Fleisch und Blut uebergegangen. Genau so fest glaube ich
aber auch an das Vermoegen und die Faehigkeit des Kongresses, trotz der
fuer unser Land charakteristischen Verschiedenheit der Meinungen zu
handeln - und zwar klug, nachdruecklich und schnell zu handeln, wenn dies
notwendig ist.
Die Notwendigkeit ist da. Sie ist jetzt gegeben. Ich bitte Sie um
Ihre Hilfe. Ich weiss, dass wir uns in unserer gemeinsamen Trauer finden,
aber lassen Sie uns auch in erneuter Hingabe und erneuter Kraft zueinander
finden - lassen Sie uns im Handeln, in der Toleranz und im gegenseitigen
Verstaendnis zusammenfinden.
Was John Kennedy uns vorlebte, das wird uns durch seinen Tod zum
Gebot: dass Amerika voranschreiten muss. Fuer die Amerikaner aller
Rassen, aller Glaubensrichtungen und aller politischen Ueberzeugungen
ist die Zeit gekommen, einander zu verstehen und einander zu achten.
Lassen Sie .uns dem Lehren und Predigen von Hass, von Boesem und von
Gewalt ein Ende bereiten. Wollen wir uns abwenden von den Fanatikern
der extremen Linken und der Rechten - von den Aposteln der Bitterkeit
und der Bigotterie, von denen, die dem Gesetz Trotz bieten, und von
denen, die den Blutstrom unserer Nation vergiften.
Ich hoffe aus tiefstem Herzen, dass die Tragoedie und die Qual
dieser schrecklichen Tage uns in neuer Gemeinschaft zusammenschliessen
wird, uns in unserem Leid zu e i n e m
Volk werden laesst. Lassen Sie
uns hier feierlich den Entschluss fassen, dass John Fitzgerald Kennedy
nicht umsonst gelebt haben soll oder umsonst gestorben sein soll, und
lassen Sie uns heute am Vorabend des Thanksgiving-Tages, da wir zusammenkommen, um um Gottes Segen zu bitten und ihm zu danken, alle einstimmen
in jene vertrauten und geliebten Worte:
'America, America,
God shed his grace on Thee
and crown Thy good
with brotherhood
from sea to shining sea.'

('Amerika, Amerika,
Gott schenk'Dir seine Gnad'
und kroen' Dein Werk
mit Brudergeist
von Gestade zu Gestad'.')

�"UNSERE KRAFT UND ENERGIE IST AUF DIE ZUKUNFT GERICHTET"

WASHINGTON - (AD) - Wir übermitteln
Ihnen im folgenden den Wortlaut der
Rundfunk- und Fernsehansprache, die
Präsident Lyndon B. Johnson zum Erntedanktag 1965 gehalten hat.

'Meine amerikanischen Mitbürger,
gestern trat ich vor den Kongreß, um zum ersten Mal als Präsident der Vereinigten Staaten zu sprechen. Heute, am Erntedanktag,
trete ich vor Sie, um Sie um Iahre Hilfe, Ihre Stärke, Ihr Gebet
zu bitten, daß Gott unsere Republik schützen und alle meine Arbeit
leiten möge.
Wir haben soeben sieben Tage erlebt, die keiner von uns jemals
wieder vergessen wird. Wir besitzen nicht die göttliche Weisheit,
um die Antwort darauf geben zu können, weshalb dies alles geschehen
ist. Aber uns ist als Menschen die Pflicht gegeben^, zu entscheiden,
was geschehen soll - was in bezug auf Amerika, die Welt, die von uns
vertretene Sache und alle in unseren Herzen schlummernden Hoffnungen
geschehen soll.
Ein großer Führer ist tot. Für eine große Nation geht das Leben
weiter. Das Gestern können wir nicht zurückholen, aber das Morgen
können wir gewinnen - oder aber verlieren. Ich bin fest entschlossen,
die Zukunft für uns zu gewinnen. Daher bitte ich Sie, sich mit mir
in dieser Entschlossenheit zu vereinen, in der festen Absicht, daß
wir aus dieser tiefen Nacht der Tragödie Amerika zu neuer Größe
führen.
Wir haben mehr als jede andere Generation vor uns allen Grund,
dankbar zu sein, so dankbar an diesem "Thanksgiving Day". Unsere
Ernte ist reich, unsere Industrie blüht, unsere Heime sind geschützt
und unsere Verteidigung ist sicher.
Wir leben in Frieden. Alle Welt bringt uns guten Willen entgegen,
aber über alle diese Segnungen hinaus wissen wir heute abend, daß
unser System stark ist, stark und sicher.
Eine Tat, die uns auseinanderreißen sollte, hat uns zusammengeführt. Unser System hat die Probe bestanden. Sie alle haben eine
g^roße Probe bestanden. Sie haben das bewiesen, was John F. Kennedy in
seiner Proklamation zum Erntedanktag von uns gefordert hatte: nämlich jene ehrenhaften Zielsetzungen, jene feste Entschlossenheit und
jene Willensstärke, die uns von unseren Vorvätern überkommen sind.
Wodurch könnte überzeugender aufgezeigt werden, was für Amerika
am besten ist? Am Sonnabend, als diese schwere Bürde erst wenige
-

1 -

�"AMERIKA DIENST"
wenige Stunden auf mir lastete, waren die ersten beiden Bürger, die
mich aufsuchten, um mir ihre ganze Unterstützung anzubieten, Dwight
D. Eisenhower und Harry S. Truman.
Nach dem Freitag der vergangenen Woche haben sich die Amerikaner dem Guten zugewandt, den höheren Werten des Lebens. Sie waren
uns Hilfe, ja Rettung. Die aufopfernde Hingabe der staatlichen
Stellen und aller Männer im öffentlichen Dienst, vom Obersten Bundesgericht bis zu den Bundesstaaten, gab uns allen inneren Halt. Um
wieviel besser, um wieviel vernünftiger, um wieviel anständiger und
um wieviel amerikanischer wäre es, wenn alle Amerikaner ihr Vermögen,
ihre Zeit und ihre Energien darauf verwenden wollten, unser System
und seine Diener in den Bemühungen zu unterstützen, unser aller
Probleme zu lösen, statt Gift und Haß zu verbreiten, die unseren
Fortschritt hemmen.
Ich habe 32 Jahre lang in Washington im Dienste der Öffentlichkeit gestanden - gestern waren es 32 Jahre. Ich habe fünf Präsidenten
in diesem so unglaublich schweren Amt erlebt. Ich habe sie alle gut
gekannt und habe sie alle zu meinen Freunden gezählt: Präsident Herbert Hoover, Präsident Franklin Roosevelt, Präsident Harry Truman,
Präsident Dwight Eisenhower und Präsident John Kennedy.
Noch in jeder Regierung war die größte Last, die der Präsident
zu tragen hatte, gedankenloser und unvernünftiger Haß und Uneinigkeit
der eigenen Landsleute.
Gerade in diesen Tagen ist das Schicksal dieses Amtes unser
aller Schicksal. Ich möchte daher alle Amerikaner an diesem Tag des
Gebets und der Andacht aufrufen, dies zu bedenken. Wollen wir alle,
die wir Reden halten und lehren, die wir predigen, die wir publizieren,
im Rundfunk Sprechen oder lesen und zuhören - wollen wir uns alle auf
unsere Pflicht besinnen, unsere Wunden zu verbinden, alte Wunden zu
heilen, unsere Gemeinschaft gesund zu machen und sie zu festigen für
die kommenden Aufgaben.
Am meisten liegt mir am Herzen, daß wir aus unseren Worten jeden
Haß und aus unseren Herzen jeden Groll verbannen, daß wir die von
Haß, Intoleranz und Fanatismus genährten Quelle des Gifts versiegen
lassen, daß wir unsere Einigkeit im Norden und Süden, im Osten und Westen wahren, daß wir das Herannahen des Tages beschleunigen, da es
keine Vorurteile aus rassischen, religiösen und regionalen Gründen
mehr gibt, und daß der Tag anbrechen möge, da unsere großen Energien,
unsere moralischen und geistigen Kräfte von den Belastungen frei sein
werden, die wir zu lange getragen haben.
Wir blicken nach vorn, und unsere Kraft und Energie ist auf die
Zukunft gerichtet, aber in unserem Herzen tragen wir das Bild dieses
tapferen jungen Mannes, der nun, von uns allen geehrt, jenseits des
Potomac zur ewigen Ruhe gebettet liegt. Wir denken an ihn, wir denken
an seine wundervolle und tapfere Frau, die wir alle lieben. Wir denken an Caroline und John und an die gesamte große Familie, die der
Nation diesen Sohn und Bruder gab.
Um

-

Z

-

�•AMERIKA DIENST"
Um sein Andenken und das von ihm begonnene Werk zu ehren,
habe ich heute bestimmt, daß die wichtigste Station der atlantischen
Raketenversuchsstrecke und die Startanlagen der NASA in Florida von
nun an John F. Kennedy-Raumflugzentrum heißen werden. Ich habe ferner heute mit Einwilligung und Unterstützung meines Freundes Farris
Bryant, des Gouverneurs von Florida,verfügt, daß der Name von Cape
Canaveral geändert wird. Von nun an wird es Cape Kennedy heißen.
Wenn wir uns am heutigen Erntedanktag inmitten unserer Familien
in gegenseitiger Liebe und Achtung, die wir für einander empfinden,
versammeln, und wenn wir unser Haupt in Ehrerbietung vor der gött- "
liehen Vorsehung neigen, dann laßt uns Gott ebenfalls für die Jahre
danken, in denen er uns durch seinen Diener John F. Kennedy erleuchtete .
Lassen Sie uns heute unsere Hingabe an die Ideale erneuern,
die Amerika bedeuten. Lassen Sie uns, Gott um die Weisheit bitten,
damit der Ungerechtigkeit, Intoleranz und Bedrängnis in unserem Land
für jeden unserer Mitbürger, gleich welcher Weltanschauung oder Hautfarbe, ein Ende gesetzt wird - denn Gott hat alle, nicht nur einige
von uns, nach seinem Ebenbild geschaffen. Wir alle, nicht nur einige
von uns, sind seine Kinder.
Und schließlich bitte ich Sie als Ihr Präsident, daß Sie jeden
Tag Ihr Land und mich in Ihre Gebete einschließen, und ich versichere
feierlich, daß ich mit allen meinen Kräften auf eine neue Sröße
Amerikas hinarbeiten werde - auf einen neuen Tag, da der Friede mehr gefestigt,.'da die Gerechtigkeit weiter verbreitet, da die Freiheit
überall, wo Menschen wohnen, stärker ist.

*

* * * *

-

3

-

�A M E R I K A

D I E N S T

Allg./XVI-45
NATtiRLICHE HILFSQUELLEN DER WELT
Die Situation heute und in der Zukunft

Vortrag
Sr. Exzellenz des Botschafters der Vereinigten Staaten von Amerika
GEORGE C. MCGHEE
vor der Arbeitsgemeinschaft für Forschung des Landes
Nordrhein-Westfalen am 11. Dezember 1963 in Düsseldorf

Das Interesse Botschafter McGhees gilt seit vielen Jahren dem Problem der natürlichen Hilfsquellen. Es beschäftigt ihn nicht nur in seiner Eigenschaft als Politiker und Diplomat, sondern gleichermaßen als
Wissenschaftler. Er studierte Geologie und Physik und promovierte mit
einer Arbeit aus den genannten Disziplinen als Rhodes-Stipendiat an der
Universität Oxford (England) zum Dr. phil. Die Universitäten von Oklahoma und Tulane (USA) verliehen ihm die Ehrendoktorwürde. George C.
McGhee hatte ursprünglich die Absicht, nach Abschluß seines Studiums
an der Universität Göttingen wissenschaftlich zu arbeiten, konnte jedoch diesen Plan nicht verwirklichen. Seit 1935 ist er Inhaber eines
Patents über ein Verfahren zur Bestimmung des Einfallens geologischer
Formationen. Als junger Geologe und Geophysiker war er an seismographischen Untersuchungen in England, auf Kuba, in Marokko, in Südamerika und in den Vereinigten Staaten beteiligt.
Bei der Abfassung dieses Referats konnte sich Botschafter McGhee
auf Unterlagen stützen, die ihm von der Abteilung für Notstandsplanung
im US-Präsidialamt und dem amerikanischen Bundesamt für Geologische
Bestandsaufnahme zur Verfügung gestellt wurden.

* * *

�NATÜRLICHE HILFSQUELLEN DER WELT
DIE SITUATION HEUTE UND IN DER ZUKUNFT

Einführung:
Viele behaupten, der wirtschaftliche Wohlstand hänge von dem Besitz
reicher natürlicher Hilfsquellen ab. Es ist in der Tat viel Wahres an die
ser Behauptung. Aber Rohstoffe sind nur ein Teil des Gesamtbildes. Wir
können beobachten, daß die Bevölkerung mancher Entwicklungsgebiete in der
Welt trotz des Vorhandenseins von Hilfsquellen, die andere als größten
Reichtum betrachten würden, in Not lebt. Andererseits erhalten sich
viele Nationen trotz relativ begrenzter Hilfsquellen einen hohen Lebensstandard.
Japan und die Schweiz sind zwei hervorragende Beispiele für Länder
mit begrenzten natürlichen Hilfsquellen; dennoch erfreut sich die Bevölkerung eines hohen Lebensstandards, indem sie Qualitätswaren produziert,
um diese auf den Weltmärkten gegen Rohstoffe einzutauschen. Der Unterschi
zwischen solchen Staaten und vielen Entwicklungsländern liegt hauptsächlich in der beruflichen Fertigkeit und im Fachwissen der Bevölkerung und
deren Bereitschaft, ihr Können für eine systematische und disziplinierte
Nutzung der Hilfsquellen einzusetzen.
Man kann sogar sagen, daß in vieler Hinsicht die Bevölkerung eines
Landes dessen wertvollste "Hilfsquelle" darstellt. Die negativen Aspekte
von Bevölkerung und Bevölkerungswachstum in Relation zu den natürlichen
Hilfsquellen sind durch den Prozeß der Bildung und Erziehung zu überwinden.
Eines der Ziele der Erziehung besteht darin, Erfahrung und 7/issen
des einzelnen anderen mitzuteilen. Gerade diese Fähigkeit des Menschen,
sein Wissen mit seinen Mitmenschen zu teilen, gibt ihm die Möglichkeit,
den V/issens- und Erfahrungsschatz früherer Generationen im Verein mit
dem eigenen für die Planung der Zukunft zu nutzen. Dem Menschen ist damit ein Mittel an die Hand gegeben, einen Mangel an natürlichen Hilfsquellen und andere Unzulänglichkeiten auszugleichen. Nationen, die zu
den Habenichtsen zählen, ist somit die Chance gegeben, am materiellen
Fortschritt der Welt teilzuhaben.
Wenn wir das Problem der Naturschätze und des wirtschaftlichen Wohlstands betrachten, so scheint bewiesen, daß die Natur bei all ihrer Freigebigkeit nur teilweise mit dem Menschen zusammengearbeitet hat, um seine
materiellen Bedürfnisse zu befriedigen. Die Menschheit verfügt über ein

�ein natürliches Erbe an wahrhaft riesigen Mengen nützlicher Rohstoffe an
oder nahe der Erdoberfläche, wobei allerdings hinsichtlich Konzentration
und Nützlichkeit Unterschiede bestehen. In den meisten Fällen sind sie
nicht ersetzbar, wenngleich es möglich sein dürfte, als Folge verbesserter Methoden und verstärkter Anstrengungen immer größere Mengen davon
aus immer größeren Tiefen mit besseren Ausbeutungsergebnissen zu gewinnen.
Ebenso stehen dem Menschen regenerierbare Hilfsquellen, wie man sie
vielleicht nennen könnte, zur Verfügung - nämlich die kontinuierlich anfallenden tierischen und pflanzlichen Produkte. Sie werden mehr oder
minder großzügig durch Luft, Wasser, Licht, klimatische und geographische Vorzüge ergänzt. Diese Faktoren bilden insgesamt die Umwelt des
Menschen; der Mensch muß jedoch, um in dieser Welt gut leben zu können,
auch weiterhin arbeiten, und zwar in fruchtbringender Weise.
In vielen Gebieten der Erde verläßt sich der Mensch bei einem minimalen Aufwand an eigener Arbeit weitgehend auf die Natur. Wo dies zutrifft, ergibt sich hieraus aus den verschiedensten Gründen gewöhnlich
nur ein Leben am Rande des Existenzminimums - ein Leben, das vielfach
für das Individuum nur von kurzer Dauer ist und viele Beschwernisse mit
sich bringt. Wie sehr die Produktivität auch steigen mag - der Gewinn
wird durch die wachsende Bevölkerung immer wieder absorbiert.
.
Versuche, aus dem Existenzminimum herauszukommen, erfordern seitens
des Menschen große Anstrengungen. Die damit verbundenen Mühen werden
nicht nur durch die ungleiche Verteilung natürlicher Hilfsquellen kompliziert, sondern auch durch die politische Zersplitterung, die der
Mensch selbst geschaffen hat und die die Folge der geschichtlichen Entwicklung, geographischer Gegebenheiten, von Glückszufällen und seines
eigenen Existenzkampfes und Ringens um Bestätigung ist. Gebietsweise
ergeben sich schwerwiegende Belastungen, sofern die Vorräte dem Bedarf
nicht entsprechen. Hier herrscht Überfluß, dort Mangel, und Probleme
gibt es hier wie dort.
Ich habe mir für heute viel vorgenommen. Ich möchte einen Überblick
über die natürlichen Hilfsquellen unserer Erde und eine Prognose ihrer
künftigen Bedeutung für den menschlichen Fortschritt geben. Wenn wir aus
unserem Gedächtnis und an Hand des Überlieferten einen Blick in die Vergangenheit werfen sollten, so könnten wir, beschränkten wir unsere
2

�unsere Untersuchung auf die Rolle der natürlichen Hilfsquellen allein,
ein faszinierendes. Bild von ihrer Beziehung zum Wohlergehen der Menschheit "bis zum heutigen Tage entwerfen. Versuchen wir aber in die Zukunft
zu blicken, so kompliziert sich unsere Frage ganz erheblich durch die
Schwierigkeit, die sich ergibt, wenn man einzig und allein die Rolle
der natürlichen Hilfsquellen von anderen Faktoren isoliert betrachtet.
Man

kann

fünf Hauptfaktoren unterscheiden, die weitgehend das

wirtschaftliche Wohl des einzelnen und der Nationen bestimmen, nämlich
Bevölkerung, natürliche Hilfsquellen, Energie (die ebenfalls von Hilfsquellen abhängig ist), Stand von Wissenschaft und Technik sowie
Staats- und Gesellschaftsform. Überlegungen in bezug auf den Faktor
Bevölkerung schließen nicht nur statistische Zahlen ein, sondern auch
politische Führung, soziale Einrichtungen, allgemeines Bildungsniveau
und Beweggründe menschlichen Handelns. Es dürfte nützlich sein, zunächst einmal diese Faktoren einzeln kurz unter dem Gesichtspunkt zu
erörtern, daß sie alle auch eng miteinander in Wechselbeziehung stehen.
Bevölkerung
Die Weltbevölkerung zählt heute etwa drei Milliarden und nimmt
gegenwärtig um schätzungsweise 120 000 Menschen täglich zu. Nach den
statistischen Darstellungen von Publikationen der Vereinten Nationen
ergibt die Kurve des Wachstums der Weltbevölkerung offenbar eine Exponentialfunktion - das heißt, sie steigt immer steiler an. Nach
Schätzungen der Vereinten Nationen dürfte die Weltbevölkerung, die im
Jahre 1900 etwa 1,6 Milliarden Menschen zählte, bis zum Jahre 2000
auf mehr als sechs Milliarden anwachsen (Tabelle 1 ) . Um die Bedeutung
dieses Anwachsens ins rechte Licht zu rücken, sei hier erwähnt, daß
die Weltbevölkerung seit 1940 um etwa 1,3 Milliarden Menschen zugenommen hat. Dieser Zuwachs, der sich innerhalb der kurzen Zeitspanne
von 23 Jahren vollzog, ist größer als die für das Jahr 1800 geschätzte Gesamtbevölkerungsziffer der Welt. Bei der gegenwärtigen Zuwachsrate und unter der Voraussetzung, daß keine Katastrophe eintritt, ist
zu erwarten, daß sich die Zahl der auf der Erde lebenden Menschen
während des kommenden Jahrhunderts verdreifacht.
Das

- 3 -

�Das Phänomen des Ansteigens der Y/eltbevölkerungszif f er mußte
in zunehmendem Hasse die Aufmerksamkeit auf das Problem lenken, wie
der zukünftige Bedarf an Grundstoffen zu decken ist. Man hat häufig
angenommen, daß der Bedarf an Hilfsquellen gemäß dem Bevölkerungszuwachs steigt, und daß es deshalb die große Aufgabe der Zukunft
sein werde, immer wieder Hilfsquellen zu erschließen, um mit dem
Bevölkerungszuwachs Schritt zu halten. Es zeigt sich ständig deutlicher, daß die Aufgabe noch viel größer ist, als man zunächst angenommen hat •
Der Verbrauch an Rohstoffen nimmt nicht nur mit der wachsenden Bevölkerungszahl, sondern auch mit den steigenden Ansprüchen der
Völker zu. Ohne Frage ist der Verbrauch bei den einzelnen Grundstoffen verschieden groß, und bei einigen zeigt sich sogar ein Rückgang.
Aber die Menschen in aller Welt werden immer anspruchsvoller, reisen
mehr, sie werden immer aktiver und haben somit einen ständig wachsenden Bedarf an neuen Dienstleistungen und Produkten. Ganz allgemein macht sich - allerdings mit unterschiedlichem Erfolg - das
Streben nach einem höheren Lebensstandard bemerkbar. Die Bedeutung
dieser Tendenz zeigt sich am augenfälligsten an der Beanspruchung
der Energiequellen, worauf später noch näher eingegangen wird.
Industrie und Verteilung der Produkte basierten bisher auf der
allgemeinen Konzeption begrenzter Märkte und reichlichen Materialangebots. Einige Wirtschaftler behaupten nun, daß die schnelle Zunahme der Konsumenten und des Bedarfs auf der Veit, im Verein mit
den von Natur aus begrenzten Hilfsquellen, bedeuten könnte, daß
sich die Wirtschaft in Zukunft auf unbegrenzte Märkte und Llaterialverknappung werde einrichten müssen. Es dürfte klar sein, daß es
Änderungen geben wird, aber es ist nicht so sicher, daß .sich die
Änderungen in dieser Richtung vollziehen. Lassen Sie uns nun andere
Faktoren betrachten, die das Gesamtbild beeinflussen werden.
Natürliche Hilfsquellen
Die natürlichen Hilfsquellen der Erde reichten bisher aus, um
mit dem notwendigen Einsatz von Arbeitskräften den Bedarf der Welt
zu decken. Unser industrieller Fortschritt ist durch gefährliche
Verknappungen nicht aufgehalten worden. Und dies, obwohl die natürlichen Hilfsquellen in den letzten Jahrzehnten eine ständig

-4

�ständig wichtigere, ja sogar eine dramatische Rolle im V/irtschaf tswachstum spielten.
Es würde sehr viel Zeit kosten, wollte man die Probleme und die
künftigen Aussichten jeder einzelnen der zahlreichen Formen von natürlichen Hilfsquellen, ja seihst nur der großen Gruppen der regenerierbaren und der nicht regenerierbaren Hilfsquellen erörtern.
Aus diesem Grunde wollen wir unsere Aufmerksamkeit auf einige bemerkenswerte Beispiele und vor allem auf die Bodenschätze konzentrieren.
Nach den uns vorliegenden Informationen scheinen sich hinsichtlich der Verfügbarkeit von regenerierbaren Hilfsquellen, von denen
wir bei Produkten wie Lebensmitteln, Naturfasern und Arzneipflanzen
in so hohem Maße abhängig sind, keine Probleme für uns zu ergeben,
die zwangsläufig das V/irtschafts- und Bevölkerungswachstum einschränken würden, selbst wenn wir die Verhältnisse um das Jahr 2000
und die Zeit danach ins Auge fassen. Y/ir können sogar erwarten, daß
es auch in Zukunft Probleme von Überproduktion geben wird. Große
Fortschritte sind in der Landwirtschaft erzielt worden. Im Jahre
1820 konnte in den Vereinigten Staaten ein Landarbeiter den Lebensmittelbedarf von etwa vier Personen decken; im Jahre 1962 sicherte
ein in der Landwirtschaft Beschäftigter durch seine Arbeit die Versorgung von 28 Personen mit Lebensmitteln. Würde der Stand der Landwirtschaft, der dies ermöglichte, überall in der Veit erreicht, und
wären die hierfür benötigten Energie- und Düngemittelmengen verfügbar, dann würden die Hilfsquellen an Lebensmitteln und Naturfasern
genügen.
Die Welt hat seit dem Jahr 1900 weit mehr Mineralien verbraucht
als in ihrer gesamten Geschichte zuvor (Tabelle 2 ) . Unsere Zukunft
hängt in hohem Maße davon ab, daß sie auch weiterhin verfügbar sind.
Eine Lösung für das Problem, die Versorgung mit Mineralien sicherzustellen, bestand zunächst in der Entdeckung neuer Hilfsquellen in
dem uns zugänglichen Bereich - wodurch der erhöhte Bedarf auf lange
Zeit hinaus gedeckt wurde. Ja, selbst noch im Jahre 1920 gab es erst
etwa 18 industrielle Rohstoffe, die auf dem V/eltmarkt in größeren
Mengen gehandelt wurden, und einige von ihnen waren nicht einmal Mineralien, sondern Produkte tropischen Ursprungs.
Heute

�Heute gibt es Hunderte von Industriemineralien und Rohstoffen
im Export- und Importgeschäft. Sie umfassen Erze von Metallen wie
Beryllium, Hafnium, Tantal, Titan und Zirkon, von denen vor nicht
allzu langer Zeit mit Ausnahme von Wissenschaftlern kaum jemand etwas wußte. Ein zunehmender Bedarf sowohl nach Mengen als auch nach
Sorten und Qualitäten hat dazu geführt, daß die Suche nach wirtschaftlich rentablen Materialquellen auf die fernsten Winkel der"
Erde ausgedehnt wurde. Dank bemerkenswerter Portschritte vor allem
in Geologie und Geophysik, in denen deutsche Wissenschaftler eine
führende Rolle spielten, waren die Forschungen außerordentlich erfolgreich. Es besteht aller Grund zu der Annahme, daß sie es auch
in Zukunft sein werden. Ein Beispiel ist Eisenerz - ein für Deutschland besonders interessanter Rohstoff, denn es muß einen großen Teil
des benötigten Eisenerzes importieren.
Die enorme Inanspruchnahme der wirtschaftlichen Eisenerzreserven während des zweiten Weltkrieges zwang viele Industrieländer,
neue Quellen zu erschließen. Das Problem wurde teilweise dadurch
gelöst, daß man auf bekannte Vorkommen geringer Ergiebigkeit zurückgriff, in der Hauptsache jedoch durch die Entdeckung neuer Vorkommen in anderen Gebieten. Umfangreiche Lager hochwertigen Eisenerzes wurden in Afrika, Asien, Australien, in Nord- und Südamerika
entdeckt und erschlossen. In Anbetracht dieser Entdeckungen schätzt
man heute den Eisengehalt der bekannten Weltreserven an Eisenerz,
das mit den üblichen Methoden erschlossen werden kann, auf 132 Milliarden Tonnen.
Das US-Eergbauamt schätzt die Weltproduktion an Stahl für das
Jahr 1962 auf 36O Millionen Tonnen, von Eisenerz auf 500 Millionen
Tonnen. Bei dieser Inanspruchnahme sind die bekannten Weltreserven
an Eisenerz viele Male größer als, soweit man voraussehen kann, der
Bedarf bis zum Jahr 2000 jemals sein wird. Darüber hinaus stehen
wir erst am Beginn der technologischen Weiterentwicklung, die notwendig ist, um minderwertige Eisenerze anzureichern und zu verwenden.
Eine weitere Lösung für unseren ständig steigenden Bedarf an
Materialien, insbesondere an Metallen, ergibt sich aus der Wiederverwendung von Abfall- und Altmetall oder Schrott. Von den
- 6-

�den Bodenschätzen geht durch die wirtschaftliche Nutzung nur sehr
wenig verloren. Wir tun im Grunde nicht viel mehr als bei ihnen
Erscheinungsform und Standort zu verändern; am Ende des Kreislaufs
steht die Rückgabe an die Erde oder die vorläufige Lagerung auf
Schrottplätzen, wie es in Industrieländern üblich ist

(Tabelle 4 ) .

Ein Zweites Schlüsselmetall der Industrie ist Kupfer. Die Weltproduktion an Hüttenkupfer im Jahre 1962 wird vom US-Bergbauamt auf
etwa 5 Millionen Tonnen geschätzt. Die Weltreserve an handelsüblichen
Erzen nähert sich 10 Milliarden Tonnen, die etwa 200 Millionen Tonnen
Kupfer enthalten. Viele Vorkommen mit hochwertigem Erz sind erschöpft,
und einige, deren Abbau sich

jetzt noch rentiert, haben im Durch-

schnitt eine Ergiebigkeit von weniger als 0,75 Prozent Kupfer
(Tabelle 3 ) . Auch die Verwendung von Altkupfer nimmt zu; in den Vereinigten Staaten trägt es jetzt fast zu 25 Prozent zu dem Ausstoß
an neu erschmolzenem Kupfer bei. Die Bedeutung von Altmetall und
Schrott ist aus der Tatsache ersichtlich, daß beispielsweise in den
USA die Gesamtmenge des in Gebrauch stehenden Kupfers ungefähr ebenso
groß ist wie die Kupferreserven in den Vorkommen auf amerikanischem
Boden.
Eine weitere Lösung für unseren Materialbedarf ergibt sich aus
der Verwendung von Ersatzstoffen. In der Erdrinde sind viele Elemente
in weit größerer Menge als Eisen vorhanden, aber sie werden heute nicht
im gleichen Ausmaß wie Eisen gebraucht. Dafür ist Aluminium ein Beispiel. Deutschland war ein Pionier in der Gewinnung und Anwendung dieses Leichtmetalls.
Aluminium ist in der Erdrinde nahezu doppelt so häufig wie Eisen
und etwa I200mal häufiger als Kupfer. Aluminium kann mit Eisen und
Kupfer in vielen Anwendungsbereichen konkurrieren. Die Weltproduktion
an metallischem Aluminium wird für 1962 auf etwa 5 Millionen Tonnen geschätzt. Der Aluminiumgehalt der V/eltvorkommen an Bauxit, der heute
in der Aluminiumproduktion fast ausschließlich als Rohstoff dient,
wird auf gut über eine Milliarde Tonnen geschätzt. Darüber hinaus
könnten noch sehr große Mengen von Aluminium aus Tonerden und anderen
Mineralien von niedriger Aluminiumkonzentration gewonnen werden. Wir
sehen also, daß ein ausreichend großes Angebot auch zur Deckung des

-

7 -

�des künftigen Bedarfs an Aluminium bis weit in das nächste Jahrhundert hinein vorliegt.
Die Möglichkeiten, Ersatz- oder Austauschstoffe zu verwenden,
sind auf dem Gebiet der Eisenlegierungsmetalle besonders groß; keine
Industrienation ist in dieser Hinsicht völlig autark. Die Reserven
der freien Welt an Erzen für Ferrolegierungsmetalle sind sehr groß,
aber die Lage der Vorkommen im Verhältnis zu den Zentren des größten
Verbrauchs läßt viel zu wünschen übrig. Glücklicherweise sind im Vergleich zu Eisen nur sehr kleine Mengen solcher Metalle erforderlich,
um die vielen Sorten und Qualitäten von Stahl herzustellen. Darüber
hinaus gibt es zahlreiche Ausweichmöglichkeiten, um ein bestimmtes
Ergebnis zu erzielen. Folglich scheint es klar, daß unser künftiger
Bedarf an Legierungsmetallen für Eisen zu einem erträglichen Preis
gedeckt werden kann - vorausgesetzt, daß wir einen internationalen
Markt halten können, zu dem alle Nationen freien und gleichen Zugang
haben •
Energie
Während sich die Weltbevölkerung bis gegen Ende dieses Jahrhunderts etwa verdoppeln dürfte, wird der Weltenergiebedarf auf das
Fünffache anwachsen, d.h. der Energieverbrauch pro Kopf wird auf das
Zweieinhalbfache des heutigen Standes steigen. Man schätzt, daß der
Weltverbrauch an fossilen Brennstoffen von 196O bis 2000 dreimal so
groß sein wird, wie der gesamte Energieverbrauch bis zum heutigen
Tage. Um den Energiehunger dieser vierzig Jahre zu stillen, ist ein
Energieaufkommen erforderlich, das 435 Milliarden Tonnen Kohle entspricht .
Wenn wir von Energie sprechen, meinen wir heute noch in erster
Linie die fossilen Brennstoffe - Kohle, Erdöl und Erdgas. Die Wasserkraft deckt nur einen kleinen Bruchteil des Gesamtenergiebedarfs.
Andere natürliche Energiequellen - Sonnenstrahlen, Wind sowie geothermische und Gezeitenkraftwerke - können aus begreiflichen Gründen im
Rahmen dieser Erörterung unberücksichtigt bleiben. Auf die Kernenergie werden wir später noch zu sprechen kommen.
Die

-

8

-

�Die Weltkohlevorräte sind groß genug, um den zu erwartenden
Energiebedarf der Welt weit über das Jahr 2000 hinaus decken zu können. Einer vorsichtigen Schätzung des US-Bundesamtes für Geologische
Bestandsaufnahme zufolge betragen die abbaufähigen Weltkohlereserven
von bisher bekannten Lagerstätten unter Berücksichtigung der durch
zu geringe Mächtigkeit und zu große Tiefenlage der Flöze gezogenen
Grenzen 2,32 Billionen Tonnen. Damit kann nicht nur der genannte
Weltenergiebedarf der Zeit von i960 bis 2000, der 435 Milliarden
Tonnen Kohle entspricht, sondern auch der Gesamtbedarf von fast weiteren hundert Jahren unter Zugrundelegung einer Verbrauchsrate gedeckt
werden, wie sie für das Jahr 2000 vorausgeschätzt wird. Ich darf Sie
darauf hinweisen, daß diese Ziffer weder die Kohlereserven in bisher
unentdeckten, noch die in bereits bekannten, aber zu tief gelegenen
Lagerstätten einschließt. Nach einer zweiten Schätzung des Geologischen
Bundesamtes der USA, in der die Entdeckung neuer Vorkommen vorausgesetzt wird, liegt die Gesamtmenge sogar noch siebenmal höher.
Die Inanspruchnahme von Erdöl und Erdgas beim Weltenergieverbrauch
ist in den vergangenen Jahrzehnten selbstverständlich immer größer geworden. Obwohl unsere riesigen Kohlereserven notfalls diese Brennstoffe in mehr als ausreichendem Maße ersetzen

könnten, bleibt doch

die Tatsache bestehen, daß Erdöl und Erdgas aus Kosten- und Transportgründen sich immer größerer Beliebtheit erfreuen (Tabelle 10).
Die bisher erfaßten und "bestätigten" Rohölvorkommen belaufen sich
gegenwärtig auf insgesamt 320 Milliarden Barrels, das entspricht dem
Energiewert von 56 Milliarden Tonnen Kohle. Diese Zahl bedarf jedoch
wegen der unterschiedlichen Auslegung des Begriffs "bestätigte" Reserven der näheren Erläuterung. Uns interessieren hier indes nicht so
sehr die "bestätigten" als vielmehr die "höchstmöglichen" Reserven.
Hierfür gibt es, wie bei der Kohle, eine ganze Skala von Schätzzahlen.
Wenn wir von den Extremwerten authentischer Schätzungen ausgehen, so
würden die höchstmöglichen Rohölreserven der Welt mindestens 1,25
Billionen, jedoch nicht mehr als 4 Billionen Barrels betragen.
Auf diesen beiden Schätzungen basieren auch Angaben über die
höchstmöglichen Reserven an Erdgas. In Steinkohleeinheiten ausgedrückt, belaufen sich die höchstmöglichen Vorräte an Erdöl und Erdgas

- 9 -

�Erdgas zusammen euf mindestens 535 Milliarden,

im Höchstfalle

auf 1,62 Billionen Tonnen. Bei dem niedrigen Schätzwert sind die
mit Sicherheit zu erwartenden Verbesserungen in der Fördertechnik
unberücksichtigt geblieben; dennoch übersteigt diese Zahl den für
die Zeit von 196O bis 2000 auf 435 Milliarden Tonnen geschätzten
Gesamtenergiebedarf der Welt um 100 Milliarden Tonnen.
Obwohl mit ausgedehnten Lagerstätten von Qualitätskohle gesegnet, hat Deutschland in der Vergangenheit nur einen Bruchteil seines Bedarfs an Erdöl und Erdgas selbst erzeugt und ist jetzt dabei,
sich eine bessere Position für die Zukunft zu schaffen. In den Gewässern vor der deutschen TTordseeküste, in einem Gebiet, das sich an
die riesigen neuentdeckten holländischen Erdgasfelder anschließt,
arbeiten deutsche und amerikanische Firmen gemeinsam an vielversprechenden Erschließungsvorhaben.
Die derzeitigen hohen Schätzwerte für die fossilen Brennstoffvorräte sind beruhigend; dennoch lehren die bisherigen Erfahrungen,
daß sie sich wahrscheinlich weiter erhöhen werden. In dem Maße, in
dem der Bedarf weiter stieg, die Technik sich weiterentwickelte und
neue Lager entdeckt wurden, konnten auch die schon optimistisch
erscheinenden Schätzungen über die höchstmöglichen Reserven ständig
nach eben hin revidiert werden. Es besteht kein Grund zu der Annahme,
daß das in Zukunft anders sein wird.
Hinzu kommt noch, daß wir unsere Betrachtung bisher ausschließlich auf Kohle, Erdöl und Erdgas beschränkt haben. Wir haben die
riesigen Ölschiefer- und Teersandvorkommen, zwei praktisch noch
unausgebeutete Energiequellen mit gewaltigen Entwicklungsmöglichkeiten, noch völlig unberücksichtigt gelassen. Man schätzt, daß die
Ölschieferlager der Vereinigten Staaten allein einem Energiepotential
von 250 Milliarden Tonnen Kohle entsprechen. In anderen Teilen der
Welt gibt es noch weit größere Ölschieferlager.
Selbst wenn man die vorsichtigsten Schätzungen zugrunde legt,
wird deutlich, daß die Weltreserven an fossilen Brennstoffen mehr
als ausreichen, um den zu erwartenden steigenden Bedarf im gesamten
20. Jahrhundert und im größten Teil des 21. Jahrhunderts zu decken.
Diese Feststellung steht in krassem Gegensatz zu der in den ersten

-

10

-

�ersten Nachkriegs jähren vorherrschenden Ansicht, daß sich die
Weltbrennstoffreserven schnell erschöpften.
Es ist überhaupt unwahrscheinlich, daß wir unsere fossilen
Brennstoffreserven jemals ganz aufbrauchen könnten. Bis es einmal
soweit wäre, dürfte die Atomenergie die fossilen Brennstoffe als
Hauptenergiequellen schon weitgehend abgelöst haben. Die Weltreserven an nuklearen Brennstoffen lassen in bezug auf ihren Energiegehalt die riesigen Reserven an fossilen Brennstoffen wirklich zwergenhaft erscheinen. Das US-Bundesamt für Geologische Bestandsaufnahme
schätzt, daß die Uranlager der Vereinigten Staaten 2,1 bis 6,9
Billionen Tonnen Kohle äquivalent sind. Dabei sind die Thorium-Reserven, deren Energiegehalt wahrscheinlich noch größer ist als bei
Uran, noch gar nicht berücksichtigt.
Setzt man allein diese geschätzten Reserven an nuklearen Grundstoffen in den Vereinigten Staaten in Relation zu dem gesamten Weltbedarf, so ergibt sich das Bild fast unbegrenzter Energiequellen.
Noch günstiger sind die Aussichten, wenn man in Rechnung stellt, daß
es uns wohl doch eines Tages gelingen wird, mit Hilfe der kontrollierten Kernverschmelzung auch die Energie des schweren Wasserstoffs aus
den Weltmeeren zu verwerten.
Obgleich der Bedarf ständig zunimmt, setzt sich auch immer mehr
die Erkenntnis durch, daß die wichtigen natürlichen Hilfsquellen sich
wohl niemals wirklich erschöpfen. Wir werden uns mehr und mehr der
Rolle bewußt, die Naturwissenschaft und Technik bei der Lösung unserer
Energie- und Rohstoffprobleme spielen, ebenso der Bedeutung der Forderung, in jedem Stadium unserer industriellen Entwicklung die wirtschaftlichen Hilfsquellen in größtmöglichem Umfang und auf die rentabelste Weise zu nutzen. Gleichzeitig mehren wir durch neue Anlagen,
Institutionen und Erkenntnisse, die alle zur Sicherung einer ausreichenden Rohstoffversorgung in der Zukunft beitragen können, den
Wertbestand.
Wissenschaft und Technik
Ich möchte nun kurz die Auswirkungen von Wissenschaft und Technik auf die natürlichen Hilfsquellen untersuchen. Wissenschaft, Technik und Erfindungen haben eine Schlüsselrolle dabei gespielt, daß

-

11

�daß der Mensch in die Lage versetzt wurde, die ihm zugänglichen
Hilfsquellen besser zu nutzen. Manche der großen Erfindungen aus
der jüngeren Vergangenheit, wie die Dampfmaschine, die Lokomotive,
das Automobil, Funk und Fernsehen und das Flugzeug, sind Beispiele
hierfür.
Wenige neue wissenschaftliche Entdeckungen wirken sich sogleich
auch auf die Lebensverhältnisse aus. Die meisten der großen Erfindungen und deren Anwendungen sind, von der noch unbewiesenen Theorie
oder von Entdeckungen auf verwandten Gebieten der Grundlagenforschung
an gerechnet, erst im Verlauf von Jahren herangereift. Im Durchschnitt vergehen heute von den ersten Anfängen neuer Fortschritte in
der Technik bis zu greifbaren gesellschaftlichen Auswirkungen ungefähr 25 bis 50 Jahre. Neben ganz natürlichen Hindernissen zählen zu den
Faktoren, die zu einer derartigen Verzögerung beitragen, die natürliche Trägheit des Menschen mit seinem Festhalten an alten Gewohnheiten, Vorurteile, Phantasielosigkeit, Schwierigkeiten im Zustandebringen gemeinsamer Aktionen sowie der in der Wirtschaft bestehende Widerwille dagegen, veraltete Betriebsausrüstungen zum alten Eisen zu
werfen, um so neuen Verfahrensweisen den Weg zu ebnen.
Trotz solcher Hemmnisse lernen wir jedoch mit Hilfe der Wissenschaft und Technik nicht nur immer besser, die Rohstoffe, die uns
unsere Welt bietet, aufzufinden und auszubeuten, sondern auch neue
Anwendungsmöglichkeiten für sie zu erschließen, In der Tat bestimmt
dieser Erfahrungs- und Wissensechatz weitgehend unseren Begriff davon, welche Bodenschätze nützlich sind. Das Metall Titan beispielsweise ist seit langem bekannt; aber erst 1948 begann es ein nützliches
Element zu werden, als man es erstmals aus seinen hochschmelzenden
Erzen zu raffinieren vermochte, so daß sich ein Titanmarkt entwickeln
könnte.
Mit Hilfe der Technik verdrängten Kohle, später öl und Erdgas,
Holz immer mehr als wichtigste Wärmequelle. Die Technik zeigt jetzt
den Weg zu größerer Nutzbarmachung so häufiger Elemente wie Silizium,
Magnesium, Titan etc., deren gegenwärtige Anwendung' in keinem Verhältnis zu ihrer tatsächlichen Häufigkeit steht. Es gibt noch zahlreiche andere Möglichkeiten, die auf weitere Erschließung warten. So

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-

�So könnten z.B. große Mengen Thorium aus unergiebigen Erzen angereichert werden, und auch Aluminium ist überall in Tonerden reichlich vorhanden - aber wir brauchen neue Methoden der Anreicherung,
des Abbaues und der Extrahierung, um solche Bodenschätze wirtschaftlich zu nutzen. Wissenschaft und Technik, zeigen uns, wie Metalle
nicht nur durch Raffination, sondern auch durch Legieren mit anderen Elementen verbessert werden können. Dieser Prozeß bewirkt in
gewisser Weise eine Konservierung, denn er streckt die vorhandenen
Vorräte und läßt das gleiche Ergebnis mit geringeren Rohstoffmengen
erreichen.
Stahl ist für diese Entwicklung ein gutes Beispiel, Noch vor
einigen Jahrzehnten lag die Zugfestigkeit der handelsüblichen Stahlsorten bei 55 kg/mm , und Werkzeugstahl konnte in Gütegraden von
o
140 kg/mm geliefert werden. Heute sind handelsübliche Stähle mit
2
einer Zugfestigkeit von 140 kg/mm

erhältlich, und bei Werkzeug-

stählen werden sogar die doppelten Festigkeitswerte erreicht. Hierdurch verringern sich die Stahlmengen ganz erheblich, die für einen
bestimmten Zweck benötigt werden, und noch immer gibt es Möglichkeiten für weitere Verbesserungen. Die theoretisch höchstmögliche Zugfestigkeit von Stahl liegt weit über 700 kg/mm . Die gegenwärtigen
Forschungen mit Haarkristallen und die Entwicklung von Metallen
höchsten Reinheitsgrades mit Hilfe der sogenannten Zonenschmelzprozesse verheißen sogar noch viel größere Fortschritte, um schließlich zu derart hohen Festigkeitswerten zu gelangen.
Wissenschaft und Technik geben uns größere Freiheit in der
Auswahl von Materialien, die Gestalt und Wesen unserer zivilisatorischen Errungenschaften mitbestimmen. Entwicklungen aus jüngster
Zeit führten dazu, daß jetzt ein Metall wie Niob mit seinen einzigartigen Eigenschaften bei extremen Temperaturen, ferner das besonders
korrosionsfeste und leichte Titan sowie Beryllium, das nicht nur zu
den Leichtmetallen zählt, sondern überdies einen doppelt so hohen
Schmelzpunkt wie Aluminium besitzt, in Gebrauch kamen. Verfahren,
solche Materialien durch Schichtung, Legieren, Sprühen, Plattieren
oder Verstärkung miteinander zu verbinden oder sie als Überzugsmaterial zu benutzen, bringen eine derartige Vielfalt neuer nützlicher

-

13

-

�nützlicher Stoffe hervor, daß es selbst für den Konstrukteur
schwierig wird, sich angesichts der großen Auswahl an neuen Werkstoffen für einen bestimmten zu entscheiden.
Die Weiterentwicklung der Verfahrenstechnik ermöglicht die Ausbeutung von Erzen an bisher unzugänglichen Lagerstätten und aus
größerer Tiefe. Der vielleicht bedeutendste Beitrag von Wissenschaft
und Technik zur Lösung unserer Rohstoffprobleme dürfte jedoch in der
Verheißung liegen, nützliche Werkstoffe von weniger hochwertigen
oder gar minderwertigen Erzen zu bekommen, die früher als unwirtschaftlich betrachtet wurden. Am Anfang verwerteten wir nur die
hochwertigen Mineralien, aber wir sahen uns in zunehmendem Maße
gezwungen, auf Rohstoffe geringerer Qualität zurückzugreifen. Dafür
ist Kupfer ein ausgezeichnetes Beispiel. Der Mensch entdeckte zuerst
das gediegene Metall - aber jetzt werden bereits Erze abgebaut, die
weniger als ein Prozent Kupfer enthalten.
Man sollte annehmen, daß dieser Trend mehr finanzielle Aufwendungen erfordert - aber ganz im Gegenteil, der Preis pro Einheit für
die wichtigsten Industrie-Rohstoffe wie Kupfer, Eisen, Zement und
Brennstoffe ist unter Zugrundelegung eines festen Geldwertes gleichgeblieben oder sogar abgesunken. Am Industriearbeiterlohn gemessen
sind die positiven Auswirkungen solcher Errungenschaften sogar noch
eindrucksvoller. In den Vereinigten Staaten ist heute als Folge
technischer Fortschritte für den Gegenwert einer Arbeitsstunde die
sechsfache Menge von Kupfer oder Erdöl und die doppelte Menge von
Kohle oder Zement als im Jahr 1900 erhältlich.
Die steigende Nachfrage nach besseren Konstruktionsmaterialien
wird zum Teil durch neue Synthesewerkstoffe gedeckt. Die Erforschung
des chemischen Aufbaus organischer Verbindungen gab dem Menschen
neue Möglichkeiten an die Hand, Stoffe zu manipulieren. Fast täglich
erscheinen Kunststoffe und KohlenstoffVerbindungen mit immer neuen
und besseren Eigenschaften auf dem Markt. Professor Karl Ziegler,
det gestern erst den Nobelpreis für seine Arbeiten zur Chemie und
Technologie der Hochpolymere entgegennahm, ist einer unter zahlreichen
Deutschen, die für entscheidende Beiträge auf diesem Forschungsgebiet
ausgezeichnet wurden.

_ ,
Werks tolle
-

14

-

�Werkstoffe auf der Basis von Siliziumverbindungen wie Glas
und spezielle keramische Stoffe mit höheren Elastizi tütsv.cr tun und
größerer Warmfestigkeit sind in Entwicklung bzw. finden bereits
praktische Anwendung. Es dürften der Menschheit somit schon bald zwei
große Gruppen von Werkstoffen zur Verfügung stehen, die beide in gleich
großen Mengen vorhanden, beide vielfältig verwendbar sind; sie ergänzen einander und lassen sich kombinieren, wobei die eine Gruppe
auf Metallen und die andere auf Silizium und Kohlenstoff basiert.
Der Gehalt der Erdkruste an Silizium und Kohlenstoff zusammengenommen ist etwa ebenso groß wie ihr Gehalt an Metallen. Die Erzvorkommen aber sind weit und ungleichmäßig über die Erde verteilt,
und in manchen Teilen der Welt sind sie sogar ausgesprochen selten
anzutreffen. Die Anwendung von Kombinations- und Synthesewerkstoffen
ist in den Vereinigten Staaten bereits soweit gediehen, daß ihre Produktion heute schon ungefähr so groß i3t wie die Gesamterzeugung an
Metallen -Eisen und Stahl ausgenommen.
In unseren Forschungslaboratorien haben wir in den letzten Jahren gelernt, neue Atome aufzubauen und auf diese V/eise Elemente umzuwandeln. Jede großtechnische Nutzung dieser Erkenntnisse wird einen
sehr hohen Energieaufwand erfordern - einen Energieaufwand, der in
jedem Falle so hoch ist, daß er nur durch Erschließung der Kernenergie oder anderer Energiequellen höherer Ordnung zu bestreiten sein
wird. Selbst bei vorsichtiger Vorausbeurteilung der Entwicklung kann
man erwarten, daß es dem Menschen gelingen wird, seine Materialsorgen
eines Tages durch den Aufbau neuer Atome zu lösen, sobald er erst gelernt hat, Kernenergie in einem Ausmaß unter Kontrolle zu bringen,
das man heute nur erahnt. Ich möchte nicht riskieren, einen Zeitpunkt
zu nennen, an dem d'*..n der Fall sein wird. Fest steht aber, daß Professor
Jensen von der Universität Heidelberg, der gestern für seinen Beitrag
zur Theorie der Schalenstruktur des Atomkerns ebenfalls den Nobelpreis entgegennahm, Vorbild und Ansporn für buchstäblich Tausende
von Wissenschaftlern sein wird, auf dem gleichen Gebiet zu arbeiten.
Es dürfte klar sein, daß Materialfragen in Zukunft eine immer
wichtigere Rolle spielen, da die Märkte kontinuierlich expandieren
und unser Bedarf an Stoffen immer höheren Reinheitsgrades und an einer

-

15

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�einer ständig wachsenden Vielfalt immer komplizierterer Produkte
laufend größer wird. Die Materialforschung wird überdies um so mehr
zu einer vordringlichen Aufgabe, als der Stand der Ingenieurkunst
in einer größeren Vielfalt von anorganischen und organischen Feststoffen, Flüssigstoffen und Gasen Ausdruck findet. Die Bemühungen
um Kostensenkung und die Schaffung hochwertiger Produkte dürften
dazu zwingen, die physikalischen Eigenschaften der Stoffe bis zum
äußersten auszuschöpfen. Diese Art fachmännischen Wissens und Könnens
in der Nutzbarmachung der Stoffe zu erlangen muß in der Technik von
heute und von morgen eines der Hauptziele sein. Die Verwirklichung
dieser Zielsetzungen aber hängt von Forschung und Entwicklung ab.
In jüngster Zeit haben viele ihre Sorge über den Mangel an
greifbaren Vorteilen staatlicher Forschung für die Industrie und
Wirtschaft im allgemeinen zum Ausdruck gebracht. In vielen Fällen
wird behauptet, daß der sekundäre Nutzen, welcher der Wirtschaft aus
der Verteidigungs- und Raumfahrtforschung erwächst, nur ein Mythos sei.
Tatsächlich werden gegenwärtig relativ wenig neue wissenschaftliche
Erkenntnisse von grundlegender Bedeutung, die sich aus den Verteidigungsund Raumfahrtforschungsprogrammen ergeben, der kommerziellen Nutzung
zugeführt. Marktlage und Nachfrage stehen jedoch nicht unbedingt
in Beziehung zur weiteren Entwicklung dieser Programme. Forschung
und Entwicklung auf dem Gebiet des Verteidigungswesens mit der Produktion kommerzieller Erzeugnisse zu verknüpfen, ist ein wichtiges
Problem für sich. Setzt man sich mit ihm auseinander, so erweisen
sich Erziehungswesen und Berufsbildung als eine der schwierigsten
Hürden. Viele der neuen Ideen, die für die Verteidigungs- und Raumfahrtprogramme entwickelt wurden, fallen sogar in die Grenzbereiche
der Naturwissenschaft, so daß hochqualifizierte Spezialisten benötigt
werden. Solange diese Spezialisten mit ihren unmittelbaren Aufgaben
befaßt sind, können sie zu der noch größeren Aufgäbe,nämlich Forschungsergebnisse in kommerzielle Produkte und Verfahren

umzu-

setzen, nichts beitragen.
Eine mögliche Lösung besteht darin, Erziehung
in die Fabrik

und Berufsbildung

hineinzutragen. Dieser Gedanke ist keineswegs

-

16

-

�keineswegs unrealistisch.. Neue technologische Fortschritte verringern den Bedarf an ungelernten Arbeitskräften. Je mehr die Produktivität durch den Einsatz von mehr Energie und die Anwendung neuer
Erkenntnisse und Methoden steigt, desto weniger Zeit ist für die
Arbeit am Fließband und desto mehr dafür erforderlich, sich mit den
neuesten technischen Entwicklungen vertraut zu machen. Dabei wird
ständig mehr Wert auf Fachwissen gelegt.
Sowohl die Industrie als auch der Staat müssen erkennen, daß
Forschung, Erziehung und Berufseusbildung kein Luxus mehr sind, den man
nur aus Mitteln des Gewinns bestreitet, sondern Geschäftsunkosten,
die auch als solche behandelt werden sollten. Änderungen der "Verfahrenstechnik als Folge neuer technologischer Fortschritte mehren
sich und können eine solche Dynamik erlangen, daß Fortbildung und
Umschulung vielleicht einmal der wichtigste Lohnkostenfaktor der
Zukunft sein werden. Schon heute neigt man zu der Auffassung, daß
der Forschungsprozeß enger mit Arbeitnehmer- und Betriebsproblemen
verknüpft werden müßte. Folglich stellen Anwendung und Nutzung der
wirksamsten Verfahren und Erziehungsmethoden die denkbar besten Investitionen für die Zukunft dar. Die Dividenden werden sich daraus
ergeben, daß beim Arbeitnehmer neues Interesse und neue Freude am
Beruf geweckt werden, sowie aus Möglichkeiten zur Beschleunigung der
Anwendung neuer Techniken - und dies um so mehr, je geringer der
Bildungsunterschied zwischen Arbeitern und Führungskräften ist.
Organisatorische Voraussetzungen
Meiner Ansicht nach bilden in der Nutzbarmachung der natürlichen
Hilfsquellen weder die Größenordnung der Vorkommen noch die Fortschritte in der Methodik ihrer Gewinnung und Verwendung Schlüsselfaktoren, sondern die Organisationsformen, die Volk und Staat entwickeln, um den Gesamtprozeß der Erschließung und Vermarktung unserer Hilfsquellen erfolgreich zum Ziel zu führen. Wie bereits gesagt,
kann es durchaus sein, daß eine Nation mit einem begrenzten natürlichen Reichtum, aber einem leistungsfähigen Wirtschaftssystem einen
hohen Entwicklungsstand erreicht, während eine andere mit eben den
selben natürlichen Hilfsquellen an dieser Aufgabe scheitert. Der
Schutz des Privateigentums, die Steuer- und Handelspolitik, Gewinn-

-

17

-

�Gewinnanreize, Konservierungsmaßnahmen,'der Stand des Verkehrswesens und das Ausmaß staatlicher Wirtschaftstätigkeit und Lenkung

- sie alle sind von ausschlaggebender Bedeutung für die

Fähigkeit einer Gesellschaft, vorhandene Energie- und Rohstoffquellen im größtmöglichen Umfang zu nutzen.
Diese Faktoren staatlicher Politik und wirtschaftlicher Organisation sind auf internationaler Ebene von noch größerer Bedeutung.
Die Erschließung von Rohstoffen in Afrika z.B., die schließlich für
die Verwendung in einem deutschen Fertigprodukt bestimmt sind,
schafft eine lange Kette vielfach

verflochtener wirtschaftlicher,

zwischenstaatlicher und menschlicher Beziehungen. Sie beginnt beim
Besitzer der Rohstoffquelle. Sofern er Privateigentümer ist, wird
er an einem vernünftigen und stabilen Preis bei beständiger und
voraussehbarer Nachfrage interessiert sein und seine Besitzrechte
gewahrt wissen wollen. Neben den zahlreichen Zwischengliedern ist der
Endverbraucher zu nennen, der ebenfalls an Fragen wie Preis, Güte,
zuverlässiger Versorgung, Versicherungsschutz während des Transports
und tragbaren Zollbelastungen etc. nicht uninteressiert sein kann.
Es ist uns im großen und ganzen bisher immer gelungen, Mittel und
Wege zu ersinnen, den festen Zusammenhalt dieser Kette zu wahren.
Trotzdem sind uns allen Beispiele geläufig, in denen Politik oder
menschliches Versagen zu einer Unterbrechung des Warenflusses vom
Produzenten zum Verbraucher geführt haben.
Die Grundfaktoren des Erfolgs in der Schaffung der organisatorischen Voraussetzungen für die Erschließung von Hilfsquellen sind
nach meiner Überzeugung Freiheit und Zusammenarbeit. Ich bin sicher,
daß die Mehrzahl von Ihnen der gleichen Auffassung ist. Das "deutsche
Wunder" der letzten achtzehn Jahren wäre nicht möglich gewesen, hätte
man nicht - dem klassischen Begriff der "Arbeitsteilung" folgend die marktwirtschaftlichen Kräfte im Einsatz der verfügbaren Arbeitskräfte und Hilfsquellen als wichtigstes Regulativ wirksam werden
lassen, gemäßigt allerdings durch die Rücksichtnahme auf soziale
Gesichtspunkte und staatliche Maßnahmen, die Anreiz und Schutz ohne
Einmischung gewähren sollen. Nirgendwo hat dieser Versuch einer
Lösung der Probleme des 20. Jahrhunderts beredteren Ausdruck

-

18

-

�Ausdruck gefunden als in Bundeskanzler Erhards "Sozialer Marktwirtschaft" .
Im Gegensatz hierzu finden wir immer noch Länder, in denen
das Fehlen eines ausreichenden Rechtsschutzes, unnötige staatliche
Eingriffe oder produktionsfeindliche Steuergesetze alle Anstrengungen
zur Erschließung und Nutzbarmachung leicht zugänglicher Hilfsquellen
unterdrücken. Hoffnungen auf Privatinvestitionen in- und ausländischer
Kapitalgeber werden zunichte, wo nach Lage der Dinge adäquate öffentliche Finanzierungshilfen nicht verfügbar sind.
Selbst dort, wo ein günstiges Investitionsklima herrscht, ist
es vielfach der Mangel an Investitionskapital, fähige© Unternehmern und
Führunc3kr!ifton, der die Erschließung der Hilfsquellen unterbindet.
Hier müssen die Industrienationen ihre Unterstützung in Form von Privatinvestitionen oder, falls notwendig, in Form staatlicher Auslandshilfe zur Überwindung solcher Hindernisse leisten. Vielfach muß die
Investitionshilfe durch die Entsendung von Verwaltungskräften, Wissenschaftlern und Technikern ergänzt werden, soll sie erfolgreich sein.
Für die freie Welt ist es eine wichtige Organisationsfrage, Menschen
zu finden, die bereit sind, hinauszugehen, aber nicht minder wichtig
ist es auch, daß diese dort vorurteilslos aufgenommen werden. Dies
alles erfordert kooperative Bemühungen großen Stils seitens des einzelnen wie der Regierungen, soll das Gesamtvorhaben erfolgreich sein.
Auch politische Spaltungen können den Zugang zu Rohstoffen blockieren. Staaten mit totalitären Regierungssystemen richten häufig ihre
anfälligen Volkswirtschaften lieber nach den eigenen Märkten aus, anstatt sich nach den Märkten der freien Welt zu orientieren. Aus völlig
grundlosen Befürchtungen oder Vorurteilen heraus verwehren manche
Staaten oft gerade jenen das Recht auf Erschließung oder Vermarktung
ihrer Hilfsquellen, die als einzige willens und fähig wären, dies
unter realistischen, wirtschaftlichen und marktgerechten Bedingungen
zu tun.
In den meisten rohstoffordernden Industrien ist außer privatem
Kapital kein anderes verfügbar. Dabei setzen Investitionen der hier
erforderlichen Größenordnung - bei einem großen Kupferbergwerk beispielsweise bis zu einer halben Milliarde Dollar - ein hohes Maß
an Vertrauen auf Seiten der privaten ausländischen Wirtschaf1«interessanten in die künftige Politik des Erzeugerlandes voraus.

vi^a

�Eine Enteignung - oder die einer Enteignung gleichkommende
Regierungsmaßnahme - bringt die Kapitalquellen nicht nur für das
betreffende Land oder für die fragliche Industrie, sondern für alle
anderen Länder und Industrien zum Versiegen, wo ähnliche Gefahren
drohen. Ein solches Vorgehen könnte den Interessen aller»nämlich
der Bevölkerung des Erzeugerlandes, der Investoren und der Endverbraucher, völlig zuwiderlaufen, ja die Wirtschaft der gesamten freien
Welt lähmen. Es gibt Beispiele aus verschiedenen Teilen der Welt, wo
solche ungesunden Zustände lange Zeit bestanden - einfach deshalb,
weil das so leicht verletzbare Element des Vertrauens nicht vorhanden war.
Der Anreiz zu Handel und Investitionen muß nicht nur von den
Industriestaaten, sondern auch von den Entwicklungsländern selbst
ausgehen, die die wichtigen Rohstoffe erzeugen. Ihre "terms of trade",
d.h. die Relation zwischen den aus Exportgütern erlösten und für
Importgüter aufzuwendenden Preisen und die übrigen Handelsbedingungen
wie Zölle, Quoten und Meistbegünstigungen, müssen gleich sein. Andernfalls könnten ganze Gruppen von Ländern dazu gebracht werden, die
Märkte der freien Welt zu boykottieren - selbst wenn ihnen daraus
nur Nachteile erwachsen.
Wir sehen also, daß die organisatorischen Voraussetzungen
für die Entwicklung von Rohstoffquellen einen ungemein weiten Bereich der menschlichen und nationalen Beziehungen umfassen. Der
Ausbau leistungsfähiger Organisationen für eine zweckentsprechende
Entwicklung und Nutzung unserer natürlichen Hilfsquellen ist in der
freien Welt in einem sehr realen Sinn zur Basis für die Verbesserung
des Loses der Menschen geworden. Wir alle haben daher ein lebhaftes
Interesse an der Fortsetzung ihrer erfolgreichen Tätigkeit. Es
muß unser Ziel und unsere Aufgabe sein, die Naturschätze nicht
nur auszubeuten, sondern sie auch in solchen Mengen auf den Markt
zu bringen, die dem heutigen Massenverbrauch entsprechen, und zwar
zu Bedingungen, die die ständige Verfügbarkeit dieser Hilfsquellen
für uns und für künftige Generationen gewährleisten.

-

20

�Zusammenfassung
In der Vergangenheit hat man vielfach geglaubt, daß die Begrenztheit der natürlichen Hilfsquellen auch der Zahl und dem Wohlstand der Weltbevölkerung Grenzen setze. Eine dieser Theorien der
Entwicklungsbegrenzung besagte, daß die natürlichen Hilfsquellen
irgendwann einmal erschöpft sein würden. Eine andere Lehrmeinung
behauptete, daß an die Qualität der geförderten Rohstoffe immer geringere Ansprüche gestellt

würden, und folgerte daraus, daß die

steigenden Kosten ihrer Nutzung zu einer Verlangsamung des Fortschritts und damit zu einem Absinken des Lebensstandards führten.
Armut und Not wären demnach schließlich das gemeinsame Schicksal
der gesamten Menschheit.
Lieser unser Überblick über die wichtigsten Faktoren, die die
Zukunft des Menschen mitbestimmen werden, führt jedoch nicht zu
derartigen Schlußfolgerungen. Wenn der Mensch hart genug arbeitet
und Erziehung, Wissenschaft, Technik und dem staatlichen und gesellschaftlichen Aufbau genug Aufmerksamkeit zuwendet, dann braucht die
Begrenztheit der natürlichen Hilfsquellen nicht zur Grenze des Fortschritts der Menschheit zu werden.
Ja, es gewinnt sogar die Annahme immer mehr an Boden, daß die
langfristig verfügbare Energie, die für das künftige Wohlergehen der
Menschheit von zentraler Bedeutung ist, selbst in unserer eigenen
begrenzten Sicht als nahezu unerschöpflich gelten könne. Erlangt
der Mensch das als Vorbedingung erforderliche Wissen, so vermag er
sich durch einen entsprechend hohen Energieaufwand nicht nur von
seinen Materialsorgen zu befreien, sondern er kann sogar dem Entwicklungsprozeß neue Impulse geben. Liese erstrebenswerte Stufe haben wir
noch nicht erreicht, und wir wissen auch nicht recht, wie oder wenn
dies geschehen wird. Aber die Idee als solche zeichnet sich bereits
am Horizont der Wissenschaft ab.
Wir müssen immer noch damit rechnen, daß jedes weitere Wirtschaftswachstum harte Anstrengungen seitens des Menschen erfordern
wird und mit vorübergehenden Rückschlägen und sogar Krisen verbunden sein kann. Labei geht es jedoch nicht so sehr um die dem Menschen

-

21

-

�Menschen überkommenen Naturschätze, sondern um die Mehrung seines
Wissens und seines Ideen- und Einfallsreichtums zur Bewältigung
der ihm durch seine Umwelt gestellten Probleme. Der Mensch wird auch
in Zukunft wie schon in der Vergangenheit die größte ihm gestellte
Aufgabe in sich selbst finden.
Ferner geht es nicht lediglich darum, daß der Mensch die Nutzung
der ihm von der Natur geschenkten Hilfsquellen mit dem Blick auf seinen Portbestand einteilt. Eine ständig wachsende Bevölkerungsziffer
in einer Welt des Mangels und der drückenden Armut kann nicht das Ziel
sein. Der Mensch steht letztlich auch noch vor dem Problem, seine
Welt - wie reich sie auch sei - so zu gestalten, daß alle auf ihr
friedlich zusammenleben und die vielfachen Ausdrucksformen des Einzelwesens voll zur Entfaltung gelangen können. Der Mensch kann einer
weiteren Vermehrung seiner Gattung selbst unter günstigsten äußeren
Lebensumständen nicht mit Gleichmut zusehen, solange Haß, Angst und
Streit herrschen.
Während die der Menschheit verfügbaren Hilfsquellen völlig ausreichend sind, hat gerade die Ausweitung der wissenschaftlichen Erkenntnisse, dieeben dies sicherstellt, dem Menschen Möglichkeiten der
Zerstörung an die Hand gegeben, die die Basis der menschlichen Existenz gefährden.
Wir in Amerika und Sie hier in Deutschland haben einen Lebensstil
und ein Weltbild gemeinsam, die Wohlstand für alle in einem bisher
nie dagewesenen Ausmaß herbeigeführt haben. Mithin läuft die These, die
ich hier zu entwickeln suchte, darauf hinaus, daß für den Menschen unter
eben solchen Lebensbedingungen die größte Hoffnung besteht, die Aufgaben der Zukunft zu meistern - Bedingungen nämlich, unter denen der einzelne wie die Völker die größtmögliche, mit der Wahrung der Rechte
anderer zu vereinbarende Freiheit des Denkens und Handelns im Rahmen
einer auf der Unabhängigkeitsidee basierenden Zusammenarbeit genießen.
In einer solchen Welt wird der Mensch, dessen bin ich sicher, die
Probleme, die ihm gestellt sind, lösen können.
*

* * * *

-

22

�Tabelle 1
Schätzungen zur Weltbevölkerungsziffer, i960 bis 2000 (Angaben in
Zehn-Jahres-Intervallen, in Millionen)

Gebiet

i960

1970

1980

1990

2000

hoch

2920

5500

4280

5360

690O

Durchschnittswert

2910

5480

4220

5140

6280

2900

5550

5850

4570

4880

Afrika

257

575

492

Nordamerika

197

294
225

255

287

65,9

86,4

115

157

665
526
219

140

179

514

452

1620

1980

2 54
2480

52 00

4250

424

457

496

592

16,5

19,4

22,5

540
26

50,2

215

254

297

544

595

niedrig

Mittelamerika
Südamerika
Asien
Europa
Ozeanien
UdSSR

Quelle: Vereinte Nationen
* Hoch-, Mittel- und Niedrigwerte gelten für die gesamte Welt; für
die genannten Gebiete sind nur Maximalwerte angesetzt.

�Tabelle 2
Zunahme der Weltproduktion an Mineralien. Wichtige Mineralien in den
Jahren 1900 bis i960 (Angaben in Zehn-Jahres-Intervallen)

Jahr und Produktionsmenge

Mineral

Einheiten

Eisenerz

in Millionen
Long tons

Kupfer
Aluminium
Kohle
Erdöl
Chromerz
Kobalt
Nickel

Quelle:

1900

1910

1920

1930

1940

90

139

122

176

200

in t'ausend
Short tons

545

946

1057

1 760

in i'ausend
Short tons

7

49

137

860

1280

149

1950 196O

247

514

2734 2915

4990

298

663

164O

4985

1450

1600

1900

2000

2900

328

689

1412

2144

3803

7674

59

119

189

616

1605

2655

4870

in tausend
Short tons

0,2

1,1

0,4

1,4

5,5

7,9

16,7

in tausend
Short tons

10

25

39

60

154

16C

359

in Millionen
Short tons
in Millionen
Barrels
in tausend
Short tons

US-Bergbauamt

�Tabelle 3
K u p f e r i n h a l t der von 1900 b i s i960 in den V e r e i n i g t e n S t a a t e n
abgebauten Erze (Angaben i n Z e h n - J a h r e s - I n t e r v a l l e n )

J a h r und P r o z e n t g e h a l t der Erze an Kupfer

1900

1910

1920

1930

1940

1950

1960

2,8

1,88

1,63

1,43

1,20

0,89

0,73

Q u e l l e : US-Bergbauamt

�Tabelle 4
Rückgewinnung w i c h t i g e r N i c h t e i s e n m e t a l l e a u s A l t m a t e r i a l i n den
Vereinigten
(Angaben i n

Staaten,

1950 b i s

i960

Fünf-Jahres-Intervallen)

(in tausend Short

Metall

tons)

1950

1955

1960

76

76

63

Kupfer

485

515

429

Blei

474

495

465

Zink

75

84

68

28

25

19

Aluminium

Zinn

'

Q u e l l e : "Kesource's i n A m e r i c a ' s P u t u r e "

(Joho?

und R e s o u r c e s f o r t h e F u t u r e , I n c . ,

Hopkins P r e s s

1962)

�\

Tabelle 5
Anteil der Einfuhren am statistisch erfaßten Verbrauch von Kupfer,
Blei, Zink, Bauxit und Eisenerz in den Vereinigten Staaten,
1930 bis 196O (Prozentangaben in Fünf-Jahres-Intervallen)

Jahr

Kupfer

Blei

Zink

Bauxit

Eisenerz

1930

64,6$

9,1*

5.9*

64,5$

5,0*

1935

58,3

3,5

2,9

58,5

4,2

1940

48,7

35,4

22,9

65,2

3,1

1945

60,3

28,3

42,0

30,1

1,4

1950

47,7

43,5

40,2

76,3

7,7

1955

44,5

38,1

56,3

69,8

18,8

1960

45,7

35,3

60,0

98,4

32,0

Quelle: "Resources in America1s Future" (Johns Hopkins Press und
Resources for the Future, Inc., 1962)

�Tabelle 6
Schätzungen zum künftigen Verbrauch der freien Welt an wichtigen
primär und sekundär erschmolzenen Nichteisenmetallen

Metallverbrauch in
Millionen Tonnen
Metall
1959
Gesamt* PrimärBatall

Aluminium
Kupfer
Zink
Blei
Zinn

3,95
5,03

3,21
2,91

2,89
2,57
0,20

Schätzwerte 1975
Gesamt* Primärmetall

11,1

Wachstumsrate des
Verbrauchs an Primärmetallen,
1959 his 1975
($ pro Jahr)

6,7

10,1

9,1
6,1

2,20

5,4

4,2

4,1

1,64

4,2

2,7

3,3

0,15

0,29

0,21

2,1

4,7

Quelle: Sekretariat der Vereinten Nationen
*Gesamtmengen an Primär- und Sekundärmetallen (mit Ausnahme der
Länder mit Plenwirtschaft)

�Tabelle 7

Gesamtproduktionsindex der Länder der freien Welt für die wichtigsten
Metallerze zwischen 1938 und 1962 (1958 = 100)

Jahr

Freie Welt*

Vereinigte Staaten
und Kanada

Europa*

1938

66

64

66

1948

66
82

77
80

51

100

104

100

100

79
96
100

104

100

98

116

114

108

118

113

113

120

115

111

1954
1956
1958
1959
196O
1961
1962

Quelle: "Monthly Bulletin of Statistics" der Vereinten Nationen,
Jahrgang 17, Mai 1963
*

mit Ausnahme der Länder mit Planwirtschaft

�Tabelle 8
Statistisch erfaßbarer Verbrauch an wichtigen Nichteisenmetallen
(raffiniert) in den wichtigsten Ländern der
freien Welt im Jahr 196O

Verbrauch i960 (in tausend metrischen Tonnen)

Land

Kupfer

Blei

Aluminium

Zink

Zinn

1225

809

1550

Großbritannien

560

287

560

790
276

52
22

Bundesrepublik
Deutschland

516

240
165

504
215
61
112

297
172

28
11

105
51
51
189

5
5
1

Vereinigte Staaten

Frankreich
Belgien

241
76

Italien

185

78

Schweden

91
107

. 44

56

45
104

504
62

95
26

149
24

5760

2212

5147

Kanada
Japan
Indien
Freie Welt*

46

85

60
2442

4
15
4
164

V

Quelle: Zusammengestellt vom Sekretariat der Vereinten Nationen.
* mit Ausnahme der Länder mit Planwirtschaft

�Tabelle

9

E i n - und Ausfuhr an E r z e n von E i s e n und N E - M e t a l l e n i n w i c h t i g e n
Industrieländern

im J a h r 1961

Importe
Eisenerz

Gesamtwert 1961
(in Millionen Dollar)

1352

Exporte

NE-Erze
und
Metalle

3020

Eisenerz

114

NE-Erze
und
Metalle

1304

Gesamtwert 1961
in Prozent

100%

100%

100%

100?

davon:
Vereinigte Staaten
Europäische Wirtschaftsgemeinschaft
Großbritannien

19

21

-

28

43
43
15

54
54
23
23

100
-

54
18

Japan

23

2

Quelle: United Nations Commodity Survey, 1962

�Tabelle

10

A n t e i l e i n z e l n e r E n e r g i e t r ä g e r an der Gesamtenergieerzeugung der
V e r e i n i g t e n S t a a t e n , 1900 "bis i960 (in

Bituminöse
Kohle und
Lignit
Anthrazit

Jahr

Gesamt,
aus angegebenen
Energieträgem

1900

100,0$

1910

100,0
100,0

70,5$
71,1

18,4$
14,0

69,7
55,4
48,1
39,2
26,0

1920
1930
1940
1950
1960

100,0
100,0
100,0
100,0

Zehn-Jahres-Intervallen*)

Erdgas
(nass)

Wasserkraft

4,7$

3,2$

3,2$

7,9

3,5

3,5

10,7

12,0

4,1

3,5

8,0

9,7

3,4

1,2

35,7

11,9
19,8
33,0

3,5

3,2

23,5
31,3
33,2

5,2

Erdöl

4,6
4,1

Q u e l l e : Minerals Yearbook, 1961, US-Bergbauamt
* Prozentangaben auf der Basis von BTU-Einheiten. E n e r g i e e i n h e i t e n
auf der Basis Kernenergie und Holz sind n i c h t b e r ü c k s i c h t i g t .

�</text>
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                <text>&lt;p&gt;&lt;strong&gt;A. 4. 1. &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Kennedy erklärt Standpunkt der USA zu weltpolitischen Fragen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Auszüge aus dem Fernsehinterview vom 17.12.1962&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Standpunkt der USA zu weltpolitschen Fragen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Wortlaut des Fernsehinterviews vom 17.12.1962&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A. 18. 1.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Kennedy unterbreitet Botschaft über die Lage der Nationen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;State of the Union Message&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;W. 25. 1.&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Kennedy legt neuen Haushalt vor&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Zusammenfassung der wichtigsten Punkte des Budget 1963/64&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;W. 25. 1.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Kennedy: Die US-Wirtschaft am Scheideweg&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Auszüge aus dem Wirtschaftsbericht des US-Präsidenten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A. 15. 3.&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Europa: Kaleidoskope oder getrübter Kristall&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Wortlaut der Ansprache des ehemaligen US-Außenministers Dean G. Acheson vor der Universität von Kalifornien, 13.03.1963&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Europe: Kaleidoscope or clouded Crystal&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Address by the Honorable Dean Acheson at the University of California, Berkeley, California, Marsh 13, 1963&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A. 15. 3.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;George C. McGhee soll neuer Botschafter der USA in Bonn werden&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Präsident Kennedy hat am Mittwoch seine Absicht bekannt gegeben, den gegenwärtigen Staatssekretär für Politische Fragen im amerikanischen Außenministerium, George C. McGhee, zum neuen Botschafter der USA in der Bundesrepublik zu ernennen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;W. 12. 4.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Sonderbotschaft Präsident Kennedys zur Auslandshilfe&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Wortlaut der Sonderbotschaft zur Auslandshilfe der USA, die Präsident Kennedy am 2. April 1963 dem amerikanischen Kongress unterbreitet hat&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;W. 17. 5.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Vereinigten Staaten und die Verhandlungen zur Ausweitung des Handels &lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Eine Hintergrundanalyse&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A. 24. 5.&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA weisen sowjetischen Protest gegen den Aufbau einer NATO-Atomstreitmacht zurück&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Wortlaut der Antwortnote der Vereinigten Staaten (18.05.1963) auf die Note der UdSSR vom 08.04.1963&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A. 24. 5.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Abenteuer des Raumflugs&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Cooper - ein idealer Astronaut, Forschungsvorhaben, Verlauf und erste Ergebnisse des Raumflugexperiments MERCURY-ATLAS 9&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A. 14. 6. &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Neue Bemühungen der USA um den Weltfrieden&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Wortlaut der Rede des US-Präsidenten John F. Kennedy, vom 10.6.1963 vor Absolventen der Amerikanischen Universität in Washington&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;25. 6.&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ansprache des Präsidenten der Vereinigten Staaten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;John F. Kennedy in der Paulskirche zu Frankfurt/ Main&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;25. 6.&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Remarks of the President of the United States of America &lt;br /&gt;&lt;em&gt;John F. Kennedy, in the Assembly Hall of Paulskriche, Frankfurt&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;26. 6.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Remarks of the President of the United States of America &lt;br /&gt;&lt;em&gt;John F. Kennedy, at the Free University Berlin, Germany&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;26. 6.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Remarks of the President of the United States of America &lt;br /&gt;&lt;em&gt;John F. Kennedy, at the City Hall, West Berlin, Germany&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;W. 26. 7. &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Sonderbotschaft Präsident Kennedys über US-Zahlungsbilanz&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Wortlaut der Sonderbotschaft, am 18. Juli 1963 an den US-Kongress&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A. 27. 9.&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Kennedy ruft zur Zusammenarbeit für den Frieden auf&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Wortlaut der Rede vom 20.09.1963, vor der 18. Vollversammlung der Vereinten Nationen gehalten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A. 27. 9.&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Rolle Deutschlands in der Entwicklung der Weltpolitik&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Wortlaut einer Rede, die der Vorsitzende des Planungsstabs im US-Außenministerium, Walt W. Rostow, am 18.09.1963 vor der Universität von Dayton gehalten hat&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;9. 10.&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Betrachtung eines Amerikaners über Berlin&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ansprache des Botschafters George C. McGhee, im Amerika Haus, Nürnberg, am 09.10.1963&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A. 18. 10. &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Teststoppvertrag in Kraft getreten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Wortlaut des Vertrages über ein Verbot von Kernwaffenversuchen in der Atmosphäre, im Weltraum und unter Wasser&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A. 1. 11.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ansprache Sr. Exsellenz des Außenministers der Vereinigten Staaten Dean Rusk, gehalten am 27.10.1963, in der Paulskirche zu Franktfurt/Main, anlässlich der Einweihung der George C. Marshall - Gedenkstätte am Opernplatz&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;W. 8. 11.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Handelsausweitung und Wirtschaftswachstum in der atlantischen Gemeinschaft&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Wortlaut einer Ansprache von US-Botschafter George C. McGhee, gehalten vor der Handelskammer, Koblenz, 05.11.&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A. 6. 12.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wir werden in dem Streben nach Frieden unermüdlich sein&lt;br /&gt;Ansprache Präsident Johnsons vor beiden Häusern des Kongresses am 27. November 1963&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A. 6. 12.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Unsere Kraft und Energie ist auf die Zukunft gerichtet&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Botschaft Präsident Johnsons zum Erntedanktag 1963&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A. 13. 12.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Natürliche Hilfsquellen der Welt&lt;br /&gt;Die Situation heute und in der Zukunft&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Wortlaut des Vortrags von US-Botschafter George C. McGhee, gehalten am 11.12.63, vor der Arbeitsgemeinschaft für Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;</text>
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                    <text>INTERNATIONALE ARBEITSMITTEILUNGEN
Inhaltsverzeichnis

19 6 4

Nr. 1 Die Gewerkschaften und ihr Beitrag zur amerikanischen
Gesellschaftsordnung
Hat das Kollektiwerhandlungswesen noch Zukunft?
1963 brachte neuen Stil im Tarifverhandlungswesen
Betrieblich geförderte Freizeitprogramme
US-Eisenbahnen können "zweiten Mann" auf Dieselloks
abbauen

+
i

Nr. 2

Gewährleistung gleicher Berufschancen für Amerikas
Minderheiten
Die wirtschaftlichen Ziele der amerikanischen
Gewerkschaften
Gewerkschaftliche Kurznachrichten

+
Nr. 3

Arbeitsvorgeschichte, Haltung und Einkommen der Arbeitslosen in den USA (I)
Neue Möglichkeiten des Kollekt vverhandlungswesens
Gewerkschaftliche Kurznachrichten:
Lohnpolitischer Rundblick

+
Nr. 4 Arbeitsvorgeschichte, Haltung und Einkommen der Arbeitslosen in den USA (II)
Druckereifachschule in Colorado Springs
Die Firma zahlt den Doktorhut
Gewerkschaftliche Kurznachrichten

+

�Nr. 5

Gewerkschaft und Automation - Dreimal Waffenstillstand
an der amerikanischen Westküste
Die betrieblichen Sozialkassen der Angestellten in den
USA (I)
US-Eisenbahnerstreik endgültig gebannt

+
Nr. 6

Die betrieblichen Sozialkassen der Angestellten in den
USA (II)
Die amerikanischen Gewerkschaften und die Präsidentschaftswahlen
Ende der Monotonie am Fließband?
Gewerkschaftliche Kurznachrichten

+
Nr. 7

Arbeitsmarkt- und Automationsforschung in den USA:
Ziele und Aufgaben
Die Automationsforschung:
Untersuchungen über technische Neuheiten
Untersuchungen über die Auswirkungen der Automation
Künftige Forschungsreihen

'

Die Gewerkschaften und das öffentliche Interesse
Gewerkschaft1iche Kurznachrichten
+

Nr.

/9 Bezahlter Urlaub als Bestandteil von Kollektivverträgen
Die Rolle der Gewerkschaften in der modernen Wirtschaft
"Haben Sie s hon einen Job?"
Gewerkschaftliche Kurznachrichten

+

- 2-

�10

Die Mitgliederbewegungen der amerikanischen
Gewerkschaften
Die Gewerkschaften und das höhere Bildungswesen (I)

+
Gezielte Vorbereitung der Arbeitnehmer auf die
Pensionierung
Die Gewerkschaften und das höhere Bildungswesen (II)
Gewerkschaftliche Kurznachrichten

+
Technologische Betriebsumstellungen und die Auswirkungen
auf die Arbeitnehmer
Probleme des technischen Wandels müssen fortschrittlich
gelöst werden
Gewerkschaftliche Kurznachrichten

+ + + + +

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
USIS-Bonn Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" Ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XVII - 1

Bad Godesberg, den 1. Januar 1964

INHALTSVERZEICHNIS
Die Gewerkschaften und ihr Beitrag zur amerikanischen
Gesellschaftsordnung

Seite

1

Hat das Kollektivverhandlungswesen noch Zukunft?

Seite

7

1965 brachte neuen Stil im Tarifverhandlungswesen

Seite 11

Betrieblich geförderte Preizeitprogramme

Seite 13

US-Eisenbahnen können "zweiten Mann" auf
Dieselloks abbauen

Seite 14

George LIeany, Präsident des amerikanischen
Gewerkschaftsverbandes AFL-CIO:
Die Gewerkschaften und ihr Beitrag zur amerikanischen
Gesellschaftsordnung
Der Beitrag der US-Gewerkschaften zur amerikanischen Demokratie
tritt so gut v;ie in allen Lebensbereichen zutage.
Wirtschaftliche Vorteile - in Form von höheren Löhnen, kürzeren
Arbeitszeiten, bezahltem Urlaub, bezahlten Feiertagen und Kranken-,
Altersversorgung^- und Wohlfahrtsplänen -, die von den Gewerkschaften
für ihre Mitglieder errungen wurden, sind auch für die meisten nichtorganisierten Arbeitnehmer zu Bestandteilen ihrer Beschäftigungsverträge geworden. Überall zeigt sich sozialer Fortschritt als Ergebnis
gewerkschaftlicher Arbeit. Freie und allgemeine Bildungsmöglichkeiten,
Sozial- und Invaliditätsversicherungssysteme, öffentliche Wohnbauprogramme, Gewährung voller Bürgerrechte an alle Amerikaner sind Dinge, die
in beträchtlichem Maße von der Gewerkschaftsbewegung mit durchgesetzt
wurden.
(
Der

�Der unmitteibarsteund ureigenste Beitrag der Gewerkschaften zur
amerikanischen Gesellschaftsordnung ist das System des Zusammenspiels
der Sozialpartner auf industriellem Gebiet. Arbeitnehmer erkämpften
sich zunächst das gesetzlich verankerte Koalitionsrecht. Dann trugen
sie durch ihre Gewerkschaften zur Entwicklung eines ordnungsgemäßen
Verfahrens in Fragen der Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Beziehungen bei.
TarifVerhandlungen, zu denen sich Vertreter der Arbeitnehmer und Arbeitgeber freiwillig zusammenfinden, um gemeinsam eine Regelung von
Lohn- und Arbeitsfragen auszuhandeln, galten einmal als eine kaum
erreichbare, fast revolutionäre Zukunftsvision. Trotzdem gibt es
nur ganz wenige rückständige Industrien und Gebiete, in denen dies
noch nicht zu einem festen Bestandteil ihrer Lebensordnung geworden
ist.
Pragmatismus in der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung
Im Zuge dieser Entwicklung haben die amerikanischen Gewerkschaften das Hauptgewicht mehr auf praktische als auf ideologische Fragen
gelegt. In den Vereinigten Staaten gab es keine Generalstreiks oder
andere Arbeitseinstellungen mit politischen Zielen. Auseinandersetzungen zwischen den Sozialpartnern drehen sich um Arbeitsplatzprobleme
und sind in ihrer Mehrzahl von parteipolitischen Einflüssen freigeblieben.
Viele dieser praktischen Verhandlungserfolge können nicht in
Dollar und Cent ausgedrückt werden. Menschliche Würde und Selbstachtung lassen sich ebensowenig wie der Wirkungsgrad demokratischer Grundsätze, der durch gesunde TarifVerhandlungen innerhalb der Industrie
erreicht wurde, mit einem Preisschild auszeichnen. Gewerkschaften haben für menschenwürdige und demokratische Arbeitsverhältnisse gesorgt,
die auch für Millionen nichtorganisierter Arbeitnehmer Gültigkeit erhielten .
Diese Erfolge sind nicht Geschenke an die Gewerkschaften, sondern Geschenke der Gewerkschaften an die Allgemeinheit. Niemand sonst
hielt kürzere Arbeitszeiten für vernünftig, Beschwerdeverfahren für
durchführbar, bezahlten Urlaub für zweckmäßig, Alters- und Gesundheitsfürsorge für erreichbar.
Die Gewerkschaften bewiesen nicht
nur das Gegenteil, sondern ihre Erfolge kamen darüber hinaus der ganzen Nation zugute.
Höhere Löhne durch Tarifverhandlungen
Einige dieser Erfolge sind meßbar. Der Reallohn für Fabrikarbeiter beispielsweise hat sich in der letzten Generation verdoppelt.
Diese Lohnerhöhungen stießen damals wie heute auf Widerstand. Dennoch
haben sich die gewerkschaftlichen Bemühungen um eine Hebung des Lebensstandards für Amerika reichlich ausgezahlt. Im Jahre 1962 betrug
das amerikanische Bruttosozialprodukt 555 Milliarden Dollar und die
Gesamtzahl der Beschäftigten über 68 Millionen. Ohne ein kräftiges
Ansteigen der Kaufkraft breiter Schichten wäre eine Erhaltung oder
Ausweitung der auf Massenproduktion gegründeten US-Wirtschaft unmöglich gewesen.
Ei nige

2

�Einige Wirtschaftswissenschaftler streiten jeden Beitrag der
Gewerkschaften zur Anhebung der allgemeinen Kaufkraft ah. Sie behaupten, daß sich die Löhne ohnedies erhöht hätten und eine Auswirkung gewerkschaftlicher Bemühungen hier nicht nachweisbar sei. Diese
Behauptung ist absurd. Jeder, der glaubt, daß die amerikanischen Gewerkschaften für Lohngewinne und eine steigende Kaufkraft nicht mitverantwortlich sind, hat noch nie am Verhandlungstisch gesessen und
auch nichts vom Wesen der Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Beziehungen begriffen. Auch die Verbesserung der Löhne und Lohnnebenleistungen
hat wesentlich dazu beigetragen, daß die USA heute das höchste Produktivitätsniveau der Welt besitzen. Die Forderung nach höheren Löhnen hat die Betriebsleitungen gezwungen, neue und bessere Produktionsmethoden einzuführen. Und das Ergebnis ist eine beständige und rasche
Zunahme der Produktion pro Mann und Arbeitsstunde.
Trotzdem haben die Gewerkschaften niemals ihr Blickfeld nur auf
Dollar und Cent eingeengt. "Brot und Butter" ist das Ziel aller Gewerkschaften - wichtig war aber auch stets die Schaffung besserer
Arbeitsbedingungen. Niemand kann bestreiten, daß die Gewerkschaftsbewegung wesentliche Beiträge zur Einführung ordnungsgemäßer Beschwerdeverfahren, zur Ausarbeitung von Sicherheitsnormen und zur Anerkennung
des Anciennitätsprinzips, um nur einiges zu nennen, geleistet haben.
Der Kampf um soziale Würde
Mehr Freizeit ist das Ergebnis des gewerkschaftlichen Kampfes
um anständige Lebensverhältnisse. Nur die Gewerkschaften sorgten für
eine Verkürzung der Sonnenauf- und Sonnenuntergangs-Arbeitszeit auf
eine 60-Stunden-Woche Ende des 19« Jahrhunderts. Nur die Gewerkschaften sorgten für eine weitere Einschränkung der Arbeitswoche auf 40
Stunden, die seit 1940 in den Vereinigten Staaten die allgemeine Norm
sind. Auch heute drängen die Gewerkschaften im Rahmen ihrer Vollbeschäftigungspolitik wieder auf kürzere Arbeitszeiten und treffen auf
den üblichen Widerstand. Ihr Ziel dabei ist nicht noch mehr Freizeit,
sondern eine gesündere Wirtschaft; aber dieser Unterschied zählt bei
denjenigen nicht, die in jeder Änderung Gefahr wittern.
Diese Ergebnisse haben in ihrer Vielfalt eine gesündere,
und entspanntere Atmosphäre geschaffen und Amerika zu größerem Wohlstand geführt, denn TarifVerhandlungen bilden ein ausgezeichnetes
demokratisches Mittel zur Erreichung industrieller Macht und industriel
len Friedens.
Gewerkschaften kümmern «ich nicht nur um Fragen des Arbeitsplatzes. Jeder Seite im Leben des Arbeitenden gilt ihre Aufmerksamkeit.
Schon früh in der amerikanischen Geschichte haben sich die Gewerkschaften darum bemüht, Demokratie für die Gesamtheit des Volkes,
und nicht nur für eine privilegierte Minderheit zur Realität werden zu lassen. Seit hundertfünzig Jahren haben sie nationale Ziele
aufgestellt, die oft unerreichbar zu sein schienen und trotzdem
erreicht wurden.
Eine s

-

3 -

�Eines der «raten Ziele der amerikanischen Arbeiterschaft
waren freie und allgemeine Bildungsmöglichkeiten für alle, weil
man erkannte, daß eine funktionsfähige Demokratie ein allgemeines
Wahlrecht und eine gebildete Wählerschaft voraussetzt. Parteien und
politische Gruppen, zu denen sich die Arbeiterschaft zusammenschloß,
sowie die ersten Gewerkschaften bildeten die Avantgarde im Kampf
um Bildungsmöglichkeiten für jedes Kind. Bis auf den heutigen Tag
haben die US-Gewerkschaften in ihren Bemühungen um die Ausdehnung
und Verstärkung des amerikanischen Erziehungswesens nicht nachgelassen .
Auch Kinderarbeit ist in den USA nicht mehr üblich, vor allem
weil sich die Gewerkschaften für ihre Beendigung eingesetzt haben.
Gesetzliche Gesundheits- und Sicherheitsvorschriften haben dazu bei- '
getragen, daß in den Fabriken, Bergwerken und Werkstätten der Vereinigten Staaten menschenwürdige Verhältnisse herrschen. Mindestlohn- und Arbeitszeitgesetze, Invalidität«-, Arbeitslosen- und Sozialversicherung sowie öffentliche Wohnbauprogramme sind einige der
Hauptpunkte des gewerkschaftlichen Gesetzgebungsprogramms.
Die Wirkung der Gewerkschaften auf nichtorganisierte Arbeitnehmer
Selbstverständlich haben nicht die Gewerkschaften allein die ganze
Arbeit geleistet. Aber gibt es eine andere Organisation, die je so
viel für einen so großen Teil ihrer Mitbürger zu erreichen gesucht
und auch durchgesetzt hat? Die geltenden Arbeitsgesetze schreiben
nicht vor, daß nur Gewerkschaftsmitglieder Anspruch auf geregelte
Arbeitszeiten und anständige Arbeitsbedingungen oder bessere Wohnungen und sozialen Schutz haben. Das von den Gewerkschaften geförderte
Gesetzgebungsprogramm kommt allen Amerikanern zugute.
Die Gewerkschaften haben sich für die Vereinigten Staaten eine
Wirtschaft der Vollbeschäftigung zum Ziel gesetzt. Mit Inkrafttreten
des Beschäftigungsgesetzes von 1946 wurde der US-Regierung die gesetzliche Auflage erteilt, für ein Höchstmaß an Beschäftigung, Produktion und Kaufkraft zu sorgen. Um diesem Gesetz Wirkung zu - geben,
haben die Gewerkschaften Maßnahmen unterstützt, die die beste
Nutzung der vorhandenen Industrieanlagen, Betriebsauatüstung und
Arbeitskräfte gewährleisten. Der Erzielung einer höheren Zuwachsrate und einer produktiven Nutzung aller Hilfsquellen gilt seit Jahren schon ein wichtiger Teil der gewerkschaftlichen Arbeit. In den
fünfziger Jahren haben die Gewerkschaften Maßnahmen ausgearbeitet,
die zur Lösung der Probleme in Notstandsgebieten beitragen sollten,
mit dem Ergebnis, daß 1961 das Gesetz zur Beseitigung wirtschaftlicher
Notstandsgebiete (Area Redevelopment Act) in Kraft trat. Das Gesetz
über die Umschulung und Fortbildung von Arbeitskräften (Manpower
Development and Training Act) aus dem Jahr 1962 hat zusammen mit anderen Gesetzgebungsmaßnahmen auf diesem Gebiet den Boden für neue
staatliche Hilfe an Arbeitnehmer bereitet, durch die ihnen die Überwindung von Anpassungsschwierigkeiten infolge der Arbeitsumschichtungen unseres Jahrhunderts erleichtert werden soll.
Die

�Die Herausforderung der Automation
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Diese Gesetzgebungsarbeit und der in langen Jahren von den
Gewerkschaften unternommene Versuch, die Nation an die Probleme der
Automation heranzuführen, greifen ineinander über. Im Verlauf ihrer
Geschichte haben die Gewerkschaften immer wieder sozial, wirtschaftlich und menschlich vernünftige Wege zur Anpassung an neue Entwicklungen in Wissenschaft und Technik angestrebt. Der Gewerkschaftsverband AFL-CIO akzeptiert und begrüßt sogar den Wandel auf technologischem Gebiet, der so viel Aussicht auf Befreiung von Plackerei und
auf Wohlstand für alle in sich trägt. Dennoch versuchen die Gewerkschaften sicherzustellen, daß die neuen Wunder der Wissenschaft dem
Volk als Ganzem zugute kommen. Aber dieses Ziel ist noch nicht erreicht.
Und solange eine sozial vertretbare Anpassung an die Automation noch
nicht vollzogen ist, werden auch die Gewerkschaften in ihren Bemühungen nicht nachlassen.
Die Gewerkschaften sind auch mit an erster Stelle für eine AltersKrankenfürsorge im Rahmen der Sozialversicherung als notwendige Maßnahme zur Verbesserung der Lebensverhältnisse der älteren Menschen eingetreten. Viele von ihnen waren in ihrem Kampf allein und ohne viel
Unterstützung, bis sich nach Jahren intensiver Gewerkschaftsarbeit
solche Erfolge als möglich und solche Ziele als erstrebenswert herausstellten.
Die politische Arbeit der Gewerkschaften und ihre Bedeutung
Die Gewerkschaften haben sich stets aktiv am politischen Leben
der Vereinigten Staaten beteiligt und auf eine Ausdehnung und sinnvollere Gestaltung des Wahlrechts hingearbeitet. Sie geben ihre Unterstützung den Kandidaten beider großen Parteien, ihre Opposition richtet
sich gegen jeden, dessen Ansichten in den Augen der Gewerkschaften den
besten Interessen der Nation zuwiderlaufen. In jüngster Zeit haben die
Gewerkschaften ihre Bemühungen um die Ausweitung des Wahlrechts intensiviert. Ihre Unterstützung galt sowohl der Überwindung von Registrierungsschwierigkeiten wie auch der Beseitigung aller Einschränkungen des Stimmrechts bestimmter Bevölkerungsgruppen.
Eine politische Demokratie kann in unserer Welt nicht ohne die
Entfaltungsmöglichkeit starker, freier und demokratischer Gewerkschaften gedeihen. Diese Wahrheit sollte jedem in den letzten dreißig Jahren
klargeworden sein. Totalitäre Systeme haben dies längst begriffen. In
allen Diktaturen wurden freie Gewerkschaften unterdrückt, angefangen
von der Sowjetunion über das nationalsozialistische Deutschland bis
zu Kuba, wo Castro das jüngste Beispiel hierfür liefert.
Die amerikanischen Gewerkschaften arbeiten mit den Gewerkschaftsorganisationen anderer Länder zusammen, um der Gewerkschaftsbewegung
zu größerer Verbreitung zu verhelfen. Die AFL-CIO wendet nahezu ein
Viertel ihrer Einnahmen für internationale Programme auf, ohne davon
auch nur einen Pfennig an materiellen Nutzen zu erhoffen oder zu erwarten. Ihr Ziel ist die Verbreitung und Stärkung demokratischer Lebensprinzipien, zum Teil aus Gründen der Humanität,uzum Teil aber auch
aus der Überzeugung, daß dies für die Sicherheit Amerikas wesentlich

-

5 -

�So oberflächlich dieser Überblick über die Leistungen der Gewerkschaften in den Vereinigten Staaten auch sein mag, mir scheint
er bereits alle diejenigen zu widerlegen, die in den Gewerkschaften
eine Gefahr für die Nation sehen.
Die Rolle der Gewerkschaften im Wandel Amerikas
Gewerkschaften sind ein organischer und unentbehrlicher Bestandteil der amerikanischen Gesellschaftsordnung. Am Verhandlungstisch,
im Parlament und in der politischen Arena haben sie bewiesen, daß
Visionen von heute zu Realitäten von morgen werden können. Sie haben
das Unmögliche gefordert - und seine Verwirklichung erlebt.
Für mich ist dies ein wesentlicher Bestandteil des demokratischen
Prozesses. Mit Recht ehren wir unsere Gründerväter, die vor zwei Jahrhunderten die Vereinigten Staaten geschaffen haben. Aber genauso wie
sie in ihrer Zeit über die fest verwurzelten und ofJlr bewunderungswürdigen
Traditionen Westeuropas hinaus gingen, um eine den Realitäten der Neuen
Welt angemessenere Regierungsform zu schaffen, müssen auch wir als ihre
Nachfahren ihr Erbe den Forderungen der Gegenwart anpassen.
Und hier liegt der Kern aller gewerkschaftlichen Arbeit. Sie wird
ebensowenig ein Ende finden, wie der Wandel selbst ohne Ende ist.
Um es anders auszudrücken: Gewerkschaften sind die Antithese zu
Reaktion. Gewerkschaften sind ihrem Wesen nach der Erkenntnis verpflichtet, daß die Nation niemals in ihre Vergangenheit zurückschreiten kann,
nicht einmal in eine Zeit, die in der Rückschau besser erscheint als
die Gegenwart. Gewerkschaften kämpfen für eine bessere Gegenwart
und eine bessere Zukunft, und zwar nicht nur im Interesse ihrer eigenen
Mitglieder, sondern auch im Interesse Amerikas und der Welt.
Um ein wohlbekanntes Wort abzuwandeln: Wenn es keine Gewerkschaften gäbe, müßten sie erfunden werden. Denn sie sorgen dafür, daß das
amerikanische Gesellschaftssystem mit dem Wandel in der Welt Schritt
hält.

Bei Nachdruck sind Angabe des Verfassers
und folgender Vermerk erforderlich:
"Nachdruck mit Genehmigung der Zeitschrift 'Yale Political1' (März 1965)
(c) 1965 Yale Political Publishing Co."

* * * * *

- 6 -

�W. Willard Wirtz, US-Arbeitsminister:
Hat das Kollektivverhandlungswesen noch Zukunft?
Unternehmer und Gewerkschaften der Vereinigten Staaten stehen
heute in ihren gegenseitigen Beziehungen an einem wichtigen Scheideweg. Das traditionelle Verfahren der Kollektivverhandlungen und auch
die gegenwärtige Arbeitsgesetzgebung vermögen die Öffentlichkeit
hinsichtlich ihrer Wirksamkeit nicht mehr länger voll zu überzeugen zumindest nicht bei ernsteren Meinungsverschiedenheiten zwischen den
Sozialpartnern .•
Es geht heute bei solchen Arbeitsstreitigkeiten gar nicht mehr so
sehr darum, inwieweit eine Schädigung der Wirtschaft tatsächlich oder
nur angeblich «ingetreten ist. Es gilt längst als entschieden: können
sich die Kontrahenten in einem Streitfall nicht friedlich einigen, so
trifft der Staat eine entsprechende Regelung von sich aus. Ich persönlich billige diese Entscheidung ausdrücklich, wenn im Interesse
de« Allgemeinwohls die Paralysierung von Schlüsselindustrien vermieden werden muß, die eine Schädigung der gesamten Wirtschaft zur Folge
hätte.
Der Staat muß aber auch darauf bedacht sein, seinen Bürgern die
Entscheidungsfreiheit zu erhalten, soweit dies nur irgendwie vertretbar ist. Nach meiner Überzeugung läßt sich das Verfahren frei zu
vereinbarender Tarifabmachungen durchaus so gestalten und handhaben,
daß es dieser Forderung voll genügt.
Der Fortbestand des Kollejctivverhandlungswesens hängt heute von
zwei Faktoren ab, von denen einer völlig außerhalb seines Bereichs zu
liegen scheint, nämlich die Gesunderhaltung unserer Gesamtwirtschaft.
Es sei daran erinnert, daß es bei den meisten größeren Auseinandersetzungen zwischen Unternehmern und Gewerkschaften in jüngerer
Zeit vornehmlich um-das sehr ernste Problem der Verdrängung - oder
drohenden Verdrängung - von Arbeitskräften von ihren Arbeitsplätzen
durch Maschinen oder neue Produktionsmethoden ging. Es ist eine offene
Frage, ob Kollektiwerhandlungen die geeignete Methode zur Regelung
von Streitfällen sind, sollte es zu ernsthaften diesbezüglichen Schwierigkeiten in den Massenbeschäftigungsindustrien kommen. Sie dürfte
nur so lange mit "ja" zu beantworten sein, wie die Gesamtwirtschaft
eine Expansionsrate aufweist, die so hoch ist, daß die verdrängten
Arbeitskräfte eine reelle Chance haben, eine neue Beschäftigung zu
finden. Ist dies nicht der Fall, werden sie ihren Vertretern am
Verhandlungstisch mit großer Wahrscheinlichkeit die Vollmacht verweigern, in ihrem Namen ihrer Entlassung zuzustimmen.
Mithin dürfte die Zukunft des Tarifverhandlungswesens in seiner
derzeitigen Gestalt - d.h. ohne zusätzliche gesetzliche Eingriffsmöglichkeiten - engstens mit der künftigen Entwicklung der Arbeitslosen- bzw. Beschäftigtenrate verknüpft sein.
Darüber hinaus dürfte sie - unter der Voraussetzung, daß das
Verhandlungsklima nicht durch eine gesetzliche Schlichtung von Grund
auf verändert wird - von der Entwicklung von Verfahrensweisen abhängen,
die die Regelung auch ernster Arbeitsstreitigkeiten in den lebens-

-

7 -

�lebenswichtige» Wirtschaftszweigen ohne wirtschaftsschädigende Stillegungen gestatten, wenn nicht sogar garantieren.
Vieles deutet darauf hin, daß sich diese Entwicklung bereits
anbahnt und bald schon immer rascher vollziehen wird.
Fast alle größeren Arbeitsstreitigkeiten, die einen nationalen
Notstand heraufzubeschwören drohten, wiesen eine Gemeinsamkeit auf, die
bisher kaum die ihr gebührende Beachtung gefunden hat: nahezu alle
getroffenen Regelungen erstrecken sich von vornherein auch auf die Beilegung oder gänzliche Vermeidung jeder denkbaren künftigen Krise.
Dies gilt sowohl für die Einigung im Stahlarbeiterstreik von 1959/60
als auch für die Beilegung des Streiks des Bodenpersonals der Fluglinien im vergangenen Jahr und des Hafenarbeiterstreiks von Anfang
1963. Eine ähnliche Regelung kam auch im New Yorker Zeitungsstreik
zustande, die neue Kollektivverhandlungen unter Beteiligung sämtlicher Zeitungen und Gewerkschaften nach Ablauf von zwei Jahren vorsieht.
Im Augenblick macht man sich praktisch in fast allen Industriezweigen auf beiden Seiten des Verhandlungstischs ernsthafte Gedanken
darüber, wie sich die zu erwartenden Schwierigkeiten auf eine beide
Teile befriedigende Weise regeln lassen. In einer Reihe von Fällen
ist man aus solchen Erwägungen heraus dazu übergegangen, Vertreter der
"Öffentlichkeit" zu den Verhandlungen zuzuziehen. Die Beteiligung der
Arbeitnehmer am Produktivitätsgewinn, wie sie zwischen der Kaiser
Steel Company und der Vereinigten Stahlarbeitergewerkschaft (United
Steelworkers) vereinbart wurde, gibt eine Vorstellung davon, welche
Ergebnisse ein derartiges Vorgehen zeitigen kann.
Im Baugewerbe, im Kohlenbergbau, in der Flachglasindustrie, in
der Fleischkonservenindustrie und in den Raketenversuchsanstalten
wurden ähnliche Vereinbarungen zwischen Vertretern des Managements
und der Gewerkschaften getroffen.
Was sich hier anbahnt, ist etwas ganz anderes als Kollektivverhandlungen im traditionellen Sinne. Ich möchte es "konstruktives" oder
vielleicht noch besser "schöpferisches Verhandeln" nennen. Wenngleich
sich die in Rede stehenden Tarifverträge in vielen Einzelheiten unterscheiden, weisen sie doch drei wichtige Gemeinsamkeiten auf:
1. Vorkehrungen für die Behandlung vielschichtiger Probleme wie etwa der Anpassung an die Automatisierung - schon während der
Laufzeit des Vertrages und nicht erst bei den Verhandlungen kurz
vor Ablauf der Geltungsdauer des Vertrages und damit unter Zeitdruck.
Auf diese Weise ist Zeit und Gelegenheit gegeben, neue Ideen zu entwickeln, deren wir dringend bedürfen, um die Probleme einer in Bewegung geratenen Arbeiter- und Angestelltenschaft bewältigen zu können Ideen, die das Gegenstück zu Neuerungen bilden, wie sie beispielsweise
General Motors und die Automobilarbeitergewerkschaft vor einem Jahrzehnt mit der Einführung der Lohngleitklausel (die Koppelung der Lohnsätze an den Lebenshaltungskostenindex und die Produktivitätszuwachsrate)entwickelt haben;
2.

8

�2. Einschaltung eines "neutralen" oder "dritten" Gesprächspartners, sei es, um die Streitpartüien zu beraten, Vorschläge auszuarbeiten oder den Sachverhalt unvoreingenommen darzustellen. Es wäre weitgehend illusorisch, ein "öffentliches Interesse" postulieren zu wollen,
das sich auch nur im geringsten von den Interessen unterscheidet, um
die es bei einem ehrlichen Wechselspiel in den Arbeitgeber-ArbeitnehmerBeziehungen geht. Die Teilnahme dritter, in jeder Hinsicht unabhängiger
Personen an derartigen Verhandlungen bietet aber die beste Gewähr dafür,
daß die "öffentlichen Interessen" gewahrt bleiben;
3. besondere Vorkehrungen für einen möglichst reibungslosen Verlauf der Verhandlungen gegen Ende der Laufzeit eines Tarifvertrages.
Zum Teil ist eine Schlichtung vorgesehen - die freiwillige Unterordnung
unter ein den jeweiligen Umständen angemessenes Schlichtungsverfahren.
Eine Reihe von Verträgen trägt dem dringenden Bedürfnis Rechnung, bei
industrieweiten Verhandlungen sowohl auf der Unternehmer- wie auf der
Gewerkschaftsseite zu zweckmäßigeren und von größerem Verantwortungsbewußtsein getragenen Absprachen innerhalb der Verhandlungsgruppen zu
gelangen. Die diesbezüglichen Schwierigkeiten rühren zum Teil daher,
daß sich mehr und mehr eine Form von "Gruppenverhandlungen" herausbildet und die Gruppen es vielfach versäumen, vor den Verhandlungen für
einen entsprechenden Ausgleich in ihren eigenen Reihen zu sorgen.
Neben den beachtenswerten Anzeichen für ein zunehmendes Interesse
der privaten Wirtschaft an neuen und gesünderen Formen des Tarifverhandlungswesens gibt es ermutigende Hinweise auf eine rasche Anpassung
der einschlägigen Regierungspolitik an die sich abzeichnende Entwicklung
mit dem Ziel, sie zu fördern.
Sowohl der Bundesvermittlungs- und Schlichtungsdienst (Federal
Mediation and Conciliation Service - FMGS) als auch der Bundesschlichtungsausschuß für Arbeitsstreitigkeiten im Transportwesen (National Mediation
Board - NMB) nehmen heute vielfach schon Fühlung mit den beiden Verhandlungspartnern auf, noch ehe das Näherrücken des Auslaufdatums eines Tarifvertrages eine Krisensituation entstehen läßt. Das US-Arbeitsministerium
sowie das ihm angegliederte US-Bundesamt für Arbeitsstatistik und sein
Amt für Fragen des Arbeitspotentials, der Automation und der Schulung
sind bestrebt, ihre bisher mehr generelle Untersuchungstätigkeit auf
spezifische Probleme bestimmter Industriezweige auszudehnen. Es wäre
zu überlegen, ob man nicht einen eigenen Beratungsdienst für Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Beziehungen einrichten sollte, dem Aufklärungsdienst
des Landwirtschaftsministeriums (Extension Service) vergleichbar, der
den Sozialpartnern mit Rat und Tat zur Seite stehen könnte. Es wäre
ferner zu überlegen, ob nicht die Vergabe von Regierungsaufträgen an
die Bedingung geknüpft werden sollte, daß die Firmen von sich aus alles
tun, um Unterbrechungen der Produktion auszuschließen, so wie der Zuschlag heute schon u.a. davon abhängig gemacht wird, daß der Betrieb in
seiner Personalpolitik auf diskriminierende Maßnahmen gegen Farbige
verzichtet. Der Ausschuß für Arbeitsfragen auf Raketenabschußbasen ist
ein anderes Beispiel für die Mitwirkung der Regierung an Arbeitsregelungen, die ihrem Grundcharakter nach dennoch rein privatwirtschaftlich
sind und auf Verhandlungen über einen Streikverzicht als Gegenleistung
für den Verzicht auf Aussperrung beruhen.
Die

�Die Bedeutung dieser Formen des "konstruktiven" oder "schöpferischen Verhandeins" ist heute noch gar nicht voll abzusehen. Ein« solche
Weiterentwicklung des Kollektiwerhandlungswesens ist aber unerläßlich, soll es auch in Zukunft allen Anforderungen genügen. Meiner Auffassung nach kommt dieser Entwicklung heute schon eine Bedeutung zu,
wie sie gegen Ende der vierziger Jahre die ziemlich plötzlich zu verzeichnende Bereitschaft beider Sozialpartner hatte, sich mit der bindenden Schlichtung von Arbeitsstreitigkeiten einverstanden zu erklären nicht nur dem Diktat der Vernunft, sondern auch den Forderungen der
Praxis folgend.
Soll diese sich anbahnende Entwicklung erfolgreich verlaufen, so
können wir auf die Dienste erfahrener, weitblickender und einfallsreicher "Dritter" nicht verzichten. Sie müssen noch dazu viel Geduld
aufbringen, sich ein selbständiges Urteil
bilden können und ansonsten durchaus die Qualitäten besitzen, die bei einem Schlichter immer
schon vorausgesetzt werden. Die Auslegung eines Tarifvertrags ist eine
handwerkliche Tätigkeit im Vergleich zu der Tätigkeit der "Architekten"
neuer Tarifverträge, wie sie uns vorschweben. Im einen Fall kann man
die Dinge nehmen, wie sie sind, im anderen Falle gilt es, selbst etwas
Neues, bisher nicht Dagewesenes zu schaffen, neue Antworten zu geben,
neue Ideen zu entwickeln.
Es liegt mir fern, hier den Eindruck zu erwecken, wir seien uns
selbst genau darüber im klaren, wie dieses "konstruktive" oder "schöpferi
sehe Tarifverhandlungswesen" der Zukunft eigentlich aussehen soll. Wir
sind es nicht. Die Erkenntnis der dringenden Notwendigkeit neuer Anstrengungen wie auch die Erfahrung der Vergangenheit werden die künftige Gestalt des Kollektivverhandlungswesens bestimmen. Es ist durchaus denkbar, daß sich eine ganz andere Formel oder ein ganz anderer Vorschlag
als die beste unter den denkbaren Lösungen herauskristallisiert. Den
Fachleuten im Bereich des Schlichtungswesens stellt sich die Aufgabe,
sich maßgeblich an der Suche nach einer solchen Formel oder einem solchen Vorschlag zu beteiligen.
Die allgemein anerkannte Institution der freien Kollektivverhandlungen sieht sich heute vor eine Bewährungsprobe gestellt, die ihr zu
einem guten Teil aus den jüngsten Ergebnissen der Forschung und Technik erwächst. Es ist in diesem Zusammenhang auch angebracht, sich erneut
Gedanken darüber zu machen, warum der wissenschaftliche Fortschritt ein
so offenkundiges und in gewisser Hinsicht bedrohliches Übergewicht über
den Fortschritt in der Entwicklung unserer demokratischen Institutionen
hat.
Sicherlich ist der Wissenschaftler nicht weiser als der Politiker.
Ist er etwa freier und unbefangener, wenn es darum geht, etwas in Zweifel zu ziehen, zu erproben und für Ideen einzutreten, die von herkömmlichen Vorstellungen abweichen? Erleben wir vielleicht - wenn auch mit
umgekehrten Vorzeichen - eine Zeit, die dem Mittelalter vergleichbar
wäre, als man Naturwissenschaftler wegen ihrer Entdeckungen als Ketzer
verdammte, während die Politiker mehr oder weniger unangefochten den
Boden für den Aufbau demokratischer Institutionen bereiten konnten?
Steht die Demokratie hier vielleicht vor ihrer entscheidenden Bewährungsprobe, in der sie an einer sich eben erst dunkel abzeichnenden Gesellschaft gemessen werden wird - in einem Bereich, in dem jeder diktatorische Zwang ohnehin versagt?
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�Der amerikanische Botschafter bei den Vereinten Nationen,
Adlai Stevenson, hat in New York einmal erklärt: "Wir haben erfahren,
daß die moderne Technik die Faust des Despoten und den Zugriff des
Diktators zu stärken vermag - und nicht zuletzt aus diesem Grunde
wissen wir, daß wir die Demokratie heute mehr als je zuvor brauchen.
Die Demokratie aber ist kein Automatismus, der aus sich selbst heraus
funktioniert. Es liegt an uns, ihr Leben einzuhauchen."
Kollektivverhandlungen aber sind Wirtschaftsdemokratie in ihrer
praktischen Verwirklichung. Es ist an uns, ihr Leben einzuhauchen.

* * * * *

196$ brachte neuen Stil im Tarifverhandlungswesen
In lohn- und sozialpolitischer Hinsicht war das Jahr 19&amp;2 eines
der ruhigsten und erfolgreichsten in der Geschichte der Vereinigten
Staaten. Alle, Regierung, Unternehmer, Gewerkschaften und Arbeitnehmer, können mit dem Gesamtverlauf insofern mehr als zufrieden sein,
als sie alle ihre Absichten und Ziele weitgehend realisieren konnten.
Der Regierung war es auf Grund ihrer gezielten wirtschaftspolitischen Maßnahmen möglich, die gute Konjunktur zu erhalten, die Gesamtbeschäftigtenzahl um rund eine Million (auf fast 70 Mio.) zu erhöhen,
die Zahl der Arbeitslosen auf 3,5 Millionen herabzudrücken und die
Preise weitgehend stabil zu halten - ein Erfolg, an dem auch die Gewerkschaften insofern großen Anteil haben, als sie sich mit Lohnerhöhungen von im Durchschnitt 3,1 Prozent (in den ersten 9 Monaten) zufriedengaben. Da jedoch gleichzeitig auch die Lohnnebenleistungen verbessert
und die gesetzlich vorgeschriebenen Mindestlohnsätze für etwa 2,6 Millionen Arbeitnehmer von 1,15 Dollar auf 1,25 Dollar pro Stunde angehoben
wurden, dürften die Arbeitnehmer 1963 mit den erreichten materiellen
Verbesserungen zufrieden gewesen sein.
Daß das abgelaufene Jahr weder industrieweite, das Wirtschaftsleben des gesamten Landes lähmende Streiks noch lautstarke lohn- und
sozialpolitische Auseinandersetzungen brachte, ist wohl der erfreulichste Aspekt überhaupt. Es ist durchaus möglich, daß man später einmal das Jahr 19^5 als den großen Wendepunkt in den Beziehungen zwischen
Management und Gewerkschaften bezeichnet. Der sich bereits 1 962 abzeichnende Trend nämlich, die wichtigsten tarifpolitischen Streitpunkte
zwischen den Sozialpartnern schon lange vor Beginn der eigentlichen
Verhandlungen in einem gemeinsamen Beratungsausschuß zu klären,so daß
für die vertragschließenden Parteien lediglich die Paraphierung des
Abkommens übrigbleibt, hat sich im abgelaufenen Jahr ganz wesentlich
verstärkt. Nach dem Beispiel der Stahlarbeitergewerkschaft, die im
Frühjahr nach diesem-Verfahren ihren neuen Vertrag mit den großen
Stahlunternehmen - ganz im Gegensatz zu früheren Jahren - lautlos über
die Bühne brachte, haben sich 1963 auch die Gewerkschaften der Automobil-, Gummi-, Elektro- und Ölarbeiter mit der Schaffung gemeinsamer
tarifpolitischer Studienausschüsse zum neuen Stil im amerikanische»
Tarifverhandlungswesen bekannt,
,
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�Auch ein anderer Trend, der sich in jüngster Zeit immer deutlicher
abzeichnete, hat wesentlich zur Beruhigung des gesamten lohn- und tarifpolitischen Klimas in den Vereinigten Staaten beigetragen: der Abschluß von langfristigen Tarifverträge» mit einer Laufzeit von zwei
bis fünf Jahren. Die Tatsache, daß im vergangenen Jahr bereits 3,5
Millionen von Großtarifverträgen erfaßte Arbeitnehmer automatisch eine
Lohnaufbesserung auf Grund von in den Vorjahren abgeschlossenen Verträgen erhielten, zeigt, welch eine große wirtschaftliche und lohnpolitische Bedeutung diese langfristigen Verträge in den USA bereits
gewonnen haben.
Durch die Abkehr von der bisherigen Praxis der jährlichen Lohnverhandlungen und durch den Abschluß von Verträgen mit festen und terminierten Lohn-Steigerungsraten ist es einerseits den Unternehmern möglich, die auf sie zukommenden Lohnkosten über einen längeren Zeitraum
abzuschätzen und sich auf die Belastungen einzustellen, während sich
anderseits die Gewerkschaften intensiver als bisher mit anderen brennenden Fragen befassen können.
Daß die Lohnfragen in Anbetracht der durch die Automation ausgelösten großen Umwälzungen auf dem Beschäftigungssektor immer mehr in den
Hintergrund und die Sicherung der Arbeitsplätze und verwandte Probleme
viel stärker in den Vordergrund treten, beweisen die Forderungen, die
die amerikanischen Gewerkschaften im letzten Jahr am Verhandlungstisch
stellten. Hierzu gehören in erster Linie: die kostenlose Umschulung
von freigesetzten Arbeitskräften auf Zukunftsberufe oder ihre Umsetzung
an verwandte Arbeitsplätze im gleichen Betrieb, die Zahlung von Entlassungsgeldern, die Gewährung von Umschulungs- und Umzugsbeihilfen
und die Schaffung zusätzlicher Arbeitsplätze durch die Gewährung eines
längeren Urlaubs an langjährige Mitarbeiter.
In fast allen im vergangenen Jahr abgeschlossenen Großtarifverträgen (mehr als 1000 Arbeitnehmer) wurde diesen Forderungen der Gewerkschaften von den Unternehmern ganz oder teilweise entsprochen. Besonders bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang das neue Abkommen zwischen der Stahlarbeitergewerkschaft und den Stahlwerken, das für sämtliche Mitarbeiter mit mehr als 10 Dienstjähren alle fünf Jahre einen
bezahlten Sonderurlaub von 13 Wochen vorsieht.
Auch im Jahr 1964 dürften diese gewerkschaftlichen Forderungen
die Tarifverhandlungen weitgehend bestimmen, während sich die Lohnforderungen wahrscheinlich im Rahmen der vergangenen Jahre halten und
in etwa dem zu erwartenden Produktivitätszuwachs entsprechen werden.

(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

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�Betrieblich geförderte Freizeitprogramme
Betriebs-Erholungsprogramme haben sich in der amerikanischen
Industrie immer deutlicher als wesentlicher Faktor eines gesunden
Betriebsklimas herausgestellt. Denn nicht nur wirtschaftliche Erwägungen veranlassen Arbeitnehmer zu Bestleistungen; Zufriedenheit am
Arbeitsplatz, die aus Anregungen und der Gelegenheit zur Selbstbestätigung in interessant gestalteter Freizeit erwächst, trägt ebenso
dazu bei .
Eine ganze Reihe amerikanischer Großbetriebe verfügt heute über
großzügig und zweckmäßig angelegte Parks und Klubhäuser, in denen Belegschaftsmitglieder und ihre Familienangehörigen jede Art von Sport
betreiben können. Firmen mit begrenzteren Mitteln haben die Gründung
von Sportvereinen und Freiseitklubs gefördert und ihnen finanzielle
Zuschüsse zur Beschaffung der notwendigen Einrichtungen und Räumlichkeiten gewährt. In den meisten Betrieben koordiniert ein aus jährlichen Belegschaftswahlen hervorgegangenes Arbeitnehmergremium die
verschiedenen Programme. Besonders beliebt sind Kegeln, Ballspiele
und Tischtennis; und auch die zahlreichen Klubs der Briefmarken- und
Photofreunde, Schachvereine, Chorgruppen, Mal- und Bastelgemeinschaften
bestätigen die Vielfalt der Entspannungsmöglichkeiten, die amerikanische Betriebe ihren Mitarbeitern heute zu bieten versuchen.
Bei der Ford Motor Company erreicht man dieses Ziel durch ein
reich gegliedertes Angebot von sportlichen,gesellschaftlichen, kulturellen und unterhaltenden Programmen, wobei Veranstaltungen mit besonders
großer Beteiligung der Belegschaft und ihrer Familienangehörigen stark
gefördert werden. Jede Freizeit-Gruppe erhält größtmögliche Freiheit
bei der Regelung ihrer internen Angelegenheiten. Beauftragte des Betriebs sorgen für eine Koordinierung der einzelnen Programme; und auch
hierbei stehen notwendige finanzielle Zuschüsse und Hilfe für anfallende
Verwaltungsarbeiten zur Verfügung.
Am umfangreichsten ist das Betriebs-Erholungsprogramm des FordWerkes "River Rouge" in Dearborn (Michigan), an dessen einzelnen Phasen
im Jahr 1962 über 1,2 Millionen Personen aus der Umgebung Detroits teilgenommen haben. Das Detroiter Programm selbst umfaßt mehr als 60 verschiedene Freizeitbetätigungen. Es gibt 30 in Ligen zusammengeschlossene
Korbballmannschaften, 130 Kegelgruppen, 160 Softball- und 8 VolleyballMannschaften. Unter den 23 Klubvereinigungen ist der "Ford Archers
Club" der Bogenschützen mit seinen rund 100 Mitgliedern einer der ältesten Betriebsvereine im Gebiet von Detroit. Daneben gibt es den 90
Stimmen starken Ford-Chor, der sehr häufig zu öffentlichen und betriebsinternen Veranstaltungen herangezogen wird. Schließlich bietet
ein "Gourmet Club" den Mitarbeitern der Ford-Werke Gelegenheit zum Besuch von Theaterabenden, Konzerten und zur Teilnahme an Sonderfahrten.
Selbstverständlich gibt es auch, wie es einem solchen Klub ansteht,
gutes Essen und Geselligkeit.
Für die Kinder der Betriebsangehörigen werden in den Sommermonaten Tageslager veranstaltet, wo sie unter Aufsicht schwimmen, Sport
treiben und basteln können . Zweimal im Jahr finden Festbanketts mit

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�mit Siegerehrungen für die aus den Klubwettbewerben und Liga-Ausscheidungskämpfen hervorgegangenen Einzelsieger und Siegermannschaften
statt. Für die jährliche Kunstausstellung der Ford-Werke (Ford Employees
Art Show) wurden 1962
652 Werke der verschiedensten Maltechniken angenommen .
Auch Betriebsausflüge fehlen nicht. Rechnet man ihre Teilnehmerzahlen zusammen, so ergibt sich für 1962 die stattliche Summe von
40 000 Menschen, die dabei Freude und Entspannung fanden.

