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amcrika
dienet

Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462C

16. März 1994

11

USA-DEUTSCHLAND

WIRTSCHAFT, KULTUR UND
KONTINUIERLICHES ENGAGEMENT
Rede von Botschafter Holbrooke

ARBEITSWELT

JAPAN MUSS NACHFRAGE STEIGERN,
EUROPA ZINSSÄTZE SENKEN
Eröffnungsansprache Präsident
Clintons bei Arbeitsplatzkonferenz

DAS WIEDERBESCHÄFTIGUNGSGESETZ
Erklärung Präsident Clintons

BOSNIEN

WEITERE NATO-MASSNAHMEN IN BOSNIEN
SOLLTEN FRIEDENSGESPRÄCHE FÖRDERN
Rede von Verteidigungsminister Perry - Auszüge

EINDÄMMUNG

KONFRONTATION MIT REAKTIONÄREN
STAATEN
von Anthony Lake

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.: 0228 - 339 23 72
Fax: 0228 - 33 41 02

�USA-DEUTSCHLAND
16. März 1994

WIRTSCHAFT, KULTUR UND
KONTINUIERLICHES ENGAGEMENT
Rede von Botschafter Holbrooke
MÜNCHEN - (AD) - Der Botschafter der Vereinigten Staaten von Amerika in der Bundesrepublik Deutschland,
Richard C. Holbrooke, hielt am 8. März 1994 vor der Gesellschaft für Auslandskunde im Amerika Haus München
nachfolgende Rede.
Das neue Zeitalter
Es ist mir eine große Ehre und Freude, heute zu Ihnen
über Deutschland und die Vereinigten Staaten zu
sprechen. Ebenso wie der Council on Foreign Relations in den Vereinigten Staaten, dem ich eng verbunden bin, leistet Ihre Organisation einen wertvollen
Beitrag zur Belebung der Diskussion über auswärtige
Angelegenheiten.

problemen zu begegnen. Der jüngste NATO-Gipfel
war ein wichtiger Schritt in diese Richtung.

Die militärische Komponente der strategischen Beziehung darf jedoch nicht länger andere wichtige Dimensionen unserer Partnerschaft in solchem Maße überschatten. Das Ende des Kalten Krieges hat die deutschamerikanischen Beziehungen von der Notwendigkeit
übermäßiger Konzentration auf eine gemeinsame
Bedrohung von außen befreit. Wir sind jetzt frei, nach
Vor einigen Monaten habe ich in Potsdam erörtert, wie dem Gleichgewicht des Schreckens des Kalten Krieges
sich die deutsch-amerikanischen Beziehungen in die zum Aufbau eines dauerhafteren Friedens in Europa
umfassendere globale Situation fügen. Heute möchte überzugehen. Wir sind jetzt frei, vehementer auf
ich mich auf die bilateralen Beziehungen selbst kon- andere gemeinsame Ziele zu drängen: Förderung von
zentrieren.
Wohlstand und sozialer Gerechtigkeit im Inland,
Unser vierzigjähriger Kampf zur Überwindung der Teilung Menschenrechten, Freiheit und Marktreformen im
Deutschlands und Europas war erfolgreich. Der Kalte Ausland.
Krieg ist vorüber. Deutschland ist in Frieden und "Unsere Freiheit ist in Gefahr, wenn wir uns auf unseFreiheit vereinigt.
ren Leistungen ausruhen", erinnerte uns Präsident
Kennedy in seiner 1963 in der Paulskirche gehaltenen
Ein Grund fürunseren Erfolg war die Entschlossenheit
Rede, "denn die Zeit und die Welt stehen nicht still.
unserer beiden Länder zur Bewältigung einer gemeinWandel ist das Gesetz des Lebens. Und diejenigen,
samen Bedrohung von außen. Diese Bedrohung ist
die nur auf die Vergangenheit blicken, werden zweiabgeebbt. Nach Jahrzehnten kontinuierlicher Anfelsohne die Zukunft verpassen."
strengungen können wir uns endlich einen beträchtlichen Abbau unseres Streitkräfteniveaus in ganz Euro- Mit dem Ende des Kalten Krieges müssen wir die
pa leisten, einschließlich der amerikanischen Truppen deutsch-amerikanischen Beziehungen an neue Zeiten
in Deutschland.
anpassen. Wir können zu Recht stolz auf unsere
Jüngste Ereignisse verdeutlichen natürlich, daß wir
noch immer in einer gewalttätigen und unsicheren Welt
leben. 65.000 amerikanische Soldaten bleiben in
Deutschland stationiert - der Großteil der 100.000
Mann, die insgesamt in Europa verbleiben. Die deutschamerikanische Sicherheitspartnerschaft im NATOBündnis ist nach wie vor unerläßlich, und sie wird neu
definiert, um Europas drängenden neuen Sicherheits-

AMERIKA DIENST 11

Leistungen sein, aber wenn wir uns nur auf bisherigen
Errungenschaften ausruhen, vergeuden wir die Chance, unsere Partnerschaft zur Bewältigung neuer Herausforderungen zu nutzen.
Das bedeutet, unsere Beziehungen nicht als selbstverständlich hinzunehmen. Aus der heutigen Perspektive einer erprobten Partnerschaft gesehen, kann
man die schwierigen Anfangszeiten leicht vergessen.

Seite 1

�1

Nach einem erbitterten Krieg bauten wir neue Beziehungen auf. Jeder von uns investierte in hohem Maße
in unsere Partnerschaft, jeder erhielt Stärke und Orientierung vom anderen. Abgelenkt durch neue Herausforderungen müssen wir aufpassen, daß wir unsere
Leistungen nicht verspielen.

Kultur und Wirtschaft
Während wir unsere Streitkräfte - lange das Bindeglied, das unsere Präsenz in Deutschland definierte abbauen, räumen wir anderen Aspekten unserer
Beziehungen zunehmende Bedeutung ein. Ich möchte heute über zwei wichtige Bereiche sprechen, in
denen dies geschieht: Kultur und Wirtschaft. Beide
waren im Lauf der Jahrhunderte bedeutende Pfeiler
der Beziehungen zwischen unseren Gesellschaften.
Heute sind sie sogar noch entscheidender wegen einer
in ihren Auswirkungen so radikalen Entwicklung wie
dem Ende des Kalten Krieges selbst: Der Revolution
im Informationswesen.

Unsere Partnerschaft steht heute wie vor vierzig Jahren erneut vor einem dramatischen Wendepunkt.
Damals wie heute sehen wir uns mit radikalen Veränderungen in der europäischen Landschaft konfrontiert.
Damals wie heute können diese Veränderungen die
Tatsache nicht leugnen, daß grundlegende amerikanische Interessen in Europa Bestand haben. Damals
wie heute erfordern diese Interessen ein aktives Engagement der Vereinigten Staaten für Deutschland und Information ist heute unsere wichtigste und vorherrschende Ressource. Wir leben in informationsreichen
unsere anderen europäischen Partner.
Gesellschaften und arbeiten in auf Informationen
Es gibt jedoch einen Unterschied. Während der Kalte gestützten Volkswirtschaften.
Krieg uns zur Bündelung unserer Kräfte bei der Bewältigung einer gemeinsamen Bedrohung von außen zwang, Immer schnellere technologisch-wissenschaftliche
bietet uns die Wert nach dem Kalten Krieg die Chance, Innovation revolutioniert unsere Arbeit und unsere
unsere Partnerschaft weniger auf Bedrohungen von Arbeitsweise. Beschäftigte im Informationswesen
außen zu gründen, sondern vielmehr auf die unsere machen über die Hälfte der amerikanischen ErwerbsGesellschaften konfrontierenden gemeinsamen Her- bevölkerung und einen zunehmenden Prozentsatz der
deutschen Arbeitnehmer aus. Die Fähigkeit, aus
ausforderungen.
Informationen Nutzen zu ziehen, ist entscheidend für
Obwohl die militärische Dimension unserer Partner- die Wettbewerbsfähigkeit. Im Informationszeitalter
schaft nach wie vor entscheidend ist, bietet ihr abneh- könnte sich kommerzieller Erfolg weniger auf die
mendes Gewicht beiden Nationen die Chance, Zeit Fähigkeit zur Herstellung materieller Güter als auf die
und Energie in die Erarbeitung der nichtpolitischen/ Fähigkeit zur Produktion immaterieller Güter - Ideen militärischen Komponente unserer strategischen Part- stützen und diese Ideen dann in nützliche Produkte
und Verfahren umsetzen.
nerschaft zu investieren.
Ich möchte in der Tat argumentieren, daß unsere
Fähigkeit zur Aufrechterhaltung der militärischen
Dimension unserer Partnerschaft mehr als je zuvor
von unserer Fähigkeit zur Stärkung ihrer nichtmilitärischen Dimensionen abhängt.
Unsere Gesellschaften bieten einen Bezugspunkt für
den anderen. Eine solche Betrachtungsweise unserer
Beziehungen eröffnet eine Vielfalt von Bereichen, in
denen vertiefte deutsch-amerikanische Zusammenarbeit von gegenseitigem Vorteil sein kann. Unsere
beiden Länder sehen sich jedes auf seine Weise einer
Reihe ähnlicher Herausforderungen gegenüber:
Schaffung von Arbeitsplätzen, Ausbildung von Arbeitnehmern, Reform unseres Gesundheitswesens, Bekämpfung von Drogenmißbrauch und organisiertem
Verbrechen, der Flüchtlingsströme sowie der Möglichkeiten und Probleme ethnischerund kultureller Vielfalt.
Zusammenarbeit bei einer Vielzahl gemeinsamer innenpolitischer Herausforderungen trägt dazu bei, daß
wir nicht gegeneinander arbeiten oder identische Arbeit leisten. Sie gestattet uns die effektivere Nutzung
knapper politischer und wirtschaftlicher Ressourcen.
Sie stellt das Material für neue transatlantische Netzwerke zur Verfügung.

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Letztlich hängen Tempo und Wesen des wissenschaftlich-technologischen-wirtschaftlichen Wandels von der
Fähigkeit und Bereitschaft der Menschen zur Anpassung ab, die bequemen Gewohnheiten oder Gedankengänge abzulegen und mit dem Wandel einhergehende neue Risiken zu akzeptieren.
Die Naturdes Wandels in diesem Informationszeitalter
ist in wesentlicher Hinsicht eine Frage der Kultur. Es
bedeutet, daß die Wettbewerbsfähigkeit moderner,
auf Informationen basierender Volkswirtschaften wie
Deutschland und die Vereinigten Staaten ebensosehr
auf ihrer kulturellen Lebensfähigkeit wie ihren Fähigkeiten in der Hochtechnologie gründen kann.
Als sich sein Leben dem Ende zuneigte, erklärte Jean
Monnet, der große Mann hinter dem inzwischen zum
Teil wahrgewordenen großartigen Traum der Schaffung der Vereinigten Staaten von Europa: "Wenn ich
die Chance hätte, nochmals zu beginnen, würde ich
mit der Kultur anfangen." Nach einem erfüllten Leben
erkannte Monnet, der Pragmatiker par excellence, der
so meisterhaft unterschiedliche nationale Interessen
mit einer umfassenderen gemeinsamen Vision in Einklang zu bringen verstand, daß ein funktional-rationaler Ansatz zu gemeinsamen Herausforderungen nicht

AMERIKA DIENST 11

�ausreichte, um die europäische Idee in den Herzen
und Köpfen der Europäer zu verankern. Mehr war
vonnöten.

wortlich zu sein", erklärte er. "Die Voraussetzungen für
Demokratie und Kunst sind gleich."

Jedes unserer Länder leitet seine Stärke aus einer
Verfassung ab, die künstlerische Freiheit und Meinungsfreiheit sowie Freiheit der Lehre und Forschung
garantiert. Sei es in der Literatur, den bildenden
Künsten, Museen und Ausstellungen, Theater, Musik,
in Handwerk, Architektur, Design, Film und Femsehen, bei Sitten und Gebräuchen, Festspielen oder
Austauschprogrammen - jede Gesellschaft stellt eine
Vielfalt von Ausdrucksformen dar. Es ist das pluralistische Wesen unserer demokratischen politischen Kultur an sich, die Vielfalt der Stimmen in unseren kulturellen Demokratien, das diese kreative transatlantiWir können jedoch nur voneinander lernen und uns so sche kulturelle Gemeinschaft schafft.
gegenseitig ergänzen, wenn wir uns und die VerändeDie Sondierung der durch Kultur gebotenen Möglichrungen unserer Gesellschaften verstehen.
keiten gestattet uns auch das Erschließen der reichen
Dies eröffnet der Kultur Chancen. Der große Geiger Tradition des kulturellen Dialogs, der die Beziehungen
Isaac Stern wurde einmal gefragt, warum alle Berufs- zwischen unseren Gesellschaften seit Jahrhunderten
musiker anscheinend dieselben Noten in derselben kennzeichnet. Es gibt vielfältige Beispiele.
Reihenfolge spielen können, es bei machen jedoch
wundervoll und bei vielen schrecklich klingt. Stern In der Medizin und in der Lehre hat Deutschland uns als
kratzte sich am Kopf. "Nicht die Noten sind entschei- Modell gedient. Die Entstehung und Entwicklung der
dend", wandte er ein. "Es sind die Intervalle zwischen modernen Architektur wird gleichermaßen von den
den Noten." Eine kluge Bemerkung, nicht nur über Vereinigten Staaten und Europa getragen. Hier und
Musik, sondern auch darüber, wie man der Revolution andernorts boten der unterschiedliche kulturelle Hinim Informationswesen begegnen sollte. Die uns heute tergrund und unterschiedliche Einstellungen nützliche
täglich vereinnahmenden Fakten sind weniger wichtig Gegenpole für Interaktion: Europa mit seiner reichen
als unsere Fähigkeit, sie in bedeutungsvollen Mustern Tradition rigorosen intellektuellen Denkens, Amerika
zu arrangieren. Kulturverleiht uns diese Fähigkeit. Sie mit seinem intuitiven, etwas romantischen aber pragbietet die Orientierung, die erforderliche Perspektive, matischen Sinn und jugendlichem Optimismus.
um der Flut von Informationen Sinn zu verleihen.
In der Kunst zog die Düsseldorfer Schule zwischen
Kultur ist ein Begriff, den niemand je zufriedenstellend 1848 und 1869 viele amerikanische Künstler an, und
definiert. Wenn ich von Kultur spreche, meine ich München wurde zum Zentrum des Interesses der in
Kultur im weitesten Sinne, über die Kultivierung des den vierziger Jahren des 19. Jahrhunderts GeboreSelbst hinausgehend, um den Gedanken der Zivilisa- nen, die zurückkehrten, um den "Münchner Stil" in den
tion einzubeziehen. Wenn ich von Kultur spreche, Vereinigten Staaten einzuführen.
meine ich die gesamte Bandbreite der schönen und
angewandten Künste, populäre Kultur und Kultur der Wellen deutscher Einwanderer bereicherten das
Jugend. Ich meine Sport, von der Olympiade über die amerikanische Leben, oftmals auf Kosten DeutschNational Basketball Association bis zur Fußballwelt- lands. Als das Frankfurter Parlament 1848 gewaltsam
meisterschaft, die in diesem Sommer in den Vereinig- aufgelöst wurde, flohen Tausende der "Achtundvierziten Staaten stattfindet. Und ich meine die politische ger" in die Vereinigten Staaten. Die Amerikaner fühlKultur. Die Erforschung dieser Aspekte eröffnet neue ten sich dieser demokratischen Bewegung besonders
Möglichkeiten für die auf eine gemeinsame transatlan- nahe. Die Ideale von 1776 in den Vereinigten Staaten
waren die Ideale der deutschen Achtundvierziger, von
tische kulturelle Identität gegründeten Beziehungen.
denen die meisten jung und idealistisch waren. Als sie
Diese gemeinsame transatlantische kulturelle Identi- in Amerika ankamen, wurden sie enthusiastisch willtät beruht auf der Freiheit der Kultur, das zu sein und kommen geheißen. Und umgekehrt geschah das
zu werden, was sie will. Sie trägt der Tatsache seltsamerweise mit den "Achtundsechzigern", womit
Rechnung, daß die politische Kultur einer Gesellschaft ich 1968 meine.
für ihre künstlerische Kreativität unabdingbar ist. Als
Präsident Franklin Delano Roosevelt im Mai 1939 das Als beispielsweise der Münchner Juraprofessor FreMuseum of Modern Art in New York einweihte, stellte derick Hecker im Jahr 1848 in New York ankam, wurde
er diese grundlegende Verbindung zwischen Freiheit er von über 20.000 Menschen empfangen, die alle
und kultureller Vitalität her. "Die Künste können nur schwarz-rot-goldene Fähnchen schwenkten. Sollte
gedeihen, wenn die Menschen frei sind, sie selbst und einer der heute hier Anwesenden ein Münchner Jurafür ihre eigenen Energien und Leidenschaften verant- professor sein, kann ich leider nicht garantieren, daß
Was für Europa gilt, gilt auch für die transatlantische
Partnerschaft. Unsere gemeinsamen strategischen
Interessen machen Zusammenarbeit erforderlich.
Unseren gemeinsamen politischen Werte machen
Zusammenarbeit möglich. Am Ende sind beide jedoch
unzureichend. Es ist das sich gegenseitig Ergänzende, die Tatsache, daß jeder von uns etwas Besonderes
in unsere Beziehungen einbringt, von dem der andere
lernen und profitieren kann, was die deutsch-amerikanische Zusammenarbeit potentiell so lohnend macht.

AMERIKA DIENST 11

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�ihm bei seiner Ankunft in New York ein ebensolcher
Empfang bereitet wird. Ich kann jedoch einiges empfehlen, das kulturell vielleicht erhebender ist als der
Anblick von 20.000 Fahnen.

Zum Beipiel gibt es Pläne zur Gründung einer Amerikanischen Akademie in Berlin, die vom amerikanischen Kongreß und dem Smithonian Institute unterstützt und aus privaten Mitteln finanziert wird. Die
Akademie wird die kreative Arbeit durch GastdozenDeutsche politische Flüchtlinge fanden in den Verei- ten, Künstler, Schriftsteller und andere Geisteswisnigten Staaten nicht nur in den Jahren nach 1848 senschaftler unterstützen. Ein Forschungszentrum
Zuflucht, sondern auch während des "tausendjährigen für osteuropäische Geschichte und Kultur ist ebenfalls
Reichs" von 1933 bis 1945. Über eine Million Flücht- vorgesehen. Die Akademie wird Teil des Zentrums für
linge flohen noch vor Ausbruch des Krieges aus Hitler- moderne Studien in den bildenden Künsten an der
deutschland. Ungefähr 200.000 flüchteten in die Ver- National Gallery of Art und somit ein fruchtbarer Boden
einigten Staaten, darunter so bekannte Persönlichkei- für deutsch-europäisch-amerikanische Interaktion im
ten wie die Maler Josef Albers, Max Ernst und Georg Bereich der Kunst.
Grosz, die Komponisten Hanns Eisler, Kurt Weill, Paul
Hindemith und Arnold Schönberg, die Dirigenten Otto Die Umwelt ist ein weiterer neuer Bereich, in dem die
Klemperer und Bruno Walter, die Filmregisseure Fritz deutsch-amerikanische kulturelle Zusammenarbeit
Lang und Billy Wilder, die Architekten Walter Gropius produktiv sein kann. Die Beziehungen zwischen Mensch
und M ies van der Rohe, die Schriftsteller Stefan Zweig, und Umwelt betreffen die Kultur ebenso wie die WisThomas Mann, Heinrich Mann, Erika und Klaus Mann, senschaften. In unseren beiden Ländern befriedigen
Carl Zuckmayer, Lion Feuchtwanger und Berthold Legenden und Überlieferungen über die Natur das
Brecht sowie Geisteswissenschaftler wie Hannah Arendt, tiefverwurzelte Bedürfnis des Menschen nach dem
Hajo Holborn, Peter Drucker, Theodor Adorno, Her- Verständnis der ihn umgebenden Welt. Zudem sind
bert Marcuse, Leo Strauss, Hans Morgenthau, Karl Deutschland und die Vereinigten Staaten im Hinblick
Deutsch und Ernst Fränkel, die später zurückkehrten, auf die Umwelt zwei der weltweit führenden Staaten,
um den modernen Fachbereich Amerikanistik in Deutsch- sowohl bei der Aufstellung von Umweltnormen als
land einzuführen. Bereits 1938 konnte die Kolumnistin auch dem Beitrag zur Umweltverschmutzung. Die
Dorothy Thompson schreiben: "Praktisch jeder, den Reaktion der internationalen Staatengemeinschaft auf
die Welt als einen Vertreter der deutschen Kultur vor globale umweltpolitische Herausforderungen hängt von
1933 ansieht, ist jetzt ein Flüchtling."
der Qualität der Zusammenarbeit zwischen Amerika,
Deutschland und Europa ab.
Während solchen gefeierten Persönlichkeiten für
gewöhnlich die meiste Aufmerksamkeit gewidmet wird, Zur Zeit wird bereits interessante Arbeit geleistet. Das
flohen auch Hunderttausende anderer Deutscher vor Amerika Haus München hat beispielsweise gemeinder Verfolgung nach Amerika. Amerika wurde in sam mit Texas Instruments eine innovative deutschungeahntem Maße bereichert, und Deutschland ver- amerikanische Veranstaltung zu Umweltfragen unter
armte in ungeahntem Maße durch ihre Entscheidung dem Titel "Future Works" gefördert, die auf andere
zu fliehen. Dennoch waren diese Deutsch-Amerikaner deutsche Städte ausgeweitet wurde.
die menschliche Grundlage, auf der neue Netzwerke
Auf diesem Gebiet kann noch viel mehr getan werden,
aufgebaut wurden.
und zwar nicht nur von den Regierungen. Im Rahmen
Diese Interaktion dauert noch heute an, beispielsweise des Fachleiterprogramms des German Marshall Fund
durch das Goethe-Institut und die Amerika Häuser, die verbringen deutsche Englisch- und Sozialwissenschaftsbeide Wurzeln in Bayern haben. An den ersten Deutsch- lehrer einen sechswöchigen Studienaufenthalt über
stunden des Goethe-Instituts nach dem Krieg 1953 in amerikanische Landeskunde in den Vereinigten StaaBad Reichenhall nahmen Amerikaner teil. Bis heute ten. Dies ist ein Beispiel für private Innovationen mit
haben Zehntausende Amerikaner am Goethe-Institut Konzentration auf Ostdeutschland.
Deutsch gelernt. Und ein erster Ausdruck dessen, was
die Amerika Häuser sein würden, war die "Amerikani- Obwohl noch viel unternommen werden kann, um die
sche Bibliothek", die im Januar 1948 in München Wertschätzung der jeweils anderen Kultur zu fördern,
gibt es letztlich keinen Ersatz für persönliche Erfahruneröffnet wurde.
gen. Das bedeutet, daß wir unser Engagement für
Solche Begegnungen waren fruchtbar und produktiv. Austauschprogramme verstärken müssen. Diese sind
Die Revolution im Informationswesen hat ihnen jedoch bereits ein fruchtbares Gebiet, auf dem angesichts der
eine neue Qualität, eine neue Bedeutung verliehen. Im Initiativen zahlreicher Privatorganisationen besondere
Informationszeitalter ist ein sehr viel umfassenderer Erfolge erzielt wurden.
kultureller Dialog über den Atlantik hinweg für unsere
eigenen nationalen Interessen unabdingbar gewor- Sie sind großenteils auch zurückzuführen auf die Energie
den. Aufgrund dieser Erkenntnis leiten wir eine Reihe und Initiative der Bundesregierung und den persönlichen Einsatz von Bundeskanzler Helmut Kohl für
neuer Initiativen in die Wege.
deutsch-amerikanische Austauschprogramme. Prä-

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AMERIKA DIENST 11

�sident Clinton teilt dieses Engagement und unterstützt
entschieden die Bestrebungen vieler Einzelpersonen,
die einen beträchtlichen Teil ihres Lebens der Verbesserung der persönlichen Beziehungen zwischen Deutschen und Amerikanern gewidmet haben.
Es kann und sollte jedoch noch mehr getan werden.
Besonderer Wert sollte auf Austauschprogramme
zwischen Ostdeutschland u nd Amerika gelegt werden.
Sechzehn Millionen Ostdeutsche haben zwei Generationen lang die Vereinigten Staaten nur durch systematisch verzerrte Darstellung kennengelernt. Relativ
wenige Menschen in Ostdeutschland haben Englisch
gelernt. Ihr Verständnis der amerikanischen Gesellschaft, ihrer Werte und Außenpolitik zu vertiefen, stellt
eine lebenswichtige Herausforderung der Zukunft dar.
Während wir unsere zukünftigen Beziehungen schmieden, sollten wir den Worten Monnets Beachtung schenken. Wir wollen unsere Arbeit erneut im kulturellen
Bereich und insbesondere bei den Millionen jungen
Menschen in unseren Ländern beginnen, für welche
die Idee einer transatlantischen kulturellen Gemeinschaft eine wirkliche Attraktion und eine willkommene
Herausforderung darstellt.
Wirtschaft
Die Revolution im Informationswesen hat unsere Arbeitsweise grundlegend verändert.
Unsere nationale Sicherheit beruht mehr denn je auf
wirtschaftlicher Stärke. Globale Wirtschaftskräfte haben
jetzt direktere und stärkere Auswirkungen auf das
Leben von Amerikanern und Deutschen als militärische und sicherheitspolitische Fragen.
Unsere beiden Nationen sind widerstandsfähige wirtschaftliche Konkurrenten. Die Wirtschaft ist jedoch
kein Nullsummenspiel. Weder Amerikaner noch
Deutsche verlieren etwas, wenn andere wohlhabender
werden. Mehr Wohlstand andernorts bedeutet neue
Märkte für amerikanische und deutsche Unternehmen
sowie neue Arbeitsplätze für die Arbeitnehmer in
Deutschland und den Vereinigten Staaten. Die Verbraucher in beiden Ländern können die Auswahl aus
einem breiteren Spektrum kostengünstigerer und
hochwertigerer Güter treffen. Zwischen unseren Ländern
hat sich ein zusätzliches Austauschmuster entwickelt,
das den Unternehmen die Nutzung verschiedener
Wettbewerbsvorteile gestattet, insbesondere bei hochbezahlten Wirtschaftssektoren mit hohem Mehrwert.
Die Vereinigten Staaten und Deutschland haben bedeutende gemeinsame Wirtschaftsinteressen. Beide
Länder sind dem freien Handel verpflichtet. Beide
engagieren sich für offene Investitionsregime, Wettbewerb und dafür, dem Privatsektor die Verfolgung seiner Interessen mit einem Minimum staatlicher Intervention zu ermöglichen. Unsere Wirtschaftsbeziehungen sind ausgewogen und für beide Seiten von Vorteil.

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Die Vereinigten Staaten sind die wichtigste Quelle
ausländischer Investitionen in Deutschland und das
Hauptziel weltweit getätigter deutscher Auslandsinvestitionen. Ungefähr 30 Prozent der gesamten deutschen Direktinvestitionen werden in den Vereinigten
Staaten getätigt; amerikanische Direktinvestitionen in
Deutschland betragen 30 Prozent aller ausländischen
Direktinvestitionen in diesem Land.
Wenn amerikanische Unternehmen wie Coca Cola
und General Motors in den neuen Bundesländern oder
deutsche Unternehmen wie BMW und Siemens in den
Vereinigten Staaten investieren, schaffen sie Arbeitsplätze und kurbeln das Wirtschaftswachstum an.
Derartige Investitionen nehmen den örtlichen Arbeitskräften keine Arbeitsplätze weg, sondern schaffen
neue Möglichkeiten zur Entwicklung neuer Produkte
für neue Märkte.
Unsere Volkswirtschaften sind zunehmend miteinander verflochten. Daimler-Benz ist kürzlich als erstes
deutsches Unternehmen an der New Yorker Börse
zugelassen worden, wodurch es Zugang zum weltweit
größten Kapitalmarkt erhält. Wir freuen uns darauf,
auch andere deutsche Unternehmen dort begrü ßen zu
können.
Die amerikanische Regierung engagiert sich für eine
weitere Stärkung der Wirtschaftsbeziehungen zu
Deutschland und hat vor kurzem mehrere Initiativen
ergriffen:
Wir haben in Deutschland ein ehrgeiziges Exportförderungsprogramm - das einzige derartige Programm in der gesamten OECD - mit dem
Titel "Schaufenster Deutschland" ins Leben
gerufen, das Bestandteil der neuen nationalen
Exportstrategie der Clinton-Administration ist.
Die amerikanischen Konsulate in Deutschland
wurden umstrukturiert, damit die amerikanische
Regierung besser auf die Erfordernisse amerikanischer und deutscher Unternehmen reagieren kann.
Die Mittel der Handelsabteilung im US-Wirtschaftsministerium und des US-Informationsamts in ganz Deutschland wurden gebündelt,
um Business Centers in den Amerika Häusern
zu errichten.
Das geschlossene amerikanische Generalkonsulat in Düsseldorf wird im Sommer wiedereröffnet, und wir werden die Japaner an diesem
Hauptsitz japanischer Wirtschaftsaktivitäten in
Europa vor eine Herausforderung stellen.
Die US-Botschaft und unterschiedliche öffentliche und private Partner setzen eine Vielzahl von
Initiativen - sogenannte "neue Traditionen" - in
Gang, durch die das amerikanische Engage-

Seite 5

�ment für Berlin und Deutschland auch nach
Abzug der Berlin Brigade aus der Stadt im
September beibehalten wird.

Zudem läßt die ausschließliche Konzentration der
Aufmerksamkeit auf den Handel den Investitionsfluß
außer acht, der in der neuen Weltwirtschaft größere
Auswirkungen auf Arbeitsplätze und Produktivität haben
könnte und hauptsächlich eine europäisch-amerikanische Angelegenheit ist. Europa investiert in den
Vereinigten Staaten mehr als in der ganzen übrigen
Welt zusammengenommen; die Vereinigten Staaten
investieren mehr in Europa als in der übrigen Welt
zusammengenommen. Die Mitgliedstaaten der Europäischen Union stellen in den Vereinigten Staaten
mehr Arbeitsplätze zur Verfügung als alle anderen
Nationen zusammengenommen. Selbst in Kalifornien, einem Bundesstaat mit offenkundigen Wirtschaftsbeziehungen zu Asien, stammen mehr Investitionen
aus Europa als aus Japan - 43 Prozent der weltweit in
Kalifornien investierten 77,5 Milliarden Dollarkommen
aus Europa.

In der kommenden Woche veranstalten die
Vereinigten Staaten eine Konferenz über die
Schaffung von Arbeitsplätzen und die sich
wandelnde Arbeitswelt in Detroit, die erste
Konferenz der 0-7, die sich ausschließlich mit
dem wirtschaftlichen Wohlergehen des Durchschnittsbürgers befaßt. Die Konferenz wird die
Aufmerksamkeit der Regierungen auf die Notwendigkeit lenken, sicherzustellen, daß die Arbeitnehmer Nutznießer der durch die Revolution im Informationswesen herbeigeführten
schnellen wirtschaftlichen Veränderungen sind.
Die Konferenz spiegelt die starke Überzeugung
Präsident Clintons wider, daß Wandel begrüßt
und nicht gefürchtet werden sollte. Zu diesem
Zweck müssen wir uns auf den Arbeitsplatz des Die wirkliche Schlagzeile ist jedoch nicht, Europa oder
21. Jahrhunderts vorbereiten.
Asien sind für uns in wirtschaftlicher Hinsicht wichtiger,
sondern daß die wirtschaftliche Gesundheit jeder Region
Zusammengenommen werden durch diese und zu- für die wirtschaftliche Gesundheit der Vereinigten Staaten
künftige Bestrebungen drei bedeutende Behauptun- absolut entscheidend ist.
gen aufgestellt.
Aus diesem Grund können wir uns keine SelbstgefälErstens: Deutschland ist in wirtschaftlicher und wäh- ligkeit darüber leisten, daß wir bei der Öffnung von
rungspolitischer Hinsicht einer unserer weltweit wich- Märkten und der Ausweitung des Handels Fortschritte
tigsten Partner, nicht nur aufgrund unserer direkten machen. Wir werden aufmerksam unsere Bestrebunbilateralen Wirtschaftsbeziehungen, sondern auch gen fortsetzen, Partner wie Japan dringend zur Lösung
wegen der Schlüsselrolle Deutschlands in der Euro- von Handelsstreitigkeiten aufzufordern und größere
päischen Union sowie der Bedeutung der Deutschen Handelshemmnisse abzubauen.
Mark als internationalem Zahlungsmittel.
Glücklicherweise ist dies eine Zeit der Chancen. Die
Zweitens: Wirtschaftswachstum ist eine Vorausset- transatlantischen Wirtschaftsbeziehungen sind an einem
zung für soziale Gerechtigkeit. In einer Zeit wirtschaft- Wendepunkt angelangt. Die jüngste Serie bahnbrelichen Wachstums ist es leichter als in einer Stagna- chender Ereignisse - einschließlich der Schaffung des
tion, Arbeitsmärkte umzustrukturieren, Arbeitsplätze Nordamerikanischen Freihandelsabkommens (NAFzu schaffen und Langzeitarbeitslosigkeit zu bekämp- TA), der Einrichtung des Europäischen Wirtschaftsfen. In Zeiten schleppenden Wachstums könnten raums sowie der Bestrebungen zur Stärkung der asiaBemühungen zur Umstrukturierung lediglich bedeu- tisch-pazifischen wirtschaftlichen Zusammenarbeit auf
ten, Arbeitsplätze zu verlagern anstatt neue zu schaf- der Grundlage offener Märkte - markieren weltweit ein
fen. Wir sehen der Zusammenarbeit mit führenden neues wirtschaftliches Zeitalter. Der erfolgreiche
deutschen Politikern zur Verbesserung der Aussichten Abschluß der Uruguay-Runde, bei dem in den letzten
für Wirtschaftswachstum durch enge Koordination der Stadien die Zusammenarbeit zwischen den VereinigWirtschafts- und Währungspolitik unserer Länder ten Staaten und Deutschland beispielhaft war, bietet
erwartungsvoll entgegen.
bedeutende Chancen für engere deutsch-amerikaniDrittens: Diese Bestrebungen demonstrieren, wie sche Wirtschaftsbeziehungen. Wir sehen der Zusamunbegründet die von manchen Europäern geäußerte menarbeit mit Deutschland und seinen europäischen
Sorge ist, die Vereinigten Staaten könnten ihre starken Partnern zur Erweiterung unseres wirtschaftlichen
transatlantischen Bande den Beziehungen zu den Horizonts erwartungsvoll entgegen.
Pazifikstaaten opfern. Nichts könnte weniger zutreffend sein.

Im NAFTA-Markt mit einer Produktionskapazität von
6,5 Billionen Dollar leben 370 Millionen Menschen.
Deutschland und seine Partner in der Europäischen Obwohl das N AFTA kein so ehrgeiziges Projekt wie die
Union gehören in jeder Hinsicht zu unseren wichtigsten Europäische Union ist und nicht zur Schaffung eines
Wirtschaftspartnern. Amerikanische Exporte über den Binnenmarktes mit einem einheitlichen Außenzoll führen
Pazifik und Atlantik hinweg halten sich ziemlich die wird, richtet es eine Freihandelszone mit für deutsche
Unternehmen bedeutendem Potential ein.
Waage.

Seite 6

AMERIKA DIENST 11

�Das Nordamerikanische Freihandelsabkommen sieht
die Abschaffu ng von ungefähr 20.000 Einzelzöllen vor.
Die Hälfte sollen jetzt, die verbleibenden innerhalb der
nächsten 15 Jahre aufgehoben werden. Auf nahezu
alle in Nordamerika hergestellten Waren werden keine
Zölle erhoben. Wichtige nichttarifäre Handelshemmnisse werden ebenfalls abgebaut. Die Unternehmen
werden den riesigen nordamerikanischen Markt von
nur einem Produktionsstandort aus bedienen können.
Die geplanten Zollsenkungen werden wahrscheinlich
auch für Drittstaaten von Vorteil sein, insbesondere für
starke Exportländer wie Deutschland. Der aus dem
NAFTA resultierende erwartete wirtschaftliche Aufschwung wird zu höheren Einkommen und steigenden
Importen führen, insbesondere von hochwertigen
Konsumgütern und Hochtechnologieprodukten Gebieten, auf denen Deutschland konkurrenzfähig ist.

Zudem haben sowohl die Vereinigten Staaten als auch
Deutschland eine föderative Struktur. Ein reiches,
noch zu erforschendes Gebiet ist das Verhältnis zwischen den einzelnen amerikanischen Bundesstaaten
und den Bundesländern, da es nicht nur einen neuen
Weg zur Ausweitung der menschlichen Bindungen
bietet, sondern sich auch ein Großteil unserer künftigen Tagesordnung damit befaßt, wie Regionen und
Kommunen mit den Auswirkungen des globalen Wandels
umgehen.

Internationale Ereignisse beeinflussen die Regionen
nicht nur direkter als je zuvor - die Regionen spielen
auch eine unabhängigere Rolle bei internationalen
Angelegenheiten, indem sie in anderen Nationen nach
gleichgesinnten Partnern suchen, um gemeinsame
Herausforderungen anzugehen. Die neue Weltwirtschaft bietet neue Chancen für Regionalpolitiker in
Eine neue Rolle für Privatunternehmer und regio- jeder Nation, neue und gewinnbringende Koalitionen
mit gleichgesinnten Politikern aus anderen Nationen
nale Akteure
zu bilden, Erfahrungen auszutauschen und gemeinsaKurz gesagt sind Kultur und Wirtschaft zunehmend me Fragen anzusprechen. Frühere Aktivitäten bei der
wichtige Säulen unserer bilateralen Beziehungen. Ich Entwicklung der deutsch-amerikanischen Beziehunhabe auf verschiedene Möglichkeiten hingewiesen, gen auf der Ebene der Bundesstaaten und Bundeslänwie wir uns um die Vertiefung der Beziehungen auf der, darunter Besuche amerikanischer Gouverneure
diesen Gebieten bemühen. In diesem neuen Zeitalter, und deutscher Ministerpräsidenten, waren sehr prodas durch eine verringerte Bedrohung unserer Sicher- duktiv. Bayern war bei diesen Bestrebungen oftmals
heit, härteren wirtschaftlichen Wettbewerb und eine führend. Es bleibt jedoch noch mehr zu tun.
Vielfalt von Informationen gekennzeichnet ist, darf und
kann eine solche Führungsrolle nicht allein von Regie- Wir können viel erreichen, wenn unsere beiden Natiorungen gespielt werden. Andere Akteure - seien es der nen zusammenarbeiten; einzeln genießen wir und die
Privatsektor oder kleinere staatliche Einheiten wie Welt insgesamt weniger Wohlstand und Sicherheit.
Bundesstaaten und Länder - können an Bedeutung
Unsere Bestrebungen zur Stärkung der bilateralen
gewinnen.
Beziehungen sind an und für sich schon bedeutend.
In dieser Hinsicht ist Jean Monnet erneut besonders Sie bereichern das Leben von Millionen Menschen in
interessant. Als er in der Mitte seines Lebens war, unseren beiden Ländern, und schließlich ist genau das
entschied er sich bewußt gegen eine Mitgliedschaft in langfristig die Aufgabe von uns in der Regierung.
der Regierung, damit er die Integration Westeuropas
voranbringen konnte. Er demonstrierte, wie Privatper- Wir tun diese Dinge jedoch nicht nur wegen ihres
sonen eine wichtige Rolle bei den Beziehungen zwi- Wertes für den einzelnen, sondern weil sie die Fähigkeit unserer beiden Länder zur gemeinsamen Arbeit
schen Nationen spielen können.
für übergeordnete internationale Ziele stärken - die
Das aktive Engagement von Privatpersonen, wirt- Ziele, die ich in meiner im Dezember in Potsdam
schaftlichen und humanitären Organisationen in den gehaltenen Rede angesprochen habe. Wir erachten
Vereinigten Staaten und Deutschland gleichermaßen Deutschland als unerläßlichen Grundpfeiler eines
wird von essentieller Bedeutung sein, wenn wir die stabilen, wohlhabenden, demokratischen und friedlikulturelle und die wirtschaftliche Säule unseres bilate- chen Europa. Die Vereinigten Staaten, die - wie
ralen Verhältnisses stärken und seine Vorteile nach Präsident Clinton erklärte - ihr Engagement in Europa
fortsetzen werden, können dies nur in vollwertiger
Osten hin erweitern wollen.
Partnerschaft mit Deutschland, also den Deutschen,
erzielen.

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AMERIKA DIENST 11

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Seite 7

�ARBEITSWELT
16. März 1994

JAPAN MUSS NACHFRAGE STEIGERN,
EUROPA ZINSSÄTZE SENKEN
Eröffnungsansprache Präsident Clintons bei Arbeitsplatzkonferenz
DETROIT - (AD) - Präsident Clinton zufolge sollte Japan seine heimische Nachfrage steigern, Europa eine
Senkung der Zinssätze anstreben, und die Vereinigten Staaten sollten den Abbau ihres Haushaltsdefizits
fortsetzen, wenn die Industriestaaten die Zahl der Arbeitsplätze in ihren Ländern erhöhen wollen.
Diese drei Dinge zusammengenommen könnten einen neuen Schub weltweiten Wachstums auslösen, der zu
vermehrter wirtschaftlicher Aktivität und mehr Arbeitsplätzen in Europa, Kanada, den Vereinigten Staaten und
Japan führen werde, erklärte Clinton bei dem Treffen von Vertretern der Finanz- und Arbeitswelt der G-7-Staaten.
"Kein wohlhabendes Land der Erde kann auf eigene Faust Arbeitsplätze und Einkommen schaffen, wenn es kein
weltweites Wirtschaftswachstum gibt", erklärte Präsident Clinton am 14. März 1994 auf der ersten Konferenz
über die Schaffung von Arbeitsplätzen und die sich wandelnde Arbeitswelt vor Delegierten aus den Vereinigten
Staaten, Kanada, Japan, Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Italien.
Jahrelang hätten diese Länder - so der Präsident - sich auf ihren Treffen mit makroökonomischen- und globalen Finanzfragen befaßt. Auf der Arbeitsplatzkonferenz in Detroit werde man sich jedoch mit dem "wirtschaftlichen Wohlergehen der Bürger dieser Länder" beschäftigen.
Clinton zufolge tragen die Regierungen die Verantwortung für die Bildung und Ausbildung ihrer Bürger, damit
diese auf eine Arbeitswelt vorbereitet sind, die "hohe Löhne bietet, aber auch hohe Qualifikation erfordert".
Der Präsident rief die Vertreter der Wirtschaft dazu auf, ihre gegen eine Einstellung älterer Arbeitnehmer gerichtete Politik zu ändern. "Wenn die Menschen im Laufe ihres Lebens ihren Arbeitsplatz verlieren, wenn wir im Laufe
unseres Lebens im Durchschnitt achtmal unseren Arbeitsplatz wechseln müssen, werden viele Menschen auch
noch mit über 50 oder sogar über 60 Jahren ihren Arbeitsplatz wechseln müssen. Wir können ihnen nicht die
Chance nehmen, einen Beitrag zu leisten."
Nachfolgend veröffentlichen wir die unwesentlich gekürzte Rede Präsident Clintons.

Vielen Dank, Herr Vizepräsident, für Ihre Ansprache,
Ihre ausgezeichnete Arbeit und Ihr Engagement für
dieses Projekt. Der Vizepräsident wird die ganzen
anderthalb Tage an dieser Konferenz teilnehmen und
mit den hochrangigen Ministern anderer Staaten sowie
den Mitgliedern unseres eigenen Kabinetts und anderen führenden Vertretern der Vereinigten Staaten
zusammenarbeiten.
Ich freue mich, daß die Minister aus den G-7-Staaten
und Vertreter der Europäischen Union sich zu dieser
historischen und hoffnungsvollen Zeit hier im industriellen Kernland Amerikas bei dieser bedeutenden
Konferenz versammelt haben.

AMERIKA DIENST 11

In einigen Staaten sind die Menschen pessimistisch, in
allen Staaten sind einige Menschen pessimistisch, und
in allen Staaten gibt es Menschen, die Schwierigkeiten
haben. Aber es besteht wirklich Grund zur Hoffnung.
Technologie, die einst in den Bereich der Science
Fiction fiel, ist jetzt überall in unseren Unternehmen,
Schulen und Häusern zu finden. Länder, die früher
Raketen aufeinander richteten, arbeiten jetzt nicht nur
auf der Erde, sondern auch im Weltraum zusammen.
Arbeitsplätze, die das Gehirn anstelle des Rückens
beanspruchen, sind jetzt praktisch für alle Menschen in
diesen Ländern in greifbare Nähe gerückt.

Seite 1

�Im vergangenen halben Jahrhundert hingen unsere
gesamten gemeinsamen Unternehmungen - von der
Eindämmung des Kommunismus über die Bekämpfung der Aggression im Persischen Golf bis zu der
Erweiterung des Welthandels, der Förderung von
Demokratie in der ehemaligen Sowjetunion und dem
Beitrag zur Lösung des tragischen Konflikts in Bosnien
- von den Banden zwischen den hier vertretenen
Staaten ab. Ich habe diese Konferenz angeregt, um
dieselbe kollektive Energie, Urteilskraft, dieselben Ideen
und Erfahrungen aufzubieten, um eines der größten
Probleme unseres Zeitalters zu lösen - die Schaffung
und den Erhalt von Gesellschaften mit hoher Wertschöpfung und hohem Wachstum in starken Industriestaaten, die sich den Herausforderungen der Weltwirtschaft stellen.

men zu verlassen. Viele von ihnen kamen auf der
Suche nach Arbeitsplätzen in der Fabrik in Städte wie
Detroit. Während meines Wahlkampfes in Michigan
vor zwei Jahren erkannte ich, daß ich wirklich eine
Chance hatte, zum Präsidenten gewählt zu werden, da
jeder dritte Wähler, der sich an der Vorwahl der
Demokratischen Partei in Michigan beteiligt hatte, aus
Arkansas stammte.

Das ist Amerika. Während des Großteils dieses
Jahrhunderts stand der industrialisierte Mittlere Westen für wirtschaftliche Chancen. Die aus den ländlichen Gebieten vertriebenen Menschen konnten hierher kommen und ungeachtet ihrer Rasse, ihres Bildungsstands und vorherigen Einkommens mit einem
Arbeitsplatz rechnen, der ihnen den Unterhalt ihrer
Familie gestattete und Urlaub, Gesundheitsfürsorge,
Jedes Land sieht sich auf die eine oder andere Art mit Collegebesuch der Kinder, ein Eigenheim und eine
einem hartnäckigen, dauerhaften Problem von Ar- gute Rente ermöglichte. Das war die große Hoffnung
beitsplätzen und Einkommen konfrontiert. Bei den und das große Versprechen von Detroit, von Chicago,
einen besteht die Schwierigkeit in der Schaffung neuer von diesem gesamten regionalen Mekka, das an der
Arbeitsplätze, bei den anderen in der Steigerung des Spitze der Industriellen Revolution in Amerika stand.
Einkommens der Menschen. Wir in den Vereinigten
Staaten haben in den vergangenen zwei Jahrzehnten Das industrialisierte Amerika litt stark unter den wirteine Vielzahl neu er Arbeitsplätze geschaffen, aber seit schaftlichen Veränderungen, die Sie alle vielleicht
nahezu zwei Jahrzehnten haben die Stundenlöhne der noch besser als ich kennen. Ich war jedoch Zeuge, wie
amerikanischen Arbeitnehmer praktisch stagniert. Ein die Menschen dieser Region kämpften. Vor einigen
amerikanischer Arbeitnehmer hat im Durchschnitt bei Jahren waren die Menschen der Ansicht, die amerikagleichem Verdienst eine längere Wochenarbeitszeit nische Automobilindustrie sei zum Untergang verurteilt. Aber die drei großen Automobilunternehmen
als vor 20 Jahren.
arbeiteten gemeinsam mit ihren Partnern in der ArbeitKeiner von uns hat alle Antworten parat. Wir sind hier nehmerschaft hart an der Verbesserung von Qualität,
zusammengetroffen, weil wir etwas voneinander ler- Sicherheit und Kraftstoffverbrauch. Jetzt erobern sie
nen wollen und uns hoffentlich gegenseitig etwas im In- und Ausland ihre Marktanteile zurück. Sie sind
beibringen können. Wir alle können Besseres leisten, wieder stark. In den vergangenen zwölf Jahren befand
und wenn wir zusammenarbeiten, wird es unseren sich Michigan auf dem Weg zu einer neuen Wirtschaft;
kleine und mittelständische Unternehmen haben hier
Völkern zweifellos besser gehen.
nahezu 400.000 Arbeitsplätze im Fertigungs- und
Erstmals bringt diese Konferenz die Finanz-.Arbeits-, industriellen Dienstleistungsbereich geschaffen.
Handels- und Wirtschaftsminister unserer Länder
zusammen. Wir wissen, daß das Problem der Schaf- Die englische Zeitschrift The Economist bezeichnet
fung von Arbeitsplätzen nicht allein durch eine Sen- den Automation Alley, den 60 Kilometer langen Korridor
kung der Zinssätze, bessere Ausbildung oder ver- zwischen Detroit und Ann Arbor als "den am schnellmehrte Investitionen im Technologiebereich gelöst sten wachsenden Technologiekorridor in den gesamwerden kann, aber diese Maßnahmen sind erforder- ten Vereinigten Staaten von Amerika".
lich. Einige Ministeräußerten mirgegenüber, wenn die
Finanz- und Arbeitsminister jedes Landes miteinander Dennoch dürfen wir in unserem Optimismus nicht zu
sprechen würden, hätten wir wirkliche Fortschritte überschwenglich werden - trotz aller guten Nachrichgemacht. Es gibt keinen besseren Ort, sich dieser ten bleiben die Herausforderungen bestehen. AllzuHerausforderung zu stellen, als diese Stadt, diesen viele Menschen sind ins Hintertreffen geraten. Und
Bundesstaat, diese Region. Hier erkennen wir nicht diese Herausforderung brachte meines Erachtensden
nur, daß Wandel nötig ist, sondern auch, daß wir dazu herausragenden jungen Bürgermeister dieser Stadt
ins Amt und führt so viele von Ihnen überdie Grenzen
fähig sind.
von Partei, Rasse, Einkommen oder Hintergrund hinAls ich in Arkansas aufwuchs, waren viele der Men- weg zusammen, um herauszufinden, wie wir das
schen, die ich kannte und mit denen ich lebte, Landwir- Potential aller Menschen in diesem Land erschließen
te. In meinem Bundesstaat kann fast niemand meines können.
Alters seine Familie mehr als eine Generation zurückverfolgen, ohne auf einen Landwirt zu stoßen. Aber mit
zunehmender Mechanisierung der Landwirtschaft
Zunächst einmal sollten wir die grundlegende Realität
wurden immer mehr Menschen gezwungen, die Farerkennen, daß privates Unternehmertum, nicht staatSeite2

AMERIKA DIENST 11

�liehe Maßnahmen der Motor von Wirtschaftswachstum und der Schaffung von Arbeitsplätzen ist. Unsere
Viston einer erstrebenswerten Gesellschaft hängt stark
von einerflorierenden Privatwirtschaft ab. Wir müssen
uns bewußt werden, daß es Dinge gibt, die eine
Regierung tun kann und sollte - dem Privatsektor die
für Wachstum erforderlichen Mittel an die Hand zu
geben und unsere Menschen auf die Arbeitsplätze
einer neuen Wirtschaft vorzubereiten. Eine bedeutende, von uns in den kommenden zwei Tagen zu erörternde Frage ist die, was in den Verantwortungsbereich der Regierung fällt, was der Privatsektor tun
sollte und wie wir diese beiden Bereiche besser als in
der Vergangenheit in Einklang bringen können. Meines Erachtens sind wir hier in den Vereinigten Staaten
auf dem richtigen Weg. Unsere Wirtschaft hat im Lauf
von 13 Monaten 2,1 Millionen Arbeitsplätze hervorgebracht, 90 Prozent davon in der Privatwirtschaft.

Wir wissen alle, daß die Weltwirtschaft Formen annimmt, wenn Informationen und Investitionen mit erstaunlicher Geschwindigkeit nationale Grenzen überwinden und Wettbewerb um Arbeitsplätze und Einkommen stattfindet. Die Volkswirtschaften an den
Schnittstellen haben keine Möglichkeit, sich zu verstecken. In schneller Entwicklung begriffene Nationen
streben eine Verbesserung ihres Lebensstandards an
indem sie unter Beweis stellen, daß sie die von uns
geleistete Arbeit zu geringeren Kosten anbieten können. Beim Übergang von einem alten zu einem neuen
Zeitalter werden wir von Anfang an eindeutig mit einer
schwierigen Entscheidung konfrontiert: Werden wir
klein beigeben, Schutzwälle errichten und unter einem
langsamen und stetigen Absinken unseres Lebensstandards leiden oder werden wir die Herausforderungen dieser neuen Wirtschaft erwartungsvoll begrü Ben,
hochbezahlte Arbeitsplätze schaffen und die Menschen darauf vorbereiten?

In den achtziger Jahren fand in Amerika ein großer Teil
des Nettoanstiegs bei der Beschäftigung im staatli- Jede moderne Wirtschaft sieht sich jetzt auf unterchen Bereich statt, vornehmlich auf bundesstaatlicher schiedliche Weise mit dieser Entscheidung konfronund kommunaler Ebene. Zu viele Angehörige der tiert - einer Entscheidung zwischen Hoffnung und
Mittelschicht arbeiten jedoch härter für weniger Geld, Angst, zwischen Stagnation und Wandel, zwischen
und zu viele Amerikaner sind noch arbeitslos. Zu Abschottung und Öffnung. Wenn wir je einen Beweis
vielen fehlt die Ausbildung, um im Wettbewerb beste- dafür benötigten, daß wir uns für Wandel entscheiden
hen zu können, und es gibt zu viele Bereiche, in denen sollten und können, erhielt ich diesen Beweis bei
einfach keine neuen Privatinvestitionen getätigt wer- meinem gestrigen Besuch von Focus: Hope hier in
den, insbesondere in großen Teilen der Innenstädte Detroit, wo ich sah, wie Menschen aus den Innenstädund in entlegenen ländlichen Gebieten.
ten für Arbeitsplätze von Weltklasse ausgebildet werden, Arbeitsplätze von Weltklasse bekommen und
Die wachsende Einkommenskluft zwischen gelernten konkurrenzfähig sind. Amerika hat sich für den Wanund ungelernten Arbeitnehmern stellt nicht nur eine del entschieden. Wir haben auch auf die anderen GGefahr für die Stärke der Volkswirtschaften dieser 7-Staaten geschaut. Unsere heutigen Gäste trafen
Länder dar, sondern auch für die Struktur unserer sich - das sollten meine amerikanischen Mitbürger
demokratischen Gesellschaften. Vor einem Jahr be- wissen - einmal im Jahr. Und über einen Zeitraum von
trug beispielsweise die Arbeitslosigkeit in den Verei- 10 Jahren verabschiedeten die Mitglieder der G-7
nigten Staaten unter Menschen ohne High School- jährlich eine Resolution, die offen gesagt für die VereiDiplom 12,6 Prozent, unter High School-Abgängern nigten Staaten peinlich war. Sie verfaßten sie in sehr
7,2 Prozent, unter Absolventen einer weiterführenden höflicher Form, sagten aber im Grunde, die WeltwirtAusbildung 5,7 Prozent und unter Collegeabgängern schaft könne nicht wachsen, wenn Amerika weiterhin
3,5 Prozent. Und die Arbeitslosigkeit ist wie gesagt sein Haushaltsdefizit erhöhe und jedes Jahr mehr
auch in den Gegenden besonders hoch, in denen die ausgebe, als es an Steuergeldern einnehme. Sie
Menschen nicht von Investitionen profitieren können, baten uns, unser Haushaltsdefizit abzubauen. Und
insbesondere in unseren großen Innenstädten und das taten wir.
den ärmsten ländlichen Gebieten.
Durch die Reduzierung des Defizits um 500 Milliarden
Wir alle müssen auf unsere Art mit diesen grundlegen- Dollar beläuft sich unser Haushaltsdefizit jetzt auf
den Veränderungen umgehen - neue Wege finden, um einen kleineren Prozentsatz unserer jährlichen Eindie Menschen für den Erfolg zu rüsten, uns die Dyna- nahmen als in allen anderen hier vertretenen G-7mik des Marktes zunutze machen und irgendwie diese Staaten mit einer Ausnahme. Darauf bin ich stolz.
Kräfte in Gebiete übertragen, in denen die Menschen Wenn der Kongreß den neuen Haushalt verabschieins Hintertreffen geraten sind. Wir in den Vereinigten det, und alle Zeichen deuten darauf hin, werden wir
Staaten geben den Menschen anscheinend manch- erstmals seit der Amtszeit Präsident Trumans einen
mal größere Anreize zu Investitionen bei einigen unse- über einen Zeitraum von drei Jahren verlaufenden
rer Handelspartner mit sich entwickelnden Volkswirt- Abbau unseres Haushaltsdefizits verzeichnen könschaften als in unseren Innenstädten und entlegenen nen. Wirhaben alsoden richtigen Weg eingeschlagen.
ländlichen Gegenden, deren Volkswirtschaften sich
ebenfalls im Entwicklungsstadium befinden und Wachs- Die hier vertretenen Nationen verfolgen eine Strategie,
tumsmöglichkeiten bieten.
die erkennt, daß jeder der großen Blöcke hierbei eine

AMERIKA DIENST 11

Seite 3

�Rolle zu spielen hat: Die Vereinigten Staaten sollten
den Abbau ihres Haushaltsdefizits fortsetzen, Japan
sollte seine Binnennachfrage erhöhen, Europa sollte
sich weiter um niedrigere Zinssätze bemühen, so daß
diese drei Dinge zusammengenommen einen neuen
Schub weltweiten Wachstums auslösen können, der
zu vermehrter wirtschaftlicher Aktivität und mehr Arbeitsplätzen in Europa, Kanada, den Vereinigten Staaten und Japan führt.
Wir arbeiten auch hart an einem Abbau der Handelshemmnisse im Rahmen des NAFTA, des GATT und
eines Treffens mit den asiatisch-pazifischen Staaten.
Im vergangenen Jahr leisteten wir einzigartige Arbeit,
indem wir Wachstum, Arbeitsplätze und Einkommen
weltweit durch eine Stärkung des Handels unterstützten.
Während der Debatte über das NAFTA hörten wir die
Sorgen der Arbeitnehmer - berechtigte Sorgen - die
dem wirtschaftlichen Wandel schutzlos ausgesetzt
waren und nicht glauben konnten, daß diese Veränderungen für sie von Vorteil wären. Wir mußten jedoch
der Wahrheit ins Gesicht sehen: Arbeitsplätze im
amerikanischen Exportsektorbringen im Durchschnitt
um 22 Prozent höhere Löhne hervor als Arbeitsplätze,
die nicht mit der Weltwirtschaft im Zusammenhang
stehen. Und Handel ist kein Nullsummenspiel. Wenn
die Weltwirtschaft schrumpft, sind wir alle die Verlierer;
wenn sie wächst, sind wir alle die Gewinner.
Eines ist klar: Kein wohlhabendes Land der Erde kann
auf eigene Faust Arbeitsplätze und Einkommen schaffen, wenn es kein globales Wirtschaftswachstum gibt.
Ohne dieses Wachstums werden ärmere Länder, die
dasselbe wie unser Volk zu Löhnen produzieren, von
denen unsere Bürger nicht leben könnten, allmählich
unsere Position untergraben. Bei starkem Wirtschaftswachstum können neue Technologien, neue Aktivitäten und neue Märkte entwickelt werden. Das ist
unsere einzige Option.

unsere Arbeitnehmer als auch unsere Umwelt gekümmert. Unser Ziel ist zu beweisen, daß das den besten
Weg zur Schaffung neuer Arbeitsplätze im 21. Jahrhundert darstellt.
Was steht dem Wandel denn im Wege? Hier im
industriellen Kernland Amerikas und in der gesamten
industrialisierten Welt haben zu viele Menschen hart
gearbeitet nur um herausfinden zu müssen, daß ihre
Einkommen stagnieren oder sinken. Wir müssen bei
den Menschen das Vertrauen darin wiederherstellen,
daß sie belohnt und nicht bestraft werden, wenn sie
sich die erforderlichen Kenntnisse aneignen und ihr
Land vorwärtsbringen. Diese tiefverwurzelten politischen, fast psychologischen Hemmnisse des Wandels müssen in jedem Land beseitigt werden.
Ich möchte ganz offen mit Ihnen sein: Eines der Dinge,
die ich mir von diesem G-7-Treffen erhoffe, wäre, daß
durch offene und ehrliche Gespräche über Wachstumsprobleme und durch Erfahrungsaustausch jeder
führende Politiker in unseren Ländern in die Lage
versetzt wird, in seinem eigenen Land mehr zu bewirken, weil er es mit Deutschland oder Frankreich vergleichen kann. Und durch Erfahrungsaustausch werden wir führenden Politiker mehr in unserem eigenen
Land bewirken können, weil wir sehen, daß die Deutschen, Franzosen, Kanadier, Italiener und Japaner
dieselben Probleme haben.
Wir haben heute morgen beim Frühstück ausgiebig
darüber gesprochen und jeder machte dieselbe Beobachtung: Wenn wir diese Probleme ehrlich erörtern,
können wir den Menschen bei der Überwindung ihrer
Angst vor Veränderungen helfen und gleichzeitig
anerkennen, daß es im Zusammenhang mit diesem
Wandel berechtigte Sorgen gibt.

Meines Erachtens muß sich diese Konferenz mit drei
entscheidenden Problemen befassen, welche die
Menschen von einer Unterstützung des Wandels
abschrecken. Solange die Menschen nicht überzeugt
Aus diesem Grund müssen wir auch neue Märkte sind, daß sie auf die Arbeitsplätze der Zukunft vorbeschaffen. Das bedeutet, daß wir in arbeitsplatzschaf- reitet sind, Produktivität für sie von Vorteil ist und sie in
fende Technologien investieren müssen, von Mehr- einer dynamischen Volkswirtschaft sowohl einen gefezwecktechnologien im Zuge des Abbaus unseres stigten Arbeitsplatz als auch gefestigte Familien haben
Haushaltsdefizits zu einem Superinformationsnetz, das können, werden sie sich gegen den Wandel sperren.
jeden Klassenrau m und jede Bibliothek im Land mitein- Wir müssen den Wählern in unseren Ländern in all
diesen Punkten erneut Sicherheit verschaffen. Unseander verbindet.
re erste Herausforderung besteht ganz offensichtlich
Viele dieser Technologien fallen in den Umweltbe- darin, unsere Bürger auf eine Arbeitswelt vorzubereireich. Wir wissen jetzt, daß Umweltschutz und Wirt- ten, die hohe Löhne bietet, aber auch hohe Qualifikaschaftswachstum möglich sind. Gemeinsam mit den tion erfordert.
Großen Drei der Automobilindustrien und der Automobilarbeitergewerkschaft werden wir die Entwicklung Wenn ich zu jungen Menschen spreche, sage ich
eines sauberen Autos fördern, das weniger Umweltbe- ihnen, daß sie wahrscheinlich sieben- oder achtmal im
lastungen verursacht und mehr Märkte schafft.
Leben ihren Arbeitsplatz wechseln müssen. Aus diesem Grund erarbeiten wir im Kongreß eine TagesordVon Theodore Roosevelt über Walter Ruther bis zu nung für lebenslanges Lernen, und aus diesem Grund
unserem eigenen hervorragenden Vizepräsidenten bereitet der Kongreß die Annahme von Gesetzen zur
haben unsere klügsten Politiker sich immer sowohl um Einführung von erstklassigen Bildungsnormen vor,

Seite 4

AMERIKA DIENST 11

�fördert grundlegende Reformen und unterstützt die er die Chance erhielt, neue Fähigkeiten zu erwerben
Bewegung derjenigen, die direkt nach der High School und von einem Arbeitgeber eingestellt zu werden, der
in die Arbeitswelt eintreten und nicht aufs College nicht gegen ältere Arbeitnehmer voreingenommen ist.
gehen wollen.
Wir sind in diesem Land in zweierlei Hinsicht gegen
Der Lernprozeß darf nie aufhören. Unser heutiges bestimmte Altersgruppen voreingenommen. Manche
System zum Umgang mit Arbeitslosen ist auf eine Arbeitnehmer stellen nicht gerne junge Leute ein, weil
Wirtschaft zugeschnitten, die bereits seit 10 Jahren sie keine Erfahrung haben. Wie sollen sie je Erfahrunnicht mehr existiert - ein System, das davon ausgeht, gen sammeln, wenn sie keine Arbeit finden? Manche
wenn den Menschen genug zum Überleben gegeben Arbeitnehmer wollen keine älteren Menschen einstelwürde, könnten sie später an ihren alten Arbeitsplatz len, weil sie zu viel Erfahrung haben. Je älter ich
zurückkehren. Die Wahrheit ist jedoch, daß die mei- werde, desto stärker bin ich von folgendem überzeugt:
sten Menschen nicht an ihren alten Arbeitsplatz zu- Die am schnellsten wachsende Altersgruppe in Amerückkehren können. Der Verlust eines Arbeitsplatzes rika sind die Menschen über achtzig. Diejenigen, die
heutzutage ist nicht auf einen zyklischen normalen auf ihre Gesundheit achten, werden - selbst wenn sie
Konjunkturrückgang zurückzuführen, sondern oftmals über siebzig sind - noch tatkräftig und arbeitsfähig sein,
auf strukturelle Veränderungen in der Weltwirtschaft. einen Beitrag leisten und etwas bewirken können.
Was früher in Amerika von einem Menschen erledigt Wenn die Menschen im Laufe ihres Lebens ihren
wurde, wird jetzt von einer Maschine in Amerika oder Arbeitsplatz verlieren, wenn wir im Laufe unseres
einem Arbeitnehmer im Ausland getan. Somit muß Lebens im Durchschnitt achtmal unseren Arbeitsplatz
wechseln müssen, werden viele Menschen auch noch
dieser Mensch ein neues Betätigungsfeld finden.
mit über 50 oder sogar über 60 Jahren ihren ArbeitsDas bedeutet, daß es falsch ist, die Arbeitgeber einen platz wechseln müssen. Wir können ihnen nicht die
Anteil am Arbeitslosengeld zahlen zu lassen, das Geld Chance nehmen, einen Beitrag zu leisten.
einem Fonds zuzuführen und an die Arbeitslosen
weiterzuleiten, die dann untätig das Auslaufen der Wenn die Menschen den Wandel begrüßen sollen,
Arbeitslosenunterstützung abwarten und danach immer müssen wir alle unsere Einstellung dazu ändern, wer
noch keinen neuen Arbeitsplatz haben. Das ist nicht eingestellt werden kann, und insbesondere innerhalb
das Richtige.
welchen Altersspektrums. Das ist von äußerster
Wichtigkeit. Die Frage sollte lauten: Sind die MenVergangene Woche legten wir einen Plan vor, um schen auf die freiwerdenden Arbeitsplätze vorbereiunser Arbeitslosensystem in ein Wiederbeschäftigungs- tet? Wenn das der Fall ist, sollten sie ihre Chance
system umzuwandeln, um diese Ausbildungsprogram- erhalten.
me zu konsolidieren, zentralisierte Karrierezentren zu
schaffen und die Menschen vom Tag ihrer Entlassung Die zweite uns konfrontierende Herausforderung wurde
an für neue Arbeitsplätze auszubilden und vorzuberei- heute morgen bei unserem Frühstück ebenfalls angeten.
sprochen. DergriechischeVertreterderEuropäischen
Union gab hierzu einen sehr engagierten Kommentar
Das stellt in vielen Industriestaaten ein großes Pro- ab. Unsere Bürger müssen davon überzeugt werden,
blem dar. Die Zeitspanne, in der die Menschen arbeits- daß Produktivität eine Verdienstquelle sein kann und
los sind, wird immer länger, und oftmals ist der Grund kein Anlaß zur Sorge ist.
darin zu finden, daß sie keine Berufsausbildung erhalten und gezwungen sind, einen neuen Arbeitsplatz zu Und genau das ist das Geheimnis. Als ich ein Junge
einem niedrigeren Lohn als früher anzunehmen. Wir war, bedeutete Produktivität auf der Farm, daß die
können das ändern und dabei unseren Bürgern mehr Menschen dort ihren Arbeitsplatz verloren. ProduktiSicherheit geben, um die Veränderungen in der Welt- vität in Detroit bedeutete jedoch, daß in der Automobilwirtschaft anzunehmen. Zudem ist das ein gutes industrie mehr Arbeitsplätze geschaffen wurden als
Geschäft. Wir brauchen unsere Bürger gerade jetzt. auf der Farm verlorengingen. Während des gesamten
Wir sollten nicht für die Untätigkeit der Menschen 20. Jahrhunderts seit der Industriellen Revolution
zahlen, wenn wir sie für ihre Arbeit bezahlen könnten. bedeutete Produktivität in einem Bereich, durch die auf
Das ist kein gutes Geschäft.
diesem Gebiet mehr Arbeit von weniger Menschen
geleistet werden konnte, daß technologischer Wandel
Wie bereits erwähnt, stattete ich gestern Focus: Hope immer Arbeitsplätze in einem anderen Sektor schuf.
einen Besuch ab und sah dort, wie junge Menschen für
moderne Arbeitsplätze im Ingenieurwesen, der Robo- Das ist auch heute noch so. Das Problem besteht
tertechnik und anderen zukunftsorientierten Berufs- jedoch darin, daß die Produktivität im Fertigungsbesparten ausgebildet wurden, was wieder einmal zeigt, reich explosionsartig angestiegen ist und diese Entdaß alle Menschen lernen können. Kürzlich sprach ich wicklung nicht aufhört. Jetzt setzt sie sich im Dienstmit einem Mann aus dem Norden New Yorks, der 29 leistungssektor fort, so daß beispielsweise Banken
Jahre lang in der Rüstungsindustrie arbeitete und jetzt oder Versicherungsgesellschaften aufgrund der Proeine leitende Stellung in einem Krankenhaus hat, weil duktivität im Informationswesen mit weniger Men-

AMERIKA DIENST 11

Seite 5

�sehen mehr Arbeit leisten können. Gleichzeitig sind
alle anderen Länder in der Lage, Dinge zu tun, die
ihnen vorher nicht möglich waren. Folglich besteht in
unseren Staaten diese große Unsicherheit, daß Produktivität erstmals Arbeitsplätze gefährden könnte,
anstatt sie zu schaffen.

gien sollen denjenigen Unternehmen zur Verfügung
gestellt werden, die sie nutzen können, selbst jedoch
nicht die zu ihrer Entwicklung erforderlichen Finanzmittel gehabt hätten. Das sollten alle Länder tun, damit
sich ihre Bürger auf die Seite der Produktivität schlagen und ihre Volkswirtschaften funktionieren.