(Quelle: Eigenbericht)

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US-Eisenbahnen können"zweiten Mann" auf Dieselloks abbauen
In der seit über zwei Jahren zwischen der Gewerkschaft der Lokomotivführer und Heizer und den US-Eisenbahngesellschaften schwelenden
Auseinandersetzung über die Besetzung der Fahrstände von Diesellokomotiven und die Stärke des Zugbegleitpersonals hat jetzt der im Herbst
1962 vom amerikanischen Kongreß eingesetzte Sonderausschuß einen
Schiedsspruch gefällt. Danach wird den Eisenbahngesellschaften das Recht
eingeräumt, 90 Prozent der insgesamt 40 000 im Fracht- und Rangierdienst
auf Dieselloks eingesetzten "Heizer" abzubauen. Gleichzeitig wird den
Gesellschaften jedoch zur Auflage gemacht, den Abbau der "zweiten Männer"
auf den Dieselloks allmählich vorzunehmen und Entlassungen auf ein Minimum zu beschränken.
Allen Heizern mit mehr als 10 Dienstjahren - das sind rund zwei Drittel aller Betroffenen - muß nach dem Schiedsspruch eine Beschäftigungsgarantie auf Lebenszeit gewährt werden; desgleichen haben die Eisenbahngesellschaften dafür zu sorgen, daß mindestens 10 Prozent der von dieser
Beschäftigungsgarantie nicht betroffenen Arbeitnehmer ein anderer Arbeitsplatz nachgewiesen wird.
Alle jene Heizer, die eine Dienstzeit von 2 bis 10 Jahren haben,
müssen nach dem Schiedsspruch an ihren derzeitigen Arbeitsplätzen weiterbeschäftigt oder aber - bei Fortzahlung der bisherigen Löhne - auf
andere Arbeitsplätze umgesetzt werden.
Die rund 2000 Heizer, die eine geringere Dienstzeit als zwei Jahre
aufweisen, können dagegen entlassen werden. Sie haben jedoch Anspruch
auf ein angemessenes Entlassungsgeld.
Ob mit diesem Schiedsspruch die Auseinandersetzung, die in den
vergangenen Jahren immer wieder zu Streikandrohungen der verschiedenen Eisenbahnergewerkschaften - vor allem der "Brotherhood of Locomotive Firemen and Enginemen" - führte und die Regierung schließlich zum
Eingreifen zwang, endgültig beigelegt ist, bleibt abzuwarten. Zwei

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�Zwei der von dem Schiedsspruch betroffenen und als Tarifpartner der
Eisenbahnen anerkannten Gewerkschaften haben sofort nach Bekanntwerden des Spruches mitgeteilt, daß sie diesen Entscheid beim Obersten
Bundesgericht anfechten wollen.
Ob diese Anfechtungsklage jedoch zugelassen wird, ist zweifelhaft. Die vom Kongreß am 29. August 1963 gebilligte Resolution über
eine Zwangsschlichtung, durch die der Eisenbahnerstreik bekanntlich
in letzter Minute abgewendet wurde, bestimmt nämlich, daß der von
dem siebenköpfigen Sonderausschuß zu fällende Schiedsspruch für zwei
Jahre bindend sein soll.
Der seinerzeit eingesetzte Schiedsausschuß, der unter dem Vorsitz
des bekannten Schlichters Ralph T. Seward stend, setzte sich aus je
zwei Vertretern der Sozialpartner und drei Vertretern der Öffentlichkeit zusammen, die von Präsident Kennedy ernannt worden waren. Aufgabe
des Ausschusses war es, lediglich die beiden strittigen Hauptpunkte
in der Auseinandersetzung zwischen den Gewerkschaften und den Eisenbahnen - Besetzung der Fahrstände von Dieselloks und Stärke des Zugbegleitpersonals - durch einen Schiedsspruch zu regeln.

(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

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15 -

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material Über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
USIS-Bonn/Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XVII - 2

Bad Godesberg, den 1. Februar 1964
INHALTSVERZEICHNIS

Gewährleistung gleicher Berufschancen für
Amerikas Minderheiten
Die wirtschaftliche Lage der amerikanischen
Gewerkschaften
Gewerkschaftliche Kurznachrichten
Sonderbeilage: Präsident Lyndon B. Johnsons
Botschaft über die Lage der Nation (8. Januar 1964)

Seite 1
Seite 5
Seite 11

Robert Taylor jr., Stellvertretender Vorsitzender und Geschäftsführer des Präsidialausschusses zur Sicherung
gleicher Beschäftigungsbedingungen:
Gewährleistung gleicher Berufschancen für Amerikas Minderheiten
"Diskriminierung auf Grund von Rasse, Glauben,
Hautfarbe und nationaler Herkunft widerspricht
den Grundsätzen unserer Verfassung und der Politik der Vereinigten Staaten. Es ist die klare
und eindeutige Verpflichtung der US-Regierung,
ohne Rücksicht auf Rasse, Glauben, Hautfarbe
oder nationale Herkunft gleiche Beschäftigungsbedingungen für alle qualifizierten Personen, die im Bundesdienst oder im Rahmen von
Regierungsaufträgen beschäftigt sind oder um
Beschäftigung nachsuchen, zu fördern und zu
siehern,"
Präambel des Präsidialerlasses Nr. 10 925
vom 6. März 1961)
Eine Welt voller Hoffnungen öffnete
als er im vergangenen Sommer eines Tages
blechwerker fand. Und dann brachen seine
men: die Gewerkschaft bestand auf seiner
reguläre Lehrzeit nachweisen konnte,,

sich für Wynnand Normand,
endlich Arbeit als WalzHoffnungen wieder zusamEntlassung, weil er keine
Doch

�Doch Normand fühlte sich unfair behandelt. Den Grund hierfür
glaubte er in seiner Rassenzugehörigkeit zu erkennen - in der Tatsache also, daß er zu den 19 Millionen Negern der USA zählt. Ärger
und Schmerz mischten sich mit seiner Sorge um Frau und vier Kinder,
um sein Haus und seine Zukunft. Glücklicherweise wurde Normands
Fall vor den Präsidialausschuß zur Sicherung gleicher Beschäftigungsbedingungen gebracht, der seiner Klage stattgab und dafür sorgte, daß
Normand nicht nur seinen Arbeitsplatz wiederbekam, sondern auch als
gelernter Walzblechwerker mit einem Stundenlohn von 4,65 Dollar eingestellt wurde, da ihn seine Berufserfahrung voll für diese Tätigkeit
qualifizierte.
Normands Fall war einer von 4000, die bisher vor dem Präsidialausschuß verhandelt wurden. In 75 Prozent der Fälle wurden Diskriminierungen bei der Einstellung, Ausbildung, Beförderung oder Entlassung
von Arbeitnehmern festgestellt und gerechte Regelungen herbeigeführt.
Wo liegen die Gründe für die Schaffung dieses einzigartigen
Präsidialausschusses und wie ist seine Arbeitsweise?
In den Vereinigten Staaten hat es - wie in vielen anderen Ländern - seit über hundert Jahren Diskriminierungen gegeben. Viele
Amerikaner sind allein oder in Gemeinschaft mit anderen erfolgreich
gegen destruktive Praktiken dieser Art vorgegangen . Ein Wandel vollzieht sich oft jedoch nur recht langsam, und Minderheiten, gegen die
Diskriminierungen gerichtet sind,tragen schwer an der Last wirtschaftlicher und sozialer Unsicherheit und Entbehrungen.
In der Vergangenheit lag die Arbeitslosigkeit unter den Minderheitengruppen zweieinhalbmal so hoch wie bei den übrigen Arbeitnehmern, und das Durchschnittseinkommen betrug weniger als 60 Prozent
des Einkommens weißer Amerikaner. Historische wie aktuelle Ereignisse
lassen erkennen, daß sich diese Verhältnisse nur überaus langsam ändern, wenn nicht der Staat eine entscheidende Rolle in der Gewährleistung gleicher Berufschancen übernimmt.
Am 6. März 1961 unterzeichnete Präsident John F. Kennedy den
Präsidialerlaß Nr. 10 925, eines der wichtigsten Dokumente der letzten
Jahre, in dem er die Richtlinien zur Sicherung gleicher Beschäftigungsbedingungen festlegte. Den gleichzeitig geschaffenen Präsidialausschuß
stattete er mit weitgehenden Vollmachten aus und erteilte ihm den Auftrag, für die Beseitigung von Diskriminierungen im Bundesdienst, im
Rahmen von Regierungsverträgen und allen von der Bundesregierung
geförderten Straßenbau-, Krankenhausbau-, kommunalen und ähnlichen
Bauprojekten zu sorgen. Den Vorsitz übernahm Lyndon B. Johnson, damals Vizepräsident der Vereinigten Staaten; sein Stellvertreter wurde
später US-Arbeitsminister W. Willard Wirtz, der in dieses Amt nicht
nur seine reiche Erfahrung auf arbeitsrechtlichem Gebiet mitbrachte,
sondern bereits in seinem Ministerium beträchtliche Mittel zur Sicherung gleicher Berufschancen eingesetzt hatte,
"Vollstreckung" und "Überredung" sind die beiden notwendigen
und unerläßlichen Werkzeuge, mit denen der Ausschuß sein Ziel zu
erreichen sucht, sowohl bei Regierungsbehörden wie bei Privatunternehmen. Ein Verbot jeglicher Diskriminierung wird als Sonderklausel

2

�Sonderklausel in alle mit Privatfirmen abgeschlossene Regierungsverträge aufgenommen. Verstöße gegen diese Klausel können eine
Annullierung des Vertrags oder andere Strafen nach sich ziehen.
Man war sich im klaren, daß greifbare Beweise für die Erfüllung
der Vertragsklausel vorgelegt werden müssen. Deshalb wurde ein Berichtssystem ausgearbeitet, demzufolge Privatfirmen, die mit der USRegierung Geschäfte im Wert von über 50 000 Dollar jährlich tätigen
und mehr als 50 Angestellte beschäftigen, zur Vorlage von Belegschaf ts-Erstberichten und anschließenden Belegschafts-Jahresberichten verpflichtet sind. Sie sollen zeigen, welche positiven Maßnahmen zur Sicherung gleicher Beschäftigungsbedingungen ergriffen wurden,
und dokumentieren, daß alle Einstellungen auf gleichberechtigter
Basis erfolgten,und zwar nicht nur bei ungelernten Kräften, sondern
für alle Positionen, sofern die erforderlichen Qualifikationen nachgewiesen wurden. Darüber hinaus sind die Firmen verpflichtet, positive
Programme zur Anwerbung von Stellungsuchenden und Ausbildung von Belegschaftsmitgliedern aus den Minderheitengruppen zu entwickeln.
Die vertragschließenden Regierungsbehörden sind für die Einhaltung des Diskriminierungsverbots verantwortlich. Jede Behörde ordnet
eigene Beamte zu den wichtigsten Beschaffungszentralen ab mit dem Auftrag, die Personalpolitik der Vertragsfirmen zu überprüfen und ihnen
verwaltungstechnische Hilfe bei der Ausarbeitung neuer Personal-Programme zur Verfügung zu stellen. Die Beamten kontrollieren, ob die einzelnen Betriebe ihren vertraglichen Verpflichtungen nachkommen. Sie
interviewen leitende Angestellte und Belegschaftsmitglieder und überwachen ganz allgemein alle betrieblichen Antidiskriminierungsmaßnahmen. Lassen sich Beweise für einen bewußten Verstoß gegen die Vorschriften des Präsidialerlasses oder die Vertragsklausel feststellen,
dann sind die Behörden und der Präsidialausschuß zur Annullierung des
Vertrags oder zur Ausschließung des Vertragsbrüchigen Unternehmens
von der Vergabe künftiger Regierungsaufträge befugt.
Man schätzt, daß dem Präsididialausschuß Erfüllungsberichte von
38 000 Unternehmen mit 50 000 Betrieben und über 20 Millionen Beschäftigten aus allen Teilen der USA zugehen werden. Unter ihnen
dürften sich die meisten amerikanischen Industriewerke befinden.
Als nicht weniger wichtig für den Erfolg des Präsidialerlasses
hat sich Überredung erwiesen. Hunderte von Unternehmen haben sich von
ihrer Verantwortung überzeugen lassen und damit begonnen, bessere
Berufschancen zu schaffen und in ihrem Einflußbereich eine Haltungsänderung gegenüber den Minderheiten zu bewirken. Um sie darin zu
unterstützen und andere Unternehmen zu Ähnlichem anzuspornen, wurde
vom Präsidialausschuß ein Programm "Pläne für den Fortschritt" ins
Leben gerufen, an dem sich Firmen, die nicht Vertragspartner der USRegierung sind, beteiligen können. Über 120 Unternehmen haben Einzelpläne dieser Art unterzeichnet und vorausschauende Einstellungs-,
Ausbildungs-, Einstufungs- und ßeförderungsrichtlinien für Angehörige
der Minderheitengruppen entworfen. Ihre Arbeit gilt auch der Überwindung veralteter Verhaltensweisen, die den freien Fluß von Arbeitskräften und Arbeitsinformationen hemmen.
Ein

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3 -

�Ein 19 Mitglieder umfassender Beirat wurde -von einigen der
bedeutendsten amerikanischen Gesellschaften gebildet, um diesem
kooperativen Programm zu größtmöglicher Wirkung zu verhelfen.
Seine Vorschläge erleichtern den am Programm beteiligten Firmen die
Erfüllung ihrer Verpflichtungen. Und hier liegt die entscheidende
Rolle des Beirats. Fünf Großunternehmen haben ihm Personalexperten
zur Verfügung gestellt, die neue Methoden zur Erschließung von
Arbeitsplätzen in der Industrie ausarbeiten.
Auch auf dem zweiten Tätigkeitsgebiet des Präsidialausschusses
haben sich vielversprechende Ergebnisse eingestellt: Im Bundesdienst
erhielten im Zeitraum Juli 1961 bis Juni 1962 Neger, die größte Minder
heitengruppe der USA, 10 737 - oder 17 Prozent - der 62 653 offenen
Stellen. In den mittleren Gehaltsstufen mit Jahresgehältern von
4565 bis 10 165 Dollar ist die Zahl der Neger um 19 Prozent gestiegen, obwohl die Gesamtstellenzunahme in diesen Gruppen nur 5,9 Prozent betrug. Im allgemeinen finden hier Juristen, Techniker und
Wissenschaftler ihre Anfangsstellungen.
In den oberen Gehaltsstufen, die ein hohes Maß fachlicher Qualifikation voraussetzen und Jahresgehälter zwischen 9475 und 20 000
Dollar bieten, ist die Zahl der Neger um 35»6 Prozent gestiegen,
obwohl die Gesamtstellenzünahme nur 9»5 Prozent betrug.
Statistische Angaben über den Personalstand der im Regierungsauftrag arbeitenden Vertragsfirmen lassen ähnliche Fortschritte erkennen. Eine Übersicht der 50 größten Vertragsfirmen zeigt, daß
in einer Sechsmonatsperiode bei einer Gesamtzunahme von 37 807 neuen
Arbeitsplätzen farbige Arbeitnehmer 9308 oder 24*6 Prozent der Stellen
erhielten. Als die Programme des Präsidialausschusses anliefen, waren
in diesen Firmen nur 3,8 Prozent der Arbeitsplätze von Farbigen besetz
Am größten war die Zunahme in den leitenden Positionen, im Verkauf
und in der-Technik, nämlich 13,3 Prozent, 44»2 Prozent und 11,2 Prozent .
Die Erfolge des Präsidialausschusses sind unverkennbar. So eindrucksvoll die bisherigen Statistiken auch sein mögen, seine Mitglieder und sein hauptamtlicher Mitarbeiterstab sind sich darüber im
klaren, daß sie erst am Anfang ihrer Arbeit stehen. In gemeinsamer
Anstrengung mit der Industrie bemüht sich die amerikanische Regierung,
jene sozialen Schranken zu beseitigen, die in der Vergangenheit Diskriminierungen zugelassen haben. Dies geschieht zum Nutzen aller
Amerikaner, und nicht zum ganz besonderen Vorteil einer einzelnen
Bevölkerungsgruppe. Denn jeder einzelne sollte auf Grund seines
inneren Wertes, seines Charakters, seiner Redlichkeit und seiner
Leistungen beurteilt werden - und nicht auf Grund von Äußerlichkeiten
wie die Farbe seiner Haut.

(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

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4

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�James B. Carey, Vorsitzender der Elektro-, Radio- und
Maschinenmechanikergewerkschaf t (IUE):
Die wirtschaftlichen Ziele der amerikanischen Gewerkschaften
Seit 1956 ist trotz eines Anstiegs des Bruttosozialprodukts
der USA um 80 Milliarden Dollar die Zahl der Arbeitnehmer in der
amerikanischen Fertigungsindustrie um annähernd 500 000 zurückgegangen. Noch wichtiger ist die Tatsache, daß heute für Produktions- und Wartungspersonal eine Million Arbeitsplätze weniger
vorhanden sind als damals.
Dieser Beschäftigungsrückgang vollzog sich, obwohl die Gesamt-Industrieproduktion seit 1956 um 18 Prozent zunahm und im
Jahr 1962 eine Rekordhöhe erreichte - das Ergebnis einer beträchtlichen Produktivität ssteigerung der amerikanischen Wirtschaft.
In den Industriearbeiterberufen wurde damit ein Umschichtungsprozeß eingeleitet, der zum Abbau von Arbeitsplätzen in der Produktion und zu einem größeren Bedarf an Technikern führte. Diese Entwicklung stellt die meisten amerikanischen Gewerkschaften, die sich
bisher vor allem um die Industriearbeiterschaft bemüht haben, vor
neue Aufgaben und Probleme.
Es überrascht nicht, daß angesichts der starken Arbeitslosigkeit in der Industrie der amerikanische Gewerkschaftsverband AFLCI0, dem vor allem Industriearbeiter angehören, in vorderster Front
im Kampfe gegen die Arbeitslosigkeit steht. Seine Hitglieder und
ihre Familien haben am meisten unter mangelnder Vollbeschäftigung
zu leiden.
Trotz anhaltender beträchtlicher Arbeitslosigkeit ist das
Bruttosozialprodukt, bei Zugrundelegung eines festen Dollarwertes,
auch seit 1958 weiter angestiegen. Unter diesen Umständen ist es
schwierig, für volkswirtschaftliche Reformen und ein Programm der
Vollbeschäftigung volle politische Unterstützung zu gewinnen.
Die amerikanischen Gewerkschaften sind infolgedessen zum Umdenken und Umformulieren ihrer wirtschaftlichen Ziele und Programme gezwungen. Nur auf Arbeitslosigkeit hinzuweisen, genügt nicht
mehr, wenn so viele Bevölkerungsteile von ihr kaum betroffen werden. Konservative Kreise können auf das - wenn auch bescheidene Ansteigen des Bruttosozialproduktes in jedem Jahr verweisen.
Aus diesen Gründen pochen der amerikanische Gewerkschaftsverband AFL-CI0 und seine Mitgliedgewerkschaften immer wieder auf die
Notwendigkeit einer wirtschaftlichen Wachstumsrate, die mit dem
wachsenden Arbeitskräftepotential und den technischen Fortschritten in den Vereinigten Staaten in Einklang steht. Obwohl 1962 das
US-Bruttosozialprodukt gegenüber 1959 um 51 Milliarden Dollar höher lag, gab es keinen Rückgang der Arbeitslosigkeit, die 1962
stärker war als 1959 - ein Ergebnis des wachsenden Arbeitskräftepotentials und der Verbesserungen in Technik und Ausbildung, die
zur Steigerung der individuellen Produktivitätsraten geführt haben.
Auf

- 5 -

�Auf dem Gebiet der Technik wird sich in den vor uns liegenden Jahren ein noch stärkerer Wandel vollziehen. Experten rechnen
für die Zeit zwischen 1960 und 1970 mit einem Arbeitskräftezuwachs
von jährlich annähernd 1,3 Millionen neuen Arbeitsuchenden, einer
Zunahme, wie sie in den USA bisher in diesem Ausmaß nicht erlebt
wurde.
Angesichts dieser Tatsachen besteht die AFL-CIO auf einer
schnelleren Wachstumsrate als wesentlicher Voraussetzung eines
echten wirtschaftlichen Fortschritts in den Vereinigten Staaten,
der nicht Hillionen Arbeitslose und Teilbeschäftigte von wahrem
Wohlstand ausschließt.
Bei Zugrundelegung des bisherigen Produktivitätstrends und
der zu erwartenden Arbeitskräftezunahme wird nach Schätzungen der
AFL-CIO nur eine reale Steigerung des Bruttosozialprodukts von
jährlich nicht weniger als viereinhalb bis fünf Prozent die amerikanische Wirtschaftskraft erhalten können. Diesen Zahlen liegt
ein jährlicher Produktivitätszuwachs von drei bis dreieinhalb Prozent und eine Zunahme der Arbeitskräfte von eineinhalb Prozent
zugrunde.
Selbst bei diesen Angaben handelt es sich um vorsichtige Schätzungen; denn die Vereinigten Staaten stehen zunächst einmal vor der
unmittelbaren Aufgabe, einen Berg von Arbeitslosigkeit abzutragen,
ehe sie eine jährliche Zuwachsrate von fünf Prozent als Grundlage
ihrer Wirtschaftsentwicklung akzeptieren können. Für die nächsten
Jahre ist deshalb eine Zuwachsrate von acht oder neun Prozent erforderlich, um Millionen von Arbeitslosen erst einmal wieder produktiver Arbeit zuzuführen. Eine solche Zuwachsrate läßt sich bei
ernsthafter Planung ohne weiteres erreichen und für ein Jahr oder
länger beibehalten.
Statt auf einer Höhe von fünf Prozent lag in den vergangenen
zehn Jahren der Anstieg des amerikanischen Bruttosozialprodukts bei
jährlich etwa zweieinhalb Prozent. Wenn wir gegen die Stagnation
der letzten Jahre auch weiterhin nichts unternehmen, werden sich
unsere ohnehin schweren Arbeitslosenprobleme nur noch verschärfen.
Die Einbußen infolge dieser anhaltenden Stagnation sind gewaltig. Eine vorsichtige Schätzung des Wirtschaftsbeirats des US-Präsidenten veranschlagt die Verluste, die sich seit 1958 als Folge
mangelnder Beschäftigung ergeben haben, auf 170 Milliarden Dollar.
Es gibt in Fülle Beweise dafür, daß die wirtschaftlichen Stok- ,
kungen der vergangenen Jahre hauptsächlich auf eine Schwächung der
Konsumkapazität der Vereinigten Staaten zurückzuführensind. Wir
vertreten diese Ansicht trotz des von konservativen Kreisen vorgebrachten traditionellen Arguments, daß nur größere Investitionsanreize und Chancen für das Großkapital noch aus den wirtschaftlichen Schwierigkeiten der letzten Zeit herausführen.
Zur Verdeutlichung der Milchmädchenrechnung, die diesem Argument zugrunde liegt, genügt der Hinweis, daß seit fünf Jahren Amerikas Industrie weit unter ihrer vollen Betriebskapazität arbeitet.
Selbst 1962, in einem Jahr verhältnismäßig hoher Auslastung, erreichte sie nur knapp 85 Prozent.
Zwar

�Zwar begrüßen die amerikanischen Gewerkschaften jede erhöhte
Investitionstätigkeit zur Stützung der Wirtschaft - gleichviel, ob
dies in den Vereinigten Staaten, in England oder sonstwo geschieht -,
hinsichtlich der Produktionskapazität besteht in den USA jedoch ganz
offensichtlich kein größerer Fehlbedarf. Andererseits kann, wie der
Chefberater des Gemeinsamen Wirtschaftsausschusses des US-Kongresses
feststellte, der größte Teil des Froduktions- und Beschäftigungsrückgangs bis zu 75 Prozent "unmittelbar der niedrigen Wachfrage
nach Verbrauchsgütern und nichtlandwirtschaftlichen Wohnbauten zugeschrieben werden".
Für die amerikanischen Gewerkschaften sind die Konsequenzen
einer Analyse dieser Art ebenso klar wie die eigenen Erfahrungen
der letzten zehn Jahre. Soll die amerikanische Wirtschaft aus ihrer
Lethargie zu voller Erholung und Expansion geführt werden, dann
müssen Mittel und Wege zur Belebung der Verbrauchernachfrage gefunden werden.
Leider hnt die amerikanische Wirtschaftspolitik der vergangenen zehn Jahre nicht diese Richtung oinges^hlagav. Die Steuerreformen von 1954 und I962 haben der amerikanischen Geschäftswelt
Sonderkonzessionen in Form von günstigen Abschreibungsbedingungen
und besonderen Investitionskredit-Anreizen eingeräumt.
Mit Blick auf die ernsten Probleme der Arbeitslosigkeit und
eines mangelhaften Wirtschaftswachstums haben die amerikanischen
Gewerkschaften ein Programm zur Ankurbelung der US-Wirtschaft ausgearbeitet. Größtes Gewicht legen sie dabei auf Maßnahmen, die zu
einer raschen Erholung zum jetzigen Zeitpunkt und nicht erst in
ferner Zukunft führen. Deshalb treten sie für eine sofortige Steuersenkung in Höhe von 10 Milliarden Dollar ein, die sich vor allem
auf die unteren Einkommensschichten konzentrieren soll. Die sich
hieraus ergebende Erhöhung der Nettolöhne und -gehälter würde ihren
unmittelbaren Niederschlag in größeren Einzelhandelsumsätzen finden.
Dies würde sich seinerseits auf die Gesamtwirtschaft der USA auswirken und zu umfangreichen Neueinstellungen in der Industrie führen.
Ziel der gewerkschaftlichen Steuervorschläge ist eine Korrektur
des amerikanischen Wirtschaftsproblems Nummer eins: unzureichende
Konsumkapazität.
Neben Steuersenkungen fordern die Gewerkschaften auch eine beträchtliche Erhöhung der Ausgaben für öffentliche Arbeiten. Soziale
wie ökonomische Erwägungen liegen dieser Forderung zugrunde.
Schon einige Jahrzehnte haben die Vereinigten Staaten als Folge
von Depressionen, Weltkrieg und Kaltem Krieg ihre öffentlichen Dienst
und Bauten vernachlässigt. Dieser Rückstand hat sich durch den seit
dem zweiten Weltkrieg zu verzeichnenden raschen Bevölkerungszuwachs
noch deutlicher ausgeprägt. Bundesausgaben auf dem zivilen Sektor
sanken, bei Zugrundelegung eines konstanten Dollarwertes, von 227
Dollar pro Kopf der Bevölkerung im Jahre 1947 auf schätzungsweise
150 Dollar im Jahre 1963 ab und machen somit nur noch 4»9 Prozent
des Bruttosozialprodukts aus gegenüber 8,9 Prozent im Jahr 1947•

Die

�Die folgenden Zahlen lassen den gewaltigen Rückstand auf dem
öffentlichen Sektor der amerikanischen Wirtschaft deutlich werden:
1. Erziehung: Die Bundesregierung schätzt, daß in den zehn
Jahren zwischen i960 und 1970 308 000 neue Klassenräume
benötigt werden. Infolge niedriger Gehälter und ungünstiger
Arbeitsbedingungen existiert auch eine ernst zu nehmende
Knappheit an qualifizierten Lehrern. Bundeszuschüsse auf
dem Gebiet des öffentlichen Bildungswesens sind dringend
notwendig.
2. Wohnungsbau: Die Vereinigten Staaten haben in der Nachkriegszeit gegenüber den davor liegenden 20 Jp.hren eine
vergleichsweise hohe Wohnbaurate eingehalten; die starke
Bevölkerungszunahme, verbunden mit den niedrigen Wohnbauziffern in den dreissiger Jahren und zu Beginn der vierziger Jahre, hat einen Restbestand von rund 15 Millionen
unter der Norm liegenden Wohnungseinheiten verursacht.
Unsere Aufgabe ist es, den gegenwärtigen Jahresdurchschnitt
von 1,3 Millionen Neubau-Wohnungseinheiten auf mindestens
2 Millionen zu erhöhen.
3. Städtische Erneuerung: Die Übervölkerung der Städte stellt
für das Wohl des amerikanischen Volkes eine soziale und
ökonomische Bedrohung dar. Schätzungen von Studiengruppen
wie z. B. die Rockefeller-Stiftung heben die Notwendigkeit
von öffentlichen und privaten Ausgaben in Höhe von rund
100 Milliarden Dollar hervor, um diese Probleme in den
nächsten beiden Jahrzehnten zu bewältigen. Es ist klar,
daß zur Ankurbelung der wichtigsten Städteplanungsprogramme Bundesmittel erforderlich sind.
Zu diesen Rückständen kommen große Lücken im amerikanischen
Straßen- und Flughafenbau sowie im Krankenhauswesen und der Gesundheitspflege.
Aus all diesen Gründen wenden sich die amerikanischen Gewerkschaften mit Nachdruck gegen alle Kreise, die nach wie vor Kürzungen im Staatshaushalt befürworten, und zwar zu einem .Zeitpunkt, an
dem ganz offensichtlich eine Erhöhung der öffentlichen Ausgaben
notwendig ist. Die Gewerkschaften betonen, daß eine starke Expansion
auf dem öffentlichen Sektor schon um seiner selbst willen vorgenommen
werden sollte. Darüber hinaus glauben sie, daß erhöhte öffentliche
Ausgaben als Bestandteil eines Vollbeschäftigungsprogramms unerläßlich sind. Die Vereinigten Staaten können sich eine Vernachlässigung
ihrer Investitionsstruktur auf dem öffentlichen Sektor ebensowenig
leisten wie die Privatindustrie ein Veralten ihrer Werksanlagen und
ihrer Maschinenparks.
Mit der Stagnation der letzten Jahre hängt noch ein weiterer
volkswirtschaftlicher Aspekt zusammen. Immer stärker hat sich die
Erkenntnis durchgesetzt, daß die Verbrauchernachfrage für eine
Aufrechterhaltung der Vollbeschäftigung unzureichend ist, weshalb
von den Gewerkschaften die Notwendigkeit einer Neubewertung der
Lohnbewegung und Lohnpolitik hervorgehoben wird.
Seit
- 8 -

�Seit I956 hat sich der Normalstundenlohn für Fertigungsund Wartungspersonal in der Industrie etwa um zehn Prozent erhöht.
Dem steht eine Produktivitätssteigerung von 18 Prozent gegenüber.
In den vergangenen beiden Jahren sind die Reallöhne noch weit
stärker hinter der Produktivitätszunahme zurückgeblieben: die Löhne
stiegen um 2,7 Prozent, während die Produktivität in der Fertigungsindustrie um 6 Prozent zunahm.
Diese wachsende Lücke zwischen Reallöhnen und Produktivität hat
die Konsum-Ausgaben in der amerikanischen Wirtschaft nur noch weiter
absinken lassen. Zum Teil ist dies ein Ergebnis der Kampagne, die
sich in den letzten Jahren ganz bewußt gegen die Gewerkschaften und
ihr Kollektivverhandlungswesen richtete. Ende der fünfziger und
Anfang der sechziger Jahre kam das Argument einer inneramerikaniachen Inflation ins Spiel, und die Gewerkschaften sahen sich neuen
Vorwürfen ausgesetzt, da Lohnerhöhungen eine Verteuerung amerikanischer Waren nach sich ziehen und sie für den Weltmarkt konkurrenzunfähig machen würden . Jede vernünftige Untersuchung des Lohnund Preisniveaus und des Außenhandelsflusses widerlegt im Handumdrehen diese wenig durchdachte Management-Propaganda.

1

Cb man des gesamte Warenangebot oder nur industrielle Fertigwarenprodukte als Beurteilungsgrundlage heranzieht - und für einen
Kostenvergleich sind Industriegüter wahrscheinlich von größerer
Relevanz -, die Exportposition der amerikanischen Industrie ist unbestreitbar stark.
In der Nachkriegsära konnten sich die Vereinigten Staaten
durchweg einer günstigen Handelsbilanz erfreuen. Ferner besteht keine
Gefahr, daß sich das Übergewicht des Exports zugunsten des Imports
verlagern wird. Im Gegenteil: die Außenhandelsbilanz war in den
letzten Jahren besonders günstig. Tatsächlich leg der Gesamtanteil
Amerikas am Welthandel durchweg höher als vor dem Krieg. Im Jahr
1958 betrug der amerikanische Anteil am Weltexport 14 Prozent gegenüber 17,4 Prozent im Jahr i960 und einem Durchschnitt von mehr als
17 Prozent während der fünfziger Jahre.
Unter Berücksichtigung der Preis- und Lohnkostenfaktoren
schneiden die Vereinigten Staaten bei einem Vergleich mit ihren
Hauptkonkurrenten in Europa ziemlich gut ab. Der Vorwurf, von den
amerikanischen Gewerkschaften seien die Löhne auf eine Höhe hinaufgetrieben worden, auf der sie sich als eine Bedrohung der amerikanischen Welthandelsposition auswirken, ist Unsinn, wie sich an Hand
der angeführten Zahlen und anderer statistischer Unterlagen nachweisen läßt.
Gelegentlich neigte man dazu, die Schwierigkeiten in der USZahlungsbilanzposition mit der US-Außenhandelsposition zu verwechseln. Die Lasten der Wirtschefts- und Militärhilfe haben unsere
Zahlungsbilanz ziemlich strapaziert, trotzdem ist unsere Außenhandelsposition stark geblieben.
Die amerikanischen Gewerkschaften haben an den sogenannten LohnPreis-Richtlinien der Regierung Kennedy Kritik geübt. Dies geschah
nicht, weil sie den Gedanken, daß Lohnerhöhungen in einem bestimmten
Verhältnis zu Produktivitätssteigerungen stehen müssen, zurückwei sen.

- 9-

�zurückweisen. Ihre Bedenken galten vielmehr dem Zeitpunkt der Bekanntgabe dieser Richtlinien sowie der weitverbreiteten Fehlinterpretation, die sie in Presse und Industrie erfuhren. Die Reallöhne
lagen bereits hinter der Produktivität zurück, zudem hatte die
Anti-Gewerkschafts-Kampagne über Fragen der Löhne und der Konkurrenzfähigkeit auf den Auslandsmärkten bereits vielerorts zu Schwierigkeiten in den Kollektivverhandlungen geführt, als sich der Wirtschaftsbeirat des Präsidenten zur Veröffentlichung der Richtlinien
entschloß. Presse und Industrie griffen sie auf und verlangten
Lohnstopps - ein Vorschlag in dieser Richtung war vom Beirat aber
nie gemacht worden. Als Ergebnis drohten die Lohnerhöhungen, die
sowieso schon nachhinkten, ganz zum Erliegen zu kommen.
Die Gewerkschaften haben die amerikanische Regierung aufgefordert, Kollektiwerhandlungen zu voller Wirkkraft zu verhelfen,
damit sie einen geeigneten Beitrag zur Ausweitung der Verbrauchernachfrage leisten können. Weniger würde die Entwicklung der amerikanischen Wirtschaft nur noch mehr aufhalten.
Die amerikanischen Gewerkschaften sind nicht naiv genug zu
glauben, daß durch kräftigere steuerliche Maßnahmen zugunsten einer
Vollbeschäftigung alle Mängel einer zu geringen Verbrauchernachfrage in der US-Wirtschaft behoben werden können. Dagegen wird ihrer
Ansicht nach eine positive Lohnpolitik für ein abgerundetes, den
Anforderungen der sechziger Jahre entsprechendes Wirtschaftsprogramm
unerläßlich sein.
Es ist schwierig, die Zukunftsaussichten der US-Wirtschaft
exakt zu beurteilen. Die konservative Geisteshaltung, die allem
Anschein nach einen großen Teil der amerikanischen Bevölkerung
in den fünfziger Jahren ergriffen hat, bildet nach wie vor das
Haupthindernis für eine energische Wirtschafts- und Sozialpolitik,
die für eine Vollbeschäftigung so notwendig ist. Von wesentlicher
Bedeutung ist jedoch die Grundhaltung des Präsidenten und seiner
Berater diesen Problemen gegenüber; und sie wirkt sich bereits
zugunsten einer solchen Politik aus. (Gekürzt)

(Quelle: "Free Labor World", Sept. I963.
Bei Nachdruck Angabe der Quelle und des
Verfassers erforderlich)

-

10

�Gewerkschaftliche Kurznachrichten
Entwicklung der Löhne und Lohnnebenleistungen in den USA
Die Lohnveränderungen auf Grund von Tarifverträgen zeigten in
den letzten Jahren eine deutliche Verflachungstendenz. Im Rezessionsjahr 1954 waren die ausgehandelten Lohnerhöhungen mit
(durchschnittlich) 5 l/2 Cent pro Stunde relativ niedrig, während
sie in den drei folgenden Jahien auf über zehn Cent anstiegen.
In den darauf folgenden drei Jahren, von 1958 bis i960, variierten
die durchschnittlichen Steigerungsbeträge zwischen 8 l/2 und 9
Cent pro Stunde, um I96I auf durchschnittlich 7 Cent abzusinken.
Im Jahr 1962 war ein leichter Anstieg auf 8 Cent zu verzeichnen.
Legt man die I96I und 1962 erzielten Lohnerhöhungen auf sämtliche Beschäftigte um, die in diesem Zeitraum in irgendeiner Form
von Tarifverhandlungen berührt wurden - unter Einschluß also auch der
Arbeiter und Angestellten, deren Löhne unverändert gleichgeblieben
sind -, so errechnet sich für die beiden Jahre ein Durchschnitt von
7 Cent.
Verflachungstendenzen auch bei stufenweisen Lohnerhöhungen
Auch die Lohnveränderungen, die auf Grund älterer Tarifverträge
wirksam wurden - Erhöhungen in Anpassung an den steigenden Lebenshaltungskostenindex auf Grund einer Lohngleitklausel und inzwischen
in Kraft getretene stufenweise Lohnerhöhungen -, sind geringer ausgefallen. Soweit Arbeiter und Angestellte tatsächliche Lohnaufbesserungen erhielten, bewegten sie sich in den Jahren von 1956 bis 1958
zwischen 11 und 15 Cent die Stunde, von 1959 bis 1962 zwischen 8 und
9 l/4 Cent.
Dieser Verflachungstrend war in den Fertigungsindustrien ausgeprägter als in der übrigen Wirtschaft. Langfristige Tarifverträge,
die Lohnverhandlungen in manchen Industriezweigen nur alle zwei oder
drei Jahre zulassen, und die unterschiedliche Höhe der ausgehandelten Lohnaufschläge in den einzelnen Jahren beeinflussen diese Entwicklung.
Ähnliche Entwicklung im Baugewerbe
Parallel zur Entwicklung in der übrigen Wirtschaft verlief die
Lohnentwicklung im Bau- und Bauhilfsgewerbe. Während die Erhöhungen
in der Zeit vor 1954 zwischen J und 10 Prozent schwankten, beliefen
sie sich 1954 und 1955 auf durchschnittlich 3,5 Prozent, stiegen dann
in der Zeit von 1956 bis 1959 vorübergehend auf 4&gt;5 bis 4,9 Prozent
an, um in den folgenden Jahren auf 4 Prozent und darunter abzusinken.
Weiterer Ausbau der Lohnnebenleistungen
Neben reinen Lohnerhöhungen konnten die Arbeitnehmer auch wesentliche Verbesserungen der Lohnnebenleistungen aushandeln. Die ohnehin
sehr ausgeprägte Tendenz der Gewerkschaften, bei TarifVerhandlungen
auf Verbesserungen der Lohnnebenleistungen zu dringen, findet in der
Tatsache ihren Niederschlag, daß eine oder mehrere derartige Verbesserungen in den Jahren 1954 und 1955 in rund zwei Dritteln und I962 in
fast drei Vierteln aller Verträge vereinbart worden sind.
Was die Zahl und den Prozentsatz der von derartigen Regelungen
betroffenen Produktionsarbeiter angeht, ergibt sich ein etwas anderes
-

11

-

�Was die Zahl und den Prozentsatz der von derartigen Regelungen
betroffenen Produktionsarbeiter angeht, ergibt sich ein etwas anderes
Bild. Der Prozentsatz der betroffenen Arbeitnehmer weist größere
Schwankungen auf als der Prozentanteil der Tarifverträge mit Verbesserungen der Lohnnebenloistungen. Der eingetretene anteilmäßige Rückgang
für 1962 erklärt sich aus der Tatsache, daß Lohnvereinbarungen für
rund 4ÖO 000 nicht im Fahrdienst beschäftigte Eisenbahner und über
300 000 Telephonarbeiter getroffen wurden, bei denen Lohnnebenleistungen nicht Verhandlungsgegenstand waren.
Bei den Verbesserungen dieser Leistungen stand fast in jedem
Jahr der Ausbau der Krankenversicherungs- und Pensionskassen im
Vordergrund. Mindestens ein Drittel aller abgeschlossenen Tarifverträge enthielt diesbezügliche Bestimmungen; i960 waren es sogar 50 Prozent. Eine günstigere Pensionsregelung brachten 1957
etwa ein Sechstel der Tarifverträge und 1962 etwa ein Drittel.
Mehr Urlaub wurde, von 1954 abgesehen, jeweils in mindestens einem Viertel aller Tarifverträge vereinbart.
(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

AFL-CIO für Schaffung eines Bundesamtes für Automation
Die von den beiden Häusern des Kongresses kürzlich in einer
gemeinsames Resolution geforderte Schaffung eines Bundesamtes für
/ Fragen der Automation wird von den amerikanischen Gewerkschaften
voll unterstützt. Dies erklärte der Abteilungsdirektor der AFL-CIO
für Gesetzesangelegenheiten, Andrew J. Biemiller, vor dem Unter'&lt; ausschuß des Senats für Beschäftigungs- und Arbeitsfragen, der
gegenwärtig "hearings" über die Zweckmäßigkeit einer solchen Einrichtung durchführt.
Biemiller betonte, der Bundeskongreß der AFL-CIO habe in Anbetracht der Tatsache, daß sich "im amerikanischen Leben gegenwärtig
eine neue und revolutionäre Entwicklung" vollziehe, vor kurzem bereits eine ähnliche Resolution angenommen. "Inzwischen sollte es allen vollkommen klargeworden sein, daß es sich bei den derzeitigen
technologischen Veränderungen nicht lediglich um eine Fortsetzung
des Mechanisierungsprozesses handelt, der seit jenen Tagen andauert, in denen die ersten Maschinen die Muskelkraft zu ersetzen begannen..., sondern um eine völlig neue Entwicklung."
Der gegenwärtigen technologischen Revolution dürfe man keinen
freien Lauf lassen, da sie sonst die gleichen "sozialen Verwüstungen"
anrichten werde wie die erste industrielle Revolution. Ein Bundesamt
für Fragen der Automation könne nach Ansicht der Gewerkschaften wesentlich dazu beitragen, die möglichen Folgen abzuwenden, indem es
; sämtliche wichtigen diesbezüglichen Daten und Unterlagen sammle
und auswerte, als "technologische Clearingstelle" fungiere, ein
"Frühwarnsystem" für bevorstehende Veränderungen entwickle und
; Vorschläge zu den zu treffenden wirtschaftspolitischen und öffentlichen Maßnahmen mache, damit die Automation mit den Zielen des

1o

�die Bundesregierung, "Wirtschaftsbedingungen zu schaffen und aufrechtzuerhalten", die eine "maximale Beschäftigung, Produktion und Kaufkraft" gewährleisten).
Die wichtigste Aufgabe des vorgeschlagenen Bundesamtes für Automation könnte nach Ansicht Biemillers darin bestehen, "Pionierarbeit in der Meisterung der sozialen, politischen und wirtschaftlichen Aspekte der Automation zu leisten". In diesem Sinne habe auch
Präsident Kennedy die Aufgaben und Tätigkeiten des vorgeschlagenen
Amtes für Automation verstanden wissen wollen, und Bemühungen in dieser Richtung würden der Arbeit dieses Amtes vor allem anderen Bedeutung verleihen.
Der amerikanische Kongreß hat in den vergangenen Wochen zahlreiche "hearings" in den verschiedenen Ausschüssen durchgeführt, um
die zahlreichen Vorschläge zu überprüfen, die für die Behandlung der
Probleme der Automation eingereicht worden sind. Eine endgültige Entscheidung in dieser Frage ist aber erst dann zu erwarten, wenn diese
Ausschüsse ihre Befragungen abgeschlossen, das Informationsmaterial
ausgewertet und ihre Vorschläge formuliert haben.

(Quelle» Eigenbericht)

-

15 -

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
USIS-Bonn/Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XYII

-

3

Bad Godesberg, den 1. März 1964

INHALTSVERZEICHNIS
Arbeitsvorgeschichte, Haltung und Einkommen der
Arbeitslosen in den USA (i)
Neue Möglichkeiten des Kollektivverhandlungswesens
Gewerkschaftliche Kurznachrichten»
Lohnpolitischer Rundblick

Robert L. Stein, Mitarbeiter des Bundesamtes für Arbeitsstatistik im
US-Arbeitsministeriums
Arbeitsvorgeschichte, Haltung und Einkommen der Arbeitslosen
in den USA (i)
Im April 1962 wurde in den Vereinigten Staaten eine detaillierte Untersuchung der persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse der Arbeitslosen durchgeführt. Zur Klärung strittiger Fragen
zu Art und Auswirkung der Arbeitslosigkeit in den USA steht damit
nunmehr erstmals statistisches Beweismaterial zur Verfügung. Zwar
läßt es immer noch weit voneinander abweichende Deutungen zu,
trotzdem dürften die in diesem Bericht zusammengetragenen neuen
Fakten extreme Stellungnahmen erschweren. Arbeitslose sind eine
sehr heterogene Arbeitnehmergruppe, in der sich hinsichtlich der
Finanzkraft, der Notwendigkeit der Erwerbstätigkeit, der Teilnahme
am Erwerbsleben, der beruflichen Qualifikationen und der Aussichten auf eine zukünftige Dauerstellung des einzelnen starke Unterschiede ergeben. Es handelt sich bei ihnen im allgemeinen nicht um
Menschen, die für ihre Schwierigkeiten persönlich verantwortlich
gemacht werden können, passende Arbeitsangebote ausschlagen, mehr
oder weniger freiwillig arbeitslos sind und sich nur nebenbei für
Gelegenheitsarbeiten interessieren.
Dieser

�Dieser allgemeinen Schlußfolgerung liegt eine Untersuchung des USAmtes für Arbeitsstatistik über die Lage der schätzungsweise 9,6
Millionen Personen im Alter von 18 und mehr Jahren, die 1961 insgesamt mindestens 5 volle Wochen arbeitslos waren, zugrunde^. Sie umfaßte alle amerikanischen Bundesstaaten und erbrachte neben Daten,
die aus den regulären Monatsstatistiken über die Beschäftigungslage
nicht so ohne weiteres zu erschließen sind, auch Angaben zur Arbeitsvorgeschichte der einzelnen Arbeitslosen während der fünf Jahre zwischen 1957 und 1961 .
Fast 70 Prozent der 9,6 Millionen Arbeitslosen waren Männer die meisten im besten Berufsalter von 20 bis 64 Jahren (vgl. Tabelle 1 ) . Bei drei Fünfteln der Arbeitslosen handelte es sich um Familienoberhäupter, bei einem Fünftel um Farbige. Ein Viertel der Betroffenen war 1961 über 6 Monate lang arbeitslos. Nur 33 Prozent der
Arbeitslosen - gegenüber mehr als 50 Prozent aller Zivilbeschäftigten
waren Mittelschulabsolventen.
Arbeitsvorgeschichte
Teilnahme am Erwerbsleben; Im April 1962 waren 67 Prozent der
9,6 Millionen Erwerbspersonen, die 1961 fünf Wochen oder länger arbeitslos waren, wieder beschäftigt, während sich weitere 26 Prozent
auf Arbeitsuche befanden. Nur 7 Prozent waren aus dem Erwerbsleben
ausgeschieden. Die nachfolgende Aufstellung läß:t erkennen, daß der
Prozentsatz derjenigen, die nicht mehr arbeiteten bzw. nach Arbeit
suchtBjn,, bei Frauen höher lag als bei Männern - nämlich 15 Prozent
gegenüber 3 Prozent.
Beschäftigungsstand im April 1962

Arbeitskräfte des -.zivilen Sektors
Beschäftigt
Arbeitslos
Aus dem Erwerbsleben ausgeschieden
Insgesamt
Zahl", der Arbeitnehmer (in Millionen,

P r o z e n t s a t z der
Ar beitnehmer
Gesamt Männer Frauen
93,2
97,1
84,7
66,9
71,0
58,2
26,3
26,1
26,5
6,8
15,3
2,9
100,0
106,0
100,0
6,606
3,011
9,617

Anm.: Die abgerundeten Prozentangaben ergänzen sich nicht notwendigerweise zu 100.

* Berücksichtigt wurden arbeitsfähige Personen mit 5 oder mehr
Wochen Arbeitslosigkeitsdauer im Jahr 1961 , die im April 1962 achtzehn Jahre oder älter waren, sich nicht in Schulausbildung befanden
und früher bereits im Erwerbsleben gestanden haben. In einer Repräsentativbefragung wurden rund 3000 Interviews ausschließlich mit
solchen Arbeitnehmern durchgeführt, die persönlich von Arbeitslosigkeit betroffen waren.
Tabelle 1

�Tabelle 1
Prozentmäßige Aufgliederung der Arbeitnehmer mit 5 und
mehr Wochen Arbeitslosigkeit im Jahr 1961*, nach
Altersgruppen, Geschlecht, Hautfarbe und Arbeitslosigkeitsdauer aufgeschlüsselt
(Stand/April 1962)

Gesamtzahl (in Millionen)

9,617

Prozent

100,0
Altersgruppe und Geschlecht

Männer

.

68,7

18 und 19 Jahre

4,2

20 bis 24 Jahre

10,7

25 bis 34 Jahre

16,0

35 bis 44 Jahre

14,9

45 bis 54 Jahre

12,6

55 bis 64 Jahre

7,7

65 Jahre und älter

2,6

Frauen

31»3

18 und 19 Jahre

3,0

2o bis 24 Jahre

4,9

25 bis 34 Jahre

6,2

35 bis 44 Jahre

7,1

45 bis 54 Jahre

5,9

55 bis 64 Jahre

3,6

65 Jahre und älter

0,6

Hautfarbe
Weiße

79,8

Farbige

20,2
Dauer der Arbeitslosigkeit 1961

5 bis 26 Wochen

76,4

27 Wochen oder mehr

23,6

* berücksichtigt wurden Personen, die im April 1962 achtzehn Jahre
oder älter und arbeitsfähig waren, sich nicht in Schulausbildung
befanden und früher bereits im Erwerbsleben gestanden haben.
*: Die abgerundeten Prozentangaben ergänzen sich nicht notwendigerweise zu 100.

�Selbst bei Männern der Altersgruppen von 45 Jahren und älter
mit mehr als 6 Monaten Arbeitslosigkeitsdauer im Jahr 1961 waren
nur 6 Prozent zum Zeitpunkt der Untersuchung (April 1962) aus dem
Erwerbsleben ausgeschieden.
Von den 65O 000 aus dem Erwerbsleben ausgeschiedenen Arbeitnehmern gaben 50 Prozent an, sie wollten wieder auf Arbeitsuche gehen, und zwar die meisten innerhalb eines Monats nach dem Befragungsdatum. Bei 36 Prozent bestand - meist aus familiären oder gesundheitlichen Gründen - nicht die Absicht hierzu. Der Prozentsatz
derjenigen, die sich nicht mehr nach einer Beschäftigung umsehen
wollten, weil es ihrer Ansicht nach keine Arbeit für sie gab, betrug
lediglich 3 Prozent der im April 1962 nicht mehr im Erwerbsleben
stehenden Personen und bildete nur einen unbedeutenden Bruchteil
(0,2 Prozent) der Gesamtzahl der Arbeitnehmer mit ein- oder mehrmonatiger Arbeitslosigkeitsdauer im Jahr 1 961 .
Um entscheiden zu können, ob der jeweils befragte Arbeitnehmer
regelmäßig oder nur gelegentlich zur Erwerbsbevölkerung* zu zählen
sei, wurden Angaben über seine Arbeitsvorgeschichte in den fünf
Jahren von 1957 bis 19&amp;1 erbeten. Die gewonnenen Daten lassen erkennen, daß die Gruppe der Arbeitslosen im allgemeinen sehr intensiv am Erwerbsleben beteiligt war. Fast 80 Prozent waren 19&amp;1 das
ganze Jahr über (d.h. 50 bis 52 Wochen) beschäftigt oder auf Arbeitsuche gewesen (vgl. Tabelle 2). Während der gesamten Fünfjahresperio
de hatten fast 50 Prozent der Befragten jedes Jahr das ganze Jahr
über zur Erwerbsbevölkerung gezählt. Diese Zahlen sind jedoch nur
Näherungswerte, da sich viele Befragte nur noch ungenau an Einzelheiten ihrer Beschäftigung und Arbeitslosigkeit während dieses Zeitraumes erinnern konnten, im besonderen diejenigen, die unregelmäßig
beschäftigt waren und immer wieder aus dem Erwerbsleben ausgeschiede
sind. Ferner waren einige Arbeitslose 1961 noch zu jung, um während
des untersuchten Zeitraumes in einem Arbeitsverhältnis gestanden zu
haben; 23 Prozent waren jünger als 25 Jahre, 8 Prozent jünger als
20 Jahre.
Rund 55 Prozent der Männer zählten jedes Jahr das ganze Jahr
über zur Erwerbsbevölkerung, während dies nur bei 28 Prozent der
Frauen der Fall war. Umgekehrt waren nur 21 Prozent der Männer, gegenüber 42 Prozent der Frauen,während eines oder mehrerer Jahre der
berücksichtigten Fünfjahresperiode vollständig aus dem Erwerbsleben
ausgeschieden. Gesonderte Daten über Männer, die im April 1962 im
Alter von 45 oder mehr Jahren standen (2,2 Millionen der 9»6 Millionen untersuchten Arbeitnehmer) und dementsprechend im Januar 1957
mindestens 39 Jahre alt waren, zeigen, daß zwei Drittel von ihnen
jedes Jahr das ganze Jahr über der Erwerbsbevölkerung angehörten.
Nur 8 Prozent waren ein ganzes Jahr oder länger vollkommen aus dem
Erwerbsleben ausgeschieden.
* Gesamtzahl der Erwerbstätigen und Arbeitsuchenden
Tabelle 2

�Tabelle 2
Zugehörigkeit zur Erwerbsbevölkerung zwischen 1957
und 1961 von Erwerbspersonen mit 5 und mehr Wochen
Arbeitslosigkeitsdauer im Jahr 1961*, nach Geschlecht
und Beschäftigungsdauer 1 961

[
'
\
1
j

Dauer der Arbeitslosi gkeit 1961

Zugehörigkeit
zur Erwerbsbevölkerung

Insgesamt

Männer

Gesamtzahl
(in Millionen)

9,617

6,606

3,011

7,345

2,272

Prozent

100,0

100,0

100,0

100,0

100,0

77,9

84,0

64,2

74,4

89,8

60,4

68,9

41,2

58,3

67,5

46,9

55,3

28,1

46,0

50,2

8,9

9,8

6,9

8,1

11 ,6

4,6

3,8

6,2

4,2

Das ganze Jahr Arbeitnehmer, 1961**
Jedes Jahr Arbeitnehmer, 1957-60
das ganze Jahr über
in jedem Jahr

Frauen

5-26
?/ochen

2"Ji u • mehr
lochen

)

(
'

/

das ganze Jahn-über
in drei Jahren
das ganze Jahr über
in zwei* oder weniger Jahreh

5,7
/

Aus dem Erwerbsleben
1 Jahr lang ausgeschieden, 1957-6o

5,8

5,0

7,6

5,6

6,7

Aus dem Erwerbsleben
2 Jahre oder länger
ausgeschieden,
1957-60

11,7

1o,1

15,3

10,5

15,7

22,1

16,0

35,8

25,6

10,2

12,0

9,9

16,6

13,6

6,5

Ein Teil des Jahres
Arbeitnehmer, 1961
Jedes Jahr Arbeitnehmer, 1957-6o

{
i
l

Aus dem Erwerbsleben
1 Jahr lang ausgeschieden, 1957-60

2,2

1,6

3,6

2,5

1,3

K

Aus dem Erwerbsleben
2 Jahre oder länger
ausgeschieden,
1957-6o

7,9

4,4

15,7

9,5

2,4

I

i
* siehe Tabelle 1, Anmerkung *
)
** "das ganze Jahr" entspricht 50 bis 52 '.Yochen
Anm.: Die abgerundeten Prozentangaben ergänzen sich nicht notwendigerweise
zu 100.
R

"

5

"

Zu

�Zu "beachten ist, daß die vorliegende Untersuchung nur den zivilen Beschäftigungssektor berücksichtigt) Militärdienstzeiten wurden unter der Kategorie "aus dem Erwerbsleben ausgeschieden" registriert. Bei älteren Männern war Krankheit oder Invalidität wahrscheinlich ein wichtigerer Faktor für ihr Ausscheiden aus dem Erwerbsleben. In Institutionen oder im Ausland verbrachte Zeiten
wurden ebenfalls unter der Kategorie "aus dem Erwerbsleben ausgeschieden" registriert.
Frühere Arbeitslosigkeit: Arbeitslosigkeit war für die meisten
Befragten offensichtlich nichts Neues. Kur rund ein Drittel gab für
die Zeit zwischen 1957 und 1960 keine Arbeitslosigkeit an. Dagegen
hatte über ein Fünftel der befragten Arbeitnehmer in jedem Jahr Arbeitslosigkeit erlebt. Für nahezu die Hälfte aller Arbeitnehmer hatte
es darüber hinaus Arbeitslosigkeit in der Kehrzahl der untersuchten
Jahre gegeben (mit berücksichtigt sind alle, die einen Teil jeden
Jahres ohne Arbeit waren). Zum Teil wegen ihres stärkeren Anteils
an der Erwerbsbevölkerung wurden Männer mehr von Arbeitslosigkeit
betroffen als Frauen. Die folgende Aufstellung zeigt, daß 25 Prozent
der Männer, gegenüber nur 15 Prozent der Frauen, Arbeitslosigkeit
für jedes Jahr angaben:

Prozentsatz der Erwerbspersonen
mit Arbeitslosigkeit
angegebener Häufigkeit
zwischen 1957 und 1 960
Gesam

Männer

Frauen

31 ,0

39,9

Ohne Arbeitslosigkeit
In nur 1 Jahr arbeitslos
In 2 Jahren arbeitslos
In 3 Jahren arbeitslos
In jedem Jahr arbeitslos

21 ,0
15 ,8
10 ,5
21 . "

27,1
19,9
16,8
11,5
24,7

23,4
13,6
8,0
15,0

Insgesamt

100 , 0

100,0

100,0

9,^17

6,606

3,011

Zahl der Arbeitnehmer (in Millionen/

Anm.: Die abgerundeten Prozentangaben ergänzen sich nicht notwendigerweise zu 100.
Arbeitnehmer mit langen Arbeitslosigkeitsperioden im Jahr 1961
hatten in den vorhergehenden Jahren etwas mehr Arbeitslosigkeit aufzuweisen; zudem waren sie, im Vergleich mit den übrigen Arbeitnehmern,
im April 1962 mit doppelt so hoher Wahrscheinlichkeit von Arbeitslosigkeit betroffen: Nahezu die Hälfte der Personen mit 6 Monaten Arbeitslosigkeit im Jahr 1961 war
auch im April 1962 arbeitslos.
Rund 3,2 Millionen der 9,6 Millionen Arbeitslosen des Jahres 1961
waren auch im April 1962 ohne Beschäftigung; 30 Prozent von ihnen befanden sich auf Arbeitsuche, und nur 20 Prozent - zumeist Frauen hatten jede Arbeitsuche aufgegeben.
Tabelle 3

- 6 -

�Tabelle 5
Gründe für das Ausscheiden aus dem letzten Arbeitsverhältnis
nach Angaben von Erwerbspersonen, die 1 961 für 5 Wochen oder
länger arbeitslos und im April 1962 ebenfalls arbeitslos oder
vorübergehend entlassen waren*, nach Geschlecht und Arbeitslosigkeitsdauer 1 961

\

„,..
Manner
Gründe

ns gesamt

Frauen
18 bis
44 Jahre alt

45 Jahre
und
älter
0,861

\ Zahl d e r P e r s o [ nen ( i n M i l l . )

3,175

1,058

\ Prozent

1

10O,O_

Wirtschaftliche
Gründe

l
I

.100-0

1,256
1

5 bis
26 Wochen

27 und
mehr
Wochen

2,o23

1,152

2 2 * ° , =122i2=-

=

1Q2A9-

72,6

78,3

80,5

62,8

71,3

74,9

zu geringer,
fehlender Arbeitsanfall
saisonbedingte

22,4

27,8

21,9

18,4

24,6

18,7

A r b e i t zu Ende

24,0

26,4

3o,1

17,9

23,4

24,9

sonstige
Sachen

26,3

24,2

28,4

26,5

23,3

31,3

27,4

21,7

19,5

37,2

28,7

25,1

Ur-

Kichtwirtschaftl i c h e Gründe

[
,
J

°°l2-

Dauer
. .der
. .Arbeits,1961
. r.c.
losigkeit

Gesundheit
sonstige Ursechen

9,4

3,6

7,5

15,4

9,9

8,6

17,9

18,1

12,0

21,8

18,8

16,5

/

/ * siehe Tabelle 1, Anm.*
pi.; Die abgerundeten Prozentangaben ergänzen sich nicht notwendigerweise
i
zu 100.
Von

- 7-

�!

Von den 3,2 Killionen Arbeitnehmern, die im April 1962 arbeitslos waren, nannten 73 Prozent zu geringen oder fehlenden Arbeitsanfall oder das Auslaufen eines Arbeitsauftrages als Hauptgründe für
ihr Ausscheiden aus dem letzten Arbeitsverhältnis (vgl. Tabelle 3 ) .
Anteilmäßig wirkten sich diese wirtschaftlichen Bedingungen mehr
auf den Beschäftigungsstand der Männer aus als auf den der Frauen
(80 Prozent gegenüber 63 Prozent).
Berufserfahrung; Die 9,6 Millionen Erwerbspersonen der vorliegenden Untersuchung wechselten verhältnismäßig häufig in andere Berufsgruppen und Wirtschaftszweige über. Ein Vergleich zwischen ihrem
ersten und ihrem letzten Arbeitsplatz (d.h. dem Arbeitsplatz zur Zeit
der Befragung) läßt erkennen, daß rund 40 Prozent von ihnen am Ende
der Fünfjahresperiode in einer anderen Hauptberufsgruppe (und 40 Prozent in einem anderen Wirtschaftszweig) tätig waren als zuvor. Etwa
20 Prozent der Arbeitnehmer bezeichneten - nach eigener Definition als beste Arbeit einen anderen als den zuletzt innegehabten Beruf.
Ahnliche Zahlen ergaben sich für die Wirtschaftszweige.
Trotz dieser großen Fluktuation zwischen den einzelnen Berufsgruppen und Wirtschaftszweigen bestand hinsichtlich des ersten, des
besten und des letzten Arbeitsplatzes eine bemerkenswerte Übereinstimmung (vgl. Tabelle 4)« Bei den meisten Arbeitsplatzwechseln handelte
es sich offenbar nicht um eine Bewegung in eine bestimmte Richtung,
sondern mehrum .ein Sich-Anpassen an die Verhältnisse. Zwischen dem
besten und dem letzten Arbeitsplatz konnte ein leichtes Abgleiten beobachtet werden - eine Bewegung aus Büro-, Facharbeiter- und Faschinenarbeiterberufen in Handarbeiter- und Dienstleistungsberufe. In ähnlicher Weise ließ sich auch eine leichte Tendenz zum überwechseln aus
dem Baugewerbe und der Fertigungsindustrie in den Handel und die Dienstleistungszweige feststellen. Vor allem diese Bewegungen waren wahrscheinlich für den Rückgang des durchschnittlichen Wochenverdienstes
von 76 Dollar am besten Arbeitsplatz auf 68 Dollar am letzten Arbeitsplatz verantwortlich während eines Zeitraumes, in dem das Einkommen
praktisch aller Arbeitnehmerkategorien anstiegt.
Aus der Arbeitsplatzverteilung nach Berufsgruppen wird ein Aspekt
des Arbeitslosenproblems besonders deutlich. Selbst als besten Arbeitsplatz gaben einen Angeatelltenberuf nur 22 Frozent der 9»6 Millionen
Arbeitnehmer an, obwohl zwischen 1957 und 1962 in jedem Jahr 40 Prozent
aller Beschäftigten zu dieser Berufsgruppe zählten. Mehr noch: unter
den 9»6 Millionen Arbeitnehmern unserer Untersuchung nahm zwischen dem
ersten und dem letzten Arbeitsplatz der Anteil der Angestellten nicht
zu, obwohl er im Gesamtbild des Beschäftigungsstarües immer größer wurde.
Reaktion auf Arbeitslosigkeit
Methoden der Arbeitsuche: Wieviel Aktivität ein -Arbeitsloser entfaltet, um neue Arbeit zu finden, wird gelegentlich als Indiz für die
Intensität und den Ernst seiner Stellungsuche gewertet. Alle Befragten
gaben an, mindestens eine der üblichen Methoden angewandt zu haben;
87 Frozent hatten es mit zwei oder mehr Möglichkeiten versucht. Über
75 Prozent aller Arbeitslosen wandten sich an ein staatliches Arbeitsamt und an örtliche Arbeitgeber - die beiden üblichsten Methoden .
Weniger häufig wurden Stellengesuche aufgegeben, Stellenanzeigen beantwortet oder Bewerbungen eingereicht. Freunde, Gewerkschaften oder private Arbeitsvermittlungen wurden selten bemüht.
Tabelle 4
- 8 -

�Tabelle 4
Verteilung nach Berufsgruppen und Wirtschaftszweigen von
Personen mit 5 oder mehr Wochen Arbeitslosigkeitsdauer im
Jahr 1961*, nach ausgewählten Berufen, 1957-62
„
„
,
Berufsgruppe und
1 *1
•
Wirtschaftszweig

Erster
., . .
Arbeitsplatz

Bester
,. . .
Arbeitsplatz

Derzeitiger &amp;
, ., , ,
oder letzter
Arbeitsplatz

20,0

21,8

2o,4

2,2

2,9

2,8

2,6
10,2
4,9

3,8
11,9
5,2

3,2
10,9
5,5

60,2

63,7

61,6

15,5
31,7

13,2
33,3

16,7
31,8

13,1

12,2

13,0

14,5

11,5

15,7

3,6
10,9

2,4
9,1

3,4
1o,5

5_j_Q

/],2

Berufsgruppe
Angestelltenberufe
Akadem., techn. u. verwandte Berufe
Manager, ö f f e n t l . Angestellte
und Selbständige (außer Landw.)
Bürokräfte u . a .
Verkaufspersonal
Arbeiterberufe
Facharbeiter, Vorarbeiter u . a .
Maschinisten u . a .
Handarbeiter (außer Landw.
und Bergbau)
Dienstleistungspersonal
Hausangestellte
Sonstige Dienstleistungsberufe
Landarbeiter

5 ,5

Insgesamt

•

100,0

100,0

100,0

55,9

58,5

56,1

6,5
2,5
15,7
55,4

4,2
2,1
16,8
55,1

5»4
2,0
15,5
55,5

44,1

41,7

45,9

•Vir t schaftszweig
Gütererzeugung
Land- und Porstwirtschaft
und Fischerei
Bergbau
Baugewerbe
Fertigungsindustrie
Dienstleistungen
Verkehr u . öffentl. Versorgungsbetriebe
Handel
Geld, Versicher, u . Immobilien
Dienstleistungsgewerbe
Öffentliche Verwaltung

5,7
18,8

2,4
15,5
1.8

6,5
16,6
2,5
14,2
2,5

5,0
17,6
2,4
16,7
2.1

Insgesamt

100,0

100,0

100,0

Zahl der Personen (in Millionen)

9,617

9,617

9,617

* siehe Tabelle 1, Anm.*
Anm.; Die abgerundeten Prozentangaben ergänzen sich nicht notwendigerweise
zu 100.
Aussichten

- 9 -

�Aussichten auf eine Wiedereinstellung: Von den 3,2 Millionen
Erwerbspersonen, die zum Zeitpunkt der Untersuchung ohne Beschäftigung waren, erklärtei eine Million, sie erwarte eine Wiedereinstellung auf ihren alten Arbeitsplatz. Die Hälfte der Arbeitnehmer rechnete mit oeiner Rückberufung innerhalb eines Monats, ein weiteres
Drittel innerhalb 1 bis 3 Monaten. 83 Prozent gaben an, dies hänge
von einer gesteigerten Geschäftstätigkeit ab; bei der Hälfte handelte es sich um Saisonarbeiter., die auf ihre jahreszeitlich bedingte
Wiedereinstellung warteten. Die Dauer der Arbeitslosigkeit wirkte
sich offensichtlich nur in geringem Maße auf die Wiedereinstellungschancen aus. Der Prozentsatz der Arbeitnehmer mit mehr als 6 Monaten
Arbeitslosigkeit, die eine 7/iedereinstellung erwarteten (28 Prozent),
lag fast ebenso hoch wie der Prozentsatz der Arbeitnehmer mit kürzeren
Arbeitslosigkeitsperioden (34 Prozent) .
Art der gesuchten Arbeit: Ein sehr hoher Prozentsatz der Arbeitslosen - einschließlich mehr als vier Fünftel der jenigen:-, die mit einer
Wiedereinstellung rechneten - war auf der Suche nach anderer Arbeit in fast allen Fällen nach Ganztagsarbeit. Bei nahezu der Hälfte der
Arbeitnehmer, die sich nicht nach anderer Arbeit umsahen, handelte es
sich um Frauen, von denen die meisten aus dem Erwerbsleben ausgeschieden waren.
Im großen und ganzen wurden von den Arbeitslosen Stellen gesucht,
für die relativ wenig Fachkenntnisse erforderlich sind. Rund zwei Drittel gaben ?ls gesuchte Arbeitsplätze solche der Kategorie angelernte
Maschinisten, angelerntes Bedienungspersonal oder ungelernte Hilfsarbeiter (einschließlich "allgemeine Fabrikarbeit" oder "Arbeit jeder Art")
an. Nur 12 Prozent wünschten Facharbeiterstellungen, während 20 Prozent
Beschäftigung als Angestellte (zumeist in Büroberufen) suchten. Die beiden letzten Zahlen entsprechen ziemlich genau den Prozentsätzen für Arbeitnehmer, deren letzter Arbeitsplatz in eben diesen Berufsgruppen zu
finden war, wie aus folgender Aufstellung hervorgeht:

Beruf

Erwünschter Arbeitsplatz von
arbeitsuchenden
Arbeitslosen,
April 1962

Letzter Arbeitsplatz aller im
April 1962 Arbeitslosen

(in Prozent
Akadem., techn. u. verw. Berufe
Manager, öffentl. Bedienstete u.
Selbständige
Bürokräfte u.a.
Verk^ufspersonal
Hausangestellte
Sonstiges Dienstleistungspersonal
Facharbeiter, Vorarbeiter u.a.
Maschinenarbeiter u.a.
Handarbeit (außer Bergbau)*
Allgemeine Fabrikarbeit
Arbeit jeder Art
Insgesamt
Zahl der Arbeitnehmer (in Millionen)

2,1

1,4

0,9
13,0
3,7
4,3
10,5
12,3
18,9
11,5
2,6
20,1
100,0
2,869

2,8
1o,9
-4,7
4,4
13,7
13,7
29,5
18,9"

100,0
3,175

* einschließlich eines kleinen Anteils von Landarbeitern
abgerundeten Prozentangaben ergänzen sich nicht notwendigerweise
,j_ Die abg
zu 100.
- 10 -

�Obwohl sich diese Daten nur auf Hauptberufsgruppen beziehen,
lassen sie dennoch erkennen, daß zwischen der gesuchten Arbeit
und den Berufserfahrungen und Qualifikationen des einzelnen Arbeitslosen ein vernünftiges Verhältnis bestand. Die Zahlen lassen
ebenso eine leichte Tendenz zu anspruchsloseren Arbeitsplätzen erkennen. Beispielsweise hatten 34»4 Prozent in der Vergangenheit
Stellungen in Angestellten- und Facharbeiterberufen; gesucht wurden solche Arbeitsplätze jedoch nur von 32,0 Prozent. Bei ehemaligen angelernten Maschinenarbeitern schien auch eine Bereitschaft
vorhanden zu sein, sich mit weniger günstigen Möglichkeiten zufriedenzugeben, obwohl diese Tendenz infolge der Ungenauigkeit vieler
Antworten auf die Frage nach der Art der gesuchten Arbeit mehr oder
weniger ungewiß bleibt.
Die Lohnerwartungen der Arbeitslosen bewegten sich in bescheidenem Rahmen. Der Mittelwert lag bei etwas mehr als 60 Dollar pro
Woche, was ungefähr dem Betrag entspricht, der in den letzten Arbeitsplätzen verdient wurde. Arbeitslose, die nicht mit einer Wiedereinstellung rechneten, erwarteten Wochenlöhne von weniger als
60 Dollar; durchschnittlich suchten diejenigen, die mit einer Wiedereinstellung rechneten, Wochenverdienste von 70 Dollar, was etwa
dem Betrag entspricht, der zum Zeitpunkt der Untersuchung von
6,4 Millionen der erfaßten Beschäftigten erreicht wurde, (leicht gekürzt; wird fortgesetzt)

(Quelle: "Monthly Labor Review",
Dezember 1965, Vol. 86, Nr. 12)
*

•

*

*

•

*

*

William E. Simkin, Direktor des Bundesvermittlungs- und
Öchlichtungsdlienstes der USA?
Neue Möglichkeiten des Kollektivverhandlungswesens
Als Regierungsbehörde, in deren Aufgabenbereich die Beilegung
und Schlichtung von Arbeitsstreitigkeiten fällt, hat der Bundesvermittlungs- und Schlichtungsdienst (Federal Mediation and Conciliation
Service) der USA engen Kontakt mit den Vorgängen und Entwicklungen im
amerikanischen Kollektivverhandlungswesen. An Hand der einlaufenden
Berichte unserer 24O Vermittler, die sich jährlich in mehr als 7000
Arbeitsstreitigkeiten einschalten, ergibt sich, vom günstigen Blickpunkt meines Amtes her gesehen, ein recht genaues Bild der tatsächlichen Leistungen und Mängel im Bereich der Beziehungen zwischen den
Sozialpartnern. Dies berechtigt mich zu der nachdrücklichen Feststellung, daß Gewerkschaften und eine aufgeklärte Gewerkschaftsführung
heute so nötig sind wie eh und je.
Einige

- 11 -

�Einige "Propheten des Untergangs" behaupten das Gegenteil.
Ihrer Ansicht nach lag die Blütezeit der amerikanischen Gewerkschaften in den dreißiger und den beginnenden vierziger Jahren,
der Periode großer gewerkschaftlicher Zusammenschlüsse. In den
folgenden Jahren seien mit den beträchtlichen Lohnerhöhungen und
Verbesserungen in den Arbeitsbedingungen auch die letzten Möglichkeiten ausgeschöpft worden, und nur noch wenig bleibe zu tun.
Im Grunde genommen heißt das nichts anderes, als daß sich die Gewerkschaften eigentlich aus dem Geschäft zurückziehen und die Regelung aller anstehenden Probleme den Betriebsleitungen überlassen
sollten. Zudem wird den Gewerkschaftsführungen Neigung zu Behäbigkeit und - aus Gründen der Sicherung ihrer Positionen - allzu starkes Festhalten am Kollektivverhandlungswesen vorgeworfen.
Es liegt mir fern, die in den vergangenen Jahren erreichten
großartigen Leistungen der Gewerkschaften zu schmälern. Allerdings
wäre es auch nicht ganz ehrlich, behaupten zu wollen, die Gewerkschaftsleitungen unserer Tage seien frei von Fehlern. Mir scheint
das Tarifverhandlungswesen jedoch neue Möglichkeiten zu besitzen,
die zu realistischeren, wenn auch vielleicht weniger spektakulären
Ergebnissen führen könnten als bisher. Auch sollten wir nicht darauf vertrauen, daß die Betriebsleitungen von sich aus die gleichen
Ziele zu erreichen suchen. Vielmehr sind demokratische Verfahrensweisen in Form von vernünftigen und reifen Kollektivverhandlungen
in der Industrie nötiger denn je.
Auf welchen Gebieten liegen\ die Aufgaben der amerikanischen
Gewerkschaftsleitungen?
Noch vor ein paar Jahren stellten Vermittler und Tarifpartner
nahezu einhellig fest, sobald eine Einigung über die allgemeine
Lohnerhöhung erreicht sei, erledige sich alles andere wie von
selbst. So einfach verlaufen heute nur noch die wenigsten wichtigen Verhandlungen.
Selbst Lohnfragen waren in der Nachkriegszeit, als sich die
meisten Lohnerhöhungen in Gestalt höherer Preise auf den Verbraucher
abwälzen ließen, relativ einfach zu lösen. Die Entscheidungen*, die
unter den gegenwärtigen,weit schwierigeren innenpolitischen und
internationalen Gegebenheiten zu treffen sind, drehen sich um die
Frage, wieviel zusätzliche Lohnerhöhungen und Lohnnebenleistungen
vertretbar sind, um Arbeitnehmern einen gerechten Anteil an den
Früchten der Produktion zu sichern, ohne dabei eine Inflation heraufzubeschwören.
Das Ausmaß einer allgemeinen Lohnerhöhung ist nach wie vor von
Bedeutung, aber es steht hinter anderen Fragen zurück. Auch sogenannte Nebenleistungen rechnen in der Industrie zu den Lohnkosten; doch
sind sie für den Arbeitnehmer von größerem Y/ert als ein entsprechende
Barbetrag in seiner Lohntüte. Ein moderner Gewerkschaftsführer muß
die Bedürfnisse der von ihm vertretenen Arbeitnehmer und den relativen Wert der wahlweise gebotenen Vorteile unter Berücksichtigung gemeinsamer nationaler Interessen und Zielsetzungen abwägen.
Er

�Er muß sich zum Beispiel darüber im klaren sein, welche Versicherungspläne für seine Gewerkschaftsmitglieder in Frage kommen
und wie hoch ihre Kosten sind. Er muß prüfen, was sich beispielsweise in Gestalt von Pensionen, Pensionen bei vorzeitigem Ausscheiden, Urlaub, Wochenendurlaub, zusätzlichen Arbeitslosenversicherungsleistungen, Arbeitszeitgarantien und ähnlichem erreichen läßt.
Es genügt nicht, nur die Wünsche der Arbeitnehmer im Auge zu behaltend Ein Gewerkschaftsführer muß darüber hinaus Phantasie und Geschick besitzen, um seine Gewerkschaft auf gangbare Wege zu lenken.
Die raschen Wandlungen auf technischem Gebiet haben eine ganze'
Reihe von neuen Problemen aufgeworfen, und wir stehen mit unseren
Versuchen, Mittel und Wege zu ihrer Lösung ausfindig zu machen,
erst am Anfang. Ein Gewerkschaftsführer muß heute imstande sein,
zwischen jenen Aspekten des technischen Fortschritts zu unterscheiden, die sich durch Kollektivverhandlungen regeln lassen, und jenen,
für die umfassende Regierungsmaßnahmen erforderlich sind.
Häufig müssen bestehende Anciennitätsregelungen den neuen Problemen angepaßt werden, wird doch der Ausgleich zwischen dem Recht
des Arbeitnehmers auf größtmögliche Arbeitsplatzsicherung und den
Erfordernissen einer leistungsfähigen Produktion immer komplizierter.
Vier Jahre hintereinander hielten sich die durch Streiks verursachten Arbeitszeitverluste in den USA auf einem sehr niedrigen
Stand: einem Streiktag standen 700 Arbeitstage gegenüber. Diese
außerordentlich günstige Streikbilanz ist ein Verdienst der amerikanischen Gewerkschaftsleitungen. Las gelegentliche Mißlingen von
Kollektivverhandlungen führt in der Öffentlichkeit zu hysterischen
Reaktionen, die nach dem Stand der Dinge nicht gerechtfertigt sind.
Wo ein Maximum an Freiheit erhalten bleiben soll, sind einige Streiks
(und Aussperrungen) einfach unvermeidlich.
Als einen der wichtigsten Vorzüge bieten Kollektivverhandlungen
die Möglichkeit, Tarifverträge jeweils den besonderen Erfordernissen
anzupassen. Manche Regelung, die sich für einen bestimmten Industriezweig oder ein bestimmtes Unternehmen;, günstig auswirkt, kann anderswo von geringem Nutzen oder ganz wertlos sein. Die Gewerkschaften
und ihre Verhandlungspartner aus der Industrie verfügen über die
notwendige"Sachkenntnis, Phantasie, Erfindungsgabe und Erfahrung,
um zufriedenstellende Lösungen für die mannigfaltigen Gegenwartsund Zukunftsprobleme auszuarbeiten.
Die Gewerkschaften legen dieser Aufgabe gegenüber Tatkraft und
Umsicht an den Tag. Zwar gibt es bei Gewerkschaften und Industrie
noch manche Unzulänglichkeit und manches menschliche Versagen, die
vermieden werden müssen. Dennoch möchte ich behaupten, daß Kollektivverhandlungen heute bessere Ergebnisse zeitigen, als sie die meisten
ihrer Kritiker zustande brächten, würde ihnen die Entscheidungsvollmacht übertragen.
Es ist die Folitik der amerikanischen Regierung.,, ihre Einflußnahme im Bereich der Kollektivverhandlungen fast ausschließlich auf
Vermittlungsdienste zu beschränken. Diese Aufgabe obliegt dem Bundesvermittlungs- und Schlichtungsdienst, der für alle Wirtschaftszweige

- 13 -

�Wirtschaftszweige außer Eisenbahnen und Luftfahrtgesellschaften
zuständig ist. Auch von ihm wird die Zukunft Tatkraft, Einfallsreichtum und Anpassungsfähigkeit fordern, um den größeren Aufgaben gerecht zu werden.
Über seine Rolle in Verhandlungskrisen hinausgehend, kann
der Bundesvermittlungs- und Schlichtungsdienst Gewerkschaften und
Arbeitgeber in der Erschließung neuer Methoden einer Zusammenarbeit
zwischen den Sozialpartnern unterstützen, die eine gemeinsame Untersuchung und Regelung anstehender Probleme lange vor Einsetzen der
letzten hektischen Phase unmittelbar vor Ablauf eines Tarifvertrags
ermöglichen.
Immer häufiger geschieht es, daß Verhandlungspartner mit der
Regelung komplizierter Fragen nicht mehr bis zur letzten Stunde
warten. Nur das reifliche und ruhige Durchdenken der Tatsachen und
Kostenfaktoren in einer entspannten Atmosphäre, frei vom Druck
letzter Verhandlungsfristen, führt zu beide Seiten befriedigenden
Lösungen. Zukünftige Kollektivverhandlungen werden aller Wahrscheinlichkeit nach noch stärker als bisher diese Form ständiger Beratungen und Fühlungnahmen während der gesamten Laufzeit von Tarifverträgen annehmen.
So halten Baugewerkschaften schon seit Jahren mit ihren Tarifpartnern aus der Bauwirtschaft regelmäßig Konferenzen ab, auf denen
nicht nur Arbeitsfragen, sondern auch Fachprobleme erörtert werden.
Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Ausschüsse dieser Art stecken noch in den
Kinderschuhen. Sie werden von den Gewerkschaftsleitungen gefördert.
In einigen besonderen Fällen wurden auf diesem Gebiet bereits wichtige Ergebnisse erzielt. Eine Reihe von Ausschüssen befinden sich
mitten in ihrer Planung, andere stehen vor ihrer Gründung. Und die
Zeichen dieser neuen Reife im Verhandlungswesen sind nicht nur in
der Stahl-, Automobil-, Elektrogeräte-, Luft- und Raumfahrtindustrie
und Seeschiffahrt zu finden, sondern auch in zahlreichen kleineren
Betrieben und Konzernen überall in den Vereinigten Staaten»
Ein ermutigender Aspekt des Kollektivverhandlungswesens, der bei
den beharrlichen Kritikern der Arbeitnehmer-Arbeitgeber-Beziehungen
niemals Erwähnung findet, ist die beträchtliche Zunahme freiwilliger
Schlichtungsverfahren in Meinungsverschiedenheiten zwischen den Sozialpartnern. Der Bundesvermittlungs- und Schlichtungsdienst zählt zu
seinen Mitarbeitern eine Reihe qualifizierter Schiedsmänner, deren
Dienste von den streitenden Parteien angefordert werden können und
immer häufiger angefordert werden.

(Quelle: Eigenbericht)

- 14 -

�Sewerka haftliche Kurznachrichten
Lohnpolitischpr Rundhlick
Die durchschnittlichen Stunden- und Wochenlöhne für Industriearbeiter (Bruttolöhne) haben sich auch im November 1963 weiter erhöht und mit 2,49 Dollar bzw. 101,09 Dollar neue Spitzenstände erreicht, wie aus der neuesten Lohnübersicht des US-Arbeitsministeriums
hervorgeht.
Während die Stundenlöhne gegenüber dem Vormonat um 2 Cent und
Li Vergleich zum November 1962 um 8 Cent anstiegen, beliefen sich
die Zunahmen beim durchschnittlichen Wochenlohn auf 56 Cent bzw.
3,73 Dollar.
Nach Abzug der Sozialabgaben und Steuern vom Bruttolohn ergab
sich für einen Industriearbeiter mit drei Angehörigen dabei ein Wochenlohn von 88,77 Dollar (plus 46 Cent) und für einen Unverheirateten ein Nettoeinkommen von 80,93 Dollar. In beiden Fällen trat gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres ein Anstieg des NettoWochenlohnes um 2,50 Dollar ein.
Da sich die Lebenshaltungskosten im November erneut geringfü- (plus 0,2 Prozent) erhöhten, stieg der Reallohn nicht im gleichen
Umfang an wie der Nettolohn. Im Vergleich zum November 1962 ist nach
Angaben des Arbeitsministeriums ein Kaufkraftanstieg der industriellen V/ochenlöhne um rund 2 Prozent zu verzeichnen.
Die Lage am Arbeitsmarkt war im November 1963 durch einen geringen Rückgang (100 000) der Zahl der Industriearbeiter auf insgesamt
58,3 Ilillionen gekennzeichnet. Im Vergleich zum November 1962 liegt
diese Ziffer um 1,5 Ilillionen höher'. Die stärksten Rückgänge in der
Zahl der Arbeitskräfte verzeichneten das Baugewerbe und die Zweige
der Fertigungsindustrie. Wie das US-Arbeitsministeriura jedoch betont,
sind diese Rückgänge allgemein jahreszeitlich bedingt gewesen.
Der allgemeine Anstieg der Arbeitslöhne in den Vereinigten Staaten dürfte sich auch in diesem Jahr im bisherigen Rahmen fortsetzen.
Legt man die 1964 auf Grund der in den Vorjahren abgeschlossenen Tarifverträge wirksam werdenden Lohnerhöhungen als Maßstab an, so werden sich für alle Wirtschaftszweige durchschnittliche Aufbesserungen
um 7»1 Cent, für die Fertigungsindustrie um 6,3 Cent und für die nichtindustriellen Branchen um 9&gt;9 Cent, ergeben. Da jedoch zahlreiche Tarifverträge Lohngleitklauseln enthalten, dürften sich diese Sätze bei einem Anstieg des Lebenshaltungskostenindex noch um einige Cent erhöhen.
Durch die in diesem Jahr wirksam werdenden Verbesserungen auf dem
Gebiet der Lohnnebenleistungen werden außerdem zahlreiche tarifvertraglich erfaßte Arbeitnehmer in den Genuß weiterer materieller Vorteile
kommen. Nach einer Analyse des US-Arbeitsministeriums sind es vor
allem erhöhte oder zusätzliche Versicherungsleistungen, längerer Urlaub und verbesserte Altersrenten, die hier 1964 irc Vordergrund stehen. Wesentlich verbesserte Urlaubspläne sind bereits am 1. Januar in
der Stahl-, der Aluminium- und der Blechbehälterindustrie sowie in
einigen anderen Fertigungszweigen wirksam geworden.
(Quelle: Eigenbericht)
* * * * *
- 15 -

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
USIS-Bonn/Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XVII - 4

Bad Godesberg, den 1. April 1964
INHALTSVERZEICHNIS

Arbeitsvorgeschichte, Haltung und Einkommen der
Arbeitslosen in den USA (il)
Druckereifachschule in Colorado Springs
Die Firma zahlt den Doktorhut
Gewerkschaftliche Kurznachrichten

Seite 1
Seite 9
Seite 10
Seite 12

Robert L. Stein, Mitarbeiter des Bundesamtes für Arbeitsstatistik im
US-Arbeitsministerium:
Arbeitsvorgeschichte, Haltung und Einkommen der Arbeitslosen
in den USA (II)
Einkommen und Lebensstandard
Amtliche Arbeitslosigkeitsstatistiken sind ein Index der in
einer Volkswirtschaft brachliegenden und sofort verfügbaren Arbeitskräfte; ihr Zweck ist es nicht, etwas über finanzielle Härten und
die Not «der Betroffenen auszusagen. Arbeitslosigkeit wirkt sich
auf die wirtschaftliche Gesaratlage des Betroffenen und seiner Familie, je nach der Stellung des Arbeitslosen im Familienverband, der
Dauer seiner Arbeitslosigkeit und seinem Anspruch auf Arbeitslosenunterstützung, sehr unterschiedlich aus. Sie beeinflußt in jedem
Falle das Wohl des Betroffenen und seiner Familie. Im Rahmen der
im April 1962 durchgeführten Untersuchung der wirtschaftlichen
und persönlichen Verhältnisse der Arbeitslosen* wurde versucht,
* Berücksichtigt wurden arbeitsfähige Personen mit 5 oder mehr Wochen Arbeitslosigkeitsdauer im Jahr 1961, die im April 1962 achtzehn Jahre oder älter waren, sich nicht in Schulausbildung befanden und früher bereits im Erwerbsleben gestanden haben. In einer
Repräsentativbefragung wurden rund 3000 Interviews ausschließlich mit solchen Arbeitnehmern durchgeführt, die persönlich von
Arbeitslosigkeit betroffen waren.

- 1-

�die Auswirkungen einer Arbeitslosigkeit auf Einkommen und Lebensstandard zu messen. In den Einzelinterviews wurden Fragen nach
Personal- und Familieneinkommen, Zahl der abhängigen Familienmitglieder und Methoden der Bestreitung des Lebensunterhalts während
der Arbeitslosigkeit gestellt.
Persönliches Einkommen: Bei den 9»6 Millionen Arbeitnehmern
mit fünf- oder mehrwöchiger Arbeitslosigkeit im Jahr 1961 betrug
das durchschnittliche Jahreseinkommen aus allen Einkommensquellen
2300 Dollar und lag damit um 40 Prozent niedriger als das von allen
übrigen Erwerbspersonen* erzielte durchschnittliche Jahreseinkommen
in Höhe von 3700 Dollar. Wäre es möglich gewesen, alle Schüler, Studenten, Jugendlichen unter 18 Jahren und gerade arbeitsunfähigen Personen, die in der vorliegenden Untersuchung der Arbeitslosen nicht
berücksichtigt wurden, auch aus der Zahl der übrigen Erwerbspersonen
auszusondern, läge der letztgenannte Durchschnittswert noch über
3700 Dollar.
Erwartungsgemäß wirkte sich die Dauer der Arbeitslosigkeit sehr
stark auf das persönliche Einkommen aus. Das durchschnittliche Jahreseinkommen eines langfristig Arbeitslosen betrug nur rund 1400 Dollar oder etwas mehr als die Hälfte des Einkommens der Arbeitnehmer
mit nur ein- bis sechsmonatiger Arbeitslosigkeitsdauer (vgl. Tabelle 5 ) .
Arbeitnehmer, die das ganze Jahr über überwiegend einer Ganztagsbeschäftigung nachgegangen waren, erreichten einen Jahresdurchschnitt von 5000 Dollar; demgegenüber konnte nur einer von acht Arbeitslosen ein gleich hohes oder höheres Einkommen nachweisen. Trotzdem ist diese Differenz nur teilweise die unmittelbare Folge von Arbeitslosigkeit; ausschlaggebend ist auch die Tatsache, daß die Arbeitslosen selbst im Falle einer Beschäftigung durchschnittlich weit niedrigere Wochenverdienste hatten als Arbeitnehmer, die ganzjährig beschäftigt waren. An ihrem derzeitigen oder letzten Arbeitsplatz verdienten
die 9»6 Millionen Arbeitslosen rund 7° Dollar pro Woche; der vergleichbare Wochenlohn oder das vergleichbare Wochengehalt betrug bei Arbeitnehmern, die 1961 das Jahr über ganztägig beschäftigt waren, rund
95 Dollar. Diese Diskrepanz ist eine Folge des niedrigeren Bildungsstandes der Arbeitslosen, ihrer stärkeren Konzentration in weniger anspruchsvollen und schlechter bezahlten Berufen und der bei ihnen häufiger anzutreffenden Teilzeitbeschäftigung.
Trotz Arbeitslosigkeit stammten die Einkünfte der Arbeitslosen
zu 80 Prozent aus eigenen Löhnen und Gehältern. Eine weitere wichtige,
wenn auch kleinere Einkommensquelle bildeten die Zahlungen aus der
Arbeitslosenversicherung, die 12 Prozent ausmachten. Die restlichen
8 Prozent kamen aus allen übrigen Quellen zusammengenommen, vor allem
aus gesetzlichen oder tarifvertraglichen Sozial- und Pensionsfonds.
Einkünfte aus Löhnen und Gehältern; Im Jahr 1961 betrugen die
Lohn- und Gehaltseinkünfte der 9»6 Millionen Arbeitslosen im Durchschnitt
rund 1900 Dollar, gegenüber fast 5000 Dollar bei Arbeitnehmern, die das •
Jahr über ganztägig beschäftigt waren. Trotzdem bildeten Löhne und
* d.h. Personen, die im Laufe des Jahres kurz- oder langfristig beschäftigt waren
Tabelle 5
_ 2 -

�Tabelle 5
Einkommen von Erwerbspersonen mit 5- oder mehrwöchiger
Arbeitslosigkeit 1961*, nach Dauer der
Arbeitslosigkeit (in Prozent)

Dauer der Arbeitslosigkeit
Jahreseinkommen

Insgesamt

Insgesamt

27 -und, mehr
Wochen

_122i2

±oqtq

22,4

18,5

36 ,1

21,9

19,4

30 7

19,0

20,0

15, 7

13,4

14,6

9, 2

4000 bis 4999
5000 bis 5999

10,7

12,3

5, ,1

6,4

7,8

1, 8

6000 und mehr

6,1

7,4

1 4

Unter 1000
Dollar
1000 bis 1999
2000 bis 2999
3000 bis 3999

oo1o__

e
*.c Wochen
w L.
5-26

Anzahl der Personen mit
Einkommen (in Millionen)

9,430

7,267

2,163

Durchschnittseinkommen
(in Dollar)

2300

26o7

1443

* berücksichtigt wurden Personen, die im April 1962 achtzehn Jahre
oder älter und arbeitsfähig waren, sich nicht in Schulausbildung
befanden und früher bereits im Erwerbsleben gestanden haben.
Ann.: Die abgerundeten Prozentangaben ergänzen sich nicht notwendigerweise zu 100.

_ * _

�und Gehälter auch für Arbeitslose die wichtigste Einkommensquelle;
95 Prozent waren 1961 zumindest zeitweise Empfänger von Arbeitsentgelt, während nur 69 Prozent Einkünfte aus anderen Quellen bezogen. Durchschnittlich lagen die Arbeitseinkünfte dreieinhalbmal
höher als die anderweitigen Einkünfte.
Umgekehrt: Obwohl fast 90 Prozent der langfristig Arbeitslosen
während des Jahres zumindest zeitweise Löhne und Gehälter bezogen,
lagen diese niedriger als der Durchschnittsbetrag aller anderweitigen
Einkünfte- in Höhe von 950 Dollar, der von 75 Prozent der langfristig
Arbeitslosen mit solchen anderweitigen Einkünften erreicht wurde. Insgesamt stammte etwas mehr als die Hälfte der Gesamteinkünfte der
langfristig Arbeitslosen aus Löhnen und Gehältern.
Arbeitslosenversicherung: Die Arbeitslosenversicherung stellte
einen wichtigen, wenn auch nur partiellen Ausgleich der 1961 eingetretenen Lohneinbußen dar. Etwas mehr als die Hälfte (5*5 Millionen)
der Arbeitslosen gab an, Zahlungen aus der Arbeitslosenversicherung
erhalten zu haben. Diejenigen, die keine Arbeitslosenunterstützung
empfingen, hatten sie zumeist - wahrscheinlich weil kein Anspruch
bestand - auch nicht beantragt. Im Durchschnitt betrugen die Leistungen 36 Dollar pro Woche; Arbeitslosenunterstützung wurde durchschnittlich 14 Wochen lang bezogen, was der Hälfte der in den meisten amerikanischen Einzelstaaten gültigen maximalen Zahlungsdauer (unter Ausschluß vorübergehender Verlängerungen, wie sie in den Jahren 1958
und 1961 wirksam wurden) entspricht. Die meisten Arbeitslosen fanden
offensichtlich vor Erlöschen ihres Anspruches auf reguläre und verlängerte UnterstützungsZahlungen eine neue Beschäftigung; ein Fünftel
jedoch nahm die Unterstützung 1961 voll in Anspruch.
Für Arbeitnehmer mit 27 und mehr Wochen Arbeitslosigkeit im
Jahr 1961 spielten die Unterstützungszahlungen eine bedeutende Rolle:
im Durchschnitt lagen sie um 10 Prozent höher als ihre Lohn- und Gehaltseinkünfte. Immerhin hatte einer unter neun langfristig Arbeitslosen 1961 keine Lohn- und Gehaltseinkünfte, gegenüber nur einem
unter 40 Arbeitnehmern mit 5 his 26 Wochen Arbeitslosigkeit.
Einkünfte aus anderen Quellen: Die Einkünfte aus allen übrigen
Quellen zusammengenommen trugen weniger zum Gesamteinkommen der Arbeitslosen bei als die Arbeitslosenunterstützung allein. Der Anteil
der Arbeitslosen mit anderweitigen Einkünften dieser Art bewegte sich
zwischen acht und eineinhalb Prozent: 8 Prozent erhielten eine zusätzliche Arbeitslosenunterstützung, 1 1/2 Prozent Zahlungen aus privaten
Pensionsfonds. Rund 4 1/2 Prozent der 9»6 Millionen Arbeitslosen bezogen Einkünfte aus der Sozialversicherung in Höhe von durchschnittlich
knapp 700 Dollar im Jahr - der größte Betrag aus einer einzelnen Einkommensquelle, bei der es sich nicht um Löhne oder Gehälter handelte.
Tatsächlich betrugen alle anderweitigen Einkünfte neben Löhnen und Gehältern im Jahr 1961 durchschnittlich nur etwas mehr als 500 Dollar.
Sie lagen damit nicht nur verhältnismäßig niedrig, bei Berechnung
dieses Durchschnittswertes wurden darüber hinaus nur Arbeitnehmer mit
Einkünften von mindestens einem Dollar berücksichtigt. 30 Prozent
hatten überhaupt keine Einkünfte dieser Art.
Selbst für die langfristig Arbeitslosen stellten Arbeitsentgelt
und Arbeitslosenunterstützung die weitaus wichtigste - Einkommensquellen

- 4 -

�^inkommgnsque11en dar. Zahlungen aus der Sozialversicherung und
der öffentlichen Fürsorge waren für sie jedoch von größerer Bedeutung als für Arbeitnehmer mit kürzeren Arbeitslosigkeitsperioden.
Abhängige Familienmitglieder: Obwohl sich aus der Arbeitslosigkeit eines Haushaltsangehörigen stets Probleme für das Wohl der ganzen Familie ergeben, wird die Situation besonders schwierig, wo ein
Arbeitsloser für Angehörige zu sorgen hat. Bei der Mehrzahl (55 Prozent) der Arbeitslosen handelte es sich um Haushaltsvorstände, die
für andere Personen die finanzielle Verantwortung trugen. V/eitere
25 Prozent waren Personen ohne Familienanhang oder Haushaltsmitglieder, die für ihren Lebensunterhalt selbst aufkamen. In den übrigen
Fällen handelte es sich zumeist um Ehefrauen von Haushaltsvorständen
(17 Prozent); ein sehr kleiner Prozentsatz (nur rund 3 Prozent) waren
Angehörige, die nicht für ihren Lebensunterhalt aufkamen (vgl. Tabelle 6 ) . Etwa drei Fünftel der 1,6 Millionen arbeitslosen verheirateten
Frauen hatten Kinder unter 18 Jahren; in den Schätzzahlen für Arbeitslose mit Angehörigen wurden diese Frauen nicht eingeschlossen, obwohl
die Einkünfte der Mütter einleuchtenderweise auch den Kindern zugute
kamen.
Die Folgen einer Arbeitslosigkeit des Haushaltsvorstandes wurden
in jenen Familien etwas abgemildert, in denen auch andere Familienmitglieder einen Arbeitsplatz innehatten. In einem Drittel der
4,8 Millionen Familien, in denen eine Ehefrau oder ein anderer Verwandter im Alter von mindestens 18 Jahren zum Haushalt zählte, stand
ein anderes Familienmitglied in Arbeit, als das Familienoberhaupt
1961 seine erste Arbeitslosigkeitsperiode erlebte; in den meisten
Fällen war es die Ehefrau. Nur in wenigen Fällen veranlaßte die Arbeitslosigkeit des Familienoberhauptes andere Familienmitglieder zur
Aufnahme einer Erwerbstätigkeit. In 12 Prozent der Familien begab
sich - als unmittelbares Ergebnis der Arbeitslosigkeit des Familienoberhauptes - ein anderes Familienmitglied, gewöhnlich die Ehefrau,
auf Stellensuche oder nahm eine Arbeit auf.
Haush-lts einkommen und Lebensstandard: Im Jahr 1961 betrug das
durchschnittliche Haushaltseinkommen der 8,8 Millionen Arbeitslosen
mit Familie 4400 Dollar. Hinzu kamen 800 000 Arbeitslose ohne Familienanhang mit einem Durchschnittseinkommen von rund 1800 Dollar. Unter den
8,8 Millionen Arbeitslosen mit Familie gab es 5»3 Millionen Familienoberhäupter - fast zu 90 Prozent verheiratete und von ihrer Ehefrau
nicht getrennt lebende Männer. Der größte Teil der folgenden Darlegung befaßt sich mit Familien, deren Oberhaupt arbeitslos war.
Das Durchschnitts-Jahreseinkomnen dieser Haushalte betrug 4100 Dollar, gegenüber 5700 Dollar 'im Durchschnitt aller Haushalte bzw. 6900
Dollar bei Haushalten, deren Vorstand das Jahr über ganztägig beschäftigt war. Zwar sind diese Zahlen auch ein Maß für die Unterschiede im
Lebensstandard zwischen Familien, die von Arbeitslosigkeit betroffen
wurden, und Familien, deren Oberhaupt einer Dauerbeschäftigung nachging;
diese Differenzen sind jedoch nicht allein als Auswirkung einer Arbeitslosigkeit des Haushaltsvorstandes aufzufassen. Wie bereits festgestellt,
lag der Wochenverdienst aller Arbeitslosen (als sie 1961 beschäftigt
waren) um 25 Dollar niedriger als derjenige ganzjährig Beschäftigter.
Setzt man einen ähnlichen Unterschied auch für Haushaltsvorstände voraus,
würde dies - ohne Berücksichtigung der Folgen einer Arbeitslosigkeit -

- 5-

�Tabelle 6
Familienstand von Arbeitnehmern mit 5 oder mehr Wochen
Arbeitslosigkeit im Jahr 1961*, nach Geschlecht und
Dauer der Arbeitslosigkeit 1961; Stand: April 1962
(in Prozent)

Familienstand

Insgesamt

Männer
18-44 45 Jahre
Jahre
und
alt
älter

Dauer der Arbeitslosigkeit 1961
Frauen
5-26
27 und mehr
Wochen
Wochen

Zahl der Arbeitnehmer
(in Millionen)

9,617

3,011

7,345 2,272

Prozent

122i2_ _!92»2_ _loo1o_ _]_oq,q_

_ioo,o_ 100,0

Familienoberhaupt,
mit Ehefrau**
Familienoberhaupt,
sonstiger Familienstand
Ehefrauen

4,404

2,202

48,8

66,3

80,5

6,3
16,8

1,9

3,7

Andere Verwandte
19,5
für eigenen Lebensunterhalt aufkommend
16,7
nicht für eigenen
Lebensunterhalt
aufkommend
2,8
Arbeitnehmer ohne
Anhang
8,5

26,5

4,6

22,9

4,3

3,6
5,3

0,4
11,2

14,8
53,8

51,0

41,8

5,9

7,8

17.3

15,2

18.4

23,1

20,3
15,8

19,7

2,6

3,4

16,8

3,5
11,1

7,4

12,1

* siehe Tabelle 5, Anm.*
** einschließlich der Haushaltsvorstände von Unterhaushalten
Anm^Lüt abgerundeten Prozentmgaben ergänzen sich nicht notwendigerweise
zu 100.

- 6-

�Arbeitslosigkeit - eine Jahresdifferenz von 1300 Dollar bedeuten.
Setzt man ferner voraus, daß der V/ochenverdienst von arbeitslosen
Haushaltsvorständen mit 75-80 Dollar etwas höher lag als der wöchentliche Durchschnittsverdienst aller Arbeitslosen, dann können bei Zugrundelegung einer durchschnittlichen Arbeitslosigkeit von 15-16 Wochen die durch sie verursachten Einbußen an potentiellem Einkommen
mit durchschnittlich 1100 bis 1300 Dollar veranschlagt werden. Rund
zwei Fünftel dieser Einbußen wurden für 3 »4 Millionen Familienoberhäupter durch Zahlungen aus der Arbeitslosenversicherung ausgeglichen.
Trotz dieser Verdienstausfälle stellten die Lohneinkünfte des
Haushaltsvorstandes den wichtigsten Bestandteil des Haushaltseinkommens dar. Im Jahr 1961 machten die Lohneinkünfte des Familienoberhaupts (2700 Dollar) nahezu drei Fünftel des Gesamteinkommens der
5,3 Millionen betroffenen Familien aus. Zugleich bildeten jedoch
seine sonstigen Einkünfte, hauptsächlich aus der Arbeitslosenversicherung, zusammen mit dem Verdienst anderer Familienangehöriger mit zwei
Fünfteln einen wichtigen Beitrag zum Haushaltseinkommen.
Da die Erwerbsfähigkeit des Familienoberhaupts diejenige anderer
Familienmitglieder zu übertreffen pflegt, wirkt sich dessen Arbeitslosigkeit auf die Zahlungsfähigkeit seiner Familie abträglicher aus
als die Arbeitslosigkeit eines anderen Familienmitglieds. In den 3»5
Millionen Familien, in denen die Ehefrau oder ein anderer Verwandter
arbeitslos war, lag das Haushaltseinkommen im Durchschnitt um 800 Dollar
höher als in den 5»3 Millionen Familien, deren Oberhaupt arbeitslos war.
Offensichtlich arbeitete in vielen Familien das Oberhaupt auch dann
weiter und bezog sein reguläres Einkommen, wenn sich andere Familienmitglieder auf Stellensuche befanden, sonst könnte das persönliche
Einkommen von arbeitslosen Ehefrauen und Verwandten im Durchschnitt
nicht lediglich knapp ein Drittel des Gesamthaushaltseinkommens ausmachen. Allerdings war dieser niedrige Anteil zum Teil auch das Ergebnis ihrer Arbeitslosigkeit.
In etwa einem Viertel der 3*5 Millionen Familien, in denen die
Ehefrau oder ein anderer Verwandter arbeitslos war, steuerten dagegen
gerade diese Familienmitglieder immer noch mehr als die Hälfte zu den
Gesamteinkünften aus Löhnen und Gehältern bei. Ihre während der Arbeitslosigkeit erlittenen Einkommensverluste wirkten sich auf die Finanzkraft der Familie selbstverständlich recht ungünstig aus.
Zahl der Fafliilienangehörigen:,tfaMfrJGesfmteinkommen aller Haushalte,
deren Vorstand arbeitslos war, Ineugefr. schätzungsweise 19 Millionen
Personen (über 10 Prozent der amerikanischen Gesamtbevölkerung im
April 1962) bei. Dabei handelte es sich um 5»3 Millionen Familienoberhäupter, 4»7 Millionen Ehefrauen, 8,5 Killionen Kinder unter 18 Jahren
und 0,6 Millionen sonstige Angehörige und andere Personen. Haushalte,
deren Vorstand arbeitslos war, hatten nicht nur um ein Viertel niedrigere Durchschnittseinkünfte als der Durchschnitt aller Hauchalte und um
zwei Fünftel niedrigere Durchschnittseinkünfte als die Haushalte, deren
Vorstand einer Dauerbeschäftigung nachging, sondern standen auch vor der
Notwendigkeit, ihr niedrigeres Einkommen auf eine größere Zahl von Verbrauchern aufzuteilen. Beispielsweise hatten 26 Prozent der Familien,
deren Oberhaupt von Arbeitslosigkeit betroffen wurde, 3 oder mehr Kinder
unter 18 Jahren (eingeschlossen sind 14 Prozent Familien mit 4 und mehr
Tabelle 7

- 7-

�Tabelle 7
Bestreitung der Lebenshaltungskosten in Haushalten,
die von Arbeitslosigkeit betroffen wurden, nach Stellung
des Arbeitslosen* in der Familie und Dauer
der Arbeitslosigkeit 1961
(in Prozent)

Methode

Abheben von Ersparnissen
Durchschn.-Betrag (in Dollar)
Borgen von Geld
Durchsehn.-Betrag (in Dollar)

Insgesamt

Familienstand des
Arbeitslosen
Oberhaupt

Ehefrau Personen
ohne
u.sonst.
Verwandte Anhang

Dauer der Arbeitslosigkeit
5-26
Wochen

27 oder
mehr
Wochen

46,9

51,0

36,9

52,5

49,1

39,9

396

441

261

356

378

22,6

26,9

16,8

12,7

23,7

443
18,8

308

347

288

195

315

281

Umzug in billige
Wohnungen

9,5

11,2

6,6

8,5

8,8

12,0

Verkauf von Eigentum

4,3

4,3

4,7

3,4

4,3

4,5

H i l f e von Freunden
unverwandten a u ß e r halb des Uaru-uhalts 19,1

19,8

15,3

27,5

18,0

22,5

Barzuschüsse öffentl.u.private r
Wohlfahrtseinrichtungen

7,4

7,7

7,2

6,8

5,6

13,2

Sonstige öffentl.
Unterstützung

11,4

13,9

8,0

5,5

9,1

18,7

* siehe Tabelle 5, Anm.*

�mehr Kindern), während von den übrigen Familien 22 Prozent 3 und mehr
Kinder (eingeschlossen sind 11 Prozent Familien mit 4 und mehr Kindern)
besaßen. Anders gefaßt: Während 36 Prozent der von Arbeitslosigkeit
betroffenen Familien keine Kinder im angegebenen Alter hatten, waren
es bei den übrigen Familien 41 Prozent.
In Haushalten mit bis zu fünf Personen stieg das verfügbare Gesamteinkommen mit der Größe der Familie des arbeitslosen Vorstandes
an - eine Folge des Umstands, daß andere Familienmitglieder mitverdienen und das Familienoberhaupt zwischen Ende dreißig und Anfang
vierzig einen Höhepunkt der Erwerbsfähigkeit erreicht. Allerdings
nahm in Familien mit mehr als fünf Personen das Einkommen nur geringfügig zu und das Pro-Kopf-Einkommen stark ab.
Wie die Lebenshaltungskosten bestritten wurden: In sehr vielen
Haushalten reichte das Gesamteinkommen offensichtlich nicht aus, um
den Lebensstandard aufrechtzuerhalten. Andere Mittel, wie Ersparnisse,
Kredite oder Hilfe von Freunden und Verwandten, mußten einen Ausgleich
schaffen. Auf solche Mittel wurde am ehesten dort zurückgegriffen, wo
das Familienoberhaupt arbeitslos war oder die Arbeitslosigkeit länger als
ein halbes Jahr andauerte.
Fehlende Einkünfte wurden in den meisten Fällen durch Ersparnisse
ausgeglichen. Fast 50 Prozent der Familien hoben Sparbeträge von durchschnittlich 400 Dollar ab (vgl. Tabelle 7)« Nahezu 25 Prozent der Familien borgten Geld, die Hälfte von ihnen 300 Dollar und mehr. Andere
Wege, die Lebenshaltungskosten während einer Arbeitslosigkeit zu bestreiten, schlössen Barzuschüsse und Lebensmittelzuwendungen öffentlicher
und privater Wohlfahrtseinrichtungen und den Umzug in billigere Wohnungen ein. Solche Auswege wurden am ehesten von jenen Familien gesucht,
in denen der Arbeitslose länger als 26 Wochen beschäftigungslos blieb.
(Quelle: "Monthly Labor Review",
Dezember 1963, Vol. 86, Nr. 12)
* * * * *

Druckereifachschule in Colorado Springs
Der technische Fortschritt hat seine Schattenseiten: Wo Arbeitnehmer nur unzureichend auf neue Produktionsmethoden vorbereitet sind,
bringt er Entlassungen. Auch die amerikanische Buchdruckergewerkschaft
ITU sah dieses Problem auf ihre Mitglieder zukommen. Deshalb gründete
sie bereits 1956 in Indianapolis (Indiana) ihre zentrale Druckereifachschule, die vor zwei Jahren nach Colorado Springs verlegt wurde.
Lehrgänge in moderner Druckereitechnik
Im Druckereiwesen vollzieht sich gegenwärtig ein Übergang von
konventionellen Setzmaschinen und Umbruchmethoden zu modernen Lichtsetzmaschinen und Klebeumbruchverfahren. In Colorado Springs können sich
ITU-1'.iitglieder an neuen Maschinen und in neuen Techniken ausbilden lassen. Einige technische Neuerungen und Erfindungen - z.B. die "ITU Ruling

- 9-

�Ruling Machine", mit der sich komplizierte Linienmatrizen und geometrische Formen in mikrometrischer Präzision herstellen lassen entstanden in der Gewerkschafts-Fachschule, deren Lehrkräfte anerkannte Experten ihres Fachgebietes sind.
Etwa 200 Gewerkschaftsmitglieder werden jährlich in Colorado
Springs ausgebildet. Diese Zahl vervielfacht sich in ihrer Wirkung,
da Absolventen der Fachschule später oft als Lehrer in örtlichen
ITU-Kursen tätig werden. Der Lehrplan ist sehr vielseitig und umfaßt
Kurse in Klebeumbruchtechnik, Layout, Photographie, Phototypie, Teletypie, Druckereielektronik, Druckplatten- und Klischeeherstellung
sowie Offset- und Farbdruck.
Im Mittelpunkt des Phototypie-Lehrganges steht die Ausbildung am
Fotosetter (Licht-Setzmaschine), der den Drucksatz photomechanisch
auf sensibilisiertem Papier oder auf Filmmaterial herstellt. Der Arbeitsablauf ähnelt dem der Zeilensetzmaschine, nur daß an die Stelle
des traditionellen Gießkessels eine Projektionseinrichtung tritt. Zum
Unterrichtspensum gehören auch der Umgang mit belichtetem Filmmaterial,
Korrekturlesen, Zurichten und sonstige Vorbereitungen für den Klebeumbruch.
Vorbild für Druckereifachschulen im Ausland
Die meisten Lehrgänge dauern drei Wochen bei täglich sieben Stunden Unterricht, von neun bis siebzehn Uhr mit einer Stunde Mittagspause. Auch zweiwöchige Auffrischungskurse für ehemalige Lehrgangsteilnehmer und Fachlehrer an örtlichen ITU-Schulen werden geboten .
Da Datenverarbeitungsanlagen auch im Druckereigewerbe immer größere
Bedeutung gewinnen, bereitet die Anstalt zur Zeit Kurse im Programmieren und in der Computer-Wartung vor.
Besucher aus aller Welt haben sich in den vergangenen Jahren
über die Unterrichtsprogramme und technischen Einrichtungen der ITUFachschule informiert. Zum Teil suchten sie Rat und Anregung für die
Gründung ähnlicher Schulen in ihren eigenen Ländern. Auch mancher
Druckereibesitzer hat sich hier über neue Drucktechniken beraten
lassen oder Mitarbeiter zum Studium neuer Verfahren, die in der eigenen Druckerei angewendet werden sollen, nach Colorado Springs geschickt .
(Quelle: Eigenbericht)
* * * * *
Die Firma zahlt den Doktorhut
Als Teilnehmer am betrieblichen Studienförderungsprogramm der bekannten Flugzeugwerke North American Aviation in El Segundo (Kalifornien) bemühen sich gegenwärtig über 5000 Mitarbeiter der Firma in Fernkursen zu Hause, in Abendkursen an Oberschulen und technischen Lehranstalten oder als Vollstudenten an Universitäten und Colleges um ihre
berufliche und allgemeine Weiterbildung. Der Betrieb vergütet den bildungsbeflissenen Mitarbeitern jeweils zwei Drittel der Studiengebühren
und erstattet auch das letzte Drittel, wenn sie den entsprechenden
Lehrgang oder das Studium mit Erfolg abschließen.
FirmenZuschüsse

. 10 -

�Firmenzuschüsse werden frühestens nach einjähriger Betriebszugehörigkeit gewährt und reichen von geringfügigen Beiträgen zu
brieflichen Fernkursen bis zu Summen, die bei Doktoranden in die
Tausende gehen. Zusätzlich zu den Finanzbeihilfen gewährt die Firma
gegebenenfalls Bildungsurlaub bis zu drei Jahren im Falle eines
Hochschulstudiums und ermöglicht Kursteilnehmern Teilzeit- oder
Schichtarbeit.
Das Studienförderungsprogramm geht auf das Jahr 1950 zurück,
als erstmals 133 Betriebsangehörige Studien- und Ausbildungsbeihilfen zugesprochen bekamen, eine Zahl, die sich bis 1963 auf rund
11 500 erhöht hat. Zunächst beschränkte sich das Programm mehr auf
die praktische Ausbildung, doch wurde es schon bald auf das CollegeStudium bis zum akademischen Grad eines Bachelor und 1956 schließlich auf das Universitätsstudium, einschließlich des Magister- und
Doktorexamens, ausgedehnt. Der Erfolg dieser Maßnahme spricht für
sich selbst, haben doch inzwischen 502 Mitarbeiter der North American
Aviation den Bachelor-Grad, 276 den eines Magisters und neun den
Doktortitel erworben.
Die Geschäftsführung hat eine eigene Bildungsabteilung eingerichtet, die die Anträge auf Studienförderung bearbeitet, die vorgeschlagenen Kurse oder Studien begutachtet und die Mittel bewilligt. Generelle Zustimmung besteht für die Ingenieurfächer sowie für Mathematik,
Physik, Elektronik und Betriebswissenschaften.
Nimmt man das Jahr 1954 als Indexjahr, so ist die Beteiligung am
Studienförderungsprogramm heute 441 Prozent, eine Tatsache, die nicht
zuletzt darauf zurückzuführen ist, daß sich das Tätigkeitsgebiet der
Firma in den letzten Jahren auf den Bau von Raketentriebwerken und
die Reaktorentwicklung ausgedehnt hat. Die Aufwendungen der Firma
stiegen im gleichen Zeitraum von 84 500 Dollar auf 467 000 Dollar.
Die Empfänger der Studienbeihilfe verteilen sich auf eine große
Zahl von Anstalten, die von kommunalen Oberschulen am Arbeitsort bis
zu den besten Universitäten des Landes reichen. Die 150 Werksangehörigen,
die gegenwärtig auf Bildungsurlaub sind, studieren an 27 Colleges und
•Universitäten in 12 verschiedenen Bundesstaaten der USA, darunter so
bekannten Instituten wie der Stanford-Universität, dem California Institute of Technology in Pasadena, der Universität von Illinois in Urbana
und dem Polytechnic Institute in Brooklyn (New xork City).
"Die Förderung strebsamer Mitarbeiter durch Studienbeihilfen hat
uns die Möglichkeit gegeben, nicht nur einen Stamm von hervorragend
c.ualifizierten Fachkräften heranzuziehen, sondern auch das gesamte
Leistungsniveau in unseren Werken anzuheben", erklärte der Leiter
des Stipendien- und Erziehungsprogramms der.Firma, F.G. Rizzardi.
"Für den Mitarbeiter bedeutet erfolgreiche Beteiligung am Bildungsprogramm in der Regel eine Höhereirsbufung im Betrieb und für die
Firma einen Leistungszuwachs." Mr. Rizzardi sieht in dem Programm
eine Bestätigung seiner Überzeugung, daß der Leistungsstand der amerikanischen Industrie nicht zuletzt der Fähigkeit der Männer und Frauen
in den Werkshallen und Büros zu danken ist, sich neuen technischen
Entwicklungen und Ideen unverzüglich anzupassen.
(quelle: Eigenbericht)
* * * * *

- 11 -

�Gewerkschaftliche Kurznachrichten
Schlichtungsbestirnmungen sollen Festliegen von Schiffen verhindern
Das Festliegen von Schiffen sollen künftig die Schlichtungsbestimmungen eines neuen Arbeitsvertrages verhindern, der im Januar
zwischen der Amerikanischen Seeleutegewerkschaft (National Maritime
Union - NMU) und dem Versorgungswerk der Schiffsingenieure (Marine
Engineers Beneficial Association - MEBA) auf der einen Seite und den
Schiffahrtslinien im Ost- und Golfküstenverkehr ausgehandelt worden
ist. Er beendete die Arbeitsstreitigkeiten, die u.a. zu einem viermonatigen Festliegen des Passagierschiffes "America" geführt hatten.
Arbeitsstreitigkeiten, in die Mitglieder der beiden Verbände verwickelt sind, sollen nach der neuen Regelung zwei Schiedsleuten, Theodore W. Kheel von der NMU und Donald Shoughnessy von der MEBA, unterbreitet werden, die zunächst als Vermittler fungieren und gegebenenfalls die Schlichtung betreiben. Sind die beiden Schiedsleute in der
Beurteilung eines Falles unterschiedlicher Auffassung, so sind sie
gehalten, einen dritten Schiedsmann hinzuzuziehen.
Bei dieser Form der Schlichtungsvereinbarung handelt es sich um
eine völlig neue Regelung, die nach Ansicht der Beteiligten geeignet
sein dürfte, bei Arbeitsstreitigkeiten auch in anderen Gewerbezweigen
Streiks zu verhindern.
*
New Yorker Transportarbeiter erhalten 35 Cent pro Stunde mehr
Einen neuen ZweiJahresvertrag mit dem New Yorker Verkehrsamt, der
rückwirkend ab 1. Januar in Kraft tritt, hat die Mitgliedschaft der
Transportarbeitergewerkschaft im Bereich New York ratifiziert. Der
Vertrag sieht eine Lohnerhöhung von insgesamt 35 Cent pro Stunde in
zwei Stufen vor. Hiervon sind 11 Cent ab Jahresbeginn zu zahlen, die
restlichen 24 Cent vom 1. Januar 1965 an.
Eine wesentliche Verbesserung erfuhr auch die Urlaubs- und
Feiertagsregelung. Transportarbeiter erhalten künftig nach fünfjähriger Dienstzeit vier und nach 25jähriger Dienstzeit fünf Yv'ochen bezahlten Urlaub. Es wurde ihnen ferner ein neunter bezahlter Feiertag
im Jahr sowie die Übernahme der Beiträge zur Krankenversicherung nach
der Pensionierung zugestanden.
*
Berufstätige im Alter von 75 Jahren und darüber
Die Zahl der Berufstätigen im Alter von 75 Jahren und darüber
betrug in den Vereinigten Staaten i960 nach Angaben des Statistischen
Bundesamtes der USA insgesamt 468 000. Von 340 000 berufstätigen Männern dieser Altersgruppe war der größte Teil in der Landwirtschaft, in
den akademischen Berufen und im Handwerk beschäftigt, während die
127 000 weiblichen älteren Beschäftigten größtenteils in Berufen tätig
waren, die mit Haushaltsführung und Kinderpflege und -erziehung in
einem engen Zusammenhang stehen.
Bei

12 -

�Bei den Männdern ergibt sich folgende Aufschlüsselung in einzelnen Berufen: Landwirte und -arbeiter rund 148 000, davon 69 000 als
Besitzer oder Pächter und 79 000 als Landarbeiter; Juristen, Anwälte
oder Richter 6000; praktische Ärzte und Chirurgen 46OO; Geistliche
3200; Immobilienhändler und -makler 5000; festangestellte Führungskräfte von Wirtschaftsunternehmen oder Eigentümer 3700; Zimmerleute,
Mechaniker und Gärtner jeweils 6000.

Zunahme der Bauarbeiterlöhne im Jahr 1965 um 3,5 Prozent
Eine Erhöhung der Stundenlöhne der Arbeiter im Bau- und Bauhilfsgewerbe um durchschnittlich 1,9 Cent bewirkte ein Steigen der tarifvertraglich vereinbarten Sätze per 2. Januar 1964 au? einen Durchschnitt von 4»13 Dollar; das sind 3&gt;5 Prozent mehr als per 2. Januar
des Vorjahres, wie das US-Bundesamt für Arbeitsstatistik (Bureau of
Labor Statistics) in der soeben veröffentlichten letzten Vierteljahresübersicht 1963 über die Lage in sieben Beruf s'sparten im Bau- und
Bauhilfsgewerbe in 100 Großstädten nachweist.
Am günstigsten schnitten die Elektriker ab, die ihre Durchschnittsstundenlöhne um 3»2 Cent auf 4*60 Dollar aufbessern konnten. Sie waren
gefolgt von den Zimmerleuten mit einer Zunahme um 2,3 Cent auf 4»26
Dollar pro Stunde und den Malern mit einer Steigerung um 2 Cent auf
4,00 Dollar pro Stunde.
Nach Angaben des Bundesamtes für Arbeitsstatistik ist diese Zunahme der Durchschnittslöhne auf die im Laufe des Jahres in Kraft getretenen Erhöhungen der Lohnsätze zurückzuführen, von denen jeder
fünfte Arbeiter auf dem Bausektor profitierte. Im Falle der Elektriker erfolgte eine Anhebung in 24 der 100 Städte, bei den Maurern in 18,
bei den Zimmerleuten in 17 und in anderen Sparten in mindestens 12
Städten.
«

Erster Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Ausschuß in der US-Bekleidungsindustrie
Als erste Gewerkschaft der amerikanischen Bekleidungsindustrie hat
sich die Gewerkschaft der Beschäftigten in der Damenoberbekleidungsindustrie (international Ladies' Garment Workers Union - ILGWU) zur Bildung eines Gemeinsamen Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Ausschusses bereit erklärt, in dem Arbeitsprobleme vor Beginn der üblichen TarifVerhandlungen
- d.h. rechtzeitig vor Ablauf des Tarifvertrages - besprochen werden sol
len. Sie erweitert damit den Kreis zahlreicher bereits bestehender Gremien dieser Art, die als bestes Mittel zur Verhinderung von Streiks
gelten. Beratungspartner der ILGWU ist die Firma Bobbie Brooks, Inc.,
Ausschußvorsitzender David L. Cole, ein bekannter Arbeitsschlichter.
Die Geschichte dieser gemeinsamen Beratungsausschüsse beginnt mit
dem Jahr 1949» &amp; ls sich nach einer Serie heftiger Streiks die amerikanische Bergarbeitergewerkschaft (United Mine Workers of America)
mit ihren Tarifpartnern aus der Bergbauindustrie bereits vor Beginn
von Kollektivverhandlungen zu Besprechungen zusammensetzte. Rund zehn

- 13 -

�zehn Jahre später wurde in der Stahlindustrie nach Beendigung des
1l6tägigen Streiks von 1959 mit der Gründung des Geraeinsamen Ausschusses für zwischenmenschliche Beziehungen (Joint Human Relations
Comraittee) aus Vertretern der Industrie und der Stahlarbeitergewerkschaft (United Steelworkers of America) ein weiterer wichtiger
Schritt auf diesem Gebiet getan. Im Haushaltjahr 1964» das am
30. Juni endet, sind bisher etwa 300 solche Ausschüsse neu gebildet
worden, gegenüber 213 im Haushaltjähr 19&amp;3 u n d 79 im Jahre davor.
Zwar liegt ihre Gesamtzahl noch immer verhältnismäßig niedrig, trotzdem ist der im vergangenen Jahr verzeichnete Streikrückgang nach Ansicht von Gewerkschaftsführern der APL-CIO wenigstens teilweise auf
die Arbeit dieser Beratungsgremien zurückzuführen. Im Jahr 19^3 wurden kaum mehr als eine Million Beschäftigte von Streiks betroffen;
das sind 16 Prozent weniger als 1962. Damit erreichte diese Ziffer
den niedrigsten Stand der letzten zwei Jahrzehnte.

(Quelle: Eigenbericht)
* * # * *

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung;. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
USIS-Bonn/Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XVII - 5

Bad Godesberg, den 1. Mai 1964

INHALTSVERZEICHNIS
Gewerkschaft und Automation - Dreimal Waffenstillstand
an der amerikanischen Westküste
Die betrieblichen Sozialkassen der Angestellten
in den USA (i)
US-Eisenbahnerstreik endgültig gebannt

Seite 1
Seite 10
Seite 13

Bruce Bliven, Dozent für Zeitungswissenschaft an der
Stanford-Universität in Kalifornien»
Gewerkschaft und Automation - Dreimal Waffenstillstand an der
amerikanischen Westküste*
Drei an der Westküste der Vereinigten Staaten abgeschlossene
Tarifverträge scheinen einen klaren und gangbaren Weg zu einem
freiwilligen Friedensschluß zwischen den Sozialpartnern in der
wichtigsten Einzelfrage, die sie trennt, aufzuzeigen - in der Frage der Automation. Jeder dieser Verträge enthält den Verzicht der
Gewerkschaft auf ihren Widerstand gegen arbeitsparende Neuerungen;
in jedem der Verträge zahlt der Arbeitgeber für diese Konzession
einen hohen Preis einschließlich der langjährigen Garantie, daß
kein Belegschaftsmitglied Härten in Kauf zu nehmen braucht, weil
ihn Maschinen von seinem Arbeitsplatz verdrängten. Prophezeiungen
sind immer etwas gewagt» mit Streiks dürfte jedoch während der
Laufzeit der Verträge kaum zu rechnen sein. Und zu einem Zeitpunkt,
zu dem der US-Kongreß angesichts des ganz Amerika berührenden Konflikts zwischen den Eisenbahngesellschaften und ihrem Personal
erstmals in Friedenszeiten ein Zwangsschlichtungsgesetz erlassen
hat, kommt den neuen,freiwillig geschlossenen Tarifvereinbarungen
besondere Bedeutung zu.

* (c) 1963 by The Reporter Magazine Company
- 1-

�\

Vereinbart wurden diese Neuregelungen zwischen der Unternehmensleitung und den Angestellten der Southern-Pacific-Eisenbahn, den Reedern und Hafenarbeitern an der Pazifikküste und auf Hawaii und der
Kaiser Steel Corporation und der Belegschaft ihres Stahlwerks in Fontana (Kalifornien).
Diese Vereinbarungen tragen die persönliche Handschrift von drei
Männern, die am Dreieckstisch, der für Kollektivverhandlungen immer
kennzeichnender wird, jeweils eine andere Seite repräsentierten. Im
Falle des Eisenbahnerkonflikts war es die überragende Persönlichkeit
Professor J. Keith Manns von der juristischen Fakultät der StanfordUniversität; der Hafenarbeiter-Vertrag ist in erster Linie das Werk
des Gewerkschaftsvorsitzenden Harry Bridges; und der Kaiser-Plan entsprang den Vorstellungen Edgar Kaisers, des Spiritus rector der Stahlwerke und fast aller übrigen von seinem Vater Henry J. Kaiser gegründeten Unternehmen.
Die drei Tarifabkommen wurden an nicht weit voneinander gelegenen
Orten erarbeitet - die beiden ersteren in San Francisco, das letztere
jenseits der Bucht von San Francisco im Kaiser-Hauptquartier in Oakland (Kalifornien). Dies beruht nur teilweise auf Zufall; denn der
Westen der USA scheint nicht so sehr wie der Osten an starre konservative Traditionen gebunden und eher zu kühnen Experimenten bereit zu
sein.
Zwar stimmen die Verträge in wesentlichen Zügen überein; andererseits weisen sie genug Unterschiede auf, die eine gesonderte Darstellung rechtfertigen.
Automation
_
_ ^ _ — ^ und
. ^ Schiedsverfahren
_ ^ ^ _ _ — _ _ —bei
_ _der
_ ^Southern
_ _ ^ _ Pacific
_ — _
Donald J. Russell, der energische 64jährige Präsident der Southern-Pacif ic-Eisenbahn, hat seine Gesellschaft zu einer der reichsten
Amerikas entwickelt. Dabei kam ihm die Tatsache zu Hilfe, daß ihr Strekkennetz von rund 12 900 km Gesamtlänge sieben Weststaaten der USA durchzieht, in "denen es kaum Konkurrenz für sie gibt. Russell ist seit Beendigung seines Studiums an der Stanford-Universität für die Southern
Pacific tätig. Kostensenkende und leistungssteigernde technische Neuerungen, einschließlich der Verwendung von Elektronenrechnern und anderen Geräten zur Reduzierung der Büroarbeiten, sind sein besonderes
Steckenpferd. In den fünf Jahren zwischen 1958 un d 1962 gelang es ihm,
40 Prozent seiner Büroangestellten - ungefähr 4500 Beschäftigte - einzusparen, obwohl die Transportleistung seiner Bahn um 11 Prozent zunahm.

(

Kein Wunder, daß die Gewerkschaft der Angestellten im Transportgewerbe (Brotherhood of Railway and Steamship Clerks, Freight Handlers,
Express and Station Employees) nicht besonders begeistert davon war und
dies auch zun Ausdruck brachte. James E. Weaver, Vorsitzender der Gewerkschaftsgruppe Southern Pacific und einer der härtesten Tarifverhandlungspartner, erhob nachdrücklichen Protest. Unterstützt wurde er
dabei von George M. Harrison, dem Präsidenten seiner Gewerkschaft, einem nicht minder energischen Mann am Verhandlungstisch. Die Klagen wurden so lautstark, daß Präsident Kennedy schließlich einen Sonderuntersuchungsausschuß unter Professor Mann einsetzte. Professor Mann beschäftigt sich fast seit dem Tag, an dem er 1949 sein juristisches Bakkalaureat (LL.B.) an der Universität Indiana ablegte, mit Arbeitsfragen. Während des Koreakrieges war er Vorsitzender des Prüfungs- und Berufungsausschusses (Review and Appeals Committee) des Lohnstabilisierungsamtes (Wage Stabilization Board); später befaßte er sich mit
- 2 -

�mit Arbeitsfragen der Atomenergiekommission (Atoraic Energy Commission),
war 1961 Mitglied der Präsidialkommission zur Regelung des Konflikts
zwischen den amerikanischen Plugingenieuren und ihren Luftfahrtgesellschaften und leitete die Schlichtungsverhandlungen in zwei Arbeitsstreitigkeiten bei Eisenbahngesellschaften.
Der Southern-Pacific-Ausschuß wurde im August 1962 gebildet. Am
31. Dezember unterbreitete Mann einen Bericht mit einigen weitreichenden Vorschlägen, die sich für beide Seiten als unannehmbar erwiesen.
Während noch weitere Untersuchungen im Gange waren, beraumte Weaver
mehrmals Streiks an, die er erst in letzter Minute verschob.
Die Gewerkschaft lehnte Personalkürzungen als Folge von Automation
nicht grundsätzlich ab. Umstritten war die Frage, wie rasch solche Kürzungen vorgenommen werden sollten. Der Gesellschaft wäre es, wenigstens
theoretisch, am liebsten gewesen, wenn jeder erwiesenermaßen überflüssige Arbeitsplatz möglichst schnell hätte freigemacht werden können. Die
Gewerkschaft hingegen wollte die Kürzungen auf möglichst niedrigem Niveau, etwa von zwei Prozent pro Jahr, halten, wie dies zwei Jahre zuvor
in einem gesonderten Tarifvertrag mit der Gewerkschaft der EisenbahnFernmeldetechniker (Order of Railroad Telegraphers) ausgehandelt worden war.
Im März 1963 war in einer Reihe von Fragen Einigung erzielt worden. Präsident Kennedy schlug daraufhin vor, Professor Manns Ausschuß
zu Schiedssprüchen in den ungelösten Fragen zu bevollmächtigen, zu deren Annahme sich beide Parteien im voraus verpflichten sollten. Dies
geschah, und innerhalb zehn Tagen war der Arbeitskonflikt endgültig bereinigt .
Wichtigster Vertragsgrundsatz war die Vereinbarung, den Abbau von
Arbeitsplätzen möglichst im Rahmen des "natürlichen Ausscheidens" von
Belegschaftsmitgliedern - durch Kündigung, Pensionierung, Beförderung,
Krankheit, fristlose Entlassung oder Tod - zu halten. Bei der Southern
Pacific erreicht der Personalrückgang auf diese Weise fünf bis sechs
Prozent im Jahr. Höchst selten ist in der amerikanischen Industrie bisher ein ähnlicher Vorschlag gemacht, geschweige denn akzeptiert worden.
Professor Manns Ausschuß formulierte mit seiner Erklärung, kein
Tarifvertrag dürfe die Finanzbasis des Arbeitgebers gefährden, einen
weiteren richtungweisenden Grundsatz:
"Unser Ausschuß kann keiner Regelung zustimmen, die die Konkurrenzfähigkeit eines Transportunternehmens beeinträchtigen würde. Nur
wenn es den Eisenbahngesellschaften freigestellt bleibt, kostensparende Neuerungen einzuführen, werden die Vereinigten Staaten auch in Zukunft über ein angemessenes und leistungsfähiges Transportsystem verfügen ... Eine sinnvolle Arbeitsplatzsicherung läßt sich nicht auf Kosten des Fortschritts erreichen."
Beim Abbau eines Arbeitsplatzes wird alles unternommen, um das betroffene Belegschaftsmitglied auf eine andere Tätigkeit im Betrieb umzuschulen. Alle zuständigen Regierungsstellen werden eingeschaltet, vor
allem jene. Behörden, die mit der Durchführung des Gesetzes zu Fragen
der Berufsförderung und Arbeitsmarktexpansion (Federal Manpower Development and Training Act) beauftragt sind, da Staat wie Privatwirtschaft
zur Hilfeleistung gegenüber den Opfern des stürmischen technischen Fortschritts verpflichtet sind.
Wird

�Wird jemand niedriger eingestuft als bisher, so findet ein Lohnausgleich zu seinen Gunsten statt. Lohnnebenleistungen, z.B. Krankenhausgelder, werden je nach Dienstalter auf einer bestimmten Höhe gehalten. Bei Versetzung in eine andere Stadt werden alle Unkosten,
einschließlich etwaiger durch den Verkauf des eigenen Hauses entstehender Verluste, ersetzt. Starre gewerkschaftliche Arbeitsplatzklassifizierungen wurden in vielen Fällen gelockert, um Belegschaftsmitglieder leichter in andere Arbeitsplätze einweisen zu können.
Ben wenigen tatsächlich freigesetzten Arbeitnehmern werden Wartegelder ausgezahlt, die teilweise aus Mitteln der Southern Pacific
und teilweise aus der Eisenbahner-Arbeitslosenversicherung stammen
und je nach Dienstalter maximal ein Jahr lang 70 Prozent und maximal
weitere vier Jahre lang 60 Prozent der bisherigen Bezüge betragen.
Don Russell hat allen Grund, mit dem neuen Tarifvertrag zufrieden zu sein. Ohne mit großen Schwierigkeiten bei seinen Angestellten
rechnen zu müssen, kann er so viel arbeitsparende Geräte einsetzen,
wie erfunden werden, und das Forschungsinstitut der Stanford-Universität arbeitet für ihn mit Hochdruck an Neuentwicklungen. Bei einem
Personalrückgang von jährlich fünf Prozent wird die Zahl seiner Angestellten in absehbarer Zeit so weit absinken, wie es mit der Betriebssicherheit zu vereinbaren ist. ,(Der abgebaute Arbeitsplatz
braucht, solange das Verhältnis eins zu eins zwischen natürlichem
Personalschwund und Arbeitsplatzabbau bestehen bleibt, nicht unbedingt mit demjenigen eines ausscheidenden Arbeitnehmers identisch zu
sein.)
James Weaver und George Harrison haben ebenfalls handfeste Gründe, zufrieden zu sein. So gut wie alle bei der Southern Pacific beschäftigten Gewerkschaftsmitglieder verfügen jetzt über garantierte
Arbeitsplätze. Und die wenigen, für die eine solche Garantie nicht
besteht, erhalten auf der Suche nach neuen Arbeitsplätzen jede erdenkliche Unterstützung.
Automation und Arbeitsfriede in den Pazifikhäfen
Die Pazifikküste und Hawaii, Domänen der Gewerkschaft der Hafenarbeiter und Lageristen (international Longshoremen's and V/arehousemen's Union - ILWU), erlebten in der Vergangenheit eine Reihe
hitziger Arbeitskonflikte. Hafenarbeit ist - oder war bisher - fast
ausschließlich mit schwerer körperlicher Anstrengung verbunden, die
zähe und kräftige Männer erfordert. Auch Reeder sind ein zäher, eigenwilliger Menschenschlag, vom V/ert persönlicher Initiative zutiefst
überzeugt, und dies, obwohl die amerikanische Handelsschiffahrt sehr
stark auf die Unterstützung der US-Regierung angewiesen ist. Reedern
behagt es nicht, Anordnungen entgegenzunehmen, schon gar nicht, wenn
sie von Gewerkschaftsfunktionären ausgehen. Immer wieder war es in
den vergangenen Jahren zu Ausständen gekommen: 1934 wuchs sich ein
Hafenarbeiter-Konflikt zu einem Generalstreik aus, in dessen Verlauf
drei Tote und zahlreiche Verletzte zu beklagen waren.
Zu ähnlichen Ausschreitungen ist es später nicht mehr gekommen,
aber die Spannungen zwischen beiden Seiten blieben bestehen. Die
Schwierigkeiten waren so groß, daß Reedereien ihre Frachten umzuleiten begannen, um ILWU-beherrschte Häfen möglichst zu umgehen.

- 4-

�Der Automation lieferte die Gewerkschaft ständige Rückzugsgefechte, in dem Versuch» ihren Mitgliedern einen möglichst hohen Beschäftigungsstand zu erhalten, selbst wenn dies nur durch "featherbedding",
d.h. durch die Schaffung bzw. Beibehaltung eigentlich überflüssiger
Arbeitsplätze, möglich war. "Vor Inkrafttreten des neuen Tarifvertrags
sah man auf den Kais gewöhnlich Trupps von Schauerleuten, von denen
nur die Hälfte arbeitete. Es konnte geschehen, daß Frachtgut aus den
Schiffsladeräumen direkt neben einem wartenden Lastkraftwagen abgesetzt und nicht weiterverladen wurde, weil erst einmal die gesamte Ladung gelöscht sein mußte. Obwohl moderne Kräne ungeheure Lasten heben
können, mußte jedes Kollo über 19 Zentner in leichtere Einzelstücke
aufgeteilt werden. Beschwerdefälle lösten zahlreiche Kurzstreiks aus.
Chef der ILWU-Gewerkschaft ist seit Jahrzehnten Alfred Renton
Bridges, der sich den Vornamen Harry zugelegt hat. Jahrelang versuchte
die amerikanische Regierung vergeblich, ihn auf Grund der Tatsache,
daß er bei seiner Einwanderung Kommunist gewesen und folglich illegal
ins Land gekommen sei, in seine Heimat Australien abzuschieben. Heute besitzt Bridges die amerikanische Staatsbürgerschaft und bezeichnet
sich als Republikaner. V/elcher politischen Richtung er auch zuneigen
mag, er hat sich als einer der fähigsten und umsichtigsten Gewerkschaftsführer der USA erwiesen.
Vor einigen Jahren begann Bridges am Sinn gewerkschaftlicher
Kampfmaßnahmen gegen die Automation zu zweifeln. Trotz aller Opposition war der Portschritt eine unabänderliche Tatsache; und wenn es in
Konflikten, in denen auch technische Probleme eine Rolle spielten, zu
Schiedssprüchen kam, zog die Gewerkschaft oft den kürzeren. Die Öffentlichkeit war gegen "featherbedding" eingestellt, und jeder weitere Widerstand schien einfach töricht. Seine Ansicht kam in einem Sonderbericht eines Gewerkschaftsausschusses zum Ausdruck, der an Hand einer
Fülle von Fakten und Ziffern nachwies, daß die Automation Arbeitsplätze nicht in dem Maße überflüssig macht wie gemeinhin angenommen. Dort
hieß es weiter:
"Unsere derzeitige Politik läßt sich als ein nur gelegentlich unterbrochener Partisanenkrieg gegen alle Wandlungen beschreiben, von
denen wir annehmen, daß sie den Bedarf an Menschen herabsetzen ...
Wollen wir an ihr festhalten oder eine flexiblere Politik einschlagen,
um mit ihrer Hilfe bestimmte Vorteile einzuhandeln?"
Die Reeder sind im Pazifik-Seeschiffahrts-Verband (Pacific Maritime Association) unter dem Vorsitz ihres betont höflichen, sehr eleganten und energischen Präsidenten J. Paul St.Sure zusammengeschlossen.
Als wieder einmal Arbeitsniederlegungen bevorstanden, soll Bridges mit
den Worten zu St.Sure gekommen sein: "Ein Streik wird Sie 70 Millionen
Dollar kosten. Geben Sie uns die Hälfte der eingesparten Kosten als
unseren Anteil, und wir werden gegen die Automation nichts mehr einwenden und die nächsten fünf Jahre auf Streiks verzichten." (Wie jeder
vernünftige Berichterstatter habe ich allerdings auf eine Überprüfung
dieser Geschichte tunlichst verzichtet, damit sie sich nicht als falsch
herausstellt; immerhin entsprach der endgültige Tarifvertrag ziemlich
genau diesen Bedingungen.)
Bridges wie St.Sure hatten jahrelang mit Starrköpfen in ihren eigenen Reihen zu kämpfen. Schauerleute werden gewöhnlich von Subkontraktoren beschäftigt, die ihre Arbeitskräfte auf der Basis Lohnaufwand

-5

�Lohnaufwand plus Unternehmerzuschlag vermieten. In der Praxis geben
jedoch die Reeder den Ton an, und einige von ihnen waren über die Zumutung empört, das Recht zu Verbesserungen der Lade- und Löschvorgänge im Hafen jemandem erst abkaufen zu müssen. Viele Gewerkschaftsmitglieder wetterten gegen den Gedanken, auf Kosten der Schauerleute mehr
Maschinen einzusetzen; und die Ortsgewerkschaft Los Angeles stimmte
schließlich auch gegen den Plan.
Trotzdem wurde er 1961 schließlich angenommen. Die Vereinbarungen
Sehen im Verlauf von fünfeinhalb Jahren Zahlungen in einer Gesamthöhe
von 29 Millionen Dollar vor, die in einen von Gewerkschaft und Reedereien gemeinsam kontrollierten Sonderfonds fließen. Er garantiert jedem Hafenarbeiter, ob es für ihn Arbeit gibt oder nicht, einen Hindestwochenlohn, dem als Rechnungseinheit zur Zeit 35 Arbeitsstunden
bei einem Stundenlohn von mehr als vier Dollar zugrunde liegen. Jeder
Hafenarbeiter wird mit 65 Jahren pensioniert; bei seinem Ausscheiden
erhält er ungeachtet irgendwelcher sonstiger Rentenansprüche eine einmalige Abfindung in Höhe von 7920 Dollar. Wahlweise ist auch eine Pensionierung mit 62 Jahren möglich; die Abfindung wird in diesem Falle
in monatlichen Raten von 220 Dollar ausgezahlt.
Bei Unterzeichnung des Tarifvertrags rechnete man mit einer Pensionierung von vier Prozent der Hafenarbeiter pro Jahr. In Wirklichkeit lag die Zahl doppelt so hoch. Obwohl bei uneingeschränkter Automatisierung der einzelne Arbeiter weit mehr leistet als früher, führte eine starke Geschäftsbelebung zu Arbeitskräftemangel. Bridges hat
seine Leute in letzter Zeit wegen ihres Widerstands gegen die Neuaufnahme von Mitgliedern kritisiert, und seine Gewerkschaft ist zur Zeit
dabei, ihre Reihen mit tausend Arbeitern, die einige Hafenerfahrung
besitzen, aufzufüllen.
St.Sure und seine Reeder haben guten Grund, mit dem Tarifvertrag
zufrieden zu sein. Frachtgut wird jetzt vielfach in riesigen plombierten Behältern umgeschlagen, so daß Schiffe oft nur noch 24 Stunden
statt acht Tage im Hafen zu liegen brauchen, wodurch sich täglich Tausende von Dollar einsparen lassen. Die zahlreichen Kurzstreiks früherer Tage konnten ebenfalls eingedämmt werden. Schlichter stehen zu jeder Stunde bereit, um Arbeitskonflikte umgehend an Ort und Stelle zu
bereinigen. Diebstähle, die Plage aller Hafenstädte, haben stark abgenommen.
Die Lohnkosten sind gesunken; schon ein Rückgang um nur fünf Prozent gleicht die jährlich fälligen Zahlungen an den Sonderfonds aus,
und diese fünf Prozent sind längst überschritten. Wenn die Zahl der
Beschäftigten um ein Drittel reduziert werden kann - bei Lage der Dinge eine wohlbegründete Erwartung -, dürften sich für die Reeder Einsparungen in Höhe von 40 Millionen Dollar pro Jahr ergeben.
Aber auch die Vorteile für die Gewerkschaft sind nicht zu verachten. Unregelmäßige Beschäftigung gehört der Vergangenheit an. Jeder
Arbeitnehmer erhält seinen Lohn, ob Arbeit für ihn vorhanden ist oder
nicht, und wird mit 65 bzw. 62 Jahren pensioniert.
Automation und Erfolgsbeteiliffunp; im Kaiser-Werk Fontana
Das neue Tarifabkommen im Kaiser-Stahlwerk in Fontana, einige Kilometer östlich von Los Angeles gelegen, ist in mancher Hinsicht der

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�der bemerkenswerteste der drei Kollektivverträge.* Sein Zustandekommen verdankt es Edgar Kaiser, dem liebenswürdigen und unermüdlich
arbeitenden 55jährigen Sohn des berühmten Henry J. Kaiser. Im zweiten V/eltkrieg baute Kaiser, der Ältere, mit solcher Geschwindigkeit
Schiffe, daß man sich, wie es hieß, beim Stapellauf des einen schon
vor dem nächstfolgenden in acht nehmen mußte. Mit 81 Jahren durchstreift Henry J. Kaiser heute die Hawaii-Inseln und hinterläßt beinahe auf Schritt und Tritt einen neuen Hotelgroßbau. Edgar hat die
Gesamtleitung des Kaiser-Imperiums übernommen, das neben Stahlwerken auch Ingenieurfirmen, Automobil-, Zement-, Gips-, Aluminium-,
Chemie-, Plugzeug-, Elektronik- und andere Werk« umfaßt. Von seinem
Vater wurde er in eine harte Schule genommen. Mit 22 Jahren arbeitete er an einer Erdgasleitung, die zwischen Kansas und Texas verlegt wurde; danach war er am Bau der Boulder-, Bonneville- und GrandCoulee-Staudämme beteiligt, ehe er sich in Portland (Oregon) mit dem
Bau von Kriegsschiffen befaßte.
Fontana ist ein ultramodernes Drei-Millionen-Tonnen-Stahlwerk.
Trotz seiner Leistungsfähigkeit wies seine Jahresbilanz gewöhnlich
rote Zahlen auf, und es wurde von den übrigen Kaiser-Werken mitgetragen. Zum Teil lag dies an der ausländischen Konkurrenz, zum Teil
auch an der Tatsache, daß sich Aufträge für Fertigstahl aus dem Inlandsmarkt normalerweise in bescheidenem Rahmen bewegen und kostspielige Umstellungen im Maschinenpark notwendig machen. Edgar Kaiser unterhielt stets gute Beziehungen zu seiner Belegschaft, und
1959 war er im amerikanischen Stahlarbeiterstreik der erste, der aus
der Front der Stahlfirmen ausscherte und mit der amerikanischen Stahlarbeitergewerkschaft (United Steelworkers of America) eine Sonderregelung traf.
V/ie vielen anderen Unternehmern waren ihm die ermüdenden, unter
dem Druck drohender Streiks sich tage- und nächtelang hinziehenden
Tarifverhandlungen im Laufe der Jahre zuwider geworden. Er rief ein
Gremium von Arbeitssachverständigen und Vertretern der Stahlarbeitergewerkschaft zusammen, mit denen er gemeinsam überlegte, was zu
unternehmen sei. Nach monatelangen Beratungen legten sie den heute
gültigen Vertrag vor, der von den Arbeitern der Fontana-Stahlwerke
am 1. März 1963 angenommen wurde. Nach Edgar Kaisers Vorstellungen
sollte eine Lösung gefunden werden, die "die Chance bietet, in Wirt«
schaftsfragen Tarifvertragsfristen vollkommen zu eliminieren".
Dem neuen Plan zufolge werden alle Betriebskosteneinsparungen,
die sich gegenüber der Berechnungsgrundlage des Jahres 1961 ergeben,
im Verhältnis zwei zu eins zwischen dem Unternehmen und der Belegschaft aufgeteilt. Da ungefähr 50 Prozent der Unternehmensgewinne sofern solche erzielt werden - als Steuern abzuführen sind, spricht
das Management der Kaiser-Werke gerne von einer Dreiteilung - zugunsten des Unternehmens, der Belegschaft und der Öffentlichkeit.
Bei Abbau eines Arbeitsplatzes wird der betroffene Arbeitnehmer
einer Arbeitsreserve zugeteilt. Ein Jahr lang bleibt sein Normalstundenlohn garantiert und bis zu seiner Einweisung in einen neuen
* vgl. auch Internationale Arbeitsmitteilungen XVI-6, 1. Juni 1963,
Seite 1-2

- 7-

�neuen Arbeitsplatz auch sein Anstellungsvertrag. Stahlarbeit bedeutet wie Hafenarbeit auch bei den heutigen technischen Hilfsmitteln Schwerarbeit. In Fontana beträgt die normale Personalabgangsrate acht Prozent pro Jahr, und die Unternehmensleitung rechnet damit, daß der Arbeitsreserve niemand im Durchschnitt länger
als fünf bis sechs Monate angehören wird. Kaiser gibt auch die Garantie, die Stundenlöhne und Lohnnebenleistungen auf dem Niveau
zu halten, das von der Stahlarbeitergewerkschaft in künftigen, die
gesamte Stahlindustrie umfassenden Kollektivverhandlungen ausgehandelt wird.
Wie andere Stahlwerke zahlte auch Kaiser bestimmten Facharbeitern besondere Lohnanreizprämien. Diese Belegschaftsmitglieder
konnten wählen, ob sie unter den alten Bedingungen oder mit Zustimmung der Mehrheit ihrer Betriebsgruppe im Rahmen des neuen Tarifvertrags weiterarbeiten wollten. Wenn sie sich für das neue System entschieden, erhielten sie eine Ablösungssumme bis zu 5000
Dollar.
Für das Unternehmen selbst enthält der neue Plan mehrere wichtige Vorzüge. Er bietet der Belegschaft einen sehr realen Anreiz
zur Ausarbeitung zeit- und kostensparender Neuerungen. Kurzstreiks
sind ebenso wie die vollständige Arbeitsniederlegung nach Ablauf
des Tarifvertrags ziemlich unwahrscheinlich geworden.
Nicht minder bedeutend sind die Vorteile für die Belegschaft.
Ihre Arbeitsplätze sind gegen alles abgesichert, außer gegen die
Folgen einer ernsten Wirtschaftsdepression', in der so gut wie jede
Arbeitsplatzgarantie hinfällig wird. Wenn ein Belegschaftsmitglied
neue ertragssteigernde Verfahren entwickelt, wird sich dies auf seinem Lohnscheck - und dem seiner Kollegen - niederschlagen. In den
beiden ersten Monaten nach Inkrafttreten des Kaiser-Plans betrugen
die Betriebskosteneinsparungen im Vergleich zum gleichen Zeitraum
des Jahres 1961 insgesamt 2 158 000 Dollar, wobei sich der Belegschaftsanteil auf 700 000 Dollar oder 25 Prozent des Gesamtlohnbetrags der beteiligten Arbeitnehmer belief.
Auch für die Kunden des Stahlwerks bringt der neue Plan einen
entscheidenden Vorteil: Da Streiks kaum zu befürchten sind, dürfte
es sich für sie erübrigen, größere Lager anzulegen und das Risiko
einer Qualitätsminderung einzugehen.
Das Problem der "Ungeborenen"
Die drei Tarifabkommen verdeutlichen eine Reihe von Schlußfolgerungen, die sich hinsichtlich der Beziehungen zwischen den Sozialpartnern in der amerikanischen Wirtschaft ziehen lassen.
Klar scheint zu sein, daß keine Gewerkschaft ohne Kampfmaßnahmen irgendwelche Regelungen akzeptieren dürfte, die für einen großen
Teil ihrer Mitglieder den Verlust des Arbeitsplatzes ohne eine angemessene Absicherung ihrer Zukunft nach sich zieht. Sie werden dies,
solange kein gesetzliches Verbot besteht, ohne Rücksicht auf gesamtwirtschaftliche Auswirkungen durch Streiks zu verhindern suchen» Sind
sie erbittert genug, dann werden sie auch Wege zur Umgehung bestehender Gesetze finden. Denn auch heute gilt noch das Wort, das John L.
Lewis einmal prägte: Kohle kann man nicht mit Bajonetten graben.
Klar

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�Klar ist aber auch, daß nur wenige Arbeitgeber ein "featherbedding" größeren Ausmaßes hinnehmen werden, es sei denn unter Zwang.
Die öffentliche Meinung wird, sobald sie die Tatsachen kennt, auf
ihrer Seite stehen.
Da Lohnfragen und Beschäftigungsbedingungen mehr und mehr an
Bedeutung verlieren und sich Tarifverhandlungen stärker auf Fragen
der Arbeitsplatzgarantie und Pensionsrechte konzentrieren, gibt es
immer mehr Gebiete, auf denen die Interessen von Gewerkschaften und
Unternehmen identisch sind oder parallel laufen. Die Vorstellungen,
die man von einander hat, sind auf beiden Seiten vielfach etwas überholt. Einige Gewerkschaften übersehen die Tatsache, daß die meisten
Firmen heute von Gehaltsempfängern geleitet werden, die, wenn überhaupt, nur einen kleinen Teil der Firmenaktien besitzen und in betriebswirtschaftlichen Fragen, einschließlich der Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Beziehungen, bestens versiert sind. Auch die Arbeitgeber zögern, eine neue Generation von Gewerkschaftsführern anzuerkennen, die
von Wirtschaft und Finanzen ebenso viel verstehen wie ihre Partner
am Verhandlungstisch und deren Ziel die wirtschaftliche Blüte des Unternehmens und ihres Landes ist.
Vereinbarungen wie die drei beschriebenen können unmöglich in
einer Krisenatmosphäre, unter dem Druck drohender Streiks, erzielt
werden. Sie geben daher jener Bewegung Auftrieb, die überall an Bedeutung gewinnt und fortgesetzte Verhandlungen zwischen den Tarifpartnern im Rahmen ständiger Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Ausschüsse über
das ganze Jahr hin fordert.
Mehr und mehr wird man bei Kollektivverhandlungen mit einer Hinzuziehung neutraler dritter Parteien rechnen können, geschulter Sachverständiger, die ihre am Verhandlungstisch gesammelten Erfahrungen
von Industrie zu Industrie weitergeben werden.
Schließlich sollte man auch nicht übersehen, daß diese und ähnliche Tarifverträge nur für die bereits vorhandenen oder als unmittelbarer Ersatz einzustellenden Gewerkschaftsmitglieder Gültigkeit besitzen. Unberücksichtigt bleiben jene - wie Gewerkschaftsexperten sie
bezeichnen - "Ungeborenen", die jetzt erst heranwachsen und den Gewerkschaften später einmal beigetreten wären. Ihr Problem bleibt bestehen, und es wird nicht leicht zu lösen sein.
(Unwesentlich gekürzt)
(Quelle: "The Reporter", 7« Nov. 1963)
Nachdruck nur mit Angabe des Verfassers,
der Quelle und dem Vermerk "(c) 196} by
The Reporter Magazine Company" auf der
ersten Seite des Abdrucks gestattet.

* * * * *

- 9-

�Harry E. Davis, Mitarbeiter der Abteilung Arbeitgeber-ArbeitnehmerBeziehungen im US-Arbeitsministerium:
Die betrieblichen Sozialkassen der Angestellten in den USA
Die in die vorliegende Untersuchung einbezogenen 50 Betriebe hatten größtenteils getrennte Pensionskassen für Arbeiter und Angestellte;
die Mitgliederzahl der Angestelltenkassen reichte von 1000 bis zu einigen hunderttausend. Nur einige wenige Firmen (z.B. die U.S. Steel
Corporation) hatten eine einzige, gemeinsame Kasse für Lohn- und Gehaltsempfänger. Andererseits gab es bei neun Unternehmen jeweils zwei
Pensionskassen für Angestellte, von denen die eine als beitragsfreie
Grundkasse und die andere als beitragspflichtige Zusatzkasse für solche Angestellte eingerichtet wurde, die besonderen Spezifikationen
genügen. Mitarbeiter der Union Carbide Corporation werden beispielsweise mit der Einstellung automatisch Mitglied der Grundkasse und können nach Beendigung des ersten Dienstjahres der Zusatzkasse beitreten,
sofern ihr Gehalt 3000 Dollar pro Jahr übersteigt.
Von den 50 untersuchten Sozialkassen gewähren 31 zusätzlich zu
Leistungen der Altersversicherung auch sämtliche der anderen drei Leistungsformen moderner betrieblicher Sozialversicherungen: vorgezogene
Altersrente, Invaliditätsrente und beitragsfreie Aufrechterhaltung der
Ansprüche bei Ausscheiden aus dem Betrieb. Von diesen 31 Kassen gewähren 14 ein Sterbegeld im Falle des Ablebens des Versicherten während
seiner Betriebszugehörigkeit oder nach der Versetzung in den Ruhestand,
und zehn zahlen überhöhte Altersrenten für den Fall, daß der Angestellte
auf Wunsch der Gesellschaft in beiderseitigem Einvernehmen vor Erreichung der Altersgrenze in den Ruhestand tritt.
Die Mitgliedschaft bei einer Angestelltenpensionskasse ist nicht
in jedem Betrieb zwangsweise oder zwangsläufig mit der Einstellung gekoppelt. Sehr häufig wird dem Angestellten eine gewisse Betriebszugehörigkeitsdauer, die Erreichung eines bestimmten Alters, ein bestimmtes Mindestgehalt oder eine Kombination dieser Erfordernisse für den
Beitritt zur Bedingung gemacht. Die Kriterien für die Aufnahmefähigkeit liegen bei einem Alter zwischen 25 und 35 Jahren, einer Betriebszugehörigkeitsdauer von 6 Monaten bis zu 5 Jahren und einem Hindestjahresgehalt von 4200 bis zu 4800 Dollar.
Bei einigen Kassen kommt die Forderung nach Ableistung einer bestimmten anrechnungsfähigen Dienstzeit als Voraussetzung für den Beitritt einem Ausschluß neueingestellter Personen höheren Alters gleich.
Dies geschieht dergestalt, daß die Betriebszugehörigkeitsdauer nach
Erreichung eines bestimmten Lebensalters nicht mehr auf die 'dienstzeitmäßigen Voraussetzungen für den Beitritt zur Pensionskasse angerechnet wird, oder auch in der V/eise, daß alle Mitarbeiter bei Erreichung einer bestimmten Altersgrenze ohne Rücksichtnahme auf etwaige
Dienstzeiterfordernisse als Voraussetzung für die Erlangung einer Rente aus der betrieblichen Pensionskasse zwangsweise in den Ruhestand
versetzt werden. Die Sozialkasse der Douglas Aircraft Company verlangt
beispielsweise eine zehnjährige Betriebszugehörigkeit als Voraussetzung für die Gewährung von Altersrente, rechnet aber über das 65. Lebensjahr hinaus geleistete Dienstjahre auf die Wartefrist nicht an;
das bedeutet, daß allen Personen, die im Alter von 55 und darüber neu
eingestellt werden, die Erlangung einer Rente aus der betrieblichen
Pensionskasse unmöglich ist.
„,,
Altersrente
10 -

�Altersrente
Fast bei sämtlichen betrieblichen Pensionskassen der Angestellten gilt das 65« Lebensjahr für männliche und weibliche Angestellte
ebenso wie bei den Sozialkassen der Arbeiter als normale Altersgrenze. Zwei Pensionskassen, die die Altersgrenze mit 60 Jahren angesetzt
haben, rechnen auch über dieses Alter hinaus geleistete Dienstzeit
auf die Rente an. In 39 Pensionskassen sind gewisse Voraussetzungen
bezüglich der Betriebszugehörigkeitsdauer und des Lebensalters zu erfüllen. Y/enngleich die geforderte Betriebszugehörigkeitsdauer zwischen
einem'und dreißig Jahren schwankt, sind bei 21 der Kassen fünf Jahre
und weniger erforderlich. Bei 32 Betriebskassen gibt es eine Bestimmung bezüglich eines Zwangspensionierungsalters, nach dessen Erreichung der Arbeitgeber den Arbeitnehmer zwangsweise in den Ruhestand
versetzen kann. Etwa ein Drittel der Kassen sieht eine automatische
Pensionierung nach Erreichnung einer bestimmten Altersgrenze vor,
über die hinaus keiner der Angestellten arbeiten darf. Die Altersgrenze für die Zwangspensionierung liegt in den meisten Fällen bei
65 Jahren, die für die automatische Pensionierung zwischen 65 und 70
Jahren.
Die Höhe der Leistungen der Pensionskassen hängt im allgemeinen
vom Gehalt und vom Dienstalter ab, jedoch besteht nur bei drei Kassen
ein Unterschied in der Rentenhöhe allein auf Grund der Betriebszugehörigkeitsdauer. Eine Kasse, die der North American Aviation, kombiniert beide Elemente, indem sie für jedes Dienstjahr eine Monatsrente von 2,50 Dollar zuzüglich 1,5 Prozent des Monatsgehaltsanteils
auszahlt, der 350 Dollar übersteigt.
Viele Pensionskassen gewähren Angestellten, die lediglich den
Mindesterfordernissen genügen, eine Rente, die nach einer für sie
günstigeren Formel als der zur Bestimmung der normalen Rentenansprüche errechnet wird. Im allgemeinen begünstigt diese Formel die Angestellten der niedrigeren Gehaltsgruppen, und in manchen Fällen findet sie überhaupt nur auf Angestellte mit niedrigen Gehältern oder
kurzer Dienstzeit oder beidem Anwendung.
Die Leistungen der betrieblichen Sozialkassen können gegen die
der staatlichen Sozialversicherung nach der sogenannten Verdrängungsmethode oder auf Grund der sogenannten Anteile-Rechnung aufgerechnet
w.erden. Die Verdrängungsmethode, derzufolge die Grundleistungen aus
der staatlichen Sozialversicherung teilweise oder ganz von den Leistungen der betrieblichen Sozialkasse abgerechnet werden,findet bei
neun der untersuchten Pensionskassen Anwendung. Bei der Mehrzahl der
Kassen bedient man sich der Anteile-Rechnung, bei der zwischen dem
Gehaltsanteil, der im Zeitpunkt der Aufstellung oder Revision der
Rentenformel der Sozialversicherungssteuer unterlag, und dem Gehaltsanteil unterschieden wird, der die Besteuerungsgrenze übersteigt; für
beide Gehaltsanteile werden gewisse Prozentsätze festgesetzt, mit denen sie bei der Rentenberechnung der Pensionskasse zu berücksichtigen
sind. So gewährt beispielsweise die Pensionskasse der Firma Hart,
Schaffner and Marx eine Monatsrente pro Dienstjahr in Höhe von 0,75
Prozent jenes Teils des Monatsgehalts, der unter 350 Dollar liegt,
und von 1,75 Prozent des darüber hinausgehenden Betrags. Andere Pensionskassen wiederum richten sich bei der Aufgliederung der Arbeitseinkünfte nach der jeweiligen Grenze der SozialVersicherungsteuer.

11 -

�Sozialversicherungssteuer, so daß ihre Formeln den jeweiligen Stand
der Sozialversicherungsgrenze einbeziehen. So sieht z.B. die Pensionskasse der American Airlines die Berechnung der Leistungen nach
einer Formel vor, der zufolge die Monatsrente pro Dienstjahr 1,25
Prozent des Gehaltsanteils beträgt, der der Sozialversicherungssteuer unterliegt, und 2 Prozent des Teils, der diesen Betrag übersteigt .
Von den Pensionskassen mit variablen Leistungen wurde lediglich
eine, die des Zeitschriftenverlages "Time", in die Untersuchung einbezogen. Die Rente setzt sich aus der nach der Rentenformel errechneten Grundrente und einer veränderlichen Zusatzrente zusammen, die
sich nach den Erträgen der investierten Rücklagen des Fonds richtet.
Um Vergleiche der Leistungen der Kassen zu ermöglichen, wurden
sie durch das US-Bundesamt für Arbeitsstatistik für die hypothetischen Fälle von Angestellten berechnet, die im Alter von 65 Jahren
nach 20- oder 30jähriger Betriebszugehörigkeit in den Ruhestand treten und Jahresgehälter von 4800, 10 000 bzw. 15 000 Dollar bezogen
haben. Bei der Berechnung wurde des weiteren von der Hypothese ausgegangen, die Angestellten hätten die betreffenden Gehälter während
ihrer ganzen Dienstzeit in gleicher Höhe bezogen, um auf diese Weise die (bei 18 Kassen große) Differenz zwischen den Leistungen auszugleichen, die auf der Basis des "Schlußverdienstes" (des Gehalts
in den letzten oder bestbezahlten fünf oder zehn Jahren) berechnet
werden, und denen, die auf dem echten Durchschnittsgehalt während
der ganzen Beschäftigungsdauer beruhen. Auf Grund dieser hjrpothetischen Annahme betrug die monatliche Rente bei der Hälfte der Kassen
bei Angestellten mit einem durchschnittlichen Jahresverdienst von
4800 Dollar und 20 anrechnungsfähigen Dienstjahren 80 Dollar und
mehr. Rechnet man diesen Betrag zur maximalen Grundrente aus der
staatlichen Sozialversicherung in Höhe von 127 Dollar hinzu, so gewährleisten die betriebliche und die staatliche Rentenversicherung
den Ruhegeldempfängern im Regelfall ein Einkommen in Höhe von mehr
als 50 Prozent ihres letzten Gehalts. Angestellten der gleichen Gehaltsstufe mit 30 Dienstjahren gewähren die Pensionskassen normalerweise eine Rente von 120 Dollar pro Monat, abgesehen von der staatlichen Sozialrente.
Die Leistungen der Pensionskassen an Angestellte mit Jahresgehältern von 10 000 bzw. 15 000 Dollar sind bei dieser Art der Berechnung mehr als zwei- bzw. dreimal so hoch wie die an Angestellte
der Gehaltsklasse von 4800 Dollar. So bezieht ein Angestellter mit
einem Jahresgehalt von 10 000 Dollar und 20 oder 30 Dienstjahren im
Hypothesefall eine Monatsrente von 190 bzw. 289 Dollar, das ist etwa das 2,4fache des Betrags, den ein Angestellter mit 4800 Dollar
Jahresgehalt bei gleichem Dienstalter erhalten würde. Die verhältnismäßig hohen Leistungen im Falle der hochbezahlten Angestellten rühren aus der Addition der Leistungen aus der betrieblichen Sozialkasse und der Renten aus der staatlichen Sozialversicherung her. Da aber
die Pensionskassen in praxi meist einen Leistungsausschluß in Höhe
der Rente der staatlichen Sozialversicherung oder eines Teils derselben kennen, lag die Gesamtrente aus der privaten und der staatlichen
Altersversicherung bei Angestellten mit 10 000 und 15 000 Dollar im
Jahr in Wahrheit unter dem Zwei- bzw. Dreifachen der Gesamtrente&lt; der

�der Angestellten der Gehaltsklasse von 4800 Dollar. Die Gesamtrente eines Angestellten mit 10 000 Dollar im Jahr und 30 Dienstjahren
beträgt im Mittel der Pensionskassen 416 Dollar pro Monat - das
entspricht der Hälfte seines Gehalts - gegenüber 247 Dollar im Falle eines Angestellten mit 4800 Dollar im Jahr und gleichem Dienstalter. Die Rente eines Angestellten mit 15 000 Dollar pro Jahr ist
im allgemeinen um 50 Prozent höher als die eines Angestellten mit
10 000 Dollar pro Jahr, (wird fortgesetzt)
(unwesentlich gekürzt)
(Quelle: "Monthly Labor Review",
Januar 1964, Vol. 87,
Nr. 1)

* * * * *

US-Eisenbahnerstreik endgültig gebannt
Der drohende Streik der amerikanischen Eisenbahner mit allen
seinen Konsequenzen für die US-Y/irtschaf t und letztlich das ganze
amerikanische Volk ist abgewendet. Präsident Johnson, der sich persönlich für eine friedliche Einigung zwischen den Bahnen und den
fünf Eisenbahnergewerkschaften eingesetzt hatte, ließ es sich nicht
nehmen, diese Nachricht dem amerikanischen Volk in einer Fernsehsendung am späten Abend des 22. April - rund 48 Stunden vor Ablauf des
kürzlich auf seine Initiative hin vereinbarten 15tägigen Stillhalteabkommens - selbst mitzuteilen.
Konzessionen auf beiden Seiten
Beide Parteien mußten natürlich Zugeständnisse machen, damit
eine dauerhafte Lösung zustande kommen konnte, die nunmehr noch in
eine vertragliche Form zu bringen ist und der - als sicher geltenden - Ratifizierung durch die Gewerkschaftsmitglieder bedarf.
Die Gewerkschaften handelten folgende Verbesserungen ein: sieben
bezahlte Feiertage jährlich für praktisch sämtliche im Stundenlohn
beschäftigte Eisenbahnbedienstete; Spesenvergütung für Nachtaufenthalte zuzüglich eines Essenbonus bei einer Überstundendauer von mehr
als vier Stunden über die normale Arbeitszeit hinaus; Erhöhung der
Stundenlöhne des Rangierpersonals um 12 Cent für Vorarbeiter und um
8 Cent für Arbeiter auf insgesamt 3,10 Dollar bzw. 2,90 Dollar.
Die Eisenbahngesellschaften konnten ihrerseits folgende Konzessionen durchsetzen: die Zustimmung zum Einsatz von Fahrpersonal
in gewissen Sparten des Rangierdienstes und zur Verringerung des
Streckenpersonals an automatisch gesicherten Strecken; die Beibehaltung der Oberstundenbezahlung nach Zeit statt nach Fahrkilometern
und gleicher Lohnsätze für Tag- und Nachtarbeit.
Die Eisenbahngesellschaften verzichteten auf eine Erhöhung der
arbeitstäglichen Fahrtstrecke von Lokomotivführern und Heizern über
- 13 -

�über den derzeitigen Satz von 160 km hinaus und erklärten sich damit einverstanden, den vom Abbau des Fahrpersonals betroffenen Bediensteten 60 Prozent ihrer derzeitigen Bezüge vier Jahre lang
weiterzugewähren.
Es begann vor fünf Jahren
Dam± hat die sich über fast fünf Jahre hinziehende Auseinandersetzung um die sogenannten "Arbeitsregeln" ihren Abschluß gefunden,
bei der es um die Frage des Abbaus bzw. der Y/eiterbeschäf tigung der
durch die fortschreitende Technisierung und Automatisierung des Bahnbetriebs von ihrem Arbeitsplatz verdrängten Bahnbediensteten ging.
Die Eisenbahngesellschaften hielten seit langem schon zur Wiederherstellung der Rentabilität den Abbau nicht mehr benötigten Personals - vor allem der durch die Verdieselung überflüssig gewordenen
Heizer sowie des überzähligen Zugbegleitpersonals - für unerläßlich.
Sie beschuldigten die Gewerkschaften, die auf der Besetzung der
Führerstände der Dieselloks mit einem zweiten Mann anstelle des Heizers bestanden, des "featherbedding", d.h. des Versuchs, ihren Mitgliedern Sinekuren zu verschaffen. Die Gewerkschaften aber argumentierten, die Automatisierung der Bahnen dürfe nicht zu Entlassungen
führen und somit das Recht des Menschen auf Arbeit schmälern.
Drei Präsidenten vermittelten
Im Verlauf dieser Auseinandersetzung haben drei Präsidenten Eisenhower, Kennedy und Johnson - ihren Einfluß zur Besänftigung der
Streitpartner geltend gemacht und besondere Ausschüsse zur Untersuchung und Regelung der Streitfrage eingesetzt. Es sind zwei Schiedssprüche ergangen: der eine wurde vom Obersten Bundesgericht der Vereinigten Staaten als Berufungsinstanz ausdrücklich bestätigt, der
andere von ihm durch die Zurückweisung der Berufungsklage ohne Angabe von Gründen am 27- April 1964 indirekt bestätigt .
Eine weitere Komplikation ergab sich in jüngster Zeit aus gewissen Meinungsverschiedenheiten innerhalb der bislang geschlossenen
Front der Gewerkschaften über die Führung der Auseinandersetzung: die
eine Richtung wollte, genau wie die Gesellschaften, die Verhandlungen
nur als Gesamtverhandlurgei - mit allen Bahnen gleichzeitig - führen;
eine andere Richtung trat dafür ein, mit den Eisenbahngesellschaften
einzeln zu verhandeln. Die von den Gewerkschaften erhobenen neuen Forderungen nach einer Erhöhung der Löhne und Sozialleistungen verschärften die Situation ebenfalls.
* Ä * d e n beiden Schiedssprüchen und einer älteren Vereinbarung zwischen
Gewerkschaften und Bahnen stünde es den Gesellschaften juristisch frei,
die umstrittenen neuen Arbeitsregeln in der ersten Llaiwoche in Kraft zu
setzen und mit dem Abbau der "Dieselheizer" zu beginnen, sofern sie allen Betroffenen mit 10 und mehr Dienstjahren - das sind rund 24 000 von
ihnen - eine lebenslange Beschäftigungsgarantie geben. Die Gewerkschaften können umgekehrt nach dem Schiedsspruch gegen derartige Schritte
Kampfmaßnahmen ergreifen, also auch streiken. Soweit die Rechtslage;
in praxi sind natürlich nunmehr beide Seiten an die Regelung vom 22.
April gebunden.

- 14 -

�Die akute Krise
In ein akutes Stadium trat die Auseinandersetzung aber, als die
Angestellten der Illinois Central Railroad am 8. April in den Ausstand traten und den gesamten Streckenverkehr lahmlegten. Daraufhin
kündigten die Eisenhahngesellschaften an, daß sie ihrerseits von
ihrem Recht auf Änderung der Arbeitsregeln am 10. April Gebrauch
machen werden, was die Gewerkschaften mit einer allgemeinen Streikdrohung beantworteten.
In dieser Krisensituation schaltete sich Präsident Johnson ein
und bat am 9» April die Vertreter der Gewerkschaften und Eisenbahnen
zu sich ins Weiße Haus. In vierstündigen Verhandlungen konnte er
wenige Stunden vor dem angesetzten Streikbeginn - 10. April Mitternacht - den beiden Kontrahenten die Zustimmung zu einem 15tägigen
Verzicht auf irgendwelche weiteren Handlungen abringen. Damit war
die Streikgefahr fürs erste abgewendet und Raum für Verhandlungen
gewonnen.
Der Präsident zog Arbeitsminister W. Willard Wirtz, dessen
Stellvertreter, James J. Reynolds, den Leiter des Bundesschlichtungsdienstes für Arbeitsstreitigkeiten im Transportwesen, Francis A.
O'Neill, sowie die Schiedsleute Theodore W« Kheel und George W.
Taylor zu den anschließenden Schlichtungsgesprächen im Weißen Haus
hinzu. Johnson beauftragte sie, gemeinsam mit den beiden Streitparteien den Versuch einer Lösung des Konflikts zu unternehmen. Und
dann begann ein zwölftägiges hartnäckiges Ringen, in dem, wie der
Präsident es ausdrückte, "eine gerechte und faire Übereinkunft erzielt wurde, die der für den Portbestand und die Rentabilität der
Bahnen erforderlichen Modernisierung ebenso wie den Bedürfnissen und
Wünschen der Menschen Rechnung trägt, die vom technischen Portschritt
unmittelbar betroffen werden".
Die Beilegung des Streites zwischen den Eisenbahngewerkschaften
und den Eisenbahngesellschaften wird in Amerika als ein Beweis für
die Zweckmäßigkeit des Verfahrens der Beilegung von Arbeitsstreitigkeiten durch Kollektivverhandlungen gefeiert. Innenpolitisch gilt
sie als ein Sieg Präsident Johnsons.

(Quelle: Eigenbericht)

# * * * #

- 15 -

�Berichtigung
Wir bitten, in der April-Nummer der "Internationalen Arbeitsmitteilungen" (Jahrgang XVII, Nummer 4) auf Seite 7 den ersten Satz
des letzten Absatzes wie folgt zu berichtigen:
Zahl der Familienangehörigen: Das Gesamteinkommen aller Haushalte, deren Vorstand arbeitslos war, verteilte sich auf schätzungsweise 19 Hillionen Personen (über 10 Prozent der amerikanischen
Gesamtbevölkerung im April 1962). Dabei ...

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
USIS-Bonn/Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XVII - 6

Bad Godesberg, den 1. Juni 1964
INHALTSVERZEICHNIS

Die betrieblichen Sozialkaeeen der Angestellten
in den USA (II)
Die amerikanischen Gewerkschaften und die
Präsidentschaftsirahlen
Ende der Monotonie am Fließband?
Gewerkschaftliche Kurznachrichten

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9

Harry E. Davis, Mitarbeiter der Abteilung Arbeitgeber-ArbeitnehmerBeziehungen im US-Arbeitsministeriumt
Die betrieblichen Sozialkassen der Angestellten in den USA (II)
Vorgezogene Alterarente
Die Bestimmungen über die vorgezogene Altersrente von 49 Sozialkaasen gestatten dem Angestellten, vor Erreichung der normalen Altersgrenze
in den Ruhestand zu treten, und sichern ihm eine sogleioh fällige, aber
fast in jedem Pall verringerte Rente zu. Das Mindestalter für die vorgezogene Altersrente schwankt, liegt aber dooh bei 31 Kassen bei 55 Jahren
und bei 11 bei 60 Jahren. Als weitere Voraussetzung wird zumeist die
Vollendung von zehn oder mehr DienstJahren gefordert.
Ausgangspunkt ist bei allen Kassen die normale Rente, von der in
den meisten Fällen für jeden Monat, der zur Erreichung der normalen
Altersgrenze fehlt, ein Betrag von 0,5 oder 0,33 Prozent abgezogen wird,
was entweder in den Vertragsbedingungen niedergelegt ist oder sich aus
den versicherungsmathematischen Tabellen ergibt. So gewährt z.B. die
Pacific Gas and Electric Company einem Angestellten mit 4800 Dollar Jahresgehalt nach 20jähriger Dienstzeit eine Rente von 140 Dollar im Monat
bei Erreichung der Altersgrenze von 65 Jahrenj bei vorzeitiger Pensionierung erfolgt ein Abschlag von 0,33 Prozent pro Monat der Vorzugszeit,
so daß ein Angestellter mit 4800 Dollar im Jahr und 20 Dienstjahren im
Falle der Pensionierung im Alter von 60 Jahren eine Rente von monatlioh
112,28 Dollar auf Lebenszeit erhält.
Eine

�Eine kleine Zahl von Pensionskassen gewährt einen Zuschlag zur
vorgezogenen Altersrente, der nur bis zur Erreichung des 65« Lebensjahres oder bis zu dem Zeitpunkt gezahlt wird, an dem der Empfänger
den Anspruch auf eine ungekürzte Rente aus der staatlichen Sozialversicherung realisieren kann. Die Goodyear Tire and Rubber Company
wendet auf die vorgezogene Altersrente beispielsweise eine Formel an,
die einen Abschlag von 0,4 Frozent pro fehlenden Monat von der normalen
Altersrente und einen Zuschlag von 0,5 Prozent des der Sozialversicherungssteuer unterliegenden Teils des durchschnittlichen Monatsgehaltes pro Dienstjahr vorsieht, der bis zum Einsetzen der Leistungspflicht der staatlichen Sozialversicherung gewährt wird. Die vorgezogene Altersrente wird nach den Bestimmungen aller Lassen mit der
Antragstellung fällig; eine große Zahl der Kassen gestattet den Angestellten allerdings, die Annahme der Leistungen bis zur Erreichung
des normalen Pensionsalters aufzuschieben, wodurch der Angestellte
Anspruch auf die volle Pension erlangt. Als Dienstalter wird dabei
die bis zum tatsächlichen Ausscheiden aus dem Betrieb zurückgelegte
Eeschäftigungszeit gewertet.
Bei der Eälfte der lensionskassen haben die Angestellten die
Möglichkeit, wahlweise statt der vollen vorgezogenen Rente eine nivellierte Rente zu beziehen, vielfach auch Einkommensausgleichungsrente
genannt. Hierbei wird bis zur Fälligkeit der Rente aus der staatlichen
Sozialversicherung'gegenüber der normalerweise fälligen vorgezogenen
Rente ein höherer Satz und in der Zeit danach ein unter dem Normalsatz liegender Satz gezahlt, so daß das Monatseinkommen während der
gesamten Dauer des Bezugs von Alterspension unverändert bleibt.
Neben der regulären vorgezogenen Rente werden von zehn Pensionskassen noch besondere Leistungen in dieser Rentensparte gewährt.
Hiervon betroffen sind, wie auch bei den Pensionskassen der Arbeiter,
Rentner, die von ihrem Betrieb zwangspensioniert werden oder auf
dessen V/unsch im gegenseitigen Einvernehmen vorzeitig in den Ruhestand
treten. In einem solchen Fall werden erheblich höhere Leistungen gewährt als bei Inanspruchnahme der normalen vorgezogenen Rente. Die
Pensionskasse von Swift und Company gewährt, um ein Beispiel zu geben,
den auf eigenen .Vunsch vorzeitig in den Ruhestand tretenden Betriebsangehörigen das versicherungsmathematische Äquivalent der normalen
Leistung, den auf V/unsch der Gesellschaft pensionierten Angestellten
aber die volle Normalleistung unter Anrechnung des zum Zeitpunkt des
Ausscheidens erreichten Dienstalters.
Invaliditätsrente
Eine Invaliditätsregelung findet sich bei 38 Pensionskassen. Sie
zahlen an lCOprozentig und ständig arbeitsunfähige Angestellte ein
mit dem Eintritt des Versicherungsfalles fällig werdendes Ruhegeld.
Die meisten Pensionskassen machen die Gewährung einer Rente wegen Erwerbsunfähigkeit nicht von irgendwelchen altersmäßigen Voraussetzungen
abhängig, während eine gewisse Betriybszugehörigkeitsdauer - gewöhnlich zehn oder fünfzehn Jehre - bei allen Kassen mit nur einer
Ausnahme als Voraussetzung erforderlich ist.
Die Formeln für die Errechnung der Invaliditätsrente weisen
starke Unterschiede von Kesse zu Kasse auf. Es gewähren 16 von den
36 in Frage kommenden Kassen die volle Normalrente und 12 die Normalrente mit einem bestimmten Abschlag. Darüber hinaus wird bei 9 Fensions-

- 2 -

�Pensionskassen die Rente auf der Grundlege der normalen Rente neu berechnet, sobald der Empfänger das 65. Lebensjahr erreicht oder die
Leistungspflicht der staatlichen Sozialversicherung einsetzt. In Anerkennung der Tatsache, daß keineswegs sämtliche Erwerbsunfähige, die
Anspruch auf Invaliditätsrente aus der betrieblichen Pensionskasse
haben, gleichzeitig Anspruch auf die Invaliditätsrente aus der staatlichen Sozialversicherung erheben können, sehen einige Kassen für
solche Rentenempfänger Zusatzleistungen zur Invaliditätsrente vor, die
so lange gewährt werden, bis die Leistungspflicht der staatlichen
Sozialversicherung einsetzt oder der Empfänger das 65. Lebensjahr
vollendet hat. Ein Beispiel: Nach der Formel, die die betriebliche
Pensionskasse der General I.'.otors Corporation anwendet, erhält der vorzeitig wegen Invalidität pensionierte Angestellte bis zum Eintritt
eines der beiden genannten Ereignisse die normale Rente zuzüglich
eines Zuschlags von 2,80 Dollar pro Dienstjahr. Einige Kassen gewähren
auch eine monatliche I.iindestinvaliditätsrente. Die Bestimmungen bezüglich der Invaliditätsrente sind im allgemeiner, großzügiger gefaßt
als die bezüglich der vorgezogenen Altersrente.
Beitragsfreier Fortbestand der Rentenversicherung Entlassener
Von den 5G Sozirlkassen gestatten 37 den beitrsgsf rei.en Fortbestand der Versicherung von Entlassenen, die die sonstigen Voraussetzungen einer Rentengewährung erfüllen. Von diesen Kassen wenden
30 das Verfahren der sogenannten aufgeschobenen vollen Rentengewährung
an, dem zufolge der Angestellte bei Erreichung des normalen Pensionsalters Anspruch auf Rente in Höhe der bis zu seinem Ausscheiden erworbenen Ansprüche hat. Nach dem Verfahren der aufgeschobenen verminderten Rentengewährung, da3 von 6 Sozialkassen angewandt wird, hat
der Angestellte bei Erreichung des normalen Fensionsalters Anspruch
auf einen bestimmten Prozentsatz des erworbenen Rentenanspruchs,
wiederum abhängig vom Alter und von der Betriebszugehörigkeitsdauer.
Als Beispiel möge die Pensionskasse der International Business Machines
Corporation dienen, die nach 15 Dienstjahren entlassenen Angestellten
einen Anspruch auf 5G Prozent der vollen Leistungen zugesteht, der
sich mit jedem weiteren Dienstjahr um 10 Prozent erhöht und somit bei
Angestellten mit 20 Dienstjahren der vollen Höhe entspricht.
Die Voraussetzungen für den Fortbestand der Versicherung beim
Ausscheiden aus dem Betrieb sind bei den einzelnen Kassen unterschiedlich. Ein I.'indestalter, das zwischen 40 und 60 Jahren schwankt, wird
von 17 und eine zehn- oder fuenfzehnjährige, wenn nicht sogar noch
längere Betriebszugehörigkeitsdauer wird von den meisten Kassen gefordert. Lediglich zwei Kassen machen den beitragsfreien Fortbestand
überhaupt nicht von der Betriebszu.ehörigkeitsdauer abhängig; die
eine setzt aber die Erreichung des 55« Lebensjahrs voraus, die andere
macht selbst diesbezüglich keine Einschränkungen* Die meisten Kassen
gestatten, sofern alle sonstigen Voraussetzungen erfüllt sind, die
beitragsfreie Fortführung unabhängig vom Grund des Ausscheidens aus
dem Betrieb. Einige aber beschränken sie auf ehemalige Betriebsangehörige, denen unter ganz bestimmten Bedingungen - Persoualeinschränkung, Betriebsschließung oder vorübergehende Ausstellung - gekündigt worden ist.
Hinterbliebenenrente
Hinterbliebenenrente im Falle 4ea Todes des versicherten Angestellten wird von 15 Sozialkassen gewährt. Sie ist fällig bei sechs

- 3-

�sechs Kassen im Todesfall sowohl vor als auch nach Erreichung des
Pensionsalters, bei weiteren sechs Kassen nur bei Eintritt des Todes
nach und bei dreien nur im Todesfall vor Erreichung der .Altersgrenze..
Die Leistungen an die Hinterbliebenen sind recht unterschiedlichen
Charakters. Einige Sozialkassen garantieren die Zahlung der monatlichen
Altersrente auf eine Mindestzeit und setzen die Zahlungen, sofern der
Empfänger innerhalb dieses Zeitraums stirbt, an den von ihm namhaft
gemachten Begünstigten für den Rest der Laufzeit fort. Andere Kassen
gewähren die Altersrente über den Tod des Empfängers hinaus grundsätzlich auf eine bestimmte Zeit - gewöhnlich 12 Monate -,einige
zahlen eine Barabfindung.
Fast alle Pensionskassen kennen die wahlweise Gewährung einer
gekoppelten Hinterbliebenenrente, bei der sich der Versicherte mit
einer verminderten Rente begnügt und dafür die Garantie erhält, daß
der überlebende Begünstigte eine Rente auf Lebenszeit in gleichbleibender Höhe empfängt. Der zur Auszahlung gelangende Betrag ist in
manchen Fällen mit der Altersrente identisch oder beläuft sich auf
die Hälfte oder einen anderen, spezifizierten Prozentsatz der Altersrente. Bei lj Pensionskassen haben die Teilnahme_berechtigten die
Wahl zwischen einer Festzeitrente und der erwähnten gekoppelten
Hinterbliebenenrente. Bei der Festzeitrente erfährt die Altersrente
gewöhnlich eine geringere Kürzung als bei der gekoppelten Hinterbliebenenrente; stirbt der Empfänger vorzeitig, so wird die Rente
bis zum Auslaufen der Zahlungspflicht an die Hinterbliebenen weitergezahlt .
Finanzierung
Die Beiträge werden in 34 Betrieben an einen Sonderfonds abgeführt, aus dem entweder die Leistungen selbst oder die Beiträge für
entsprechende Versicherungen bei einer kommerziellen Versicherungsgesellschaft entnommen werden. Diese Sonderfonds werden im allgemeinen
von einer Treuhandfirma (Bank oder Treuhandgesellschaft) verwaltet,
einige wenige durch ein von der Firma bestelltes Kuratorium
oder einen einzigen Treuhänder.
Sechs der Pensionskassen sind bei einem Versicherungsunternehmen
rückversichert. Mischformen mit Leistungen aus dem Fondsvermögen und
Versicherungsbeitragszahlungen aus diesem sind bei acht Pensionskassen zu beobachten. In einem Fall werden die Leistungen aus Gesellschaftsmitteln bestritten (und sind damit vom Geschäftsgang abhängig), in einem anderen Fall werden die normale und die vorgezogene
Altersrente aus einem Treuhandfonds gezahlt, die Invaliditätsrente
und das Sterbegeld aber aus dem Firmenvermögen.
Ein Beitrag des Arbeitnehmers wird von 14 Kassen für die Grundversicherung und von 9 für die Zusatzversicherung gefordert. Bei
allen diesen beitragspflichtigen betrieblichen Pensionskassen führt
der Arbeitnehmer einen festen Prozentsatz seines Gehalts ab, während
der Unternehmer die gesamten nicht durch Beiträge gedeckten Kosten
aufzubringen hat. Bei 12 der 14 durch Arbeitnehmerbeiträge gespeisten
Pensionskassen führen die Angestellten an die Kasse einen geringeren
Prozentsatz (0 bis 3 Prozent) vom sozialversicherungssteuerpflichtigen
Gehaltsanteil und einen höheren (3 bis 6 Prozent) vom darüber liegenden
Gehaltsanteil ab.
Der

�Der Jahresbeitrag der Arbeitnehmer ist sehr unterschiedlich.
Er beläuft sich, soweit er erhoben wird, auf 72 bis 192 Dollar für
Arbeitnehmer mit einem Jahreseinkommen von 48OC Dollar, auf I56 bis
456 Dollar bei einem Jahreseinkommen von 10 000 Dollar und auf 306
bis 756 Dollar bei einem Jahreseinkommen von 15 000 Dollar.

(unwesentlich gekürzt)
(Quelle: "Monthly Labor Review",
Januar I964, Vol. 87, Kr. 1)
* * * * *

Die amerikanischen Gewerkschaften und die Präsidentschaftswahlen
"Deine Stimme gibt den Ausschlag - Wähle!" mahnt ein Plakat der
American Federation of Labor and Congress of Industrial Organizations
(AFL-CIO), des Dachverbandes der amerikanischen Gewerkschaften, mit
dem sie ihre Mitglieder im ganzen Land zur Teilnahme an den Präsidentschafts- und Kongreßwahlen am 3« November dieses Jahres aufruft. Für
den verantwortungsbewußten Gewerkschafter - das will das Plakat besagen - bedeutet das demokratische Wahlrecht gleichzeitig auch individuelle Wahlpflicht.
COPE berät 13,5 Millionen Hitglieder
Die dreizehneinhalb Millionen Gewerkschaftsmitglieder bei der Ausübung des Wahlrechts zu beraten, unternimmt der AFL-CIO-Aussch uß für
politische Bildung (Committee on Political Education - COPE) mit Sitz
in Washington, dem je ein Regionalausschuß in jedem der 50 Einzelstaaten
und kleinere Untergruppen' in Städten, Kreisen und Ortskartellen angegliedert sind. Die Regionalausschüsse wiederum sind in Arbeitsausschüsse mit
den Sachgebieten Y/ahllisten, Öffentlichkeitsarbeit, Parlamentsbeobachtung,
Frauenfragen und Finanzen unterteilt.
Für COPE begannen die Vorbereitungen auf die diesjährigen Novemberwahlen schon im Januar, als der Ausschuß erstmals auf die zur Neubesetzung
ausgeschriebenen Wahlämter und die, aus gewerkschaftlicher Sicht betrachtet,
mit den Wahlen verbundenen Probleme hinwies. Der Gewerkschafter soll als
Bürger vor der Wahlurne wissen, worin seine Wahl besteht, wen er wählt und
wie die Bewerber um die höchsten Staatsämter, die Parlamentssitze und die
übrigen Wahlämter zu den wichtigsten innen- und außenpolitischen Fragen
stehen.
Aufforderung zur Einschreibung in die Wahllisten
Da die Ausübung des Wahlrechts von der Eintragung des Wahlberechtigten
in die Wahlliste und diese wiederum von seiner diesbezüglichen Willenserklärung abhängt, beginnen die Gewerkschaften ihre Wahlaktivität mit dem
Aufruf an alle Mitglieder, sich und ihre Familienangehörigen in die

- 5-

�die Wahlliste einzuschreiben, sich "registrieren" zu lassen. Das
Pegistrierungsverfahren selbst unterließt einzelstaatlichen und
daher mitunter abweichenden Regelungen, so daß der diesbezüglichen
Beratung durch die mit der örtlichen Praxis vertrauten Regional«
ausschüsse bei der großen Unzugsfreudigkeit der Amerikaner erhebliche
Bedeutung zukommt.
Beobachtungsausschuß registriert Stimmabgabe der Parlamentarier
Eine nicht minder wichtige Punktion üben die Parlamentsbeobachtun.^sausschüsse im Wahljahr aus. Sie führen "Punktkarten" für alle Angehörigen dos Kongresses und der einzelstaatlichen Parlamente, auf denen
deren Stimmabgabe zu den - in Stichworten skizzierten - bedeutenderen
Gesetzesvorlagen vermerkt wird. Diese Punkt karten Verden in den Gewerkschaftsblättern abgedruckt, damit die Hitglieder sich informieren
können, wie dieser und jener Senator oder Abgeordnete nicht nur bei
Vorlagen aus dem Bereich der Arbeitsgesetzgebung, sondern auch aus dem
der Innen- und Außenpolitik und der Schul- und Sozialgesetzgebung gestimmt hat.
Der Ausschuß für politische Bildung umreißt in seinen Veröffentlichungen ferner die Eineteilung der Gewerkschaften zu diesen gesetzgeberischen Maßnahmen} und so ist es nicht zuletzt seiner Tätigkeit und
dem Virken der Ausschüsse für Gesetzgebungsfragen der Mitgliedgewerkschaften der AFL-CIO zu danken, wenn jeder Gewerkschafter heute, sein Interesse vorausgesetzt, über den Stand einer Auslandshilfegesetzesvorlage
nicht weniger gut informiert ist als beispielsweise rber einen Gesetzesvorschlag zur Anhebung der Hindestlöhne.
Politische Bildung durch Spenden finanziert
Da die Verwendung von Gewerkschoftsgeldern strengen gesetzlichen Beschränkungen unterliegt, muß COPE die für die politische Bildungsarbeit
erforderlichen Mittel, einschließlich der Verwaltungskosten und der Auslagen für Druck und Versand,aus Spenden bestreiten. Das gilt erst recht
für etwaige Zuschüsse zur "Vahlkampfkasse" eines von den Gewerkschaften
geförderten Kandidaten.
Ks ist schon zur ständigen Pegel geworden, daß die AFL-CIO im Sommer
und Herbst eines jeden Präsidentschaftswahljahr.es ( wenn die beiden großen
Parteien die Kandidaten für das Amt des Präsidenten und des Vizepräsidenten nominiert haben, ihre Mitglieder über die innen- und außenpolitischen
Hintergründe des Wahlkampfes informiert. Sie veröffentlicht deshalb die
Parteiprogramme und die Wahlversprechen der Kandidaten.
Mahnung per Telephon
Rüokt die Wahl näher, fragen "Telephon-Teams" der Gewerkschaften
fernmündlich bei den Mitgliedern an, ob sie sich in die Wahllisten eingetragen und - am Wahltag - schon von ihrem Wahlrecht Gebrauch gemacht haben. Die örtlichen Gruppen organisieren einen "Hilfsdienst", um Körperbehind rte und alte Leute im Kraftwagen zum Wahllokal zu bringen, und
stellen Hüttern mit mehreren Kindern einen Babysitter zur Verfügung,
damit sie in aller Ruhe wählen gehen können«
Der

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�Der Y/ähler entscheidet
Bei alledem wissen und respektieren die Gewerkschaften aber
eines» Jede gewerkschaftliche politische Schulung und jeder Versuch, einem den Gewerkschaften genehmen Kandidaten zum Sieg zu
verhelfen, endet an der Tür des Wahllokals. Die eigentliche Wahl
trifft der Gewerkschafter wie jeder andere Bürger in der Abgeschiedenheit der Wahlzelle für sich allein. Er weiß aber dank
der Schulungsarbeit, daß die Arbeiterschaft am Wahltag Gelegenheit hat,
"Freunde zu belohnen und Feinde zu bestrafen", wie Samuel lompers,
der Mitbegründer der ersten großen - 1886 entstandenen - amerikanischen Sammelgewerkschaft, der American Federation of Labor, es ausgedrückt hat.
(quelle: Eigenbericht)
* * * * *

H.F. Jones:
Ende der Monotonie am Fließband?
Henry Ford revolutionierte vor Jahrzehnten seine Produktionsmethoden durch die Einführung des Fließbands, an dem "viele Arbeiter
einfache Handgriffe tun". Im General-Motors-Werk in Flint (Michigan)
ist man dabei, sich alte Handwerkertradition in der modern abgewandelten Form der "Ein-Mann-Montage" wieder zunutze zu machen. Entsprechende
Versuche haben uisher zu günstigen Ergebnissen geführt: es wird weniger Ausschuß produziert, und die Arbeitsmoral ist gestiegen.
Treibende Kraft hinter diesem Versuchsprogramm ist Joseph A. Anderson, Vizepräsident bei General Motors und Generaldirektor der "AC Spark
Plug Division" in Flint. "Mit unserer Ein-Hann-Montage", erklärte er,
"zielen wir darauf ab, die ständige Wiederholung am Fließband auszuschalten und jeden Arbeiter am einzelnen Werkstück Fertigungsarbeit
i'ber mehrere Montagestufen'hinweg ausführen zu lassen. In der industriel
len Massenfertigung herrscht ein Zug zur Arbeitsvereinfachung. Andererseits steigt das Bildungsniveau unserer Arbeitnehmer. Beides zusammen
führte zu dem Ergebnis, daß sich mancher Beschäftigte eher für seine
Arbeit entschuldigt, statt auf sie stolz zu sein."
Um die Arbeit für seine Belegschaft interessanter und sinnvoller
zu gestalten, läßt Anderson seine Arbeiter nach Möglichkeit mehr als
einen einzigen Handgriff - umfangreiche Teilmontagen und bisweilen
sogar Gesamtmontagen - ausführen.
Benzinpumpen z.B. werden in Serienfertigung normalerweise von Jü
bis 40 Mann am Fließband zusammengesetzt. Bei Versuchen in Flint ließ
man sie statt dessen jeweils von einem einzigen Arbeiter komplett montieren. Denn die Ausführung einer ganzen Serie von Arbeitsgängen, so
überlegte man, durchbricht die Monotonie am Fließband und verhindert
das Aufkommen von Langeweile. Der einzelne Arbeiter sieht sein Werkstück "wachsen" und lernt, Sinn und Zweck seiner Arbeit besser zu beurteilen. Das Ergebnis: Er geht sorgfältiger zu Werke, und seine Fertigkeiten nehmen zu.
»Für

- 7-

�"Pur manchen ist Fließbandarbeit gerade das nichtige", erläuterte
Anderson, "aber bei dem steigenden Ausbildungsniveau unserer Arbeitnehmer sollten wir diese Art Beschäftigung so stark wie möglich einschränken. In einigen Betrieben wird dies selbstverständlich schwierig,
wenn nicht sogar undurchführbar sein."
Anderson wies darauf hin, daß sich Ein-Männ-Montagen unter laufender Kontrolle, wie sie bei der Benzinpumpen-Fertigung erprobt wurden,
als sehr erfolgreich erwiesen haben. Auch die Montage von Armaturenbrettern wurde getestet. Ferner wurden Luftfilter und zahlreiche andere
Autozubehörteile in die Versuche mit einbezogen. Die beteiligten Arbeiter waren begeistert.
Das Werk stellt vor allem Kraftwagenteile und -Zubehör her. Aber
auch Zündkerzen, Düsen-Anlasser, Geschwindigkeits- und Streckenmesser,
Armaturenbretter und sonstige Geräte für den Flugzeugbau gehören zum
Fabrikationsprogramm, das den Werk durch seine Vielfalt mehr als anderen
Unternehmen Spielraum für die Beteiligung der Belegschaft an dieser
neuen Produktionsform läßt.
Nach Anderson steckt sie jedoch noch zu sehr im Experimentierstadium,
als daß sich heute schon entscheiden ließe, ob sie bei Berücksichtigung
aller Kostenfaktoren mit der üblichen Fließbandfertigung konkurrieren
kann. "Sie scheint jedoch Zukunft zu haben. Y.:enn am Band etwas schiefgeht, wird die Ausfallzeit zum Faktor. Bei Zwischenstationen oder EinMann-Montagen wirkt sich technisches und menschliches Versagen normalerweise nicht auf den Gesan.tbetrieb aus. Zudem bringen sie größere Bewegungsfreiheit bei einer Umstellung von Fabrikat zu Fabrikat oder für Konstruktionsänderungen am Grundfabrikat."
Gray H. Bernard jr., Planungsexperte in der Abteilung Arbeit- und
Zeitstudien, beurteilt die Einrichtung von Zwischenstationen und Ein-MannLiontagen sehr positiv. Diese Produktionsform "ist flexibel, Ausfallzeiten
spielen keine Rolle, und die Arbeiter sind von ihr begeistert. An einigen
Fließstrecken machen selbst kleinste Umstellungen bedeutende Umgruppierungen und Änderungen erforderlich. Bei einer Montage in Zwischenstationen
gibt es dieses Problem nicht mehr."
Einen weiteren Pluspunkt sieht Bernard in der Möglichkeit, I.IontageZwischenstationen zunächst laboratoriumsmäßig aufzubauen, um sie dann bei
einem Minimum an Produktionsunterbrechung direkt in die Verkshallen zu verlegen. Dies ist besonders wichtig bei Umstellungen auf neue Modelle.
Darüber hinaus kann die Zahl der Haltevorrichtungen beträchtlich herabgesetzt werden. Statt einer Vielzahl ähnlicher Vorrichtungen, die längs
der Fließstrecke vorhanden sein müssen, sind nur einige wenige erforderlich
Auch die Materialnutzung wird günstig beeinflußt. Bei Armaturenbrettern
würde sich der Übergang zu Neukonstruktionen ohne die sonst am Fließband
vorzunehmenden ausgedehnten Umstellungen vollziehen lassen.
Bernard hob des weiteren den positiven Einfluß auf die Belegschaft
hervor: "Bei einem Test erklärten 26 von 30 Beschäftigten, daß sie die EinMann-Montage vorziehen." Als Gründe wurden u.a. angeführ*: Die Zeit geht
schneller vorbei, man hat mehr Freiheit. Ich habe das Gefühl) mehr zu
leisten. Es macht Spaß, jedesmal ein ganzes Stück fertigzustellen.
Ferner ließ sich feststellen, daß jeder Arbeiter sein Verkstück von si
aus einer eigenen Kontrolle unterzog. Denn man wollte erstklassige und
ganze Arbeit leisten. Es gab weniger Ausschuß. Keu eingestellte Kräfte

- 8 -

�Kräfte konnten ihre Arbeit in aller Ruhe lernen, ohne gleichzeitig
mit dem Fließhand Schritt halten zu müssen - ein weiterer Vorzug, der
sich vom ersten Augenblick an günstig auf ihre Arbeitsmoral auswirkte.
Unbeantwortet bleibt bisher allerdings die Frage, wieviel verschiedene Ilontagestufen ein Arbeiter bewältigen kann, ohne seine normale Leistungsfähigkeit einzubüßen. Es könnte geschehen, daß jemand so viel
Zeit zum Erlernen einer Anzahl verschiedener Hontagegriffe benötigt,
daß er sich bei seiner Arbeit nie besonders glücklich fühlt. Hierdurch
würde sein Leistungsniveau beeinträchtigt. Bernard und seine Mitarbeiter
versuchen dies zu verhindern.
Jedes Unternehmen ist an höherem Gewinn, steigender Produktivität,
einwandfreier Fabrikation und besserer Arbeitsmoral interessiert. Sollten Ein-Mann-Montagen diesen Effekt haben, wird General Motors weitere
Versuche unternehmen, um die Idealkombination des richtigen Mannes mit
dem richtigen Werkstück am richtigen Platz der Verwirklichung näherzubringen.
Der Kachdruck dieses Artikels, den wir in
gekürzter Form veröffentlichen, ist nur mit
Angabe des Verfassers, der ijielle "Iron Age"
und dem Vermerk "(c) 1964 ^y Chilton Company"
auf der ersten Seite des Abdrucks gestattet.

* * * * *

Gewerkschaftliche Kurznachrichten
Der Einfluß der technologischen Veränderungen auf die Beschäftigungsstruktur
Auf Grund der technologischen Veränderungen, die sich gegenwärtig
in der amerikanischen Wirtschaft vollziehen, wird sich die Zahl der Beschäftigten in 18 der wichtigsten Industriezweige bis zum Jahr 1970 zum
Teil erheblich verringern, während in 14 anderen Industrien mit einer
Zunahme der Beschäftigtenzahl gerechnet werden kann.
Dies sind die Ergebnisse umfassender gemeinsamer Untersuchungen des
amerikanischen Arbeits- und des Handelsministeriums, die im vergangenen
Jahr durchgeführt und die jetzt in einem Bericht unter dem Titel "Technological Trends in 56 Major American Industries" veröffentlicht wurden.
Zu denjenigen Industrien, die in den nächsten Jahren einen (proportional zur Gesamtbeschäftigtenziffer) stark rückläufigen Beschäftigungstrend
aufweisen werden, gehören dem Bericht zufolge all jene Branchen, die sich
mit der Verarbeitung oder Herstellung von Nahrungsmitteln und Bekleidung
befassen. Auch der Kohlebergbau, die Erdölindustrie, die Eisenbahnen und
die Telephongesellschaften werden im Jahre 1970 weniger Arbeitnehmer beschäftigen als heute.
Die Wirtschaftszweige dagegen, die auf Grund einer stark zunehmenden
Bedarfsnachfrage mit einer beträchtlichen Zunahme der Beschäftigung rechnen können, sind der Groß- und Einzelhandel; das Bank- und Versicherungsgewerbe, der Güter-Straßentransport, der Luftverkehr, die Elektronik- und die
Kunststoffindustrien. In diesen Wirtschaftszweigen wird gegenwärtig rund
die Hälfte der insgesamt 29,1 Millionen Arbeitnehmer beschäftigt, die von
der Untersuchung erfaßt wurden.
*

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�Viertel Jahresurlaub für Stahlarbeiter
Jedes fünfte Jahr dreizehn Wochen bezahlten Urlaub können seit
Januar 1964 insgesamt 600 000 Arbeiter der amerikanischen Metallund metallverarbeitenden Industrie nach 15jähriger Dienstzeit beanspruchen. Diese Vergünstigung ist Teil einer neuen Urlaubsregelung,
die die amerikanische Stahlarbeitergewerkschaft (ünited Steelworkers
of America) für ihre Mitglieder ausgehandelt hat. Die ersten Urlauber
sind bereits zur Erholung in den wärmeren Süden und Westen der USA
abgereist, während andere ihren Vier Lei Jahresurlaub zu Hause verbringen, um längst fällige Hausreparaturen vorzunehmen, sich weiterzubilden oder sich daheim zu entspannen.

Lohnerhöhungen im amerikanischen Einzelhandel
Für Arbeitnehmer im amerikanischen Einzelhandel wurden von den
Gewerkschaften im vergangenen Jahr Lohnerhöhungen von durchschnittlich
10,1 Cent (im Lebensmitteleinzelhandel 10,2 Cent) pro Stunde, gegenüber 9»7 Cent I962 bzw. 9&gt;9 Cent 1961, erzielt. Die neu abgeschlossenen
Tarifverträge haben im allgemeinen eine zwei- bis dreijährige Laufzeit.
Auch auf dem Gebiet der Lohnnebenleistungen wurden Regelungen ausgehandelt, die verbesserte Krankenversicherungs- und Pensionsleistungen
bringen. Rund 53 Prozent der Krankenversicherungspläne (gegenüber 31
Prozent im Jahr 1962) und 21 Prozent der Pensionspläne (14 Prozent)
wurden revidiert und verbessert.

161 750 Wohlfahrts- und Pensionspläne mit einem Gesamtvermögen von
66 Mrd. Dollar
Beim US-Arbeitsministerium waren am 1. Juli I963 insgesamt
161 750 Sozial- und Pensionspläne für Betriebsangehörige amerikanischer
Unternehmen registriert. Die meisten Pläne bieten zwei oder mehr Versicherungsleistungen, über die Hälfte eine kombinierte Krankenhaus-,
Operationskosten- und Lebensversicherung. Bei vier Fünfteln der Pläne
handelt es sich um Sozialkassen, bei den übrigen um Pensionspläne
oder eine Kombination beider.
Krankenhauskosten-Versicherungen stehen an der Spitze der
128 340 Sozialpläne, gefolgt von Operationskosten- und Lebensversicherungen. Praktisch sämtliche der 32 610 Pensionspläne sehen die
Gewährung von Altersrenten, die meisten auch Renten bei Eintritt der
Invalidität und die Zahlung von Sterbegeldern vor. Die Versicherungsbeiträge werden im allgemeinen von den Arbeitgebern oder von Arbeitgebern und Versicherten gemeinsam geleistet.
Das Gesamtvermögen der Pensions- und Sozialfonds belief sich im
Vorjahr auf rund 66 Mrd. Dollar gegenüber 52,2 Mrd. Dollar im Jahr
1962. In dieser Ziffer sind die Vermögenswerte aller privaten (von
Arbeitgebern und Arbeitnehmern bzw. Gewerkschaften gemeinsam verwalteten) Kranken-, Krankenhaus- und Operationskosten-, Unfall-,
Invaliditätsrenten-und Arbeitslosenversicherungspläne eingeschlossen,

- 10 -

�eingeschlossen, die der Meldepflicht gemäß dem Gesetz über die
Offenlegung der Sozial- und Pensionspläne unterliegen, nicht eher
die Rücklagen der Pensionskassen des Bundes und der staatlichen
Sozialversicherung.
Nach den neuesten Unterlegen werden durch derartige Fonds insgesamt 22 Millionen Arbeitnehmer - das ist rund ein Drittel ihrer
Gesamtzahl - erfaßt, zu denen noch die mitversicherten Familienangehörigen dazuzuzählen sind.

AFL-CIO plant KypotheR'en-Treuhs.ndfonds zur Anlage der Pensionskassenmittel
. .
Die Schaffung eines Hypotheken-Treuhandfonds bereitet der
amerikanische Gewerkschaftsverband AFL-CIO gegenwärtig in Ausführung eines im Februar auf der Tagung des Vorstanues in Bai
Karbour (Florida) gefaßten Beschlusses vor. Hauptaufgabe des Fonds
wird es sein, für die wertbeständige Anlage der Mittel der angeschlossenen Gewerkschaften und der Reserven der von Arbeitnehmern
und Gewerkschaften gemeinsam verwalteten Sozialkassen Sorge zu
tragen. Dem Fonds soll eine Wohnbaufinanzierungsgesellschaft angegliedert werden, die Kapitalm.ttel für die Teilfinanzierung von
Projekten des sozialen Wohnungsbaus bereitstellt, um dadurch weitere
gemeinnützige Bauträger für diese Vorhaben zu gewinnen. Der Fonds
wird Hypotheken nur dann vergeben, wenn sie innerhalb der von der .
Bundeswohnbauverwaltung festgesetzten Beleihungsgrenzen liegen und
bei dieser versichert sind.

Drei.-jahresvertrag beendet New Yorker Schleppbon ^streik
Ein neuer Dreijahresvertrag, der zwischen dem Ortskartell
New York der amerikanischen Seeleutegewerkschaft (National Maritime
Union) und dem Verband der Arbeitgeber im Seeschlepp- und Transportgewerbe vereinbart wurde und den dreiunddreißigtägigen Streik der
Schlepperbesatzungen im New Yorker Hafen von Februar bis März dieses
Jnhres beendete, sichert den Schlepperkapitänen 50 Cent und den Besatzungsmitgliedern 35 Cent Lohnerhöhung pro Stunde zu.
Die Arbeitgeber heben sich in dem Kontrakt darüber hinaus zur
Abführung von zusätzlich 18,75 Cent pro Stunde an den Fensions- und
Versicherungsfonds der Seeleute verpflichtet. In früheren Vereinbarungen hstten sie sich bereit erklärt, pro Arbeitnehmer monatlich
15 Dollar an den Versicherungsfonds, 8,68 Dollar an eine Grundrentenkaose und 6 Dollar an einen Zusatzversicherungsfonds abzuführen,
sofern der Arbeitnehmer seinerseits den gleichen Betrag einzahlt.

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�Tarifverhandlungen in der US-Autoindustrie beginnen am 1. Juli
Die allgemein mit großer Spannung erwarteten TarifVerhandlungen
in der amerikanischen Automobilindustrie v/erden, wie verlautet, von
den beiden Sozialpartnern voraussichtlich am 1. Juli aufgenommen
werden.
Die diesjährigen Verhandlungen finden im Vergleich zu 1961,
als die wirtschaftliche Erholung nach der Rezession der Jahre 1959/60
noch im Anfangs'stadium steckte und die Arbeitslosigkeit in der Autoindustrie weitverbreitet war, in einer völlig anderen Atmosph re
statt. General Motors, Chrysler und Ford - die "Großen Drei" - verzeichneten im vergangenen und in diesem Jahr hohe Gewinne, aber auch
American Motors, deren Absatz etwas schleppender war, weisen beträchtliche Gewinne auf.
Nach Ansicht der Experten dürfte die Vereinigte Automobilarbeitergewerkschaft (UA',7) bei den Verhandlungen ihre Aufmerksamkeit auf
ßeschäftigungsfragen konzentrieren, wobei Probleme der Sicherung der
Arbeitsplätze im Vordergrund stehen werden. Ebenso dürfte
V/alter Reuther, der Präsident der UA.7, höhere Lohnnebenleistungen und
Maßnahmen zur Schaffung von mehr Arbeitsplätzen - möglicherweise durch
Herabsetzung des 1ensionsalters - am Verhandlungstisch fordern. Mit
dem Argument, daß die Arbeitsproduktivität in der amerikanischen
Automobilindustrie seit 1957 jährlich im Durchschnitt mit 4»9 Prozent
stärker angestiegen ist als in der Fertigungsindustrie als Ganzes
(3»2 Prozent), dürften jedoch auch die Lohnforderungen mit Nachdruck
vertreten werden.

12 -

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
USIS-Bonn/Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.
————____—_—_____——__________—————————__———_——————————————___.___——_______

XVII - 7

,

Bad Godesberg, den 1. Juli 1964
INHALTSVERZEICHNIS

Arbeitsmarkt- und Automationsforschung in. den USA
Ziele und Aufgaben
Die Automationsforschung
Untersuchungen über technische Neuheiten
Untersuchungen über die Auswirkungen der
Automation
Künftige Forschungsreihen

Seite 1
Seite 4

Die Gewerkschaften und das öffentliche Interesse

Seite 10

Gewerkschaftliche Kurznachrichten

Seite 12

Arbeitsmarkt- und Automationsforschung in den USA
I» Ziele und Aufgaben
Die Untersuchungen des US-Arbeitsministeriums im Bereich der Arbeitsmarktentwicklung dienen dem Zweck, Verständnis für die auf diesem Gebiet gegebenen nationalen Problemstellungen zu wecken und Hilfsmittel aufzuzeigen, die zur Lösung der Probleme geeignet erscheinen.
Unsere dynamische Wirtschaft produziert fortgesetzt neue Paktoren,
die das bestehende Gleichgewicht stören. Eine unerläßliche Voraussetzung für das wirtschaftliche Wachstum des Landes aber ist die Wiederherstellung des Gleichgewichts. Paradoxerweise kann sich ein Mißverhältnis am Arbeitsmarkt in einem Nebeneinander von hohen Arbeitslosenziffern und einem ausgesprochenen Mangel an Fachkräften ausdrücken.
Das Forschungsprogramm des Arbeitsministeriums sucht daher beiden
Aspekten dieser Frage nachzugehen.
Angesichts der Mannigfaltigkeit der Arbeitsmarktprobleme und im
Hinblick auf die Tatsache, daß die Entwicklung und Nutzung des Arbeitspotentials unlöslich mit dem Menschen und seinem Verhältnis zur Arbeit
verbunden ist, muß die Arbeitsmarktforschung alle jene Faktoren in
Rechnung stellen, die den arbeitenden Menschen als Individuum berühren,
und dabei gleichzeitig das nationale Interesse und die Auswirkungen der
verschiedenen arbeitsmarktpolitischen Programme auf die Wirtschaft gebührend berücksichtigen.
In
- 1 -

�In den Gründerjahren unseres Staates drückten sich Arbeitsmarktprobleme in erster Linie in einem chronischen Mangel an Handarbeitern aller Art aus, der aber durch die Eingliederung von Arbeitskräften mit relativ geringen Kenntnissen und Fähigkeiten aus
der großen Schar der Einwanderer meist behoben werden konnte. In
jüngerer Zeit jedoch haben der schnelle technische Fortschritt,
der Wandel in der Verbrauchernachfrage, die Veränderungen in der
Bevölkerungsstruktur und die Standortverlagerungen der Industrie
weit vielschichtigere Arbeitsmarktprobleme aufgeworfen, die neue
Methoden zu ihrer Lösung erfordern. Das Gesetz für Fragen der Beruf sförderung und Arbeitsraarktexpansion (Manpower Development and
Training Act) von 1962 in der Fassung von 1963 definiert die Forschung als ein Mittel, um Einblick in diese Probleme zu gewinnen
und ihre Lösung zu erleichtern.
Seit dem Inkrafttreten dieses Gesetzes hat die Forschungstätigkeit des Arbeitsministeriums auf dem Gebiet der Arbeitsmarktprobleme
neuen Auftrieb erhalten und an Zielstrebigkeit gewonnen. Das Ministerium bemüht sich um die Lösung gerade der schwierigeren Arbeitsmarktprobleme durch eigene Forschungstätigkeit, unterstützt von einigen
der fähigsten Forschungsorganisationen des Landes. Der Angriff auf
diese Probleme konzentriert sich auf zwei der Hauptziele des genannten Gesetzes: die Verringerung der Arbeitslosigkeit und die Deckung
des Arbeitskräftebedarfs einer im steten Wandel begriffenen Wirtschaft .
Ein streng koordiniertes und in all seinen Teilen integriertes
Arbeitsraarktforschungsprogramm wird gegenwärtig entwickelt. Gemeinsame Ausschüsse der verschiedenen Abteilungen wurden inzwischen geschaffen, um der Forschungsarbeit innerhalb des Ministeriums Führung
und Richtung zu geben. Der Koordinierungsausschuß für Fragen der Arbeitsmarktforschung mit.seinen zwei beigeordneten Ausschüssen für Fragen der Automation und des technischen Wandels sowie für Fragen des
Arbeitspotentials, der Beschäftigung und der Arbeitslosigkeit hat bereits einen wichtigen Beitrag zur besseren Nutzung der Forschungseinrichtungen und -möglichkeiten des Ministeriums geleistet.
Der Unterausschuß für Forschung des Beratungsausschusses für
Fragen der Arbeitsmarktpolitik ist gegenwärtig noch immer dabei, das
im Aufbau begriffene Forschungsprogramm zu überprüfen und brauchbare
Empfehlungen für seine künftige Weiterentwicklung auszuarbeiten. Dem
Unterausschuß gehören an: Dr. Richard A. Lester, Präsident der Princeton-Universität; Dr. C.E. Bishop vom North Carolina State College of
Agriculture and Engineering; Dr. James R. Bright von der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Harvard-Universität; Dr. Rupert N. Evans
und Robben W. Fleming, beide Universität Illinois; Marvin Friedman,
AFL-CIO; Dr. Varden Füller, Universität Kalifornien; Dr. Charles C.
Killingsworth, Staatsuniversität Michigan; Dr. William H. Miernyk aus
Colorado; und Dr. Eli Gihzberg, Vorsitzender des Beratungsausschusses
für Fragen der Arbeitsmarktpolitik und als solcher Ex-offic.io-Mitglied,
von der Columbia-Universität.
Kontrakti'orschung
Im vergangenen Jahr hat das Ministerium verstärkte Anstrengungen
unternommen, um das Interesse an der Arbeitsmarktforschung und die

- 2

�die Mitarbeit seitens der Colleges und Universitäten und anderer Einrichtungen, die neue Ideen und Ansatzpunkte zur Lösung von
Arbeitsmarktproblemen beizutragen vermögen, zu beleben. Im Laufe
des Jahres 1963 wurden rund 200 Vorschläge von Forschungsstellen
und V.rissenschaftlern, die nicht im Regierungsdienst stehen, durch
das Arbeitsministerium überprüft. Bei über 30 derartigen Projekten,
die sich auf besonders dringende Probleme der Arbeitsmarktforschung
beziehen, wurde eine vertragliche Regelung getroffen.
Das Programm zur Förderung der Kontraktforschung entspricht
einem ausdrücklichen Auftrag des Kongresses, der im Arbeitsmarktgesetz ausgesprochen wurde. Die unter Vertrag benommenen Institute
und Wissenschaftler beschäftigen sich mit Fragen der Automation, der
Arbeitsmobilität, der Entwicklung und Nutzung des Arbeitspotentials
und des Arbeitskräftebedarfs. Einige von ihnen haben bereits wichtige
Teilbeiträge zum Verständnis der Arbeitsmarkt- und Arbeitspolitik
beigesteuert, die ihren Niederschlag in Aktionsprogrammen und arbeitspolitischen Richtlinien fanden.
Der arbeitsmarkt- und arbeitspolitische Bericht des Präsidenten
Da das Arbeitsmarktforschungsprogramm des US-Arbeitsministeriums
die Lösung der gegenwärtigen und künftigen Probleme der Arbeitslosigkeit und Beschaffung der für die Virtschaft erforderlichen Arbeitskräfte zum Ziele hat, ist es dringend notwendig, von Zeit zu Zeit
eine Bestandsaufnahme bezüglich der gesamten Arbeitsmarktsituation
vorzunehmen, die eine sichere Basis für die Ilanung der Arbeitsmarktforschung abgeben kann. Der Jahresbericht des Präsidenten zu Arbeitsmarktfragen und Arbeitsmarktpolitik und der ihn begleitende Bericht
des Arbeitsministers, die beide im Gesetz für Fragen der Berufsförderung und Arbeitsmarktexpansion vorgeschrieben sind, geben eine solche
Basis ab. Sie stellen u.a. ferner ein Instrument dar, das es dem Präsidenten der Vereinigten Staaten und dem Arbeitsminister in regelmäßiger
Folge erlaubt, dem Kongreß und der gesamten Nation ihre Beurteilung
der Arbeitsmarkt- und arbeitspolitischen Probleme zu unterbreiten
und Programme zu ihrer Lösung vorzuschlagen.
Der erste Bericht, der im Ilärz 1963 veröffentlicht wurde, enthielt eine Übersicht über die Entwicklung auf dem Arbeitssektor in
der Zeit nach Beendigung des zweiten Veitkriegs. Er vereinte in sich
eine Fülle von einschlägigem Material bezüglich der Gesamtsituation
auf diesem Gebiet, das früher nur in Form separater Unterlagen verfügbar war.
Der zweite Arbeitsmarktbericht, der dem Kongreß kürzlich zugegangen ist, stützte sich auf noch umfangreicheres Material und stellte
insbesondere wichtige Aspekte der gegenwärtigen Arbeitsmarktsituation
in den Mittelpunkt der Erörterung. Die Ergebnisse der vom US-Arbeitsministerium durchgeführten und in Auftrag gegebenen Forschungsarbeiten
wurden in den Bericht eingearbeitet. Er stellt eine Lokumentation
der Probleme der Arbeitslosigkeit dar und bringt Empfehlungen bezüglich der Möglichkeiten zur Erreichung der Vollbeschäftigung. Er analysiert die gegenwärtige Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt, die Beschäftigungslage verschiedener in unserer Gesellschaft benachteiligter
Gruppen und die Auswirkungen staatlicher Maßnahmen und technischer
Fortschritte auf Wirtschaft und Gesaratbeschäftigung. Die Darlegungen

- 3-

�Darlegungen werden durch einen umfassenden und in die Einzelheiten gehenden statistischen Anhang belegt, der an sich schon ein
wertvolles Hilfsmittel für die Arbeitsmarktforschung darstellt.
Er bietet eine Fülle'von historischen und laufenden Statistiken
und ist gegenüber dem letzten Bericht wesentlich erweitert worden.
II. Die Autnrnati cnsforschung
Auf Grund eines Kongreßbeschlusses hat das amerikanische Arbeitsministerium ein nationales Forschungsprogramm zur Untersuchung
der Auswirkungen der Automation und der technologischen Veränderungen auf das Arbeitspotential ausgearbeitet und in Kraft gesetzt.
Die Ziele dieses umfassenden Forschungsprogramms sind im einzelnen:
1. Untersuchung und Auswertung der gegenwärtigen und sich für
die Zukunft abzeichnenden Auswirkungen der Automation und der tech: olo•ischen Veränderungen auf den Arbeitsmarkt und den einzelnen Arbeitnehmer;
2. Lenkung und Koordinierung sämtlicher auf dem Gebiet der Automatisierung von der Regierung und den privaten Organisationen durchgeführten Forschungen;
3. Feststellung der im einzelnen zu treffenden I.laßnahmen, um die
Auswirkungen der technologischen Veränderungen auf die Arbeitnehmer
zu mindern und eine Anpassung des gesamten Arbeitspotentials an die
Veränderungen zu erleichtern.
Die bisherigen Erfahrungen haben eindeutig gezeigt, daß das derzeitig verfügbare Wissen über die Auswirkungen der Automation auf den
Arbeitsmarkt alles andere als ausreichend ist. Um diesen Mangel abzustellen, hat das Arbeitsministerium unter Berücksichtigung der von den
fünf an den Forschungen beteiligten Bundesämtern entwickelten Programme
einen allgemeinen Forschungsplan aufgestellt.
Gegenwärtig stehen den Fachleuten nur sehr dürftige Informationen
über solche wichtigen Fragen wie Umfang, Einführungsrate und Auswirkung der technologischen Veränderungen auf die Beschäftigung zur Verfügung. Dennoch haben vorbereitende Untersuchungen, die während des vergangenen Jahres durchgeführt wurden, dazu beigetragen, viele Probleme
in ihrem Umfang zu umreißen, die aus den technologischen Veränderungen
resultieren. Zu denjenigen Gebieten, die noch besser erforscht werden
müssen, zählen unter anderem:
1. Art und Umfang der Automation und anderer technischer Veränderungen in den verschiedenen Industriezweigen;
2. die Auswirkungen der Automation und anderer technischer Veränderungen auf die Beschäftigung - und zwar nach Wirtschaftszweig und
Tätigkeit gegliedert -, unter Berücksichtigung der Arbeitsplätze schaffenden und Arbeitsplätze vermindernden Faktoren;
/
3- die wahrscheinlichen Durchsetzungsraten und die künftigen Arbeitsmarkt-Auswirkungen sich bereits abzeichnender technologischer
Neuerungen;
4« die Auswirkungen der Automation auf die funktionellen Tätigkeiten am Arbeitsplatz sowie die beruflichen Anforderungen und damit auch
auf die Erziehung und die berufliche Ausbildung;

)

- 4-

�5« der Einfluß der Automation auf Arbeitsbedingungen, Einkoramen und die Lohnzahlungsverfahren sowie auf das Betriebsklima;
6. die Auswirkungen der Automation auf einzelne Arbeitnehmergruppen unter Berücksichtigung von Alter, Beruf und anderen Kriterien ;
7» die Auswirkungen technologischer Veränderungen auf die institutionellen Einrichtungen des Arbeitsmarktes und auf das Tarifverhandlungswesen;
8. die von den Arbeitnehmern, Unternehmern, Gemeinden und der
Regierung bereits getroffanen oder zu treffenden IJaßnahmen, um die
Auswirkungen der Automation auf den einzelnen Arbeitnehmer zu mindern.
Untersuchungen über technische Neuheiten
Einer der ersten Forschungsaufträge, die das US-Arbeitsministerium zur Feststellung von Art und Umfang der Automation in den Vereinigten Staaten vergeben hat, wurde von der "Diebold Group,' Inc.y
im Februar 1 963 abgewickelt. Ihr Untersuchungsbericht enthält neben
detaillierten Schätzungen über die Zunahme und" Verteilung von Elektronenrechnern in den einzelnen Wirtschaftszweigen auch vorläufige
Begriffsbestimmungen der Automation und ein Hilfssystem zur Klassifizierung der verschiedenen automatischen Ausrüstu.
• '.,'ie aus der
Übersicht hervorgeht, waren in den USA im Jahre 1962 insgesamt 11 000
elektronische Digitalrechner in Betrieb - das sind rund doppelt soviel wie im Jahr i960. Diese und andere Untersuchungsergebnisse werden bei der Planung weiterer Analysen über derzeitige und künftige
Beschäftigungstrends in solchen datenverarbeitender
i'en wie Pr grammierer und lektronenrechneroperateur ausgewert
rden. Das
gleichzeitig geschaffene Klassifizierungssystem für automatische Betriebsausrüstungen stellt, eine Pionierarbeit auf diesem 'Gebiet dar
und bildet einen wertvollen Rahmen für Detailänaly^
Das US-Arbeitsninisterium veröffentlichte im Juni 1963 e i n e n Bericht über die gegenwärtigen und künftigen Auswirkungen auf die Beschäftigung von sogenannten Lesemaschinen füiv die Datenverarbeitu;
V/enn auch diese Geräte zur Zeit erst in geringem Umfang Verwende
finden, so ist doch für die Zukunft mit einer erheblichen Zunahme
zu rechnen. Dadurch wird sich die Zahl der Arbeitsplätze, insbesondere
bei den Locherinnen, verringern. Diese Untersuchung darf als Vorläufer
eines "Frühwarnsystems" für' vorstehende technologische Neuerungen und
ihre möglichen Auswirkungen auf die Beschäftigung angesehen werden.
Ein Bericht über die technologischen Veränderungen in den wichsten Industriezweigen wurde inzwischen ebenfalls fertiggestellt. In ihm
werde im einzelnen die zur Zeit ablaufenden und die unmittelbar bevorstehenden technischen Entwicklungen in 36 Industriezweigen beschr
ben und ihre möglichen Auswirkungen auf Produktivität und Beschäftig
aufgezeigt.
Einen weiteren Forschungsbericht hat das Arbeitsministerium von
der Auerbach Corporation über den Arbeits!
bedarf erhalten, der
sich durch den steigenden Anfall von Blaupausen, technischen Papieren
und Listen der verschiedensten Art in Industriebetrieben ergibt« Obwohl

�Obwohl dieser "Papierlawine" auf dem Gebiet der Wissenschaft und
Technik bereits erhöhte Aufmerksamkeit gewidmet wird, so ist doch
immer noch nur sehr wenig über die Zahl und die Art der Arbeitnehmer
bekannt, die zur Bearbeitung und Verteilung dieser technischen Dokumente benötigt werden. Von gleicher Bedeutung ist auch die Frage, wie
lange sich die entsprechenden Tätigkeiten in Anbetracht der technologischen Entwicklung werden behaupten können und Inwieweit sie sich
automatisieren lassen.
Gegenstand spezieller Untersuchungen der Auerbach Corporation war
insbesondere die Punktion dieser Tätigkeiten in der Nachrichten : -dustrie. Analysiert wurden unter anderem die Verarbeitung und
Dokumentation der aus der technischen Arbeit eines Betriebes anfallenden Informationen und umgekehrt die Weiterleitung der aus anderen
Quellen kommenden entsprechenden Informationen an die Ingenieur- und
Technikergruppen. Durch diese Untersuchungen, die in acht Firmen dieses Industriezweiges durchgeführt wurden, war es möglich, sechs spezifische Gebiete klar abzugrenzen, die mit diesen Tätigkeiten weitgehend übereinstimmen» Technisches Schreiben, Technisches Zeichnen,
Unterlagenreproduktion, Archiv (Informationszentrum), $ormen,und Ersatzteilbeschaffung. Der Arbeitskräftebedarf in diesen sechs Gruppen
dürfte, v;ie die Untersuchungen ergaben, etwa bis 1970 i n demselben
Umfang ansteigen wie der gesamte Arbeitskräftebedarf dieses Industriezweiges, während ab 1970 die Kategorie "Technisches Zeichnen", die
bei weitem d? i g &lt;5ßte Anzahl von Arbei splätzen aufweist, einen geringeren Anteil an der Ges.atzahl der Arbeitsplätze in den sechs Gruppen
verzeichnen wird« Dies wird in erster Linie durch technologische Veränderungen bedingt.sein, die sowohl den Bedarf an Zeichnungen als auch
die Herstellungsniethoden beeinflussen werden.
Aus der Untersuchung ist ferner ein Zusammenhang zwischen dem
Anv. .chsen der Zahl der beschäftigten Techniker und dem der Zahl der
für die Bearbeitung der technischen Informationen erforderlichen Arbeitskräfte ersichtlich. Dagegen waren die erarbeiteten Unterlagen nicht
ausreichen!,um im einzelnen den Einfluß der technischen Inforr• ationsfunktionen auf den Gesamtbedarf an Ingenieuren und Technikern zu spezifizieren.
Zwei andere Berichte über spezielle technische Neuerungen, die
sich auf Untersuchungen stützen, die vom US-Arbeitsministerium durchgeführt wurden, sollen noch 1964 veröffentlicht werden. Der eine Bericht
untersucht dabei die Verwendung von numerischen Ivont roll Systemen in
der Fertigung von Werkzeugmaschinen und ihre Auswirkungen auf den Arbeitskräftebedarf des Industriezweigs, der andere dagegen analysiert
den Einfluß der Elektronenrechner auf den Arbeitskräftebedarf in der
Versicherungswirtschaft. Die Verwendung numerischer Kontrollsysteme
bei der Werkzeugmaschinenherstellung ist in der metallverarbeitenden
Industrie eine der bedeutendsten Neuerungen der letzten Jahre. Desgleichen hat die zunehmende Verwendung von Elektronenrechnern die Bürotät
keiten in de Versicherungsunternehmen, die heute etwa 800 000 Anges"
te beschäftigen, wesentlich beeinflußt. Jeder dieser Berichte wird über
solche Fragen Auskunft geben wie Anzahl der installierten Einrichtung
Ausnutzungsgrad der Anlagen in der gesamten Industrie, Einfluß auf die
Produktivität, die Beschäftigung, die berufliche Ausbildung, die Umschulung, die beruflichen Fertigkeiten und die innerbetrieb1ichen

�innerbetrieblichen Beziehungen.
Untersuchungen über die Auswirkungen der Automation
Im Jahre 19^3 ^a.t das US-Arbeitsministerium zahlreiche Untersuchungen über die Auswirkungen der Automation und technologischer
Veränderungen auf den Arbeitskräftebedarf veröffentlicht. Eine der
bedeutendsten Analysen befaßte sich dabei mit den Auswirkungen der
Büroautomatisierung iei der Bundesfinanzverwaltung (internal Revenue
Service). In dem Bericht werden im einzelnen die Planungstechniken
zur Ermittlung des Arbeitskräftebedarfs und die personalpolitischen
Entscheidungen erläutert, die die Verwaltung zur Verminderung der
Auswirkungen auf die Beschäftigten bei der Umstellung auf automatische
Datenverarbeitung traf. Gleichzeitig werden die Ausbildungs- und Umschulungspraktiken beschrieben, die zur Erleichterung der Umstellung
angewendet wurden.
Ebenso hat das Arbeitsministerium eine Reihe von Einzeluntersuchungen über die Erfahrungen mit Gruppen von Arbeitskräften durchgeführt, die auf Grund technologischer Veränderungen aus ihren angestammten Tätigkeitsbereichen verdrängt worden waren. Die Ergebnisse dieser
Studien werden ebenfalls Mitte 19^4 veröffentlicht werden. Bei diesen
Untersuchungen wurde insbesondere versucht, die besonderen Merkmal«
all jener Arbeitnehmer aufzuzeigen, die sich einen neuen Arbeitsplatz
sichern konnten, und all derer, die arbeitslos blieben. Desgleichen
sind solche Faktoren untersucht worden wie Einkommensminderung, Belastung der Arbeitslosenunterstützungsfonds, Nutzungsgrad beruflicher
Kenntnisse und Fähigkeiten, Veränderungen in der Mitgliederstruktur
der Gewerkschaften, Methoden der Arbeitsuche und Interesse der Arbeitnehmer an Umschulungskursen.
Eine Analyse über die Art der automatisierten Arbeitsplätze und
die bildungs- und berufsmäßigen Anforderungen führt zur Zeit die Human
Sciences Research, Inc., im Auftrag des Arbeitsministeriums durch.
Diese Untersuchung ist in Anbetracht der zahlreichen einander widersprechenden Ansichten über die beruflichen und bildungsmäßigen Voraussetzungen hinsichtlich der Umschulung von Arbeitnehmern auf automatisierte
Tätigkeiten insofern von großem Nutzen, als auf Grund der Ergebnisse
eine wirksame 9 Ausbildungspolitik für die Zukunft festgelegt werden
kann. 'Jährend nämlich eine Gruppe von Experten behauptet, daß die automatisierten Arbeitsplätze eine bessere schulische und berufliche Ausbildung erfordern, ist eine andere der Ansicht, daß die bildungsmäßigen und beruflichen Anforderungen nicht größer sind als bei den nicht
automatisierten Tätigkeiten.
Zahlreiche Forschungsprojekte sind in jüngster Zeit auch mit dem
Ziel durchgeführt worden, größere Klarheit über die Auswirkungen technologischer Veränderungen auf die Beschäftigung weiblicher Arbeitskräfte
zu gewinnen. Ein im November 1963 veröffentlichter Bericht befaßt sich
mit den Veränderungen in der Zahl der Arbeitsplätze und in den Aufgaben
und Tätigkeiten an den verschiedenen Arbeitsplätzen in der Telefonvermittlung seit Einführung des Fernwähldienstes und anderer technischer
Neuerungen. Eine in Kürzebeginnende Untersuchung hat die besonderen
Probleme zum Gegenstand, denen sich weibliche Arbeitskräfte von Fertigungsbetrieben bei einem Verlust ihres Arbeitsplatzes auf Grund der

-7

�der Einführung automatischer Maschinen gegenüber sehen. Daneben
wird eine Überprüfung der gesamten Autoraationsliteratur durchgeführt, um all das zusammenzufassen, was bis jetzt über die Auswirkungen technologischer Veränderungen auf weibliche Arbeitskräfte und
typische Frauenberufe bekannt ist. Die Ergebnisse sollen in künftige
Veröffentlichungen dieser Art eingebaut werden.
Um das künftige Tempo und den künftigen Einfluß der Automation
und anderer technischer Entwicklungen besser abschätzen zu können,
ist eine genaue Kenntnis all jener Faktoren nötig, die die Entscheidungen des Managements in dieser Hinsicht beeinflussen. Das Stanford
Research Institute führt gegenwärtig diesbezügliche Untersuchungen im
Auftrag der US-Arbeitsministeriums durch. Dabei soll im einzelnen die
Automatisierung in Lagerhausbetrieben, bei Banken, in der Nahrungsmittel- und Geräteindustrie untersucht sowie ermittelt werden, von
welchen Faktoren die Entscheidungen der Unternehmensführungen, die
Betriebe zu automatisieren, beeinflußt wurden. Desgleichen sollen die
tatsächlich erzielten wirtschaftlichen Vorteile mit den vom Management
errechneten V/erten verglichen v/erden. Auch diese Ergebnisse dürften
Mitte 1964 veröffentlicht werden.
Eine ganze Serie von Untersuchungen über die Auswirkungen der Automation und anderer technologischer Veränderungen führt das US-Arbeitsministerium gegenwärtig in der Stahl- und Textilindustrie sowie in
Gießereien, Elektrizitätswerken und im Transportgewerbe durch. Diese
Analysen umfassen sowohl augenblicklich.ablaufende als auch bevorstehende technologische Entwicklungen und beziehen sich auf solche Faktoren
wie Auswirkungen auf die Produktivität, Produktion, Beschäftigung, Beschäftigungsstruktur, Ausbildung und innerbetriebliche Beziehungen.
Mit der Einführung der Automation in Industriebetrieben, die über
keine eigene Maschinenreparatur- oder Elektrowerkstatt verfügen, ergibt
sich für diese Unternehmen ein ganz spezielles Problem: die Deckung des
Bedarfs an qualifizierten Arbeitskräften zur Wartung und Reparatur der
neuen automatischen Produktionseinrichtungen. Tiefere Einsicht in dieses
Problem zu gewinnen,ist das Ziel eines gemeinsam durchgeführten Projekts
des US-Arbeitsministeriums und des Internationalen Arbeitsamts. Im einzelnen sollen dabei - durch eine Auswertung der Erfahrungen anderer
Länder -Möglichkeiten zur Rekrutierung dieses Y/artungs- und Instandhaltungspersonals aufgezeigt werden.
Künftige Forschungsreihen
Die Ermittlung der wahrscheinlichen Auswirkungen künftiger technologischer Entwicklungen auf den Arbeitsmarkt und den Arbeitskräftebedarf stellt einen der bedeutendsten Aspekte der Automationsforschung
dar. Zu den zahlreichen geplanten Untersuchungen auf diesem Gebiet gehört auch eine Serie von Analysen, die weitere Aufschlüsse über Art und
Umfang der Automation in der amerikanischen Industrie von heute geben
sollen. Die erste Erhebung im Rahmen dieser Serie wird sich dabei auf
die Elektronenrechner konzentrieren.
Zahlreichen Forschungsprojekte sind ferner geplant, die Aufschlüsse
über spezifische technische Entwicklungen geben sollen, die sich noch
in den Anfangsstadien befinden. Ziel der Untersuchungen ist es, die
wahrscheinliche Einführungsrate und die Auswirkungen auf die Beschäftigung zu ermitteln. Eine weitere Forschungsreihe wird sich ferner mit

- 8 -

�mit der Feststellung all jener wirtschaftlichen Faktoren beschäftigen, die die technologische Entwicklung beeinflussen und charakteristisch für die Veränderungsrate sind. In diesem Zusammenhang sollen
dabei die Einflüsse von Veränderungen auf die Güter- und Dienstleistungsnachfrage sowie auch auf die Beschäftigung - nach Industriezweigen und Tätigkeiten unterteilt - in. Vergangenheit und Zukunft ermittelt
werden. Statistische Analysen der wirtschaftlichen Determinanten und
über die Auswirkungen der Automation und der technologischen Veränderungen werden weiter fortgesetzt und darüber hinaus noch ausgeweitet
werden, wobei der Schwerpunkt bei Zukunftstrends liegen wird. Zu den
zu untersuchenden Faktoren gehören unter anderem: Forschungs- und Entwicklungsausgaben; .Kapitalbedarf; Kassenbestandsveränderungen; Arbeitsund andere Kosten; und Produktionskapazität.
Umfangreiche Studien bei einzelnen Unternehmen und Industriezweigen werden in solchen Branchen durchgeführt werden, die entweder ständig niedrige
oder ständig hohe Y.'achstumsraten aufweisen. Ziel dieser
Analysen ist es, die Beziehungen zwischen technologischen Veränderungen
und gegenläufigen Beschäftigungstrends und anderen Virtschaftsfaktoren
aufzuzeigen. Desgleichen sind Unternehmensgruppenuntersuchungen vorgesehen, um all jene Faktoren zu ermitteln, die die Verbreitungsrate technologischer Veränderungen beeinflussen und über die möglichen Auswirkungen auf die Beschäftigung Aufschluß geben. Auch sind Untersuchungen
über jene Faktoren beabsichtigt, die mit den Entscheidungen des Managements im Zusammenhang stehen, Investitionen in automatische Produktionsausrüstungen vorzunehmen. Besonderes Augenmerk wird hierbei auf die
Auswirkungen solcher Entscheidungen auf die Beschäftigungsstruktur gerichtet sein, wobei die gegenwärtig vom Stanford Research Institute
durchgeführten Analysen mit als Grundlage dienen werden.
Eine weitere Serie von Forschungen schließlich wird sich mit
solchen Fragen befassen wie Einfluß der Automation auf die einzelnen
Berufe, berufliche Qualifikationen der Arbeitnehmer, schulische und
berufliche Ausbildungsanforderungen,und Arbeitsbedingungen und Betriebsklima. Eingeschlossen hierin sind auch die Untersuchungen über die Auswirkung der Automation auf die innerbetrieblichen Beziehungen und die Maßnahmen, die von Management und Gewerkschaften getroffen wurden oder getroffen werden sollten, um die Einflüsse auf die Arbeitnehmer zu mildern.

(Aus "Report of the Secretary of Labor on Manpower Research and
Training", März 1964)
* * * * #

- 9-

�AI J. Hayes, I

n

der* der Maschinenbauerge\"er:-3C%- ft 'IAM):

Die Gewerkschaften und das öffentliche Interesse

Decken sich die gewerkschaftlichen Interessen weitgehend mit denen der Öffentlichkeit, oder verfolgen die Arbeitnehmerverbände ausschließlich eigene, engbegrenzte
und nicht dem Gemeinwohl dier ande Ziele?
Zu diesen Fragen nimmt der Präsident der
Maschinenbauergewerkschaft, AI J. Hayes,
in dem folgenden Artikel Stellung.