Wir müssen dagegen ankämpfen. Im vergangenen
Jahr beobachteten wir, wie unsere Unternehmen hier
in Amerika sich wieder erholten - in 13 Monaten
wurden 2,1 Millionen Arbeitsplätze geschaffen. Und
das wäre nicht möglich gewesen ohne eine Produktivitätserhöhung in der Privatwirtschaft. Wir können uns
nicht der Tatsache verschließen, daß Modernisierung
der Schlüssel zu Beschäftigung ist. Wir in der Regierung und die in der Privatwirtschaft Tätigen müssen
neue Bereiche finden, in denen Produktivität zu Erfolg
führen kann. Obwohl wir dieses Jahr die staatlichen
Ausgaben senken, stellen wir Rüstungsunternehmen
mehr Gelder zur Verfügung, damit die Verantwortlichen Möglichkeiten finden können, die für den Sieg im
Karten Krieg und in der Zeit danach erforderlichen
Technologien, die wir alle finanzierten, in neue Technologien für die neuen Arbeitsplätze der Zukunft
umzuwandeln.

Umstrukturierungen wird es immer geben, und es wird
immer ein gewisses Maß an Arbeitsplatzabbau geben.
Die besten staatlichen Maßnahmen, die besten Unternehmenspraktiken können diese Veränderungen nicht
aufhalten. Was wir jedoch tun können, ist, unserem
Volk bei der Gestaltung dieses Wandels zu helfen. Der
Staat muß die Menschen mit lebenslangem Lernen,
Wiederbeschäftigung und einer sicheren medizinischen
Versorgung ausstatten. Die Unternehmen müssen
weiterhin auf Verbesserungen der Produktivität drängen. Das Führungspersonal in der Privatwirtschaft
muß nach neuen Wegen streben, um den Beschäftigten zu helfen, mit gut durchdachter strategischer Planung und Innovationen sowie durch die Schaffung
leistungsfähiger Arbeitsstätten sowie verstärkter Beteiligung der Arbeitnehmer an der Entscheidungsfindung von diesen Produktivitätszuwächsen zu profitieren.

Das ist das Geheimnis. Wir müssen unserem Volk
beweisen, daß der Wandel für unsere Bürger von
Vorteil ist und Produktivitätssteigerung immer noch
den Schlüssel zu Beschäftigung und Wachstum darstellt. Wenn wir das vergessen und zulassen, daß wir
aus Angst nicht die Notwendigkeit erkennen, immer
auf der Seite der Produktivität zu stehen, geraten wir in
wirkliche Schwierigkeiten. Dadurch entstand die Mittelschicht. Die Fähigkeit des einzelnen Arbeitnehmers, mehr Arbeit zu leisten, ließ die amerikanische
Mittelschicht entstehen. Sie führte nach dem Zweiten
Weltkrieg zum Wirtschaftswunder in Europa und Japan. Sie schafft immer noch Chancen. Sie ist nur
etwas anders, stellt eine größere Herausforderung
dar, ist komplizierter und entwickelt sich schneller als
vorher. Wenn wir uns jedoch nur eine Minute gestatten, uns gegen das Produktivitätswachstum zu wehren, befinden wir uns in großen Schwierigkeiten.

Wir haben beim Frühstück heute morgen darüber
gesprochen, daß es in Japan grundsätzlich immer
noch die Politik der lebenslangen Beschäftigung gibt.
Um dies zu erreichen, muß man bereit sein, die Arbeitnehmer auch in harten Zeiten zu behalten, und die
Unternehmen müssen stets neue unternehmerische
Aufgaben finden. Denn auf diese Weise braucht man
nicht die Firma zu wechseln. Was auch immer wir tun,
es besteht hier eine große Verantwortung, die nur von
der Privatwirtschaft getragen werden kann, nicht vom
Staat.

Von 1947 bis 1973 erhöhte sich die Produktivität in
Amerika jährlich um mehr als 3 Prozent, und die Löhne
stiegen mit gleicher Geschwindigkeit. Seitdem hat
sich der Anstieg von Produktivität und Löhnen verlangsamt. Jetzt steigt die Produktivität in vielen Sektoren
unserer Wirtschaft wieder an, und damit werden sich
Arbeitsplätze und Löhne verbessern. Da wir intelligenter, nicht härter arbeiten müssen, ist diese Angelegenheit wichtiger als je zuvor.
Heute steht im Senat ein Gesetz zur Debatte, das den
Unternehmen bei Forschung und Entwicklung zur
Schaffung von Fertigungszentren helfen soll, in denen
Firmen zusammenarbeiten können, wie das die kleineren Produktionsbetriebe beispielsweise im Norden
Italiens bereits längere Zeit tun. Die neuen TechnoloSeite 6

Von Unternehmen, die Automobile herstellen, bis zu
solchen, die Software entwickeln, wurden einige der
größten Fortschritte von denjenigen erzielt, die ihre
Arbeitnehmer als ihr wichtigstes Gut behandelten, die
ihren Arbeitnehmern den höchsten Respekt zollten
und ihnen die größte Rolle dabei einräumten herauszufinden, was getan werden muß, um konkurrenzfähig
zu sein und in der Weltwirtschaft zu bestehen.
Dies sind die leistungsfähigen Unternehmen, die ihre
Beschäftigten ausbilden und fortbilden, sie dazu befähigen, persönliche Verantwortung für die Qualität der
Produkte und Dienstleistungen zu übernehmen, die
Arbeitnehmerund Gewerkschaften als Freunde, nicht
als Gegner betrachten.
Heute werde ich eine Firma mit dem Namen Detroit
Diesel besuchen, die mit der Automobilarbeitergewerkschaft UAW bei der Herstellung qualitativ hochwertiger Motoren für den in- und ausländischen Markt
zusammenarbeitet. Ihr Vorstandsvorsitzender Robert
Penske ist bei den meisten unter Ihnen dafür bekannt,
daß er siegreiche Teams zu den Rennen von Indiana-

AMERIKA DIENST 11

�polis schickt. Darüber hinaus baut er jedoch auch hier
bei Detroit Diesel ein Siegerteam auf - ein Team, das
trotz aller Veränderungen erfolgreich ist.
Unsere dritte Herausforderung besteht darin, den
Menschen Sicherheit in ihrer Lebensplanung zu geben
und gleichzeitig die Dynamik der Marktwirtschaften zu
bewahren. Dies ist ein großes und schwieriges Unterfangen. Wie können wir den Arbeitnehmern die Sicherheit geben, die sie benötigen? Welche Art von
System zur Bewältigung der Arbeitslosigkeit müssen
wir haben, welche Art von Krankenversicherung benötigen wir, welche Art von Ausbildungssystem müssen
wir haben, welche Art von Maßnahmen benötigen wir
für Urlaub aus familiären Gründen und Kinderbetreuung oder die Betreuung von Eltern, die es den Menschen gestattet, ihre Aufgaben als Arbeitnehmer und
Familienmitglieder zu erfüllen?

nicht wechseln konnten, weil irgend jemand in ihrer
Familie seit längerem krank war.
Ich weiß selbst, daß das im vergangenen Jahr hier
unterzeichnete Gesetz über Urlaub aus familiären
Gründen, das uns lediglich allen anderen Ländern der
G-7 und 170 anderen Ländern der Welt gleichstellte,
die amerikanischen Unternehmen stärken wird, weil
Menschen nicht mehr ihren Arbeitsplatz verlieren
müssen, wenn sie kranke Kinder oder pflegebedürftige
Eltern betreuen. Diessind Dinge, denen wiruns stellen
müssen.

Während wir also danach streben, ein ausgewogenes
Gleichgewicht zu finden, den Menschen zu helfen,
diese drei Herausforderungen zu bewältigen, sollten
wir zwei Binsenwahrheiten erkennen: Erstens, trotz all
seinernichtzu kontrollierenden Energie und all der von
ihm ausgelösten Erschütterungen ist der Markt eine
unaufhaltsame
und unerläßliche Macht des Fortschritts.
Mehr als in jedem anderen der hier vertretenen Länder
Wir
brauchen
Märkte,
auf denen Menschen die Wahl
haben wir in den Vereinigten Staaten den schrecklitreffen
können.
chen Preis gesehen, den wir bezahlen, wenn die
Familie als Institution zerfällt. Sie ist eine wesentlich
grundlegendere Institution als das Unternehmen. Sie Zweitens können unsere Gesellschaften menschliche
Werte von der Stärke unserer Familien bis zur Qualiist die grundlegendste Institution überhaupt.
fikation unserer Arbeitnehmer fördern. Wir können
Aber wir wissen, daß die meisten Menschen bei uns dies tun und dabei die Menschen befähigen, die von
heute einen Arbeitsplatz haben. Die meisten Mütter einer pulsierenden Marktwirtschaft bereitgestellten
mit Kindern im Alter von einem Jahr an aufwärts sind Chancen voll und ganz zu nutzen.
heute berufstätig. Wie können wir es ermöglichen, daß
Menschen gleichermaßen ihre Aufgaben als Arbeit- Nun, wenn Sie an diese Dinge glauben, dann werden
nehmer und ihre Aufgaben als Familienmitglieder er- Sie meiner Meinung nach fragen, warum sind wir
füllen? Wie kann der Staat so intervenieren, daß eigentlich alle hier? Warum müssen wir gemeinsam
Arbeitsplätze produktiver werden, anstatt die Unter- handeln? Warum müssen wir in unseren jeweiligen
nehmen so stark zu belasten, daß sie in der Weltwirt- Ländern gemeinsam handeln? Warum sollten diese
schaft nicht konkurrenzfähig sind? Fürdie meisten von Staaten, die soviel gemeinsam haben, versuchen,
uns ist es hart, schwierig und sogar schmerzlich, dies untereinander gemeinsam zu handeln? Ich bitte die
zu erörtern. Wir müssen hier jedoch ehrlich sein, und Minister, diesen Fragen ehrlich und offen nachzugeich freue mich auf einige sehr anregende Diskussionen hen. Ich möchte jedoch erneut betonen, es steht
eindeutig fest, daß es für uns im Inland leichter ist, das
darüber in den nächsten anderthalb Tagen.
Notwendige zu unternehmen, wenn wir wissen, daß
In jedem Land müssen wir die richtige Formel finden. die Menschen in den anderen Ländern mit u ns zusamWir dürfen nicht in Dogmatismus oder Ideologie verfal- menarbeiten und wir langfristig gewinnen werden.
len und vorgeben, das eine oder andere sei bedeutungslos. Aber wir wissen, wenn gesicherte Arbeitneh- Wir sollten deshalb die harten Fragen stellen. Erstens,
mer mit gesicherten Familien, die wissen, daß sie ihre worin besteht das Arbeitsplatzproblem in Wirklichkeit?
Aufgabe als Eltern erfüllen, an die Arbeit gehen, ver- Warum ist die Arbeitslosigkeit selbst bei vorhandenem
setzt sie diese Freiheit in die Lage, die produktivsten Wirtschaftswachstum zu hoch? Können wir wirklich
Arbeitnehmer der Welt zu sein. Wir wissen auch, daß noch von einer nationalen Arbeitslosenquote sprees eine Obergrenze für die Kosten gibt, die ein Betrieb chen?
tragen kann, um seine Produktivität zu bewahren. Wir
müssen deshalb diese schwierigen Fragen gründlich Bedeutet die nationale Arbeitslosenquote überhaupt
etwas für irgend jemand von Ihnen hier in Michigan?
erörtern und behandeln.
Nein, Sie möchten wissen, wie hoch die ArbeitslosenIch weiß, daß die Vereinigten Staaten von der Beweg- quote in Michigan ist, oder wie hoch sie in Detroit oder
lichkeit ihrer Firmen und Arbeitnehmer sowie der Fle- im Landkreis Wayne ist, nicht wahr?
xibilität ihrer Arbeitsmärkte profitiert haben. Ich weiß
Gibt es eine nationale Arbeitslosenquote, die von
femer, daß wir unter der nagenden Ungewißheit unseBedeutung ist? Gibt es Trends in all diesen Ländern,
rer Menschen gelitten haben, wenn sie ihren Krankendie eine Gesamtarbeitslosenquote in jedem von ihnen
versicherungsschutz verloren oder den Arbeitsplatz
weniger bedeutsam machen als die Quoten in ver-

AMERIKA DIENST 11

Seite 7

�schiedenen Sektoren der Gesellschaft, insbesondere
unter Menschen, die aufgrund ihrer Langzeitarbeitslosigkeit, ihres Mangels an Qualifikationen oder ihrer
Isolierung von Investitionsmöglichkeiten den Kontakt
zum Arbeitsmarkt völlig verloren haben?
Zweitens, was ist die beste Strategie für die weltweite
Zusammenarbeit in der Währungs- und Haushaltspolitik, um Wachstum anzukurbeln und Arbeitsplätze zu
schaffen? Wie bringen wir unsere Inflationsängste mit
der Notwendigkeit von Wirtschaftswachstum in Einklang?
Drittens, wie können wir ein soziales Netz aufbauen,
das unseren Menschen hilft, sich weiterzuentwickeln
und das zum Wachstum unserer Volkswirtschaften
beiträgt? Können wir die Möglichkeit lebenslangen
Lernens bereitstellen, den Menschen helfen, den
Anforderungen von Arbeit und Familie gleichermaßen
gerecht zu werden, den Menschen medizinische Versorgung geben und trotzdem die Dynamik unserer
Volkswirtschaften bewahren? Und wenn ja, welches
ist der beste Weg, um dies zu leisten?

wir einen ernsthaften Dialog über das wirtschaftliche
Wohlergehen dereinfachen Menschen in jedemdieser
Länder auf. Dies ist ein historischer, wichtiger und seit
langem überfälliger Augenblick.
Wir alle müssen Erfolg haben. Wenn es irgend jemand
von uns nicht vermag, unsere Menschen davon zu
überzeugen, den Wandel anzunehmen, dann könnte
sich dieses Land auch gleich aus der Weltwirtschaft
zurückziehen. Dies könnte eine nach unten gerichtete
Spirale des Protektionismus, des sinkenden Wachstums und der Rückschritte auslösen, die uns alle in
Mitleidenschaft ziehen könnte.

Wenn die Gesichter dieser neuen Volkswirtschaft,
wenn diese hervorragenden Menschen, die ich Ihnen
heute hier vorgestellt habe, den Mut zur Veränderung
haben können, dann können wir dies auch - jedes
unserer Länder. Wir können in jenem Geist vorwärts
schreiten, den Präsident Roosevelt einmal als "kühnes, andauerndes Experiment" bezeichnet hat. Wenn
wir nach dieser Konferenz mit der Zuversicht weitermachen können, daß wir den Wandel für den Durchschnittsbürger in diesen Ländern, für alle unsere
Viertens, die Geschichte hat belegt, daß Produktivität Menschen nutzen können, dann werden wir erfolgzu besseren Arbeitsplätzen und höheren Löhnen führt. reich sein. Wirwerden nach dieser Konferenz mit einer
Aber wie machen wir, wenn sich der Wandel so rasch wirklichen Tagesordnung zum Treffen der Staats- und
vollzieht, unseren Menschen klar, daß dies auch heute Regierungschefs der G-7-Länder nach Neapel reisen,
ebenso zutrifft wie stets in der Vergangenheit? Und mit der wir uns alle dazu verpflichten können, hier
wie können staatliche Maßnahmen und Unterneh- Fortschritte zu erzielen.
menspraktiken bei den rapiden technologischen Veränderungen des Informationszertaiters den Beschäf- Zum Schluß möchte ich noch sagen, daß wir früher
tigten vor Augen führen, da ß Wandel und Produktivität bereits zahlreiche schwierige und maßgebliche Entzu ihrem Nutzen eingesetzt werden können?
scheidungen dieser Art zu treffen hatten. Nicht immer
haben wir die richtige Entscheidung getroffen. Am
Niemand von uns kann Antworten auf alle diese Fra- Ende des Ersten Weltkriegs wendeten sich unsere
gen lediglich innerhalb der Grenzen unserer jeweiligen Nationen nach innen, und dies führte uns in die DeLänder finden. Wenn wir bei dieser Konferenz unser pression und einen weiteren Weltkrieg. Nach dem
Wissen, unsere Ansichten und unsere praktischen Zweiten Weltkrieg wendeten sich unsere Nationen
Erfahrungen miteinander teilen, wird jedes einzelne nach außen. Sie stellten sich mutig der Zukunft. Alte
unserer Länder davon profitieren. Wenn wir neue und Feinde gingen um der gemeinsamen Sache der menschwirksame Wege zur Schaffung von Arbeitsplätzen und lichen Entwicklung willen aufeinander zu. Bündnisse
Steigerung der Einkommen finden, werden die arbei- wurden errichtet, Institutionen wurden geschaffen, die
tenden Menschen aller Länder die Gewinner sein. Ich den Frieden erhielten, den Wohlstand förderten, die
hege die Hoffnung, daß diese Konferenz das von uns Demokratie unterstützten und den Kalten Krieg geim vergangenen Jahr begonnene Unterfangen fortset- wannen.
zen wird, bei dem die führenden Industriestaaten
zusammenarbeiten, um das Erforderliche zu leisten.
Heute stehen wir erneut vor einer Entscheidung, und
diese Konferenz ist Teil der Entscheidungsfindung.
Über Jahre hinweg haben die G-7-Staaten miteinan- Werden wir den Mut haben, den Wandel anzunehmen
der über die großen Fragen der Makroökonomie und und unsere Menschen zu unterstützen? Ich denke, ich
des globalen Finanzwesens beraten. Heute nehmen kenne die Antwort. Gemeinsam müssen wir sie finden.

* * i

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* *

AMERIKA DIENST 11

�ARBEITSWELT
16. März 1994

DAS WIEDERBESCHÄFTIGUNGSGESETZ
Erklärung Präsident Clintons
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die vom Pressebüro des Weißen Hauses herausgegebene Erklärung Präsident Clintons, in der er das Wiederbeschäftigungsgesetz vorstellt.

Vielen Dank, John, fürdiese Einführung. Herr Vizepräsident, Minister Reich, ich danke Ihnen für die bei
diesem Projekt geleistete hervorragende Arbeit. Lane
Kirkland und Larry Perlman gebürt Dank dafür, daß sie
heute hier anwesend sind und die amerikanischen
Arbeitgeber- und Arbeitnehmervereinigungen bei der
von uns aufzubauenden Partnerschaft vertreten.
Ich möchte auch John Hahn aus dem Landkreis Niagara im Bundesstaat New York danken, mit dem ich
vergangenen Monat zusammentraf. Er verlor nach 28
Jahren seinen Arbeitsplatz bei Bell Aerospace und
erwarb nach 28 Jahren neue Qualifikationen als biomedizinisch-technischer Assistent. Er, Deb Woodbury und Donald Hutchinson gehörten alle unserem
Gremium an. Es war eine ausgezeichnete Runde, in
der ich beim Zuhören sehr viel hinzulernte.
Als wir heute morgen im Weißen Haus den Ablauf
dieses Tages planten, teilte mir Mack McCarty mit:
"Wir werden heute über zwei der Angelegenheiten
sprechen, wegen der Sie Präsident geworden sind,
weil Sie etwas tun wollen, um allen Menschen, mit
denen wir aufwuchsen, helfen zu können." Als ich mich
auf den langen Weg machte, der uns hierher führte,
und mit vielen befreundeten Gouverneuren, Bürgermeistern und anderen sprach, bekam ich den Eindruck, daß dieses Land sich wirklich in Gefahr befand,
in das 21. Jahrhundert geworfen zu werden, ohne den
Amerikanischen Traum bewahren und am Leben erhalten zu können, und daß der Durchschnittsamerikaner mit mindestens drei riesigen Problemen konfrontiert war.
Eines bestand darin, daß immer mehr Amerikaner
immer härter und zu stagnierenden Löhnen arbeiteten
und sich der Armutsgrenze immer weiter annäherten.
Aus diesem Grund gaben wir heute die Initiative über
den Einkommensteuerfreibetrag bekannt sowiedie Art

AMERIKA DIENST 11

und Weise, wie sie Arbeitnehmerfamilien mit Kindern
den Weg aus der Armut bahnen sollte.
Ein weiteres Problem war, daß ungeachtet des Abbaus der Arbeitslosigkeit in einigen Bereichen viele
Amerikaner - normalerweise aufgrund ihrer Ausbildung und ihres Wohnorts - im Hintertreffen bleiben.
Das bedeutet jedoch, daß bei einer Arbeitslosenquote
von 6,5 Prozent - wie heute der Fall - die Arbeitslosenquote bei denjenigen mit einer College-Ausbildung 3,5
Prozent beträgt und bei denjenigen, die nach der High
School noch eine - mindestens zweijährige - Ausbildung durchliefen etwas über 5 Prozent. Unter den
High School-Absolventen liegt sie bei etwas über 7
Prozent, bei denjenigen, die die High School abbrachen bei ungefähr 12 Prozent - und bei den jugendlichen Angehörigen von Minderheiten in vielen Innenstädten bei über 50 Prozent. Die Zahl an sich bedeutet
also gar nichts. Es gibt riesige Gebiete mit hoher
Arbeitslosigkeit, bei denen keine Investitionen in den
Menschen getätigt werden.
Der Vizepräsident, Henry Cisneros (der Minister für
Wohnungsbau und städtische Entwicklung), Bildungsminister Richard Riley, der heute anwesend ist, Arbeitsminister Robert Reich und andere arbeiten an der
Initiative, um diesen Gemeinden zu helfen und versuchen, sich auf dieses Problem zu konzentrieren.
Mit dem dritten großen Problem - für das die drei hier
anwesenden renommierten Persönlichkeiten stellvertretend sind - beschäftigen wir uns am heutigen Tag:
Ein Amerikaner wechselt im Durchschnitt sieben- oder
achtmal im Leben den Arbeitsplatz, ob ihm das gefällt
oder nicht. Unsere Aufgabe besteht darin sicherzustellen, daß ihm das vorteilhaft erscheint, daß diese
Veränderungen die Sicherheit der Menschen, nicht
ihre Unsicherheit erhöhen. Und wir wissen, daß unsere gesamte Politik nur dann einen großen Einfluß auf

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�das Leben der Menschen haben kann, die uns überhaupt erst hierher entsandt haben, wenn wir genau das
tun.

sein und unser Land und den Privatsektor zu
würdigen - einen der beweglichsten und flexibelsten Arbeitsmärkte aller Industriestaaten. Oftmals legen diese Umschulungs- und Arbeitslosenprogramme dieser Mobilität Hindernisse in
den Weg, anstatt sie zu vergrößern.

Ich bin stolz darauf, daß die von uns unternommenen
Anstrengungen zur Reduzierung des Defizits und
Senkung der Zinssätze zu großen Investitionssteigerungen und im vergangenen Jahr zur Schaffung von 3.
Wir wollen dem Privatsektor, den Unternehmen
mehr als zwei Millionen neuer Arbeitsplätze geführt
und Arbeitnehmern die Verantwortung dafür
haben. Viele Menschen haben jedoch keinen Zugang
übertragen, daß die Ausbildung die Menschen
zu diesen Arbeitsplätzen. Und wie der Arbeitsminister
tatsächlich auf wirklich existierende Arbeitspläterklärte, gibt es in dieser Volkswirtschaft noch sehr
ze vorbereitet - und das für Ausbildungsproviele Verschiebungen von Wählerstimmen. Deshalb
gramme aufgewendete Geld gut und zweckist dieses Wiederbeschäftigungsgesetz von 1994 so
dienlich ausgegeben wird.
wichtig.
4.
Viertens wünschen wir eine wirkliche RechenJeder von Ihnen, der sich je damit beschäftigt hat, weiß
schaftspflicht bei diesem System, so daß wir Inwohl, daß unser derzeitiges Arbeitslosen- und Ausbilvestitionen in Ausbildungsprogramme tätigen,
dungssystem funktionsuntüchtig ist, weil es für eine
die die Menschen tatsächlich auf einen Arbeitsjetzt nicht mehr existierende Volkswirtschaft geschafplatz vorbereiten.
fen wurde. Es wurde im Grunde genommen zu dem
Zweck eingerichtet, die Menschen mit einem Lohn ZurZeit existieren sechs verschiedene Programme für
über Wasser zu halten, der unter ihrem Verdienst lag, freigesetzte Arbeitnehmer. Und die Arbeitnehmer
jedoch ihren Lebensunterhalt finanzierte, bis ihre alten werden von Büro zu Büro und von Programm zu
Arbeitsplätze wieder zur Verfügung standen, denn die Programm geschoben. Es gibt Beispiele von Arbeitmeisten Arbeitsplätze gingen aufgrund eines norma- nehmern derselben Berufssparte, die beide auf diesellen konjunkturellen Rückgangs verloren. Jetzt wissen be Art ihren Arbeitsplatz verloren und für verschiedene
wir jedoch, daß die große Mehrheit der entlassenen Programme in Frage kommen, bei denen unterschiedArbeitnehmer nicht an ihren alten Arbeitsplatz zurück- liche Leistungen und Deckung gewährt werden. Das
kehren kann - daß ihre Entlassung entweder durch erste Element des Plans ist die Schaffung eines umstrukturelle Änderungen der Wirtschaft erfolgte oder in fassenden, zentralisierten Programms, damit die Arder Natur der besonderen Erfordernisse am Arbeits- beitnehmer an einer Stelle die nötige Beratung und
Hilfe erhalten und sich über neue Arbeitsmöglichkeiplatz liegt.
ten, die erforderlichen Qualifikationen sowie die beIm vergangenen Jahr rechneten drei Viertel aller Ar- sten Ausbildungsprogramme zum Erwerb dieser bebeitnehmer mit einem dauerhaften Verlust ihres Ar- sonderen Fähigkeiten informieren können. Kein arbeitsplatzes - die höchste Zahl seit Erstellung dieser beitsloser Amerikaner sollte sich in einem Dschungel
Statistik durch das Arbeitsministerium. Das derzeitige von Gesetzen bewegen müssen, die der Kongreß aus
Ausbildungssystem ist, wie die Kongreßabgeordneten unterschiedlichen Gründen verabschiedet. Die ameriwissen, ein Wirrwarr unterschiedlicher Programme, kanischen Bürger interessiert nicht, unter welches
die allzuoft der Bürokratie den Vorrang einräumen und Gesetz sie fallen, sie wissen nur folgendes: Hier bin
die Kunden - die Arbeitslosen - bestürzt zurücklassen. ich. Ich brauche einen Job. Ich benötige eine Ausbildung. Wie kann ich sie erhalten?
Dieses Gesetz soll das untüchtige, veraltete, bürokratische System in Ordnung bringen, das in zu vielen Der zweite Teil des Plans besteht darin sicherzustelFällen die Rückkehr der Menschen in die Reihen der len, daß die Arbeitnehmer neben einem umfassenden,
Erwerbstätigen verzögert, anstatt sie zu beschleuni- zentralisierten Programm die größtmögliche Auswahl
gen. Es wird ein neues System schaffen, das den an Ausbildungs- und Beschäftigungsmöglichkeiten
Arbeitnehmern zu der Ausbildung und Beratung ver- haben und der Markt die zur Verfügung stehenden
hilft, die ihnen die schnellere Besetzung höherbezahl- Dinge nutzen kann. Wir möchten die Arbeitnehmer
ter Arbeitsplätze gestatten.
möglichst bald erreichen, nachdem sie ihren Arbeitsplatzverloren oder-wie in Sunnyvale (Kalifornien) vom
Der Plan enthält vier Punkte:
Vizepräsident erwähnt - ihre Kündigung erhalten haben. Wir möchten ihnen eine Vielzahl von Möglichkei1.
Die Ersetzung dieser zersplitterten Programme
ten anbieten, die erforderlichen Chancen und Ausbildurch ein umfassendes, zentralisiertes Produngswege durch ein computergestütztes Netz zu
gramm,
finden, das Informationen über freie Arbeitsplätze im
2.
größere Auswahlmöglichkeiten bei Wiederbe- gesamten Land, über Arbeitssuche, Ausbildung am
schäftigungsdienstleistungen, die den Menschen Arbeitsplatz, langfristigen Erwerb neuer Qualifikatiodie Rückkehr an den Arbeitsplatz ermöglichen. nen und Ausbildung für diejenigen gibt, die sich selbWir besitzen - um Amerika gegenüber fair zu ständig machen wollen.
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AMERIKA DIENST 11

�Diejenigen, die eine neue Existenz gründen wollen,
können einen Teil ihrer Arbeitslosenunterstützung als
Starthilfe beanspruchen. Und wir bieten jedem Arbeitnehmer die Möglichkeit, eigene Entscheidungen über
Beschäftigung und Ausbildung zu treffen, anstatt nur
Gegenstand der Entscheidungen anderer zu sein.

ten und öffentlichen Ausbildern zu wählen und von den
Anbietern Berichte verlangen, damit die Kunden eine
informierte Entscheidung treffen können und wissen,
wieviele Menschen welche Art von Arbeitsplatz zu
welcher Bezahlung erhielten. Das ist letztlich die
Bewährungsprobe.

Femer möchten wir die Menschen auf reale Arbeitsplätze vorbereiten. Aus diesem Grund besteht der
dritte Teil des Plans darin sicherzustellen, daß diese
Bestrebungen unter der Leitung von Menschen stehen, die praktische Erfahrungen mit diesen Arbeitsplätzen haben - die amerikanischen Arbeitgeber und
Arbeitnehmer. Aus örtlichen Arbeitskräften bestehende und von gewählten Kommunalpolitikern ernannte
Investitionsgremien werden diese Zentren, die ein
umfassendes Programm anbieten, überwachen. Die
Mehrheit soll aus Arbeitgebervertretern bestehen -von
Geschäftsführern bis zu Betriebsleitern. Die Arbeitnehmer und die Schulen werden ebenfalls vertreten
sein. Da Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertretungen
bereits so viel für die Ausbildung der Arbeitnehmertun,
wollen wir Unternehmen und Gewerkschaften ermutigen, ihre eigenen Zentren für umfassende, zentralisierte Umschulungsprogramme für ihre eigenen, von
Entlassungen oder Firmenschließungen betroffenen
Arbeitnehmer zu errichten.

Der Arbeitsminister muß bei diesem Ansatz Beurteilungsmaßstäbe für Ausbildungsprogramme definieren. Diejenigen, die den Normen nicht entsprechen,
sollten ihre finanzielle Unterstützung verlieren. In fünf
Tagen werden führende Vertreter der Industrienationen in Detroit zusammentreffen, um über hochbezahlte Arbeistplätze für unsere Bürger zu beraten. Die
größte Stärke unseres Landes ist unsere Beweglichkeit und Anpassungsfähigkeit. Sie helfen unseren
Unternehmen und Arbeitnehmern, so dynamisch wie
diese Wirtschaft zu sein.

Dieser Ansatz verlangt eine Rechenschaftspflicht. Wir
können uns keine Vergeudung von Zeit oder Geld des
Steuerzahlers leisten, oder - noch wichtiger - die Zeit
und ohnehin knappe Unterstützung der Arbeitnehmer
für zweifelhafte teure Schulen oder staatliche Programme mit aufgeblähter Bürokratie und geringen
Ergebnissen verschwenden. Wir müssen entlassene
Arbeitnehmer in die Lage versetzen, zwischen priva-

*

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*

Wir wissen, daß andere Länder sich immer noch über
die Flexibilität unserer Erwerbsbevölkerung und unserer Wirtschaft wundern sowie über die im letzten
Vierteljahr beobachtete Produktivitätssteigerung - gerade
heute erhielten wir den Bericht, daß wir im letzten
Quartal des vergangenen Jahres die größte Produktivitätssteigerung seit acht Jahren hatten. Wir sind uns
jedoch auch bewußt, daß zu viele Amerikaner hieraus
keine Vorteile haben und weiterhin dem Wandel zum
Opfer fallen.
Das Wiederbeschäftigungsgesetz 1994 baut auf unseren größten Stärken auf und investiert in unsere wichtigste Ressource - unsere Menschen - damit wir das
soziale Netz des 20. Jahrhunderts in ein Sprungbrett
des 21. Jahrhunderts verwandeln und in der Weltwirtschaft siegreich sein können.

*

*

Seite 3

�BOSNIEN
16. März 1994

WEITERE NATO-MASSNAHMEN IN BOSNIEN SOLLTEN
FRIEDENSGESPRÄCHE FÖRDERN
Rede von Verteidigungsminister Perry - Auszüge
WASHINGTON - (AD) - Jede Ausdehnung der Aktionen von NATO-Streitkräften in Bosnien auf weitere zu
Schutzzonen erklärte Städte sollte Verteidigungsminister Perry zufolge "die andauernden Friedensverhandlungen fördern ...zu einer erheblichen Reduzierung der Opferunter der Zivilbevölkerung führen und... durchsetzbar
sein".
In einer Rede vor der National Security Industrial Association erklärte Perry am 10. März 1994: "Die NATOUltimaten zur Einstellung der Bombardierung Sarajevos aus der Luft und mit Artillerie haben alle diese Kriterien
erfüllt, und alle waren erfolgreich."
Er stellte fest, für die Vereinigten Staaten liege der "Hauptschwerpunkt" im ehemaligen Jugoslawien auf
Maßnahmen, die eine Ausbreitung des Krieges verhindern. Zu diesem Zweck hätten die Vereinigten Staaten
"eine kleine Infanterieeinheit in Mazedonien" stationiert, um sich an einer UNO-Friedenstruppe zu beteiligen.
Nachfolgend veröffentlichen wir Auszüge aus dem vorbereiteten Redetext von Verteidigungsminister Perry.

Wann und wie amerikanische Militärmacht eingesetzt
werden soll, ist aufgrund der komplexen Sicherheitsprobleme, mit denen die Welt konfrontiert ist, eine der
schwierigsten Fragen, die ein Präsident heute zu
bewältigen hat. Im Zweiten Weltkrieg kämpften wir um
unser Überleben als Nation. Infolgedessen waren wir
verpflichtet, die gesamte militärische Streitmacht einzusetzen, die für den totalen Sieg erforderlich war. In
unseren militärischen Engagements seit dem Zweiten
Weltkrieg haben wir niemals die gesamte uns zur
Verfügung stehende Militärmacht eingesetzt. Im Koreakrieg setzten wir keine Atombomben ein, auch als
unsere Bodentruppen in der Enklave Pusan eingekesselt waren. Ebenso setzten wir auch im Vietnamkrieg
keine Kernwaffen ein. Während der Operation Wüstensturm verzichteten wir nicht nur auf den Einsatz
von Kernwaffen, sondern zeigten darüber hinaus größte Zurückhaltung bei der Verwendung konventioneller
Waffen, indem wir unsere Angriffe auf Bagdad auf den
Einsatz von Marschflugkörpern und präzisionsgelenkter Munition gegen militärische Ziele beschränkten und
den Krieg einstellten, bevor wir die gesamte irakische
Armee vernichtet hatten. Präsident Bush entschied,
daß dieser begrenzte Einsatz militärischer Macht im
Einklang mit dem begrenzten politischen Ziel der Befreiung Kuwaits stand.
In Bosnien haben wir es heute mit noch begrenzteren
Interessen zu tun, und deshalb ist unser Einsatz miliAMERIKA DIENST 11

tärischer Gewalt ebenfalls noch stärker begrenzt. Wir
haben uns zum Beispiel auf bestimmte, sehr eng
definierte Arten des Einsatzes von Luftstreitkräften
verständigt. Aber wir haben nicht beschlossen, Bodentruppen einzusetzen, au ßer in Zusammenhang mit
der Verwirklichung einer von allen Parteien getragenen Friedensregelung. Ich werde heute abend darüber sprechen, wie wir ermittelt haben, welche Art von
militärischem Einsatz in Bosnien angemessen warund
welche Auswirkungen diese Entscheidung in naher
Zukunft für uns haben wird.
Mein Vortrag erhebt keinen Anspruch darauf, eine
allgemeine Analyse dessen zu geben, wie die Vereinigten Staaten im Zeitalter nach dem Kalten Krieg
militärische Macht einsetzen sollten. Aber die Probleme, die sich uns in Bosnien stellen, sind in einiger
Hinsicht repräsentativ für eine Kategorie von nationalen Sicherheitsproblemen, wie sie in der heutigen Welt
häufig anzutreffen sind. Dazu gehört ein blutiger
Konflikt, in dem die kriegfü hrenden Parteien von tiefsitzendem Haß motiviert sind, angeheizt durch den
aggressiven Ehrgeiz von Führern, die ein "Großserbien" schaffen wollen. Senator Moynihan hat geschrieben, "Volkszugehörigkeit ist jene große verborgene Macht unseres Zeitalters". Volkszugehörigkeit
ist, wie er schreibt, eine große Macht, aber sie ist nicht
länger verborgen.

Seite 1

�Der andauernde Krieg in Bosnien nimmt seit langem
die Aufmerksamkeit unseres Volkes in Anspruch. CNN
hat seine Schrecken in unsere Wohnzimmer getragen,
darunter auch das furchtbare Massaker auf dem Markt
von Sarajevo im vergangenen Monat. Die menschlichen Opfer dieses Krieges - besonders die systematischen Tötungen und die ethnischen Säuberungen sind offenkundig und beklagenswert.

finden unter der Schirmherrschaft der Europäischen
Gemeinschaft und der Vereinten Nationen und unter
bescheidener amerikanischer Beteiligung Friedensgespräche statt. Da europäische Interessen am meisten von einer Regelung profitieren würden, war es
angemessen, daß Europa die Führung übernahm.
Dazu möchte ich feststellen, daß wirdie harte Arbeit zu
würdigen wissen, die unsere Verbündeten in die Lösung dieses komplexen und deprimierenden Zwists
Aber welche nationalen Interessen stehen für die investiert haben. Mehrmals schien ein Friedensschluß
Vereinigten Staaten in diesem Krieg auf dem Spiel? Er in greifbarer Nähe zu sein, aber jedes Mal verhinderte
betrifft nicht unser höchstes nationales Interesse: Im irgendein Hindernis seine Verwirklichung.
Gegensatz zum Zweiten Weltkrieg und zum Kalten
Krieg hängt von seinem Ausgang nicht unser nationa- Als die Friedensgespräche vor einem Monat in eine
les Überleben ab. Wir könnten ihn ganz einfach Sackgasse geraten waren, legte Warren Christopher,
aussitzen. Deshalb haben einige die Ansicht vertre- ermutigt durch mehrere europäische Regierungschefs,
ten, wir sollten ihn aussitzen.
eine amerikanische Initiative vor, um Einzeltreffen mit
den kriegführenden Parteien zu veranstalten und zu
Wir haben diese Option aus zwei Gründen verworfen. versuchen, einen neuen Friedensansatz zu finden.
Erstens liegt es unbedingt in unserem nationalen Inter- Der amerikanische Emissär, Botschafter Redman,
esse zu verhindern, daß sich dieser Krieg und seine brachte Muslime und Kroaten in einem "RahmenabFolgen ausweiten - über Bosnien oder sogar über den kommen" zusammen, das den ersten Schritt eines
Balkan hinaus. Zweitens haben wir ein humanitäres möglichen umfassenden Friedensabkommens darstelInteresse daran zu versuchen, die Gewalt einzudäm- len könnte. Viel harte Arbeit liegt noch vor uns, aber es
men und das Leid zu lindern, während wir auf eine sind bereits echte Fortschritte erzielt worden.
Friedensregelung hinarbeiten.
Die Hauptgrundlage dieser Initiative bildete die erneuDies sind reale Interessen, und wir nehmen sie ernst, te Demonstration der Entschlossenheit durch die NATO,
aber es sind begrenzte Interessen und nehmen im der Diplomatie mit einer glaubwürdigen Androhung
Hinblick darauf, was für Amerika auf dem Spiel steht, von Gewalt Nachdruck zu verleihen und das Ausmaß
einen unterschiedlichen Stellenwert ein. Unser Han- der Gewalt zu verringern, während die Gespräche
deln muß mit diesen Interessen im Einklang stehen. stattfanden. Am 9. Februar 1994 erklärte sich die
Wie können wir also diese begrenzten Interessen NATO mit führender Beteiligung der Vereinigten Staawirkungsvoll fördern und gleichzeitig die Risiken für ten und als Reaktion auf ein Ersuchen und eine Resounser Volk und die Kosten in einem akzeptablen lution des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen bereit,
Rahmen halten?
ihre Luftstreitmacht einzusetzen, um die Beschießung
Sarajevos mit Artillerie zu unterbinden.
Unser Hauptschwerpunkt liegt auf Maßnahmen, die
eine Ausbreitung des Krieges verhindern können, denn Diese Initiative gründete sich auf die seit langem
unsere wichtigsten nationalen Sicherheitsinteressen bestehenden und von der NATO durchgesetzten
liegen auf diesem Gebiet. Wir haben in dieser Hinsicht Bemühungen, die Bombardiert! ng von Städten aus der
einen bescheidenen aber doch bedeutungsvollen Schritt Luft zu beenden und andere Einsatzmöglichkeiten des
unternommen, nämlich eine kleine Infanterieeinheit in taktischen Luftkrieges zu verhindern. Dies wurde
Mazedonien stationiert, um uns an einer dort einge- durch die Verhängung einer "Flugverbotszone" über
setzten UNO-Friedenstruppe zu beteiligen. Diese Bosnien sowie die Durchsetzung dieser Politik durch
Friedenstruppe soll die Lage dort beobachten und die Stationierung einer schlagkräftigen Luftflotte der
durch ihre Präsenz dazu beitragen, eine Ausbreitung NATO in Italien und der Adria verwirklicht, die rund um
des Krieges zu verhindern, was dort aufgrund der die Uhr über Bosnien patrouilliert. Während der verMöglichkeit von besonderer Bedeutung ist, daß Grie- gangenen zehn Monate hat diese NATO-Flotte die
chenland und die Türkei in einen mazedonischen Krieg Bombardierung bosnischer Städte erfolgreich verhinhineingezogen werden könnten. Es ist diese Besorg- dert, besonders im Vergleich zu den häufigen Bombarnis über eine Ausbreitung des Konflikts, die das größte dierungen, die vor der Verhängung der FlugverbotszoRisiko für amerikanische Interessen darstellt.
ne stattfanden. Die erste militärisch bedeutsame
Verletzung ereignete sich in der vergangenen Woche.
Die Friedenstruppe in Mazedonien bietet eine beJagdflugzeuge der NATO reagierten, indem sie vier
grenzte Abschreckung, aberdiebeste Möglichkeit, um
der sechs Maschinen abschössen, die das Flugverbot
eine Ausbreitung des Krieges zu verhindern, besteht
verletzt hatten.
darin, ihn so rasch wie möglich zu beenden. Deshalb
ist es unser Hauptziel, eine auf dem Verhandlungsweg Die Beschießung Sarajevos mit Artillerie wurde durch
erzielte Friedensregelung zwischen den kriegführen- die Verhängung einer Politik der "Nichtbeschießung"in
den Parteien zu fördern. Seit nahezu zwei Jahren Sarajevo unterbunden. Die NATO erklärte, sie werde
Seite 2

AMERIKA DIENST 11

�jedes Geschütz angreifen, das auf Sarajevo feuere
oder innerhalb einer Zone von 20 Kilometern um
Sarajevo nicht der Kontrolle der Vereinten Nationen
unterstellt werde. Dieses Vorgehen resultierte aus der
erschreckend hohen Zahl von Zivilisten, die dem täglichen Beschuß Sarajevos zum Opfer fielen. In Sarajevo waren bisher 10.000 Tote und 40.000 Verwundete
zu beklagen, viele Opfer von Artilleriebeschuß. Nach
der Verkündung des NATO-Ultimatums hat Sarajevo
seit über 20 Tagen keine Artillerieangriffe erlebt, während
in den Monaten Dezember und Januar häufig über
tausend Granaten täglich auf die Stadt niedergingen.
Aber die Kämpfe dauern an, und sie finden auf eine Art
und Weise statt, die aus der Luft alleine nur schwer zu
beeinflussen ist - insbesondere die Nahkämpfe mit
Handfeuerwaffen um zahlreiche Städte und Dörfer
Bosniens herum. Deshalb haben wir auch Programme
zur Milderung der Folgen der Gewalt eingerichtet, die
sich aus dieser Art von Kriegführung ergeben. Die
Vereinten Nationen haben zu diesem Zweck 14.000
Soldaten in Bosnien stationiert, und eine ihrer wichtigsten Aufgaben ist der Schutz von Hilfskonvois, die
Nahrung, Medikamente und Kleidung in die belagerten
Städte Bosniens bringen. Hier besteht die Rolle der
NATO-Luftstreitkräfte darin, den UNO-Bodentruppen
auf Anforderung Luftnahunterstützung zu leisten. Femer
haben die Vereinigten Staaten und andere Länder ein
umfangreiches Programm in Gang gesetzt, um Hilfsgüter über Luftbrücken und durch Abwurf per Fallschirm zu liefern. Dieses Programm umfaßte Zehntausende von Soldaten, Millionen Pfund Nahrungsmittel, Medikamente und sonstiges Material sowie Milliarden von Dollar.

3. sie sollte mit dem Einsatz von NATO-Luftstreitkräften und UNO-Bodentruppen durchsetzbar sein. Wir möchten keine leeren Drohungen
abgeben.
Die NATO-UKimaten zur Einstellung der Bombardierung Sarajevos ausder Luft und mit Artillerie haben alle
diese Kriterien erfüllt, und alle waren erfolgreich. Die
Ausdehnung dieser Ultimaten auf zu Schutzzonen
erklärte Städte, in denen militärische Aktionen hauptsächlich von Infanteristen oder Guerilla-Kämpfern in
bebauten Gebieten durchgeführt werden, könnte mit
Luftstreitkräften der NATO nicht durchgesetzt werden.
Der Einsatz von Luftstreitkräften könnte in solchen
Situationen sogar die Zahl der zivilen Opfer erhöhen
anstatt sie zu senken. Ich erinnere mich an eine
Beobachtung während des Vietnamkrieges, daß "wir
ein Dorf zerstören mußten, um es zu retten". Falls
jedoch der Kommandeur der UNO-Truppen, Generalleutnant Rose, den Umfang und die Aggressivität
seiner Bodentruppen steigern sollte, könnte die NATO
sehr wohl dazu aufgefordert werden, den UNO-Streitkräften Luftnahunterstützung zu gewähren, und die
Luftflotte der NATO ist bereit, genau dies zu tun.
Diese Militäraktionen der NATO haben nicht nur das
Ausmaß der Gewaltanwendung in Bosnien verringert,
sondern sind überdies zweifellos ein Impuls für die
Friedensgespräche gewesen, indem sie die Entschlossenheit der NATO, insbesondere der Vereinigten
Staaten, unter Beweis stellten. Und genau darauf
kommt es an, denn die Zukunft Bosniens hängt hauptsächlich vom Ausgang dieser Friedensgespräche ab.

Infolge der neuen amerikanischen Friedensinitiative
haben die bosnische Regierung, die bosnischen Kroaten und die Republik Kroatien vergangene Woche ein
"Rahmenabkommen" unterzeichnet. Dieses Abkommen sieht eine Föderative Republik in den Teilen von
Bosnien-Herzegowina vor, die von der bosnischen
Regierung und den bosnischen Kroaten kontrolliert
werden. Sie verständigten sich femer auf die Umrisse
einer Konföderation zwischen dieser neuen Föderativen Republik und der Republik Kroatien. Diese Woche
befindet sich Botschafter Redman mit Vertretern dieViele haben vorgeschlagen, die Vereinigten Staaten ser drei Parteien in Wien, um die politischen Einzelheiund die NATO sollten auf ihrem erfolgreichen Einsatz ten dieser Übereinkommen auszuarbeiten, einschließvon Luftstreitkräften zur Eindämmung der Gewalt lich einer Verfassung für die neue Föderation. Gleichaufbau en und den Schutz der NATO auf zusätzliche zu zeitig ist General i.R. John Galvin mit führenden Mili"Schutzzonen" erklärte Städte in Bosnien erweitern. tärs derdrei Parteien in Kroatien, um die erforderlichen
Ich bin der Meinung, daß jede vorgeschlagene Erwei- militärischen Arrangements auszuarbeiten.
terung des militärischen Einsatzes der NATO die folAlle drei Unterzeichner der Washingtoner Vereinbagenden drei Kriterien erfüllen sollte:
rungen würdigten die Führungsrolle der Vereinigten
1. Sie sollte die andauernden Friedensverhand- Staaten beim Zustandekommen dieser Abkommen.
Der Ministerpräsident der Republik Bosnien-Herzegolungen fördern,
wina erklärte sogar, die Übereinkunft "wäre ohne die
2. sie sollte zu einer erheblichen Reduzierung amerikanische Führungsrolle nicht möglich gewesen".
der Opfer unter der Zivilbevölkerung führen,
Er stellte jedoch auch fest, daß noch viel harte Arbeit
zu leisten sei, um die bosnischen Serben konstruktiv in
diese Friedensgespräche einzubeziehen.
Nach fast zwei Jahren der Gewalt und gescheiterten
Friedensbemühungen scheinen wir auf dem Weg zum
Frieden in Bosnien einige Fortschritte zu machen.
Aber wie werden die nächsten Schritte aussehen?
Und wohin werden sie führen? Jeder, der versucht, die
Ereignisse auf dem Balkan vorherzusagen, ist entweder mutig oder töricht. Mit dieser Einschränkung
werde ich mutig, aber hoffentlich nicht töricht fortfahren.

AMERIKA DIENST 11

Seite 3

�Hier kann Rußland eine Rolle spielen. Es hat einige
Besorgnis über das russische Engagement in Bosnien
angesichts der Tatsache gegeben, daß die amerikanischen und russischen Interessen auf dem Balkan nicht
völlig identisch sind. Bisher jedoch hat Rußland eine
konstruktive Rolle gespielt, indem es die Serben aufforderte, sich dem NATO-Ultimatum mit der Androhung von Luftangriffen zu fügen. Das russische Angebot, unter dem Dach der Vereinten Nationen zivile
Beobachter nach Tuzla zu entsenden, war entscheidend für die Bereitschaft der Serben, den Flugplatz
wieder für Hilfslieferungen zu öffnen. Wie Präsident
Clinton und ich gegenüber Präsident Jelzin und Verteidigungsminister Gratschow deutlich gemacht haben,
begrüßen wir die konstruktive Beteiligung Rußlands
am Friedensprozeß.
Es gibt viele Möglichkeiten, um die Fortschritte in
Bosnien zum Scheitern zu bringen. Aber durch die
serbische Annahme des NATO-Urtimatums zur Einstellung der Beschießung Sarajevos und durch das
Rahmenabkommen danach wurde in Bosnien in den
vergangenen Wochen zweimal das Schlimmste verhindert. Dies ist eine Bestätigung der Tatsache, daß
die Diplomatie Erfolg haben kann, wenn sie durch die
glaubwürdige Androhung von Gewalt unterstützt wird.

Bosnien optimistisch zu sein. Wenn man jedoch sieht,
daß nicht immer das schlechtestmögliehe Resultat
eintritt, gibt es Grund zu der Hoffnung, daß die kriegführenden Parteien vielleicht doch ein Abkommen
unterzeichnen werden, das der Gewalt ein Ende bereitet. Wenn dies geschieht - und wir sollten heute
hoffnungsvoller sein als noch vor wenigen Wochen sind die Vereinigten Staaten willens, eine wichtige
Rolle bei der Verwirklichung eines Friedensabkommens zu spielen. Mit der Zustimmung des Kongresses
sind wir bereit, ein unter NATO-Befehl stehendes
größeres Truppenkontingent nach Bosnien zu entsenden, um friedenserhaltende Maßnahmen durchzuführen.
NNNN

Berichtigung:
•

Im vierten Absatz des Artikels "Bosnier und Kroaten
schließen historisches Rahmenabkommen" (AD 9,10.
März 1994) wird Kresimir Zubak irrtümlicherweise als
Vertreter
der bosnischen Serben bezeichnet. Er ist ein
Es ist schwer, nach so vielen Monaten des BlutvergieVertreter
der bosnischen Kroaten.
ßens und der verpaßten Gelegenheiten im Hinblick auf

* * * *

Seite 4

*

AMERIKA DIENST 11

�EINDÄMMUNG
16. März 1994

KONFRONTATION MIT REAKTIONÄREN STAATEN
von Anthony Lake
WASHINGTON - (AD) - Der Verfasser ist Referent des Präsidenten für nationale Sicherheitsbelange. Der
folgende Artikel wurde dem Foreign Affairs Magazine entnommen. Veröffentlichung und Übersetzung mit
freundlicher Genehmigung von Foreign Affairs, März/April 1994. Copyright (c) 1994, Council on Foreign
Relations, Inc.

Eine Gruppe Geächteter
Das Ende des Kalten Krieges und das Entstehen
neuer unabhängiger Staaten in Osteuropa haben das
Potential zu einer dramatischen Erweiterung der internationalen Staatengemeinschaft, die sich jetzt dem
Aufbau demokratischer Institutionen, der Erweiterung
freier Märkte, der friedlichen Schlichtung von Konflikten und der Förderung kollektiver Sicherheit verpflichtet hat. Um ihrer Interessen und Ideale willen kommt
den Vereinigten Staaten eine besondere Verantwortung zum Schutz und zur Förderung dieser grundlegenden Werte zu. Wie der Präsident in seiner Rede
zur Lage der Nation dargelegt hat, ist die Außenpolitik
der Clinton-Administration vornehmlich auf diese
Bestrebungen ausgerichtet.

Beteiligung des Volkes, die die bestehenden Regime
unterminieren könnte. Diese Nationen stellen eine
chronische Unfähigkeit zu konstruktivem Engagement
mit der übrigen Welt unter Beweis, und in Bündnissen
funktionieren sie nicht effektiv - selbst mit Gleichgesinnten. Sie sind häufig in der Defensive und werden
in internationalen Foren zunehmend kritisiert sowie mit
Sanktionen belegt.
Und schließlich haben sie eine Belagerungsmentalität
gemeinsam. Entsprechend haben sie ehrgeizige und
kostenintensive Militärprogramme in die Wege geleitet
- insbesondere Massenvernichtungswaffen und Raketenträgersysteme - in dem fehlgeleiteten Streben nach
einem Stabilisator für den Schutz ihrer Regime oder
die Förderung ihrer Ziele im Ausland.

Als einzige Supermacht haben die Vereinigten Staaten
eine besondere Verantwortung zur Erarbeitung einer
Strategie, um die reaktionären Staaten zu neutralisieren, einzudämmen und durch selektiven Druck vielleicht letztlich in konstruktive Mitglieder der internationalen Staatengemeinschaft umzuwandeln. Jeder
reaktionäre Staat ist in seiner Geschichte, Kultur und
mit seinen Gegebenheiten einzigartig, und die Strategie der Vereinigten Staaten wurde darauf zugeschnitten. Es gibt jedoch einen gemeinsamen Nenner. In
jedem Fall unterhalten wir Bündnisse und stationieren
zur Abschreckung oder Reaktion auf jeden aggressiven Akt ausreichende militärische Fähigkeiten. Wir
wollen den Einfluß dieser Staaten eindämmen, manchmal durch Isolation, manchmal durch Druck, manchmal durch diplomatische und wirtschaftliche MaßnahDiese reaktionären Staaten haben einigegemeinsame men. Wir ermutigen die übrige internationale StaatenCharakteristika. Regiert von Cliquen, die Macht durch gemeinschaft, mit uns gemeinsam konzertierte BeZwang kontrollieren, unterdrücken sie grundlegende strebungen durchzuführen. Im Falle von Irak und
Menschenrechte und fördern radikale Ideologien. Libyen haben wir beispielsweise bereits einen starken,
Obwohl ihre politischen Systeme sich unterscheiden, durch UN-Resolutionen untermauerten internationateilen ihre Anführer eine Antipathie gegenüber der len Konsens erzielt.
Gleichzeitig muß sich unsere Politik mit der Realität
aufrührerischer und geächteter Staaten auseinandersetzen, die sich nicht nur gegen den Beitritt zur internationalen Staatengemeinschaft entschieden haben,
sondern auch deren Grundwerte angreifen. Es gibt
wenige "reaktionäre" Staaten: Kuba, Nordkorea, Iran,
Irak und Libyen. Zur Zeit mangelt es ihnen an den
Ressourcen einer Supermacht, die ihnen eine ernsthafte Bedrohung der um sie herum geschaffenen
demokratischen Ordnung gestatten würden. Dennoch
ist ihr Verhalten häufig aggressiv und herausfordernd.
Die Bande zwischen ihnen verstärken sich, während
sie versuchen, einen globalen Trend, an den sie sich
offensichtlich nicht anpassen können, zu vereiteln
oder sich von ihm zu isolieren.

AMERIKA DIENST 11

Seite 1

�Die Vereinigten Staaten engagieren sich darüber hinaus aktiv für unilaterale und multilaterale Bestrebungen zur Begrenzung der militärischen und technologischen Fähigkeiten dieser Staaten. Nachrichtendienste, Terrorismusbekämpfung und multilaterale Exportkontrollmaßnahmen insbesondere für Massenvernichtungswaffen und ihre Trägersysteme werden angewandt. Im Falle Nordkoreas bereitet uns zum Beispiel
das Nuklearprogramm dieses Landes größte Sorge.
Die Aussicht eines Nordkorea im Besitz von Atomwaffen birgt außerordentliche Risiken für unsere Sicherheitsinteressen in Asien und die Integrität des globalen
Nichtverbreitungsregimes. Das militärische Engagement der Vereinigten Staaten fü r die Sicherheit Südkoreas ist unerschütterlich. Die Vereinigten Staaten
führen internationale Bestrebungen an, Nordkorea von
einer Umkehr dieses Kurses zu überzeugen. Gleichzeitig haben wir Pjöngjang gegenüber eindeutig klargestellt, daß die Türen fürbessere Beziehungen geöffnet sind, wenn dieses Land die internationale Besorgnis über sein Nuklearprogramm ausräumen kann. Ist
dies nicht der Fall, wird sich Nordkorea zunehmender
Isolierung und Härten gegenübersehen.

feindlich gesinnte Politik verfolgen. Der Aufbau eines
Regimes zur Bekämpfung des anderen wird aus diesem Grund zugunsten einer Politik der "doppelten
Eindämmung"verworfen. Bei diesem Ansatz behalten
wir die Notwendigkeit eines Kräftegleichgewichts in
dieser lebenswichtigen Region im Auge. Wir streben
mit unseren regionalen Verbündeten die Aufrechterhaltung eines günstigen Gleichgewichts an, ohne weder
vom Irak noch vom Iran abhängig zu sein. Wir können
dies tun, weil wir im Gegensatz zu vorigen Administrationen eine Reihe von Vorteilen haben.
Erstens hat das Ende des Kalten Krieges eine wichtige
strategische Erwägung aus unseren Kalkulationen
verbannt. Wir müssen nicht länger Bestrebungen der
Sowjetunion fürchten, am Persischen Golf Fuß zu
fassen, indem sie unsere Unterstützung für einen
dieser Staaten nutzt, um Beziehungen zu dem anderen aufzubauen.. Die strategische Bedeutung von Irak
und Iran wurde aus diesem Grund drastisch verringert
und ihre Fähigkeit beseitigt, die Supermächte gegeneinander auszuspielen.

Zweitens wurde im letzten Jahrzehnt ein regionales
Kräftegleichgewicht zwischen Iran und Irak auf einem
sehr viel niedrigeren Niveau militärischer Fähigkeiten
hergestellt. Der Sieg des Irak im iranisch-irakischen
Krieg hat die konventionellen Offensivfähigkeiten des
Iran erheblich verringert. Und die Niederlage des Irak
bei der Operation Wüstensturm hat seine Offensivfähigkeiten beträchtlich reduziert und seine Massenvernichtungswaffen strenger Kontrolle unterstellt. Ohne
die Unterstützung einer alternativen Supermacht sehen sich diese beiden Staaten jetzt ernsthaften SchwieDas strategische Grundprinzip in der Persischen Golf- rigkeiten bei der Herausforderung der amerikanischen
region besteht in der Schaffung eines günstigen Kräf- Macht ausgesetzt.
tegleichgewichts, das entscheidende amerikanische
Interessen an der Sicherheit unserer Freunde und am Drittens zögern die Staaten des Golfkooperationsrats
freien Fluß von öl zu stabilen Preisen schützt. Unter infolge der irakischen Invasion in Kuwait weniger,
früheren Administrationen wurde dies durch das Zu- Sicherheits- und Voreinlagerungsarrangements mit
rückgreifen auf eine Regionalmacht zum Ausgleich der Washington einzugehen. Diese Arrangements verleianderen bewirkt. Die Vereinigten Staaten bauten hen unseren Streitkräften die Fähigkeit zur Stationiezuerst den Iran unter dem Schah als hypothetischen rung am Persischen Golf gegen jede Bedrohung, die
regionalen Pfeiler der Stabilität auf. Dann unterstütz- entweder der Irak oder der Iran für diese Staaten
ten sie Saddam Husseins Irak in seinem Krieg mit dem darstellen könnte.
revolutionären Iran zur Eindämmung des Einflusses
Schließlich sind die allgemeinen Trends in der Region
von Khomenis islamischer Regierung. Beide Ansätze
positiv. Washington unterhält gute Beziehungen zu
erwiesen sich als verheerend. Im Falle des Schah
den anderen wichtigen Mächten der Region: Ägypten,
brach die amerikanische Strategie für regionale StabiIsrael, der Türkei und Saudi-Arabien. Fortschritte bei
lität mit seinem Sturz zusammen. Und im Falle von
der Lösung des arabisch-israelischen Konflikts festiSaddam Hussein war ihm die Unterstützung der Vergen unsere Position in der arabischen Welt u nd vertieeinigten Staaten bei der Beschaffung eines massiven
fen die Bande zwischen unseren regionalen Verbünkonventionellen Rüstungsarsenals behilflich, das er
deten. Sie verstärken die Isolation von Irak und Iran
erst erneut gegen sein eigenes Volk und später gegen
und verringern gleichzeitig deren Fähigkeit zur NutKuwait einsetzte.
zung des arabisch-israelischen Konflikts fürdie Förderung ihrer regionalen Ambitionen. Die von den VereiDie Logik doppelter Eindämmung
nigten Staaten angestrebte umfassende Lösung wird
den
Irak der Möglichkeit zur Manipulation der palästiDie Strategie der Clinton-Administration gegenüber
nensischen
Sache und den Iran seiner Fähigkeit zum
diesen reaktionären Staaten geht von der Prämisse
Schüren
von
Aufruhr im Libanon berauben.
aus, daß heute beide Regime eine unseren Interessen
Ebenso wie Nordkorea stellen Irak und Iran eine ernsthafte Herausforderung für unsere Nichtverbreitungsbestrebungen dar. Weil sie jedoch nebeneinander an
der Küste des lebenswichtigen Persischen Golfs gelegen sind, wo sich 65 Prozent der ölreserven der Welt
befinden, stellen diese beiden reaktionären Staaten
auch ein komplexes strategisches Puzzle dar, mit dem
sich drei vorige amerikanische Administrationen auseinandersetzen mußten.

Seite 2

AMERIKA DIENST 11

�Kurzum, bis sich die Gegebenheiten ändern, besteht
keine Notwendigkeit, auf den Irak oder Iran bei der
Aufrechterhaltung eines günstigen Gleichgewichts sowie
dem Schutz amerikanischer Freunde und Interessen
am Golf zurückzugreifen. Die Clinton-Administration
ist zuversichtlich, daß wirdiese Situation für einige Zeit
bewahren können, vor allem, weil wir mit unseren
regionalen Freunden über die gemeinsamen Bedrohungen und deren Bewältigung einer Meinung sind.
Während wir auf die Konsolidierung dieser positiven
Trends hinarbeiten, beobachten wir die Möglichkeit
eines Wandels weiterhin wachsam.
"Doppelte Eindämmung" bedeutet nicht duplizierte
Eindämmung. Der Hauptzweck besteht in der Bekämpfung der Feindseligkeit von Bagdad undTeheran
gleichermaßen, die von den beiden Regimen ausgehenden Herausforderungen sind jedoch unterschiedlich und benötigen daher gezielte Ansätze. Obwohl
Nachbarn, sind die beiden Staaten in Kultur und historischer Erfahrung sehr unterschiedlich. In Saddan
Husseins Regime sehen sich die Vereinigten Staaten
mit aggressiver, modernistischer, säkularer Habgier
konfrontiert. Im Iran werden sie durch ein theokratisches Regime mit einem Gefühl der kulturellen und
politischen Schicksalsergebenhert und tiefsitzender
Feindschaft gegenüber den Vereinigten Staaten herausgefordert.
Im Irak ist das Regime sowohl für Kriegsverbrechen als
auch Verbrechen gegen die Menschlichkeit verantwortlich - ein Regime, dessen Invasion in Kuwait und
Giftgasangriffe auf die eigene Bevölkerung es zu einem internationalen Renegaten gemacht haben. Im
Iran nach Khomeni verhält sich das revolutionäre
Regime noch immer in verabscheuungswürdiger Weise.
Dennoch lehnt die Clinton-Administration weder die
islamische Regierung ab noch strebt sie den Sturz des
Regimes an. Wir sind in der Tat weiterhin zu einem
offiziellen Dialog bereit, in dem wir die Aspekte des
iranischen Verhaltens ansprechen werden, die uns
soviel Anlaß zur Sorge bereiten.
Die Eindämmung des Irak stellt eine andere Herausforderung dar als die Eindämmung des Iran. Nachdem
Golfkrieg setzten die Vereinten Nationen ein weitreichendes Regime ein um sicherzustellen, daß der Irak
nie wieder seine Nachbarn oder den Weltfrieden bedroht, und um Saddam Husseins Aggression gegen
irakische Staatsbürger abzuschrecken. Drei Jahre
nach der Invasion Kuwaits sind die Sanktionen noch
immer in Kraft. Die internationale Staatengemeinschaft ist durch Saddam Husseins Verhalten alarmiert
genug und seinen Absichten gegenüber mißtrauisch
genug, um Washingtons Beharren auf uneingeschränkter Einhaltung aller relevanten Resolutionen des UNSicherheitsrats zu unterstützen.
Noch heute verfolgt Saddams Armee die systematische Zerstörung der versprengten arabischen Bevölkerung im südlichen Irak, während er eine Kampagne
AMERIKA DIENST 11

des Terrors und der Blockaden gegen kurdische, turkmenische und andere Volksgruppen im Nordirak führt.
Obwohl das irakische Regime mit der UN-Sonderkommission für den Irak (UNSCOM) kooperiert, unterhält
es auch verdeckte Bestrebungen zur Beschaffung von
Material zur Herstellung von Raketentreibstoff und
verweigert die vollständige Offenlegung seiner Waffenprogramme. Daher überrascht es kaum, daß die
Sanktionen ohne große Diskussionen alle 60 Tage
verlängert wurden.
In jüngster Zeit hat der Irak Anzeichen einer Änderung
seiner Einstellung gegenüber einigen Forderungen
der UNO gezeigt, wie durch die kürzliche Annahme
von Resolution 715 des UN-Sicherheitsrats unter Beweis
gestellt, die langfristige Überwachung seiner Programme für Massenvernichtungswaffen vorsieht. Diese
Einwilligung geht jedoch einher mit der kontinuierlichen Ablehnung anderer Sicherheitsratsresolutionen,
insbesondere der Weigerung zur Anerkennung der
Souveränität und Grenzen von Kuwait. Der Widerstand erfolgt also unter dem Deckmantel der Einhaltung. Es gibt vielfältige Beweise für die Annahme, daß
der einzige Grund für die beginnende Zusammenarbeit des Irak mit UNSCOM in der Aufhebung der
Sanktionen besteht. Sobald das Öl wieder fließt, muß
Washington davon ausgehen, daß Saddam die Zusage zu langfristiger Überwachung bricht und seine
Programme für Massenvernichtungswaffen wieder
aufbaut. Bevor eine Aufhebung der Sanktionen für
Erdöl in Erwägung gezogen wird, sollte daher ein
hohes Maß an Vertrauen herrschen, daß der Irak nicht
nur die technischen Anforderungen der Bestimmungen für Massenvernichtungswaffen uneingeschränkt
einhält, sondern dies auch auf unbegrenzte Dauer tun
wird. Wie der UNSCOM-Vorsitzende Rolf Ekeus
wiederholt erklärt hat, wird dies eine lange Erprobungszeit der ständigen Überwachungssysteme erforderlich machen. Dieser Vorschlag wurde von
Washington und seinen Partnern im UN-Sicherheitsrat
angenommen. Man ist sich auch der Tatsache bewußt, daß die Überprüfung des Sanktionsregimes
durch den Rat von Saddam Husseins weiteren Absichten beeinflußt wird, fürdie es reichhaltige Beweise gibt.
Die UN-Resolutionen spiegeln auch den internationalen Konsens fürdie Unterstützung zur Beendigung der
Unterdrückung der irakischen Bevölkerung durch
Saddam Hussein wider. In enger Zusammenarbeit mit
den UN-Behörden und internationalen Menschenrechtsorganisationen lenken wir die Aufmerksamkeit auf das
Leiden der Iraker, die von diesem Regime grausam
behandelt werden und Menschenrechtsbeobachter im
Land fordern. Die Clinton-Administration leistet auch
direkte humanitäre Hilfe für die Kurden und andere
Volksgruppen im Nordirak, während sie ihr Leben und
ihre Unterkünfte unter dem Schutz der Koalitionsstreitmacht wieder aufbauen, die Saddams brutale Akte
abschreckt.

Seite 3

�Die humanitären Bestrebungen der internationalen
Staatengemeinschaft im Irak sind ein deutlicher Beweis ihrer Sorge um das Leiden des irakischen Volkes.
Sie ist sich darüber hinaus der Auswirkungen der
Sanktionen auf das tägliche Leben der Iraker bewußt.
Die Resolutionen 706 und 712 des UN-Sicherheitsrats
- deren Umsetzung Saddam Hussein verweigert wurden speziell zur Milderung des Leidens eingeführt.
Sie würden dem Irak den Verkauf begrenzter Mengen
von öl zur Finanzierung des Kaufs von Nahrungsmitteln und anderen humanitären Gütern unter der Voraussetzung gestatten, daß der Verkauf und die Verteilung der Güter von den Vereinten Nationen überwacht
wird. Es sollte daher klar sein, daß Saddam Hussein,
nicht die internationale Staatengemeinschaft, für das
andauernde Leiden verantwortlich ist.
Als ein Signal unseres Interesses an einem demokratischen Irak unterstützt die Clinton-Administration auch
die Ziele des irakischen Nationalkongresses (Iraqi
National Congress - INC), der im Exil tätigen Organisation, die ein breites Sprektrum religiöser, weltlicher und
ethnischer Gruppen vertritt. Der INC hat vor kurzem
seine Basis erweitert, Einrichtungen im Nordirak gegründet und seine Verbindungen zu den benachbarten
arabischen Regierungen vertieft, die ebenfalls die beiden
Ziele anstreben, die territoriale Integrität des Irak zu
bewahren und gleichzeitig eine repräsentative und
freundlich gesinnte Regierung in Bagdad zu fördern.

Die Aussöhnung wird schwierig sein, die Entscheidung
liegt jedoch beim Iran.
Der Streit zwischen den Vereinigten Staaten und dem
Iran sollte nicht als "Kollision von Zivilisationen" oder
Widerstand gegen den Iran als theokratischem Staat
fehlinterpretiert werden. Washington stellt die "islamische" Dimension der Islamischen Republik Iran nicht in
Frage. Wie Präsident Clinton erklärt hat, hegen die
Vereinigten Staaten tiefen Respekt für die Religion und
Kultur des Islam. Es ist der Extremismus - sei er
religiös oder säkular - den wir ablehnen. Die Vereinigten Staaten sind besorgt über die Aktionen und Maßnahmen der Teheraner Regierung. Der Iran unterhält
aktiv verdeckte Bestrebungen zur Beschaffung von
nuklearen und anderen nichtkonventionellen Waffen
sowie von Raketenträgersystemen längerer Reichweite. Er steht bei der Förderung von Terrorismus und
Mordanschlägen an erster Stelle weltweit. Der Iran
lehnt den arabisch-israelischen Friedensprozeß mit
ätzender Gewalt ab. Er versucht, freundlich gesinnte
Regierungen im gesamten Nahen Osten und in Teilen
Afrikas zu unterwandern. Es strebt die Beschaffung
konventioneller Offensivfähigkeiten zur Bedrohung
seiner kleineren Nachbarstaaten am Golf an. Die
Bilanz der Behandlung irakischer Bürger durch den
eigenen Staat - insbesondere von Frauen und religiösen Minderheiten - ist zutiefst beunruhigend.

Bei der Bewältigung dieser vielfältigen Herausforderungen sieht sich die Clinton-Administration einer einfacheren Aufgabe gegenüber als im Falle des Irak, weil
die iranischen Massenvernichtungswaffen sich in einem relativ frühen Entwicklungsstadium befinden. In
diesem Sinne hat die Administration jetzt die Chance,
den Iran davon abzuhalten, in fünf Jahren das zu
werden, was der Irak vor fünf Jahren war. Die Eindämmung wird jedoch auch erschwert, weil die Administration nicht durch einen internationalen Konsens unterstützt wird, der in Resolutionen des UN-SicherheitsDie Herausforderung von Teheran
rats seinen Niederschlag findet, wie im Falle Iraks.
Darüber hinaus wurden nicht so umfassende SanktioDer Iran stellt gleichermaßen eine kleinere wie auch
nen verhängt, um Veränderungen in Irans inakzeptaeine größere Herausforderung dar. Einerseits geht die
blem Verhalten zu bewirken. Vorige Administrationen
Clinton-Administration nicht auf Konfrontationskurs mit
haben sich an der Förderung der "Gemäßigten" im Iran
einem offen aggressiven Staat, der in ein schwächeres
versucht. Aus dieser Erfahrung haben wir gelernt, daß
Nachbarland einmarschiert ist und es besetzt hat.
eben diese "Gemäßigten" für die Maßnahmen verantNormalere Beziehungen zu der Regierung in Teheran
wortlich sind, die wir so verabscheuungswürdig finden.
sind denkbar, sobald das Land seine Bereitschaft zur
Das wirtschaftliche Mißmanangement des Iran hat
Einhaltung der internationalen Normen und den Verjedoch zusammen mit dem Nachgeben der Preise auf
zicht auf Maßnahmen und Aktionen erklärt hat, die
dem Ölmarkt zu einer verzweifelten Wirtschaftslage
dem regionalen Frieden und der Sicherheit zuwiderfür die iranische Regierung geführt. Angesichts einer
laufen. Andererseits sind politische Differenzen mit
30prozentigen Inflation, einer Verschuldung von 30
dem Iran nicht leicht zu lösen. Der Iran ist ein revoluMilliarden Dollar und Rückständen von 5 Milliarden
tionärer Staat, dessen Führer einen tiefverwurzelten
Dollar bei kurzfristigen Rückzahlungen steht der Iran
Groll über die engen Bande zwischen den Vereinigten
nicht länger als vielversprechender Wirtschaftspartner
Staaten und dem Schah hegen. Seine revolutionären
da. Das untermauert das Argument gegenüber den
und militanten Botschaften zeigen offene Feindschaft
amerikanischen Verbündeten gegen eine Verbessegegenüber den Vereinigten Staaten und ihren Hauptrung ihrer Beziehungen aus rein wirtschaftlichen
interessen. Diese grundlegende politische Realität
Gesichtspunkten.
wird die Beziehungen in absehbarer Zukunft gestalten.
Trotz Saddams Bestrebungen, Loyalität zu erkaufen,
fordern die Sanktionen ihren Tribut im entscheidenden
inneren Kreis, von dem das Regime abhängt. Berichte
über Putschversuche und Aufruhr unter der relativ
privilegierten irakischen Elite mehren sich. Diese
Tendenzen könnten zu neuen Gegebenheiten für die
irakische Bevölkerung und neuen Chancen zum Aufbau friedlicherer und normaler Beziehungen zwischen
dem Irak und der übrigen Welt führen.

Seite 4

AMERIKA DIENST 11

�Es besteht ferner die Gefahr, daß wir bei der Verwirklichung unserer Bestrebungen, den Irak zur Einhaltung
aller UN-Resolutionen zu zwingen, dem Iran Chancen
bieten, sich ungefragt die Schwäche des Irak zunutze
zu machen. Wir konnten wieder Versuche des Iran
beobachten, Beziehungen zu den irakischen Schiiten
aufzubauen und sich in die Kurdenpolitik einzumischen. Beweise belegen jedoch, daß diese Angst
übertrieben ist. Im iranisch-irakischen Krieg haben die
irakischen Schiiten wiederholt ihre irakische und arabische Identität bewahrt und sich davor gehütet, unter
den Einfluß des Iran zu fallen. Entsprechend scheinen
sich die Bestrebungen des Iran im Norden eher auf die
Schwächung seiner eigenen separatistischen kurdischen Minderheit zu konzentrieren als die Schwächung des Irak durch die Förderung der Loslösung des
Kein Kreuzzug, sondern Engagement
Nordens anzustreben. Wie die anderen Nachbarstaaten des Irak - Syrien und die Türkei - scheint der Iran
Die Strategie der Vereinigten Staaten hängt in hohem in der Tat mehr um die Verhinderung einer Auflösung
Maße von aktiver Koordination und Konsultationen mit des Irak aus Angst besorgt, daß dies die Auflösung
freundlich gesinnten Ländern ab. Der Iran muß eine seines eigenen Hinterlands ermutigen wird.
kontinuierliche und konsequente Botschaft aus dem
Westen hören, um dessen Zustimmung er ersucht und Die Clinton-Administration hat eine realistische und
mit dem er Handel anstrebt. Wir haben einen gewissen tragfähige Politik erarbeitet, die den amerikanischen
Konsens zwischen der Europäischen Union, Kanada Interessen und Realitäten in der Persischen Golfreund Japan über die Aspekte iranischer Aktionen er- gion Rechnung trägt. Die Regime in Bagdad und
zielt, die wir als nicht hinnehmbar erachten. Einige Teheran sind heute schwächerund zunehmend in der
unserer Verbündeten vertreten jedoch die Auffassung, Defensive. Langsam aber sicher gelangen sie zu der
daß die regionale Politik sich vornehmlich auf positive Erkenntnis, daß für ihre starrsinnige Haltung, auf der
Anreize für den Iran gründen muß. Die Bilanz belegt falschen Seite der Geschichte stehen zu bleiben, ein
allerdings unmißverständlich, daß positive Anreize wie Preis bezahlt werden muß. Dies ist kein Kreuzzug,
Handelskonzessionen und Auslandshilfe oder die sondern es sind echte und verantwortungsvolle BeUmschuldung von Anleihen nicht zu einer echten strebungen, auf lange Sicht amerikanische strategiVeränderung von Irans inakzeptablem Verhalten füh- sche Interessen zu schützen, das internationale Syren. Die wirksamste Botschaft ist eine konsequente: stem zu stabilisieren und die Verpflichtung der internaKeine Normalisierung der Beziehungen, bis diese tionalen Staatengemeinschaft zu Demokratie, freien
Aktionen eingestellt werden. Wir scheuen jedoch Märkten und Frieden zu erweitern.
keinen offiziellen Dialog. Dialog und Druck sind keine
sich gegenseitig ausschließenden politischen Ansät- Vor 47 Jahren brachte George Kennan in einem unter
ze.
Pseudonym in dieser Zeitschrift veröffentlichten Artikel triftige Gründe für die Eindämmung eines geächteDie Koppelung unserer Ansätze gegenüber Irak und ten Imperiums vor. Er argumentierte, die Vereinigten
Iran birgt gewisse Risiken. In dem Maße, in dem Druck Staaten hätten die Mittel zur Verfügung, um "den
auf diese Länder ausgeübt wird, könnten sie sich in Druck enorm zu erhöhen, unter dem die sowjetische
ihrem Widerstand gegen den Westen vereinigen. In Politik operieren muß" und dadurch den "Zusammender Tat scheinen Bagdad und Teheran trotz ihrer bruch oder den allmählichen Abbau der sowjetischen
Differenzen im vergangenen Jahr eine Form von Macht" herbeizuführen. Heute sehen sich die VereiZusammenarbeit begonnen zu haben. Letztlich sind nigten Staaten mit einer nicht so großen Herausfordedie Aussichten für Aussöhnung jedoch aus einem rung bei der Eindämmung der Gruppe von Geächteten
einfachen Grund weiterhin begrenzt: Sie mißtrauen konfrontiert, die wir als die "reaktionären Staaten"
einander mehr als den Vereinigten Staaten. Obwohl bezeichnen. Es steht immer noch in unserer Macht, zu
sie ein gemeinsames Interesse an taktischer Zusam- obsiegen.
menarbeit haben, hat keiner wirkliches Interesse am
Stärkerwerden des anderen. Jeder weiß, daß er das
erste Ziel eines wiederauflebenden Staats auf der
anderen Seite des Shatt al Arab sein wird.
Zur Abwehr des iranischen Strebens nach Vorherrschaft am Persischen Golf arbeitet Washington eng
mit freundlich gesinnten Regierungen zusammen, um
den Iran von der Beschaffung der für seine Nuklearund Chemiewaffenprogramme benötigten Importe
abzuhalten, und überwacht den Transfer von Raketen
und verwandten Systemen der derzeitigen Lieferanten
des Iran, einschließlich Nordkoreas. Das bedeutet
nicht, daß Washington die Absicht hegt, den Iran zu
isolieren oder ihm alle militärischen Güter zu verweigern. Diese Administration versucht, zwischen das
regionale Sicherheitsumfeld nicht betreffenden Verteidigungsgütern und solchen zu unterscheiden, die offensiv eingesetzt werden und die Region destabilisieren könnten.

AMERIKA DIENST 11

Seite 5

�</text>
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                <text>Amerikadienst 16.03.1994</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. USA-Deutschland&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wirtschaft, Kultur und kontinuierliches Engagement&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Botschafter Holbrooke&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Arbeitswelt&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Japan muss Nachfrage steigern, Europa Zinssätze senken&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eröffnungsansprache Präsident Clintons bei Arbeitsplatzkonferenz&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Wiederbeschäftigungsgesetz&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung Präsident Clintons&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Bosnien&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Weitere NATO-Maßnahmen in Bosnien sollten Friedensgespräche fördern&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Verteidigungsminister Perry - Auszüge&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Eindämmung&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Konfrontation mit reaktionären Staaten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Anthony Lake&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>^roN

&lt;&lt;/

^

amcrika
dienet

Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462 C

23. März 1994

12

BOSNIEN

CLINTON BEGRÜSST UNTERZEICHNUNG
DES BOSNIEN-VERTRAGS
Ansprache bei Unterzeichnungszeremonie

AUSSENPOLITIK

CHRISTOPHER: UN-RESOLUTION IST
NÄCHSTER SCHRITT IN KOREANISCHER
PATTSITUATION
Auszüge aus Fernsehinterviews

NAHER OSTEN

USA BEFÜRWORTEN UN-RESOLUTION
ZU HEBRON TROTZ EINWÄNDEN GEGEN
SPRACHREGELUNG
Botschafterin Albright zur Resolution
über die besetzten Gebiete

VERTEIDIGUNG

USA SOLLTEN EHEMALIGE SOWJETUNION
WEITERHIN UNTERSTÜTZEN
Interview mit Verteidigungsminister Perry

DIE US-MILITÄRSTRATEGIE FÜR DIE
NEUNZIGER JAHRE
von General John Shalikashvili

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.: 0228 339 23 72
Fax: 0228 33 41 02

�BOSNIEN
23. März 1994

CLINTON BEGRÜSST UNTERZEICHNUNG
DES BOSNIEN-VERTRAGS
Ansprache bei Unterzeichnungszeremonie
WASHINGTON - (AD) - Präsident Clinton zufolge ist das am 18. März 1994 zwischen Vertretern Bosniens und
Kroatiens unterzeichnete Abkommen über eine Föderation "das erste klare Signal", daß die kriegführenden
Parteien in Bosnien-Herzegowina "die Gewalt beenden und einen Prozeß des Wiederaufbaus beginnen wollen".
Vor der Unterzeichnungszeremonie beiwohnenden Journalisten bezeichnete Clinton das Dokument als "gleichermaßen von Bedeutung für die Zukunft Kroatiens wie Bosniens" und fügte hinzu, "alle Anwesenden hegen
die Hoffnung, daß die Serben sich ebenfalls an diesem Friedensprozeß beteiligen".
Clinton warnte jedoch, die unterzeichneten Dokumente seien "nur ein erster Schritt" zur Beendigung der
ethnischen Konflikte im ehemaligen Jugoslawien, und weder die Vereinigten Staaten noch die internationale
Staatengemeinschaft "können den Erfolg dieser Initiative garantieren".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Ansprache des Präsidenten.
Präsident Izetbegovic, Präsident Tudjman, Ministerpräsident Silajdzic, Herr Zubak. Der Außenminister,
der Nationale Sicherheitsberater, der Vizepräsident
und ich freuen sich über den heutigen Anlaß, bei dem
außer Ihnen der Stellvertretende russische Außenminister Vitali Tschurkin, als Vertreter der Troika der
Europäischen Union die Außenminister Griechenlands
- Herr Papoulias -, Belgiens - Herr Claes - und Deutschlands - Herr Kinkel - anwesend sind. Und natürlich
auch David Owen und Thorvald Stoltenberg, die KoVorsitzende der internationalen Konferenz waren.

Konsequenzen jedoch tragischer als im ehemaligen
Jugoslawien. Dort verüben durch serbische Aggression angeheizte nationalistische und religiöse Gruppen Akte ethnischer Säuberung und brutale Greueltaten.

Das heute unterzeichnete Abkommen ist das erste
klare Signal, daß die kriegführenden Parteien in Bosnien-Herzegowina die Gewalt beenden und einen Prozeß
des Wiederaufbaus beginnen wollen. Die Vereinbarungen fordern eine Föderation zwischen den Muslimen und Kroaten in Bosnien. Diese muslimischDarüber hinaus sind wir erfreut, daß dieser Zeremonie kroatische Einheit hat dem Prinzip einer Konföderation
ebenfalls die Botschafter der UNPROFOR-Nationen mit Kroatien zugestimmt. Zusammengenommen können
beiwohnen, die so aktiv auf Frieden und die Erhaltung diese Schritte zur Förderung des Ideals eines multiethdes Friedens hingearbeitet haben: General Shalikash- nischen Bosnien beitragen und die Grundlage für ein
vili, Botschafterin Albright und Kongreßabgeordnete. erneutes Zusammenleben von Muslimen und Kroaten
als friedliche Nachbarn und Landsleute bieten.
Wir sind Zeuge eines Augenblicks der Hoffnung geworden. Seit 33 Monaten wütet Krieg in den Nationen Diese Abkommen sind gleichermaßen von Bedeutung
des ehemaligen Jugoslawien. Mit der heutigen Unter- fü r die Zukunft Kroatiens wie Bosniens. Alle Anwesenzeichnung dieses Abkommens haben die Vertreter den hegen die Hoffnung, daßdie Serben sich ebenfalls
Bosniens und Kroatiens gehandelt, um diesen Krieg zu an diesem Friedensprozeß beteiligen.
beenden und den schwierigen Prozeß der AussöhDie Abkommen sind Beweis für die Ausdauer und
nung in die Wege zu leiten.
Entschlossenheit vieler Menschen - der kroatischen
Auf der ganzen Welt stellen die Spannungen zwischen und bosnischen Diplomaten, die unermüdlich auf den
ethnischer Identität und Souveränität einesdergroßen Frieden hinarbeiteten, der heute hier vertretenen UNProbleme unserer Zeit dar. Nirgendwo waren die Soldaten aus vielen Ländern, die dem Land Stabilität

AMERIKA DIENST 12

Seite 1

�und humanitäre Hilfslieferungen brachten, und der
NATO-Piloten, die dazu beitrugen, unsere Macht in
den Dienst der Diplomatie zu stellen.

Arrangements für die neue Föderation müssen eine
Chance zu ihrem Funktionieren erhalten. Der Waffenstillstand zwischen den Streitkräften der kroatischen
und bosnischen Regierung muß andauern. Die KroaIch möchte die Führung und den Mut derjenigen wür- ten und Muslime, die mit solcher Intensität gekämpft
digen, die zur Unterzeichnung dieser Abkommen nach haben, müssen jetzt dieselbe Intensität zur WiederherWashington gekommen sind, insbesondere der Präsi- stellung von gewohnheitsmäßiger Toleranz und Kodenten Izetbegovic und Tudjman. Anerkennung ge- existenz an den Tag legen.
bürt auch den unermüdlichen Bestrebungen Thorvald
Stoltenbergs und David Owens sowie natürlich Cyrus Die Frage der Region Petrinja in Kroatien muß gelöst
Vance.derheutenichtzugegenist. Besonders hervor- werden. Serbien und die bosnischen Serben können
heben möchte ich meine persönliche Anerkennu ng der sich nicht ihrer Verantwortung entziehen, wenn ein
geschickten Diplomatie von Botschafter Charles Red- dauerhafter Friede erlangt werden soll.
man. Ich danke Ihnen für Ihre Arbeit.
Die neuen Fortschritte bei der Schaffung des Friedens
Diese Menschen haben alle viel dazu beigetragen, um werden wahrscheinlich von Demagogen scharf kritidieses Maß an Einigung zu erzielen. Durch die Arbeit siert - von verbrecherischen Schützen, von allen, die
Botschafter Redmans und in vielfältiger anderer Weise aus einer Fortsetzung von Gewalt, Aggression und
hat unsere Administration mit unseren NATO-Bündni- menschlichem Leiden Profit ziehen wollen. Solchen
spartnern, der Europäischen Union, Rußland, den Angriffen muß mit derselben Beständigkeit und FühVereinten Nationen und anderen an der Beendigung rungsstärke begegnet werden, wie sie bei der Ausdieses Konflikts zusammengearbeitet. Die Tatsache, handlung dieser Abkommen gezeigt wurden.
daß wirdiesesErgebnisdurchZusammenarbeit erzielt
haben, macht einen bedeutenden Unterschied. Ich Weder die Vereinigten Staaten noch die internationale
möchte dem Stellvertretenden Außenminister Ruß- Staatengemeinschaft können den Erfolg dieser Initialands für seine erneuten Anstrengungen auf diesem tive garantieren. Die Vereinigten Staaten haben jeGebiet und unsere gemeinsamen Hoffnungen danken. doch den Konfliktparteien zur Seite gestanden, als sie
um des Friedens willen Risiken eingingen, und wir
Wir haben uns für diese Bestrebungen engagiert, weil werden das weiterhin tun. Ich habe den Präsidenten
für die Vereinigten Staaten eindeutige Interessen auf Izetbegovic und Tudjman mitgeteilt, daß die Vereinigdem Spiel stehen - das Interesse an der Verhinderung ten Staaten bereit sind, einen Beitrag zu dem diese
einer Ausweitung des Krieges in Europa, ein Interesse Abkommen unterstützenden wirtschaftlichen Wiederdaran zu beweisen, daß die NATO eine glaubwürdige aufbau zu leisten. Unser Land ist, wie ich bereits
Kraft für den Frieden ist, ein Interesse daran, die erwähnte, bereit, sich im Rahmen der NATO an der
schrecklichen, destabilisierenden Flüchtlingsströme Umsetzung einer akzeptablen, durchsetzbaren Löeinzudämmen, die dieser Konflikt hervorbringt und sung zu beteiligen.
natürlich das uns allen gemeinsame humanitäre Interesse an der Beendigung des fortgesetzten Abschlach- In ganz Bosnien und Kroatien waren einst Gemeiden
und ganze Völker durch alte Brücken miteinander
tens Unschuldiger in Bosnien.
verbunden, wie die große Steinbrücke in Mostar, die
Die unterzeichneten Dokumente sind nur ein erster jahrhundertelang stolzes Symbol der Stadt war. AllzuSchritt, aber eindeutig ein Schritt in die richtige Rich- viele dieser Brücken sind jetzt zerstört oder gewaltsam
tung. Wenn er zu einer umfassenden Verhandlungs- gesperrt. Die Herausforderung für die Konfliktparteien
lösung führt und in diesem vom Krieg erschütterten besteht in der Wiederherstellung der Bande, für die
Land einen dauerhaften Frieden schafft, wird diese diese Brücken einst standen. Die Ankündigung, daß
Zeremonie als ein bedeutendes Ereignis in Erinnerung die Brücke der Brüderlichkeit und Einheit in Sarajevo
bleiben. Ob das im Nachhinein geschehen wird, hängt bald wieder geöffnet wird, ist ein hoffnungsvolles
weniger von den hier geäußerten Worten ab als von Anzeichen dafür, daß die Parteien mit der Überwinden heutigen und zukünftigen Aktionen der Muslime, dung der durch Haß und Gewalt geschaffenen SpalKroaten und Serben.
tung beginnen können.
Dokumente wie diese können zwar die Parameterdes
Friedens definieren, dieser Frieden muß jedoch von
den in der Region lebenden Menschen geschaffen
werden. Wirtschaftliche und sicherheitspolitische

Die vor uns liegende Arbeit ist wirklich enorm, aber die
gesamte internationale Staatengemeinschaft hat sich
der Hilfe verpflichtet. Gemeinsam wollen wir nach
Frieden streben.

* * * * *

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AMERIKA DIENST 12

r
v

�AUSSENPOLITIK
23. März 1994

CHRISTOPHER: UN-RESOLUTION IST NÄCHSTER
SCHRITT IN KOREANISCHER PATTSITUATION
Auszüge aus Fernsehinterviews
WASHINGTON - (AD) - In Fernsehinterviews mit CBS "Facethe Nation", CNN "Late Edition" und MacNeil/
Lehrer "Newsmaker Interview" erklärte Au ßenminister Christopher am 18. und 20. März 1994, die Vereinigten
Staaten und Nordkorea hätten bei der Inspektion von Nuklearanlagen eine Pattsituation erreicht und der nächste
Schritt sei eine UN-Resolution.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Interviews in wesentlichen Auszügen.

Streben die Vereinigten Staaten UN-Handelssanktionen gegen Nordkorea an?
Ich möchte Ihnen kurz die Situation erläutern. Unser
Ziel ist eine atomwaffenfreie koreanische Halbinsel das bedeutet sowohl Nord- als auch Südkorea -, und
wir haben dieses Ziel seit geraumer Zeit mit ziemlich
aggressiver Diplomatie verfolgt. Bedauerlicherweise
befinden wir uns in einer Pattsituation.
Im Augenblick geht es um zwei Dinge. Erstens wollen
wir, daß Nordkorea uneingeschränkten Inspektionen
zustimmt, und zweitens soll der Dialog mit Südkorea
über die Entnuklearisierung fortgesetzt werden.
Es scheint jedoch, daß beides festgefahren ist. Erstens werden die Inspektionen offenkundig nicht beendet, und zweitens hat Nordkorea die Gespräche mit
Südkorea unterbrochen. Wie ich bereits sagte, sind
wir in eine Pattsituation geraten.
Morgen wird die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEO) zusammenkommen und mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit feststellen, daß
die Inspektionen unzureichend sind und die Angelegenheit an die Vereinten Nationen weiterleiten.
Wir streben eine Resolution an. Wir werden diesen
Weg verfolgen. Wir werden auch noch andere Schritte
unternehmen, aber diese Maßnahmen werden bei den
Vereinten Nationen ergriffen.
Wir stellen uns auf Handelssanktionen ein, was jedoch
genau bei den Vereinten Nationen geschieht, bleibt bis
nächste Woche abzuwarten. Wir wollen sicher sein,
daß alle Mitglieder des Sicherheitsrats und der Vereinten Nationen unserem Vorgehen zustimmen.
AMERIKA DIENST 12

Kann bei den Nahost-Friedensgesprächen die Frage
der Besiedlung bis zu Gesprächen über den endgültigen Status zurückgestellt werden?
Auf diese Position haben sich die beiden Parteien
verständigt. Laut der Grundsatzerklärung zwischen
Israelis und Palästinensern soll die Besiedlung als
Angelegenheit des endgültigen Status entschieden
werden - das heißt, nach der Umsetzung der Grundsatzerklärung haben sie zwei Jahre Zeit für Verhandlungen. Dies ist eine sehr schwierige Frage, und die
Parteien haben vereinbart, daß sie zu diesem Zeitpunkt erörtert wird.
Im Zusammenhang mit der Durchführung der Grundsatzerklärung gibt es viele Aspekte der Besiedlung, auf
die man sich konzentrieren muß. Ich möchte daher
nicht sagen, daß alle Aspekte bis zur Entscheidung
über den endgültigen Status anhängig sind. Die Entscheidung der endgültigen Besiedlung fällt jedoch
unter den endgültigen Status, und es gibt eine Reihe
von Sicherheitsproblemen. Ministerpräsident Rabin
hat klargestellt, daß ihm die Notwendigkeit neuer Sicherheitsbeziehungen bewußt ist, und darüber wird
gesprochen.
Am Freitag vergangener Woche gelang uns die Wiederaufnahme der Gespräche zwischen den Palästinensern und den Israelis über Sicherheitsfragen, und
heute kommen sie zur Erörterung dieses Themas in
Tunis zusammen.
Was muß Nordkorea tun, um die Übung "Team
Spirit" zu verhindern?
Das ist praktisch unmöglich. Wenn sie die Inspektoren
wieder zulassen und wenn sie sagen würden: "Gut, wir
Seite 1

�führen Gespräche mit Südkorea, wir entsenden Gesandte." Ich fürchte jedoch, daßdie Sache dafürschon
zu weit gegangen ist. Es ist nur eine Frage der Zeit.
Meines Erachtens wird es Gespräche zwischen uns
und den Südkoreanern geben, bei denen das richtige
Datum für die Wiederaufnahme festgesetzt wird.
Steht die Stationierung von Patriot-Raketen in
Südkorea bevor?
Das ist eine Frage des Zeitpunkts. Meiner Ansicht
nach werden die Diskussionen zwischen den Militärs
entscheiden, wann genau sie dort stationiert werden.
Es wird jedoch nicht mehr lange dauern.
Wird China UN-Sanktionen gegen Nordkorea unterstützen?
Als ich in China war, haben wir diese Frage erörtert.
Meines Erachtens sollten wir berücksichtigen, daß es
sowohl im Interesse Chinas als auch in unserem
Interesse liegt, die nukleare Aufrüstung in Nordkorea
zu verhindern. Chinahatdasselbelnteressewiewiran
einer atomwaffenfreien koreanischen Halbinsel und
hat dies zum Ausdruck gebracht. China hat uns
ermutigt, den diplomatischen Weg einzuschlagen und
sehr sorgfältige Schritte zu unternehmen.
Wenn die Angelegenheit an die Vereinten Nationen
weitergeleitet wird, wollen wir sicherstellen, daß alle
anderen Mittel erschöpft sind. Sollte dies der Fall sein,
hoffe ich, daß man bereit ist, die Sanktionen nicht zu
blockieren, wenn es zu einer Abstimmung kommt.
Würde China sich bei der Abstimmung über Sanktionen der Stimme enthalten?
Wir haben keine solchen Zusagen. China hat uns
jedoch ermutigt, geduldige Diplomatie zu verfolgen.
Und wir hegen die Hoffnung, wenn wir dies tun, wenn
wir Schritt für Schritt vorgehen und zeigen, daß wir die
diplomatischen Mittel ausgeschöpft haben, wird China
die Abstimmung nicht blockieren. Wie Sie wissen, war
China bisher in den Vereinten Nationen zur Unterstützung bereit. Es gab eine frühere Resolution, die
Nordkorea zum Einlenken aufforderte, und die Chinesen haben sie unterstützt.
Der Hauptgrund dafür ist - und dies gilt für gewöhnlich
für alle Nationen - daß es in ihrem Eigeninteresse liegt.
China tut dies nicht, um nett zu den Vereinigten Staaten zu sein. China tut es aufgrund der Sorge um die
Nuklearisierung Nordkoreas, die unserer entspricht.
Wir haben jedoch zweifelsohne alles in unserer Macht
Stehende für einen Dialog getan. Wir haben Nordkorea gesagt, daß wir zu einer dritten Runde des Dialogs
bereit wären, wenn Inspektoren zugelassen und weitere Gespräche mit Südkorea geführt würden. Wir
sind aber in eine Pattsituation geraten. Und ich habe
das Gefühl, wenn wir sorgfältig und schrittweise mit
den Chinesen vorgehen, werden sie feststellen, daß
es in ihrem Eigeninteresse liegt.
Seite 2

Wir unterhalten häufig Beziehungen zu Nationen, mit
denen es ein heikles Thema gibt, deren Zusammenarbeit wir jedoch zu einem anderen Thema benötigen,
und wir erhalten sie, weil es in ihrem und unserem
Interesse liegt.
Erwägen die Vereinigten Staaten die Entsendung
weiterer Truppen nach Südkorea?
Wir haben zur Zeit 37.000 Soldaten dort stationiert.
Uns liegen keine Anträge unserer Kommandeure für
weitere Truppenentsendungen vor. Sie können jedoch versichert sein, daß wir uns schützen. Wir
unterhalten Sicherheitsbeziehungen zu Südkorea. Wir
sind entschlossen, sie zu schützen. Wir wollen keine
Konfrontation. Wenn es jedoch zu einer Konfrontation
kommt, sind wir sicher, daß wirdie Oberhand behalten.
Was ist Ihre Reaktion auf die Aussage des nordkoreanischen Chefunterhändlers, ein Krieg sei unvermeidbar?
Wir haben diese Art von Rhetorik schon vorher von
Nordkorea gehört.
Wir lassen uns dadurch nicht einschüchtern, das kann
ich Ihnen versichern. Wir werden tun, was im Interesse
der Vereinigten Staaten und ihrer Vertragspartner, der
Südkoreaner, liegt. Wir waren bis jetzt in unserer
Diplomatie sehr geduldig mit Nordkorea. Wir wollen
Nordkorea nicht in eine Konfrontation drängen, haben
jedoch meines Erachtens den Punkt erreicht, an dem
es keine andere Wahl als die Anrufung des UNSicherheitsrats gibt, weil der Internationalen Atomenergie-Organisation die Art von Inspektionen einfach
nicht erlaubt wurden, die sie wollten.
Die Vereinigten Staaten haben ein sehr starkes Sicherheitsengagement für Südkorea, und wir werden
Südkorea schützen und obsiegen.
Können die Vereinigten Staaten bei einer internationalen Präsenz in Hebron eine Rolle spielen?
Wie Sie wissen, einigten sich drei der Parteien am
vergangenen Freitag auf die Wiederaufnahme bilateraler Verhandlungen: Syrien, der Libanon und Jordanien. Ebenfalls letzten Freitag beschlossen Israelis
und Palästinenser, eine Wiederaufnahme der Verhandlungen zu erörtern. In diesen Gesprächen wollen
sie überlegen, wie sie den Palästinensern mehr Sicherheit gewähren können. Ministerpräsident Rabin
hat die Notwendigkeit erhöhter Sicherheit anerkannt.
In der vergangenen Freitag angenommenen UNResolution wurde auf die Möglichkeit einer vorübergehenden internationalen Präsenz Bezug genommen.
Diese Forderung wird auch in der Grundsatzerklärung
der Palästinenser und Israelis gestellt. Sie wird Bestandteil der heute in Tunis beginnenden Verhandlungen zwischen den Palästinensern und Israelis sein.
Die Parteien sollen jedoch der internationalen Präsenz

AMERIKA DIENST 12

�Friedensgespräche. Die drei arabischen Länder, die
einer Rückkehr an den Verhandlungstisch zugestimmt
haben, werden den Gesprächen einen gewissen
Es wird sich herausstellen, was die Parteien in diesem Schwung verleihen und die Rückkehr der PLO erleichZusammenhang vorhaben. Die Frage, ob die Verei- tern.
nigten Staaten am besten geeignet sind, hier eine
Rolle zu spielen, muß noch von den Parteien beant- Wie Sie wissen, bin ich der Ansicht, daß die Länderder
arabischen Welt einen Hang zur Zusammenarbeit
wortet werden.
haben. Der PLO-Vorsitzende Arafat wird von der
Sind Sie optimistisch, daß die Serben dem Ab- Tatsache angespornt, daß die führenden Politiker dreier
kommen zu Bosnien beitreten werden?
anderer Länder sich den Friedensgesprächen wieder
anschlössen. Meiner Ansicht nach wird ihn das zur
Meines Erachtens sind wir hier auf dem richtigen Weg.
Rückkehr an den Verhandlungstisch ermutigen und
Wir haben vergangenen Freitag einen sehr bedeutenihm die nochmalige Versicherung geben, daß eine
den Schritt unternommen. Der nächste Schritt wird der
Rückkehr erforderlich ist. Das werden ihm auch die
Versuch sein, die begründeten Forderungen der Ser- Gespräche bestätigen, die er heute mit Ministerpräsiben zu erfahren und dann mit ihnen Gespräche zu dent Rabin führt sowie die Erörterung der Sicherheit im
führen. Es gibt Gründe, warum die Serben jetzt Westjordanland.
vielleicht zur Rückgabe eines Teilgebietes bereit sein
und eine friedliche Lösung ermöglichen könnten.
Was wird Arafat von Rabin verlangen?
zustimmen, so wie in der Grundsatzerklärung gefordert.

.
i

Ich vermute, daß sie einen beträchtlichen Teil des jetzt Hier ist eine Vielzahl von Dingen im Spiel. Wie Sie
in ihrem Besitz befindlichen Gebietes zurückgeben wissen, war Ministerpräsident Rabin sehr offen als er
werden.
hier erklärte, wir verstünden die Sicherheitsbelange
der
Palästinenser. Es wird vieles erörtert, wobei die
Ich möchte keine Zahlen nennen, aber die beiden
Polizei
einen Aspekt darstellt. Vielleicht besteht in
Gruppen - Kroaten und Muslime - könnten mehr als 50
Zukunft
auch die Möglichkeit einer internationalen
Prozent bekommen, wodurch diese Einheit viel lebensPräsenz.
fähiger würde.
Ich möchte jedoch nicht die Gespräche zwischen den
Parteien vorwegnehmen. Es werden intensive DebatDas wird vom Kriegsverbrechertribunal entschieden. ten sein. Ich hege jedoch große Hoffnungen, daß sie
Er gehört meines Erachtens jedoch zu denjenigen, die eine Grundlage für die Wiederaufnahme der Friedensgespräche für sich selbst sowie die drei anderen
in Frage kommen.
Parteien finden werden.
Und was ist mit dem serbischen Präsidenten MiloStehen Rabin und Arafat in telefonischem Konsevic?
takt?
Darüber wird das Kriegsverbrechertribunal entscheiden. Ich bin sicher, daß es über viele Menschen ein Ja, sie haben diese Woche zwei- oder dreimal miteinander telefoniert. Es ist ein gutes Zeichen, daß sie in
Urteil fällen wird.
der Lage sind, am Telefon miteinander zu sprechen;
Die Vereinigten Staaten sind ein entschiedener Befür- diese langjährigen eingeschworenen Feinde haben
worter des Kriegsverbrechertribunals. Wir leisten hierzu jetzt einen Dialog begonnen.
nicht nur einen Beitrag in Form von Personal, sondern
Welche Bedeutung hat das Abkommen zwischen
auch von Geld.
den bosnischen Muslimen und den bosnischen
Wie ist der Stand der Dinge bei den Friedensge- Kroaten?
sprächen zwischen Israel und der PLO?
Es stellt einen wichtigen Schritt dar. Es ist ein sehr
Heute fand ein Telefongespräch zwischen dem PLO- wichtiger Baustein. Wenn man zu dem Gebiet, das
Vorsitzenden Arafat und dem israelischen Ministerprä- den Bosniern anscheinend in Genf angeboten wurde sidenten Rabin statt. Meiner Meinung nach leitet es ungefähr 32 oder 33 Prozent - die 17 Prozent der
eine Reihe von hochrangigen Kontakten zwischen kroatischen Gebiete zählt, erhält man ein sehr viel
diesen beiden Ländern ein. Es soll über die Sicherheit lebensfähigeres Gebilde von ungefähr 51 Prozent.
in den besetzten Gebieten gesprochen werden, und Darum könnte es hier gehen. Es löst auch eine Anzahl
ich denke und hoffe, daß das zu einer frühzeitigen von Problemen, beispielsweise den Zugang zum Meer
Wiederaufnahme der Friedensgespräche zwischen für die Muslime.
diesen beiden Parteien führt.
Folglich war das hier in Washington ein guter Tag für
Sie wissen beide, daß die wirkliche Hoffnung in der den Frieden, ein äußerst wichtiger Schritt. Es liegt
Umsetzung der Grundsatzerklärung liegt. Daher ist noch ein weiter Weg vor uns, denn bevor nicht die
das meines Erachtens ein guter Tag für die Nahost- bosnischen Serben einbezogen worden sind, gibt es
Ist Serbenführer Karadzic ein Kriegsverbrecher?

v

«

AMERIKA DIENST 12

Seite 3

�natürlich keine Zusicherung für Frieden. Das ist meines Erachtens der nächste Schritt. Jetzt lösen die
Muslime und Kroaten ihre Probleme - wie Sie wissen,
haben sie sehr intensiv gekämpft, so daß tatsächlich
der Krieg beendet werden kann, wenn sie ein Abkommen schließen, wie das der Fall war. Wir werden ihre
begründeten Forderungen sondieren, und es werden
Gespräche mit den Serben aufgenommen.

Welche Rolle spielt die amerikanische Diplomatie?
Vor ungefähr einem Monat - Anfang Februar, wenn ich
mich richtig erinnere - beschlossen die Vereinigten
Staaten, wieder eine sehr starke Führungsrolle an der
diplomatischen Front zu übernehmen.

Die Europäer blickten auf uns und sagten: "Unseres
Es werden dauernd Gespräche geführt. Beispielswei- Erachtens kann dieses Problem nicht ohne Eure Interse erörterten die Serben und die Bosnier die Öffnung vention gelöst werden." So begannen wir diesen
der Straßen nach Sarajevo, was heute morgen in der Prozeß, und der erste von uns unternommene - relativ
Entscheidung gipfelte, dies zu tun. Zur Zeit ist in kühne - Schritt besagte: "Warum versuchen wir nicht,
Bosnien sehrviel in Bewegung, und großenteils ist das zuerst die Kroaten und Muslime zusammenzubringen
äußerst vielversprechend. Die Waffenruhe in Saraje- um zu sehen, ob wie diesen Teil des Krieges nicht
vo hält. Anscheinend wird der Flugplatz von Tuzla beenden und als Baustein nutzen können. Diese
Schwelle haben wir überschritten. Unser nächster
geöffnet.
Schritt mu ß darin bestehen, uns den Serben zuzuwenAndererseits werden die Kämpfe in anderen Gebieten den."
fortgesetzt. Folglich gibt es vielversprechende Entwicklungen, aber es bleibt noch viel Arbeit zu leisten.

* *

Seite 4

AMERIKA DIENST 12

�NAHER

OSTEN
23. März 1994

USA BEFÜRWORTEN UN-RESOLUTION ZU HEBRON
TROTZ EINWÄNDEN GEGEN SPRACHREGELUNG
Botschafterin Albright zur Resolution über die besetzten Gebiete
VEREINTE NATIONEN - (AD) - Die Vereinigten Staaten haben für die Resolution des UN-Sicherheitsrats über
die Situation in den besetzten Gebieten gestimmt, erklärte die amerikanische Botschafterin bei den Vereinten
Nationen, Madeleine Albright, obwohl sie Einwände gegen einige Sprachregelungen der Resolution haben.
Albright legte am 18. März 1994 die Beweggründe der Vereinigten Staaten für ihr Abstimmungsverhalten dar
und erklärte: "Wir haben eine kollektive Verantwortung gegenüber den Menschen im Nahen Osten und der
internationalen Staatengemeinschaft, Extremisten und Terroristen daran zu hindern, die Hoffnung auf ein
normales Leben in Frieden zu zerstören."
Die Vereinigten Staaten haben Einwände gegen die Bezeichnung "besetzte palästinensische Gebiete" in der
Resolution und gegen die Bezugnahme auf Jerusalem, teilte sie mit, entschieden sich jedoch, sich bei diesen
Artikeln der Stimme zu enthalten und nicht ihr Vetorecht auszuüben.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärung Botschafterin Albrights im Wortlaut.

Herr Präsident, die Mitglieder des Sicherheitsrats sind
sich der derzeit schwierigen Situation im Nahen Osten
bewußt. Mutige führende Politiker beider Parteien im
arabisch-israelischen Konflikt haben die Entscheidung
getroffen, jahrzehntelanges Blutvergießen zu beenden und Frieden zu schaffen. Am 13. September
vergangenen Jahres wurde mit der Unterzeichnung
der Grundsatzerklärung durch Israel und die PLO
sowie den Händedruck zwischen Ministerpräsident
Rabin und dem PLO-Vorsitzenden Arafat ein historischer Schritt unternommen. Die internationale Staatengemeinschaft und die Vereinten Nationen verliehen
ihrer überwältigenden Unterstützung fürdiesen außergewöhnlichen Akt der Versöhnung Ausdruck.

Die internationale Staatengemeinschaft war von Abscheu erfüllt. Der Ministerpräsident Israels verurteilte
im Namen seiner Nation diese Tat, verlieh seiner
Beschämung Ausdruck und ergriff schnelle Maßnahmen zur Untersuchung des Verbrechens und Verhinderung einer Wiederholung. Auch Präsident Clinton
faßte das Entsetzen des amerikanischen Volkes über
diese schreckliche Mordtat in Worte, und gemeinsam
mit anderen Mitgliedern des Sicherheitsrats verurteilen wir heute dieses Massaker aufs schärfste.

Herr Präsident, meine Regierung ist entschlossen zu
verhindern, daß Extremisten und Terroristen den Friedensprozeß unterminieren oder stören. Sie wollen die
Israelis und Palästinenser in die Dunkelheit endlosen
Seitdem haben die Unterhändler guten Glaubens Konflikts und Blutvergießens zurückzerren. Wir haben
versucht, Einigung über die Umsetzung der Grund- eine kollektive Verantwortung gegenüber den Mensatzerklärung zu erzielen, während auf beiden Seiten schen im Nahen Osten und der internationalen StaaExtremisten Gewalt und Terrorismus zum Mittel nah- tengemeinschaft, Extremisten und Terroristen daran
men, um den Frieden zu zerstören. 33 Israelis wurden zu hindern, die Hoffnung auf ein normales Leben in
getötet - unschuldige Opfer palästinensischer Extre- Frieden zu zerstören.
misten. Am 25. Februar, im heiligen Monat Ramadan,
wurden in der Stadt Hebron über 30 unschuldige Es gibt auf das Massakervon Hebron nureine Antwort.
Palästinenser von einem extremistischen israelischen Sie liegt in dem heutigen Aufruf des Sicherheitsrats an
Siedler beim Gebet in der Abraham-Moschee nieder- Israel und die PLO, ihre Bestrebungen zu verdoppeln,
die Verhandlungen zügig zum Abschluß zu bringen
geschossen.

AMERIKA DIENST 12

Seite 1

�und mit der unverzüglichen Umsetzung ihres Abkommens zu beginnen. Die Vereinigten Staaten sind
gemeinsam mit den russischen Vermittlern bereit,
alles zur Erreichung dieses Ziels Erforderliche zu
unternehmen.
Herr Präsident, es ist das Ziel, dem Friedensprozeß zu
dienen und ihn zu schützen, das meine Regierung wenn auch widerstrebend - zu der schwierigen Entscheidung geführt hat, die Verabschiedung dieser
Resolution heute trotz unserer Einwände gegen einige
ihrer Sprachregelungen zu ermöglichen. Meine Regierung hat heute in Washington mehrere Schritte
bekanntgegeben, die der Wiederaufnahme des Friedensprozesses im Nahen Osten dienen. Erstens
haben sich Syrien, Jordanien und der Libanon auf die
Wiederaufnahme bilateraler Verhandlungen mit Israel
im April geeinigt. Zweitens - und von besonderer
Bedeutung für die heute erörterte Resolution - haben
Israel und die PLO auf höchster Ebene intensive
Gespräche geführt. Sie haben sich schließlich auf die
Einberufung eines hochrangigen Treffens geeinigt,
dessen Zeitpunkt in den nächsten Tagen bekanntgegeben wird.
Die Vereinigten Staaten unterstützen die vom Rat
soeben verabschiedeten Artikel der Resolution über
das operative Vorgehen. Wir haben jedoch eine
Abstimmung über jeden einzelnen Artikel dieser Resolution angestrebt, weil wir unsere Einwände gegen die
dort eingeführte Sprachregelung festhalten wollten.
Ich möchte eindeutig klarstellen: Wäre diese Sprachregelung in den Artikeln über das operative Vorgehen
aufgetaucht, hätten wir von unserem Vetorecht Gebrauch gemacht. Wir stimmen in der Tat heute gegen
eine Resolution in der Kommission über den Status
von Frauen eben weil sie impliziert, daß Jerusalem
"besetztes palästinensisches Gebiet" ist.
Wir sind gegen die Bezeichnung dervon Israel im Krieg
von 1967 besetzten Gebiete als "besetztes palästinensisches Gebiet". Aus der Sicht meiner Regierung
könnte die Sprachregelung verwendet werden, um
Souveränität anzudeuten - eine Tatsache, die den
Vereinbarungen zwischen Israel und der PLO zufolge
in Verhandlungen über den endgültigen Status der
Gebiete entschieden werden muß. Wie zwischen
ihnen vereinbart, werden diese Verhandlungen nicht
später als zwei Jahre nach der Umsetzung der Grundsatzerklärung aufgenommen.
Obwohl meine Regierung unsere Sichtweise bekräftigt, daß die Vierte Genfer Konvention vom 12. April
1949 auf die von Israel seit 1967 besetzten Gebiete
Anwendung findet, lehnen wir die spezifische Bezugnahme auf Israel in dieser Resolution ab und werden
eine solche Einfügung in künftigen Resolutionen ebenfalls ablehnen. Wie ich bereits erwähnte, hätten wir
von unserem Vetorecht Gebrauch gemacht, wenn
diese Sprachregelung in die Artikel über das operative
Vorgehen aufgenommen worden wäre. Die amerika-

Seite2

nische Regierung hat sich statt dessen dafür entschieden, von dieser Sprachregelung Abstand zu nehmen
und ihre Ablehnung durch Stimmenthaltung bei den
Artikeln 2 und 6 der Präambel zum Ausdruck gebracht.
Wir enthalten uns der Stimme bei diesen beiden Artikeln, weil wir wollen, daß kein Zweifel an unserer
Verurteilung des Massakers besteht und wegen unseres vordringlichen Anliegens, den Friedensprozeß zu
schützen und zu fördern sowie aufgrund unseres
Wunsches nach möglichst baldiger Wiederaufnahme
der Verhandlungen.
Jerusalem ist das problematischste Thema, das bei
diesen Verhandlungen angesprochen wird. Um Präsident Clintons Worte vom 16. März zu zitieren: "Im
Hinblick auf die Resolution zu Jerusalem hat sich die
Position der Vereinigten Staaten nicht geändert. Die
Entscheidung liegt jedoch bei den Parteien. Und im
Einklang mit der Erklärung ist es etwas, das endgültig
zu einem späteren Zeitpunkt entschieden wird. Das
sollte unserer Ansicht nach getan werden." Gemäß
der Grundsatzerklärung ist es ein Thema, das Vereinbarungen zwischen Israel und der PLO zufolge in den
Verhandlungen über den endgültigen Status behandelt werden soll. Meine Regierung vertritt nicht die
Auffassung, daß eine solche Formulierung zu Jerusalem wie in dieser Resolution den Verhandlungen förderlich ist. Sie könnte Vorurteile schaffen oder den
Ausgang der Verhandlungen nachteilig beeinflussen.
Der Sicherheitsrat sollte die Vereinbarung zwischen
den Parteien in diesem Zusammenhang respektieren.
Herr Präsident, die Vereinigten Staaten haben dieses
ungewöhnliche Vorgehen heute nachmittag erbeten,
um eindeutig klarzustellen, daß wir keine Bestrebung
des Sicherheitsrats unterstützen können und wollen,
die zu einer Beeinträchtigung des Nahost-Friedensprozesses führen könnte. Es ist an Israel und den
Palästinensern - nicht den Vereinten Nationen - die
erforderliche harte Entscheidung für das Versprechen
des Friedens am Verhandlungstisch zu treffen, damit
er zur Realität des Friedens im Land werden kann.
Die vorliegende Resolution verweist auch auf zu ergreifende Maßnahmen, um die Sicherheit und den
Schutz palästinensischer Zivilisten zu garantieren und

eventuell eine zeitweilige internationale oder ausländische Präsenz einzubeziehen. Der letztere Punkt
bezieht sich auf die Grundsatzerklärung, die die Möglichkeit einer solchen Präsenz vorsieht, wenn die Parteien
sich darauf verständigen. Wenn meine Regierung in
diesem Bereich etwas Hilfreichestun kann, streben wir
die Unterstützung der gegenseitigen Wünsche der
Parteien an.
Herr Präsident, diese Resolution signalisiert den Willen der internationalen Staatengemeinschaft zu Frieden im Nahen Osten. Das Ziel der Vereinigten Staaten
und der Russischen Föderation als Vermittler besteht
in der Beschleunigung der Verhandlungen und dem

AMERIKA DIENST 12

*

�Versuch, sie in möglichst kurzer Zeit zu einem erfolgreichen Abschluß zu bringen.
Herr Präsident, meine Regierung ist optimistisch, daß
die heute in Washington angekündigten Schritte zur
Wiederbelebung des Friedensprozesses zu konkreten
Leistungen in den Verhandlungen zwischen den Parteien führen werden. Ohne das Vertrauen in die

baldige Wiederaufnahme des Friedensprozesses wären
positive Maßnahmen zu dieser Resolution heute nicht
möglich gewesen.
Ich weiß, meine Kollegen teilen meine Hoffnung, daß
bald das Versprechen Wirklichkeit werden kann, das
wir alle mit diesem denkwürdigen Händedruck im
September verbinden.

* * * *

AMERIKA DIENST 12

*

Seite 3

�VERTEIDIGUNG
23. März 1994

USA SOLLTEN EHEMALIGE SOWJETUNION
WEITERHIN UNTERSTÜTZEN
Interview mit Verteidigungsminister Perry
WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten sollten ihre Hilfe für die Staaten der ehemaligen Sowjetunion
"auf die Dinge konzentrieren, die für uns von Vorteil sind, ungeachtet des Erfolgs der Reformen", erklärte USVerteidigungsminister William Perry.
"Das anschaulichste Beispiel hierfür ist vielleicht die Beseitigung der ballistischen Interkontinentalraketen
(intercontinental ballistic missiles - ICBMs) in der Ukraine", erklärte Perry in einem am 15. März 1994 in der
Zeitung USA Today erschienenen Interview.
Der Verteidigungsminister äußerte sich in seinem Gespräch mit den Zeitungsredakteuren auch zu Bosnien,
Somalia, Nordkorea und China.
Nachfolgend veröffentlichen wir eine Transkription des von Minister Perry gegebenen Interviews.

Sollten die Vereinigten Staaten der ehemaligen
Sowjetunion weiterhin Hilfe leisten?
Unseres Erachtens sollten wir unsere Hilfe auf die
Dinge konzentrieren, die für uns von Vorteil sind,
ungeachtet des Erfolgs der Reformen. Unsere Programme - gemeinsame amerikanisch-russische,
amerikanisch-ukrainische und amerikanisch-kasachische Programme - sind tatsächlich darauf ausgerichtet, ihnen auf Gebieten zu helfen, die für unsere
nationale Sicherheit von Bedeutung sind.

den Gefechtsköpfen von SS-19 und SS-24 beladenen
Züge auf ihrem Weg nach Rußland bereits die russische Grenze überquert hätten. Diese Raketen werden
ihnen zufolge von den Abschußvorrichtungen bei
Pervomaysk entfernt. Ich fragte Präsident Krawtschuk, ob er Minister Radetsky gestatten würde, mich
während meines Besuchs nach Pervomaysk mitzunehmen, damit ich den Demonatageprozeß mit eigenen Augen sehen könnte. Der Präsident stimmte zu,
und ich erwarte somit, daß ich in der kommenden
Woche diese Frage besser beantworten kann.

Das anschaulichste Beispiel hierfür ist vielleicht die
Beseitigung der ballistischen Interkontinentalraketen
(intercontinental ballistic missiles - ICBMs) in der Ukraine.
Diese Raketen sind gegen die Vereinigten Staaten
gerichtet. Die ICBMs werden von ihren Abschußvorrichtungen entfernt, funktionsuntüchtig gemacht, auf
Züge verladen und nach Rußland zu einer Demontageeinrichtung gebracht. Das ist ein Beispiel dafür, was
von manchen als Verteidigung auf andere Weise
bezeichnet wird. Von unserem Standpunkt aus ist das
- ungeachtet der Geschehnisse - die Sache wert.

Was kann noch getan werden?

Wie ist die Situation bei den neueren Atomwaffen
der Ukraine?

Wieviele amerikanische Streitkräfte würden für
eine Friedenstruppe in Bosnien benötigt?

Wir sind vergangene Woche mit Präsident Leonid
Krawtschuk und Verteidigungsminister Vitally Radetsky zusammengetroffen. Sie teilten uns mit, daß die mit

Ich kann keine Zahl nennen. Zunächst einmal benötigen wir einen Friedensvertrag, derdiefürdie Friedenssicherung erforderlichen Funktionen darlegt. So weit

AMERIKA DIENST 12

Rußland, der Ukraine, Kasachstan und Belarus bei der
Konversion ihrer Rüstungsindustrie zur Herstellung
ziviler Produkte beizustehen. Das Motiv dieser Staaten ist einfach und eindeutig: Die Konversion ist gut für
ihre Wirtschaft. Unser Motiv ist die Beseitigung eines
der uns bedrohenden Elemente. Ein bestimmtes
Projekt ist darauf ausgerichtet, ihnen bei der Umwandlung einer Rüstungsfabrik zur Herstellung von Fertighäusern behilflich zu sein.

Seite 1

�von Plutonium, und ein Programm zur Entwicklung von
Atomwaffen besitzt. Es ist sogar möglich, daß diese
Waffen bereits entwickelt wurden. Unsere zweite
Sorge ist, daß das Land einen Reaktor besitzt, der ihm
die Erzeugung größerer Mengen Plutonium gestattet.
Waren Sie bezüglich der Reaktion der Verbünde- Zusätzlich verfügt es über ein Programm zur Raketenten auf die serbische Aggression zu definitiv?
entwicklung, mit dem Mittelstreckenraketen und vielleicht ballistische Raketen längerer Reichweite entDas denke ich nicht. Wir in den Vereinigten Staaten
wickelt werden. Wenn man all das zusammennimmt,
und in der NATO werden gedrängt, unsere Luftüberkönnte jedes Problem, das wir heute mit dem Land
wachung vom Schutz Sarajevos auf den Schutz andehaben, in drei oder vier Jahren durch ein Programm
rer bosnischer Städte auszudehnen - insbesondere
verschlimmert werden, das ungefähr ein Dutzend
auf die zu Schutzzonen erklärten Städte. Ein fachliAtomwaffen und vielleicht eine Rakete umfaßt, die
ches Urteil besagt, daß die Luftstreitmacht zu diesem
diese zu Zielen wie Japan, Südkorea oder Taiwan
Zweck nicht effektiv eingesetzt werden kann. Es ist
tragen kann. Wir versuchen erneut, dieses Problem
nicht nur für die NATO, sondern auch die UNO und die
auf dem Wege der Diplomatie zu lösen.
Vereinigten Staaten von entscheidender Bedeutung,
daß die von ihnen abgegebenen Absichtserklärungen Die darüber hinausgehenden Alternativen sind sehr
keine leeren Drohungen enthalten. Wir sollten nicht unattraktiv. Eine besteht in der Verhängung von
mit Aktionen drohen, zu deren Durchführung wir nicht Sanktionen gegen Nordkorea. Die Nordkoreaner haben
in der Lage sind.
bereits verlauten lassen, daß sie die Verhängung von
sind wir jedoch noch nicht. Aus politischen Gründen
möchten wir, daß die amerikanischen Truppen weniger als die Hälfte der gesamten UNO-Truppen ausmachen.