Zunächst ist festzustellen, daß die in Verhandlungen mit den
Unternehmern erzielten gewerkschaftlichen Erfolge nicht allein den
17 Millionen Gewerkschaftern und ihren Familienangehörigen zugute
kommen, sondern auch allen nicht organisierten Arbeitnehmern der
Betriebe, mit denen die Gewerkschaften Tarifverträge abgeschlossen
haben. Darüber hinaus lösen neue Vereinbarungen erfahrungsgemäß auch
Verbesserungen in bezug auf Gehalt, Urlaub, Pensions- sowie andere
Sozialleistungen zugunsten der Ingenieure, Techniker und Angehörigen
anderer Angestelltengruppen eines Betriebs aus.
Was aber liegt nun im öffentlichen Interesse? Auf Grund meiner
praktischen Erfahrungen wage ich die Definition, daß dem öffentlichen
Interesse dient, was für die Mehrheit von Vorteil ist, ohne daß es der
Minderheit schadet. Und es ist meine feste Überzeugung, daß die Erfolge,
das Handeln und die Ziele der amerikanischen Gewerkschaften einen Test
entsprechend dieser Definition standhalten. Natürlich haben die Gewerkschaften Fehler gemacht, was übrigens für alle übrigen Institutionen
unserer Gesellschaft ebenfalls gilt. Indes hat man den Gewerkschaften
daraus einen größeren Vorwurf gemacht als den anderen Gruppen, so etwa,
wenn man das wichtigste und nächstliegende Ziel aller Gewerkschaftspolitik, nämlich dem Arbeitnehmer einen angemessenen Anteil am Wohlstand
zu sichern, immer wieder heftig angegriffen hat. Demgegenüber muß festgehalten werden, daß dieses Ziel durchaus dem allgemeinen Interesse entspricht. Denn höhere Löhne bedeuten nicht nur höheren Lebensstandard
für mehr Menschen, sondern auch eine breitere Konsurabasis. Ohne gute
Löhne und Massenkaufkraft aber gäbe es keinen Markt für Güter der
Massenproduktion.
Sicherlich war die geographische Größe des Landes ein wesentlicher
Faktor für die Entwicklung der Massenproduktion in Amerika. Aber das
allein erklärt diese Entwicklung nicht. Denn sonst gehörten ja Indien
und China gewiß zu den hervorragendsten Wirtschaftsnationen. Ein wesentliches Element der Entwicklung ist vielmehr eine gut bezahlte Arbeiterschaft, die nicht nur in der Lage ist, zu produzieren, sondern auch zu
konsumieren. Mehr noch, die fortschreitende Lohnentwicklung bewirkte
auch eine dynamische Entwicklung der Technik in Amerika. Kurz, die
Politik der Gewerkschaften hat die Industrie dazu gebracht, die Arbeitskraft zu konservieren, sie in Verbindung mit neuen Maschinen, Verfahren
und Techniken so nutzbringend wie möglich einzusetzen.
Es
- 10 -

�Es gibt keinen automatischen Fortschritt, und es gäbe keine
Lohnerhöhung und keine Arbeitszeitverkürzung, wenn sie die Gewerkschaften nicht am Verhandlungstisch durchgesetzt hätten. Die Theorie
vom automatischen Portschritt hat sich nie deutlicher als falsch erwiesen als in jenen Jahren, da die Gewerkschaften den Kampf um die
Verkürzung der täglichen Arbeitszeit von 16 Stunden auf 10 und
schließlich 8 Stunden führten. Glücklicherweise haben sich die Gewerkschaften auch nie das Argument jener selbsternannten Anwälte
des öffentlichen Interesses zu eigen gemacht, demzufolge die Arbeitszeitverkürzung gegen das Allgemeinwohl gerichtet sei, die
Profitchancen zunicht mache, die Kosten steigere, die Harkte zerstöre, die Löhne verringere und die Arbeitnehmerschaft auf den Weg
des Müßiggangs, des Lasters und der Sünde führen werde. Das Ergebnis
der Gewerkschaftspolitik sieht anders aus: Die Ilehrheit des Volkes
- die Lohnempfänger - kam in den Genuß höherer Löhne und kürzerer
Arbeitszeit, während die Minderheit - Unternehmer, Aktionäre und die
investierende Schicht - eine Stabilisierung ihrer Profiterwartungen
de.für eintauschte.
Ebenfalls im Sinne des öffentlichen Interesses ist die Erkenntnis der Gewerkschaften, daß für das Wohlbefinden eines Arbeiters
nicht allein der Job ausschlaggebend ist, sondern daß Fragen des
Krankenschutzes, der sozialen Sicherheit, der Bildung, der angemessenen Wohnung, des Ruhestandes, die in den Bereich der Gesetzgebung gehören, eine ebenso bedeutende Rolle spielen. In Wahrung ihrer
eigenen Interessen, aber ebensosehr im Interesse des Allgemeinwohls
handelnd, haben die organisierten Arbeitnehmer Amerikas den Kampf für
folgende Ziele geführt:
kostenlose Grundschulbildung mit dem Ziel einer maximalen Bildung
der Bürger;
Verbot der Kinderarbeit, um die Kinder aus den Arbeitsstätten in
die Schulen zu bringen;
geregelte Ausbildung und vermehrte Möglichkeiten der Weiterbildung
im Beruf, um den wachsenden Bedarf der Industrie an Facharbeitern befriedigen zu können;
soziale Sicherheit, einschließlich der medizinischen Versorgung
alter Menschen, um den im Ruhestand lebenden Arbeitern die Angst vor
den Risiken des Alters zu nehmen;
eine allgemeine Ausweitung der Möglichkeiten der medizinischen
Versorgung, so daß alle Menschen in den Genuß schneller und angemessener Behandlung entsprechend ihren Bedürfnissen gelangen;
Unterstützung im Falle technologischer Arbeitslosigkeit, um die
Arbeiter gegen das Hauptrisiko einer sich schnell wandelnden Technik
zu schützen;
eine gesetzliche Regelung des Mindestlohns mit dem Ziel, Arbeitgeber und Arbeitnehmer vor den Folgen eines bedingungslosen Kampfes
um den Arbeitsplatz zu bewahren;
andere gesetzgeberische Maßnahmen zur Verbesserung des Krankheitsschutzes, der Bildung und Erziehung, der sozialen Sicherheit und der
allgemeinen Wohlfahrt.
Mit

- 11 -

�i.Iit der Durchsetzung dieser Ziele am Arbeitsplatz und in den
gesetzgebenden Körperschaften hat die Arbeiterbewegung auch ganz
entschieden im.Sinne des allgemeinen Interesses gehandelt.
(Quelle: Eigenbericht)
* * * * *

Gewerkschaftliehe Kurznachrichten
Vordringen der Negerinnen in höherqualifizierte Berufe
Dem Trend der farbigen männlichen Arbeitnehmer folgend,hat sich
in den vergangenen Jahren auch die Beschäftigungsstruktur für Negerinnen ganz beträchtlich gewandelt. Während Negerinnen früher fast
ausschließlich in ungelernten, keine speziellen geistigen und bildungsmäßigen Anforderungen stellenden Berufen tätig waren, sind sie
heute in praktisch allen Tätigkeitsbereichen anzutreffen. Dies ist in
erster Linie auf das steigende Bildungsniveau, aber auch auf die zunehmende Durchsetzung gleicher Berufschancen für Parbige zurückzuführen.
'jypisch für den sich hier abzeichnenden Wandel ist vor allem der
starke Rückgang der Zahl der weiblichen farbigen Arbeitskräfte in den
Haushaltsberufen - neben der Landwirtschaft und den Fabriken die einstige Domäne dieser Arbeitnehmerinnen. Wie aus einer Untersuchung des
US-Arbeitsministeriums, die unter dem Titel "Negro Y/omen Y/orkers in
1960" veröffentlicht wurde, hervorgeht, sank die Zahl der in privaten
Haushalten beschäftigten Negerinnen bis 1950 von 60 Prozent auf 41 Prozent der Gesamtbeschäftigtenziffer und zwischen 1950 und 1960 auf
36 Prozent ab. Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, daß sich in
dem Zeitraum von 1950 bis 1 96O die Gesamtzahl der werktätigen Negerinnen um 31 Prozent auf insgesamt 2,5 Hillionen erhöhte.
Dem starken Rückgang in den "traditionellen" Negerinnen-Berufen
steht eine kräftige Zunahme der Zahl von farbigen weiblichen Arbeitskräften in den akademischen, Angestellten- und Dienstleistungsberufen
(außer Haushalten) gegenüber. Nach dem Bericht erhöhte sich der Anteil
der Negerinnen an den Angestelltenberufen zwischen 1940 und 1950 von
1 Prozent auf 5 Prozent und bis i960 auf 9 Prozent, während in den
verschiedenen Dienstleistungszweigen zwischen 1940 und 1950 ein Anstieg von 10 auf 19 Prozent und bis 196O auf 21 Prozent zu verzeichnen
war.
Zu den anderen Wirtschaftszweigen und Institutionen, in denen eine
ständig wachsende Zahl von Negerinnen beschäftigt wird, gehören auch
das Bank- und Versicherungsgewerbe, der Einzelhandel, der öffentliche
Gesundheitsdienst und die öffentliche Verwaltung.
*
(Quelle: Eigenbericht)
lütgliederkurve zeigt wieder nach oben
Die Lütgliederkurve der amerikanischen Gewerkschaften, die seit 1957»
nach Erreichung eines absoluten Spitzenstandes von 17*5 Millionen, ständigen Schwankungen unterworfen war, zeigt seit 1961 wieder nach oben.
, Dies

- 12 -

�Dies seht aus einer Übersicht des US-Arbeitsministeriuns hervor, die
sich hauptsächlich auf Angaben der Gewerkschaften stützt und die
Jahre 1960-1962 umfaßt.
Die Zahl der in den nationalen und internationalen amerikanischen Gewerkschaften (mit Mitgliedern in anderen amerikanischen Ländern) organisierten Arbeitnehmer ging bekanntlich zwischen 1957 und
1961 um 1,2 Millionen auf 16,3 Millionen zurück. Uine kurze Trendumkehx gab es nur in den Jahren 1952/59» als 88 000 neue Mitglieder
gewonnen werden konnten. Der erneute Anstieg der Zahl der Gewerkschaftsmitglieder be ann dem Bericht zufolge Unde 1961 und setzte sich
auch 1962 fort. Die Zunahme um insgesamt 283 000 auf 16 586 000 ist
jedoch weitgehend auf einen Präsidialerlaß zurückzuführen, durch
den 1961 die llegierungsangestellten aufgefordert wurden, Arbeitnehmerorganisationen beizutreten. Insgesamt 155 000 Angestellte traten
seinerzeit einer Gewerkschaft bei.

('.„uelle: Eigenbericht)
* * * * *

- 13 -

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
USIS-Bonn/Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XVII -8/9

Bad Godesberg, den 1. September 1964
INHALTSVERZEICHNIS

Bezahlter Urlaub als Bestandteil von Kollektiv
vertragen

Seite 1

Die Rolle der Gewerkschaften in der modernen
Wirtschaft
"Haben Sie schon einen Job?"

Seite 5
Seite 10

Gewerkschaftliche Kurznachrichten

Seite 12

Robert B. Cooney:
Bezahlter Urlaub als Bestandteil von Kollektivverträgen
Der amerikanische Gewerkschafter ist dabei, eine neue Freiheit zu entdecken - den längeren bezahlten Urlaub.
Eine bemerkenswerte Illustration dieser neuen Freiheit von
der Arbeitsroutine bildet der 13-Wochen- oder sogenannte "Sabbat-Urlaub" (eine Bezeichnung, die dem jüdischen Brauch entlehnt
ist, nach sieben Jahren in der Felderbewirtschaftung jeweils eine einjährige Ruhepause eintreten zu lassen). Diese neue Regelung trat mit Beginn dieses Jahres für Angehörige der Stahlarbeitergewerkschaft in Kraft. Ähnliche Regelungen mit alle fünf
Jahre eingeschobenen verlängerten Urlaubsperioden erlangten davor schon in der Behälter- und Aluminiumindustrie, vor allem
aber in der Stahl- und stahlverarbeitenden Industrie Geltung.
Seit mehr als einem Jahrzehnt besteht ein starker Trend
zur Gewährung längerer bezahlter Urlaubsperioden. Der Drei- oder
Vierwochenurlaub für Belegschaftsangehörige mit langjähriger Betriebszugehörigkeit ist bereits eine Selbstverständlichkeit, und
für neu eingestellte Arbeiter hat man die Urlaubsregelungen liberalisiert und auch die Bestimmungen über die erforderliche
Dienstzeit ständig gelockert.
Die
- 1 -

�Die Pläne selbst sind unterschiedlich, aber sie sind Ausdruck
des aggressiven und pra
tischen Herangehens der :.:
ten
an die Probleme. Eine Art Richtschnur liefert der Vertrag, der unlängst von der Bauarbeitergewerkschaft in Milwaukee für 4500 ihrer
Mitglieder ausgehandelt wurde« Ei" sieht fünf Wochen Urlaub für Arbeiter mit 17jähriger Dienstzeit und sechs Wochen Urlaub für solche
J.t 20jähriger Dienstzeit vor. Ahnliche Vereinbarungen wurden mit
Brauereien in New fork und 5t. Louis schon früher ausgehandelt.
Der Trend zu verlängerten Urlaubszeiten hat die verschiedensten Ursachen. Zunächst: ei zunehmender Vertrautheit mit den Problemen der Freizeit nimmt auch das Verlangen nach noch mehr Freizi
zu. Die weite Verbreitung des Automobils und die ständige Ausdehnung
des Autobahnnetzes haben den Wunsch nach lungeren Urlaubszeiten als
Voraussetzung für weitere Urlaubsreisen entstehen lassen.
Die Aufnahmefähigkeit der Erholungsgebiete des Landes winde bis
zum'äußersten strapaziert. Ein zusammen.
ler Bericht der "Outdoor
Recreation Resources Review Commission" an den Präsidenten und den
Kongreß wies folgende Rekordbesucherzahlen in Erholungsgebieten des
Bundes für das Jahr 196O aus: egenüber 1950 meldete der "National
Park Service" eine Verdoppelung auf 12 Millionen Besucher, der "Forest
Service" eine Verdreifachung auf 93 Millionen, die "Tennessee Valley
Authority" eine Verdreifachung auf 42 Millionen, das "Corps of Engileers' Recreational Dams" eine Steigerung von 16 Millionen auf 106
Millionen. Auf Grund der Untersuchungen der Kommission schlug der verstorbene Präsident Kennedy eine nationale Erholungspolitik vor.
Durch die Verbilligung der Plugreisen sind auch entlegene Gebiete
der USA und sogar fremde Länder für den amerikanischen Arbeiter erreichbar geworden, sofern er über einen entsprechend langen bezahlten Urlaub verfügt. Eine Reihe von Gewerkschaften bietet seit Jahren Reisen
über die "American Travel Associati n", ein ge\
schaftseigenes Unternehmen •.. Die Zeitung der Stahlarbeitergewerkschaft hat speziell für
1 ^-'"Ochen-Urlaüber eine Gruppenreise durch sieben europäische Länder
angekündigt. Und die Gewerkschaft der Elektriker, Radio- und Maschinenmechaniker (IUE) organisiert im Rahmen ihres Programms "Verständigungsreise 1964" Reisen ihrer*Mitglieder nach Europa, Israel, Mexiko,
Hawaii und zur New lorker Veitausstellung.
Ferienreisen ins Ausland erfreuen sich besonderer Beliebtheit bei
den amerikanischen Arbeitern bieten sie den Werktätigen doch Gelegenheit, das Land ihrer Geburt, hier gebliebene Verwandte oder die Quellen ihres kulturellen und religiösen Erbes aufzusuchen. Die Gewerkschaften, die solche Auslandsreisen unterstützen, waren immer bestrebt,
dabei den Bildungseffekt zu betonen.
So erklärte lUE-Prasident James B. Carey: "In den letzten Jahren
haben Mitglieder von IUE-Reisegruppen Sitzungen des englischen Parlaments verfolgt und mit führenden Vertretern der britischen Labour Party
diskutiert. Sie sind durch den Louvre geschlendert, haben den Eiffelturm erstiegen und haben mit französischen Gewerkschaftsvertretern und
Politikern über die gegenseitigen Handelsbeziehungen diskutiert. S i 9

�Sie sind durch die Straßen Jerusalems und Nazareths gega:
,
haben mit Kibbuz-Farmern und Arbeitern in gewerkschaftseigenen
Fabrikationsstätten gesprochen. Sie haben auf der Tokioter Hauptgeschäftsstraße Einkäufe gemacht, Fabriken der Rundfunk- und Ferneräteindustrie besichtigt und über Importe, Zölle und vergleichende Lohnskalen mit Vertretern der aufstrebenden japanischen
Elektrikergewerkschaften debattiert."
Verlängerte Urlaubsperioden bieten älteren Arbeitern die Mo'
lichkeit, sich frühzeitig mit den Verhältnissen des Ruhestandsdaseins vertraut zu machen. Höhere Lebenserwartung und der wachsende Anteil der alten Menschen an der Bevölkerung - etwa 13 Millionen Amerikaner sind 65 Jahre alt oder älter - lassen den langen
Urlaub als willkommene Übergangsperiode erscheinen«
Nach Auffassung der Gewerkschaften wäre die Einführung längerer Urlaubsperioden außerdem ein konstruktiver Beitrag zur Vermehrung der Arbeitsplätze. Der in der Stahlindustrie verwirklichte
Plan ist das Resultat von Überlegungen des "Human Relations Committee", das von der Gewerkschaft und elf Stahlfirmen nach dem /16e-Streik im Jahre 1959 gebildet wurde, Es gehört zu den Funktionen des Ausschusses, unbeeinflußt von schwebenden Lohnverhandlungen
diese Fragen grundsätzlich zu diskutieren.
In diesem Falle hatten neue technische Erfindungen wie das
Sauerstoff-Gebläseverfahren die Produktivität der Stahlindustrie erhöht und zugleich den Bedarf an Arbeitskräften herabgesetzt. Um den
Arbeitern ein vorzeitiges Ausscheiden aus dem Arbeitsprozeß zu ermöglichen und damit Platz für entlassene Arbeiter zu schaffen, handelte die Stahlarbeitergewerkschaft 1962 mit den elf Stahlfirmen
einen Spar- und Urlaubsplan aus. 1963 kam ein Übereinkommen zustande,
in dem zusätzlicher Urlaub, der durch Beiträge jeder Firma in Höhe
von 12,5 Cent je Arbeitsstunde und Arbeitnehi •
.anziert wird,
vorgesehen ist. Der dafür jährlich aufzuwendende Betrag
Lrd auf,
100 Millionen Dollar geschätzt. Die obere Hälfte der Alterspyramide
der Belegschaft wird Seniorgruppe genannt. Diese Gruppe älterer
Arbeiter hat alle fünf Jahre Anspruch auf den auf 1J Wochen erweiterten Urlaub, worin der normale Urlaub enthalten ist.
Verträge mit zwei bedeutenden Konservendos
steuern räumen
die gleiohen Rechte Arbeitern ein, die 15 Jahre der Firma angehören.
In der Aluminiumindustrie gibt es einen zusätzlichen Erholungsurlaub
von 10 '..ochen Dauer für Arbeiter mit zwei- oder
DJ Istzeit; für weitere drei Wochen wird zusätzlicher Lohn gezahlt. Beide
Pläne unterscheiden eich von der in der S
en
R
Der Spar- und Urlaubsplan wird, so hofft die Gewerkschaft,
neue Arbeitsplätze Bchaffen, aber diese Wirkung kann man noch nicht
enau abschätzen. Die Anwendung des Plans enthüllte im übrigen
ein neues Problem: die Verwirrung oder die Langeweile, welche solche
Arbeiter überkam, die sich noch nie in ihrem Leben einer längeren
bezahlten Periode des Nichtstuns gegenüber sahen.
Lne Reihe

- 3 -

�Reihe von Stahlarbeitern durchaus fähig war, die Zeit für die Verwirklichung alter Wunschträume zu nutzen - nämlich zu reisen, Besichtigungen vorzunehmen, sich einem Hobby zu widmen, ein Wochenendhaus zu bauen -, war eine andere Gruppe von Arbeitnehmern nur
durch Anregung und Überredung zu bewegen, sich vom Einerlei der
jahrelangen Routine freizumachen.
Die besten Übersichten über die bestehenden Urlaubsklauseln
stammen aus dem amerikanischen Arbeitsininisterium. Das dem Ministerium unterstellende Bundesamt für Arbeitsstatistik führt regelmäßig
eine Analyse der wichtigsten Tarifverträge durch.
Der Bericht des Ministeriums aus dem Jahr 1 962 gibt einen
Überblick über 1698 Großtarifvertr;&gt;e (die jeweils mehr als 1 00 Arbeitnehmer umfassen) für insgesamt 7,4 Millionen Arbeiter, al-o et*
Vd d"&gt;e Half+e aller unter .' rifverträgen arbeitenden Personen.
Etwa 92 Prozent der 1693 Verträge schließen Bestimmungen über
bezahlten Urlaub ein. Verträge, die solche Regelungen nicht enthalten, sind vor allem in der Bauindustrie, also einer Saison-Industrie,
anzutreffen. Aber selbst in der Bauindustrie ist ein bemerkenswerter
Trend festzustellen: Von 167 abgeschlossenen Verträgen enthalten
26 Prozent Urlaubsregelungen; 1957 waren es nur 20 Prozent. Und in
vielen von diesen Verträgen sind Unternehmerbeiträge an einen zentralen' Urlaubsfonds vorgesehen - ein Verfahren, das auch in anderen
Saison-Industrien, etwa der Bekleidungsindustrie, oder in der Schiff"
fahrt angewandt wird. Die Auszahlungen richten sich entweder nach
der im Fonds vorhandenen Summe oder nach der Zahl der Arbeitete .
Die Grundkonzeption für die Ermittlung der Urlaubszeit - angewandt bei über 90 Prozent aller Pläne - ist der sog. Stufenplan, .der
den Urlaubsanspruch von der Beschäftigungsdauer abhängig macht. Ein
verschwindend geringer Teil der Verträge sieht zwei andere Verfahren
vor, und zwar einheitlichen Urlaub für alle sowie eine von der jährlichen Arbeitsdauer abhängige Regelung wie z.B. im Druckereigewerbe,
wo für je 16 Arbeitstage im vorausgegangenen Jahr ein Urlaubstag
gewährt wird, die Gesamturlaubszeit aber drei Wochen nicht überschreiten darf.
Eine Analyse der jüngsten Angaben, die die Forschungsabteilung
des GewerksohaftsVerbandes AFL-CIO durchgeführt hat, läßt den Trend
zu längerem Urlaub klar erkennen.
Noch 1952 betrug der Höchsturlaub bei 5° Prozent aller nach dem
Stufenverfahren getroffenen Urlaubsvereinbarungen zwei Wochen oder
weniger; 46 Prozent der Pläne wiesen drei oder dreieinhalb Wochen
als Maximum auf, 4 Prozent vier oder mehr Wochen* 1961 sahen 40 Prozent der Pläne drei oder dreieinhalb Wochen Urlaub und 43 Prozent
vier Wochen oder einen noch längeren Urlaub vor.
Nach 1961 wurden die UrlaubeheStimmungen weiter verbessert:
Der Vier-Wochen-Urlaub ist in der Mehrzahl der Vereinbarungen nunmehr enthalten, wie die AFD-CIO feststell'". Der Gewerkschaftsverband
wies darauf hin, daß 1957 noch 68 Prozent der auf der Stufenregelung

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�Stufenregelung basierenden Verträge eine 25jährige Berufstätigkeit
zur Vorbedingung für den Anspruch auf vierwöchigen Urlaub machten;
bis 1961 hatte sich dieser Prozentsatz auf 52 Prozent vermindert.
Und seit der Veröffentlichung von 1962 ist auch die erforderliche
Berufstätigkeitsdauer in der Fleischkonserven-, Backwaren- und
Papierindustrie von 25 Jahren auf 20 Jahre herabgesetzt worden. In
der Gumniibranche ist die Anspruchsberechtigungsgrenze auf 22 Jahre
festgelegt worden. Wie der Bericht von 1962 zeigt, gil± in 60 Prozent der Verträge bereits die Bestimmung, daß auch bei weniger als
15 Jahren Berufstätigkeit bereits Anspruch auf einen Tiindesturlaub
von drei V/ochen besteht. Neu eingestellte Kräfte sollten, wie der
\Trend erkennen läßt, bald einen Mindesturlaub von zwei Wochen erhalten.
Die APL-CIO stellte weitere bemerkenswerte Entwicklungen bezüglich der Urlaubsgewährung fest:
Urlaubsgeld wird in der Regel so bemessen, daß es dem normalen
Lohn des Arbeitnehmers entspricht; das bedeutet, daß Anreizlohn,
Schichtausgleichslohn und Zeitlohn sowie Überstunden berücksichtigt
werden.
Bezahlter Urlaub stellt erworbenes Recht dar, das abgegolten
werden kann, wenn es nicht in Anspruch genommen wurde, oder das auf
die Angehörigen eines Arbeiters bei dessen Tod übergehen kann.
Neu eingestellte Arbeitnehmer erhalten während ihres ersten Arbeitsjahres in der Regel Urlaub, und zwar meistens eine Woche oder
mehrere Tage nach halbjähriger Beschäi'tigungsdauer.

(quelle: Eigenbericht)
* * * * *

Die Rolle der Gewerkschaften in der modernen Wirtschaft
Vorausschauendes Planen ist eine wesentliche Voraussetzung für
die Gewährleistung von Vollbeschäftigung, 'höheren Lebensstandard und
eine bestmögliche Hilfeleistung an Entwicklungsländer. Zu dieser gemeinsamen Auffassung gelangten führende Gewerkschaftsvertreter aus
Großbritannien, Kanada und den Vereinigten Staaten im Verlauf von Gesprächen im Rahmen der zweiten Ditchley-Konferenz (Bitchley Park, England ).
In der Präge der nationalen Einkommenspolitik vertraten die Konferenzteilnehmer die Auffassung, daß eine solche Politik nur unter
Berücksichtigung aller eingeschlossenen wirtschaftlichen Faktoren entwickelt werden könne, daß es jedenfalls falsch wäre, diese Frage isoliert zu betrachten.
Die

- 5-

�Die Konferenz stand unter der Leitung von Lord V,rilliamson,
dem früheren Vorsitzenden des britischen Gewerkschaftskongresses
(TUC) und derzeitigen Generalsekretär der Gewerkschaft der Kommunalarbeiter» An der Konferenz nahmen Vertreter des britischen
Gewerkschaftskongresses, des Amerikanischen Gewerkschaftsverbandes AFL-CIO sowie des Kanadischen Gewerkschaftskongresses (JLC)
teil.
Die Beschlüsse der Konferenz zu Planungs- und Einkommensfragen
wurden in zwei Dokumenten veröffentlicht.
Dokument A: Beteiligung an Planung und praktischer Durchführung der
'•;' i rt s chaf t s po li t ik
M i t g l i e d e r d e r G e w e r k s c h a f t s b e w e g u n g e n d e r drei t e i l n e h m e n d e n
L ä n d e r e r z i e l t e n E i n i g u n g d a r ü b e r , d a ß die g r o ß e n Z i e l e d e r V o l l b e schäftigung, der Anhebung des Lebensstandards und der Verbesserung
d e r L e b e n s b e d i n g u n g e n s o w i e e i n e s H ö c h s t m a ß e s an w i r t s c h a f t l i c h e r
H i l f e f ü r d i e E n t w i c k l u n g s l ä n d e r k e i n e s f a l l s dem S p i e l d e r a u f d e m
Markt herrschenden Kräfte überlassen bleiben dürfen.
V i e l m e h r sind p l a n e r i s c h e M a ß n a h m e n v o n n ö t e n , u m d i e s e Z i e l e
zu e r r e i c h e n . D i e P l a n u n g m u ß d e m W e s e n n a c h d e m d e m o k r a t i s c h e n

Prozeß der Überzeugung statt des Zwanges folgen und muß die Mitwirkung der Gewerkschaften als konstituierende Mitglieder einschließen.
Ohne Beteiligung der Gewerkschaften ist der Planungsprozeß undemokratisch und unrealistisch.
Die Annahme des Prinzips der wirtschaftlichen Planung wird
neue Belastungen und neue Verantwortung für die Gewerkschaften mit
sich bringen. So werden die Gewerkschaften in einer geplanten dauerhaften Vollbeschäftigungswirtschaft sicherlich ein weitaus größeres
Maß an Selbstdisziplin aufbringen müssen. Außerdem werden sie mehr
Verantwortung in der Ausbildung und Umschulung von Arbeitern übernehmen sowie entsprechend vorgebildetes Personal bereithalten müssen, das in der Lage ist, an planerischen Maßnahmen aktiv mitzuarbeiten.
Alle drei Gewerkschaftsverbände stimm en darin überein, daß die
Steuer- und Geldpolitik die allgemeine Nachfrage auf einem Kiveau
halten muß, das die Vollbeschäftigung in den betreffenden Volkswirtschaften garantiert. Unterschiede in der historischen Entwicklung«
in den Hilfsquellen und in den Institutionen bedingen, daß die drei
Gewerkschaftsverbände unterschiedliche Auffassungen bezüglich des
Grads und der Methoden wirtschaftlicher Planung vertreten.
Britischer Gewerkschaftsverband TUC:
Die sozialistische Tradition der britischen Gewerkschaftsbewegung und die besonderen wirtschaftlichen Verhältnisse Großbritanniens lassen es verständlich erscheinen, daß der britische Gewerkschaftsverband (TUC) ein höheres Maß an wirtschaftlicher Planung
befürwortet als die beiden anderen Gewerkschaftsverbände.
«
Die

- 6 -

�Die Sicherung gesunder wirtschaftlicher Verhältnisse und
eines hohen Lebensstandards hängt weitgehend von LJrfolg des britischen Exporthandels ah. Der Verband glaubt, daß eine progressive
Steuer- und Geldpolitik zwar notwendig, aber allein nicht ausreichend ist, um Produktivitätssteigerungsraten zu erreichen, die die
Erhaltung der Wettbewerbsfähigkeit des Landes auf dem Weltmarkt
gewährleisten. Bei fortdauerndem Interesse an einer angemessenen
Verteilung des Sozialprodukts befaßt sich der Verband in wachsendem Haße mit den Möglichkeiten der wirtschaftlichen Expansion, die
man am ehesten durch die Kombinierung von Vollbeschäftigung und
höheren Produktivitätsraten für erreichbar hält.
Der britische Gewerkschaftsverband setzt sich für eine bessere
Aufteilung der verfügbaren Hilfsquellen ein und ist auch Mitglied
des Nationalrates für Wirtschaftliche Entwicklung (NEDC). Der Verband ist sich der damit verbundenen Verpflichtungen bewußt. Er gibt
z.B. Empfehlungen über benötigte Investitionssummen, Arbeitskräftebedarf je Industriezweig usw. heraus. Er ist der Auffassung, daß
Industrieplanung in diesem Stil notwendig ist, um eine ausgewogene
Expansion entsprechend den Erfordernissen Großbritanniens zu erreichen.
Der Gewerkschaftsverband vertritt die Auffassung, daß die zentrale Planungsbehörde, der NEDC, einen unabhängigen Status und einen
eigenen Stab besitzen muß, wenn er in der Lage sein soll, sinnvolle
Empfehlungen an Regierung und Industrie abzugeben.
APL-CIO:
Der amerikanische Gewerksch^ftsverband APL-CIO unterstützt das
Beschäftigungsgesetz aus dem Jahre 1946 (lümployment Act), das den Rahmen für die wirtschaftspolitische Betätigung in den Vereinigten Staaten absteckt. So hat der Verband den Beirat des Präsidenten für Wirtschaftsfragen, der unter diesem Gesetz gebildet wurde, mit Nachdruck
aufgefordert, detailliertere jährliche Voraussagen über die Beschäftigungslage in der amerikanischen Wirtschaft zu machen und über geplante Maßnahmen zur Erreichung der Vollbeschäftigung zu berichten.
Die APL-CIO hat außerdem die Einrichtung einer neuen Planungsbehörde
gefordert, die mit der Ermittlung der Hilfsquellen sowie des Bedarfs
der Nation beauftragt werden soll, damit eine sinnvolle Verwendung
gewährleistet ist. Gewerkschaften, Arbeitgeber und Vertreter der
Farmer sollen an der Arbeit dieser neuen Behörde beteiligt werden.
Nach dem zweiten Veitkrieg erfreute sich die amerikanische Wirtschaft durchgehend einer Rekord-Arbeitsproduktivitätsrate in der Industrie. Dies hat dazu beigetragen, daß die Vereinigten Staaten eine
starke Position auf den Weltmärkten (im Gegensatz zur Position Großbritanniens) behaupten konnten, wie der ständige jährliche Überschuß
im Außenhandel beweist.
Während des vergangenen Jahrzehnts haben sich die Vereinigten
Staaten jedoch nicht in vollem Umfang der Vorteile zu bedienen gewußt, die mit der wachsenden Produktivität und der wachsenden Zahl
der Arbeitskräfte verbunden sind. Die Folge: das Land hinkt beträchtlich hinter seiner wirtschaftlichen Kapazität her.
Um

- 7-

�Um diesen Zustand der unzureichenden Ausnutzung des Potentials
zu beenden, legt die AFL-CIO größten Nachdruck auf die Anwendung
energischer steuerpolitischer Maßnahmen« Vo • allem verweist sie
dabei auf die Möglichkeiten, die in einer verbesserten Steuerpolitik zur Stärkung der Kaufkraft der unteren und mittleren Einkommensschichten liegen. Außerdem wird die Ausweitung des staatlichen Bereichs der Wirtschaft einschließlich des Bauwesens und sozialer
Hilfsprogramme befürwortet.
l.'ährend die AFL-CIO einerseits mit Nachdruck fiskalische Maßnahmen zur Sicherung der Vollbeschäftigung fordert, wird andererseits
nicht übersehen, daß die Nation mitten in einem technischen Wandel
steht, der zu wirtschaftlicher Rückstandigkeit in vielen Teilen des
Landes führt und Industriezweige wirtschaftlich veralten und einige
Berufe aussterben lassen wird. Der Gewerkschaftsverband ist Mitglied
einer Reihe von Behörden, die für die wirtschaftliche Neustrukturierung rückständiger Gebiete und die Ausarbeitung wirksamer Arbeitsbeschaffungsprogramme verantwortlich sind. Die APL-CIO befürwortet
darüber hinaus die Errichtung einer ständigen Kommission zum Studium
der Polgen des technischen './andeis, einschließlich einer möglichen
Verkürzung der Arbeitszeit.
Die APL-CIO identifiziert sich zwar nicht mit irgendeiner politischen Partei, wie es der britische (TUC) und der kanadische Gewerkschaftsverband (CLC) tun. Nichtsdestoweniger setzt der amerikanische
Gewerkschaftsverband seine Mittel ein, um die Politik der amerikanischen Regierung im Sinne seiner Ziele zu beeinflussen.
Canadian Labour Congress:
Der kanadische Gewerkschaftsverband hat sich voll und ganz dem
Prinzip der Planung verschrieben. Dabei geht der Gewerkschaftsverband davon aus, daß Kanadas Situation durch Elemente der britischen
und der amerikanischen Volkswirtschaft charakterisiert ist.
Ähnlich wie der TUC ist der CLC davon überzeugt, daß es erforderlich ist, sich direkt mit einem politischen Instrument zu verbinden.
Aber die kanadische Wirtschaft weist auch eine Reihe von eigenständigen Zügen auf. Dazu gehört insbesondere die Tatsache, daß in
der kanadischen Wirtschaft in starkem Hafie amerikanisches Geld investiert ist. Der CLC glaubt, daß die wirksame Kontrolle dieses
Kapitals eine wesentliche Voraussetzung jeder kanadischen Wirtschaftsplanung ist.
Seit einigen Jahren gehört Arbeitslosigkeit zu den ernsten Problemen der kanadischen Wirtschaft, und sie lieferte auch primär das
Motiv für die weitverbreitete Bereitschaft, die Notwendigkeit wirtschaftlicher Planung anzuerkennen. Zugleich muß der ^xportbedarf Kanadas einschließlich einer mit Kachdruck betriebenen Expansion des Fertigwarenexports bei der Planung der Vollbeschäftigung und des wachsenden Lebensstandards sorgfältig beobachtet werden.
Um

- 8 -

�Um diese Ziele zu erreichen und um ein dauerhaftes wirtschaftliches Wachstum zu sichern, hat sich der CLC voll und ganz
in die Arbeit des Kanadischen Wirtschaftsrates eingeschaltet. Der
Wirtschaftsrat erteilt der Regierung Ratschläge und Empfehlungen
in allen wirtschaftspolitischen Fragen. Steuer- und geldpolitische Maßnahmen, die Kapitalschöpfung und die Kanalisierung der
Ivlittel, das Verhältnis der privaten Investitionen zu denen der
öffentlichen Hand, der Investitionsbedarf der einzelnen Industriezweige, wirtschaftliche Stimulationsmaßnahmen, die Bedeutung und
der Grad von TransferZahlungen, die Verbesserung der Arbeitsmarktpolitik und der Ausbildung, die Sicherung guter Arbeitsverhältnisse in den Betrieben und andere verwandte 'Aspekte der Wirtschaftspolitik gehören zu den Beratungsgegenständen des Wirtschaftsrates.
Schlußbemerkungen:
Die drei Spitzenverbände vertreten die Auffassung, daß in
zunehmendem Maße das Mittel demokratischer Wirtschaftsplanung angewandt werden muß, um ein ausgewogenes wirtschaftliches Wachstum
und damit die gesellschaftspolitischen Ziele zu erreichen. Die Konferenz hat bei allen Teilnehmern zu einem besseren Verständnis für
die Haltung anderer gewerkschaftlicher Spitzenverbände in der Frage
der Wirtschaftsplanung geführt.
Dokument B: Nationale Einkommenspolitik
Bei der Behandlung der Frage, welche Politik in der Einkommensfrage verfolgt werden soll, traten zwar unterschiedliche Auffassungen
zutage, trotzdem gelang es, in einer Reihe von Punkten Übereinstimmung
zu erzielen.
1. Die Einkommenspolitik kann nicht isoliert von Kosten, Preisen
und Profit, Investitionen, Dividendenausschüttung und einer allumfassenden Politik der Vollbeschäftigung, herbeigeführt durch planerische
Maßnahmen, betrachtet werden. Einseitig formulierte sogenannte Leitlinien sind unannehmbar.
2. Eine solche Politik muß mit der vollem Mobilisierung aller
nationalen wirtschaftlichen und menschlichen Hilfsquellen verbunden
sein, nicht mit einem Restriktionsprogramra.
3« Ziel der Planung muß sein, schnelleres wirtschaftliches Waohstum über eine schnellere Einkommenssteigerung herbeizuführen.
4« Zugleich wird anerkannt, daß ein exzessives Ansteigen der
Profite und Preise das Programm des geplanten Wachstums unterminieren
und daß eine sinnvolle Preis- und Einkommenspolitik nur dann Erfolg
haben kann, wenn alle Betroffenen davon überzeugt sind, daß nicht
einzelne Gruppen der Gemeinschaft auf Kosten anderer Vorteile erlangen dürfen.
5« Die Mitarbeit der Gewerkschaften auf dieser Basis ist eine
wesentliche Voraussetzung für eine erfolgreiche Planung des wirtschaftlichen Wachstums. Kur durch diese Mittel kann der Lebensstandard

- 9-

�Lebensstandard der Gemeinschaft verbessert und Vollbeschäftigung
gesichert werden.
6. Eine starke und lebensfähige Gewerkschaftsbewegung, die eine
dynamische Politik fortgesetzter Expansion verfolgt, ist für die
Durchsetzung dieser Ziele unentbehrlich.

(Quelle: Eigenbericht)
* * * * *

"Haben Sie schon einen Job?"
"Brauchen S\e einen Job?" Unter dieser Rubrik findet man in den
amerikanischen Universitätszeitschriften laufend Hinweise darauf,
wann und wo auf dem Universitätsgelände welches Wirtschaftsunternehmen Gespräche mit den angehenden Akademikern über eine mögliche spätere Beschäftigung führen wird.
Die jungen amerikanischen Akademiker, ja selbst schon die Studenten der letzten Semester, werden heute von Industrie und Wirtschaft,
nach allen Regeln der Kunst hofiert. Der große Ilangel an jungen Wissenschaftlern zwingt die Firmen, sich rechtzeitig hochqualifizierte
Nachwuchskräfte zu sichern und dabei schneller zu sein als die Konkurrenz. Wie umworben der amerikanische Student ist, mag allein schon die
Tatsache demonstrieren, daß im vergangenen Jahr an der Universität von
Pennsylvanien z.B. sich insgesamt 677 Personalchefs oder Einstellungskommissionen der Wirtschaft und der Regierung die Tür in die Hand gaben und über 8000 Interviews mit rund 1000 Studenten durchführten.
Allgemein werden diese Einstellungsgespräche in den Räumen des Vermittlungsbüros der Universität geführt, das auch die Interviews arrangiert und den Studenten mit Rat und Tat zur Seite steht.
Diese Stellenvermittlungsbüros gibt es heute fast an allen amerikanischen Universitäten. Die Erfahrung hat gezeigt, daß der junge
Akademiker doch noch ziemlich hilflos ist, wenn es darum geht,wichtige
berufliche Entscheidungen fürs Leben zu treffen und Anstellungaverträge
auszuhandeln, die seinen Interessen ebenso entsprechen wie denen seines
künftigen Arbeitgebers.
Seit dem Jahre 1957 sind diese Vermittlungsbüros der amerikanischen Universitäten unter einer koordinierenden Dachorganisation, dem
sogenannten "College Placement Council", zusammengeschlossen, deren
Hauptaufgabe darin besteht, allgemein verbindliche Richtlinien auszuarbeiten, um die Vermittlung junger Akademiker in geordnete Bahnen
zu lenken und damit Auswüchse zu vermeiden. In 8 Regionalverbänden

- 10 -

�Regionalverbänden gegliedert, gehören ihr heute mehr als 1000
Universitäten in den USA und in Kanada sowie rund 2000 Wirtschaftsunternehmen an.
Ein gutes Beispiel für die vielseitige praktische Arbeit dieser Vermittlungsbüros ist die Iowa State University, die bereits
auf eine langjährige Erfahrung zurückblicken kann.
Schon mit Semesterbeginn setzt hier ihre beratende und aufklä- .
rende Tätigkeit ein. Broschüren über Berufswege, Verdienstmöglichkeiten und alle anderen interessierenden Fragen werden ausgegeben,
ein Terminkalender für entsprechende informatorische Zusammenkünfte
wird veröffentlicht, die Möglichkeiten zur persönlichen Beratung
der Studenten bekanntgegeben und ein "Stellenanzeiger", der die
offenen Stellen in 1750 Unternehmen enthält, an die angehenden Absolventen verteilt.
Die Beratung der Studenten erstreckt sich praktisch auf alle
Fragen, die für einen erfolgreichen Eintritt ins Berufsleben von Bedeutung sind, wie Führung eines Interviews, Schreiben von Bewerbun^sbriefen, Zusammenstellen von Zeugnissen und Urkunden, Ausfüllen spezieller Fragebogen; aber auch Kleidungs- und Forrafragen werden in
diesbezüglichen Referaten behandelt.
Die Studenten sind also in jeder Beziehung gut vorbereitet,
wenn die "'tferber" der großen Firmen kommen, um sie als Kachwuchskräfte zu engagieren. Die meisten Unternehmen ziehen es dabei vor,
zuerst einen großen Kreis von Studenten mit der Struktur ihres Betriebs bekannt zu machen sowie die dort bestehenden beruflichen Möglichkeiten und Entwicklungschancen aufzuzeigen, ehe sie in Einzelinterviews ihre Angebote konkretisieren.
Den angehenden Lehrern und Universitätsdozenten steht in den
USA eine besondere Stellenvermittlungsorganisation (Association for
School, College and University Staffing) zur Verfügung, die 250 von
den führenden Colleges und Universitäten des Landes zu Mitgliedern
hat. Rund 75 Prozent aller Volks- und Oberschullehrer und mehr als
80 Prozent aller Doktoranden, die ins Lehrfach gehen wollen, werden
jährlich an den Colleges und Universitäten ausgebildet, die diesem
Verband angehören.
Die Stellenvermittlung geschieht hier im nationalen Rahmen, so
daß die Lehramtskandidaten, die sich beim Vermittlungsbüro ihrer
Universität registrieren lassen, ein Lehramt in praktisch allen
Bundesstaaten erhalten können. Die beim Vermittlungsbüro eingehenden Hinweise auf offene Stellen an Schulen und Universitäten werden
eingehend geprüft, nach Fachgebieten und geforderten Qualifikationen geordnet und die für das ausgeschriebene Lehramt in Frage kommenden Studenten auf eine Nominierungsliste gesetzt.
V/enn auch die Praxis der offiziellen Stellenvermittlung über
die Büros der Universitäten sich als außerordentlich erfolgreich erwiesen hat und ihre Dienste von immer mehr Studenten in Anspruch genommen werden, so gibt es für den amerikanischen Studenten von heute

- 11 -

�heute doch noch zahlreiche andere Möglichkeiten, um Kontakt zu
Firmen aufzunehmen und sich ein Bild über die Arbeitsbedingungen
und beruflichen Erfolgsaussichten zu machen. Eine gute Gelegenheit hierzu bietet die praktische Arbeit während der Semesterferien, die nicht nur durch die Industrie- und Wirtschaftsunternehmen, sondern auch von Regierungsdienststellen in jeder Hinsicht
gefördert wird« Die große Zahl der "Werkstudenten" in jedem Sommer
beweist, daß Amerikas Studenten, bevor sie einen Arbeitskontrakt
abschließen, sich gerne erst mit eigenen Augen von dem überzeugen
wollen, was ihnen von den "Werbern" an den Universitäten oft in
den rosigsten Farben ausgemalt worden ist.
Natürlich gibt es auch noch den guten alten Weg, sich einen
Arbeitsplatz zu verschaffen, und viele Studenten folgen noch immer
dieser alten Tradition. Mit Zeugnissen und Referenzen unter dem
Arm klopfen sie an die Tür des Personalchefs und fragen nach dem
üblichen How do you do?: "Wie sieht es bei Ihnen mit einem Job für
mich aus?"
(Quelle: Eigenbericht)
* * * * *

Gewerkschaftliche Kurznachrichten
Gesamtvermögen der privaten Wohlfahrtsf onds
gestiegen

auf 66 Mrd. Dollar

Der Vermögensstand der über 120 000 melde- und offenlegungspflichtigen privaten amerikanischen Wohlfahrts- und Pensionsfonds
bei?ef sich Ende vorigen Jahres nach einer Aufstellung des US-Arbeitsministeriums auf rund 66 Krd. Dollar, während die Fondsreserven der staatlichen Altersversorgung 1963 einen Stand von 40,0 Lird.
Dollar und die der staatlichen Hinterbliebenen- und Invaliditätsversicherung 20,0 Lird. Dollar erreichten. Bei Beibehaltung der derzeitigen jährlichen Wachstumsrate dürften die privaten Sozialfonds
bis zum Jahre 1970 über Reserven in Höhe von 100 Mrd. Dollar verfügen.
Von den rund 70 Millionen amerikanischen Arbeitnehmern kommen
der gleichen Übersicht zufolge gegenwärtig über 22 Millionen in den
Genuß zusätzlicher Sozialleistungen (bei Krankheit, Krankenhausaufenthalt, Operation, Unfall, Arbeitslosigkeit, Invalidität), die in
den meisten Fällen auch die Familienangehörigen der Versicherten
mit einschließen.
Wie aus der Übersicht weiter hervorgeht, sehen zwei Drittel
aller Wohlfahrtspläne Leistungen bei Krankenhausbehandlung, drei
Fünftel Leistungen bei Operationen oder Tod des Versicherten und

- 12 -

�und die Hälfte eine allgemeine Krankenversicherung vor. Zu den
anderen, weniger stark vertretenen Leistungen der privaten Wohlfahrtspläne zählen die Hinterbliebenenbeihilfen sowie Invalidenund Krankengelder. Fast in allen Plänen enthalten sind dagegen
Altersversicherungsleistungen. Auch Sterbegelder (4/5 aller Pläne)
und Versorgungsbeihilfen bei Vorliegen einer Vollinvalidität
(3/4 aller Pläne) gehören mit zu den häufigsten Leistungen.
Wenn sich auch die privaten Wohlfahrts- und Sozialpläne in den
vergangenen Jahren in praktisch allen Wirtschaftszweigen und in
allen Teilen des Landes mehr und mehr durchsetzen konnten, so ergaben sich doch die stärksten Zunahmen und die größten Leistungsverbesserungen in der Industrie und in Großstädten. In den kleineren
Gemeinden und Städten dagegen haben die privaten Sozialpläne genauso wie in den gewerkschaftlich relativ schwach organisierten Wirtschaftszweigen (Einzelhandel, Dienstleistungsindustrien) bislang
noch nicht recht Fuß fassen können. In den Haushalts- und in Landarbeiterberufen sind sie praktisch überhaupt nicht anzutreffen.
(Quelle: Eigenbericht)
*

Neuer Arbeitsvertrag bei Chrysler
Als erster der"Großen Drei" der amerikanischen Aufcomobilindustrie hat die "Chrysler Corporation" Anfang September einen neuen
Tarifvertrag mit der Vereinigten Automobilarbeitergewerkschait (UAW)
abgeschlossen. Der neue Dreijahresvertrag bringt den Arbeitnehmern
dieses Unternehmens neben einer Herabsetzung der Pensionierungsgrenze
bei beträchtlich erhöhten Pensionslei stungen eine erheblich« Verbesse
rung der Arbeitsbedingungen, mehr Urlaub und mehr bezahlte Feiertage
sowie Lohnerhöhungen zwischen 14 und 24 Cent pro Stunde.
Der neue Arbeitsvertrag, der als Modell für die noch auezuhandelnden Verträge mit General Hotors, Ford sowie den übrigen Betrieben der Autoindustrie gilt, sei, wie UAW-Prüsident WalterBReuther
betonte, das bedeutendste derartige Abkommen in der Geschichte der
Gewerkschaftsbewegung. Es beweise, daß freie Gewerkschaften und freie
Arbeitgeber erfolgreiche Kollektivverhandlungen führen können. Der
Vizepräsident der Chrysler Corporation, John D. Leary, bezeichnete
die neue Übereinkunft als fair für alle Betroffenen - die Aktionäre,
die Arbeitnehmer und die Öffentlichkeit.
Der neue Vertrag, der vorerst nur für die 74 000 Arbeiter der
Chrysler-Werke gilt und erst kurz vor dem angekündigten Streikbeginn bekanntgegeben wurde, sieht eine Erhöhung des Pensionsgrundbetrags von monatlich 2,80 Dollar auf 4,25 Dollar für jedes abgeleistete Dienstjähr bis zu maximal 30 Jahren.vor. Die sich so ergebende Pension von 127*50 Dollar soll aus einem von-den beiden Sozial-

- 13 -

�Sozialpartnern errichteten Fonds auf bis zu 400 Dollar im Monat
aufgestockt werden. Die auf diese V/eise aufgestockte Pension soll
bis zum 65» Lebensjahr gezahlt werden. Danach soll - neben der dann
einsetzenden Rente aus der staatlichen Sozialversicherung - lediglich die Grundrente von 127»50 Dollar gezahlt werden.
Der leitende Vertreter der UAW bei Chrysler, Douglas Fräser,
betonte, daß die Arbeiter durch den neuen Arbeitsvertrag ermutigt
werden sollten, sich bereits mit 60 Jahren pensionieren zu lassen.
Auch schon im Alter von 55 «Jahren sei eine Pensionierung möglich.
Der Arbeiter könne dann an Pensionsbezügen bis zu JO Prozent seines
Grundlohns erhalten. Die durchschnittliche Pension für einen Arbeiter, der sich nach ^Ojähriger Betriebszugehörigkeit mit 60 Jahren
pen;Monieren lasse, belaufe sich auf etwa 381 Dollar im Llonat.
Auch für die rund 14 000 bereits pensionierten Arbeiter der
Chrysler-Werke sieht der neue Arbeitsvertrag eine Aufbesserung der
Bezüge vor. So wird die Gesellschaft für diese Arbeiter die gesamten Kosten für Krankenhaus- und Krankenversicherung tragen. Als weitere wichtige Bestimmung sieht der neue Vertrag neben der normalen
Mittagspause eine Verlängerung der sonstigen Arbeitspausen für die
am Fließband beschäftigten Arbeiter um 50 Prozent, und zwar von
bisher 24 Minuten auf nunmehr 36 Minuten pro Arbeitstag vor. Ferner
werden die Grundlöhne um 14 bis 24 Cent pro Stunde angehoben, die
Zahl der bezahlten Feiertage wird um zwei auf neun pro Jahr und der
Jahresurlaub um eine V/oche auf drei Wochen erhöht. Außerdem wird
die Hinterb lieb enenver .- orgung verbessert.
(Quelle: Eigenbericht)
* * * * *

- 14 -

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
USIS-Bonn/Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XVII - 10

Bad Godesberg, den 1. Oktober 1964
INHALTSVERZEICHNIS

Die Mitgliederbewegungen der amerikanischen
Gewerkschaften
Die Gewerkschaften und das höhere Bildungswesen (i)

Seite 1
Seite 14

Die Mitgliederbewegungen der amerikanischen Gewerkschaften
Die Untersuchungsergebnisse in Kürze
Die Gesamtmitgliederzahl aller nationalen ' und internationalen^ Gewerkschaften der USA ist nach der jüngsten Erhebung des
"Amtes für Arbeitsstatistik" des US-Arbeitsministeriums zwischen
i960 und 1962 um 487 000 zurückgegangen. Damit hat sich der rückläufige Trend, der nach der stetigen Zunahme der Mitgliederzahl
seit den dreißiger Jahren von 1956 an festzustellen ist, weiter
fortgesetzt. Er hat bisher insgesamt einen Verlust von 847 000
Mitgliedern gebracht. Der Hauptanteil entfällt dabei auf die Fertigungsindustrie, wo die Gesamtbeschäftigtenzahl in einzelnen Industriezweigen während der vergangenen Jahre stark abgenommen
hat; dennoch läßt sich der Mitgliederschwund auf keinen Einzelfaktor zurückführen. Der geringe Anstieg der Mitgliederzahl zwischen
1961 und 1962 könnte jedoch auf eine Trendumkehr hindeuten.
Während die Zahl der gewerkschaftlich organisierten Arbeitnehmer in der Privatindustrie zwischen 1960 und 1962 allgemein
zurückging, nahm sie im öffentlichen Dienst beträchtlich (um
154 000) zu, was in erster Linie auf den 1962 veröffentlichten
Präsidialerlaß zurückzuführen ist, in dem das Koalitionsrecht der
öffentlichen Bediensteten ausdrücklich anerkannt wurde und die
Beamten und Angestellten zum Gewerkschaftsbeitritt ermutigt
wurden.
Im

l Tätigkeit nur auf die USA beschränkt
' Mit Mitgliedern in anderen amerikanischen Staaten,
vor allem in Kanada
- 1-

�Im Jahre 1962 betrug die Gesamtmitgliederzahl aller 181 nationalen und internationalen amerikanischen Gewerkschaften 17»6 Millionen. In dieser Ziffer eingeschlossen sind rund 1 Million kanadische
Gewerkschaftsmitglieder. Von diesen 17»6 Millionen Mitgliedern gehörten 14*8 Millionen (- 237 000) Gewerkschaften an, die im Verband der
AFL-CIO zusammengeschlossen sind, während 2,8 Millionen (- 250 000)
unabhängigen Gewerkschaften angehörten.
Von den 181 Gewerkschaften wiederum waren 130, die rund 84 Prozent
aller Mitglieder auf sich vereinigten, der AFL-CIO angeschlossen. Dieser Anteil war seit dem Ausschluß der Transportarbeitergewerkschaft
(Teamsters) sowie zweier kleinerer Arbeitnehmerverbände im Jahre 1957
praktisch konstant geblieben. Die Zahl der Ortsverbände der AFL-CIOGewerkschaften belief sich im Zeitpunkt der Erhebung auf insgesamt
62 000, die der Ortsverbände unabhängiger Gewerkschaften auf rund
12 000. Etwa 465O "local unions" hatten ihren Sitz außerhalb der Vereinigten Staaten, davon allein 4400 in Kanada.
Auch die Mitgliederstruktur hat sich im Vergleich zur letzten
Erhebung (i960) nur unwesentlich verändert. Die Zahl der weiblichen
Gewerkschaftsmitglieder ging um rund 53 000 auf 5 272 000 zurück, die
der organisierten Angestellten stieg um 93 000 auf 2 285 000 an. Trotz
des nicht unerheblichen Rückgangs der Zahl der gewerkschaftlich organisierten Arbeitnehmer in der Privatwirtschaft blieb das Mitgliederverhältnis zwischen Fertigungsindustrie und den anderen Wirtschaftszweigen praktisch ausgeglichen. Die Masse der organisierten Arbeitnehmerschaft in den USA entfällt weiterhin auf die großen Gewerkschaften.
Art und Durchführung der Erhebung
Die in diesem Artikel benutzten Angaben wurden dem in Kürze erscheinenden "Directory of National and International Labor Unions in
the United States, 1963" entnommen, das vom "Amt für ,rbeitss.tatistik"
des US-Arbeitsministeriums nach Auswertung der an alle Gewerkschaften
verschickten Fragebögen zusammengestellt wurde. In den wenigen Fällen,
in denen die Gewerkschaften die Fragebögen nicht.an das Amt zurückschickten, wurden die hier verwendeten Angaben aus anderen Informationsquellen der Arbeitnehmerorganisationen und aus den im Archiv des Amtes
aufbewahrten Tarifverträgen entnommen.
Eine präzise Ermittlung der Kitgliederzahlen der Gewerkschaften
ist aus verschiedenen Gründen nicht möglich,,einmal, weil einige Gewerkschaften - aus Prestigegründen oder um einen Mitgliederrückgang zu verschleiern - dazu neigen, höhere Ziffern anzugeben, andere wiederum es
für zweckmäßiger und vorteilhafter halten, tiefzustapeln und niedrigere
Ziffern einzusetzen. Die Hauptschwierigkeit besteht jedoch in der unterschiedlichen Auslegung des Begriffs "Mitglied" innerhalb der einzelnen Gewerkschaften. Um n zdton zu einer einheitlichen Berichterstattung
zu gelangen, hat das "Amt für Arbeitsstatistik" die Gewerkschaften jeweils gebeten, in die.Fragebögen die durchschnittliche Zahl der in dem
Berichtsjahr Beitrag zahlenden Mitglieder einzusetzen. Wie jedoch eine
genaue Analyse der beantworteten Fragebögen ergab, haben sich nicht
alle Gewerkschaften an diese Norm gehalten, und in einigen Fällen wurden auch von der Beitragsleistung befreite (arbeitslose, im Streik

- 2 -

�Streik befindliche us»») Arbeitnehmer mit aufgeführt« Trotz solcher gewisser Unzulänglichkeiten auf einigen Gebieten dürfte die
übersieht über die Mitgliederbewegungen in den amerikanischen Gewerkschaften dennoch ein ziemlich genaues Bild von dem derzeitigen Stand geben.
Die Gesamtmitgliederzahl
Diese Mitgliederübersicht (s. Seite 4) wurde nach Berichten von
169 Gewerkschaften und auf Grund von Schätzungen der Mitgliederbewegungen in 12 Arbeitnehmerorganisationen aufgestellt. Sie gibt Aufschluß über die llitgliederzahl sämtlicher nationaler und internationaler Gewerkschaften, die ihren Sitz in den Vereinigten Staa.ten
haben. Sicht eingeschlossen jedoch sind einzelne Betriebsgewerkschaften sowie größeren Gewerkschaften oder Verbänden nicht angeschlossene Ortsvereine, die zusammen etwa 450 000 Mitglieder aufweisen
dürften.
Wie daraus hervorgeht, verteilen sich die seit i960 eingetretenen Mitgliederverluste ziemlich gleichmäßig auf die AFL-CIC und
die unabhängigen Gewerkschaften. Beide Gruppen hatten es sehr schwer,
ihren Mitgliederbestand insbesondere in jenen Industriezweigen zu
halten, in denen sich die größten technologischen Veränderungen vollzogen und in denen sich die Beschäftigungsstruktur erheblich wandelte .
Von den insgesamt 181 nationalen und internationalen amerikanischen Gewerkschaften haben 128 Sektionen und Ortsvereine mit einer Gesamtmitgliederzahl von 1,1 Millionen im Ausland, was einer Zunahme
gegenüber 196O um 10 000 und einem Anteil an der Gesamtmitgliederzahl
aller Gewerkschaften von rund 6 Prozent entspricht.
Mitgliedertrends und Veränderungen
Nach einer spektakulären Zunahme der Zahl der Gewerkschaftsmitglieder in den USA zwischen 1936 und 1944 flachte die ansteigende
Mitgliederkurve - bei ziemlich konstanter Zuwachsrate - in den nächsten Jahren etwas ab und erreichte 1956 mit 17»5 Millionen (ohne 1
den bisherigen Gipfelpunkt. Seit diesem Zeitpunkt ist ein kuckgang
der Mitgliederzahl um rund 900 000 eingetreten. Im Jahre 1962 lag sie
etwas unter dem Niveau des Jahres 1955» und der Abwärtstrend scheint
in diesem Jahr (1962) seinen Tiefpunkt überschritten zu haben, wie
der Anstieg der Mitgliederzahl gegenüber 1961 um 300 000 andeutet«
Die amerikanischen Gewerkschaften haben aber nicht nur einen erheblichen Mitgliederschwund hinnehmen müssen, auch ihre relative
Stärke, gemessen am Verhältnis der Gesamtzahl der organisierten Merktätigen zur Gesamtbeschäftigtenz'iffer (Tabelle 1 ) , hat seither abgenommen. Seit 1956 hat sich dieses Verhältnis ständig zuungunsten
der Gewerkschaften verändert} es ist z.Z. etwa 1; 4. Selbst in denjenigen Dienstleistungs- und Industriezweigen, die seit je eine Do li ne der Gewerkschaften waren und den höchsten Prozentsatz an organisierten Arbeitnehmern aufweisen, ist der Trend rückläufig gewesen.
Das Verhältnis beträgt hier gegenwärtig 3;".
Mitgliederzahlen 1961

- 3

�Litgliederzahlen 1 961

AFL-CIO - nach Angaben von
121 Gewerkschaften
AFL-CIO - nach Schätzungen für
10 Gewerkschaften

13 332 642
1 168 250

AFL-CIO - direkt angeschlossene
Ortsvereine und Betriebsgewerkschaften

71 000

Gesamt AFL-CIO

14 571 892

Unabhängige - nach Angaben von
43 Gewerkschaften

2 598 464

Unabhängige - nach Schätzungen für
10 Gewerkschaften

157 906

Gesamt Unabhängige

2 756 370

Gesamtmitglied &lt;.. rzahl
aller Gewerkschaften

17 328 262

Mitgliederzahlen 1962

AFL-CIO - nach Angaben von
125 Gewerkschaften
AFL-CIO - nach Schätzungen für
5 Gewerkschaften
AFL-CIO - direkt angeschlossene Ortsvereine und Betriebsgewerkschaften

13 736 363
1 033 207

65 819

Gesamt AFL-CIO
Unabhängige - nach Angaben .von
44 Gewerkschaften
Unabhängige - nach Schätzungen für
7 Gewerkschaften
Gesamt Unabhängige
Gesamtmitgliederzahl
aller Gewerkschaften

14 835 389
2 704 600
89 665
2 794 265

17 629 654

�Tabelle 1
Zahl der organisierten Arbeitnehmer und ihr Anteil
am Arbeitspotential

Arbeitspotential
Jahr

Gesantmtglied- •
schaft ;

Zahl

Anteil der
Gewerkschaften
i n &lt;f&gt;

1956

17 490 000

70 387 000

24,8

1957
1958

17 369 000
17 029 000

70 744 000
71 204 000

24,6

1959
i960

17 117 000

71 946 000
75 126 000
74 175 000
74 681 000

1961
1962

17 049 000
16 303 000
16 586 000

23,9
23,8
25,3
22,0
22,2

Gesamtbeschäftigung
(ohne Landwirtschaft)
Zahl
Anteil der
Gewerkschaften
in #
52 408 000
52 904 000

33,4
32,8

51 423 000
53 404 000
54 370 000

33,1
32,1

54 224 000
55 841 000

31,4
30,1
29,7

1) ohne kanadische Mitglieder

Trotz des Mitgliederrückgangs seit 1956 neideten rund 3/5 aller
Gewerkschaften für die Periode 196O-62 entweder Zunahmen oder keine Veränderungen in der Zahl ihrer Mitglieder. Auf der anderen Seite neidete
jede 7» Gewerkschaft einen Mitgliederverlust von 10 Prozent und nehr
im ErhebungsZeitraum» Geringere Veränderungen (weniger als 5 Prozent)
ergaben sich 1961/62 bei nehr als 2/3 dieser Gewerkschaften. Zwischen
1951 und 1962 verzeichneten 4/5 aller amerikanischen Gewerkschaften Gewinne oder Verluste von 10 Prozent oder mehr.
Zu denjenigen Arbeitnehmerorganisationen, die in diesem Zeitraum
Mitgliederverluste aufwiesen, gehören vor allem die Gewerkschaften der
Eisenbahner, der Bergarbeiter, der textil- und metallverarbeitenden Industrien sowie des Nachrichtenwesens. Zu den Organisationen, die die.
Zahl ihrer Mitglieder erhöhen konnten, zählen die Gewerkschaften der
Angestellten in öffentlichen Dienst, des Luft- und Seetransports sowie
des Einzelhandels und anderer.Dienstleistungszweige.
Von

- 5-

�Von den sechs größten amerikanischen Gewerkschaften, die jährlich Berichte über Mi.tgliederfcewegungen veröffentlichen, hat nur die
International Brotherhood of Electrical Workers (iBEff) zwischen 1951
und 1962 ihre l.Iitgliederzahl ständig erhöhen können: um 293 0^0 baw«
um 59 Prozent. Der größte jährliche Zuwachs wurde dabei 1958 (250 000)
erzielt.

Tabelle 2
Struktur der amerikanischen Gewerkschaften auf Grund von
l.Iitgliederzahl und Verbandszugehörigkeit

Sämtliche Gewerkschaften

Verbands Zugehörigkeit
'"
APL-CIO
Unabhängig

Zahl der Mitglieder
Zahl Prozent Mitglieder
in 1000
Sämtliche
schaften

Gewerk181

100,0

17 564

15

8,2

6

1000-4999

29

16,0

134

5000-9999

14

7,7

10 0 0 0 - 2 4 999

27

25 0 0 0 - 4 9 999
59 0 0 0 - 9 9 999

bis

in

1000

1 00,0

130

51

5

10

0,8

13

16

95

0,6

8

6

14,9

411

2,3

24

5

26

14,4

5,5

17

9

26

14,4

959
1 762

10,0

22

4

3 354
1 917
1 575

19,0

22

1

10,9

7

-

7,8

4

-

10,0

1

18,7

3
4

14,4

1

1

•7

100 0 0 0 - 1 9 9 999

23

12,7

200 0 0 0 - 2 9 9 999

7

3,9

300 0 0 0 - 3 9 9 999

4

2,2

400 OOO-499 999

4

2,2

500 OOO-999 999

4

2,2

1 765
3 278

ü b e r 1 000 000

2

1,1

2 551

2)
' weniger als 0,05 Prozent

- 6-

2)

-

�Die Transportarbeitergewerkschaft, die ab 1951 einen stetigen
Anstieg ihrer Mitgliederzahl verzeichnete und 1 %0 fast die 1,5Hillionen-Harke erreichte, hat seit 1961 einen geringen Rückgang
aufzuweisen» In der Periode 1951-62 ergibt sich für die "Teamsters"
trotzdem noch.ein Mitgliederzuwachs von 457 000» Das ist.der stärkste Anstieg unter diesen sechs größten Gewerkschaften, wobei allerdings zu berücksichtigen ist, daß die stärkste Zunahme in den Jahren
1951-57 (417 000) erfolgte.
Sowohl bei der Stahl- (USA) als auch bei der Autonobilarbeitergewerkschaft (UAYf) deckt sich die I.Iitgliederkurve weitgehend mit dem
konjunkturellen Trend, d.h., beide verzeichneten in der Rezessionsperiode 1957/58 erhebliche Rückgänge, während in der nachfolgenden
Aufschwungsperiode die Kurve wieder einem Aufwärtstrend folgte. Die
Automobilarbeitergewerkschaft hat seither, von geringeren Schwankungen abgesehen, einen stetigen Ilitgliederzuwachs zu verzeichnen gehabt,
wobei die Gesamtzahl auf etwas über 1 Million anstieg. Dennoch hat
diese einst stärkste amerikanische Gewerkschaft ihre 1953 erzielte
Ilitgliederspitze (1 418 000) nicht wieder erreichen können. Die Stahl»
arbeitergewerkschaft dagegen weist seit 1959 - 1'-"^" Spitzenjahr mit
1 250 000 Mitgliedern - einen beträchtlichen Rückgang auf, ••• i.ei
die hier vorgenommene Umstellung in der Mitgliedererfassung und -Zählung den Hauptfaktor bilden dürfte. Donn während in den früheren
Jahren auch sämtliche Mitglieder, die keine bzw. «mäßigte Beiträge
zahlten, als Vollmitglieder gezählt wurden* sind in den Aufstellungen der Jahre 1961 und 1962 nur die den vollen Beitrag entrichtenden
Mitglieder aufgeführt.
Auch bei den Gewerkschaften der Maschinenbauer und der Zimmerleute sind die Mitgliederzählen in den vergangenen Jahren stark rückläufig gewesen. So hat z.B. die IAM-Gewerkschaft seit 1958 rund 125 000
Mitglieder» die Zimmerleutegewerkschaft seit 1956 110 000 Mitglieder
verloren.
Größe und Struktur der Gewerkschaften
Im Vergleich zu den früheren Erhebungen hat sich die Größe der
einzelnen Gewerkschaften und die zahlenmäßige Rangfolge bei den nationalen und internationalen amerikanischen Gewerkschaften kann verändert!
Zu den 43 Gewerkschaften» die bei der letzten Erhebung mehr als
100 000 Mit lieder zählten, sind drei weitere, die Gewerkschaften der
Feuerwehrleute» der Regierungsangestellten und der Postbedlens äten,
hinzugekommen» während zwei Arbeitnehmerorganisationen» die Geverksohaft
der Pleisohkonservenarbeiter (98 000) und die der Berg- und Hüttenarbeiter (75 000), aus diesem Kreis ausgeschieden sind. (Tabelle 5)
Geringere Verschiebungen haben sich auch in der Rangordnung der
sechs größten Gewerkschaften ergeben, die jeweils mehr als 700 000
Mitglieder aufweisen« Die jetzt hinter der Iransportarbeitergewerksohaft
an zweiter Stelle stehende Autömobilarhsitergewerksohaft hat sich um
einen Platz verbessern und die Stahlarbeitergewerkschaft auf den dritten Platz verwei en können. Der vierte Bang wird immer noch von den
Maschinenbauern verteidigt» während die lektriker (iBLTf) sich auf
den fünften Platz vorschieben und damit die jetzt an sechster Stelle

- 7

�Tabelle 3
National« und internationale Gewerkschaften
mit mehr als 100 000 Mitgliedern
(Stand 1?62)
Gewerkschaft

Mitglieder

Gewerkschaft

Mitglieder

Transportarbeiter
1 457 252
(Teansters) (unabh.)

Zugbegleiter

196 000

Autoraobilarbeiter
(UAV)

Textilarbeiter (TVHJA)

183 000

878 516
867 759
793 000

Holzschliffarbeiter

174 062

Ölarbeiter

168 1 90

739 207
450 000
445 000

Groß- und Einzelhandel

159 356

Gummiarbeiter

1 58 344

Straßenarbeiter

152 691

Damenoberbekleidung
(iLGYnj)

441 000

Maurer

151 000

Steinträger
Bekleidungsarbeiter

429 279
376 000

Briefträger

1 50 114

Verkäufer
Fleischer

363 983

Postan-estellte
Sisenarbeiter

145 000
138 789

1 073 547

Stahlarbeiter (USA)
Mas chinenbauer
Elektriker (IBM)
Zimmerleute
Bergarbeiter (unabh.)
Hotelangestellte

Elektriker (UE) (unabh.) 163 000

333 023
Eisenbahn- und Schiff- 300 000
fahrtsangestellte
Betriebstechniker
296 503

Transportarbeiter
Straßenbahner

135 000
134 000

Papierarbeiter

130 125

Elektriker (IUE)

295 000

Rangierer

126 000

Gebäude-Dienstleistungsarbeiter

294 359

Kesselschmiede

125 000

Musiker

281 949
278 678

Drucker

11 5 604

Valzwerkarbeiter

110 87O

250 531

Feuerwehrleute

109 035

Öffentlicher Dienst

220 000

Kegierungsar.£e4teilte
(AFGE)

1 06 042

Anstreicher

196 487

Typographen

106 001

Telephon-,Telegraphenarbeiter
Klempner

- 8 -

�Stelle rangierende Zimmerleutegewerkscha. t überflügeln konnten.
Weibliche Mitglieder
Die Gesamtzahl der gewerkschaftlich organisierten weiblichen
amerikanischen Arbeitnehmer belief sich nach den beim "Amt für
Arbeitsstatistik" eingegangenen Berichten von 145 Gewerkschaften
und nach Schätzungen über den Mitgliederbestand von 56 weiteren
Organisationen auf annähernd 3,3 Millionen. Dttcit ist gegenüber
1960 ein Rückgang um 55 000 eingetreten, der jedoch das bisherige
Verhältnis zwischen weiblichen und männlichen Gewerkschaftsmit liedern (etwa 1»5) nicht veränderte. Infolge der erheblichen Zunahme
der Zahl weiblicher Arbeitskräfte hat sich jedoch das Verhältnis
zwischen gewerkschaftlich organisierten und nicht organisierten
weiblichen Arbeitnehmern von 1 J 6 (i960) auf 1*7 verschoben. Bei
den Männern dürfte das Verhältnis etwa 1*3 betragen, was ebenfalls
einem leichten Rückgang entspricht.
Tabelle 4
Anteil der weiblichen Mitglieder an der Gesamtmitgliederzahl

Gruppe

Sämtliche Gewerkschaften
Keine weiblichen Mitglieder
Unter 10 Prozent
Zwischen 10 u. 19,9 Prozent
Zwischen 20 u. 29,9 Prozent
Zwischen 30 u. 39,9 Prozent
Zwi chen 40 u. 49,9 Prozent
Zwischen 50 u. 59,9 Prozent
Zwischen 60 u. 69,9 Prozent
Zwischen 70 u. 79,9 Prozent
Zwischen 80 u. 89,9 Prozent
über 90 Prozent

Sämtliche Gewerkschaften
Anzahl der weibZahl
Prozent
liehen Mitglieder
in 1000

in $
100,0

181

100,0

5272

48

26,5
52,0

-

168

5,1

11 ,6

620

18,9

12

6,6

9,5

8 •
12

4,4 •
6,6

505
458

13,4

425

12,9

459
195

13,4

659
50

19,5

58
21

8

4,4

7
4

3,9
2,2

3

1,7

_

_

m

-

5,9
1,5
_

Während

�Während in 22 Gewerkschaften - auf die rund 2/5 aller weiblichen organisierten Arbeitnehmer entfallen - die weiblichen Mitglieder die Mehrheit bilden, liegt der Anteil der Frauen an der
Gesamtmitgliederzahl in 106 Gewerkschaften (rund 3/5 aller Gewerkschaften) zwischen 0 (48 Organisationen) und 10 Prozent. In den
drei Gewerkschaften, in denen die Frauen 80 und mehr Prozent der
Gesamtmitgliederzahl ausmachen, beläuft sich ihre Zahl insgesamt
auf rund 50 000.
Der überwiegende "Blue-collar"-Charakter der amerikanischen
Gewerkschaften kommt auch in der Arbeitsplatzstruktur der weiblichen
Mitgliedschaft zum Ausdruck. So entfallen zum Beispiel auf zwei Gewerkschaften der Bekleidungsindustrie (Amalgamated Clothing V.rorkers"
und "International Ladies' Garment Workers Union") allein etwa
17 Prozent aller weiblichen Gewerkschaftsmitglieder. Zu den anderen
Gewerkschaften mit einer großen Zahl weiblicher Mitglieder gehören
ferner die Elektrikergewerkschaft (IBEW), die Gewerkschaf en der
Hotel- und Restaurantangestellten, Verkäufer, Automobilarbeiter und
Telephon- und Telegraphenarbeiter.
Mitglieder aus den Angestelltenberufen
Die Zahl der in den Angestelltenberufen tätigen Arbeitnehmer
ist in den USA erstmals 1956 größer gewesen als die Zahl der in Industrie und Handwerk Beschäftigten. In dem Maße, wie sich die "Whitecollar"-Berufe in den folgenden Jahren ausweiteten, nahm auch der
Anteil dieser Beschäftigtengruppe an der Gesamtzahl aller verfügbaren Arbeitskräfte weiter zu, während die Zahl der "blue-collar1
workers" im gleichen Verhältnis zurückging. Die amerikanischen Gewerkschaftsführer haben in den vergangenen Jahren immer wieder darauf hingewiesen, daß die Arbeitnehmerorganisationen sich aus ihrer traditionellen "Blue-collar"-Orientierung lösen und sich in verstärktem Maße
um die Organisierung der Angestellten bemühen müßten, wenn sie nicht
künftig an Einfluß verlieren wollten. Dennoch haben sich die Mitgliederziffern für Angestellte seit 1956 nur unwesentlich geändert.
Mitglieder aus den
Angestelltenberufen

Anteil an der Gesamtmitgliedschaft

1956

2 463 000

13,6 i»

1958

2 184 000

12,2 fo

1960

2 192 000

12,2 °/o

1962

2 285 000

13,0 fo

Obwohl die 1962 für Gewerkschaftsmitglieder in Angestelltenberufen registrierte Ziffer von rund 2,3 Mio. im Vergleich zu 1 -60 um
93 000 höher liegt, so ist diese Zunahme doch relativ gering, wenn
man berücksichtigt, daß es heute rund 22 Millionen organisationsfähige
Arbeitnehmer in diesen Berufszweigen gibt. Au erdem entfallen etwa
2/5 dieser Zunahme allein auf zwei Gewerkschaften des öffentlichen

- 10 -

�öffentlichen Dienstes, die hier zum ersten Mal in einer Mitgliedererhebung in Erscheinung treten. Man kann also sagen, daß auf diesem
Sektor seit 1956 praktisch ein Stillstand eingetreten ist.
Mitgliedergewinne unter den Angestellten wurden 1962 bei den
Gewerkschaften für die Angestellten im öffentlichen Dienst, der Dienstleistungszweige und des Einzelhandels festgestellt, während Mitgliederrückgänge in zahlreichen führenden Gewerkschaften verzeichnet wurden, die ihre Mitglieder in erster Linie aus Wirtschaftszweigen mit
einer überwiegenden "Blue-collar"-Struktur rekrutieren.
Fast 2/3 aller Gewerkschaftsmitglieder aus den Angestelltenberufen ( 1 447 000) waren zum Zeitpunkt der Erhebung in nichtindustriellen Betrieben beschäftigt, während sich der Rest auf die öffentliche
Verwaltung (521 000) und die Fertigungsindustrie (317 000) verteilte.
Die Zugänge in der Verwaltung betrugen seit i960 rund 112 000 und in
den nichtindustriellen Zweigen der Wirtschaft 30 000. Diesen Zugängen
stehen Abgänge in der Fertigungsindustrie in Höhe von 49 000 Mitgliedern gegenüber.
Die Mitgliederstruktur in der Industrie
Seit der ersten Erhebung dieser Art im Jahre 1956 ist ein starker
Rückgang in der Zahl der gewerkschaftlich organisierten Arbeitnehmer
in der Industrie, ein geringerer in den nichtindustriellen Zweigen
der US-Wirtschaft eingetreten, denen ein geringer, aber stetiger Anstieg im öffentlichen Dienst gegenübersteht.
Verteilung der Gewerkschaftsmitglieder auf
die einzelnen Wirtschaftszweige

Jahr

Industrie

1956

8 839 000 48,8

8 350 000

46,1

1958

8 359 000 46,5
8 591 000 47,6
8 050 000 45,8

8 574 000

47,7
46,6

1960
1962

in Ja

Übrige Wirtschaft

8 375 000
8 289 000

in Ja

47,2

Öffentlicher
Dienst
915
1 035
1 070
1 225

000
000
000
000

in Ja

5,1
5,8

5,9
7,0

Der hohe Mitgliederverlust in der Industrie (800 000 seit 1956)
erklärt sich durch die erhebliche Einbuße an industriellen Arbeitsplätzen in diesem Zeitr&gt; um. Der Rückgang der Mitgliederzahl um 541 000 seit
1960 schließt einen Verlust von 308 000 Arbeitsplätzen in der Metallindustrie und von 136 000 Arbeitsplätzen in der Waggon- und Fahrzeugbauindustrie ein.
Drei große Wirtschaftszweige - Metall und Maschinenbau, Transportwesen, Hoch- und Tiefbau - vereinigen auch weiterhin die Masse der organisierten Arbeitnehmer der USA auf sich (mehr als 2/5). Zu den anderen Industriezweigen, in denen die Gewerkschaften über mehr als 1 Million Mitglieder verfügen, gehören« Nahrungsmittel und Tabak, Bekleidung und Leder, Waggon- und Fahrzeugbau, Gro - und Einzelhandel.
Tabelle 5
- 11 -

�Tabelle 5
M i t g l i e d e r s t r u k t u r d e r US-Gewerkschaften nach W i r t s c h a f t s z w e i g e n

Sämtliche
Wirtschaftszweig

Gewerkschaften
Mitglieder

Zahl

i n 1000

in

Sämtliche Gewerkschaften

181

Fertigungsindustrie

107

8 050

45,8

Nahrungsmittel, Getränke, Tabak

28

6,0

Textil, Bekleidung, Leder

24

1 045
1 226

7,0

Möbel, Holz, Papier

23

766

4,4

Druckerei und Verlag

559

2,0

Erdöl, Chemie, Gummi

15
20

491

2,8

Stein, Ton, Glas

18

269

1,5

Metall, Maschinenbau

58

2 585

Trans po rtaus rüs tungen

16

1 187

14,7
6,8

Verschiedene

25

123

0,7

103

8 289

47,2

Bergbau, Steinbrüche

11

552

2,0

Bauwirtschaft

28

15,8

Transport und Verkehr

47

2 417
2 572.

6

416

2,4

Öffentliche Versorgung

16

327

1,9

Handel

19

1 129

6,4

5

31

0,2

55

996

Landwirtschaft und Fischerei

7

36

5,7
0,2

Verschiedene

8

14

0,1

41

1 225

7,0

Andere Wirtschaftszweige

Fernmeldewesen

Finanz und Versicherung
Dienstleistung^ zweige

Öffentlicher Dienst

- 12 -

._1Z_5_64_

_!Q0 1 o_ ;

14,6

�Verbands Zugehörigkeit
Unabhängig

AFL-CIO
Firtschaftszweig

Mitglieder

Zahl

Mitglieder
i n 1000

i n &lt;$&gt;

i n 1000

in i

130

14 770

100.0

51

78

7 141

48,4

29

909

32,5

N a h r u n g s m i t t e l , Get r ä n k e , Tabak

18

596

4,0

10

449

16,1

Textil,Bekle idung,Leder

17

1 211

8,2

15

0,5

Möbel,Holz,Papier

18

735

5,0

31

1,1

Druckerei u.

11

312

2,1

47

1,7

Erdöl,Chemie,Gummi

16

382

2,6

7
5
4
4

5,9

Stein,

16

257

1,7

2

109
12

0,4

Metall, Maschinenbai

25

2 346

15,9

Transp ortausrüstungen

14

1 187

8,0

15
2

237
1)

8,5
1)

Versdi iedene

15

114

0,8

8

9

0,3

76

6 680

45,2

27

1 609

57,6

8

51

0,5

10,8

2 339

15,8

5
7

301

rv&gt;

Zahl

78

2,8

35

1 678

11,4

12

895

32,0

4

354

2,5

2

82

2,9

37

1,3

159

5,7

Sämtliche Gewerkschaften

Fertigungsindustrie

Ton,

Verlag
Glas

Andere Wirtschaftszweige
Bergbau, Steinbrüche
Sauwirtschaft
Transport und Verkehr
Fernmeldewesen

._2_Z9_4_ ..IQO^Q

Öffentl. Versorgung

11

291

2,0

Handel

14

970

6,6

5
5

3

28

0,2

2

3

0,1

28

975

6,6

5

21

0,7

Landwirtschaft u.Fischerei 4
Verschiedene
4

10

0,1

3

26

0,9

1)

4

8

0,3

14

277

9,9

Finanz und Versicherung
Dienstieistungszweige

Öffentlicher

0 weniger

Dienst

a l s 0,05

27

6
948

Prozent

6,4

( Q u e l l e : Monthly Labor Review,
Mai 1964, V o l . 8 7 , N r . 5 )
- 15 -

�Lawrence Rogin, Leiter der Abteilung Erziehung der AFL-CIO:
Die Gewerkschaften und das höhere Bildungswesen (i)
Vor etwa 1 50 Jahren begannen die jungen amerikanischen Gewerkschaften, auf örtlicher Ebene lose Zusammenschlüsse zu bilden und
ihre Kräfte zusammenzufassen, um die wirtschaftlichen Interessen
des Arbeiters - dauerhafte Beschäftigung, angemessene Löhne und Arbeitsbedingungen - besser vertreten zu können.
Diese Entwicklung war Teil des Vfachstumsprozesses der amerikanischen Demokratie. Und die amerikanischen Arbeiter waren weitsichtig genug, um zu erkennen, daß es die Demokratie über den Bereich
des Arbeitsplatzes hinaus auszudehnen galt. Die frühen zentralen
Gewerkschaftsbünde setzten sich sowohl politische als auch wirtschaftliche Ziele. Sie waren entschlossen, dafür zu sorgen, daß sich die
Verheißung der amerikanischen Demokratie auch unter den Bedingungen
der entstehenden Industriegesellschaft erfüllte. Das aber bedeutete,
daß man für Gleichheit der Chancen und für die Abschaffung der Klassenprivilegien einzutreten hatte.
Es war daher auch ganz selbstverständlich, daß sich die damaligen
Gewerkschafter die Forderungen der bekannten Pädagogen Horace Mann
und Henry Bernard zu eigen machten und ihren Kampf um ein allgemeingültiges, umfassendes öffentliches Erziehungssystem mit Nachdruck
unterstützten. SLer konnten ihre Auffassung schließlich gegen diejenigen durchsetzen, die Bildung als ein Privileg der Vermögenden verstanden wissen wollten und die in der Forderung nach freier, umfassender und gleicher Erziehung einen gefährlichen Angriff auf das
amerikanische System erblickten.
Seitdem haben die amerikanischen Gewerkschaften unablässig die
Forderung nach einem Höchstmaß an Chancen für alle auf dem Gebiet der
Bildung erhoben. Sie setzten sich für Schulpflicht und Schulgeldfreiheit, für die Einbeziehung des höheren Schulwesens in das öffentliche
Schulsystem, für die Einrichtung von Berufsschulen und akademische:
Berufsausbildung ein und forderten, daß das Einkommen der Eltern
niemals ein Hindernis für das Universitätsstudium sein dürfe.
Aber zwischen Absicht und Verwirklichung liegt ein weiter Weg.
Zwar ist die Gelegenheit zum Studium an Colleges und Universitäten
in den USA noch nie so günstig gewesen wie heute, nichtsdestoweniger
ist die wirtschaftliche Barriere für viele noch ein beträchtliches
Hindernis.
Erst kürzlich hat Francis Keppel, der Beauftragte der amerikanischen Regierung für das Erziehungswesen, dargelegt, daß jedes Jahr
zirka 100 000 bis 200 000 Oberschulabsolventen mit Hochschulbefähigung
meist aus finanziellen Gründen ihren Bildungsgang abbrechen müssen.
Und dabei steigen die Studienkosten weiter an, und zwar schneller als
die Einkommen der Arbeiter. Sowohl die öffentlichen als auch die privaten höheren Lehranstalten sahen sich in den vergangenen Jahren immer
wieder gezwungen, die Gebührensätze zu erhöhen, und alles spricht dafür, daß sich dieser Trend auch in Zukunft fortsetzen wird.
Natürlich

- 14 -

�Natürlich nimmt die Zahl der Stipendiaten zu. Eine halbe Million Dollar wenden allein die Gewerkschaften für Stipendien auf,
die rund 1000 Studierenden zugute kommt. Aber alles in allem decken
Stipendien nur fünf Prozent der Gesamtaufwendungen aller Studierenden ab. Hinzu kommt noch, daß das durchschnittliche Jahresstipendium nicht einmal 200 Dollar ausmacht.
Als problematisch wird außerdem empfunden, daß die Stipendien
nur den hervorragendsten Begabungen zugute kommen. Davon ausgeschlossen bleiben jene Absolventen der High Schoala, die durch ihre
schulischen Leistungen klar den Kachweis erbracht haben, daß die
Fortsetzung ihrer Ausbildung sinnvoll wäre, und denen aus finanziellen Gründen das Studium verwehrt ist. Für sie muß eine andere
Losung gefunden werden.
Zur Kostenfrage kommt die Raumfrage hinzu. Mit anderen Worten:
es ist fraglich, ob Colleges und Universitäten über genügend Einrichtungen verfügen werden, um alle jungen Menschen aufzunehmen, die sich
zu immatrikulieren wünschen. Der US-Beauftragte für das ErziehungSwesen, Keppel, schätzt, daß die amerikanischen höheren Bildungsanstalten in den nächsten sieben Jahren Platz für zusätzliche 3 Millionen
Studenten schaffen müssen} das bedeutet mehr Hörsäle, mehr Laboratorien, mehr Büchereien u n d - das schwierigste Problem - mehr Dozenten!
Wachsende Kosten und verschärfte Aufnahmeverfahren erschweren
dem "guten" Studenten aus einer Familie mit niedrigem Einkommen den
Zugang zur College-Erziehung, während Studenten aus Familien mit hohem
Einkommen immer in der Lage sind, einen Studienplatz zu finden. Die
amerikanischen Gewerkschaften sind jedoch nicht bereit, Universitätsbildung als ein Vorrecht der Gutsituierten und Hochbegabten anzuerkennen. Sie betrachten die Gleichheit der Chancen auf dem Erziehungssektor
als wesentliches Kennzeichen einer demokratischen Gesellschaft, und im
Lauf der Zeit hat sich die amerikanische Gesellschaft diesen Grundsatz
auch mehr und mehr zu eigen gemacht. Die Gewerkschaften aber sind der
Meinung, daß jetzt die Zeit gekommen ist, einen Schritt weiter zu gehen.
Die Gewerkschaften haben sich fiti eine wesentliche Erhöhung des
Finanzaufwands für Bildungszwecke ausgesprochen. Ein Teil des Geldes
wird aus privaten Quellen fließen, und zwar in Gestalt der schon erwähnten Stipendien oder nennenswerter Beiträge von Stiftungen, Firmen,
und Einzelpersonen. Aber die Masse der Mittel wird durch den Staat aufgebracht werden müssen, und zwar vor allem durch Steuern der Einzelstaaten und des Bundes.
Wegen der unterschiedlichen Höhe des Steueraufkommens in den einzelnen Staaten haben sich die Gewerkschaften für ein stärkeres Engagement
des Bundes ausgesprochen. Sie sind der Meinung, daß der Zufall der Geburt an diesem oder jenem Ort für niemanden ein Hindernis sein darf,
sich der Erziehungseinrichtungen zu bedienen, die er für seine Person als
angemessen erachtet. Und es ist bekannt, daß das durchschnittliche ProKopf-Einkommen in unseren ärmsten Staaten weniger als die Hälfte des
Durchschnittseinkommens pro Kopf in unseren reichsten ausmacht.
Die

�Die Gewerkschaften halten es für richtig, daß den Universitäten und Colleges der größte Teil dieser Hilfe direkt gegeben wird,
falls überhaupt so etwas wie Chancengleichheit zustande kommen soll.
Nur auf diese Weise wird es gelingen, die Kosten so niedrig wie möglich zu halten. Vertreter der Gewerkschaften haben vor dem Kongreß und
in den Parlamenten der Einzelstaaten die Erweiterung der akademischen
Einrichtungen und eine angemessene Besoldung der Hochschullehrer gefordert. Außerdem bestehen sie weiter darauf, daß höhere Bildung gänzlich oder zum größten Teil kostenlos sein sollte und daß alle in Frage
kommenden Amerikaner einen rechtlich fixierten Anspruch darauf haben
sollten.
Die Gewerkschaften haben sich besonders damit befaßt, die Einrichtungen der höheren Bildung in den Arbeitergemeinden zu verbessern,
Das Campus-Leben ist sicherlich für den Bildungsprozeß von großer Bedeutung. Für Studenten, die sich das nicht leisten können und die nicht
zu den Stipendiaten gehören, muß man aber andere Möglichkeiten schaffen. Erfahrungsgemäß immatrikulieren sich Kinder aus Familien mit niedrigem Einkommen in bedeutend stärkerem Maße an Colleges, wenn sich
solche Anstalten im Wohnort des Studenten befinden.
Man hat darauf hingewiesen, daß die höhere Bildung in den Vereinigten Staateh unter zwei Gesichtspunkten betrachtet wird: Höhere Bildung
sei in erster Linie ein individuelles Vorrecht; der einzelne Student
sollte ein Maximum an Studienkosten selber tragen} und ziemlich strenge
Zulassungsbestimmungen sollten die Zahl der Studierenden klein halten.
Der zweite Gesichtspunkt betont primär den gesellschaftlichen
^
Wert höherer Bildung als Mittel zur Herbeiführung der Chancengleichheit für alle. Demnach wird es im Interesse des Fortschritts zwar für
richtig und notwendig gehalten, die Hochbegabten zu fördern, dennoch
wird die Erziehung der großen Zahl der weniger Begabten als nicht minder wichtig erachtet. Verfechter dieses Standpunktes pflegen niedrige
Studienkosten sowie eine großzügige Handhabung der Immatrikulation zu
empfehlen.
In dieser Diskussion stehen die Gewerkschaften eindeutig auf der
Seite der Befürworter möglichst großzügiger und umfassender Regelungen des Hochschulstudiums. Sie blieben damit ihrer seit 150 Jahren gepflegten Tradition treu.
Allerdings sollte das eine klar sein. Die Vertreter der Arbeiterbewegung sind keineswegs der Ansicht, daß jedes Kind aufs College gehen
sollte. Auch unter den besten Bedingungen wird es immer noch Millionen
von jungen Menschen geben, die nicht aufs College gehen v/ollen und es
auch nicht sollten. Unter diesen, das dürfte sicher sein, werden sich
viele begabte Schüler befinden. Das ist nicht unbedingt ein Nachteil.
Die Arbeit, die in der Welt getan werden muß, verlangt Fähigkeiten aller Art, und diese jungen Menschen können ihren Beitrag für die Gesellschaft auf vielen Gebieten leisten, die keine College-Ausbildung voraussetzen. Die Gewerkschaften hoffen, daß viele von ihnen sich zu den
Facharbeiterberufen hingezogen fühlen, die so viele Gewerkschaftsmitglieder heute ausüben, (wird fortgesetzt)
(Quellet Eigenbericht)

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enth&amp;lt Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
I S I S Bonn Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XVII - 11

Bad Godesberg, den 1. November 1964

INHALTSVERZEICHNIS
Gezielte Vorbereitung der Arbeitnehmer auf die
Pensionierung

Seite 1

Die Gewerkschaften und das höhere Bildungswesen (il)

Seite

8

Gewerkschaftliche Kurznachrichten

Seite 11

Gezielte Vorbereitung der Arbeitnehmer auf die Pensionierung
Die nachfolgenden Auszüge aus einem Bericht
des "National Industrial Conference Board"
über Programme der amerikanischen Industrie
zur Erleichterung des Übergangs aus dem
Berufsleben in den Ruhestand befassen sich
mit einem Thema, das auch in den anderen
Industrieländern immer mehr an Bedeutung
gewinnt: die psychologische Vorbereitung
der Arbeitnehmer auf die Zeit nach ihrer
Pensionierung. Welche V/ege in dieser Hinsicht von einigen amerikanischen Unternehmen beschritten wurden, sei hier an einigen Beispielen erläutert.
Graduelle Pensionierung
Die von der Industrie entwickelten Programme zur Vorbereitung
des Arbeitnehmers auf die bevorstehende Pensionierung gehen im
wesentlichen von der Annahne aus, daß ständige Hinweise auf die

- 1 -

�die Pensionierung und die laufende Unterrichtung über die sich
für ihn ergebenden Probleme eine gewisse Aktivität bei dem angehenden Pensionär auslösen und ihn veranlassen, eigene feste
Pläne für die Zeit nach seiner Pensionierung zu machen. Auf diese
Weise - so argumentiert man - wird sich die gesamte Umstellung
viel leichter vollziehen und v/eniger Schwierigkeiten für die einzelnen Arbeitnehmer mit sich bringen.
Eine Anzahl amerikanischer Industrieunternehmen haben nun diese
Logik noch einen Schritt weitergeführt! sie haben bereits praktische
Haßnahmen getroffen und die Arbeitszeit ihrer der Pensionierung entgegensehenden Mitarbeiter verkürzt, damit diese gewisse praktische
Erfahrungen mit vermehrter Freizeit sammeln und vielleicht auch Gelegenheit finden können, bestimmte Pläne für die Zeit nach der Pensionierung zu ventilieren.
Wenn auch die hier untersuchten Programme für eine graduelle
Gewöhnung an die Pensionierung im Detail etwas voneinander abweichen,
so verfolgen doch alle die gleichen Ziele.
Bei einem Teil dieser Unternehmen - einer Gruppe von insgesamt
16 Firmen, bei denen die Pensionierung bei Erreichen der Altersgrenze von 65 Jahren, obligatorisch ist - beginnt das "Gewöhnungsprogramm" vor dem normalen Pensionsalter. 15 dieser Unternehmen betrachten
dabei ihren Pensions-Vorbereitungsplan als einen festen Bestandteil
ihrer Sozialprogramme, denn mit einer Ausnahme zahlen alle den Mitarbeitern den vollen Lohn während der zusätzlichen Freizeit.
Bei den anderen fünf Unternehmen dagegen, wo die Pensionierungsgrenze bei 70 Jahren liegt oder überhaupt nicht festgelegt ist, setzt
die Vorbereitung erst nach Überschreiten der normalen Pensionierungsgrenze - also nach Erreichen des 65. Lebensjahres - ein, wobei die zusätzlich gewährte Freizeit nicht vergütet wird.
Die häufip;sten Programme

,

Die gebräuchlichste Form der Gewährung zusätzlicher Freizeit ist
bei den 16 Unternehmen mit einer -Pensionierungsgrenze von 65 Jahren
ein verlängerter Jahresurlaub, der entweder in voller Höhe im letzten
Jahr vor der Pensionierung genommen oder aber auf die letzten 2 oder
3 Jahre aufgeteilt werden kann. Eine weitere Möglichkeit ist uie Verteilung der zusätzlichen Urlaubstage auf einen Zeitraum von 3 bis 5
Jahren auf progressiver Basis. Der Plan eines Unternehmens sieht eine
Verkürzung der jährlichen Arbeitszeit für den angehenden Pensionär in
den letzten drei Jahren vor} allerdings wird hier nur ein Urlaub ohne
Bezahlung gewährt. Weitere vier Unternehmen nehmen dagegen eine Verkürzung der wöchentlichen Arbeitszeit vor, wobei der Programmbeginn
zwischen einem Jahr und drei Monaten vor Erreichung der Altersgrenze
liegt.

&lt;L

-

�Tabelle 1
Regelungen durch Verlängerung der Freizeit

zu

Unternehmen

Erfaßte
Arbeitnehmergruppen

Urlaub mit
Bezahlun S
Sonder- Gesamt
urlaub
(NiDrmalvor der u.laonderPensio- ur laub)
nierung

Versicherung

v .Aufsichtspersonal
aufwärts

2 Monate 3 !üionate

im letzten Jahr

die 3 Mon.
sind auf
einmal zu
nehmen

Versicherung

alle mit 20
u. mehr
Dienstjahren

2 Monate keine

in den
letzten
zwei
Jahren

nu r 1 Mo n .
darf bis
z . letzten
Vierteljahr
aufgespart
werden

Versicherung

alle

6 Wochen 10 ''lochen

im letzten Jahr

keine

Versi cherung

alle mit 10
u. mehr
Dienstjahren

6 Wochen
£&lt;sstaffeit nach 7 Wochen
D:Lenst0 Wochen
zeit

im 63 • &gt;
im 64 •»
im 65 .
Lebensjahr

keine

Versicherung

alle

2 Monate

3 Monate

in den
letzten
drei
Jahren

keine

2 Wochen

6 Wochen

4 Wochen

8 Wochen

im 61 . u.
62.,
im 65 . 65.Lebens
Jahr

mind. 4 Wochen im 61 .
u. 62 .Lebensjan:, der
Rest auf zwei
mal

1 Woche
2 Wochen

4 Wochen
5 Wochen
6 Wochen
7 Wochen

im 61 .,
im 62 .,
im 63•j
im 64•,
im 65 •
Lebensjahr

Gesamter Sonderurlaub ist
anschl. an
Jahresurlaub
zu nehmen

Angaben

f
Fertigungsbetrieb

Angestellte

Fertigungsbetrieb

v.Vorarbeiter
aufwärts

3 Wochen
4 Wochen
5 Wochen

8 7'ochen

nenmen

Einschränkungen

�Unternehmen

Erfaßte
Arbeitnehmergruppen

Urlaub mit
Bezahlung
SonderGesamt
(Normalurlaub
u .Sondervor der
urlaub)
Pensionierung

Fertigungsbetrieb

Konzernverw.
u. ein Produktionsbetrieb

3-4
6-8
Wochen*
Wochen*

im letzten Jahr

Sonderurlaub ist
auf einmal
zu nehmen

Fertigung sbetrieb

v. Vorarbeiter aufw är t s

1
2
3
4
5

Sonderurlaub ist
auf einmal
zu nehmen

Fertigungsbetrieb

Angestellte
u. J0&gt;i der
Produktionsarbeiter

3-4
Wochen

im 61.,
im 62 .,
im 63•,
im 64 • &gt;
im 65 •
Lebensjahr
im letzten Jahr

Woche
Wochen
Wochen
Wochen
Wochen

5
6
7
8
9

Wochen
Wochen
Wochen
Wochen
Wochen

6-8
Wochen

zu
nehmen

Einschrän
kungen

nach Vereinbarung

* Für leitende Angestellte bis zu 6 Wochen Sonder- und 12 Wochen
Gesamturlaub

�Die meisten Pläne dieser Unternehmen sehen keine Geldleistungen
anstelle des zusätzlichen Urlaubs oder eines Teils desselben vorl).
"Entweder der ältere Mitarbeiter nimmt den zusätzlichen Urlaub, oder
aber er verliert ihn", ist hier die Einstellung der Unternehmen.
Diese Praxis entspricht auch ganz den Absichten solcher Programme,
denn wenn ein angehender Pensionär seine zusätzliche Freizeit nicht
in Anspruch nimmt, können auch die beiden Hauptziele nicht erreicht
werden: Er selbst erhält keinen Vorgeschmack von der größeren Muße,
und sein Nachfolger hat keine Gelegenheit, sich mit den Funktionen
und Pflichten seines neuen Postens vertraut zu machen.
Diese harte Alternative des "Nimm oder verliere es !" ist Ausdruck
der Erfahrungen mit einem Programm, bei dem nicht genommener Urlaub
automatisch vergütet wird. Im Rahmen dieses Programmes nämlich wählten
95 Prozent aller Mitarbeiter das Geld anstelle des Urlaubs. Allerdings
ging es dem Unternehmen dabei weniger um die hier angesprochenen Ziele
als vielmehr darum, seinen älteren Mitarbeitern eine Möglichkeit zu
geben, sich einmal diejenigen Plätze im Land anzusehen, die als Wohnsitz für die Zeit nach ihrer Pensionierung in Frage kommen.
Die anderen Pläne
Die Pensionierungsprogramme der Unternehmen, bei denen das Pensionsalter über 65 Jahren liegt oder nicht festgesetzt ist, sehen ebenfalls eine Verkürzung der wöchentlichen Arbeitszeit bzw. des Arbeitsjahres vor. Die drei Unternehmen in dieser Gruppe, die einen allmählichen Abbau der jährlichen Gesamtarbeitszeit durch die Gewährung eines
unbezahlten Urlaubs vornehmen, beginnen damit ab 66. Lebensjahr. Die
Herabsetzung der Arbeitswoche geschieht dagegen in der Regel dadurch,
daß der betreffende Arbeitnehmer auf Teilarbeitszeit (pro Arbeitstag
oder pro Arbeitswoche) gesetzt wird. Die Zahl der Wochenstunden wird
aber so bemessen, daß er in dem Genuß der ihm sonst zustehenden staatlichen Sozialleistungen bleibt.
Ein anderes stark beachtetes Pensionierungsprogramm wiederum verbindet die "Peitsche" des Zwanges mit dem "Zuckerbrot" des finanziellen
Anreizes. Die "Peitsche" ist dabei der "Zwangsurlaub" ohne Bezahlung 1 Monat Urlaub ohne Bezahlung im ersten Jahr, 2 Monate im zweiten Jahr das "Zuckerbrot" ist die höhere Pension, die alle Mitarbeiter erhalten,
die über das 65. Lebensjahr hinaus weiterbeschäftigt werden - 8 Prozent
mehr bei einer Pensionierung im Alter von 66 Jahren, 17 Prozent mehr
bei 67, 2'6 Prozent mehr bei 68. 37 Prozent mehr bei 69 und 48 Prozent
mehr bei 70 un(l mehr Jahren 2 ' .
1/ Nur in solchen Fällen, in denen der Betreffende aus bestimmten Gründe
nicht in der Lage ist, den Urlaub zu nehmen, oder das Unternehmen ihn
ersucht, darauf zu verzichten, erfolgt bei den meisten Plänen eine
finanzielle Ablösung.
2) Diese Steigerung entspricht etwa der Pensionssumme, die normalerweise
ab 65. Lebensjahr zur Auszahlung gekommen wäre.

�In einem weiteren Unternehmen erstreckt sich das Programm der
zwangsweisen graduellen Pensionierung nur auf die leitenden Angestellten. Hier erhalten diejenigen Mitarbeiter, die die Altersgrenze
von 65 Jahren erreichen, eine Pension - ob sie in den Ruhestand
treten oder nicht. Entscheidet sich ein leitender Angestellter für
die Weiterarbeit, dann muß er jährlich einen zusätzlichen Monat unbezahlten Urlaubs nehmen und nach Erreichen des 70. Lebensjahres
ganz ausscheiden.
In einem anderen Unternehmen dieser Gruppe beträgt das Pensionsalter für männliche Mitarbeiter 65 und für weibliche 60 Jahre. Es
kann jedoch um jeweils fünf Jahre überschritten v/erden. Nach Angaben
dieser Firma haben rund 90 Prozent ihrer Mitarbeiter nach Erreichen
der Pensionierungsgrenze den Wunsch, weiterzuarbeiten - die meisten
sogar bei voller Arbeitszeit. Ist die Geschäftsleitung jedoch der
Ansicht, daß eine Verkürzung der Arbeitszeit im Interesse des betreffenden Mitarbeiters liegt, dann ist dieser gehalten, in der Fünfjahresperiode jedes Jahr zusätzlich unbezahlten Urlaub zu nehmen.
Anscheinend ist dieses Programm der zwangsweisen Verkürzung der
Arbeitszeit bei den älteren Mitarbeitern nicht sehr populär, denn die
meisten würden es vorziehen, mit voller Kraft bis zu ihrer Pensionierung zu arbeiten. Ein Grund für diese Einstellung mag darin zu sehen
sein, daß dieses Unternehmen statt der sonst üblichen privaten Pensionspläne für seine Mitarbeiter einen Gewinnbeteiligungsplan durchführt, der aber nur Eonus Zahlungen bis zum Ausscheiden des jeweiligen
Mitarbeiters vorsieht.
Die beiden restlichen Programme in dieser Gruppe sind eher als
Teilarbeitszeitpläne denn als Pensionierungspläne anzusprechen. Sie
sehen Teilarbeitszeit für die Pensionsberechtigten vor, um diesen Gelegenheit zu geben, sich ein zusätzliches Einkommen pro Jahr bis zu
1200 Dollar zu verdienen.
Bei dem einen Programm haben die Produktionsarbeiter und das Wartungspersonal im Alter von 65 die Wahl zwischen drei Möglichkeiten*
Pensionierung, Weiterbeschäftigung bei voller Arbeitszeit, Übergang
auf Teilarbeitszeit (Die normale Arbeitszeit beträgt in diesem Fall
2 Tage pro Woche) . Weitere Sozialleistungen werden ihnen in Form einer
Lehensversicherung in Höhe von 1000 Dollar sowie einer allgemeinen
Krankenversicherung gewährt. Diese Leistungen erlöschen jedoch nach
Erreichung der Zwangspensionierungsgrenze, die hier ebenfalls bei 70
Jahren liegt.
Bei dem anderen Programm schließlich bemüht sich das Unternehmen
in der Zeit kurz vor dem Erreichen des durchschnittlichen normalen
Pensionsalters (Männer 65, Frauen 62;, die betreffenden Arbeitnehmer
im Betrieb um- und so einzusetzen, daß sie bei Teilarbeit in der Lage
sind, zusätzlich zu ihrer staatlichen Altersrente pro Jahr bis zu
1200 Dollar (Steuerfreigrenze) zu verdienen. Gleichzeitig werden sie
ermuntert, diese Tätigkeit beizubehalten. Zwangspensionierungsvorschriften bestehen bei diesem Programm indessen nichtj rund 70 Prozent
aller Arbeitnehmer dieses Betriebs bleiben über das normale Pensionsalter hinaus berufstätig.

- 6-

�Tabelle 2
Regelungen durch Verkürzung der Arbeitswoche

Unternehmen

Erfaßte
Mitarbeiter
im Pensionsalter

Anzahl der
freien
Wochentage

Finanz

alle

in den
nur Freitag oder
letzten
Montag
6 Monaten

Versicherung

alle

im letzten nur Freitag oder
Jahr
Montag

Fertigungsbetrieb

alle

im viertletzten
Monat
im drittletzten
Monat

gültig

Einschränkungen

.keine

im vorletzten
Monat
im letzten
Monat
Fertigungsbetrieb

im drittletzten
Monat

ausgewählte
Angestellte

keine

im vorletzten
Monat
im letzten
Monat
Individuallösungen
Um die in leitenden Positionen tätigen Angestellten auf die vermehrte Freizeit nach ihrer Pensionierung vorzubereiten, haben zahlreiche Unternehmen individuelle, auf die besonderen Verhältnisse und
Probleme des angehenden Pensionärs abgestimmte Übergangs Programme entwickelt, die in der Regel keine starre Form aufweisen, sondern recht
flexibel und informell gestaltet sind. So ist man bei einigen Unternehmen dazu übergegangen, den Nachfolger des betreffenden leitenden
Angestellten 1 bis 2 Jahre vor dessen Pensionierung einzuarbeiten, wo-

- 7-

�wobei nach einer gewissen Periode der Zusammenarbeit und Einarbeitung sukzessive immer mehr Verantwortungen auf den Nachfolger übergehen. Zu den anderen Möglichkeiten zählen: Übertragung gewisser ziviler Projekte des Unternehmens an den zur
Pensionierung anstehenden leitenden Angestellten} Gewährung
eines Urlaubs während der letzten Monate vor dem Ausscheiden;
Einfrieren des Gehalts auf einem bestimmten Niveau bei gleichzeitiger Gewährung von längerem Urlaub} Verminderung des Jahreseinkommens durch Zwangsurlaub ohne Bezahlung} und Umsetzen auf
Teilarbeit.

(Quelle; Monthly Labor Review,
Juli 1964, Vol. 87, Nr. 7)

Die Gewerkschaften und das höhere Bildungswesen (II)
Amerikanische Gewerkschafter machen nur allzu oft die Erfahrung,
daß der gebildete Lurchschnittsamerikaner keine Vorstellung von der
Rolle der Gewerkschaften in der industriellen Gesellschaft besitzt.
So sind etwa Lehrer - um nur ein Beispiel zu nennen - in der Regel
kaum oder nur mangelhaft über den Beitrag der amerikanischen Gewerkschaften zur Entwicklung des öffentlichen Erziehungswesens in den USA
orientiert.
Die Gewerkschaften haben nun keineswegs die Absicht, von den Universitäten zu verlangen, daß sie ihre Studenten zu überzeugten Anhängern der Gewerkschaftsbewegung machen. Aber sie glauben doch erwarten zu dürfen, daß jeder gebildete Amerikaner eine gewisse Vorstellung von einer der bedeutendsten demokratischen Institutionen
der Gesellschaft, in der er lebt, besitzt und daß er somit in der
Lage ist, sich ein auf Wissen gegründetes Urteil in gewerkschaftlichen Fragen zu bilden. Sicherlich gibt es Universitäten, die in
der Verbreitung von Kenntnissen über die amerikanische Industriegesellschaft Beachtliches leisten. Aber viel zu groß ist noch die
Zahl der Universitäten, denen das Thema Gewerkschaften zu heikel
erscheint, als daß sie es für objektiv darstellbar halten könnten.
Der Auftrag der Universitäten erstreckt sich jedoch nicht allein
auf die Lehre, sondern auch auf die Forschung, und die Gewerkschaften
hoffen und würden es begrüßen, wenn sich ein Teil der Forschung auf
Probleme konzentrieren würde, die für Millionen amerikanischer Arbeiter
unmittelbar von Interesse sind, wie zum Beispiel das Phänomen der
Arbeitslosigkeit im allgemeinen oder das Sonderproblem der technologischen, im Gefolge der Automatisierung auftretenden Arbeitslosigkeit.
In gewissem Sinne wurde diese Arbeitslosigkeit ja unter Mitwirkung
der Universitäten geschaffen; Es steht außer Frage, daß die Auto-

- 8-

�Automation in ihren mannigfachen Spielarten das Ergebnis der
Anstrengungen hochqualifizierter Wissenschaftler und Techniker ist,
die ihr Wissen an den Universitäten erwarben und die heute zumeist
in deren Auftrag tätig sind. Wichtig und unbestritten ist der Beitrag der Universitäten in der Schaffung der Arbeitsvoraussetzungen
für die Wissenschaftler. Kur - es ist mindestens ebenso wichtig,
daß dieselben Universitäten auch die Voraussetzungen für die Erforschung sozialer Tatbestände schaffen, die die unmittelbare Folge
des von ihnen mitbewirkten technischen Wandels sind.
Die amerikanischen Hochschulen haben schon immer eine Verpflichtung darin gesehen, ihre Erziehungstätigkeit über ihren eigenen Bereich
hinaus auf die Gemeinschaft auszudehnen. So betrachteten hervorragende
Universitätslehrer ihre Institutionen als dynamische Instrumente, die
im Dienste der Gesellschaft deren materielle und soziale Probleme lösen
helfen sollten. Das setzte allerdings voraus, daß sich die Hochschulen
in die Gesellschaft einfügten, und es setzte eine Organisation voraus,
mit deren Hilfe die Ergebnisse der Forschung in der Praxis anwendbar
wurden.
Aus dieser Erkenntnis entstanden Erwachsenenbildungsprogramme.
Dabei wurden Unterrichtsmethoden entwickelt, durch die praktisch alle
Gruppen mit einem breiten Themenkreis bekannt gemacht werden konnten,
und die Wahl der Themen richtete sich wiederum nach den Bedürfnissen
dieser Gruppen.
Historisch gesehen, wurde dieses Verfahren zunächst auf die Landwirtschaft angewandt, weil sie zu jener Zeit unbestrittenen Vorrang in
der amerikanischen Wirtschaft besaß. So hat sich zwischen Landwirtschaft
und Universitäten schließlich eine Verbindung entwickelt, die sich als
Modell in der ganzen Welt bewährt hat.
Aber die Hochschulen stehen auch im Dienst anderer Gruppen der
amerikanischen Gesellschaft. Es gibt kaum eine bedeutende Universität,
die sich nicht auch den Bedürfnissen der Industrie und der Geschäftswelt angepaßt hat. Dagegen erkannten die Universitäten erst ziemlich
spät, daß sie auch für die Arbeiterschaft einen Bildungsauftrag zu
erfüllen hatten.
Für eine Reihe von Universitäten waren die Gewerkschaften zu umstritten. Andererseits war man sich in akademischen Kreisen auch nicht
ganz sicher, ob man von den Gewerkschaften akzeptiert werden oder über
die geeigneten Lehrmethoden verfügen würde. Denn schließlich besaßen
zahlreiche Gewerkschafter nicht einmal eine abgeschlossene überschulgeschweige denn eine College-Ausbildung. Viele Universitäten hatten
sich um die Probleme der Arbeiter einfach nicht gekümmert} sie verfügten
daher auch nicht über die iiittel, um sich Arbeitern gegenüber verständlich zu machen.
Das beträchtliche Anwachsen der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung
zwischen 1935 un&lt;l 1945 hatte u.a. die Beseitigung dieser Unklarheiten
zur Folge. Die Gewerkschaften waren ein solch bedeutender Faktor der amerikanischen Gesellschaft geworden, daß man schlechterdings nicht umhin
konnte, sie zum Studienobjekt zu machen. Und die Gewerkschaften wandten

- 9-

�wandten sich nun auch von sich aus besonders an die in den Industrieregionen liegenden Universitäten und baten um Unterstützung. Die Folge
davon war, daß die Universitäten in den vergangenen 20 Jahren langsam
dazu übergingen, besondere BildungsProgramme für Gewerkschafter einzurichten. Heute sind bereits 25 Hochschulen an diesem Projekt beteiligt und jedes Jahr stoßen weitere hinzu. In den meisten Fällen handelt es sich dabei um Institute, die ihren Standort in Industriezentren
haben. Aber auch solche berühmte private Universitäten wie Harvard,
die Universität Chicago und die Roosevelt-Universität gehören dazu.
Die von den Universitäten eingerichteten Lehrprogramme für Gewerkschafter unterscheiden sich zwar nach Umfang, Thematik und Form, aber
man kann noch von keinem behaupten, daß es den Standard der für andere
Zweige der amerikanischen Gesellschaft geltenden Programme erreicht.
Einige Hochschulen benötigten zudem viel Zeit, um zu der Erkenntnis
zu kommen, daß man in der Arbeiterbildung - ebenso wie in der kaufmännischen und in der landwirtschaftlichen Ausbildung - Spezialisten
braucht. Darüber hinaus waren anfänglich erhebliche Mängel in der Zusammenarbeit und gegenseitigen Beratung von Universitäten und Gewerkschaften festzustellen, so daß es nicht zu einem fruchtbaren Erfahrungsaustausch kommen konnte. Außerdem wurde nur in seltenen Fällen soviel
Geld für diese Programme aufgebracht wie erforderlich gewesen wäre, um
überhaupt einen nennenswerten Effekt zu erzielen.
Die Universitäten richteten in der Hauptsache ein- bis zweiwöchige
Sonderkurse ein, aber man hat auch schon mit Kursen von bis zu 13
Wochen Dauer experimentiert. Teilnehmer waren Gewerkschaftsführer sowie
einfache Mitglieder. Die Lehrer kamen von den Fakultäten der Universitäten oder waren Fachleute oder Angehörige der Gewerkschaften. Die
Thematik bildeten Tagesfragen, 7/irtschaftsfragen, Fragen des internationalen Handels oder Probleme grundsätzlicher Art.
Zwar bleibt noch viel zu tun, aber man kann doch sagen, daß die
Erfahrungen im ganzen positiv sind, und zwar sowohl für die Gewerkschaften als auch für die Universitäten. Der Effekt dieser Bildungsprogramme kommt der Gesamtgesellschaft zugute. Universitäten und Gewerkschaften aber haben ihre Auffassung bekräftigt, daß höhere Bildung
nicht nur für Gelehrte,• sondern für alle Menschen da ist. Und George
Meany, Präsident der AFL-CIO, hat kürzlich die gewerkschaftlichen
Erwartungen in der Frage der höheren Bildung wie folgt zusammengefaßt*
"Die Gewerkschaften erwarten, daß die höhere Bildung allen zugänglich
gemacht wird - den jungen Menschen, ungeachtet des Einkommens oder der
Intelligenz, der Gesellschaft als Mittel zur Ausbildung einer Führungselite als Garanten des wirtschaftlichen und sozialen Fortschritts, den
arbeitenden Mensohen als Hilfe in ihrem Streben nach höheren Leistungen
am Arbeitsplatz und im öffentlichen und gewerkschaftlichen Leben."

(Quelle» Eigenbericht)

- 10 -

�Gewerkschaftliche Kurznachrichten
Beschäftigungs- und Einkommensgarantie auf Lebenszeit
Eine Beschäftigungs- und Einkommensgarantie auf Lebenszeit sowie
höhere allgemeine Sozialleistungen - das sind die wesentlichen lohnpolitischen Forderungen des Jahreskongresses der Vereinigten Stahlarbeitergewerkschaft (USA), der kürzlich in Atlantic City abgehalten
wurde.
In der von den Delegierten mit überwältigender Mehrheit angenommenen sozialpolitischen Resolution wird darauf hingewiesen, daß sich
auf Grund der geringeren Beschäftigungsmöglichkeiten in der Industrie
immer stärker die Forderung nach weniger strengen Pensionierungsvorschriften und höheren Pensionsleistungen erhebe. Die Auswirkungen der
Automation auf einen immer größeren Arbeitnehmerkreis unterstreichen
die Notwendigkeit des Ausbaus der Arbeitslosen- und anderer Verdienstfortfall Versicherungen.
Von den rund 900 000 Stahlarbeitern werden nach dem letzten Stand
etwa 800 000 durch private Pensionspläne erfaßt: nur 79 000 Arbeitnehmer
der Stahlindustrie arbeiten dagegen in Betrieben, in denen keine zusätzlichen Sozialleistungen gewährt werden.
In verschiedenen Referaten unterstrichen die Delegierten des Kongresses ihre Entschlossenheit, um höhere Löhne, mehr Freizeit zu Muße
und Erholung sowie bessere berufliche Entwicklungs- und Aufstiegsmöglichkeiten für ihre Mitglieder zu kämpfen. Wörtlich heißt es in der
Resolution: "Vor allem müssen wir uns für die Verwirklichung des Prinzips einsetzen, daß ein Stahlarbeiter ein Mensch ist, der nicht nur
ein Recht auf diesen oder jenen sozialen Schutz oder auf diese oder
jene Sozialleistung hat, sondern auf den totalen Schutz seines Einkommens, seiner Würde, ja seiner beruflichen Karriere."
David I. McDonald, der 1. Vorsitzende der Stahlarbeitergewerkschaft,
erklärte in diesem Zusammenhang, daß die "totale"Arbeitsplatzsicherheit
nicht über Nacht erreicht werden könne. Neue Ideen wie diese brauchten
Zeit, um sich durchzusetzen. Sie werden-aber mit Sicherheit bei künftigen
Tarifverhandlungen eine immer größere Rolle spielen.
Neue Vertragsverhandlungen in der amerikanischen Stahlindustrie
werden allgemein für Anfang nächsten Jahres erwartet, da das derzeitig
gültige Abkommen eine Wiederaufnahmeklausel enthält, die es der Gewerkschaft ab 1. Januar 1965 gestattet, nach einer Ankündigungsfrist von
120 Tagen erneut über die Tarife zu verhandeln.
(Quelle: Eigenbericht)
#

- 11

�Kaiser-Gewinnbeteiligungsplan sehr erfolgreich
Seit Unterzeichnung des zwischen der Stahlarbeitergewerkschaft
und der "Kaiser Steel Corporation" abgeschlossenen Gewinnbeteiligungsplanes vor 18 Monaten haben die Arbeitnehmer des Unternehmens schon
Prämien in Höhe von 5 Mio« Dollar ausgezahlt bekommen. Da das Abkommen
vorsieht, daß sämtliche durch Rationalisierung erzielten Produktionsgewinne zwischen Unternehmen und Arbeitnehmern im Verhältnis 2:1 aufgeteilt v/erden, ergibt sich somit auch ein zusätzlicher Gewinn für
Kaiser in Höhe von 10 Mio. Dollar.
Die Bonusentwicklung ist in den vergangenen eineinhalb Jahren
recht unterschiedlich gewesen. Nach relativ hohen Prämienzahlungen
in den ersten Monaten - mit 100 Dollar wurde im Juni 1963 die bisherige Spitze erklommen - ergab sich ein stetiger Rückgang, wobei im
April 1964 mit 9 Cent pro Arbeitsstunde der niedrigste Stand erreicht
wurde. Seit diesem Zeitpunkt jedoch folgten die Bonusse wieder einem
Aufwärtstrend. Mit 47 Dollar erreichten sie im Juli den bisher höchsten
Stand in diesem Jahr.
Der Prämienrückgang ist nach Angaben des Unternehmens durch umfassende - von Zeit zu Zeit notwendige - Reparaturarbeiten sowie, in
Verbindung damit, durch die geringere Kapazitätsausnutzung bedingt
gewesen.
Sowohl die Stahlarbeitergewerkschaft als auch die Unternehmensleitung zeigten sich über die bisherigen Erfahrungen mit dem neuartigen Gewinnbeteiligungsplan sehr befriedigt.
So wurden nach Angaben der Unternehmensleitung bisher über 100
Produktionsarbeiter-Ausschüsse mit dem Ziel gebildet, die Produktivität in den einzelnen Abteilungen zu erhöhen, und über 400 Verbesserungsvorschläge von Mitarbeitern eingereicht, von denen 94 angenommen wurden. Auch durch eine sorgfältige Pflege der Produktionseinrichtungen und Maschinen konnten beträchtliche Einsparungen erzielt
und die Ausfallzeiten wesentlich vermindert werden.
Äußerte sich Edgar F. Kaiser, der Präsident des Unternehmens, zu
dem Gewinnbeteiligungsplan: "Die bisherigen Erfahrungen sowohl als
auch die Einstellung der Mitarbeiter sind sehr positiv. Die monatlich
erzielten Einsparungen haben uns und auch die Gewerkschaft überrascht."

(Quelle: Eigenbericht)

»

Bergarbeiter-Wohlfahrtsfonds zahlte fast 2 Mrd. Dollar aus
Seit der Errichtung ihres Wohlfahrtsfonds (1946) hat die Vereinigte Bergarbeitergewerkschaft fast 2 Mrd. Dollar an ihre im Stein-

- 12 -

�Steinkohlenbergbau tätigen Mitglieder und deren Familienangehörigen in Form verschiedener Sozialleistungen ausgezahlt.
Den größten Posten stellen mit fast 1,0 Mrd. Dollar die
Pensionsleistungen dar, während sich die Unterstützungsleistungen
bei Krankenhausaufenthalt oder Krankheit auf über 750 Hillionen
Dollar belaufen.
Wie aus den kürzlich veröffentlichten Jahresbericht des Fonds
weiter hervorgeht, kamen seit Leistungsaufnahme (1948) bisher
106 542 Bergarbeiter in den Genuß von zusätzlichen Pensionsleistungen,
die bis zum 50« Juni 1964 eine Gesamthöhe von 960,5 Mio. Dollar erreichten - was einer täglichen Auszahlung von 175 747 Dollar entspricht. Am Ende des Berichtsjahrs 1965/64 bezogen insgesamt 64 658
Bergarbeiter Pensionen, mehrere tausend von ihnen bereits seit 1948.
Ein amerikanischer Bergarbeiter, der diese Pension von September 1948
bis Juni 1964 bezog, erhielt den Bericht zufolge eine Gesamtsumme von
17 175 Dollar.