Sanktionen als eine Kriegserklärung betrachten. Wir
Wir müssen Diplomatie anstelle von Militärmacht einkönnten behaupten, das sei bloße Rhetorik. Anderersetzen. Wir taten das bei den Muslimen und den
seits sollten wir ihnen jedoch ernsthaft zuhören. Die
Kroaten, und das führte zu diesem neuen Abkommen
Sanktionen selbst sind vielleicht nicht effektiv. Nord(zwischen ihnen) über eine Föderation.
korea ist bereits ein isoliertes Land. Es hängt nicht in
großem
Umfang von Importen ab. Es hängt von
Kann aus Somalia eine Lehre gezogen werden?
Energieimporten ab, die jedoch größtenteils aus China
Ja. Wenn wir an einer militärischen Operation beteiligt stammen könnten. Somit würde jegliche Verhängung
sind, insbesondere wenn sie erfolgreich ist, besteht die von Sanktionen, die Ergebnisse zeitigen soll, die volle
Tendenz zu ihrer Ausdehnung. In Somalia wurden wir Kooperation Chinas und Japans erfordern. Die Alterdeswegen kritisiert, denn wir führten eine äußerst native zu Sanktionen sind militärische Maßnahmen.
erfolgreiche humanitäre Operation zum Schutz der Unsere führenden Militärs haben erklärt, wir könnten
Hilfskonvois durch und weiteten sie über unsere Kapa- diesen Krieg zwar gewinnen, er würde jedoch zu
zitäten hinaus aus. I n Bosnien wollen wir diesen Fehler enormer Zerstörung und Hunderttausenden von Opnicht wiederholen.
fern führen.
Man muß mit den politischen Zielen beginnen. Was
Bosnien betrifft, verfolgen wir zwei politische Ziele:
Erstens die Verhinderung der Ausweitung des Krieges
über Bosnien und sogar über den Balkan hinaus. Das
zweite Ziel besteht in der Einschränkung der Gewaltanwendung, insbesondere was die Opfer unter der
Zivilbevölkerung während der Fortdauer der Verhandlungen anbetrifft. Unser Hauptantrieb sind diplomatische, nicht militärische Initiativen.

Sollten die Vereinigten Staaten China isolieren?

Es ist für die Vereinigten Staaten von größter Bedeutung, Kontakt zu China zu pflegen. Hierfür gibt es zwei
Gründe. Einer besteht darin, daß China heutzutage
eine der am schnellsten wachsenden Wirtschaftsmächte der Welt darstellt. Der andere ist in unserer
nationalen Sicherheit begründet, denn China ist die
dominante Militärmacht in diesem Teil der Welt und
kann Dinge beeinflussen, an denen wir großes InteresWodurch können die nuklearen Ambitionen Nord- se haben. Beispielsweise ist jede Maßnahme unseres
koreas eingedämmt werden?
Landes gegen Nordkorea erfolgreicher, wenn sie in
Zusammenarbeit mit China ergriffen wird, und wird
Nordkorea steht auf der Liste besorgniserregender wesentlich schwieriger, vielleicht sogar unmöglich,
Angelegenheiten in der Welt weit oben. Wir glauben, wenn sie von China blockiert wird.
daß das Land im Besitz von spaltbarem Material ist,

* * * * *

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�VERTEIDIGUNG
23. März 1994

DIE US-MILITÄRSTRATEGIE FÜR
DIE NEUNZIGER JAHRE
von General John Shalikashvili
WASHINGTON - (AD) - General Shalikashvili ist der Vorsitzende der Vereinigten Stabschefs. Der folgende
Artikel basiert auf einer kürzlich von ihm vor der National Defense University in Washington gehaltenen Rede.

Wir befinden uns an einem außergewöhnlichen Wendepunkt, an dem die Welt - natürlich - in einem sehr
raschen Wandel begriffen ist. Aus diesem Grund
versuchen wir als Nation, unsere strategische Basis
wiederzufinden. Und deshalb möchte ich Ihnen einige
meiner Gedanken zu unserem Vorgehen darlegen.
Wir müssen das zentrale Element der Kerndoktrin
erhalten, von der unsere Strategie geleitet ist. Mit
anderen Worten: Demokratie und freie Märkte schaffen Wohlstand und Zufriedenheit, und diese führen zu
Frieden. Das ist eine erprobte Doktrin. Sie hat die
längste Periode des Friedens in der modernen Geschichte Westeu ropas bewahrt, verändert das Gesicht
Asiens und hat die Nationen Süd- und Mittelamerikas
von ihrem langen Liebäugeln mit Diktaturen befreit.
Diese Doktrin sieht sich jedoch mit einer Herausforderung konfrontiert, die in mancher Hinsicht unseren
Erfahrungen am Ende des Zweiten Weltkriegs entspricht, in anderer jedoch sehr unterschiedlich ist.
Mit dem Ende des Kalten Krieges erlebten wir, wie
Milliarden Menschen zu diesem Glauben an Demokratie und Marktwirtschaften konvertierten. Die meisten
dieser Menschen sind verarmt, leben in wirtschaftlicher Unsicherheit und sind zwischen der vertrauten
Vergangenheit und einer Zukunft hin- und hergerissen,
die ihnen erschreckend unsicher erscheint.
Aus diesem Grund müssen wir Wege finden, um ihnen
unverzüglich das Wissen und die Fähigkeiten zur
Anpassung und Modernisierung ihrer Infrastruktur zu
vermitteln und sie auf die ersten Stufen der Leiter zum
Wohlstand zu bringen. Wir müssen ihre Ängste beschwichtigen und Vertrauen bilden.

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Unser Nationaler Sicherheitsberater Anthony Lake
bezeichnet dieses Element unserer Strategie als
Erweiterung. Diese Erweiterung ist die Fortsetzung
unseres Vorgehens während des Kalten Krieges und
ist zentraler Bestandteil unserer neuen Strategie.
Ich möchte feststellen, daß von den zahlreichen neuen
Konflikten, die in den vergangenen Jahren wie die
Masern ausgebrochen sind, keiner zwischen Staaten
mit stabilen, fest verankerten demokratischen Institutionen stattfand. Je rascherdiese Doktrinen in Osteuropa, den Staaten der ehemaligen Sowjetunion, in
Ostasien und anderen Regionen der Welt Fuß fassen,
desto sicherer wird die Welt.
Wir und sie müssen sich jedoch bewußt sein, daß
Wunder nicht über Nacht geschehen. Die Gesundung
der Volkswirtschaften Westeuropas und Japans benötigte nach dem Krieg Jahrzehnte. Für die Menschen in
Osteuropa, der früheren Sowjetunion und Ostasien
wird es ein langer, mit vielen Steinen gepflasterter Weg
sein.
Der Kalte Krieg errichtete Barrieren, die Nationen,
Nachbarn und Kontinente teilten. Unser wichtigstes
Ziel ist zu verhindern, daß diese Teilungen wiederentstehen oder einfach an einen anderen Ort verlagert
werden. Wir müssen der Versuchung widerstehen,
eine Trennlinie von einer Seite Polens zur anderen zu
ziehen.
Daher ist es meines Erachtens so wichtig, daß Präsident Clinton im Januar in Prag und bei der NATO der
populäreren Vorgehensweise widerstand, die den jetzigen Beitritt von Polen, Ungarn, der Slowakei und der
Tschechischen Republik zur NATO forderte. Damit
wäre die Linie nur weiter nach Osten verlegt, jedoch
Seite 1

�wieder gezogen worden. Ein solcher Kurs hätte erneut
den Prozeß der Teilung Europas, der Schaffung neuer
Spannungen und neuer Spaltungen in die Wege geleitet.
Meiner Ansicht nach hat der Präsident statt dessen
einen klügeren Kurs eingeschlagen. Er entschied sich
für die "Partnerschaft für den Frieden", ein umfassendes Konzept, das zum ersten Mal in der europäischen
Geschichte ganz Europa zusammenbringen kann, und
ein Konzept, das jeder Nation in Europa eine Wahlmöglichkeit bietet.

müssen die Erfordernisse der Abschreckung in unsere
Verteidigungsberechnungen einbeziehen. Wir müssen unsere Streitkräfte entsprechend stationieren und
unsere regionalen Strategien so ausrichten, daß wir
diesen Abschreckungseffekt erzielen.

Wir werden Abschreckung jetzt jedoch auf andere Art
und Weise erreichen. Die Rolle von Nuklearwaffen hat
sich beispielsweise bereits geändert. Als Präsident
Bush im November 1991 seine dramatische Erklärung
abgab, unsere land- und seegestützten Nuklearwaffen
abzuziehen und unsere in den Vereinigten Staaten
stationierten Bomber au ßer Dienst zu stellen, trug dies
Das Ende des Kalten Krieges hat auch die unmittelba- implizit dieser Tatsache Rechnung und half, diesen
re nukleare Bedrohung für das Überleben unserer Wandel zu aktivieren.
Nation beseitigt. Zum ersten Mal in nahezu einem
halben Jahrhundert fürchten wir nicht mehr den Zu- Heutzutage beruhen der Charakter und das Gleichgesammenstoß zweier massiv bewaffneter Armeen ent- wicht der Abschreckung viel stärker auf konventionellang der innerdeutschen Grenze. Es gibt jedoch len Streitkräften. Um einen Schritt weiter zu gehen:
Bedrohungen, die dieses Zeitalter überdauerten, obwohl Sie beruhen in stärkerem Ausmaß auf unserer Bereitsich ihre Komplexität und Natur gewandelt hat.
schaft zu kämpfen und durch entschiedenen Einsatz
konventioneller Waffen zu gewinnen.
Die Regime von Iran und Irak, Nordkorea, Kuba und
Libyen haben beispielsweise alle den Kalten Krieg Ich bin auch der Meinung, daß Eindämmung ein Leben
überlebt, ohne ihre Couleur grundlegend zu verän- nach dem Kalten Krieg hat, obgleich in einem ganz
dern. Der Unterschied ist, daß diese Bedrohungen anderen Sinne als wir je dachten. Sie stellt jetzt unsere
nun nicht miteinander verbunden, weit entfernt und lebensfähigste Lösung für den Umgang mit vielen der
unabhängig voneinander sind. Es gibt niemanden im regionalen Bedrohungen dar, die ich vorher erwähnte.
Hintergrund, der sie verknüpft, sie mit Waffen beliefert, Sie ist nicht länger ein konstruiertes globales Gebilde.
ihre Aktionen koordiniert oder begrenzt. Dennoch sind Vielmehr stellt sie eine selektive oder sogar situationssie ernst. Jede dieser Nationen könnte ihre Region in gebundene Antwort dar, die aggressive Regime einenInstabilität, Aufruhr und Krieg stürzen.
gen, Stabilität und Frieden in bestimmten Regionen
bewahren und unsere Verbündeten schützen soll. In
In den Ruinen des Imperiums lauem ebenfalls neue der Praxis wenden wir diese Strategie bereits gegenBedrohungen. Wir wurden bereits Zeuge des Chaos, über Nordkorea, Iran, Irak und Kuba an. Diese Stratedas Jugoslawien auf der Landkarte ausradierte und gie setzten wir auch im ehemaligen Jugoslawien zur
sind uns deutlich der in vielen ehemaligen Sowjetrepu- Begrenzung der Ausbreitung und Zerstörung in diebliken wütenden Kämpfe bewußt. Wir beobachten, sem Krieg ein. Der Anwendungsbereich dieser Stratewie alter Haß und Verbrechen das Entstehen neuer gie hat sich also verglichen mit der Zeit des Kalten
Unsicherheiten und Ängste schüren, die einfach nicht Krieges erheblich verändert.
ignoriert werden können.
Wie Sie wissen, funktioniert Erweiterung nur, wenn wir
Die Implikation für uns bedeutet, daß wir einen neuen zur Eindämmung dieser regionalen Bedrohungen und
Ansatz zu unserer globalen Strategie benötigen. Wir Isolierung eventueller Ausbrüche in der Lage sind.
brauchen nicht länger einen globalen Kriegsplan zur Schließlich gedeihen Demokratie und Wohlstand eher
Bekämpfung einer einzigen Bedrohung. Aus diesem in einer sicheren als in einer unsicheren Umgebung.
Grund muß die gesamte Organisation unserer globalen Strategie anders gestaltet sein. Sie ist jetzt eine Wir haben diesen Teil unserer Strategie als Engageintegrierte Ansammlung regionaler Strategien, die jede ment bezeichnet und in zwei Hauptanwendungsbereiin einzigartigerweise auf die Interessen, Ziele, Bedro- che aufgeteilt. Der eine ist Prävention, der zweite
hungen und die Dynamik der betreffenden Region Partnerschaft.
zugeschnitten sind.
Prävention trägt offensichtlich zur Schaffung von
Meines Erachtens gibt es jedoch andere zentrale Bedingungen bei, die einen Erfolg der Erweiterung
Elemente unserer Strategie, die ebenfalls beibehalten gestatten. Sie ist eines der Elemente, die unserer
werden müssen. Unsere Betonung von Abschreckung Strategie eine aktive Tendenz verleihen und sie zum
und Strategien zur Abschreckung ist dauerhaft sinn- Motor des Wandels machen, statt einer Reihe von
voll. Es ist immer besser, einen Akt der Aggression zu Reaktionen auf externe Initiativen. Der Kern der
Erweiterung ist zum Teil die Förderung von Idealen
verhindern, als ihn bekämpfen zu müssen.
und zum Teil der Schutz von Stabilität und Frieden, die
Es reicht uns jedoch nicht aus, Strategie, Einsatzkon- fruchtbaren Boden für Erweiterung darstellen.
zept und die Fähigkeit zur Kriegführung zu haben. Wir
Seite 2

AMERIKA DIENST 12

�Bei der Partnerschaft gibt es verschiedene Aktionsfelder. Wir werden unsere traditionellen Bündnisse und
Koalitionen erhalten, aber auch andere Beziehungen
knüpfen, beispielsweise die Partnerschaft für den Frieden in Europa. Wir könnten auch kooperative SicherPartnerschaft gründet auf dem traditionellen Element heitsbeziehungen in Regionen aufbauen, in denen das
unserer Strategie, daß wir nicht im Alleingang erfolg- angemessen erscheint. Wieder muß die Antriebskraft
reich sein können. Logischerweise müssen unsere unserer Partnerschaft Aktivität sein; wir müssen regioBündnisse und Koalitionen ein zentrales Element unserer nale Rahmen schaffen, die zu Stabilität und Frieden
Strategie bleiben.
beitragen und Erweiterung fördern. Wir müssen auch
weiterhin unsere Führungsrolle in der Welt spielen.
Im letzten halben Jahrhundert sind wir gemeinsam Wir sind immer noch das wohlhabendste und mächtigreich geworden, haben gemeinsame politische Syste- ste Land der Welt und die einzige verbliebene Superme entwickelt und gemeinsame Ansichten und Inter- macht. Ich betone das, weil wir alle ein anderslautenessen entstehen und reifen lassen. Unsere Koalitio- des Argument gehört haben, das besagt, die Lasten
nen und Bündnisse sind die größte Quelle von Stabi- der Führung rolle unterminierten unsere materielle und
lität und Sicherheit in einer Welt, die durch so viel geistige Stärke und wir müßten andere dazu zwingen,
Wandel in so kurzer Zeit ins Wanken geraten ist. Sie an unserer Stelle die Führung zu übernehmen. Das ist
sind auch unsere größte Abschreckung vor einem völlig falsch.
Zurückfallen in einen weltweiten Konflikt.

Wir haben die langfristigen Gefahren für unsere Interessen und den Erfolg von Erweiterung identifiziert und
versuchen durch Prävention, diese Gefahren abzublocken oder zu kontrollieren.

Die Tatsache, daß wir die führende Nation in der freien
Welt sind, hat uns reicherund wohlhabendergemacht.
Sie hat uns den nötigen Einfluß verschafft, die Weltwirtschaftsordnung auf eine Weise zu gestalten, die für
unser eigenes Wirtschaftssystem und unsere Erfordernisse nützlicher ist. Sie hat uns gestattet, die
Reaktion der internationalen Staatengemeinschaft auf
Diese Evolution hat bereits in Europa, Südwestasien diese Bedrohungen zu beeinflussen. Um unserer
und in dieser Hemisphäre begonnen, muß jedoch noch selbst willen müssen wir diese Führungsrolle beibehalauf andere Regionen ausgeweitet werden. Wir müs- ten.
sen uns mit einer Geschwindigkeit bewegen, bei der
wir uns alle wohl fühlen, bei unseren Verbündeten
jedoch weiter darauf drängen, sich an neue Realitäten
anzupassen und ihr Vorstellungsvermögen zu erweitern.
Wir müssen sie neu gestalten, ihnen neue Aufgaben
und Strategien geben und sie auf gegenwärtige und
künftige Aufgaben vorbereiten. Sie waren in der
Vergangenheit in den gemeinsam durchlebten schwierigen Jahren die Quelle unserer Stärke und müssen
auch in Zukunft unsere Basis sein.

*

AMERIKA DIENST 12

* * *

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Seite 3

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                    <text>cimerikci
dienet

Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462C

30. März 1994

13

NORDKOREA

PERRY: "ZUR ZEIT KEINE KRISE"
Vereinigte Staaten ergreifen
"wohlüberlegte" defensive Maßnahmen

UNO

USA ARBEITEN AUF GLAUBWÜRDIGE, KOSTENGÜNSTIGE UN-FRIEDENSSICHERUNG HIN
Rede von Botschafterin Albright
vor Kongreß-Unterausschuß

CHEMIEWAFFEN

HOLUM DRANGT AUF FRÜHZEITIGE
RATIFIZIERUNG DER
CHEMIEWAFFENKONVENTION
Erklärung von ACDA-Direktor John Holum

AUSSENPOLITIK

CLINTON SOLLTE NICHT UNTERSCHÄTZT
WERDEN
von Samuel R. Berger

FILM

ZEHN OSCARS FÜR SPIELBERGS FILME
Oscar-Verleihung 1994

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.:0228-339 23 72
Fax:0228-33 41 02

�NORDKOREA
30. März 1994

PERRY: "ZUR ZEIT KEINE KRISE"
Vereinigte Staaten ergreifen "wohlüberlegte" defensive Maßnahmen
WASHINGTON - (AD) - US-Verteidigungsminister William J. Perry erklärte am 25. März 1994 vor Journalisten,
zur Zeit gebe es "keine militärische Krise" zwischen den Vereinigten Staaten, ihrem südkoreanischen Verbündeten, und Nordkorea.

Gleichzeitig ließ Perry verlauten, die Vereinigten Staaten ergriffen "wohlüberlegte" defensive Maßnahmen
für den Fall, daß der immer wieder aufflammende
Disput mit Nordkorea erneut eskalieren sollte.
Perry machte seine Ausführungen zu Nordkorea bei
einer im Pentagon anberaumten Pressekonferenz, bei
der er eigentlich die Journalisten über seinen jüngsten
Besuch in Rußland, Kasachstan, der Ukraine und
Belarus informieren wollte - den vier neuen unabhängigen Staaten (NUS), die nach dem Zusammenbruch
der Sowjetunion deren Atomwaffen erbten.
Nach einer kurzen Analyse seiner Reise in die NUS
beantwortete Perry jedoch fast ausschließlich Fragen
zu der Besorgnis der Vereinigten Staaten über die
Weigerung Nordkoreas, angemessene internationale
Inspektionen des Nuklearprogramms des kommunistischen Landes zuzulassen.
"Nordkorea verfügt über eine Armee mit einer Million
Soldaten. Zusätzlich hat das Land die Möglichkeit zur
Entwicklung einer Atombombe, und seine Regierung
ist unberechenbarund instabil", legte Perry die besorgten Überlegungen der Vereinigten Staaten dar.
Die Möglichkeit, daß Nordkorea über Anlagen zum
Bau von Atomwaffen verfügt, "verschärft die gegenwärtige Situation", so Perry.

Perry wollte keine weiteren Einzelheiten zu den Vorbereitungen der Vereinigten Staaten zur Erhöhung der
Verteidigungsbereitschaft geben. "Wir können unsere
militärische Eventualfallplanung einfach nicht in der
Öffentlichkeit erörtern", teilte er mit.
"Wir bemühen uns weiterhin um eine Lösung auf
diplomatischer Ebene. Wir haben noch nicht aufgegeben. Sollte das scheitern, müssen Sanktionen meines
Erachtens der nächste Schritt sein."
Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen debattiert
zur Zeit über eine Resolution, die Nordkorea zur Umkehr
seiner Haltung zu internationalen Inspektionen aufruft.
Sollten sich die Vereinten Nationen zur Verhängung
von Sanktionen gegen Nordkorea entschließen, könnten diese "ziemlich nachteilig" sein, so Perry.
Zuvor hatte Perry seine Reise in die ehemalige Sowjetunion als "pragmatische Partnerschaft in Aktion" bezeichnet. Ziel der Reise sei die Beschleunigung der
Konversion strategischer Waffen zu friedlichen Zwekken gewesen.
Während seines Besuchs wurden Perrys Angaben
zufolge Abkommen über Hilfe für die Konversion von
Rüstungsgütern im Wert von mehr als 165 Millionen
Dollar geschlossen.

Präsident Clinton ordnete am 21. März die Entsendung
eines Bataillons von Patriot-Abwehrraketen nach
Südkorea an, die "zur Zeit stattfindet". Die Raketen
werden per Schiff transportiert und in ungefähr einem
Monat stationiert.

"In Rußland trafen wir mit Verteidigungsminister Gratschow zusammen und sprachen über die geplante
Partnerschaft für den Frieden. Erteilte mit, Rußland
werde der Partnerschaft beitreten und der NATO bis
Ende des Monats einen Antrag auf Mitgliedschaft
vorlegen", so Perry.

"Sollte es eine militärische Konfrontation mit Nordkorea geben, wären taktische Luftstreitkräfte der größte
Beitrag, den die Vereinigten Staaten zur Abwehr leisten könnten", erläuterte der Verteidigungsminister.
"Das wäre eine Frage von wenigen Tagen."

Die "Partnerschaft für den Frieden" ist ein Vorschlag
der Vereinigten Staaten, der Mitgliedern des ehemaligen Warschauer Pakts eine eingeschränkte Mitgliedschaft im Nordatlantischen Verteidigungsbündnis
gestattet.

AMERIKA DIENST 13

Seite 1

�"In der Ukraine besuchten wir eine Abschußvorrichtung für ballistische Interkontinentalraketen, an der
früher SS-19 und SS-24 auf die Vereinigten Staaten
gerichtet waren".

"Es war für mich eine erstaunliche Erfahrung, dort zu
stehen und die Kontrollvorrichtungen der Raketen zu
betrachten, die jede größere Stadt der Vereinigten
Staaten zerstören konnten", äußerte er.

"Hier findet der Abbau statt", teilte Perry mit. Die
Ukraine habe unter dem zwischen ihr, Rußland und
den Vereinigten Staaten geschlossenen Abkommen
bereits 120 Gefechtsköpfe nach Rußland zur Zerlegung geschickt.

Dem Verteidigungsminister zufolge war sein Besuch
der ehemaligen sowjetischen Abschußrampe bei Baikonur in Kasachstan "ein sehr bewegendes persönliches Ereignis", weil er einen Großteil seiner beruflichen Laufbahn die Einrichtung aus der Entfernung
untersucht hatte und jetzt aus nächster Nähe sehen
Zwei ukrainische Soldaten hätten Perry in den Schacht
konnte.
begleitet um ihm zu demonstrieren, wie die Rakete
abgeschossen werden konnte.

* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 13

�UNO
30. März 1994

USA ARBEITEN AUF GLAUBWÜRDIGE,
KOSTENGÜNSTIGE UN-FRIEDENSSICHERUNG HIN
Rede von Botschafterin Albright vor Kongreß-Unterausschuß
WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten unterstützen Friedenssicherungsoperationen der Vereinten
Nationen, "weil sie zu einer weniger gewalttätigen, stabileren und demokratischeren Welt beitragen", erklärte die
Botschafterin der Vereinigten Staaten bei den Vereinten Nationen, Madeleine Albright, am 22. März 1994 vor
einem Unterausschuß des Repräsentantenhauses.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Botschafterin Albright im Wortlaut.

Politik der Administration
Wie Sie wissen, Herr Vorsitzender, befindet sich die
Administration im letzten Stadium einer einjährigen
Überprüfung der Friedenssicherungspolitik. Diese Politik

zielt nicht auf eine Erweiterung der UN-Friedenssicherung, sondern deren Korrektur ab. Wir erachten die
Friedenssicherung der UNO nicht als Kernstück unserer nationalen Sicherheitsstrategie, sondern als einen
Beitrag dazu. Wir sehen sie als einen Weg, Krisen zu
entschärfen und größere Katastrophen durch einen
Friedensbruch zu verhindern, die Stabilität bedrohen,
Leiden erzeugen und unsere Ressourcen aufzehren.
Wir werden uns stets das Recht vorbehalten, im Alleingang oder durch ein Bündnis wie die NATO zu handeln. Wir wollen jedoch das Vertrauen haben, daß die
Vereinten Nationen die Arbeit in kostengünstiger Weise
und einem absehbaren Zeitrahmen leisten können,
wenn wir die Entscheidung treffen, die Unterstützung
einer UN-Friedensmission liege im Interesse des
amerikanischen Volkes.
Während des Kalten Krieges war die Rolle der Vereinten Nationen bei der Friedenssicherung marginal. In
den vergangenen Jahren hat sie rasch zugenommen,
die Institution großen Belastungen ausgesetzt und
einen dramatischen Anstieg der Kosten und Risiken
von Friedenssicherung mit sich gebracht.

nicht? Welche Kriterien waren beispielsweise für die
vorige Administration maßgeblich, alssiefürdie Unterstützung neuer Operationen im ehemaligen Jugoslawien, in Somalia, Angola, El Salvador, Kambodscha,
der Westsahara, Mosambik und Kuwait stimmte? Und
welche Kriterien wandten die anderen Mitglieder des
Sicherheitsrats an? Es gab keine eindeutige Antwort.
Das haben wir geändert. U nseres Erachtens hängt der
Wert der UN-Friedenssicherung nicht von der Zahl der
angestrebten Missionen ab, sondern davon, wie gut
jede Mission durchgeführt wird. Wir bestehen also
darauf, daß die Schlüsselfragen vorher gestellt werden und nicht nachdem neue Friedenssicherungsverpflichtungen eingegangen worden sind. Zu diesen
Fragen zählen:
Gibt es eine reale Bedrohung für internationalen
Frieden und die Sicherheit?
Hat die vorgesehene Friedenssicherungsmission eindeutige Ziele und kann ihr Umfang klar
umrissen werden?
Wenn die Operation der Friedenssicherung und
nicht der Durchsetzung des Friedens dient, wurde
ein Waffenstillstand vereinbart, und haben die
Konfliktparteien einer UN-Präsenz zugestimmt?

Rigorosere Entscheidungsfindung

Stehen die zur Durchführung der Mission erforderlichen Ressourcen zur Verfügung?

Kurz nach meiner Ankunft in New York im vergangenen Jahr habe ich mir die Frage gestellt: Welche
Kriterien haben wir bei der Entscheidung benutzt, ob
wir eine Friedensmission unterstützen sollen oder

Kann ein Ende der UN-Beteiligung ausgemacht
werden?

AMERIKA DIENST 13

Was geschieht, wenn wir nicht handeln?
Seite 1

�Unsere neue Politik bewirkt bereits etwas. Zum Beispiel haben wir unsere Unterstützung für potentielle
Missionen in Georgien und Liberia von größeren Fortschritten bei den Friedensverhandlungen abhängig
gemacht. Wir unterstützen eine verstärkte UN-Polizeipräsenz in Mosambik, aber unter der Bedingung, daß
die zusätzlichen Kosten ausgeglichen werden. Wir
bestehen darauf, daß in alle Friedenssicherungsmissionen genehmigende oder erweiternde Resolutionen
ein festgesetzter Zeitrahmen aufgenommen wird, damit
die Last des Beweises bei denjenigen liegt, die eine
Erweiterung statt einer Beendigung befürworten. Wir
hoffen einen Präzedenzfall geschaffen zu haben, indem wir Zypern und Kuwait zur Begleichung eines
maßgeblichen Teils der Kosten von Friedenssicherungsoperationen auf ihrem Territorium ermutigen.
Wir verlassen uns soweit wie möglich auf regionale
Organisationen wie die Wirtschaftsgemeinschaft
westafrikanischer Staaten und die KSZE. Und wir
überprüfen regelmäßig den Stand aller UN-Operationen um zu entscheiden, ob ihre Ziele erreicht werden
oder erreicht werden können.

Verbesserungen bei Planung, Ausbildung, Fernmeldewesen, Nachrichtendiensten und öffentlichen Angelegenheiten.
Unser Ziel dabei besteht nicht in der Schaffung einer
Art von globalem Oberkommando, sondern vielmehr
in der Verbesserung der Effizienz bis zu dem Punkt, an
dem UN-Friedenssicherung glaubwürdig, kostengünstig und professionell ist. Wir sind zum Beispiel
entschlossen, die Wiederholung einer Situation wie
vor kurzem zu verhindern, als der UN-Vertreter im
ehemaligen Jugoslawien über drei Stunden für die
Genehmigung der Luftüberwachung zur Verteidigung
der UNO-Truppen benötigte.
Herr Vorsitzender, die UN-Friedenssicherung hat
zweifelsohne noch viel Arbeit vor sich, aber Reformen
werden gemacht, Lektionen gelernt und Fortschritte
erzielt.
Der Wert der Friedenssicherung

Natürlich wäre all dies nicht von Bedeutung, wenn
sorgfältig definierte und gut durchgeführte UN-FrieIch muß auch feststellen, daß trotz der schrecklichen densoperationen nicht dem besten Interesse unserer
Gewalttaten in diesen Staaten bisher keine UN-Opera- Menschen dienen würden. Diese Administration vertionen für Burundi, Sudan, Nagornyi Karabach, Tad- tritt ebenso wie vorige Administrationen die Auffasschikistan, Afghanistan oder Sierra Leone vorgeschla- sung, daß sie dies tun, und wir denken, die meisten
gen worden sind. Dies bedeutet keine Gefühllosigkeit Amerikaner stimmen dem zu.
seitens der internationalen Staatengemeinschaft,
sondern ist vielmehr die Anerkennnung der Grenzen Erstens möchte ich den Sachverhalt in die richtige
dessen, was eine UN-Friedensoperation in Ermange- Perspektive rücken. Die Welt wendet jedes Jahr rund
lung des demonstrierten Willens der kämpfenden 9 Milliarden Dollar für Streitkräfte auf. Die Vereinten
Parteien, sich für Verhandlungen statt Waffen zu ent- Nationen geben ungefähr ein Drittel davon für Friedenssicherung aus. Hier in den Vereinigten Staaten
scheiden, erreichen kann.
veranschlagen wir für jeden für Friedenssicherung
Fähigkeiten zur Erweiterung
aufgewendeten Dollar 300 Dollar für die Verteidigung.
Der jüngste, teils durch das Ende des Kalten Krieges
Wir arbeiten ferner darauf hin, die genehmigten UN- herbeigeführte Anstieg der Kosten für FriedenssicheOperationen effizienter und effektiver zu gestalten.
rung ist weit geringer als die durch die Lockerung der
Spannungen
zwischen Ost und West ermöglichten
Wir haben beispielsweise folgende Vorschläge unterEinsparungen.
breitet:
Ein einheitliches Budget für Friedenssicherung,
um das derzeitige Ad-hoc-System zu ersetzen.
Reformen bei der Beschaffung, die Wettbewerbsfähigkeit und Kostenersparnisse durch
optimale Betriebsvergrößerung gewährleisten.
Die Entwicklung einer computergestützten Datenbank, die eine Standardisierung der Kosten,
rasche und genaue Haushaltsprognosen gestatten sowie Überschätzungen verhindern
würden.
Ein schnell stationierbares Hauptquartier mit
logistischer Unterstützung, damit die Vereinten
Nationen rechtzeitig auf Notfälle reagieren
können.

Seite 2

Zweitens sind die Vereingten Staaten eines der fünf
Länder mit einem Vetorecht zu jeder UN-Friedenssicherungsoperation. Ich kann Ihnen versichern, daß
wir unseren Einfluß geltend machen und wenn nötig
unser Veto einlegen werden, um Operationen zu stoppen, die unseren Interessen zuwiderlaufen würden.
Ich kann Ihnen auch versichern, daß unser kontinuierliches Vetorecht nicht verhandelbar ist.
Drittens ein kleiner, aber nicht unwichtiger Punkt. Im
Jahr 1993 kaufte das UNO-Hauptquartier Waren und
Dienstleistungen in Höhe von über 250 Millionen Dollar
von amerikanischen Lieferanten - 36 Prozent des
Gesamtwerts der Beschaffungen des UNO-Hauptquartiers für die Friedenssicherung.
Viertens besteht, wie Außenminister Christopher in
der vergangenen Woche bestätigte, der Hauptgrund

AMERIKA DIENST 13

�für die Unterstützung bestimmter UN-Friedensoperationen in dem Beitrag, den sie zu Zielen von direktem
Interesse für uns leisten.
Herr Vorsitzender, ich erinnere mich, daß die Mitglieder der Anhörung im vergangenen Jahr verständlicherweise skeptisch über die Aussicht demokratischer
Wahlen in Kambodscha waren. Ich muß zugeben, ich
ebenfalls. Aber in Zusammenarbeit mit dem mutigen
kambodschanischen Volk überwanden die Vereinten
Nationen enorme Schwierigkeiten. Das Ergebnis war
eine Wahl mit einer Beteiligung von über 90 Prozent,
der Amtsantritt einer konstitutionellen Regierung, die
Rückführung Hunderttausender Flüchtlinge und eine
drastische Schwächung der Roten Khmer.
In El Salvador trugen die Vereinten Nationen zur
Beendigung eines Konflikts bei, der70.000 Menschenleben forderte. Beobachter aller Seiten stimmen überein,
daß nur die Vereinten Nationen so erfolgreich bei der
Überwachung der Menschenrechte, der Zuweisung
der Verantwortung für begangene Greueltaten, der
Verifizierung der Durchführung des Friedensabkommens und der Bereitung des Weges für die Wahlen am
vergangenen Wochenende sein konnten, die - trotz
einiger signifikanter Probleme - immer noch die freiesten und friedlichsten in der Geschichte des Landes
waren. Wir erinnern uns, daß unsere Gesellschaft im
letzten Jahrzehnt einen hohen wirtschaftlichen, sozialen und politischen Preis bezahlte, als wir mit einer
unilateralen Reaktion auf die Konflikte in El Salvador
und andernorts in Mittelamerika kämpften.
In Zypern haben die Vereinten Nationen den Ausbruch
eines Krieges zwischen NATO-Partnern verhindert.
Durch die Präsenz der Vereinten Nationen auf den
Golanhöhen haben sie zur Erhaltung des Friedens
zwischen Israel und Syrien beigetragen.
In Namibia waren sie bei der Schaffung eines Außenpostens der Demokratie und Stabilität in einem strategischen Teil Afrikas behilflich.
In Mosambik bereiten die Vereinten Nationen Wahlen
für diesen Herbst und die Demobilisierung der Gruppen vor, die einen blutigen Bürgerkrieg führten.
Die Wahlbeobachter der Vereinten Nationen werden
im nächsten Monat in Südafrika vor Ort sein. Ihre
Mission besteht in der endgültigen Beendigung der
Apartheid und der Ermutigung eines erfolgreichen
Übergangs zu demokratischer Herrschaft. (Imübrigen
bestehen wir darauf, daß die Kosten dieser Mission
vom regulären UN-Budget getragen werden, statt vom
Etat für die Friedenssicherung).
Die UN-Sanktionen gegen den Irak harten zusammen
mit der UN-Präsenz an der kuwaitischen Grenze die
Ambitionen Saddam Husseins unter Kontrolle.
In Kroatien und Makedonien tragen die UN-Truppen
zur Verhinderung eines größeren Balkankrieges bei.
AMERIKA DIENST 13

In Bosnien arbeiten die Vereinten Nationen partnerschaftlich mit der NATO zusammen, um in Sarajevo
zumindest die Andeutung eines normalen Lebens zu
schaffen, den Flughafen von Tuzla zu öffnen, die
Versorgung mit humanitären Hilfsgütem für die Bedürftigsten aufrechtzuerhalten und Fortschritte für einen
ausgehandelten Frieden zu ermutigen.
Wir unterstützen diese Operationen, weil sie zu einer
weniger gewalttätigen, stabileren und demokratischeren Welt beitragen. Die Geschichte warnt uns, daß
größere Mächte oftmals in einen Kampf kleinerer
Mächte hineingezogen werden und nicht eingedämmte Aggression häufig zu noch mehr Aggression führt.
Es ist weitaus wirksamer und weniger gefährlich, die
Symptome globaler Unruhen bei ihrem Erscheinen zu
behandeln als abzuwarten, bis die Konsequenzen des
Konflikts in unmittelbare Nähe gerückt sind.
In dem Maße, in dem zukünftige Missionen erfolgreich
sind, werden sie die von uns geförderten Ziele zu
weitaus geringeren Kosten als bei einem Alleingang
derVereinigten Staaten erreichen. Wenn wir unilateral
handeln, tragen wir sämtliche Kosten und Risiken.
Wenn die Vereinten Nationen intervenieren, fällt die
Hauptlast anderen zu. Zu den derzeit 70.000 weltweit
stationierten UN-Blauhelmen steuern die Vereinigten
Staaten weniger als 5 Prozent bei. Amerika trägt 30
Prozent der Gesamtkosten, und wir haben zugesagt,
alles in unserer Macht Stehende zu unternehmen, um
diese Zahl bis Anfang 1996 auf 25 Prozent zu senken.
Die Kosten der Friedenssicherung: Der amerikanische Beitrag
Die Vereinigten Staaten waren und sind bei der UNFriedenssicherung der größte Geldgeber, und das
sollte niemand vergessen. Diese Tatsache spiegelt
unsere Position als ständiges Mitglied des UN-Sicherheitsrats und als führende Wirtschafts- und Militärmacht der Welt wider.
Das System für die Festsetzung der Kosten der Friedenssicherung wurde 1973 mit Unterstützung der
Vereinigten Staaten geschaffen. Diesem System
entsprechend müssen weniger entwickelte Nationen
nur einen Bruchteil ihres Anteils an den Kosten für die
Friedenssicherung im regulären UN-Haushalt zahlen.
Die Differenz wird von den Ständigen Mitgliedern des
Sicherheitsrats beglichen, was ihre besondere Verantwortung für friedenssichernde Operationen demonstriert.
Den Veränderungen in der Weltwirtschaft entsprechend stieg der von uns geschätzte Anteil an den
Kosten der Friedenssicherung in den vergangenen
Jahren von ungefähr 28 auf über 30 Prozent. Der
Zusammenbruch der Sowjetunion und der daraus
resultierende Rückgang an Beiträgen aus dieser Quelle
führte dazu, daß die Vereinten Nationen unsere Veranlagung sogar auf 31,7 Prozent anhoben. Wir haben
jedoch deutlich gemacht, daß wir diese jüngste VeränSeite 3

�derung nicht akzeptieren und lediglich einem Anteil
von 30,4 Prozent zustimmen, worauf auch unsere
Haushaltsplgnung basiert. Die Administration ist der
Ansicht, daß die Quote von 30,4 Prozent immer noch
zu hoch ist und gesenkt werden sollte.
Wir stellten fest, daß eine vor 20 Jahren niedriger
veranschlagte Anzahl von Ländern sich seit dieser Zeit
eines beträchtlichen Wirtschaftswachstums erfreut.
Es wäre gerechter, wenn diese Staaten zur Friedenssicherung zumindest einen ebenso großen Beitrag
leisten würden wie zu anderen Aufwendungen der
UNO.

te wichtiger Länder. Wir führen in New York und im
Ausland Konsultationen. Wir stellen fest, daß die
Generalversammlung im Frühjahr und Herbst dieses
Jahres unser Ersuchen um eine Veränderung des
derzeitigen Verteilungsschlüssels prüfen wird. Ich
kann Ihnen versichern, daß wir Sie weiterhin über alle
Entwicklungen auf dem laufenden halten werden.
Der Haushalt der Administration

Erfolgreiche Friedenssicherungsoperationen der Vereinten Nationen dienen unseren Interessen. Sie werden jedoch wahrscheinlich eher Erfolg haben, wenn
wir unserer Verpflichtung zu ihrer Finanzierung vollDeutschland und Japan entrichten jetzt zur Friedens- ständig nachgekommen sind und andere mit ihren
sicherung einen ihrer regulären Quote entsprechen- Zahlungen in Verzug geratene Mitgliedstaaten dazu
den Beitrag, der primär auf ihrem Anteil am weltweiten auffordern, ebenso zu handeln.
Einkommen basiert. Unter dem jetzigen System müßten
sie mehr bezahlen, wenn sie Ständige Mitglieder des Der Haushaltsentwurf des Präsidenten umfaßte 670
Millionen Dollar an zusätzlichen Ausgleichszahlungen,
Sicherheitsrats würden, was wir unterstützen.
um dem Großteil unserer Verpflichtungen für das
Vor zwanzig Jahren stimmten die Vereinten Nationen Haushaltsjahr 1994 nachzukommen. Da diesem Erzu, den amerikanischen Beitrag auf 25 Prozent des suchen nicht stattgegeben wurde, müssen wir jetzt regulären Haushalts zu begrenzen - deutlich weniger mit Ihrer Hilfe - einen anderen Weg finden, um dieses
als die 31,5 Prozent, die wir derzeit beisteuern. Ziel Geld aufzutreiben. Wir haben Ihren Unterausschuß
war es, eine übermäßige Abhängigkeit der Vereinten auch um die Bewilligung von 533 Millionen Dollar für
Nationen von einer einzigen Finanzquelle zu vermei- das Haushaltsjahr 1995 gebeten. Darunter fallen 288
den. Ein ähnlicher Gedanke könnte jetzt die Vereinten Millionen Dollar an zusätzlichen Zahlungen für unsere
Nationen vielleicht dazu bringen, den prozentualen geschätzten Erfordernisse im Finanzjahr 1994. Dazu
Anteil der Vereinigten Staaten an den Kosten der kommt noch ein Antrag von 75 Millionen Dollar an
freiwilligen Beiträgen für die Friedenssicherung, den
Friedenssicherung auf 25 Prozent zu begrenzen.
wir dem Unterausschuß für Auslandsoperationen vorEine Senkung des amerikanischen Beitrags zur Frie- legen.
denssicherung erfordert offensichtlich geschickte diplomatische Bemühungen. Lediglich den besonderen Da wir der Ansicht sind, daß das Außen- und VerteidiVerteilungsschlüssel abzuschaffen, würde beispiels- gungsministerium "gemeinsam" die Verantwortung für
weise nur dazu führen, daß mehr als zwei Drittel der Friedenssicherung tragen sollten, ersucht die AdminiUN-Mitgliedstaaten fünf- oder zehnmal so viel für die stration auch um eine Bewilligung in Höhe von 300
Friedenssicherung zahlen müßten wie zur Zeit.
Millionen Dollar für einen neuen Posten des Verteidigungsministeriums zur Friedenssicherung. Diese Zahl
Die Beibehaltung des derzeitigen Systems und gleich- basiert auf Schätzungen der Kosten friedenssichernzeitige Festsetzung der Höchstgrenze der amerikani- der Operationen, für die innerhalb der US-Regierung
schen Veranschlagung auf 25 Prozent würde die von das Verteidigungsministerium verantwortlich ist - die
den vier anderen Ständigen Mitgliedern des Sicher- Operationen, bei denen Kampfhandlungen oder die
heitsrats getragenen Kosten erhöhen.
Entsendung amerikanischer Kampfeinheiten wahrscheinlich sind. Das Außenministerium wird natürlich
Ich fürchte, wenn wir uns aus Frustration zu unilateraseine traditionelle diplomatische Verantwortung für
lem Handeln entschließen, werden wir letztlich nur
alle friedenssichernden Operationen und Aktivitäten
unseren eigenen Zahlungsrückstand erhöhen, für andere
beibehalten.
einen nachteiligen Präzedenzfall schaffen und möglicherweise unsere Führungsrolle bei den Vereinten
Nationen unterminieren.

Diese Haushaltsforderungen umfassen nicht die
möglichen Kosten neuer oder erweiterter Operationen
In Anbetracht dieser Schwierigkeiten prüfen wir aktiv an Orten wie Georgien oder Bosnien. Im vergangenen
unsere Optionen zur Erzielung einer niedrigeren Ver- Jahr machte die Administration den Vorschlag, einen
Fonds für eventuelle Friedenssicherungsoperationen
anschlagung.
zu errichten, was abgelehnt wurde. Wir haben keine
Wirhaben den Generalsekretär von unserer- und Ihrer andere Wahl, als unsere Forderungen weiterhin an die
- Entschlossenheit in Kenntnis gesetzt, dafür zu sor- geänderten Gegebenheiten anzupassen. Wir würden
gen, daß unsere Quote auf ein vernünftigeres Niveau uns über Anregungen Ihrerseits freuen, wie wir mit
herabgestuft wird. Daraufhin entsandte der General- diesen möglichen Kostensteigerungen umgehen könsekretär Emissäre zu Konsultationen in die Hauptstäd- nen.
Seite 4

AMERIKA DIENST 13

�Ich bitte Sie um Ihre Zustimmung zu unseren Haushaltsanträgen für die Friedenssicherung und unterstreiche dabei folgende drei Punkte:

zuversichtlich sagen könnte, daß wir unsere Rechnungen vollständig und prompt bezahlen. Das gilt sowohl
im Hinblick auf die Frage des Generalinspekteurs - auf
die Herr Bennet noch zu sprechen kommen wird - als
Erstens werden keine friedenssichernden Operatio- auch auf eine Senkung des amerikanischen Anteils an
nen beschlossen, wenn sie nicht von den UN-Mitglied- den Kosten der UN-Friedenssicherung.
staaten finanziell unterstützt werden. Die derzeitigen
finanziellen Engpässe komplizieren die Bestrebun- Eine angemessene Rolle für den Kongreß
gen, effizient zu planen, Reformen durchzuführen und
die für langfristige Einsparungen erforderlichen Inve- Amerika kann allein durch vollziehende Maßnahmen
stitionen zu tätigen. Die Vereinten Nationen sind mit keine fü hrende Rolle in internationalen Organisationen
ihren Zahlungen an die Truppen entsendenden Staa- spielen. Der Kongreß muß ebenso wie der Präsident
ten bereits in Verzug geraten. Wir wissen, daß einige eine bedeutende Rolle spielen, denn der Kongreß ist
Länder die UNO bereits davon in Kenntnis gesetzt ebenso wie der Präsident dem Volk gegenüber veranthaben, daß sie für zukünftige Operationen keine Trup- wortlich. Herr Vorsitzender, ich versichere Ihnen, daß
pen bereitstellen werden, bis die alten Rechnungen wir im Hinblick auf Finanzierung und Politik mit Ihnen
beglichen sind. Das erschwert die Suche nach zusätz- und Ihrem Unterausschuß zusammenarbeiten möchlichen Streitkräften für Orte wie Bosnien sowie die ten. Wir haben enge und regelmäßige Konsultationen
Aufrechterhaltung einer angemessenen Truppenprä- über alle Aspekte unserer Friedenssicherungspolitik
senz in Ländern wie Somalia. Das wiederum gefährdet begonnen und werden sie beibehalten.
den Erfolg solcher Operationen und setzt die dorthin
zur Friedenssicherung Entsandten größerer Gefahr In diesem Sinne werde ich meine Ausführungen mit
einem Zitat aus einer hervorragenden Studie zur Frieaus.
denssicherung beenden, die unter der SchirmherrZweitens ist es nicht schwierig, sich Situationen vorzu- schaft des Stimson Centers und mit Beteiligung von
stellen, in denen wir alle die Wahl treffen müssen, Representative Rogers vorbereitet wurde. Diese
entweder eine für unsere Interessen wichtige Opera- Schlußfolgerung ist auch eine gute Zusammenfastion abzulehnen oder uns für eine Operation zu ent- sung der Einstellung der Administration zur Friedensscheiden, für die uns die nötigen Gelder fehlen. Wir sicherung:
haben beispielsweise großes Interesse daran, daß die
Die Vereinigten Staaten können bei der Bewilligung
Konflikte in der ehemaligen Sowjetunion auf eine die
neuer friedenssichemder UN-Operationen so hart sein,
Vollständigkeit der neuen unabhängigen Staaten
wie sie wollen, und bei der Entscheidung über die
bewahrende Weise gelöst werden. Die Beteiligung der
Teilnahme amerikanischer Streitkräfte so wählerisch,
UNO ist ein Weg zur Erreichung dieses Ziels. Wenn
wie sie wünschen. Wird jedoch die Fähigkeit der UNO
die UN-Mitgliedstaaten jedoch keine Truppen stellen
zu friedenssichernden Operationen erfolgreich veraus Furcht, dafür nicht finanziell entschädigt zu werbessert, wird dasfürdie Vereinigten Staaten eine neue
den, besteht diese Option nicht mehr. So werden
sicherheitspolrtische Option darstellen, die nach Ermeiner Meinung nach große historische Fehler beganmessen der US-Regierung genutzt werden kann und
gen.
uns gestattet, die Notwendigkeit einer Entscheidung
Drittens könnte meine Fähigkeit zur Förderung unse- zwischen unilateralen Aktionen oder hilflosem und
rer reformorientierten Tagesordnung bei den Verein- untätigem Zusehen bei internationalen Konflikten und
ten Nationen entscheidend erhöht werden, wenn ich Greueltaten zu vermeiden.

*

AMERIKA DIENST 13

* * *

*

Seite 5

�CHEMIEWAFFEN
30. März 1994

HOLUM DRÄNGT AUF FRÜHZEITIGE RATIFIZIERUNG
DER CHEMIEWAFFENKONVENTION
Erklärung von ACDA-Direktor John Holum
WASHINGTON - (AD) - Die frühzeitige Ratifizierung der Chemiewaffenkonvention (CW-Konvention) wird "einen
äu ßerst wichtigen Präzedenzfall in der Rüstungskontrolle und eine sicherere Welt für uns alle schaffen", erklärte der
Direktor des US-Amts für Rüstungskontrolle und Abrüstung (U.S. Arms Control and Disarmament Agency - ACDA)
John Holum am 22. März 1994 vor dem Auswärtigen Ausschuß des Senats.
Er rief den Senat dazu auf, zügig seine Zustimmung zur Ratifizierung der CW-Konvention zu geben, damit sie zum
frühestmöglichen Zeitpunkt - im Januar 1995 - in Kraft treten kann.
Schnelles Handeln, so Holum, "wird anderen Ländern - Freunden und vor allem Gegnern - die unmißverständliche
Botschaft senden, daß die Vereinigten Staaten es ernst meinen" und "hinter einem neuen globalen Regime stehen,
das chemischen Waffen ein für allemal die angebliche Legitimität abspricht und ihre Weiterverbreitung stoppt".
Nachfolgend veröffentlichen wir Auszüge aus dem vorbereiteten Redetext von Direktor Holum.

Die Bedrohung durch Chemiewaffen
Die Ausschußmitglieder sind sich der mit Chemiewaffen einhergehenden Gefahren sehr wohl bewußt.
Während der Verhandlungen über die Konvention
konzentrierten wir uns auf die Notwendigkeit, die von
der Sowjetunion ausgehende Gefahr für die Vereinigten Staaten und die NATO zu beseitigen. Die Sowjetunion existiert nicht mehrund das Risiko, daß Rußland
die von der Sowjetunion geerbten Chemiewaffen gegen
die Vereinigten Staaten und die NATO einsetzt, hat
sich erheblich verringert. Die weltweite Bedrohung ist
jedoch angestiegen, und die Bedrohung durch Chemiewaffen ist heutzutage weitaus vielfältiger und
geographisch verstreuter als in der Vergangenheit.
Wir benötigen die Konvention wegen des russischen
Arsenals dieser Waffen, aber auch - vielleicht noch
mehr - als entscheidendes Werkzeug zur Beseitigung
anderer Chemiewaffenarsenale und zur Verhinderung
der Weiterverbreitung von Chemiewaffen.
Ungefähr 25 Nationen werden derzeit verdächtigt, sich
entweder im Besitz von Chemiewaffen oder der Fähigkeit zu ihrer Herstellung zu befinden. Dazu zählen der
Irak und Libyen, die nicht wegen ihrer Zurückhaltung
bekannt sind. Chemiewaffen werden als "Atombombe
der armen Länder" bezeichnet, weil sie aus Chemikalien hergestellt werden können, die zwar in vielen
Fällen einer Kontrolle unterliegen, aber dennoch käuflich erworben werden können. Heute werden die aus
AMERIKA DIENST 13

Chemiewaffen resultierenden Gefahren durch die
Produktion und potentielle Weiterverbreitung ballistischer Raketen verschärft, die einen Chemiewaff engefechtskopf Hunderte von Kilometern weit tragen können. Im Gegensatz zu der Hemmschwelle beim Einsatz von Atomwaffen ist diese beim Einsatz von Chemiewaffen erfahrungsgemäß weitaus niedriger.
Im 20. Jahrhundert wurden Atomwaffen nur einmal
eingesetzt - zur Beendigung des Kriegs im Pazifik.
Während dieses Zeitraums haben verschiedene Länder jedoch wiederholt zur Erreichung ihrer militärischen oder politischen Ziele Chemiewaffen verwendet. Im Ersten Weltkrieg wurde gegen unsere Soldaten Giftgas eingesetzt. Chemiewaffen wurden in den
dreißiger Jahren in Äthiopien, in den vierziger Jahren
in der Mandschurei und in den sechziger Jahren im
Jemen eingesetzt. Im Krieg zwischen Iran und Irak
wurden Chemiewaffen zur Alltäglichkeit. Saddam
Hussein bekämpfte 1989 die Rebellion der Kurden mit
Chemiewaffen. Und erst kürzlich im Golfkrieg sahen
sich unsere eigenen Soldaten der möglichen Bedrohung durch Chemiewaffen von seiten des Irak gegenüber.
Es ist von Bedeutung, daß drei Viertel der 25 Staaten
mit der Fähigkeit zum Bau von Chemiewaffen die CWKonvention unterzeichnet haben. Wir streben auch
ihre Ratifizierung sowie schließlich ihre universelle
Einhaltung an.
Seite 1

�Schlüsselelemente der CW-Konvention
Die CW-Konvention ist sowohl ein Abrüstungs- als
auch ein Nichtverbreitungsvertrag. Sie schafft einzigartige globale Normen gegen Chemiewaffen, die mit
der Zeit zur Beseitigung dieser ernsten Bedrohung für
unser Land und den Weltfrieden beitragen werden:
Präsident Clinton hat bereits betont, daß die
CW-Konvention eine ganze Kategorie von Massenvernichtungswaffen verbietet. Sieuntersagt
nicht nur jeglichen Einsatz dieser abscheulichen
Waffen, sondern praktisch auch alle anderen im
Zusammenhang mit Chemiewaffen stehenden
Aktivitäten. Darunter fallen ihre Beschaffung,
Entwicklung, Produktion, Lagerung, Beibehaltung und Verlegung durch eine Partei vom Tag
des Inkrafttretens der Konvention an.
Sie fordert die komplette Zerstörung von Chemiewaffen und ihrer Produktionseinrichtungen,
mit Ausnahme von Einrichtungen, deren Konversion für friedliche Zwecke die internationale
für die CW-Konvention zuständige Organisation explizit gestattet.
Sie untersagt jegliche militärische Vorbereitung
für den Einsatz von Chemiewaffen.
Sie stellt den ersten Rüstungskontrollvertrag
mit bedeutenden Auswirkungen auf den Privatsektordar. Aus diesem Grund ist die chemische
Industrie ausführlich konsultiert und an jeder
Phase der Verhandlungen beteiligt worden.
Sie ist der erste Rüstungskontrollvertrag, der
eine Strafe gegen Länder verhängt, die ihm
nicht beitreten.

jetzt in die Lage versetzen, heimliche Bestrebungen im
Chemiewaffenbereich zu identifizieren und entdekken. Im umfassendsten Sinne schaffen wir ein Netz
von Abschreckung, Entdeckung und möglichen Sanktionen, das den Anreiz fürden Bau chemischer Waffen
verringert.
Die Konvention verlangt auch von anderen Ländern
die sichere und umweltverträgliche Zerstörung ihrer
Chemiewaffenarsenale. Wir werden uns während
dieses Prozesses davon überzeugen können, daß
andere Länder ihren umweit- und sicherheitspolitischen Verpflichtungen nachkommen.
Schutz sicherheitsempfindlicher und vertraulicher
Informationen
Das Verifizierungsregime der CW-Konvention schafft
ein vernünftiges Gleichgewicht zwischen der Notwendigkeit zur Überprüfung der Vertragseinhaltung einerseits und dem Schutz sicherheitsempfindlicher staatlicher sowie eigentumsrechtlicher, nicht mit Chemiewaffen in Zusammenhang stehender Informationen
andererseits. Insbesondere die Bestimmungen der
Konvention über Ad-hoc-lnspektionen gestatten den
Vertragsparteien den Schutz solcher Informationen
durch die Regelung des Zugangs zu sicherheitsempfindlichen staatlichen oder privaten Einrichtungen.
Alle Inspektionen zur Verifizierung der Einhaltung der
CW-Konvention werden im Einklang mit der amerikanischen Verfassung durchgeführt. Die Gesetzgebung
zur Umsetzung der Konvention soll sicherstellen, daß
derartige Aktivitäten ohne Verletzung des verfassungsmäßigen Schutzes durchgeführt werden.
Vertraglich festgelegte Sanktionen

Wenn ein Land die Verpflichtungen der CW-Konvention nicht einhält, kann es mit gravierenden Strafen
Die Konvention enthält ein einzigartiges Verifizierungs- belegt werden. Eine Verletzung der Konvention geht
regime, das mit Bestimmungen für den Umgang mit mit einem spürbaren politischen Preis einher. In Fällen
Parteien gekoppelt ist, die ihren Verpflichtungen nicht ernsthafter Verletzungen kann die CW-Organisation
nachkommen. Die CW-Konvention ist der erste mul- die Verhängu ng kollektiver Sanktionen gegen ein Land
tilaterale Vertrag, der eingehende, kurzfristig anbe- empfehlen, das illegale Aktivitäten mit chemischen
raumte Ad-hoc-lnspektionen angegebener und nicht Waffen durchführt. In besonders gravierenden Fällen
muß sie die Angelegenheit der UN-Generalversammangegebener Lagerstätten verlangt.
lung und dem Sicherheitsrat zur Kenntnis bringen.
Durch die geforderten Angaben und Routineinspektio- Einzelpersonen und Unternehmen unterliegen ebennen werden Informationen über die Chemiewaffenfä- falls den Verboten der Konvention und können vor
higkeiten und Zerstörungstätigkeit anderer Staaten nationalen Gerichten angeklagt werden.
verfügbar. Wenn wir als Ergebnis dieser und durch
nachrichtendienstliche Mittel erworbener Informatio- Besorgnis über Staaten, die der Konvention nicht
nen ein anderes Land der illegalen Chemiewaffenakti- beitreten
vitäten verdächtigen, können wir unter dem Vertrag Ich möchte eine Frage aufwerfen: Warum sollten wir
Ad-hoc-lnspektionen vor Ort einleiten.
die CW-Konvention ratifizieren und unsere Chemiewaffen
aufgeben, wenn wir nicht sicher sein können,
Obwohl kein Vertrag hundertprozentig verifizierbar ist,
daß
auch
die Staaten beitreten, die uns den größten
wird die CW-Konvention das Risiko der Aufdeckung
Anlaß
zur
Sorge bereiten? Die Antwort auf diese
erhöhen und damit zur Abschreckung von illegalen
Frage
hat
drei
Teile. Erstens haben wir bereits die
Chemiewaffenaktivitäten beitragen. Ihre BestimmunEntscheidung
zur
Beseitigung eines Großteils unseres
gen zu Angaben und Inspektion werden uns besser als
Verifizierung

Seite 2

AMERIKA DIENST 13

�Chemiewaffenarsenals getroffen. Der Kongreß hat
das Verteidigungsministerium angewiesen, unseren
Bestand an mit Chemiewaffen bestückten Einzelgefechtsköpfen zu zerstören und Pläne zur Vernichtung
aller anderen von der CW-Konvention verbotenen
chemiewaffenfähigen Materialien zu erarbeiten. Wenn
wir einseitig unsere eigenen Chemiewaffen zerlegen,
ist es angebracht, auch die Zerstörung der Chemiewaffen anderer Länder anzustreben. Die Konvention
erlegt allen Parteien bindende Verpflichtungen auf,
dem Beispiel der Vereinigten Staaten Folge zu leisten.
Die Konvention ist also äußerst wertvoll, selbst wenn
einige wenige radikale Staaten anfänglich nicht beitreten.

über das Verbot von Chemiewaffen ausgesetzt. Wir
hoffen, daß die Staaten sich mit der Zeit der hohen
politischen und wirtschaftlichen Kosten eines Geächtetendaseins bewußt werden und die Mitgliedschaft
anstreben.
Das Entmilitarisierungsprogramm der Vereinigten Staaten

Unsere eigenen Verpflichtungen im Rahmen der
Konvention können sicher und fristgerecht eingehalten werden. Die Gefahr eines Lecks oder der Verseuchung durch die Lagerung hochtoxischer Chemiewaffen wiegt mögliche Risiken bei der Zerstörung unserer
Chemiewaffenbestände auf. Der nationale ForschungsZweitens sind wir überzeugt, daß die Antwort auf den rat gab diese Beurteilung in seinem Bericht über das
Einsatz chemischer Waffen nicht in Vergeltung mit Grundprogramm des US-Heeres (Army Baseline Prodenselben Mitteln bestehen darf, sondern vielmehr in gramm) über die Zerstörung unserer Chemiewaffen in
einem breiten Spektrum defensiver Maßnahmen - wie Hochtemperatur-Verbrennungsanlagen im vergangeFiltersystemen für Panzer und leichten Schutzanzü- nen Monat ab. Der nationale Forschungsrat erklärte:
gen - gekoppelt mit einer starken Verteidigung. Der "Das Grundprogramm hat sich als sicheres und effekGolfkrieg bot eine überzeugende realistische Gele- tives Entsorgungssystem des Bestands erwiesen...
genheit zur Demonstration, daß das amerikanische Verzögerungen bei der Entsorgung können nur das
Militär zur Abschreckung einer Bedrohung mit chemi- bereits bestehende Risiko versehentlichen Austretens
schen Waffen oder einer Reaktion darauf mit einer erhöhen ... und das Risiko der Entsorgung verschärüberlegenen konventionellen Streitmacht und Strate- fen, während der Zustand der Kampfstoffe und Munition sich weiterhin verschlechtert... Der Ausschuß
gie ausgezeichnet in der Lage ist.
vertritt die Auffassung, daß das Entsorgungsprogramm
Die US-Regierung ist sich seit langem der Notwendig- beschleunigt abgewickelt werden sollte."
keit der Beibehaltung unserer defensiven Chemiewaffenprogramme sowie der Notwendigkeit zur Hilfe für Zweifelsohne wird das Grundprogramm ein ernsthafLänder bewußt, die mit Chemiewaffen bedroht oder tes Risiko für die Gesundheit der Menschen und die
angegriffen werden. Die CW-Konvention gestattet Qualität unserer Umwelt beseitigen. Die Prüfung der
ausdrücklich beide Maßnahmen. Viele Länder sehen Zerstörung chemischer Waffen in naher Zukunft durch
diese Bestimmungen als einen maßgeblichen Anreiz, das Grundprogramm ist daher gleichermaßen gute
der Konvention beizutreten. Ich kann Ihnen versi- Umwertpolitik wie Rüstungskontrolle.
chern, daß die Vereinigten Staaten defensive Schutz- Unterstützung durch beide Parteien und entscheimaßnahmen entwickelt haben und dies auch in Zu- dende Wahlkreise
kunft tun werden, die unsere Streitkräfte gegen alle
Bedrohungen mit Chemiewaffen uneingeschränkt Herr Vorsitzender, ich möchte betonen, daß die Beschützen.
strebungen zur Ratifizierung ein anschauliches Beispiel der Überparteilichkeit und Kontinuität sind. Es
Der dritte Teil meiner Antwort auf die Frage, warum wir war nicht zuletzt Präsident Bushs großes persönliches
die CW-Konvention ratifizieren sollten, selbst wenn Engagement für das Verbot chemischer Waffen, das
einige Staaten nicht beitreten, lautet: Durch die Fest- die Vereinigten Staaten zum Abschluß dieses Versetzung einer globalen Norm gegen chemische Waf- trags bewegte, den die Vereinigten Staaten sieben
fen wird die Konvention den Vereinigten Staaten und Tage vor Beendigung seiner Amtszeit unterzeichneder internationalen Staatengemeinschaft effektivere ten. Präsident Clinton hat die Konvention ebenfalls zur
Druckmittel gegen radikale Regierungen zur Aufgabe außenpolitischen Priorität seiner Administration erihrer Chemiewaffenfähigkeiten an die Hand geben. klärt und dies in seiner Rede vor den Vereinten NatioDie CW-Konvention enthält darüber hinaus spezifi- nen im September vergangenen Jahres sowie in seische Verfügungen über die Bestrafungen von Län- nem Bericht zur Lage der Nation im Januar unterstridern, die nicht beitreten. Der Konvention nicht beitre- chen.
tende Staaten werden vom Handel zwischen den
Vertragspartnern mit bestimmten Chemikalien ausge- Schlußbemerkung
schlossen, die nicht nur für die Produktion von Chemiewaffen, sondern auch für die industrielle Entwick- Ich möchte meine heutigen Ausführungen mit dem
lung und das Wachstum von Bedeutung sind. Diese Punkt abschließen, mit dem ich begonnen habe - der
Staaten werden bald als Parias angesehen und inter- Bedrohung der Sicherheit unserer Nation und des
nationalem Druck zur Einhaltung der globalen Norm Weltfriedens durch chemische Waffen. Herr Vorsitzender, indem wir gemeinsam mit anderen Ländern
AMERIKA DIENST 13

Seite 3

�Chemiewaffen verbieten, haben wir eine wesentliche
Bedrohung der Zeit nach dem Kalten Krieg direkt in
Angriff genommen. Die Konvention wird auf lange
Sicht radikale Staaten von der Beschaffung und dem
Einsatz chemischer Waffen gegen unschuldige Menschen abhalten.

der abhalten, diesen gefährlichen Weg einzuschlagen.