(Quelle: Eigenbericht)

* * # . &lt; *

- 15 -

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material Über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
USIS-Bonn/Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeltsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XVII - 12

Bad Godesberg, den 1. Dezember 1964

INHALTSVERZEICHNIS

Technologische Betriebsumstellungen und die
Auswirkungen auf die Arbeitnehmer

Seite

1

Probleme des technischen Wandels müssen
fortschrittlich gelöst werden

Seite

14

Gewerkschaftliche Kurznachrichten

Seite

18

Technologische Betriebsumstellungen und die Auswirkungen auf die
Arbeitnehmer

Die Ergebnisse einer Untersuchung in fünf Industrieunternehmungen
Vorbemerkungen

Es besteht in den USA allgemein Übereinstimmung darüber, daß die
mannigfaltigen Auswirkungen der technologischen Veränderungen, langfristig gesehen, positiv sind und sich unter anderem in einer höheren
Arbeitsproduktivität, einer größeren wirtschaftlichen Wachstumsrate,
mehr Arbeitsplätzen sowie höheren Löhnen und Sozialleistungen niederschlagen. Über die kurzfristigen Auswirkungen, insbesondere jedoch
über den Preis, den der einzelne durch die Technik von seinem Arbeitsplatz verdrängte Arbeitnehmer hierbei zu zahlen hat, sind die Vorstellungen im allgemeinen weniger klar und bestimmt.
Um die Auswirkungen der Automation auf die Arbeitsplatzstruktur
und auf den beruflichen, wirtschaftlichen und sozialen Status der einzelnen Arbeitnehmer näher zu erforschen, hat das US-Bundesamt für Arbeitsstatistik zwischen April 1962 und Mai 1963 fünf verschiedene

- 1 -

�verschiedene Analysen in solchen Unternehmen durchgeführt, in denen die
technische Umstellung entweder eine Stillegung einzelner Werke oder aber
Massenentlassungen zur Folge hatte. Dabei zeigte sich allgemein, daß es
vielen von ihren Arbeitsplätzen verdrängten Arbeitnehmern selbst in jenen Teilen der USA sehr schwerfiel, einen neuen Arbeitsplatz zu bekommen,
wo die Arbeitsmarktlage relativ günstig war. Andere wiederum mußten beträchtliche wirtschaftliche Härten und eine lange Zeit der Arbeitslosigkeit in Kauf nehmen. Diese Feststellungen gelten insbesondere für die älteren Arbeitnehmer, die Frauen und die Arbeiter mit dem niedrigsten Bildungsniveau und dem niedrigsten beruflichen Leistungsstandard. In den meisten Fällen wurden die Arbeitsplatzverdringten bei der Arbeitsuche von
ihren ehemaligen Arbeitgebern nur wenig unterstützt, so daß sie weitgehend
auf persönliche Beziehungen und Kontakte zu Freunden und Verwandten angewiesen waren.
Eine beträchtliche Anzahl der Automationsverdrängten gab die Suche
nach einer neuen Beschäftigung auf, während die meisten von denen, die
einen neuen Arbeitsplatz fanden, weniger verdienten - zum Teil sogar sehr
viel weniger - und auch erhebliche Einbußen an Sozialleistungen und den
Verlust ihrer Senioritätsansprüche hinnehmen mußten.
Umsetzungen innerhalb des Unternehmens wurden den betroffenen Arbeitnehmern nur in zwei der fünf Unternehmen angeboten, wobei die Umsetzung
auf Grund einer tarifvertraglichen Vereinbarung erfolgte. Selbst in dem
einen Fall, in dem eine Transferierung bei Erhaltung der Senioritätsansprüche angeboten wurde,, machten nur 20 Prozent der Arbeitnehmer von dieser Möglichkeit Gebrauch. Die wichtigsten Gründe für die Ablehnung des
Angebots durch die Arbeitnehmer waren: hohe Umzugskosten, Eigenheimbesitz,
Arbeitsplatz der Ehefrau, Schulbesuch.der Kinder, familiäre und gesellschaftliche Bindungen, Furcht vor künftigen Entlassungen.
Die einzelnen Fälle
Die durchgeführte Untersuchung erstreckte sich auf fünf verschiedene
Industriebetriebe (Erdölraffinerie, Automobilzulieferungswerk, Glasbehälterfabrik, Bodenbelaghersteller, Eisenhütte), in denen zwischen Juli 1960
und Juni 1962 insgesamt 3000 Arbeitnehmer entlassen worden sind. .Die meisten dieser Betriebe waren im Mittelwerten der USA ansässig, in einem Gebiet
also, das starke industrielle Schwerpunkte ut}d «jine vielschichtige Wirtschaftsstruktur aufweist. Das kleinste Imfernahman hatte eine Gcftantbtschftf«
tigtenzahl von knapp 50 00Q, das größte eine von rund 500 000. Im Zeitpunkt
der Erhebung betrug die Erwerbslosenrate in diesen Gebieten etwas über sechs
Prozent. In allen fünf Fällen waren es technologische Veränderungen, die direkt oder indirekt - zur Betriebsschließung oder zu Massenentlassungen
führten: in einem Betrieb waren arbeitsparende Produktionsverfahren eingeführt worden; in einem anderen war es ein Absatzrückgang, der durch eine
Veränderung in der Verbrauchernachfrage und die Hinwendung der Konsumenten
zu einem Produkt ausgelöst wurde, das aus einem anderen Material hergestellt
war.
In allen Fällen - mit lediglich einer Ausnahme - spielten auch noch
andere Faktoren eine ebenso bedeutende Rolle: erheblicher Rückgang in der
Verbrauchernachfrage nach einem bestimmten Erzeugnis, Stornierung langfristiger Aufträge durch einen Hauptkunden und Umstellung auf kurzfristige kleinere

- 2-

�kleinere Aufträge von mehreren Auftraggebern, Arbeitskonflikte zwischen
Gewerkschaften und Unternehmen.
Die Untersuchungen des "Amtes für Arbeitsstatistik" haben gezeigt,
wie schwierig es ist, spezielle Fälle auszuwählen, in denen Arbeitnehmer
ausschließlich auf Grund technologischer Veränderungen entlassen wurden,
denn in der Regel sind es mehrere Faktoren gewesen, die letztlich die
Entscheidung der Betriebsführung beeinflußt haben, den Betrieb zu schließen. Ebenso war es äußerst schwierig, genau zu ermitteln, welche Faktoren
im einzelnen Fall ausschlaggebend waren.
Maßnahmen zur Abwendung von Entlassungen
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die notwendig werdenden Entlassungen zu verhindern oder zumindest einzuschränken - so unter anderem durch
Verhängen von generellen Einstellungssperren, so daß die infolge von Pensionierung oder Kündigung frei werdenden Arbeitsplätze unbesetzt bleiben;
durch die frühzeitige Pensionierung älterer Arbeitnehmer, die gleichmäßige Verteilung der vorhandenen Arbeit unter Ausschaltung von Überstundenarbeit, Verlegung der Umstellung - soweit dies möglich ist - in eine Zeit der
wirtschaftlichen Expansion. Von den hier untersuchten Unternehmen hatte nur
eines - die Raffinerie - den Versuch unternommen, durch langfristige Planung die Entlassungen auf ein absolutes Minimum zu beschranken. Durch die
Verhängung einer Einstellungssperre konnte hier die Zahl der zur .Entlassung
kommenden Arbeitnehmer um mehr als die Hälfte reduziert werden. Drei Jahre
vor Beginn der Umstellung wurden bei diesem Unternehmen keine neuen Arbeitskräfte mehr eingestellt. Ebenso bemühte sich die Geschäftsleitung, allen Mitarbeitern im Alter von über 51 Jahren, die nicht zur Entlassung anstanden,
eine vorzeitige Pensionierung nahezulegen, indem sie ihnen ein relativ hohes
"Altersgeld" zusätzlich zu dem ihnen normalerweise zustehenden allgemeinen
Entlassungsgeld und den Sozialleistungen anbot. Eine Summe von maximal
4800 Dollar als "Altersgeld" wurde dabei den 58jährigen offeriert, während
die älteren (bis.65 Jahre) und die jüngeren Arbeitnehmer entsprechend niedrigere Abfindungen erhielten. Rund 1/6 der zur Entlassung kommenden Arbeitnehmer gehörten dieser Kategorie an. .
Hilfe bei der Arbeitsplatzsuche
Die Unterstützung, die den entlassenen Arbeitnehmern durch ihre Arbeitgeber bei der Suche nach neuen Arbeitsplätzen zuteil wurde, ist sehr unterschiedlich gewesen. Sie schwankt in Umfang und Leistung von Betrieb zu Betrieb, wobei die allgemeine Einstellung des Unternehmens, die Beziehungen
zwischen den Sozialpartnern und die in Tarifverträgen verankerten Abmachungen eine Rolle spielten. In vier Fällen, wurden die Arbeitnehmer von Gewerkschaften vertreten, die der "AFL-G10" angeschlossen waren; bei dem fünften
Unternehmen war eine unabhängige Arbeitnehmerorganisation der Tarifpartner.
Zu den häufigsten Maßnahmen gehörten unter anderen: rechtzeitige Benachrichtigung der Betroffenen von der beabsichtigten Entlassung; Einrichtung eines
Vermittlungsdienstes; Umsetzungen innerhalb des Unternehmens oder des Betriebes; Durchführung von Umschulungsprogrammen, die vom Unternehmen finanziert
wurden. Die Erfolge all dieser Maßnahmen waren jedoch im allgemeinen nur begrenzt. .
Rechtzeitige

�Rechtzeitige Benachrichtigung
Eines der fünf Unternehmen stoppte bereits drei Jahre vor Durchführung der ersten Entlassungen die Neueinstellungen, setzte die in Frage
kommenden Mitarbeiter rechtzeitig von der beabsichtigten Entlassung in
Kenntnis und dehnte die Entlassungen selbst über einen Zeitraum von einem
Jahr aus; in allen anderen Fällen war die Kündigung wesentlich kürzer terminiert. Die längste Kündigungsfrist betrug sechs, die geringste etwas
über zwei.Monate.
Arbeitsplatzvermittlung
Als bei weitem wirksamste Hilfe bei der Suche nach neuen Arbeitsplätzen
erwiesen sich die persönlichen Kontakte. Zwischen 50 und 66 Prozent der in
neue Arbeitsplätze Vermittelten, gaben an, ihren neuen Arbeitsplatz durch Hinweise und Beziehuifcei vcn Freunden imd \fewandten erhalten zu haben.
Die einzige wirksame Hilfe, die den entlassenen Arbeitnehmern von anderer Seite zuteil wurde, leistete in einem Falle das Unternehmen (Raffinerie), in einem anderen die Gewerkschaft. Die Ölfirma schaltete zu diesem
Zweck ihren eigenen Arbeitsplatzvermittlungsdienst ein, durch den Kontakte
zu insgesamt 600 Firmen hergestellt wurden. Sie erklärte sich darüber hinaus
bereit, die Gebühren für zwei private Arbeitsvermittlungsbüros zu bezahlen.
Nach Angaben des Unternehmens konnten durch diese Bemühungen rund 1/3 aller
neu eingestellten Arbeitnehmer vermittelt werden. . .
,.
•„
Im Falle des Automobilzulieferungswerkes forderte die Gewerkschaft alle
zur Entlassung anstehenden Arbeitnehmer auf, einen beruflichen Fragebogen
auszufüllen, der dann den Personalabteilungen all jener Unternehmen zugeleitet wurde, zu denen die Gewerkschaft Kontakte hatte. Auf diese Weise konnten
rund 200 der insgesamt 1000 entlassenen Arbeitnehmer Arbeitsplätze in Firmen
erhalten, in denen die Gewerkschaft Tarifpartner ist.
. ,
Die meisten konnten dabei in einem stark expandierenden Unternehmen untergebracht werden, das Arbeitnehmer bis zu einem Alter von 55 Jahren einstellte. Diese hohe Altersgrenze liegt erheblich über dem festgestellten
allgemeinen Durchschnitt, ist aber dadurch bedingt, daß das Unternehmen qualifizierte "fertige" Arbeiter suchte, die ohne Umschulung an den neuen Arbeitsplätzen eingesetzt werden konnten. Praktisch unmöglich war es der Gewerkschaft
dagegen, männlichen Arbeitskraft«» im Alter von über 55 Jahren und Frauen jeglichen Alters neue Arbeitsplätze zu vermitteln.
Umsetzungen innerhalb des Unternehmens
Obwohl es sich bei allen fünf Firmen um Unternehmen mit zahlreichen
Zweigbetrieben handelt, machten nur zwei ihren zur Entlassung vorgesehenen
Mitarbeitern ein Transferangebot, und zwar, weil die entsprechenden Tarifverträge Klauseln enthielten, die eine derartige Umsetzung innerhalb des Unternehmens vorsahen. In beiden Fällen wurden jedoch keinerlei Umzugsbeihilfen
gewährt. Im Falle des Autanobilzulieferungswerks sah der Tarifvertrag mit der
stärksten.im.Betrieb vertretenen Gewerkschaft vor, daß den Mitarbeitern
(Produktionsarbeitern und Wartungspersonal) bei Schließung eines Zweigwerks
und Verlagerung der Produktion in ein anderes Werk, die Möglichkeit geboten
werden muß, in das andere Werk samt ihrem Arbeitsplatz überzusiedeln. Desgleichen bleiben ihnen in einem solchen Fall sämtliche Senioritätsrechte im

- 4 -

�im Hinblick auf Entlassungen sowie ihre Ansprüche auf verschiedene Sozialleistungen im vollen Umfang erhalten. Auf Grund dieser Vereinbarungen entschlossen sich etwa 1/5 aller in Frage kommenden Arbeitnehmer,
einen neuen Arbeitsplatz in einem anderen Werk des Unternehmens in einem
angrenzenden Bundesstaat anzunehmen. Eine weitere Regelung sah die bevorzugte Wiedereinstellung in einem der übrigen Zweigwerke vor. Allerdings
waren solche Arbeitnehmer, die von dieser Option Gebrauch machten, dann
wie "Neueingestellte".zu behandeln, das heißt, sie verloren ihre Senioritätsrechte hinsichtlich einer,Entlassung, konnten ihre Sozialleistungsansprüche jedoch behalten. Auf Grund dieser Vereinbarung wurden insgesamt
3 Prozent der betroffenen Arbeitnehmer an andere . Arbeitsplätze in Zweigwerken transferiert.
Im zweiten Fall - der Bodenbelagsfabrik - sah der Tarifvertrag eine
Überführung der sozialen Ansprüche vor, nicht aber der Arbeitsplatzrechte,
die sich aus der Länge der Betriebszugehörigkeit herleiten. Nur 1/8 aller
entlassenen Arbeitnehmer machten hier von dem Angebot einer Transferierung
Gebrauch.
Umschulungsprogramme der Unternehmen
Spezielle Programme für die Umschulung der zur Entlassung anstehenden
Arbeitnehmer auf andere Tätigkeiten in anderen Branchen wurden von den fünf
Unternehmen nicht durchgeführt. Die Automobilzulieferungsfirma gab zwar bei
der Verkündung der Betriebsstillegung gleichzeitig die Errichtung eines Umschulungsfonds in Höhe von 100 000 Dollar bekannt - wonach sich auch rund
30 Prozent der entlassenen Arbeiter.für eine Umschulung registrieren ließen -,
aber dennoch mußte das Vorhaben aus verschiedenen Gründen - Alter, unzureichende Schulungsmöglichkeiten, geringe Punktzahl der Umschüler bei Intelligenztests - wieder aufgegeben werden. Das Unternehmen war bei den Vorbereitungsarbeiten zu der Überzeugung gelangt, daß auf Grund der verschiedenen
negativen Faktoren nur geringe Aussichten auf Unterbringung der Entlassenen
in anderen-Berufszweigen bestanden. Nach Angaben der Firma waren viele der
Entlassenen, nicht willens, sich auf schlechter bezahlte Dienstleistungstätigkeiten umschulen zu lassen, während nur wenige auf die Arbeitslosenunterstützung umd die zusätzlichen Unterstützungsleistungen verzichten wollten, auf die
sie ala- Teilnehmer an ganztägigen Umschulungskursen keinen Anspruch hatten.
V«jn den entlassenen Raffineriearbeitern erklärten 10 Prozent, daß ihnen
eine früher, durchgeführte betriebliche Umschulung wesentlich bei der Sicherung eines neuen Arbeitsplatzes geholfen habe. Im Zeitpunkt der Erhebung
waren alle von ihnen wiederbeschäftigt.
Maßnahmen zur Sicherung des Einkommens
a. Arbeitslosenunterstützung
Die bedeutendste Einkommensquelle für die Entlassenen war die Arbeitslosenunterstützung. In vier von den fünf Fällen schwankte der Prozentsatz derjenigen, die diese Bezüge erhielten, zwischen 69 und 94 Prozent, wobei die
durchschnittliche Bezugsdauer zwischen 18 und 27 Wochen lag. Selbst im fünften Fall, in dem die Zahl der Entlassenen relativ klein war, empfing rund
die Hälfte der freigesetzten Arbeitskräfte solche Bezüge.

b.

�b. Zusätzliche Arbeitslosenunterstützung
Eine zusätzliche Arbeitslosenunterstützung (auf Grund von tarifver.traglichen Abmachungen zwischen Unternehmen und Gewerkschaften) erhielten
nur die Arbeitnehmer des Automobilzulieferungswerks. Im Zeitpunkt der Erhebung hatten rund 2/3 aller Entlassenen derartige Bezüge für eine durchschnittliche Dauer von 22 Wochen erhalten.
c. Entlassungsgeld
Entlassungsgeld in irgendeiner Form erhielten die entlassenen Arbeitnehmer in vier der fünf Unternehmen, wobei jedoch nur in einem Fall die
Summe so hoch war, daß sie eine wesentliche Hilfe bei längerer Arbeitslosigkeit dargestellt hätte. Auf Grund dieses Planes wurde den Entlassenen
eine "Betriebszugehörigkeitsprämie" gezahlt,"die sich,aus dem bisherigen
Durchschnittslohn und der Länge det Dienstzeit errechnete. Der geringste
nach der Berechnungsformel.ausgezahlte Betrag belief sich auf etwas über
600 Dollar.
d. Vorgezogene Pensionsleistungen
Obwohl sämtliche Pensionierungsprogramme der betreffenden Firmen eine
vorzeitige Pensionierung im Alter von 60 Jahren und darunter vorsahen, kam
nur in zwei Fällen mehr als ein Bruchteil .der entlassenen Arbeitnehmer in
den Genuß dieser traifvertraglichen Vereinbarung. Im Automobilzulieferungswerk war ein sehr hoher Prozentsatz älterer Arbeitnehmer betroffen, von
denen - nach einer Mitteilung des Unternehmens - innerhalb 14 Monaten nach
Ankündigung der Entlassungen 375 eine Pension erhielten. Da sich herausstellte, daß das Kapital des privaten Pensionsfonds wegen.des hohen Neuzugangs an Pensionären nicht ausreichte, um sämtliche Pensionen in voller
Höhe auszuzahlen, beschloß man im Einklang mit den Kontraktbestimmungen,
die vorgezogenen Pensionen der 50-_bis 59jährigen wesentlich zu kürzen und
die für die noch Jüngeren ganz zu streichen. Bei der Raffinerie erhielten
90 Prozent sämtlicher entlassenen Arbeitnehmer über 55 Jahre volle Pensionsleistungen, fünf Prozent verminderte. Ferner erhielt je.einer von drei Entlassenen unter 55 die volle oder die verminderte Pension. In allen anderen
Fällen verloren die Entlassenen - viele davon mit langer Dienstzeit - ihre
Pensionsansprüche gänzlich.
Charakteristika der Arbeitsplatzverdrängten
Der "typische" Arbeitsplatzverdrängte dieser Untersuchung ist ein Endvierziger männlichen Geschlechts und weißer Hautfarbe, der verheiratet ist,
zwei Familienangehörige, etwas Oberschulbildung und ein Eigenheim hat.
Der Anteil der weiblichen Arbeitnehmer beträgt in einem Fall 40%, im
zweiten 207» und ist in den restlichen drei Fällen unbedeutend. Der Anteil
der Farbigen unter den Entlassenen überstieg in keinem Fall die .7-ProzentGrenze. Die meisten Arbeitnehmer waren 45 Jahre alt und .älter, wobei der
Anteil dieser Altersgruppe an der Gesamtzahl in einem Fall 21 und im
höchsten Fall 94 Prozent betrug. In allen Fällen war die Mehrzahl der Betroff enen .verheiratet und Besitzer eines Eigenheims. Die Zahl der Familienangehörigen war mit zunehmendem Lebensalter rückläufig. Während in .vier
Fällen die überwiegende Mehrheit.der Entlassenen eine nicht abgeschlossene
Oberschulausbildung aufwies, war der Anteil derjenigen mit Abschlußzeugnis - bis auf einen Fall - relativ gering.
Die

�Die Arbeitsplatzsuche
Für viele der entlassenen Arbeitnehmer war die Arbeitsplatzsuche äußerst mühsam und beschwerlich und für eine große Anzahl auch erfolglos .
Die meisten Arbeitsplatzverdrängten konnten auf eine langjährige Tätigkeit
an einem bestimmten Arbeitsplatz zurückblicken, und vielt von ihnen waren
den Anstrengungen der Arbeitsplatzjagd nicht gewachsen.
Wiederbeschäftigte und Erwerbslose
Im Zeitpunkt der Erhebung waren von den entlassenen Arbeitnehmern der
fünf analysierten Firmen rund 66 Prozent wieder an anderen Arbeitsplätzen
beschäftigt. Weitere 10 Prozent waren entweder pensioniert worden oder betrübter sich aus anderen Gründen um keine neue Beschäftigung. 25 Prozent
schließlich waren immer noch unbeschäftigt und hielten nach einem Arbeitsplatz Ausschau. Die Erwerbslosenrate der freigesetzten Arbeitskräfte schwankte - je nach Unternehmen - zwischen 8 und 39 Prozent. Wie aus der folgenden
Übersicht hervorgeht, war sie erheblich höher als die durchschnittliche Arbeitslosenrate im Tätigkeitsbereich des jeweiligen Unternehmens.

Unternehmen

Prozentsatz der Unbeschäftigten
Spanne zwischen ZeitUnter den
Am regionalen Arbeitsmarkt
punkt der
freigesetzEntlassung
ten ArbeitsIm Zeitpunkt
Im Zeitpunkt
und Durchkräften
der Entlassung der Erhebung
führung der
(Erhebung)
Erhebung
(in Monaten)

Erdölraffinerie

6-18

4,6 - 9,9

4.7

8

Automobilzulieferungswerk

10

6,8

4,9

27

8

7,5

5,1

39

16

5,9

3,0

17

Glasbehälterfabrik
Bodenbelagshersteller
Eisenhütte

21 u.13

l)

2,8 u.6,9

1}

3,1 u.3,6

1}

28

2)

1) Spanne für die beiden in zwei verschiedenen Bundesstaaten stillgelegten
Hüttenwerke
2)
Mittel der Erwerbslosenrate in den beiden Bundesstaaten
Mit einer Ausnahme war die Arbeitslosenrate unter den Arbeitsplatzverdrängten mindestens fünfmal so groß wie die allgemeine Durchschnittrate in
dem betreffenden Arbeitsmarktgebiet.
Die Zahl der langfristigen Erwerblosen war erheblich. In vier Fällen
waren mehr als 50 Prozent der freigesetzten Arbeitskräfte mindestens 16 Wochen lang arbeitslos; in zwei dieser Fälle waren es sogar mehr als 66 Prozent,
Ebenso

�Ebenso lag der Prozentsatz derjenigen, die länger als ein halbes Jahr
ohne Arbeit blieben, in diesen vier Fällen zwischen über 40 und mehr als
50 Prozent.
Ferner hatte eine erhebliche Anzahl bis zum Zeitpunkt der Erhebung
überhaupt noch keinen neuen Arbeitsplatz gefunden. Auf der anderen Seite
hatten zwischen 12,5 und 37,5 Prozent der in den einzelnen Unternehmen
freigesetzten Arbeitskräfte bis dahin schon mehr als einen Arbeitsplatz
gehabt.
Lebensalter und Wiederbeschäftigung
Die Aussichten auf Wiederbeschäftigung waren bei den jüngeren Arbeitnehmern (bis 45) erheblich besser als bei den älteren. In vier der in der
nachstehenden Übersicht aufgezeigten Fälle war der Anteil der älteren Erwerbslosen und.noch Arbeit Suchenden erheblich höher als der anderer Altersgruppen. Bei dem fünften Unternehmen hatte sich eine überwiegende Zahl der
älteren Arbeitnehmer mit ihrer vorzeitigen Pensionierung einverstanden erklärt, dennoch waren im Zeitpunkt der Erhebung viele von ihnen wiederbeschäftigt, während einige von ihnen nach Arbeitsmöglichkeiten Ausschau hielten. Bei allen fünf untersuchten Unternehmen bemühte sich jedoch ein größerer
Prozentsatz der älteren Arbeitnehmer nicht um einen neuen Arbeitsplatz.

Zahl der im Zeitpunkt der Erhebung nuch Arbeit Suchenden
. .
Betrieb

(in %)
erwerbslos
unter 45 Jahren

Erdölraffinierie
Automobilzulieferungswerk
Glasbehälterfabrik
Bodenbelagshersteller
Eisenhütte

nicht auf Arbeitssuche
unter 45
über 45
über 45 Jahren

unter 45

1

39

8

5

12

14

10
35

29
41

3

16

12
25

19
32

0
0

15
19

Bei zwei Unternehmen, wo es auf Grund umfassender statistischer Unterlagen möglich war, die Altersgruppen enger zu fassen, zeigte sich, daß die
bei weitem höchste Erwerbslosenrate die Gruppe der 55- bis 59jährigen aufzuweisen hatte. Die überwiegende Mehrheit der Arbeitnehmer über 60 Jahre und
in noch höheren Altersgruppen (über 65) bemühte sich um keine neue Beschäftigung. Obwohl eine beträchtliche Zahl von ihnen von der Möglichkeit einer vorzeitigen Pensionierung Gebrauch gemacht hatte, so dürften doch viele andere
in Erkenntnis der Altersbarriere von der Suche nach einer neuen Beschäftigung
abgeschreckt worden sein.
Schulbildung und Wiederbeschäftigungschancen
Arbeitsplatzverdrängte mit einer abgeschlossenen Oberschulausbildung

- 8-

�1

Ob«rschulausbildung wiesen eine wesentlich niedrigere Arbeitslosenrate
auf als jene, die keinen Abschluß hatten. In drei Fällen war die Erwerbslosenrate der Arbeitnehmer mit Reifezeugnis nur halb so groß wie die derjenigen ohne Abschlußzeugnis. Die Unterschiede in den Erwerbslosenraten
zwischen "Volksschülern" und Oberschülern ohne Abschlußzeugnis waren
dagegen sehr viel geringer.
Auch bei den älteren Arbeitnehmern mit Oberschulabschluß waren die
Wiederbeschäftigungsaussichten weit günstiger als bei jenen, die nur eine
geringe oder unvollständige schulische Ausbildung genossen hatten. Zu den
freigesetzten Arbeitnehmern, die sich um keinen neuen Arbeitsplatz bemühten,
zählten vor allem solche mit einer unzureichenden schulischen Ausbildung.
In Anbetracht des doppelten Handikaps - hohes Lebensalter, geringe Schulkenntnisse - zogen es viele Arbeitnehmer, die normalerweise noch werktätig
geblieben wären, vor, sich vorzeitig pensionieren zu lassen.
Frauen und Wiederbeschäftigung
Die Erwerbslosenrate bei den freigesetzten weiblichen Arbeitskräften
bewegte sich in den fünf untersuchten Fällen zwischen 56 und 61 Prozent das ist eine fast dreimal so hohe Rate„wie bei den Männern in jenen beiden
Firmen, wo eine genauere Analyse möglich war. Nur 25 Prozent der Frauen
waren in allen Fällen wiederbeschäftigt, während sich die restlichen um
keinen neuen Arbeitsplatz bemühten. In einem Fall waren fast 7 von 8 entlassenen weiblichen Arbeitskräften länger als.ein halbes Jahr ohne Arbeit,
während es bei den Männern nur 1 von 3 war. In einem anderen Betrieb ergaben sich entsprechende Verhältniszahlen von 2:1 bzw. 1:3. Wie aus der
folgenden Übersicht hervorgeht, wiesen die Frauen sämtlicher Altersgruppen
unter 60 Jahren und auf allen Bildungsniveaus höhere Erwerbslosenraten auf
als die Männer.
Erwerbslose in Prozent

Altersgruppe

Automobilzulief? v ungswerk

Glasbehält erfabrik

Männer

Frauen

Männer

Frauen

unter 35 Jahren

5

22

10

58

3 5 - 4 4 Jahre

7

25

22

63

4 5 - 5 4 Jahre

17

67

19

70

5 5 - 5 9 Jahre

32

62

51

71

67

32

65

Schulbildung
keine Oberschule

26

•

Oberschule ohne
Abschluß

25

64

23

59

Oberschule mit
Abschluß

11

31

11

65

Der

- 9

�Der Altersfaktor scheint sich bei den Frauen im Hinblick auf die
Beschäftigungsmöglichkeiten also früher auszuwirken als bei den Männern.
Die höchste Arbeitslosenrate ergab sich bei den Männern in beiden Fällen
in der Gruppe von 55 Tis 59 Jahren, während bei den weiblichen Arbeitskräften in einem Fall die Spitze in der Gruppe von 45 bis 54 Jahren lag
und im anderen Fall fast gleichhohe Spitzen in zwei Altersgruppen (45 54 und 55 - 59 Jahre) erreicht wurden.
Ausbildungsstand und Wiederbeschäftigung
Bei der Überprüfung sämtlicher Fälle stellte sich heraus, daß die
höhere Erwerbslosenrate stets die Arbeitnehmer mit den geringeren beruflichen Kenntnissen aufwiesen. Die Rate lag z.B. beim Wartungspersonal
zwischen 0 und 33 Prozent, bei .den Maschinenoperateuren zwischen 8 und
39 Prozent und bei den Hilfsarbeitern zwischen 20 und 59 Prozent. Ein ähnliches Bild ergab sich auch, wenn man die Stundenlöhne als Maßstab für
die beruflichen Fähigkeiten anlegte. Auch hier zeigte sich, daß die höchste Erwerbslosenrate die Arbeitnehmer mit den niedrigsten Stundenlöhnen
aufwiesen.
Die nachstehende Tabelle gibt einen Überblick über die Industriezweige, in denen die freigesetzten Arbeitskräfte einen neuen Arbeitsplatz fanden. Sie zeigt ganz eindeutig, daß es für die Betreffenden sehr schwierig
war, einen neuen Arbeitsplatz im gleichen Industriezweig zu finden.

Prozentsatz der Wiederbeschäftigten in
der gleichen
Industrie
Ölraffinerie

47

Glasbehälterfabrik

21

Eisenhütte

nichtgewerblichen
Zweigen

57

36

7

Automobilzulieferungs
werk

Bodenbelagshersteller

anderen Fertigungszweigen

17

1J

2)

8

28

25

32

47

46

37

34

58

Schließt 33 Prozent an Arbeitnehmern mit ein, die auf Grund tarifvertraglicher Abmachungen in ein anderes Werk des Unternehmens in einem anderen
Bundesstaat transferiert wurdenj die restlichen 147» fanden Arbeitsplätze
in anderen Unternehmen.
Die 17 Prozent stellen alle Arbeitnehmer dar, die auf Grund tarifvertraglicher Vereinbarungen in ein anderes Werk des gleichen Unternehmens in
einem anderen Bundesstaat kamen.
Mobilität

- 10 -

�Mobilität und Wiederbeschäftigung
Welche Rolle die Mobilität bei der Arbeitsplatzsuche spielt, erhellt
schon allein aus der Tatsache, daß ein weit höherer Prozentsatz der Wiederbeschäftigten als der Arbeitslosen sich um Arbeit außerhalb des Wohnortes bemüht hatte. Außerdem hatten - außer in einem Fall - doppelt soviel
Wiederbeschäftigte wie Erwerbslose ihre Arbeitssuche über den 50-KeilenRadius hinaus ausgedehnt.
Welche Anreize und Hindernisse für die Arbeitnehmer bei einer Umsetzung innerhalb des Unternehmens - in ein anderes Werk - bestehen, läßt
sich- an den beiden Fällen ablesen, in denen auf Grund der tarifvertraglichen Vereinbarungen eine solche Möglichkeit gegeben war. Erst die volle
Garantie für die Erhaltung der Senioritäts- r . nderen Ansp üche war
in beiden Fällen für eine Anzahl der Entlassenen Anreiz genug, um einen
Ortswechsel vorzunehmen. Aber selbst in diesem Fall machten nur 20 Prozent von dem Angebot Gebrauch. Nur relativ wenige Arbeitnehmer waren dagegen bereit, einen Arbeitsplatz in einem Zweigwerk des Unternehmens anzunehmen, wenn lediglich die aufgelaufenen sozialen und wirtschaftlichen Ansprüche, nicht aber die Senioritätsrechte, garantiert wurden. Wie eine genaue
Faktenanalyse bei den transferierten Arbeitnehmern zeigte, zählten neben
dem Zwang zur Sicherung der im Laufe eines langen Arbeitslebens aufgelaufenen Sozialleistungen zu den Antriebsmomenten vor allem die Furcht, aus. Altersgründen keinen neuen Arbeitsplatz mehr zu bekommen, sowie - bei den
großen Familien - der Druck den wirtschaftlichen Verhältnisse.
Hemmende und einem Ortswechsel entgegenstehende Faktoren waren dagegen:
Rücksichtnahme auf den Arbeitsplatz der Frau, Eigenheimbesitz, familiäre
und soziale Bindungen, der Schulbesuch der Kinder, die Furcht vor abermaliger Kündigung und die hohen Umzugskosten.
Umschulung und Wiederbeschäftigung
Von den freigesetzten Arbeitnehmern haben nur wenige - zwischen 2 und
7 Prozent - an einem Umschulung6kursus nach ihrer Entlassung teilgenommen.
Dennoch gaben die meisten von den Betroffenen zu erkennen, daß sie an derartigen Umschulungskursen interessiert seien, sofern ihnen dadurch keine Nachteile entstehen. Ihre beruflichen Interessen erstreckten sich dabei auf eine
Vielzahl von Tätigkeiten, in erster Linie auf die Erlernung von Fachberufen
wie Schweißer, Elektrotechniker, Automobil- und Maschinenmechaniker. Bei den
Berufswünschen der weiblichen Arbeitskräfte standen Büro- und Pflegeberufe im
Vordergrund.
Die Auswirkungen auf die Einkommen
Eine Analyse der Einkommen der Wiederbeschäftigten zeigte, daß die meisten freigesetzten Arbeitnehmer an ihrem neuen Arbeitsplatz weniger verdienten. In allen fünf Fällen wiesen mehr als die Hälfte geringere Einkommen auf,
wobei in einem Fall fast ein Verhältnis von 4 i 1 erreicht wurde. Bei vielen
belief sich der.Einkommensverlust auf 20 Prozent und mehr. Das Verhältnis betrug dabei durchschnittlich 1 : 3, in einem Fall sogar 1 : 1. Im Gegensatz
dazu konnten nur wenige Wiederbeschäftigte eine Einkommensaufbesserung erzielen. In zwei Fällen dagegen, in denen eine Umsetzung innerhalb des Unternehmens stattfand (Automobilzulieferungswerk und Bodenbelagshersteller) konnte
ein relativ hoher Prozentsatz der Arbeitnehmer.(32% bzw. 187») sein bisheriges
Einkommen beibehalten.
Wenn
- 11 -

�Wenn ältere Arbeitnehmer einen neuen Arbeitsplatz bekommen konnten,
so mußten sie in der Regel weitaus größere Stundenlohnverluste hinnehmen
als jüngere Kollegen. Die folgende Tabelle zeigt, welcher Prozentsatz
an Arbeitnehmern in den einzelnen Altersgruppen Stundenlohneinbußen von
mehr als 20 Prozent hinnehmen mußte.

unter
35 Jahren

35-44 Jahre

45-54 Jahre

über
55 Jahre

Erdölraffinerie

24

35

31 +

+

Automobilzulieferungswerk

17

18

30

33

Glasbehilterfabrik

31

35

74

Bodenbelagshersteller

11

13

72
35

+

57

iber 45 Jahr«

In drei von vier Fällen, wo eine genaue diesbezügliche Aufschlüsselung
möglich war, ergab sich, daß die Zahl derjenigen Arbeitnehmer, die Einkommensverluste von 20 und mehr Prozent hinnehmen mußten, ab 45. Lebensjahr
besonders stark ansteigt. Das gleiche Gefälle tritt auch bei Anlegung des
Bildungsmaßstabes auf: Diejenigen Arbeitnehmer mit der geringsten Schulbildung wiesen auch die stärksten Einkommensverluste auf.

Arbeitnehmer» die Einkc—nenjsve.irl-ii.ste v m ro"hr als 20% aufwiesen,
nach Bildungsniveau aufgefeilt: (in %)

Grundschule

Erdölraffinerie

Einige Jahre
Oberschule

Abschluß
Oberschule

43

31

Automobilzulieferungvwerk

39

28

23

Glasbehälterfabrik

70

55

32

Bodenbelagshersteller

31

18

22

Die Auswirkungen auf die Sozialleistungen
Viele der durch die technologischen Veränderungen freigesetzten Arbeitskräfte beklagten sich darüber - häufig sehr verbittert - daß sie mit der

- 12 -

�der Entlassung auch sämtliche aufgelaufenen privaten Sozialleistungsansprüche verloren haben. Dieser Verlust war für die meisten Entlassenen in
wirtschaftlicher Hinsicht der härteste, da diese zusätzlichen, die soziale
Sicherheit der Familie wesentlich stärkenden Leistungen einen nicht unwesentlichen Bestandteil der langfristigen Einkommensplanung der Betroffenen darstellten. Hinzu kommt noch, daß die Höhe dieser Sozialleistungen von der
Dauer der Betriebszugehörigkeit abhängig war und daher die Entlassenen an
ihrem neuen Arbeitsplatz mit dem Aufbau ihrer Sozialansprüche von vorn zu
beginnen hatten. Die meisten wieder in Arbeit Stehenden erklärten, daß die
Lohnnebenleistungen an ihren neuen Arbeitsplätzen weniger liberal seien als
die an den alten.
Die Arbeitsplatzveränderungen
Die meisten der entlassenen Arbeiter mußten eine berufliche Zurückstufung
bei ihrem neuen Arbeitgeber hinnehmen; das heißt, die an ihrem neuen Arbeitsplatz von ihnen geforderten beruflichen Qualifikationen lagen unter denen ihres
alten Arbeitsplatzes. Dies war bei den angelernten Arbeitern im stärkeren Maße
der Fall als bei den Facharbeitern. Während die meisten der höherqualifizierten Wartungsarbeiter durch den Arbeitsplatzwechsel nicht aus ihrer Beschäftigungsgruppe herausgedrängt wurden, konnteivon den Maschinenoperateuren nur
etwas mehr als 307» einen gleichwertigen Arbeitsplatz im neuen Betrieb finden.
Ein hoher Prozentsatz der entlassenen Maschinenoperateure, die. einen neuen
Arbeitsplatz gefunden hatten, war als Hilfsarbeiter oder Wachpersonal beschäftigt.
Die Auswirkungen auf die Gewerkschaften
Auf die Mitgliederzahl der Gewerkschaften hatten die Entlassungen einen
sehr erheblichen Einfluß. Während vor den Entlassungen rund 9/10 aller hier
untersuchten Arbeitnehmer gewerkschaftlich organisiert waren,.war das Verhältnis
zwischen Organisierten und Unorganisierten im Zeitpunkt der Erhebung in zwei
Fällen nur noch 1:2 und in keinem Fall besser als 2:1. Der höchste Prozentsatz
gewerkschaftlich organisierter Arbeitnehmer wurde im Falle des Automobilzulieferungswerks festgestellt, in dem jedoch eine nicht unwesentliche Zahl entweder
in andere Zweigwerke transferiert worden war oder durch die Gewerkschaft neue
Arbeitsplätze erhalten hatte. Selbst wenn man nur diejenigen Arbeitnehmer berücksichtigt', die neue Arbeitsplätze gefunden haben, ergeben sich erhebliche
Rückgänge in der Zahl der Gewerkschaftsmitglieder - zwischen 2/5 und 3/5 gemessen an der Gesamtzahl. Zum Teil erklärt sich dieser Rückgang aus der Tatsache,
daß viele neue Arbeitsplätze sich in Betrieben befinden, die gewerkschaftlich
nicht organisiert sind.
Der Einfluß auf die Seniorität
In den meisten von den Gewerkschaften mit Unternehmen abgeschlossenen Tarifverträgen sind sogenannte Senioritätsklauseln enthalten, die den Arbeitnehmern
mit einer längeren Dienstzeit einen größeren Schutz bei Entlassungen garantieren sollen - Bestimmungen, die auch für die Gewährung zusätzlicher betrieblicher
Sozialleistungen von Bedeutung sind. Mit dem Verlust der'Senioritätsrechte hat
ein Arbeitnehmer in seinem neuen Betrieb in jeder Hinsicht (Sicherheit des Arbeitsplatzes, Höhe der Sozialleistungen) wieder von vorn anzufangen. Die überwiegende Mehrheit, der in den untersuchten fünf Betrieben entlassenen Arbeitnehmer
wies eine Betriebszugehörigkeit von mehr als. 10 Jahren euf. In einigen Unternehmen hatten zahlreiche Entlassene sogar erheblich längere Dienstzeiten. In
einem Betrieb waren es rund 25 Prozent, die mehr als 20 Dienstjähre nachweisen

- 13 -

�nachweisen konnten, während es in einem anderen 33 Prozent und in einem
dritten sogar 90 Prozent waren.
Vorzeitiges Ausscheiden aus dem Berufsleben
Eine beträchtliche Anzahl der entlassenen Arbeitnehmer - zwischen 9
und 14 Prozent - gab zu erkennen, daß sie sich nicht mehr um einen neuen
Arbeitsplatz bemühen würde. Besonders hoch war der Prozentsatz dieser
freiwillig vorzeitig aus dem Berufsleben Ausscheidenden natürlich in der
Altersgruppe der 60- bis 64jährigen. Im günstigsten Fall bedeutete dieser
Schritt für sie eine frühzeitige Pensionierung bei reduzierten Rentenleistungen und einem niedrigeren Lebensstandard als ursprünglich für diesen
Lebensabschnitt erwartet. In zahlreichen Fällen zogen sich ältere Arbeitnehmer ohne Aussicht auf eine Pension aus _dem Berufsleben zurück, weil sie
einsahen, daß es für sie einfach unmöglich war* einen anderen Arbeitsplatz
zu bekommen. Diese Ftststellung trifft besonders für die weiblichen Arbeitnehmer zu.
(Aus "Monthly Labor Review'», Vol. 87, Nr. 6,
Juni 1964. Originaltitel der Untersuchung:
"Five Case Studies of Displaced Workers"..
Autor: Herbert Hammerman, US-Bundesamt für
Arbeitsstatistik, Abteilung für Technologische Studien)

+ + + + 4-

Dr. Louis T. Rader:
Probleme des technischen Wandels müssen fortschrittlich gelöst werden
In zunehmendem Maße rückt das Thema Automation in
den Vordergrund wirtschaftlicher und sozialpolitischer Diskussionen. Man spricht von einer:tzweiten
industriellen Revolution", deren Folgen noch nicht
zu übersehen seien. Sind.sie es wirklich nicht? Dr.
Louis T. Rader untersucht im folgenden die Chancen,
die die Automation in der modernen Wirtschaft bietet.

Was ist Automation und was bedeutet sie? Man unterscheidet vier Formen
der Automation:
1. Vorgänge, bei denen automatische Transportmaschinen und elektrische
Energie Werkstücke oder Güter mittels eines laufenden Bandes von Arbeitsstelle zu Arbeitsstelle befördern. Diese Methode wird bei der Produktion von
Automobilen und langlebigen Verbrauchsgütern angewandt.
2. die Anwendung des sogenannten "Feedback"'-Verfahrens - die laufende
"Meldung" von wichtigen Produktionsdaten de_ Meß- oder Kontrollgeräte an einen Elektronenrechner, der sie auswertet und die einzelnen Maschinen etc.
dann selbsttätig reguliert - zur Kontrolle und Regelung der Arbeitsweise von

�von Maschinen und Produktionsvorfänpen, das bei kontinuierlichen Herstellungsprozessen in Frage kommt, also vor allem in der Erdölchemie, in der
Energiewirtschaft oder auch in dev '^.-Thlprociuktion. Man spricht hier vielfach auch von "Cybernation" oder demC PC-System (Computer Production Control);
3. das numerische KontrollverfaV.ren, das auf der Speicherung mathematischer Werte auf Lochstreifen, Lochkarten oder Magnetbändern in Form eines "Programms" beruht, das jeweils einer bestimmten Fertigungsphase entspricht, die
je Bandablauf "identisch" ausgeführt wird;
4. der Einsatz von elektronischen Rechenautomaten, die in der Lage sind,
im Zeitraum von millionstel Sekunden Informationen zu verarbeiten, zu analysieren, zu vergleichen und zu speichern. Anlagen dieser Art zeichnen sich durch
außerordentlich hohe Arbeitsgeschwindigkeit und einen kaum zu übertreffenden
Grad an Präzision aus. Sie vermögen sogar menschliche oder eigene Fehler zu
erkennen und zu korrigieren.
Faßt man den Einsatz automatischer Vorrichtungen dieser Art ausschließlich als Mittel zur Einsparung von Arbeitskraft auf, so geht man ganz sicher
an dem sehr viel wichtigeren sozialen und wirtschaftlichen Aspekt der Verwendungsmöglichkeiten von "Automaten" vorbei. Es stimmt, daß der Einsatz solcher
Geräte etwa in der Buchhaltung oder der Lagerkontrolle zunächst mit Kostensenkung motiviert wurde. Aber immer mehr setzte sich die Erkenntnis durch, daß
Automaten im Management moderner Industriebetriebe bei der Entscheidungsvorbereitung eine eminente Rolle zu spielen vermögen: Die von Automaten entwickelten
und geprüften Alternativen einer möglichen Entscheidung zeichnen sich durch ein
bedeutend größeres Maß an konkreter Information und durch einen unvergleichlich
höheren Grad an IVr^z ision aus.
Indes hängt der Einsatz von Automaten nicht allein von den Einsatzmöglichkeiten ab, denn Automation ist nicht billig, und sie erfordert Zeit, viel Zeit
- Monate und häufig sogar Jahre. Sie bedingt hohe Kapitalinvestitionen, zumindest aber die Entrichtung hoher Leihgebühren bei der Inanspruchnahme der Dienste
nicht-betriebseigener «'Rechenzentren". Der Anstoß zur Einführung der Automation
muß also vom "Markt" her kommen; sie.wird gewissermaßen aus der Preiskonkurrenz
hervorgehen, beispielsweise, wenn etwa die Marktchancen für ein Produkt verbessert werden können oder wenn sich Chancen zur Erweiterung eines Absatzmarktes auf Grund niedrigerer Preise ergeben. In jedem Falle müssen Maßnahmen zur
Einführung der Automation ökonomisch vertretbar sein.
Die Einführung der Automation ist eine Entscheidung mit sozialpolitischen
Konsequenzen, und insbesondere von Arbeitnehmerseite wird auf den Zusammenhang
zwischen Arbeitsplatzschwund und Automation aufmerksam gemacht. Man darf dem
jedoch mit gleichem Recht entgegenhalten^, daß etwa die relativ hohe Zahl der
Arbeitslosen in den USA, wie;e'inef der fuhrenden Wissenschaftler auf dem Gebiete der Produktivitätsforschung, Professor John W. Kendrick von der GeorgeWashington-Universität, betont, im wesentlichen auf die geringen Produktivitätssteigerungsraten der letzten Jahre zurückzuführen ist. Diese These läßt sich
mit der Beobachtung untermauern, daß gerade die Industrien mit überdurchschnittlichen Produktivitatssteigerungsraten auch die Tendenz zur überdurchschnittlichen Vergrößerung ihrer Beschäftigtenzahl aufwiesen. Die Behauptung, die Automation mache in den USA pro Woche 40 000, mithin im Jahr 2 Millionen Menschen,
arbeitslos, kann man andererseits mit dem Hinweis auf. die Tatsache begegnen,
daß in den vergangenen zwölf Monaten eine Million Menschen in den USA in den
Arbeitsprozeß eingeschaltet werden konnten und daß die Arbeitslosigkeit keineswegs zugenommen hat. Von 1947 bis 1963 wurden in den USA 11,3 Millionen Arbeitsplätze neu geschaffen, und das, obwohl in dieser Periode eine verstärkte Ab-

- 15 -

�Abwanderung aus der Landwirtschaft in die Industrie zu verzeichnen war.
Hier besteht offenbar ein wichtiger Zusammenhang: Diese Arbeitsplätze
entstanden zu einer Zeit, da in Amerika mehr Geld für neue Industrieanlagen, für neue und bessere Maschinen und für kostensenkende Ausrüstungen
ausgegeben wurde als je zuvor. Der entscheidende Punkt in der ganzen Diskussion um das soziale Für und Wider der Automation liegt, wie mir scheint,
in folgenden: Der Trend, neue Maschinen einzusetzen, neue und vermehrte
Kapitalinvestitionen vorzunehmen, neue Fabrikationsanlagen zu schaffen wie überhaupt das ständige Bemühen um eine Verbesserung der Produktivität -.
schafft neue Arbeitsplätze.. Die Wechselwirkung zwischen Mechanisierung und
verbesserter Produktivität ist unbestreitbar.
Ganz offenbar besteht auch ein Zusammenhang zwischen der Nutzung der
Arbeitskraft und dem An- und Abstieg der Beschäftigtenziffer. Ein Vergleich
zwischen den Industriezweigen mit der höchsten und der geringsten Produktivitätsrate in.den USA zeigt, daß der Bedarf an Arbeitskräften bei den Industrien mit Spitzenwerten in der Ausnutzung der Arbeitskraft zunehmende
Tendenz aufweist, während die Industrien mit der geringsten Leistung je Arbeitskraft ein Nachlassen des Arbeitskräftebedarfs verzeichnen: Von 1947/49
(Durchschnitt) bis 1961 vergrößerten die ersteren Industrien ihre Beschäftigtenziffer um 236 000, während die Beschäftigtenzahl der Industrien, mit schlechter Arbeitskraftnutzung um 609 000. zurückging.
Die Ursache dieses Phänomens ist darin zu erblicken, daß Industrien,
die mechanisieren und automatisieren, wettbewerbsfähig sind, neue und bessere
Güter zu niedrigeren Preisen herstellen, ihr Produktionsvolumen erweitern
können und Profite zu erzielen vermögen, die wiederum zur Produktion von
Gütern verwandt werden können, die der Kunde kaufen will und die er sich wegen der niedrigeren Preise auch leisten, kann.
Ein Unternehmer, der Profite erzielt und sein Kapital in extensivem
Sinne einsetzt, ist ein wahrer Freund der Arbeitnehmer. Ein Unternehmer dagegen, der am Rande des Bankrotts wirtschaftet und der sich weigert, moderne
Fertigungsmethoden einzusetzen, ist es sicherlich nicht.
Wirtschaftswissenschaftler haben immer wieder versucht, die Faktoren
wirtschaftlichen Wachstums zu ermitteln. Vollständig gelang ihnen das nie.
Die Veränderlichkeit der Qualität der menschlichen Komponente scheint die
unbekannte Größe in ihrer Berechnung zu sein. Wenn man dies berücksichtigt,
kommt man zu dem überraschenden Ergebnis, daß etwa 21 Prozent oder knapp
ein Fünftel unserer wirtschaftlichen Wachstumsrate allein auf den menschlichen Bildungsfaktor zurückgeht.
Man darf daraus wohl den Schluß ziehen, daß in den nächsten zehn oder 20
Jahren der Qualität und Art der Ausbildung menschlicher Arbeitskräfte in
erhöhtem Maße Beachtung geschenkt werden muß. Die Automation verringert den
Bedarf an ungelernten Arbeitskräften und erhöht den Bedarf an Fachkräften.
So wurden vom US-Arbeitsministerium nicht weniger als 37 Berufssparten als
Mangelberufe klassifiziert. Darunter fallen Farbensetzer, Elektroniktechniker, Feinmechaniker, Ingenieure, Maschinisten, Mathematiker, Krankenschwestern, Büro- und kaufmännisches Personal und natürlich zahlreiche Lehrberufe.
Sicherlich erfordern nicht alle diese Berufe ein abgeschlossenes Hochschulstudium, aber sie setzen doch zumindest eine spezielle Ausbildung voraus.
Ausbildung, Umschulung, Arbeitermobilität, Expansion der Wirtschaft das sind die Themen des technologischen Zeitalters, und es ist nicht nur

- 16 -

�I

nur Sache der Regierung, sondern auch der Wirtschaft, der Gewerkschaften,
des BildüngsWesens und nicht zuletzt des einzelnen Arbeitnehmers, die mit
dem technologischen Wandel verbundenen Härten weitgehend abzumildern und aus
Technologie und Automation den größtmöglichen Nutzen zu ziehen.
Nicht selten wird die Ansicht vertreten, der fortschreitende technologische Wandel, die zunehmende Übernahme menschlicher Funktionen durch Rechenautomaten sowie die rapide Bevölkerungsr;unt/ " 2 würden den Menschen schließlich zum bloßen manipulierbaren Objekt degtadteren. Ich bin anderer Ansicht.
Für den Menschen gibt es immer genug zu tun. Projekte wie die Entsalzung des
Meerwassers, die Bewässerung der Wüsten, die Beseitigung der Luftverschmutzung
über den industriellen Ballungsräumen, die Beseitigung der Verkehrsengpässe
und die Herstellung von. unbegrenzt haltbaren Gebrauchsgütern erscheinen zwar
vorerst aus wirtschaftlichen Gründen nicht realisierbar. Es müssen aber Wege
gefunden werden, die einen Einsatz von Kapital, Arbeit und Material zur Lösung dieser Probleme in einer Weise erlauben, die im monet ren Sinne die.
Kosten rechtfertigt. Dabei kann die Automation helfen.
Die eigentliche Macht des menschlichen Intellekts besteht in der Fähigkeit, über seine Umwelt zu triumphieren. Der.Mensch ist unsere entscheidende
Hilfsquelle, die Automation nur ein Werkzeug der menschlichen Rasse, allerdings ein gutes und brauchbares Instrument, wie man betonen sollte.

(stark gekürzt)
(Nachdruck mit Angabe des Autors und
Vermerk
"Courtesy of Sperryscope Sperry Rand Corporation"
gestattet.)

+ ++++

17 -

�Gewerkschaftliche Kurznachrichten
Bessere Schulungs- und Aufstiegsmöglichkeiten für farbige Hotelangestellte
Bessere Ausbildungs- und Aufstiegsmöglichkeiten sichert den farbigen
und puertoricanischen Hotelangestellten New Yorks eine zwischen dem "Hotel
and Motel Trades Council" und dem Hotelierverband getroffene Vereinbarung,
an deren Zustandekommen auch vier der bedeutendsten Vereinigungen zur Förderung der Interessen Farbiger beteiligt waren.
Wie der Präsident des Trades Council, der die Interessen von insgesamt
neun Fachgewerkschaften des Hotelgewerbes vertritt,.zu dem neuen Abkommen
erklärte, sollen in Zukunft bei der Neubesetzung höher eingestufter Arbeitsplätze zuerst solche Arbeitnehmer berücksichtigt werden, die bereits seit
langem im Hotelfach tätig sind und sich beruflich durch gute Leistungen
hervorgetan haben. Die Nominierung der Kandidaten für die berufliehenFortbildungs- und Umschulungsprogramme soll, dabei künftig ohne Rücksicht auf
Rasse, Hautfarbe oder Religion erfolgen.
Zur schnelleren Erreichung dieser Ziele kündigte der Council u.a.
folgende Sofortmaßnahmen an: Ernennung einer qualifizierten Persönlichkeit
zum Leiter der gesamten Ausbildungsarbeit; Abfassung einer Eingabe an die
New Yorker Stadtverwaltung, in der diese aufgefordert wird, Spezialklassen
für Lesen, Schreiben und freie Rede einzurichten, damit dieeiner Beförderung in der Regel im Wege stehenden Sprachschwierigkeiten beseitigt werden;
Verstärkung der Bemühungen, Neger und Puertoricaner in Angestelltenpositionen zu bringen.
Der "Hotel and Motel Trades Council" vertritt in New York insgesamt
33 000 Hotelangestellte in 180 Hotels. Rund 40 Prozent aller in den New Yorker Hotels Tätigen sind Neger und Puertoricaner, wovon der größte Teil in
den untersten Arbeitsplatzkategorien anzutreffen ist.
(Quelle: Eigenbericht)

+
Erhebliche Gehaltsaufbesserung für New Yorks Polizeibeamte
Rund 20 500 New Yorker Polizeibeamte werden auf Grund eines nach mehrwöchigen Verhandlungen zwischen der Polizeigewerkschaft und der Stadtverwaltung abgeschlossenen neuen Tarifvertrages eine wesentliche Aufbesserung
ihrer Gehälter und Lohnnebenleistungen erhalten. In den nächsten zwei Jahren
(Vertragsdauer) sollen die Polizeibeamten dabei insgesamt 900 Dollar mehr "
bekommen - 400 Dollar im ersten und 500 Dollar im zweiten Jahr*
Diese Regelung, die vorläufig nur für die Mannschaftsdienstgrade der
New Yorker Polizei gilt, soll bei den nächsten TarifVerhandlungen auch auf
die rund 5000 Offiziere ausgedehnt werden.
Nach

- 18 -

�Nach Mitteilung des Gewerkschaftsvorsitzenden, John J. Cassese,
dürfte das Gehalt eines Streifenbeamten einschließlich der Kleiderzulagen
und Feiertagszuschläge künftig rund 9020 Dollar (8260 Dollar bisher) im
Jahr betragen.
Zu den in den Tarifverhandlungen erreichten Verbesserungen zählen ferner: Gewährung eines zusätzlichen bezahlten Feiertages (jetzt insgesamt 11)J
Erhöhung des Kleidergeldes um 15 Dollar in diesem und um weitere 15 Dollar
im nächsten Jahr (Gesamthöhe dann.185 Dollar pro Jahr); Anhebung der.Sozialbeiträge der Stadt für die Krankenversicherungs- und Wohlfahrtsfonds der
Polizei um 25 Dollar pro Polizist und Jahr; freie Wahl der angebotenen Krankenhauskosten- Yersicherungspläne; Zahlung von 3/4 der Krankenhauskosten, durch
die Stadtverwaltung ab 1. Januar 1965 und Übernahme der Gesamtkosten ab
1. Januar 1966.
(Quelle: Eigenbericht)

+++++

�</text>
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                <text>&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Nr. 1&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Gewerkschaften und ihr Beitrag zur amerikanischen Gesellschaftsordnung&lt;br /&gt;Hat das Kollektivverhandlungswesen noch Zukunft?&lt;br /&gt;1963 brachte neuen Stil im Tarifverhandlungen&lt;br /&gt;Betrieblich geförderte Freizeitprogramme&lt;br /&gt;US-Eisenbahnen können "zweiten Mann" auf Dieselloks abbauen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 2&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Gewährleistung gleicher Berufschancen für Amerikas Minderheiten&lt;br /&gt;Die wirtschaftlichen Ziele der amerikanischen Gewerkschaften&lt;br /&gt;Gewerkschaftliche Kurznachrichten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 3&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Arbeitsvorgeschichte, Haltung und Einkommen der Arbeitslosen in den USA (I)&lt;br /&gt;Neue Möglichkeiten des Kollektivverhandlungswesens&lt;br /&gt;Gewerkschaftliche Kurznachrichten: Lohnpolitischer Rundblick&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 4&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Arbeitsvorgeschichte, Haltung und Einkommen der Arbeitslosen in den USA (II)&lt;br /&gt;Druckereifachschule in Colorado Springs&lt;br /&gt;Die Firma zahlt den Doktorhut&lt;br /&gt;Gewerkschaftliche Kurznachrichten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 5&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Gewerkschaft und Automation - Dreimal Waffenstillstand an der amerikanischen Westküste&lt;br /&gt;Die betrieblichen Sozialklassen der Angestellten in den USA (I)&lt;br /&gt;US-Eisenbahnerstreik&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 6&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die betrieblichen Sozialkassen der Angestellten in den USA (II)&lt;br /&gt;Die amerikanischen Gewerkschaften und die Präsidentschaftswahlen&lt;br /&gt;Ende der Monotonie am Fließband?&lt;br /&gt;Gewerkschaftliche Kurznachrichten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 7&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Arbeitsmarkt- und Automationsforschung in den USA: Ziele und Aufgaben&lt;br /&gt;Die Automationsforschung:&lt;br /&gt;Untersuchungen über technische Neuheiten&lt;br /&gt;Untersuchungen über die Auswirkungen der Automation&lt;br /&gt;Künftige Forschungsreihen&lt;br /&gt;Die Gewerkschaften und das öffentliche Interesse&amp;nbsp;&lt;br /&gt;Gewerkschaftliche Kurznachrichten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 8/9&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bezahlter Urlaub als Bestandteil von Kollektivverträgen&lt;br /&gt;Die Rolle der Gewerkschaften in der modernen Wirtschaft&lt;br /&gt;"Haben Sie schon einen Job?"&lt;br /&gt;Gewerkschaftliche Kurznachrichten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 10&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Mitgliederbewegungen der amerikanischen Gewerkschaften&lt;br /&gt;Die Gewerkschaften und das höhere Bildungswesen (I)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 11&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Gezielte Vorbereitung der Arbeitnehmer auf die Pensionierung&lt;br /&gt;Die Gewerkschaften und das höhere Bildungswesen (II)&lt;br /&gt;Gewerkschaftliche Kurznachrichten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 12&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Technologische Betriebsumstellungen und die Auswirkungen auf die Arbeitnehmer&lt;br /&gt;Probleme des technischen Wandels müssen fortschrittlich gelöst werden&lt;br /&gt;Gewerkschaftliche Kurznachrichten&lt;/p&gt;</text>
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                    <text>INTERNATIONALE ARBEITSMITTEILUNGEN
Inhaltsverzeichnis

19 6 5

Nr. 1

Die Lohnentvicklung in der US-Wirtschaft 1957-1963
Die Entwicklungen am amerikanischen Arbeitsmarkt
1962-1964
Das Ende der freien Gewerkschaften Kubas
Gewerkschaft1iche Kurznachrichten

+
Nr. 2

Tarifvertragliche Möglichkeiten einer vorzeitigen
Pensionierung in der US-Wirtschaft
Verbesserung der Volksgesundheit durch gezielte
Maßnahmen
Entlassungsbestimmungen in US-Tarifverträgen

+
Nr. 3

Ausgabentrends von Stadtfamilien 1950-1961
Arbeits- und Lohngarantiebestimmungen in
Großtarifverträgen
Gewerkschaftliche Kurznachrichten

+
Nr. 4

Die Entwicklung der Lohnnebenleistungen in der
US-Industrie
UAW - eine junge aber mächtige Gewerkschaft
Stahlarbeitergewerkschaft schloß Modellvertrag
Umschulungs- und Berufsförderungsprogramme wurden verstärkt
SunnyhillsJ Rassenfragen unbekannt

+

�Nr. 5

Die Entwicklung des US-Arbeitspotentials zwischen
1964 und 1980
Die Entwicklung der Einkommen im Polizei- und
Feuerwehrdienst
Gewerkschaftliche Kurznachrichten

+
Nr. 6

Art, Umfang und Problematik der Doppelbeschäftigung
Gezielte Maßnahmen zur Vorbereitung auf das
Automationszeitalter
Hilfe für die älteren Menschen

+
Nr. 7/8

Eine Einkommenskala der USA unter Berücksichtigung
von 321 Berufen
Bemerkenswerte Entwicklungen auf dem US-Arbeitsmarkt
US-Industrie bietet Führungspositionen für Farbige
Chrysler startete bemerkenswertes Umschulungsprogramm
600 000 US-Regierungsangestellte sind Gewerkschaftsmitglieder

+
Nr. 9

Automation in zehn Großunternehmen
Gleiche Arbeitschancen für alle
Gewerkschaftliche Kurznachrichten

+
Nr. 10

Entwicklung der Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Beziehungen
seit Kriegsende
Gewerkschaftliche Kurznachrichten

+

2 -

�11 Automation und Gesellschaft
Beschäftigungstrends in der Fertigungsindustrie
Der neue Tarifvertrag der US-Stahlarbeiter
Arbeitslosigkeit erreichte neuen Tiefstand

+
12

Automation und Gesellschaft

(II)

Gewerkschaftliche Mitsprache bei Personalentscheidungen
Arbeitnehmer auf der Schulbank

+ + + + +

- 3-

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
USIS-Bonn/Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XVIII - 1

Bad Godesberg, den 1. Januar 1965

INHALTSVERZEICHNIS

Die Lohnentwicklung in der US-Wirtschaft 1957-1963

Seite

1

Die Entwicklungen am amerikanischen Arbeitsmarkt 1962-1964

Seite

9

Das Ende der freien Gewerkschaften Kubas

Seite 14

Gewerkschaftliche Kurznachrichten

Seite 17

J. Ross Wetzel, Mitarbeiter des US-Bundesamtes für Arbeitsstatistik,
Abteilung Beschäftigungsanalysen:
Die Lohnentwicklung in der US-Wirtschaft 1957-1963
Zusammenfassung
Trotz zweier Rezessionen und einer relativ hohen Erwerbslosenzahl haben sich die durchschnittlichen Arbeitseinkommen von fast 30
Millionen amerikanischen Lohnempfängern 1) zwischen 1957 und 1963 um
über 20 Prozent erhöht. Diese Aufwärtsbewegung, die auch 1964 andauerte, vollzog sich auf einer relativ breiten Basis und in verhältnismäßig ruhigen Bahnen. Zwar sind auch die Lebenshaltungskosten in diesem
Zeitraum angestiegen, aber nicht in dem Maße wie die Einkommen. Eie
Realeinkommen folgten daher beständig einem Aufwärtstrend.
Wenn
1) Zu'den 30 Millionen Arbeitnehmern, die von dieser Analyse des USBundesamtes für Arbeitsstatistik erfaßt werden, gehören die Bauarbeiter, die Produktionsarbeiter der Industrie und des Bergbaues
sowie die Angestellten des Handels, der "anken und Versicherungen,
der verschiedenen Tienstleistungszweige und des Transportwesens
mit Ausnahme der leitenden Angestellten.
- 1

�Wenn auch alle Industriezweige, für die auswertbare statistische
Unterlagen zur Verfügung standen, Lohnanstiege aufweisen, so hat sich
dennoch die Kluft zwischen den Industrien mit hohen und mit niedrigen
Löhnen erweitert - und zwar sowohl in absoluten (Geld-) als auch in
Prozentwerten. Die Einkommenszunahmen sind in erster Linie das Ergebnis höherer Stundenlöhne und nicht die Folge wesentlicher Arbeitszeitverlängerungen.
Die Wochenlöhne
Umfassende, nach Wirtschaftszweigen gegliederte Einkommensunterlagen standen bei dieser Einkommensanalyse für insgesamt 25 Millionen
im Handel, in der Fertigungsindustrie, dem Baugewerbe und de» Bergbau
beschäftigte Arbeitnehmer zur Verfügung. Die Verdienstunterlagen für
weitere 5 Millionen dagegen beziehen sich .nur auf einzelne Sektoren
von Wirtschaftszweigen. Sie werden am Ende dieses Abschnitts gesondert
behandelt. Insgesamt gesehen, bestehen zwischen den Lohnanstiegen in
den einzelnen Wirtschaftszweigen nur geringfügige Unterschiede. Sie
liegen allgemein im Bereich von 20 bis 22 Prozent. Etwa 22 Millionen in
Industrie und Handel.Beschäftigte wiesen zwischen 1957 und 1963 eine
Lohnaufbesserung dieser Größenordnung auf. An der Spitze der Skala
stehen die Bauarbeiter mit Lohnerhöhungen von 27 Prozent, am Ende rangieren die Bergarbeiter mit.Zunahmen von lediglich 16 Prozent. Wenn auch
eine auffällige Parallelentwicklung der Einkommen in Industrie und Handel
festzustellen ist, so darf doch in diesem Zusammenhang nicht übersehen
wer«en, daß die Zuwachsraten in den einzelnen Wirtschaftssektoren sehr
unterschiedlich waren.
Wie schon einleitend betont wurde, resultieren die Lohngewinne in
erster Linie aus höheren Stu denlöhnen und nur zu einem geringen Teil
aus vermehrter Arbeitszeit. Im Handel und in der Fertigungsindustrie
belaufen sich die Lohnerhöhungen auf 20-22 Prozent; im Bergbau auf 12
nd im Baugewerbe auf 26 Prozent. Die durchschnittlich»- Arbeitswoche
war 1963 in den einzelnen Wirtschaftszweigen etwas länger als 1957.
Dennoch trug die verlängerte Arbeitszeit nur mit weniger als einem Achtel
zur Gesamterhöhung der wöchentlichen Einkommen bei. Die einzige Ausnahme
bildete der Bergbau, wo sich die durchschnittliche Arbeitswoche um 1 1/2
Stunden erhöhte - was rund 1/4 der Lohnerhöhungen bewirkte.
Zwischen den einzelnen Industriezweigen bestehen - wie auch aus der
Tabelle 1 zu ersehen ist - erhebliche Lohnunterschiede, die sich zwischen
1957 und 1963 noch stärker ausgeprägt.haben. Als Beispiel seien hier die
Lohnentwicklungen bei den Bauarbeitern und den im Einzelhandel Beschäftigten angeführt. Während das. Einkommensverhältnis zwischen diesen, beiden
Arbeitnehmergruppen 1957 noch 1,0 zu 1,8 betrug, stellte es sich 1963 auf
1,0 zu 1,9. Wenn man außerdem die wöchentlichen Durchschnittseinkommen
der einzelnen Industriezweige (ohne Bergbau) .^'.Jteinander vergleicht, so
zeigt sich, daß die Kluft zwischen den Industrien mit hohem und mit niedrigem Lohnniveau sowohl absolut als auch relativ größer geworden ist.
Tabelle 1

�Tabelle 1

Wochenlöhne in ausgewählten Industriezweigen
Jahresdurchschnitte 1957 (1958) und 1963
(Angaben in Dollar)
Industriezweig

Bruttowochenlöhne
1963

1957

Zuna

Bruttostundenlöhne

Jme

1963

1957

Zunahme
in 7.

in /o

Bergbau

114,40

98,65

16

2,75

2,46

12

Baugewerbe

127,57

100,27

27

3,42

2,71

26

108,09

88,26

22

2,63

2,19

20

87,91

72,52

21

2,22

1,85

20

Großhandel

99,47

81,41

22

2,45

2,02

21

Einzelhandel

68,04

56,89

20

1,80

1,47

22

Banken

74,97

61,44

22

(2)

(2)

Versicherungen

96,28

80,83

19

(2)

(2)

Fertigungsindustrie
Dauergüter
Verbrauchsgüter
Handel

Bank- und Versicherungsgewerbe

Dienstleistungsgewerbe

(1958)

-

(1958)

Hotels und Motels

47, S8

40,89

16

1,22

1,03

18

Wäschereien

51,87

45,28

15

1,33

1,17

14

Eisenbahnen

118,40

101,50

17

2,76

2,44

13

Straßentransport

117,31

96,33

22

2,82

2,31

Telefon

22

102,40

78,72

30

2,56

2,05

25

Elektrizität, Gas u.a.

121,13

98,57

23

2,94

2,41

22

Transport, öffentliche
Versorgung

Tabelle 2

�Tabelle 2

Wöchentliche Arbeitszeit und Beschäf tigtenzah1
(Jahresdurchschnitte 1957 und 1963)

Industrie

Beschäftigtenzahl
(in 1000)

Durchschnittliche Arbeitszeit
pro Woche (in Stunden)
1963

1957

Veränderung
•

Ol

1963

1957

in k

Veränderung
in %

Bergbau

41,6

40,1

+ 1,5

497

695

Baugewerbe

37,3

37,0

+ 0,3

2578

2537

+ 1,6

- 28,5

Industrie
Dauergüter

41,1

40,3

+ 0,8

7059

7550

- 6,5

Verbrauchsgüter

39,6

39,2

+ 0,4

5526

5638

- 2,0

Großhandel

40,6

40,3

+ 0,3

2690

2541

+ 5,9

Einzelhandel

37,8

38,7

- 0,9

6303

5933

+ 6,2

Handel

Der durchschnittliche Wochenlohn der Bauarbeiter stieg zwischen 1957
und 1963 von 100,00 Dollar auf 128,00 Dollar an. Dies entspricht der größten absoluten und prozentualen Zunahme .überhaupt. .Im Bergbau, der in der
industriellen Lohnskala an zweiter Stelle steht, trat, eine Erhöhung der
Wochenlöhne von 99,00 Dollar auf 114,00 Dollar ein. Die Einkommenskluft
zwischen der Dauer- und der Verbrauchsgüterindustrie.vergrößerte sich erneut (von 16 auf 20 Dollar), obwohl prozentual gesehen die Anstiege der
Wochenlöhne zwischen.1957 und 1963 gleich hoch waren. Im Handel betrugen
die prozentualen Zunahmen der Wochenlöhne 22 (Großhandel), bzw. 20 Prozent
(Einzelhandel). Auf Grund der zunehmenden Beschäftigung yon Teilzeitarbeitskräften im Einzelhandel trat in diesem Wirtschaftszweig ein starker Rückgang
der wöchentlichen Arbeitszeit ein, prozentual aber nahmen die Stundenlöhne
hier etwas stärker zu als im Großhandel.
Auch

�Auch für Arbeitnehmergruppen der restlichen Dienstleistungszweige
wurden Einkommensunterlagen ausgewertet. Aus der Finanz-, Versicherungsund Immobilienwirtschaft standen dabei Angaben über insgesamt 1,5 Millionen bei Banken, Versicherungen, Wertpapier- und Börsenir a K 1 B ^ Beschäftigte zur Verfügung. Daraus ergibt sich, daß diese Arbeitnehmerkreise
zwischen 1957 und 1963 einen Anstieg ihrer Wochenbezüge um 19 bis 22 Prozent verzeichneten. Bei anderen Dienstleistungszweigen wurden die Einkommensunterlagen - z.B. der in Hotels, Motels und Wäschereien Beschäftigten - seit 1958 analysiert. Aus einer Zusammenstellung ergibt sich
daß die Wochenlöhne in diesen beiden Teilbereichen des Dienstleistungsgewerbes in diesem Zeitraum um 16,4 bzw. 14,5 Prozent angestiegen sind.
Aus dem Transportgewerbe und den öffentlichen Versorgungsbetrieben standen für diesen Einkommensvergleich Unterlagen von über 2 Millionen Arbeitnehmern zur Verfügung. Es handelte sich dabei um Beschäftigte der
Eisenbahnen, des Straßengüterverkehrs, der Telephongesellschaften sowie
der Elektrizitäts- und Gaswerke. Wie aus Tabelle 1 zu ersehen ist, traten hier erhebliche Lohnerhöhungen ein, die hauptsächlich aus den höheren
Stundenlöhnen resultieren. .
Die Entwicklung der Netto- und Realeinkommen
Die Erhöhung der Bruttobezüge der einzelnen Arbeitnehmer spiegelt
sich in den Nettoeinkommen deshalb nicht voll wider, weil verschiedene
Sozialabgaben sowie die Steuern einen festen prozentualen Anteil an den
Bruttoeinkommen ausmachen. Auch wegen der Erhöhung der Lebenshaltungskosten konnten sich die Realeinkommen nicht im gleichen.Verhältnis entwickeln wie die Bruttoeinkommen. Aus den beiden nachstehenden Tabellen
sind im einzelnen die Veränderungen der Netto- und Realeinkommen zu ersehen.
Tabelle 3
Vergleich der Brutto- und Netto-Wocheneinkommen 1957-1963
(Die angegebenen Werte stellen den Jahresdurchschnitt dar)

Wirtschafts- Juli
zweig
1964
Bergbau

1963

1962
1961
1960
1959
1958
(Brutto-Wocheneinkommen in Dollar)

117,32 114,40

110,70

106,92

105,44

103,68

Baugewerbe 134,87 127,57

122,47

118,08

113,04

108,41 103,78 100,27

Industrie
Handel

96,08

1957
98,65

102,97

99,38

96,56

92,34

89,72

88,26

82,71

81,59.

81,33

77,59

75,08

72,56

70,77

69,17

66,47' 64,29

Durchschnittliches

In dieser periodisch erscheinenden Einkommensübersicht des US-Bundesamtes
für Arbeitsstatistik, die rund 10 Prozent aller in Dienstleistungs- und
verwandten Zweigen Tätigen umschließt, 3i.id die AngelteUt-w mr IfeMr&amp;tKi der Regierungsbehörden nicht erfaßt. In beiden Fällen handelt es sich um schnell
wachsende Wirtschaftszweige..
5

�Durchschnittliches Netto-Wocheneinkommen eines
Arbeitnehmers mit 3 Angehörigen
(in Nominal-Dollar)

1964

1963

1962

1961

1960

1959

1958

1957

Bergbau

104,04

99,69

97,12

94,13

92,92

91,94

86,20

88,30

Baugewerbe

118,75

110,49

106,78

103,29

99,15

95,82

92,51

89,63

Industrie

92,18

87,37

85,53

82,18

80,11

79,40

75,23

74,31

Handel

74,58

70,04

68,45

66,55

65,14

64,22

62,24

60,50

90,10
91,46

(in konstanten Dollars- Basis 1957-59)
Bergbau

96,07

93,43

92,14

90,34

90,13

90,58

Baugewerbe

109,65

103,55

101,31

99,13

96,17

94,40

85,60
91,87

Industrie

85,12

81,88

81,15

78,87

77,70

78,23

74,71

75,83

Handel

68,86

65,64

64,94

63,87

63,18

63,27

61,81

61,73

Im Jahre 1963 verdiente der Industriearbeiter im Durchschnitt 99,00 Dollar
-io
Woche.
Bei Abzügen für die Sozialversicherung und die Lohnsteuer in Höhe
t
von 1? T-^lar verblieben einem Arbeitnehmer mit 3 Familienangehörigen insgesamt 87,00 Dollar. Unter Berücksichtigung der gegenüber 1957 eingetretenen
Preisveränderungen entsprachen diese 87 Dollar einer Kaufkraft von 82 Dollar,
wenn man den durchschnittlichen Dollarwert der Jahre 1957-59 zugrunde legt.
Im Jahre 1957 behielt der gleiche Arbeitnehmer von einem Wochenverdienst von
82 Dollar 74 Dollar zurück. Sein Realeinkommen belief sich damals auf 76 Dollar, (in 1957-59er Dollar). Obwohl also ein amerikanischer Industriearbeiter
mit 3 Angehörigen zwischen 1957 und 1963 einen Anstieg seiner Bruttobezüge
um 22 Prozent verzeichnete, erhöhte sich sein Realeinkommen um. weniger als
10 Prozent. Zum Teil ist dieser relativ geringe"Anstieg auch auf die Anhebung
der Sozialversicherungssätze von 2 1/4 Prozent der ersten 4200 Dollar des Jahreseinkommens auf 3 5/8 Prozent von 4800 Dollar im Jahre 1963 zurückzuführen.
Der Einfluß der Konjunkturschwankungen auf die Einkommen
Die Veränderungen der Wachstumsrate der Wocheneinkommen zwischen 1957
und 1963 standen in einem engen Zusammenhang mit den Schwankungen der wirtschaftlichen Aktivität. Der wichtigste Einflußfaktor war in dieser Hinsicht
die durchschnittliche ^änge der Arbeitswoche, während die andere Komponente die durchschnittlichen Stundenlöhne - unabhängig von der jeweiligen Konjunkturlage einer stetigen Aufwärtskurve folgte. Diese Feststellungen gelten für alle
Wirtschaftszweige, wenngleich die Reaktion.auf die Veränderungen in der wirtschaftlichen Aktivität innerhalb der einzelnen Branchen recht unterschiedlich

- 6-

�unterschiedlich war. So schwankten die jährlichen Lohnzuwachsraten im
Handel zwischen 2,3 und 4,1 Prozent, in der Industrie dagegen zwischen
1,4 und 6,7 Prozent.
Wenn auch die Trends der einzelnen Wirtschaftszweige verhältnismäßig
gleichlaufend sind, so zeigen sich doch die Auswirkungen der wirtschaftlichen Schwankungen auf die Einkommensentwicklung bei den Industriearbeitern
am deutlicheten. Die wichtigsten Einflüsse, die zwischen 1957 und 1963
den Einkommenstrend dieser Arbeitnehmer bestimmten, I önnen wie folgt beschrieben werden:
1. Den in Rezessionsperioden vorgenommenen Entlassungen ging jeweils
ein schneller und wesentlicher Rückgang der wöchentlichen Arbeitszeit voraus. Durch das Absinken der wöchentlichen Arbeitszeit wurden die Einkommen
der Beschäftigten nicht unerheblich beeinflußt. Sowohl während der 195758er Rezession als auch während der wirtschaftlichen Flaute in den Jahren
1960-61 ging die wöchentliche Arbeitszeit im Vergleich zum Vor-RezessLonsstand um 1 1/2 Stunden zurück. Der Rückgang war dabei in der Dauergüterindustrie - insbesondere in der Metall- und metallverarbeitenden Indu rie,
wo die Einkommen relativ hoch liegen - etwas stärker. Außerdem entfiel e:
großer Teil der Arbeitszeitkürzung auf Überstundenarbeit, wodurch die ohne
also in zweifacher Hinsicht beeinflußt wurden.
2. Trotz der beträchtlichen Abnahme der durchschnittlichen Arbeitswoche wiesen die wöchentlichen Bruttolöhne keine erheblichen zyklischen
Rückgänge auf. Zu Beginn der beiden Rezessionsperioden bl eben sie vielmehr
auf ihrem bisherigen Stand und sanken erst unmittelbar vor Einsetzen des
neuen wirtschaftlichen Aufschwungs für kurze Zeit ab.
3. Nach Überwindung des Rezessionstiefpunktes schnellten die Wochenlöhne
wieder in die.Höhe, wobei der größte Teil der Zunahmen aus der verlängerten
Arbeitswoche resultierte. Zwischen 1958 und 1959 z.B. zogen die Wochenlöhne
um 5,50 Dollar an, während gleich. tig die durchschnittliche wöchentliche
Arbeitszeit um 1,1 Stunden zunahm.
-4. Sowohl die Löhne (unter Zugrundelegung des durchschnittlichen Stundenlohns ohne Berücksichtigung der Überstunden1 als auch die Verbraucherpreisestiegen während der beiden Rezessionen an, wobei die Zuwachsrate
der Lv. hne „rund doppelt so groß war wie die der 'Verbraucherpreise. Die nachst«c.^:.^ä Übersicht macht den relativ gleichmäßigen Anstieg dei Stundenlöhne
und Preise im Vergleich zu den abrupten Bewegungen der Wochenlchne deutlich.

Tabelle 3
Bruttowochenlohn, Stundenlohn
1963
Bruttowochenlohn
in Dollar

und Verbraucherpreisinde) 1957-1963

1962

1961

1960

1959

1958

1957

99,38

96,56

92,34

89,72

88,26

82,71

81,59

Stundenlohn in
Dollar (ohne Überst.) 2,37

2,31

2,25

2,19

2,12

2,o5

1,99

Verbraucherpreisindex (1957-59=100)

106,7

105,4

104,2

Durchschnittslohn der Industriearbeiter

- 7-

103,1

101,5

100,7

98,0
Die

�Die Lohnentwicklungen in der Fertigungsindustrie
Die Übersicht über die Lohnentwicklungen in den einzelnen Zweigen der
FertigungsIndustrie (Tabelle 4) unterstreicht und erhärtet all das, was
bisher über die Trends in den Groß-Wirtschaftszweigen gesagt worden ist.
Die beträchtlichen Unterschiede im Lohnniveau und die allgemeine Ausweitungstendenz kommen in der Übersicht der 21 Branchen der FertigungsIndustrie noch klarer zum Ausdruck als in der Aufstellung nach Wirtschaftszweigen. So waren zum Beispiel im Jahre 1957 die durchschnittlichen Wocheneinkommen der Arbeitnehmer der Ölindustrie um 55 Dollar (oder um 100 Prozent)
größer als d e der Bekleidungsarbeiter; 1963 dagegen hatten sich diese Unterschiede bereits auf 70 Dollar bzw. auf 110 Prozent erhöht. Die Einkommensunterschiede innerhalb .der Dauergüterindustrie sind dagegen nicht so
ausgeprägt, aber dennoch nicht unerheblich. So be rüg zum Beispiel die
Differenz zwischen den durchschnittlichen Wochenlöhnen der. Grundmetallindustrie (die an der Spitze der Lohnskala rangiert) und der an unterster
Stelle stehenden Holzindustrie 1957 noch 32 Dollar oder 49 Prozent, 1963
dagegen 43 Dollar, bzw. 52 Prozent.
Tabelle 4
Wocheneinkommen und Stundenlöhne i n der F e r t i f i u n g s i n d u s t r l e 1957
und 1963
(Jahresdurchschnitte in Dollar)
Industriezweig

Wochenlöh

1963

in Dollar

A

1957

"st^e8

Stundenlöhne in Dollar
(ohne Überstunden)
1963

1957

Dauergüterindustrie
HolzMöbelElektroSteine-, Erden-,GlasApparatebau- ,
KetallMaschinenbauRüstungsWaggonbauHütten-Industrie
Verschiedene

81,80
81,39
99,38
102,42
101,59
108,0"
116,20
119,60
126,42
124,64
80,39

66,64
69,83
81,80
82,82
83,22

88,
94,12
95,58
97,51
99,00
69,48

23
17
21
24
22
22
23
25
30
26
16

1,96
1,92
2,40
2,37
2,42
2,52
2,68
2,82
2,89
2,95
1,97

1,69
1,71
1,99
1,98
2, 1
2,09
2,21
2,31
2,32
2,44
1,70

16
12
21
20
20
21
2,
22
25
21
16

Verbrauchsgüterindustrie

- 8 -

�1963

A

1957

"st'eg
i n /o

1963

1957

*»•"•«
i n /&lt;,

Verbrauchsgüterindustrie
BekleidungsLederTextilTabakNahrungsmittelGummiPapierChemieDruckereiErdöl-Industrie

62,09
66,00
69,43
73,73
94,48
100,78
105,90
112,88
110,30
131,77

53,91
56,85
57,96
58,75
75,48
85,67
85,45
89,98
92,64
108,53

15
16
20
25
25
18
24
25
19
21

1,69
1,73
1,65
1,88
2,22
2,39
2,35
2.64
3,07

1,49
1,50
1,45
1,53
1,79
2,o6
1,92

M5
2,60

13
15
14
23
24
16
22
23
18

keine zuverlässig? Angaben vorhanden, da Überstundenbezahlung weit
über dem Normalsatz (1 l/2fach) liegt.

(Quelle: Monthly Report on the
Labor Force,
Sept. 64, S. 17)

+ ++++
Die Entwicklungen am amerikanischen Arbeitsmarkt 1962-1964
Allgemeines
Zwischen 1963 und 1964 hat sich die Arbeitsmarktlage in den USA wesentlich gebessert. Die Zahl der Beschäftigten nahm in diesem Zeitraum stärker
zu als die Gesamtzahl der verfügbaren Arbeitskräfte, und die Erwerbslosigkeit
konnte weiter eingedämmt werden. Die Erwerbslosenrate ging vom 3. Quartal
1963 an sowohl bei den männlichen und weiblichen Arbeitskräften als auch
bei den Jugendlichen unter zwanzig Jahren zurück.
Die Beschäftigungslage
Zum ersten Mal überstieg die Gesamtbeschäftigtenzahl der USA im Juli
und August 1964 die 72-Millionen-Grenze und erreichte während des 3. Quartals einen Durchschnitt von 71,8 Millionen. Gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres ergab sich damit eine Zunahme der Beschäftigten um
1,5 Millionen, der Anstiege von nur jeweils einer Million in den Jahren

- 9-

�Jahren 1962 und 1963 gegenüberstehen. Der Anstieg der Zahl der nichtlandwirtschaftlichen Arbeitsplätze war dabei etwas größer als die Zunahme der Gesaratbeschäftigung - 1,6 Millionen gegenüber 1,2 Millionen
zwischen 1962 und 1963. Die Zahl der in der Landwirtschaft tätigen Arbeitnehmer ging auch 1964 weiter zurück, wenngleich nicht ganz so stark
wie 1963. Mit 5,5 Millionen im 3. Quartal 1964 war die Zahl der Arbeitsplätze des Agrarsektors im Vergleich zum 3. Quartal 1963 um 100 000 niedriger. Zwischen 1962 und 1963 hatte der Rückgang noch 200 000 betragen.
Der Zuwachs an nichtlandwirtschaftlichen Arbeitsplätzen in Höhe von
1,6 Millionen verteilt sich dabei auf folgende Arbeitnehmergruppen:
600 000 Männer; 650 000 Frauen; 300 000 männliche und weibliche Teenager.
Bei den Erwachsenen-Gruppen waren die Zunahmen etwa ebenso groß wie zwischen 1962 und 1963. Den stärksten Anstieg während der vergangenen zwei
Jahre verzeichnete die Gruppe der 20- bis 24jährigen, auf die 900 000 oder
40 Prozent der Gesamtzunahme der Arbeitskräfte über 20 Jahre entfielen.
In der Gruppe der Teenager war 1964 die Zunahme im Vergleich zu 1962/63,
als keinerlei Anstiege zu verzeichnen waren, ganz beträchtlich.
Die Nachfrage nach Vollzeit-Arbeitskräften hat sich zwischen den
3. Quartalen 1963 und 1964 verstärkt. Von den 1,6 Millionen neuen Arbeitsplätzen in Industrie und Handel waren 1,5 Millionen Vollzeit-Arbeitsplätze,
während im Vorjahr das Verhältnis 1,2 Millionen zu 900 000 betragen hatte.
Das allgemein günstigere Bild bei den Vollzeit-Arbeitsplätzen wird auch
noch durch die Tatsache unterstrichen, daß die Zahl der Kurzarbeiter in
den vergangenen 12 Monaten um 200 000 abgenommen hat. Gleichzeitig aber
erhöhte sich die Zahl der Halbtagsbeschäftigten seit dem 3. Quartal 1963
um 300 000.
Die Beschäftigungslage in Industrie und Handel
Auf Grund der von den Arbeitgebern eingereichten Beschäftigungsstatistiken ergibt sich für den Gesamtzeitraum 3. Quartal 1963 - 3. Quartal 1964
eine Gesamtzunahme der nichtlandwirtschaftlichen Arbeitskräfte um 1,6 Millionen. Mit Ausnahme des Bergbaues und der Behörden wiesen dabei sämtliche
Industrie- und Wirtschaftszweige erhebliche. Zunahmen in der Zahl der Beschäftigten auf. Auf Grund der erhöhten wirtschaftlichen Aktivität in. der
Industrie und eines etwas stärkeren Aufwärtstrends im Handel ist im vergangenen Jahr eine im Vergleich zu 1962/63 erheblich größere Zunahme der Zahl
der nichtlandwirtschaftlichen Arbeitsplätze (+ 300 000) festzustellen gewesen. Bei den drei wichtigsten Dienstleistungszweigen - Händel, Dienstleistungsgewerbe, öffentliche Verwaltung - trat genauso wie im Vorjahr eine
Erhöhung der Zahl der Arbeitsplätze um rund 1 Million ein. Damit entfallen
auf diese Wirtschaftszweige etwa 2/3 aller in den beiden vergangenen Jahren
geschaffenen neuen Arbeitsplätze, obwohl sie nur knapp 50 Prozent aller
nichtlandwirtschaftlichen Arbeitskräfte auf sich vereinigen.
In der Finanz-, Versicherungs- und Immobilienwirtschaft folgte der
Beschäftigungstrend in den beiden vergangenen Jahren einer gleichmäßigen
Aufwärtskurve (Zunahme der Zahl der Arbeitsplätze um jeweils 70 000 pro
Jahr), während.im Transportwesen und bei den öffentlichen Versorgungsbetrieben nach einer schon mehrere Jahre andauernden Stagnation erstmals wieder
eine leichte Zunahme (seit 1962 + 100 000) eingetreten ist. Der er''-«• V iche Beschäftigungsrückgang .bei den Eisenbahnen..während der letzten Jahre hat sich
inzwischen abgeschwächt. Er wird seit kurzem durch einen laufenden Ai stieg
der Zahl der Beschäftigten im Straßen-und Luftverkehr sowie bei den öffentlichen Versorgungsunternehmen sogar mehr als ausgeglichen.
Der
- 10 -

�Der einzige Di. nstleistungszweig, der einen nicht unerheblichen
Rückgang in der Beschäftigung seit 1962 aufweist, sind die Bundesbehörden, die trotz einer kürzlichen geringen Zunahme im Jahre 1963 in
der ZweiJahresperiode einen Gesamtrückgang um 8000 verzeichnen.
Obwohl die Dienstleistungszweige auch in den beiden letzten Jahren
dem langfristigen stetigen Aufwärtstrend folgten, so verzeichnet doch die
Fertigungsindustrie seit dem 3. Quartal 1963 die stärkste Zunahme an neuen
Arbeitsplätzen. Die Zahl der Fabrikarbeiter nahm nämlich um 350 000 zu,
was im Vergleich.zur Periode 1962/63 einen doppelt so großen Anstieg bedeutet. Dadurch konnte die Industriebeschäftigung wieder den Spitzenstand
des Jahres 1957 (1. Quartal) erreichen. Von besonderer Bedeutung ist in
diesem Zusammenhang noch, daß die Arbeitsplatzzunahme in der Fertigungsindustrie vor allem auf dem Produktionssektor erfolgte. Mit einem Zuwachs
von 300 000 zwischen 1963 und 1964 entfielen auf diese Arbeitnehmergruppe
(Produktionsarbeiter) rund 85 Prozent der Gesamtzunahme. Im Gegensatz dazu
betrug der Zuwachs an Produktionsarbeitern zwischen 1962 und 1963 nur
85 000, was einem Anteil von etwa 50 Prozent entsprach. Der erhöhte Bedarf an Fabrikarbeitern spiegelt sich auch in der durchschnittlichen. Länge
der Arbeitswoche und der geleisteten Überstundenarbeit wider, die um 0,1
bzw. 0,2 Stunden zunahmen und damit den bisher höchsten 3. Quartals-Stand
erzielten.
Die erhöhte Produktion der Automobil-, der Stall- und Schwermaschinenindustrie kommt auch in der Zunahme der Zahl der Arbeitsplätze in der metallerzeugenden und -verarbeitenden Industrie zum Ausdruck, wo ein Beschäftigung s anstieg um mehr als fünf Prozent eintrat
eine Zuwachsrate,, die
selbst von der schnell expandierenden Dienstleistungszweigen nicht erreicht
wurde. Auf der anderen Seite wi«s die Verbrauchs üterindustrie nur eine Gesamtzunahme um 75 000 Arbeitsplätze in den letzten zwei Jahren auf (das
sind rund 157» der Gesamtzunahme in der Fertigungsindustrie), obwohl,die
Bekleidungsindustrie in den beiden vergangenen Jahren und die Gummiindustrie
im letzten Jahr beträchtliche Anstiege verzeichneten.
In den anderen Güter erzeugenden Industriezweigen ergibt sich folgendes
Bild: Im Bergbau kam der langanhaltende Rückgang in der Zahl der Arbeitsplätze zum Stillstand; das Baugewerbe wies im 3 Quartal i ^ einen neuen "Rekordstand der Beschäftigung auf,
Arbeitslosigkeit
Zwischen 1963 und 1964 (jeweils 3. Quartal) ging die Erwerbslosenrate
von 5,6 auf 5,1 Prozent des Arbeitspotentials zurück. Gegenüber der Vergleichsperiode 1962/63, in der die Arbeitslosenrate zwischen 5,5 und 5,8
Prozent schwankte, ist damit eine erhebliche Besserung eingetreten. Auch an
der absoluten Zahl der Arbeitsuchenden wird dies deutlich. Im Juli-SeptemberQuartal 1964 betrug die durchschnittliche Arbe tslosenzahl 3,6 .Millionen.
Gegenüber dem Vorjahr stellt das einen Rückgang um 300 000 dar, der insofern von besonderer Bedeutung ist, a s er sich fast ausschließlich auf jene
Arbeitslosen konzentriert, die eine ganztätige Beschäftigung suchen. Die
Zahl derjenigen Arbeitslosen, die sich um eine Hai tagsbeschäftigung bemühten, war dagegen mit 650 000 im Vergleich zu. 1963 konstant. Insgesamt
erhöhte sich der Anteil der eine Halbtagsbeschäftigung suchenden Personen
im Erhebungszeitraum von 16 auf 18 Prozent.
Erhebliche

- 11 -

�Erhebliche Rückgänge in der Arbeitslosenrate während der vergangenen
12 Monate waren insbesondere bei den über 20 Jahre alten männlichen Arbeitnehmern sowie bei den Verheirateten festzustellen. Bei den erwachsenen Männern ging sie von 4,2 auf 3,8 Prozent zurück und. erreichte damit den
niedrigsten Stand seit dem 3. Quartal 1957. Die E werbslosenrate der verheirateten männlichen Arbeitskräfte lag in der Juli-September-Pericde 1964
bei 2,7 Prozent. Sie folgte dem gleichen Trend wie die Rate der über 20
Jahre alten Erwerbslosen. Das Absinken der Erwerbslosenrate in diesen beiden Arbeitnehmergruppen ist weitgehend durch die erhebliche Nachfrage nach
Arbeitskräften in der Industrie und im Baugewerbe bedingt gewesen.
Bei den erwachsenen Frauen (über 20 Jahre) ging die Erwerbslosenrate,
die zwischen 1962 und 1963 (jeweils 3. Quartal) keinerlei Veränderung aufwies, in den ersten neun Monaten 1964 zurück. Sie erreichte im 3. Quartal
einen Stand von 5,0 Prozent - das ist gleichzeitig der niedrigste Stand
seit Mitte 1960. Auf der anderen Seite blieb die Erwerbslosenrate für
Teenager, die ebenfalls leicht absank, immer noch erheblich über dem Niveau des Jahres 1962.
Der Rückgang der Erwerbslosenrate seit dem 3. Quartal 1963 erfolgte
sowohl bei den weißen als auch bei farbigen Arbeitnehmern. Der starke Rückgang in der Zahl der erwerbslosen Industrie- und Bauarbeiter resultierte
aus dem größeren Arbeitskräftebedarf dieser Wirtschaftszweige. Aber auch
im Handel, im Transportgewerbe und bei den öffentlichen Versorgungsbetrieben, verstärkte, sich der Arbeitskräftebedarf, durch den ein weiteres Absinken der Arbeitslosenziffern herbeigeführt wurde. Wenn auch die Zahl der
Arbeitslosen zurückging, die sich um eine Beschäftigung in den Dienstleistungszweigen, dem Finanzgewerbe und der öffentlichen Verwaltung bemühten,
so waren die Abnahmen doch wesentlich geringer als in den Güter erEeugenden
Zweigen.
Langfristige Arbeitslosigkeit
Unter dem Einfluß der nun seit mehr als 3 1/2 Jahren andauernden wirtschaftlichen Expansion hat sich die Lage der längerfristigen Arbeitslosen
(länger als 15 Wochen) in letzter Zeit etwas günstiger gestaltet. Am Ende
des 3. Quartals 1964 war die Zahl dieser Arbeitslosen bis auf 800 000 abgesunken. Sie hat damit den tiefsten 3. Quartalsstand seit 1960 erreicht.
Gegenüber 1956 und 1957 jedoch ist die Zahl der langfristigen Arbeitslosen
immer noch fast doppelt so hoch. Besonders bemerkenswert ist in diesem
Zusammenhang die erhebliche Abnahme der Zahl derjenigen Erwerbslosen, die
läneer.als sechs Monate ohne Arbeit sind. Binnen zwei Jahren ging sie von
550 000 auf 480 000 zurück.
Gerade diese Rückgänge bei den länger- und langfristigen Arbeitslosen
zeigen recht deutlich, daß sich die Arbeitsmarktlage in letzter Zeit doch
erheblich gebessert hat. Dennoch kann diese Tatsache nicht darüber hinwegtäuschen, daß diese Dauerarbeitslosen auch weiterhin ein sehr hartnäckiges
Problem bilden werden. Im 3. Quartal 1964 z.B. hatten diese Arbeitslosen
immer noch einen Anteil.von rund 25 Prozent an der Gesamtarbeitslosenzahl,
wobei sich die hartnäckigsten Fälle auf bestimmte Arbeitnehmergruppen konzentrierten. Dazu gehören die älteren (über 45 Jahre alten) Arbeitnehmer,
die Farbigen, .die angelernten und Hilfsarbeiter ebenso wie zuletzt im Bergtau, im
Baugewerbe und in der Industrie beschäftigte Arbeitnehmer. Auch die Gruppe
der 14- bis 24jährigen.Arbeitnehmer ohne jegliche Berufserfahrung stellt
tuen relativ hohen Anteil an Dauerarbeitslosen. .
_

- 12 -

�Das Arbeitspotential
Die Gesamtzahl der zivilen Arbeitskräfte stieg 1964 sehr schnell an.
Unter Zugrundelegung der Durchschnittswerte für die ersten neun Monate 1964
ergibt sich ein Arbeitspotential von 74,3 Millionen - das sind 1,3 Millionen mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Gegenüber der Vergleichsperiode 1962/63 (Anstieg um 1,1 Millionen) war der Gesa.tzuwachs also um
200 000 größer. In den letzten Monaten jedoch hat sich die Wachstumsrate
erheblich verringert.
Zwischen den 3. Quartalen 1963 und 1964 erhöhte sich die Gesamtzahl
der zur Verfügung stehenden zivilen Arbeitskräfte um 1 150 000. Die Zunahme
war damit nur unwesentlich größer als zwischen 1962 und 1963. Während Anfang
der sechziger Jahre die erwachsenen Frauen der am schnellsten wachsende
Arbeitskräftesektor waren, ist es 1964 die Gruppe der jüngeren - 14 bis 24
Jahre alten - Personen gewesen. Obwohl der Anteil dieser Gruppe am Arbeitspotential im 3. Quartal 1964 nur 20 Prozent ausmachte, vereinigte sie 3/5
der Gesamtzunahme in diesem Jahr auf sich. Diese jungen, in den vierziger
Jahren geborenen Arbeitnehmer werden auch in den nächsten Jahren am stärksten
zur Ausweitung des Arbeitspotentials beitragen.

Arbeitslosenraten der männlichen 20- bis 24 Jahre und über 25 Jahre
alten Arbeitskräfte (Jan. 1957 - Sept. 1964)

Jahr

Jan.

Feb.

März

Apr.l

Mai

Juni

20-24 Jahre
1957
1958
1959
1960
1961
1962
1963
1964

6,9

7,2

5,8

6,9

7,3

8,5

11.5
10,2

12,7
10,3

13,1

13,5

13,8

13,8

8,5

8,3

9,4
8,9

7,6
8,7

6,8
8,3

8,4
7,8

10,9

11,2

11,0

12,4

11,3

10,9

9,1
9,0
8,9

8,6
8,9
8,9

8,5
8,7
7,4

8,5
8,6
7,4

8,9
8,4
7,4

8,6
9,2
8,7

',1

2,9
5,1
4,8
3,6
5,3
4,0
4,5
3,6

2,8
5,5
4,3
4,1
5,3
4,1
4,1
3,5

3,0
6,1
3,9
4,0
5,4
4,2
4,0
3,4

2,9
6,2
3,9
3,9
5,7
4,1
4,0
3,2

3,0
6,3
3,8
4,2
5,3
4,2
^,8
3,4

•ber 25 Jahre
1957
1958
1959
1960
1961
1962
1963
1964

4:, 6

4,8
4,0
5,3
4,2
4,3
3,7

Jahr

- 13 -

�Jahr

Juli

Aug.

Sept.

Okt.

Nov.

Dez.

6,7
14,7
7,9
8,7
10,9
8,9
8,8
7,9

7,6
13,3
7,9
8,9
10,8
10,4
9,1
8,2

8,2
12,6

8,7
12,5
8,7
9,2
10,2
9,1
8,5

10,7
10,3
9,2
10,3
9,3
8,9
8,2

10,4
10,5
8,3
11,2
9,6
8,7
8,4

3,1
6,3
3,9
4,3
5,5
4,1
3,7
3,2

3,0
6,3
4,
4,5
5,3
4,2
3,7
3,2

',4
5,8
4,3
4,5
5,2
4,2
3,5
3,3

3,6
5,5
4,4
4,8
4,9
3,9
3,7

4,0
5,2
4,9
4,9
4,7
4,2
4,1

4,2
5,1
3,9
5,2
4,5
4,2
3,8

20-24 Jahre
1957
1958
1959
1960
1961
1962
1963
1964

9.3
9,0
10,2
8,6
9,6
-9,0

über 25 Jahre
1957
1958
1959
1960
1961
1962
1963
1964

(Quelle: "The Labor Force», U.S. Department of Labor)

+++++

Nicolas Rivero 1)
Das Ende der freien Gewerkschaften Kubas
Kubas freie Gewerkschaften gehören der Vergangenheit an. Wie in allen
c-ren kommunistisch beherrschten Ländern tr^t ein
tlich dirigiertes
System an ihre Stelle, in dem die sogenannten Gewerkschaften led glich die
untergeordnete Rolle staatlicher Vollzugsorgane zu spielen haben. Das entspricht genau dem von den Sowjets aufgestellten Modell.
i: • taufgabe der kubanischen Gewerkschaften ist es daser auch nicht
mehr,: dl« wirtschaftlichen und sozialen Interessen ihrer Mitglieder zu
schützen, sondern vielmehr die staatlichen Forderungen nach Steigerung der
Arbeitsleistung bei Niedrighaltung des Lohnniveaus brutal durchzusetzen.
Uideripruch vpn Seiten der Arbeitnehmer-wird nicht nur nicht gedul-'et, sondern z.Lt härtesten Strafen geahndet.
Dies
Der Verfasser de;. Artikels war während der ersten 18 Monate des CastroRegimes Leiter der Informationsabteilung des kubanischen Außenministeriums.
Im Jahre 1960 setzte er sich in die USA ab.

- 14 -

�Dies ist die Situation. Aber man muß der Gerechtigkeit halber hinzufügen, daß Gastro die Gleichschaltung der freien kubanischen Gewerkschaftsbewegung alles andere ..ls leicht gemacht wurde. Die Kommunisten vermochten
die Kubanische Arbeiter-Konföderation (CTC) erst .nach einer ausgedehnten
Kampagne der Verleumdung., der Gewaltandrohung und hinterhältiger Täuschungsver unter ihre Kontrolle zu bringen, und sie konnten dabei in.jeder
Phase
r vollen Unter .tutzung durch das Castro-Regime sicher sein.
Sehen wahrend ieines ven den Bergen der Sierra Maestra aus gegen seinen
Vorgänger Batista geführten Kampfes verfolgte Castro der kubanischen Arbeiterbewegung gegenüber eine TaX-ik typisch kommunistischer Prägung: Er ließ
k. •. :n eine Gelegenheit aus, sich als Freund der Arbeiter aufzuspielen. Kennzeichnend dafür mag eine Erklärung sein, die er im Juli 1957 über meinen
Geheimsender verbreiten ließ und in der es hieß, daß seine "Bewegung des
26. Juli" gegen "jede staatliche Einmischung in die Angelegenheiten der
Gewerkschaften sei" und "... für eine freie und demokr.at . sehe Gewerkschaftsbewegung" eintrete,
Castros sogenannte "Bewegung des 26. Juli" setzte sich - von einigen
Ausnahmen abgesehen - in der Hauptsache aus demokratisch gesinnten Gegnern
des Diktators Batista zusammen. Allerdings gehörten zu den Ausnahmen Leute
wie Raoul Castro, Ernesto "Che" Guevara - und Fidel Castro selber.
Zahlreiche Kubaner brachten die offizielle kommunistische Partei Kubas
mit dem Diktator. Batista in Verbindung, zumal sie dessen Regime unterstützte
und erst eine Annäherung an Castro vollzog, als der Sturz Batistas für alle
Welt als unvermeidlich galt.
»
Als Castro im Januar 1959 seinen Einzug in Havanna hielt, verfügten
die Kommunisten über den schlagkräftigsten und . - besten organisierten Parteiapparat auf der Insel. Sie gingen unverzüglich daran, die Unterwanderung der
Gewerkschaften, die sie noch zu Batistas Zeiten eingeleitet hatten, zu verstärken. Die Marschroute war klar: Es galt, junge, als Mitglieder der'Bewegung des 26. Juli" getarnte kommunistische Agenten in gewerkschaftliche
Schlüsselpositionen einzuschleusen. Zugleich setzte hinter den Kulissen eine
intensive kommunistische Agitation gegen antikommunistische Arbeiterführer
ein, die als Batista-Anhänger diffamiert wurden.
Der erste direkte Versuch der Kommunisten, sich der Gewerkschaften z i
bemächtigen, schlug allerdings fehl.. In den Gewerkschaftswahlen vom April
und Mai 1959 behaupteten die antikommunistischen Mitglieder der "Bewegung
des 26. Juli"
rrain. Und auch - . den folgenden drei Monaten, zeitigte
die kommuniütische Strategie nicht die erhoftten Erfolge. Bei den Wahlen
der Delegationen für den im November 1959 angesetzten 10. Kongreß der
Kubanischen Arbeiter-Konföderation wählten 28 der der CTC angehörenden 33
Gewerkschaften rein antikommunistisch zusammengesetzte Delegationen; nur
zwei Delegationen waren mit Kommunisten durchsetzt.
Wie ablehnend die kubanischen Arbeiter den Kommunisten gegenüberstanden,
wurde anläßlich der Vorstandswahlen deutlich, die von der größten der CTC
angeschlossenen Gewerkschaft, de NFTA (Gewerkschaft der Arbeiter der Zucke-industrie), abgehalten wurden, die 40 Prozent aller Mitglieder auf sich vereinigte. Die kommunistische Tageszeitung "Hoy" hatte die Gewerkschattsi
rung vor der Wahl scharf angegriffen und sie als "Gegenrevolutionäre" bezeichnet. Die Wähler liexien sich indes nicht beeinflussen, denn als das Ergebnis der.Wahl vorlag, hatten die Kommunisten eine weitere Schlappe erlitten: Nur acht der 243 Ortsvereine der NFTA hatten kommunistisch gewählt..
Damit nicht genug: Die Gewerkschaftsversammlung warf der Zeitung vor.

- 15 -

�vor, '»unfundierte und diffamierende Behauptungen" über die der "Bewegung
des 26. Juli" angehörenden Gewerkschaftsführer verbreitet zu haben.
Inzwischen hatten Castro und seine Mitarbeiter sich auch offen zum
Kommunismus bekannt oder sich als dessen Anhänger zu erkennen gegeben.
Im September und Oktober 1959 beschuldigte das Regime zahlreiche .Gewerkschaftsführer, die zugleich der Castro-Bewegung des 26. Juli angehörten,
"konterrevolutionärer Umtriebe". Man enthob sie ihrer Posten und entfernte
sie schließlich vollständig. Sie hatten das unverzeihliche '^erbrechen begangen, gegen die kommunistische Machtübernahme in den Gewerkschaften
Einwände zu erheben.
Ich nahm an dem 10. Kongreß der CTC im November 1959 als Verbindungsmann zur ausländischen Presse teil. Die Mehrzahl der anwesenden Journalisten
vertrat Zeitungen des Ostblocks. Außerdem waren drei Vertreter der Gewerkschaftsbewegung der Sowjetunion zugegen - offensichtlich mit dem Auftrag,
die Vorgänge zu überwachen. Wie sich herausstellte, war der sie begleitende
Dolmetscher, ein Herr Vadim Kotehergin, Agent des sowjetischen Nachrichtenund Spionagebüros. KGB.
"Der Kongreß verlief zunächst nicht zur Zufriedenheit der Kommunisten.
Die erste, bis in die Nacht hinein dauernde Sitzung endete mit einem Tumult,
als die Delegierten von der Kandidatur dreier wohlbekannter Kommunisten für
das 13köpfige Exekutivkomitee vernahmen. Zahlreiche Delegierte forderten
dabei die Kommunisten heraus, indem sie Wassermelonen hochhielten und dabei
"Melonen, Melonen!" ausriefen, was besagen sollte, daß manche Castro-Anhänger äußerlich zwar "grün", innerlich aber "rot" seien. Die Demonstration
bezog sich auf eine Erklärung Castros, wonach.seine Bewegung nicht rot,
sondern olivgrün sei.
Castro selber mußte erscheinen, um die Ordnung wiererherzustellen.
Nach einer seiner üblichen Mammutreden wies er den Generalsekretär der CTC,
David Salvador, an, eine aus Kommunisten und Anhängern der "Bewegung des
26. Juli" gebildete Einheitsliste durchzusetzen. Salvador hatte eine Unterredung mit Raoul Castro, der in dieser Besprechung von Lazatö Pena, einem
Veteran der kommunistischen Gewerkschaftsbewegungj beraten wurde. Das:Ergebnis war eine revidierte Liste, in der die Namen der drei kommunistischen
Kandidaten nicht mehr enthalten waren. Als die Liste am folgenden Tage bekanntgegeben wurde, verließen Jie .Kommunisten aus Protest den Kongreß.
Die Liste wurde angenommen, aber es stellte sich sehr schnell heraus,
daß man einem kommunistischen Täuschungsmanöver unterlegen war: Die Mehrheit der für das Exekutiv-Komitee benannten Kandidaten bestand.nunmehr aus
verkappten Kommunisten oder Sympatisierenden.
Damit war die Entscheidung gefallen. Die Kommunisten beherrschten
das Exekutiv-Komitee und setzten als erstes eine Entschließung über den
Austritt des CTC aus dem antikommunistischen Internationalen Bund freier
Gewerkschaften und aus dessen interamerikanischem Regionalverband durch.
Einem schnell gebildeten Säuberungsausschuß fiel die Aufgabe zu, alle im
kommunistischen Sinne unzuverlässigen Gewerkschaftsfunktionäre ihrer Ämter
zu entheben. Bis April i960 waren bereits 20 Führer der 33 Einzelgewerkschaften durch Kommunisten ersetzt worden.
Im August wurde der Generalsekretär, David Salvador, der Castro mehr
als anderthalb Jahre lang treu gedient hatte, aus der CTC entfernt, weil
er nicht den von Lazaro'Pena abgesteckten Kurs verfolgt hatte. Salvador
ging in den Untergrund und wurde im November 1960 bei dem Versuch, Kuba zu
verlassen, gefangengenommen. Er verschwand in den Kerkern der La CatjanaFestung.
.
.
.
Mit

- 16 -

�Mit der Ausschaltung Salvadors hatten die Kommunisten ihre Ziele in
vollem Umfang erreicht. Die kubanische Gewerkschaftsbewegung, die zu den
fortschrittlichsten der amerikanischen Hemisphäre gehörte, existierte
nicht mehr. Mit ihr verschwanden die von ihr erkämpften sozialen Errungenschaften: garantierter Mindestlohn, Kranken- und Altersversicherungen,
Sicherheit des Arbeitsplatzes, garantierter bezahlter Urlaub - und das
Streikrecht.

+ ++++
US-Arb e i t smarkt
1964 - Arbeitsfriede und sozialer Fortschritt
Trotz zeitweilig aufziehender Streikwolken, die im Falle des Eisenbahner- und des Hafenarbeiterkonflikts sogar katastrophale gesamtwirtschaftliche Auswirkungen anzukündigen schienen, ist das Jahr 1964 schließlich
doch in arbeits- und sozialpolitischer Hinsicht für alle Beteiligten weitaus harmonischer und glatter verlaufen,als ursprünglich erwartet werden
durfte. Das gilt sowohl für Arbeitgeber und Gewerkschaften als auch für Arbeitnehmer und Regierung.
So wurde im Frühjahr der schon seit über drei Jahren schwelende Arbeitskonflikt bei den Eisenbahnen, der die gesamte Wirtschaft zu lähmen drohte,
in letzter Minute, und zwar durch die persönliche Initiative Präsident Johnsons und durch einsichtiges Einlenken beider Sozialpartner, beigelegt und
der ähnliche wirtschaftliche Folgen nach sich ziehende Ha/enarbeiterstreik
an der Ostküste - wenn auch nur durch Anwendung des Teft-Hartley-Gesetzes
- vorläufig entschärft und für die Dauer von 80 Tagen ausgesetzt.
Auch der dritte große Unsicherheitsfaktor auf dem Sektor der Arbeitgeber- Arbeitnehmerbeziehungen, die für den Herbst anstehenden Tarifverhandlungen in der Automobilindustrie, brachte nicht den von allen befürchteten langwierigen Arbeitskampf. Im Gegenteil, trotz der "maßlosen Forderungen" der
Automobilarbeitergewerkschaft - wie es Vizepräsident Seaton von General
Motors formulierte - konnte der neue, für die künftige tarifpolitiscne Entwicklung in der US-Wirtschaft so bedeutsame Kollektivvertrag, den Walter
Reuther einen neuen Meilenstein nannte, relativ schnell unter Dach und Fach
gebracht werden. Wesentlich dazu beigetragen haben die vorbereitenden Besprechungen im gemeinsamen ständigen tarifpolitischen Beratungsausschuß eine Einrichtung, durch die die Tarifverhandlungen wesentlich versachlicht
wurden. Daß es dennoch anschließend zu einigen kürzeren Streiks bei einigen
Automobilproduzenten kam, lag daran, daß im industrieweiten Rahmen nur die
Lohn- und Sozialfragen geregelt wurden, einige der seit langem anstehenden
strittigen internen arbeitstechnischen Probleme dagegen auf der betrieblichen
Ebene zu lösen waren.
Alles in allem läßt sich also auf Grund der Entwicklungen im vergangenen
Jahr feststellen, daß sich das Klima der Arbeitnehmer- Arbeitgeberbeziehungen
1964 weiter verbesserte, keine industrieweiten und die gesamte wirtschaftliche
Aktivität lähmenden Streiks stattfanden und die amerikanischen Arbeitnehmer
durch die neu abgeschlossenen Tarifverträge wesentliche Fortschritte auf dem
Gebiet der Löhne und Sozialleistungen erzielen konnten. .
Als

- 17 -

�Als Beispiel hierfür mag der neue Vertrag der Automobilarbeiter dienen, der - wenn er auch nicht in jeder Beziehung typisch für Tarifabkommen
ist - den allgemeinen derzeitigen Trend auf lohnpolitischem Gebiet wohl
am besten charakterisiert. Hier die wichtigsten Verbesserungen: Herabsetzung
der Fensionsgrenze bei ganz, beträchtlich erhöhten Pensionsleistungen (von
2,80 Dollar auf 4,25 Dollar pro Dienstjähr), mehr Urlaub (plus 1 Woche),
mehr bezahlte Feiertage (plus 2), verbesserte Arbeitsbedingungen (50% mehr
Arbeitspause) und schließlich Lohnerhöhungen zwischen 14 und 24 Cent,pro
Stunde.
Auf Grund der neu abgeschlossenen Tarifverträge, der 1964 fällig gewordenen automatischen Lohnerhöhungen aus älteren Verträgen sowie der im Juni
wirksam gewordenen Gesetzesbestimmungen über die gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit und die Anhebung der Mindestlohnsätze ist das Einkommensniveau
der amerikanischen Arbeitnehmer im vergangenen Jahr weiter angestiegen. Während der durchschnittliche Wochenlohn eines Industriearbeiters von 99,38
Dollar auf etwa lo3,oo Dollar und der Stundenlohn von 2,46 Dollar auf 2,53
Dollar kletterten, erhöhten sich die freiwilligen Sozialleistungen infolge
zahlreicher Verbesserungen (Erhöhung der privaten Pensionsleistungen, Liberalisiei|Sing der Krankenversicherungspläne, Gewährung von mehr Urlaub und bezahlten'Feiertagen) etwa im Rahmen der Vorjahre.
Die "im Vergleich zu 1963 allgemein günstigere wirtschaftliche und soziale
Lage des amerikanischen Arbeiters erhellt auch daraus, daß die Beschäftigtenzahl sich zwischen Oktober 1963 und Oktober 1964 um 1,6 Millionen auf insgesamt 70,6 Millionen erhöhte und gleichzeitig die Erwerbslosenziffer von 4,1
auf 3,2 Millionen zurückging, so daß die Erwerbslosenrate z.Z. nur noch
5,0 Prozent beträgt.
Wenn damit auch der niedrigste Stand seit 1959 erreicht wurde, so darf
doch nicht übersehen werden, daß die Erwerbslosenrate bei den Farbigen immer
noch fast doppelt so hoch liegt wie bei den Weißen und weiterhin ein hartnäckiger Kern von Dauerarbeitslosen (länger als 15 Wochen) das durchweg günstige Bild trübt.
Aber auch in dieser Hinsicht brachte das Jahr 1964 wesentliche Fortschritte. Mit der Verabschiedung des Bürgerrechtsgesetzes dürfte auch der
letzte Rest diskriminierender Praktiken bei der Einstellung von Arbeitskräften nach und nach verschwinden und auf die Dauer ein wesentlicher Rückgang der
Arbeitslosenrate bei den Farbigen eintreten; und mit der Forcierüng des "Gesetzes über die Ausbildung und Umschulung von Arbeitskräften»' (Manpower Development and Training Act of 1962) sollte ein großer Teil all'jener Arbeitslosen
in nächster Zeit bessere Beschäftigungschancen"erhalten, denen es auf Grund
ihres Bildungsniveaus und. ihrer geringen beruflichen Fähigkeiten bisher nicht
möglich war, einen Arbeitsplatz in der modernen Industriegesellschaft zu finden.
Es bleibt also festzustellen, daß das Jahr 1964 sowohl für die US-Gewerkschaften als auch für die Arbeitnehmer überaus günstig verlaufen ist und daß
sehr solide Ausgangspositionen für weitere Fortschritte im kommenden Jahr geschaffen wurden.
(Quelle: Eigenbericht)

+ ++++
Berichtigung
In unserer Ausgabe XVII - 12 vom 1. Dezember 1964 hat sich in dem Artikel
"Technologische Betriebsumstellungen und die Auswirkungen auf die Arbeitnehmer»
auf Seite 2, vierter Absatz ein sinnentstellender Druckfehler eingeschlichen.
Der 3. Satz muß richtig heißen: Das kle inste Gebiet (anstelle von Unternehmen)
hatte eine Gesamtbeschäftigtenzabl von knapp 50 000,,das größte eine von rund
500 000.
•*.

- 18 -

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
USIS-Bonn/Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XVIII - 2

Bad Godesberg, den 1. Februar 1965
INHALTSVERZEICHNIS

Tarifvertragliche Möglichkeiten einer vorzeitigen Pensionierung
in der US-Wirtschaft

Seite

Verbesserung der Volksgesundheit durch gezielte Maßnahmen

Seite 13

Entlassungsbestimmungen in US-Tarifverträgen

Seite 15

1

Walter W. Kolodrubetz, Abteilung Arbeitsbeziehungen
im US-Amt für Arbeitsstatistik:
Tarifvertragliche Möglichkeiten einer vorzeitigen Pensionierung in der USWirtschaft
Auf Grund der umfassenden technologischen Veränderungen in den vergangenen zehn Jahren hat sich die
Beschäftigungsstruktur in den Vereinigten Staaten
ganz beträchtlich gewandelt. Viele alte handwerkliche und Fachberufe sind in der Industrie durch die
neuen automatischen Produktionseinrichtungen ausgelöscht worden. Gleichzeitig wurden jedoch auch zahlreiche neue, in der Regel höherqualifizierte Arbeitsplätze geschaffen. Die Folge dieser Entwicklung war
einerseits ein Überfluß an Arbeitskräften für nicht
mehr gefragte Berufe, zum anderen ein nicht unerheblicher Mangel an höherqualifizierten Kräften. Wenn
auch die beruflichen Umstellungsprobleme bei den
jüngeren und Facharbeitern weniger schwierig waren,
so hatten doch die älteren - meist über 50 Jahre
alten - Arbeitnehmer in der Regel erhebliche Schwierigkeiten, einen neuen Arbeitsplatz zu finden: teils

�teils auf Grund ihrer mangelnden beruflichen
Qualifikationen, vor allem aber wegen ihres
relativ hohen Lebensalters. Eine überdurchschnittlich hohe Erwerbslosenrate und eine
große Zahl von Dauerarbeitslosen in diesen
Altersgruppen kennzeichneten den Umstellungsprozeß.
In dem Bestreben, diesen Automationsverdrängten zu einem wirtschaftlich gesicherten Absprung aus dem Erwerbsleben zu verhelfen, haben
die amerikanischen Gewerkschaften in den vergangenen Jahren versucht, in die Kollektivverträge Klauseln einzubauen, die eine vorzeitige
Pensionierung dieser Arbeitnehmergruppen ohne
größere wirtschaftliche Benachteiligung gestatten. Der folgende Artikel gibt einen Überblick über entsprechende von den Gewerkschaften
mit den Unternehmen ausgehandelte Pläne in der
amerikanischen Wirtschaft.
Vorbemerkungen
Durch die Aufnahme von Bestimmungen über eine vorzeitige Pensionierung in die privaten Pensionspläne der amerikanischen Wirtschaft ist das
gesamte Pensionierungsschema in den vergangenen Jahren - da auch die
staatliche Altersversicherung (seit 1961) eine vorzeitige Pensionierung
nach Erreichen des 62. Lebensjahres vorsieht - variantenreicher und umfassender, gleichzeitig aber auch unübersichtlicher geworden.
Das "vorzeitige Pensionsalter" ist in allen privaten Pensionsplänen
ebenso wie das "normale Pensionsalter" speziell definiert. Die technische
Definition des "vorzeitigen Pensionsalters" weicht von der allgemein vorherrschenden Vorstellung, daß jede Pensionierung vor Erreichen des 65.
Lebensjahres eine "vorzeitige Pensionierung" darstellt, insofern ab, als
in den Pensionsplänen (wie auch im weiteren.Verlauf dieses Artikels) dieser Begriff eine Pensionierung vor Erreichen des in den einzelnen Plänen
festgesetzten "normalen Pensionsalters" bezeichnet. Das "normale Pensionsalter" stellt daher den frühestmöglichen Zeitpunkt dar, zu dem ein Arbeitnehmer bei Erhalt der vollen aufgelaufenen Bezüge in den Ruhestand
treten kann. Gewöhnlich ist das "normale Pensionsalter" 65 Jahre, es kann
aber ebenso bei 60 oder 62 wie bei 68 oder 70 Jahren liegen,
Zusammenfassung der Untersuchungsergebnisse
In über 100 der untersuchten privaten Pensionspläne., die 1,6 Millionen Arbeitnehmer erfassen, lag das normale Pensionsalter unter 65, gewöhnlich bei 60 Jahren. Eingeschlossen sind fast eine Million Arbeitnehmer, die von Plänen - wie denen des Bell Telephone System - erfasst werden, die auch eine vorzeitige Pensionierung vorsehen. Bei einigen von
diesen Plänen, zu denen auch die der Telefonindustrie gehören, können die
Arbeitnehmer mit Einwilligung des Unternehmens bereits mit Erreichen des
55. Lebensjahres bei Gewährung der vollen Bezüge in den Ruhestand treten;
bei anderen dagegen ist eine Pensionierung, nur bei reduzierten Leistungen

- 2-

�Leistungen möglich. Zu den restlichen Pensionsplänen, bei denen das
normale Pensionierungsalter zwar unter 65 Jahren liegt, die aber keine
vorzeitige Pensionierung vorsehen, zählen u.a. die der Gewerkschaften
der Elektroarbeiter (IBEW), der Bergarbeiter und der Transportarbeiter.
Das amerikanische Sozialversicherungsgesetz (Social Security Act),
das das normale Pensionierungsalter für alle Sozialversicherungspflichtigen auf 65 Jahre festsetzt, wurde im Jahre 1956 erstmalig liberalisiert. Seinerzeit wurde die Bestimmung aufgenommen, daß sich Frauen bereits ab 62. Lebensjahr bei verminderten Bezügen pensionieren lassen
können - eine Option, die auf die männlichen Arbeitskräfte 1961 ausgedehnt wurde. Da die meisten privaten Pensionspläne zu diesem Zeitpunkt
bereits Bestimmungen über eine vorzeitige Pensionierung - in einem
meist noch niedrigeren Lebensalter - enthielten, dürfte der Einfluß dieser Gesetzesänderung auf die Gestaltung der privaten Pläne nur gering
gewesen sein, wenngleich sie zweifellos dazu beigetragen hat, das tatsächliche "vorzeitige Pensionsalter" allgemein herabzudrücken.
Auf Grund der Bestimmungen dieser privaten Pensionspläne ist es
den Arbeitnehmern, die die erforderlichen Voraussetzungen in bezug auf
Lebensalter und Dienstjähre erfüllen, möglich, sich bei verminderten Bezügen vorzeitig pensionieren zu lassen.
Obwohl allgemein bestimmt ist, daß die Pensionsleistungen in solchen
Fällen sofort fällig sind, bieten einige Pläne den Versicherten die Möglichkeit, die Auszahlung bis zur Erreichung des normalen Pensionsalters
aussetzen zu lassen, damit sie dann in den Genuß der vollen Pension
kommen.
Zu den in jüngster Zeit neu eingeführten Bestimmungen gehören auch
jene, die es den Unternehmern gestatten, die vorzeitige Pensionierung
eines Arbeitnehmers zu erzwingen oder den Betreffenden zu "beiderseits
annehmbaren Bedingungen" (d.h. bei Einvernehmen von Unternehmer, Gewerkschaft und Arbeitnehmer) zu pensionieren. In diesen Fällen kommen die
"Zwangspensionierten" in der Regel in den Genuß wesentlich höherer Pens-ionsle istungen, die.bei einigen Plänen sogar über den Pensionen liegen,
die bei Erreichen der normalen Altersgrenze zu zahlen sind. Wie bei
allen anderen Pensionierungsvorschriften müssen natürlich auch hier
gewisse Voraussetzungen hinsichtlich der Dauer der Betriebszugehörigkeit und des Lebensalters erfüllt sein.
Vorzeitige Pensionierung
Bestimmungen über eine vorzeitige Pensionierung enthielten rund 75
Prozent aller untersuchten privaten Pensionspläne. Bemerkenswert ist dabei, daß derartige Bestimmungen weitaus häufiger in jenen Plänen verankert sind, die sich lediglich auf ein einzelnes Unternehmen beziehen,
(in der Folge als Einzelpläne bezeichnet), als in solchen, die von mehreren Arbeitgebern (Sammelpläne) getragen werden. Das Verhältnis ist hier
4:1 bzw. 2:3. Bei den Einzelplänen, die keine derartigen Klauseln enthielten, handelte es sich in der Regel um Pläne, die ausschließlich durch
Unternehmerbeiträge gespeist werden und hauptsächlich auf Unternehmen des
Handels, der Dienstleistungszweige und der Fertigungsindustrie beschränkt
sind. Bestimmungen über eine vorzeitige Bansionierung (bei reduzierten
Bezügen) oder eine normale Pensionierung vor dem 65. Lebensjahr (bei
Tabelle 1

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�(bei vollen Bezügen) sind bei Sammelplänen vor allem in jenen Industriezweigen anzutreffen, in denen die Arbeiter besonders schwierige
und körperlich harte Arbeit zu leisten haben, wie im Bergbau, im
Straßentransportgewerbe und in der Schiffahrt.
Eine ganze Reihe von privaten Pensionsplänen, die etwa eine
Million Arbeitnehmer umschließen, sehen nur für weibliche Arbeitskräfte eine vorzeitige Pensionierung, gewöhnlich ab 62. Lebensjahr,
vor. Viele dieser Pensionspläne existieren in der Bekleidungsindustrie - einem Industriezweig mit einem sehr hohen Anteil an weiblichen
Arbeitskräften. Die meisten Arbeitnehmer gehören dabei Sammelplänen an,
die von den Gewerkschaften der Bekleidungsarbeiter und der Damenoberbekleidungsindustrie zentral verwaltet werden.
Voraussetzungen für eine vorzeitige Pensionierung
Voraussetzung für eine vorzeitige Pensionierung ist in der Regel
eine Mindestdienstzeit von 15 Jahren. Diese Bestimmung ist in 25 Prozent aller untersuchten Pläne mit derartigen Klauseln verankert, die
etwa ein Viertel aller erfaßten Arbeitnehmer umschließen. Eine Betriebszugehörigkeit von 10 Jahren war dagegen lediglich bei. sechs
Pensionsplänen erforderlich; allerdings wurden von diesen rund 25 Prozent aller Arbeitnehmer erfaßt. Weniger als 10 Dienstjähre als Mindestvoraussetzung für eine vorzeitige Pensionierung schreiben schließlich rund 33 Prozent aller Pläne vor, die jedoch nur ein Fünftel aller
durch diese Untersuchung erfaßten Arbeitnehmer umschließen, während
ein weiteres Viertel aller Arbeitnehmer Pensionsplänen angehörte, bei
denen die erforderliche Mindestdienstzeit 20 Jahre und mehr betrug.
Was das Mindestalter betrifft, so ermöglichen zwei Drittel dieser
Pläne, die rund die Hälfte aller Arbeitnehmer erfassen, eine Pensionierung ab 55. Lebensjahr, während weitere zwei Fünftel aller Arbeitnehmer
Plänen angehörten, die das 60. Lebensjahr als Mindestalter vorschreiben.
Schließlich sehen weniger als 5 Prozent dieser privaten Pensionspläne
eine vorzeitige Pensionierung vor Erreichen des 55. Lebensjahrs vor.
Für über 50 Prozent aller von diesen Plänen erfaßten:Arbeitnehmer gilt
als Voraussetzung für eine vorzeitige Pensionierung eine kombinierte
Formel von Lebensalter und Dienstzeit - bei etwa 20 Prozent waren es
55 Lebens- und 10 bis 15 Dienstjahre, bei 30 Prozent 60 Lebens- und 10
bis 15 Dienstjahre.
In allen Pensionsplänen mit sogenannten "vesting rights" - Anspruchsberechtigung auch bei Entlassung oder Betriebswechsel - lag das
Mindestalter allgemein höher als bei Plänen ohne derartige Rechtsanspruchssicherungen. So bestehen zum Beispiel für rund 25 Prozent aller
Arbeitnehmer, die von Plänen erfaßt werden, die keine Sicherungsbestimmungen enthalten, keinerlei Begrenzungen hinsichtlich des Lebensalters, während von Arbeitnehmern unter Garantieplänen fast ausschließlichderartige Kriteria zu erfüllen sind. Auf der anderen Seite war die
Zahl der vorgeschriebenen Dienstjahre in Garantieplänen mit Bestimmungen
über eine vorzeitige Pensionierung geringer als in Plänen ohne eine
Garantie.
Bestimmungen darüber, daß ein Arbeitnehmer inur dann eine vorzeitige Pensionierung beantragen kann, wenn der Unternehmer einverstanden ist oder
Tabelle 2

�TABELLE 2

BESTIMMUNGEN ÜBER EINE VORZEITIGE PENSIONIERUNG IN PRIVATEN PENSIONSPLÄNEN
(Nach Industriezweigen gegliedert, Stand: Winter 1962/63)

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Arbeitnehmer
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Ohne derartige
Klauseln

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Pläne

Arbeitnehmer
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Zahl der untersuchten Pläne

15 .818

13 621

12.099

11 ,786

Landwirtschaft,
Forsten,
Fischerei

75

26

75

26

Bergbau

316

327

312

119

4

208

Baugewerbe

449

1 072

156

343

293

729

9 257

9 678

7 409

7 981

1 848

1 697

Transport

673

1 286

496

644

177

642

Nachrichtenwesen, Öffentl.
Versorgung

849

1 270

600

1 184

249

87

Groß-, Einzelhandel

1 627

920

1 271

690

. 356

230

Finanz,
Vers icherungen

1 853

733

1 439

660

414

73

719

308

341

140

378

168

Fertigungsindustrie

Dienstleistungszweige

- 6-

�oder den Arbeitnehmer ausdrücklich auffordert, sind in etwa der Hälfte
aller Pläne verankert, durch die etwa 40 Prozent aller Arbeitnehmer
erfaßt werden.
Während die Sammelpläne nur in Ausnahmefällen derartige Bestimmungen enthielten, waren sie in Einzelplänen, insbesondere in der Fertigungsindustrie, die Regel. Außerdem bezogen sich diese Bestimmungen
weitaus häufiger auf die Angestellten eines Betriebes als auf die Produktionsarbeiter.
Pensionsleistungen
Die Leistungen bei vorzeitiger Pensionierung setzen in allen Fällen
unmittelbar nach Beendigung der Erwerbstätigkeit ein; bei einigen Pensionsplänen, durch die etwa die Hälfte aller anspruchsberechtigten Arbeitnehmer erfaßt wird, steht es jedoch den Betreffenden frei, den
Zeitpunkt der Leistungsaufnahme bis zum Beginn des normalen Pensionsalters hinauszuschieben.
Die monatlichen Pensionen entsprechen bei einer Pensionierung im
60. Lebensjahr in der Regel (2/3 aller Pläne) einem versicheTiingsmathematisch genau errechneten verminderten Anteil des Grundbetrags, der bei
Erreichen des normalen Pensionsalters (von 65 Jahren) fällig wäre. Auf
Grund dieser reduzierten Leistungen kommt der bei Erreichen des 60.
Lebensjahres in Pension gehende Arbeitnehmer allgemein in den Genuß von
2/3 des Grundbetrages. Läßt er seine Rente bis zum 65. Lebensjahr weiter auflaufen, so kann er eine Erhöhung seiner Bezüge um rund die Hälfte erreichen. Bei den meisten der restlichen Pläne werden dagegen andere Bemessungsfaktoren zugrunde gelegt. Das am häufigsten angewendete
Verfahren sieht dabei eine Minderung des Rentengrundbetrages um bestimmte, meist auf Monatsbasis bezogene prozentuale Anteile vor, die
zwischen 1/4 und 3/4 Prozent pro Monat liegen. Gezählt werden alle
Monate, die zwischen dem Zeitpunkt der vorzeitigen Pensionierung und
dem normalen Pensionsalter liegen. Dadurch ergeben sich vielfach größere Abschläge für den Versicherten als bei Anlegung versicherungstechnischer Maßstäbe. Mehr als 10 Prozent aller Arbeitnehmer werden
z.B. von Pensionsplänen erfaßt, die monatliche Abzüge in Höhe von 6/10
eines Prozents vorsehen (was bei einer Pensionierung mit 60 Jahren .
einer Rentenminderung um 36 Prozent entspricht), während andererseits
1 Million Arbeitnehmer privaten Pensionsplänen r-gehören, die um 30
Prozent verminderte Leistungen (bei 0,5 Prozent Abzug pro Monat) für
Versicherte festsetzen, deren normales Pensionsalter 65 Jahre ist und
die sich mit 60 pe~ ionieren lassen.
Allerdings gibt es auch zahlreiche Pläne, die keinerlei Abzüge
von der Grundrente bei einer vorzeitigen Pensionierung kennen. So
fallen rund 1,2 Millionen Arbeitnehmer unter Pläne, die keine Leistungsminderung ab 60 Jahre vorsehen, während für eine weitere.Million
Arbeitnehmer das normale Pensionsalter bei 60 Jahren liegt und 200 000
von Pensionsplänen erfaßt werden, die bei einer vorzeitigen Pensionierung mit 60 Jahren bereits die gleichen Leistungsbeträge vorsehen wie
mit 65 Jahren.
Die Reduzierung der Leistungen bei Plänen, die eine noch frühere
Pensionierung (meist ab 55 Jahre) ermöglichen, erfolgt in der Regel
nach dem Berechnungsschema von Planen, bei denen das vorgezogene PensionsTabelle 3

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�Pensionsalter 60 Jahre beträgt. Da die tatsächlich gezahlten Pensionen
in diesen Fällen jedoch beträchtlich unter den Normalleistungen liegen
(Abschläge von meist über 50 Prozent), kann man darauf schließen, daß
eine vorzeitige Pensionierung zu einem so frühen Zeitpunkt meist nur
für außergewöhnliche Umstände (Betriebsstillegung etc.) vorgesehen ist.
Dennoch gehörte eine nicht unbeträchtliche Zahl von Versicherten Pensionsplänen an, die eine Pensionierung ab 55. Lebensjahr bei vollen
Bezügen ermöglichen. Die meisten dieser Arbeitnehmer sind bei den Telefongesellschaften beschäftigt, deren Pläne als Mindestvoraussetzung für
die Zahlung der vollen Pension 25 Dienstjahre und die Zustimmung des
Unternehmens vorschreiben. Die normale Pensionierungsgrenze liegt hier
allerdings schon bei 60 Jahren.