Ich fordere den Senat zur eingehenden Beratung über
die Chemiewaffenkonvention und unverzüglichen
Zustimmung zur Ratifizierung auf. Andere Nationen
werden auf den Senat als deutliches Anzeichen des
Die Konvention wird chemische Waffen durch Engagements der Vereinigten Staaten fürdie Konvendie Festsetzung einer globalen Norm, die ihre tion und ihres möglichst baldigen Inkrafttretens blikEntwicklung, Produktion, Beschaffung, Lage- ken. Promptes Handeln des Senats wird anderen
rung, Beibehaltung, Verlegung und ihren Ein- Ländern - Freunden und vor allem Gegnern - die
unmißverständliche Botschaft aussenden, daß die
satz verbietet, ihrer Berechtigung berauben.
Vereinigten Staaten es ernst meinen. Sie werden
Sie wird die Verbreitung chemischer Waffen schlüssig beweisen, daß die Vereinigten Staaten voll
durch das Verbot verhindern, daß Vertragspar- und ganz hinter einem neuen globalen Regime stehen,
teien anderen bei ihrer Beschaffung behilflich das chemischen Waffen ein für allemal die angebliche
sind.
Legitimität abspricht und ihre Weiterverbreitung stoppt.
Die Führungsrolle der Vereinigten Staaten in dieser
Sie wird den künftigen Einsatz chemischer Waffen Angelegenheit wird die Wirksamkeit unserer anderen
durch die mögliche Verhängung von Sanktionen Rüstungskontrollbestrebungen verbessern - einschließgegen sie einsetzende Länder und die Bereit- lich eines umfassenden Teststoppvertrags und unbestellung von Hilfe für die Opfer stoppen.
grenzter Verlängerung des Nichtverbreitungsvertrags.
Sie wird im Völkerrecht eine Grundlage für die
Handhabung von CW-Programmen schaffen, Kurzum, die frühzeitige Ratifizierung der CW-Konvendie die globale und regionale Sicherheit bedro- tion wird die Führungsrolle der Vereinigten Staaten
untermauern, einen äußerst wichtigen Präzedenzfall
hen.
in der Rüstungskontrolle und eine sicherere Welt für
Schließlich wird die CW-Konvention die vielen uns alle schaffen.
zur Produktion von Chemiewaffen fähigen Län-

* * * * *

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AMERIKA DIENST 13

�AUSSENPOLITIK
30. März 1994

CLINTON SOLLTE NICHT UNTERSCHÄTZT WERDEN
von Samuel R. Berger
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir einen von Samuel R. Berger, dem Stellvertretenden
Nationalen Sicherheitsberater des Weißen Hauses herausgegebenen Artikel, der erstmals am 13. März 1994
in der Washington Post erschien.

Les Gelb vom Council on Foreign Relations verleiht
seiner Bestürzung darüber Ausdruck, daß die Außenpolitik der Clinton-Administration in der amerikanischen Öffentlichkeit populärer ist als unter "den Experten und Gelehrten" (Outlook, 5. März). Was für eine
wunderbare, ermutigende Kritik.

meinschaft demokratischer Marktwirtschaften zu vergrößern. Seit seiner Amtsübernahme hat der Präsident bei allen drei Zielen Fortschritte gemacht.

Er verabschiedete das Nordamerikanische Freihandelsabkommen NAFTA und verhalf den seit sieben
Jahren festgefahrenen Handelsgesprächen des GATT
Zudem behauptet Gelb, Präsident Clinton sei der Welt zu einem erfolgreichen Abschluß. Er richtete die
gegenüber gleichgültig und die Administration verfolge Aufmerksamkeit unserer Nation auf Asien, die Region
keine außenpolitische Strategie. Diese Behauptung der Welt mit dem dynamischsten Wachstum. Er führte
sollte einmal untersucht werden.
historische Vereinbarungen über die Beseitigung der
Atomwaffen in der Ukraine, Belarus und Kasachstan
Erstens sollte die triviale Kritik entkräftet werden, der herbei. Er stand an der Spitze der Bestrebungen, eine
Präsident wende keine Zeit für die Außenpolitik auf. Partnerschaft für den Frieden im Rahmen der NATO
Seit seinem Amtsantritt traf Präsident Clinton mehr als zu schaffen, die Osteuropa stärker in die sicherheitshundertmal mit führenden Politikern anderer Länder politische Zusammenarbeit der NATO einbindet. Er
zusammen, hielt mehr als ein Dutzend wichtiger au- wies das Verteidigungsministerium an, eine grundleßenpolitischer Reden, stattete acht Ländern einen gende Überprüfung unserer Verteidigungsfähigkeit
Staatsbesuch ab, traf bei drei Gipfeln mit Präsident durchzuführen - die erste umfassende Überprüfung
Jelzin zusammen, führte erstmals die Staats- und seit dem Ende des Kalten Krieges. Er gewann neue
Regierungschefs der asiatisch-pazifischen Staaten Unterstützung für die Reformen in der ehemaligen
zusammen, berief einen NATO-Gipfel ein und kündig- Sowjetunion. In kritischen Augenblicken verlieh er
te ein Gipfeltreffen der Länder des gesamten amerika- dem Nahostfriedensprozeß Beständigkeit und Initiatinischen Kontinents an. Wenn der Präsident versucht, ve.
nicht an der außenpolitischen Front tätig zu werden,
versagt er bei diesem Bemühen ganz kläglich.
Nach einjähriger frustrierender Arbeit zur Beendigung
des Konflikts in Bosnien und Milderung des Leidens
Zweitens soll die Behauptung unter die Lupe genom- der Opfer hat die führende Rolle des Präsidenten in der
men werden, Präsident Clinton habe in seinem ersten NATO jetzt zu einer Atempause für Sarajevo geführt,
Amtsjahr keine außenpolitischen Errungenschaften den Verhandlungen neuen Schwung verliehen und ein
zu verzeichnen. Von Beginn seines Wahlkampfes an Abkommen zwischen Bosniern und Kroaten hervorgeund während seiner ganzen bisherigen Amtszeit hat bracht, um wirklichen Frieden zu schaffen.
der Präsident deutlich gemacht, daß die Interessen
der Vereinigten Staaten in drei strategischen Zielen Diese Aktionen spiegeln die Entscheidungen eines
zusammengefaßt werden können: Die Wirtschaft zum Präsidenten wider, der versteht, daß in diesem neuen
Mittelpunkt der Außenpolitik zu machen, unsere Streit- Zeitalter Engagement im Ausland und Stärke im eigekräfte und Sicherheitspolitik an die neuen strategi- nen Land mehr als je zuvor miteinander verbunden
schen Gegebenheiten anzupassen und die Weltge- sind.

AMERIKA DIENST 13

Seite 1

�Der vielleicht größte von Gelb geäußerte Vorwurf
besagt, daß der Präsident - selbst wenn er Engagement zeige - keine außenpolitischen Überzeugungen
besitze. Wiederum belehren uns die Tatsachen eines
Besseren. Überzeugungen werden in Krisenzeiten auf
die Probe gestellt. Und der Präsident hat bei jeder
Gelegenheit den Test bestanden.

gestalten? Die Verabschiedung des NAFTA sendete
ein eindeutiges Signal an die Welt, daß Amerika sich
weiterhin engagiert.

Als unsere Soldaten im Herbst vergangenen Jahres in
Somalia Verluste zu beklagen hatten, die Amerikas
Entschlossenheit auf die Probe stellten, widersetzte
sich der Präsident entschieden den Rufen nach einem
Abbruch des Unternehmens. Präsident Clinton verstärkte unsere Truppen und gewährleistete die erforderliche Unterstützung. Aufgrund der Leistung der
Truppen - und der Führungsstärke des Präsidenten wurde den Somaliern eine ernsthafte Chance zum
Wiederaufbau ihrer Zukunft gegeben.

Präsident Clinton hielt diesen Meinungsumschwung
auf. Er hat sein Land bewegt. Vom NAFTA bis zum
Kampf um die Hilfe für Rußland artikuliert Präsident
Clinton, warum es für diejenigen außerhalb des Elfenbeinturms auf internationales Engagement ankommt,
warum Handelsabkommen bessere Arbeitsplätze
bedeuten, warum der Erfolg der russischen Reformen
eine sicherere Zukunft bedeutet, warum eine wiederbelebte NATO uns sicherer macht. Er weiß um die
Notwendigkeit, erneut eine Lanze für Internationalismus zu brechen. Und das tut er.

Dies war eine Leistung mit enormen Konsequenzen.
Wir müssen uns vor Augen führen, daß zur Zeit der
Amtsübernahme des Präsidenten viele Menschen das
Verhältnis zwischen Innen- und Außenpolitik als NullAls am 3. Oktober vergangenen Jahres die russische summenspiel zu sehen begonnen hatten: Jeder Tag,
Demokratie von ehemals kommunistischen verschwö- den sich ein Präsident mit auswärtigen Angelegenheirerischen Putschisten bedroht wurde, handelte Präsi- ten befaßte, wurde als Tag betrachtet, der nicht zur
dent Clinton unverzüglich zur Unterstützung der russi- Schaffung von Arbeitsplätzen und Wachstum im Inschen Reformkräfte durch die Amerikaner. Sein In- land verwendet wurde. Wie die Experten mit berechstinkt demonstriert das eindeutige, dauerhafte Interes- tigter Sorge feststellten, befanden wir uns kurz vor
se unserer Nation an einem demokratischen Rußland, einem Umschwung der öffentlichen Meinung zu Isolationismus.
das in Frieden mit seinen Nachbarn lebt.

Als sich der Druck nach weiteren Kürzungen des für
unsere Sicherheit unabdingbaren Verteidigungshaushalts verstärkte, hätte ein sich nur mit innenpolitischen
Initiativen befassender Präsident vielleicht unsere
nationale Sicherheit unterbewertet. Präsident Clinton
tat das nicht. Er wandte sich strikt gegen weitere
Kürzungen, weil unser Militär seiner Ansicht nach in
der Lage sein muß, die gesamte Bandbreite von
Bedrohungen in diesem Bereich zu bewältigen.
Und als sich intensiver Widerstand gegen das Nordamerikanische Freihandelsabkommen breitmachte,
hätte ein Präsident "ohne Entschlußkraft" seine Unterstützung für das Abkommen auf ein Minimum begrenzt. Dieser Präsident verteidigte seine Position und
stellte seine Führungsstärke unter Beweis. Er überzeugte die Unentschlossenen mit stichhaltigen und leidenschaftlichen Argumenten.
Die Debatte überdasNAFTA war ein Wendepunkt. Es
ging nicht nur um die Schaffung einer Freihandelszone
mit Mexiko. Es ging in der Tat um sehr viel mehr als
Wirtschaft. Grundsätzlich gesehen, war es eine historische Entscheidung: Würden sich die Vereinigten
Staaten mit dem Ende des Kalten Krieges und angesichts tiefgreifender Veränderungen nach innen wenden oder die Veränderungen der Welt zu ihrem Vorteil

Hat diese Administration alle Antworten auf die sich
wandelnde Welt? Nein. Wir befinden uns zweifelsohne in einer Zeit im Fluß, die von großer Unsicherheit
gekennzeichnet ist. Ebenso wie in der Nachkriegszeit
ist die Schaffung einer neuen Zeit nicht eine Sache von
sechs Tagen. Es kann Jahre dauerhafter öffentlicher
Unterstützung erfordern, bis Schlüsselaspekte unseres Engagements Fuß fassen. Müssen wir mehr zum
Aufbau dieser Unterstützung unternehmen? Definitiv.
Und natürlich ist Erfolg bei auswärtigen Angelegenheiten nie garantiert. Der heutige Kampf um die Zukunft
der Reformen in Rußland ist unsicher und unberechenbar. Trotz des im Weißen Haus gefeierten Durchbruchs im vergangenen Jahr kann keiner davon ausgehen, daß der Frieden im Nahen Osten über Nacht
kommt.
Konstant bleiben die amerikanischen Interessen. Im
vergangenen Jahr hat Präsident Clinton bei der Verfolgung dieser Interessen energische Führungsstärke
bewiesen. Und aufgrund seiner Führungsrolle ist
unsere Nation heute sicherer. Das amerikanische
Volk scheint das besser zu verstehen als einige Experten und Gelehrte.

* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 13

�FILM
30. März 1994

ZEHN OSCARS FÜR SPIELBERGS FILME
Oscar-Verleihung 1994
Am Ende war die "Liste" lang, umfassend und wirklich stellung und erhielt die begehrte Trophäe für die Verkörperung einer etwas weltfremden, stummen, per
verdient.
Heiratsannonce vermittelten schottischen EhepartneSchindlers Liste, Steven Spielbergs ergreifende, in rin im Neuseeland des 19. Jahrhunderts in Das Piano.
schwarzweiß gedrehte Darstellung eines Kapitels im Und Tommy Lee Jones, einer der handwerklich besten
europäischen Holocaust-dem methodischen Genozid Schauspieler Hollywoods, wurde endlich für seine
der Nazis an Juden und anderen Menschen im Zweiten Arbeit als verbissener Detektiv in Auf der Flucht
Weltkrieg - beherrschte die 66. Oscar-Verleihung am ausgezeichnet, einem der spannendsten Thriller des
21. März 1994. Der Film gewann sieben Oscars, unter Jahres 1993.
anderem als bester Film, fürdie beste Regie, das beste
Drehbuch und die beste Original-Filmmusik.
In einer Nacht weniger Überraschungen war die Kategorie der besten Nebendarsteller das einzig wirklich
Genau 20 Jahre nach seinem ersten Filmdrama The Aufregende. Trotz der überragenden Darstellung von
Sugarland Express erhielt Spielberg endlich die Emma Thompson in Im Namen des Vaters, von
künstlerische Anerkennung der Academy of Motion Hunter in Die Firma (eine seltene DoppelnominiePicture Arts and Sciences, die er die ganze Zeit rung), von Wiona Ryder in Zeit der Unschuld und
während "der längsten Durststrecke meines Lebens", Rosie Perez in Furchtlos, ging die Trophäe an die
wie er es bezeichnete, gesucht hatte. Seine vorheri- Neuseeländerin Anna Paquin. Die 11 jährige Paquin ist
gen Filme, die Milliarden Dollar für die Studios einspiel- die zweitjüngste Oscarpreisträgerin (Tatum O'Neal
ten und Millionen Kinofans unterhielten, wurden im gewann den Oscar mit 10) und wurde für ihre beeingroßen und ganzen bei den Oscar-Verleihungen igno- druckende Verkörperung von Hunters Tochter in Das
riert.
Piano ausgewählt. Die kurze Atemlosigkeit der kleiDieses Mal gewann er nicht nur mit Schindlers Liste, nen Paquin als sie zum Podium ging, um die Auszeichauch sein ebenfalls 1993 in die Kinos gekommener nung von Schaupieler Gene Hackman entgegenzuKassenschlager Jurassic Park wurde mit drei Oscars nehmen, unterstrich ihre Überraschung.
für Spezialeffekte ausgezeichnet.

In gewisser Weise war der Erfolg der romantischen
Komödie
Belle Epoque, Spaniens Beitrag zur KateIn einem Jahr spannender, provokativer Filme - fraglos
gorie
der
fremdsprachigen Filme, unerwartet, angeeinem der besten für Qualitätsfilme in den vergangesichts
überzeugender
anderer Favoriten, von denen
nen Jahren-ragte die Geschichte von Oskar Schindler
drei
aus
Asien
kamen
Lebe wohl meine Konkubine
besonders heraus, einem Nazi-Geschäftsmann, der
(Hongkong),
Das
Hochzeitsbankett
(Taiwan) und
durch das "Mysterium des Guten", wie Schauspieler
Der
Duft
von
grünen
Papayas
(Vietnam)
- sowie
Richard Dreyfuss es bei der Zeremonie beschrieb,
Englands
Beitrag
in
walisischem
Dialekt
Hedd
Wyn.
über 1.200 Juden vor dem sicheren Tod rettete.
Unter der Regie von Fernando Trueba hat Belle EpoSchindlers Liste war jedoch nicht der einzige Erfolg que bereits neun entsprechende Auszeichnungen in
bei der Oscar-Verleihung, die von Los Angeles welt- Spanien gewonnen.
weit live über Satellit übertragen wurde.
Im Gegensatz zu der Zeremonie von 1993, bei der
Tom Hanks gewann den ersten Oscar seiner Karriere einige Teilnehmer kontroverse politische Erklärungen
für seine beeindruckende Darstellung eines AIDS- abgaben, war die Oscar-Verleihung von 1994 eher
infizierten Rechtsanwalts in Philadelphia, der hart- zurückhaltend, wenn auch feierlich und manchmal
näckig gegen die Entlassung aus einer Anwaltssozie- wirklich bewegend. In hohem Maße war dies eine
tät kämpft, während die Krankheit seinen Körper zer- direkte Folge der Themen, mit denen sich die von der
stört. Die zum ersten Mal mit einem Oscar geehrte Kritik besonders gelobten Filme des Jahres 1993
Holly Hunter ist bekannt für ihre ausdrucksvolle Dar- befaßten. Die Ernsthaftigkeit der abstimmenden
AMERIKA DIENST 13

Sehe 1

�Academy-Mitglieder erstreckte sich in der Tat sogar Die Erinnerung war letztlich auch das Thema von
auf Kategorien wie Dokumentarfilme. Hier gingen die Spielbergs Worten bei der Entgegennahme des OsTrophäen an Filmemacher, die Träume und Hoffnun- car. Alserauf der Bühne den Oscarfürdiebeste Regie
gen junger schwarzer Grundschüler erforschten (I Am entgegennahm, ordnete er diesen Sieg in den historiThe Promise) sowie an Defending Our Lives, der schen Zusammenhang ein und sprach von dem Überden nicht allzu leisen Kampf von Opfern häuslicher lebenden des Holocaust, der die Geschichte dem
Schriftsteller Thomas Keneally erzählte, der dann das
Gewalt behandelt.
Buch schrieb, von dem Studioboß bei Universal PicPaul Newman umschrieb diesen Geist, als er den tures, der Spielberg auf das Buch aufmerksam geJean-Hersholt-Preis für humanitäres Engagement - macht hatte, von den 92 Tage dauernden Dreharbeieinen der beiden Ehren-Oscars (den anderen erhielt ten in Polen und den sechs Millionen, "die das nicht
Deborah Kerr für ihr Lebenswerk) - für seine humani- mehr erleben können".
tären Bestrebungen im Laufe der Jahre zur Unterstützung von Kinderhilfsprogrammen und Bedürftigen Einige Minuten später kehrte er mit den Ko-Produzenentgegennahm.
ten Lustig und Jerry Axelson auf die Bühne zurück und
nahm den Oscar für den besten Film entgegen.
"Meines Erachtens werden wir allzuoft daran erinnert,
was in diesem Land nicht funktioniert", äu ßerte er, "und "Ich rufe alle Lehrer, die diesen Film sehen, eindringnicht oft genug an das, was funktioniert". Ich halte die lich auf: Lassen Sie bitte nicht zu, daß der Holocaust
Vereinigten Staaten für das großzügigste Land der zu einer Fu ßnote der Geschichte wird. Bitte lehren Sie
Erde. In unserer Nation sind meiner Meinung nach das in Ihren Schulen. Es gibt 350.000 Zeitzeugen, die
Künstler und Entertainer... die freigebigste Gruppe in ihr Leben der Erinnerungs- und Aufklärungsarbeit
den Vereinigten Staaten - nicht nur im Hinblick auf widmen wollen. Hören Sie bitte auf die Worte, auf die
Geld, sondern auf Inspiration, Mühe, Zeit, Engage- Echos und die Geister."
ment und Risiko."
Oscar-Verleihung 1994
Dieses Jahr versagten mehr Mitwirkenden vor Rührung die Stimme und es wurden mehr echte Tränen Bester Film:
vergossen als üblich - in gewisser Weise ein schwei- Schindlers Liste
gender Tribut an diejenigen, die entweder durch Krank- Bester Hauptdarsteller:
heit oder politische Verfolgung zu früh starben.
Tom Hanks in Philadelphia
Mit dem Oscar für den besten Hauptdarsteller in der
Hand grüßte Tom Hanks diejenigen, die wie die von Beste Hauptdarstellerin:
ihm verkörperte Figur unter AIDS leiden. "Wir kennen Holly Hunter in Das Piano
ihre Namen. Auf jedes rote Band, das wir heute abend
Bester Nebendarsteller:
tragen, kommen tausend", teilte er mit.
Tommy Lee Jones in Auf der Flucht
"Sie alle ruhen bei unserem gnädigen Schöpfer, in
seiner heilenden Umarmung, die ihr Fieber kühlt, sie Beste Nebendarstellerin:
reinigt und ihnen eine einfache, selbstverständliche Anna Paquin in Das Piano
Wahrheit von Augen führt... die von klugen, toleranten
Männern vor 200 Jahren in Philadelphia niederge- Beste Regie:
schrieben wurde."(Ein ironischer Hinweis auf den Titel Steven Spielberg für Schindlers Liste
des Films, der Bezug nimmt auf das "unveräußerliche"
Recht auf Leben, Freiheit und das Streben nach Glück, Bester fremdsprachiger Film:
das in der in Philadelphia von den Gründervätern der Belle Epoque
Vereinigten Staaten verfaßten Unabhängigkeitserklärung niedergeschrieben wurde).
Bestes Original-Drehbuch:
Jane Champion für Das Piano
"Ich war die Nummer 83317". Mit dieser sachlichen
Feststellung nahm der Überlebende des Holocaust Bestes Drehbuch nach Vorlage:
Branko Lustig seinen Oscar als Ko-Produzent von Steven Zaillian für Schindlers Liste
"Schindlers Liste" entgegen und sprach die Hoffnung
aus, er habe "seine Pflicht gegenüber den unschuldi- Beste Kamera:
gen Opfern des Holocaust erfüllt".
Janusz Kaminski in Schindlers Liste
"Der Weg von Auschwitz auf diese Bühne ist lang. Im
Lager starben die Menschen vor meinen Augen. Ihre
letzten Worte waren: "Du sollst von meinem Mord
Zeugnis ablegen. Sage der Welt, wie ich starb. Halte
die Erinnerung wach."
Seite 2

Bester Schnitt:
Michael Kahn in Schindlers Liste

AMERIKA DIENST 13

�Beste Original-Filmmusik:
John Williams in Schindlers Liste

Beste Tontechnik:
Jurassic Park

Bester Titelsong:
Bruce Springsteen in Philadelphia

Beste Bildtechnik:
Jurassic Park

Bester Dokumentarfilm:
I Am The Promise: The Children of Stanton
Elementary School

Bestes Make-up:
Mrs. Doubtfire
Bester Kurzfilm:
Schwarzfahrer

Bester Dokumentar-Kurzfilm:
Defending our Lives

Bester Trickfilm:
The Wrong Trousers

t

Beste Kostüme:
Gabriella Pescucci in Zeit der Unschuld

i

Beste Ausstattung:
Alan Starski und Ewa Braun in Schindlers Liste
Bester Ton:
Jurassic Park

Jean-Hersholt-Preis für humanitäres Engagement:
Paul Newman
Oscar für das Lebenswerk:
Deborah Kerr

* * * *

AMERIKA DIENST 13

*

Seite 3

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                <text>&lt;strong&gt;1. Nordkorea&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Perry: "Zur Zeit keine Krise"&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Vereinigte Staaten ergreifen "wohlüberlegte" defensive Maßnahmen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. UNO&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA arbeiten auf glaubwürdige, kostengünstige UN-Friedenssicherung hin&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Botschafterin Albright vor Kongreß-Unterausschuß&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Chemiewaffen&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Holum drängt auf frühzeitige Ratifizierung der Chemiewaffenkonvention&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung von ACDA-Direktor John Holum&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Außenpolitik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Clinton sollte nicht unterschätzt werden&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Samuel R. Berger&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Film&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Zehn Oscars für Spielbergs Filme&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Oscar-Verleihung 1994&lt;/em&gt;</text>
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amcrika
dienet

Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

S T » N *'

Z12462 C

13. April 1994

14

&gt;

BOSNIEN

CLINTON: LUFTANGRIFFE DER NATO
IM EINKLANG MIT UNO-POLITIK
Erklärungen des Präsidenten

LAKE: BOSNISCH-KROATISCHES
ABKOMMEN SETZT SERBEN UNTER
DRUCK
Rede an der Johns Hopkins
University

ABRÜSTUNG

DAS NUNN-LUGAR-PROGRAMM
Übersicht des Amts für
Rüstungskontrolle und
Abrüstung

EXPORTKONTROLLEN

USA UND VERBÜNDETE
GRÜNDEN NEUE
EXPORTKONTROLLGRUPPE
Ankündigung des
Wirtschaftsministeriums

MENSCHENRECHTE

FÖRDERUNG VON DEMOKRATIE UND
MENSCHENRECHTEN
John Shattuck über das Hauptziel
der US-Außenpolitik
bitte wenden

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.:0228-33923 72
Fax:0228-33 4102

�.

DROGEN

WICHTIGE UND DAUERHAFTE
ERFOLGE BEIM KAMPF GEGEN
DROGEN ERZIELT
Bericht des Außenministeriums

BILDUNG

CLINTON UNTERZEICHNET GESETZ
FÜR UMFASSENDE REFORM DES
BILDUNGSWESENS
"Goals 20Ö0" stellt neue Normen auf

LANDESKUNDE

HAUPTSTADTBESUCHE
von Patricia Harris und David Lyon

4

&amp;

Wir bitten unsere Leser um Verständnis,
daß der Amerika Dienst letzte Woche aus
technischen Gründen nicht erscheinen konnte.

r

*.

�BOSNIEN
13. April 1994

CLINTON: LUFTANGRIFFE DER NATO
IN EINKLANG MIT UNO-POLITIK
Erklärungen des Präsidenten
WASHINGTON - (AD) - Die jüngsten Luftangriffe der NATO gegen serbische Ziele in Bosnien waren "eine
direkte Antwort" auf die Bitte um Luftunterstützung von General Michael Rose, dem UN-Kommandeur in
Bosnien, und wurden "voll und ganz im Einklang" mit der bestehenden UN-Politik durchgeführt, erklärte
Präsident Clinton.
Bei einem Phototermin im Weißen Haus am 11. April 1994 erläuterte der Präsident, warum die NATOLuftstreitkräfte zum zweiten Mal binnen 24 Stunden auf eine Bitte der UN-Schutztruppe UNPROFOR reagierten.
"Die andauernde Bombardierung Gorazdes durch die Serben gefährdete das dort stationierte UN-Personal",
stellte Clinton fest. Die Vereinten Nationen, betonte er, "wollen die Serben zur Einstellung der Bombardierung
... zum Rückzug und zur Wiederaufnahme der Verhandlungen veranlassen".
In einer am 10. April 1994 nach dem NATO-Luftangriff gegen die Gorazde belagernden serbischen Streitkräfte
abgegebenen Erklärung äußerte Clinton, das Vorgehen des Bündnisses sei "ein klarer Ausdruck des Willens
der NATO und ein eindeutiger Appell an die Serben, sich aus Gorazde zurückzuziehen und die Verhandlungen
wiederaufzunehmen".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärungen von Präsident Clinton im Wortlaut.

Frage: Was können Sie uns zu den jüngsten
Luftangriffen in Bosnien sagen?
Antwort: Die jüngsten Luftangriffe waren eine
direkte Antwort auf General Roses Bitte um
Luftunterstützung. Die andauernde Bombardierung
Gorazdes durch die Serben gefährdete das dort
stationierte UNO-Personal, und die Luftangriffe
wurden voll und ganz im Einklang mit der
bestehenden UN-Politik durchgeführt.
Frage: Können Sie uns sagen, wieviele Flugzeuge
welcher Art eingesetzt und welche Ziele getroffen
wurden?

ermutigen die Serben zum Rückzug aus der
Schutzzone sowie zur Wiederaufnahme der
Verhandlungen und Einstellung der Bombardierung.
Wenn die Vereinten Nationen bei der Durchführung
ihrer Aufgabe einem Risiko ausgesetzt werden,
können sie um Luftunterstützung der NATO bitten.
Das haben sie getan, und wir haben alles in unserer
Macht Stehende getan, um diese Unterstützung
bereitzustellen.
Frage: Sind wir nur um das UNO-Personal besorgt?

Antwort: Sie haben Ziele getroffen, und über die
Einzelheiten werden Sie noch informiert.

Antwort: Die UNO-Resolution erteilt der NATO die
Befugnis zu handeln. Wir handeln ausschließlich im
Rahmen der vom Sicherheitsrat verabschiedeten
bestehenden UNO-Resolution.

Frage:
Werden die Vereinten Nationen die
Einwohner von Gorazde verteidigen?

Frage: Würde man wie in Sarajevo eine Sperrzone
um Gorazde errichten?

Antwort:
Die Vereinten Nationen führen ihre
Mission dort aus und versuchen, Gorazde wieder
wie vereinbart zu einer Schutzzone zu machen. Sie

Antwort: Die Vereinten Nationen wollen die Serben
zur Einstellung der Bombardierung, zum Rückzug
und zur Wiederaufnahme der Verhandlungen

AMERIKA DIENST 14

Seite 1

�veranlassen. Ich möchte es nicht unbedingt mit
Sarajevo vergleichen. Es gibt einige taktische und
faktische Unterschiede. Die NATO hat nur auf die
Bitte um Luftunterstützung bei der Durchführung der
UNO-Mission reagiert.
Frage: Haben Sie mit Präsident Jelzin über diese
jüngsten...
Antwort: Nein, ich habe gestern abend mit ihm
gesprochen, und heute ist er nicht in der Stadt. Wir
hatten gestern abend ein ziemlich langes Gespräch.
Ich habe ihm erklärt, daß sich die Situation von der
in Sarajevo unterscheidet. Es gab eine gültige UNPolitik, die gleiche Politik, gemäß der wir handelten,
als die Flugzeuge vor einigen Wochen
abgeschossen wurden, daß wir aber meines
Erachtens enge Koordinierung mit den Russen
haben sollten. Schließlich sind die Russen Teil der
UNPROFOR-Delegation hier. Sie haben Soldaten
am Boden in Bosnien stationiert. Wir hatten ein
gutes Gespräch. Meines Wissens wurden heute
zwischen dem amerikanischen Außenminister und
seinem Amtskollegen sowie zwischen den
Verteidigungsministern weitere Gespräche geführt.
Sie haben eine entscheidende Rolle zu spielen,
wenn die Friedensgespräche wiederaufgenommen
werden, was ich hoffe.
Wie gesagt, wir hatten ein gutes Gespräch. Ich
habe ihm erklärt, was geschehen ist. Am Anfang
war er - glaube ich - besorgt, daß er nicht vorher
darüber informiert worden war. Ich habe genau
erläutert, was geschehen ist - daß die Vereinten
Nationen darum gebeten haben und Generalsekretär
Boutros-Ghali am Tag davor eine Presseerklärung
herausgegeben hatte, in der er sich für diese Aktion
aussprach, wenn die Bombardierung nicht eingestellt
würde, General Rose die entsprechende
Genehmigung von den Zivilbehörden in Bosnien
erhalten hatte, zu dieser Aktion Befugnis erteilt
wurde und ich in der Annahme war, daß die
Vereinten Nationen alle UNPROFOR-Mitglieder
darüber in Kenntnis gesetzt hätten, es sich aber um
nichts Neues oder anderes handelte.
In solchen Fällen hat man oft nicht viel Zeit. Wie Sie
wissen, hatten wir nur etwa eine halbe bis
anderthalb Stunden für die Entscheidung. Ich weiß
nicht genau, wieviel Zeit, aber wir haben meines
Erachtens unter den Umständen absolut richtig
reagiert.
Während heute Verhandlungen über einen
Waffenstillstand in Bosnien geführt wurden,
begannen die Serben einen neuen Angriff auf
Gorazde. Diese Angriffe haben zu vielen Opfern
geführt und das dortige UNO-Personal gefährdet.

Seite 2

Der Kommandeur der UNPROFOR, General Rose,
ersuchte und erhielt von den UN-Zivilbehörden die
Genehmigung für Luftunterstützung durch die NATO.
Entsprechend der derzeitigen Befugnis und Politik
reagierten die Streitkräfte der NATO unverzüglich.
Unter dem Kommando der NATO stehende
amerikanische F-16-Kampfflugzeuge griffen
mindestens ein von der UNPROFOR identifiziertes
Ziel an. Der NATO unterstehende französische
Flugzeuge nehmen keine Einschätzung der
entstandenen Schäden vor.
Wir haben erklärt, wir würden handeln, wenn wir
darum gebeten würden. Jetzt haben wir das getan
und werden es wieder tun, wenn man uns darum
ersucht. Die Serben sollten ihre Angriffe auf Gorazde
einstellen und sich zurückziehen. Die Gespräche
über eine Beendigung der Feindseligkeiten in
Bosnien sollten wiederaufgenommen werden. Wir
befanden uns bei diesen Gesprächen an einem
wichtigen Punkt, als diese Angriffe ihren Verlauf
unterbrachen, und ich hoffe stark, daß die Angriffe
jetzt eingestellt werden, die Serben sich zurückziehen
und die Gespräche über eine Einstellung der
Feindseligkeiten fortgesetzt werden.
Ich habe viel Vertrauen in die Entschlossenheit von
General Rose. Wir unterstützen ausdrücklich seine
Entscheidung, und ich begrüße die schnelle Reaktion
der Zivilbehörden der Vereinten Nationen.
Frage: Was denken Sie über eine serbische
Vergeltung?
Antwort: Wir haben keinen Grund, damit zu
rechnen. Wir haben Vergeltung geübt. Die Vereinten
Nationen haben eindeutig klargestellt, daß sich UNOPersonal in Gorazde befand und ein Angriff auf die
Stadt als eindeutige Verletzung der Regeln
interpretiert würde. Und es geschah trotzdem.
General Rose bat um Luftunterstützung, die
Zivilbehörden genehmigten sie prompt und wir
unterstützten sie.
Frage: Nach dem Luftangriff gab es Berichte, es
seien Luftabwehrraketen in die Vorstädte geschossen
worden - auf die Häuser.
Antwort: Das kann ich zum jetzigen Zeitpunkt nicht
bestätigen.
Frage: Herr Präsident, wußten sie von dem
Luftangriff, bevor er begann?
Antwort: Wir wußten vor seinem Beginn, daß
General Rose darum gebeten hatte. Es geschah
alles sehr schnell. Es verging nicht viel Zeit zwischen
seinem Ersuchen um Unterstützung durch die

AMERIKA DIENST 14

�Zivilbehörden und ihre Gewährung. Wir haben diese
Entwicklung genau verfolgt.
An zwei
aufeinanderfolgenden Tagen - Donnerstag und
Freitag - habe ich mit dem Außenminister, dem
Verteidigungsminister und dem Nationalen
Sicherheitsberater über dieses Thema gesprochen.
Ich wurde gestern informiert, und wir sprachen heute
morgen erneut zusammen. Es wurde klar, daß
General Rose wahrscheinlich das Ersuchen stellen
würde, und als er das tat, wurden wir informiert,
sobald Herr Akashi ihm stattgab.

Frage: Sind Sie der Ansicht, daß der Angriff in
Bosnien ein einmaliger Vorfall war? Glauben Sie,
daß wir unsere Luftstreitmacht dort erneut einsetzen
müssen?

Frage: Was wird ihrer Meinung nach als nächstes
geschehen? Glauben Sie, daß das alles war, oder
fürchten Sie, die NATO muß erneut zuschlagen?
Antwort: Das weiß ich nicht. Wir müssen fest
bleiben. Wir haben in der Vergangenheit gesehen,
daß es den Verhandlungen förderlich war, wenn wir
eine UNO-Mission entschieden unterstützten.
Genau das versuchen wir: Die Verhandlungen zu
fördern.
Ich würde gerne noch einen weiteren Kommentar
anfügen. Wie Sie alle wissen, liegt uns die
Sicherheit der in Ruanda lebenden Amerikaner sehr
am Herzen. Soweit wir wissen, sind die letzten
Konvois mit allen Amerikanern, die das Land
verlassen wollen, entweder bereits in Burundi oder
auf dem Weg dorthin.

*

AMERIKA DIENST 14

Im Namen unserer ganzen Nation möchte ich
unserem Botschafter in Ruanda, Botschafter Rawson,
ein besonderes Wort des Dankes dafür aussprechen,
wie er mit den Problemen umging und die Sicherheit
der amerikanischen Bürger in dieser äußerst
schwierigen Situation garantierte. Darüber kann
morgen vielleicht noch mehr gesagt werden. Zum
jetzigen Zeitpunkt sollten wir ihm alle für das dankbar
sein, was er für die Sicherheit unserer Bürger getan
hat.

Antwort: Meines Erachtens müssen wir dazu bereit
sein. Ich habe jedoch keinen Grund, die eine oder
andere Ansicht zu vertreten.
Ich bin nicht
hoffnungsvoll und nicht skeptisch. Ich bin lediglich
der Meinung, daß die Führung dort nicht sehr straff
ist, die Kommunikationswege nicht so lückenlos.
Vielleicht geschah etwas, für das von seiten der
Kommandozentrale der bosnischen Serben keine
Genehmigung erteilt wurde. Meines Erachtens ist
das ein klarer Ausdruck des Willens der NATO, der
Vereinten Nationen und der UNPROFOR-Operation.
Es ist ein eindeutiger Appell an die Serben, sich aus
Gorazde zurückzuziehen und die Verhandlungen
wiederaufzunehmen.

* * *

*

Seite 3

�BOSNIEN
13. April 1994

LAKE: BOSNISCH-KROATISCHES ABKOMMEN
SETZT SERBEN UNTER DRUCK

Rede an der Johns Hopkins University
BALTIMORE - (AD) - Dem Nationalen Sicherheitsberater Anthony Lake zufolge ändert das bosnisch-kroatische
Abkommen "das Kräfteverhältnis in dem Gebiet und übt auf die Serben größeren Druck aus, an den
Verhandlungen über ihren künftigen Status in Bosnien teilzunehmen".
In einer am 7. April 1994 an der Johns Hopkins University in Baltimore (Maryland) gehaltenen Rede erklärte
Lake, obwohl es in einigen bosnischen Städten Fortschritte im Zusammenhang mit einem Waffenstillstand und
den Hilfslieferungen gebe, stehe der Fortschritt in anderen Gebieten, in denen ethnische Säuberungen und die
Kämpfe andauern, "weiterhin auf tönernen Füßen".
Lake umriß vier von den Vereinigten Staaten in Bosnien verfolgte Ziele:
"Serbien und den bosnischen Serben gegenüber klarstellen, daß die Kosten fortgesetzter Kompromißlosigkeit
hoch sind."
"Die Effektivität des NATO-Engagements durch verbesserte Koordinierung mit den Vereinten Nationen erhöhen."
Die Intensivierung der "diplomatischen Bestrebungen zur Einbeziehung der Serben" gleichzeitig mit den
europäischen Verbündeten und Rußland.
Die Vorbereitung einer möglichen Dislozierung von NATO-Truppen, einschließlich amerikanischer Truppen, zur
Durchsetzung des Friedens, während die Parteien auf eine Lösung hinarbeiten.
Nachfolgend veröffentlichen wir den vom Weißen Haus freigegebenen Redetext im Wortlaut.

Es ist mir eine Ehre, hier an der Johns Hopkins
University sprechen zu dürfen. Im vergangenen
Jahr habe ich den Studenten aus dem ganzen Land
eine einfache Botschaft vermittelt: Ihre Generation
muß sich engagieren, sich für die Welt als Ganzes
interessieren, sich an der Gestaltung unserer
Außenpolitik beteiligen. Denn zum gegenwärtigen
Zeitpunkt ist die Führungsrolle Amerikas in der Welt
wichtiger als je zuvor.
Auf einem Campus, aus dem so viele führende
Persönlichkeiten dieser Nation hervorgegangen sind,
erneuere ich diesen Appell an Ihr Engagement. Und
ich möchte heute insbesondere über den Konflikt im

AMERIKA DIENST 14

ehemaligen Jugoslawien und das amerikanische
Interesse an seiner Beilegung sprechen.
Seit nahezu drei Jahren werden die Nationen dieser
Region von Krieg zerrüttet. Wir können uns nur an
wenige Konflikte erinnern, die ein derartiges
Gemetzel verursacht haben. Wir haben alle die
Bilder von blutbefleckten
Märkten
und
blutüberströmten Zivilisten gesehen, die von
Heckenschützen niedergeschossen wurden. Wir alle
waren erschüttert über die schrecklichen Berichte von
Massenvergewaltigungen, Konzentrationslagern und
ethnischen Säuberungen. Unsere Herausforderung

Seite 1

�besteht darin, diese Empörung für klare Analysen
und entschlossenes Handeln zu nutzen.
Die Kampfhandlungen in Bosnien sind Teil einer
längeren Geschichte von Wandel und Konflikt in
diesem Gebiet. In Europa und auf der ganzen Welt
hat das Ende des Kalten Krieges Millionen
Menschen befreit und neue Chancen für mehr
Sicherheit geschaffen.
Es hat aber auch
nationalistischen Haß freigesetzt.
Nirgends waren die Konsequenzen tragischer als im
ehemaligen Jugoslawien. Dort haben durch
serbische Aggression angeheizte nationalistische
und religiöse Spannungen zu brutalen Kämpfen und
einer massiven Verschleppung von Zivilisten geführt.
Mehr als 115.000 Menschen haben in diesem Krieg
ihr Leben verloren. Mehrere Millionen wurden zum
Verlassen ihrer Häuser gezwungen. Man kann
jedoch die zerstörten Hoffnungen und ausgelöschten
jungen Leben nicht in Zahlen ausdrücken,
ebensowenig wie die langsame und schreckliche
Unterminierung des grundlegenden Anstands und
der menschlichen Zivilisation, die dieser Krieg
herbeiführte.
Wenn uns dieses Jahrhundert etwas gelehrt hat,
dann die Tatsache, daß Amerika es sich nicht leisten
kann, die Konflikte in Europa zu ignorieren. Der
fünfzigste Jahrestag der Invasion in der Normandie
erinnert uns daran, daß die Sicherheit unserer
Nation weiterhin mit der Sicherheit und dem Frieden
in Europa verbunden ist. Und in dieser Ära besteht
unsere Aufgabe nicht nur in der Aufrechterhaltung
des erforderlichen Kräfteverhältnisses, sondern auch
im Umgang mit einer Welt, in der die meisten
Auseinandersetzungen interne Konflikte sind.
Wie der Präsident wiederholt erklärte, stehen für die
Vereinigten Staaten im bosnischen Konflikt deutliche
Interessen auf dem Spiel. Zunächst sind wir daran
interessiert, die Ausweitung eines Krieges zu
verhindern, der unsere Verbündeten einbeziehen
und die Stabilität der neuen demokratischen Staaten
Mittel- und Osteuropas bedrohen könnte. In keiner
Region ist der Erfolg von Demokratie und
Marktwirtschaft wichtiger. Durch die Beteiligung an
den Bestrebungen zur Lösung des Krieges in
Bosnien tragen wir zur Verteidigung der historischen
Reformen in Nachbarstaaten wie Bulgarien, Ungarn
und Rumänien bei - Nationen, deren Sicherheit für
unsere eigene von großer Bedeutung ist.
Für uns stehen in Bosnien auch andere Interessen
auf dem Spiel. Wir haben ein Interesse daran zu
zeigen, daß die NATO - das größte Militärbündnis
der Geschichte - eine glaubwürdige Kraft für den
Frieden in diesem Zeitalter darstellt. Wir haben ein

Seite 2

Interesse
daran, zur
Eindämmung
des
Flüchtlingsstroms in ganz Europa beizutragen. Und
wir haben ein humanitäres Interesse an der
Beendigung des fortgesetzten Gemetzels an
Unschuldigen.
Obwohl diese
Interessen keine unilaterale
amerikanische Intervention rechtfertigen, rechtfertigen
sie ein starkes amerikanisches Engagement und eine
Führungsrolle unseres Landes. Aus diesem Grund
hat Präsident Clinton in seiner Wahlkampagne die
Vereinigten Staaten dringend aufgefordert, sich
aktiver zu engagieren. Aus diesem Grund haben wir
unter Präsident Clinton aktiv Anteil an den
Bestrebungen zur Beendigung des Konflikts
genommen.
Aus diesem Grund hat der Präsident deutlich
gemacht, daß die Vereinigten Staaten für den Fall,
daß die Parteien eine tragfähige, durchsetzbare
Friedenslösung finden, im Rahmen der NATO zur
Dislozierung von Truppen zu ihrer Umsetzung bereit
sind.
Wenn wir die Entsendung von Truppen zur
Durchsetzung einer Lösung in Erwägung ziehen,
müssen wir uns über die Ursprünge und Natur dieses
verworrenen Konflikts ebenso im klaren sein, wie wir
es vorher über unsere Interessen in dieser Region
waren. Ich möchte Ihnen einen kurzen Überblick
geben.
Als 1991 in Jugoslawien ein halbes Jahrhundert
kommunistischer Herrschaft endete, begann der
Balkan wieder einmal auseinanderzubrechen. Unter
den jugoslawischen Serben fing der Nationalismus
erneut Feuer.
Die von Serben beherrschte
Bundesarmee und die von Demagogen angeführten
paramilitärischen Einheiten der Serben schürten die
Flammen des Krieges, als mehrere Republiken des
Landes - Slowenien, Bosnien und Kroatien - nach
Unabhängigkeit strebten.
Die ersten Kämpfe begannen im Juni 1991, als
Slowenien und Kroatien ihre Unabhängigkeit
erklärten. Nach mehreren Monaten zog sich die
Bundesarmee aus Slowenien zurück und erkannte
damit stillschweigend die Unabhängigkeit des Staates
an. In Kroatien einigten sich nach mehrmonatigen
Kämpfen und dank der diplomatischen Bemühungen
von Cyrus Vance und anderen führende serbische
und kroatische Politiker auf einen Waffenstillstand
und die Entsendung von UN-Blauhelmen. Für die
Situation in Kroatien ist noch keineswegs eine
Lösung gefunden worden, sie hat sich jedoch
verbessert.
In Bosnien geht das Blutvergießen jedoch weiter.
Früher war Bosnien ein Staat, in dem Kroaten,

AMERIKA DIENST 14

�Serben und Muslime friedlich Seite an Seite lebten.
Die bosnische Hauptstadt Sarajevo war vor zehn
Jahren Gastgeber der Olympischen Spiele und ein
Denkmal für Toleranz und Brüderlichkeit. Als sich
Bosnien im Februar 1992 jedoch für die
Unabhängigkeit entschied, reagierten die Serben mit
Gewalt. Einige fürchteten um ihren Status als
Minderheit, trotz Bosniens Status als multiethnische
Demokratie. Andere in Bosnien und Serbien sahen
eine Chance, ihren Traum von einem "Großserbien"
zu verwirklichen. Als Folge davon tauchte Bosnien
in eine dunkle Nacht des Terrors ein.
Während des Frühjahrs und Sommers 1992
arbeiteten die Europäische Gemeinschaft und die
Vereinten Nationen erfolglos an einer diplomatischen
Lösung. Eine Waffenstillstandsvereinbarung nach
der anderen wurde gebrochen. In dieser ganzen
Zeit wuchs die Entrüstung der internationalen
Staatengemeinschaft über die von den Serben
initiierte brutale Belagerung und die ethnischen
Säuberungen. Quälende Bilder ausgemergelter
muslimischer Gefangener verfolgten uns. Und das
Gespenst unkontrollierter serbischer Aggression in
anderen Teilen des Balkans bedrohte unsere
Interessen. Im Oktober 1992 hatten die Serben
nahezu 70 Prozent Bosniens in ihren Besitz
gebracht.
In dieser Anfangsphase, als Präventivmaßnahmen
noch die größte Erfolgschance hatten, forderte Bill
Clinton eine energischere Reaktion des Westens.
Seit seiner Amtsübernahme hat der Präsident
mehrere Bestrebungen unternommen, um ein
friedliches Ende des Konflikts herbeizuführen.
Haben wir alle die Fortschritte gemacht, die wir uns
im vergangenen Jahr gewünscht haben? Nein.
Haben wir etwas bewirkt? Das denke ich schon.
Erstens hat die Administration das Leiden der
Menschen in Bosnien gemildert. Die Vereinigten
Staaten riefen ein innovatives Programm für den
Abwurf humanitärer Güter ins Leben und beteiligten
sich an einer Luftbrücke - der längsten in der
Geschichte - um das Los der Einwohner im
belagerten Sarajevo zu verbessern. Im Rahmen der
Operation Provide Promise haben amerikanische
Flugzeuge gemeinsam mit UN-Friedenstruppen in
Tausenden von Flügen Lebensmittel, Brennstoff,
Medikamente und andere Hilfsgüter geliefert.
Zweitens haben wir mit den Vereinten Nationen und
der Europäischen Union zusammengearbeitet, um
die Sanktionen gegen Serbien zu verschärfen und
ihre Umsetzung zu verbessern. Diese Sanktionen
haben effektiv sämtliche Lieferungen außer
humanitären Hilfsgütern unterbunden. Sie zwangen

AMERIKA DIENST 14

zu drakonischen Sparmaßnahmen und trieben die
Wirtschaft Serbiens in eine Hyperinflation.
Die
Industrieproduktion brach zusammen.
Der
Schiffsverkehr kam zum Erliegen. Als Folge davon
machte die serbische Regierung die Aufhebung der
Sanktionen zu einem ihrer wichtigsten Anliegen.
Drittens haben wir uns bemüht, diejenigen vor Gericht
zu bringen, die für das Gemetzel an Unschuldigen
verantwortlich sind. Im vergangenen Jahr führte das
beständige Engagement der Vereinigten Staaten zur
Schaffung eines Kriegsverbrechertribunals der
Vereinten Nationen. Die Vereinigten Staaten haben
einen signifikanten Beitrag zur Finanzierung und
personellen Besetzung des Tribunals gemacht sowie
Informationen bereitgestellt, die bei der
strafrechtlichen Verfolgung von Kriegsverbrechern
behilflich sein sollten.
Viertens haben wir uns um die Verhinderung der
Ausweitung des Konflikts bemüht. Im serbischen
Kosovo haben die Serben die Menschenrechte der
albanischen Minderheit systematisch unterdrückt. Die
Serben drohten mit derselben Art von ethnischen
Säuberungen, die sie andernorts durchführten. Aus
diesem Grund haben wir unsere Position - tatsächlich
unsere Warnung - erneut bekräftigt, welche die
vorherige Administration gegen die Ausweitung des
Kosovo-Konflikts durch die Serben aussprach. Und
wir haben mehrere Hundert amerikanische Soldaten
zu einer präventiven Friedenstruppe in der
jugoslawischen Nachbarrepublik
Makedonien
beigesteuert.
Fünftens haben wir den Umfang des amerikanischen
diplomatischen Engagements erhöht. Im Februar
vergangenen Jahres entsandte Präsident Clinton
einen Unterhändler zu den Friedensbestrebungen der
Vereinten Nationen und den Vermittlern der EU. Seit
dieser Zeit haben wir Versuche zurückgewiesen, die
Muslime in Bosnien zur Annahme einer ungerechten,
nicht durchsetzbaren Lösung zu drängen.
Sechstens haben wir die Macht der NATO in den
Dienst der Diplomatie gestellt. Mit unseren NATOVerbündeten haben wir eine Flugverbotszone über
Bosnien durchgesetzt - und die Ernsthaftigkeit dieses
Unternehmens unter Beweis gestellt, als die
Jagdflugzeuge der NATO am 28. Februar vier
serbische Jagdbomber abschössen.
Im letzten
Sommer signalisierte die NATO Entschlossenheit, die
Abschnürung Sarajevos und anderer Schutzzonen zu
verhindern. Die NATO stimmte darüber hinaus zu,
fürTausende mutiger UN-Friedenstruppen in Bosnien
Luftüberwachung bereitzustellen.
Und am 9. Februar dieses Jahres stellte die NATO
ermutigt durch Präsident Clintons Führungsrolle beim
Gipfeltreffen im Januar ein Ultimatum. Gemeinsam

Seite 3

�mit unseren NATO-Verbündeten erklärten wir, daß
alle in der Zone um Sarajevo verbliebenen oder
nicht der UNO-Kontrolle unterstellten schweren
Waffen das Ziel von Luftangriffen sein würden.
Auch Rußland hat eine nützliche Rolle gespielt, um
die Serben von der Einhaltung zu überzeugen. Die
diplomatische Intervention Moskaus demonstrierte,
wie die Vereinigten Staaten und Rußland von ihren
klar definierten nationalen Interessen geleitet häufig
kooperativ auf ein gemeinsames Ziel in diesem
Bereich hinarbeiten können.
Das NATO-Ultimatum hat sowohl auf dem Boden als
auch in unserer Diplomatie neue Dynamik
geschaffen. Seit Februar wurden über 300 schwere
Waffen der bosnischen Serben der UN-Kontrolle
unterstellt. Bosnische Regierungstruppen haben
ebenfalls nahezu 50 schwere Waffen übergeben.
Obwohl es sporadische Handfeuergefechte und
unbestätigte Meldungen von Mörserangriffen in der
Umgebung von Sarajevo gab, wurden die
Kampfhandlungen oder die Bombardierung
Sarajevos praktisch nicht wieder aufgenommen.
Das NATO-Ultimatum in Sarajevo hat auch zu neuen
Fortschritten am Verhandlungstisch geführt. Am 18.
März kamen der bosnische und kroatische
Regierungschef im Weißen Haus zusammen, um
Abkommen über die Gründung einer Föderation
zwischen den bosnischen Muslimen und Kroaten zu
unterzeichnen. Diese muslimisch-kroatische Einheit
wird dann zu einer Konföderation mit Kroatien
führen.
Das Abkommen zwischen den Muslimen und
Kroaten hat strategische Konsequenzen.
Es
verändert das Kräftegleichgewicht in dieser Region
und übt größeren Druck auf die Serben zur
Teilnahme an Verhandlungen über ihren zukünftigen
Status in Bosnien und zu territorialen Fragen aus.
Wir befinden uns also an einem Wendepunkt in
Bosnien. Andererseits gibt es Fortschritte in Städten
wie Mostar, wo der Waffenstillstand Monate der
Bombardierung und Kämpfe beendet hat; oder in
Tuzla, wo der Flugplatz jetzt für UN-Hilfsflüge
vorbereitet wird; oder in Maglaj, wohin zum ersten
Mal seit Monaten Hilfslieferungen gelangen.
Die Fortschritte stehen jedoch weiterhin auf tönernen
Füßen. Die ethnischen Säuberungen dauern an, wie
wir in Prijedor beobachten mußten. Die Serben
greifen nach wie vor Muslim-Enklaven an, wie in den
vergangenen Tagen rund um Gorazde. Diese
Kämpfe sollten uns nicht überraschen. Im Vorfeld
einer weiteren Verhandlungsrunde ist jede Seite zur
Verstärkung ihrer Situation auf dem Boden verleitet.
Die Parteien müssen jedoch entscheiden, ob sie bei

Seite 4

der Suche nach einem marginalen Vorteil bereit sind,
wieder Blutvergießen über ganz Bosnien zu bringen.
Wohin müssen wir also von hier aus gehen? Wir
müssen vier Dinge tun. Erstens müssen wir Serbien
und den bosnischen Serben gegenüber klarstellen,
daß die Kosten fortgesetzter Kompromißlosigkeit
hoch sind. Wir müssen die Wirtschaftssanktionen
aufrechterhalten. Wir müssen wachsam gegen
serbische Aggression im Kosovo sein. Wir müssen
den Regionen unter serbischer Belagerung weiterhin
mit humanitären Hilfslieferungen und anderen
geeigneten Schritten behiflich sein.
Ich möchte unmißverständlich klarstellen: Weder der
Präsident noch einer seiner hochrangigen Berater
schließen den Einsatz von NATO-Streitkräften zur
Beendigung von Angriffen wie dem auf Gorazde aus.
Ein Kontingent von UNO-Streitkräften sollte bald auf
dem Weg nach Gorazde sein. Es ist wichtig, daß
dies so schnell wie möglich geschieht. Die NATO ist
gegebenenfalls zur Bereitstellung von
Luftüberwachung für diese Streitkräfte verpflichtet.
Wir stehen zu dieser Verpflichtung. Während wir
andere Wege sondieren, um auf die in Sarajevo
erzielten Fortschritte aufzubauen, müssen wir uns
das zentrale Prinzip unseres Handelns dort vor
Augen führen: Daß effektive Dipomatie an praktische
Machtkalkulationen gebunden ist.
Zweitens müssen wir auch die Effektivität des NATOEngagements durch verbesserte Koordinierung mit
den Vereinten Nationen erhöhen. Wenn die UNFriedenstruppen Luftunterstützung der NATO fordern
- wie sie es seit Februar zweimal getan haben - sollte
ihr Antrag nicht einem zögerlichen
EntScheidungsprozeß unterworfen werden. General
Shalikashvili, der Vorsitzende der Vereinigten
Stabschefs, hat diesen Prozeß als "bestenfalls eine
Tortur" bezeichnet. Wir arbeiten auf die Behebung
der bisherigen Probleme hin.
Drittens müssen wir gleichzeitig mit unseren
europäischen Verbündeten und Rußland unsere
diplomatischen Bestrebungen zur Einbeziehung der
Serben intensivieren. Wir sind zur Zusammenarbeit
mit allen Parteien in Bosnien bei den verbleibenden
territorialen Fragen verpflichtet. Dieser Prozeß - der
unsererseits durch unseren Sonderunterhändler
Botschafter Charles Redman - durchgeführt wird, ist
weiterhin mühevoll, heikel und äußerst schwierig.
Viertens müssen wir uns auf die mögliche
Dislozierung von NATO-Truppen, einschließlich
amerikanischer Truppen, zur Durchsetzung des
Friedens vorbereiten, während die Parteien auf eine
Lösung hinarbeiten. Der Präsident hat erklärt, er
beabsichtige zur Umsetzung eines tragfähigen
Abkommens beizutragen. Unseres Erachtens hat

AMERIKA DIENST 14

�diese Verpflichtung die Parteien zur Beilegung ihrer
Differenzen ermutigt.
Aktive amerikanische
Unterstützung ist unabdingbar. Wie der Präsident
jedoch betont hat, muß eine Einbeziehung unserer
Truppen auf Antrag der Parteien erfolgen und die
erzielte Lösung tragfähig sein.
Wir haben eindeutige und praktische Bedingungen
für eine amerikanische
Beteiligung
an
Friedenssicherungsmissionen in Bosnien gestellt.
Diese Bedingungen sollen eine effektive Operation
mit erreichbaren Zielen sicherstellen. Wir arbeiten in
der NATO an der Weiterentwicklung eines Plans, der
General Shalikashvili und unseren anderen
hochrangigen Militärs zufolge funktionieren wird.
Und wir arbeiten mit den Kongreßmitgliedern beider
Seiten am Aufbau breiter öffentlicher Unterstützung
zusammen. Der Präsident ist bereits mehrere Male
mit Kongreßabgeordneten beider Parteien bezüglich
der Entwicklungen in Bosnien zusammengekommen.
Während wir uns auf die Möglichkeit einer
Entsendung amerikanischer Truppen nach Bosnien
vorbereiten, kann uns die eben mit großem Geschick
in Somalia beendete Mission gewisse Einblicke
vermitteln. Ebenso wie in Somalia können wir in
Bosnien zur Schaffung der Möglichkeit eines
Friedens beitragen. Die Verantwortung für den
Frieden liegt jedoch bei den Menschen, die sich im
Krieg befinden. Indem wir einen Endpunkt für unser
Engagement in Somalia festsetzten, haben wir den
kriegführenden Parteien Anreize für neue Lösungen
gegeben. In eben dieser Weise können wir den
Friedensprozeß in Bosnien durch die Klarstellung
beleben, daß unsere Mission kein offenes Ende hat.
Wir müssen unsere Mission auch eindeutig,
frühzeitig und häufig definieren.
Als unsere
Streitkräfte im Oktober vergangenen Jahres in
Mogadischu Verluste erlitten, machte sich Verwirrung
in der Öffentlichkeit über unsere Ziele in Somalia
breit. Der Präsident sprach nach wenigen Tagen zur
Nation, um unsere Ziele und Mission klarzustellen,
aber offen gesagt, hätten wir dies sehr viel früher tun
können. Im Falle Bosniens hat der Präsident unsere
Interessen und Ziele konsequent spezifiziert. Wir
werden diese Bestrebungen beschleunigen, wenn
die Entsendung unserer Streitkräfte wahrscheinlicher
wird.
Eine letzte Lektion lautet, daß wir unsere Streitkräfte
in ausreichendem Umfang zur Bewältigung der
Aufgabe entsenden müssen.
Wenn unsere
Streitkräfte nach Bosnien disloziert werden, sollen
sie stark vertreten sein. Sie werden Teil einer
NATO-Streitmacht sein, nicht einer UNO-Truppe.
Sie werden eine kommandierende Präsenz mit der
Anzahl, dem Gerät und den festen Regeln des

AMERIKA DIENST 14

Engagements herstellen, die für ihre Verteidigung und
die Erfüllung ihrer Mission erforderlich sind.
In den kommenden Wochen und Monaten wird
Bosnien wahrscheinlich weiterhin Schlagzeilen
machen. Während die Öffentlichkeit diesem Konflikt
zunehmend Aufmerksamkeit widmet, sollten wir uns
vor Augen führen, wo Bosnien auf der
Bedrohungsskala unserer Sicherheit in diesem Gebiet
steht.
Direkte Bedrohungen unserer Nation oder unseres
Volkes erfordern, daß wir auf eine einseitige
militärische Reaktion vorbereitet sind.
Iraks
versuchter Mordanschlag auf Präsident Bush fiel in
diese Kategorie, und wir haben nicht gezögert, darauf
im Alleingang zu reagieren. Eine zweite Kategorie
von Bedrohungen rechtfertigt nur einen begrenzten
Einsatz von Gewalt und generell unter internationaler
Schirmherrschaft. Friedenssicherung würde in diese
Kategorie fallen. Eine dritte Kategorie könnte unser
starkes diplomatisches Engagement, nicht aber die
Stationierung unserer Streitkräfte erfordern.
In dieser groben Typologie paßt Bosnien in die zweite
Kategorie: Die auf dem Spiel stehenden Interessen
rechtfertigen eine amerikanische Führungsrolle und in unterschiedlichen Stadien und unterschiedlicher
Weise - den gemeinsamen Einsatz amerikanischer
und anderer Truppen. Wir blicken auf Europa zur
Übernahme zahlreicher Aspekte der Last einer
Lösung dieser Krise, weil Europa am direktesten
betroffen ist. Aber Europa - und in der Tat die ganze
Welt - blicken auf Amerika für durchgreifende
Führungsstärke im Einklang mit unseren Interessen.
Stellen Sie sich die Situation in Bosnien - und der
gesamten Region - vor, wenn wir nicht die
Führungsstärke bewiesen hätten, dank der die
Fortschritte der vergangenen Wochen möglich
wurden.
Als der Präsident im Januar den Atlantik überquerte,
hatte er eine Vision für Europa entwickelt - nicht
basierend auf der Grundlage der Art von Bedrohung,
die Europa seit Jahrzehnten kannte, sondern auf
größerer Integration. Diese Vision von Demokratie,
Marktwirtschaft und
Sicherheitszusammenarbeit
spiegelt unsere höchsten Werte und grundlegendsten
Interessen wider.
Der derzeitige Krieg in Bosnien stellt eine klare
Herausforderung dar: Für die Stabilität Europas, die
Glaubwürdigkeit der NATO und für unsere Vision
eines Europa nach dem Kalten Krieg. Wie bei so
vielen Konflikten, die in diesem Zeitalter
ausgebrochen sind, häuft auch in Bosnien jede
Generation einen von der nächsten Generation zu
zahlenden Blutzoll an. Kindern wird nichts anderes

Seite 5

�als Haß zwischen Religionen, Rassen und Clans
gelehrt.
Was Amerika zur Lösung des Konflikts in Bosnien
tut, wird zur Gestaltung der Welt beitragen, die Ihre
Generation erbt. Aus diesem Grund haben wir hart
gearbeitet, um diesen Konflikt friedlich zu beenden,
Bosnien bei der Durchbrechung des Teufelskreises
von Gewalt und Vergeltung, des Blutvergießens und
des Blutzolls behilflich zu sein.

Und aus diesem Grund schließe ich heute mit
demselben Appell, mit dem ich begonnen habe:
Einem Appell an Sie - die Männer und Frauen, die
diese Nation ins 21. Jahrhundert führen werden - an
der Gestaltung des lebenswichtigen Engagements
der Vereinigten Staaten in diesem neuen Zeitalter ein
aktives Interesse zu haben und eine aktive Rolle zu
spielen.

* * * * *

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AMERIKA DIENST 14

�ABRÜSTUNG
13. April 1994

DAS NUNN-LUGAR-PROGRAMM
Übersicht des Amts für Rüstungskontrolle und Abrüstung
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir eine Übersicht über das Nunn-Lugar-Programm für die
sichere Lagerung und Zerlegung von Nuklearwaffen, die am 21. März 1994 vom US-Amt für Rüstungskontrolle
und Abrüstung (U.S. Arms Control and Disarmament Agency - ACDA) herausgegeben wurde.

Hintergrund
Seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion im Jahr
1991 war eines der wichtigsten sicherheitspolitischen
Anliegen und Ziele der Vereinigten Staaten die
Förderung der sicheren Lagerung und Zerlegung von
Atomwaffen (safety, security and dismantlement SSD) im Arsenal der aus der ehemaligen
Sowjetunion hervorgegangenen neuen unabhängigen Staaten (NUS). Dieses Ziel umfaßt die
vollständige Entnuklearisierung von Belarus,
Kasachstan und der Ukraine, der drei unabhängigen
Staaten, die neben Rußland auf ihrem Territorium
Kernwaffen der ehemaligen Sowjetunion stationiert
haben. Die Vereinigten Staaten streben auch eine
Beschleunigung des Abbaus russischer Atomwaffen
an.
Die Mittel für die SSD-Hilfe kommen aus dem
Verteidigungsministerium, das für die Durchführung
dieser Programme verantwortlich ist. Unter dem
ursprünglichen Nunn-Lugar-Gesetz ermächtigt der
Kongreß den Präsidenten, 400 Millionen Dollar der
dem Verteidigungsministerium bewilligten Gelder für
im Zusammenhang mit dem Abbau von Atomwaffen
in den NUS stehende Aktivitäten auszugeben. Als
Folge davon wurde im nationalen Gesetz über die
Bewilligung von Geldern für das Verteidigungsministerium im Haushaltsjahr 1993 dieser Betrag auf
800 Millionen Dollar erhöht.
Der Kongreß
genehmigte zusätzliche 400 Millionen Dollar als Teil
des Bewilligungsgesetzes für den Verteidigungsetat
1994. Wie in diesem Gesetz gefordert, muß der
Präsident jährlich bestätigen, daß diese Staaten für
weitere Hilfe im Rahmen dieser Programme in Frage
kommen. Jedes dieser Länder verfügt zur Zeit über
die Bescheinigung vom Präsidenten, daß es einen
Anspruch auf SSD-Hilfe hat.