TABELLE 4
EINSCHRANKENDE BESTIMMUNGEN BEI EINER VORZEITIGEN PENSIONIERUNG
(Stand: Winter 1962/63)

Arbeitnehmer

Pläne

Art der
Konditionen

Prozent

Zahl
in 1000

Prozent

12 099

100,0

11 786

100,0

Nur auf Antrag des
Arbeitnehmers

6 327

52,3

7 133

60,5

Nur nach Zustimmung oder
Forderung des Unternehme s

5 772

47,7

4 653

39,5

Nach Zustimmung des
Unternehmers

5 369

44,4

3 729

31,6

Nach Forderung des Unternehmers

89

0,7

273

2,3

Entweder nach Zustimmung
oder Forderung des Unternehmers

247

2,0

389

3,3

In beiderseitigem Einvernehmen

55

0,5

219

1,8

Andere

12

0,1

43

0,4

Zahl
Sämtliche Pläne mit Bestimmungen über eine vorzeitige
Pensionierung

Da all diese privaten Pensionspläne einen Eintritt in den Ruhestand zu
einem Zeitpunkt ermöglichen, der vor dem der Leistungsaufnahme der staatlichen Altersversicherung liegt, müssen die meisten dieser frühzeitig in Pension gehenden Arbeitnehmer in der Regel für einige Jahre erhebliche Einkom-

- 9 -

�Einkommenseinbußen hinnehmen, ehe sie, sobald die staatlichen Pensionsleistungen einsetzen, eine ganz wesentliche Aufbesserung ihrer Ruhegelder erfahren. Um die beträchtlichen Einkomraenschwankungen auszugleichen, bieten mehr als 25 Prozent aller privaten Pensionspläne dem Versicherten eine Option auf einen sogenannten Sozialversicherungsausgleich.
Bei Inanspruchnahme dieser Option erhält der Versicherte eine erhöhte
Rente aus dem privaten Pensionsfonds bis zum Einsetzen der Leistungen
aus der staatlichen Altersversicherung. Nach Erreichung dieses Zeitpunktes
erfolgt dann eine entsprechende Reduzierung.

TABELLE 5
RENTENABZUGSFAKTOREN BEI EINER VORZEITIGEN PENSIONIERUNG MIT 60 JAHREN )
Pläne

Arbeitnehmer

Faktor
Zahl

Prozent

12 099

100,0

11 786

100,0

169

1,4

1 162

9,9

Verminderung des Grundbetrages
nach versicherungsmathematischen Formeln
8 067

66,7

5 821

49,4

Prozentuale Minderung des
Grundbetrages pro Monat vor
dem normalen Pensionsalter
(65 Jahre)

2 837

23,4

4 193

35,6

1/4 eines Prozents

32

0,3

108

0,9

1/3 eines Prozents

52

0,4

545

4,6

4/10 eines Prozents

62

0,5

193

1,6

1/2 eines Prozents

934

7,7

1 245

10,6

5/9 eines Prozents

179

1,5

710

6,0

1 006

8,3

1 290

10,9

5/8 eines Prozents

520

4,3

71

0,6

3/4 eines Prozents

52

0,4

31

0,3

Leistungstabellen mit verschiedenartigen Minderungsfaktoren

836

6,9

419

3,6

Leistungstabellen mit reduzierten Leistungen

31

0,3

91

0,8

159

1,3

102

0,9

Sämtliche Pläne mit derartigen Bestimmungen
Ohne jeglichen Abzug

6/10 eines Prozents

Andere
X)

Zahl in
1000

Prozent

Sonder-

Stand: Winter 196?/*^
10

�Sonderregelungen für eine vorzeitige Pensionierung
In zahlreiche private Pensionspläne, vor allem der Fertigungsindustrie,
ist in den vergangenen Jahren eine ganze Anzahl von Sonderbestimmungen für
eine vorzeitige Pensionierung aufgenommen worden. Es handelt sich hierbei
vor allem um Klauseln obligatorischen Charakters (Zwangspensionierung), an
die Leistungen geknüpft sind, die allgemein wesentlich über die hinausgehen,
die der Versicherte bei einer normalen vorzeitigen Pensionierung zu erwarten hätte. Diese Bestimmungen wurden gemeinsam von Gewerkschaften und Unternehmern mit.dem Ziel ausgehandelt, spezielle wirtschaftliche und soziale
Härten bei Eintritt außergewöhnlicher Umstände (Massenentlassungen, Betriebsstillegungen usw.) auszuschalten. Viele dieser Bestimmungen sind inzwischen
auch auf jene Arbeitnehmer und Angestellte eines Betriebes ausgedehnt worden, die nicht gewerkschaftlich organisiert sind..

TABELLE 6
SONDERBESTIMMUNGEN BEI EINER VORZEITIGEN PENSIONIERUNG'&gt;
(nach Industri.ezweigen)
All e Pläne
Industriezweig

Mit Sonderklauseln

Arbeitnehmer
in 1000

Pläne

Arbeitnehmer
in 1000

15 818

15 621

1 051

2 674

75

26

Bergbau

316

327

34

Baugewerbe

449

1 072

9 257

Transport

Pläne

Arbeitnehmer
in 1000

14 767

12 947

75

26

18

282

310

2

7

447

1 065

9 678

992

2 551

8 265

7 128

673

1 286

2

38

671

1 248

Nachrichtenwesen,
Öffentl. Versorgung

849

1 270

4

11

845

1 260

Groß-, Einzelhandel

1 627

920

7

24

1 620

895

Finanzen, Versicherung, Immobilien

1 853

733

5

17

1 848

716

308

5

8

714

300

Zahl der untersuchten Pläne
Landwirtschaft,
Forsten, Fischerei

FertigungsIndustrie

Dienstleistungszweige

Zahl

Ohne Sonderklauseln

1

719

Im Zeitpunkt der Erhebung enthielten fast sieben Prozent aller untersuchten privaten Pensionspläne, durch die 17 Prozent der Arbeitnehmer erfaßt
wurden, derartige Sonderbestimmungen. Sie waren vor allem in der FertigunRs1) 9f-.r&gt;H- T-Mnt-PT- 1 0 f t ? / f
- 11 -

�I
Fertigungsindustrie (Stahl-, Automobil-, Gummi-, Konservenindustrie)
anzutreffen und hauptsächlich in Einzelplänen verankert, die allein
durch Unternehmerbeiträge gespeist wurden. Pläne,die in ihren Grundzügen denen der Stahlindustrie entsprechen und rund ein Viertel dieser Arbeitnehmer einschließen, sehen unter anderem vor, daß die Versicherten bei 60 Lebens- und 15 Dienstjahren Fensionsleistungen erhalten können, wenn das Ausscheiden aus dem Erwerbsleben in beiderseitigem Einvernehmen erfolgt, oder bei einem Lebensalter von 55 Jahren und 20 Dienstjahren, wenn die vorzeitige Pensionierung auf Grund
einer Betriebsstillegung, Massenentlassung oder wegen Teilinvalidität
beantragt wird, wobei die Teilinvalidität nicht für den Bezug staatlicher Invalidenrente ausreichen würde. Die Pensionsleistungen sind
in diesen Fällen sofort fällig.
Außerdem gibt es in der Stahlindustrie noch einige Varianten zu
diesen Plänen - Pläne, die schon eine spezielle vorzeitige Pensionierung mit 50 Lebens- und 15 Dienstjahren unter "beiderseitig annehmbaren Bedingungen" oder bei Entlassung gestatten - sowie mit 55 Lebens- und 15 Dienstjahren im Falle einer Betriebsstillegung oder.Teilinvalidität oder mit 60 Lebens- und 30 Dienstjahren zu für beide Seiten annehmbaren Bedingungen.
Generell ergibt sich nach Auswertung sämtlicher Pensionspläne mit
derartigen Sonderbestimmungen folgendes Bild hinsichtlich der Mindestvoraussetzungen: 55 Lebens- und 20 Dienstjahre für 1/3 aller erfaßten
Arbeitnehmer; 60 Lebens- und 10 Dienstjahre für 2/5 der Arbeitnehmer;
55 Lebens- und 10.oder 15 Dienstjähre für 1/10.
Was die Leistungen betrifft, so gehören 50 Prozent aller versicherten Arbeitnehmer Pensionsplänen an, die die gleichen Leistungen
vorsehen wie bei einer normalen Pensionierung, während ein fast gleich
hoher Prozentsatz bis zum Erreichen der normalen Pensionierungsgrenze
oder Einsetzen der Leistungen aus der staatlichen Altersversicherung
Pensionen erhält, die mehr als doppelt so hoch sind wie die gewöhnlichen Leistungen. Der Rest entfällt auf Pläne, die nur geringfügig
über dem Normalsatz .liegende Renten für die Versicherten vorsehen.

(Quelle: "Monthly Labor Review",
Vol. 87, Nr. 10, Oktober 1964).

+ ++++

- 12 -

�Verbesserung der Volksgesundheit durch gezielte Maßnahmen
In seiner Sonderbotschaft vom 7. Januar unterbreitete Präsident
Johnson dem amerikanischen Kongreß ein umfassendes Volksgesundheitsprogramm, das neben einer angemessenen kostenlosen ärztlichen Betreuung und Krankenhausfürsorge für die älteren, nicht sozialversicherten
Menschen vor allem die Errichtung von medizinischen Regionalzentren
für die Bekämpfung der bedrohlichsten Volkskrankheiten sowie die Bereitstellung von Bundesmitteln zur Betreuung von geistig Zurückgebliebenen, geistig Erkrankten und Invaliden vorsieht. Alles in allem forderte der Präsident für die Durchführung dieser Einzelprogramme im
ersten Jahr Mittel in Höhe von 262 Millionen Dollar an.
Präsident Johnson hob in seiner Sonderbotschaft insbesondere die
große Bedeutung einer den neuesten Erkenntnissen und Techniken der
modernen Medizin entsprechenden Gesundheitsfürsorge für das gesamte
amerikanische Volk hervor und betonte, daß die besten Diagnose- und
Therapiemethoden unserer Zeit allen Amerikanern zugänglich gemacht
werden müßten. Alter und wirtschaftlicher Status dürften hierbei keine
hemmenden Schranken bilden.
In Verfolg dieses Zieles forderte der Präsident als zeitgemäße
Ergänzung der vor nunmehr 30 Jahren eingeführten Sozialgesetzgebung die
Ausdehnung der staatlichen Sozialfürsorge auch auf das Gebiet der Krankenversicherung für ältere Menschen. Die Bedeutung einer derartigen Versicherung für die 65jährigen und älteren unterstrich Präsident Johnson
mit den Hinweisen, daß
- 80 Prozent aller über 65 Jahre alten Menschen irgendwelche körperlichen Gebrechen oder chronische Krankheiten aufweisen;
- diese älteren Menschen sehr viel häufiger das Krankenhaus aufsuchen
müssen als Angehörige anderer Altersgruppen der Bevölkerung und in der
Regel doppelt so lange im Hospital bleiben als jüngere Menschen;
- die von ihnen aufzubringenden Kosten für Ärzte, Medizin und Krankenhaus doppelt so hoch sind wie bei den Jüngeren; .
- fast die Hälfte dieser alten Menschen überhaupt keine Krankenversicherung hat;
- ältere, nicht mehr erwerbstätige Ehepaare heute nicht in der Lage
sind, die Mittel für eine ausreichende Krankenfürsorge im Rahmen der
privaten Krankenversicherung aufzubringen.
Nach den Vorschlägen des Präsidenten soll dieses spezielle Krankenversicherungsprogramm in die staatliche Sozialgesetzgebung einbezogen und
durch geringfügig erhöhte Beitragsleistungen der Versicherten finanziert
werden. Im einzelnen soll sich dabei die Krankenversicherung auf die
Deckung der gesamten Krankenhaus- und Nachbehandlüngskosten erstrecken
sowie auf die Heimpflege- und Diagnosekosten. Der gleiche Versicherungsschutz soll auch auf alle jene Personenkreise ausgedehnt werden, die
tegenwärtig noch nicht durch die Sozialversicherung erlaßt "werden, wobei
ie entstehenden Kosten in das administrative Budget autgenommen werden
sollen. Ebenso soll das vom Kongreß zu verabschiedende Krankenversicherungsgesetz für die älteren Menschen und die sozial Schwachen sicherstellen, daß die freie Arzt- und Krankenhauswahl der Versicherten erhalten

bleibt.

.

"..

- 13 -

Ml

�Bei Verabschiedung eines derartigen Gesetzes durch den Kongreß
würden rund 18 Millionen Amerikaner in den Genuß eines Krankenversicherungsschutzes kommen. Von diesen sind gegenwärtig nur rund 2
Millionen durch die Sozialversicherung erfaßt. Zur Deckung der damit
entstehenden Kosten sollen nach den Vorschlägen des .Präsidenten die
Sozialversicherungsbeiträge der Arbeitgeber und Arbeitnehmer bis zum
Jahre 1971 nach und nach von derzeitig 4,25 Prozent des Einkommens
auf 5,2 Prozent erhöht werden.
Während für das erste Jahr eine Gesamtsumme von 262 Mio. Dollar
zur Finanzierung des Volksgesundheitsprogramms Präsident Johnsons veranschlagt wird, rechnet man bereits im zweiten Jahr mit einem Betrag
von 801,6 Mio. Dollar - eine Summe, die in den nächsten fünf Jahren
auf mehrere Milliarden ansteigen dürfte.
Zu den weiteren Vorschlägen Präsident Johnsons für einen verbesserten Krankenversicherungsschutz, eine umfassendere vorbeugende medizinische Betreuung weitester Volkskreise und eine allgemeine Hebung der
Volksgesundheit in den Vereinigten Staaten gehört auch die Errichtung
von 32 über das gesamte Land verteilten medizinischen Regionalzentren
zur Bekämpfung und Behandlung von Herzkrankheiten, Krebs und Kreislaufkrankheiten - Leiden, die in der Liste der Krankheiten in. den USA
an der Spitze stehen.
Durch diese Regionalzentren, die in der Nähe großer und medizinisch
hervorragender Universitätskliniken geschaffen werden sollen, will man
die in vielen Fällen über Tod und Leben entscheidenden Kenntnisse und
Fertigkeiten namhafter Kliniker und bekannter Chirurgen, einem möglichst
großen Teil der Bevölkerung zugänglich machen. Zur Durchführung dieses
Programmpunktes sollen im Verlauf von fünf Jahren rund 1,2 Mrd. Dollar
(50 Mio. Dollar im ersten Jahr) aufgebracht werden. Dabei würde der
Bund Zuschüsse für die Heranziehung von Spezialisten .und Stipendien
für die Grundlagenforschung auf dem Gebiet dieser Krankheiten zur Verfügung stellen.
Für die restlichen Schwerpunktprogramme Präsident Johnsons zur
Verbesserung der Krankenfürsorge, der vorbeugenden medizinischen Betreuung und der Bekämpfung der Volkskrankheiten sind schließlich noch folgende Beträge vorgesehen:
125 Millionen Dollar für die medizinische Betreuung von Kindern und
Jugendlichen;
19,5 Millionen Dollar für das Personal der kommunalen Heil- und
Pflegeanstalten;
20 Millionen Dollar als Beihilfen und Stipendien für medizinische
und zahnmedizinische Ausbildungsstätten;
5 Millionen Dollar für die medizinische Grundlagenforschung;
7 Millionen Dollar für Gesundheitsbetreuung der Wanderarbeiter;
8 Millionen Dollar an Beihilfen für Impfprogramme;
10 Millionen Dollar für Umschulungsprogramme; und
10 Millionen Dollar für Krankenhausbetreuung nicht krankenversicherter alter Menschen.
(Quelle: Eigenbericht)

+ ++++
- 14 -

�Entlassungsbestimmungen in US-Tarifverträgen
Eine Repräsentativuntersuchung von 400 Tarifverträgen der amerikanischen Industrie ergab, daß in 99 Prozent aller Verträge die Frage der
Entlassung von Arbeitnehmern generell geregelt ist. Dies teilte kürzlich das Bureau of National Affairs (BNA), ein privates statistisches
Institut, mit.
In 90 Prozent aller Tarifverträge sind Gründe, die zu einer Entlassung führen können, aufgeführt. Die Formel "begründet" oder "aus berechtigtem Anlaß" erscheint in 73 Prozent aller Verträge. Zahlreiche
Verträge geben spezifizierte Gründe der Entlassung an. Darunter wird
"Verletzung der vertraglichen Abmachungen" (einschließlich Streikaktionen)
am häufigsten, nämlich in 27 Prozent aller Verträge, genannt. "Mißachtung der Werksanordnungen" erscheint in 18 Prozent, "mangelhafte Leistungen" oder "Versagen" in 14 Prozent, "Trunkenheit!1 ebenfalls in 14
Prozent, "betrügerisches Verhalten" oder."Diebstahl".in zwölf Prozent
und "unerlaubtes oder ungewöhnlich.häufiges Fernbleiben von der Arbeit"
in elf Prozent aller Verträge.
Die Generalklausel "aus berechtigtem Anlaß" findet sich in mindestens
der Hälfte aller Tarifverträge. Detaillierte Begründungen werden in Verträgen der Fertigungsindustrie häufiger als in den anderen Wirtschaftszweigen angetroffen; das Verhältnis ist 65 Prozent zu 54 Prozent.
"Verletzung vertraglicher Abmachungen" (einschließlich Teilnahme an
Bummel- oder an wilden Streiks) gilt in 32.Prozent aller Verträge der
Fertigungsindustrie gegenüber 17 Prozent der anderen Wirtschaftszweige
als Entlassungsgrund. Bei "Mißachtung der Werksanordnungen" ist die Relation 21 zu 14 Prozent, bei. "mangelhaften Leistungen" oder '.«Versagen" ist
das Verhältnis 13 zu 18 Prozent, bei "Trunkenheit" 11 zu 21.Prozent.„
In der Fertigungsindustrie sind"in 64 von 100 Verträgen genaue Entlassungsverfahren bezeichnet gegenüber 41 von 100 in den übrigen Wirtschaftszweigen. 24 Prozent der Verträge schreiben vor, daß dem Arbeitnehmer die Entlassung anzukündigen ist. In 14 Prozent der Verträge ist eine
vorherige Verständigung der Gewerkschaft, in 23 von 100 Verträgen ihre
nachträgliche Benachrichtigung vorgesehen. 16 Prozent der Verträge machen
die Verständigung von Arbeitnehmer und Gewerkschaft obligatorisch.
In 15 von 100 Verträgen wird bestimmt, daß der Arbeitnehmer auf seine
mögliche Entlassung aufmerksam gemacht werden muß. Neun Prozent der Verträge sehen die Suspendierung als eine der Entlassung vorausgehende Maßnahme vor. Ebenfalls neun Prozent der Verträge schreiben das Anhörverfahren vor einer Entlassung vor, und in mehr als der Hälfte dieser Verträge ist wiederum die Anwesenheit von Gewerkschaftsvertretern bei solchen
Anhörverfahren als erforderlich bezeichnet.
Berufungsverfahren bei Entlassungen sind in 80 v.H. der für die Fertigangsindustrie geltenden Verträge genannt, dagegen nur in 47 v.H. aller
in der übrigen Wirtschaft gültigen Verträge.
In den meisten Fällen ist ein normales Beschwerdeverfahren anwendbar,
allerdings müssen Einsprüche gegen Entlassungen fristgerecht - meist binnen
vier bis sieben Tagen - erhoben werden.
Andere

- 15 -

�Andere, nicht zur Entlassung führende Disziplinarmaßnahmen sind
in 71 Prozent der Verträge der Fertigungsindustrie erwähnt, dagegen
nur in 44 Prozent der Verträge der übrigen Wirtschaft. Die meisten
Klauseln beschränken sich allerdings auf die ausdrückliche Feststellung, daß Suspendierung oder vorübergehende Entlassung als zulässige
Maßnahmen gelten. Zehn Prozent der Verträge erwähnen die niedrigere
Einstufung als erlaubte Form der Maßregelung, sechs Prozent führen
die Versetzung als solche an.

(Quelle: Eigenbericht)

+++++

- 16

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters In der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
USIS-Bonn/Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme Irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.
-

XVIII - 3

Bad Godesberg, den 1. März 1965

INHALTSVERZEICHNIS

Ausgabentrends von Stadtfamilien 1950-1961

Seite

1

Arbeits- und Lohngarantiebestimmungen in
Großtarifverträgen

Seite

7

Gewerkschaftliche Kurznachrichten

Seite 14

Kathryn R. Murphy, Mitarbeiterin im US-Amt für Arbeitsstatistik:
Ausgabentrends von Stadtfamilien 1950-1961
Einleitung
Die "Erhebung über die Verbraucherausgaben in den Jahren 1960/61"
bietet eine gute Möglichkeit, die Ausgabengewohnheiten amerikanischer
FamilienD erneut zu untersuchen. Die unzähligen individuellen Verbraucherkäufe hatten 1960/61 einen Anteil am Bruttosozialprodukt von
65 Prozent. Während der gesamten Nachkriegsperiode haben sie ständig
mehr als 3/5 des Sozialprodukts ausgemacht. Zeitpunkt, Umfang und Art
dieser Käufe sind volkswirtschaftliche Faktoren, denen man in den USA
seit den Depressions jähren verstärkte Aufmerksamkeit schenkt.
Die Erhebung der Jahre 1960/61 setzt die bereits im Jahre 1888
vom "Amt für Arbeitsstatistik" begonnene Serie über die Familienausgaben fort. Die wirtschaftlichen Indikatoren, die Auskunft über die
Kaufkraft der Verbraucher geben, zeigten eindeutig, daß in den fünfziger Jahren mehrere Rezessionen dadurch wesentlich abgeschwächt wurden, daß die Verbraucherausgaben - im Gegensatz zu den reduzierten

Die Bezeichnungen "Familie" und "Verbrauchereinheit" werden in
diesem Artikel wechselweise verwendet und umschließen sowohl
alleinstehende Personen als auch Familien mit zwei und mehr
Personen.
- 1-

�reduzierten Käufen der öffentlichen Hand - im ganzen gesehen unverändert blieben. Einzelangaben über die Ausgabenstruktur der Familien
waren jedoch seit dem Jahre 1950 - seit Durchführung einer umfassenden Untersuchung durch das US-Amt für Arbeitsstatistik - nicht systematisch gesammelt worden. Im Zuge der Überarbeitung des Verbraucherpreisindex führte das Amt i960 und 1961 in allen Teilen der USA Interviews in der Absicht durch, zuverlässige Angaben über die Einkommen und Ausgaben der Verbraucher zu erhalten. Diese Angaben lassen
im Vergleich zu 1950 beträchtliche Unterschiede sowohl in der Einkommensstruktur als auch in der Einkommenshöhe erkennen. S?e sind ein
Fundus neuer Daten, die in eine ganze Reihe von Erhebungen zur Ermittlung der Verbrauchergewohnheiten eingebaut werden können. Der folgende Artikel befaßt sich mit den Entwicklungstrends bei Einkommen, Ausgaben und Spareinlagen seit 1950.
Einkommen und Ausgaben
In der Dekade 1950-1960 haben sich die durchschnittlichen Ausgaben einer amerikanischen Stadtfamilie zur Deckung des laufenden
Bedarfs um 42 Prozent auf 5390 Dollar pro Jahr erhöht (si he Tabelle).
Im gleichen Zeitraum stiegen die Preise (gemessen am Verbraucherpreisindex) für Güter und Dienstleistungen nur um 24 Prozent an. Das Bruttoeinkommen (vor Abzug der Steuern) dieser Familieneinheiten nahm um
58 Prozent.zu und erreichte 1960/61 eine jährliche Durchschnittssumme
von 6691 Dollar. Die Personalsteuern (vor allem die.Einkommensteuern
des Bundes, der Einzelstaaten und Gemeinden sowie die Vermögenssteuer)
stiegen proportional stärker an als die Einkommen. Der durchschnitt- .
liehe Steuerjahresbetrag pro Familie war mit 785 Dollar 1960/61 um
140 Prozent höher als der des Jahres 1950. Dennoch verzeichnete das
durchschnittliche Familieneinkommen zwischen 1950 und 1960/61 einen
Anstieg von ' 910 auf 5906 Dollar. Im Schnitt gaben 1960/61.die Familien 91 Prozent ihres verfügbaren Einkommens zur Deckung des laufenden
Bedarfs aus, im Vergleich zu 9 7 Prozent im Jahre 1950.
Spareinlagen, Geschenke und Versicherungen
Auf Grund der vergrößerten Spanne zwischen Einkommen und laufenden
Ausgaben ist es den Familien 1960/61 möglich gewesen, mehr Geld für Geschenke, Spenden aller Art und für Versicherungen auszugeben als 1950.
Geschenke für Freunde und Verwandte sowie Spenden an religiöse, wohltätige und andere Organisationen machten 1960/61 durchschnittlich
303 Dollar pro Familie aus; gegenüber 1950 ist das fast die doppelte
Summe.
In den letzten Jahren ist es immer schwieriger geworden, eine
exakte Trennungslinie zwischen Ausgaben und Sparbeiträgen zu ziehen.
Bereits im Jahre 1950 war es klar, daß der Begriff "finanzielle Sicherheit", der sich früher im Bankkonto ausdrückte, mit.der Ausdehnung des
langfristigen Kreditgeschäfts, dem Ausbau der Sozialversicherung und der
privaten Versicherungsprogramme eine neue Dimension erhalten hatte. Die
sich bereits 1950 schwach abzeichnenden Trends waren ein Jahrzehnt später
sehr viel ausgeprägter. Als Beispiel hierfür seien nur die Aufwendungen
für persönliche Versicherungen angeführt (in der Erhebung des Amtes für
Arbeitsstatistik als "Auslagen" klassifiziert und weder den Ausgaben
noch den Spareinlagen.zugerechnet), die von 177 Dollar (1950) auf

- 2-

�auf 324 Dollar und damit um 83 Prozent an
^enDie Hauptaufwendungen konzentrierten sich dabei auf die Sozialversicherung und andere
Pensionspläne - Ausgaben, die 1960/61 bereits 53 Prozent der Gesamtaufwendungen für persönliche Versicherungen auf sich vereinigten und
1950 lediglich einen Anteil von 31 Prozent hatten. In diesen Umschichtungen drücken sich zwei Entwicklungen der jüngsten.Zeit aus. Die höheren Beiträge für die Sozialversicherung resultieren aus der Ausdehnung
dieser Versicherung auf weitere Personenkreise, aus der Erhöhung der
Beitragssätze und der Bemessungsgrundlage sowie den höheren Einkommen.
Auf der anderen Seite hat die immer mehr verbreitete Praxis, Lebensversicherungen als Teil der freiwilligen Sozialleistungen der Unternehmer
anzusehen (wobei.vielfach die Beiträge allein vom Unternehmer geleistet
werden), zu einer beträchtlichen Erhöhung des Versicherungsschutzes geführt, ohne daß dabei Belastungen für die Familien in Erscheinung treten.
In dem Maße, wie diese, und ähnliche zusätzliche wirtschaftliche Sicherungen an Umfang gewonnen haben, hat sich auch der Zwang verm
Bar- oder andere flüssige Mittel für Notzeiten zurückzulegen. Außerdem
ist noch zu berücksichtigen, daß - mit der steigenden Zahl der Eigenheimbesitzer - die Eigenanteile der Familien an Haus- und Grundbesitz
sowie an Einrichtungsgegenständen einen immer größeren Teil ihrer Rücklagen ausmachen.
Die Erhebungsgrundlage des Amtes für Arbeitsstatistik zur Ermittlung der Spareinlagen pro Verbrauchereinheit bilden die im Erhebungsjahr bei Guthaben und Verpflichtungen eingetretenen Netto-Veränderungen.
Bei Anwendung dieser Bemessungsgrundlage ergibt sich für die Periode
1960/61 eine durchschnittliche Sparsumme von 177 Dollar pro Familie,
verglichen mit einer Netto-Zunahme der Verpflichtungen gegenüber den
Spareinlagen von 74 Dollar im Jahre 1950. Der Entwicklungstrend bei den
Spareinlagen wird noch deutlicher, wenn man einmal die zyklischen Schwankungen bei Einkommen und Ausgaben während der Nachkriegsperiode betrachtet. Nach der 1948/49er Rezession war eine Erhöhung der Erwerbsrate für
Häuser, Haushaltseinrich.ungen, Automobile und andere Dauergüter festzustellen . - Güter, für die sich in den dreißiger und den Kriegsjähren
ein erheblicher Nachholbedarf angestaut hatte. Während des Konjunkturaufschwungs im Jahre 1950 bauten die Verbraucher dabei ihre. Spareinlagen
so stark ab und.nahmen darüber hinaus Kredite in einem solchen Umfang
auf, daß der Bundesbankrat im September 1950 einschneidende Bestimmungen
erlassen mußte, um einer weiteren Ausweitung der Kredite für. den Erwerb
von Automobilen und einer ganzen Reihe von Haushaltsgütern entgegenzuwirken. Im folgenden Monat gab der Bundesbankrat weitere restriktive Maßnahmen bekannt, um den sich immer stärker bemerkbar machenden inflationistischen Druck zu mir :ern und den Wohnungsbau durch Begrenzung der dem
Hypothekenmarkt zufließenden Gelder vor einer weiteren. Überhitzung zu
bewahren.
Die in den Jahren 1960/61 durchgeführte Erhebung fiel dagegen in
eine Rezessionsperiode, die im 1. Quartal 1960 begann und ihren Tiefpunkt
im Februar 1961 erreichte. Die Verbraucherpreise waren in dieser Zeit relativ stabil, der große Nachholbedarf der ersten Nachkriegsjähre war weitgehend befriedigt, und die Verbraucher bemühten sich, entweder ihre Spareinlagen zu erhöhen oder aber ihre Schulden abzutragen anstatt neue Kredite aufzunehmen.
Die

- 3 -

�Die derzeitigen Lebenshaltungskosten
Bei allen wichtigen Güter- und Dienstleistungskategorien lagen
die Aufwendungen einer städtischen "Durchschnittsfamilie" 1961 im
Vergleich zu 1950 wesentlich höher..Gleichzeitig hatte sich auch der
Anteil der einzelnen Posten am Gesamtbudget erheblich verändert.
Posten wie Nahrungsmittel, Bekleidung, Haushalts- und Einrichtungsgegenstände und Freizeitausgaben wiesen dabei einen geringeren Anteil
auf als 1950, andere dagegen, wie Miete, Heizung, Gas, Elektrizität,
Wasser, allgemeine Haushaltsaufwendungen, Gesundheitsfürsorge, persönliche Ausgaben, Automobilkauf und -unterhalt sowie Erziehung, einen
höheren Prozentsatz. Diese Veränderungen resultierten in erster Linie
aus den unterschiedlichen Preis- und Kostenbewegungen bei den einzelnen Gütern und Dienstleistungen.
Die wichtigste Veränderung ergab sich in der Periode 1950-1961
bei den Aufwendungen für Nahrungsmittel, die in diesem Zeitraum - gemessen am Gesaratbudget der Familie - rückläufig waren. Der Rückgang
von rund 30 Prozent des durchschnittlichen Familienbudgets im Jahre
1950 auf 24 Prozent im Erhebungszeitraum 1960/61 entspricht einem langfristigen, seit Beginn dieses Jahrhunderts wirksamen Trend.
Die größte prozentuale Zunahme dagegen trat bei den Mieten (bzw.
Unterhaltungskosten für Eigenheime) ein. Beigetragen zu diesem Anstieg hat zweifellos der riesige Nachkriegsboom im privaten Wohnungsbau, durch den immer mehr Familien in die Lage versetzt wurden, modernere,
qualitativ bessere - aber auch teuerere - Wohnungen und Häuser zu bewohnen. Auch der Anteil der Eigenheimbesitzer hat sich in der fünfziger
Dekade weiter erhöht, und gleichzeitig der Durchschnittswert und die durchschnittlichen Belastungen pro Eigenheim. Parallel dazu stiegen die
Hypotheken- und Versicherungskosten sowie die Aufwendungen für Unterhalts- und Reparaturarbeiten an.
Auf der anderen Seite jedoch gingen die Ausgaben für Einrichtungsstücke und Möbel zwischen 1950 und 1960/61 relativ stark zurück. Wie
schon erwähnt, waren die Ausgaben für Gegenstände dieser Art im Jahre
1950 infolge von "Angstkäufen" außergewöhnlich hoch. So waren die Preise
für Haushaltsgeräte im Gegensatz zu den Preisen der meisten anderen
Güter und Dienstleistungen 1960/61 geringer als 1950. Darüber hinaus
hat der allgemeine Trend im Wohnungsbau, zahlreiche Einrichtungsgegenstände wie Eisschränke, Öfen, Klimaanlagen usw. zu festen Bestandteilen
von Wohnungen und Miethäusern zu machen, dazu geführt, daß die Aufwendungen dafür in den Familienbudgets ihren Niederschlag heute in verstärktem Maße in den Mieten und Kaufpreisen von Häusern und weniger stark,
in eigenen Ausgaben finden. Der Rückgang des Ausgabenanteils für Haushaltseinrichtungen und Möbel wurde jedoch zum größten Teil wieder durch
die steigenden Haushaltsaufwendungen (Ausgaben für Telefon, Hausgehilfinnen, Wäscherei, Reinigung usw.) absorbiert.
Der Rückgang bei den Ausgaben für Freizeit und Erholung von 4,4 auf
4,0 Prozent ist in Anbetracht des starken Anstiegs der Realeinkommen
zwischen 1950 und 1960/61 an sich ungewöhnlich. In ihm kommen jedoch
Schwerpunktverlagerungen bei den Freizeitbetätigungen zum Ausdruck, die
in dieser Übersicht allerdings nicht alle erfaßt sind. So gaben die
Familien z.B. 1960/61 weniger für Eintrittsgelder (Film, Sport, Konzert,
Theater) aus, während sie wie 1950 praktisch den gleichen Anteil ihres

Tabelle

�TABELLE
EINKOMMENS- UND ANDERE ANGABEN ÜBER DIE AMERIKANISCHE STADTFAMILIE
(1960/61 und 1950)

Art der Angaben

Durchschnitt pro Familie Zunahme in Prozent
1950-1960/61
1950
1960/61

Angaben über die Finanzen
Gesamteinkommen
Arbeitseinkommen vor Abzug der Steuern
Andere Geldeinnahmen

6773 Dollar
6691
82

Verwendung der ver ügbaren
Mittel, gesamt
6979
Ausgabun des laufenden
Bedarfs
5390
Persönl. Versicherungen
324
Staatl. u. private
1
Altersversicherungsbeiträge
171
Lebens- u. a. Vers.
153
Geschenke u. Spenden
303
Steuern (Einkommens-,
Vermögens- u. Kopfsteuer)
785
Spareinlagen
177
Saldo von Einkommen und
Ausgaben
Anteil der Ausgaben am Arbeitseinkommen nach Abzug
der Steuern
In 1960/61er Dollar
Arbeitseinkommen nach
Abzug sämtl. Steuern
und Abgaben
Ausgaben des laufenden
Bedarfs

tt
ii

4286 Dollar
4237
49

tt

M
II

II

4403

II

59

3808
177

-

II
II

42
83

.

II
II
II

55
122
165

II
II

ti

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327
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4848 Dollar

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5390

4721

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Andere Angaben
Familiengröße
(Zahl der Personen)
3,1
Alter des Familienvorstands
4/
Bildungsniveau des Familienvorstands (Zahl der Schuljahre) 11
Familien mit
Eigenheim
53 Prozent
73
»
Automobil
12 »
Farbige Familien
Zahl der von der Erhebung
erfaßten Familien

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67

-

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�ihres Einkommens für den Erwerb von Radio- und Fernsehgeräten sowie
von Musikinstrumenten aufwendeten und erhöhte Ausgaben für Sportausrüstungen, Hobbys und andere Freizeitbetätigungen aufzuweisen hatten.
Insgesamt gab die in einer Stadt lebende amerikanische "Durchschnittsfamilie" in der Erhebungsperiode 1960/61 rund 217 Dollar pro Jahr für
Freizeitbeschäftigungen aus. Hierbei ist allerdings zu berücksichtigen,
daß in dieser Erhebung - der allgemeinen Praxis der Mehrheit folgend die Ausgaben für Urlaubs- und Freizeitreisen auf die Posten Unterhaltskosten für das Automobil, Fahrgelder sowie Ernährung und Unterkunft außer
Hause aufgeteilt sind. Eine gewisse Vorstellung über Art und Umfang der
MFreizeitausgaben" gibt jedoch eine kürzlich vom "Survey Research Center"
veröffentlichte Studie, aus der hervorgeht, daß 27 Prozent aller '»Fami- .
lien" im Jahre 1961 mindestens 100 Dollar für Urlaubsreisen (reine.Reisekosten) ausgaben und ihre durchschnittlichen Ausgaben auf Urlaubsreisen
380 Dollar betrugen.
Die beträchtliche Erhöhung der Aufwendungen für Kraftwagenkäufe
und -unterhalt in der vergangenen Dekade ist zu einem großen Teil auf
derartige Urlaubsreisen zurückzuführen, während andererseits die Erhöhung der Verkaufspreise, der Finanzierungs- und Versicherungskosten
in den fünfziger Jahren ebenso zu einer Kostensteigerung beitrug wie
die verstärkte Abhängigkeit der Familien, vom Automobil auf Grund der
Verlagerung der Wohngebiete an die Stadtränder und in di* Vororte.

(Quelle: "Monthly Labor Review»»,
Vol.87, Nr.11, November 1964)
+ -H- + +

- 6-

�Arne H. Anderson, Abteilung Industrielle und Arbeitsbeziehungen
im Amt für Arbeitsstatistik:
Arbeits- und Lohngarantiebestimmungen in Großtarifverträgen
Zusammenfassung
Von den insgesamt 1773 vom "Amt für Arbeitsstatistik" im Jahre 1963
untersuchten Großtarifverträgen (Verträge, die jeweils für mehr als
1000 Arbeitnehmer gelten) enthielten nur weniger als 10 Prozent Bestimmungen über Arbeits- und Lohngarantien. Auch die Zahl der von solchen
Bestimmungen erfaßten Arbeitnehmer lag im gleichen Größenbereich (unter
10 Prozent). Die meisten dieser in Tarifverträgen verankerten Klauseln
bezogen sich dabei fast ausschließlich auf wöchentliche Arbeitszeit- und
Einkommensgarantien; nur 6 Verträge sahen Jahresgarantien vor (siehe Tabelle). Nicht nur hinsichtlich der Länge der Garantieperiode bestanden
zwischen den einzelnen Abkommen erhebliche Unterschiede, sondern auch in
bezug auf Faktoren wie Höhe des Garantielohnes und Zahl der garantierten
Arbeitsstunden, Anspruchsberechtigung, Arbeitsbedingungen, Aufhetzung
oder Einschränkung der Garantie.
Wöchentliche Garantie
Bestimmungen über wöchentliche Arbeits- oder Einkommensgarantien,
durch die 513 000 Arbeitnehmer erfaßt wurden, enthielten insgesamt 117
der untersuchten Tarifverträge. Die meisten dieser Abkommen (81) entfielen dabei auf die nichtindustriellen Wirtschaftszweige, in erster
Linie auf das Straßentransportgewerbe, die kommunalen Verkehrsbetriebe
und den Einzelhandel, die übrigen (36) auf die Nahrungsmittelindustrie mit Schwerpunkt fleischverarbeitende Industrie (19) und Milchwirtschaft
(12).
Rund die Hälfte aller Tarifverträge mit Garantieklauseln sind von
der Transportarbeitergewerkschaft (Teamsters) ausgehandelt worden, während
die restlichen Abkommen fast alle auf die Fleischer-, Einzelhandels-,
Lagerarbeiter-, Straßenarbeiter-, Straßenbahner- und Maschinistengewerkschaft entfallen.
Wöchentliche Arbeitszeit- und Einkommensgarantien finden sich weitaus häufiger in Verträgen, die mit mehreren Unternehmen abgeschlossen
wurden, als in Einzelabkommen. Sowohl in der Nahrungsmittelindustrie als
auch im Einzelhandel verteilten sich die Garantieabkommen ungefähr je
zur Hälfte auf Einzel- und auf Sammelverträge, während in der Transportindustrie 7/10 aller Garantien in Sammelverträgen verankert waren.
Voraussetzungen für die Gewährung von Garantien
In den Genuß wöchentlicher Arbeitzeit- oder Einkommensgarantien kamen
in der Regel sämtliche - oder fast alle - von diesen Tarifverträgen erfaßten Arbeitnehmer. Einige Abkommen beziehen die Garantien auf "sämtliche
Arbeitnehmer", andere nur auf die "fest Angestellten", die "regulär Beschäftigten", oder etwa auf die "regulär Vollzeit-Beschäftigten".
Für gewöhnlich haben die Arbeitnehmer mit vollzogener Einstellung
Anspruch auf eine derartige Garantie, sonst nach Ablauf der Probezeit.
Wie aus der nachstehenden Übersicht hervorgeht, wurde nur in 16 Abkommen
eine Mindestdienstzeit als.Voraussetzung für die Gewährung der Garantie
gefordert.
Erforderliche

- 7-

�Erforderliche Mindestdienstzeit

Zahl der Abkommen

Arbeitnehmerzahl

2 Monate

1

1200

3 Monate

1

1000

12 Monate

2

3900

18 Monate

1

2000

24 Monate

11

11 000

16

19 200

Insgesamt

Die geforderte Mindestdienstzeit war im allgemeinen die einzige
Voraussetzung für die Gewährung einer Einkommens- oder Arbeitszeitgarantie. Der Senioritätsgrad der einzelnen Arbeitnehmer spielte so gut wie
keine .Rolle. Nur in neun der 117 Abkommen mit Garantieklausein wurden die
Arbeitnehmer der niedrigsten Senioritätsgruppen von der Garantie ausgeschlossen. In dem Abkommen zwischen der "Central Motor Freight Association"
und den Teamsters zum Beispiel bezog sich.die Garantie lediglich auf die
oberen 80 Prozent in der Senioritätsskala.
Als selbstverständliche Voraussetzung gilt in allen Abkommen, daß
der Arbeitnehmer jederzeit verfügbar ist, und, wenn Arbeit für ihn vorhanden ist, auch gewillt sein muß, zu arbeiten. In 85 Prozent aller Garantieabkommen werden die Voraussetzungen für die Gewährung der Einkommensund Arbeitszeitgarantie speziell aufgeführt..So gilt zum Beispiel in
3/10 aller Abkommen die Garantie nur für jene Arbeitnehmer, die in der
betreffenden Woche gearbeitet haben. Eine Mindestarbeitszeit, die ein Arbeitnehmer zu erfüllen hat, um sich für die Garantie zu qualifizieren,
ist nur in einem einzigen Vertrag fixiert.
Bei 1/4 aller Abkommen war die Meldung zur Arbeit die entscheidende
Voraussetzung dafür, ob ein Arbeitnehmer Anspruch auf die Garantie hat
oder nicht. Dagegen wurde in 17 Abkommen die Zubilligung der garantierten
Ansprüche davon abhängig gemacht, ob der Arbeitnehmer verfügbar war oder
den Wunsch hatte, zu arbeiten. Bei den meisten der restlichen (13) Abkommen hing die Gewährung der Garantie davon ab, ob der betreffende Arbeitnehmer zur Arbeit in der entsprechenden Woche eingeteilt war.
Berechnungsgrundlagen und umfang der Garantieleistungen
Die meisten der wöchentlichen Lohn- und Arbeitsgarantieabkommen
sichern den anspruchsberechtigten Arbeitnehmern die Vollbeschäftigung
während des Garantiezeitraumes zu, andere wiederum einen vollen Wochenlohn oder "Arbeit" oder Bezahlung anstelle von Beschäftigung. In den meisten Fällen wird die Garantie in Arbeitsstunden, pro Woche ausgedrückt. In
einigen Abkommen jedoch ist die Garantie auf eine pro Tag zu leistende .
Mindestzahl von Arbeitsstunden bzw. Mindestzahl von Arbeitstagen pro Woche
bezogen. Nur in neun Abkommen wird die wöchentliche Garantieleistung mit
einem Geldbetrag angegeben. Im allgemeinen wird den Arbeitnehmern die
normale Arbeitswoche, die sich in den meisten Fällen auf 40 Stunden beläuft, garantiert. Eine Ausnahme bildet das Abkommen der Gewerkschaft der
Fleischkonservenarbeiter, bei denen die Normalarbeitswoche zwar 40 Stunden
beträgt, die Garantie sich aber nur auf 36 Stunden bezieht.

In

�In der überwiegenden Mehrzahl der Garantieabkommen wird allen
anspruchsberechtigten Arbeitnehmern einheitlich eine bestimmte Zahl
von Arbeitsstunden oder eine bestimmte Einkommenshöhe garantiert. Etwa
3 von 10 Wochen-Garantieabkommen machen die Höhe der Garantieleistungen
jedoch von solchen Faktoren abhängig wie Arbeitsplatzeinstufung und
Seniorität. In einigen wenigen Abkommen werden außerdem Unterschiede
hinsichtlich.der Leistungsgarantie zwischen männlichen und weiblichen
Arbeitskräften gemacht. In einem Tarifvertrag zum Beispiel werden den
Männern 4 Stunden pro Woche mehr garantiert als den Frauen.
Anrechnung nicht geleisteter Arbeitszeit
In den meisten Garantiebestimmungen werden all jene nicht geleisteten Arbeitsstunden pro Garantieperiode besonders spezifiziert, die angerechnet werden können oder durch die sich die Leistungspflicht des Unternehmers vermindert. Alle diese Spezifikationen sind in erster Linie
in solchen Garantieplänen enthalten, die sowieso bestimmte Voraussetzungen
für die Gewährung der Garantie vorschreiben. Aus der folgenden Übersicht
sind die verschiedenen Arten von Ausfallzeiten aufgeführt, durch die die
Garantieleistung beeinflußt wird:
Zahl der
Abkommen

Zahl der Arbeitnehmer

Voll angerechnet werden:
Bezahlter Urlaub
Bezahlte Feiertage

3

9 000

32

284 800

42

118 600

30

81 000

13

14 800

15

63 800

4

6 400

63

344 400

In Abzug gebracht werden:
Fehlzeiten auf Grund von unentschuldigtem
Fehlen
Fehlzeiten auf Grund von Verspätungen
Fehlzeiten, die durch Entlassung oder
Kündigung entstehen
Fehlzeiten, die durch Wiedereinstellung
oder Zurücknahme einer Entlassung nach
Beginn der Arbeitswoche entstehen
Sonstige
Gesamtzahl der Abkommen mit Minderungsklauseln

Etwa ein Drittel aller Garantiebestimmungen sieht vor, daß der Unternehmer dann von der Garantieleistung entbunden ist, wenn sich im Laufe
der Arbeitswoche bestimmte »außergewöhnliche Umstände" ergeben, die in
rund der Hälfte der Abkommen als Ereignisse spezifiziert werden, welche
»sich der. Einflußnahme des Unternehmens entziehen": höhere Gewalt, Produktionsstörungen, Streiks, nationaler Notstand, Entlassung, freiwilliges
Fernbleiben. In einigen Abkommen wird durch unentschuldigtes Fehlen' die
Garantie sogar aufgehoben und entschuldigtes Fernbleiben von 4er Arbeit
mit Abzug bestraft.
Jahresgarantien

�Jahresgarantien
Von sämtlichen untersuchten Großtarifverträgen enthielten lediglich sechs Bestimmungen über einen garantierten Jahreslohn, d.h. eine
Einkommens- oder Arbeitsgarantie für sämtliche oder bestimmte Arbeitnehmer für einen Zeitraum von mehr als 10 Monaten. Die folgenden Abschnitte gehen näher auf diese Abkommen ein.
1. Das Abkommen mit der Geo. A. Hormel Company
Das zwischen der Gewerkschaft der Fleischkonservenarbeiter und der
Hormel Company abgeschlossene Abkommen über einen garantierten Jahreslohn sieht vor, daß sämtliche Arbeitnehmer des Werks in Austin (Minnesota) mit dem Tag ihrer Einstellung einen Anspruch auf ein garantiertes Jahreseinkommen haben. Ausgeschlossen von dieser Regelung sind
lediglich die Teilzeitarbeiter und die Aushilfskräfte. Den an Dauerarbeitsplätzen Beschäftigten werden eine Beschäftigung während.des
ganzen Jahres w i e 52 Wochenlohnschecks garantiert, deren Höhe dem in
den einzelnen Abteilungen gezahlten normalen Wochenlohn entspricht.
Berechnungseinheit ist die 40-Stunden-Woche (Normalarbeitszeit) eine Basis, die jedoch jährlich neu in Verhandlungen zwischen Gewerkschaft und Unternehmen festzulegen ist. In dem am 1. April 1963 beginnenden Vertragsjahr betrug das wöchentliche Garantieminimum in
allen Abteilungen des Werkes 36 Stunden, d.h. ob die Arbeitnehmer 40
Wochenstunden oder nur 30 arbeiten mußten, sie hatten auf alle fälle Anspruch auf das Minimum (36 Stunden). Überstundenarbeit war in der Garantieperiode nicht untersagt Überstundenzuschläge erhielten alle Arbeitnehmer, die entweder länger.als 8 Stunden täglich oder aber mehr
als 40 Stunden wöchentlich oder an Sonn- und Feiertagen arbeiteten.Ebenso wie die normalen Überstunden wurde auch die Feiertagsarbeit auf
die Garantie angerechnet. Am Ende des Jahres erhalten die Arbeitnehmer
einen Bonus für sämtliche abgeleisteten Arbeitsstunden, die über die
Garantienorm von 2080 Stunden hinausgehen. Arbeitete ein Arbeitnehmer
während des GarantieJahres weniger als 1872 Stunden, so wurde ihm die
fehlende Zahl von nicht geleisteten, aber bezahlten Arbeitsstunden erlassen.
2. Das Abkommen mit der "Michigan Sugar Company"
Im Gegensatz zu den meisten anderen Jahreslohn-Garantieabkommen,
durch die praktisch jeder Arbeitnehmer erfaßt wird, erstreckt sich die
Arbeits- und Lohngarantie bei diesem Unternehmen (in allen Werken) nur
auf eine spezielle Gruppe von Mitarbeitern - im Durchschnitt nur auf
27 bis 30. Die Garantie ist noch dazu insofern eingeschränkt, als sie
nur für die .Zeit Gültigkeit hat, in der die Fabriken produzieren. Wenn
jedoch ein Werk stillgelegt wird, hat das Unternehmen die Option, entweder die von der Garantie erfaßten Arbeitnehmer in ein anderes „Werk
zu transferieren oder ihnen ein Entlassungsgeld zu zahlen, dessen Hohe
von der Länge der Dienstzeit abhängt.
3. Das Abkommen mit dem Verband der Bekleidungseinzelhändler
Nach dem von der Bekleidungsarbeitergewerkschaft mit der "Retail
Apparel Merchants Association» in New York City abgeschlossenen Garantie
abkommen erhält das Verkaufspersonal zum Teil höhere Garantien als zum
Beispiel die Repasseure, Bügler und Fertigmacher. Das für drei Jahre
gültige Garantieabkommen für das Verkaufspersonal garantiert allen Festangestellten eine ständige Beschäftigung während der Laufzeit des Kontraktes. Allerdings kommen r tt bestimmte, namentlich aufgeführte Mjtar-

- 10 -

�Mitarbeiter in den Genuß dieser Vergünstigung. Alle anderen Beschäftigten dagegen gelten dem Abkommen zufolge als "Arbeitskräfte auf Zeit",
die jederzeit entlassen werden können.
Für die Bügler, Fertigmacher und andere Hilfskräfte erstreckt sich
die Einkommensgarantie lediglich auf 10 Monate pro Jahr, wobei für 8
Monate die volle Arbeitszeit und für 4 Mengte nur eine Teilarbeitszeit
garantiert wird. In Perioden, in denen nicht voll gearbeitet wird, ist
eine Verteilung der Arbeit auf die vorhandenen Arbeitskräfte gestattet.
Weder Überstundenarbeit noch "Nachholarbeit" werden auf die Garantie
angerechnet.
4. Das Abkommen mit der Schuhwaren-Einzelhandelsliga
Der Kontrakt dieses Firmenverbandes mit der Gewerkschaft der Groß-,
Einzelhandels- und Kaufhausangestellten garantiert allen Festangestellten
während der Laufzeit des Abkommens (2 Jahre) pro Jahr eine Beschäftigung
von 52 Wochen. Während die leitenden Angestellten eine Arbeitsgarantie
von 44 Wochenstunden haben, gilt für sämtliche anderen Mitarbeiter des
Unternehmen, ue 40-Stunden-Woche als Garantiebasis.
5. Die Garantiebestimmungen der "Wisconsin Public Service Corporation"
Auf Grund eines Abkommens mit der Gewerkschaft der Betriebstechniker
erhalten alle Arbeitnehmer mit mindestens fünfjähriger Dienstzeit eine
Arbeitsgarantie von 2080 Stunden pro Jahr, abzüglich der Urlaubstage und
der bezahlten Feiertage, an denen sie nicht gearbeitet haben. Der Vertrag
hat eine Laufzeit von zwei Jahren. Obwohl die von der Garantie.erfaßten
Arbeitnehmer nicht entlassen werden können, dürien sie bei Arbeitsuungel
an andere Arbeitsplätze umgesetzt werden. Werden sie umgesetzt, so erhalten sie - wenn eine Einkommensminderung mit dem Transfer verbunden ist
- für die Dauer von sechs Monaten ihre bisherigen Bezüge weitergezahlt.
Andere Garantieformen
Weitere acht Tarifabkommen - sechs davon in der Film- und Theaterindustrie - enthielten andere als die eben beschriebenen Garantien. Im
einzelnen handelte es sich dabei um folgende Formen:
Verband der Baustoffhändler in Cleveland
Ein Abkommen zwischen diesem Unternehmerverband und der TeamsterGewerkschaft garantiert 50 Prozent der am 1. Dezember eines jeden Jahres
beschäftigten Arbeitnehmer eine Beschäftigung.über einen Zeitraum von 17
Wochen - beginnend mit der Woche, die mit oder nach dem 10. Dezember anfängt. Die Garantie deckt hier also einen Zeitraum ab, der außerhalb der
Bausaison liegt. Allerdings haben die Arbeitgeber auf Grund dieses Vertrages das Recht, die Beschäftigtenzahl vor dem 1. Dezember noch auf einen
Stand zu reduzieren, der nach ihrer Ansicht für die .Garantieperiode ausreichend ist.
Ähnlich wie bei den wöchentlichen Arbeits- und Einkommensgarantien
werden auch hier unentschuldigtes Fehlen und Nichtmeldung zur eingeteilten
Arbeit in Anrechnung gebracht und Ereignisse, die außerhalb der Kontrolle
des Unternehmens liegen und zur Stillegung des Betriebes führen (Feuer,
Explosionen, Streiks), als garantieaufhebend betrachtet. Überstundenarbeit,
bezahlter Urlaub und. bezahlte Feiertage, die vom Arbeitnehmer in der

- 11 -

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�der Garantiezeit genommen werden, werden dagegen auf die Garantieleistung angerechnet.
Seehafenbetriebe der Pazifikküste
Die "Pacific Maritime Association" hat mit der Hafen- und Lagerhausgewerkschaft ein völlig aus dem Rahmen fallendes Garantieabkommen
geschlossen, das Bestandteil des "Automationsabkommens" ist und den
Arbeitnehmern in den Häfen der amerikanischen Westküste eine Beschäftigungs- oder Einkommensgarantie in solchen Perioden sichert, in denen neue Umschlageinrichtungen installiert oder neue Löschgngs- und
Beladungsverfahren eingeführt werden, durch die die Arbeitsmöglichkeiten drastisch reduziert werden.
Aufgrund des sehr detaillierten Garantieabkommens, das von dem
Verband und der Gewerkschaft nach Abschluß des Tarifvertrages ausgehandelt wurde, sind Entlassungen nicht statthaft. Um jedoch die Zahl
der Arbeitskräfte in ein vernünftiges Verhältnis zur anfallenden Arbeit
zu bringen, zielt das Abkommen darauf ab, die Arbeitnehmer für eine
normale oder vorzeitige Pensionierung zu interessieren, und in einigen
Fällen ist sogar eine Zwangspensionierung möglich. Den qualifizierten
Hafenarbeitern wird eine wöchentliche Beschäftigung von 35 Stunden oder
der entsprechende Lohn dafür garantiert.
Für jede 4-Wochen-Periode gilt die Garantie für solche Hafenarbeiter, die
1. schon drei Jahre lang als reguläre Hafenarbeiter registriert
sind;
2. Anspruch auf einen bezahlten Urlaub von zwei Wochen haben;
3. sich regelmäßig zur Arbeitsaufnahme gemeldet und angebotene
Arbeit nicht verweigert haben;
4. weniger als 5359 Dollar in den aufeinanderfolgenden 48 Wochen
verdient haben, die der vierwöchigen Garantieperiode vorangingen;
5. entweder 93 Prozent der im Gruppendurchschnitt in der laufenden Garantieperiode geleisteten Arbeit tatsächlich abgeleistet oder
aber auf Grund des Garantieabkommens dafür eine Gutschrift erhalten
haben.
Film- und Theaterindustrie
Die in insgesamt sechs Tarifabkommen der Filmindustrie verankerten
Garantiebestimmungen sind Ausdruck der in diesem Wirtschaftszweig völlig
anders gelagerten Beschäftigungs- und Tarifvertragsbedingungen. Für die
meisten der von diesen Verträgen Betroffenen werden in den Grundabkommen
lediglich die Mindestvoraussetzungen einer Beschäftigung, einschließlich
der Mindestgarantien, aufgeführt. Tatsächliche Beschäftigungs- und Einkommensgarantien sind - wie auch andere Konditionen - Gegenstand von individuellen Vereinbarungen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Nur die
Anfangsperiode der Beschäftigung wurde auf Grund dieser Verträge garantiert. Die Garantiedauer war entweder gleich (d.h. eine Woche) oder richtete sich nach dem Budget der Filmgesellschaft, nach der Zahl der Auftritte
oder der Länge der Fernsehserien„
(Quelle: "Monthly Labor Review",
Vol. 87, Nr. 11, November 1964)

+ ++++
- 13 -

�Gewerkschaft1iche Kurznachrichten
Automatische Lohnerhöhungen für 3,7 Mio. Arbeitnehmer 1965
Rund 3,7 Millionen amerikanische Arbeitnehmer, deren Arbeitsverhältnisse durch Großtarifverträge (mit jeweils mehr als 1000 Arbeitnehmern) geregelt sind, werden 1965 auf Grund von in den Vorjahren abgeschlossenen Tarifverträgen automatische Lohnaufbesserungen erhalten.
Gegenüber dem Vorjahr sind das rund 1,3 Millionen Arbeitnehmer mehr,
und für die letzten sechs Jahre ist es die überhaupt höchste Zahl.
Der größte Teil der Arbeitnehmer ist, wie aus einer Übersicht des
US-Arbeitätninisteriums hervorgeht, in der Industrie beschäftigt (1,7 Mio.),
während 600 000 im Baugewerbe tätig sind und der Rest (1,4 Mio.) sich auf
die anderen Wirtschaftszweige verteilt.
Automatische Lohnerhöhungen auf Grund der Lohngleitklausel werden
dagegen in diesem Jahr rund 2 Millionen Arbeitnehmer erhalten, also die
gleiche Anzahl wie im Vorjahr.
Die Gesamtzahl der von automatischen Lohnerhöhungen erfaßten Arbeitnehmer ist 1965 deshalb wesentlich höher als 1964, weil die meisten
der im Vorjahr in der Automobil-, Automobilzubehör-, Bau- und Landmaschinenindustrie sowie im Straßentransportgewerbe abgeschlossenen Tarifverträge einerseits sämtlich eine sehr große Zahl von Arbeitnehmern umschließen und andererseits ausnahmslos automatische Lohnerhöhungen in den folgenden Jahren vorsehen.
Außerdem stehen 1965 noch Lohnaufbesserungen für 355 000 Eisenbahner
an, die im vergangenen Jahr keinerlei Lohnerhöhungen oder Lebenshaltungskostenausgleich erhalten haben.
"ILGWU" bildete nationalen Pensionsfonds
Die Gewerkschaft der Damenoberbekleidungsindustrie ILGWU hat mit
Wirkung vom 1. Januar 1965 ihre insgesamt 41 betrieblichen und regionalen
Pensionsfonds in einen "Nationalfonds" (National Retirement Fund) übergeführt, aus dem die 400 000 Mitglieder-der Gewerkschaft künftig ihre
Leistungen erhalten werden.
Der Aufbau der verschiedenen Sozialfonds der ILGWU-Gewerkschaft
erfolgt ausschließlich durch Unternehmerbeiträge, die gegenwärtig zwischen
zwei und sechs Prozent der Lohnsumme liegen und den anspruchsberechtigten
Leistungsempfängem monatliche Pensionszahlungen von etwa 50 Dollar (New
Yorker Mantelschneider 65 Dollar) sichern.
Die Gesamteinnahmen sämtlicher 41 Pensionsfonds der Gewerkschaft
beliefen sich 1963 auf 37,7 Millionen Dollar. Der Auszahlungen stellten
sich dagegen im gleichen Jahr auf über .20 Millionen Dollar. In den Genuß
dieser zusätzlichen Pensionen (neben denen der staatlichen Sozialversicherung) kamen insgesamt 31 644 Mitglieder der ILGWU.
Außer zusätzlicher Altersversorgung sowie Entlassungsgeldern erhalten
die Mitglieder der Damenoberbekleidungsgewerkschaft auch noch Leistungen
aus verschiedenen anderen (insgesamt 71) Sozial- und Wohlfahrtsfonds.
26

- 14 -

�26 Mio. Amerikaner beziehen Pensionen aus zwei Quellen
Die meisten im Ruhestand lebenden Amerikaner erhalten heute Pension
aus zwei verschiedenen Quellen: aus der staatlichen Sozialversicherung
und aus den zahlreichen privaten Pensionsplänen. Während die staatlichen
Altersrenten für Einzelpersonen 40 bis 127 Dollar im Monat und für Familien 60 bis 254 Dollar betragen, sind die privaten Pensionsleistungen
sehr unterschiedlich, wenngleich sie in einigen Fällen bis zu 100 Dollar
pro Monat ausmachen können.
Gegenwärtig werden über 26 Millionen (von insgesamt 71 Mio.) Arbeitnehmer in den USA durch private, zwischen Gewerkschaften und Unternehmen
ausgehandelte und häufig allein vom Arbeitgeber finanzierte Pensionspläne
erfaßt, die z.Z. ein Gesamtvermögen von rund 67 Mrd. Dollar aufweisen.
Gegenüber 1945 hat sich damit das Fondsvermögen um das 22fache erhöht,
während die Zahl der Leistungsberechtigten im gleichen Zeitraum von 5,6
Millionen auf 26 Millionen angestiegen ist.
Pensionierung jetzt mit 55 Jahren möglich
Die Vereinigte Bergarbeitergewerkschaft (United Mine Workers) hat
als Treuhänder des Bergarbeiterwohlfahrtsfonds mit Wirkung vom 1. Februar
1965 das Pensionsalter herabgesetzt und die Pensionsleistungen weiter verbessert.
Im einzelnen sehen die neuen Bestimmungen vor, daß ein Bergarbeiter
künftig schon mit 55 Jahren (bisher 60 Jahre) bei vollen Bezügen in Pension gehen kann, die monatlichen maximalen Rentenleistungen (zusätzlich
zu den Leistungen der staatlichen Altersversicherung) von gegenwärtig 75
auf 85 Dollar angehoben werden und die Dienstzeitbestimmungen (20 Jahre)
gelockert werden.
. . . .
Gerade der letzte Punkt ist für die Bergarbeiter insofern von großer
edeutung, als künftig jeder Bergarbeiter, der seinen Beruf vorzeitig aufgibt, seine vollen Rentenansprüche dann behält, wenn er eine Gesamttätigkeit im Bergbau von 20 Jahren nachweisen kann. Bisher bestand die Vorschrift, daß die 20 im Bergbau abgeleisteten Dienstjähre in die 30-JahrPeriode fallen müssen, die vor dem Pensionierungszeitpunkt liegt.
Betroffen von dieser Liberalisierung der Pensionierungsvorschriften
sind rund 64 000 bereits im Ruhestand lebende sowie zur Pensionierung anstehende Bergleute, die künftig außer den Altersrenten auch Leistungen
aus der Krankenhaus- und Krankenversicherung des Wohlfahrtsfonds der UMWGewerkschaft erhalten.
(Quelle: Eigenberichte)

+++++

- 15 -

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Information»! Operations Unit
USIS-Bonn/Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XVIII - 4

Bad Godesberg, den 1. April 1965
INHALTSVERZEICHNIS

Die Entwicklung der Lohnnebenleistungen in
der US-Industrie

Seite

1

UAW - eine junge aber mächtige Gewerkschaft

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8

Stahlarbeitergewerkschaft schloß Modellvertrag

Seite 10

Umschulungs- und Berufsförderungsprograrame
wurden verstärkt

Seite 12

Sunnyhills: Rassenfragen unbekannt

Seite 13

Arnold Strasser, Abteilung Löhne und Gehälter im US-Amt
für Arbeitsstatistik:
Die Entwicklung der Lohnnebenleistungen in der US-Industrie
Einleitung
Im Jahre 1962 beliefen sich die Unternehmeraufwendungen für bestimmte Lohnnebenleistungen auf rund 57 Cent pro Arbeitsstunde und
Produktionsarbeiter. Im Vergleich zu 1959 (48 Cent) bedeutet das eine
Zunahme um 9 Cent.
Dieser 18prozentige Anstieg der Aufwendungen bei den für diese
Untersuchung ausgewählten Lohnnebenleistungsarten ist wesentlich
größer als die relativen Zunahmen der Stundenlöhne für Produktionsarbeiter im gleichen Zeitraum 1'. Ähnliche Unterschiede zwischen
den Unternehmeraufwendungen für Lohnnebenleistungen und denen für
Grundlöhne sind in allen Wirtschaftszweigen festzustellen, für die
auswertbare Unterlagen zur Verfügung stehen. Diese unterschiedliche
Entwicklung läßt ganz klar die wachsende Bedeutung der zusätzlichen
Leistungen in der Lohnstruktur der amerikanischen Industrie erkennen.

Der durchschnittliche Stundenlohn für Produktionsarbeiter der
Industrie stieg zwischen 1959 und 1962 um 9,1 Prozent, und
zwar von 2,19 Dollar auf 2,39 Dollar an.
- 1 -

�Zwischen 1959 und 1962 hat sich die Struktur der Unternehmeraufwendungen für Zuschläge aller Axt und Lohnnebenleistungen erheblich verändert. Während im Jahre 1959 die. in der Lohnsumme zum Ausdruck kommenden Zuschläge (Urlaub, Überstunden, Bonusse) über die
Hälfte dieser AufWendungen.ausmachten, entfiel im Jahre.1962 mehr
als die Hälfte dieser zusätzlichen Aufwendungen auf die gesetzlichen
und freiwilligen Sozialleistungen wie Lebens-, Kranken-, Unfallversicherung, zusätzliche Pensionen und Arbeitslosenunterstützung usw.
Umfang und Art der Erhebung
Die für diese Analyse verwendeten Informationen wurden mittels
sehr zuverlässiger Repräsentativerhebungen in Industrieunternehmen
gesammelt. Die Einzelangaben wurden dabei in erster Linie durch eine
Fragebogen-Aktion zusammengestellt und dann unter Berücksichtigung
der derartigen Umfragen zugrunde liegenden Faktoren, die für die
Auswahl des betreffenden Betriebs maßgeblich waren, ausgewertet. Die
Daten der Erhebung des Jahres 1962 sind aus den Angaben von insge-:
samt 5194 Unternehmen zusammengestellt; die des Jahres 1959 stammten
von 4400 Unternehmen.
Die Aufwendungen im Jahre 1962
Die Aufwendungen der Industrieunternehmen für nicht geleistete,
aber vergütungspflichtige Arbeitszeiten (Urlaub, Feiertage usw.) sowie
für Sonderzuschläge (Überstunden, Wochenend- oder Nachtarbeit) und
Prämien aller Art machten im Jahre 1962 insgesamt 10,9 Prozent der
Bruttolohnsumme bzw. 11,3 Prozent der Normallohnsumme aus, die Aufwendungen für gesetzlich vorgeschriebene Sozialversicherungsbeiträge und
freiwillige Sozialleistungen weitere 11,2 bzw. 11,7 Prozent.
Die Lohnzuschläge für Urlaub, Überstunden und Prämien beliefen
sich 1962.auf 26,4 Cent pro Arbeitsstunde, die Aufwendungen für die
gesetzlich vorgeschriebenen Sozialleistungen und die zusätzlichen
privaten Sozialleistungen aller Art auf weitere 27,0 Gent pro Arbeitsstunde.
Allgemein ist festzustellen, daß die Unternehmeraufwendungen für
die in dieser Studie untersuchten Arten von Lohnnebenleistungen am
höchsten in Industriezweigen mit hohem Lohnniveau und starker gewerkschaftlicher Organisation waren - wobei.innerhalb eines jeden Industriezweiges die Leistungen proportional zur Unternehmensgröße und zum durchschnittlichen Lohnniveau zunehmen. Dennoch weisen die Industriezweige
mit niedrigerem Lohnniveau einen im.Vergleich zur Gesamtlohnsumme höheren Ausgabenanteil bei den gesetzlich vorgeschriebenen Sozialleistungen
auf, während sie, wenn man die Leistungen in Cent pro Arbeitsstunde ausdrückt, einen niedrigeren Ausgabenstand im Vergleich zu Industriezweigen
mit hohem Lohnniveau aufweisen. Die Bonuszahlungen dagegen scheinen
nicht von der industriellen Lohnstruktur abhängig zu sein. Die Unternehmen z.B., die an der Spitze und am Ende der Lohnskala stehen, weisen
relativ geringere Bonusleistungen auf, während einige in der Mitte rangierende Industriezweige relativ hohe Aufwendungen dieser Art verzeich-

2 -

�Alle im Jahre 1962 in der Fertigungsindustrie beschäftigten
Produktionsarbeiter wurden durch die staatliche Altersversicherung
erfaßt, während fast alle gegen Arbeitslosigkeit und Unfall versichert waren. Außerdem war die überwiegende Mehrheit dieser Arbeitnehmer in Unternehmen beschäftigt, die zusätzlich Leistungen
für bestimmte Arten von privaten Sozialplänen erbrachten - hauptsächlich für Lebens-, Unfall- und Krankenversicherungen (90 Prozent) sowie für Pensions- und Altersversorgungspläne (rund 60
Prozent).
Bezahlte Freizeit
- in erster Linie Urlaub und Feiertage wurde von Unternehmen zugestanden, die rund 96 Prozent aller Produktionsarbeiter beschäftigten] Zuschläge für Überstunden-, Wochenend- und Feiertagsarbeit wurden von Unternehmen gewährt, die etwa
93 Prozent der erfaßten Arbeitnehmer auf sich vereinigten. Rund
1/3 der Arbeitnehmer war ferner bei Firmen tätig, die ihren Arbeitnehmern Weihnachtsgeld und andere nicht-regelmäßige Bonusse zahlten,
Vergleich der Aufwendungen von 1959 und 1962
Die Aufwendungen der Unternehmer pro Arbeitsstunde für bestimmte Lohnnebenleistungen nahmen in allen Industriezweigen, von denen
auswertbare Unterlagen für 1959 und 1962 zur Verfügung standen, zu.
Die größte Zunahme (um mehr als 50% oder über 16 Cent) verzeichnete
die Tabakindustrie,.während die Textil- und die Bekleidungsindustrie
mit Zunahmen von lediglich fünf Cent - oder weniger als 20 Prozent den geringsten Anstieg aufwiesen. Die Industriezweige mit den höchsten Aufwendungen für Lohnnebenleistungen pro Arbeitsstunde im Jahre
1962 - Grundmetall- und Transportausrüstungsindustrie - hatten im
Vergleich zu 1959 um 12 bis 15 Cent (16-24 Prozent) höhere Aufwendungen pro Stunde zu machen.
Die relativ stärksten Anstiege wurden ferner - bei einer speziellen Auswertung besonderer Charakteristika - in Betrieben registriert, die gewerkschaftlich organisiert sind, nicht in Großstadtgebieten ansässig sind, zwischen 100 und 500 Beschäftigte haben und
deren Stundenlohnniveau im unteren Drittel der Gesamtlohnskala der
Fertigungsindustrie liegt.
Die höchsten Aufwendungen für Lohnnebenleistungen pro Arbeitsstunde verzeichneten jedoch wie auch schon 1959 jene Unternehmen,
die Gewerkschaften zum Tarifpartner und ihren Firmensitz in Großstädten haben, mehr als.500 Mitarbeiter beschäftigen und deren Lohnniveau im oberen Drittel der industriellen Lohnskala liegt.
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Tabelle 1
l) Neben direkten Zahlungen an die Arbeitnehmer für Freizeit erbringen zahlreiche Unternehmen auch noch Zuwendungen für Urlaubs- und
Freizeitfonds, aus denen dann die Arbeitnehmer zusätzliche Leistungen erhalten.

- 3 -

�TABELLE 1
UNTERNEHMERAUFWENDUNGEN FÜR LOHNNEBENLEISTUNGEN IN DER US-INDUSTRIE
(Stand

Leistungsart

1962)

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Bonusse

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Gesetzliche Sozialabgaben
Altersversorgung
Arbeitslosenvers.
Unfallversicherung
Andere

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Freiwillige Sozial-.
leistungen
Lebens-, Unfall-,
Krankenversicherung
Pensionspläne
Urlaubsfonds
Entlassungsgeld,
Sus. Arbeitslosenversicherung
Spar-, Aktienerwerbspläne usw.

weniger als 0,05 Prozent

Tabelle 2

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�Was die einzelnen Leistungen betrifft, so ist der stärkste Anstieg der Aufwendungen pro Arbeitsstunde bei den gesetzlich vorgeschriebenen Sozialleistungen (38,3 Prozent) zu verzeichnen, der
zweitstärkste bei den privaten Wohlfahrtsplänen (18,8 Prozent). Die
Aufwendungen der Unternehmen für Überstunden-, Wochenend- und Feiertagszuschläge weisen dagegen mit 4,9 Prozent die geringste Zunahme
auf (Urlaubszahlungen: plus 7,7%).
Die erhebliche Zunahme der gesetzlichen Sozialleistungen ist
in erster Linie auf die Anhebung der Beitragssätze zurückzuführen.
Die Beiträge für die Sozialversicherung wurden von 2,5 Prozent der
ersten 4800 Dollar des Einkommens auf einen Satz von 3,125 Prozent
angehoben und die an den Bund abzuführenden Beiträge zur Arbeitslosenversicherung von 0,3. Prozent der ersten. 3000 Dollar des Einkommens auf 0,8 Prozent. Außerdem stiegen die Abgaben an die Bundesstaaten zur Arbeitslosenversicherung infolge hoher Arbeitslosigkeit
und neuer gesetzlicher Vorschriften erheblich an.
Bei den freiwilligen Sozialleistungen, bei denen zwischen 1959
und 1962 eine Zunahme um 6,9 Cent pro Arbeitsstunde bzw. um 38 Prozent eintrat, konzentrierten sich die Mehrleistungen der Unternehmen
vor allem auf die Lebensversicherungs-, Krankenversicherungs- und
Unfallversicherungspläne.

(Quelle: Monthly Labor Review,
Nov. 1964, Vol. 87, Nr. 11 )

+++++

- 7-

�UAW - eine junge aber mächtige Gewerkschaft
Zwei Faktoren waren es, die zur Gründung des heute wohl einflußreichsten amerikanischen Arbeitnehmerverbandes, der Vereinigten Automobilarbeitergewerkschaft (UAW), führten: die wirtschaftliche Depression der dreißiger Jahre und die vertikale, ganz auf die handwerklichen
Fachberufe ausgerichtete Gewerkschaftsstruktur in den USA.
Die organisatorischen Nachteile einer solchen Gliederung - die
geringe Macht der Gewerkschaften auf Grund ihrer Zersplitterung -, die
schon mit der Entwicklung von Großindustrien zutage traten, wurden den
Arbeitnehmern in den Depressionsjähren zum erstenmal mit aller Deutlichkeit vor Augen geführt, in denen sie - was Löhne, Arbeitszeit, Beschäftigungsbedingungen usw. betraf - Spielball.der Unternehmerinteressen waren.
Da der immer stärker werdende Ruf nach einer Neugliederung der
Gewerkschaftsstruktur und einem horizontalen, industrieweiten Aufbau
bei der "AFL" ungehört verhallte, begannen in den Jahre 1933 bis 1935
verschiedene Facharbeitergruppen der Automobilindustrie, eigene gewerkschaftliche Interessenverbände aufzubauen (u.a. "Associated Automobile
Workers", "Automotive Industrial Workers Association", "Auto Workers
Union"), die sich im Jahre 1935, mit einer einzigen Ausnahme, zu den
"United Auto Workers" zusammenschlössen.
Im April 1936 fand dann die Gründungsversammlung der UAW-Gewerkschaft in South Bend (Indiana) statt. Die Automobilindustrie, die diesem Zusammenschluß keine große Bedeutung beimaß, sollte jedoch sehr
schnell spüren, welche entschlossene Männer auf der Kommandobrücke dieser zahlenmäßig noch schwachen (nur 7500 Mitglieder). Gewerkschaft standen, die als Tarifpartner noch nicht anerkannt und auf Grund ihrer leeren
Kassen auch nicht in der Lage war, längere Arbeitskämpfe durchzustehen.
Aber schon im Juni 1936 konnte die Bendix-UAW-Betriebsgruppe den
ersten bemerkenswerten UAW-Vertrag abschließen, der. dem "Local" die Vertretungsrechte sicherte und dein Arbeitnehmern 'Lohnerhöhungen einbrachte
- ein Vorgang, der die Aufmerksamkeit der Automobilarbeiter auf die neue
Gewerkschaft lenkte und ihre Mitgliederzahl schnell ansteigen ließ.
Bereits ein Jahr später konnte die UAW zum großen Schlag ausholen
und in die Phalanx der Automobilfirmen einbrechen: Mit einem für alle
Werke der "General Motors Corporation" (GM) ausgerufenen Sitzstreik
gelang es ihr in kürzester Zeit, den größten und mächtigsten Industriegiganten in die Knie zu zwingen. Zwar war der erste Vertrag, den die UAW
mit GM am Hauptsitz des Unternehmens in Flint (Michigan) im März 1936
abschloß, ein Dokument von knapp einer Seite, aber er enthielt doch
sämtliche Hauptforderungen der Gewerkschaft: Anerkennung als Tarifpartner; Verhandlungen über Löhne, Seniorität und.Beschwerdeführung; keine
Diskriminierung Streikender.
Nachdem erst einmal das größte Unternehmen der Branche an die Kette
gelegt war, hatte die UAW nur noch wenig Mühe, auch kleineren Firmen die
Anerkennung als Tarifpartner abzuringen. Schon im Herbst 1937 hatte sie
mit rund 400 Unternehmen Verträge abgeschlossen.
Interne

�Interne Streitigkeiten in der Gewerkschaftsspitze brachten der
UAW in den folgenden zwei Jahren jedoch einen gewissen Prestigeverlust, so daß der große Gegenspieler, die "General Motors Corporation",
erneut hoffte, sich der gewerkschaftlichen Fesseln wieder entledigen,
zu können. Die für 1939 anstehenden Tarifverhandlungen schienen hierfür die geeignete Kraftprobe zu sein.
Walter Reuther jedoch, der seinerzeit die GM-Abteilung der Gewerkschaft leitete, wählte der schlechten Kassenlage wegen nicht wieder den
Frontalangriff, der zur Anerkennung als Tarifpartner geführt hatte, sondern die "Aushungerungstaktik11, die Lahmlegung des gesamten Unternehmens
allein durch den Streik der Werkzeugmacher und Former. Insgesamt 29 Tage
dauerte dieser Teilstreik, ehe GM kapitulierte und die UAW erneut als
alleinigen Sprecher der Automobilarbeiter anerkannte.
Aber noch standen die anderen großen Bastionen der AutomobilIndustrie: Chrysler und Ford. Chrysler entschloß sich erst nach einem 54tägigen Streik zur Kapitulation, und der Kampf gegen Ford dauerte sogar
bis zum Juni 1941, als die UAW nach einem kurzen Streik (10 Tage) den
ersten Tarifvertrag auch mit diesem Giganten der Autoindustrie abschließen konnte. Damit war praktisch der Boden für den weiteren schnellen
Aufstieg der UAW-Gewerkschaft in den nächsten (Kriegs-) Jahren und für
die Gewerkschaftsgeschichte machende Nachkriegszeit bereitet.
Mit der Übernahme der Gewerkschaftsführung durch Walter Reuther im
Jahre 1946 setzte sich dann auch ein neuer, von langfristigen lohn- und
sozialpolitischen Zielsetzungen getragener Tarifverhandlungsstil durch,
der die UAW-Gewerkschaft zum tarifpolitischen Avantgardisten unter den
amerikanischen Gewerkschaften machen sollte.
Die ersten Tarifverhandlungen der Nachkriegszeit brachten den Automobilarbeitern eine Lohnerhöhung von 18 1/2 Cent pro Stunde - in der
Erinnerung jedoch sind diese Verhandlungen weniger mit der bis dahin
größten Einkommensaufbesserung als mit dem Angebot Walter Reuthers an
General Motors verknüpft, auf jede Lohnerhöhung zu verzichten, die zu
Preiserhöhungen führe, und nur das zu nehmen, was GM für vertretbar
erachte, wenn das Unternehmen bereit sei, der Gewerkschaft seine Geschäftsbücher offenzulegen.
Der nächste Kontrakt (1948), der den Arbeitnehmern zum ersten Mal
eine Beteiligung an den Produktionsgewinnen (annual improvement factor)
und einen Ausgleich für die gestiegenen Lebenshaltungskosten (escalator
clause) sicherte, konnte ohne Streik nnter Dach und Fach gebracht werden, ebenso das erste private Pensionsabkommen (allein vom Unternehmer
finanziert) in der amerikanischen Massengüterindustrie (1949 mit Ford),
durch das die Arbeitnehmer in den Genuß zusätzlicher Pensionsleistungen
kamen.
Die nächsten wichtigen Stationen der UAW auf tarifpolitischem Gebiet
waren.folgende:
1955: Durchsetzung des "Garantierten Jahreslohns" in der Kompromißform einer zusätzlichen Arbeitslosenunterstützung, die dem arbeitslosen
Automobilarbeiter zusammen mit dew staatlichen Arbeitslosenunterstützung
bis zu 3/4 seines bisherigen Einkommens sichert]
1958: Zahlung von Entlassungsgeldern;
1961: Gewinnbeteiligung; Umzugsbeihilfen bei Entlassung oder Umsetzung
des Arbeitnehmers in einen anderen Betrieb des Unternehmens; sowie voll-

- 9-

�vollständige Krankenversicherung aller Arbeitnehmer einschließlich
ihrer Familienangehörigen.
1964: Vorzeitige Pensionierung (ab 60) bei vollen (wie mit 65
Jahren) Bezügen; Anhebung.der Pensionsleistungen; mehr bezahlte
Feier- und Urlaubstage; Erhöhung der Entlassungsgelder.
Diese mehr als eindrucksvolle Erfolgsbilanz ist letztlich das
Ergebnis der inzwischen auch von einigen anderen Gewerkschaften
kopierten Verhandlungstaktik der UAW - des "pattern bargaining".
Das tarifpolitische Spiel ist immer das gleiche. Ein "Mustervertrag"
wird zuerst mit einem (dem "anfälligsten" ) Unternehmen der "Großen,
Drei" - General Motors, Chrysler oder Ford- ausgehandelt und der
gleiche Vertrag anschließend gegen die beiden anderen - je nach Lage
der Dinge, mit oder ohne Streik - durchgeboxt!. Das Musterabkommen
bei den zahlreichen kleineren Firmen durchzusetzen, ist dann nur
noch Formsache.
Mit ihren 1,2 Mio. Mitgliedern und 1300 Ortsverbänden ist die
UAW heute die einflußreichste und wohl auch mächtigste und reichste
amerikanische Gewerkschaft. Allein an Mitgliedsbeiträgen (5 Dollar
pro Monat) dürften monatlich rund 6 Mio. Dollar eingehen, und wie
der "größte Streikfonds der Welt" (65 Mio« Dollar) zeigt, bedeuten
heute selbst Streiks keine Durststrecke mehr für diese Gewerkschaft,
die ihren Hauptsitz im "Solidarity House" in Detroit hat und neben
450 Sekretärinnen einen.Stab von 750 Funktionären beschäftigt.

(Quelle: Eigenbericht)

+ ++++
Stahlarbeitergewerkschaft schloß Modellvertrag
In Verfolg ihres tarifpolitischen Hauptzieles, die vertraglich
geregelte Arbeitsplatz- und Beschäftigungsgarantie, hat die Vereinigte Stahlarbeitergewerkschaft (USA) jetzt ein Abkommen mit der "Alan
Wood Steel Company" geschlossen, das David J. McDonald, der 1..Vorsitzende der Gewerkschaft, als einen '.'ersten, wesentlichen Durchbruch"
in dieser Richtung bezeichnete.
Im Mittelpunkt dieses Abkommens stehen verschiedene tarifvertragliche Leistungen (zusätzliche Arbeitslosenunterstützung, garantiertes
Jahreseinkommen und garantierte jährliche Mindestarbeitszeit), die
zwar direkt auf eine bessere wirtschaftliche und soziale Absicherung
der Beschäftigten abzielen, indirekt jedoch zur Sicherung der Arbeitsplätze beitragen.
Damit hat die Stahlarbeitergewerkschaft einen neuen großen tarifpolitischen Erfolg erzielen können, der von ebenso weitreichender Bedeutung ist wie der vor zwei Jahren mit der "Kaiser Steel Company", abgeschlossene Vertrag über eine Gewinnbeteiligung der Arbeitnehmer, das
zuerst in der Behälterindustrie.durchgesetzte Abkommen über die Aus-

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�Ausdehnung der zusätzlichen Arbeitslosenunterstützung auf 52 Wochen
und das Musterabkommen in der stahlerzeugenden Industrie über die
Gewährung von zusätzlichen 13 Urlaubswochen alle fünf Jahre.
Im einzelnen sieht das neue Abkommen folgendes vor:
1. Erhöhung der zusätzlichen Arbeitslosenunterstützung (in Ergänzung der staatlichen Leistungen) auf 85 Prozent (z.Z. maximal 60%)
des zuvor bezogenen Lohnes, wobei jüngere Arbeitnehmer über einen
Zeitraum von zwei Jahren (z.Z. ein Jahr) in den Genuß dieser Zahlungen
kommen, während der Bezug.bei einer Dienstzeit von zehn Jahren nicht
mehr terminiert ist;.
2. Verbesserung der Leistungen der privaten Kranken- und Unfallversicherung bei den gleichen Bedingungen - bisher wurden über einen
Zeitraum von sechs Monaten 60 Prozent des Wochenlohnes gezahlt, künftig
werden es 85 Prozent sein;
3. Einführung einer Lohngarantie, die den Arbeitnehmern in jedem
Quartal des Jahres mindestens 95 Prozent des normalen Stundenlohnes
(ohne Überstundenzuschläge) sichert, den sie im letzten Quartal des
Vorjahres bezogen haben;
4. Verlängerung der garantierten Arbeitswoche von gegenwärtig
32 auf künftig 38 Stunden. Diese Regelung besagt, daß ein Arbeitnehmer
den vollen Lohn für 38 Wochenstunden erhält, ganz gleich, ob er voll
gearbeitet hat oder wegen Auftragsmangels diese Norm nicht erfüllen
konnte.
Außerdem hat sich das Unternehmen verpflichtet, eine besondere
Arbeitsreserve - ähnlich wie beim Kaiser-Abkommen - zu bilden. Auf
Grund der diesbezüglichen Bestimmungen hat der vorübergehend Entlassene nach 13 Wochen die Wahl, zwischen der Fortzahlung seiner zusätzlichen
Arbeitslosenunterstützung und der Rückkehr ins Werk. Allerdings hat er
hier dann die durch Krankheit entstandenen Lücken auszufüllen, hat
also keinen festen Arbeitsplatz. Gegenwärtig werden die Arbeitsplätze
von kranken Arbeitern durch solche Leute besetzt, die auf anderen,
weniger wichtigen Posten eingesetzt.sind. Die Arbeitsreserve umfaßt
mindestens 2 Prozent der Belegschaft.
Wie der 1. Vorsitzende der Stahlarbeitergewerkschaft zu dem
neuen Abkommen weiter erklärte, sollen die in diesem Vertrag mit der
"Alan Wood Steel Company" erreichten Verbesserungen für die in diesem
Jahr anstehenden Tarifverhandlungen zur Verhandlungsgrundlage gemacht
werden. Ein ähnlicher Plan ist bereits sämtlichen Großunternehmen der
Stahlindustrie bei Wiederaufnahme der Tarifgespräche am 15. Februar un
terbreitet worden.
(Quelle: Eigenbericht)

+ ++++

- 11 -

�Umschulungs- und Berufsförderungsprogramme wurden verstärkt
Von beträchtlichem Erfolg gekrönt waren im vergangenen Jahr die
Bemühungen der amerikanischen Regierung, solche Arbeitskräfte wieder
produktiv in den Arbeitsprozeß einzugliedern, die entweder auf Grund
der technologischen Veränderungen ihre Beschäftigung verloren haben
oder aber wegen ihrer nur mangelhaften schulischen und beruflichen
Ausbildung ohne Umschulung nicht in der Lage gewesen wären, einen
Dauerarbeitsplatz oder einen Zukunftsberuf auszufüllen.
Während einerseits im Rahmen des Gesetzes über die Fort- und Ausbildung von Arbeitskräften (Manpower Development and Training Act)
im Finanzjahr 1964 die doppelte Anzahl vnn Dauerarbeitslosen -insgesamt 115 000 - auf neue Zukunftsberufe umgeschult wurde, konnte ande
rerseits in bisher 31 Städten mit den Planungsarbeiten für die Errichtung von sogenannten "Youth Opportunity Centers" begonnen werden, in
denen arbeitslosen Jugendlichen eine entsprechende Starthilfe fürs
Berufsleben gegeben werden soll.
Daß das Umschulungsprogramm für Arbeitsplatzverdrängte nach
Überwindung der anfänglichen Schwierigkeiten im vergangenen Jahr den
entscheidenden Auftrieb erhielt, ist nach Meinung von Arbeitsminister
Wirtz darauf zurückzuführen, daß immer mehr Amerikaner die wirkliche
Bedeutung der beruflichen Umschulung und Fortbildung als Mittel zur
Herabsetzung der Arbeitslosigkeit erkannt.haben - eine Tatsache, die
durch die steigende Zahl der Anmeldungen zu den Umschulungskursen
noch unterstrichen wird.
Aber auch in anderer Beziehung kommt der Erfolg dieses Umschulungsprogrammes zum Ausdruck: in der Zahl der nach Abschluß entsprechender
Kurse in neue Berufe vermittelten Arbeitnehmer. Während nämlich im
ersten Jahr (1962/63) lediglich 70 Prozent der Umschüler sofort einen
neuen Arbeit$platz erhielten, waren es 1963/64 bereits 75 Prozent, und
im laufenden Finanzjahr ist mit einer noch höheren Vermittlungsquote
zu rechnen.
Interessant ist auch die Tatsache, daß 60 Prozent aller Umschüler
die Ernährer ihrer Familien sind, der Anteil der farbigen Arbeitnehmer
von 23 auf 28 Prozent, der der Jugendlichen von 25 auf rund 33 Prozent
und der der Frauen von 36 auf 41 Prozent anstieg.
Im Rahmen des staatlich geförderten Umschulungsprogramms können
die Teilnehmer gegenwärtig auf insgesamt 500 Zukunftsberufe - in erster
Linie Fachberufe - vorbereitet werden, wobei sich der Schwerpunkt in
Zukunft immer mehr auf höherqualifizierte Tätigkeiten - technische,
halbwissenschaftliche und Dienstleistungsberufe - verlagern dürfte,
wie auch der Rückgang der Anlernberufe von 27 auf 18 Prozent (1963/64)
andeutet.

105 Jugendförderungszentren sollen entstehen
Ziel der 105 im ganzen Land entstehenden sogenannten "Youth
Opportunity Centers" (Jugendförderungszentren) ist es dagegen, den arbeitslosen Jugendlichen zwischen 16 und 21 Jahren die entsprechenden

- 12 -

�'

entsprechenden bildungsmäßigen und beruflichen Kenntnisse zu vermitteln, damit sie später sowohl im Leben als auch im Beruf ihren
Mann stehen können. Die von ausgesuchten Fachleuten geleiteten Zentren sollen im Rahmen der "Kampf gegen die Armut"-Programme der
Städte und Gemeinden dabei.so etwas wie Kontaktstellen für alle
jene Jugendlichen werden, die Hilfe benötigen oder Hilfe suchen.
Im einzelnen stehen den hilfesuchenden Jugendlichen verschiedene Möglichkeiten offen, entweder die schulische Ausbildung zu
vollenden oder einen zukunftssicheren Beruf zu erlernen. So kann
der Jugendliche unter anderem dem sogenannten "Nachbarschafts-Jugendkorps" beitreten, das ihm eine Beschäftigung bietet, damit er seine
schulische Ausbildung fortsetzen oder wieder an. die Schule zurückgehen kann. Alle Jugendlichen, die an Projekten des Nachbarschaftskorps mitarbeiten, erhalten dabei einen Mindestlohn von 1,25 Dollar
die Stunde (der offizielle Mindestlohnsatz).
Alle anderen Jugendlichen, die nicht mehr die Schule besuchen,
und arbeitslos sind, können dagegen dem sogenannten "Job Corps" beitreten, das ihnen sowohl die Möglichkeit bietet, ihre schulische
Ausbildung zu ergänzen,als auch einen Beruf in Ausbildungslagern zu
erlernen.
Wie groß das Interesse der Jugendlichen für das "Job Corps" ist,
geht allein schon aus der Tatsache hervor, daß im ersten Monat nach
Anlaufen der Werbekampa^gne bereits 50 000 Jugendliche ihre Registrierung beantragten.
(Quelle: Eigenbericht)

+ ++++

Sunnyhills: Rassenfragen unbekannt
Zu Beginn der fünfziger Jahre bot das am Südrand der Bucht von
San Francisco gelegene Milpitas das Bild einer verschlafenen Streusiedlung von vielleicht 600 Einwohnern. 1963 dagegen wohnten in Milpitas 10 000 Menschen, und die Stadtväter rechnen damit, daß sich
die Einwohnerzahl im Laufe dieses Jahres auf 18 000 erhöhen wird»
Hervorragend beteiligt an dieser sprunghaften Entwicklung ist
Sunnyhills, ein von der Vereinigten Automobilarbeitergewerkschaft
flUAW) gefördertes Siedlungsprojekt in Milpitas. Diese Siedlung ist
aber noch in anderer Hinsicht bemerkenswert. Hier leben Angehörige
verschiedener Rassen im Rahmen eines funktionsfähigen Gemeinwesens
miteinander. Sunnyhills gilt daher als Beweis dafür, daß Rassengegensätze im praktischen Alltag überwunden werden können.
Als die Ford Motor Company im Januar 1954 die Schließung ihres
Montagewerkes in dem am Ostrand der Bucht von San Francisco gelegenen
Richmond und die Errichtung eines neuen Werkes in dem 130 Kilometer
weit entfernten Milpitas bekanntgab, schienen die Ford-Arbeiter keine

- 13 -

�keine andere Wahl zu haben, als entweder ihre Arbeit aufzugeben oder
aber von Richmond aus täglich nach Milpitas zu fahren. Die dritte Alternative, nach Milpitas umzuziehen, mußte problematisch erscheinen.
Denn Milpitas verfügte weder über ausreichenden noch geeigneten Wohnraum für die 2100 vom Standortwechsel betroffenen Belegschaftsmitglieder des Werkes.
An diesem Punkt schaltete sich der Ortsverein 560 der Vereinigten
Automobilarbeitergewerkschaft ein und sorgte für Abhilfe: Die Gewerkschaft kam zu der Überzeugung, daß die Errichtung einer Siedlung in der
Nähe von Milpitas die einzige praktikable Lösung sei.
Mit Unterstützung.der Bundesgeschäftsstelle der Automobilarbeitergewerkschaft erwarb der Ortsverein Baugelände, löste die Frage der Finanzierung durch Einschaltung der Metropolitan Life Insurance Company
und begann unverzüglich mit der Verwirklichung des Projektes. Die Einzelheime wurden bei niedrigen Anzahlungen zu Preisen (10 700 bis 12 500
Dollar) angeboten, die durchweg um 2000 Dollar niedriger lagen als die
ortsüblichen Preise für vergleichbare Häuser.
Da das Zweigwerk der Ford Motor Company Arbeiter unterschiedlicher
Herkunft und Rassenzugehörigkeit beschäftigt, entwickelte sich der Wohnkomplex Sunnyhills zu einem "offenen", in sich lebensfähigen Gemeinwesen,
in dem Menschen, die sich täglich an.der Arbeitsstätte sehen, sich auch
nach der Schicht begegnen.
Zwei Soziologen urteilten nach dem Studium der Verhältnisse in Sunnyhills und Milpitas: "Sunnyhills und die in Sunnyhills verwirklichten Gedanken dürften sich auch anderenorts auswirken." Und: "Etwa ein halbes
Dutzend anderer Siedlungskomplexe im Bereich von Milpitas wie in der Santa
Clara County überhaupt zählen heute Neger zu ihren Bürgern."
Und die Behörden in Milpitas selber erklärten, die übrige Bevölkerung
habe das Experiment der Automobilarbeitergewerkschaft zwar zunächst mit
Skepsis verfolgt, äußere sich aber mittlerweile uneingeschränkt in positivem Sinne. Vor allem, so wird betont, habe das Projekt Sunnyhills zweierlei erreicht: Es seien gute und preisgünstige Wohnungen für Angehörige
der niedrigen Einkommsklassen geschaffen worden, und es sei der Beweis
erbracht worden, daß "offene" Siedlungen die Immobilienwerte in einem Gebiet nicht unbedingt beeinträchtigen müssen.
Was aber in Sunnyhills möglich war, müsse auch in anderen Orten durchgeführt werden können.

(Quelle: Eigenbericht)

+ ++++

- 14 -

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
USIS-Bonn/Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XVIII - 5

Bad Godesberg, den 1. Mai 1965

INHALTSVERZEICHNIS
Die Entwicklung des US-Arbeitspotentials
zwischen 1964 und 1980
Die Entwicklung der Einkommen im Polizeiund Feuerwehrdienst
Gewerkschaftliche Kurznachrichten

Seite

1

Seite

8

Seite 13

Sophia Cooper und Denis F. Johnston, Abt. Bevölkerungs- und Arbeitspotentialstudien im US-Amt für Arbeitsstatistik:
Die Entwicklung des US-Arbeitspotentials zwischen 1964 und 1980
Einleitung
Wie aus den jüngsten Untersuchungen des "Amtes für Arbeitsstatistik" über die Entwicklung des amerikanischen Arbeitspotentials in
den nächsten 15 Jahren hervorgeht, kann in diesem Zeitraum mit einem
Anstieg der Gesamtzahl der Arbeitskräfte von gegenwärtig (1964) 77
Millionen auf 86 Millionen im Jahre 1970 und 101 Millionen im Jahre
1980 gerechnet werden. Diese Zunahme der arbeitsfähigen Bevölkerung
um 24 Millionen innerhalb 16 Jahren bedeutet, daß pro Jahr rund
1 1/2 Millionen neue Arbeitsplätze geschaffen werden müssen, um allein die Neuzugänge am Arbeitsmarkt einer produktiven Beschäftigung
zuführen zu können. Die darüber hinaus auf Grund der steigenden Produktivität (Automation) notwendig werdenden neuen Arbeitsplätze sind
in dieser Ziffer ebensowenig berücksichtigt wie all jene Arbeitsplätze, die erforderlich wären, um die Arbeitslosenrate (z.Z. 5,0 7.)
weiter herabzudrücken.
Die
- 1-

�Die Prognosen für 1970
Die Auswirkungen des sogenannten "Babybooms" der Nachkriegs jähre
auf den Arbeitsmarkt sind bereits seit einigen Jahren stärker zu spüren. Seit dem Jahr 1960 hat sich die Gesamtzahl der Teenager im Rahmen
des Arbeitspotentials um 800 000 erhöht, während die Gruppe der 20-24jährigen sogar um 1,4 Millionen angewachsen ist.
In den nächsten Jahren ist mit einer dramatischen Entwicklung in
diesen Arbeitnehmergruppen und mit einer ungemein kräftigen Zunahme der
Zahl der Arbeitnehmer unter 25 Jahren zu rechnen. Bis zum Jahre 1970
dürften sich dabei die Zahl der arbeitsfähigen Teenager (um 1 1/2 Millionen) und die der 20-24jährigen (um 2 3/4 Millionen) auf insgesamt mehr
als 20 Millionen erhöhen. Diese jungen Menschen werden dann rund 24 Prozent des gesamten Arbeitspotentials ausmachen im Vergleich zu 21 Prozent im Jahre 1964. Rund 6 Millionen von ihnen dürften dabei sowohl
arbeiten als auch die Schule besuchen. Die Zahl der erwachsenen (25
Jahre alten und älteren) männlichen Arbeitnehmer wird im gleichen Zeitpunkt gegenüber 1964 um etwa 2 Millionen und die der weiblichen sogar
um 2 1/2 Millionen höher liegen.
Die erhebliche Zunahme der Zahl der jugendlichen Arbeitskräfte ist
größtenteils und die bei den älteren männlichen Arbeitnehmern ausschließlich durch die Bevölkerungszunahme bedingt. Bei den weiblichen Arbeitnehmern werden die steigenden Beschäftigungsraten zu etwas mehr als 50
Prozent zur Erhöhung des Gesamtarbeitspotentials beitragen.
Die Prognosen für 1980
Für das Jahr 1980 kann mit einer Gesamtzahl an Arbeitskräften von
101,4 Millionen gerechnet werden; das ist ein gegenüber 1964 um 24,4
Millionen größeres Arbeitspotential. Der größte Teil des Zuwachses (87
Prozent) ergibt sich durch die Bevölkerungszunahme, die restlichen 13
Prozent resultieren aus höheren Erwerbstätigkeitsraten bei erwachsenen
Frauen.
Obwohl der Zuwachs an Arbeitskräften zwischen 1970 und 1980 mit
15,4 Millionen beziffert wird (im Vergleich zu den 12,9 Millionen zwischen 1960 und 1970), wird der prozentuale Anstieg mit 17,9 Prozent
praktisch genau so groß sein wie in der laufenden Dekade (17,7%). Die
dramatischsten Veränderungen vollzogen bzw. vollziehen sich in den.
Dekaden 1950-60 und 1960-70 in der Gruppe der Arbeitnehmer unter 25
Jahren. In der Dekade 1970-80 wird es die nächsthöhere Altersgruppe
(25-34 Jahre) sein, die die stärksten Veränderungen aufweist. Zwischen
1960 und 1970 wird die Altersgruppe der 35-44jährigen Arbeitnehmer einen Rückgang aufweisen, um dann in der darauffolgenden Dekade wieder
in dem Maße an Zahl zuzunahmen, wie die "Babyboom"-Welle diese Altersgruppe erreicht.
Die Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt
Ein erheblicher Teil der zwischen 1964 und 1980 zu erwartenden
Neuzugänge am Arbeitsmarkt wird sich auf die Gruppen der jüngeren
Arbeitnehmer und der erwachsenen Frauen konzentrieren. Da es sich hierbei jedoch um Gruppen handelt, die eine sehr höhe Teilarbeitszeitrateaufweisen, ist damit zu rechnen, daß sich die Zahl der Halbtagsbeschäftigten

- 2-

�Halbtagsbeschäftigten stark erhöhen wird. Außerdem wird es sich bei
vielen von diesen Neuzugängen um Arbeitnehmer ohne Berufserfahrung
handeln, die sich um jene Arbeitsplätze bewerben werden, die die
untere Sprosse der Berufsskala bilden. Die Folge wird ein verschärfter Kampf um die vorhandenen Arbeitsplätze zwischen den Jugendlichen
selbst und zwischen den Jugendlichen und den älteren Frauen sein.
Wenn es nicht gelingt, eine ausreichende Zahl von Teilzeitarbeitsplätzen sowie solche Arbeitsplätze zu schaffen, die nur geringere
berufliche oder fachliche Qualifikationen verlangen, so ist es durchaus möglich, daß die Zahl der erwerbstätigen verheirateten Frauen
hinter den Erwartungen zurückbleibt, da die Erwerbstätigkeitsrate
dieser Arbeitnehmergruppe im gewissen Umfang von der Verfügbarkeit
der gewünschten Arbeitsplätze abhängig ist. Die gleiche Situation
ist auch für die jüngeren Menschen gegeben, die noch die Schule besuchen.
Es mag in dieser Hinsicht von Bedeutung sein, daß in der Nachkriegsperiode, als sich die Zahl der erwerbstätigen Frauen ganz beträchtlich erhöhte, die Zahl der jungen Arbeitnehmer, von den letzten paar Jahren abgesehen, relativ klein war. So ging zum Beispiel
die Zahl der 18 und 19 Jahre alten Arbeitnehmer von 4,6 Millionen
im Jahre 1947 auf 4,1 Millionen im Jahre 1952 und die Zahl der 2024jährigen von 12,1 Millionen im Jahre 1947 auf 10,7 Millionen im
Jahre 1957 zurück. Im Gegensatz dazu wird es 1970 rund 7,3 Millionen
Arbeitnehmer im Alter von 18 und 19 Jahren geben und 17,1 Millionen
in der Altersgruppe 20-24 Jahre. Eine Zunahme in dieser Größenordnung
könnte sich dabei durchaus auf die Neuzugangsrate bei den verheirateten Frauen hemmend auswirken.
Methodik und Voraussetzungen
Die in dem vorhergehenden Abschnitt gemachten Voraussagen sind
das Ergebnis einer eingehenden Analyse beider Autoren über die wahrscheinlichen Entwicklungen auf dem Arbeit^markt unter Berücksichtigung
sämtlicher Einflüsse. Es muß in diesem Zusammenhang darauf hingewiesen werden, daß es sich hier um langfristige Voraussagen handelt, in
denen sich zu erwartende demographische Umschichtungen und mögliche
Veränderungen in der Erwerbstätigkeit-srateo der verschiedenen Altersund Geschlechtsgruppen der Bevölkerung widerspiegeln. So gibt es
zum Beispiel zahlreiche Faktoren, die in den einzelnen Arbeitnehmergruppen die Entscheidung .beeinflussen, einer Erwerb»tätigkeit nachzugehen oder nicht. Das trifft vor allem für die verheirateten Frauen,
die noch im Schulalter stehenden Erwerbspersonen und- die zurPensionierung Anstehenden zu. Nicht alle diese Faktoren lassen sich hinsichtlich ihrer möglichen Auswirkungen auf die Erwerbstätigkeitsrate
auf lange Sicht spezifizieren. Aus diesem Grunde lassen sich die Prognosen auch nicht als präziser Maßstab zur Beurteilung der jährlichen
Zunahme des Arbeitspotentials verwenden.
Der generelle Zweck dieser Untersuchung war es, die Erwerbstätigkeitsraten für jede Alters-Geschlechts-Gruppe vorauszubestimmen, diese
Raten in Beziehung zur künftigen Bevölkerungszahl zu setzen und dabei
die Gesamtzahl der Arbeitskräfte,, nach Geschlecht und Altersgruppen
getrennt, zu ermitteln. Die Prognosen hängen weitgehend von der

- 3 -

�der künftigen Größe und Altersstruktur der Bevölkerung und weniger
von dem Geburtenfaktor ab, da die Arbeitnehmer des Jahres 1980
bereits heute leben. Dennoch besteht zwischen dem künftigen Arbeitskräfteangebot und dem.Geburtenfaktor insofern eine indirekte Beziehung, als kleine Kinder im Hause einen hemmenden Effekt auf die
Erwerbstätigkeitsrate für junge Frauen ausüben können.
Die Erwerbstätigkeitsraten für männliche Arbeitnehmer im Alter
zwischen 25 und 59 Jahren wiesen in der Nachkriegsperiode nur geringfügige Schwankungen auf. Sie bewegten sich konstant auf dem Durchschnittsniveau der Jahre 1955-57, in denen die Erwerbslosenrate 4
Prozent ausmachte.
Für die anderen Altersgruppen, bei denen verschiedene Veränderungen offenkundig waren, sind bei der Erstellung dieser Analyse bestimmte soziale und demotraphische Faktoren, die die Teilnahme am Erwerbsleben entweder einschränken oder begünstigen, mit berücksichtigt
worden.
Weibliche Arbeitskräfte
Die Erwerbstätigkeitsrate für erwachsene Frauen hat, insbesondere
in den Altersgruppen über 35, stetig zugenommen. Bei den jüngeren
Altersgruppen dagegen waren die Anstiege nicht ganz so stark. Dies
liegt zum größten Teil daran, daß ein hoher Prozentsatz dieser .Frauen
kleine Kinder hat - ein Faktor, durch den die Erwerbstätigkeit stark
eingeschränkt wird. Um diesen Faktor in seinen Auswirkungen genau abzuschätzen, wurden separate Prognosen über die Zahl der verheirateten
Frauen zwischen 22 und 44 mit Kindern unter fünf und ohne Kinder unter
fünf Jahren erstellt, und zwar, im Rahmen der vom Zensusbüro erarbeiteten
Voraussagen über die altersspezifische Fruchtbarkeit und über die Zahl
der Frauen in jeder der einzelnen Altersgruppen. Die Erwerbstätigkeitsraten für Frauen mit kleinen Kindern und solche ohne Kleinkinder haben
sich beide erhöht, aber von verschiedenen Basen aus. Diese Raten wurden zur zahlenmäßigen Stärke jeder Altersgruppe in Beziehung gesetzt
und den Prognosen zugrunde gelegt.
Bei Frauen im Alter von über 44 Jahren ist der Familienstatus der
wichtigste demographische Faktor, der die Erwerbstätigkeitsrate beeinflußt. Die Erwerbstätigkeitsrate der verheirateten Frauen ist niedriger
als die Rate für ledige, verwitwete, geschiedene oder von ihren Mannern
getrennt lebende Frauen. Dennoch ist sie auch bei dieser Gruppe merklich angestiegen. -Separate Prognosen wurden für diese Gruppen - nach
Lebensalter - unter Berücksichtigung der Familienstands-Bevölkerungsvoraussagen aufgestellt.
Jugendliche Arbeitskräfte
Für die jugendlichen Arbeitskräfte im Alter unter 25 Jahren wurden
zwei verschiedene Prognosen der Erwerbstätigkeitsraten erstellt, und zwar
eine für diejenigen, die nebenher noch eine Schule besuchen, und eine für
die Schulabsolventen. Die Erwerbstätigkeitsraten für einige TeenagerGruppen von Schulabsolventen sind in den vergangenen Jahren in Anbetracht
der begrenzten Zahl von Erstarbeitsplätzen zurückgegangen. Die derzeitigen Voraussagen gehen jedoch von der Annahme aus, daß genügend Arbeitsplätze für alle, die arbeiten wollen,_zur Verfügung stehen werden und

- 4-

�und die Erwerbstätigkeitsrate der schulentlassenen Jugendlichen
die Durchschnittsrate der Jahre 1955-57 erreichen wird.
Auch die Erwerbstätigkeitsrate der Jugendlichen, die noch
eine Schule besuchen, ist in den letzten Jahren zurückgegangen,
- wobei jedoch die Erwerbstätigkeitsraten' der 18- und 19jährigen sowie der Jugendlichen der Altersgruppe 20-24 Jahre zugenommen haben. Eine Fortdauer der bisherigen Trends in diesen beiden Gruppen wurde für die nächsten Jahre als wahrscheinlich vorausgesetzt.
Ältere Arbeitnehmer
Die Erwerbstätigkeitsrate der männlichen Arbeitnehmer im
Alter von 60 bis 64 Jahren ist in den letzten Jahren rückläufig
gewesen. Dies ist vor allem darauf zurückzuführen, daß immer mehr
ältere Arbeitnehmer die Möglichkeit haben, sich vorzeitig, d.h.
vor Erreichen der normalen Altersgrenze, pensionieren zu lassen.
Die Zahl der Tarifverträge, die solche Möglichkeiten vorsehen,
ist in den letzten Jahren beträchtlich angestiegen, und auch im
Rahmen der staatlichen Sozialversicherung ist es jetzt diesen
Arbeitnehmern möglich, ab einem Alter von 62 bei reduzierten Rentenleistungen in Pension zu gehen. Die Erwerbstätigkeitsraten
der über 65 Jahre alten männlichen Arbeitskräfte sind seit Ende
des letzten Krieges stetig zurückgegangen, und zwar sowohl in
Jahren mit hoher Beschäftigung als auch in Zeiten wirtschaftlicher
Rezession. Ein Teil des Rückganges in der Erwerbstätigkeitsrate
bei den männlichen Arbeitskräften über 60 Jahre erklärt sich wohl
auch aus der Tatsache, daß es vielen älteren, aus ihren angestammten Arbeitsplätzen verdrängten Arbeitnehmern nicht gelang, einen
neuen Arbeitsplatz zu bekommen, so daß sie sich aus dem Berufsleben zurückziehen mußten.
Wie in diesem Zusammenhang aus einer kürzlich veröffentlichten Untersuchung des Ministeriums für Gesundheits-, Erziehungsund Sozialfragen hervorgeht, dürften rund 20 Prozent aller männlichen Arbeitnehmer über 62 Jahre, die sich zwischen 195/ und 1962
aus dem Erwerbsleben zurückzogen, unfreiwillig ausgeschieden sein,
dementsprechend wurde der Rückgang seit 1957 in der Erwerbstätigkeitsrate für die männlichen Arbeitskräfte im Alter von über 60'
Jahren um 20 Prozent reduziert, ehe der Trend extrapoliert wurde.
Ebenso wurde noch ein weiterer Faktor bei der Erstellung der
Beschäftigungsprognosen für die Altersgruppen 60-64, 65-69 und 70
und mehr Jahre berücksichtigt: Die Landwirtschaft ist für die Erwerbstätigkeitsrate der männlichen Arbeitskräfte in diesen Altersgruppen immer noch ein relativ bedeutender Faktor, wobei sich der
Trend in der Landwirtschaft von dem in den nichtlandwirtschaftlichen Zweigen der Wirtschaft stark unterscheidet. Dementsprechend
wurde der Anteil an der Gesamtbevölkerung für jede dieser Altersgruppen nach Landwirtschaft und übriger Wirtschaft getrennt extrapoliert. Diese Anteile wurden dann der zu erwartenden Bevölkerungsziffer gegenübergestellt, um die Gesamt-Erwerbstätigkeitsrate für
jede Altersgruppe zu erhalten.
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Tabelle 1

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�Im allgemeinen gehen die Voraussagen davon aus, daß die seit
1948 auftretenden Veränderungstrends in den Erwerbstätigkeitsraten
weniger ausgeprägt sein werden. Für die Periode 1964-1980 wurde
die Annahme zugrunde gelegt, daß die Veränderungen nur halb so groß
sind wie die der vergangenen 16 Jahre.
Die Zahl der in der Armee Dienst tuenden Soldaten wurde auf
der bisherigen Höhe von 2,7 Millionen belassen; und ebenso geht
diese Untersuchung von der Annahme aus, daß sich der Trend in Richtung auf einen verstärkten Schulbesuch nach Beendigung der Oberschule weiter fortsetzen und verstärken wird. Was die Erwerbslosigkeit betrifft, so wurde hier eine Rate von 4 Prozent zugrunde gelegt.

(Quelle: Monthly Labor Review,
Feb. 1965, Vol. 88, Nr. 2)

+ ++++
Arthur Sackley, Mitarbeiter des Amtes für Arbeitsstatistik:
Die Entwicklung der Einkommen im Polizei- und Feuerwehrdienst
Die historische Hintergrund
Die erste Berufsfeuerwehr in den Vereinigten Staaten wurde im
Jahre 1853 in Cincinnati, Ohio, gebildet. Der Brandmeister und das
Bedienungspersonal der Dampfspritzen erhielten ein Gehalt, während
die restlichen Bedienungskräfte sich aus Freiwilligen zusammensetzten. In den letzten Dekaden des vorigen Jahrhundert erkannte man
auch in den anderen Großstädten der USA mehr und mehr, wie notwendig
die Aufstellung einer jederzeit einsatzbereiten und aus ausgebildeten Männern bestehenden Berufsfeuerwehr war, und ging nach und nach
dazu über, die Freiwilligen durch festangestellte Feuerwehrleute zu
ersetzen. Schon in dieser Zeit bildeten sich zahlreiche Berufsvereinigungen und Berufsvertretungen mit gewerkschaftlichem. Charakter
heraus, die sich für eine Verbesserung der wirtschaftlichen und
sozialen Lage der Feuerwehrmänner einsetzten und die sich später der
"American Federation of Labor" anschlössen.
Als Arbeitnehmerorganisationen von im öffentlichen Dienst Beschäftigten, deren Tätigkeit zur Gewährleistung der öffentlichen Sicherheit beiträgt, besitzen die Feuerwehrmänner-Organisationen in den
USA nicht die üblichen gewerkschaftlichen Rechte, die den Arbeitnehmehrverbänden des privaten Sektors der Wirtschaft gesetzlich zuerkannt werden. Sowohl die Gehälter als auch die Arbeitsbedingungen der
Feuerwehrleute - und Polizeiangehörigen - werden gesetzlich, und zwar
auf bundesstaatlicher oder kommunaler Ebene, festgelegt. Und obwohl
Streiks nicht für illegal erklärt wurden, benutzen die Feuerwehrgewerkschaften diese Waffe des Arbeitskampfes - aus grundsätzlichen

- 8-

�grundsätzlichen tarifpolitischen Erwägungen - nicht als Mittel
zur Durchsetzung ihrer Forderungen. Sie versuchen vielmehr, auf
dem Wege von Verhandlungen mit den örtlichen Behörden die wirtschaftliche und soziale Lage ihrer Mitglieder zu verbessern deren Ergebnisse ihren Niederschlag in Resolutionen und Verwaltungsanordnungen finden.
Das schnelle Wachstum der Städte gegen Ende des vorigen und
zu Beginn dieses Jahrhunderts stellte die Behörden, was die Aufrechterhaltung und Gewährleistung der öffentlichen Ordnung und
Sicherheit betraf, vor vollkommen neue Probleme, die eine bessere
Organisation und die Ausweitung der Ordnungs- und Sicherheitskräfte bedingten. Der Dorfpolizist und der städtische Polizeihauptmann mußten weichen. Sie wurden durch die Bezirksreviere und
Polizeipräsidien ersetzt.
Obwohl die Polizeiangehörigen in den USA als Beamte des Öffentlichen Dienstes auf eine längere Tradition zurückblicken können,
hatten sie größere Schwierigkeiten als die Feuerwehrleute, sich gewerkschaftlich zu organisieren.
Die Höhe der Einkommen und die Art der Arbeitsbedingungen der
Polizisten waren weitgehend von der Fähigkeit der Polizeichefs abhängig, die örtlichen Behörden von der Notwendigkeit der Verabschiedung entsprechender Besoldungsgesetze zu überzeugen. Da dieser Weg
jedoch in der Regel mit zahlreichen Hindernissen und Schwierigkeiten
gepflastert war, schlössen sich schon damals Polizeibeamte einiger
Reviere zu "Bruderschaften" zusammen, die später dann die Sprecher
der Polizeibeamten in Arbeitsfragen wurden. Dennoch hat die gewerkschaftliche Organisation bei den Polizisten nicht den Grad der Organisation der Feuerwehrmänner erreicht. Gesetzliche Beschränkungen
und die allgemeine Abneigung der Öffentlichkeit gegen. Polizeigewerkschaften waren hier die wesentlichen Hindernisse. Wenn auch die
Polizeiberufsvertretungen heute gewisse gewerkschaftliche Funktionen ausüben, so haben sie sich doch bisher noch keinem Gewerkschafts verband angeschlossen.
Beschäftigungs- und Einkommenstrends 1954-1964
In den vergangenen zehn Jahren hat sich die Zahl der in Städten
von über 100 000 Einwohnern beschäftigten Polizisten und Feuerwehrleute um fast 1/5 auf 193 000 erhöht. Der stärkste Zugang war dabei
in den letzten drei Jahren festzustellen.
Wenn auch die Wachstumsrate der öffentlichen Sicherheitskräfte
zwischen 1954 und 1964 fast doppelt so hoch war wie die für das gesamte Arbeitspotential, so war die relative Zunahme im Vergleich zu
den Verwaltungsangestellten jedoch nur 1/3 so groß. Der zahlenmäßige
Anstieg bei Polizisten und Feuerwehrleuten deckte sich zwar weitgehend mit dem BevöLkerungsanstieg in den Großstädten (ausgenommen
Millionenstädte), war aber stärker als der Gesamtbevölkerungszuwachs.
Diejenigen amerikanischen Städte und Gemeinden, die zwischen
1954 und 1964 die Gehälter der Polizeibeamten und Feuerwehrleute um
60 bis 70 Prozent erhöhten, beschäftigten rund 1/3 aller Sicherheitskräfte; weitere 2/5 waren in solchen Kommunen tätig, die die Gehälter
um 40 bis 60 Prozent anhoben. Die Bezüge- von etwa 25 Prozent aller

- 9-

�aller Polizeibeamten und Feuerwehrleute wurden in diesem Zeitraum
um 1400 bis 1800 Dollar erhöht; weitere 25 Prozent erhielten Gehaltsaufbesserungen zwischen 3000 und 3200 Dollar, während 5 Prozent aller Beamten Lohnanstiege von über 3200 Dollar verzeichneten.
Im Gegensatz dazu erhielten nur 0,1 Prozent aller Sicherheitskräfte zwischen 1954 und 1964 Gehaltserhöhungen von weniger als 800
Dollar.
Die Einkommensveränderungen in Städten verschiedener Größe
In den größeren Städten waren die Gehaltsaufbesserungen - sowohl prozentual als auch in Dollar - höher als in den kleineren.
Rund 38 Prozent der 1964 in den Millionenstädten gültigen Gehaltsgruppen sind in den vergangenen zehn Jahren neu geschaffen worden.
Die Tatsache, daß mehr als 3/5 der Arbeitnehmer in den Millionenstädten zwischen 1954 und 1964 Gehaltsaufbesserungen zwischen 60
und 70 Prozent - was Erhöhungen zwischen 3000 und 3200 Dollar entspricht - erhielten, erklärt sich daraus, daß sich diese Gruppe zu
fast 50 Prozent aus New Yorker Polizisten und Feuerwehrleuten zusammensetzt.
In der Gruppe der Städte mit einer Einwohnerzahl zwischen
100 000 und 1 000 000 waren die Erhöhungen dagegen nicht so stark
ausgeprägt. Etwa 63 Prozent der in Städten mit 500 000 bis 1 000 000
Einwohnern beschäftigten Polizisten und Feuerwehrleute erhielten in
den vergangenen zehn Jahren Gehaltsaufbesseuungen zwischen 30 und
50 Prozent, während ein ähnlich hoher Prozentsatz in den Städten
mit 250 000 bis 500 000 Einwohnern Erhöhungen von 40 bis 60 Prozent
verzeichnete. In Großstädten mit einer Einwohnerzahl zwischen
100 000 und 250 000 sind größere Schwankungen - sowohl prozentual
als auch nominell - festzustellen, aber auch hier erhielt rund 1/3
aller Polizisten und Feuerwehrleute Gehaltserhöhungen zwischen 30
und 40 Prozent.
Die Entwicklung der Gehälter zwischen 1961 und 1964
Die Gehälter der Polizisten und Feuerwehrleute in Großstädten
(über 100 000 Einwohner) erhöhten sich zwischen Januar 1961 und
Januar 1964 im gleichen Verhältnis wie in der vorangegangenen
Dreijahresperiode. Für beide Berufsgruppen zusammen belief sich
die durchschnittliche Zunahme, der Gehälter auf 757 Dollar, verglichen mit 639 Dollar in dem Erhebungszeitraum 1958-61. In erster
Linie auf Grund der Aufbesserung der Gehälter für die New Yorker
Polizisten und Feuerwehrleute um 10 Prozent ergaben sich 1962 stärkere prozentuale Gesamtzunahmen (5%) als 1961 (47.) und 1963 (3,5%).
Während 1963 etwa 75 Prozent aller.Arbeitnehmer Gehaltserhöhungen
erhielten, waren es 1961 und 1962 nur rund 66 Prozent gewesen.
Keine Änderung der Spitzengehälter erfolgte zwischen 1961 und
1963 dn drei Städten, die 2,3 Prozent aller Feuerwehrleute sowie
in vier Städten, die 3,2 Prozent aller Polizisten beschäftigen. Am
unteren Ende der Gehaltsskala dagegen wurden die Mindestgehälter
für Polizisten in zwei Städten um 25 Prozent angehoben, während in
einer Stadt die Feuerwehrleute eine gleich hohe Aufbesserung erhielten. Die meisten Städte - sechs von zehn - hoben die Gehälter
der Polizisten und drei von fünf die der Feuerwehrleute um 5 bis

- 10 -

�bis 15 Prozent an, wobei der Mittelwert für beide Gruppen bei 11
Prozent liegt. Etwa 3/5 aller Großstädte erhöhten die Gehälter
dieser Arbeitnehmergruppen mindestens zweimal in der Dreijahresperiode.
Rund 3/10 aller Arbeitnehmer waren in Städten tätig, die die
Gehälter um 17,5 bis 20 Prozent heraufsetzten; weitere 2/10 in
Kommunen, die Aufbesserungen zwischen 7,5 und 10
Prozent vornahmen. Die meisten Gehaltserhöhungen lagen bei 1200 Dollar und
mehr und bei 400 bis 500 Dollar. Die größten Gehaltserhöhungen
wurden u.a. in New York -.mit über 1200 Dollar - registriert.
Sowohl im Erhebungszeitraum 1958-61 'als auch in der Periode
1961-64 waren die Gehaltserhöhungen für die im Streifendienst
eingesetzten Polizisten etwas größer als die für Feuerwehrleute.
Während die Polizistengehälter zwischen 1961 und 1964 um 13 Prozent anzogen, verzeichneten die Feuerwehrleute einen Anstieg um
12,7 Prozent. In Dollar ausgedrückt beliefen sich die Erhöhungen
auf 780 bzw. 726 Dollar.
Die Veränderungen in Städten verschiedener Größe
Die Gehälter für Polizisten und Feuerwehrleute stiegen in
den Millionenstädten während der DreiJahresperiode (1961-64) am
stärksten an. Die durchschnittliche Erhöhung betrug in der Gruppe
der kleinsten Großstädte (100 000 - 250 000 Einwohner) 11,5 Prozent oder 584 Dollar, in den Millionenstädten dagegen.14,3 Prozent bzw. 915 Dollar. Die Unterschiede in den Gehaltserhöhungen
bei Polizisten .und Feuerwehrleuten waren nur in Städten mit einer
Einwohnerzahl zwischen 500 000 und 1 Million von Bedeutung: sie
sind durch eine wesentliche Aufbesserung der Bezüge für Polizisten in einigen Städten des Südens bedingt,, wo die Feuerwehrleute leer ausgingen.
Die Gehälter im Jahre 1964
Die Gehaltsskala für Polizisten und Feuerwehrleute, die in
amerikanischen Großstädten tätig sind, bewegte sich im Januar
1964 zwischen 8316 Dollar (Polizisten in San Francisco und Berkeley, Kalifornien).und 4080 Dollar (Feuerwehrleute in Wichita
Falls, Texas). Die.Durchschnittsgehälter für beide Berufsgruppen
lagen im gleichen Zeitpunkt bei 6587 Dollar.
In den Großstädten und Ballungszentren waren die Gehälter
allgemein höher als in kleineren Städten. Die höchsten Gehälter
wurden in den Weststaaten, die niedrigsten in den Südstaaten gezahlt, wo sieben der zehn Städte mit den niedrigsten Gehältern
für Feuerwehrleute und acht der zehn mit den niedrigsten Polizeidienstgehältern anzutreffen sind. Von den zehn Städten, die die
höchsten Gehälter sowohl für Polizisten als auch für Feuerwehrleute zahlen, liegen allein neun in Kalifornien.
Vergleich mit anderen Arbeitnehmergruppen
In den vergangenen 25 Jahren (zwischen 1939 und 1964) stiegen die Gehälter der Polizisten und Feuerwehrleute um 184 Prozent.
Sie zogen damit weitaus stärker an als der Verbraucherpreisindex
in diesem Zeitraum und hatten höhere Zuwachsraten aufzuweisen als

- 11 -

�als z.B. die Bundesangestellten. Gegenüber dem durchschnittlichen
Anstieg der Lehrergehälter in öffentlichen Schulen und der durchschnittlichen Wochenlöhne der Industriearbeiter jedoch war dieser
Anstieg geringer.
EINKOMMENSZUNAHMEN IN PROZENT
1939-1964

Berufsgruppe

1954-1964

1961-1964

Polizisten, Feuerwehrleute
(Höchstgehälter)

184

51

13

Volksschu Hehrer
(durchschn. Jahresgehälter)

192

49

1)

Bundesangestellte
(Durchschnittsgehälter)

253

76

22

(durchschn. Stundenlohn)

301

41

10

(durchschn. Wochenlohn)

336

42

12

Verbraucherpreisindex
(Anstieg in Prozent)

121

15

Industriearbeiter

1) keine Angaben für 1964
INDEX DER SPITZENGEHÄLTER 1924 BIS 1964
(1957-59 = 100)
Jahr

Polizisten
u. Feuerwehrleute

1924
1929
1932
1934
1938
1939
1940
1941
1942
1943
1944
1945
1946
1947
1948
1949

38
42
43
42
45
45
45
45
46
47
49
52
53
57
61
66

Feuerwehrleute
39
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44
41
44
44
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47
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66

Polizisten
37
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42
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45
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45
45
46
46
49
52
55
57
61
66

Jahr
1950
1951
1952
1953
1954
1955
1956
1957
1958
1959
1960
1961
1962
1963
1964

Polizisten
u. Feuerwehrleute
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72
77
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85
87
91
96
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104
108
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124
128

Feuerwehrleute

Polizisten

68
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117
123
127

68
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124
128

(Quelle: Monthly Labor Review,
Feb. 1965, Vol. 88, Nr. 2)

+ ++++
- 12 -

�Gewerkschaftliche Kurznachrichten
Lohnpolitischer Rundblick
Die Vereinigte Stahlarbeitergewerkschaft (USA) hat den Vertretern der amerikanischen Stahlindustrie bereits einen Monat vor Auslaufen der alten Tarifverträge ihre detaillierten Forderungen übermittelt, die sie bei den in Kürze beginnenden Tarifverhandlungen in
diesem wichtigen Zweig der amerikanischen Industrie durchzusetzen
gewillt ist.
Wenn auch beide Tarifpartner bisher keine näheren Angaben über
die Art der Forderungen und die daraus resultierenden Kosten gemacht
haben, so hat doch die USA-Gewerkschaft recht deutlich zu verstehen
gegeben, daß sie keine Lohnerhöhungen von weniger als 4 Prozent pro
Jahr akzeptieren werde. Allgemein wird wieder mit dem Abschluß eines Drei Jahresvertrages gerechnet. Die jährliche Steigerung der Löhne
um 4 Prozent entspricht nach Angaben der Gewerkschaft der jährlichen
durchschnittlichen Zunahme der Produktivität in diesem Industriezweig.
In der amerikanischen Stahlindustrie werden gegenwärtig rund
450 000 Arbeitnehmer beschäftigt, die einen durchschnittlichen Stundenlohn (einschließlich der Lohnnebenleistungen) von 4,40 Dollar erhalten. Eine Erhöhung der tariflichen Leistungen um 4 Prozent pro
Jahr würde einer zusätzlichen Kostenbelastung von etwa 52 Cent pro
Stunde während der DreiJahresperiode entsprechen. Die Industrie hat
jedoch bereits öffentlich erklärt, daß sie keinen Tarifvertrag unterschreiben werde, der zusätzliche Leistungen von mehr als 26 Cent
pro Stunde bringt.
Welcher Art die Forderungen sind, die die Stahlarbeitergewerkschaft gestellt hat, läßt sich in etwa aus dem kürzlich mit der American und der Continental Can Company abgeschlossenen Tarifvertrag ablesen. Dieses Abkommen sieht für die Arbeitnehmer der insgesamt 71
Betriebe der beiden Unternehmen Leistungserhöhungen (Löhne und Sozialleistungen) von 45,7 Cent pro Stunde in einem Zeitraum von 40 Monaten
vor. Das entspricht einer jährlichen Zunahme um 3,5 Prozent.
Im einzelnen wurden die Löhne im Durchschnitt um 12 Cent - rückwirkend ab 1. Oktober 1964 - angehoben (das Abkommen wurde erst nach
einem Warnstreik abgeschlossen). Weitere Erhöhungen um 7 bis 11 Cent
werden am 1. Dezember 1966 fällig.
Auch bei den Sozialleistungen konnte die Stahlarbeitergewerkschaft wesentliche Verbesserungen durchsetzen. So wurden die Pensionsleistungen von 2,25 Dollar pro Monat für jedes Dienstjahr auf
5,50 Dollar angehoben, und gleichzeitig wurde eine Pensionsformel im
Tarifvertrag verankert, die eine Pensionierung bereits ab 50. Lebensjahr nach 30 Dienstjähren ermöglicht. Außerdem werden künftig sämtliche Arbeiter der Unternehmen eine zusätzliche Pensionszahlung in
Höhe von 100 Dollar monatlich erhalten, wenn sie bereits vor Erreichen
des 63. Lebensjahres (Normale Pensionierungsgrenze bei vollen Bezügen)
in den Ruhestand treten.
Auch die neben der staatlichen Arbeitslosenversicherung gezahlten
zusätzlichen Ausgleichsbeträge (SUB) wurden erhöht. Arbeitslose Arbeiter der Weißblech- und Behälterindustrie werden künftig 70 Prozent

- 13 -

�70 Prozent (bisher 60%) ihres vorherigen Einkommens als Unterstützung
erhalten. Allen Arbeitnehmern, die innerbetrieblich auf Grund von Rationalisierungsmaßnahmen an einen niedriger eingestuften Arbeitsplatz
umgesetzt werden müssen, wird künftig 95 Prozent ihres bisherigen Jahreseinkommens am neuen Arbeitsplatz garantiert.
Zu den weiteren Verbesserungen gegenüber dem alten Abkommen zählen
höhere Versicherungsleistungen bei Krankenhausaufenthalt, gleichzeitige
Ausdehnung des Versicherungszeitrauras (bis zu 2 Jahren) und Einbeziehung
sämtlicher Familienangehöriger bei Arbeitnehmern mit 10 Dienstjähren.
In bezug auf technologische Umstellungen im Betrieb (Automation)
kamen Gewerkschaft und Unternehmen überein, daß bei einer Zusammenlegung von Arbeitsplätzen die Arbeitnehmer, die in die neuen Positionen
aufrücken, mindestens um eine Gehaltsgruppe, höchstens jedoch um zwei
Gruppen aufgestuft werden.

(Quelle: Eigenbericht)

+++++

Kaiser-Gewinnbeteiligungsplan ein großer Erfolg für die Arbeitnehmer
Auf Grund des vor zwei Jahren zwischen der Stahlarbeitergewerkschaft und der "Kaiser Steel Company" ausgehandelten Gewinnbeteiligungsplanes haben die Arbeitnehmer dieses.Unternehmens bisher 24 monatliche
Gewinnanteile in ununterbrochener Folge erhalten und insgesamt 7,6
Millionen Dollar gutgeschrieben bekommen. Im Durchschnitt erhielten die
anspruchsberechtigten Arbeitnehmer 52 Dollar pro Monat in Form von Bonussen ausgezahlt, was, auf die normalen Tarifleistungen übertragen,
einer zusätzlichen Leistung von 46 Cent pro Arbeitsstunde entspricht.
Von der im 'Februar zur Auszahlung gelangten Summe in Höhe von
251 579 Dollar wurden 92 628 Dollar in bar ausgezahlt (das entspricht
einem Betrag von 13 Cent pro Arbeitsstunde) und 158 951 Dollar (22
Cent pro Arbeitsstunde) in einen Reservefonds übergeführt, aus dem zusätzliche Sozialleistungen bestritten werden sollen.
Während im ersten Jahr nach Unterzeichnung des Gewinnbeteiligungsabkommens monatlich Beträge zwischen 205 000 und 518 000 Dollar zur
Verteilung gelangten und die Barauszahlungen zwischen 199 000 und 482 000
Dollar schwankten, wurden im zweiten Jahr mit 469 000 Dollar die Spitzensumme und mit 206 000 Dollar der Mindestbetrag erreicht. Die Barauszahlungen bewegten sich dabei zwischen 92 000 und 360 000 Dollar, Die
Zahl der anspruchsberechtigten Arbeitnehmer erhöhte sich seit Januar
1963 von 3500 auf 5000.

(Quelle: Eigenbericht)

+ + + + -I- 14 -

�Zusätzliche Sozialleistungen in der US-Industrie
Wie aus einer Repräsentativerhebung des "National Industri.il
Conference Board", einer privaten Forschungsorganisation, hervorgeht, haben heute praktisch sämtliche Industrieunternehmen GruppenLebensversicherungen für ihre Mitarbeiter abgeschlossen. Etwa 80
Prozent von den Unternehmen unterhalten ferner Unfall- und Krankenversicherungen, rund 78 Prozent von ihnen Krankengeldversicherungen,
die in der Regel jedoch nur für die Angestellten abgeschlossen wurden. Die Beiträge zu den Versicherungen werden im allgemeinen von
den Arbeitgebern allein aufgebracht.
Wie aus der Erhebung weiter zu entnehmen ist, gewähren die
Unternehmen ihren Mitarbeitern zum Teil noch folgende Sozialleistungen und Vergünstigungen: 78 Prozent: Pensionen; 44 Prozent: Entlassungsgeld; 33 Prozent: Weihnachtsgeld oder Jahresbonus; 25 Prozent:
Gewinnbeteiligung; 50 Prozent: innerbetriebliche berufliche Fortbildung; 87 Prozent: Kaffeepause.

(Quelle: Eigenbericht)

+ ++++
Pensionäre als Büroaushilfskräfte
Um den erheblichen Mangel an Büroaushilfskräften auszugleichen,
hat jetzt die Arbeitsbehörde der New Yorker Stadtverwaltung ein Arbeitsvermittlungsbüro für solche Pensionäre eingerichtet, die sich
um einen zusätzlichen Verdienst (bis zu 1200 Dollar pro Jahr steuerfrei) bemühen und für Büroarbeiten geeignet sind.
In Zusammenarbeit mit verschiedenen privaten Wirtschaftsverbänden will die Stadtverwaltung ihre Bemühungen vorerst nur auf solche
Rentner beschränken, die bereits Erfahrung in Büroarbeiten besitzen.
Später jedoch will man versuchen, auch branchenfremde Kräfte zu vermitteln, und entsprechende Umschulungsprogramme durchführen. Insgesamt werden gegenwärtig in New York pro Jahr rund 40 000 bis 60 000
Büroaushilfskräfte benötigt.

(Quelle: Eigenbericht)

+ ++++

- 15 -

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
USIS-Bonn/Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XVIII - 6

Bad Godesberg, den 1. Juni 1965

INHALTSVERZEICHNIS
Art, Umfang und Problematik der Doppelbeschäftigung

Seite

Gezielte Maßnahmen zur Vorbereitung auf das
Automationszeitalter

Seite 12

Hilfe für die älteren Menschen

Seite 14

1

Harvey R. Hamel und Forrest A. Bogan, Abt. Bevölkerungs- und arbeitspolitische Forschungen im US-Amt für Arbeitsstatistikt
Art, Umfang und Problematik der Doppelbeschäftigung
Einleitung
Die Doppelbeschäftigung oder das sogenannte "moonlighting" ist
für die Experten für bevölkerungspolitische und Arbeitsfragen aus
zweierlei Gründen von besonderem Interesse. Einmal interessiert sie,
was der Arbeitnehmer von heute mit seiner Freizeit anfängt und wie
er sie ausnutzt, und zum anderen, welche Auswirkungen die Doppelbeschäftigung angesichts einer relativ hohen Zahl von Arbeitslosen auf
den Arbeitsmarkt und das Arbeitsplatzangebot hat. Während einige Interessengruppen, vor allem die Gewerkschaften, sich für eine Verkürzung der normalen Arbeitswoche auf etwa 35 Stunden einsetzen, um mehr
Arbeitsplätze für die Erwerbslosen zur Verfügung zu haben, vertreten
andere die Ansicht, daß durch eine Verkürzung der Arbeitswoche das Arbeitslosenproblem nicht zu beseitigen sei, da die Arbeitnehmer mit einer kürzeren Arbeitszeit bestrebt sein würden, sich einen zweiten
Arbeitsplatz zu verschaffen. Gerade in Anbetracht dieser gegensätzlichen Standpunkte ist es von großer Bedeutung, sich einen Überblick
über den Umfang der Doppelbeschäftigung zu verschaffen und neben anderen Grundfakten vor allem herauszufinden, welche Arbeitnehmergruppen hierbei insbesondere berührt werden. In diesem Artikel sind die
wichtigsten Ergebnisse einer Analyse zusammengefaßt, die im Mai 1964
durchgeführt wurde.
KurzZusammenfassung

- 1 -

�KurzZusammenfassung
Im Mai 1964 hatten insgesamt 3,7 Millionen Personen in den Vereinigten Staaten mehr als einen Arbeitsplatz: das sind 5,2 Prozent
aller Beschäftigten. Von diesen 3,7 Millionen Personen hatten rund
2,1 Millionen in der Erhebungswoche zwei Arbeitsplätze als Lohn- oder
Gehaltsempfänger, während 1,6 Millionen neben einer selbständigen
Tätigkeit einen Beruf ausübten, der ihnen einen festen Lohn oder ein
festes Gehalt einbrachte. Als Beispiel für die erste Gruppe kann der
Postbeamte angesehen werden, der in seiner Freizeit in einem Kaufhaus
arbeitet, oder der Bankkassierer, der an den Wochenenden an der Kasse
eines Supermarktes sitzt, während zur zweiten Gruppe solche Personen
zählen wie die Fabrikarbeiter, die nach der Arbeit noch ihre Farm
bewirtschaften, oder Maurer, die in ihrer Freizeit Arbeiten auf eigene Rechnung durchführen.
Der Trend der letzten Jahre
Die Zahl der Personen mit einer Doppelbeschäftigung ging - gemessen an der Gesamtbeschäftigtenzahl - zwischen Mai 1963 und Mai
1964 von 5,7 auf 5,2 Prozent zurück. Sie näherte sich damit wieder
dem langjährigen Durchschnitt. Wie schon bei früheren Untersuchungen
ließ sich kein klarer Trend hinsichtlich der die Doppelbeschäftigung
beeinflussenden Faktoren erkennen. Wenn man die Entwicklung der vergangenen acht Jahre eingehend analysiert, zeigt sich, daß sowohl die
Zahl der Beschäftigten mit einem zweiten Arbeitsplatz als auch die
Doppelbeschäftigungsrate sich in diesem Zeitraum in relativ engen
Grenzen hielt. Irgendwelche besonderen Beziehungen zu Konjunkturverläufen und jahreszeitlichen Schwankungen in der Beschäftigung ließen
sich nicht ermitteln.
Seit der im Jahre 1956 durchgeführten Erhebung hat sich die Zahl
der Beschäftigten mit zwei oder mehr Arbeitsplätzen ungeachtet der
beiden Rezessionsperioden lediglich zwischen 3 und 4 Millionen bewegt,
während die Doppelbeschäftigungsrate zwischen 4,5 und 5,7 Prozent in
einer Zeit schwankte, in der die Arbeitslosenrate zwischen 4,2 und
7,5 Prozent (jahreszeitlich bedingt) lag.
Charakteristika der Doppelbeschäftigung
Die meisten Zweitarbeitsplätze wurden im Zeitpunkt der Erhebung
(Mai 1964) von Männern ausgefüllt. Während 6,9 Prozent aller tätigen
männlichen Arbeitskräfte einen zweiten Arbeitsplatz hatten, waren es
bei den Frauen lediglich 2,1 Prozent.
Die folgende Übersicht zeigt insbesondere die auffallend große
Zahl von 25 bis 44 Jahre alten Personen mit zwei oder mehr Arbeitsplätzen. Ihr Anteil von 8,3 Prozent liegt um mehr als 50 Prozent über
der Durchschnittsrate. Die Zahl der weißen und die der farbigen Arbeitnehmer halten sich hier .die Waage.
Tabelle 1

�TABELLE 1
PERSONEN MIT ZWEI ODER MEHR ARBEITSPLÄTZEN

Männer

Gru

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Frauen

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Anteil in Prozent
in 1000
an der Gesamtbeschäftigtenzahl
der Gruppe

Zahl
Anteil in Prozent
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der Gruppe

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511

2,1

14-19 Jahre

154

4,7

37

1,8

20-24 Jahre

229

5,3

25-44 Jahre

1700

8,3

53
219

1,8
2,3

45-64 Jahre

1056

6,5
3,6

185
17

2,1
1,7

65 Jahre und älter

76

Die Entscheidung, einen zweiten Arbeitsplatz zu übernehmen, dürfte
hauptsächlich von wirtschaftlichen Gesichtspunkten bestimmt sein. Denn die
verheirateten Männer, die 9/10 aller Personen mit zwei oder mehr Arbeitsplätzen ausmachen, vlesen mit einem Anteil von 7,6 Prozent eine relativ hohe
Doppelbeschäftigungsrate auf. Bei den Junggesellen dagegen belief sich der
Anteil der Doppelbeschäftigten, an der Gruppen Gesamtbeschäftigtenzahl lediglich auf 4,5 Prozent. Bei den Teenagern und den älteren - über 65 Jahre alten - Arbeitskräften war die Doppelbeschäftigung dagegen relativ gering.
Der Einfluß der Arbeitszeit auf die Doppelbeschäftigung
Verleitet eine kurze Arbeitswoche die Arbeitnehmer dazu, einer weiteren Erwerbstätigkeit nachzugehen? Im Mai 1964 betrug die durchschnittliche
wöchtenliche Arbeitszeit von Personen mit zwei oder mehr Arbeitsplätzen an
ihrem Hauptarbeitsplatz 39 Stunden. Sie war damit ebenso lang wie die durchschnittliche Arbeitswoche der nur an einem Arbeitsplatz Tätigen. Auch bei
den Kurzzeitarbeitern (weniger als 35 Wochenstunden) ergibt sich praktisch
das gleiche Verhältnis. Nur bei den in der Landwirtschaft und im Baugewerbe
tätigen Lohn- und Gehaltsempfängern war ein.erheblicher Teil der Doppelbeschäftigten am ersten Arbeitsplatz weniger als eine volle (Normal«)Arbeitswoche tätig.
Eine

�Eine Beziehung zwichen den Doppelbeschäftigungsraten der einzelnen Wirtschaftszweige und dem Anteil der Teilzeitbeschäftigten in
diesen Branchen läßt sich nicht feststellen. Ein großer Prozentsatz
der im Handel Beschäftigten z.B. bestand im Zeitpunkt der Erhebung
aus Teilzeitarbeitern, aber die Doppelbeschäftigungsrate in diesem
Wirtschaftszweig war die niedrigste von allen. Auf der anderen Seite
war der Anteil der Kurzzeitarbeiter in der öffentlichen Verwaltung
und im Transportwesen relativ gering, die Doppelbeschäftigungsrate
hier jedoch hoch.
Wie schon einleitend erwähnt, fordern in den USA verschiedene
Interessengruppen eine Verkürzung der normalen Arbeitswoche (bei Fortzahlung der bisherigen Bezüge), um mehr Arbeitsplätze für die Erwerbslosen zu schaffen. Ein in diesem Zusammenhang immer wieder gehörtes
Gegenargument ist, daß durch eine Verkürzung der Arbeitswoche die Zahl
der "moonlighter's" zunehmen würde. Wie aus den verfügbaren Unterlagen
jedoch hervorgeht, scheint diese Behauptung nicht ganz stichhaltig
zu sein, denn die Doppelbeschäftigungsrate ist bei Personen, die 41
und mehr Wochenstunden tätig sind, sogar etwas höher als bei jenen,
die nur durchschnittlich 35 bis 40 Stunden arbeiten.

TABELLE 2

Wirtschaftszweig

Doppelbeschäftigungsraten unter Berücksichtigung der am ersten Arbeitsplatz
geleisteten wöchentlichen Arbeitszeit
(Stand Mai i960
1-34 Std.

Nichtlandwirtschaftliche
Arbeitnehmer, gesamt

35-40 Std.

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4,8 7.

6,2 X

10,0 X

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6,1 X

6,0 X

4,6 X

5,5 X

10,1 X

5,5 X

6,4 X

Groß- und Einzelhandel

4,1 X

2,9 X

5,0 X

Dienstleistungszweige

5,1 X

4,7 X

5,9 X

10,9 %

8,0 X

17,9 X

Baugewerbe
Fert igungs indus trie
Transportgewerbe

Öffentl. Verwaltung

Es besteht Grund zu der Annahme, daß Arbeitnehmer, die an ihrem
Hauptarbeitsplatz keine volle Arbeitswoche ableisten, sich in der Regel
um einen zweiten Arbeitsplatz bemühen - vor allem, wenn sie verheiratet
sind. Aus dieser Untersuchung ergibt sich, daß die in nichtlandwirtschaftlichen Wirtschaftszweigen in Teilzeitarbeit stehenden Lohn- und Gehaltsempfänger eher geneigt sind, einen zweiten Arbeitsplatz zu übernehmen,
als jene, die 35 bis 40 Wochenstunden tätig sind. So ist zum Beispiel die

- 4 -

�dl« Doppelbeschäftigungsrate unter den Teilzeitarbeitern des Baugewerbes etwa zweimal so hoch wie die für Vollzeitbeschäftigte.
Wie aus der Übersicht weiter zu entnehmen ist, waren rund 70
Prozent aller Doppelbeschäftigten an einem Arbeitsplatz vollbeschäftigt, während sie ihren zweiten Arbeitsplatz als Teilzeitarbeiter ausfüllten (Tabelle 3). Mit Ausnahme einer kleinen Minderheit (7 Prozent, die zwei Arbeitsplätze voll ausfüllten), waren die
übrigen (23-Prozent) an beiden Arbeitsplätzen nur halbtagsbeschäftigt.
Doppelbeschäftigte, die ihren Hauptarbeitsplatz in der Industrie, im Transportgewerbe, in den öffentlichen Versorgungsbetrieben und in der öffentlichen Verwaltung haben, gehen in der Regel
einer Vollbeschäftigung nach. Im Baugewerbe, im Handel und in den
Dienstleistungszweigen (in denen sehr viele Frauen beschäftigt
werden) sind dagegen Vollarbeitsplätze von Doppelbeschäftigten
weniger zahlreich. Die Teilzeitarbeit war am stärksten bei den Lohaund Gehaltsempfängern in der Landwirtschaft ausgeprägt, wo etwa die
Hälfte aller Doppelbeschäftigten zwei Teilzeitarbeitsplätze hatte gegenüber knapp 25 Prozent in den nichtlandwirtschaftlichen Zweigen.
Wie erwartet, war die Gesamtarbeitszeit der Doppelbeschäftigten
länger als die der Arbeitnehmer mit nur einem Arbeitsplatz. Im Erhebungszeitraum waren über 3/4 aller "moonlighters" mehr als.40
Stunden in der Woche tätig (von den Arbeitnehmern mit nur einer Beschäftigung dagegen rand 1/3). Sie machten allerdings nur 12 Prozent
aller Personen aus, die eine wöchentliche Arbeitszeit von 41 und
mehr Stunden aufwiesen. Die durchschnittliche Zahl der geleisteten
wöchentlichen Arbeitsstunden betrug bei den Doppelbeschäftigten 53.
Die selbständigen Farmer unter ihnen brachten es dagegen im Durchschnitt auf 60 Wochenstunden. Die Spanne der wöchentlichen Arbeitszeit der Doppelbeschäftigten mit einer nichtlandwirtschaftlichen
Haupttätigkeit lag zwischen 47 Stunden (Bauhandwerk) und 56 Stunden
(Angestellte der öffentlichen Verwaltung).
An ihrem zweiten Arbeitsplatz arbeiteten die Männer im Durchschnitt pro Woche 13, die Frauen dagegen nur acht Stunden.
Doppelbeschäftigung und Wirtschaftszweig
Selbständige Farmer und Landarbeiter wiesen auch weiterhin
höhere Doppelbeschäftigungsraten auf als die Arbeitnehmer in den
meisten nichtlandwirtschaftlichen Zweigen der amerikanischen Wirtschaft (Tabelle 4). Die Zahl der Doppelbeschäftigten mit landwirtschaftlichem Hauptberuf entsprach.bei dieser letzten Erhebung der
in den beiden, vorhergehenden Untersuchungen festgestellten. Während jedoch die Gesamtbeschäftigung in der Landwirtschaft zwischen
Mai 1962 und Mai 1964 zurückging, stieg die.Doppelbeschäftigungsrate von 6,7 auf 8,1 Prozent an. Der Anteil der Doppelbeschäftigten
mit mindestens einem Arbeitsplätzen der Landwirtschaft (mehr als
25 Prozent) ist in den vergangenen Jahren.relativ stabil geblieben,
obwohl die Landwirtschaft heute nur noch einen Anteil an der Gesaratbeschäftigtenziffer von 7 Prozent aufweist. Da die Arbeit in der
Landwirtschaft verhältnismäßig fletibel gestaltet werden kann, ist es
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�TABELLE 4
PERSONEN MIT ZWEI UND MEHR ARBEITSPLÄTZEN, NACH
WIRTSCHAFTSZWEIG UND BERUFSGRUPPE, 1957-64

Anteil an der Gesamtbeschäftigtenzahl des
Wirtschaftszweiges des 1. Arbeitsplatzes
(in Prozent)

Wirtschaftszweig
und
Berufsgruppe

Mai 1964 Mai 1962 Dezember 1960 Juli 1958

Juli 1957

Gesamtwirtschaft

5,2

4,9

4,6

4,8

5,3

Landwirtschaft

8,1

6,7

6,7

9,3

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Lohn- und Gehaltsempfänger

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Groß- U.Einzelhandel
Dienstleistungszweige, Finanz
Öffentl.Verwaltung

- 7-

3,9
4,6

�es auch einer großen Zahl von Farmern möglich, einer Arbeit in
einem anderen Wirtschaftszweig nachzugehen. Die meisten der rund
1 Million Doppelbeschäftigten mit einem Arbeitsplatz in der Landwirtschaft waren Farmer im Nebenberuf. Für viele dieser Arbeitskräfte ist die Landwirtschaft früher zweifellos die Haupterwerbsquelle gewesen. Auf Grund ihrer geringen Einkünfte aus ihren Randbetrieben hatte sich jedoch auch bei ihnen der Wunsch, einen weiteren Arbeitsplatz zu übernehmen, immer mehr verstärkt. Hinzu kam,
daß mit dem Vordringen der Industrie in die Agrargebiete. sich
zwangsläufig zahlreiche neue Beschäftigungsmöglichkeiten für die
Farmer ergaben.
Diejenigen Arbeitnehmer, die man allgemein als die eigentlichen
'•moonlighters" bezeichnet - Personen mit zwei oder mehreren nichtlandwirtschaftlichen Arbeitsplätzen -, machen mit 1,9 Millionen rund
die Hälfte aller Doppelbeschäftigten aus. Zu den Berufsgruppen mit
einem hohen Hundertsatz an Doppelbeschäftigten zählen die öffentlichen Verwaltungs- und Behördenangestellten. Besonders stark ausgeprägt ist die Doppeltätigkeit bei den Festangestellten (14 Prozent).
Die hohen Raten bei Postangestellten, Feuerwehrleuten, Polizisten
und anderen Behördenangestellten resultieren- vielleicht daraas, daß
diese Personenkreise Arbeitszeiten und Dienstpläne haben, durch die
ihnen die Ausübung einer weiteren Tätigkeit erleichtert wird. Auch
auf Grund ihrer Schulbildung, ihrer speziellen beruflichen Kenntnisse und Erfahrungen ist es vielen aus diesen Berufsgruppen leichter möglich, einen zweiten Arbeitsplatz zu übernehmen, als Angehörigen anderer Arbeitnehmergruppen.
Zu den anderen Arbeitnehmern, die auf Grund ihrer Haupttätigkeit für eine Doppelbeschäftigung prädestiniert erscheinen, gehören
die Lehrer sowie die in der Fischerei, im Forstwesen, im Bergbau,
im Bauhandwerk, im Transportgewerbe, in der Unterhaitungsr und Freizeitindustrie und in den öffentlichen Versorgungsbetrieben Tätigen.
Diese Wirtschaftszweige umschließen sowohl Arbeitnehmer mit. umfassenden als auch mit geringen beruflichen Kenntnissen sowie solche mit
hohem als auch mit niedrigem Einkommen. Obwohl der Wunsch nach einem
höheren Einkommen der Hauptgrund für die Übernahme eines zweiten
Arbeitsplatzes ist, so hängt doch das Ausmaß der Doppelbeschäftigung
auch von den besonderen Verhältnissen und Gegebenheiten in den einzelnen Wirtschaftszweigen ab. Die höhe Rate in den Lehrberufen zum
Beispiel resultiert zweifellos.einerseits aus der Fähigkeit der Lehrer, ihre speziellen Kenntnisse auch in anderen Berufen nutzbringend
einzusetzen, zum anderen aber aus dem Wunsch, einen ihrem sozialen
Status entsprechenden Lebensstandard zu erreichen. Ein weiterer Faktor ist die relativ geringe Zahl der wöchentlichen Unterrichtsstunden.
Die meisten Doppelbeschäftigten arbeiteten jeweils in zwei verschiedenen Wirtschaftszweigen. Von den 25 Prozent der Doppelverdiener
zum Beispiel, die ihren ersten Arbeitsplatz in einem Fertigungsbetrieb
hatten, arbeiteten nur 6 Prozent wiederum in einer Fabrik. Das große
Angebot an Teilzeitarbeitsplätzen im Einzelhandel ist zweifellos mitverantwortlich dafür, daß in diesem Wirtschaftszweig der Anteil der
Zweitarbeitsplätze größer ist als der der Erstarbeitsplätze.
Über

8 -

�Über die Hälfte (52 Prozent) aller Zweitarbeitsplätze stellten
im Mai 1964 der Handel und die Dienstleistungszweige; 40 Prozent
schlössen eine unselbständige und 12 Prozent eine selbständige Tätigkeit ein.
Ein wesentlich größerer Teil aller Doppelbeschäftigten als am
ersten Arbeitsplatz war am zweiten Arbeitsplatz selbständig - 32 Prozent gegenüber 11 Prozent.
Während die überwiegende Mehrheit der Doppelbeschäftigten (2,1
Mio.) Lohn- oder Gehaltsempfänger an beiden Arbeitsplätzen war, hatten
1,6 Millionen jeweils ein selbständiges und ein unselbständiges Beschäftigungsverhältnis. Rund die Hälfte der letzten Gruppe war Farmer.
Berufsgruppen und Doppelbeschäftigung
Wie schon die vorhergehenden Untersuchungen, zeigt auch die Erhebung vom Mai 1964, daß die Farmer und die in den Fachberufen Tätigen
die größten Doppelbeschäftigungsraten aufweisen, nämlich 10 bzw.. 7
Prozent. Beide Gruppen zusammen haben einen Anteil an der Gesamtzahl
der Doppelbeschäftigten von 25 Prozent und an der Gesamtzahl der Arbeitnehmer mit nur einem Arbeitsplatz von über 15 Prozent.
Die männlichen Arbeitskräfte weisen auch weiterhin höhere Doppelbeschäftigungsraten auf als die Frauen. In einigen Berufsgruppen sind
die Unterschiede relativ stark ausgeprägt. Bei den Volks- und Ober
schullehrern zum Beispiel wiesen die Männer, eine Doppelbeschäftigungsrate von 16,5 Prozent auf, das ist im Vergleich zu den weiblichen
Lehrkräften mit zwei Tätigkeiten eine rund fünfmal so große Rate.
Die meisten Erwerbspersonen, die zwei Beschäftigungen nachgingen,
arbeiteten an ihrem Zweitarbeitsplatz nicht, im gleichen Beruf. Mit 80
Prozent war der Prozentsatz der in zwei verschiedenen Berufen Tätigen
beim Verkaufspersonal und bei den Mechanikern am größten; am niedrigsten (50 Prozent) war er bei den Fach- und technischen Berufen (Tabelle
5). Etwa 75 Prozent aller Betriebsleiter und Unternehmensinhaber, der
Handwerker und des Dienstleistungspersonals (ohne die im Haushalt Beschäftigten) sowie dar landwirtschaftlichen und nichtlandwirtschaft
liehen Hilfsarbeiter arbeiteten an ihrem zweiten Arbeitsplatz nicht im
gleichen Beruf. Die selbständigen Farmer wurden nur dann zu den Doppelbeschäftigten gezählt, wenn sie an.ihrem zweiten Arbeitsplatz Lohnoder Gehalt erhielten. Ein Viertel aller Farmer zum Beispiel waren an
ihrem zweiten Arbeitsplatz als Landarbeiter und etwa, ein gleicher Prozentsatz als "Operatives" tätig. In fast allen anderen Berufsgruppen
waren mindestens 10 Prozent aller.Personen mit mehr als. einem Arbeitsplatz Farmer in ihrer Zweittätigkeit, wobei der Anteil bei den,Handwerkern und Mechanikern sogar 27 Prozent ausmachte (21 Prozent bei den
Landarbeitern). Von den Angehörigen der Fach- und technischen Berufe
waren nur relativ wenige Personen am zweiten Arbeitsplatz als ."Arbeiter"
(blue-collar worker) oder Arbeitnehmer eines Dienstleistungszweiges
tätig, während andererseits rund 40 Prozent der Doppelbeschäftigten des
Verkaufs- und Büropersonals solche Arbeitsplätze .innehatten. Demgegenüber wurdenrausgeprochene "White-collar"=Nebenberufe von fast .25 Pro~
zent der Handwerker, Mechaniker und Dienstleistungsarbeiter ausgefüllt.
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Tabelle 5

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�Di«, folgende Übersicht zeigt, wie hoch der Anteil der Doppelbeschäftigten in den einzelnen Berufsgruppen war, die als Zweitarbeit eine selbständige Tätigkeit ausführten.

Selbständig am 2. Arbeitsplatz

Berufsgruppe
Alle Berufsgruppen

31,5 Prozent

Farmer und Verwalter

98,7

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Manager, Geschäftsinhaber (ohne Farm)

57,9

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Facharbeiter, Vorarbeiter u.a.

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Fach- und techn. Berufe

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6,0

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Sämtliche anderen Berufsgruppen

Wie erklärt es sich nun, daß 3,7 Millionen Arbeitnehmer einen zweiten Arbeitsplatz ausfüllten, während gleichzeitig 2,9 Millionen Personen mit Arbeitserfahrung im Erhebungszeitraum ohne Arbeit waren? Verschiedene Faktoren erklären diese augenscheinliche Anomalie. Rund 1/3
aller Zweitarbeitsplätze werden nämlich von Selbständigen ausgefüllt,
die diese Arbeitsplätze aus wirtschaftlichen Gründen selbst geschaffen
haben. Nur relativ wenige Arbeitslose besitzen aber die erforderlichen
beruflichen Fähigkeiten, die Berufserfahrungen und auch die Neigung,
solche Tätigkeiten zu übernehmen, ganz zu schweigen von den finanziellen Mitteln, die vielfach vorausgesetzt werden. Ebenso zeigt ein Vergleich der Berufe der berufserfahrenen Erwerbslosen mit den Zweitarbeitsplätzen der Doppelbeschäftigten, daß in einigen Berufsgruppen die Zahl
der Arbeitslosen die Zahl der Lohn- und Gehaltsempfänger, die "moonlighters" in diesen Tätigkeitsbereichen waren, weit übersteigt. Außerdem
suchen die Erwerbslosen in erster Linie einen Vollzeitarbeitsplatz, während die eine Zweittätigkeit Suchenden eine Teilarbeit anstreben, wie
auch die Tatsache zeigt, daß sie im Durchschnitt nur 13 Stunden pro
Woche an ihrem zweiten Arbeitsplatz tätig sind.
Außerdem sollte in diesem Zusammenhang beachtet werden, daß die Erwerbslosigkeitsraten bei den Männern in jenen Altersgruppen am niedrigsten sind, in denen die Doppelbeschäftigungsraten am höchsten liegen.
In der Männer-Altersgruppe 35 bis 44 Jahre zum Beispiel ist die Doppelbeschäftigungsrate die höchste (8,4%) und die Erwerbslosigkeitsrate (2,4%)
gleichzeitig die niedrigste von.allen. Auf der anderen Seite liegen die
Erwerbslosigkeitsraten bei den Jugendlichen und den älteren Personen weit
über dem Durchschnitt, während die Doppelbeschäftigungsraten hier die niedrigsten sind.
Diese Untersuchung zeigt, daß durch die Doppelbeschäftigung den Erwerbslosen im allgemeinen keine Beschäftigungsmöglichkeiten vorenthalten
werden, denn nur relativ wenige Arbeitslose würden oder könnten die Zweitarbeitsplätze übernehmen, die von den Personen mit zwei Arbeitsplätzen
ausgefüllt werden.
(Quelle: "Monthly Labor Review",
Vol. 88, Nr. 3, März 1965)

+ ++++
- 11 -

�Gezielte Maßnahmen zur Vorbereitung auf das Automationszeltalter
Obwohl die Vereinigten Staaten gegenwärtig ihre längste Prosperitätsperiode in Friedenszeiten erleben, sehen sie sich in Anbetracht
der stark ansteigenden Bevölkerungsziffer und der verstärkten Auswirkungen der Automation auf das Arbeitspotential nicht unerheblichen
Anpassungsproblemen gegenüber - Problemen, die in den nächsten Jahren
wichtige wirtschafts- und arbeitspolitische Entscheidungen erfordern
werden.
Die sich auf dem Beschäftigungssektor abzeichnenden Zukunftsprobleme sind von zweierlei Art. Einmal gilt es, bis 1970 jährlich rund
1,5 Millionen neue Arbeitsplätze zu schaffen, und zum anderen müssen
die weniger qualifizierten Arbeitskräfte wissensmäßig und beruflich
so gefördert und weitergebildet werden, daß sie sich im Zeitalter einer wissenschaftlichen und technischen Revolution in ihrem Beruf behaupten können.
In den vergangenen 51 Monaten der wirtschaftlichen Expansion konnten insgesamt 6,6 Millionen Amerikaner in neue Arbeitsplätze vermittelt werden. Gegenwärtig stehen rund 72 Millionen Personen in Arbeit.
Die stärkste Beschäftigungszunahme wurde 1964 verzeichnet, als 1,5
Millionen neue Arbeitsplätze geschaffen wurden.
Im vergangenen Monat belief sich die Erwerbslosenrate (gemessen
an der Zahl der Beschäftigten) nur noch auf 4,6 Prozent; das ist der
niedrigste Stand seit Oktober 1957. Die Zahl der Arbeitslosen beläuft
sich gegenwärtig zwar nur auf 3,3 Millionen, aber mit Beginn der Universitäts- und Schulferien im Juni ist für die Sommermonate mit einer
leichten Zunahme zu rechnen.
Während aber die Gesamtbeschäftigtenzahl in den vergangenen Jahren ständig angestiegen ist, hat sich der Bedarf an ungelernten Arbeitern von Jahr zu Jahr verringert. Und in dem Maße, wie die Maschinen
die Muskelkraft weiter verdrängen, werden sich auch die bildungsmäßigen Anforderungen erhöhen, die an die Arbeitnehmer gestellt werden.
Entscheidend für die künftige wirtschaftliche Gesamtentwicklung wird
dabei sein, ob die bildungsmäßige Anpassung an die neuen Gegebenheiten
am Arbeitsmarkt reibungslos und glatt vollzogen werden kann.
Denn es kommt nicht nur darauf an, daß die zum Arbeitsmarkt drängenden Jugendlichen alle bildungsmäßigen Voraussetzungen für eine erfolgreiche berufliche Laufbahn mitbringen, sondern auch,, daß die Farbigen in der Lage sind, die ihnen jetzt gebotenen Berufschancen zu
nutzen, und daß die älteren, aus ihren angestammten Berufen herausgerissenen Menschen wieder auf produktive Aufgaben in der Wirtschaft
vorbereitet und in den Arbeitsprozeß eingegliedert werden.
Wie weit die technische Revolution in der
bereits vorgeschritten ist, zeigt allein schon
schen 1950 und 1960 die Zahl der Ingenieure um
hat und damit viermal so stark angestiegen ist
tenzahl.

amerikanischen Wirtschaft
die Tatsache, daß zwi64 Prozent zugenommen
wie die Gesamtbeschäftig-

Auch die Beschäftigungsstruktur hat sich in den vergangenen 18 Jahren beträchtlich verändert. Während zwischen 1947 und 1964 der Anteil
der "Arbeiter", der "blue-collar workers", an der Gesamtbeschäftigten-

- 12 -

�Gesamtbeschäftigtenzahl von 41 auf 36 Prozent zurückging, erhöhte sich
der Anteil der Angestellten, der "white-collar workers", von 35 auf
44 Prozent. In der Landwirtschaft ist sogar ein Rückgang der Zahl
der Arbeitskräfte in knapp einer Generation um 60 Prozent - von 14
auf 6 Prozent des Gesamtarbeitspotentials - eingetreten.
Ein ebenso bedeutsamer Trend, der sich in den Nachkriegs jähren
immer stärker ausprägte, drückt sich in dem steigenden Arbeitskräftebedarf der öffentlichen Verwaltungen aller Ebenen aus. Jeder dritte
seit 1947 neu entstandene Arbeitsplatz auf dem nichtlandwirtschaftlichen Sektor entfällt auf die Behörden des Bundes, der Einzelstaaten
oder Gemeinden. Im Jahre 1962 wurden insgesamt 9,2 Millionen Personen
in der öffentlichen Verwaltung beschäftigt, davon 6,7 Millionen in den
einzelstaatlichen und kommunalen Behörden.
Der Bedarf an Arbeitskräften allein auf diesen beiden Verwaltungsebenen wird sich nach zuverlässigen Schätzungen bis 1975 um 50 Prozent
erhöhen. Auslösende Faktoren sind hier der zu erwartende Anstieg der
Bevölkerungszahl von gegenwärtig 192 Millionen auf 230 Millionen (1975)
und 250 Mi lionen (1980) sowie die steigenden Anforderungen auf den
Gebieten der Gesundheitsfürsorge und der Medizin, des Erziehungswesens
und der Sozialfürsorge. Damit wird ein erheblicher Mehrbedarf an Ärzten, Wissenschaftlern aller Art, Ingeni«"J^in,, Lehrern und Professoren
sowie an Sozialwissenschaftlern und Juristen verbunden sein.
Die US-Regierung ist schon seit einigen Jahren intensiv bemüht,
durch umfassende, staatlich geförderte Programme auf dem Gebiet der
Erziehung und der Berufsausbildung diesen künftigen Problemen Rechnung
zu tragen. In Zusammenarbeit mit den Schulverwaltungen der Einzelstaaten und Gemeinden strebt sie dabei nicht nur eine intensivere, berufsnahe Ausbildung in den Oberschulen an, sondern auch eine berufliche
Fortbildung von Schulentlassenen und bereits im Beruf stehenden Personen, damit diese in höhere Positionen aufrücken oder neue Arbeitsplätze
übernehmen können. Im Jahre 1963 nahmen insgesamt 4,2 Millionen Amerikaner an solchen berufsfördernden Kursen teil.
Auch die Lehrlingsausbildungsprogramme (finanzielle Beihilfen für
den Lehrbetrieb) und die Umschulungsprogramme für ältere - aus ihren
Arbeitsplätzen verdrängte - Arbeitnehmer werden von der Bundesregierung
intensiv gefördert. Bisher konnten über 50 000 ältere Personen, darunter
40 000 Arbeitsplatzverdrängte in Notstandsgebieten (Gewährung von Unterhaltsbeihilfen während der Umschulung), auf neue Berufe umgeschult werden.
Weitere Schwerpunktmaßnahmen zur Beseitigung der Arbeitslosigkeit
und Verbesserung der allgemeinen Berufschancen sind: das Strukturprogramm für das Appalachengebiet, wo zwischen 1950 und 1960 insgesamt
641 000 Bergleute und Landarbeiter ihre Arbeitsplätze verloren; die
Schaffung eines Jugendaufbaukorps und eines Nationalen Hilfskorps Einrichtungen, die die Jugendlichen bzw. älteren Arbeitnehmer bei Ausübung einer praktischen Tätigkeit auf einen Beruf vorbereiten sollen sowie die im vergangenen Jahr vom Kongreß verabschiedeten Gesetze über
die finanzielle Unterstützung durch den Bund bei der Errichtung neuer
Bildungseinrichtungen aller Ebenen.
Alle

- 13 -

�Alle diese gezielten Programme und Maßnahmen dürften zweifellos
wesentlich dazu beitragen, daß die sich auf dem Beschäftigungssektor
abzeichnenden Zukunftsprobleme mit Erfolg gemeistert werden und der
amerikanischen Wirtschaft damit ein kontinuierliches Wachstum gesichert
wird.
(Quelle: Eigenbericht)

+ ++++
Hilfe für die älteren Menschen
Man kann sich als Europäer nur schwer vorstellen, daß ein 95jähriger Amerikaner - und es gibt nicht wenige davon - Zeuge einer Epoche
ist, die mehr als die Hälfte der amerikanischen Geschichte umfaßt. Die
Vereinigten Staaten sind eben noch ein relativ junges Land, und diese
Tatsache mag vielleicht auch die Vitalität auf vielen Gebieten des
amerikanischen Lebens erklären, ganz zu schweigen von den harten geistigen Auseinandersetzungen; und sie erklärt vielleicht auch, warum
die speziellen Probleme der älteren Menschen erst in jüngster Zeit
mehr und mehr in den Mittelpunkt des allgemeinen Interesses gerückt
sind und auch die Regierung sich in zunehmendem Maße - ausgelöst durch
die öffentliche Diskussion - mit den sozialen und wirtschaftlichen Problemen der älteren Bürger auseinandersetzt.
Der unmittelbare Anlaß hierfür ist darin zu sehen, daß sich die
Zahl der älteren Menschen - also der 65jährigen und älteren - sowohl
absolut als auch im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung in den letzten
Jahren ganz wesentlich erhöht hat: Gegenwärtig fällt fast 1/10 der Gesamtbevölkerung - das sind mehr als 18 Millionen Menschen -.in diese
Altersgruppe, und im Jahre 1980 werden es - bei einem noch höheren Anteil - sogar mehr als .23 Millionen sein.
Selbstverständlich gibt es auch in den USA schon seit längerem
zahlreiche Regierungsprogramme zur Unterstützung der älteren Menschen das Sozialversicherungsgesetz und die Sozialhilfepro,.ramme sind Beispiele
hierfür -, wenngleich eine gezielte Sozialpolitik in dieser Hinsicht erst
seit 1962 von der Regierung verfolgt wird. Damals begann die. US-Regierung damit, insgesamt 45 Einzel Programme zu.koordinieren und zusammenzufassen, und rief einen Präsidialausschuß für Altersfragen ins Leben,
der sich aus den Leitern von insgesamt acht Ministerien und Regierungsbehörden zusammensetzt.
In Erinnerung an dieses Ereignis und in Würdigung der verstärkten
Bemühungen um das Wohl der älteren Menschen hat Präsident Johnson den
Mai zum '•Monat der älteren Bürger11 erklärt und die Sozialarbeit auf diesem Sektor in diesem Jahr unter das Motto "Kommunale Hilfsaktionen für
die älteren Menschen" gestellt.
Gleichzeitig konnte der Präsidialausschuß in seinem letzten Jahresbericht auf zahlreiche Erfolge hinweisen, die 1964 in der Altershilfe
erzielt werden konnten. So wurden im vergangenen Jahr unter anderen 11

- 14 -

�11 verschiedene Gesetze vom Kongreß verabschiedet, die sich auch
mit der Verbesserung der wirtschaftlichen und sozialen Lage der älteren Menschen befassen, und über 19 Mrd. Dollar (die Aufwendungen der
Einzelstaaten und Gemeinden nicht gerechnet) für die verschiedensten
sozialen Zwecke allein vom Bund ausgegeben.. Als wichtigster Punkt für
dieses Jahr steht das Krankenversicherungsprogramm für ältere Menschen
zur Verabschiedung Im Kongreß an, das als ein wesentlicher Schritt zur
Verbesserung Ihrer Lage angesehen wird.
Der Krankheitsfall ist für die älteren Menschen in den Vereinigten Staaten insofern problematisch, als es dort keine staatliche Krankenversicherung nach europäischen Vorbildern gibt, sondern jeder Arbeitnehmer sich gegen Wechselfälle nach eigenem Ermessen privat versichern
muß. Hinzu kommt noch, daß zahlreiche über 65 Jahre alte
Menschen nur eine geringe Rente erhalten, da die Altersversicherung
in den USA erst im Jahre 1935 eingeführt wurde.
Nach dem letzten Stand beziehen mehr als 13,4 Millionen Personen
im Alter von 65 Jahren und darüber eine Rente aus der staatlichen Sozialversicherung. Die jährlichen Rentenleistungen betragen dabei 11,5
Mrd. Dollar. Hinzu kommen noch Renten in Höhe von 1,3 Mrd. Dollar, die
an Anspruchsberechtigte ausgezahlt werden., die sich vorzeitig - im Alter von 62-64 Jahren - pensionieren ließen.

(Quelle: Eigenbericht)

+ ++++

- 15 -

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
USIS-Bonn Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XVIII - 7/8

Bad Godesberg, den 1. Juli 1955

INHALTSVERZEICHNIS

Eine Einkommenskala der USA unter Berücksichtigung
von 321 Berufen

Seite

1

Bemerkenswerte Entwicklungen auf dem US-Arbeitsmarkt

Seite

9

US-Industrie bietet Führungspositionen für Farbige

Seite 10

Chrysler startete bemerkenswertes Uraschulungsprogramm
600 000 US-Regierungsangestellte sind Gewerkschaftsmitglieder

Seite 11
Seite 12

Eine Einkommenskala der US^ unter Berücksichtigung von 321 Berufen
Die durchschnittlichen Jahreseinkommen männlicher Arbeitnehmer in
insgesamt 321 für diese Erhebung speziell ausgewählten Berufen bewegten sich im Jahre 19591) zwischen 14 561 (Arzte) und 550 Dollar (Zeitungsjungen). Klammert man die oberen und die unteren 10 Prozent der
Einkommenskala (je 31 Berufe) aus, so ergeben sich Jahresverdienste
für die restlichen Berufsgruppen zwischen 7780 und 2857 Dollar.
Erwartungsgemäß liegen Berufe, die Universitätsbildung oder eine
ähnliche Fachausbildung voraussetzen, an der Spitze der Einkommenskala
(26 der ersten 32 gehören zu den sogenannten "professions"). Einige
akademische Berufe dagegen rangieren in dieser Einkommenskala ziemlich
weit unten. Ein Grund dafür mag darin zu suchen sein, daß es sich bei
diesen Berufen vielfach um solche handelt, in denen mehr Frauen tätig
sind (Lehrer, Bibliothekar usw.).
Di
Die in dieser Untersuchung verwendeten Angaben wurden aus den Unterlagen der 1960 durchgeführten Volkszählung gewonnen. Durch Hinzurechnung von etwa 10 Prozent erhält man in etwa die derzeitigen Verdienste in den einzelnen Berufsgruppen.

- 1-

�Die zahlreichen Faktoren, die die Einkommen der einzelnen
Berufssparten bestimmen, begünstigen die Bildung einer Einkommensstruktur, die relativ "geschlossen" ist. In den Einkommensunterschieden zwischen den einzelnen Berufen spiegeln sich Tausende unabhängiger Lohn- und Gehaltsentscheidungen von Arbeitgebern und
Arbeitnehmern wider, und ebenso kommen in ihnen zahlreiche andere
Formen des Leistungsentgelte - so etwa die Honorare der Ärzte zum Ausdruck. In außergewöhnlichen Perioden, wie etwa in. Eriegszeiten, können bedeutende Veränderungen und Umschichtungen in den
Beziehungen der Berufsgruppen zueinander eintreten, und für einige
Berufsgruppen, insbesondere für Ingenieure und Wissenschaftler, hat
die erhebliche Ausweitung der Elektronik« und Raumfahrtindustrie
ganz wesentliche Auswirkungen auf ihre Einkommensposition gehabt.
Methodik der Untersuchung
Aus den über 500 Berufen, von denen Einkommensunterlagen zur
Verfügung standen, wurde eine Liste von insgesamt 321 Berufen zusammengestellt. Die nicht berücksichtigten Berufe gehören hauptsächlich
zu denjenigen der einzelnen Wirtschaftszweige, die kein oder nur ein
ganz geringes Fachwissen erfordern. Die Einstufung der einzelnen Berufe in der Einkommenskala - von den niedrigsten bis zu den höchsten
Einkommen - erfolgte unter Berücksichtigung des Hittelwerts. Die Bezeichnung der Berufe entspricht den allgemein üblichen Definitionen.
Der in der Einkommenskala aufgeführte "Einkommensindex" basiert auf
dem Durchschnittseinkommen (3052 Dollar = 100) zahlreicher Gruppen
von "Arbeitern".
Die Einkommensunterschiede
Wie aus der Einkommensübersicht auf den Seiten 5 bis 8 hervorgeht, weisen die akademischen und die Manager-Berufe die höchsten und
die ungelernten Arbeiter die geringsten Einkommen auf. An der Spitze
der Einkommenskala stehen die Ärzte (14 561 Dollar), das Schlußlicht
bilden die Zeitungsjungen mit einem Jahreseinkommen von 550 Dollar.
In der Mitte, in der sich die meisten Berufe konzentrieren, gibt es
zahlreiche Überschneidungen. Legt man die Zahl der Schul- und Ausbildungsjahre zugrunde, so zeigt sich, daß mit der Länge der Ausbildungszeit auch die Einkommen ansteigen. Dennoch gibt es hier einige bemerkenswerte Ausnahmen. Eine der Ursachen dafür, daß die Einkommen der
männlichen Akademiker in einigen Berufen relativ niedrig erscheinen,
dürfte mit darin liegen, daß in diesen Berufen ein sehr hoher Prozentsatz Frauen tätig ist, die vielfach geringere Gehälter beziehen als
die Männer. Ein anderer Grund scheint zu sein, daß in einer Berufsgruppe ein erheblicher Teil der Arbeitnehmer eine jährliche Beschäftigungsdauer von weniger als 50 Wochen aufweist. Auch bei einigen Handwerkerberufen fallen die relativ niedrigen Jahreseinkommen - trotz
hoher Stundenlöhne - auf, die darauf zurückgeführt werden könnten, daß
es sich hier in den meisten Fällen um ausgesprochene Saisontätigkeiten
handelt. Wenn auch die ersten 10 Berufe der Einkommenskala, mit einer
einzigen Ausnahme, der traditionellen Berufshierarchie entsprechen,
so sind doch die nächsten 10 Ränge typisch für unsere Zeit: 5 davon
sind technische und 2 sind wissenschaftliche Berufe.
Die

- 2 -

�Die akademischen Berufe
Die meisten akademischen Berufe stehen in der Einkommenskala mit
an der Spitze. Von den 32 bestbezahlten Berufen gehören 26 zu dieser
Kategorie. Anderseits gibt es auch zahlreiche akademische Berufe, die
eine ähnliche Ausbildung voraussetzen wie die besser bezahlten, die
aber verhältnismäßig niedrigere mittlere Einkommen aufweisen. Zu diesen Berufen zählen vor allem die kirchlich-geistlichen Berufe, die Lehrer und Bibliothekare - Gruppen, in denen (mit Ausnahme von Geistlichen)
der Anteil der weiblichen Berufstätigen ziemlich groß ist. Bei einigen
dieser Berufe war außerdem der Anteil derjenigen Arbeitnehmer verhältnismäßig hoch, die weniger als 50 Wochen pro Jahr beschäftigt waren.
Zu den besser bezahlten Berufen gehören auch die Gruppen der
Manager, der wirtschaftlichen Führungs- und Spitzenkräfte. Drei dieser
Gruppen - Selbständige im Bankgewerbe, Selbständige in der Versicherungswirtschaft und im Maklergewerbe sowie Angestellte der Industrie - sind
auf den 10 höchsten Rängen der Einkommenskala zu finden. Spitzenkräfte
in Führungspositionen des Einzelhandels dagegen rangieren erst in der
unteren Hälfte der Skala. Der Bildungsweg der Berufstätigen in der Gruppe
der wirtschaftlichen Führungskräfte ist erheblich kürzer als der der
Akademiker in vergleichbaren Einkommenskategorien.
Verkaufs- und Büropersonal
Die Jahreseinkommen der in dieser Kategorie aufgeführten Arbeitnehmer gehen weit auseinander. Die Aktien- und Wertpapierverkaufer und
das Verkaufspersonal industrieller Unternehmen führen hier die Einkommensliste an. Die schulische Ausbildung und der Bildungsweg der Industrievertreter ist erheblich länger, ihr Bildungsniveau höher als das
des Verkaufspersonals im Einzelhandel.
Die meisten Berufe der Gruppe "Büroangestellte" sind in der unteren
Hälfte der Einkommenskala anzutreffen. Von den insgesamt 32 verschiedenen Berufen lag nur einer einkommensmäßig (Schadensregler bei Versicherungen) in der oberen Hälfte der Einkommenskala. Das Bildungsniveau dieser Versicherungsangestellten ist höher als das der anderen Bürokräfte.
Der Einkommensindex (Basis • Mittelwert der Einkommen zahlreicher
Arbeitergruppen) für die restlichen 31 Berufe der Büroangestellten bewegt sich zwischen 195 und 36.
Handwerkliche und Fachberufe
Der Einkommensindex dieser Gruppe von Arbeitnehmern weist sehr
große Ausschläge auf - von 249 (Lokomotivführer) bis 92 (Schuhmacher).
Die Indexziffern lassen erkennen, daß die häufig zitierten hohen Stundenlöhne der Handwerker keinen geeigneten Maßstab für die Jahreseinkommen darstellen. Im Jahre 1959 hatten sowohl die Maurer, Gipser und Betonmischer als auch die Möbeltischler, Automechaniker und Radio- und
Fernsehmechaniker einen Einkommensindex, der unter 160 Funkten lag, was
einem mittleren Einkommen von weniger als 4900 Dollar im Jahr entspricht.
Diese Diskrepanz zwischen den hohen Stundenlöhnen und den niedrigen Jahreseinkommen ist darauf zurückzuführen, daß ein großer Teil dieser Facharbeiter in ausgesprochenen Saisonberufen tätig ist.
Die

- 3 -

�Die höchsten Jahreseinkommen in diesen Berufsgruppen weisen die
Lokomotivführer, Meister, Photograveure, Lithographen und die Formund Werkzeugmacher auf. Meister mit größeren Weisungsbefugnissen
nähern sich mit ihrem Jahreseinkommen vielfach dem unteren Ende der
Gruppe der industriellen Führungskräfte.
Da die meisten Arbeitnehmer in diesen Berufen lediglich eine
rein handwerkliche Ausbildung benötigen, stehen Schulbildung und Einkommen in keiner so direkten Beziehung wie bei den anderen Berufsgruppen.
Angelernte Arbeiter und Hilfskräfte
Von den 41 aufgeführten Berufen dieser Gruppe sind 35 in der
unteren Hälfte der Einkommenskala anzutreffen. Der Einkommensindex
liegt hier zwischen 203 (Operateure von Schaltstationen in Kraftwerken)
und 63 (Frucht- und Gemüsesortierer und Packer). Generell sind die
bildungs- und berufsmäßigen Anforderungen, die an diese Arbeitnehmer
gestellt werden, geringer als die bei Facharbeitern. Die Jahreseinkommen werden gerade in dieser Gruppe von Schwankungen in der Beschäftigung beeinflußt. Eine relativ große Anzahl Arbeitnehmer in dieser
Gruppe weist eine Jahresbeschäftigung von weniger als 50 Wochen auf.
Die Hilfsarbeiter sind gewöhnlich die am schlechtesten bezahlten
Arbeitskräfte der Wirtschaft. Die von ihnen ausgeübten Tätigkeiten erfordern in der Regel nur geringe schulische und berufliche Kenntnisse.
Dennoch bestehen auch hier verhältnismäßig große Unterschiede in den
Jahreseinkommen. Die Hafenarbeiter zum Beispiel weisen einen Einkommensindex von 154 auf - in dem sich ohne Zweifel ein gewisses Maß an beruflichen Fähigkeiten und eine starke gewerkschaftliche Bindung ausdrücken.
Die Hilfsarbeiter der Industrie weisen allgemein höhere Einkommen auf
als die anderer Wirtschaftszweige.
Arbeitnehmer der Dienstleistungszweige
Die breite Einkommensstreuung bei den Beschäftigten des Dienstleistungsgewerbes spiegelt gleichzeitig die Vielzahl der Tätigkeiten
wider. Die Schutzkräfte - Feuerwehrleute, Polizisten, Sheriffs - stehen
an der Spitze der Einkommenskala in dieser Gruppe. Sie weisen auch das
höchste Bildungsniveau auf. Da sie meist im öffentlichen Dienst stehen,
müssen sie schon bei der Einstellung gewisse Anforderungen erfüllen.
Eine andere starke Gruppe ist die der Pförtner, Fahrkartenkontrolleure,
Schuhputzer und Hausangestellten. Sie weist allgemein ein sehr niedriges Bildungsniveau und eine geringe Gesamtarbeitszeit - bei häufigem
Stellenwechsel - auf. Sie rangiert auf der untersten Stufe der Einkommenskala.

TABELLE

�TABELLE

DIE EINKOMMENSKALA VON 321 AUSGEWÄHLTEN BERUFEN1' (AUSZUG)

Rang

Berufsgruppe

Mittl.Jahreseinkoramen
(in Dollar)

Durchschn. Anteil der
Schulzeit
Frauen im Beruf
(in Jahren)
(in Prozent)

14 561

477

17,5

6,8

Manager, selbst.
(Banken,Finanz) 12 757

418

14,3

5,2

1. Arzte
2.

Einkommens--^
index

3.

Zahnärzte

11 858

389

17,3

2,3

4.

Professoren
(Mediziner)

11 666

382

17,5

17,2

5. Richter,
Anwälte

10 587

347

17,4

3,5

6.

Piloten

10 274

337

13,5

0,6

11.

Physiker

9 043

296

17,2

4,2

16. Architekten

8 651

283

16,8

2,5

17.

Volkswirte

8 649

283

16,8

14,5

18.

Elektro-Ing.

8 553

280

16,2

0,8

8 534

280

16,3

1,0

Geologen und
Geophysiker

8 409

276

16,9

2,3

22.

Bergbauing.

8 359

274

16,5

0,3

29.

Professoren
(Techn.Hochsch.) 7 841

257

17,4

2,2

30.

Publ.Rel.Manager

7 826

256

16,1

23,1

32.

Mathematiker

7 780

255

17,1

26,5

34.

Psychologen

7 726

253

17,5

31,1

42.

Professoren
(Wirtschaftsw.)

7 447

244

17,

b,6

55.

Pharmazeuten

7 176

235

16,2

7,7

57.

Chemiker

7 120

233

16,6

8,6

61.

Photograveure,
Lithographen

7 026

230

12,2

5,2

Meister
(Industrie)

6 932

227

11,8

7,7

Redakteure und
Reporter

6 832

224

16,0

37,2

19. Metallurgen
20.

63.
67.

72,
5 -

�72. Buchprüfer
76. Werkzeugmacher

6 591

216

15,3

16,8

u.a.

6 503

213

11,7

0,6

83. Biologen
98. Verkäufer

6 383

209

17,2

26,7

(Großhandel)

6 011

197

12,6

4,1

Lokomotivführer

5 969

196

11,7

0,3

5 954

195

11,8

0,7

113. Flugzeugmechaniker
5 904

194

12,2

1,5

Inspektoren
(Öffentl.Verw.) 5 888

193

12,4

3,9

104.

106. Elektriker

116.
117.

Oberschullehrer

5 827

191

17,2

47,0

118.

Zugschaffner
(Elsenbahn)

5 803

190

10,8

0,2

120. Schriftsetzer

5 763

189

12,1

8,5

131. Klempner

5 590

183

10,2

0,3

138.

5 485

180

12,1

0,2

151. Postangestellte

5 364

176

12,5

18,2

154.

Lehrer,sonstige

5 329

175

16,4

61,6

156.

Sekretäre

5 315

174

12,8

97,2

161.

Polizisten

5 272

173

12,2

2,7

163. Kranführer u.a.

5 260

172

8,9

0,5

168.

Volksschullehrer 5 201

170

17,0

85,7

170.

Optiker,
Linsenschleifer

5 191

170

12,0

15,0

172.

Buchbinder

5 170

169

10,7

55,6

177.

Hochofenarbeiter 5 073

166

8,9

1,7

Feuerwehrleute

185. Maurer

4 864

159

9,7

0,4

188. Gipser,
Verputzer

4 806

157

9,0

0,3

190.

Förster

4 783

157

12,8

2,4

197.

Hafenarbeiter

4 715

154

8,4

0,5

199. Metzger (außer
Schlachthofpers.)4 677

153

10,7

3,0

200.

Dekorateure

4 665

153

12,3

46,4

204.

Bäcker

4 558

149

9,2

16,2

213.

Buchhalter

4 443

146

12,7

83,7
218.

6 -

�218.

Busfahrer

4 362

143

9,8

10,1

220. Möbeltischler

4 351

143

10,0

1,4

225. Krankenpfleger

4 295

141

13,0

97,5

227.

4 272

140

12,7

69,3

4 255

130

9,3

0,7

4 231

139

12,0

88,7

Gebäudemaler)

4 213

138

9,2

9,5

237.

Schmiede

4 189

137

8,5

0,5

239.

Zimmerleut«

4 155

136

9,3

0,3

240. Polsterer

4 116

135

9,7

9,5

245.

Geistliche

4 008

131

17,1

2,3

249.

Schneider

3 925

129

8,4

21,8

253.

Farmverwalter

3 847

126

11,5

2,9

255.

Friseure

3 751

123

9,2

3,1

(Landw.)

3 724

122

9,0

2,1

261.

Stenotyplsten

3 666

120

12,5

95,1

264.

Dachdecker

3 654

120

8,9

0,2

266. Weber (Textilind.) 3 623

119

8,4

41,4

274.

Köche

3 424

112

9,4

64,4

275.

Fahrstuhlführer

3 389

111

8,6

32,0

276.

Packer

3 347

110

9,5

60,0

278.

Taxifahrer

3 270

107

9,2

2,7

284.

Tapezierer

3 039

100

8,8

14,3

286. Kasslerer

3 010

99

12,0

78,5

287. Wäschereiarbeiter

2 969

97

9,4

71,7

289.

Schiankenwärter u.a. 2 922

96

8,5

46,0

291.

Suhuhmacher

2 800

92

8,4

3,7

298.

Reinigungspersonal 2 539

83

8,9

68,3

Bankkassierer

228. Matrosen
231.

Friseure
(Kosmetiker)
233. Maler (außer

258. Vorarbeiter

301. Fischer

2 441

80

8,3

1,3

304.

Kellner

2 144

70

10,7

86,6

305.

Transportarbeiter

1 957

64

7,8

0,4

308.

Gärtner

1 829

60

8,5

1,5

310.

Holzfäller,Flößer

1 758

58

7,9

0,8
313,

- 7

�313.

Telegrammboten

316.

Landarbeiter

317.

Hausangestellte

318.

Schuhputzer

319. Platzanweiser
(Vergnügungsbetriebe)
321.

Ze itungs jungen

1 539
1 080
1 058
847

50
35
35

10,4

5,4

7,9

10,5

8,6

96,4

28

8,2

4,1

837
550

27
18

9,9
9,0

12,9

4,4

Berücksichtigt sind nur männliche Arbeitnehmer bzw. Selbständige
2

' Basis: 3052 Dollar - 100

(Quelle: "Monthly Labor Review",
Vol. 88, Nr. 3, März 1965)

+++++

- 8 -

�Bemerkenswerte Entwicklungen auf dem US-Arbeitsmarkt
Zu den bemerkenswertesten Entwicklungen auf dem amerikanischen
Arbeitsmarkt während der vergangenen Monate gehört ohne Zweifel die
erhebliche Zunahme der Zahl der Fabrikarbeiter, die im Vergleich zum
Vorjahr gegenwärtig um rund 600 000 größer ist.
Dieser Trend ist insofern von Bedeutung, als die industrielle
Beschäftigung während der letzten zwölf Jahre in Anbetracht der verstärkten Automatisierung der Produktionsanlagen praktisch stagnierte
und ihr Anteil an der Gesamtbeschäftigtenzahl sogar stark rückläufig
war. Mit über 17,5 Millionen Industriearbeitern wurde jedoch inzwischen der 1953 erzielte bisherige maximale Beschäftigungsstand übertreffen.
Zwar hat die amerikanische Industrie in den letzten Jahren ihre
Produktionsanlagen im gleichen Rahmen automatisiert wie bisher (bei
praktisch konstanter Beschäftigtenzahl konnte die Produktion seit
1953 um 45 Prozent gesteigert werden), aber der seit März 1961 andauernde konjunkturelle Auftrieb hat inzwischen einen solchen Umfang
erreicht,daß die Rationalisierungsmaßnahmen mit dem Arbeitskräftebedarf nicht mehr Schritt halten und der industrielle Arbeitsmarkt
daher jetzt die Auswirkungen der Konjunktur immer stärker zu spüren
bekommt.
Die zunehmende Anspannung des amerikanischen Arbeitsmarktes
drückt sich aber nicht nur in den rückläufigen Arbeitslosenziffern,
den zahlreichen offenen Stellen und der gesteigerten allgemeinen
Nachfrage nach Arbeitskräften aus (die Stellenanzeigen der Zeitungen
weisen das bisher größte Volumen auf), sondern auch in einer außerordentlichen Verknappung von Facharbeitern. Nach einer Übersicht des
US-Arbeitsministeriums sind es rund 70 Berufe, für die gegenwärtig
und auch in Zukunft ein sehr großer Bedarf besteht.
Diese Übersicht weist übrigens auch indirekt auf die Gründe
hin, warum gegenwärtig ein so erheblicher Mangel an Arbeitskräften
in einigen Fachberufen besteht. Sie führt nämlich auch die für jeden der 70 Berufe erforderlichen schulischen und beruflichen Qualifikationen an, und aus dieser Aufstellung ist unschwer zu ersehen,
daß sich die Anforderungen an die Arbeitnehmer in der jüngsten
Zeit doch ganz erheblich erhöht haben. Kräftige Muskeln, geringe
Schulbildung und kurze Lehrzeit genügen heute nicht mehr, um sich
in der Wirtschaft einen Dauerarbeitsplatz zu sichern.
Insgesamt 27 der in der Übersicht aufgeführten "Zukunftsberufe"
setzen für die meisten Bewerber das Abschlußzeugnis einer "High
School" (etwa dem Realschulzeugnis entsprechend) sowie eine Mindestlehrzeit von einem Jahr voraus. Zu diesen Berufen zählen unter anderen: Bäcker, Maurer, Klempner, Elektriker, Maschinenbauer, Schneider
und Sekretär. Bei weiteren 24 Berufen wird das Abschlußzeugnis eines
College sowie eine zusätzliche Spezialausbildung verlangt. In diese
Berufskategorie fallen unter anderem die Lehrer, Bibliothekare,
Sozialhelfer, Psychologen, Metallurgen, Veterinäre und Agronomen.
Nur für 4 der 70 Berufe (darunter Schweißer und Krankenschwester)
wird kein Oberschul-Abschlußzeugnis verlangt, aber doch mindestens der

- 9 -

�der zweijährige Besuch einer Oberschule und eine bestimmte Spezialausbildung.
Diese 70 Berufe, in denen schon jetzt ein großer Bedarf besteht,
sind nach Ansicht der Wirtschaftsexperten für das künftige wirtschaftliche Wachstum in den USA von entscheidender Bedeutung. Nach ihrer
Meinung könnte nämlich ein erheblicher Mangel an diesen Arbeitskräften
sogar zu einem gefährlichen Absinken der jährlichen wirtschaftlichen
Wachstumsrate führen.
Das ist eine sehr deutliche Warnung. Sie bedeutet, da3 das künftige
wirtschaftliche Wohlergehen des Landes im großen Maße von dem abhängen
wird, was der Jugend heute an schulischen und beruflichen Ausbildungsmöglichkeiten geboten wird. Daher auch der große Nachdruck, der sowohl
von der Wirtschaft als auch von der Regierung auf die Verbesserung des
allgemeinen Schulniveaus in den USA gelegt wird - denn nur ein hoher
Bildungsstand und eine umfassende berufliche Ausbildung können die USA
letzten Endes in die Lage versetzen, das von Präsident Johnson angestrebte Ziel einer "Great Society" zu erreichen.

(Quelle: Eigenbericht)

+ ++++

US-Industrie bietet Führungspositionen für Farbige
Das Berufsbild des amerikanischen Farbigen beginnt sich zu wandeln.
Der traditionelle Weg in gehobene Berufe führte bisher über ein akademisches Studium, und Farbige strebten vornehmlich Positionen auf den
Gebieten der Rechtspflege, der Medizin, der Pädagogik oder der Seelsorge
an. Neuerdings bieten sich in zunehmendem Maße auch in der Industrie
entsprechende Chancen.
Der sich abzeichnende Wandel in der Berufsstruktur der amerikanischen
Farbigen ist also vor allem durch eine stärkere Hinwendung zu den höheren
Angestelltenberufen gekennzeichnet. Das alte Schema, wonach Farbige überwiegend in den selbständigen Berufen zu Erfolg zu kommen trachteten, dürfte damit im Laufe der Entwicklung abgebaut werden. Dieser Vorgang steht
im Einklang mit den Bestrebungen des Präsidialausschusses zur Sicherung
gleicher Beschäftigungsbedingungen; er wird von bedeutenden Firmen der
amerikanischen Industrie tatkräftig gefördert.
Im Rahmen des 1961 eingeführten Programms "Plans for Progress"
haben sich 279 amerikanische Industriefirmen zur Ausschaltung jeglicher
rassebedingter Diskriminierung bei Einstellungs- und Beförderungsvorgängen in ihren Betrieben verpflichtet. Und eine 1964 angefertigte Studie
ermittelte, daß Farbige mehr als 12 Prozent aller neugeschaffenen Angestelltenarbeitsplätze innehaben. Als frühere Vergleichszahl werden 1,5
Prozent angegeben. Wie Hobart Taylor jr., der stellvertretende Vorsitzende des Präsidialausschusses, erklärte, bietet die amerikanische

- 10 -

�amerikanische Industrie derzeit mehr gehobene Positionen für Farbige
an als qualifizierte Bewerber vorhanden sind.
Ähnlich wie in den akademischen Berufssparten ist auch in der
Industrie die bildungsmäßige Qualifikation die entscheidende Voraussetzung. Und Farbige, die sich für die Industrielaufbahn entscheiden,
stellen sehr schnell fest, daß ihre Bewerbungen nicht unter dem Gesichtspunkt der Rassenzugehörigkeit beurteilt werden, sondern daß
man allein auf Grund der Befähigung des einzelnen Bewerbers entscheidet.
Angesichts dieser Entwicklung wird die Frage der qualifizierten
beruflichen Vorbildung immer wichtiger. Eine Reihe von großen amerikanischen Firmen, wie etwa der General-Electric-Konzern, hat besondere berufliche Aus- und Weiterbildungsprogramme eingeführt. Betriebsinterne Lehrgänge, aber auch Pläne zur Übernahme der Ausbildungskosten durch die Firma gehören dazu. Außerdem wird die Möglichkeit
der Xeilzeitarbeit neben dem Studium eingeräumt.
Der Teilnebmerkreis dieser beruflichen Fortbildungsprogramme
umfaßt Angehörige aller Bildungsgrade - vom Hochschulabsolventen bis
zum vorzeitigen Grundschulabgänger.
Ein typisches Beispiel für einen vorzeitigen Grundschulabgänger,
der bei General Electric als ungelernte Hilfskraft begann und heute
die Position einer gut bezahlten Fachkraft einnimmt, ist Thomas Carter
aus Philadelphia. In der Haushaltsartikelabteilung von General Electric
fing er als Lastwagenwäscher an. In den folgenden 17 Jahren erwarb er
auf Lehrgängen umfassende Kenntnisse im Kraftfahrzeug- und im Elektrohandwerk. So vermochte er nach und nach seine Position zu verbessern.
Farbige werden heute selbst für betriebliche Führungsaufgaben
herangezogen. Samuel H. Howard war Doktorand der Volkswirtschaft an
der Stanford University in Kalifornien, ehe er ein Angebot von General
Electric annahm. Seit 1962 absolviert er eine Spezialausbildung als
Nachwuchs-Führungskraft mit glänzendem Erfolg. General Electric schätzt
sich glücklich, die hervorragenden Fähigkeiten des jungen Hannes erkannt zu haben. Zweifellos wird - er.nach Abschluß seines Ausbildungsprogramms in der Lage sein, eine wichtige und hoch dotierte Führungsposition in dem großen amerikanischen Konzern einzunehmen.

(Quelle: Eigenbericht)

+ ++++
Chrysler startete bemerkenswertes Umschulungsprogramm
Zur Behebung des chronischen Hangels an Automobilfacharbeitern
in ihren Vertragswerkstätten hat die Chrysler Corporation jetzt ein
umfassendes Umschulungsprogramm gestartet, in dessen erster Phase insgesamt 1000 Dauerarbeitslose oder chronisch unterbeschäftigte Arbeitnehmer zu Automechanikern und Karosserieschlossern ausgebildet werden
sollen.

- 11 -

�r
Da dieses vom drittgrößten Automobilhersteller der USA entwickelte
Programm auch gleichzeitig den Bemühungen der US-Regierung zur Beseitigung der Dauerarbeitslosigkeit Rechnung trägt, haben das Arbeits- und
das Handelsministerium sich vertraglich verpflichtet, die Umschulungskurse finanziell zu unterstützen und die entsprechenden staatlichen
Einrichtungen hierfür kostenlos zur Verfügung zu stellen.
Das Programm, das sich zunächst über einen Zeitraum von drei Jahren
erstrecken und in der zweiten Phase weitere 1000 Arbeitslose einer produktiven Beschäftigung zuführen soll, wird nach Angaben der Chrysler
Corporation insgesamt 7,85 Millionen Dollar erfordern. Davon wird das
Unternehmen selbst 6,463 Millionen Dollar aufbringen, den Rest (1,387
Mio. Dollar) die Bundesregierung.
Das neue Umschulungsprogramm wird auf lokaler Ebene in Zusammenarbeit mit örtlichen Stellen durchgeführt und zuerst bei Vertragshändlern in vier Großstädten entwickelt. Vorgesehen ist, daß die Bewerber
von Vertretern der Arbeitsämter geprüft und ausgewählt und den einzelnen Werkstätten zugeteilt werden. Die Umschüler sollen tagsüber während
der normalen Arbeitszeit in den Betrieben von den Meistern Unterweisung
in der praktischen Arbeit und abends, nach Feierabend, in den Berufsschulen theoretischen Unterricht in Kraftfahrzeugmechanik erhalten.
Der Anfangslohn für die Umschüler beträgt etwa 1,50 Dollar pro
Stunde, das ist rund die Hälfte des durchschnittlichen Stundenlohns für
einen ausgebildeten Kraftfahrzeugmechaniker. Die Chrysler Corporation
unterhält in den Vereinigten Staaten insgesamt 6300 Vertragswerkstätten.

(Quelle: Eigenbericht)

+ ++++
600 000 US-Regierungsangestellte sind Gewerkschaftsmitglieder
Rund 600 000 der 2,5 Millionen im Dienste der amerikanischen Bundesregierung beschäftigten Personen genießen tarifvertraglichen Schutz. Insgesamt sind gegenwärtig 205 unter den Rahmenbestimmungen der von Präsident Kennedy 1962 erlassenen Regierungsverordnung Nr. 10988 ausgehandelte
Tarifverträge für den Bereich der amerikanischen Bundesregierung in Kraft.
Auf Grund des Präsidialerlasses gelten Gewerkschaften im Bereich der. Bundesregierung als anerkannt, sofern sie von der Mehrheit der Beschäftigten
unterstützt werden.
Aus einer Anfang des Jahres vom US-Arbeitsministerium veröffentlichten Studie geht hervor, daß rund 470 000 von nur sechs Gewerkschaften
vertretene Postangestellte den Hauptanteil der durch Tarifverträge gesicherten Beschäftigten stellen. Drei Gewerkschaften, nämlich die Vereinigte
Föderation der Postangestellten und die Nationale Briefträgergewerkschaft,
beide der AFL-CIO angeschlossen, sowie die unabhängige Nationale Landbriefträgergewerkschaft, vereinigen 75 Prozent der 593 000 gewerkschaftlich organisierten Bundesbediensteten auf sich. Weitere 55 000 Beschäftigte sind von der Gewerkschaft der amerikanischen Regierungs- und Verwaltungsangestellten (AFL-CIO) organisiert. Für diese Gruppe sind 108

- 12 -

�108 Tarifverträge in Kraft. Zehn Verträge gelten für 37 000 in der
AFL-CIO-Gewerkschaftsabteilung für das Metallgewerbe organisierte
Arbeitnehmer. 8700 Arbeiter gehören der Maschinistengewerkschaft
(AFL-CIO) an. Hinzu kommt eine Reihe von unabhängigen Gewerkschaften,
zu deren Mitgliedern Bundesbedienstete der verschiedensten Sparten
gehören.
Von den nicht im Postdienst tätigen Gewerkschaftsangehörigen
stellt die Gruppe der Angestellten 23 000, die Gruppe der Lohnempfänger 57 000, während 42' 000 weitere gemischten Gruppen angehören.
Im Gegensatz zu anderen Gewerkschaftsmitgliedern ist den im
Dienste der amerikanischen Bundesregierung stehenden Personen das
Streikrecht durch Gesetz und durch den oben erwähnten Präsidialerlaß
verwehrt.
US-Arbeitsminister W. Willard Wirtz wies im Zusammenhang mit den
Ergebnissen der Untersuchung darauf hin, daß "im Bereich der amerikanischen Bundesregierung die Grundsätze guter Beziehungen zwischen
Arbeitgeber und Arbeitnehmer erfüllt" sind.

(Quelle: Eigenbericht)

+ ++++

- 13 -

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
ISIS l'.onn Ha.l Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XVIII - 9

1. September 1965
INHALTSVERZEICHNIS

Automation in zehn Großunternehmen

Seite 1

Gleiche Arbeitschancen für alle

Seite

Gewerkschaftliche Kurznachrichten

Seite 10

7

Andrew Juvinall:
Automation in zehn Großunternehmen
Ergebnisse einer Umfrage über die Auswirkungen der Automatisierung auf
den Belegschaftssektor
AUS "The Christian Century".
Nachdruck ist mit Angabe des Verfassers und dem Vermerk
(c) 1965 by The Christian Century
Foundation
gestattet.
Die Auswirkungen der Automation auf Belegschaftsstärke und -Zusammensetzung großer Firmen sind langfristig empirisch noch nicht genügend
erforscht. Um den Mangel an verläßlicher Information zu beheben, führte
die Kommission für Gemeinde- und Wirtschaftsleben des Northern California-Nevada Council of Churches kürzlich eine Befragung der 20 größten
Unternehmen in Kalifornien durch.
Unter den zehn Firmen, deren Antworten berücksichtigt wurden, befanden sich sieben mit einer nicht ausschließlich auf den Bundesstaat
Kalifornien beschränkten Geschäftstätigkeit. Es handelte sich um folgende zehn Firmen: die Bank of America, das größte Bankunternehmen der Welt;
United Airlines, die größte Fluggesellschaft der Welt; Pacific Telephone
and Telegraph, die Firma mit der größten Beschäftigtenzahl in Kalifornien; die Atchison, Topeka and Santa Fe Railway; die Pacific Gas and
Electric Co., das größte öffentliche Versorgungsunternehmen seiner Art
in den USA; Shell Oil Co.; Douglas Aircraft Co.; Aerojet; Rohr Aircraft
Corp.; North American Aviation, das zweitgrößte Luft- und RaumfahrtUnternehmen in den USA.
Die

- 1-

�Die erste Frage lautete: "In welchem Maße ist Ihre Firma automatisiert?»
Zunächst ergab sich, daß sich alle Firmen fortschrittlicher technischer Einrichtungen und Verfahren bedienen. Die Bank of America hat
fast alle bedeutenden
Routinebuchungsvorgänge auf elektronische
Rechen- und Buchungsmaschinen umgestellt. Die Santa-Fe-Eisenbahngesellschaft arbeitet mit zentral gesteuerten Signalsystemen, verfügt
über elektronisch gesteuerte automatische Verschiebebahnhöte, hat die
Wartung der Ausrüstungen weitgehend mechanisiert und setzt elektronische
Datenverarbeitungsanlagen ein. Shell betonte, die Erdölindustrie könne
als die am weitesten durchautomatisierte Branche gelten. In dem weiteren
Sinne der Übertragung menschlicher Fertigkeiten auf Maschinen sind alle
diese Firmen von Anfang an irgendwie mit "Automation" befaßt gewesen;
neuere Entwicklungen trugen nur zur Beschleunigung des Automatisierungstempos bei.
Die zweite Frage lautete: "Welche Probleme wurden durch die Einführung der Automation aufgeworfen?"
United Airlines antwortete: "Keine". Die Bank of America berichtete
von geringfügigen Planungs- und Verfahrensschwierigkeiten. Pacific Gas
and Electric bezeichnete die aufgetretenen Probleme als keineswegs unlösbar. Man habe die Umstellungen langfristig geplant und daher die betroffenen Arbeitnehmer rechtzeitig auf die neuen Verfahren umschulen
oder sie an anderen Arbeitsplätzen unterbringen können. Pacific Telephone and. Telegraph bezeichnete die Anpassung an den rapiden Wandel als
das umfassends'i Problem, betonte jedoch, dieses Problem könne durch langfristige Vorausplanung bewältigt werden. Santa Fe berichtete, daß die
Automatisierung zahlreiche untergeordnete Tätigkeiten überflüssig gemacht
und außerdem die Abwicklung des Schienenverkehrs beschleunigt habe. Freilich seien Personalkürzungen unumgänglich geworden. Douglas teilte mit,
die Automation sowie die Schwerpunktverlagerung von der Flugzeugfertigung auf den Lenkwaffen- und Raumfahrzeugbau hätten zu einer erheblichen
Personalverminderung geführt. Die Firma sei jedoch in der Lage, viele
der automationsverdrängten Arbeitnehmer in anderen Abteilungen weiterzubeschäftigen oder umzuschulen.
Die dritte Frage lautete: "Nehmen Sie an, daß sich bei weiterer
Automatisierung die Belegschaftsstärke weiter verringern wird?"
Hier wurde ein einstimmiges Nein verzeichnet. Santa Fe äußerte sich
zuversichtlich hinsichtlich einer Steigerung der Geschäftstätigkeit im
Zuge der Automation. Die Schaffung zusätzlicher Arbeitsplätze bei erhöhter Arbeitsplatzsicherheit werde möglich sein. Pacific Gas and Electric
berichtete, daß sich die Neueinstellungschancen durch die Automation nicht
verringert hätten, während sich die Zahl der Arbeitsplätze durch die Expansion der Firma sogar in bescheidenem Umfang vermehrt habe. Pacific
Telephone erklärte: "Um die stark ansteigenden Anforderungen an unseren
Dienstleistungsbetrieb erfüllen zu können, benötigten wir mehr Mitarbeiter
trotz der Automatisierung. Solange das dynamische Wachstum in Nevada und
Kalifornien anhält, sind Arbeitsplatzstreichungen unwahrscheinlich." Rohr
Aircraft meinte: "Unsere langfristige Planung sieht keine Verminderung der
Gesamtstärke unserer Belegschaft vor." North American ist, wie viele andere
Firmen der Luft- und Raumfahrtindustrie, technisch höchst fortschrittlich
ausgerüstet. Die Firma ist auf eine geradezu enzyklopädische Vielfalt von

- 2-

�von Produkten nach Kundenwunsch spezialisiert. Massenproduktion spielt
fast gar keine Rolle. Aufgrund dieser breiten Streuung der Fertigungsbereiche, aber auch wegen einer nicht unerheblichen Absatzverlagerung
auf den nicht-nilitärischen Sektor der Raumfahrt und Atomenergie war
die Firma suvaraichtlich, einen hohen Beschäftigtenstand aufrechterhalten zu können.
Die vierte Frage lautete: "Wie stark ist Ihre Belegschaft heute
im Vergleich zu der Zeit vor der Automatisierung bestimmter Betriebsabläufe in Ihrem Unternehmen?M
Hier wurden sehr unterschiedliche Antworten gegeben. Die Pacific
Telephone hat ihre Belegschaft seit 1945 trotz fortschreitender Automatisierung um 55 Prozent vergrößert. Rohr und Aerojet verzeichneten einen
Rückgang der Belegschaftsstärke, was auf einen Rückgang der Verteidigungsauf träge, zurückgeführt wird. Die Bank of America teilte mit, sie
habe die Zahl ihrer Mitarbeiter während der FünfJahresperiode der Umstellung auf automatische Buchungsanlagen um.15 Prozent erhöht.United
Airlines hat ihre iFinanzbuchhaltung kürzlich auf elektronische Rechenmaschinen umgestellt; in den letzten drei Jahren jedoch ist die Zahl
ihrer Beschäftigten leicht angestiegen. Znnächst hatte die Firma angenommen, daß die Umstellung auf Düsenflugzeuge eine Verringerung der
Ingenieur- und Mechanikerstellen ermöglichen werde; die starke Zunahme
des Reiseflugverkehrs machte statt dessen eine Erhöhung der Stellenzahl
um rund 10 Prozent erforderlich. Santa Fe berichtete, daß die in den
vergangenen 20 Jahren schrittweise vorgenommene Verdieselung sowie der
Schiedsspruch in der Frage der Weiterbeschäftigung der Heizer auf Dieselloks aus dem Jahre 1963 eine Streichung der meisten Heizerstellen auf
Güter- und Rangierlokomotiven ermöglicht habe. Pacific Gas and Electric
teilte mit, die Belegschaft des Unternehmens habe sich seit 1957 um
etwas über 8,5 Prozent vergrößert. Shell meldete eine Verringerung der
Beschäftigtenzahl von 39 000 im Jahr 1955 auf 32 500 im Jahr 1964. Die
Reduzierung sei das Ergebnis eines normalen Schrumpfungsprozesses - .Ausscheiden aus Altersgründen, Kündigungen seitens der Arbeitnehmer und Einführung eines attraktiven Systems zur Förderung der vorzeitigen Pensionierung. Bis 1955 hatte das Unternehmen trotz einer 20jährigen stetigen
Automatisierung ein Ansteigen der Beschäftigtenzahl zu verzeichnen.
Die fünfte Frage lautete: "In'welcher Hinsicht hat die Automatisierung zu einer .Veränderung der Anforderungen an die fachlichen Qualifikationen der Arbeitnehmer geführt?"
Übereinstimmend stellten alle Unternehmen zunächst einmal fest,
daß die Anforderungen tatsächlich gestiegen seien. Rohr und Aerojet wiesen jedoch darauf hin, daß die Bedienung einer Reihe von numerisch kontrollierten Maschinen praktisch, keine besonderen Fachkenntnisse voraussetze, in diesem Falle also eine Steigerung der QualifikäMonsanforderungen nicht eingetreten sei. Die Bank of America führte aus: "Abgesehen von
der Tatsache, daß sich neue .Laufbahnen eröffnet haben - so. zum Beispiel
in der Forschung und in anderen Tätigkeitsbereichen, die mit den neuen
Systemen verbunden sind -, ist heute ein weitaus größerer
Leil unserer
Mitarbeiter weniger mit Routinearbeiten als mit der höhere Anforderungen
stellenden Kundenberatung befaßt." Santa Fe teilte mit, daß die fachlichen
Anforderungen praktisch in allen Bereichen des Unternehmens gestiegen
seien. Pacific Gas and Electric bestätigte, daß als Folge der Automatisie-

�Automatisierung eine Zunahme der Facharbeiter- und eine Abnahme der
Hilfsarbeiterstellen eingetreten und daß mit den erhöhten fachlichen
Anforderungen zahlreiche neuartige Facharbeiterstellen hinzugekommen
sind. Sowohl Shell als auch Douglas berichteten, daß der herkömmliche
Fließbandarbeiter immer mehr .durch den hochqualifizierten gebildeten
Facharbeiter verdrängt wird. Während bei Douglas 1940 noch 90 Prozent
aller Arbeitnehmer am Fertigungsband standen, sind es heute bereits
weniger als 50 Prozent.
Die sechste Frage lautete: "Welche Vorkehrungen treffen Sie zum
Schutz Ihrer Belegschaft gegenüber weiteren Automatisierungsmaßnahmen?"
Pacific Telephone verständigt seine Mitarbeiter rechtzeitig im
voraus von geplanten Veränderungen, richtet Umschulungslehrgänge ein
und paßt die Tätigkeitsspezifizierungen jeweils den neuen Gegebenheiten
an. Die Bank of America veranstaltet für ihre Angestellten eine Reihe
von Fortbildungskursen und hat ein Trainingsprogramm zur Umschulung am
Arbeitsplatz eingerichtet. Ähnliche.Programme bestehen auch bei der
Santa Fe. Hier wird jedoch gelegentlich Klage geführt, daß bestimmte
Gewerkschaften gegen Umschulungsmaßnahmen opponieren. Shell Oil sowie
Pacific Gas and Electric bieten ihren Belegschaften ebenfalls Umschulungsprogramme. Douglas stellte 1962/63 insgesamt 1563 Belegschaftsmitgliedern College-: und Fachschulstipendien zur Verfügung, und arbeitete
bei der Zusammenstellung von entsprechenden Fortbildungskursen eng mit
den Hochschulen zusammen.
. „Mitarbeiter der North American absolvierten 1963 insgesamt 28 000
Fachprüfunger im Rahmen der betriebsinternen Schulung. Ähnlichen Fortbildungsprogrammen der vorangegangenen zwei Jahre wird es zugeschrieben,
daß mittlerweile rund 3000 Belegschaftsmitglieder den Sprung in Angestelltenberufe schafften. 465 Firmenangehörige studieren gegenwärtig
mit Firmenunterstützung und streben das Magisterexamen an, weitere 112
Firmenangehörige arbeiten im Rahmen der Studienförderungsprogramme der
Firma auf die Promotion zum Doktor hin. North American trägt dabei die
Studienkosten und gewährt in.einer Reihe von Fällen auch Unterhaltsbeihilfen. North American beschäftigt in seinen in 21 amerikanischen Bundesstaaten bestehenden Niederlassungen mehrere tausend Farbige. 181 Angehörige dieser Belegschaftsgruppe sind als aufsichtführende Personen tätig.
Bezeichnend für die Fortkommenschancen, die die Firma bietet, ist das
Beispiel eines Farbigen, der 1946 als Pförtner eingestellt wurde und der
es,nach einem zwischenzeitlichen Studium mit Unterstützung der Firma,
erst zum Laborangestellten brachte und heute für Gesundheits- und Arbeitsschutzfragen in der Atomics International Division von North American
zuständig ist. Ihm sind 50 Mitarbeiter unterstellt.
Eine weitere Frage lautete: "Verfügen Sie über Pläne zur Beteiligung
der Aktionäre, Belegschaftsmitglieder und Verbraucher an den Automationsgewinnen ?"
Die Bank of America teilte mit, die Automation habe zu einer Stabilisierung der Betriebskosten beigetragen und es damit ermöglicht, eine
Erhöhung der Kundendienstgebühren abzuwenden. Zugleich konnten höhere
Dividenden gezahlt und eine Anhebung der Angestelltengehälter vorgenommen

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�vorgenommen werden. Die technische Modernisierung verschaffte den
United-Kunden direkte Vorteile: Noch 1940 kostete der 17 Stunden dauernde und durch sechs Zwischenlandungen unterbrochene Flug San Francisco-New York 149,95 Dollar. Heute zahlt der Fluggast für den nur
noch fünf Stunden dauernden Nonstopflug mit einer modernen DC-8-Düsenmaschine 145810 Dollar. Von ähnlichen Verbesserungen berichtete Pacific Telephone: 1920 kostete ein dreiminütiges Ferngespräch quer über
den amerikanischen Kontinent 16,50 Dollar, und.es dauerte durchschnittlich zehn Minuten, ehe es zustande kam. Heute läßt sich das Gespräch
binnen Sekunden durch Selbstwählvermittlung zustande bringen und es
kostet nur noch 1 Dollar (Nachttarif).
Santa Fe wies darauf hin, daß der Rückgang im Güterverkehr, die
geringe Zunahme der Personenbeförderung sowie die erheblich gestiegenen Kosten für Material, Brennstoff und Arbeitskräfte (50 Prozent in
zehn Jahren) eine Weitergabe von Automationsgewinnen illusorisch machen. Die Investitionsgewinne nach Abschreibung hätten für 1963 nur
4,17 Prozent betragen. Pacific Gas and Electric teilte mit, die Automationsgewinne hätten sich in den Kundentarifen niedergeschlagen. Shell
gab an, trotz verstärkter Bemühungen um die Qualitätsverbesserung der
Treibstoffe sei es der Gesellschaft aufgrund technischer Modernisierung
möglich, ihre Produkte gegenwärtig zu dem niedrigsten Großhandelspreis
seit 15 Jahren zu offerieren.
Das Ergebnis der Umfrage macht deutlich, daß die Automatisierung
für den Kunden vorteilhaft ist: Sie trägt zur Kostensenkung oder Stabilisierung eines gegebenen Kostenniveaus bei, das unter anderen Umständen hätte heraufgesetzt werden müssen. Sämtliche befragten Großfirmen
unternehmen erhebliche Anstrengungen, um die Leistungsfähigkeit ihrer
Belegschaften den neuen Erfordernissen anzupassen und die potentielle
AutomationsVerdrängung durch Umschulung zu kompensieren. Die Automatisierung führte außerdem zu einer deutlichen Steigerung der Ansprüche
an die Fachkenntnisse der Beschäftigten. Bemerkenswert ist, daß zahlreiche Arbeitnehmer der Automatisierung nicht tatenlos gegenüberstehen,
sondern regen Gebrauch von den Umschulungs- und Fortbildungsprogrammen
ihrer Firmen machen. Die Automation wirkte sich lohnsteigerrid eis*. In
den Dienstleistungsbereichen stieg der Personalbestand entweder an.
oder er blieb konstant. Dagegen war im Bereich der Fertigungsindustrien
eine Tendenz zur Senkung.des Personalbestandes erkennbar - eine Feststellung, die für die ganzen Vereinigten Staaten gilt. In Fällen jedoch,
in denen die Belegschaften kalifornischer Zweigwerke vergrößert wurden,
hielt die Zunahme nicht mit dem Bevölkerungszuwachs Schritt. Keine der
befragten Firmen verfügte über spezifische Pläne zur Beteiligung von
Aktionären, Arbeitnehmern und Konsumenten an den Automationsgewinnen,
etwa nach dem Modell, das die Firma Kaiser Steel Co. 1959 einführte.
Kaiser Steel bildete damals eine Sonderkommission zur Lösung dieses
Probl ems. Viele der befragten Firmen betonten jedoch, man werde nennenswerte Automationsgewinne '•automatisch" an die Aktionäre, Arbeitnehmer
und Konsumenten weitergeben.
Die Angaben dieser Firmen, die von Männern mit sozialem Weitblick
geleitet werden, legen den Schluß nahe, daß angesichts der Zahl von 3,8
Millionen Arbeitslosen die Nation nur in ihrer Gesamtheit in der Lage

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�Lage sein wird, die bedrohlichen Folgen künftiger umfassenderer Automatisierungsmaßnahmen abzuwenden. Vorzeitiges Ausscheiden aus dem
Arbeitsprozeß wie auch der normale Schrumpfungsprozeß mögen den "Automa tions schock" für die Belegschaften von Shell, Santa Fe oder Douglas
zunächst mildern. Auf der anderen Seite besteht jedoch die Notwendigkeit, den stellungslosen Jugendlichen sowie den aus automationsintensiven Branchen wie dem Bergbau, der Stahl- oder der Automobilindustrie
ausscheidenden Arbeitnehmern Arbeitsplätze zu verschaffen. Mit der Verabschiedung des Gesetzes zur Regelung der Berufsförderung und Arbeitsmarktexpansion (Manpower Development and Training Act) hat der Kongreß
diesem Problem bereits 1962 Rechnung getragen.
Als sehr nützlich erwiese sich eine Umzugsbeihilfe der Bundesregierung für entlassene Arbeitnehmer, die in anderen Gebieten Arbeit
erhalten können. Zur Beseitigung sozialer Härten wie auch zur Schließung gewisser Beschäftigungslücken sind darüber hinaus umfangreiche
staatliche und. private Projekte wie etwa Maßnahmen zur Bodenkonservierung und Urbarmachung, Verkehrsbauten sowie Projekte zur städtebaulichen Sanierung geeignet.Schließlich müßten sich Staat und privates
Unternehmertum ernsthaft Gedanken über die Verwendung der Automationsgewinne machen. Mehr Freizeit, längerer bezahlter Urlaub sind Möglichkeiten, die sich anbieten. Unternehmen, die am Wohlergehen ihrer Arbeitnehmer interessiert sind, werden sich darüber hinaus rechtzeitig
mit den Gewerkschaften über geeignete Maßnahmen zur Milderung der mit
der automationsbedingten Arbeitslosigkeit unvermeidlich verbundenen
Härten verständigen. In den TarifVerhandlungen kommen in zunehmenden
Maße bereits auch diese Fragen zur Sprache.
.'Die Automation ist generell zu bejahen. Es muß nur gewährleistet
sein, daß sie allen zum Segen gereicht. Von Unternehmern, Gewerkschaften,
aber auch vom Staat ist daher ein hohes Maß an Einsicht und Verantwortungsbewußtsein zu fordern, soll die Automation schließlich die in sie
gesetzten Erwartungen erfüllen...

(Aus "The Christian Century")

+++ * +

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�Donald Slaiman, Direktor der Abteilung Bürgerrechte der AFL-CIO:
Gleiche Arbeitschancen für alle
Der Kampf der Gewerkschaften gegen die Diskriminierung
Es ist eines der Grundprinzipien und Ziele der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung, für alle Arbeitnehmer die gleichen Vorteile gewerkschaftlicher Organisierung anzustreben - ohne Bücksicht darauf, welcher
Volksgruppe oder Religion sie angehören, welcher Herkunft sie sind oder
welche Hautfarbe sie haben. Bereits vor dem Zusammenschluß von AFL und
CIO bemühten sich die Gewerkschaften darum, ihre Aktivität auf dieses
Ziel abzustimmen. Aus diesem Grund ist es auch leicht verständlich, daß
die (Gewerkschaften bei der Erörterung und Verabschiedung des Bürgerrechtsgesetzes von 1964 eine so wichtige Rolle spielten. Ihr Verhalten bedeutete
in der Tat eine Stärkung der Position der zahlreichen Organisationen, die
für die Bürgerrechte, für konfessionelle und kommunale Interessen eintreten und in der Leadership Conference on Civil Rights, einer ständigen
Konferenz führender Bürgerschaftsvertreter, zusammengeschlossen sind.
In der ursprünglichen Fassung des Gesetzes fehlte der Passus, der
bei einer Diskriminierung am Arbeitsplatz eine Entschädigung vorsieht.
Viele Befürworter des Bürgerrechtsgesetzes fürchteten die Aufnahme einer
solchen Bestimmung in den Gesetzestext, weil damit ihrer Ansicht nach
die Annahme der ganzen Vorlage in Frage gestellt worden wäre. Aber die
Gewerkschaften erkannten die Bedeutung gerade dieser Bestimmung für ihre
eigenen Programme und kämpften energisch für den Abschnitt VII, der "gleiche Beschäftigungsbedingungen für alle'1 vorsieht.
Wenn auch das Hauptaugenmerk der Gewerkschaften dem Abschnitt VII
gilt, so ist ihr Interesse an dem Gesetz damit doch nicht erschöpft..
Denn Erziehungswesen, Sozialwesen und Wahlrecht sind ebenfalls wirksame
Instrumente zur Erzielung voller Gleichberechtigung und müssen deshalb
nachdrücklich gefördert werden. Nach Ansicht der meisten amerikanischen
Gewerkschaftsführer k«nn eine echte Gleichberechtigung der farbigen Bevölkerung auf dem Arbeitssektor nicht"durch kleine Schritte erreicht, werden. Vielmehr bedarf es eines massiven Programms, das alle Punkte des
Gesetzes durchzusetzen sucht und alle Bavölkerungsteile zur Mitarbeit heranzieht, um das angestrebte Ziel zu erreichen.
Die Aufgaben der Gewerkschaften sind dabei überaus vielschichtig
und weitreichend. Komplizierte Probleme gilt es zu lösen - Probleme, die
nicht einfach durch Beseitigung der Diskriminierung aus der Welt zu schaffen sind. So brauchen beispielsweise die Neger besonders gute Bildungsmöglichkeiten, damit die Versäumnisse von Jahrzehnten nachgeholt werden
können. Amerika steht inmitten einer technischen Revolution, die die gesamte Struktur des Arbeitsmarktes verändert. Im ganzen gesehen verlieren zu
viele Neger und andere Farbige infolge der Streichung von Arbeitsplätzen
für ungelernte und angelernte Arbeiter ihre Stellung &lt;= Beschäftigungen also,
in denen überwiegend Farbige tätig sind. Das Gewerkschaftsprogramm wurde
angesichts der oben erwähnten Probleme formuliert und hat bereits auf vielen Gebieten zu konkreten Ergebnissen geführt.
Was

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�Was ist der gegenwärtige Kurs der Gewerkschaften?
Am 4. August 1964 forderte der Exekutivrat der AFL-CIO die freiwillige Befolgung des Gesetzes auf breitester Basis. Abschnitt VII
des Gesetzes wurde jedoch ausdrücklich hervorgehoben, weil die Gewerkschaften in dieser Hinsicht besondere Verantwortung tragen. Der Rat
berief eine nationale Konferenz von Gewerkschaftsführern aller Funktionsbereiche für den 2. September 1964 ein. Die Delegierten wurden
aufgefordert, ein Fünf-Punkte-Programm auszuarbeiten und seine Verwirklichung in die Wege zu leiten.
Punkt 1 drang auf eine beschleunigte Unterrichtung der Gewerkschaftsmitglieder über Ziele und Bestimmungen des Gesetzes. Alle zuständigen Stellen der AFL-CIO und. maßgebliche Persönlichkeiten der angeschlossenen internationalen (amerikanisch-kanadischen) Gewerkschaften
koordinierten ihre Anstrengungen zur Vorbereitung geeigneter Literatur
und Handbücher für diese Aufgabe. In zwei Broschüren wurde der Gewerkschaftsstandpunkt in der Frage der.Bürgerrechte klar umrissen. In der
im September 1964 herausgegebenen Broschüre »Bürgerrechtes Tatsechen
und Fiktion'* wurde mit den Gerüchten über die. Forderungen.der Neger aufgeräumt, die Rassenfanatiker ausgestreut hatten. Schließlich wurde ein
Handbuch für kommunale Gewerkschaftsführer zusammengestellt, das als
Leitfaden zur Aufstellung von Aktionsprogrammen auf kommunaler Basis
dienen konnte.
Punkt 2 forderte die Schaffung von mehr AFL-CIO-Arbeitsgruppen
auf kommunaler Ebene - ein Versuch, örtliche Gewerkschaftsbewegungen
zu mobilisieren, die gemeinsam mit anderen Gruppen örtliche Aktionsprogramme zur Förderung der Bürgerrechte unterstützen.
Punkt 3, ein Grundsatzprogramm, forderte die freiwillige Befolgung
der Bestimmungen von Abschnitt VII des Bürgerrechtsgesetzes. Die Gewerkschaften wurden angehalten, auf die Praktiken gewerkschaftlich gebundener und nicht gebundener Arbeitgeber zu achten und bei solchen Arbeitgebern, die sich nicht an das Gesetz hielten, die Einhaltung der Bestimmungen durchzusetzen.
Punkt 4 verlangte von den Gewerkschaften ständige Wachsamkeit.
Jede sollte in ihrem Gebiet beobachten, wie in der Praxis das Gesetz gehandhabt wird. Auch wurden die Gewerkschaften aufgerufen, die Durchsetzung der gesetzlichen Bestimmungen wirksam zu unterstützen..
Punkt 5 forderte alle Angehörigen der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung zu kritischer Beurteilung des Gesetzes in seiner jetzigen Form
auf. Unzulänglichkeiten, sollten aufgedeckt werden, um sie auf dem Gesetzeswege korrigieren zu können.
Am 5. Oktober 1964 ersuchte George Meany, Präsident der AFL-CIO, die
Führer aller nationalen und internationalen Gewerkschaften, zur Unterstützung der lokalen Kampagnen für die Gleichberechtigung maßgebliche
Vertreter zu benennen« Anschließend sollte jeweils ein Spitzenfunktionär
bestimmt werden, der für die Ausarbeitung und Durchsetzung eines Programms

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�Programms zur Erzielung gleicher Beschäftigungsbedingungen für alle
in den einzelnen gewerblichen oder Industriegewerkschaften verantwortlich
zu sein habe-' Inzwischen haben 75 nationale Gewerkschaften - in Kürze
wird ihre Zahl.auf 100 gestiegen sein - diese Funktionäre bestimmt; die
Programme sind eingeleitet.
Zwei in diesem Jahr abgehaltene Konferenzen hatten ebenfalls eine
intensivere Durchsetzung von Abschnitt VII zum Ziel, vornehmlich in
Städten, die als Schlüsselpositionen zu betrachten sind. Darüber hinaus
sollen die Gewerkschaftsführer - bei der zweiten Konferenz waren 74 internationale Gewerkschaften mit einer Gessratmitgliedschaft von 10,2 Millionen Arbeitnehmern vertreten - die Funktion von Verbindungsleuten zu der
neugeschaffenen "Bundeskommission zur Sicherung gleicher Beschäftigungsbedingungen", zu.anderen Seglerungsbehörden und der Bürgerrechtsabteilung
*•* AFL~ CIO.ausüben. Bei der Aufstellung von Gewerkschaftsprogrammen zur
Ausschaltung diskriminierender Verhaltensweisen werden sie sich mit Problemen zu befassen haben, die die Praktiken sowohl der Arbeitgeber als
auch der Gewerkschaften selbst betreffen» Sie bemühen sich u.a. um die
Aufnahme von Klauseln über Nicht-Diskrlnr nierung in Tarifverträge, und
sie arbeiten Programme aus, die den örtlichen Gewerkschaften die Möglichkeit zur Durchsetzung dieser Klauseln verschaffen und sie befähigen, das
gesamte Tarifvertragswesen auf die Gleichstellung von Arbeitnehmern aus
Minderheitengruppen abzustimmen. Davon werden nicht zuletzt der berufliche Aufstieg und die Zulassung zur Lehrlingsausbildung betroffen.
Zahllose Beispiele gibt es dafür,,daß Neger in den Gewerkschaften
immer mehr in führende Positionen aufrücken» Die AFL-CIO führt keine nach
Rassenzugehörigkeit gegliederte Statistiken, aber man schätzt, daß die
AFL-CIO-Gewerkschaften 1,5 bis 1,7 Millionen farbige Mitglieder zählen.
Früher nach rassischen Gesichtspunkten getrennte örtliche Gewerkschaften
werden jetzt vereinigt. Bemerkenswerte Beispiele hierfür gibt es in den
Südstaaten in der Tabak-« Papier- und Textilindustrie und bei den Eisenbahnen .
Die Gewerkschaften ergreifen JctSt die Initiative im Ausfindigmachen
von Möglichkeiten, um den Angehörig«•« von Minderheitengruppen zu einer
besseren Einstufung im Betrieb zu verhelfen. In einigen Fällen werden
versuchsweise Prüfungen, für Jugendliche aus Minderheitengruppen beim Eintritt in den Betrieb durchgeführt, um ihnen eine Chance zu geben, zum
Facharbeiter aufzusteigen. Ein Beispiel hierfür ist das DemonstratIonsprojekt der Bezirksgruppe 9 der. Vereinigten Automobilarbeitergewerkschaft
in New York.. Unter gemeinsamer Förderung von gewerkschaftlicher und bundesbehördlicher Seite werden ungelernte Arbeiter zu Facharbeitern ausgebildet.
Ähnliche Bestrebungen gibt es im Hinblick auf die-Annahme jugendlicher
Neger als. Lehrlinge im Baugewerbe, Bildungsmäßig bringen sie nicht immer
die notwendigen Voraussetzungen mit. - jetzt wurden Vereinbarungen getroffen, sie trotzdem anzunehmen und entsprechend auizubl 1&lt;#«ni.

Sofern

�Sofern den Gewerkschaften die Durchsetzung des Prinzips der
Gleichbererhtigung am Arbeitsplatz bei Arbeitgebern, die Regierungsaufträge erhalten, nicht gelang, wurde Beschwerde beim "Präsidialausschuß zur Sicherung gleicher Beschäftigungsbedingungen" eingereicht.
Das neue Gesetz ist gut, aber es wird nicht automatisch befolgt.
Jeder Bevölkerungsteil muß die größtmöglichen Anstrengungen unternehmen, um die Einhaltung der Gesetzesbestimmungen auf freiwilliger Basis zu erreichen. Die Gewerkschaften haben im Hinblick auf die Ziele
des Bürgerrechtsgesetzes die Verpflichtung, Diskriminierung am Arbeitsplatz zu beseitigen, wo immer sie auftritt.

(Quelle: Eigenbericht)

+ ++++

Gewerkschaftliche Kurznachrichten
Neue Tarifverträge in der Gummiindustrie
Die kürzlich zwischen der "Vereinigten Gummiarbeitergewerkschaft"
(URW) und den "großen Drei" der amerikanischen Gummiindustrie (Firestone, Goodyear, Goodrich) abgeschlossenen neuen Tarifverträge bringen
insgesamt 51 500 Beschäftigte dieser drei Unternehmen in den Genuß höherer Löhne und Lohnnebenleistungen.
Im einzelnen sehen die drei sich in den Grundzügen ähnelnden und
für zwei Jahre abgeschlossenen Abkommen im ersten Jahr Lohnerhöhungen
von 7,5 Cent pro Stunde für Arbeiter in der Reifenproduktion und von
6,5 Cent für alle anderen Arbeitnehmer vor. Im zweiten Jahr dagegen
werden alle Arbeitnehmergruppen Lohnaufbesserungen von 9 Cent pro Stunde erhalten.
Von den zahlreichen verbesserten Lohnnebenleistungen sind vor allem
zu nennen: Gewährung von vier Wochen bezahltem Urlaub nach 15 (bisher 22)
und einer weiteren Woche nach 25 Dienstjähren; Gewährung eines neunten
bezahlten Feiertages pro Jahr; Erhöhung der zusätzlichen Unterstützungsleistungen bei Erwerbslosigkeit.
Auf Grund der neuen Regelung werden die maximalen Ausgleichsbeträge
zur staatlichen Arbeitslosenunterstützung allen Mitarbeitern mit einer
Betriebszugehörigkeit zwischen einem und fünf Jahren für die Dauer eines
Jahres gewährt, während sie bei einer Dienstzeit von über fünf bis zu
zehn Jahren 18 Monate, zwischen zehn und 15 Jahren 24 Monate, 15 und 25

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�25 Dienstjahren 30 Monate und über 25 Dienstjahren 48 Monate gezahlt
werden.
Die durchschnittlichen Stundenlöhne der Produktionsarbeiter beliefen sich bei den drei Unternehmen bisher auf: 3,43 Dollar (Firestone), 3,41 Dollar (Goodyear) und 3,16 Dollar (Goodrich).

(Quelle: Eigenbericht)

+ ++++

ILGWU-Gewerkschaft schloß Mustervertrag ab
Die Gewerkschaft der Damenoberbekleidungsindustrie (ILGWU) hat
kürzlich mit dem größten Unternehmen dieser Branche, der Jonathan
Logan, Inc., einen neuen Tarifvertrag abgeschlossen, der für rund
7000 Arbeitnehmer gilt, die in insgesamt 75 Betrieben in 16 verschiedenen Bundesstaaten beschäftigt sind.
Durch den Abschluß dieses allgemein verbindlichen Tarifvertrages
(bisher wurde mit jedem einzelnen Betrieb ein Vertrag abgeschlossen)
soll verhindert werden, daß es künftig zu Betriebsstillegungen kommt,
solange die TarifVerhandlungen noch im Gange sind. Zur Schlichtung
von Streitfragen soll in Zukunft ein unparteiischer Schiedsmann eingesetzt werden, auf den sich beide Vertragsparteien geeinigt haben.
Das neue Tarifwerk ist in zwei Abschnitten gegliedert. Während im
Rahmenvertrag alle allgemeingültigen Grundsätze und Verfahrensfragen
aufgeführt sind, enthält Abschnitt 2 eine Reihe von Zusatzabkommen, die
auf die speziellen Gegebenheiten der einzelnen Betriebe abgestellt sind.
Neben diesen Regelungen bringt der neue Tarifvertrag den Beschäftigten eine zehnprozentige Lohnerhöhung, die in zwei Stufen (jeweils
fünf Prozent) vorgenommen wird, sowie höhere Ecklöhne für Stückarbeit
und verbesserte Zuschläge für Facharbeiter.

(Quelle: Eigenbericht;

+ ++++

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�"GM" zahlte 7 Mio. Dollar für Verbesserungsvorschläge
Eine Rekordsumme von 7 868 184 Dollar hat die "General Motors Corporation" im vergangenen Jahr an ihre Mitarbeiter für Verbesserungsvorschläge ausgezahlt, die zur Arbeitserleichterung, Verminderung der Zahl
der Unfälle am Arbeitsplatz sowie zur Vereinfachung der Produktion und
Steigerung der Produktivität beitrugen.
Die im Vorjahr zur Auszahlung gelangte Summe ist höher als die in
den ersten zehn Jahren nach Einführung des betrieblichen Vorschlagswesens bei General Motors insgesamt ausgezahlten Beträge.
Die höchste Einzelsumme erhielt im vergangenen Jahr ein Mitarbeiter, der 142 Verbesserungsvorschläge eingereicht hatte, von denen 36
angenommen und mit insgesamt 45 905 Dollar prämiert wurden.

(Quelle: Eigenbericht)

+++++
Der Übergang von der Industrie- zur "Dienstleistungswirtschaft"
Was die Fachleute schon seit längerem vermuteten und die Statistiken anzudeuten schienen, ist jetzt durch eine Wirtschaftsanalyse weitgehend bestätigt worden: der Schwerpunkt der wirtschaftlichen Aktivität
in den USA liegt nicht mehr auf dem industriellen, sondern auf dem
Dienstleistungssektor.
Wie aus der von Dr. Victor R. Fuchs für das "National Bureau of
Economic Research" durchgeführten Untersuchung hervorgeht, ist heute
mehr als die Hälfte der werktätigen Bevölkerung der Vereinigten Staaten
in den zahlreichen Dienstleistungszweigen der Wirtschaft tätig. Die güterproduzierenden Zweige dagegen, die seit der industriellen Revolution
Mitte des vorigen Jahrhunderts die dominierende Rolle in der amerikanischen Wirtschaft spielten und zeitweilig rund 2/3 aller Arbeitnehmer beschäftigten, dürften auch weiterhin an Boden verlieren.
Dieser Wandlungsprozeß dauert zwar schon seit einigen Jahrzehnten
an, aber der eigentliche Durchbruch erfolgte erst Mitte der fünfziger
Jahre, als die Automation ihren Einzug in der Industrie hielt.
Im Jahre 1929 zum Beispiel waren noch 27,5 Millionen Amerikaner in
der Güterproduktion und nur 18,6 Millionen in den Dienstleistungszweigen
beschäftigt; im Jahr 1963 dagegen belief sich die Zahl der Dienstleistungen erbringenden Amerikaner auf 37,9 Millionen, die der Industriearbeiter
nur noch auf 31,4 Millionen.
Dieser Wandel in der Beschäftigungsstruktur hat bereits weitreichende wirtschaftliche und soziale Auswirkungen im Gefolge gehabt - Auswirkungen, die sich in Zukunft noch verstärken dürften.
Was

- 12 -

�Was sind nun die spezifischen Auswirkungen? Einmal bedeutet dieser
Wandel, daß die Frauen künftig im Berufsleben weitaus besser mit den
Männern zu konkurrieren vermögen, da die meisten Tätigkeiten in den
Dienstleistungszweigen keinerlei große physische Anstrenuungen erfordern.
Schon heute nehmen die Frauen 46 Prozent aller Arbeitsplätze in diesem
Wirtschaftssektor ein, während ihr Anteil in der Industrie nur rund 19
Prozent beträgt. Auch die Berufschancen der älteren Menschen dürften sich
gegenüber denen der jüngeren, physisch kräftigeren Arbeitnehmer nicht unerheblich verbessern.
Der zweite wichtige Einfluß, der sich durch diesen Strukturwandel
ergibt, ist wirtschaftlicher Art. Da die Konjunkturschwankungen in den
Dienstleistungszweigen allgemein weniger stark in Erscheinung treten als
im industriellen Bereich, dürften hieraus konjunkturelle Stabilisierungseffekte resultieren. Es ist in diesem Zusammenhang nicht uninteressant zu
erfahren, daß zum Beispiel die Erwerbslosenrate in den Dienstleistungszweigen während der gesamten Nachkriegsperiode erheblich geringer gewesen
ist als die der Industrie.
Außerdem ist die "Dienstleistungswirtschaftu stark verbraucherorientiert. Sie wird von dem einzelnen in vielerlei Hinsicht beeinflußt, sei
es, daß er in einem Geschäft etwas kauft, eine Schule besucht oder einen
Arzt konsultiert.
Allerdings läßt sich die Produktivität in einer Dienstleistungswirtschaft sehr viel schwerer ermitteln als etwa in der Industrie. Wie kann
man z.B. die Arbeitsleistung eines Arztes, eines Lehrers oder Verkäufers
pro Zeiteinheit in festen Werten wie in der Güterproduktion ausdrücken?
Das gleiche gilt auch hinsichtlich der Qualität der geleisteten Arbeit.
Aber dies sind technische Zukunftsfragen, die mit den großen soziologischen Auswirkungen nur in losem Zusammenhang stehen. Nach Ansicht von
Dr. Fuchs wird dieser Strukturwandel zu einer Dienstleistungswirtschaft
ähnlich große Auswirkungen auf das gesamte Leben in den USA haben wie die
großen Übergänge in der Geschichte der Menschheit von einer Wirtschaftsstufe zur nächsthöheren.