AMERIKA DIENST 14

Die Vereinigten Staaten haben bei der Vergabe von
SSD-Hilfe an die NUS die
Führungsrolle
übernommen, jedoch auch darauf hingewiesen, daß
sie nicht die gesamten Bestrebungen im Alleingang
übernehmen können. Im April 1993 wandten sich die
Vereinigten Staaten offiziell an die NATO, Japan
sowie andere Freunde und Verbündete, damit diese
der NUS ebenfalls Hilfe bei der Entnuklearisierung
bereitstellen. Die Vereinigten Staaten nahmen auch
regelmäßige, offizielle Konsultationen mit ihren
NATO-Partnern in Brüssel auf um sicherzustellen,
daß ihre separaten Programme sich ihre relative
Stärke und unterschiedlichen
Finanzierungsabkommen zunutze machen, einander ergänzen und
unnötige Duplizität vermeiden.
SSD und die Strategie der Vereinigten Staaten
Die amerikanische Hilfe bei der Entnuklearisierung
und Beseitigung anderer Massenvernichtungswaffen
in der NUS stellt eines der wichtigsten Elemente der
gesamten Strategie der Vereinigten Staaten in dieser
Region dar, die diese Staaten in die westlichen und
internationalen politischen sowie wirtschaftlichen
Institutionen einbinden soll.
Die amerikanische
SSD-Hilfe erleichtert und beschleunigt die Umsetzung
des START-I-Vertrags in den NUS und verringert für
die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten die
Gefahr der Weiterverbreitung.
Die für die
Durchsetzung der SSD-Programme erforderliche
enge Zusammenarbeit zwischen technischen
Experten aus den Vereinigten Staaten und der
ehemaligen Sowjetunion wird auch unseren Zielen
dienlich sein, indem wertvolle Bindungen zwischen
unseren Militärs und Wissenschaftlern geschaffen
und gestärkt werden.
Das SSD-Programm ist eingeleitet worden und
funktioniert.
Die Vereinigten Staaten haben
Rahmenabkommen mit Belarus, Kasachstan,
Rußland und der Ukraine unterzeichnet, um den

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�erforderlichen Gesetzesrahmen für derartige
amerikanische Hilfe zu schaffen. Neben diesen
Rahmenabkommen
haben
amerikanische
SSD-Delegationen
31
SSD-Durchführungsabkommen ausgehandelt und vervollständigt, die
eine bestimmte Art und Menge technischer und
materieller
Hilfe der Vereinigten
Staaten
bereitstellen. Jedes dieser Abkommen ist in Kraft
getreten. Als Folge davon wird in einigen wichtigen
Bereichen bereits materielle amerikanische Hilfe zur
Verfügung gestellt.
Die größte Bedeutung hat vielleicht, daß die Aussicht
auf Hilfe der Vereinigten Staaten bei der
Entnuklearisierung weitere Fortschritte bei der
Rüstungskontrolle ermöglicht hat. SSD-Hilfe bei der
Zerlegung strategischer Offensivwaffen soll den
unter dem START-I-Vertrag geforderten Abbau und
die Beseitigung beschleunigen.
Zu im
Zusammenhang damit stehenden Erfolgen gehören
die Entscheidungen von Belarus und Kasachstan,
dem Nichtverbreitungsvertrag (NW) von 1968 als
atomwaffenfreie Staaten beizutreten sowie die
jüngste bedingungslose Ratifizierung von START I
durch die Ukraine, darunter eine Verpflichtung im
Protokoll von Lissabon, dem N W in kürzester Zeit
als atomwaffenfreier Staat beizutreten.
Art der bereitgestellten Hilfe
Die SSD-Durchführungsvereinbarungen
sehen
folgende Arten technischer und materieller Hilfe für
Belarus, Kasachstan, Rußland und die Ukraine vor:
Erstens wird die entscheidende Unterstützung für die
tatsächliche
Zerlegung der
strategischen
Offensivwaffen der ehemaligen Sowjetunion in
Kasachstan, Rußland und der Ukraine bereitgestellt.
Hierbei handelt es sich um die vielleicht
bemerkenswertesten SSD-Vereinbarungen, weil die
mit amerikanischer
Hilfe
abzubauenden
Interkontinentalraketen (intercontinental ballistic
missiles - ICBMs) einschließlich ihrer silogestützten
Abschußvorrichtungen, die Unterseeboote und
schweren Bomber zu Zeiten der Sowjetunion gegen
die Vereinigten Staaten gerichtet waren.
Ihre
Beseitigung stellt einen Wendepunkt in den
Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und
den NUS dar und führt zu einer beispiellosen
Verbesserung der nationalen Sicherheit der
Vereinigten Staaten.
Zweitens werden die SSD-Vereinbarungen die
Sicherheit in den NUS erhöhen. In allen vier
NUS-Staaten, die ehemalige
sowjetische
Nuklearwaffen auf ihrem Territorium stationiert
haben - Belarus, Kasachstan, Rußland und die
Ukraine - wurden Abkommen zur Bereitstellung von
amerikanischem Gerät für Notfälle geschlossen, das

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bei einem Nuklearunfall im Zusammenhang mit dem
Transport oder der Zerlegung von Nuklearwaffen
benutzt werden kann.
Weil alle außerhalb Rußlands stationierten ehemals
sowjetischen Nuklearwaffen zur Zerlegung nach
Rußland zurücktransportiert werden, hat Rußland
einen besonderen Bedarf an amerikanischer
Unterstützung im Sicherheitsbereich.
Nach
Konsultationen mit russischen Technikern zur
Feststellung der spezifisch russischen Erfordernisse
wurden SSD-Vereinbarungen abgeschlossen, um
Rußland so spezielles Gerät wie Behälter für
spaltbares Material, biegsame
gepanzerte
Ummantelungen zum Schutz dieser Container
während des Transports und der Lagerung sowie
sichere und geschützte Eisenbahnwaggons für den
Transport von Nuklearwaffen und spaltbarem Material
bereitzustellen. Die Vereinigten Staaten stellen ferner
Unterstützung beim Entwurf, der Konstruktion und
dem Betrieb von Gerät für eine Lagereinrichtung für
spaltbares Material zur Verfügung, in der Material von
zerlegten Nuklearwaffen der ehemaligen Sowjetunion
aufbewahrt werden soll.
•
Drittens werden die SSD-Vereinbarungen zur
Verhinderung der Weiterverbreitung
von
Massenvernichtungswaffen
beitragen.
Die
SSD-Vereinbarungen
sehen
amerikanische
Exportkontrollhilfe für Belarus, Kasachstan und die
Ukraine vor um sicherzustellen, daß die für die
Entwicklung von Nukearwaffen
erforderlichen
Schlüsseltechnologien nicht aus der ehemaligen
Sowjetunion herausgelangen.
Die Vereinigten
Staaten sind auch Kasachstan, Rußland und der
Ukraine bei der Entwicklung und Verbesserung ihrer
Kontroll- und Zählverfahren für spaltbares Material
behilflich. Damit wird gewährleistet, daß spaltbares
Material aus zerlegten Nuklearwaffen unter Kontrolle
bleibt und zu jedem Zeitpunkt darüber Rechenschaft
abgelegt werden kann. Andere SSD-Vereinbarungen
gehen das Nichtverbreitungsproblem umfassender
an. Im Rahmen der Abkommen mit Rußland und der
Ukraine werden Wissenschafts- und Technologiezentren in Moskau und Kiew gegründet, damit die
sowjetischen Atomwissenschaftler und -techniker ihr
Wissen und ihre besondere Qualifikation für friedliche
Zwecke verwenden. Andere SSD-Vereinbarungen
zielen darauf ab, Belarus und Rußland bei der
Konversion
ehemaliger
sowjetischer
Rüstungsindustrien zu produktiven
zivilen
Unternehmen behilflich zu sein.
Viertens tragen die bereits in Kraft getretenen
SSD-Vereinbarungen zur verbesserten Durchführung
von Rüstungskontrollabkommen durch Belarus, die
Ukraine und Kasachstan bei.
Diese Hilfe war
erforderlich, weil vor der Unabhängigkeit von Belarus,
Kasachstan und der Ukraine all diese Aktivitäten von

AMERIKA DIENST 14

�Moskau durchgeführt wurden. Jetzt ist jedes dieser
Länder ein gleichberechtigter Partner bei wichtigen
Rüstungskontrollverträgen wie INF, ABM und
START.
Während wir den neuen unabhängigen Staaten bei
der Beseitigung der Massenvernichtungswaffen

behilflich sind, wird sich die nationale Sicherheit der
Vereinigten Staaten und die Sicherheit dieser Staaten
gleichermaßen verbessern, ihre aufstrebenden
Demokratien werden gestärkt und Chancen für
amerikanische Privatinvestitionen auf den sich
entwickelnden Märkten zunehmen.

* * * * *

AMERIKA DIENST 14

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�EXPORTKONTROLLEN

13. April 1994

USA UND VERBÜNDETE GRÜNDEN NEUE
EXPORTKONTROLLGRUPPE
Ankündigung des Wirtschaftsministeriums
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir ein vom Wirtschaftsministerium herausgegebenes
Informationsblatt über neue Vereinbarungen zu Exportkontrollen.

Zusammenfassung
In den vergangenen Jahren hat sich das
Sicherheitsumfeld gewandelt.
Infolgedessen
überarbeiten die Vereinigten Staaten und ihre
COCOM-Partner zur Bewältigung der neuen
Herausforderungen der Zeit nach dem Kalten
Krieg die Ansätze zu Exportkontrollen.
Mitglieder des COCOM - des Koordinierungsausschusses für multilaterale Exportkontrollen haben vereinbart, das Regime des Kalten
Krieges mit Wirkung vom 31. März 1994
aufzuheben und bei der Gründung eines neuen
Regimes zusammenzuarbeiten, das die
Transparenz verbessern sowie Rüstungsverkäufe
und den Transfer sicherheitsempfindlicher
Technologie eindämmen soll.
Die COCOM-Mitglieder haben zugestimmt, die
bestehenden Listen als Grundlage für nationale
Exportkontrollen
nach dem 3 1 . März
beizubehalten.
Das Wirtschaftsministerium wird eine
Bekanntmachung
im
Bundesanzeiger
veröffentlichen, in der die amerikanischen
Lizenzverfahren beschrieben werden.
Veränderung
des
Exportkontrollen

Sicherheitsumfelds

Das Ende des Kalten Krieges, die Auflösung der
Sowjetunion, tiefe Einschnitte in die strategischen
Arsenale beider Seiten sowie das Ziel, die
wirtschaftlichen und politischen Reformen in Rußland
und den neuen unabhängigen Staaten zu
unterstützen, veranlaßten uns und unsere
Verbündeten zu der Erkenntnis, daß die strategische
Denkweise des COCOM nicht länger haltbar war. Im
vergangenen Jahr haben wir und unsere COCOMPartner die Kontrollen für Exporte in vom COCOM
verbotene Länder beträchtlich gelockert. Im Herbst
letzten Jahres gaben wir eine Reihe von
Lizenzreformen sowie die Liberalisierung der
Lizenzbedingungen für Waren in Milliardenhöhe
bekannt.

für

In der Vergangenheit hatten unsere Verbündeten
und wir ein klares Verständnis der Notwendigkeit
von Exportkontrollen.
Ebenso wie andere
kommunistische Länder stellten die Länder des
Warschauer Pakts eine ernsthafte und klar definierte
Bedrohung der Vereinigten Staaten und des

AMERIKA DIENST 14

Westens im allgemeinen dar. Mit der Gründung des
COCOM im Jahr 1949 leiteten wir gemeinsam
Schritte in die Wege um der Sowjetunion, den
Ländern des Warschauer Pakts, China und
schließlich Vietnam den Zugang zu Waffen,
Mehrzweckgerät und -technologien zu verweigern.
Zu den COCOM-Mitgliedstaaten zählen (mit
Ausnahme Irlands) die NATO-Länder, Japan und
Australien. Der COCOM operierte nach dem Prinzip
der Einstimmigkeit, so daß jedes Mitglied gegen den
vorgeschlagenen Export von Gütern, auf deren
Kontrolle man sich verständigt hatte, sein Veto
einlegen konnte.

Heute sehen wir uns sehr unterschiedlichen
Bedrohungen des Friedens in Regionen außerhalb
Europas - der koreanischen Halbinsel, dem
Persischen Golf und Südasien - gegenüber, in denen
außerhalb der Nichtverbreitungsregime und UNEmbargos keine multilateralen Kontrollen existieren.
Diese Gefahren werden noch verschärft durch die
Verbreitung von Massenvernichtungswaffen und das

Seite 1

�Verhalten von Ländern wie Iran, Irak, Libyen und
Nordkorea. Aus diesem Grund beschlossen die
Vereinigten Staaten und ihre COCOM-Partner im
November 1993 eine Zusammenarbeit zur Erzielung
eines neuen, umfassenderen Abkommens zur
Erhöhung von Transparenz und Zurückhaltung bei
der Lieferung konventioneller Waffen und
hochentwickelter Technologien an Staaten, deren
Verhalten Grund zu ernster Besorgnis ist sowie an
potentiell instabile Regionen.
Das neue Arrangement verfolgt also einen völlig
anderen Zweck als die COCOM-Liste. Es soll einen
multilateralen Ansatz auf gegen neue Bedrohungen
gerichtete Kontrollen anwenden. Während die
spezifischen Verfahren des neuen Regimes noch
entwickelt werden, wollen die COCOM-Mitglieder auf
nationaler Ebene die Fähigkeit zur Kontrolle vorher
auf der COCOM-Liste aufgeführter Güter (Listen für
den Industrie-, Rüstungs- und Atomenergiebereich)
beibehalten und gleichzeitig neue Kontrollisten und arrangements erstellen.

während der Übergangszeit beschreibt.
Diese
Verfahren umfassen Bestimmungen über liberalisierfe
Lizenzverfahren bei weniger entwickelten Gütern auf
der Liste (vorwiegend denjenigen, die im regulären
COCOM-Verfahren vor dem 1. Januar 1994 unter die
Ausnahmeregelung fielen). Für die zivile Nutzung
wird in Ländern der Gruppen Q, W und Y (der
ehemalige Sowjetblock) und China ein neues,
generelles Lizenzverfahren zur Verfügung stehen.
Dieses neue Lizenzverfahren wird die Exporte in
Länder wie Rußland und China beschleunigen.
Keine Änderungen erfolgen im Hinblick auf Exporte
nach Nordkorea, das Militär in Rußland und China
oder auf Güter, die zur Verhinderung ihrer
Weiterverbreitung oder Lieferung an terroristische
Staaten kontrolliert werden. Aus Gründen der
nationalen Sicherheit wird die strenge Lizenzpolitik
bei sicherheitsempfindlichen Gütern fortgesetzt, wie
Vorstoffen für Chemiewaffen, Supercomputer sowie
sicherheitsempfindlicher elektronischer Ausrüstung
mit beträchtlicher militärischer Anwendungsmöglichkeit.

Neue Lizenzabkommen
Im Einklang mit diesen Abmachungen wird das
Wirtschaftsministerium eine Bekanntmachung in den
Bundesanzeiger setzen, der die Lizenzverfahren

*

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* * * *

AMERIKA DIENST 14

�MENSCHENRECHTE

13. April 1994

FÖRDERUNG VON DEMOKRATIE UND
MENSCHENRECHTEN
John Shattuck über das Hauptziel der US-Außenpolitik
WASHINGTON - (AD) - Der nachfolgende Artikel basiert auf einer von John Shattuck, dem Abteilungsleiter für
Menschenrechte und humanitäre Angelegenheiten im US-Außenministerium, vor einer Konferenz der American
Foreign Service Association kürzlich in Washington gehaltenen Rede.

Es ist inzwischen eine Binsenwahrheit, daß wir nach
dem Ende des Kalten Krieges und der ideologischen
Auseinandersetzungen, die unser Jahrhundert
charakterisierten, auf der Schwelle zu einer neuen
und unbekannten Welt stehen.
Die Welt ist von einem Widerspruch konkurrierender
Tendenzen gekennzeichnet.
Die Konfrontation der Supermächte aus der Zeit des
Kalten Krieges und das sie erhaltende Gleichgewicht
des Schreckens bestehen nicht mehr, aber in vielen
Ländern toben noch zahlreiche Konflikte.
Die Völker der Welt sind stärker als je zuvor durch
Bande der Kommunikation und der Wirtschaft
verbunden, jedoch auch mehr denn je durch
ethnische und nationalistische Konflikte getrennt.
Inmitten dieser konkurrierenden Trends besteht ein
wachsender Konsens über die Notwendigkeit
multilateraler Institutionen. Nach dem Ende des
Kalten Krieges kann der Multilateralismus auf
globaler Ebene endlich auf die Probe gestellt
werden. Eine amerikanische Führungsrolle ist für die
Kultivierung eines weltumspannenden Netzes
unerläßlich, das auf konstruktive Weise mit den
globalen Problemen umgeht. Das begann bereits im
Juni vergangenen Jahres mit der Weltkonferenz über
Menschenrechte in Wien und setzt sich mit der für
kommenden September anberaumten Bevölkerungskonferenz in Kairo fort.

AMERIKA DIENST 14

Inzwischen ist der ideologische Konflikt zwischen
Marxismus und liberaler Wirtschaft entscheidend vom
Liberalismus gewonnen worden. Wir haben das von
Francis Fukuyama prognostizierte "Ende der
Geschichte" nicht erreicht und auch nicht den von
Samuel Huntington beschriebenen "Zusammenprall
der Zivilisationen", befinden uns jedoch irgendwo
dazwischen. Der größte ideologische Feind des
Liberalismus mag überwunden worden sein, wir
beobachten jedoch ein Wiederaufleben religiöser,
ethnischer und nationalistischer Bewegungen. Ein
Grund für den Niedergang des Kommunismus in der
Sowjetunion und Osteuropa war seine Unterdrückung
nationaler und religiöser Unterschiede.
Neben diesen tiefgreifenden Spaltungen sind wir
Zeuge einer weltweiten Bewegung für Demokratie
und Menschenrechte, die teilweise durch die
Revolution im Kommunikationswesen, teilweise durch
universale Bestrebungen angetrieben wird und im
Einklang mit der Verbreitung von Marktwirtschaften
fortschreitet.
Da die Aktivisten für Menschenrechte und Demokratie
an Zahl, Selbstbewußtsein und Stärke zunehmen,
waren sie trotz unglaublicher Widerstände in der
Lage, das Gesicht ganzer Regionen zu verändern:
In Osteuropa wurden Vaclav Havel und Lech Walesa
Staatsoberhäupter, in Lateinamerika sind ganze
Juntas abgesetzt worden und auf den Schlachtfeldern
in Kambodscha fanden Wahlen zu einer
Volksregierung statt.

Seite 1

�Die Vereinigten Staaten müssen ihren Kurs unter
diesen widerstreitenden Trends finden in einer Welt,
die internationaler ist als je zuvor: In Wirtschaft,
Kommunikationswesen und Politik, da weltweit
Frauen und Männer an der Basis sich mobilisieren
und Demokratie und Menschenrechte fordern.
In dieser seltsamen neuen Welt benötigen wir alle
uns zur Verfügung stehenden Mittel und Ideen. Das
bringt mich zu den wirtschaftlichen Anreizen auf dem
Gebiet der Außenpolitik Präsident Clintons, für das
ich eine gewisse Verantwortung trage:
Die
Förderung von Demokratie und Menschenrechten.
Wenn wir ökonomische und nichtökonomische Ziele
miteinander verbinden, wenn wir politische Ziele
durch wirtschaftliche Maßnahmen verfolgen, sollten
diese Bindungen ein gemeinsames grundlegendes
Konzept nationaler Interessen und Ziele haben,
wenn sie zusammenhängend und effektiv sein
sollen.
Die Förderung von Demokratie und Menschenrechten hat sich aus verschiedenen Gründen zum
Hauptziel von Präsident Clintons Außenpolitik
entwickelt:
Der erste und wichtigste Grund dafür besteht darin,
die Welt sicherer, weniger anfällig für Konflikte und
stabiler zu gestalten.
In der Regel führen
Demokratien nicht miteinander Krieg, sie legen
Konflikte auf friedliche Weise bei und respektieren
internationale Abkommen.
Umgekehrt werden
Länder, die die Rechte ihrer eigenen Bürger nicht
respektieren, wahrscheinlich auch nicht die legitimen
Forderungen und Interessen anderer Staaten in
Betracht ziehen.
Zweitens wird eine Staatengemeinschaft, die
Demokratie und Menschenrechte respektiert, ein für
Wirtschaft und Handel günstigeres Klima schaffen.
Offene Gesellschaften sind bessere Handelspartner.
Unterdrückung fördert langfristig Instabilität und
erhöht die Gefahr einer Enteignung oder eines
Verlustes von Investitionen.
Wirtschaftliche
Entwicklung fand oftmals gleichzeitig mit
Demokratisierung statt und war zeitweise eine
notwendige Bedingung dafür. Wie die Erfahrung
deutlich zeigt, reicht wirtschaftliche Entwicklung an
sich jedoch nicht aus, um Demokratie und
Grundfreiheiten zu schaffen oder gar zu garantieren.
Und schließlich möchte das amerikanische Volk, daß
seine Außenpolitik für etwas steht und die
Grundsätze und Überzeugungen widerspiegelt, die
uns zu dem machen, was wir sind. Menschenrechte
und der Glaube an die Beteiligung des Volkes in
einer Demokratie sind der Kern unserer Werte und
auch in der Allgemeinen Erklärung der Men-

Seite 2

schenrechte niedergelegt. Natürlich gibt es viele
Unterschiede zwischen den Kulturen, aber - wie
Außenminister Christopher vergangenes Jahr auf der
Weltkonferenz über Menschenrechte darlegte "dürfen wir nicht zulassen, daß kultureller
Relativismus der letzte Zufluchtsort der Unterdrückung wird".
Zwischen dem Kongreß und dem amerikanischen
Volk existiert ein umfassender Konsens über die
Förderung von Demokratie und Menschenrechten als
Hauptrichtung der amerikanischen Außenpolitik.
Bedeutende Mehrheiten beider Häuser des
Kongresses haben beispielsweise die Administration
dringend aufgefordert, sich bei unseren Beziehungen
zu China weiterhin für die Menschenrechte zu
engagieren, wie das in einer jüngsten Umfrage des
Wall Street Journal zwei Drittel der Befragten taten.
Hier im Außenministerium stellen wir durch positive
und negative Anreize, gewissermaßen 'mit Zuckerbrot
und Peitsche' - Demokratie und Menschenrechte in
den Mittelpunkt der amerikanischen Außenpolitik.
Was das 'Zuckerbrot' anbelangt, nehmen wir diese
Fragen in unseren diplomatischen Austausch auf
allen Ebenen und in jedem bilateralen Kanal auf - in
Wirtschaft, Militär und natürlich Politik. Wir erhöhen
unser Engagement bei nichtstaatlichen Organisationen und führen umfassende Programme
durch, um Rechtsstaatlichkeit und Gerechtigkeit zu
fördern und zu lehren.
Eine Anzahl von Verbindungen zwischen unseren
Zielen im Bereich der Menschenrechte und unseren
Wirtschaftsbeziehungen sind bereits Bestandteil
amerikanischer Gesetze und Außenpolitik.
Im Sicherheitsbereich überprüft das Menschenrechtsbüro bereits die Anwendung auf den Export von
Gegenständen und Dienstleistungen aus dem
Verteidigungsbereich, alle potentiellen Verkäufe von
Warfensystemen, deren Gesamtwert 14 Millionen
Dollar übersteigt sowie den Export von
Polizeiausrüstung.
Das Büro unterhält zum
Verteidigungsministerium, den Vereinigten
Stabschefs, der Haushaltsbehörde, dem Amt für
internationale Entwicklung sowie weiteren Stellen des
Außenministeriums regelmäßige Kontakte auf den
jährlichen Zusammenkünften der Arbeitsgruppe für
die Überprüfung von Sicherheitsprogrammen, die den
sicherheitspolitischen Haushalt im Detail prüft,
einschließlich der Finanzierung des Militärs im
Ausland, internationaler Militärausbildung und der
Finanzierung wirtschaftlicher Sicherheit.

AMERIKA DIENST 14

�Im Hinblick auf die internationale Führungsrolle sind
die Vereinigten Staaten per Gesetz verpflichtet, sich
der Vergabe von Darlehen durch multilaterale
Entwicklungsbanken an Länder zu widersetzen,
deren Regierungen die international anerkannten
Menschenrechte grob verletzen. Die 1977 vom
damaligen Stellvertretenden Außenminister Warren
Christopher ins Leben gerufene interministerielle
Arbeitsgruppe zu Menschenrechten nimmt eine
monatliche Überprüfung der zu erwartenden Kredite
und allgemeinen Hilfe für Länder vor, die uns Anlaß
zur Sorge im Hinblick auf
Menschenrechtsverletzungen geben. Darüber hinaus wird das
Menschenrechtsbüro
regelmäßig von der
Entwicklungsgesellschaft
OPIC zu Kreditbürgschaften und Versicherungsprojekten konsultiert
und nimmt zu Krediten der Export-Import Bank
Stellung.
Praktisch gesehen sind diese und andere auf die
Verbesserung
der
Menschenrechtsbilanz
ausgerichtete Sanktionen starker Tobak und müssen
sorgfältig auf spezifische, gut geprüfte Probleme
abzielen.
Obwohl die Sanktionen beispielsweise die
militärischen Fähigkeiten von Irak und Iran begrenzt
haben, waren sie weniger wirksam, um eine
Veränderung des Verhaltens dieser Regime zu
bewirken.
Die durch internationale Sanktionen
erzwungene Isolation Südafrikas war ein Element für
die heute zu beobachtenden tiefgreifenden
Veränderungen und wurde durch günstige externe
Faktoren verstärkt.
Ein anderes Mittel zur Durchsetzung der
Menschenrechte ist Bedingtheit. Ein bekanntes
Beispiel ist der Jackson-Vanik-Zusatzartikel, der
explizit den Meistbegünstigungsstatus beim Handel
für bestimmte Länder an ein spezifisches
Menschenrechtsziel bindet, in diesem Fall an das
Recht auf Emigration.
Dies bringt uns zu China.
Die derzeitige Menschenrechtspolitik gegenüber
China, deren Hauptmerkmal der Präsidialerlaß ist,
wurde im Frühjahr 1993 festgelegt. Die Politik
gründet sich nicht nur auf die Sichtweise und
Führungsrolle des Präsidenten, sondern auch auf die
Meinung beträchtlicher Mehrheiten in beiden
Häusern des Kongresses, die in den vergangenen
fünf Jahren für ein Junktim zwischen dem
Meistbegünstigungsstatus und Menschenrechten
gestimmt haben, sowie auf die öffentliche Meinung
in den Vereinigten Staaten, die dieses Junktim
konsequent unterstützt. Nach der schrecklichen
Tragödie auf dem Platz des Himmlischen Friedens
und in ganz China im Jahr 1989 sowie den seitdem

AMERIKA DIENST 14

andauernden Menschenrechtsverletzungen hat das
amerikanische Volk regelmäßig wissen lassen, zur
Warnung Beijings müsse etwas unternommen
werden, daß Menschenrechte ein wichtiges Element
der Beziehungen zwischen China und den
Vereinigten Staaten sind. Im Juni letzten Jahres gab
Präsident Clinton bekannt, ein wesentliches Element
seiner Chinapolitik sei "das resolute Insistieren" auf
beachtlichen Fortschritten bei den Menschenrechten
insgesamt, wenn der Meistbegünstigungsstatus für
China erneuert werden soll.
Der Präsidialerlaß wurde in enger Zusammenarbeit
mit dem Kongreß und der Geschäftswelt entworfen.
Er stellt ein realistisches und effektives Mittel zum
Abwägen unserer Menschenrechtsziele gegen eine
Vielfalt anderer Zielsetzungen und Interessen in
unseren umfassenden und komplexen Beziehungen
zu China dar.
Bei der Verfolgung unserer Menschenrechtsziele
wollen wir die chinesische Gesellschaft nicht
umgestalten. Um Außenminister Christopher zu
zitieren: "Wir bitten China nicht um die Anwendung
amerikanischer Patentrezepte, sondern nur um die
Einhaltung universeller Normen, die die meisten
Nationen der Welt heute verbinden".
In den vergangenen acht Monaten haben wir einen
intensiven Dialog mit China über ein breites Spektrum
von Themen in unseren bilateralen Beziehungen
aufgenommen, einschließlich aber nicht beschränkt
auf Menschenrechtsfragen.
Unsere Menschenrechtsgespräche finden nicht isoliert statt, sondern
sind vielmehr ein unabdingbares Element unserer
Strategie des umfassenden Engagements für China,
zu dem auch unsere wirtschaftlichen und
sicherheitspolitischen Interessen zählen.
Wir unterhalten ernsthafte und kontinuierliche
Gespräche mit Beijing, in denen wir offen unsere
Meinungsverschiedenheiten sowie Bereiche des
Verständnisses und der Übereinstimmung sondieren.
Wir haben gewisse Fortschritte erzielt, aber es muß
noch mehr getan werden.
Unsere umfassende Politik zielt auf die Unterstützung
von wirtschaftlicher Entwicklung und Handel mit der
Volksrepublik China ab.
Wir sind jedoch der
Überzeugung, daß die langfristigen Interessen der
Chinesen und Amerikaner in einem China liegen, das
die heute von den Nationen der Welt universell
akzeptierten Grundnormen der Menschenrechte
respektiert.
Aus unserer Sicht unterstützen die Erweiterung des
Handels und die Verteidigung der Menschenrechte
dasselbe Ziel, allein reicht jedoch keines von beiden
zur Erlangung dieses Ziels aus. Das Ziel besteht in

Seite 3

�einem besseren Leben für Chinesen und Amerikaner
gleichermaßen und besseren Beziehungen
zwischen unseren beiden Regierungen.
Wir
unterstützen die Schaffung offener Gesellschaften,
in denen Männer und Frauen Chancen haben, in
denen ihre Regierungen ihnen gegenüber und ihrem
Wohlstand verpflichtet sind. Wir unterstützen die
Reformer in China, weil wir sie als unsere Freunde
im weitesten Sinne ansehen. Wir wollen Chinas
Wohlstand Hand in Hand mit der Achtung der
Grundrechte und menschlichen Würde des
chinesischen Volkes einhergehen sehen.

Es trifft natürlich zu, daß wirtschaftliche Entwicklung
ein unabdingbarer Teil des Weges Chinas zu
Demokratie und Menschenrechten ist. Marktkräfte
allein werden jedoch nicht demokratische Reformen
und Achtung der Grundrechte gewährleisten. Statt
dessen könnten sie autoritäre Regierungen
unterstützen und legitimieren.

gegenüber Burma, die zu bedeutenden
Menschenrechtsverbesserungen in diesem Land
führen könnten.
Es ist daher von besonderer Bedeutung, daß wir
kreativ sind und die gesamte Bandbreite
diplomatischer Instrumente wie Demarchen, den
wohldosierten Einsatz diplomatischer Beziehungen
und der Öffentlichkeitsarbeit einsetzen, während wir
unsere Tagesordnung von Demokratie und
Menschenrechten voranbringen. Auch dies erfordert
die echte Ausübung des politischen und
diplomatischen Willens und verlangt - ebenso wie
Wirtschaftssanktionen - auch der sie in die Wege
leitenden Partei gewisse Kosten ab.
Der erfolgreiche Einsatz von Sanktionen und anderen
wirtschaftlichen Junktims kann nicht als Patentrezept
definiert werden, denn was wir in unseren
Beziehungen zu jedem einzelnen Land erreichen
wollen, unterscheidet sich beträchtlich. Dies ist eine
komplizierte Welt.

Unseres Erachtens geht es hier nicht um eine
undurchdachte Entscheidung zwischen Zuckerbrot
und Peitsche, sondern um ein umfassendes
Engagement, mit dem wir unsere Interessen
verfolgen und unserer Besorgnis über das gesamte
Spektrum von Fragen Ausdruck verleihen.

Abschließend möchte ich betonen, daß das Junktim
zwischen Handel und Menschenrechten für die
wohldurchdachte Anerkennung der Mittel und Wege
steht, mit denen Politik und Wirtschaft in der Welt
nach dem Kalten Krieg zunehmend und untrennbar
verbunden sind.

Unser Dialog mit China und Engagement für dieses
Land erfolgen auf einer Reihe von Ebenen und zu
einer Vielzahl gegenseitiger Interessen. Wir haben
Beijing gegenüber klargestellt, daß man von
konstruktiven Beziehungen profitieren kann. Im
Zusammenhang mit ersten bescheidenen
Verbesserungen bei der Menschenrechtsbilanz
Chinas haben wir beispielsweise im Herbst
vergangenen Jahres die Lizenzvergabe für einen
Supercomputer für das staatliche chinesische
Meteorologische Amt genehmigt.

In dieser neuen Zeit erleben wir das Funktionieren
dessen, was der Historiker John Lewis Gaddis als
Kräfte der Integration chrakterisiert hat, in der
Wirtschaft, bei Reisen und im Kommunikationswesen
neben den von Repression und der Mißachtung der
Grundfreiheiten, insbesondere der rassischen,
ethnischen und religiösen Minderheiten, getriebenen
Kräfte des Zerfalls.

Allgemeiner gesehen sind der mögliche Abbau
bestehender Handelshemmnisse und künftige
Vorteile im Gegenzug für signifikante
Menschenrechtsverbesserungen ein Weg, den wir
auch in anderen Regionen Asiens und anderen
Ländern der Welt außer China einzuschlagen hoffen.

Es ist die Aufgabe der amerikanischen Führung,
diese konkurrierenden Kräfte anzusprechen und eine
globale Synthese zwischen wirtschaftlichem
Wohlstand und Achtung der menschlichen Würde in
der Regierung und im Gesetz hervorzubringen. Das
ist kein Luxus. Es ist eine Notwendigkeit und eine
Angelegenheit unseres tiefsten nationalen Interesses.

Wir haben einen Menschenrechtsdialog mit Vietnam
als Teil eines Prozesses verbesserter Beziehungen
aufgenommen, und wir erwägen geeignete Schritte
*

Seite 4

* * *

*

AMERIKA DIENST 14

�DROGEN
13. April 1994

WICHTIGE UND DAUERHAFTE ERFOLGE BEIM KAMPF
GEGEN DROGEN ERZIELT
Bericht des Außenministeriums
WASHINGTON - (AD) - Obwohl im vergangenen
Jahr "gemischte" Ergebnisse bei den internationalen
Bestrebungen zur Drogenbekämpfung berichtet
wurden, konnten "wichtige und dauerhafte Erfolge
auf Kosten der Drogenhändler" erzielt werden, so
das US-Außenministerium.
"Langfristig bieten diese kontinuierlichen Fortschritte
die beste Hoffnung für die Verringerung der potentiellen Bedrohung der Stabilität von Nationen auf ein
erträgliches Maß", stellte der am 4. April 1994 vom
Außenministerium herausgegebene Bericht über die
internationale Betäubungsmittel-Kontrollstrategie fest.
Dem Bericht an den Kongreß zufolge erreichen
mehrtonnige Kokainlieferungen, die früher vornehmlich in die Vereinigten Staaten und Kanada
kamen, jetzt jeden Winkel der Welt, und die europäischen Hauptstädte erhalten wachsende Mengen der
Droge.
Der Jahresbericht wird vom Präsidenten für die
Feststellung verwendet, ob die wichtigsten Drogen
produzierenden oder Transitländer mit den Vereinigten Staaten bei der Drogenbekämpfung zusammengearbeitet oder ihrerseits angemessene Schritte zur
uneingeschränkten Einhaltung der Konvention der
Vereinten Nationen gegen unerlaubten Suchtstoffverkehr und psychotropische Substanzen von 1988
unternommen haben.
Unter Verweis auf spezifische Regionen der Welt
stellt der Bericht fest, daß hartnäckige Bestrebungen
gegen Kokaindealer in der westlichen Hemisphäre
"Wirkung zu zeigen beginnen".
Das "spektakulärste Ereignis" in der Region im Jahr
1993 war der Tod des Leiters des Medelliner Drogenkartells Pablo Escobar nach einer 17monatigen
Großfahndung, so das Dokument. Die Suche nach
Escobar "demonstriert den Wert internationaler
Zusammenarbeit, Hartnäckigkeit und Ausdauer bei
der Zerstörung des Mythos eines unbesiegbaren
Drogenhandels", fährt der Bericht fort.

AMERIKA DIENST 14

Der Bericht verweist auf die 20prozentige Verringerung des Kokaanbaus in den Anden aufgrund einer
beträchtlichen Abnahme der peruanischen Kokaernte.
Obwohl die Vereinigten Staaten sich nicht der Illusion
hingeben, daß eine Reduzierung des Nachschubs
allein das Drogenproblem des Westens lösen kann,
ist dem Bericht zufolge "auch klar, daß die Verknappung des Nachschubs unerläßlicher Bestandteil einer
erfolgreichen Drogenstrategie ist".
Obwohl die Vereinigten Staaten und andere Nationen
den Drogen herstellenden Ländern bei ihren Bestrebungen zur Drogenbekämpfung Unterstützung leisten
wollen, "erwarten wir gleichzeitig von ihnen den
politischen Willen zu der schwierigen Entscheidung
gegen die Drogenproduktion".
Der Bericht stellt fest, daß praktisch alle der führenden Drogen produzierenden und Transitländer jetzt
eine beträchtliche Anzahl Abhängiger haben, "die
nicht nur die politische, soziale und wirtschaftliche
Stabilität der Nationen untergraben, sondern auch
dem Drogenhandel neue Märkte eröffnen".
Der Bericht unterstreicht, daß die US-Regierung sich
"auf die Stärkung von Institutionen in Ländern konzentrieren werden, die den politischen Willen zur
Drogenbekämpfung unter Beweis stellen".
"Die US-Regierung wird sich auch auf die Zerschlagung von Dealerringen und das Abfangen der Drogen
in jedem Stadium von der Quelle bis zum Bestimmungsort konzentrieren", betont der Bericht. "Gleichzeitig wird die US-Regierung die Dealerorganisationen an ihrem empfindlichsten Punkt - ihren Finanzoperationen - angreifen."
Zu den einzelnen Ländern stellt der Bericht folgendes
fest:
Afghanistan. Ist der zweitgrößte Opiumproduzent
der Welt nach Burma. Das wiederholte Scheitern der
konkurrierenden Fraktionen in Burma bei der Erlan-

Seite 1

�gung einer allgemeinen politischen Lösung verhindert weiterhin die staatliche Kontrolle über einen
Großteil des Landes und konkrete Schritte gegen
illegalen Suchtstoffhandel.

Libanon. Das Land ist trotz der jüngsten Erfolge bei
der Ausrottung der Mohnblume im Bekaa-Tal weiterhin ein Produktionszentrum für Heroin, Haschisch und
Kokain.

Baltikum. In den baltischen Staaten Estland,
Lettland und Litauen faßt der Drogenhandel Fuß.
Die Gesundheitsbehörden in allen drei Ländern sind
jedoch der Ansicht, daß der Drogenhandel trotz
seines Anstiegs noch ein relativ kleines Problem
darstellt.

Mexiko. Trotz enger Zusammenarbeit und Fortschritten bleibt die tiefverwurzelte Korruption die größte
Herausforderung der mexikanischen Regierung. Die
Regierung muß ihre legalen Werkzeuge für die
Bekämpfung der Geldwäsche und Kontrolle des
Handels mit Grundstoffen und wichtigen Chemikalien
verbessern.

.

Bolivien. Dieses Land ist ein bedeutender Drogenproduzent und verantwortlich für nahezu ein Drittel
der Weltproduktion an Kokapflanzen. Obwohl
Bolivien bei seinen Bemühungen zum Abfangen der
Lieferungen einige Fortschritte machte, gelang es
dem Land nicht, das in den bilateralen Abkommen
mit den Vereinigten Staaten angestrebte Ziel zu
erreichen.

Nigeria. Die Drogenhändlerringe Nigerias kontrollieren Verbindungsnetze, die große Mengen Heroin aus
Asien in die Vereinigten Staaten und auf die europäischen Märkte bringen und betreiben ausgefeilte
Geldwäscherringe.
Pakistan. Teilweise als Ergebnis der politischen
Unruhen im Jahr 1993 ergriff die pakistanische Regierung wenige neue Maßnahmen oder Gesetzesinitiativen zur Drogenkontrolle.

Burma. Die Regierung Burmas hat trotz häufiger
öffentlicher Erklärungen und einiger gesetzgeberischer Bemühungen seit 1988 keine ernsthaften oder
dauerhaften Bestrebungen zur Kontrolle von Suchtstoffen unternommen.

Panama. Das Land machte 1993 Fortschritte auf
einigen Gebieten der Drogenbekämpfung, liegt jedoch
in dem entscheidenden Bereich der Kontrolle von
Geldwäsche noch zurück.

China. Die führenden Politiker Chinas haben
gegenüber Drogenhandel und -konsum eine harte
Haltung eingenommen.
Kolumbien. Dieses Land ist der geographische
Kern der Weiterverarbeitung von Kokain und des
weltweiten Handels mit dieser Droge. Es produziert
auch Heroin. Die kolumbianische Regierung arbeitet
bei einer Vielzahl von Aktivitäten im Bereich der
Drogenkontrolle mit den Vereinigten Staaten zusammen. Die Bestrebungen zur Verfolgung der wichtigsten Drogenhändler haben jedoch bestenfalls
gemischte Ergebnisse gezeitigt.
Indien. Obwohl Indien vor kurzem mit Pakistan und
Burma Gespräche über Drogenkontrolle aufgenommen hat, könnte es auf dem Gebiet internationaler Zusammenarbeit mehr unternehmen. Indien ist
ein Transitland für Heroin und andere illegale Opiumderivate aus Südwest- und Südostasien.
Iran. Das Land ist ein wichtiger Umschlagplatz für
illegale Opiate aus Pakistan und Afghanistan. Die
iranische Regierung behauptet, sie hätte bei der
Bekämpfung illegaler Drogen Fortschritte gemacht.
Diese Behauptungen sind schwer zu überprüfen, da
die Vereinigten Staaten keine diplomatischen Beziehungen zum Iran unterhalten.
*

Seite 2

Peru. Nahezu zwei Drittel des weltweiten Kokainangebots stammt von den in Peru angebauten Kokablättern. Die Regierung hat den politischen Willen
gezeigt, gegen den Drogenhandel vorzugehen, wird
jedoch den Anbau nicht beseitigen, ohne alternative
Programme für die Kokapflanzer anzubieten.
Rußland. Die Drogenprobleme des Landes vergrößerten sich 1993. Die wirtschaftliche Situation, ein
allgemeiner Mangel an Koordination auf höherer
Ebene sowie eine Lockerung der Sicherheit an den
Grenzen haben Drogenschmuggler angezogen, die
neue Wege von Asien auf die westeuropäischen
Drogenmärkte suchen.
Syrien. Die syrische Militärpräsenz im Libanon gibt
Syrien neben dem Libanon zumindest einen Teil der
Verantwortung für den Anbau und die Verarbeitung
von libanesischen Heroin, Haschisch und Kokain, das
für Europa, die Golfstaaten und die Vereinigten
Staaten bestimmt ist. Die Syrer haben 1993 den
durch ihr Land gehenden Drogenhandel nicht entscheidend verringert. Das Land ist nur sporadisch
und ineffektiv gegen die Drogenlabors vorgegangen
und hat keine syrischen Regierungsmitglieder überprüft, verhaftet oder strafrechtlich verfolgt, die am
Drogenhandel beteiligt sein sollen.

* * * *

AMERIKA DIENST 14

«

�BILDUNG
13. April 1994

CLINTON UNTERZEICHNET GESETZ FÜR
UMFASSENDE REFORM DES BILDUNGSWESENS
'Goals 2000" stellt neue Normen auf
WASHINGTON - (AD) - Am 31. März 1994 verlieh
Präsident Clinton durch seine Unterschrift einer
umfassenden Bildungsreform Gesetzeskraft, die ihm
zufolge "Normen darüber aufstellen soll, was jedes
Kind in jeder amerikanischen Schule wissen sollte Normen von Weltklasse".
"Dies ist ein neuer und anderer Ansatz der Regierung", erklärte der Präsident, "ein bemerkenswerter
Ausgangspunkt" für eine Nation, die vorher den
Großteil der Verantwortung für die Bildung ihrer
Bürger auf Tausende von örtlichen Schulbezirken
übertragen hatte.
"Heute können wir sagen, daß Amerika es mit der
Bildung ernst meint", so der Präsident. "Amerika
liegt die Zukunft jedes Kindes am Herzen und
Amerika wird im 21. Jahrhundert in der Welt eine
Führungsrolle spielen, weil wir sicherstellen werden,
daß (die Schüler) ... (ihre) von Gott gegebenen
Begabungen so weit wie möglich zum Tragen
bringen".
Präsident Clinton bezeichnete das neue Gesetz als
"Grundlage" für die Bildung im Amerika der Zukunft,
in dem "wir jedem Kind, das nicht das College
besucht, eine Chance geben, die erforderliche
praktische Ausbildung zu erhalten; in dem jedes
Kind, das aufs College gehen möchte, sich keine
Sorgen über die Finanzierung machen muß und
jeder Erwachsene die Möglichkeit zu lebenslangem
Lernen hat. Dies ist der Anfang."
Der Präsident stellte fest, daß ein Amerikaner
durchschnittlich zehnmal im Leben seinen Arbeitsplatz wechselt und teilte mit, das Gesetz Goals
2000: Educate America werde den Amerikanern
dabei helfen, sich auf "lebenslanges Lernen vorzubereiten... Wir haben das nie zuvor getan, wir
werden es jedoch wegen dieses Gesetzes tun." Die
Äußerungen des Präsidenten während der Unter-

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zeichnungszeremonie in Kalifornien wurden ins
Weiße Haus übertragen.
"Wir sind der Ansicht", so Clinton, "daß jedes Kind
lernen kann und muß" - auf einem Niveau, das es
gegenüber Kindern aus anderen Kulturen und anderen Ländern konkurrenzfähig macht. Er fügte
hinzu, Erwachsene "haben eine praktische und eine
moralische Verpflichtung" gegenüber Kindern, "sicherzustellen, daß (Schüler) hierzu eine Chance erhalten".
Der Präsident, der in San Diego (Kalifornien) Urlaub
macht, reiste in die nahegelegene Fine Arts Academy
in Zamorano, eine staatliche Grundschule, um das
Gesetz zu unterzeichnen. Eine kleine Gruppe von
Schülern wurde eingeladen, eine Kopie des Gesetzes
zu unterzeichnen, die in der Schule ausgestellt wird.
Clinton versprach, bei seiner Rückkehr in die Bundeshauptstadt Washington in der kommenden Woche
eine offiziellere Unterzeichnungszeremonie abzuhalten.
Präsident Clinton entschied sich eigenen Angaben
zufolge zur Unterzeichnung des Gesetzes in Zamorano, weil die Schule mit ihrer "in ethnischer, rassischer
und wirtschaftlicher Hinsicht sehr Vielfalt igen" 900köpfigen Schülerschaft vorzügliche Leistungen erbracht
habe. "Sie sehen aus wie das Amerika des 21.
Jahrhunderts, und wir müssen mit Ihnen gewinnen."
Zamorano bezeichnete er als eine "magnetische
Schule", die wegen ihrer akademischen Errungenschaften Schüler aus dem gesamten Schulbezirk
anziehe.
Bevor Clinton seine Unterschrift unter das Gesetz
setzte, hielten er, seine Frau Hillary und Bildungsminister Richard Riley eine Telekonferenz mit renommierten Befürwortern des Gesetzes aus dem Kongreß ab, darunter dem Mehrheitsführer im Senat,
George Mitchell, dem Vorsitzenden des Bildungsaus-

Seite 1

�Schusses im Senat, Senator Edward Kennedy,
einem äußerst wichtigen Förderer aus den Reihen
der Republikaner, Senator James Jeffords sowie
dem Speaker des Repräsentantenhauses, Tom
Foley.

Ihre Energie, und wir werden Sie unterstützen. Wir
werden all Ihre besten Ideen ermutigen und Ihre
Energie fördern.'"

Das neue Gesetz ist der Höhepunkt nationaler
Basisbestrebungen, die aufgrund des Berichts einer
Präsidialkommission über die Mängel im öffentlichen
Bildungswesen mit dem Titel Eine gefährdete
Nation (A Nation At Risk) in die Wege geleitet
wurden. Präsident Bush berief 1989 ein Gipfeltreffen der Gouverneure des Landes in der University of
Virginia ein und Clinton, damals der Gouverneur des
Bundesstaates Arkansas, spielte eine Schlüsselrolle
bei der nationalen Gouverneurskonferenz bei der
Erarbeitung der jetzt gesetzlich verankerten Vorschläge.

Das neue Gesetz wird einheitliche nationale Bildungsziele definieren, Flexibilität auf lokaler Ebene zur
Erfüllung dieser Ziele fördern und berufliche Bildung
für Schüler bereitstellen, die nicht aufs College
gehen. Arbeitsminister Robert Reich bekräftigte bei
der Verabschiedung der Maßnahme durch den
Kongreß in der vergangenen Woche, daß dank des
Gesetzes "Unternehmer Hand in Hand mit Lehrkräften, Arbeitnehmer- und Gemeindevertretern" zusammenarbeiten werden, um Qualifikationsnormen
festzusetzen. "Zum ersten Mal", fügte er hinzu,
"können Arbeitgeber, Arbeitnehmer und Lehrkräfte
eine gemeinsame Sprache über die am Arbeitsplatz
erforderlichen Qualifikationen sprechen".

Das Gesetz sieht vor, daß "jeder Schüler die Schule
bereit und willens zu lernen besuchen sollte", durch
Vorschulprogramme wie Head Start, und "90 Prozent der Jugendlichen ebenso wie die Schüler
anderer Nationen innerhalb der vorgesehenen Zeit
die Schule abschließen sollten".

Wie Riley darlegte, enthält das Gesetz Verfügungen
für eine Rolle des Staates, die Schulen für die Kinder
sicherer zu machen und gleichzeitig höhere akademische Normen und bessere Lehrkräfte zu ermutigen.
Es wird neue Technologien zur Verbesserung des
Lernens fördern.

Obwohl das Gesetz Bildungsnormen in Grundbereichen festsetzt, bleibt den Schulbezirken, denen die
Hauptverantwortung für die öffentliche Bildung
zukommt, die Feststellung überlassen, wie die
Normen erreicht oder übertroffen werden. Das
Gesetz sieht Prüfungen zur Beurteilung der schulischen Leistungen vor.

Riley zufolge wollen die Amerikaner, "daß ihre Kinder
Teil der sich abzeichnenden, neuen hochtechnologischen Volkswirtschaft mit einem hohen Wissensstand
des 21. Jahrhunderts werden. Diese freiwilligen
nationalen Normen bei den akademischen Hauptfächern wie Englisch, Staatsbürgerkunde, Geographie,
Geschichte, Mathematik, Naturwissenschaften,
Fremdsprachen und Kunst wird den Eltern, Lehrkräften und Unternehmern ein deutliches Zeichen geben,
was man unter Weltklassebildung versteht".

Clinton stellte fest, daß sich im Bildungswesen
bereits gewisse Veränderungen abzeichnen, und
"man etwas Neues, anderes versucht, das bisher
noch nie ausprobiert worden ist", einschließlich
neuer Wege zur Organisation der Schulen und neue
Arten von Lehrern. "Wir wissen, daß letztlich die
Kinder lernen müssen", erläuterte der Präsident.
"Also wollen wir Weltklassestandards, wir wollen
einen Maßstab, ob die Kinder lernen oder nicht, und
wir wollen einen Weg, um den Menschen sagen zu
können, 'das sind die Normen, damit wissen Sie, ob
Sie es schaffen oder nicht, nun finden Sie heraus,
wie Sie es anpacken. Gebrauchen Sie Ihren Kopf,
*

Seite 2

Die Schauspielerin Jane Alexander, Vorsitzende der
Nationalen Stiftung für die Schönen Künste, begrüßte
die Maßnahme und unterstrich, die Konzentration auf
die Künste "wird kreative Denker und künstlerisch
gebildete Kinder kultivieren ... und Qualifikationen
anbieten, die das Lernen während des gesamten
Lebens fördern".

*

AMERIKA DIENST 14

»
'

�LANDESKUNDE
13. April 1994

HAUPTSTADTBESUCHE
von Patricia Harris und David Lyon
Die beiden Autoren beschreiben ein Dutzend der 50 Hauptstädte amerikanischer Bundesstaaten, die jeweils
die Identität der Amerikaner als Volk in etwas unterschiedlicher Weise widerspiegeln.
Die Verfasser schreiben für Adventure Road. Veröffentlichung und Übersetzung mit freundlicher Genehmigung
von Adventure Road. Copyright (c) 1992 Patricia Harris und David Lyon.

Architekten und Historiker vertreten die Auffassung,
öffentliche Gebäude trügen zum Verständnis der
Menschen bei, die sie gebaut haben, und diese Idee
ist nicht ganz von der Hand zu weisen. Die 50
Hauptstädte der amerikanischen Bundesstaaten
spiegeln die obersten Ziele der Bürgerschaft besonders anschaulich wider. David Chase, Kurator des
National Building Museum in der Bundeshauptstadt
Washington, stellt fest: "Die Regierung sollte ein
erhabenes Unterfangen sein, also meint man, sie
sollte in einem diese Bedeutung zum Ausdruck
bringenden Gebäude untergebracht sein."
Jede Bundeshauptstadt spiegelt die Identität der
Amerikaner als Volk in etwas unterschiedlicher
Weise wider. Im folgenden geben wir Beispiele
einiger Hauptstädte mit einer ungewöhnlichen
Geschichte und herausragenden Architektur.
Die frühen Tage
Das Staatsparlament von Annapolis (Maryland) ist
das älteste, ununterbrochen von der Legislative
benutzte Kapitol eines Bundesstaates und diente als
erstes Friedenskapitol der Vereinigten Staaten. Der
Grundstein wurde 1772 gelegt, aber der Bau wurde
durch die Revolution verzögert und das Gebäude
erst 1779 fertiggestellt. Zum ersten Mal wurde der
inzwischen vertraute Stil einer großen Kuppel auf
einem rechteckigen Block verwandt - ein im Kapitol
der Vereinigten Staaten in Washington kopierter
Entwurf.
Thomas Jefferson führte die andere Hauptstilrichtung
für Kapitolsgebäude ein, die erstmals mit dem
Kapitol von Virginia in Richmond verwirklicht wurde.
Er wählte einen römischen Tempel in Nimes aus

AMERIKA DIENST 14

dem 1. Jahrhundert als Modell, und so wurde das
zwischen 1785 und 1788 erbaute Kapitol von Virginia
das erste öffentliche Gebäude der Neuen Welt mit
den Säulen im Stil des klassischen Humanismus.
Im Kapitol von Virginia ist auch eine bemerkenswerte
Sammlung von Statuen untergebracht, darunter
Büsten aller in Virginia geborenen Präsidenten der
Vereinigten Staaten. Eine herrliche lebensgroße
Marmorstatue von George Washington - die einzige,
für die er je Modell stand - beherrscht die Rotunde.
Auch andere Kapitolsgebäude zeugen von der
amerikanischen Geschichte. Das Kapitol von Columbia (South Carolina) befand sich im Bau, als 1861 der
Bürgerkrieg ausbrach. Sechs Bronzesterne auf der
westlichen Wand markieren die Einschlaglöcher der
Kanonenkugeln. Angesichts der harten Zeiten nach
dem Bürgerkrieg dauerte die Fertigstellung des
Gebäudes - ein herrliches Beispiel des römisch-korinthischen Stils - vier Jahrzehnte. Jede der blauen
Granitsäulen des vorderen und hinteren Säulengangs
ist 13,1 Meter hoch, wiegt ungefähr 37 Tonnen und
ist aus einem einzigen Steinblock gearbeitet.
Das Kapitol in Raleigh (North Carolina) litt weniger
unter dem Bürgerkrieg als unter den Folgen der
Rekonstruktion. Während dieser berüchtigten Zeit
wurde ein Sitzungsraum im zweiten Stock in eine Bar
umgewandelt, die zu den Kammern führenden
Granitstufen sind angeschlagen und gefurcht, angeblich von Whiskey-Fässern. Ansonsten das besterhaltene Gebäude des Landes im Stil des griechischen
Humanismus, enthält der Bau von 1840 zahlreiche
antike Details. Die äußeren Säulen sind denen des
Parthenon nachempfunden, und die Kammer des
Repräsentantenhauses folgt dem Plan eines griechischen Amphitheaters.

Seite 1

�Die Ära des Selbstbewußtseins
Statt die Antike wiederzugeben, steht das majestätische Kapitol in Des Moines (Iowa) für die Leistungen
amerikanischer Handwerker und die Vielfalt des
Bundesstaates.
Der zwischen 1871 und 1886
errichtete palastartige Bau enthält sieben inländische
und 22 importierte Marmorsorten. Seine Hauptkuppel ist mit 23karätigem Gold verziert.
Höchste Handwerkskunst herrscht vor, insbesondere
bei den Steinmetzarbeiten und Holzschnitzereien
sowie den kunstvoll bemalten Decken. Die Endpfosten des Haupttreppenaufgangs - dem Mittelpunkt
des Gebäudes - sind mit Girlanden von Früchten,
Blumen, Obst, Nüssen, Schmetterlingen und Vögeln,
einschließlich einer Fledermaus mit ausgbreiteten
Flügeln, einem kämpfenden Dinosaurierpaar und
einer Schlange mit gespaltener Zunge verziert. Auf
dem Treppenabsatz stellt das Gemälde "Westwärts"
symbolisch den Geist der Zivilisation und Aufklärung
dar, von dem die Pioniere bei der Kultivierung des
Westens geleitet waren.
Texas hat das größte Kapitol eines Bundesstaates.
In seiner Gesamtgröße nur vom Kapitol in der
Bundeshauptstadt Washington übertroffen, ist es 2,1
Meter höher als das Gebäude in Washington. Im
Jahr 1888 fertiggestellt, wird der Bau in Austin zur
Zeit renoviert, während dahinter unterirdische Büros
erstellt werden. Der gewaltige Bau aus der Zeit der
italienischen Renaissance hat eine Grundfläche von
12.140,4 m2 und eine Gesamtfläche von 72.842,4
m2.
Das rote Granitgebäude ist schön und groß. Auch
enthält es wunderbare Verzierungen und genug
Statuen berühmter Texaner, um damit ein Museum
auszustatten. Das letzte Wort hat jedoch die Skulptur an der Spitze des Kuppelgewölbes. Die mit einer
Toga bekleidete junge Frau hält einen Stern in die
Höhe - das Wahrzeichen des Bundesstaates Texas.
Die vergoldete Statue einer Frau, die auf der Kuppel
des Kapitols von Madison im Bundesstaat Wisconsin
steht, symbolisiert das Motto "Vorwärts".
Das
zwischen 1906 und 1917 errichtete Gebäude hat
eine ungewöhnliche Struktur, da die vier Flügel von
der Rotunde und der Hauptkuppel ausgehen, der
einzigen Granitkuppel in den Vereinigten Staaten.
Diese Gestaltung schafft eine wunderschöne Innenansicht.
Moderne Visionen der Demokratie
West Virginia beauftragte Cass Gilbert, den berühmten Architekten großartiger öffentlicher Gebäude, das
Kapitol des Bundesstaates in Charleston mit Blick
über den Kanawha zu entwerfen. Die Gesetzgeber

Seite 2

schlössen unter genauer Kontrolle der Kosten das
Projekt in drei separaten Verträgen zwischen 1924
und 1932 ab, deckten die Kosten durch eine Sondersteuer und brachten das Projekt in den Haushalt ein.
Das Ergebnis kann kaum als schmucklos bezeichnet
werden: Säulengänge mit majestätischen Säulen aus
Kalkstein von jeweils 86 Tonnen und massive Türen
aus Bronze und Kupfer. Schwarze Marmorsäulen mit
Alabasterurnen säumen die Hallen. Eine glänzende,
vergoldete Kuppel (1990 frisch vergoldet) hebt sich
leuchtend gegen den Himmel ab. Die üppigen
Kurven und klaren Linien des Gebäudes weisen es
als architektonische Leistung aus. Wahrscheinlich
enttäuschte es Gilbert, der genaue Angaben zu
Skulpturen und Bemalung der unteren Reliefs machte. Zu dem Zeitpunkt, als mit dem Bau des unteren
Teils begonnen wurde, brach gerade der Aktienmarkt
zusammen und es gab eine Dürre. Der Bundesstaat
beschloß, auf die Details zu verzichten und ohne
Verschuldung ein elegantes Gebäude zu errichten.
Die Architekten des Kapitols von Oklahoma waren
wahrscheinlich auch enttäuscht, als sich die ursprünglich vorgesehenen Gelder für den Bau der
geplanten Kuppel als unzureichend erwiesen, was zur
Einstellung der Arbeiten im Jahr 1917 führte. Seitdem haben die Gesetzgeber keine Gelder mehr für
die Kuppel bewilligt, so daß das Geld durch Bürgerinitiativen aufgebracht wird.
Das Kapitol von Oklahoma ist das einzige seiner Art,
das auf einem Ölfeld errichtet wurde. Je nach
Jahreszeit sind auf dem Grundstück des Kapitols
mehr als fünf Ölquellen in Betrieb. Der Bohrturm im
Blumenbeet des Kapitols ist abgestellt, da die Quelle
versiegt ist, er symbolisiert jedoch den Reichtum an
Bodenschätzen dieses Bundesstaates.
In der Rotunde gibt es vier Wandgemälde: "Entdekkung" (die frühe Erforschung des Landes), "Grenzhandel" (die französische Herrschaft unter Napoleon),
"Indianische Einwanderung" (ein Tribut an die 67
Indianerstämme des Bundesstaates) und "Besiedelung" (das den Ansturm auf das Land in Oklahoma
zeigt. Am 12. April 1889 war Oklahoma nur Prärie,
bei Anbruch der Nacht hatte es 10.000 Bewohner).
Nebraska bemühte sich bewußt um ein Design, das
sich vom Kapitol anderer Bundesstaaten abhob und
schuf ein erstaunliches Art Deco-Gebäude mit einem
122 Meter hohen Obelisken, der sich von einem
rechteckigen Fundament über die Ebenen von
Lincoln erhebt. Er stellt eindeutig etwas Einzigartiges und eine Einheit dar. Die Arbeit am Kapitol
wurde 1922 begonnen, erstreckte sich jedoch über
ein Jahrzehnt, da es um das alte Staatsparlament
herum gebaut wurde, damit die Behörden ihre Arbeit
fortsetzen konnten. In der Eingangshalle ist eine
gemalte Chronik der frühen Pioniere zu finden. In
der großen Halle stellen 1967 aus Anlaß der Hundert-

AMERIKA DIENST 14

�jahrfeier hergestellte Mosaike bedeutende Ereignisse
aus Nebraska dar.
Symbolische Erklärungen
Der Regierungssitz in Olympia im Bundesstaat
Washington betont die natürliche Schönheit des
Bundesstaates. Nach Jahrzehnten der Enge in dem
unzureichenden hölzernen Staatsparlament nahm
Washington 1911 einen radikalen Plan an und
beendete den Bau 1928. Das Kapitoi des Bundesstaates Washington besteht aus einer Gruppe
einzelner Gebäude für jeden Regierungszweig in
einem 14 Hektar großen Park mit Blick über den
Caprtol Lake und den Budd Inlet of Puget Sound ein "Capitol Campus". Japanische Kirschbäume und
Bepflanzung je nach Saison beherrschen die

*

AMERIKA DIENST 14

*

Landschaft, der Brunnen ist einem Brunnen im Tivoli
in Kopenhagen nachempfunden.
Das Kapitoi von New Mexiko in Santa Fe kombiniert
den einzigartigen Architekturstil der Pueblo-Indianer
mit Elementen des griechischen Humanismus,
wodurch ein Gebäude entsteht, das dem Zia-Symbol
auf der Flagge des Bundesstaates ähnelt. Das am 8.
Dezember 1966 eingeweihte Kapitoi hat vier Etagen,
eine davon unterirdisch. Im Einklang mit der PuebloTradition sind die elliptischen Kammern der Legislativen im unteren Stockwerk, tief in der Erde angesiedelt.
Letztlich drückt jedes Kapitoi in Stein aus, was zu
einem bestimmten Platz zu gehören scheint. Es sind
die staatsbürgerlichen Monumente einer Regierung
des Volkes, durch das Volk und für das Volk.