(Quelle: Eigenbericht)

+ ++++

- 13 -

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
USIS-Bonn/Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XVIII - 10

Oktober 1965
INHALTSVERZEICHNIS

Entwicklung der Arbeitgeber-ArbeitnehmerBeziehungen seit Kriegsende

Seite

Gewerkschaftliche Kurznachrichten

Seite 14

1

Joseph P. Goldberg, Sonderberater im US-Bundesamt
für Arbeitsstatistik:
Entwicklung der Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Beziehungen seit Kriegsende

Nachdruck ist mit Angabe des Verfassers und dem Vermerk
(c) 1965 by Current History, Inc.
gestattet.
Die breite Öffentlichkeit ist sich in den Vereinigten Staaten sehr
wohl bewußt, daß das Verhältnis zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern
in den zwei NachkriegsJahrzehnten manche Krise durchgemacht hat; wie es
aber heute um dieses Verhältnis bestellt ist, davon haben leider die
wenigsten eine klare Vorstellung. Dies erklärt sich zum Teil aus dem
Wesen und der Praxis der Kollektiwerhandlungen zwischen Arbeitgebern
und Arbeitnehmern. Das System der Kollektiwerhandlungen erstreckt sich
auf einen Bereich, in dem gegenwärtig und voraussichtlich auch in Zukunft widerstreitende Kräfte aufeinanderstoßen. Diese wiederum unterliegen dem Einfluß wechselnder Machtrelationen und veränderlichen wirtschaftlichen Drucks sowie der Einflußnahme des Staats.
Hauptfiguren der Kollektiwerhandlungspraxis sind nicht lediglich
die Vertreter der Unternehmer- und der Arbeitnehmerseite, sondern vielmehr auch Repräsentanten zahlreicher anderer Gruppen: Wirtschaftswissenschaftler, Intellektuelle, die zu irgendeinem Zeitpunkt mit der Gewerkschaftsbewegung liiert waren,Schiedsleute und, in einem weiteren
Sinne, auch die Öffentlichkeit. Hieraus auch erklärt sich die große
Fülle der Literatur über Fragen des Kollektiwerhandlungswesens, in
der es von vorgefaßten Meinungen über seine Ziele nur so wimmelt, während man nur selten auf Versuche einer objektiven Beurteilung stößt.
Vertreter

�Vertreter der Industrie und der Verbände verweisen nach wie vor
gern auf die Stärke der Gewerkschaften, um dann fortzufahren, daß
Kollektivverhandlungen auf industrieweiter Basis häufig zu Streiks
mit verheerenden Folgen führen. Die Gewerkschaften dagegen stellen die
negativen Auswirkungen des Taft-Hartley-Gesetzes von 1947 (Labor-Management Relations Act - Gesetz zur Regelung der Arbeitgeber-ArbeitnehmerBeziehungen) und des Landrum-Griffin-Gesetzes von 1959 (Labor Management
Reporting and Disclosure Act - Gesetz über die Berichterstattungs- und
Offenlegungspflicht der Gewerkschaften und Unternehmen) heraus, die sie
als Zwangsjacke empfinden. Manche Intellektuelle, die sich der Ideologie
der Arbeiterbewegung aus der Zeit der großen Wirtschaftskrise verbunden
fühlen, schreiben jedes noch so geringfügige Versagen der Gewerkschaften
und des Kollektivverhandlungswesens dem Fehlen einer straffen Organisation der Arbeiterschaft und der - angesichts der technischen Revolution fortgesetzt sehr großen Arbeitslosigkeit zu. Auch die Rolle des Staates
wird vielfach stark kritisiert: Man bezichtigt ihn einer übermäßigen
Bereitwilligkeit zum Eingreifen in Arbeitsstreitigkeiten und argumentiert, je nach der eigenen arbeitgeber- oder arbeitnehmerfreundlichen
Haltung, die staatlich festgelegten Lohn-Preis-Richtwerte wirken sich
lohnkostensteigernd aus oder dienen lediglich dem Zweck, eine Verhandlungsbasis unterhalb der Forderungen der Gewerkschaften abzugeben.
Dabei ist natürlich der Rahmen, in dem sich Kollektiwerhandlungen
abspielen, selbst wieder nur das Produkt vielfältiger Einflüsse, deren
Auswirkungen zu erfassen äußerst schwierig ist. Zu einem Teil sind sie
eine Folge der widerstreitenden Positionen der Arbeitnehmer und des
Managements, zu einem anderen Teil der Besorgnis des Staates, wie sie
ihren Ausdruck in legislativen Maßnahmen wie dem Taft-Hartley- und dem
Landrum-Griffin-Gesetz fand. Selbstverständlich sind die wirtschaftlichen
Einflüsse auf das Kollektivverhandlungswesen mindestens genauso wichtig,
wurden doch die Beziehungen zwischen den Sozialpartnern in der gesamten
Nachkriegszeit durch eine kaleidoskopartige Fülle von wirtschaftlichen
Entwicklungen berührt. Zu diesen zählen der Übergang von der Kriegs- auf
die Friedenswirtschaft, periodisch wiederkehrende Rezessionen., der wachsende internationale Wettbewerb und Standortsveränderungen und andere
Entwicklungen innerhalb der eigenen Wirtschaft.
Um zu einem tieferen Verständnis der gegenwärtigen Situation des
Kollektiwerhandlungswesens und der Haltung des Staates zu den Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Beziehungen zu gelangen, muß man auch andere in Erscheinung tretende Einflüsse in Betracht ziehen, wie z.B. die tiefgreifenden technischen Veränderungen, (insbesondere in Gestalt der Automation),
die Entwicklung neuer Produkte und die Zunahme des Arbeitspotentials.
Die Arbeitspolitik der Regierung ist in ihren Grundzügen nach wie
vor auf das Ziel ausgerichtet, jedem Arbeitnehmer das Recht zu gewährleisten, sich nach eigenem freien Willen der von ihm bevorzugten Gewerkschaft
anzuschließen und die Fortentwicklung des Systems der Kollektivverhandlungen zu fördern. Wenngleich die Gewerkschaften im letzten Jahrzehnt generell einen Mitgliederschwund zu verzeichnen hatten, konnten sie ihre
Position in Kollektivverhandlungen durchaus bewahren und ihre Mitwirkung
im Bereich des staatlichen Lebens und ihren Einfluß auf dieses noch steigern. In einer Reihe von großen Industrien zeigt sich immer deutlicher,

- 2 -

�deutlicher, daß das Kollektivverhandlungswesen einen hohen Grad der
Reife erreicht hat. Wie sehr die Regierung die Privatinitiative im
Bereich der Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Beziehungen zu wecken bemüht
ist, läßt sich an der gesamten Tätigkeit des Beratungsausschusses
des Präsidenten zu Fragen der Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Beziehungen
seit 1961 ablesen. Die Arbeitslosigkeit als Folge der raschen Expansion des Arbeitspotentials ist angesichts komplizierender Faktoren wie des technischen
Wandels und des zunehmenden ausländischen Wettbewerbs eine Angelegenheit, auf die Kollektivverhandlungen nur einen begrenzten Einfluß ausüben. Rier war die Regierung bemüht, die Verhandlungspartner bei ihrer
Suche nach Lösungen zu unterstützen, die eine Anpassung an die veränderte wirtschaftliche Situation erleichtern helfen. Gewerkschaften,
Unternehmer und Regierung haben sich zusammengefunden, um gemeinsam
Maßnahmen zur Entwicklung des Arbeitsmarktes zu treffen und durchzuführen. Ziel dieser Bemühungen ist es, mit den Problemen der Arbeitsplatzverdrängung und der Arbeitsplatzbeschaffung für jugendliche Neuzugänge auf dem Arbeitsmarkt fertig zu werden.
Die Regierung ist in der Formulierung ihrer Arbeitspolitik in
bezug auf das Kollektivverhandlungswesen darauf bedacht, den jeweiligen Verhältnissen Rechnung zu tragen. Das Taft-Hartley- und das LandrumGriff in-Gesetz fügten dem Verbot unfairer Arbeitspraktiken, das das
Wagner-Gesetz von 1935 (National Labor Relations Act - Gesetz zur Sicherung der Arbeitnehmerrechte) für die Unternehmerseite gebracht hatte,
ein solches für die Arbeitnehmer- und Gewerkschaftsseite hinzu und setzten feste Normen für die Tätigkeit der Gewerkschaften. Das Bürgerrechtsgesetz von 1964 schließlich dehnte den Grundsatz der Gleichheit aller
auch auf die Aufnahme in eine Gewerkschaft und die Einstellungspolitik
der Betriebe aus. Der bereits genannte Präsidialausschuß war darüber
hinaus auch außerhalb des Bereichs der Legislative bestrebt, das Kollektivverhandlungswesen weiter zu festigen. Um einer inflatorischen Entwicklung vorzubeugen, setzte der Wirtschaftsbeirat des Präsidenten die LohnPreis-Richtwerte fest.
Zusammenfassend läßt sich sagen, daß sich im Bereich des Kollektivverhandlungswesens alle Beteiligten nach Kräften bemüht haben, den Erfordernissen einer im raschen Wandel begriffenen Wirtschaft gerecht zu
werden; und vieles deutet darauf hin, daß diese Bemühungen auch erfolgreich waren. Die Arbeitspolitik der Regierung ist geeignet, sowohl die
Interessen der Allgemeinheit zu wahren als auch das Kollektiwerhandlungswesen und den damit verbundenen Drang der Gewerkschaften zur Bildung fester Institutionen zu sanktionieren. Nunmehr gilt es, durch, die
fortgesetzte.Beobachtung der Entwicklung sicherzustellen, daß der Staat
nicht Aufgaben privater Institutionen an sich zieht, was einem Eingtiff
in unser demokratisches System gleichkäme.
Das Taft-Hartley-Gesetz
Der Gang der Ereignisse nach Kriegsende zeigte bereits, daß das
Kollektivverhandlungswesen - im Gegensatz zur Lage nach dem ersten Weltkrieg - als fest verankert gelten konnte. Die Arbeitsprobleme des Jahres

�Jahres 1946 waren die Folge einer uneinheitlichen Entwicklung, in
deren Verlauf den Sozialpartnern in ihren Kollektiwerhandlungen die
Aufgabe zufiel, ausgehend von einer staatlichen Lohn-Preis-Politik
mit begrenzten Zielen im Bereich der Löhne und Arbeitsbedingungen
den Übergang auf die Friedenswirtschaft zu vollziehen. Die zahlreichen Streiks jener Zeit hatten wirtschaftliche Fragen zum Anlaß und
nicht,wie in einer früheren Umstellungsphase, grundsätzliche Dinge.
Je mehr die wirtschaftliche Anpassung zur Sache der Sozialpartner wurde, um so heftiger wurden die Angriffe gegen das Wagner-Gesetz.
Die zahlreichen Arbeitseinstellungen in dieser Übergangsperiode und
die gegen John L. Lewis erhobene Beschuldigung,.die Gewerkschaft zu
dominieren, bereiteten den Boden für das Taft-Hartley-Gesetz. Es wurde
im Jahr 1947 durch einen von den Republikanern, beherrschten Kongreß
erlassen, der das ausdrückliche Veto Präsident Trumans überstimmte.
Das Wagner-Gesetz hatte die Organisation der Gewerkschaften gefördert und ihren Tätigkeitsdrang auf das Gebiet der Kollektivverhandlungen gelenkt. Einer der Väter des neuen Gesetzes, Senator Robert
A. Taft, sprach von der Absicht, "ein gewisses Maß an Gleichheit zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer herzustellen, damit es zu freien
Kollektiwereinbarungen zwischen den beiden komme". Das Taft-HartleyGesetz bekräftigte mithin den Grundsatz freier Kollektivverhandlungen,
das Organisierungsrecht der Arbeiterschaft, bejahte jedoch gleichzeitig auch das ^et'nt des einzelnen Arbeitnehmers, den Gewerkschaften
fernzubleiben. Es fügte der Liste der unfairen Arbeitspraktiken auf
selten der Unternehmer eine solche auf seiten der Gewerkschaften hinzu.
Das Taft-Hartley-Gesetz verbot sekundäre Boykottmaßnahmen ebenso
wie Streiks wegen Differenzen über die gewerkschaftliche Zuständigkeit
(Vertretungsbefugnis). Der Bereich der Kollektivverhandlungen wurde
insofern eingeschränkt,als das Gesetz ein Verbot des Closed Shop (Gewerkschaftsbetrieb mit Mitgliedzwang als Anstellungsvoraussetzung)
brachte; der Union Shop (Gewerkschaftsbetrieb mit Mitgliedzwang nach
Einstellung) blieb auch weiterhin erlaubt. Abschnitt 14 (b) räumte
jedoch den Einzelstaaten das Recht ein, für ihren Bereich den Union
Shop zu untersagen. Einen Eingriff in die Geschäftsführung der Gewerkschaften - ein Novum - stellten jene Bestimmungen dar, die sich auf die
Frage überhöhter oder diskriminierender Beitrittsgebühren bezogen und
es den Gewerkschaftsfunktionären zur Pflicht machten, Aufbau und Finanzen ihrer Organisationen in regelmäßigen Berichten offenzulegen und
eidesstattlich zu versichern, daß ihre Organisation nicht kommunistisch
ist.
Das Taft-Hartley-Gesetz enthielt ferner Bestimmungen bezüglich der
Regelung von Streitfragen, die geeignet sind, "einen nationalen Notstand" hervorzurufen,
nach Auffassung des Präsidenten "die Volksgesundheit und die nationale Sicherheit zu gefährden". Das Gesetz bot
die Handhabe, eine 80tägige Stillhaltefrist zu verfügen, um einen Streik
hinauszuzögern und einem Untersuchungsausschuß Gelegenheit zu geben, den
Sachverhalt zu klären und über ihn, wenngleich ohne Vorlage von Empfehlungen, zu berichten.
Die

- 4 -

�Die Gewerkschaften nannten das Taft-Hartley-Gesetz ein "Zwangsgesetz" und forderten seine Widerrufung. Obwohl sich Befürworter wie
Gegner darin einig waren, daß das Gesetz einer Revision bedurfte,
blieb diese Einigkeit fruchtlos. (Eine Reform erfolgte 1951 insofern,
als im Anschluß an eine Abstimmung, in der das Prinzip des Union Shop
fast einmütige Zustimmung gefunden hatte, die Vorschrift bezüglich der
Stimmenmehrheit als Voraussetzung für das Inkrafttreten eines Vertrags
zur Errichtung eines Gewerkschaftsbetriebs zu Fall gebracht wurde.)
Hier sind auch noch weitere Entwicklungen zu nennen, die dem Erlaß der nächsten einschlägigen Gesetzesbestimmungen in den Jahren 1958
und 1959 vorausgingen. Die gesetzliche Sanktionierung der Gewerkschaften und des Gewerkschaftsbetriebs zog die Forderung nach einer Beobachtung und Überwachung der gewerkschaftlichen Tätigkeit durch den
Staat nach sich. Kenner der Verhältnisse im Bereich der ArbeitgeberArbeitnehmer- Beziehungen wie auch unparteiliche Schiedsleute wiesen
mit Nachdruck auf die Notwendigkeit einer solchen Überwachung hin.
Prof. Sumner Slichter von der Harvard-Universität forderte 1947 in
einer Arbeit über das Verhalten der Gewerkschaften, deren Tätigkeit
nationale Interessen berührt, eine staatliche Überwachung der AufnahmebestImmungen und der gewerkschaftlichen Disziplinarordnung sowie
eine Überprüfung der treuhänderischen Tätigkeit der örtlichen Gewerkschaften. Im Jahr 1952 kritisierte die. amerikanische Bürgerrechtsvereinigung (American Civil Liberties Union) die Ehrengerichtsbarkeit
der Gewerkschaften und wies mit besonderem Nachdruck auf das Fehlen
unparteiischer Richter hin. Kritik an den einengenden Bestluuuungen
über die Aufnahme neuer Gewerkschaftsmitglieder, inäbimundere *&gt;n Negern,
war bereits 1930 in Untersuchungen der Liga zur Förderung der städtischen Negerbevölkerung (National Urban League) geübt worden.
Die Notwendigkeit einer Überwachung der Gewerkschaften
Die AFL-CIO selbst erkannte die Notwendigkeit der Abhilfe in Fällen von Gesetzwidrigkeiten und Korruption durchaus an. Anläßlich des
Zusammenschlusses der beiden Organisationen im Jahr 1955 wurden die
sogenannten Ehrenordnungen erlassen und ein Ausschuß zur Untersuchung
ehrenrühriger Gewerkschaftspraktiken eingesetzt. Dieser Schritt führte
im Jahr 1957 zum Ausschluß der Transportarbeitergewerkschaft und zweier
anderer Organisationen«, Daß ein solcher Ausschluß notwendig wurde, war
als Zeichen des tatsächlichen Bestehens von Mißbräuchen zu werten.
Gewerkschaftliche Mißbräuche bildeten den Gegenstand von Untersuchungen eines Senatsausschusses in den Jahren 1954-56, der sich mit
der Tätigkeit der Sozialkassen befaßte, sowie auch der 270 Tage währenden Informationssitzungen des McClellan-Ausschusses in den Jahren 1957
bis 1959. Bei diesen Untersuchungen kam zutage, daß sich Funktionäre
einiger weniger Gewerkschaften der Korruption schuldig gemacht und geheime Absprachen mit Vertretern der Management-Seite getroffen hatten.
Damals wurde unter anderem auch der Vorwurf erhoben, die Stärke der
Gewerkschaften trage zur Förderung inflationistischer Tendenzen bei
und schwäche die Wettbewerbsposition der amerikanischen Produzenten
auf den Weltmärkten. Die genannten Untersuchungen führten zum Erlaß

- 5-

�Erlaß zweier neuer Gesetze. Das erste aus dem Jahr 1958 war das Gesetz über die Offenlegungspflicht der Sozial- und Pensionskassen
(Weifare and Pension Plans Disclosure Act), das im Hinblick auf das
Wachstum dieser Kassen und die damit verbundene Anhäufung gewaltiger
Beträge erlassen wurde. Während das Gesetz zunächst lediglich eine
jährliche Berichterstattung dieser Institutionen vorsah, wurde es
1962 mit Unterstützung der AFL-CIO um Strafbestimmungen im Falle von
Mißbräuchen erweitert.
. -*..
Das Landrum-Griffin-Gesetz, das im Jahr 1959 in Kraft trat, bekräftigte das Recht der Arbeitnehmer auf gewerkschaftlichen Zusammenschluß und Wahl eigener Vertreter bei Kollektivverhandlungen. Es verkündete jedoch gleichzeitig neue Richtlinien für die Geschäftsführung
der Gewerkschaften, und bezeichnete es als "von entscheidender Wtcfctigkeit, daß die Gewerkschaften die Unternehmer und ihre Vertreter den
höchsten Anforderungen in bezug auf Verantwortung und Moral bei der
Verwaltung der Angelegenheiten ihrer Organisation, insbesondere soweit diese die Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Beziehungen betreffen, genügen".
Eine Erklärung der Gewerkschafterrechte setzte feste Normen bezüglich des Schutzes der neuen Rechte des einzelnen innerhalb der Gewerkschaft, der Erhebung von Gebühren und Beiträgen, des Rechts, gegen eine Gewerkschaft und ihre Funktionäre zu klagen und gegen diese
auszusagen, und des Schutzes vor ungerechtfertigten disziplinarischen
Maßnahmen. Die Achtung dieser Rechte kann durch Klage vor einem Bundesdistriktsgericht erzwungen werden.
Die Pflicht zur Offenlegung wurde auf die Gewerkschaften und ihre
Funktionäre und festangestellten Mitarbeiter sowie die Unternehmen ausgedehnt, um unerlaubte Verbindungen wie im Fall von Investitionen und
Interessenkonflikten aufzudecken. Es wurden ferner Vorkehrungen getroffen, um den Mißbrauch der Treuhänderschaft der großen Dachverbände
über die örtlichen Gewerkschaften zu unterbinden. Weitere Bestimmungen betreffen die Gewerkschaftswahlen und die Qualifikationen der Gewerkschaftsfunktionäre. Sie sollen die Gewerkschaften vor unerwünschter Beeinflussung bewahren.
Ein Abschnitt des Gesetzes änderte das Taft-Hartley-Gesetz in
der Absicht ab, die Bestimmungen bezüglich der Durchführung von sekundären Boykotten, der Aufstellung von Streikposten und der Vertragsklauseln über den Ausschluß gewisser Güter vom Transport zu verschärfen.
Das Gesetz befaßte sich ferner ausdrücklich.mit den besonderen Verhältnissen im Baugewerbe und in der Bekleidungsindustrie.
--er.
Die Auswirkungen des neuen Gesetzes lassen sich ebensowenig wie
die des früheren direkt erfassen. Fest steht, daß es Anlaß zu großer
Unzufriedenheit schuf. Die AFL-CIO hat auf ihrem Jahrestag 1963 gegen
das Taft-Hartley-Gesetz .erneut den Vorwurf erhoben, es sei unfair. Sie
wies darauf hin, daß das Landrum-Griffin-Gesetz und insbesondere die
darin enthaltene "Erklärung der Rechte der Gewerkschaftsmitglieder" viel
dazu beitragen, "unerhebliche oder ungerechtfertigte, kostspielige.und
lästige Streitfälle heraufzubeschwören, die von den Gerichten sehr sorgfältig bearbeitet werden müssen, damit die Gewerkschaften in ihrem traditionellen und demokratischen Aufbau und Wirken keinen Schaden erleiden".

Eine

�Eine unparteiische Analyse der Erfahrungen mit dem Gesetz gipfelt in
dem Schluß 1 ) :
"Alles in allem können die Gewerkschaften und ihre Führer die
Berichte des Bundesamtes für die Arbeitnehmer-Arbeitgeber-Berichterstattung (Bureau of Labor-Management Reports) mit Genugtuung und in
dem sicheren Bewußtsein zur Kenntnis nehmen, daß die Gewerkschaften,
was die Demokratie und die Rechte ihrer Mitglieder angeht, mindestens
ebenso hohen Normen gerecht werden wie andere Institutionen unserer
Gesellschaft."
In diesem Zusammenhang sei auch auf die Bestimmungen des Bürgerrechtsgesetzes von 1964 verwiesen, das die Schaffung einer Kommission
zur Sicherung gleicher Beschäftigungsbedingungen (Equal Employment
Opportunity Commission) vorsieht, der die Aufgabe gestellt ist, die
Durchführung der Gesetzesbestimmungen zur Verhütung von Diskriminierung aufgrund der Rasse, Hautfarbe, Religion, des Geschlechts und der
nationalen Herkunft zu überwachen. Das entschlossene Eintreten der
AFL-CIO für die Bestimmungen zur Sicherung gleicher Beschäftigungsbedingungen bildet gewissermaßen den Höhepunkt der langjährigen Bemühungen dieser Organisation um die Verbesserung der Beschäftigungsaussichten der Neger.
Auf dem Gewerkschaftskongreß von 1963 wurde berichtet, daß 111 von
insgesamt 130 in den Vereinigten Staaten und in Kanada tätigen Gewerkschaften keine nach Hautfarbe getrennten Ortsvereinigungen unterhielten,
während bei den restlichen 19 AFL-CIO-Gewerkschaften von insgesamt 15 000
Ortsverbänden lediglich 172 bisher an der Rassentrennung festgehalten
haben. In einer Entschließung der Tagung wurden sämtliche Mitgliedgewerkschaften aufgefordert, "mit großem Nachdruck auf die Entwicklung eines
eigenen Bürgerrechtsprogramms hinzuarbeiten, das die Ächtung jeglicher
Form der Diskriminierung aufgrund der Rassenzugehörigkeit, des Glaubens
oder der Hautfarbe in ihren eigenen Reihen zum Ziel hat", und "auf den
Einbau wirksamer Bestimmungen zur Verhinderung von Diskriminierungen in
sämtliche Kollektivverträge zu drängen". Im Anschluß an den Kongreß
startete die AFL-CIO in verschiedenen Städten ein Modellprogramm, in
dessen Rahmen die Abteilung Bürgerrechte der AFL-CIO-Zentrale Vertreter
tu den Ortsverbänden mit dem Auftrag entsandte, bei der Beseitigung der
Diskriminierung auf unterster Ebene beratend zu helfen.
Die Rolle des Staates bei Arbeitsstreitigkeiten
Das Gesetz zur Regelung der Arbeitsbedingungen bei den Eisenbahnen
(Railway Labor Act) und das Taft-Hartley-Gesetz enthalten Bestimmungen
über die Behandlung von Arbeitsstreitigkeiten auf Bundesebene. Gegen das
erstere Gesetz, das für die Eisenbahnen ebenso wie für den Flugverkehr
gilt, wird seit Jahren schon der Vorwurf erhoben, es habe die Durchführung von Kollektiwerhandlungen unmöglich gemacht und zur ausschließlichen Zufluchtnahme zu staatlicher Regulierung geführt. Als absoluter
Tiefpunkt des Funktionierens des Eisenbahngesetzes ist der im August
1963 notwendig gewordene Erlaß eines Gesetzes anzusehen, das eine
zwangsweise Schlichtung des vielschichtigen und sich lange hinziehenden
Streits über die Arbeitsbedingungen verfügte, der zwischen den führenden Eisenbahngesellschaften und den Gewerkschaften des Eisenbahnbetriebs-

Industrial Relations Research Association, Regulating Union Government,
Publication No. 31, 1964
- 7 -

�Eisenbahnbetriebspersonals ausgebrochen war. Jene geradezu traumatische Erfahrung dürfte noch lange in die Zukunft wirken. Der
damalige Arbeitsminister Wirtz erklärte hierzu: '»Anhand jener Erfahrung wurde deutlich, wie weitverbreitet das Gefühl ist, daß
'Eingriffe des Staates* in Kollektiwerhandlungen beinahe um jeden
Preis zu vermeiden sind." ./
Es wurde bereits auf die Notstandsbestimmungen des Taft-HartleyGesetzes für den Fall von Streiks auf Bundesebene verwiesen. Die Durchführung dieser begrenzten Bestimmungen hat viel Unmut erregt. Sie wurden in der Zeit von 1947 bis 1964 in 24 Fällen angewandt, wobei in 19
Fällen der entsprechende Apparat noch vor oder kurz nach Streikbeginn
eingeschaltet wurde: in 7 Fällen kam es zu einem Streik, nachdem die
verfügte Stillhaltefrist abgelaufen war.
Die Bemühungen der Regierung um eine Verbesserung der Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Beziehungen ohne Inanspruchnahme dieser gesetzlichen
Bestimmungen sind unabdingbarer Bestandteil der Arbeitspolitik. Die
Berichte des Beratungsausschusses des Präsidenten zu Fragen der Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Politik (President's Advisory Coramittee on LaborManagement Policy) seit 1962 fanden weitgehend Zustimmung bei den
beteiligten Vertretern der Öffentlichkeit, der Gewerkschaften und der
Unternehmer. "Die volle Einmütigkeit darüber, daß Kollektivverhandlungen ein wesentliches Element der Wirtschaftsdemokratie darstellen",
wie Präsident John F. Kennedy in dem Bericht dieses Ausschusses über,
"freie und verantwortungsbewußte Kollektiwerhandlungen und Arbeitsfrieden" erklärte, "ist ein Zeichen unseres Fortschritts als Nation
gegenüber der Uneinigkeit in dieser Frage noch in jüngster Vergangenheit."
Wichtige Empfehlungen betrafen Fragen der Schlichtung, die Freiheit in der Wahl der Vertreter für Kollektiwerhandlungen, die Verantwortung des Staates in Kollektiwerhandlungen, die Mithilfe dritter
Parteien und die Verbesserung der Verfahrensregelung im Falle eines
Streiks, der einen nationalen Notstand hervorzurufen geeignet ist. Die
Berichte des Ausschusses haben sich auch mit so vielschichtigen Themen
befaßt wie "Vorteile und Problematik der Automation und anderer technischer Fortschritte", "Maßnahmen zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit
amerikanischer Waren auf den Weltmärkten" und "Erklärungen zur Steuerund Währungspolitik". Das soll nicht besagen, daß es in dem Ausschuß zu
keinerlei Differenzen gekommen wäre, trafen doch einige Mitglieder die
Feststellung, die Konzentration von Macht bei den Gewerkschaften wirke
sirh nachteilig *ä£ die Kollektiwerhandlungen aus, während die Gewerkschaftsvertreter im Ausschuß dem entgegenhielten, wenn überhaupt eine
Bedrvjh''^»" gegeben sei, dann rühre sie von der Machtkonzentration in den
großen Unternehmen her. Die Behandlung der gemeinsamen Probleme war

W. Willard Wirtz, Labor and the Public Interest, New York, 1964

- 8 -

�war dennoch beispielhaft und zeigte, daß sich eine nationale Basis
für die fortgesetzte Beratung jener vielschichtigen Fragen finden
läßt, wie sie in zunehmendem Maße bei Verhandlungen zwischen Betrieben, Gesellschaften und Gewerkschaftsverbänden angestrebt wird.
Fragen der Wirtschaftspolitik
Auf seiten des Staates ist jedoch eine zunehmende Besorgnis über
die Verhandlungsergebnisse zu verzeichnen. Die Sorge um die Aufrechterhaltung stabiler Preise angesichts des wachsenden Wettbewerbsdrucks
aus dem Ausland und der Bemühungen um den Ausgleich der Zahlungsbilanz
war mit Ausschlaggebend für die Festsetzung der Lohn-Preis-Richtwerte
durch den Wirtschaftsbeirat des Präsidenten. Ausgangspunkt war die im
Wirtschaftsbericht des Präsidenten von 1959 enthaltene Ermahnung, daß
"die einschlägigen Maßnahmen der Regierung ihre Ergänzung in geeigneten privaten Maßnahmen, insbesondere im Hinblick auf Gewinne und Löhne,
finden müssen1*. D*.r Bericht von 1962 brachte dann die erwähnte Festsetzung spezifischer. Richtwerte für Löhne und Preise.
Die Aufstellung von Richtwerten beweist, daß das Kollekfiwerhandlungswesen integraler Bestandteil der US-Wirtschaftspolitik ist. Hierin
ist man sich wohl grundsätzlich einig. Über die Handhabung allerdings
dieser Richtwerte bestehen weitgehende Meinungsunterschiede. Auf seiten
der Wirtschaftswissenschaft begrüßte Professor J.K. Galbraith kürzlich
die Richtwerte als "wichtigstes Mittel zur Verteidigung des Dollars.
Sie sind von größter Bedeutung auch für die Ruhe im Innern und für den
guten Ruf unseres wirtschaftlichen Managements1*. Im Gegensatz hierzu
erklärte Professor Arthur Bums: "Wenn sich die Regierung erst einmal
darin auf Gewerkschaften und Betriebe verläßt, daß sie eine Inflation
abwehren, besteht die Gefahr,, daß sie ihrer traditionellen Verantwortung
für die Überwachung des Geldumlaufs und die Aufrechterhaltung des Wettbewerbsklimas nicht gerecht wird.1*
Sowohl auf Gewerkschafts- wie auf Unternehmerseite macht sich eine
gewisse Unsicherheit bemerkbar. Walter Reuther von der Vereinigten
Automobilarbeitergewerkschaft erklärte kürzlich, die Richtwerte seien
"ihrem Wesen nach gefährlich negativ", und er kritisierte den Wirtschaftsbeirat wegen der rigorosen Anwendung.der Richtwerte und beschuldigte ihn,
die störenden Auswirkungen steigender Preise auf das Gleichgewicht zwischen Löhnen und Kaufkraft außer acht zu lassen. 3) Handelsminister John
T. Connor, der die Richtwerte an sich befürwortet,-erklärte hingegen:
"Zahl reiche Geschäftsleute beklagen sich in privaten Gesprächen
darüber, daß der Lohn-Richtwert einer durchschnittlichen jährlichen
Steigerung von 3,2 Prozent in Wirklichkeit zum Minimum geworden ist,
das die Gewerkschaftsführer in ihren Verhandlungen erstreben... Sie
erklären, kein vernünftiger Unternehmer werde die Preise aufgrund der
Gewinne der Vergangenheit* herabsetzen, er werde vielmehr zu erfahren
wünschen, welche Lorin- und anderen Kosten ihm voraussichtlich in najier
Zukunft erwachsen und wie die Marktlage für seine Produkte zu beurteilen

Vgl. Report of the President (89. Congress, Ist Session) und Hearings
Before the Joint Economic Committee on the January, 1965
- 9-

�Auswirkungen der staatlichen Arbeitspolitik
Welche Auswirkungen hat nun die Haltung der Regierung gegenüber
den Gewerkschaften und dem System der Kollektiwerhandlungen gezeitigt?
Eine direkte Antwort auf diese Frage ist unmöglich, weil die staatliche Politik, wie bereits ausgeführt, mit einer ganzen Reihe anderer
Einflüsse in Wechselwirkung steht. Dennoch sei hier auf einige Trends
verwiesen, die geeignet zu sein scheinen, die einzelnen Elemente der
staatlichen Arbeitspolitik in eine vernünftige Perspektive zu rücken.
Alles in allem war das Wirtschaftsklima seit 1947 für Kollektivverhandlungen günstig. Die Wirtschaftstätigkeit nahm in der Zeit nach
1947 fast unablässig zu, und es gab nur relativ wenige Rückschläge,
von denen das Einkommens- und das Preisniveau weitgehend unberührt
blieben. Das Fortbestehen einer hohen, wenngleich abnehmenden Arbeitslosigkeitsrate, die von einem Maximum von 6,8 Prozent im Jahr 1958
auf 5,2 Prozent im Jahr 1964 zurückging, war ein störender Faktor. Er
erschwerte insbesondere die Beilegung von Arbeitsstreitigkeiten, die
sich aus den Rückwirkungen technischer Veränderungen auf die bisherigen
Arbeitsregelungen und Einstellungsvereinbarungen ergaben. Die Zahl der
Streiks hingegen war relativ niedrig, und der Arbeitsausfall machte
nach 1947 bei den bestreikten Betrieben im Bereich der gewerblichen
und industriellen Fertigung nur einen kleinen Bruchteil der Gesamtarbeitszeit aus (im allgemeinen weniger als 0,5%).
Stabile Verhältnisse im Bereich der Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Beziehungen werden nicht lediglich durch das Fehlen von Streiks bestimmt.
Die beiden letzten Jahrzehnte waren gleichzeitig ein Zeitraum, in dem
die Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Beziehungen veränderten Erfordernissen angepaßt werden mußten. Trotz einer Verhärtung des Standpunktes der Arbeitgeber - eine Folge des zunehmenden Wettbewerbs auf den Inlandsund Auslandsmärkten - funktionierte das System der Kollektivverhandlungen in fast allen Fällen reibungslos.
Die Zahl der gegenwärtig in den Vereinigten Staaten rechtswirksamen Kollektivverträge wird auf 150 000 geschätzt. Die rund 1800 Verträge, von denen jeder mehr als 1000 Arbeitnehmer erfaßt, erstrecken
sich im allgemeinen auf mehrere Werke ein und derselben Gesellschaft
oder auf ganze Branchen. Diese Verträge lassen deutlich erkennen, daß
das Kollektiwerhandlungswesen noch im Stadium der Evolution ist:
Tarifverträge werden immer vielschichtiger.
Alle Entwicklungen im Bereich des Kollektivverhandlungswesen
hier aufzeigen zu wollen, wäre unmöglich. Es sind neben allgemeinen
Entwicklungstrends auch zahlreiche Einzelexperimente zu beobachten. Die privaten Pensions- und Versicherungskassen sind ein hervorragendes
Beispiel für eine Entwicklung, die ihren Anfang in Kollektiwerhandlungen nahm und durch eine zweckdienliche Steuerpolitik gefördert wurde.
Sie zeigt aber auch, daß die Leistungen der staatlichen Sozialversicherung nicht mit den Lebenshaltungskosten Schritt gehalten haben. Auch
die Verbesserung der Urlaubsregelung und die Gewährung bezahlter
Feiertage sind Entwicklungen mit weitreichenden Folgen.
Aus

- 10 -

�Aus TarifVerhandlungen sind bemerkenswerte Neuerungen hervorgegangen. Im Bereich der Automobilindustrie handelten die Vereinigte
Automobilarbeitergewerkschaft (United Automobile Workers - UAW) und
General Motors 1948 erstmals eine Lohnvereinbarung aus, die Lohnerhöhungen in Relation zur Produktivitätssteigerung und in Angleichung
an den Lebenshaltungskostenindex des Bundesamtes für Arbeitsstatistik
vorsah. Im Jahr 1953 wurde in der gleichen Industrie ein Abkommen
über die Einführung einer zusätzlichen, privaten Arbeitslosenversicherung abgeschlossen. Und erst in jüngerer Zeit, im Jahr 1963, stimmte
die Stahlindustrie in Kollektiwerhandlungen der Gewährung von zusätzlichem Urlaub für langjährige Mitarbeiter zc drei Monate für je fünf
Jahre Betriebszugehörigkeit. Eine weitere Neuentwicklung spiegelt sich
auch im Tarifabkommen mit der Automobilindustrie vom Jahr 1963, nämlich der zunehmende Trend, Arbeitnehmer durch Vergünstigungen dazu zu
veranlassen, vorzeitig in den Ruhestand zu treten.
Die wachsende Vielschichtigkeit der Fragen, denen sich beide
Seiten in Kollektiwerhandlungen gegenübersehen, hat in den sechziger
Jahren den Anstoß dazu gegeben, neue Verhandlungspraktiken zu entwickeln. Der Ausschuß für zwischenmenschliche Beziehungen in der Stahlindustrie ist ein hervorragendes Beispiel hierfür. Aus langwierigen
Erörterungen solcher Probleme resultierten der sogenannte Armour-Plan,
die TarifVereinbarung der Hafenarbeiter an der Westküste, die Vereinbarung mit der amerikanischen Seeleutegewerkschaft (National Maritime
Union of America - NMU) über die Errichtung von Mechanisierungs- oder
Automatisierungsfonds sowie der Kosteneinsparungsplan der Kaiser Steel
Company.
Zumindestens gestreift sei hier auch die Lage der Gewerkschaften
selbst und deren Auswirkung auf ihre Position in Kollektivverhandlungen.
Die Gewerkschaften machen das Taft-Hartley-Gesetz und die einzelstaatlichen Gesetze zur Sicherung des Rechtes auf Arbeit für das geringe
Wachstum der Gewerkschaftsbewegung in der Nachkriegszeit verantwortlich. Das Bundesamt für Arbeitsstatistik verzeichnete zwischen 1945
und 1950 eine durchschnittliche Mitgliederzahl der Gewerkschaften von
14,3 Millionen, einen Anstieg auf 17,5 Millionen bis 1956, einen allmählichen Rückgang bis auf 16,3 Millionen (1961) und dann einen erneuten
Anstieg auf 16,6 Millionen im Jahr 1962, der die stärkste Zunahme seit
1956 darstellt. Noch schwerer als der absolute Rückgang der Mitgliederziffern wiegt die Tatsache, daß die Migliederzahlen der Gewerkschaften
nicht mit der Zunahme des Arbeitspotentials Schritt halten konnten:
Der Anteil der Gewerkschaftsmitglieder verringerte sich von 24,8 Prozent des zivilen Arbeitspotentials im Jahre 1956 auf 22,2 Prozent
1962. Ebenso deutlich ist der Rückgang, legt man nur die gewerbliche
und industrielle Wirtschaft (außer Landwirtschaft) zugrunde: von 33,4
Prozent der Gesamtzahl der Beschäftigten im Jahre 1956 auf 29,7 Prozent
1962.
Will man diesen Trend analysieren, so muß man dabei zwei gegensätzliche Erwägungen anstellen. 1. Der Einfluß der Gewerkschaften hat
in diesem Zeitabschnitt zugenommen und wurde in vielen Streitfragen,
die sich auf die heimische Wirtschaft ebenso wie auf unsere Außen-

- 11 -

�Außenpolitik ausgewirkt haben, deutlich spürbar. 2. Die retartierenden
Einflüsse auf das Wachstum der Mitgliederzahlen der Gewerkschaften
waren sehr zahlreich. Während der Fortbestand der einzelstaatlichen
Gesetze zur Sicherung des Rechts auf Arbeit gemäß Abschnitt 14 (b) des
Taft-Hartley-Gesetzes unter Umständen tatsächlich das Wachstum der
Gewerkschaften in den bisher weniger durchorganisierten Wirtschaftszweigen beeinträchtigt haben mag, haben sich auch andere Einflüsse
dahin gehend ausgewirkt. Die wirtschaftliche Position einzelner Industriezweige, wie beispielsweise des Bergbaus und auch der Eisenbahnen,
und deren Einfluß auf die Beschäftigungsentwicklung gehören hierzu.
Technische Veränderungen, die die negativen Auswirkungen einer verringerten Nachfrage auf die Beschäftigung - insbesondere in den Arbeiterberufen - verstärkten, gehören gleichfalls hierher. Ähnliches gilt für
die Umsiedlung von Industrien in Gebiete, in denen die Gewerkschaften
nicht sehr stark, und für das Wachstum der Beschäftigung in Berufen, die
gewerkschaftlich weniger gut durchorganisiert sind.
Vielleicht ist das Problem des Wachstums der Gewerkschaften mehr
noch als manch anderes eine Frage zunehmender Beschäftigungsmöglichkeiten. Das Bruttosozialprodukt erhöhte sich zwischen 1947 und 1964 um
80 Prozent; die 70prozentige Erhöhung des Warenausstoßes der privaten
Wirtschaft pro Mann und Arbeitsstunde war einer der wichtigsten Faktoren in dieser Entwicklung. Die Gesamtzahl der Zivilbeschäftigten erhöhte sich in diesem Zeitraum um 23 Prozent, während die Beschäftigung
im Bereich der FertigungsIndustrie um lediglich 12 Prozent zunahm.
Übrigens entfällt der größte Teil der Zunahme auch in der letzteren
Gruppe auf die nicht in der Produktion eingesetzten Beschäftigten auf Techniker, wissenschaftliche Mitarbeiter, Verkaufspersonal und
Verwaltungskräfte.
Der Strukturwandel und Verschiebungen im Tätigkeitsbereich einzelner Industrien im Verein mit Veränderungen in der Gliederung der
Gesamtbeschäftigung bei gleichzeitiger Zunahme des zivilen Arbeitspotentials stellen die Gewerkschaften, das Unternehmertum und auch
den Staat vor neue Aufgaben. Die Gewerkschaften müssen unter anderem
bei der Vertretung der Interessen ihrer Mitglieder ein Gegengewicht
zum Einfluß der Unternehmer und Unternehmensleitungen auf die Wirtschaft schaffen. Ihr Erfolg in dieser Vertretung wird allgemein als
ein Beitrag angesehen, der dem Wohl des ganzen Landes dient.
Die Bemühungen der Gewerkschaften, Arbeiter und Angestellte zu
organisieren, haben manchen Erfolg gezeitigt. Das gilt vor allem für
eine Reihe von Beschäftigungszweigen und Berufsgruppen, die bisher
keineswegs als gewerkschaftliche Schwerpunkte gelten konnten: Frauenberufe, der öffentliche Dienst und der Einzelhandel. Zum Teil dürfte
dies auf die wachsende Einsicht der Gewerkschaften und ihrer Führer
zurückzuführen sein, daß andere Verhältnisse andere Methoden erfordern. Das Bewußtsein, daß die Stärke der Gewerkschaften weitgehend
von der wirtschaftlichen und sozialen Stärke des ganzen Staates abhängt, ist weitverbreitet. Die AFL-CIO tritt nachdrücklich für eine
Anhebung der Leistungen der Arbeitslosenversicherung, die Unter-

- 12 -

�Unterstützung von Notstandsgebieten und notleidenden Bevölkerungsgruppen und ein Programm zur Beschaffung von Arbeitsplätzen auf der
Basis entsprechender Gesetze ein. Die Schaffung besserer Beschäftigungsmöglichkeiten für Jugendliche wird allgemein als eine Aufgabe
der Gesellschaft insgesamt und somit auch der Gewerkschaftsbewegung
anerkannt. Tragen die Gewerkschaften zur Stärkung des allgemeinen
wirtschaftlichen Wachstums bei, so helfen sie damit auch das Wachstum und die Lebenskraft der Gewerkschaftsbewegung mehren.
Die Sorge der Regierung um eine gesunde Wirtschaft tritt nicht
weniger deutlich zutage. Der hier gegebene Rahmen reicht nicht aus,
alle neu erlassenen einschlägigen Gesetze einzeln anzuführen. Das
Gesetz, mit dem die Grundlagen zur Bekämpfung der Armut geschaffen
wurden, fand die Unterstützung sowohl der Gewerkschaften als auch
der Unternehmer und zeigt, wie weit die Sorge des Staates in dieser
Frage geht. Wirtschaftliche Gesundheit setzt aber auf selten der
Allgemeinheit das Wissen um die Notwendigkeit einer von Störungen
freien Wechselwirkung zwischen den wirtschaftlichen und sozialen
Gruppen voraus, die unerläßlich ist, soll eine demokratische Gesellschaft fortbestehen. Es ist zu hoffen, daß Gewerkschaften und Unternehmer aus eigenem Antrieb über Kollektiwerhandlungen Wechselbeziehungen anstreben, die sich auf die Gesamtbeschäftigung wie ihre
strukturelle Gliederung nach Beschäftigungszweigen, Berufsgruppen,
und Standorten erstrecken müssen. Gelangen sie nicht dahin oder
sollten gesetzliche Bestimmungen einer solchen Entwicklung entgegenstehen, dann wäre es an der Zeit, die Rolle der Regierung auf diesem
Gebiet im Hinblick auf mögliche Störungen des sozialen Gleichgewichts
neu zu durchdenken.

(Aus "Current History1*)

+ ++++

- 13 -

�Gewerkschaftliche Kurznachrichten
Organisiertenanteil weiter rückläufig
Die Zahl der Mitglieder amerikanischer Gewerkschaften (einschl. der
in Kanada vertretenen Gewerkschaften) stieg zwischen 1962 und 1964 um
346 000 auf 17 976 000 an. Der Anteil der kanadischen Arbeitnehmer beläuft sich auf mehr als 1,1 Millionen. In den USA erhöhte sich die Zahl
der organisierten Arbeitnehmer um 255 000 auf insgesamt 16 841 000, wie
das Bundesamt für Arbeitsstatistik des amerikanischen Arbeitsministeriums
bekanntgab. Trotz der zunehmenden Organisiertenzahlen nimmt der Anteil
der Gewerkschaftsmitglieder an der Gesamtzahl der nicht im Farmbereich
beschäftigten Personen weiterhin ab, heißt es in der Verlautbarung des
Amtes.

+
UAW gründete Institut für Sozialforschung
Die Vereinigte Automobilarbeitergewerkschaft (UAW) hat ein Institut
für Sozialforschung (Michigan Health and Social Security Research Institute, Inc.) in Detroit gegründet. Nach Angaben des UAW-Präsidenten Walter
P. Reuther wird sich das Institut vor allem mit der Erforschung von Gesundheits-, Wohlfahrts- und Sozialversicherungsfragen befassen. In einer ersten Untersuchunp soll die Verwendung der Renten- und Sozialleistungen verstorbener Automobilarbeiter, die deren Angehörige erhalten, durchleuchtet
werden.

+
Lehrgänge für Lehrlingsanwärter
Die Vereinigte Automobilarbeitergewerkschaft (UAW) führt in Zusammenarbeit mit dem Detroit Board of Education ein Vor-Lehrlingsausbildungsprogramm für beschäftigungslose Jugendliche aus einkommensschwachen
Familien durch. Das Ziel eines solchen auf 14 Wochen angesetzten Lehrgangs besteht darin, den Jugendlichen das für die Teilnahme an den Lehrlingsprogrammen der Detroiter Betriebe nötige elementare Fachwissen zu
vermitteln. UAW-Präsident Walter P. Reuther vertrat die Ansicht, die bestehenden Lehrlings-Testverfahren der Industrie seien unzulänglich. Das
neue Vor-Ausbildungsprogramm soll zur Vermeidung ungerechtfertigter
Härten beitragen.

+
US-

- 14 -

�US-Arbeitslosigkeit erreichte Tiefstand
Mit 2,9 Millionen Beschäftigungslosen erreichte die Arbeitslosigkeit im September in den USA ihren tiefsten Stand seit Oktober 1957.
Nach Angaben des US-Arbeitsministeriums sank die Zahl der Beschäftigungslosen gegenüber dem Vormonat um 383 000 auf 2 850 000. Die Arbeitslosigkeitsrate sank auf 4,4 Prozent gegenüber 4,5 Prozent im
August. Im September verringerte sich die Zahl der Beschäftigten um
1,8 Millionen auf 72,4 Millionen. Dieser Vorgang ist im wesentlichen
auf die Rückkehr der in den Ferien berufstätigen Schüler und Studenten
in die Schulen zurückzuführen.

(Quelle: Eigenberichte)

+ + + ++

- 15 -

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
USIS-Bonn Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XVIII - 11

November 1965
INHALTSVERZEICHNIS

Automation und Gesellschaft

Seite

1

Beschäftigungstrends in der Fertigungsindustrie

Seite

4

Der neue Tarifvertrag der US-Stahlarbeiter

Seite

8

Arbeitslosigkeit erreichte neuen Tiefstand

Seite

10

G. Randolph Corastock, Mitarbeiter im Stab des Präsidialausschusses für Arbeitsmarktfragen:
Automation und Gesellschaft
Der technische Wandel als Aufgabe für Arbeitgeber und Arbeitnehmer
Der technische Wandel ist nichts Neues. Die erste Anwendung des
Hebels, Erfindungen wie das Rad und die Dampfmaschine, die Nutzung der
Elektrizität - sie alle hatten Rückwirkungen auf die Gesellschaft, die
denen der augenfälligsten technischen Fortschritte in unserem Jahrhundert kaum nachstehen. Da die Mechanisierung und die fortschreitende
Technisierung stets Veränderungen in den verschiedensten Lebensbereichen mit sich bringen, stellen sie für die Gesellschaft sowohl eine
Aufgabe wie auch eine Chance dar. Das gilt zumindest für die Zeit seit
Beginn der industriellen Revolution.
Nach Auffassung mancher Fachleute erleben wir gegenwärtig eine
"zweite industrielle Revolution", die sich weitgehend von der ersten
unterscheidet. Die an sie geknüpften Besorgnisse, daß sich nämlich
die Technik in ihren Dimensionen verändert oder das Tempo des Wandels
beschleunigt habe, sind zum Teil der Popularisierung von Begriffen wie
"Automation" als Sammelworte für praktisch alle Formen technischer
Neuentwicklungen zuzuschreiben. Dem Wort in der ursprünglichen Bedeutung haftet nichts Revolutionäres an.*' Diese ging jedoch rasch jLn

1) Der Begriff Automation wurde 1947 von D.S. Härder geprägt, dem
Leiter der Fertigungsabteilung der Ford Motor Company, um die Mechanisierung "ä la Detroit" zu charakterisieren: die Verbindung
verschiedener Fertigungsstationen durch automatische Transferstraßen oder Transportvorrichtungen. Offensichtlich wurde der gleiche
Begriff etwa zur gleichen Zeit und unabhängig hiervon auch von John
Diebold definiert, wenngleich in einem noch umfassenderen Sinne.
- 1 -

�in dem oftmals von emotionellen Gesichtspunkten diktierten Bemühen
verloren, diesen Begriff um der Anwendbarkeit auf die verschiedensten
Bedürfnisse und Befürchtungen willen jeweils neu zu definieren. Das
Ergebnis war eine nicht unbeträchtliche Verwirrung, die bis heute
spürbar ist.
Die gleichzeitig mit dieser Entwicklung sich einstellende Neigung
auf selten der Wirtschaftstheoretiker, Unternehmer, Gewerkschaftsführer und Journalisten, Begriffe wie technischer Wandel, Mechanisierung,
Automation, Kybernation und Produktivität bald als Synonyme, bald in
unterschiedlicher Bedeutung zu benutzen, hat die Verwirrung noch gesteigert. Um der Einheitlichkeit und Klarheit willen werden diese Begriffe im folgenden ausschließlich nach ihrer ••technischen«» Bedeutung
angewandt werden.
"Technisierung" ist für den Wirtschaftler die Gesamtheit des Wissens und der Verfahren, mit deren Hilfe alle verfügbaren wirtschaftlichen Hilfsquellen zusammengefaßt und in Waren und Dienstleistungen
zur Befriedigung menschlicher Bedürfnisse umgesetzt werden können.
Technisierung ist somit eindeutig ein dynamischer Prozeß. Ein "technischer Wandel", der den Wirkungsgrad der Umsetzung von Hilfsquellen
in Waren und Dienstleistungen erhöht, kann vielfältige Formen annehmen: Verwendung neuer Rohstoffe, Anwendung neuer Verfahren, Veränderung der organisatorischen Struktur eines Unternehmens, Einführung von
Ersatz- oder neuen Produkten, Standortveränderung mit Rücksicht auf
Rohstoffvorkommen und Märkte, Spezialisierung und Aufteilung der Arbeit
und der unternehmerischen Entscheidungsbefugnisse.
"Mechanisierung" läßt sich exakt nur auf eine ganz spezifische
Entwicklung in der Technik anwenden: den Ersatz menschlicher oder tierischer Arbeitskraft durch Maschinen. "Automation" bedeutet den Ersatz
des Menschen an der Maschine durch automatisch arbeitende Kontrollund Steuerorgane. "Kybernation" stellt eine Verfeinerung dieser Technik
dar, insofern als automatisierte Prozesse durch elektronische Steuergeräte . mit der Fähigkeit, gewisse Entscheidungen zu treffen, kontrolliert
werden. "Produktivität" wird gewöhnlich als Leistung pro Mann und Arbeltsstunde 2 ) definiert und dient als Meßgröße für die meisten, wenn
auch nicht sämtliche Auswirkungen des technischen Wandels auf die Beschäftigung.
Wenn sich die Begriffe der Technik relativ leicht definieren lassen, warum geben dann zwei unter ihnen - Automation und Kybernation Anlaß zu einem so heftigen Bedeutungsstreit, daß man sie am besten gesondert behandelt? Die Antwort liegt offensichtlich in den unterschiedlichen Auffassungen über die möglichen Auswirkungen der Automation und
Kybernation auf die Beschäftigung, die Einkommensentwicklung und die
Freizeit der Menschen begründet. Und in diesem Bereich vorwiegend persönlicher Besorgnisse, in dem sich jeder als Fachmann fühlt, haben die
Literatur und unzählige Vorträge über die Automation (in ihrer umfassendsten Bedeutung) einen heftigen Meinungsstreit ausgelöst.

2)

*2l

—

Die Leistung bzw. der Ausstoß pro Mann und Arbeitsstunde ist der Quotient aus der jährlichen Wertschöpfung der Wirtschaft, eines Industriezweiges oder eines Betriebs (in konstanten Preisen) und der Gesamtzahl
der geleisteten Arbeitsstunden. Die Produktivität wird in Geld ausgedrückt, ihre Zunahme in Prozenten.

- 2 -

�Auf diesen Meinungsstreit näher einzugehen, reicht der verfügbare
Raum nicht aus. Dennoch sei hier als wichtig angemerkt, daß das Spektrum der Meinungen sehr weit ist, halten die einen die Automation und
Kybernation doch lediglich für Varianten anderer technischer Veränderungen unserer Geschichte, während die anderen im Hinblick auf Art und
Umfang ihrer Auswirkungen befürchten, sie werden die Welt von Grund auf
verändern: Von einigen Ausnahmen abgesehen, werden Maschinen die menschliche Arbeitskraft überflüssig machen3), und
computergesteuerte
Maschinen werden sämtliche Arbeiten verrichten,die nötig sind, um die
Menschen mit Waren zu versorgen sowie ihre Freizeitbedürfnisse zu befriedigen. Der Mensch wird dann (nach dieser Auffassung) ein Einkommen
nicht als Gegenwert für aufgewandte Mühe beziehen, sondern dank eines
bestehenden Rechtsanspruchs.
Die pragmatische Erprobung solcher "utopischen" Hypothesen ist
nicht möglich. Sie sind bestenfalls subjektive Beurteilungen der Zukunft
und basieren schlimmstenfalls auf der Annahme, wir lebten in einer Zeit,
in der die Geschichte zum Stillstand kommt. Bis heute fehlt noch jeder
einigermaßen stichhaltige Beweis, daß die Automation oder irgendeine
andere Form des allgemeinen technischen Wandels einen klaren "Bruch mit
der Geschichte" darstellt.
Das Vernünftigste ist demnach, davon auszugehen, der technische
Wandel - die Mechanisierung wie auch die Automatisierung - haben heute,
und mehr noch in der Zukunft, einen gewissen Einfluß auf die Gesellschaft.
Diesen Einfluß auf die Beschäftigung, die Einkommensentwicklung und
überhaupt unser gesamtes Leben aber können und sollten wir in die gewünschte Richtung lenken. Wie sich Gesellschaft, Unternehmer und Arbeitnehmer der Aufgabe entledigen, die ihnen aus der neuen technischen Entwicklung erwächst, ist weitgehend in ihre Hand gelegt.
Auswirkungen technischer Veränderungen
Ein Blick auf die Geschichte offenbart, was die Zukunft angeht, so
gut wie nichts. Es haben viele - zum Teil schmerzlich - erfahren müssen,
daß die Vergangenheit nicht zwangsläufig Prolog der Zukunft ist. Dennoch
tun wir gut daran, die Auswirkungen der technischen Veränderungen.in den
vergangenen Jahren eingehend zu studieren.
Das meist gebräuchliche Maß des technischen Fortschritts ist, wie
schon erwähnt, die Arbeitsproduktivität. Bei seiner Anwendung ist jedoch
einige Vorsicht geboten, weil es sich hierbei nicht um einen Meßwert für
Größen aus dem Bereich der Technik, sondern für die wirtschaftlichen Auswirkungen technischer Veränderungen handelt. In den Angaben über die Leistung pro Mann und Arbeitsstunde spiegeln sich auch andere Veränderungen
Vgl. "The Triple Revolution" (Erklärung des Ad Hoc Committee on the
Triple Revolution vom März 1964, in Briefform weitergeleitet an den
Präsidenten der Vereinigten Staaten, den Arbeitsminister und die Fraktionsvorsitzenden beider Parteien im Senat und Repräsentantenhaus).
Siehe ferner "Cybernation: The Silent Conquest" von Donald N. Michael
(Santa Barbara: Center for the Study of Democratic Institutions, 1962)
sowie die Gegendarstellung «The Automation Hysteria" von George Terborgh
(Washington, D.C.: Machinery and Allied Products Institute, 1965).

- 3 -

�Veränderungen wider (z.B. Änderungen in der Investitionsrate, in Ausmaß und Intensität der Wirtschaftstätigkeit, im Niveau der Bildung und
des fachlichen Könnens der Beschäftigten), die den Arbeitsaufwand pro
Stück zu beeinflussen vermögen; über die. Tragweite solcher Veränderungen
sagen diese Angaben jedoch nichts aus.
Dennoch darf man darüber nicht aus dem Auge verlieren, daß es eben
der technische Wandel ist, der erst Leistungssteigerungen in der Produktion von Waren und Dienstleistungen auf der Basis der vorhandenen
Hilfsquellen ermöglicht. Es sei ferner daran erinnert, daß die Produktivitätsziffern lediglich die Jahr für Jahr auftretenden Veränderungen
registrieren, die es gestatten, ein Stück dank der Verringerung des erforderlichen Arbeitsaufwands mit größerem Wirkungsgrad herzustellen.
Unter diesen Gesichtspunkten lassen sich Produktivitätsvergleiche tatsächlich als Maß für die Auswirkungen technischer Veränderungen über
einen größeren Zeitraum hinweg benutzen.
Für die Beurteilung der Auswirkungen eines technischen Wandels
auf die Beschäftigung erweist sich die Produktivität als ein hervorragendes Hilfsmittel. Jede Veränderung in der Beschäftigung zieht eine
Veränderung der Relation zwischen Produktion, und Produktion pro Arbeitsstunde nach sich. Natürlich wird der Beschäftigungsstand auch durch
andere variable Größen beeinflußt. Solange die Produktion schneller
wächst als die Produktivität, steigt die Beschäftigtenzahl;wenn jedoch
der Ausstoß pro Mann und Arbeitsstunde schneller als die Produktion zunimmt, geht die Beschäftigung zurück. (Wird fortgesetzt).
Nachdruck ist mit Angabe des Verfassers und dem Vermerk
(c) 1965 by Current History, Inc.
gestattet.

+ ++++

Beschäftigungstrends in der Fertigungsindustrie
Rückgang der Arbeitslosigkeit in den Arbeiterberufen
Die Situation auf dem amerikanischen Arbeitsmarkt hat sich von
August 1964 bis August 1965 ständig verbessert. Innerhalb dieses Zeitraumes sank die Arbeitslosigkeit von 5,1 Prozent.auf 4,5 Prozent (Oktober 1965: 4,3 Prozent, niedrigster Stand seit acht Jahren). Ausschlaggebend für den Rückgang der Arbeitslosigkeit war neben anderen Faktoren
vor allem der Aufschwung in der gütererzeugenden Wirtschaft.
Während dieser zwölf Monate ließ insbesondere der Beschäftigungsstand in der Fertigungsindustrie eine starke Aufwärtstendenz erkennen.
Im März übertraf hier die Beschäftigung den Höchststand des Jahres 1956
und erreichte im August 1965 eine neue Rekordhöhe. Das Arbeitsplatzangebot in der Fertigungsindustrie hat sich im Vergleich zu früheren Perioden entschieden verbessert: Während es sich zum Beispiel in der Zeit von
August 1963 bis August 1964 monatlich nur um durchschnittlich 28 000
Arbeitsplätze erhöhte, betrug der Zuwachs in der folgenden Vergleichsperiode durchschnittlich 65 000 Arbeitsplätze pro Monat. Der Schwerpunkt
dieser Entwicklung lag in der Metall- und metallverarbeitenden Industrie.
Gleichzeitig wurden auf diesem Industriesektor längere
- 4 -

�längere Arbeitswochen, erhebliche Überstundenleistungen sowie sehr
hohe Stunden- und Wochenlöhne verzeichnet. Dem Aufschwung in der
Industriearbeiterbeschäftigung gingen erhebliche Zunahmen im Baugewerbe voraus, wo im übrigen der Anstieg weiter anhält.
Das wachsende Arbeitsplatzangebot schlug sich im Beschäftigungsstand der Arbeiter nieder. Diese Beschäftigtengruppe verzeichnete in den beiden letzten Jahren erhebliche Zunahmen, wobei das
Schwergewicht bei den weniger hoch qualifizierten Arbeitskräften lag.
Schon im Frühjahr 1962 war der Rückgang, der während der Rezession der Jahre 1960 und 1961 im Beschäftigungsstand der Arbeiter eingetreten war, mehr als wettgemacht. In den folgenden zwei Jahren stieg
die Zahl der Beschäftigten ständig, wobei der Schwerpunkt der Entwicklung auf dem Dienstleistungssektor lag, während die gütererzeugende
Industrie und verwandte Industriezweige wegen ihrer- Rezessionanfälligkeit zunächst nicht Schritt zu halten vermochten. Erst im Februar 1964
übertraf die Zahl der verfügbaren Arbeitsplätze in diesen Industrien
den Höchststand vom Frühjahr 1960. Und im August 1964 schließlich
schnellten die Zuwachsraten im Arbeitsplatzangebot in der gütererzeugenden Industrie»und da vor allem im Fertigungsbereich, schlagartig
nach oben. In schneller Folge wurden die früheren Rekordmarken der
Jahre 1956, 1953 und 1943 übertroffen. Während des Aufschwungs wurden
gewisse langfristige Wandlungsprozesse in der Struktur der gütererzeugenden Industrie sichtbar, während andere Nachkriegsentwicklungen
zum Stillstand kamen. Der neue in der FertigungsIndustrie erreichte
Höchststand der Beschäftigtenzahlen im August 1965 ist kennzeichnend
für die veränderte Situation.
Einer der dauerhaftesten Trends der Nachkriegszeit bestand darin,
daß die nicht in der Produktion tätigen Arbeitskräfte in ständig wachsendem Maße ihren Anteil an der Gesamtbeschäftigtenzahl in der Fertigungsindustrie zu vergrößern vermochten. Noch 1947 zum Beispiel.übte
jeder sechste in der Fertigungsindustrie Tätige eine nicht-produktive
Beschäftigung aus. 1960 war bereits jeder vierte Arbeitnehmer nicht
in der Produktion beschäftigt. Im Zuge de* jüngsten wirtschaftlichen
Aufschwungs erfuhr diese Entwicklung allerdings eine Unterbrechung.
Soweit man dies heute bereits übersehen kann, ist sie sogar wieder
rückläufig. Obgleich das Verhältnis auch schon während früherer wirtschaftlicher Aufschwünge konstant geblieben ist, ist es immerhin bemerkenswert, daß in dieser Relation nunmehr seit vier Jahren kaum
Schwankungen aufgetreten sind. Es ist freilich noch zu früh, um beurteilen zu können, ob der Trend nun zum Stillstand gekommen ist.
Zunächst jedoch erreicht der Beschäftigungsstand der nicht-produktiven
Arbeitnehmer neue Höchstwerte,; gemessen an den zwischen 1947 und 1961
erreichten Spitzenwerten, während der Beschäftigungsstand bei den Produktionsarbeitern immer noch etwas unterhalb der Rekordmarken früherer
Jahre liegt.
Der Gesamtanstieg der Beschäftigung in der FertigungsIndustrie
ist das Ergebnis einer starken Beschäftigungszunahme in einer Reihe
von Branchen, während andere Zweige Einbußen erlitten. Drei Branchen
des kurzlebigen Güter-Bereichs - Chemie, Druckereigewerbe und Bekleidungsindustrie - sowie drei Branchen des langlebigen Güter Bereichs -

5 -

�Güter-Bereichs - Metallverarbeitung, elektrische Ausrüstungen und
Maschinenbau - haben einen erheblichen Zuwachs an Arbeitsplätzen
über den Höchststand von 1957 hinaus zu verzeichnen. Von den Branchen, die gegenwärtig unter dem Höchststand von 1957 bleiben, hat
die Transportausrüstungsbranche, die zwischen 1957 und 1960 infolge
des Rückgangs der Flugzeugproduktion erhebliche Verluste hinnehmen
mußte, vor allem durch den nun schon vier Jahre andauernden Boom in
der AutomobilIndustrie mittlerweile ihre Einbußen nahezu wieder wettmachen können. Metall- und Textilindustrie haben jüngst aufgeholt,
jedoch ihre früheren Verluste noch keineswegs ausgeglichen. Auf der
anderen Seite verzeichnet die Lebensmittelindustrie seit 1956 einen
mäßig starken, aber doch beständigen Abwärtstrend.
Von erheblicher Bedeutung ist die Tatsache, daß in den sechs
größten Wachstumsbranchen die Zunahme der Zahl der Arbeitsplätze
zwischen 1960 und 1965 nur geringfügig stärker war als die Zunahme
in der Produktionsarbeiter-Beschäftigung. Etwa das gleiche gilt für
die Metallindustrie, wo die. Gesamtbeschäftigung leicht zurückging,
während der Anteil der Produktionsarbeiter an der Gesamtbeschäftigung 1964 - im Gegensatz zu den sechs vorausgegangenen Jahren mit
gleichbleibendem Anteil - leicht anstieg.
Beschäftigungsstand und Arbeitslosigkeit von Arbeitern
Die jüngste erhöhte Zunahme des Arbeitsplatzangebots für Arbeiter schlägt sich auch in den Beschäftigtenzahlen nieder. Wie die
Tabelle (unten) erkennen läßt, sind die laufenden Zunwachsraten für
gelernte u.a. Arbeiter und für ungelernte Arbeiter (ohne Landwirtschaft) erheblich höher als die für die Gesamtbeschäftigung geltende
Zuwachsrate.
TABELLE 1
DURCHSCHNITTLICHER BESCHAFTIGUNGSSTAND, JANUAR-AUGUST, 1963-1965
(in 1000)
Berufe

Prozentuale Zunahme
1965

. .1964

1963

Gesamtbeschäftigung

71 865

70 149

Gelernte u.a.
Arbeiter

13 290
3 926

Ungelernte
Arbeiter
(ohne Landw.)

64-65

63-64

68 542

2,4

2,3

12 832

12 407

3,6

3,4

3 675

3 555

6,8

3,4

Dieser deutliche Beschäftigtenzuwachs hat ein merkliches Absinken der Arbeiter-Erwerbslosigkeitsrate bewirkt. Obwohl der seit vier
Jahren andauernde Trend in der Entwicklung der Arbeitslosenziffern für

- 6 -

�für alle Arbeitergruppen rückläufig war, verdient der letzthin eingetretene Rückgang in der Arbeiter-Rate besondere Aufmerksamkeit. Die
Beschäftigungslosigkeit dieser Arbeitnehmerkategorie erreichte im
zweiten Quartal des Jahres 1961 mit 9,8 Prozent ihren Gipfel, innerhalb eines Jahres sank sie jedoch auf 7,4 Prozent. Dieses schnelle
Absinken stand in Einklang mit der allgemeinen Entwicklung nach der
Rezession von 1960 und 1961. In den Jahren 1962 und 1963 schwankte
die Beschäftigungslosigkeit in den einzelnen Berufsgruppen, jedenfalls war kein Trend auszumachen. Von dem vierten Quartal des Jahres
1963 an sank jedoch die Beschäftigungslosigkeit bei den Arbeitern besonders bei gelernten Arbeitern - schneller als in anderen Berufsgruppen. In der Zeit von Ende 1963 bis Mitte 1965 sank die Arbeitslosigkeit bei gelernten Arbeitern von 7,5 Proeent auf 6 Prozent. Zu
dem allgemeinen Absinken der Arbeiter-Erwerbslosigkeit trug jedoch
auch der Rückgang bei den übrigen Arbeitern (außer Landwirtschaft)
bei. Hier setzte eine stärkere rückläufige Bewegung, im zweiten Quartal 1963 ein, die im zweiten Quartal 1965 bei 8 Prozent einen Tiefpunkt erreichte. Die Arbeitslosigkeit war zu diesem Zeitpunkt nur
noch halb so hoch wie im Frühjahr 1961. Diese günstige Entwicklung
hielt während des Sommers an und führte dazu, daß sich die Arbeitslosigkeit der Arbeiter auf den sehr niedrigen Stand der Zeit vor
1957 einpendelte.
TABELLE 2
ARBEITSLOSIGKEIT BEI ARBEITERN UND ANGESTELLTEN Ausgewählte saisonal korrigierte Quartalsdurchschnitte zwischen 1957
und 1965

Berufszweig

3. Quartal
19651)

2. Quartal
1963 1962

1965

1964

5,3

5,6

6,2

7,3

7,4

9,8

5,9

Facharbeiter und
Vorarbeiter

3,6

3,9

4,0

4,6

5,3

7,0

3,6

Gelernte u.a.
Arbeiter

5,6

6,0

6,5

7,6

7,2

10,0

6,3

Ungelernte Arbeiter
(ohne Landwirtschaft)

7,6

8,0

10,2

12,2

12,7

15,7

9,6

2,2

2,3

2,7

2,9

2,6

3,4

1,9

Akademiker,
techn. Angestellte

1,4

1,5

1,8

2,1

1,7

2,1

1,4

Manager, öffentl.
Angest., Selbständige

1,2

1,1

1,2

1,5

1,4

1,9

0,8

Arbeiter

Angestellte

1961

19572)

Büroangestellte
7 -

�Berufszweig

3. Quartal
19651)

1965

1964

2. Quartal
1963 1962

1961

1957

Büroangestellte

3,0

3,4

3,9

3,8

3,6

5,0

2,9

Verkaufspersonal

3,2

3,3

3,8

4,2

3,9

4,4

2,2

Vorläufige Schätzung nach Angaben für Juli und August
Geschätzt

(Aus "The Monthly Report on
the Labor Force11)

•+++++
Der neue Tarifvertrag der US-Stahlarbeiter
Der neue Stahlarbeiter-Tarifvertrag, der am 1. September in Kraft
trat, brachte für rund 350 000 Beschäftigte der "großen Zehn" unter den
US-Stahlproduzenten neben einer stufenweisen Erhöhung der Stundenlöhne
innerhalb rund drei Jahren um durchschnittlich 21,5 Cent ganz erhebliche
Verbesserungen der sozialen Nebenleistungen. Rechnet man den Wert dieser
Sozialleistungen zu den absoluten Lohnerhöhungen hinzu, so wird nach den
Berechnungen der Stahlarbeitergewerkschaft eine effektive Lohnsteigerung
von 47,3 Cent erreicht, nach Angaben der Industrie sogar von mehr als 50
Cent.
Die neue Regelung gilt vom 1. September 1965 bis 1. August 1968 und
kann frühestens am 1. Juni 1968 mit 60tägiger Frist gekündigt werden.
Dem Abschluß dieses Vertrags waren neunmonatige schwierige Verhandlungen
vorausgegangen. Als eine Regelung daran zu scheitern drohte, daß die Gewerkschaften eine Erhöhung der Stundenlöhne (einschließlich sozialer Nebenleistungen) um 50 Cent forderten, während.die Arbeitgeber lediglich
40 Cent gewähren wollten, schaltete sich am 30. August Präsident Johnson
ein. Seinem Eingreifen ist es zu danken, daß dann doch noch eine Einigung vor dem für den 1. September 0 Uhr angedrohten Streik zustande kam,
der sicherlich größte Schäden für die Gesamtwirtschaft mit sich gebracht
hätte.
Im ersten Jahr der Gültigkeit des neuen Tarifvertrags werden die
Löhne in den einzelnen Lohngruppen um 10 bis 19 Cent pro Stunde oder um
durchschnittlich 16,2 Cent angehoben. Hit Wirkung vom 1. Januar 1966
werden sämtliche Facharbeiter innerhalb ihrer jeweiligen Beschäftigungs-

- 8 -

�Beschäftigungskategorien um zwei Stufen höher klassifiziert, was einer
Lohnerhöhung von rund 14,6 Cent über die Erhöhung vom September 1965
hinaus gleichkommt. Im dritten Jahr, d.h. ab 1. August 1967, werden
die Löhne wiederum um sechs bis zwölf Cent bzw. durchschnittlich um
8,5 Cent erhöht. Alles in allem ergibt sich daraus über die ganze Laufzeit des Vertrages hinweg die schon erwähnte durchschnittliche Erhöhung
der Stundenlöhne von 21,5 Cent.
Ein noch stärkerer Anstieg als bei den Löhnen ist bei den sozialen
Leistungen zu verzeichnen. In der betrieblichen Altersversicherung wird
es ab 1. August 1966 für Arbeitnehmer mit 30 und mehr Dienstjähren
keine untere Pensionierungsgrenze mehr geben. Gleichzeitig wird der Rentensatz von 2,50 Dollar auf 5 Dollar monatlich je Dienstjahr angehoben.
Die Mindestrente beträgt demnach künftig 150 Dollar monatlich, der
Höchstsatz (nach 35 Dienstjähren) 175 Dollar. Die bestehenden Altrenten
werden sämtlich um 15 Dollar pro Monat erhöht. .
Im Falle der Invalidität, der Pensionierung wegen Werksstillegung
oder nach zweijähriger Arbeitslosigkeit wird eine Zusatzrente in Höhe
von 75 Dollar zu der Rente gezahlt, auf die der Betroffene aufgrund
seiner Dienstjahre Anspruch hat. Diese Zusatzrente erlischt bei Einsetzen der vollen Leistungspflicht der staatlichen Sozialversicherung.
Der Einbehaltungssatz bei gleichzeitigem Empfang von Rente aus
der Sozialversicherung wird von 80 Dollar auf 60 Dollar im Monat gesenkt, was einer Rentenerhöhung um den Differenzbetrag gleichkommt.
Vom 1. August 1967 an wird die Leistungsdauer der Kranken- und
Unfallversicherung für Mitarbeiter mit zwei und mehr Dienstjahren von
26 auf 52 Wochen ausgedehnt bei gleichzeitiger Anhebung des durchschnittlichen Wochensatzes von 67,50 Dollar auf 80 Dollar. Arztkosten
werden vom gleichen Zeitpunkt an restlos statt wie bisher nur teilweise erstattet. Im Falle der Entlassung oder Arbeitsunfähigkeit nach
zehn DienstJahren wird die Leistungspflicht der Behandlungskostenversicherung gleichfalls von 26 auf 52 Wochen verlängert. Dieser Versicherungsschutz wird auch auf unterhaltsberechtigte Kinder ausgedehnt;
er reicht bei Studierenden bis zur Vollendung des 25. Lebensjahres,
bei arbeitsunfähigen Kindern ist er unbegrenzt.
Daneben brachte der neue Tarifvertrag noch Vereinbarungen zu
Fragen der Lehrlingsausbildung, des Arbeitsschutzes und der Abgeltung
von Urlaubsansprüchen durch einmalige Zahlungen.
Die neuen Vergünstigungen werden schon bald auch den rund 100 000
Mitarbeitern der kleineren, unabhängigen Stahlbetriebe zugute kommen.
Die für sie derzeitig gültigen Tarifverträge wurden fast sämtlich in
jüngerer Zeit unter der Bedingung verlängert, daß die Firmen den Belegschaftsangehörigen die gleichen Leistungen gewähren wie die "großen
Zehn".

(Quelle:

+++++

- 9-

Eigenbericht)

�Arbeitslosigkeit erreichte neuen Tiefstand
Die Zahl der Erwerbslosen in den USA ist seit Monaten rückläufig
und erreichte in Oktober ihren niedrigsten Stand seit acht Jahren:
Nach Angaben des US-Arbeitsministeriums wurden im Oktober 2,8 Millionen Erwerbspersonen als arbeitslos registriert. Diese Zahl entspricht
einer Arbeitslosigkeit von 4,3 Prozent.
Trotz des starken Rückganges der Arbeitslosenziffer wird der derzeitige Stand von amerikanischen Experten als immer noch viel zu hoch
bezeichnet; die Anstrengungen zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit dauern denn auch unvermindert an. Indes läßt ein Vergleich der gegenwärtigen Situation mit der Lage im Oktober 1964 doch erhebliche Fortschritte in Richtung auf die Beseitigung des Problems der Erwerbslosigkeit erkennen.
Im Oktober 1964 belief sich die Zahl der Erwerbslosen auf 3,3
Millionen Personen, das waren 500 000 Arbeitslose mehr als im Oktober
1965. Die Arbeitslosigkeit betrug 5,2 Prozent. Der Fortschritt wird
aber noch deutlicher an der Zunahme der Zahl der erwerbstätigen Amerikaner gegenüber dem Vorjahr um 2 Millionen auf insgesamt 73 196 000.
Die binnen Jahresfrist eingetretenen günstigen Veränderungen
macht folgende Aufschlüsselung der statistischen Globalzahlen sichtbar: Die Arbeitslosigkeit sank gegenüber Oktober 1964 in der Altersgruppe der 20- bis 24jährigen männlichen Erwerbspersonen von 4 Prozent
auf 2,9 Prozent, in den Altersgruppen darüber von 3,4 Prozent auf 2,6
Prozent, bei verheirateten männlichen Erwerbspersonen von 2,9 Prozent
auf 2,1 Prozent, bei nicht-weißen Erwerbspersonen von 9,8 Prozent auf
7,9 Prozent und bei weiblichen Erwerbspertfonen in den Altersgruppen
von 20 Jahren und darüber von 5,1 Prozent auf 4,2 Prozent,
Diese bemerkenswerte Entwicklung ist im wesentlichen auf das erfolgreiche Zusammenwirken von Bundesregierung, lokalen Behörden, Privatwirtschaft und Gewerkschaften in der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit zurückzuführen. Dieser Feldzug spielt sich an vielen Fronten ab.
Da sind einmal steuerpolitische Maßnahmen wie die Senkung der Einkommen- und Körperschaftssteuern um 6,7 Mrd. Dollar vor zwei Jahren, die
zu einem nicht unerheblichen Teil dem Wirtschaftskreislauf in Form von
Konsumaufwand zuflössen, oder die VerbrauchesteuerSenkung vom vergangenen Jahr. Beide fiskalpolitische Maßnahmen trugen zur Erhöhung der
wirtschaftlichen Aktivität und damit zur Schaffung neuer Arbeitsplätze
bei.
Parallel zu den steuerpolitischen Maßnahmen wurde die Ausbildung
und Umschulung von stellungslosen Arbeitnehmern vorangetrieben. Programme dieser Art basieren auf den Gesetzen zur Entwicklung des Arbeitsmarktes und zur Sicherung des wirtschaftlichen Fortkommens. Darüber hinaus sind örtliche Behörden wie auch die Gewerkschaften mit eigenen Beruf sbildungsprogrammen hervorgetreten.
Rund 550 000 Amerikaner erhielten auf Grund dieser Gesetzgebung
inzwischen eine Fachausbildung in Mangelberufen, und weitere 200 000
Amerikaner werden bis Mitte nächsten Jahres eine solche Ausbildung ab-

- 10 -

�abgeschlossen haben, die sie in die Lage versetzt, auf den freien
Stellenmarkt erfolgreich zu konkurrieren.
Diese Fachausbildungsprogramme werden von staatlichen Erziehungsbehörden in Zusammenarbeit mit örtlichen Berufsschulen und
beratenden Bürgerausschüssen durchgeführt, wobei die Kommunen lediglich 10 Prozent der Aasbildungskosten zu tragen haben. Besonderes Gewicht kommt der Ausbildung am Arbeitsplatz zu, wobei der
Staat die Ausbildungskosten trägt, während die Wirtschaft die Lohnkosten übernimmt. Dieses Programm ist außerordentlich erfolgreich:
75 Prozent der Fachbildungsabsolventen nehmen inzwischen entsprechende Stellen in der Industrie ein.
Ein weiteres erfolgreiches Programm - das Neighborhood Youth
Corps Program - bemüht sich um jene Gruppe von Jugendlichen zwischen 16 und 22 Jahren, die aus finanziellen Gründen vorzeitig die
Schule verlassen mußten. Für sie bietet das Programm Möglichkeiten
der Teilzeitbeschäftigung. Das Programm ist auf die Unterstützung
von über 300 000 Jungen und Mädchen zugeschnitten.

(Quelle: Eigenbericht)

+ ++++

- 11 -

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
USIS-Bonn/Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XVIII - 12

Dezember 1965
INHALTSVERZEICHNIS

Automation und Gesellschaft

(II)

Seite 1

Gewerkschaftliche Mitsprache bei
Personalentscheidungen

Seite 9

Arbeitnehmer auf der Schulbank

Seite 11

G. Randolph Comstock, Mitarbeiter im Stab des Präsidialausschusses für Arbeitsmarktfragen:
Automation und Gesellschaft (II und Schluß)
Historisch betrachtet ist die Wertschöpfung der amerikanischen
Wirtschaft in einem Umfang gewachsen, der mehr als ausreichend war, um
die Auswirkungen des Produktivitätszuwachses wettzumachen. Die Folge
war ein kontinuierlicher Anstieg in der Gesamtbeschäftigung.
Da die Produktivität4) dem Einfluß von vielen variablen Größen unterworfen ist, muß man kurzfristige Veränderungen mit einer gewissen
Vorsicht betrachten. Je mehr Variable von Einfluß sind, um so länger muß
man mit der Beurteilung von Trends warten, damit sich größere Schwankungen in der generellen Entwicklungslinie durch die wechselseitige Beeinflussung dieser Faktoren untereinander auspendeln. Ein Zeitraum von fünf
Jahren dürfte unter diesem Gesichtspunkt ausreichen, gewisse typische
Entwicklungstendenzen aufzuzeigen, während ein wirklich zuverlässiges
Bild vom Ausmaß und von der Tragweite technischer Veränderungen erst
bei Betrachtung eines Zehnjahreszeitraums zu gewinnen sein wird.
Die Landwirtschaft ist sicherlich ein hervorragendes Beispiel dafür, welche Auswirkungen Produktivitätssteigerungen über einen größeren
Zeltabschnitt hinweg haben können. Anfang des 19. Jahrhunderts waren
Da sich die Produktivität der Beschäftigten im Öffentlichen Dienst
nicht messen läßt - kann man deren "Produkt" doch nicht als Ware verkaufen -, beziehen sich Angaben über die Produktivität gewöhnlich
lediglich auf die private Wirtschaft.

- 1-

�waren rund 75 Prozent aller Erwerbspersonen in der Landwirtschaft tätig.
Diese Ziffer fing bis zur Jahrhundertwende auf 40 Prozent zurück und erreichte in jüngster Zeit mit nur 5 Prozent ihren absolut tiefsten Stand.
Das ganze amerikanische Volk - einschließlich der Farmer - erfreut sich
heute eines höheren Lebensstandards, was keineswegs der Fall wäre, wenn
der Großteil der Bevölkerung noch immer in der Landwirtschaft tätig sein
müßte. Der Farmer kann heute mehr Industrieprodukte als je zuvor erwerben, größtenteils deshalb, weil er umgekehrt heute mehr Industriearbeiter
als in der Vergangenheit zu versorgen vermag.
Der Anstieg des Lebensstandards in den Vereinigten Staaten ist vor
allem technischen Veränderungen zu verdanken. Das jährliche verfügbare
Personaleinkommen stieg von 1180 Dollar im Jahre 1930 auf 2248 Dollar
im Jahre 1964 (in Preisen von 1964 ausgedrückt). Der Anstieg der Einkommen war begleitet von einer Zunahme der Freizeit, .ging doch die durchschnittliche jährliche Arbeitszeit pro Kopf der Bevölkerung von 2600
Stunden im Jahr 1900 auf 1600 Stunden im Jahr 1960 zurück. Die langfristigen Vorteile des Produktivitätsanstiegs - mit anderen Horten, eines
höheren Grades der Technisierung - lassen sich am deutlichsten an der
Tatsache ablesen, daß das Bruttosozialprodukt von 1929 mit den heutigen
Methoden von nur 26 Millionen Arbeitskräften bei Einhaltung der 40-Stunden-Woche erwirtschaftet werden könnte, während umgekehrt ein Bruttosozialprodukt von 600 Milliarden Dollar (im Jahre 1964) mit den technischen Möglichkeiten von 1929 nur durch den Einsatz der. Gesamtzahl von
70 Millionen Beschäftigten bei 90 Wochenstunden zu schaffen wäre.
Es wäre müßig, sich die Folgen künftiger technischer Fortschritte
nach Zelt und Ausmaß ausmalen zu wollen; fest steht dagegen, daß im
Jahre 1965 - fünfzehn Jahre nach den ersten düsteren Prophezeiungen
über die rasche Verdrängung der menschlichen Arbeitskraft in der Industrie als Folge der Automation und Kybernation - noch nicht einmal ein
einziges Produkt in der gesamten amerikanischen Industrie^) in einem
einsigen lückenlos durchautomatisierten Prozeß erzeugt wird. Und es
sieht auch keineswegs so aus, als ob sich daran in naher Zukunft etwas
ändern würde"'. Die moderne Technik bietet uns die einzig praktikable
Methode zur Aufrechterhaltung unseres gegenwärtigen hohen Lebensstandards und verspricht uns noch weitere große Fortschritte für die Zukunft. Wir müssen deshalb diese Entwicklung verstehen und beherrschen
lernen und sie in Bahnen leiten, die die Gewähr bieten, daß sie zur
Verbesserung des Loses der Menschen beiträgt.
Der Wandel als Aufgabe
Zweifellos kulminieren die Besorgnisse über die Auswirkungen der
Automation auf die Wirtschaft in der Vorstellung, die Verdrängung vom
Arbeitsplatz durch automatisch gesteuerte Maschinen laufe auf «ine

Siehe Herbert Wiener "The Human Use of Human Belüge" (Boston, Houghton
Mlfflin Company, 1950).
Siehe Charles E. Silbernen "The Real News About Automation1* in der
Januarausgabe 1965 dar Zeitschrift "Fortune**.

- 2 -

�eine ständig« Verdrängung hinaus, d.h. auf dauernde Arbeitslosigkeit.
Selche Befürchtungen werden sowohl durch logische Argumente als auch
durch die gesamte wirtschaftliche Erfahrung widerlegt. Die Erfindung
und Herstellung «ahlreicher Produkte, wie sie für den heutigen Markt
typisch sind, geht auf Kosten anderer Produkte, Verfahren und auch
Personen. Sicherlich ist die Beschäftigungszunähme, die aus technischen Heuerungen oder neuen Produkten herrührt, manchmal geringer als
dl« durch sie bedingte Arbeitslosigkeit. Dennoch ist in der Mehrzahl
der Fälle ein völlig gegenteiliger Effekt zu beobachten, weil wirklich
erfolgreiche technische Veränderungen zu expandierenden Märkten führen; in solchen Pillen (man vergleiche nur Entwicklungen wie das Auto,
Telefon, Fernsehen) findet das Produkt eine rasch zunehmende Verwendung, so daß für seine Herstellung immer mehr Personal benötigt wird.
Die Erdölraffination und das Fernsprechwesen sind Wirtschaftszweige, in denen die Automation seit vielen Jahren schon intensiv vorangetrieben wird. Im Bereich der Erdölverarbeitung nahm die Beschäftigung seit 1920 um über 175 Prozent und im Fernsprechwesen um über 130
Prozent zu. In beiden Fällen übersteigt die Beschäftigungszunahme den
Durchschnitt der Gesamtwirtschaft erheblich.
Innerhalb der letzten 35 Jahre stieg die Gesamtzahl der Erwerbspersonen von 50 auf 75 Millionen, d.h. um 50 Prozent, bei gleichzeitiger
Zunahme der Gesamtbeschäftigung um 23 Millionen. Die Eingliederung einer
so großen Zahl von neuen Arbeitskräften in den Wirtschaftsprozeß ist
teils der Schaffung neuer Arbeitsplätze, teils der Umverteilung der
Arbeitskraft« zu verdanken, die der technische Wandel mit sich brachte.
Ohne die technischen Fortschritte der beiden letzten Jahrzehnte würde
die Arbeitslosigkeit weit größer und angesichts des derzeitigen Lohnniveaus auch weit schlimmer sein als die zu Beginn der dreißiger.Jahre.
Verdrängte Arbeltskräfte
Bei der Betrachtung der Vorteile eines Wirtschaftssystems, das
durch das Absterben seiner schwächsten Elemente an Stärke und Umfang
wächst, darf man jedoch die Probleme nicht übersehen, vor die sich der
einzelne gestellt sieht. Den von ihren Arbeitsplätzen verdrängten Arbeitskräften ist es ziemlich gleichgültig, ob sie wegen der Automatisierung oder auf Grund der schwindenden Nachfrage nach den bisher von
ihnen erzeugten Produkten arbeitslos werden. Es wird ihnen schwer klarzumachen sein, daß durch den Gewinn, der der Gesellschaft letztlich
aus diesem Vorgang erwächst, ihr persönlicher Verlust und ihr persönliches Ungemach kompensiert werden.
Den einzelnen wie die Gesellschaft zu der Erkenntnis zu führen,
daß der Wandel lebenswichtige Voraussetzung einer dynamischen Wirtschaft ist, scheint deshalb eine vordringliche Aufgabe.
Die Automation bringt eine Umschichtung in den Arbeitsmöglichkeiten mit sich, ja sie soll sie sogar mit sich bringen. Arbeitskräfte
geben Berufe auf, die nicht mehr länger gefragt sind, und übernehmen
andere, oftmals bessere Arbeitsplätze, um auf diese Weise zur Befriedigung der Bedürfnisse der Gesellschaft beizutragen. Unglücklicherweise
besitzen die verdrängten Arbeitskräfte oft nicht die beruflichen

- 3 -

�beruflichen Qualifikationen, die für die im Zuge des technischen Fortschritts neu entstehenden Arbeitsplätze gefordert werden, und verschiedentlich sind auch gar keine anderen Arbeitsplätze verfügbar.
Die Anerkannung dieser Tatsache führt zu einer Reihe von Schlußfolgerungan. Erstens und allem voran bedarf es selbstverständlich
größerer Anstrengungen, den Bildungs- und Fertigkeitsgrad der Bevölkerung im ganzen Lande zu heben. Besondere Berücksichtigung verdienen
hierbei alle diejenigen, die unter den Folgen des technischen Fortschritts su leiden haben. Die derzeitige Debatte über die Auswirkungen
dar Automation und Kybernation auf den Bildungs- und Fertigkeitsgrad
richtet sich vornehmlich auf jene Beschäftigungssparten, in denen diese
am weitesten vorgedrungen sind. Dia Debatte ist damit tragischerweise
in gewisser Hinsicht in die falsche Richtung gegangen. Die Zahl der
Arbeitsplätze dürfte im Zuge der Entwicklung zu durchautomatisierten
Arbeitsvorgängen so gut wie in jedem Falle zurückgehen. Es muß deshalb
vielmehr die Frage gestellt werden: Welche Fertigkeiten und welche Qualifikationen sind für die verbleibenden und die wegen der Produktionserweiterungen neu zu schaffenden Arbeitsplätze erforderlich?
Es gibt sahireiche Beweise dafür, daß die Anforderungen an die Beschäftigten hinsichtlich, des Bildungs- und Fertigkeitsgrads seit dem
Ende des zweiten Weltkriegs ständig gestiegen sind. Das gilt auch für
die Jagendlichen, die sich neu in den Arbeitsprozeß eingliedern. Zum
Teil handalt es sich bei diesem Vorgang um eine natürliche Auslesemaßnahme seitens der Unternehmen. Für eine große Zahl von Erwerbspersonen Jagendliche mit nicht abgeschlossener Mittelschulbildung, Arbeitsplatzverdrängte älterer Jahrgänge, jugendliche Farbige usw. - hat sich die
Kluft zwischen erworbener Bildung und geforderten Qualifikationen sogar
ständig erweitert. Statistisch läßt sich diese Entwicklung an dem unverhältnismäßig großen Anteil dieser Personengruppen an dar sogenannten
langfristigen Arbeitslosigkeit nachweisen.
Auf dar Suche nach einer Lösung für die Probleme in solchen schwerwiegenden Fällen bietet sich nur ein Weg an: entschlossene Bemühungen
auf nationaler Ebene, gebildetere, kenntnisreichere und anpassungsfähigere
Menschen heranzubilden, die die Belastungen des technischen Fortschritts
zu tragen imstande sind. Die Verfechter des Gedankens, die Fortbildung
mindestens zwei Jahre über den Mittelschulabschluß hinaus für alle Jugendlichen möglich, wenn nicht sogar obligatorisch zu machen, suchen die
formale Bildung wie die berufliche Schulung zu einem verläßlicheren
Mittel das Eintritts in die Arbeitswelt weiterzuentwickeln. Die in jüngerer
Zelt su beobachtende Tendenz zur Verbesserung der Lehrpläne an den Grundund Mittelschulen wie auch das Projekt "Starthilfe" (Project Headstart)
für Kinder Im Vorschulalter dürften hier von größtem Wert sein. Die Verbesserung das Erziehungswesens wird wesentlich dazu beitragen, die vielfach gehörte Behauptung zu widerlegen, daß einem Teil dar Bevölkerung die
natürliche Fähigkeit oder der Wunsch abgeht, sich das Maß an Bildung und
Fertigkeiten anzueignen, das unerläßlich ist, um in einer äußerst komplizierten und technisch orientierten Gesellschaft produktiv mitzuarbeiten.
Diese zweifelhafte Annahme wird so lange nicht durch stichhaltige Beweise
widerlegt, wie nicht überall wirklich umfassende Bildungsmöglichkeiten
gegeben sind.
Eine
- 4 -

�Ein« nicht weniger dringend« nationale Aufgabe ist es, will man
die Voraussetzungen für ein« selch« maximale Anpassung an di« Automation
und Kybernatlou sowie an alle anderen Formen des technischen Wandels
schaffen, eine dynamische und expandierende Wirtschaft b«i gleichzeitiger Vollbeschäftigung anzustreben, in der jeder arbeitsfähig« und
arbeitswillig« M«n«ch «ln«n Arbeitsplatz finden kann. Die Behauptung,
Maschinen werden die Arbeitskraft des Menschen in einem solchen Ausmaß
überflüssig machen, daß sich nicht mehr länger für alle Arbeitsuchenden
ein geeigneter Arbeltsplatz finden läßt, stimmt einfach nicht. Sie
basiert auf dar irrigen Annahm«, di« Nachfrage nach Waren und Dienstlelstungen habe in unserer Überflußgesellschaft den Sättigungsgrad erreicht oder sich ihm schon stark genähert* Ganz im Gegenteilt Noch ein
Fünftel aller amerikanischen Haushalte haben ein Einkommen von weniger
als 3000 Dollar im Jahr, und nur einer unter vierzehn Haushalten hat
• in Einkommen von mehr als 15 000 Dollar. .,
Angesichts einer Gesamtzahl von rund 60 Millionen Beschäftigten
(ohne.Landwirtschaft und Selbständige) und einer Produktivitätssteigerung
von jährlich 3 Prozent muß das Bruttosozialprodukt in einem Maße wachsen,
das die Schaffung von jährlich 1,8 Millionen Arbeitsplätzen gestattet,
um eine Zunahme der Arbeitslosigkeit als Folg« technischer Neuerungen
zu verhüten. Oder um es anders auszudrücken: Bei einer Produktivitätssteigerung von jährlich 3 Prozent würde bei.gleichbleibender Wertschöpfung der Wirtschaft die Arbeitslosenziffer um jährlich 1,8 Millionen
steigen.
Über die wirtschaftliche Expansion hinaus, die einen Ausgleich für
den Produktivitätsanstieg schafft, muß die Wertschöpfung in einem Maße
zunehmen, das die Wirtschaft in die Lage versetzt, die jährlichen Neuzugänge auf dem Arbeitsmarkt - durchschnittlich 1,4 Millionen bis 1970 unterzubringen. Um sowohl die jährliche Produktivitätssteigerung zu
kompensieren als auch die N«uzugäng« in den Arbeitsprozeß einzugliedern,
muß die Wirtschaft, soll ein Ansteigen der Arbeitslosigkeit vermieden
werden, jährlich 3,2 Millionen neue Arbeitsplätze schaffen. Die fiskalischen und währungstechnischen Hilfsmittel der Bundesregierung sind
geeignet, die Aufrechterhaltung einer so großen Nachfrage zu gewährleisten, daß die Voraussetzungen für eine steigende Wertschöpfung gegeben sind. Das Beharren der Arbeitslosenziffer im Bereich von 3 bis 4
Millionen Ist «in deutlicher Beweis, daß wir unsere Hilfsquellen noch
nicht genügend auf diese Aufgabe ausgerichtet haben..
Um eine Anpassung an'den technischen Wandel im großen Stil zu ermöglichen, müssen alle die Freizügigkeit hemmenden Faktoren ausgeschaltet werden. Zu diesem Zweck müßten öffentliche Informationsstellen im
ganzen Land« errichtet werden, die Informationen über neue Beschäftigungs-

Siehe "Toward Füll Employmenti Proposais for a Comprehensive Employment and Manpower Policy in tbe United States", Subcommittee on
Employment and Manpower of the Senate Committee on Labor and Public
Weifare (Unterausschuß für Beschäftigung»- und Arbeitsmarktfragen des
Senatsausschusses für Arbeits- und Sozialfragen} April 1964.

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�Beschäftigungsraöglichkeiten verbreiten helfen.Es müßten ferner finanzielle Mittel bereitgestellt werden, um Umzugsbeihilfen zu gewähren
und Beratungsstellen für Umzugswillige einzurichten, die ohne Hilfe von
außen einen solchen Ortswechsel nicht vornehmen können. Bei allen
solchen Haßnahmen wäre größte Rücksicht auf die Würde und die Befürchtungen der Betroffenen zu nehmen.
Die Rolle der Gewerkschaft
Des weiteren gilt es das Vertrauen in den privaten Anpassungsmechanismus des Kollektlwerhandlungswesens zu stärken, ist es doch eine der
Grundlagen der wirtschaftlichen Aufwärtsentwicklung einer freien Gesellschaft. Das wirtschaftliche Wohl ihrer Mitglieder wiederum ist das Hauptanliegen .der Gewerkschaften. Sie müssen deshalb die künftige Entwicklung
der Technik verstehen und ihren Mitgliedern bei allen aus ihr erwachsenden
Problemen Hilfestellung leisten, indem sie beispielsweise in Tarifverhandlungen, auf die Bereitstellung der Mittel drängen, die für.Anpassungsmaßnahmen bei Verlust des Arbeitsplatzes, Fortfall gewisser Beschäftigungssparten oder Standortveränderung von Betrieben erforderlich werden.
Im großen und ganzen widersetzen' sich die amerikanischen Gewerkschaften dem technischen Wandel keineswegs. Sie sind jedoch bemüht, den noch
verbleibenden Arbeitskräften einen Teil der zusätzlichen Erträge aus der
steigenden Produktivität in Form höherer Löhne und Lohnnebenleistungen
zu sichern. Während weite Kreise eine Weitergabe dieser Erträge an die
Allgemeinheit in Form von Preissenkungen befürworten, lehrt die Praxis,
daß der Zusatzertrag unter die Arbeitnehmer (in Gestalt höherer Löhne)
und Unternehmer (in Form steigender Gewinne),aufgeteilt wird. Allerdings
wird auch immer häufiger argumentiert, die aus der technischen Arbeitsplatz Verdrängung resultierenden Lasten sollten in erster Linie von denen
getragen werden, die am meisten yom technischen Wandel profitieren; es
müsse deshalb ein Teil der Zusatzerträge aus der steigenden Produktivität
auf Maßnahmen verwandt werden, die den Anpassungsprozeß erleichtern helfen. Diese Entwicklung findet ihren Niederschlag in der steigenden Zahl
der Verträge, die eine Verkürzung der Arbeitszeit, die Herabsetzung des
Pensionsalters, die Übertragbarkeit der Anciennitätsrechte bei Arbeitsplatzwechsel, die Gewährung von Entlassungsgeld, Umzugsbeihilfen, laufenden Unterstützungsleistungen zur Erzielung des garantierten Jahreslohnes
und von Renten zum Gegenstand haben.
In dem Versuch, das gewerkschaftliche Denken angesichts des zunehmenden Tempos des technischen Fortschritts auf die Erfordernisse der Industrie von heute auszurichten, haben die Gewerkschaften ihre Position im
Kollektiwerhandlungswesen teilweise von Grund auf geändert. Dieser Wandel
wird auch in dem Nachdruck deutlich, mit dem führende Gewerkschafter auf
die neue Verantwortung des Managements verweisen, die Belegschaftsangehörigen rechtzeitig auf mögliche Auswirkungen geplanter technischer Veränderungen aufmerksam zu machen. Mit großem Nachdruck wird heute ferner
die Auffassung vertreten, der Arbeitnehmer erwerbe auch ein gewisses
Eigentumsrecht in bezug auf seinen Arbeitsplatz und habe daher bei drohender technischer Arbeitslosigkeit Anspruch auf einen neuen Arbeitsplatz oder ;
aber auf seine Umschulung8^.
'
Die
8)
Vgl. Walter P. Reuther, "Congressional Testimony", wiedergegeben in
"Automation, Implications for the Future" (New York, Vintage Books, 1962).
- 6-

�Die Roll« der Unternehmer
Auf der anderen Seite des Verhandlungstisches sehen sich die
Unternehmer in Zeitalter der Automation und des allgemeinen technischen
Wandels vor drei wichtige Aufgaben gestellt. Erstens zwingt der ständige wirtschaftliche Druck, die Wettbewerbsposition des Unternehmens zu
erhalten oder zu verbessern, die Unternehmensleitung zur Entwicklung
«ad Anwendung immer neuer Verfahren. Der Porschungs- und Entwicklungsaufwand wird mithin weiter steigen, da jeder Industriezweig, jedes Werk
«ad jeder Manager fortgesetzt nach wirksameren Herstellungsmethoden und
neuen Produkten für künftige Märkte sucht. Zweitens müssen sich die
Unternehmer auf die neuen technischen Verfahren innerhalb ihrer eigenen
Betriebe einstellen. Drittens müssen die Unternehmer, da ja nun einmal
Arbeitskräfte langfristig von ihren Arbeitsplätzen verdrängt und von
Arbeitslosigkeit bedroht werden, ihre Verantwortung gegenüber den Betroffenen, sofern eine solche besteht, definieren.
Punkt zwei und drei berühren die Frage der veränderten Rollen der
Führungskräfte im Zeitalter der Datenspeicher- und-Verarbeitungsanlagen
und der damit verbundenen Möglichkeiten, Entscheidungen auf der Grundlage
mathematischer Berechnungen zu treffen. Sie rühren ferner an Fragen der
Ausbildung und Umschulung von Arbeitskräften, der selbständigen wie auch
der mit den Gewerkschaften im Rahmen von Kollektiwerhandlungen koordinierten Unternehmensvorausplanungen, der Standortveränderungen und der
Änderungen von Produkten und Herstellungsverfahren, die ihrerseits den
Arbeitsaufwand beeinflußen.
Man darf implizieren,daß das Management bei der Bewältigung der
Aufgaben, die der Wandel stellt, künftig ein gewichtiges Wort mitreden
wird. Für die berufliche Fortbildung und Umschulung der großen Masse der
Erwerbstätigen sorgt in den Vereinigten Staaten vor allem die Industrie.
Die von privater Seite unternommenen Anstrengungen werden, falls nötig,
durch entsprechende Programme des Bundes gefördert, wie sie beispielsweise im Rahmen des Gesetzes zur Entwicklung des Arbeitsmarktes, des
Gesetzes zur Sicherung des wirtschaftlichen Fortkommens und anderer einschlägiger Vorschriften vorgesehen sind. Aufgabe der Unternehmungsleitung
kann es auch sein, den durch technische Veränderungen von ihrem Arbeitsplatz verdrängten Personen nach ihrem Ausscheiden aus der Firma den Zugang zum Arbeitsmarkt zu erleichtern oder ihnen anderweitige wirtschaftliehe Garantien oder Entschädigungsleistungen zu gewähren''.
Und schließlich muß der technische Fortschritt auch eine Wandlung
des Wlrtschaftsgefüges hervorbringen - eine Wandlung, die nicht nur unvermeidbar, sondern auch wünschenswert ist. Willkürliche Versuche, diese
Wandlung zu unterbinden, sind nur geeignet, dort Probleme zu schaffen,
wo an sich keine bestehen.
'
Die
Vgl. "The Contribution of Collective Bargaining" von Arnold R. Weber
«KCD-Konferenz zu Fragen der Auswirkungen der Automation auf den
Arbeitsraakkt, Washington, 8.-10. Dezember 1964).

- 7 -

�Sie dienende Funktion der Technik
Im Amerika unserer Tage ist zum ersten Mal die Möglichkeit gegeben,
den Besitz des einen zu mehren, ohne den des anderen zu schmälern. Läßt
sich die derzeitige Produktivitätszuwachsrate bis Ende dieses Jahrhunderts aufrechterhalten, wird sich das durchschnittliche Haushaltseinkommen einem Betrag von 18 000 Dollar im Jahr nähern. Die wissenschaftliche
und private Forschung versetzt immer mehr Bürger in die Lage, nicht nur
einen Zweitwagen und ein Zweitfernsehgerät anzuschaffen, sie gewährleistet auch ein höheres Maß an Sicherheit, ein längeres und gesünderes
Leben und mehr Freizeit. Das alles ist heute für viele Amerikaner erreichbar - aber nicht für alle.
Noch immer wächst eine große Zahl junger Menschen heran, die nicht
genügend schulisch vorgebildet sind, um in der Welt von heute bestehen
zu können. Unsere Städte sind übervölkert und drohen im Verkehr und in
verpesteter Luft zu ersticken. Zehntausende leben in völlig unzureichenden Behausungen. Weite Teile unseres Landes sind von Wasserknappheit
bedreht, andere von verheerenden Flutkatastrophen. Der Bürger klagt über
die Zunahme der Verbrechen und die steigende Jugendkriminalität. Manche
Gemeinden werden durch die zunehmende Verschmutzung der Gewässer, eine
Flut von Abfall und Müll und das Absterben bzw. die Verlagerung ganzer
Industrien von völliger Vernichtung bedroht.
Wenn die Vereinigten Staaten die von Präsident Johnson geforderte
Große Gesellschaft aufbauen wollen, müssen sie sich zur Lösung dieser
kritischen sozialen Probleme der Technik bedienen. An Aufgaben und
Chancen ist kein Mangel. Die Technik ist das größte Reservoir, aus dem
wir die Mittel schöpfen können, um jedem Kind eine gute Erziehung zuteil werden zu lassen, bessere Wohnungen zu bauen, die Einrichtungen
des Gesundheitsdienstes zu vervollkommnen, ausreichende Verkehrseinrichtungen zu schaffen, für angemessene Erholungsmöglichkeiten zu sorgen und schließlich jedem einzelnen mehr Freizeit zu gewährleisten,
damit er alle diese Segnungen genießen kann.
Ein Volk, das bemannte Satelliten auf eine Kreisbahn um die Erde
schickt, Expeditionen unter den Eismantel der Nordpols entsendet und
tief in die Geheimnisse des Aufbaus der Atome und Moleküle eindringt,
••Ute nicht verzweifeln, wenn es darum geht, die vom technischen
Fortschritt aufgeworfenen Probleme zu meistern.

(unwesentlich gekürzt)
Nachdruck ist mit Angabe des Verfassers und dem Vermerk
(c) 1965 by Current History. Inc.
gestattet.

+ ++++

- 8 -

�Gewerkschaftlicht Mitspräche bti Personalentscheidungen
Fortschreitende Automation und Ihr« Folgen für Arbeitnehmer als
Gegenstand von TarifVerhandlungen in den USA
Salt geraumer Zeit widmet der amerikanische Gewerkschaftsverband AFL£10 den mit dam raschen Vordringen dar Automation in den USA zusammenhängenden Fragen verstärkt« Aufmerksamkeit. Das Interesse der Gewerkschaften ist eindeutig: Es gilt, die bei der .Eliminierung von Arbeitsplätzen für die Arbeitnehmer entstehenden Härten so weit wie möglich zu
mildern.
Dabei bietet sich den Gewerkschaften unter anderem die Einflußnahme
auf die unternehmerische Personalpolitik über die tarifvertragliche
Fixierung sogenannter Personalschrumpfungsklauseln ("attrition clauses")
an. In solchen Klauseln wird generell festgelegt, daß ein Unternehmen
bei Einführung neuer personalkostensenkender technischer Verfahren nicht
einfach die entbehrlich gewordenen Arbeitsplätze aufhebt.sondern sich
auf die Streichung solcher Arbeitsplätze beschränkt, deren Inhaber wegen
Kündigung, Pensionierung, Invalidität oder mit ihrem Tod - also aus
"natürlichen Gründen" - aus dem betrieblichen Arbeitsprozeß ausscheiden.
Bereits in den dreißiger Jahren wurden in-den USA Personalschrumpfungsklauseln zwischen Gewerkschaften und Unternehmen ausgehandelt, aber
erat in jüngerer Zeit haben sie - vor allem im Druckereigewerbe und im
Eisenbahnbetrieb - größere Aktualität erlangt...Bestimmungen dieser Art
haben aich als geeignetes Mittel zur Erhöhung der Sicherheit des Arbeitsplatzes erwiesen. Darüber hinaus bleibt ein gewisser kostensparender
Effekt erhalten: Eine hohe Arbeitsplatzmobilität trägt zur Verringerung
der durch den natürlichen Personalschwund verursachten Kosten bei.
In den Kollektivverhandlungen mit den Unternehmen führen die Gewerkschaften im Hinblick auf die Verankerung von Personalschrumpfungsklauseln
folgende Argumente an: Das Unternehmen möge bei etwaigen Personaldispositionen im Auge behalten, daß von einer Reduzierung der Zahl der Arbeitsplatz« Arbeitnehmer betroffen werden könnten, die durch ihre jahrelange
Mitarbeit nicht unerheblich zum Erfolg des Unternehmens beigetragen
haben. Darüber hinaus müsse es für den Unternehmer vorteilhafter sein,
wenn er .sich auf eine möglichst ^wenig durch Fluktuation veränderte Belegschaft stützen könne, die ihre Leistungsfähigkeit bereits bewiesen hebe.
Di« tarifvertragliehe Fixierung von Personalschrumpfungsklauseln
stellt allerdings nicht das einzige Mittel zur gewerkschaftlichen Einflußnahme auf die unternehmerische Personalpolitik dar, ein Recht im
übrigen, das sowohl die Rechtsprechung als auch die Exekutive ausdrücklich bestätigt haben. Weitere Einwirkungsmöglichkeiten besitzen die
Gewerkschaften bei der Aushandlung der tarifvertraglichen Regelung der
vorzeitigen Pensionierung sowie bei Vereinbarungen über den Wechsel der
Arbeitsstelle oder des Arbeitsorts.
Es liegt auf der Hand, daß der natürliche PersonalSchwund durch
entsprechende Vereinbarungen auf diesen Gebieten erheblich beschleunigt
werden kann. Allerdings wären solche Maßnahmen ohne die Berücksichtigung
der Einkommenssituation der Arbeitnehmer unrealistisch. Eine Einkommens-

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�Einkonmensgarantie ist daher «In weiterer wichtiger Funkt, der in den
Tarifgesprächen zwischen Gewerkschaften und Unternehmen berührt wird.
Und nur die Kombination all dieser Maßnahmen kann dem Arbeitnehmer
Jenen Schutz vor des Felgen des technischen Wandels gewähren, auf den
er sich eis Anrecht erwerben hat.
Die Voraussetzungen, unter denen die Anwendung der Personalschrumpfungsklausel möglich wird, sind keineswegs einheitlich. Im allgemeinen ist der Nachweis einer feststehenden Zahl von Dienstjähren
erforderlich, ehe der Anspruch auf volle Vergünstigungen gemäß den Bestimmungen der Klausel geltend gemacht werden kann.
Die Gewerkschaften haben hauptsächlich im Eisenbahnwesen eine Reihe
von Personalschrumpfungsklauseln tarifvertraglich vereinbart. Dia erste
Abmacheng dieser Axt wurde 1961 mit der Southern Pacific Railroad getroffen. In jüngerer Zelt wurde eine derartige Regelung für insgesamt
300 000 der nicht zur Kategorie "Bahnbetriebspersonal" gehörenden Bahnarbeiter vereinbart»
Ähnliche Klauseln haben inzwischen in Verträge mit Zeitungsverlegern, Druckereibesitzern, Transportunternehmen, Versorgungsbetrieben,
Fernsprechgesellschaften und für Hafenarbeiter Eingang gefunden. In
einer Reihe von weiteren Branchen, wird noch verhandelt.
Schrumpfungsklauseln' sind nicht nur ein Mittel zum Schutz der
Arbeitnehmer vor der Verdrängung durch die Automation, sie können auch
bei Firmeazuaammenschlüssen wirksam werden, so zum Beispiel, wenn eine
Firmenfusion die Reduzierung der beiden zusammengeführten Belegschaften
möglich macht. Bedeutung erlangten sie außerdem bei geschäftsbedingten
Personalkürzungen im Eisenbahnwesen.
Nun sind solche Personalschrumpfungsklauseln sicherlich kein Allheilmittel gegen die Arbeitslosigkeit. Sie dienen dem Schutz der Arbeitnehmer, aber sie schaffen keine neuen Arbeitsplätze. Dieser Fragenkomplex,
wie überhaupt das Problem der Vollbeschäftigung, erfordert mehrere
Lösungswege, die der Gewerkschaftsverband AFL-GIO in einer Reihe von
Programmen entwickelt hat: Umschulung, Verkürzung der Arbeitszeit,
Steigerung des Arbeitnehmereinkommens als Mittel zur Vermehrung der
Kaufkraft und damit der Erhöhung der Zuwachsrate des Volkseinkommens.
Im Zusammenhang mit unternehmerischen Dispositionen auf dem Personalsektor legen die Gewerkschaften größten Wert auf die rechtzeitige Bekanntgabe von geplanten Entlassungen, sofern sie durch technologische Umstellungen bedingt sind. Die Gewerkschaften wollen auf diese Weise sicherstellen, daß sie bei der Feststellung der Rechte des einzelnen betroffenen Arbeitnehmers mitwirken können. Bislang hat vor allem das Druckereigewerbe dieser gewerkschaftlichen Forderung Rechnung getragen. .
Zwar liegen den Gewerkschaften noch keine Statistiken über die Einbeziehung von Personalschrumpfungsklauseln in Tarifverträge oder über
die Zahl der von solchen Klauseln betroffenen Arbeitnehmer vor, aber
aufgrund der bisherigen Erfahrungen kann festgestellt werden, daß diese
Klauseln in weit höherer Zahl in die Tarifverträge mit den Eisenbahngesellschaften Eingang fanden als in die Verträge mit der übrigen
Industrie. Generell gilt, daß sich derartige Abmachungen als ein wertvolles Hilfsmittel zum Schutze der Arbeitnehmerrechte erwiesen haben. Sie
dürften, nach und nach auch in anderen Branchen akzeptiert werden.
(Quelle: Eigenbericht)
- 10 -

�Arbeitnehmer auf der Schulbank
In den USA machen nicht wenige Hochschulabsolventen beim Übergang ins Berufsleben die Erfahrung, daß die moderne Arbeitswelt eine
überraschende Parallele zum Studienbetrieb aufweist: Der Prozeß des
Studierens, des Lernens, setzt sich praktisch auch im Berufsleben
fort. Auf diese Tatsache wies jüngst noch George Melloan in einem
Artikel in der angesehenen Zeitung "The Wallstreet Journal1' hin.
So muß zum Beispiel ein College-Absolvent, der bei der International Business Machines Corporation (IBM) eintritt, damit rechnen,
während der ersten fünf Jahre seiner Laufbahn 33 Wochen die IBMSchulbank zu drücken. Auch später noch werden durchweg 10 bis 15 Prozent seiner Arbeitszeit für die Teilnahme an IBM-Lehrgängen vorgemerkt
sein, auf denen er mit neuen Firmenerzeugnissen vertraut gemacht wird.
Irgendwann einmal wird man dem vielversprechenden jungen Mann dann von
selten der Firma vielleicht sogar nahelegen, er möge seine Ausbildung
ergänzen, eine Management-Schule besuchen oder seinen philosophischen
Doktorgrad erwerben - wohlgemerkt, alles auf Kosten der Firma.
Das Beispiel IBM steht durchaus nicht vereinzelt da. Zwar sind
nur wenige Firmen in der Lage, so großzügig wie IBM zu verfahren, deren Instruktionspersonal 1800 Personen umfaßt, die jährlich 10 Millionen Unterrichtsstunden erteilen. Aber die Einsicht in die Notwendigkeit einer Erweiterung der Ausbildungsprogramme setzt sich in allen
Branchen und bei Firmen aller Größenordnungen immer mehr durch.
Vorsichtigen Schätzungen zufolge werden sich die Ausbildungsaufwendungen der amerikanischen Industrie - eine jährliche Steigerungsrate von 5 bis 6 Prozent einkalkuliert - 1965 auf insgesamt 4,5 Mrd.
Dollar oder die Hälfte jener Summe belaufen, die Amerikas H0chschulen
jährlich kosten. Zwar entfällt der Hauptanteil dieser Aufwendungen
immer noch auf die HinformelleM Ausbildung am Arbeitsplatz, aber die
"formelle1* Schulung gewinnt - auch kostenmäßig - zunehmend an Gewicht.
Das Spektrum solcher "formellen" Unterweisung reicht von Kursen, auf
denen Sekretärinnen in korrektem Verhalten geschult werden, bis zu
Auffrischungskursen in höherer Mathematik für Fertigungsdirektoren.
Die zunehmende Komplexität des Wirtschaftsgeschehens zwinge die Industrie zu einer Verstärkung ihrer firmeneigenen Ausbildungsprogramme,
meinte Gerald L. Phillippe, Vorsitzer von General Electric.
Besonders deutlich sind diese Anstrengungen inder Automobil- und in
der Geräteindustrie bemerkbar. Beide Branchen kümmern sich intensiv
um die Schalung ihres Verkaufs- und Service-Personals. So unterhält
beispielsweise General Motors allein 30 regionale Ausbildungszentren
für das Personal ihrer Vertragshändler. Die Radio Corporation of
America betreibt Schulen für den Absatz von Elektronik-Erzeugnissen
in Los Angeles und New York. Aber auch in anderen Branchen ist man
nicht untätig. Im übrigen dürfte bemerkenswert sein, daß sich die
Schulungsprogramme der Firmen keineswegs ausschließlich auf die Verbesserung der Job-Orientierung erstrecken. Eine Reihe von Großfirmen
hält es für richtig, den Gesichtskreis ihrer Führungskräfte in philosophische Bereiche zu erweitern.
Ein

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�Ein willkommene! Nebenprodukt des verstärkten Engagements von
Industriefinnen auf dem Gebiet des Lehrens und Lernens besteht in
der Erarbeitung und Prüfung neuer Methoden. Die programmierte Unterweisung, ein Verfahren, das auf den sogenannten Lernmaschinen basiert,
bat sich für die Zwecke des Firmenunterrichts als besonders geeignet
erwiesen. Die Maschine ersetzt nicht nur hoch bezahltes Lehrpersonal,
sie ermöglicht es dem Lernenden auch, seine Fortbildung la die Feierabendstunden zu verlegen. Die American Telephone and Telegraph Company führt die 27prozentige Zeitersparnis bei der Ausbildung ihrer
Telephonistinnen auf den Einsatz von Lernmaschinen zurück. Kosteneinsparungen meldet auch IBM: Die Maschine macht kostspielige Ausbildungszentren überflüssig.
Zusätzlich zur Lernmaschine bedient sich die Industrie mehr und
mehr der Simulatoren. Die Techrep-Abteilung der Firma Philco, Hersteller solcher Übungsgeräte, berichtet von einer 30prozentigen Erhöhung
ihrer Kapazität im Werk Charleston (Südkarolina). Die Nachfrage nach
Techrep-Erzeugnissen und -Dienstleistungen, zu denen auch die Ausarbeitung und Durchführung von Schulungsprogrammen gehört, hat in jüngster Zeit jährlich um jeweils 50 Prozent zugenommen. Bekannt ist die
Verwendung von Simulatoren für die Ausbildung von Verkehrspiloten.
Zu den Neuerungen zählt auch der Einsatz von Hausfernseh- und Tonübertragungsanlagen.
Nichtsdestoweniger vertrauen zahlreiche Firmen weiterhin herkömmlichen Methoden. So berichtet ein Unternehmensberater, daß z.Z. 54
Universitäten zwei- bis sechzehnwöchige Fortbildungskurse für Führungskräfte anbieten. Die Kosten eines solchen Kurses liegen zwischen 300
und 3500 Dollar je Teilnehmer.
Der durch den technischen Wandel bedingte Zwang zur Umschulung von
Angehörigen ihres Ingenieurpersonals läßt zahlreiche Firmen Arrangements
mit normalen Hochschulen treffen. Die Lehranstalten richten Sonderkurse
ein, die auf die Erfordernisse dieser Kategorie von Studenten zugeschnitten sind. So hat die American Telephone and Telegraph Company Vereinbarungen mit acht Universitäten getroffen. Sperry Gyroscope schickt 1350
ihrer Ingenieure nach Feierabend für anderthalb Stunden auf die Schulbank. Stetig im Steigen begriffen sind auch die Firmensubventionen für
studierende Belegschaftsmitglieder sowie die direkte finanzielle Unterstützung von Colleges und Universitäten. 1962-1963 wurden von amerikanischen Firmen direkte Zuwendungen an Hochschulen in Höhe von schätzungsweise 200 Mio. bis 225 Mio. Dollar gemacht. Die jährliche Steigerungsrate wird auf 15 Prozent beziffert.
Im Jahre 1965 unterzogen, sich insgesamt 2,7 Millionen Amerikaner
einer "formellen" Zusatzausbildung. Der Kostenaufwand dafür betrug
1,5 Mrd. Dollar. 1956 wurden für den gleichen Zweck nur 800 Mio. Dollar
ausgegeben.

Nachdruck ist mit dem Vermerk
(c) 1965 by Dow Jones &amp;
Company, Inc.
gestattet.

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                <text>&lt;strong&gt;Nr. 1&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Lohnentwicklung in der US-Wirtschaft 1957-1963&lt;br /&gt;Die Entwicklungen am amerikanischen Arbeitsmarkt 1962-1964&lt;br /&gt;Das Ende der freien Gewerkschaften Kubas&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Gewerkschaftliche Kurznachrichten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 2&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Tarifvertragliche Möglichkeiten einer vorzeitigen Pensionierung in der US-Wirtschaft&lt;br /&gt;Verbesserung der Volksgesundheit durch gezielte Maßnahmen&lt;br /&gt;Entlassungsbestimmungen in US-Tarifverträgen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 3&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ausgabetrends von Stadtfamilien 1950-1961&lt;br /&gt;Arbeits- und Lohngarantiebestimmungen in Großtarifverträgen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Gewerkschaftliche Kurznachrichten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 4&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Entwicklung der Lohnnebenleistungen in der US-Industrie&lt;br /&gt;UAW - eine junge aber mächtige Gewerkschaft&lt;br /&gt;Stahlarbeitergewerkschaft schloss Modellvertrag&lt;br /&gt;Umschulungs- und Berufsförderungsprogramme wurden verstärkt&lt;br /&gt;Sunnyhills: Rassenfragen unbekannt&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nr. 5&lt;br /&gt;Die Entwicklung des US-Arbeitspotentials zwischen 1964 und 1980&lt;br /&gt;Die Entwicklung der Einkommen im Polizei- und Feuerwehrdienst&lt;br /&gt;Gewerkschaftliche Kurznachrichten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 6&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Art, Umfang und Problematik der Doppelbeschäftigung&lt;br /&gt;Gezielte Maßnahmen zur Vorbereitung auf das Automationszeitalter&lt;br /&gt;Hilfe für die älteren Menschen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 7/8&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Eine Einkommenskala der USA unter Berücksichtigung von 321 Berufen&lt;br /&gt;Bemerkenswerte Entwicklungen auf dem US-Arbeitsmarkt&lt;br /&gt;US-Industrie bietet Führungspositionen für Farbige&amp;nbsp;&lt;br /&gt;Chrysler startete bemerkenswertes Umschulungsprogramm&lt;br /&gt;600 000 US-Regierungsangestellte sind Gewerkschaftsmitglieder&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 9&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Automation in zehn Großunternehmen&lt;br /&gt;Gleiche Arbeitschancen für alle&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Gewerkschaftliche Kurznachrichten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 10&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Entwicklung der Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Beziehungen seit Kriegsende&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Gewerkschaftliche Kurznachrichten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 11&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Automation und Gesellschaft&lt;br /&gt;Beschäftigungstrends in der Fertigungsindustrie&lt;br /&gt;Der neue Tarifvertrag der US-Stahlarbeiter&lt;br /&gt;Arbeitslosigkeit erreichte neuen Tiefstand&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 12&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Automation und Gesellschaft (II)&lt;br /&gt;Gewerkschaftliche Mitsprache bei Personalentscheidungen&amp;nbsp;&lt;br /&gt;Arbeitnehmer auf der Schulbank</text>
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