*

*

Seite 3

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Bosnien&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Clinton: Luftangriffe der NATO im Einklang mit UNO-Politik&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung des Präsidenten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Lake: Bosnisch-kroatisches Abkommen setzt Serben unter Druck&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede an der Johns Hopkins University&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Abrüstung&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Das Nunn-Lugar-Programm&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Übersicht des Amts für Rüstungskontrolle und Abrüstung&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Exportkontrollen&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA und Verbündete gründen neue Exportkontrollgruppe&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ankündigung des Wirtschaftsministeriums&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Menschenrechte&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Förderung von Demokratie und Menschenrechten &lt;br /&gt;&lt;em&gt;John Shattuck über das Hauptziel der US-Außenpolitik&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Drogen&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wichtige und dauerhafte Erfolge beim Kampf gegen Drogen erzielt&lt;br /&gt;Bericht des Außenministeriums&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;6. Bildung&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Clinton unterzeichnet Gesetz für umfassende Reform des Bildungswesens&lt;br /&gt;&lt;em&gt;"Goals 2000" stellt neue Normen auf&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;7. Landeskunde&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Hauptstadtbesuche&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Patricia Harris und David Lyon&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>&lt;&lt;£OS^

^

SrioN ^

cimerikci
dienet

Herausgeben U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462 C
20. April 1994

15

BOSNIEN

CLINTON: KEINE ERMÄCHTIGUNG DER UNO
FÜR USA UND NATO ZUR UNTERSTÜTZUNG
GORAZDES
Einsatz von Luftstreitkräften nicht möglich

USA PRÜFEN OPTIONEN FÜR REAKTION AUF
TRAGÖDIE VON GORAZDE
Stellungnahme des Außenministers

GATT

WELTHANDELSSYSTEM DARF NICHT DIE
AUSBEUTUNG
DER
ARBEITNEHMER
FÖRDERN
Erklärung Vizepräsident Gores in Marrakesch

GLOBALE INTERDEPENDENZ ERFORDERT
ÜBERPRÜFUNG VON ARBEITSFRAGEN
Erklärung des Handelsbeauftragten

KRIEGSVERBRECHEN

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

ALBRIGHT FORDERT WELTWEITE UNTERSTÜTZUNG FÜR
KRIEGSVERBRECHERTRIBUNAL
Rede im Holocaust Memorial Museum

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.:0228-339 23 72
Fax:0228-33 4102

�BOSNIEN
20. April 1994

CLINTON: KEINE ERMÄCHTIGUNG DER UNO FÜR USA
UND NATO ZUR UNTERSTÜTZUNG GORAZDES
Einsatz von Luftstreitkräften nicht möglich
WASHINGTON - (AD) - Die Richtlinien der Vereinten
Nationen hindern die Vereinigten Staaten und ihre
Verbündeten in der NATO, den Einwohnern des
belagerten Gorazde, einer UN-Schutzzone in Bosnien, beizustehen, äußerte Präsident Clinton am 18.
April 1994.
Während Vertreter der Vereinten Nationen und
russische Diplomaten erklärten, die Stadt und ihre
mehr als 70.000 leidgeprüften Bürger seien den
angreifenden serbischen Truppen auf Gedeih und
Verderb ausgeliefert, teilte der Präsident vor Journalisten mit, der Einsatz von Luftstreitkräften zur
Verteidigung der Stadt sei weder praktikabel noch
möglich.
"Wir können nur das unternehmen, wozu wir befugt
sind", so der Präsident, der vorbrachte, die Vereinten
Nationen hätten der NATO keine Ermächtigung
erteilt, die vom UN-Sicherheitsrat errichteten Schutzzonen zu verteidigen.
"Halten Sie sich vor Augen", erläuterte der Präsident
den Reportern, "daß die Rolle der Vereinigten
Staaten und der NATO darin besteht, Luftunterstützung bereitzustellen, wenn die Vereinten Nationen darum bitten. Dies ist kein Sarajevo. Sarajevo
war ein Sonderfall."
Im Februar hatten serbische Truppen unter Androhung von NATO-Luftangriffen ihre schweren
Waffen der UNO übergeben oder sie aus der Sperrzone von zwanzig Kilometern um Sarajevo entfernt,
wodurch die Belagerung der bosnischen Hauptstadt
beendet wurde. Die serbischen Streitkräfte haben
jedoch seitdem den Zugang humanitärer Hilfskonvois
in die Stadt beschränkt, Mitarbeiter von Hilfswerken
entführt und die UNO-Truppen in ihren Stellungen
praktisch unter Hausarrest gestellt.
Der Präsident räumte ein: "Dies war kein großartiges Wochenende für den Friedensprozeß in
Bosnien." Nachrichten zufolge wird Gorazde im
Durchschnitt einmal pro Minute von einer Artillerie-

AMERIKA DIENST 15

granate getroffen, und die Mitarbeiter von Hilfswerken, Vertreter des Roten Kreuzes und ein Teil des
UNO-Personals wurden innerhalb der Stadt - wahrscheinlich von serbischen Streitkräften - unter Hausarrest gestellt.
Der Präsident billigte die Taktik des Kommandeurs
der UN-Bodentruppen, des britischen Generalleutnants Michael Rose, und erklärte, er habe die ihm zur
Verfügung stehenden Mittel nach besten Kräften
eingesetzt. "Meines Erachtens macht man es sich
leicht, die Aktionen von General Rose zu kritisieren,
der sehr aggressiv, sehr stark war und in diesem
Land und weltweit wegen seiner aggressiven Aktionen viel Unterstützung fand. Es ist leicht, jetzt zu
sagen, er hätte in Gorazde aggressiver sein sollen.
Meiner Meinung nach hat er angesichts der ihm zur
Verfügung stehenden Mittel und der Fakten das
Beste getan."
Clinton nannte die Situation "in und um Gorazde
ernst und unsicher" und machte die Serben für die
Verletzung "der Bedingungen eines mit den Vereinten
Nationen und den Russen abgeschlossenen Waffenstillstands verantwortlich". Er habe am Wochenende
den Zusammenbruch des Waffenstillstands und der
diplomatischen Bemühungen beobachtet und erklärte,
als er zu einem Redetermin nach Milwaukee aufbrach, seine wichtigsten sicherheitspolitischen Berater
würden im Laufe des Tages zur Besprechung der
Situation zusammentreffen.
Der Präsident teilte einem Fragesteller mit, er befürworte immer noch eine Aufhebung des Waffenembargos für Bosnien, das vom Sicherheitsrat gegen
alle Staaten des ehemaligen Jugoslawien verhängt
worden war. Die serbischen Streitkräfte verfügen
über Panzer und schwere Artillerie, die einst der
jugoslawischen Armee angehörten, während die
bosnischen Muslime nur wenige schwere Waffen
besitzen. Berichten zufolge haben Einheiten der
serbischen Streitkräfte Seite an Seite mit Truppen der
bosnischen Serben gekämpft.

Seite 1

�Der Präsident äußerte, er sei immer der Meinung
gewesen, das Waffenembargo wirke sich zum
Nachteil der bosnischen Muslime und zum Vorteil
der Serben aus, und das sei immer noch der Fall.
Aus diesem Grund befände man sich derzeit in einer
solch üblen Lage.
Er nannte jedoch eine Reihe von Faktoren, die
gegen eine Aufhebung des Embargos zum derzeitigen Zeitpunkt sprächen, einschließlich der Tatsache,
daß dies lediglich die Kampfhandlungen verlängern
würde, ohne sie zu einem endgültigen Abschluß zu
bringen. Sollte das gegen Bosnien verhängte UNEmbargo aufgehoben werden, so argumentierte er
ferner, würden einige Staaten das UN-Embargo
gegen den Irak verletzen.
Unterdessen deutete die Pressesprecherin des
Weißen Hauses, Dee Dee Myers, an Bord der Air
Force One an, das schlechte Wetter über Gorazde
sei der Hauptverbündete der angreifenden serbischen Truppen gewesen.
Auf die Frage, ob angesichts der mangelnden
Luftunterstützung für die UN-Mitarbeiter in der Stadt
die NATO "mehr bellt als beißt", entgegnete Myers,
das träfe nicht zu. Sie räumte jedoch ein, es habe
"am Wochenende und in der vergangenen Woche
Probleme gegeben, insbesondere das schlechte
Wetter. Somit ist es schwierig... Die NATO-Streitkräfte können die Ziele nicht richtig identifizieren."

*

Seite 2

*

Myers machte ihre Äußerungen vor Journalisten,
während Clinton sich auf dem Flug nach Milwaukee
befand, wo er um Unterstützung für seine Pläne zur
Gesundheitsreform werben wollte.
Sie teilte mit, der Präsident habe während des Flugs
ein zehnminütiges Telefongespräch mit Bundeskanzler Kohl geführt, bei dem die beiden Politiker "die
Situation in Bosnien erörterten und ihr beiderseitiges
Engagement für eine Verhandlungslösung bekräftigten. Sie beschlossen, in Kontakt zu bleiben."
Myers zufolge ist der einzige Weg "zur Beendigung
der Feindseligkeiten eine Verhandlungslösung, und
meiner Ansicht nach wissen die bosnischen Serben
das ebenso wie jeder andere Beteiligte". Sie brachte
vor, es habe auf dem Gebiet "einige Fortschritte"
gegeben und äußerte: "Sie dürfen nicht vergessen,
daß wir die Flugverbotszone über Bosnien durchgesetzt haben, was bedeutet, daß die Serben keine
Luftstreitkräfte eingesetzt haben. Sarajevo wurde
Schutz gewährt, und das war entscheidend."
Die Pressesprecherin des Weißen Hauses stellte fest,
"die Androhung von Gewalt hat gewisse Fortschritte
im diplomatischen Bereich bewirkt, oder zumindest
dabei, der serbischen Aggression Einhalt zu gebieten,
damit die diplomatischen Bemühungen fortgesetzt
werden können. Die Rolle der UNO und die Androhung von Gewart waren an verschiedenen Fronten
erfolgreich. Das heißt jedoch nicht, Gorazde sei kein
ernstes Problem. Das ist es in der Tat."

*

*

AMERIKA DIENST 15

�BOSNIEN
20. April 1994

USA PRÜFEN OPTIONEN FÜR REAKTION
AUF TRAGÖDIE VON GORAZDE
Stellungnahme des Außenministers
WASHINGTON - (AD) - Indem er den Krieg in
Bosnien als "die größte menschliche Tragödie in
Europa seit dem Eisernen Vorhang" bezeichnete,
stellte Außenminister Christopher fest, die Vereinigten Staaten unterzögen ihre Optionen für eine
geeignete Reaktion auf die Belagerung Gorazdes
durch die bosnischen Serben einer eingehenden
Prüfung.
In seiner Rede bei einer nationalen außenpolitischen
Konferenz für Lehrkräfte an weiterführenden Bildungseinrichtungen am 18. April 1994 im US-Außenministerium erklärte der Außenminister, die von den
Vereinigten Staaten in Bosnien ergriffenen positiven
Maßnahmen seien "von den schrecklichen Ereignissen der vergangenen Woche in Gorazde überschattet worden", einer isolierten Muslimenklave, die vom
Sicherheitsrat der Vereinten Nationen zur Schutzzone erklärt worden ist.
"Durch ihre flagrante Aggression und ihr unmenschliches Vorgehen haben die bosnischen Serben
erneut ihre Verachtung für die internationale Staatengemeinschaft und alle humanitären Belange unter
Beweis gestellt", so der Außenminister. Mit der
Feststellung, die Belagerung Gorazdes sei am
Wochenende in Washington die Hauptsorge gewesen, äußerte er, der Krieg in Bosnien sei die größte
menschliche Tragödie in Europa seit dem Eisernen
Vorhang.
"In diesem Augenblick unterziehen wir unsere
Optionen für eine geeignete Reaktion auf die Belagerung Gorazdes durch die bosnischen Serben und
die Situation in Bosnien insgesamt einer eingehenden Prüfung", stellte Außenminister Christopher fest.
Bei einem Phototermin mit dem zu Besuch weilenden slowakischen Außenminister Eduard Kukan
beschrieb Christopher später die Lage als "äußerst
ernst".
"In den vergangenen Tagen haben die Serben die
Vereinten Nationen angelogen, haben die sie seit
jeher unterstützenden Russen angelogen sowie sich
in ein Netz von Lügen und irreführenden Erklärun-

AMERIKA DIENST 15

gen verstrickt, das seinesgleichen sucht", äußerte der
Außenminister vor Journalisten.
"Wir werden uns mit der Situation dort befassen, und
meines Erachtens ist es weder klug noch angeraten
für mich, die uns zur Verfügung stehenden Optionen
zu diskutieren", antwortete Christopher auf die Frage,
ob militärische Aktionen in Erwägung gezogen
würden. "Zweifelsohne gibt es ein ziemlich breites
Spektrum an Optionen. Offensichtlich werden wir im
Zusammenhang mit der Situation nichts ausschließen."
Im Hinblick auf die von den Vereinigten Staaten zur
Bewältigung der Krise in Bosnien ergriffenen Maßnahmen erläuterte Christopher: "Wir haben die am
längsten andauernde Luftbrücke mit humanitären
Hilfslieferungen in der Geschichte eingerichtet und für
die Menschen in Bosnien über 10 Millionen Tonnen
Mahlzeiten abgeworfen. Wir haben die internationalen Bestrebungen zur Verhängung von Sanktionen
gegen Serbien angeführt - eines der wenigen Druckmittel, die uns noch zur Verfügung stehen. Wir
haben zur Verhinderung einer Ausweitung des
Konflikts nach Makedonien und in den Kosovo
beigetragen, und dies sind sehr feste amerikanische
Verpflichtungen."
Darüber hinaus haben die Vereinigten Staaten hart
an der Einrichtung eines Kriegsverbrechertribunals
gearbeitet, "um einige der Menschen zur Rechenschaft zu ziehen, die für Aktionen wie die am Wochenende verantwortlich sind", stellte Außenminister
Christopher fest.
Die Vereinigten Staaten leiteten eine neue Runde der
Diplomatie ein, die im Februar begonnen und dazu
beigetragen hat, "ein Abkommen zwischen den
bosnischen Muslimen und den Kroaten in Bosnien zu
erlangen, das ihren Krieg beendet, die Bürde ihres
Volkes mildert und hoffentlich den Weg zu einer
umfassenden Lösung ebnet", so der Außenminister.
"NATO-Flugzeuge haben das Ultimatum durchgesetzt, das den Beschuß Sarajevos stoppte, und
glücklicherweise dauert diese Situation an. Wir

Seite 1

�haben zur Durchsetzung der Flugverbotszone beigetragen und vier serbische Flugzeuge abgeschossen, die dieses Verbot verletzten."
Bei seiner regulären Pressekonferenz erklärte der
Sprecher des Außenministeriums, Michael McCurry,
die Optionen für Aktionen der Vereinigten Staaten zu
Bosnien würden auf "höchster Ebene" im Nationalen
Sicherheitsrat geprüft. Normalerweise versteht man
darunter den Außen- und Verteidigungsminister, den
CIA-Direktor und den Nationalen Sicherheitsberater.
"Aus diesem Grund kann ich Ihnen wirklich nichts ...
darüber sagen, welche Schritte wir im Hinblick auf
Gorazde, andere Schutzzonen oder Kämpfe in
Bosnien generell unternehmen werden", stellte
McCurry fest. Es habe Berichte über den weiteren
Beschuß von Gorazde gegeben und möglicherweise
sei ein Krankenhaus getroffen worden. "Die Angriffe
der bosnischen Serben am Wochenende hatten 35
Tote und über 200 Verletzte zur Folge", äußerte
McCurry und fügte hinzu, Berichten zufolge hielten
sich noch immer Panzer der bosnischen Serben in
unmittelbarer Umgebung der Stadt auf.
Auf die Frage nach dem möglichen Schicksal der
65.000 in Gorazde eingeschlossenen Menschen
antwortete der Sprecher: "Sie befinden sich in einer
Lage, die mit den Worten eines UNO-Beamten als
menschliches Desaster beschrieben werden könnte,
wenn die bosnischen Serben die Stadt zu überrollen
versuchen sollten."
Seines Erachtens sei Gorazde keine Schutzzone,
erwiderte McCurry einem Fragesteller und fügte
hinzu: "Es ist eine umkämpfte, von der UNO geschützte Enklave, in der sich im Augenblick Zehntausende von Flüchtlingen befinden, die sich einer
Offensive der bosnischen Serben ausgesetzt sehen."
Er erläuterte, er wolle nichts über den Status von
Gorazde im Rahmen der Resolutionen des UNSicherheitsrats implizieren. "In der Tat glaube ich
nicht, daß sich heute irgend jemand in Gorazde
sicher fühlen kann. Das ist alles, was ich sagen
wollte."
Die Vereinigten Staaten befürworten andauernde
Bestrebungen zur Entsendung ukrainischer Truppen
nach Gorazde, um die kleine dort stationierte UNOSchutztruppe UNPROFOR zu unterstützen - ein
Schritt, der seines Erachtens "sehr hilfreich wäre".
In jeder der im Rahmen der UNO-Resolutionen
erklärten sogenannten "Schutzzonen" gebe es eine
"beträchtliche" Anzahl von UNO-Mitarbeitern, im
Gegensatz zur Situation in Gorazde, wo sich nie
mehr als rund ein Dutzend UNO-Beobachter aufhielten, führte McCurry aus.

Seite 2

Er unterstrich, die UNPROFOR in Bosnien "versucht,
einen auf äußerst tönernen Füßen stehenden Frieden
aufrechtzuerhalten und die erforderlichen humanitären Hilfslieferungen für Hunderttausende Opfer dieses
Krieges bereitzustellen. Sie sind nicht dort, um einen
Krieg zu führen."
McCurry erklärte den Journalisten, sie sollten die
Hoffnung auf ein Ende der Offensive gegen Gorazde
nicht aufgeben, und die bosnischen Serben würden
vielleicht den wiederholten Aufforderungen des UNSicherheitsrats nachkommen, sich zurückzuziehen
und UNPROFOR-Truppen zuzulassen. "Vielleicht
erkennen sie, daß das in ihrem Interesse läge", fügte
der Sprecher hinzu.
Weil Außenminister Christopher die Serben als
Lügner und unglaubwürdig bezeichnet hatte, wurde
McCurry gefragt, wie irgend jemand überhaupt mit
ihnen verhandeln könnte. "Es ist schwierig", antwortete er. "Wie der Außenminister erläuterte, hatten wir
allerdings dank der Kraft eines von der NATO verhängten Ultimatums ein gewisses Maß an Erfolg bei
den Verhandlungen über eine Sperrzone um Sarajevo."
Bei der Beantwortung von Fragen bezüglich der Rolle
Rußlands zur der Bewältigung der Krise von Gorazde
stellte McCurry fest, der Außenminister sei zufrieden,
daß die russische Regierung "sehr sorgfältige und
geeignete diplomatische Schritte hierzu unternommen
und direkt mit den bosnischen Serben verhandelt
hat." Er fügte hinzu, einige damit befaßte russische
Diplomaten hätten erklärt, "sie könnten sich des
Gefühls nicht erwehren, von den Serben nicht aufrichtig behandelt worden zu sein."
"Ich glaube nicht, daß wir uns je Illusionen über die
von den bosnischen Serben gemachten Äußerungen
hingegeben haben", so der Sprecher des Außenministeriums. "Wir suchen nach Wegen um zu
verifizieren, welche von ihnen versprochenen Schritte
ergriffen und welche Veränderungen am Boden
stattfinden werden. Es war ziemlich klar, daß diese
Veränderungen am Boden nicht vorgenommen
würden, und meiner Ansicht nach war es für den
Westen und die russische Regierung ebenso enttäuschend."
McCurry zufolge war es "gerechtfertigt, weiterhin in
enger Verbindung zur russischen Regierung zu
stehen, während diese die diplomatischen Gespräche
mit den Serben führte. Zweifelsohne wird sie diese
Gespräche fortzusetzen versuchen. Er fügte jedoch
hinzu, "aufgrund des serbischen Verhaltens am
Boden wird es äußerst schwierig zu verstehen,
welcher diplomatische Weg der gangbare bleiben
wird".

AMERIKA DIENST 15

�Der Sprecher bekräftigte die Position der Vereinigten
Staaten, daß es keine Lockerung der Sanktionen
gegen die Serben geben kann, solange nicht eine
bosnische Lösung erzielt worden ist und die internationale Staatengemeinschaft Vertrauen haben
kann, daß sie in gutem Glauben umgesetzt wird.

Gespräche nicht angebracht sind, die eine Lockerung
der Sanktionen zum Ziel hätten. Die Serben haben
nicht einmal die grundlegendsten Verpflichtungen
über einen Waffenstillstand im Zusammenhang mit
Gorazde eingehalten, und daher gibt es meiner
Ansicht nach überhaupt keine Rechtfertigung, über
eine Lockerung der Sanktionen zu sprechen."

"Meines Erachtens belegen die Ereignisse der
vergangenen Tage jn Gorazde mehr als genug, daß
* * * *

AMERIKA DIENST 15

*

Seite 3

�GATT
20. April 1994

WELTHANDELSSYSTEM DARF NICHT
DIE AUSBEUTUNG DER ARBEITNEHMER FÖRDERN
Erklärung Vizepräsident Gores in Marrakesch
WASHINGTON - (AD) - "Ein nicht auf das Ende der Ausbeutung abzielendes Welthandelssystem wird
schließlich scheitern", erklärte Vizepräsident Gore.
In einer Rede aus Anlaß der Unterzeichnung des aus der Uruguay-Runde der weltweiten Handelsgespräche
hervorgegangenen Abkommens am 14. April 1994 vor Ministern aus mehr als 120 Ländern im marrokanischen
Marrakesch äußerte der amerikanische Vizepräsident, das Ende der Runde stelle nicht das Ende schwieriger
Fragen dar, die jetzt in einer Vielzahl internationaler Foren angegangen werden müßten, einschließlich der
neuen Welthandelsorganisation (World Trade Organization - WTO).
"Wirtschaftswachstum, das ohne Vision und ohne Berücksichtigung seiner Auswirkungen auf das Leben der
Arbeitnehmer und die - örtliche, regionale und globale - Umwelt angestrebt wird, ist Wachstum, das die Saat
für seine eigene Zerstörung birgt", teilte der Vizepräsident mit und fuhr fort: "Wirtschaftswachstum kann nicht
aufrechterhalten werden, wenn es letztlich zu sozialen Unruhen führt. Und es kann auch nicht aufrechterhalten
werden, wenn es letztlich Ressourcen erschöpft und vernichtet und vor allem, wenn es das weltweite natürliche
Gleichgewicht zerstört."
Die Vereinigten Staaten werden sich dem Vizepräsidenten zufolge jedem Versuch eines Landes
entgegenstellen, Arbeitsnormen als eine Art versteckter Handelsrestriktionen einzusetzen.
Nachfolgend veröffentlichen wir den vorbereiteten Redetext AI Gores.

Bevor ich meine geplante Rede beginne, möchte ich
einen Moment innehalten und meiner Bestürzung
über die heute morgen im Norden Iraks geschehene
Tragödie Ausdruck verleihen. Ich spreche den
Familien derjenigen mein Mitgefühl aus, die im
Dienste der Vereinten Nationen gestorben sind.
Somit bin ich schweren Herzens in dieser schönen
und erinnerungsträchtigen Stadt, um mit Ihnen den
Abschluß eines Abkommens zu feiern, das viel zur
Verbesserung des Lebens der Menschen beitragen
wird. Das war natürlich auch das Ziel derjenigen,
die heute morgen umgekommen sind.
Marokko ist ein Land von bezaubernder Schönheit
mit einem großen Geschichtssinn. Es ist ein Land
mit weitblickenden Politikern, einer langen Vergangenheit und einer vielversprechenden Zukunft.
Vor nahezu 1.000 Jahren war Marokko die Hauptstadt eines arabischen Reiches, das den Maghreb
einte.

AMERIKA DIENST 15

König Hassan ist seit über einer Generation ein
weltweit anerkannter Politiker. Sein Interesse an
globalen Fragen, das seine Bestrebungen zur Förderung des Friedens im Nahen Osten demonstrieren,
machen Marokko zu einem geeigneten Ort für den
Abschluß einer internationalen Übereinkunft vom
Rang eines GATT-Abkommens.
Ich möchte vorschlagen, daß wir alle unseren marokkanischen Gastgebern danken - nicht nur für die bei
der Organisation dieser Veranstaltung geleistete
großartige und schwierige Arbeit, sondern für ihre
dauerhafte Rolle als positive Kraft in dieser häufig so
unruhigen Welt.
Dem Generaldirektor des GATT, Peter Sutherland,
seinen Vorgängern und allen Delegationen spreche
ich aufrichtigen Dank für ihre in siebeneinhalb Jahren
gezeigte Ausdauer aus, die uns so weit gebracht hat.
Vor fünfzig Jahren wirkte Außenminister Cordeil Hüll
bei der Konferenz von Bretton Woods an der Ausarbeitung des Welthandelssystems mit. Minister Hüll

Seite 1

�stammte aus meiner Heimat - Carthage (Tennessee)
- wo etwa 2.000 Menschen leben.

dent und ich gemeinsam mit dem Kongreß an einer
Annahme des Abkommens arbeiten.

Dieser Gründervater des GATT veranlaßte meinen
Vater, in den öffentlichen Dienst zu gehen, und ist
damit auf gewisse Weise verantwortlich für die
Inspiration, die mein Vater an mich weitergab.

Präsident Clinton ist ein überzeugter Befürworter des
Welthandelssystems, weil erweiterter Handel für die
wirtschaftliche, soziale und umweltpolitische Gesundheit aller Nationen von Vorteil ist. Die Clinton-Administration hat sich einer Fortsetzung des weltweiten
Dialogs und der Einrichtung eines offeneren und
faireren Handelssystems verschrieben.

Botschafter Mickey Kantor, der ebenfalls aus Tennessee stammt und nur etwa 80 Kilometer von
Carthage entfernt aufwuchs, hat mein Land auf
herausragende Weise vertreten.
Er empfindet ebenso wie ich ein persönliches
Vergnügen dabei, in die Fußstapfen Cordell Hulls zu
treten.
In gewisser Weise sind Fußstapfen der Grund dafür,
warum ich heute hierher gereist bin. Der Abschluß
der Uruguay-Runde stellt einen Sieg dar - nicht nur
für uns, sondern auch für unsere Kinder, Enkel und
alle nachfolgenden Generationen. Ich bin heute
hier, weil ich der Überzeugung bin, daß das zu
unterzeichnende Abkommen es unseren Nachkommen gestatten wird, sich auf der Grundlage der von
uns erzielten Fortschritte auf eine glücklichere
Zukunft zuzubewegen.
Wir alle sind hier zusammengekommen, um eine
großartige Leistung zu feiern. Dieses Abkommen
wird die wirtschaftlichen Bedingungen weltweit
verbessern. Dieses Abkommen wird mehr Ressourcen in den Dienst des Umweltschutzes stellen.
Dieses Abkommen wird den weltweiten Dialog
fördern. Die Auswirkungen der Uruguay-Runde sind
wahrhaft von großer Tragweite.
Allein in den Industriestaaten könnte das Wachstum
des Bruttosozialprodukts im kommenden Jahrzehnt
die bisherige Rate um bis zu 3,5 Prozent erhöhen,
was dem Ertrag eines ganzen Jahres entspricht. In
den Entwicklungsländern wird das Wachstum die
wirtschaftliche Entwicklung ankurbeln und Ressourcen freisetzen, die für die Bekämpfung von Armut,
Hunger, einem Verfall der Infrastruktur, Epidemien
und Umweltzerstörung von entscheidender Bedeutung sind. Am wichtigsten ist, daß dieses Abkommen Familien auf der ganzen Welt eine Erhöhung
ihres Realeinkommens und eine echte Chance zur
Verbesserung ihres Lebens und ihrer Länder gibt.
Präsident Clinton hat sich persönlich für den erfolgreichen Abschluß der Uruguay-Runde eingesetzt und
unterstützt entschieden die erzielten Ergebnisse.
Die Vereinigten Staaten engagieren sich entschlossen für eine Annahme des Abkommens der Uruguay-Runde noch in diesem Jahr. Wenn ich in die
Vereinigten Staaten zurückkehre, werden der Präsi-

Seite 2

Seit der Gründung des GATT vor 47 Jahren haben
die Vertragsparteien ein nie dagewesenes Maß an
dauerhaftem Wohlstand genossen. Die Lektion des
GATT ist offensichtlich: Der Weg zu Wohlstand,
Wachstum und Partnerschaft für alle liegt darin, sich
der Welt zu öffnen anstatt sich abzuschotten.
Die Uruguay-Runde hat einen bedeutenden Beitrag
zur Erreichung dieses Ziels geleistet.
Die Uruguay-Runde wird die Zölle um mehr als ein
Drittel senken. Sie wird den Agrarhandel reformieren
und den Landwirten in jedem Staat neue Exportmöglichkeiten aufzeigen, während gleichzeitig den
Verbrauchern niedrigere Preise und bessere Qualität
geboten werden.
Die Runde legt neue Handelsregeln für zwei Sektoren
der Weltwirtschaft schriftlich nieder, die von zunehmender Bedeutung sind: Geistiges Eigentum und
Dienstleistungen. Kurzum, sie führt das Welthandelssystem ins 21. Jahrhundert.
Die Runde stärkt auch das Verfahren zur Beilegung
von Streitigkeiten. Wir haben eine Reihe wirksamer
Regeln für die unverzügliche Schlichtung von Disputen geschaffen und Mängel im derzeitigen System
beseitigt. Die Länder werden in Zukunft nicht mehr
das Verfahren in die Länge ziehen und ihnen unangenehme Urteile blockieren können. Die UruguayRunde ist jetzt abgeschlossen.
Das Welthandelssystem macht jedoch Fortschritte.
Ich möchte gerne über die vor uns liegenden Herausforderungen sprechen. Die Beziehungen zwischen
Handel und der Schaffung von Wohlstand sind
offenkundig - ebenso wie die Notwendigkeit weiteren
wirtschaftlichen Fortschritts weltweit.
Wirtschaftswachstum, das ohne Vision und ohne
Berücksichtigung seiner Auswirkungen auf das Leben
der Arbeitnehmer und die - örtliche, regionale und
globale - Umwelt angestrebt wird, ist Wachstum, das
die Saat für seine eigene Zerstörung birgt. Wirtschaftswachstum kann nicht aufrechterhalten werden,
wenn es letztlich zu sozialen Unruhen führt. Und es
kann auch nicht aufrechterhalten werden, wenn es

AMERIKA DIENST 15

�letztlich Ressourcen erschöpft und vernichtet und vor
allem, wenn es das weltweite natürliche Gleichgewicht zerstört.
Die Uruguay-Runde hat beim Abbau der Hindernisse
auf dem Weg zu einem Anwachsen des Handels
große Fortschritte gemacht. Sie schafft auch - dank
der Verdienste jedes heute Anwesenden sowie
unserer Regierungen - ein lebensfähiges Forum zur
Erörterung aktueller und zukünftiger Fragen im
Zusammenhang mit dem Welthandel - die Welthandelsorganisation.
Jetzt verfügen wir erstmals über ein Mittel, um über
das Verhältnis erweiterter Handelsmöglichkeiten zu
den Voraussetzungen für das Wohlergehen unserer
Arbeitnehmer zu sprechen sowie über die Notwendigkeit, die Gesundheit unseres Planeten zu schützen - Fragen, die großen Einfluß auf unser Lebensgefüge haben.
Ich bin mir bewußt, daß dies heikle und kontroverse
Themen sind, möchte sie jedoch der Reihe nach
ansprechen und beginne mit der Arbeit.
Die Menschen von Armut zu befreien, setzt Wirtschaftswachstum voraus, aber auch verbesserte
Arbeitsnormen. Eine Erhöhung der Produktivität
sollte auch eine Erhöhung von Löhnen und Gehältern sowie des Lebensstandards mit sich bringen.
Ein nicht auf das Ende der Ausbeutung abzielendes
Werthandelssystem wird letztlich scheitern, weil die
Menschen auf der ganzen Welt es nicht unterstützen
können.
Heute genießen einige Staaten nicht nur dynamisches Wirtschaftswachstum, sondern binden es auch
an sozialen Fortschritt. Diese Länder verstehen, daß
verbesserte Arbeitsnormen den Weg zu einer
Erhöhung des Lebensstandards sowie zu langfristigem Wohlstand und Stabilität darstellen. Die
Vereinigten Staaten sind sich der Angst vieler
Länder bewußt, eine Einbindung von Arbeitsnormen
in den Kontext des Welthandels setze ihre Exporte
potentiellen versteckten Handelsrestriktionen aus.
Ich möchte folgendes sagen:
Die Vereinigten
Staaten stellen sich jedem Versuch eines Landes
entgegen, die Frage verbesserter Arbeitsnormen in
eine Art von Protektionismus umzuwandeln. Wir
waren führend bei den Bestrebungen zum Abbau
von Handelshemmnissen und Ablehnung des
Protektionismus und werden das auch in Zukunft
sein. Andererseits sind wir von der Bedeutung und
Notwendigkeit eines ernsthaften weltweiten Dialogs
über dieses Thema überzeugt.

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Jetzt möchte ich auf die Umwelt zu sprechen kommen.
Wir befinden uns inmitten einer langen Zeit wirtschaftlichen, technologischen und geopolitischen
Wandels. Während die uns konfrontierenden Probleme größer und komplexer werden, wird unsere Welt
kleiner und interdependenter.
Wir können jedoch die Gesundheit unserer Bürger
oder unser natürliches Erbe nicht im Alleingang
schützen. Aber mit Hilfe von Handel und weltweiter
Zusammenarbeit können wir ein besseres Leben für
uns selbst schaffen - und unseren Kindern einen
besseren Planeten hinterlassen.
Während die Welt kleiner wird und unsere Probleme
immer komplexer werden, müssen wir uns vor Augen
führen, daß selbst eine auf einen Ort begrenzte
Veränderung überall Konsequenzen haben kann.
Eine Veränderung des weltweiten Klimas kann zu
erhöhten Schäden durch Flutkatastrophen, Wirbelstürme und Dürreperioden führen - und die menschlichen und ökologischen Auswirkungen können
verheerend sein. Die Abnahme der Ozonschicht
erhöht die Fälle von Hautkrebs und wirkt sich auf die
Ernteerträge sowie die Nahrungsmittelproduktion aus.
Schlechte landwirtschaftliche Praktiken tragen den
Boden ab, führen zur Ablagerung von Salzen und
Giftstoffen, erhöhen die Armut und rufen Hungersnöte
hervor. Die Verschlechterung der Wasserqualität und
des Ackerlandes sowie das rasche Bevölkerungswachstum können nicht nur Hunger und Krankheiten
verursachen, sondern auch Wanderbewegungen
großen Ausmaßes mit daraus resultierenden Konflikten und sogar Kriegen. Wir erkennen sehr schnell,
daß Umweltschutz keine Option, sondern eine
Notwendigkeit darstellt. Durch energische Arbeit im
Umweltschutzbereich in Verbindung mit dem Welthandel werden wir Erfolg haben.
Jede große Herausforderung beinhaltet aber auch
eine große Chance. Die Verhinderung, Kontrolle und
Beseitigung von Verschmutzung ist derzeit eine
florierende Industrie. Mit erweitertem Handel und
einem höheren Lebensstandard könnte die Umwelttechnologieindustrie im Laufe des Jahrzehnts um
50 Prozent anwachsen. Die heute in Energieeinsparung, saubere Produktion und Umweltdienstleistungen investierenden Unternehmen schaffen die
hochwertigen und hochbezahlten Arbeitsplätze der
Zukunft.
Wir haben nicht die Wahl zwischen Handel oder
Umweltschutz. Wir können - und müssen - beides
haben.

Seite 3

�Langfristig können wir keine wachsende Wirtschaft
ohne eine sichere und gesunde Umwelt haben. Und
ohne eine starke Wirtschaft können wir keine sichere
und gesunde Umwelt aufrechterhalten. Die Armut ist
vielleicht der Hauptgrund für die Umweltverschmutzung auf der Welt. Freierer Handel wiederum ist der
Motor des Fortschritts.
Kurzfristig müssen wir uns bemühen, die Besorgnis
derjenigen zu zertreuen, die einen sogenannten
"grünen Protektionismus" fürchten - bei dem unter
dem Deckmantel des Umweltschutzes die Länder
auf der ganzen Erde der aus dem Handel resultierenden Vorteile beraubt werden. Andererseits ist die
mangelnde Beachtung von Umweltnormen kein
akzeptables Mittel zur Förderung von Wachstum.
Wir dürfen nicht die Regenerationsfähigkeit unseres
Ökosystems einer Erweiterung des Handels opfern
oder die wertvolle biologische Vielfalt einem kurzfristigen Wirtschaftswachstum. Der Preis dafür ist zu
hoch.
Auch hier sind die gegenseitigen Vorteile offensichtlich. Freierer Handel beschleunigt den wirtschaftlichen Fortschritt und setzt mehr Ressourcen für den
Umweltschutz frei. Andererseits kann eine unverantwortliche Entwicklung zur dauerhaften Erschöpfung von Ressourcen führen, unsere natürliche
Umwelt schädigen und dadurch Wirtschaftswachstum unmöglich machen.
Ein Beispiel für das von mir Ausgeführte ist der
besorgniserregende Zustand unserer Fischbestände.
Einer Schätzung aus dem Jahr 1965 über den
umweltverträglichen Fischfangertrag aus den Weltmeeren zufolge beläuft sich dieser auf 100 Millionen
Tonnen jährlich. Dieses Niveau wurde 1989 erreicht, und der weltweite Verbrauch betrug 90
Millionen Tonnen. Seitdem ist überfischt worden.
Der durchschnittliche Fang bei vielen Arten ist trotz
verbesserter Methoden und Techniken gesunken.
1992 sank der Fischfang weltweit um 5 Prozent. Es
gibt einfach nicht mehr so viele Fische. Wir haben
in zu kurzer Zeit zu viel gefischt und keine natürliche
Auffüllung der Vorräte zugelassen.
In ähnlicher Weise hat die schnelle Verstädterung
die Nationen der Fähigkeit beraubt, ihren neuen
Bürgern Arbeitsplätze, Ausbildung und andere
Dienstleistungen zur Verfügung zu stellen. Das kann
nicht hingenommen werden. Wir schulden es uns
und zukünftigen Generationen, eine Welt zu hinter-

*

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lassen, die prosperierender und lebenswerter ist als
die von uns vorgefundene, in der die Luft und das
Wasser sauberer sind sowie unsere Bevölkerung und
großen Ökosysteme gesund.
Während die Welt sich der Lösung von Umweltproblemen und der Stärkung des Umweltschutzes
widmet, müssen die entsprechenden Auswirkungen
im Bereich des Handels in der Welthandelsorganisation und in anderen Foren offen besprochen werden.
Die Entscheidung, innerhalb der Welthandelsorganisation einen Ausschuß für Handel und Umwelt zu
schaffen, stellt hierzu ein offizielles Mittel bereit.
Dieser Ausschuß hat klare Richtlinien und ein umfassendes Arbeitsprogramm. Und er besitzt ein
Mandat zur Entwicklung von Empfehlungen für
notwendige Veränderungen.
Wir können uns jetzt gemeinsam an einen Tisch
setzen und zukunftsorientierte Lösungen für diese
äußerst komplizierten Fragen finden. Wir haben viel
harte Arbeit vor uns. Dieser Ausschuß wird uns bei
ihrer Bewältigung helfen. Ich freue mich besonders
über die heutige Annahme der Ministerentscheidung
zur Einrichtung dieses Ausschusses für Handel und
Umwelt.
Wie ich bereits zu Beginn meiner Ausführungen
anmerkte, hinterläßt die Uruguay-Runde ein Vermächtnis enormer Leistungen und schafft einen
Rahmen für die Zukunft. Wir schulden unseren
Kindern, die gemeinsame Arbeit an der Entwicklung
und Aushandlung der richtigen Maßnahmen aufzunehmen. Wir müssen Menschen unterschiedlicher
Fachrichtungen zusammenbringen, die nicht dieselbe
Sprache sprechen und die Probleme nicht auf die
gleiche Weise angehen. Es ist schwierig, das in
jedem einzelnen Land zu tun.
Es ist noch schwieriger, das in allen Ländern gemeinsam zu tun. Aber die jetzt vor uns liegenden
Aufgaben werden für den künftigen Wohlstand in der
Welt nicht weniger wichtig sein als die von Cordeil
Hüll und unseren anderen politischen Vorfahren in
Bretton Woods angegangenen.
Unser Ziel muß eine Welt mit einem offenen Handelssystem sein, in der die Arbeitnehmer Hoffnung
haben und die Umwelt durch eine umweltverträgliches Wachstum fördernde Politik geschützt ist. Wir
wollen zusammen auf dieses Ziel hinarbeiten.

* * *

*

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�GATT
20. April 1994

GLOBALE INTERDEPENDENZ ERFORDERT
ÜBERPRÜFUNG VON ARBEITSFRAGEN
Erklärung des Handelsbeauftragten
WASHINGTON - (AD) - Dem amerikanischen Handelsbeauftragten Mickey Kantor zufolge betreffen die
Maßnahmen einer Nation zu Arbeitsnormen, Umweltschutz und Wettbewerbspolitik ihre Handelspartner.
"Ich bin mir bewußt, daß einige sich unbehaglich fühlen, wenn wir Fragen des Umweltschutzes und
international anerkannte Arbeitsnormen anzusprechen versuchen", erklärte Kantor in einer am 14. April 1994
vor den Handelsministern in Marrakesch gehaltenen Rede. Die Minister aus über 120 Ländern waren zur
Unterzeichnung des globalen Handelsabkommens der Uruguay-Runde am 15. April 1994 zusammengekommen. "In dieser sich rasch wandelnden und zunehmend interdependenten Welt ist es nützlich - und
unvermeidlich - daß wir über das herkömmliche Diktat des Handels hinauszugehen begonnen haben."
Kantor erläuterte, daß die Globalisierung der Volkswirtschaften mit in Lichtgeschwindigkeit die Grenzen
überquerenden Waren, Dienstleistungen und Kapital nicht die Souveränität einzelner Nationen aufhebt. Dieser
Prozeß erfordere jedoch die Erkenntnis seitens der Länder, daß ihr wirtschaftlicher Wohlstand aneinander
gebunden ist und Wohlstand eher durch den Abbau von Handelshemmnissen als durch deren Errichtung
gemehrt wird.
Nachfolgend veröffentlichen wir den vorbereiteten Redetext des Handelsbeauftragten.

Es ist mir eine große Ehre, als Vertreter Präsident
Clintons zur offiziellen Unterzeichnung des Abkommens der Uruguay-Runde anwesend sein zu dürfen.
Ich freue mich, daß Vizepräsident Gore im weiteren
Verlauf des Nachmittags zu uns sprechen wird. Der
Vizepräsident ist von Kalifornien hierher geflogen,
um das Engagement unseres Landes für den Erfolg
der Uruguay-Runde zu unterstreichen.
Die Herausforderung, das neue Abkommen umzusetzen und das globale Handelssystem auf den Weg
zu bringen, beginnt erst. Obwohl viele Menschen
zum Erfolg der Runde beigetragen haben, möchte
ich den Generaldirektor des GATT, Peter Sutherland, besonders würdigen. Er hat die Arbeit von
seinem Vorgänger Arthur Dunkel übernommen und
mit seinem Intellekt und seiner Energie eine unerläßliche Rolle für den erfolgreichen Abschluß der
Verhandlungen gespielt. Ich möchte auch König
Hassan meinen Dank für seine großzügige Gastfreundschaft bei dieser Veranstaltung aussprechen.
Lange nach den meisten von Ihnen habe ich die
harte Arbeit dieser Verhandlungen aufgenommen.
Ich werde stets für die mir von Präsident Clinton
gebotene Chance dankbar sein, zusammen mit

AMERIKA DIENST 15

Ihnen zum erfolgreichen Abschluß der Runde beizutragen. Wenn ich über das von uns gemeinsam
Geleistete nachdenke, bin ich erstaunt über die
dünne Linie, die Erfolg und Scheitern trennt.
Es gab viele Momente, in denen die siebenjährigen
Bestrebungen zum Scheitern verurteilt schienen.
Scharfsinnige Kommentatoren nannten uns zahlreiche Gründe für unser voraussichtliches Versagen.
Sie sagten, die Kluft zwischen Industrie- und Entwicklungsländern könne nicht überwunden werden. Sie
sagten, die Probleme bei Dienstleistungen, Investitionen und geistigem Eigentum seien zu komplex. Sie
sagten, das Ende des Kalten Krieges habe wirtschaftlichen Wettbewerb, nicht Zusammenarbeit
bewirkt. Sie sagten, wir könnten unsere bilateralen
Meinungsverschiedenheiten nicht beilegen.
Sie irrten sich. Ehrliche Diskussionen und harte
Verhandlungen haben zu gegenseitigem Verständnis
geführt. Wir erkannten, daß die Zeit nach dem
Kalten Krieg sowohl durch wirtschaftliche Zusammenarbeit als auch wirtschaftlichen Wettbewerb gekennzeichnet sein würde und muß. Bilaterale Differenzen
würden nicht verschwinden, aber wir weigerten uns,
unsere Fortschritte davon blockieren zu lassen.

Seite 1

�Wir hatten Erfolg, weil die uns verknüpfenden Bande
stärker als die Kräfte sind, die uns zu trennen versuchen. Wir befinden uns in einer globalen Wirtschaft, in der Waren, Dienstleistungen und Kapital
die Grenzen in schwindelerregender Geschwindigkeit
überqueren. Die Kräfte der Globalisierung werden
die Souveränität oder die jeweilige Kultur einzelner
Nationen nicht aufheben, aber sie erfordern von uns,
der Tatsache Rechnung zu tragen, daß der Wohlstand unserer Länder aneinander gebunden ist, daß
wir Wohlstand eher durch den Abbau von Handelshemmnissen als durch deren Errichtung mehren und
wir ein internationales Handelssystem benötigen, um
dieses Wachstum zu ermöglichen.

Wir werden auch in Zukunft auf die Leistungen der
Runde aufbauen. Weitere 21 Länder wollen ebenfalls
der Welthandelsorganisation (World Trade Organization - WTO) beitreten, und wir begrüßen den Beitritt
der Länder, die zur Beibehaltung hoher Normen und
zur Einhaltung der grundlegenden GATT-Prinzipien
bereit sind.
Wir leben in einer veränderten Welt, einer Welt, in
der die einzige Konstante Wandel ist. Mit dem Ende
des Kalten Krieges und dem Aufstieg einer globalisierten Wirtschaft ist die Gestaltung der sich aus
einer interdependenteren Welt ergebenden Veränderungen absolut entscheidend für globalen
Wohlstand.

Der Dichter Yeats schrieb einmal: "Die Dinge lösen
sich vom Mittelpunkt, der sie nicht hält." Dieses Mal
hat er gehalten.

Ich bin mir bewußt, daß einige sich unbehaglich
fühlen, wenn wir Fragen des Umweltschutzes und
international anerkannte Arbeitsnormen anzusprechen
versuchen. In dieser sich rasch wandelnden und
zunehmend interdependenten Welt ist es nützlich und unvermeidlich - daß wir über das herkömmliche
Diktat des Handels hinauszugehen begonnen haben.
Es ist offenkundig, daß offene Märkte und erweiterter
Handel Wachstum und Wohlstand fördern. Unsere
Vision des Handelssystems muß jetzt dynamisch und
in der Lage sein, die sich abzeichnenden Herausforderungen für unser kollektives globales Wirtschaftswachstum zu bewältigen.

Präsident Clinton beschreibt diesen Wendepunkt als
"die dritte große Entscheidung des 20. Jahrhunderts". Nach dem Ersten Weltkrieg zogen sich die
Vereinigten Staaten zurück, nach 1945 entschieden
wir uns für einen anderen Weg, knüpften internationale Verbindungen und öffneten die Tür für eine
Periode beispiellosen globalen Wachstums.
Heute befinden wir uns am dritten entscheidenden
Moment. Das Ende des Kalten Krieges bietet neue
Chancen und neue Gefahren, aber wir sehen uns
mit derselben grundlegenden Entscheidung konfrontiert: Engagement oder Rückzug? Durch die
Uruguay-Runde und die morgen von uns zu unterzeichnenden Abkommen engagieren sich die Vereinigten Staaten weiterhin intensiv und verpflichten
sich zum internationalen System. Wie der Präsident
erklärt hat, vertreten wir die Auffassung, daß offener
und wettbewerbsorientierter Handel uns als Land
und die Welt bereichert. Und wir beabsichtigen, uns
der Konkurrenz zu stellen, nicht uns zurückzuziehen.

* *

Seite 2

Wir werden zunehmend Fragen in Zusammenhang
mit der jeweiligen Innenpolitik eines Landes erörtern,
wie Wettbewerbspolitik und andere innenpolitische
regulative Maßnahmen, sowie Umweltschutz und
Arbeitsnormen. Wie eine Nation in einer globalisierten Wirtschaft diese Fragen angeht, hat direkte
Auswirkungen auf ihre Handelspartner.

*

AMERIKA DIENST 15

�KRIEGSVERBRECHEN
20. April 1994

ALBRIGHT FORDERT WELTWEITE UNTERSTÜTZUNG
FÜR KRIEGSVERBRECHERTRIBUNAL
Rede im Holocaust Memorial Museum

WASHINGTON - (AD) - Die Botschafterin der Vereinigten Staaten bei den Vereinten Nationen, Madeleine
Albright, rief zur weltweiten Unterstützung des Kriegsverbrechertribunals für das ehemalige Jugoslawien auf
und erklärte, das "Ausmaß" der dort verübten Kriegsverbrechen "erfordert eine internationale juristische
Antwort".
In einer am 12. April 1994 im amerikanischen Holocaust Memorial Museum in Washington gehaltenen Rede
gab die Ständige Vertreterin Amerikas bei der UNO einen Überblick über "die Gründe, warum die USRegierung das Kriegsverbrechertribunal für so wichtig hält".
"Selbst die Androhung von Bestrafung für Kriegsverbrechen kann Leben retten", äußerte sie, und das Tribunal
wird "es den Menschen in Bosnien erleichtem, einen echten Frieden zu erlangen".
Das Tribunal "kann als Abschreckung für andere potentielle Aggressoren dienen" und "das Völkerrecht
stärken", so Madeleine Albright.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede der amerikanischen UNO-Botschafterin im Wortlaut.

Es ist mir eine Ehre und eine Herausforderung,
heute abend hier sein zu dürfen. Es ist nicht einfach, in diesem Gebäude eine Rede zu halten. In
seine Wände sind einige der eloquentesten sprachlichen Äußerungen eingraviert, die je gemacht wurden. In seine Ausstellungen wurden einige der
grausamsten Taten aufgenommen, die je begangen
wurden. In diesem lebendigen Museum, das kompromißlos und besser als Worte eine erzieherische
Wirkung hat, das uns tief im Innersten lehrt und
berührt, müssen wir den Taten Worte gegenüberstellen. Es gibt keinen angemesseneren Ort als
diesen, über das Kriegsvertrechertribunal für das
ehemalige Jugoslawien zu sprechen.
Wir haben großes Interesse an einem Erfolg dieses
Tribunals. Heute werde ich erörtern, warum das so
ist. Ich werde jedoch zunächst die Argumente
derjenigen anführen, die nicht dieser Meinung sind.

AMERIKA DIENST 15

Von manchen wird das Kriegsverbrechertribunal als
ein schwacher Ersatz für stärkere internationale
Aktionen zurückgewiesen, als Mittel, Schuld zu
sühnen, weil nicht schon eher mehr zur Beendigung
des Mordens in Bosnien unternommen wurde.
Andere machen sich über das Tribunal lustig, weil es
nicht über sichere Mittel verfügt, die Hauptverdächtigen in Gewahrsam zu nehmen, selbst diejenigen, die
wir für die Hauptverantwortlichen der geschehenen
Grausamkeiten halten.
Andere wiederum stellen die Frage, warum der
Konflikt im ehemaligen Jugoslawien besondere
Aufmerksamkeit verlange. Auch andernorts wurden
und werden Kriegsverbrechen begangen, auch
andernorts finden ethnische Säuberungen statt, gibt
es andere Kriege, die mehr Opfer fordern, andere
Kriege aufgrund von internationaler Aggression,

Seite 1

�andere Kriege, bei denen Greueltaten von oben
befohlen werden. Warum soll man Kriegsverbrechen im ehemaligen Jugoslawien bestrafen und Pol
Pot, Saddam Hussein und ihresgleichen unbehelligt
lassen?
Und schließlich wird das Tribunal von einigen als
Hindernis auf dem Weg zum Frieden betrachtet, die
der Ansicht sind, die Unterhändler würden niemals
einem Frieden zustimmen, wenn er keine Amnestie
für Kriegsverbrechen einschließt.
Die Regierung der Vereinigten Staaten ist nicht der
Ansicht, daß alle Kriegsverbrecher ungestraft davonkommen sollten, nur weil das bei einigen der Fall ist.
Wir sind nicht der Ansicht, daß das Tribunal keinen
Versuch wert ist, weil seine Arbeit so schwierig ist.
Wir widersetzen uns einer Amnestie für die Architekten der ethnischen Säuberungen. Wir sind der
Ansicht, daß die Ermittlung der Wahrheit über die
Ereignisse in Bosnien eine Vorbedingung - und kein
Hindernis - für eine nationale Versöhnung darstellt.
Und wir sind uns bewußt, daß das Tribunal kein
Ersatz für andere Aktionen zur Abschreckung von
Aggression und Ermutigung des Friedens darstellt.
Vor zwei Wochen habe ich in Sarajevo das Grundstück für die neue US-Botschaft eingeweiht. Dort
entdeckte ich ein neues Gefühl der Hoffnung,
gemischt mit fester Entschlossenheit.
In Zentralbosnien hat die Versöhnung zwischen der
Regierung und der Faktion der bosnischen Kroaten
die tödliche Belagerung Mostars beendet. Die
Androhung einer Intervention kroatischer Truppen
besteht nicht mehr. Im unkämpften Osten ist jetzt
der Flugplatz von Tuzla geöffnet worden. Es wird
einfacher und sicherer, sich im Land fortzubewegen.
Wir hoffen, daß die Planer sich bald weniger auf
humanitäre Hilfslieferungen und stärker auf die
Arbeit an den Grundlagen einer nationalen Versöhnung konzentrieren können.
Der vor uns liegende Weg ist jedoch sehr steil.
Bereits erzielte Fortschritte müssen konsolidiert
werden. Der Waffenstillstand muß ausgeweitet
werden. Weitere Aggression in Gorazde und andernorts muß eingestellt werden. Wo es möglich ist,
müssen die Vertriebenen die Chance auf eine
Rückkehr nach Hause erhalten. Die bosnischen
Serben müssen zur Annahme des Friedens überredet werden. Und der Grundsatz, für den das
bosnische Volk kämpfte, litt, lebte und starb, muß
bewahrt werden. Bosnien muß ein multiethnischer
Staat bleiben.
Die Arbeit des Kriegsverbrechertribunals hängt nicht
von politischen Ereignissen ab, und das sollte auch

Seite 2

nicht der Fall sein. Sie ist unabhängig. Sein Auftraggeber ist die zivilisierte Welt, sein versteckter
Feind die in unserer Welt herrschende Selbstgefälligkeit. Selbstgefälligkeit ist jedoch nicht etwas
Angeborenes, kein inneres Organ, sondern etwas
selbst Gewähltes. Es gibt keinen angemesseneren
Ort als diesen, um einen Appell gegen Gleichgültigkeit und für die schwerere Wahl einer Verpflichtung
zur Rechtsstaatlichkeit anzubringen.
Das Kriegsverbrechertribunal wurde im Mai vergangenen Jahres offiziell vom UN-Sicherheitsrat
eingerichtet. Seine Rechtsprechung umfaßt mehrere
Kategorien schwerer Verletzungen der internationalen
Menschenrechte, die ich heute abend der Einfachheit
halber unter der Überschrift "Kriegsverbrechen"
zusammenfasse. Dazu zählen gravierende Verletzungen der Genfer Konvention von 1949, Genozid
und Verbrechen gegen die Menschlichkeit, wie im
konventionellen gewohnheitsrechtlichen Völkerrecht
sowie in der Charta und den Urteilen des Nürnberger
Kriegsverbrechertribunals anerkannt.
Die elf Richter des Tribunals, unter ihnen Richterin
Gabrielle Kirk McDonald aus Texas, wurden im
Herbst letzten Jahres gewählt und bereiten sich
intensiv auf ihre Arbeit vor. Beweisregeln und
Prozeßordnung sind bereits beschlossen.
Die
Vereinten Nationen haben für 1994 einen Haushalt in
Höhe von 11 Millionen gebilligt. Wir sind der Ansicht,
daß dieser Betrag sowie die erhaltenen Spenden
vollkommen ausreichen, das Tribunal zu verwirklichen.
Die Suche nach einem Oberstaatsanwalt war lang
und frustrierend. Der bevorzugte Kandidat des
Sicherheitsrats wartete drei Monate, bevor er offiziell
das Amt ablehnte. Die Suche nach einem Nachfolger
hat zu lange angedauert, wir erwarten hierzu jedoch
in Kürze eine Ankündigung. Ich kann Ihnen versichern, daß die Vereinigten Staaten alles in ihrer
Macht Stehende unternommen haben, damit dieses
entscheidende Amt besetzt wird. Glücklicherweise
leistet der stellvertretende Staatsanwalt - in den wir
großes Vertrauen setzen - harte Arbeit.
Die Zusammenstellung von Fakten, auf denen die
Ermittlungen und Anklagen basieren, ist schon weit
fortgeschritten. Tausende Seiten von Dokumenten
und Zeugenaussagen sind zu den Akten genommen
worden: Erklärungen und Berichte von Opfern,
Zeugen, Regierungen, UN-Behörden, internationalen
und nichtstaatlichen Organisationen sowie die von
der Europäischen Union durchgeführten Untersuchungen der gegen muslimische Frauen verübten Verbrechen. Ich begrüße insbesondere die Bestrebungen nichtstaatlicher Organisationen, die für die Sache

AMERIKA DIENST 15

*

�der Gerechtigkeit unschätzbare Arbeit geleistet
haben.
Die Vereinigten Staaten zeigen umfassendes Engage nent:
Wir bemühen uns um eine angemessene Finanzierung des Tribunals,
wir leisten einen freiwilligen Beitrag in Höhe von
3 Millionen Dollar,
der Kongreß hat den Präsidenten ermächtigt,
dem Tribunal bis zu 25 Millionen Dollar an
Waren und Dienstleistungen zur Verfügung zu
stellen (im vergangenen Monat bewilligte der
Präsident die erste Zuweisung - ungefähr 6
Millionen Dollar - dieser Bewilligung),
wir haben eine Gruppe von ungefähr 25 Staatjanwälten, Untersuchungsbeamten, Experten
und anderen zusammengestellt, die direkt mit
dem Tribunal zusammenarbeiten und ihre Arbeit
in den nächsten Wochen aufnehmen,
wir sammeln und analysieren ständig Informationen zu Kriegsverbrechen und
wir haben dem Tribunal Hunderte von Flüchtlingsberichten zur Verfügung gestellt und bereiten Hunderte von weiteren vor.
Diese Berichte wurden aufgrund der sorgfältigen
Arbeit amerikanischer Regierungsbediensteter in
mehreren Teilen der Welt gesammelt. Die meisten
waren Augenzeugenberichte von Greueltaten oder
ethnischen Säuberungen. Nebenbei bemerkt, gehört
einer meiner Mitarbeiter dem Team an, das unter
der Schirmherrschaft des Oberstaatsanwalts des
Tribunals arbeitet und die Opfer der schlimmsten in
diesem Krieg begangenen Greueltaten befragt.
Wir haben andere Regierungen wiederholt gebeten,
sich in finanzieller, politischer und juristischer Hinsicht unseren Bestrebungen zur Unterstützung des
Tribunals anzuschließen. Die Regierungen müssen
bereit sein, Informationen weiterzugeben, Zeugen zu
befragen, die Beschlüsse des Tribunals einzuhalten
und unter ihre Zuständigkeit fallende Verdächtige in
Gewahrsam zu nehmen. In diesem Zusammenhang
möchte ich anmerken, daß Deutschland eine entsetzlicher Verbrechen in einem Konzentrationslager
in Bosnien verdächtige Person verhaftet hat. Die
Dänen haben ebenfalls einen Verdächtigen festgenommen.
Die Vereinigten Staaten werden weiterhin eine
Zusammenarbeit in gutem Glauben mit dem Kriegs-

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verbrechertribunal seitens Serbien/Montenegro sowie
der bosnischen und kroatischen Serben in Betracht
ziehen um zu entscheiden, wie im Hinblick auf eine
Lockerung oder Aufhebung der vom UN-Sicherheitsrat gegen die Serben im ehemaligen Jugoslawien
verhängten Wirtschaftssanktionen verfahren werden
soll.
Wir sollten uns bezüglich der das Tribunal konfrontierenden Hindernisse keinen Illusionen hingeben. Dies
ist kein Nürnberg. Die Angeklagten sind nicht die
ausgelieferten Führer einer am Boden liegenden
Macht. Es wird äußerst schwierig werden, Beweismaterial zu beschaffen, einschließlich des Auffindens
von Massengräbern, insbesondere in serbisch
kontrollierten Gebieten. Es wird bei vielen der
Angeklagten schwierig sein, sie in Gewahrsam zu
nehmen.
Realismus im Hinblick auf die Aussichten des Tribunals darf jedoch nicht zu einer zynischen Einstellung
über seine Bedeutung führen. Obwohl es keine
Gerichtsverfahren in Abwesenheit geben wird,
werden Ermittlungen durchgeführt und Fakten gesammelt. Das Tribunal ist ermächtigt, Anklage zu erheben und Haftbefehle auszustellen. Die Regierungen
werden verpflichtet, in ihrem Zuständigkeitsbereich
befindliche Angeklagte auszuliefern. Das Tribunal ist
befugt, den Sicherheitsrat um Vollzugsmaßnahmen
gegen jede Regierung zu ersuchen, die dem nicht
nachkommt. Die Angeklagten haben die Wahl, vor
Gericht zu erscheinen oder internationale Parias zu
werden, die innerhalb der Grenzen ihres eigenen
Landes gefangen sind und mit einer sofortigen
Verhaftung rechnen müssen, falls sie es verlassen
sollten.
Einer unserer Vorteile ist Nürnberg selbst. Viele der
von den Verteidigern in Nürnberg vorgetragenen
rechtlichen Argumente wurden in den dort gefällten
Urteilen wieder entkräftet. Heute sollte es keine
Frage sein, daß die politisch und militärisch Verantwortlichen strafrechtlich verfolgt werden können,
wenn sie nicht den von ihren Anhängern begangenen
Greueltaten ein Ende setzen oder die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen. Wer den Befehl zu
einem Kriegsverbrechen gibt, ist genauso schuldig
wie derjenige, der das Verbrechen tatsächlich durchführt. Umgekehrt bleibt derjenige verantwortlich, der
solche Befehle durchführt, vorausgesetzt, er hatte
eine moralische Wahl. "Nur Befehle durchzuführen"
oder "nur Befehle zu geben" ist keine haltbare
Rechtfertigung.
Ich möchte jetzt auf die Gründe eingehen, aus denen
die Regierung der Vereinigten Staaten das Kriegsverbrechertribunal für so wichtig hält.

Seite 3

�Erstens erfordert das Ausmaß der im ehemaligen
Jugoslawien begangenen Kriegsverbrechen eine
internationale juristische Antwort.
Der Krieg an sich ist das Ergebnis vorsätzlicher
bewaffneter Aggression. Die Führer der bosnischen
Serben haben eine "Endlösung" - Ausrottung oder
Vertreibung - des Problems der ihrer Kontrolle
unterstehenden nichtserbischen Bevölkerung gesucht. Die gewählten Mittel umfassen Mord, Folter,
wahllose Bombardierung, Brandschatzung, Verstümmelung, Vergewaltigung und Kastration. Die
Hälfte der bosnischen Bevölkerung wurde vertrieben.
Fünf Prozent wurden umgebracht. Die Mißhandlungen waren massiv, wiederholt, absichtlich und
ungeheuerlich. Und keine Seite ist frei von Schuld.
Zu Beginn dieses Jahres besuchte ich ein Massengrab in der Nähe von Vukovar. Dort sah ich eine
Müllhalde, ein Feld verrosteter Kühlschränke und
verschrotteter landwirtschaftlicher Ausrüstung, unter
denen zwei- bis dreihundert Leichen begraben
waren. Es gab keine Blumen, keine Plaketten oder
Grabsteine, keine Vertiefung im Boden.
Hannah Arendt schrieb über die Banalität des
Bösen. Die Banalität dort enthält Übelkeit erregendes Böses.
Während dieses Besuchs fielen mir die Bilder von
Flüchtlingsströmen der aus ihren Häusern in und um
Vukovar Vertriebenen ein. Die Bilder waren mir
unheimlich vertraut. Sie hätten von den Bildern in
diesem Museum stammen können, von Familien auf
der Flucht aus Warschau, Minsk, Bukarest oder
Prag. Die Gesichter waren nicht dieselben, aber ihr
Ausdruck und ihre Bewegungen waren es: Der
langsame, stauchelnde, irregeführte Schritt entwurzelter Familien, gebeugt unter der Last ihrer verbliebenen Habseligkeiten auf einem unbekannten
Weg in eine unsichere Zukunft; die Stärkeren helfen
den Schwächeren, bis sie selbst nicht mehr können.
Ebenso wie die Opfer, deren in diesem Gebäude
gedacht wird, sind die meisten Opfer des Krieges in
Bosnien nicht Soldaten. Es sind Bürger unterschiedlicher Nationalitäten - Kinder, Großeltern, Ärzte,
Krankenschwestern, psychisch Kranke und Kirchenvertreter. Die Mehrheit wurde getötet, nicht weil sie
in die Schußlinie geriet oder einem militärischen Ziel
zu nahe kam. Diese Toten waren -in der Terminologie der Soldaten - keine zwangsläufige Begleiterscheinung eines Krieges. Es waren Männer und
Frauen wie Sie und ich, Jungen und Mädchen wie
die, die wir kennen. Sie wurden zum internationalen
Ziel - nicht aufgrund dessen, was sie getan hatten,
sondern für das, was sie waren.

Seite 4

Der das Kernstück der Nazi-Ideologie bildende
Rassenkult ist im Konflikt in Bosnien nicht vorhanden.
Dies ist nicht der Holocaust. Es hat jedoch Verbrechen des Genozids gegeben. 1939, als Feldmarschall Wilhelm Keitel die Säuberung Polens befahl,
nannte er es "politischen Hausputz". Heute wird es
als ethnische Säuberung bezeichnet. Die Fragen
lauten jedoch ziemlich gleich:
Wie reagieren wir, wenn die Autorität und Ressourcen eines Staates auf die Zerstörung einer
ganzen Kategorie von Menschen ausgerichtet sind?
*
Wie ist es möglich, daß so viele Menschen - die in
anderem Zusammenhang zu Großzügigkeit und
Wärme fähig sind - auf das Niveau von Bestien
sinken?

•

Wie ist es möglich, daß die Zivilisation nicht auf
Verbrechen dieser Größenordnung reagiert und
sich immer noch als "zivilisiert" bezeichnet?
Und wie können wir unsere Reaktion abwägen,
damit sie nicht nach Rache, sondern Gerechtigkeit
dürstet?
Dies bringt mich zu einem zweiten Argument zur
Unterstützung des Kriegsverbrechertribunals. Selbst
die Androhung von Bestrafung für Kriegsverbrechen
kann Leben retten.
Die Aussicht von Kriegsverbrecherprozessen in den
letzten Phasen des Zweiten Weltkriegs veranlaßte
einige Nazigrößen zu einer Änderung ihrer Behandlung der Juden und anderen Gefangenen. Im ehemaligen Jugoslawien hat sich jedesmal die Behandlung der Inhaftierten verbessert und die Zahl der
Greueltaten verringert, wenn die Bestrafung von
Kriegsverbrechern angekündigt wurde. Heute gibt es
Anzeichen, daß einige der schlimmsten Verletzer von
Menchenrechten ihrer Autorität durch ihre früheren
Beschützer beraubt werden, die jetzt Gerechtigkeit
unter dem Gesetz fürchten.
Mit anderen Worten - je ernsthafter wir bezüglich des
Tribunals sind, desto größer wird seine potentielle
Abschreckung sein. Wenn das bedeutet, ein Dorf
bleibt verschont, das sonst angegriffen würde, eine
Frau wird respektiert, die sonst vergewaltigt würde,
einem Gefangenen wird das Leben geschenkt, der
sonst exekutiert würde - dann ist die Existenz des
Tribunals allein aus diesen Gründen gerechtfertigt.
Drittens wird das Tribunal es den Menschen in
Bosnien erleichtern, einen echten Frieden zu erlangen.

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'

�Die auf den Körpern und im Gedächtnis der Überlebenden dieses Krieges hinterlassenen Narben
erfordern Zeit zu heilen. An zu vielen Orten wurden
Nachbarn von Nachbarn betrogen und Freunde von
Freunden durch wilden und feindlich gesinnten
Fanatismus getrennt. Zu viele Familien kommen auf
zu vielen Friedhöfen zusammen, als daß wir sagen
könnten, die ethnischen Differenzen in Bosnien
wären unerheblich. Die Verantwortung für diese
Verbrechen liegt jedoch nicht bei den Serben,
Kroaten oder Muslimen als Menschen - sie liegt bei
denjenigen, die die Verbrechen befohlen und begangen haben. Die durch diesen Krieg geschlagenen
Wunden werden sehr viel schneller heilen, wenn die
kollektive Schuld für Greueltaten getilgt und individuelle Verantwortung zugewiesen wird.
Viertens kann das Tribunal als Abschreckung für
andere potentielle Aggressoren dienen.
Adolf Hitler hat einmal die Argumente gegen die
Ermordung der Juden mit der rhetorischen Frage
verworfen: "Wer erinnert sich schließlich noch an
die Armenier?"
Wenn die Architekten des Krieges und der ethnischen Säuberung in Bosnien ungestraft ausgehen,
würde die für Möchtegern-Milosevics auf der ganzen
Welt daraus zu ziehende Lehre uns alle gefährden,
denn die heutige Welt ist ein Pulverfaß offener und
potentiell nationalistischer Konflikte.
Nationalstolz kann der Treuhänder eines reichen
kulturellen Erbes sein, er kann Menschen bei der
Verteidigung des Gemeinwohls vereinen, er kann ein
Gefühl der Identität und Zugehörigkeit vermitteln,
das Zeit und Raum überbrückt.
Wenn jedoch der Stolz in "uns" zu Haß gegen "sie"
erstarrt, ist das Ergebnis ein verengter Blickwinkel
und der Zwang zu Gewalt. Wie wir in Deutschland
vor einem halben Jahrhundert, in Amerika mit dem
Ku-Klux-Klan beobachten konnten und wie wir heute
in Serbien sehen können, steht am äußersten Ende
von ethnischem Stolz Faschismus.
Es gibt Tausende selbsterklärter ethnischer Gruppen
auf der Welt, allein über 100 in der ehemaligen
Sowjetunion. Nicht jede kann zu Recht erwarten,
ihre eigene Flagge, Währung, Fluggesellschaft und
ihren eigenen Staat zu haben.
Heute gewinnen gewalttätige separatistische Bewegungen an Stärke. Unkontrolliert könnten sie ganze
Teile Europas, Asiens und Afrikas in einem Konflikt
verschlingen. Die Geschichte von Sarajevo bis
Sarajevo warnt uns, daß große Mächte häufig hineingezogen werden, wenn kleine Mächte kämpfen.

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Wir haben ein Interesse daran, daß die Glut ethnischer Konflikte gekühlt wird und Modelle zur Beschwichtigung der Angst, Harmonisierung der Ambitionen und Klärung der Prinzipien entworfen werden.
Aus diesem Grund werden wir weiterhin unsere
Ansicht vertreten, daß dem einzelnen unabhängig
von der Gruppenidentität grundlegende Menschenrechte zustehen. Aus diesem Grund werden wir
weiterhin die Arbeit der KSZE und anderer Organisationen unterstützen, um die Achtung der Rechte von
Minderheiten zu verbessern. Aus diesem Grund
werden wir weiterhin über die Vereinten Nationen und
regionale Organisationen auf die friedliche Beilegung
von Konflikten hinarbeiten. Aus diesem Grund sollten
wir entschlossen sein, aus dem Konflikt in Bosnien wenn wir können - zwei Lehren zu ziehen: Erstens,
daß Aggressoren und Geächtete zur Rechenschaft
gezogen werden und zweitens, daß das Problem der
Minderheiten nicht durch ethnische Säuberung gelöst
werden kann.
Und aus diesem Grund werden wir weiterhin den
Aufstieg ultranationalistischer Gruppen in strategischen Regionen der Welt mit tödlichem Ernst beobachten.
Wir sollten niemals vergessen, daß die extremen
Ansichten Adolf Hitlers viele dazu veranlaßten, sich
über ihn lustig zu machen, als sie sich gegen ihn
hätten stellen sollen. Heute möchten wir vielleicht
dem russischen Außenminister zustimmen, daß
Wladimir Schirinowskij weniger ein politisches als ein
medizinisches Problem ist. Es ist jedoch beunruhigend, Verbindungen zwischen radikalen Nationalisten
in Rußland und dem ehemaligen Jugoslawien zu
sehen. Und die Geschichte lehrt uns, daß der
einzelne gleichzeitig geistesgestört und gefährlich
sein kann.
Schließlich kann das Kriegsverbrechertribunal das
Völkerrecht stärken.
Was wir im ehemaligen Jugoslawien beobachten,
geht über einen Krieg bis zur Vergewaltigung von
Recht und Zivilisation selbst hinaus. Wir in einer
freien Gesellschaft lebenden Amerikaner haben
großes Interesse an einer Welt, in der akzeptable
"Spielregeln" eingehalten werden. Heute kommt die
Mehrzahl der uns konfrontierenden Bedrohungen von
Regimen, die sich entschlossen haben, außerhalb
des Gesetzes zu operieren. Wir sind entschlossen,
für ein solches Verhalten einen Preis zu fordern, sei
es in Form diplomatischer Isolierung, Wirtschaftssanktionen, militärischer Eindämmung oder Zwang.
Das Kriegsverbrechertribunal begrüßt diesen Ansatz.

Seite 5

�Beispielsweise verleiht das Tribunal dem Prinzip
Inhalt, daß die Gesetze des Krieges unabhängig von
Erfolgen auf dem Schlachtfeld angewandt werden
sollten.
Das Tribunal bekräftigt den Status von Vergewaltigung während eines bewaffneten Konflikts als
Verletzung des internationalen humanitären Rechts.
Das Tribunal erkennt an, daß Störungen humanitärer
Hilfslieferungen ein Kriegsverbrechen sind. Dies hat
tiefgreifende Auswirkungen auf künftige UN-Missionen.
Und das Tribunal klärt, daß es eine logische Konsequenz des Rechts auf Auswanderung gibt - das
von der Hohen Flüchtlingskommissarinder Vereinten
Nationen, Dr. Sadako Ogata, sogenannte "Bleiberecht" - ein Recht, das in diametralem Gegensatz zu
ethnischer Säuberung steht.
Dies sind Schlüsselprinzipien. Mit ihrer Verwirklichung würden sie nicht nur Bürger einer ethnischen
Gruppe im ehemaligen Jugoslawien schützen,
sondern alle. Und sie würden uns allen einen
gesonderten Sicherheitsrahmen bieten.
Zweifelsohne wird das Kriegsverbrechertribunal nicht
das menschliche Verhalten revolutionieren, es wird
nicht jegliche Aggression stoppen, es wird Kriegsverbrechen kein Ende setzen, es wird - selbst im besten
Falle - nicht mehr sicherstellen als ein gewisses Maß
an Gerechtigkeit im ehemaligen Jugoslawien. Aber
es wird zumindest die Kraft und das Prestige des
Völkerrechts direkt an die Seite der Opfer dieses
Konflikts stellen. Es wird die Aussichten auf einen
dauerhaften Frieden verbessern. Es wird in den
Köpfen der Möchtegern-Aggressoren ein Quentchen
Vorsicht hinzufügen. Es wird die Fundamente einer
zivilisierten Gesellschaft in einer gefährlich instabilen
Welt sichtbar stärken. Und es wird das Berichten
der New York Times zufolge jetzt in Belgrad populäre Lied Lügen strafen: "Mein Vater ist ein Kriegsverbrecher, aber niemand wagt, ihn vor Gericht zu
bringen."
Heute abend, mit dem Krieg und dem Kriegsverbrechertribunalvor Augen wollen wir hier in diesem
der Erinnerung gewidmeten Museum feierlich geloben, nicht zuzulassen, daß die Zukunft von der
Vergangenheit definiert wird.
Einige sagen, wir alle seien Gefangene der Geschichte und die Gewalt, die das ehemalige Jugoslawien heimsucht, sei nur das unvermeidliche
Nachbeben der Jahrzehnte, wenn nicht Jahrhunderte
zuvor erlebten Streitigkeiten.

Seite 6

Einige fühlen sich von den gegen die Menschen in
Bosnien begangenen Verbrechen nicht betroffen, weil
die Opfer so weit weg sind, und aufgrund anderer
Probleme - und anderer Verbrechen - die unsere
Aufmerksamkeit hier zu Hause erfordern.
Einige sehen die menschliche Tragödie und die
rechtmäßige Entrüstung vor einem breiten geopolitischen Hintergrund und sagen, es sei "unrealistisch"
für uns, sich sehr oder sehr lange darum zu kümmern.
Einige sind so entsetzt über die Grausamkeit dieses
und anderer Kriege, daß sie am menschlichen
Fortschritt verzweifeln und sich weigern anzuerkennen, daß ein gewisses Maß an Gerechtigkeit überhaupt keiner Gerechtigkeit vorzuziehen ist.
Aufgrund unserer Erfahrungen können wir jede dieser
Einstellungen unterstützen. In diesem Gebäude gibt
es vieles, das zu Pessimismus und Verzweiflung
verleitet.
Wir können uns den verdammenswerten beiden
Gesichtern der menschlichen Natur nicht entziehen.
Wir können unser Leben oder unsere Politik nicht auf
Illusionen über den menschlichen Charakter gründen.
Aber wir können verstehen, daß es Grenzen in uns
für das von uns zu Leistende gibt, die das von uns
Angestrebte einschränken. Wir können die Realität
der Grausamkeit akzeptieren, ohne die Grausamkeit
zu akzeptieren. Wir können an Auschwitz denken
und verzweifeln, oder wir können über Auschwitz
nachdenken und geloben, Verzweiflung niemals
Untätigkeit entschuldigen zu lassen.
Wir sind dieselbe Spezies wie Adolf Hitler, aber auch
wie Anne Frank, Oskar Schindler, Raoul Wallenberg
und die Rebellen im Warschauer Ghetto.
Wir sind dieselbe Spezies wie die Belagerer Sarajevos und ihre Verteidiger, dieselbe Spezies wie die
Mörder in Bosnien und dieselbe wie die vielen,
einschließlich der bosnischen Serben, die ihr Leben
zur Rettung anderer riskiert haben.
Wir sind die Erben einer Nation, die zu spät zu wenig
zur Beendigung des Holocaust getan und dann
Buchenwald befreit hat.
Wir sind eine Nation, die mit ihrem direkten Engagement in Bosnien gezögert und mehr als jede andere
Nation getan hat, um Hoffnung zu wecken.
Wir kommen nicht in dieses Museum, um das Verständnis zu erleichtem. Wir kommen nicht zur

AMERIKA DIENST 15

�Beruhigung hierher. Wir kommen hierher um zu
lernen - nicht Antworten, sondern Fragen.

Dieses Museum fordert, was das Leben fordert: Eine
Entscheidung zu treffen.

Das Kriegsverbrechertribunal für das ehemalige
Jugoslawien ist ein Test, ob wir die richtigen Fragen
stellen. Indem wir es unterstützen und dafür kämpfen, können wir unseren Teil dazu beitragen, nicht
von der Geschichte gefangengenommen zu werden,
sondern sie zu gestalten; eine Welt aufzubauen, die
nicht ohne Konflikt ist, in der Konflikt aber effektiv
eingedämmt wird; eine Welt nicht ohne Repression,
in der jedoch der Einflußbereich der Freiheit erweitert wird; eine Welt nicht ohne gesetzloses Verhalten, in der aber die Interessen der Gesetzestreuen
zunehmend gesichert sind.

Solange zuzusehen, wie wir können, oder so viel zu
tun, wie wir können.
Lassen Sie uns im Namen der seit langem und vor
kurzem Verstorbenen, der Lebenden und der nachfolgenden Generationen alles in unserer Macht
Stehende tun, um den Genozid zu beenden und uns
in den Dienst des Lebens zu stellen.

* * * * *

AMERIKA DIENST 15

Seite 7

�</text>
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dienet

Herausgeben U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462 C

27. April 1994

16

RICHARD NIXON

STAATSTRAUERTAG FÜR NIXON
Proklamation des Präsidenten
RICHARD NIXON - EIN UMSTRITTENER ABER
TATKRÄFTIGER POLITIKER
Zum Tode des ehemaligen Präsidenten

BOSNIEN

CHRISTOPHER: ANGRIFF DER BOSNISCHEN
SERBEN ERFORDERT ENTSCHLOSSENE
REAKTION
Eröffnungsansprache bei Anhörung vor dem
Kongreß

BOSNISCHES VERHALTEN ERFORDERT
ENTSCHLOSSENE, SACHLICHE REAKTION
Rede von Thomas Weston

MENSCHENRECHTE

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

DEMOKRATIE UND MENSCHENRECHTE SIND
SCHLÜSSELELEMENTE DER
AMERIKANISCHEN AUSSENPOLITIK
Anhörung Shattucks vor dem Kongreß

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.:0228-339 23 72
Fax:0228-3341 02

�RICHARD

NIXON
27. April 1994

STAATSTRAUERTAG FÜR NIXON
Proklamation des Präsidenten
WASHINGTON - (AD) - Mit den Worten, Richard M. Nixon sei "ein vehementer Verfechter von Freiheit und
Demokratie weltweit" gewesen, ordnete Präsident Clinton einen Staatstrauertag für den 37. Präsidenten der
Vereinigten Staaten an, der am 22. April 1994 verstarb.
Nixon, der sich als einziger Präsident zum Rücktritt gezwungen sah, verbrachte die letzten Jahre seines
Lebens mit dem Verfassen von Schriften über außenpolitische Themen und erstellte, so Clinton, "ein
überzeugendes Bild der sich abzeichnenden Weltpolitik, das auf Jahre hinaus politischen Entscheidungsträgern
als Leitfaden dienen wird".
Nixon wird am 27. April 1994 neben seiner Frau Patricia in seinem Geburtsort Yorba Linda (Kalifornien)
beerdigt, wo sich auch das Nixon-Museum und seine Präsidentenbibliothek befinden.
An das Volk der Vereinigten Staaten:
Mit großer Trauer gebe ich offiziell den Tod von
Richard Milhous Nixon, dem 37. Präsidenten der
Vereinigten Staaten von Amerika, am 22. April 1994
bekannt.

,
•»

Als für herausragende Dienste im Zweiten Weltkrieg
ausgezeichneter Marineoffizier war Richard Nixon
seit langem ein Fixpunkt in unserem nationalen
Leben. In einer sich über ein Vierteljahrhundert
erstreckenden Laufbahn im öffentlichen Dienst trug
er zur Gestaltung der amerikanischen Geschichte
bei. Vor seiner Amtsübernahme als Präsident im
Jahr 1969 leistete er hervorragende Arbeit im
amerikanischen Repräsentantenhaus, im Senat und
als Vizepräsident in der Eisenhower-Administration.
Seit seinen frühen Tagen im Kongreß, während
seiner Amtszeit im Weißen Haus und im gesamten
Verlauf der zwei Jahrzehnte, die seit seinem Ausscheiden aus dem Amt verstrichen sind, war er ein
vehementer Verfechter von Freiheit und Demokratie
weltweit.
Staatsmänner und Studenten internationaler Angelegenheiten werden noch lange auf Präsident Nixons
enorme Leistungen als Richtschnur blicken. Sein
Kampf um die Überbrückung der Kluft zwischen den
Vereinigten Staaten und der ehemaligen Sowjetunion - angefangen von der berühmten "Küchendebatte" mit Nikita Chruschtschow, der in der Entspannungspolitik Anfang der siebziger Jahre seinen
Höhepunkt fand - trug zur Aufrechterhaltung des

AMERIKA DIENST 16

Friedens in einem unsicheren Zeitalter bei. Unsere
inzwischen verbesserten Beziehungen zu den Chinesen sind auf Nixons mutigen Besuch in China vor
über 20 Jahren zurückzuführen. In zahlreichen
später von ihm verfaßten Büchern erstelfte er ein
überzeugendes Bild der sich abzeichnenden Weltpolitik, das auf Jahre hinaus politischen Entscheidungsträgern als Leitfaden dienen wird.
Präsident Nixon hat für unsere Nation auch eine
Vielzahl positiver innenpolitischer Initiativen ergriffen.
Seine Bemühungen um Umweltschutz, Änderung des
Sozialleistungssystems unserer Nation, Verbesserung
des Gesetzesvollzugs und Reform des Gesundheitswesens dienen uns heute als Anregung, während wir
den Amerikanischen Traum in greifbare Nähe all
unserer Bürger rücken.
In seinem Buch In the Arena: A Memolr of Victory,
Defeat and Renewal schrieb Präsident Nixon:
"Meiner Ansicht nach... ist die Fülle des Lebens nicht
an seiner Länge, sondern an seiner Breite, Höhe und
Tiefe zu messen." Das ist in der Tat ein äußerst
passendes Epitaph auf sein bemerkenswertes Leben.
Er erlitt Niederlagen, welche die meisten politischen
Karrieren beendet hätten, errang aber auch phantastische Siege, die vielen der beliebtesten Politiker der
Welt nicht beschieden waren. An diesem denkwürdigen Tag erkennen wir den bedeutenden Wert des
von ihm zu unserer Nation geleisteten Beitrags an
und beten, daß er uns genug von seiner Klugheit
hinterlassen haben möge, um uns sicher ins kommende Jahrhundert zu geleiten.

Seite 1

�Aufgrund dessen verfüge ich, William J. Clinton,
Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, kraft
der mir von der Verfassung und den Gesetzen der
Vereinigten Staaten übertragenen Vollmachten, daß
im Gedenken an Präsident Nixon und als Ausdruck
der öffentlichen Trauer die Flagge der Vereinigten
Staaten am Weißen Haus und auf allen Gebäuden,
Grundstücken und Kriegsschiffen der Vereinigten
Staaten über einen Zeitraum von 30 Tagen nach
seinem Todestag auf halbmast stehen soll. Femer
ordne ich an, daß während dieser Zeit die Vertreter
der Vereinigten Staaten im Ausland ähnliche Anweisungen für Trauerbeflaggung an ihren Botschaften,
Missionen und anderen öffentlichen Gebäuden im
Ausland geben, einschließlich aller militärischen
Einrichtungen und Stützpunkte.

*

Seite 2

Hiermit verfüge ich, daß am Tag der Beisetzung
Einheiten der Streitkräfte auf Befehl des Verteidigungsministers dem Verstorbenen angemessene
Ehrenbezeugung erweisen.
Weiterhin erkläre ich den Tag der Beisetzung zum
Staatstrauertag im gesamten Land. Ich rufe das
amerikanische Volk dazu auf, sich an diesem Tag in
die Gotteshäuser zu begeben, Präsident Nixons zu
gedenken und Gott um seinen Segen für unser Land
zu bitten. Ich rufe die Menschen auf der ganzen
Welt, die mit uns in Trauer vereint sind, dazu auf,
sich unserem feierlichen Gedenken anzuschließen.
Unterzeichnet am 22. Tag des April, im Jahre des
Herrn 1994 und im 218. Jahr der Unabhängigkeit der
Vereinigten Staaten von Amerika.

* * *

*

AMERIKA DIENST 16

�RICHARD

NIXON

27. April 1994

Richard Nixon - ein umstrittener aber tatkräftiger Politiker
Zum Tode des ehemaligen Präsidenten
Richard Milhous Nixon, der als einziger Präsident
der Vereinigten Staaten sein Amt niederlegte, war
einer der umstrittensten und bedeutendsten amerikanischen Regierungschefs der vergangenen 40 Jahre.
Nur über wenige Politiker in der amerikanischen
Geschichte wurde kontroverser diskutiert als über
Nixon. Der konservative Politiker war bei vielen
Liberalen, Akademikern und Journalisten unbeliebt.
Er scheute sich aber auch nicht, ihnen mit derselben
Abneigung zu begegnen. Nixon mußte unglaubliche
politische Niederlagen erleiden - Schläge, die andere
vielleicht nicht ertragen hätten. Auf irgendeine
Weise gelang es ihm jedoch immer wieder, sich
davon zu erholen.
Der größte Erfolg von Nixons Präsidentschaft war
seine Entspannungspolitik gegenüber der Sowjetunion sowie die politische Öffnung für das kommunistische China Anfang der siebziger Jahre.
Letztere festigte seinen Ruf eines herausragenden
außenpolitischen Strategen.
Sein größter Mißerfolg war sein unehrenhafter
Rücktritt vom Amt des Präsidenten im Jahr 1974, um
einer drohenden Amtsenthebung durch Impeachment als Folge der Watergate-Affäre zuvorzukommen.
Nixon hatte aber auch Bewunderer - viele erinnern
sich an sein Eintreten für die Demokratie in der
berühmten, in Moskau mit dem sowjetischen Staatschef Nikita Chruschtschow geführten "Küchendebatte" und an seinen Mut, als seine Frau Pat und er
1958 in Venezuela von einem Mob antiamerikanischer Demonstranten angegriffen wurden.
Praktisch in der gesamten Nachkriegszeit war Nixon
für jeden Erwachsenen und jedes Kind in Amerika
ein Begriff - nicht nur als Politiker, sondern auch als
Produkt seiner Zeit, möglicherweise, weil er einer
der ersten Politiker war, die im gesamten Verlauf

AMERIKA DIENST 16

ihrer Karriere immer wieder im Fernsehen erschienen.
Nach seinem Rücktritt nahm die Abneigung gegen
Nixon ab, und in späteren Jahren wurde er in den
Augen der Öffentlichkeit ein "eider statesman" - eine
Rolle, an der er offensichtlich Gefallen fand.
Der 1913 auf der Farm seines Vaters in Yorba Linda
(Kalifornien) geborene Nixon wuchs mit vier Brüdern von denen zwei als Kind starben - unter der strengen Erziehung seines Vaters auf. Seine Mutter war
Quäkerin, und zu ihr hatte Nixon eigenen Angaben
zufolge ein engeres Verhältnis. Während seiner
Kindheit zog die Familie in das 20 Kilometer von Los
Angeles entfernte Whittier. Nixon besuchte das
Whittier College, wo er Geschichte studierte und sich
in Debatten besonders hervortat. 1937 legte er an
der Duke University sein juristisches Staatsexamen
ab.
Nachdem Nixon im Zweiten Weltkrieg in der USMarine gedient hatte, gab er 1946 seine Kandidatur
für einen Sitz als Abgeordneter des Bundesstaates
Kalifornien im Kongreß gegen den demokratischen
Amtsinhaber Jerry Voorhis bekannt.
Aufgrund
angeblicher Kontakte Voorhis zu den Linken gewann
Nixon seinen ersten größeren politischen Sieg.
Während seiner frühen Jahre im Kongreß erwies sich
Nixon bei innenpolitischen Fragen als pragmatischer
Konservativer, bei auswärtigen Angelegenheiten als
Weltpolitiker, der sich für den Marshallplan einsetzte.
Als Mitglied des Ausschusses des Repräsentantenhauses für unamerikanische Umtriebe schlug er aus
der starken antikommunistischen Einstellung seiner
Zeit Kapital und formulierte sie als nationale Politik.
Als der Ausschuß 1948/49 den Fall von Alger Hiss,
einem Beamten des US-Außenministeriums, untersuchte, veranlaßte Nixon eine Gegenüberstellung
zwischen Hiss und seinem Ankläger, Whittaker

Seite 1

�Chambers, was schließlich zur Verurteilung von Hiss
wegen Meineid führte. Nixon schreib später zutreffend in seinen autobiographischen Memoiren "Six
Crises", der Fall Hiss "hinterließ Haß und Feindseligkeit mir gegenüber - nicht nur unter Kommunisten,
sondern auch wichtigen Vertretern der Presse und
Intellektuellen - eine Feindseligkeit, die selbst heute
noch spürbar ist".
Verstärkt wurde diese Feinseligkeit durch Nixons
Kampagne gegen Helen Gahagan Douglas 1950 im
Rennen um einem Sitz im Senat. Wie üblich bediente sich Nixon harter Worte, und seine Gegner
bezichtigten ihn des Kommunistenhasses und des
Antisemitismus. Während seiner gesamten nachfolgenden politischen Karriere blieb Nixon Zielscheibe
der Ablehnung durch die Liberalen.
1952 wurde Nixon auf dem Parteitag der Republikaner zum Vizepräsidentschaftskandidaten von Dwight
D. Eisenhower gewählt. Während des Wahlkampfes
kritisierte Nixon die Demokraten wegen ihrer Schwäche gegenüber dem Kommunismus und Korruption
innerhalb der Regierung. Dies erwies sich als
Bumerang, weil er selbst unangemessener Verwendung von Wahlkampfspenden beschuldigt wurde
und es bei der ersten schweren Krise seiner Karriere
den Anschein hatte, Eisenhower, der eine persönliche Abneigung gegen ihn hegte, werde Nixon von
seiner Wahlliste streichen.
Am 23. September 1952 hielt Nixon im Fernsehen
seine berühmte "Checkers"-Rede. Er stellte seine
Frau Pat und seinen Cockerspaniel "Checkers" der
Öffentlichkeit vor, bestritt den Mißbrauch von Wahlkampfgeldern für persönliche Zwecke (nach amerikanischem Gesetz ein Vergehen) und verwies auf den
"respektablen republikanischen Tuchmantel" seiner
Frau als Zeichen ihrer persönlichen Genügsamkeit.
Die Intellektuellen haßten seine Rede, bei der
amerikanischen Öffentlichkeit kam sie jedoch gut an
und rettete seine Karriere.
Als Eisenhowers Vizepräsident während zwei
Amtsperioden übernahm Nixon eine aktive Rolle in
der Administration, als sich Eisenhowers Gesundheitszustand verschlechterte. Bei Besuchen und im
diplomatischen Auftrag bereiste er 54 Länder. Bei
ihrem Aufenthalt in Caracas wurden die Nixons von
antiamerikanischen Demonstranten angepöbelt, aber
Nixon gelang es, sich von ihnen zu befreien, während die Kameras den Angriff festhielten.
1959 hatte Nixon einen großen Glückstreffer:
Während eines Besuchs in der Sowjetunion besichtigte er mit dem damaligen sowjetischen Staatschef
Chruschtschow in Moskau eine Ausstellung amerikanischer Küchengeräte. Eine angeregte Unterhaltung

Seite 2

zwischen beiden Männern wurde von den Fernsehkameras aufgezeichnet. Sie wurde bekannt als die
"Küchendebatte", und die Öffentlichkeit zollte Nixon
Lob, weil er sich gegen den sowjetischen Staatschef
auf dessen Territorium "gut geschlagen" hatte.
Nixon gewann die Nominierung der Republikaner als
Präsidentschaftskandidat im Jahr 1960. Dieses Mal
zeichnete das Femsehen jedoch seine Demontage
auf als ein müde aussehender Nixon - der sich von
einer Krankheit erholte - bei dem Fernsehduell mit
einem ausgeruhten, jugendlichen John F. Kennedy
um die Präsidentschaft kämpfte. Nixon verlor die
Wahl mit weniger als einem Prozent der Stimmen,
entschloß sich jedoch, keinen Einspruch gegen das
Wahlergebnis einzulegen, wie Kollegen ihm geraten
hatten.
Viele Politiker hätte sich nach so einem frustrierenden
Wahlkampf zurückgezogen. Aber zur allseitigen
Überraschung trat Nixon wieder auf, um 1962 die
Nominierung als Gouverneur von Kalifornien anzustreben. Wiederum mußte er sich durch den Amtsinhaber, Edmund G. Brown, knapp geschlagen
geben.
1963 zog Nixon nach New York und praktizierte
neben seiner Tätigkeit für die republikanische Partei
als Rechtsanwalt. In demselben Jahr wurde Kennedy
erschossen und sein Nachfolger, Lyndon B. Johnson,
wurde bald in den Vietnamkrieg verstrickt. 1968 gab
Johnson, dessen Ruf durch diesen Krieg zerstört
worden war, bekannt, er werde sich nicht zur Wiederwahl stellen. In dem Wissen um die geschwächte
Position der Demokraten strebte Nixon erneut die
Präsidentschaftsnominierung an und besiegte den
Kandidaten der Demokraten, Vizepräsident Hubert
Humphrey. Nixons Kampagne kam die Desillusionierung der Öffentlichkeit über den Vietnamkrieg zu Hilfe
sowie die Kandidatur eines dritten Kandidaten, des
Gouverneurs von Alabama, George C. Wallace, die
den Demokraten Stimmen entzog.
Als 37. Präsident regierte Nixon die Nation als
gemäßigter Konservativer. Nixon und sein Außenminister, Henry Kissinger, ordneten die weitere
massive Bombardierung Indochinas an - weiteten die
Luftangriffe auf Laos und Kambodscha aus und
provozierten riesige Demonstrationen auf den amerikanischen College-Campuses - begannen jedoch
auch den Prozeß des amerikanischen Rückzugs aus
der Region. Im Rückblick erscheint wichtiger, daß sie
die gefeierte diplomatische Öffnung Chinas ausarbeiteten und durchführten. Nixon erzielte femer
Fortschritte bei den Verhandlungen mit der Sowjetunion über strategische Rüstungen und setzte sich
für Gesetze über das Sozialwesen und ökologische
Fragen ein.

AMERIKA DIENST 16

�1972 gewann Nixon erneut die Präsidentschaft dieses Mal in einem erdrutschartigen Sieg über
seinen demokratischen Herausforderer George S.
McGovern. Diese Wahl erwies sich jedoch als seine
Demontage. Von seinen Assistenten bezahlte
Männer waren in das Hauptquartier des nationalen
Ausschusses der Demokraten im Watergate-Apartmentgebäude in Washington in dem offensichtlichen
Versuch eingebrochen, den Demokraten abträgliche
Informationen zu erhalten.
Was immer Nixon über den Einbruch gewußt haben
mag, sein schwerwiegendster Fehler war der Versuch, die Ermittlungen zu vereiteln und Beweismaterial zu vernichten - eine Fehleinschätzung, die zu
einem riesigen Skandal und einem Ermittlungsverfahren des Kongresses führte. Schließlich sah er
sich 1974 angesichts der drohenden Anklage zum
Rücktritt gezwungen. Sein Nachfolger, Gerald R.
Ford, amnestierte ihn wegen aller im Amt begangenen Vergehen - und Nixon zog sich in Kalifornien in
den Ruhestand zurück.

*

AMERIKA DIENST 16

Während seiner Präsidentschaft im Oval Office
gemachte und späterfreigegebene Tonbandaufzeichnungen zeigten Nixon als häufig ungehobelten und
rachsüchtigen Mann. Wie in vergangenen Jahrzehnten überwand Nixon jedoch die Bitterkeit und Schande von Watergate und kehrte allmählich ins öffentliche Leben zurück. Über die Jahre trat er als kluger
Berater und Kommentator außenpolitischer Themen
auf und wurde von der jüngeren Generation von
Amerikanern als angeschlagener, aber dennoch
geachteter "eider statesman" akzeptiert.
Gegen Ende seines Lebens bewerteten die Historiker
seine geschichtliche Rolle in einem günstigeren Licht.
Seine letzte Auslandsreise im Jahr 1994 führte ihn
nach Rußland, wo er die Kommunikation zwischen
den politischen Parteien zu verbessern und ihr
Potential einzuschätzen versuchte.

*

Seite 3

�BOSNIEN
27. April 1994

CHRISTOPHER: ANGRIFF DER BOSNISCHEN SERBEN
ERFORDERT ENTSCHLOSSENE REAKTION
Eröffnungsansprache bei Anhörung vor dem Kongreß
WASHINGTON - (AD) - Der Angriff der bosnischen Serben auf die von der UNO erklärte Schutzzone Gorazde
hat erneut die Mißachtung der Serben für die "internationale Staatengemeinschaft und einen Mangel an
Kooperationsbereitschaft bei der Erlangung des Friedens demonstriert", stellte Au ßenminister Christopher fest.
Bei einer Anhörung vor dem Bewilligungsunterausschuß für Wirtschaft des Senats am 21. April 1994 erklärte
Christopher, das jüngste Verhalten der bosnischen Serben "erfordert eine entschlossene Reaktion", wenn die
Parteien in Bosnien einbezogen werden sollen, um ein Abkommen am Verhandlungstisch zu erzielen.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Eröffnungsansprache von Außenminister Christopher im Wortlaut.

Herr Vorsitzender, verehrte Ausschußmitglieder, es
ist mir ein Vergnügen, heute vor Ihnen sprechen zu
dürfen. Der Präsident und ich profitieren in höchstem Maße von Ihrer Klugheit und Ihrem Fachwissen. Ich sehe einer produktiven Diskussion erwartungsvoll entgegen.
Ich werde heute den Haushaltsantrag 1995 für
internationale Angelegenheiten erläutern sowie seine
Prioritäten und Ziele darlegen. Zuerst werde ich
Ihnen jedoch über unsere Reaktion auf die Situation
in Bosnien berichten.
Die Serben haben wieder einmal ihre Mißachtung für
die internationale Staatengemeinschaft und einen
Mangel an Kooperationsbereitschaft bei der Erlangung des Friedens demonstriert. Seit Tagen beschießen sie eine von Zivilisten bewohnte Stadt,
selbst nachdem deren Verteidigung zerschlagen
worden ist.
Dies ist ein Rückschlag für die in den vergangenen
Wochen mit dem Ultimatum bezüglich Sarajevo und
dem Friedensabkommen zwischen den Bosniern und
Kroaten erzielten Fortschritte. Wir müssen uns
jedoch über unsere Ziele im klaren sein. Wir müssen die Parteien in Bosnien zur Beilegung ihrer
Differenzen am Verhandlungstisch veranlassen. Und
wie Präsident Clinton gestern eindeutig klargestellt
hat, müssen wir die Serben zu Verhandlungen
ermutigen, indem wir sicherstellen, daß sie einen
hohen Preis für die andauernde Aggression bezahlen.

AMERIKA DIENST 16

Das jüngste Verhalten der bosnischen Serben
erfordert eine entschlossene Reaktion. Der Präsident
hat drei unverzüglich zu ergreifende Initiativen
vorgelegt.
Erstens schlagen wir unseren Verbündeten vor, den
von uns erfolgreich angewandten Ansatz zu Sarajevo
auf andere von der UNO zu Schutzzonen erklärte
Gebiete in Bosnien einschließlich Gorazde auszuweiten. Wir wissen, daß Luftangriffe allein die serbische
Aggression nicht aufhalten können. Sie können
jedoch ebenso wie in Sarajevo als Abschreckung für
den mutwilligen Beschuß der von Zivilisten bewohnten Regionen dienen und den Verletzern hohe
Strafen auferlegen.
Zweitens werden wir unsere Bestrebungen verdoppeln um zu gewährleisten, daß harte Sanktionen
gegen Serbien so streng wie möglich durchgesetzt
werden.
Drittens werden wir unsere Unterstützung für humanitäre Hilfslieferungen in Bosnien erweitern.
Die
Vereinigten Staaten werden mit den Vereinten
Nationen zusammenarbeiten, um den Menschen in
Gorazde zu helfen.
Wir unternehmen diese Schritte, weil die Vereinigten
Staaten in Bosnien wichtige strategische und humanitäre Interessen haben. Wir haben ein strategisches
Interesse an der Verhinderung eines größeren
europäischen Konflikts. Wir haben ein Interesse an
der Aufrechterhaltung der NATO als glaubwürdige
Streitmacht für Frieden in Europa nach dem Kalten

Seite 1

�Krieg. Wir haben ein Interesse an der Eindämmung
des Flüchtlingsstroms und der Beendigung dieser
schrecklichen Tragödie.
Letztlich ist eine Verhandlungslösung unter den
Parteien der einzige Weg zur Beendigung des
Konflikts. Das Abkommen zwischen den bosnischen
Muslims und Kroaten, zu dessen Zustandekommen
wir beigetragen haben, hat bereits eine Kampf linie in
Bosnien ausradiert. Es weist darüber hinaus den
Weg zu der von uns angestrebten umfassenderen
Lösung.
Ich möchte hinzufügen, Herr Vorsitzender, daß wir
die Entsendung weiterer UN-Friedenstruppen zur
Sicherstellung der humanitären Hilfslieferungen und
zur Konsolidierung des bosnisch-kroatischen Friedens unterstützen werden. Wie der Präsident
gestern erklärte, "lautet das Gebot jetzt, sich nicht
nur mit dem jüngsten serbischen Vergehen auseinanderzusetzen, sondern die Kraft für Frieden zu
erneuern".
Wir werden unsere Initiativen morgen in Brüssel mit
unseren NATO-Verbündeten und den Russen
erörtern. Wir hoffen, daß wir einen gemeinsamen
Ansatz zur Beendigung des Konflikts und zur Erlangung von Frieden im ehemaligen Jugoslawien
erarbeiten können.
Ich möchte mich jetzt dem Antrag des Präsidenten
für das Haushaltsjahr 1995 zuwenden - dem ersten
wirklichen Etat für internationale Angelegenheiten in
der Zeit nach dem Kalten Krieg.
Dieses Budget entspricht den Herausforderungen
der Ära nach dem Kalten Krieg, indem es die von
mir als zentral für die Außenpolitik dieser Administration ausgemachten sechs strategischen Prioritäten
unterstützt. Erstens gestattet es uns die Verbesserung unserer wirtschaftlichen Sicherheit. Zweitens
stellt es Unterstützung für die Reformen in Rußland
und den anderen neuen unabhängigen Staaten
bereit. Drittens können wir dank dieser Haushaltsvorlage die transatlantische Sicherheit und den
Wohlstand aufrechterhalten. Viertens fördert sie
unser Interesse am asiatisch-pazifischen Raum.
Fünftens bringt sie den Frieden im Nahen Osten
voran. Sechstens trägt sie dazu bei, globale Themen wie Nichtverbreitung, Menschenrechte, Bevölkerungswachstum und die Umwelt zum wesentlichen
Bestandteil der amerikanischen Außenpolitik zu
machen.
Diplomatie ist ein starkes Instrument, diese Prioritäten zu fördern sowie starke und sichere Vereinigte
Staaten zu gewährleisten. Ich bin der festen Überzeugung, daß präventive Diplomatie und Friedens-

Seite 2

Sicherung kosteneffektiv sind. Sie sparen Geld.
Noch wichtiger ist, sie retten Leben.
Herr Vorsitzender, wie Sie wissen, wird ein Großteil
dieses Haushalts von anderen Bewilligungsunterausschüssen finanziert. Heute konzentriere ich mich auf
die von diesem Unterausschuß finanzierten Budgetkategorien, obwohl ich auch kurz auf die anderen
eingehen werde.
Die erste Haushaltskategorie ist die Förderung von
Wohlstand in den Vereinigten Staaten. Ich habe
unsere Missionen im Ausland angewiesen, der
Unterstützung der Interessen amerikanischer Exporteure, Investoren und Arbeitnehmer höchste Priorität
einzuräumen. Diese Bestrebungen bewirken jeden
Tag etwas für amerikanische Unternehmen. Ohne
die kontinuierliche Unterstützung dieses Unterausschusses wären sie nicht möglich.
In diesem Zusammenhang, Herr Vorsitzender,
möchte ich die von der Handelsabteilung des amerikanischen Wirtschaftsministeriums gespielte unerläßliche Rolle hervorheben. Ich darf Ihnen versichern, daß unsere Beamten im Ausland enger als
je zuvor mit der Handelsabteilung bei der Förderung
unserer gemeinsamen Ziele zusammenarbeiten.
Eine zweite Kategorie - die Förderung von Demokratie - spiegelt unsere Ideale wider und verstärkt unsere
Interessen. Der freie Austausch von Ideen ist eine
notwendige Voraussetzung für die Entwicklung
demokratischer Institutionen auf der ganzen Welt.
Unser Finanzierungsantrag für das US-Informationsamt (USIA) wird die umfassende Modernisierung und
Konsolidierung des internationalen Hörfunks gestatten. Auch die Finanzierung der nationalen Stiftung
für Demokratie ist unerläßlich. Ihre Aktivitäten zielen
auf die Stärkung von Institutionen ab, die Pluralismus,
demokratische Regierungsformen, Staatsbürgerkunde, Menschenrechte und Respektierung der Rechtsstaatlichkeit ermutigen.
In diesem Kontext möchte ich betonen, wie hoffnungsvoll wir über die Aussichten eines demokratischen Übergangs in Südafrika sind, wo die nationale
Stiftung für Demokratie die Aufklärung von Wählern,
Konfliktlösung und die Ausbildung politisch Verantwortlicher unterstützt hat. Wir sind erfreut über die
Vereinbarung vom Dienstag, mit der die Beteiligung
der Inkatha an den Wahlen sichergestellt ist. Wir
müssen jetzt zusammenarbeiten, um Südafrika beim
Aufbau neuer demokratischer Institutionen behilflich
zu sein.
Der größte Teil des Haushaltsantrags entfällt auf die
Förderung des Friedens. Über 80 Prozent der Gelder
sind für die Aufrechterhaltung und die Schaffung von

AMERIKA DIENST 16

�Frieden im Nahen Osten vorgesehen. Obwohl
Extremisten den Friedensprozeß sabotieren wollen,
macht dieser Prozeß Fortschritte. Wenn die bilateralen Gespräche hier Anfang Mai wiederaufgenommen
werden, hoffe ich, daß die Parteien zu den harten
Entscheidungen bereit sind, die für Fortschritte im
Friedensprozeß erforderlich sind.
Der beste Weg zum Schutz des Friedensprozesses
und zur Isolierung der Extremisten besteht in der
Veränderung der Gegebenheiten am Boden, so daß
die Menschen in der Region greifbare Verbesserungen für ihr Leben sehen. Die Aktionen von Extremisten - sei es in Hebron oder Afula - sind darauf
ausgerichtet, nicht nur Einzelpersonen zu töten,
sondern den Frieden selbst zu vereiteln. Wir sind
entschlossen, ihnen den Erfolg zu verwehren.
Darüber hinaus haben wir Mittel für die UN-Friedenssicherung beantragt. Wir werden sorgfältig abwägen, wann wir die Friedenssicherungsoperationen
unterstützen und wann wir uns daran beteiligen.
Wenn wir eine solche Entscheidung treffen, stellen
wir harte Fragen über Umfang, Auftrag, Dauer,
Verfügbarkeit von Ressourcen und Höhe des Risikos
einer solchen Mission. Wir erarbeiten rigorose
Kriterien um festzustellen, ob bereits bestehende
Friedenssicherungsoperationen eine neue Bewilligung verdienen.
Wir sehen UN-Friedenssicherung als Instrument,
Krisen zu entschärfen und zu verhindern, daß
Verletzungen des Friedens unsere Interessen
bedrohen und unsere Ressourcen weiter aufzehren.
Wir werden uns stets das Recht vorbehalten, im
Alleingang oder über ein Bündnis wie die NATO zu
handeln.
Wenn eine UNO-Operation unseren
Interessen jedoch am besten dient, wollen wir
sicherstellen, daß sie funktioniert.
UN-Friedenssicherungsmissionen erfüllen wichtige
Ziele zu weit geringeren Kosten als wenn wir alleine
eingegriffen hätten. Weniger als 1.000 der 70.000
weltweit stationierten UN-Friedenstruppen sind
Amerikaner. Die Vereinigten Staaten tragen 30
Prozent der Gesamtkosten, und wir werden alles in
unserer Macht Stehende tun, um diese Zahl bis
1996 auf 25 Prozent zu verringern.
Herr Vorsitzender, die Kosten der UN-Friedenssicherung sind eine Angelegenheit, die dem Kongreß
und der Administration ständig Anlaß zur Sorge
bereitet. Wir arbeiten an der Verbesserung der
Effizienz und Senkung der Kosten. Meines Erachtens müssen wir jedoch unseren Verpflichtungen
im Rahmen der Charta der Vereinten Nationen
nachkommen und unsere Beiträge entrichten.

AMERIKA DIENST 16

Wir erwarten, daß die Auslagen für Friedenssicherung im Haushaltsjahr 1994 1 Milliarde Dollar übersteigen. Wie Sie wissen, beraten Repräsentantenhaus und Senat am 19. April über das Bewilligungsgesetz des Außenministeriums, mit dem der Haushaltsantrag der Administration für 1994 in Höhe von
670 Millionen Dollar für Friedenssicherung unter
bestimmten Bedingungen bewilligt werden soll. Wir
benötigen Ihre Hilfe bei der Lösung dieses Finanzierung sproblems.
Wir sind entschlossen, Friedenssicherung effektiver
und finanziell transparenter zu machen.
Unser
Argument für Reformen ist stärker, wenn unsere
Rechnungen bezahlt sind - und wird unterminiert,
wenn sie es nicht sind. Wir wollen mit Ihnen und
Ihrem Unterausschuß zusammenarbeiten.
Wir
erbitten Ihren Rat und Ihre Unterstützung bei der
Finanzierung von Friedenssicherung und sonstigen
Maßnahmen.
In dieser Kategorie beantragen wir auch Mittel für
Nichtverbreitung und Abrüstung, einschließlich des
Amts für Rüstungskontrolle und Abrüstung. Dieses
Thema hat größere Relevanz als je zuvor angesichts
der Tatsache, daß Nordkorea seine Verpflichtungen
im Rahmen des Nichtverbreitungsvertrags nicht
einhält.
Schließlich, Herr Vorsitzender, erbitten wir Mittel zur
Unterstützung der Operationen des Außenministeriums sowie für unsere voraussichtlichen Beiträge zu
internationalen Organisationen. Mit diesen Mitteln
werden vor allem unsere Bürger und unsere lebenswichtigen Missionen im Ausland finanziert.
Unsere im auswärtigen Dienst tätigen hochqualifizierten Mitarbeiter üben die harte Arbeit der Diplomatie
an schwierigen und gefährlichen Orten auf dem
ganzen Globus aus. Amerikanische Diplomaten
unterhalten nicht nur Beziehungen zu ausländischen
Regierungen.
Sie schlichten Konflikte, fördern
Exporte, verteidigen Menschenrechte und koordinieren humanitäre Hilfslieferungen.
Wie Sie wissen, Herr Vorsitzender, begann die vorige
Woche mit den heroischen Dienst unserer Menschen
im Kugelhagel von Ruanda. Einige Tages später
kam Barbara Schell, eine mutige und ausgezeichnete
Beamtin im auswärtigen Dienst, bei einem Hubschrauberunglück im Nordirak ums Leben.
Wir können die Arbeit amerikanischer Diplomaten
nicht mit Geld aufwiegen. Aber wir können sagen,
daß ihr Engagement, ihre Urteilskraft und ihr Mut in
hohem Maße zur Stärke Amerikas beitragen.

Seite 3

�Das Außenministerium hat eine dramatische Zunahme seiner globalen Verantwortungsbereiche erlebt
mit über 20 neuen Vertretungen in den neuen
unabhängigen Staaten und andernorts. Wir bewältigen die zunehmende Arbeitsbelastung der Konsulate
und verstärken die Sicherheit an unseren Grenzen.
Das Ministerium muß darüber hinaus den jahrzehntelangen Verschleiß seiner Einrichtungen in Angriff
nehmen und mit der Modernisierung seiner Informations- und Finanzverwaltungssysteme sowie des
Telekommunikationsnetzes beginnen. Wir müssen
unsere veraltete und zunehmend funktionsuntüchtige
Computer-Hardware und Software erneuem. Aus
diesem Grund hat der Präsident eine Aufstockung
unseres Betriebskontos um 30 Millionen Dollar
beantragt. Wenn wir unsere Modernisierungsbestrebungen wieder vertagen, würden wir unsere Fähigkeit zur Verwirklichung der von mir heute erörterten
politischen Ziele aufs Spiel setzen.
Diese Haushaltskategorie enthält auch unseren
Anteil der geschätzten Beiträge an die Vereinten
Nationen und andere internationale Organisationen.
Der Antrag steht im Einklang mit satzungsmäßigen
Einschränkungen und führt unsere Verpflichtung zur
Zahlung der Rückstände fort. Die Vereinten Nationen und andere multilaterale Gremien befassen sich
mit den schwierigsten Problemen unserer Zeit, von
Hungersnöten über Flüchtlinge und ethnische Konflikte bis zum Überleben der Demokratie in Entwicklungsländern.

*

Seite 4

*

Unseres Erachtens müssen die Vereinten Nationen
rigoroser Prioritäten setzen und neue Wege zur
Kosteneinsparung finden. Angesichts der zunehmenden Komplexität der UNO-Operationen sind weitreichende Verbesserungen der Rechenschaftspflicht
erforderlich. Die Vereinten Nationen haben beachtliche Fortschritte erzielt, aber weitere Reformen sind
vonnöten. Eine unserer höchsten Prioritäten bei den
Vereinten Nationen ist die Einrichtung eines völlig
unabhängigen Büros mit den Aufgaben eines Generalinspekteurs.
Herr Vorsitzender, die Haushaltsvoriage für 1995
steht im Einklang mit dem Plan zum Defizitabbau des
Präsidenten. Es ist ein Sparantrag, der in realen
Zahlen gegenüber dem bereits knappen Budget für
1994 nochmals reduziert wurde. Mit diesem Antrag
werden die Bestrebungen zur Kostensenkung der
vergangenen Jahre fortgesetzt. Es ist darüber hinaus
ein Haushalt mit einem einzigen übergeordneten
Auftrag: Investitionen in die Sicherheit und den
Wohlstand der Vereinigten Staaten.
Die kontinuierliche Unterstützung Ihres Unterausschusses ist entscheidend für den Erfolg unserer
Bestrebungen. Sie haben mein Versprechen, daß wir
mit Ihnen allen bei den von mir dargelegten gemeinsam festgesetzten Prioritäten und Zielsetzungen
zusammenarbeiten werden.

*

*

AMERIKA DIENST 16

�BOSNIEN
27. April 1994

BOSNISCHES VERHALTEN ERFORDERT
ENTSCHLOSSENE, SACHLICHE REAKTION
Rede von Thomas Weston
WASHINGTON - (AD) - Der Referatsleiter für europäische und kanadische Angelegenheiten, Thomas G.
Weston, hielt am 21. April 1994 folgende Rede vor dem European Council of American Chambers of
Commerce.
Meine Damen und Herren, es ist mir eine Ehre und
ein Vergnügen, diese bedeutende Konferenz des
European Council of American Chambers of Commerce eröffnen zu dürfen. Außenminister Christopher und Abteilungsleiter Oxman haben mich gebeten, Ihnen ihr Bedauern zu übermitteln, daß sie
heute morgen nicht anwesend sein können. Im
Augenblick bereitet sich der Außenminister auf die
Anhörung zur Krise in Bosnien vor dem Kongreß
vor. Ich glaube, wir können den Worten des Ministers Glauben schenken, daß er sehr viel lieber hier
bei Ihnen gewesen wäre.
Bei der Vorbereitung meiner Rede für dieses Publikum erinnerte ich mich an eine Feststellung von
Dorothy Neviil, der bekannten Schriftstellerin des 19.
Jahrhunderts. "Die Geschäftswelt", so Neviil, "hat
verbaler Brillanz und Witz stets mißtraut, weil sie
solche Qualitäten - vielleicht zu Recht - als frivol und
unrentabel erachtet." Ich habe mein Bestes getan,
diesen Rat zu befolgen.
Ich möchte für Sie zwei Erfolgsgeschichten in
unseren Beziehungen zu Europa seit der Amtsübernahme dieser Administration analysieren. Die eine
betrifft die Wirtschaft: Der erfolgreiche Abschluß der
Uruguay-Runde des GATT zusammen mit unseren
Bestrebungen zur Integration der Länder Mittel- und
Osteuropas in den Westen. Die andere ist strategischer Art: Die Wiederbelebung unserer Sicherheitsinstitutionen, insbesondere der NATO.
Diese Leistungen werden verständlicherweise
gelegentlich von der andauernden Tragödie im
ehemaligen Jugoslawien überschattet. Ich möchte
Sie auch zu diesem schwierigen Problem auf den
neuesten Stand bringen.
Erstens muß ich jedoch ein Gerücht entkräften, das
von Zeit zu Zeit in den Leitartikeln auftaucht:

AMERIKA DIENST 16

Europa sei für den Wohlstand und die Sicherheit der
Vereinigten Staaten nicht länger von Bedeutung.
Nichts ist weniger zutreffend.
Ja, diese Administration ist sich bewußt, daß mit dem
Ende des Kalten Krieges neue außenpolitische
Ansätze erforderlich sind. Wir sind uns jedoch auch
darüber im klaren, daß Europa weiterhin sehr wohl
integraler Bestandteil unseres außenpolitischen
Bildes ist.
In einer Rede vor dem Auswärtigen Ausschuß des
Senats legte Außenminister Christopher im vergangenen Jahr die sechs strategischen Prioritäten
der Vereinigten Staaten dar. Die ersten drei Prioritäten - Förderung weltweiten Wachstums, Erweiterung
von Demokratie und Reformen in der ehemaligen
Sowjetunion sowie die Stärkung unserer sicherheitspolitischen und wirtschaftlichen Verbindungen zu
Europa - konzentrieren sich direkt auf Europa. Zwei
der verbleibenden drei - Frieden im Nahen Osten und
die Inangriffnahme globaler Probleme wie Umwelt,
Überbevölkerung und nukleare Weiterverbreitung können nur durch eine aktive amerikanisch-europäische Partnerschaft erfüllt werden.
Während die Amerikaner das Banner der Wirtschaft
in Europa hochhalten, wissen Sie besser als die
meisten, wie wichtig Europa für unser wirtschaftliches
Wohlergehen ist. Tatsache ist, daß Europa nach wie
vor unser bedeutendster Handelspartner ist, wenn wir
uns das Exportvolumen, Investitionen, Gewinne und
die Handelsbilanz insgesamt ansehen. Diese Administration tut alles in ihrer Macht Stehende, um diese
Wirtschaftsbeziehungen zu pflegen und zu erweitern.
Aus diesem Grund hat Außenminister Christopher die
Einrichtung einer "Amerika-Abteilung" im Außenministerium zu einem seiner ersten Tagesordnungspunkte gemacht. Handel und die Erfordernisse der

Seite 1

�Geschäftswelt im Ausland sind für diese Administration oberste Prioritäten. Dem Beispiel des Außenministers folgend haben die amerikanischen Botschaften begonnen, bei der Förderung unserer
Wirtschaftsinteressen weltweit eine aggressivere
Rolle zu spielen. Unsere Diplomaten werden ausgebildet, nicht nur unsere Werte, sondern auch unsere
Produkte zu fördern und nicht nur zum Schutz
unserer Sicherheit, sondern auch unseres geistigen
Eigentums beizutragen. Angesichts des Umfangs
unserer bestehenden Beziehungen ist eine AmerikaAbteilung nirgends wichtiger als in Europa.
Dem Beispiel des Außenministers folgend haben wir
jeden Botschafter in der Europa- und KanadaAbteilung angewiesen, die Unterstützung amerikanischer Unternehmen zur obersten Priorität zu erklären. Ich freue mich berichten zu können, daß
unsere Bestrebungen Früchte zu tragen beginnen.
Ich bin heute hier, um mir alle Vorschläge anzuhören, die Sie zu unterbreiten haben. Ich weiß, daß es
in der US-Regierung viel Papierkrieg gibt und
Europa mit seinen eigenen bürokratischen Problemen zu kämpfen hat. Ich will nicht versprechen, daß
wir alle unsere Probleme lösen können. Aber ich
kann die gesamte Abteilung dazu verpflichten, Ihnen
behilflich zu sein. Mit anderen Worten, wir sind Ihre
Vertreter in den Hauptstädten Europas.
Dies gilt auch für die Handelsabteilung im Wirtschaftsministerium unter Ron Brown und für das USInformationsamt (USIA), die wir auffordern, eine
beispiellose Rolle zu übernehmen - etwas, das sie
während des Kalten Krieges nie getan haben - um
den Unternehmen zur Seite zu stehen. Projekte
zum Abbau der bürokratischen Schranken zwischen
dem Außenministerium, dem Wirtschaftsministerium
und USIA wurden in unseren Vertretungen in
Deutschland und Frankreich in die Wege geleitet,
und dies wird in Kürze in der Schweiz, Österreich
und andernorts der Fall sein. Einige unserer Botschafter, darunter die in Ungarn, Belgien, Deutschland, Polen, der Schweiz, den Niederlanden, Dänemark und anderen Missionen kommen aus der
Wirtschaft. Ich weiß, daß sie Ihren Sorgen gegenüber besonders aufgeschlossen sind.

Mit anderen Worten, ich möchte Ihnen versichern,
daß Sie - auf ausdrückliche Anweisung des Präsidenten und des Außenministers - auf lange Sicht
unsere oberste Priorität sind. Wir wissen, daß unsere
nationale Sicherheit sich auf unsere wirtschaftliche
Stärke gründet. Ihr Erfolg ist unser Erfolg.
Partnerschaften für Wohlstand
Während wir unsere Geschäftsbeziehungen vertiefen,
müssen wir uns natürlich offen dem Wettbewerbscharakter dieser Beziehungen stellen, insbesondere
im Bereich des Handels. Unsere lang andauernden
Verhandlungen mit der Europäischen Union im
Rahmen der Uruguay-Runde des GATT zeigen, wie
leicht die besten Freunde sich in Handelsbeziehungen schwierigen Zeiten ausgesetzt sehen. Ich weiß,
daß viele der hier Anwesenden diese Achterbahnfahrt
ebenso wie ich durchgemacht haben.
Letztlich wurden die Vereinigten Staaten und die EU
jedoch ihrer Verantwortung gerecht. Das GATTAbkommen wird die Globalisierung der Weltwirtschaft
beschleunigen sowie mehr Länder und Regionen in
ein offenes Handelssystem einbeziehen. Dies wird
zu größerem Wirtschaftswachstum und mehr Arbeitsplätzen auf beiden Seiten des Atlantiks führen. Die
zur Erlangung eines Abkommens erforderliche
Aufhebung von Handelsschranken wurde von den
Vereinigten Staaten und der Europäischen Union
vorgenommen. Dies war ein anschaulicher Beweis
für unseren gemeinsamen Glauben an die Vorteile
freieren Handels.
Wir müssen jetzt einige Bereiche ansprechen, in
denen die Vereinigten Staaten und Europa Meinungsverschiedenheiten haben könnten, wie etwa den
audiovisuellen Sektor, Stahl und Subventionen für
den Flugzeugbau. Und wir müssen die sogenannten
Probleme der nächsten Generation in Angriff nehmen, wie beispielsweise Handel und die Umwelt
sowie Handel und Arbeitsnormen. Wir müssen
weiterhin auf das GATT aufbauen, um ein offenes
Handelssystem zu gewährleisten und unseren
eigenen Wohlstand zu mehren.
Integration Mittel- und Osteuropas

Darüber hinaus haben wir begonnen, unsere Konsularbeamten in ausgewählten Botschaften wie
beispielsweise Frankreich, Deutschland und der
Schweiz, denen weitere folgen werden, in Wirtschaftsangelegenheiten auszubilden. Ich hoffe, daß
wir bis Ende dieses Jahres wirklich in der Lage sein
werden zu sagen, alle unsere Konsularbeamten sind
auch Wirtschaftsfachleute - die Visa beschleunigt
bearbeiten, Geschäftsanfragen an die zuständigen
Stellen in der US-Regierung weiterleiten und Unternehmenschancen ausmachen können.

Seite 2

Die Clinton-Administration ist sich ferner der einzigartigen historischen Chance bewußt, die sich aus
dem Fall der Berliner Mauer ergeben hat. In Mittelund Osteuropa gibt es 135 Millionen Verbraucher und
weitere 285 Millionen in der ehemaligen Sowjetunion.
Die aktive Förderung ihrer Volkswirtschaften wird
letztlich auch ihnen helfen und unseren eigenen
Wohlstand durch die Öffnung riesiger Märkte für
unsere Waren und Dienstleistungen sicherstellen.

AMERIKA DIENST 16

�Wie meine Freunde und Kollegen aus der Region
eloquent - und zu Recht - argumentieren, besteht
eine grundlegende Aufgabe für den Westen im
weiter verbesserten Zugang zu unseren Märkten.
Schließlich können wir kaum mit der einen Hand
diese Nationen zum Beitritt zur demokratischen
Staatengemeinschaft auffordern, während wir sie
gleichzeitig mit der anderen von einigen unserer
Märkte ausschließen. Abgesehen von Fairness ist
dies ein praktisches Gebot. Um Außenminister
Christopher zu zitieren: "Die mittel- und osteuropäischen Nationen, die den schwierigen Übergang zu
freier Marktwirtschaft und Demokratie vollziehen,
müssen ihren Völkern greifbare Vorteile bieten
können. Ihre Bürger müssen wissen, daß Opfer
durch die Handelspolitik der führenden Industrienationen belohnt werden. Unser Engagement für die
neuen Demokratien des Ostens wird an dem Marktzugang gemessen, den wir im Westen gewähren."
Gleichzeitig kann nur der uneingeschränkte Übergang zu prosperierenden freien Marktwirtschaften für
Ost- und Mitteleuropa eine vielversprechende
Zukunft als Handelspartner sicherstellen. Dies wird
Hunderte Milliarden von Dollar erfordern. Ich verrate
kaum ein Staatsgeheimnis, wenn ich Ihnen sage,
daß der Großteil dieser Gelder angesichts der
Haushaltsengpässe für offizielle Gläubiger und
Geber im Westen aus dem Privatsektor kommen
muß. Es ist, wie es sein sollte: Schließlich besteht
das Ziel in der Konsolidierung wirtschaftlich unabhängiger freier Marktwirtschaften, nicht Abhängigkeiten. Letztlich muß Handel Hilfe ersetzen. Dies ist
der erfolgreiche Weg, um nicht nur amerikanische
Unternehmen in Europa zu stärken, sondern auch
um Demokratie in den ehemals kommunistischen
Staaten zu verankern.
Mit diesem Argument möchte ich jedoch nicht die
Bedeutung unserer offiziellen Hilfe herunterspielen.
Seit 1989 haben wir den Ländern Mittel- und Osteuropas mehr als 8 Milliarden Dollar an finanzieller
und technischer Hilfe sowie Schuldenerlaß gewährt.
Diese Gelder sind gut angelegt: Eine heute getätigte, relativ geringe Investition wird für die Vereinigten
Staaten und Europa große Dividenden in Form von
Sicherheit und Wohlstand bringen.
Letztlich muß jedoch das Wirtschaftswachstum im
Osten mit Privatkapital angekurbelt werden. Seit
dem Zusammenbruch des Kommunismus wurden
nicht unwesentliche Privatinvestitionen - in Höhe von
ungefähr 11 Milliarden Dollar - getätigt, die jedoch
längst nicht der gesamten Leistungsfähigkeit entsprechen und nur einen Bruchteil der benötigten
Menge darstellen. Wie viele von Ihnen aus eigener
Erfahrung wissen, sind Privatinvestitionen mit einem
Bach, nicht mit einer Flut zu vergleichen - teilweise

AMERIKA DIENST 16

aufgrund von Investitionshemmnissen. Während wir
uns um die Bereitstellung eines größeren Zugangs
zum westlichen Markt bemühen, müssen wir folglich
auch die Verbesserung des Investitionsklimas im
Osten anstreben.
Aus diesem Grund hat der Präsident Anfang dieses
Jahres in Prag mehrere substantielle Maßnahmen
angekündigt, um unsere fortgesetzte Unterstützung
marktwirtschaftlicher Reformen zu demonstrieren.
Am wichtigsten ist wohl, daß wir für diesen Herbst in
Washington eine größere Konferenz über Handel und
Investitionen in Mittel- und Osteuropa anberaumt
haben. Diese Konferenz sowie eine Reihe daraus
resultierender Aktivitäten werden darauf abzielen, die
in Mittel- und Osteuropa lebenden Menschen an
konstruktiven Bestrebungen zum Abbau der Hindernisse für Privatinvestitionen zu beteiligen.
Diejenigen von Ihnen, die in Mittel- und Osteuropa
Geschäfte tätigen, stehen an erster Stelle bei den
Bemühungen um eine Integration der mittel- und
osteuropäischen Staaten in den Westen. Dies ist
eine bedeutende Arbeit. Sie ist wichtig, weil die
Vereinigten Staaten aus Wohlstand in Mittel- und
Osteuropa wirtschaftliche Vorteile ziehen. Sie ist von
Bedeutung, weil die Konsolidierung der Demokratie
im Osten unsere Sicherheit erhöht. Schließlich
haben die Ereignisse des 20. Jahrhunderts gezeigt,
daß Buschfeuer in Europa, insbesondere in Osteuropa, sich in verheerende Feuersbrünste verwandeln können, die uns in materieller und menschlicher Hinsicht verbrennen. Und schließlich ist diese
Arbeit wichtig, weil die Förderung der Entwicklung
Osteuropas der richtige Weg ist. Die Vereinigten
Staaten haben diese Länder aufgefordert, sich der
Fesseln des Kommunismus zu entledigen. Nachdem
das geschehen ist, haben wir jetzt die Verpflichtung,
gemeinsam mit ihnen sicherzustellen, daß sie den
Lohn der Freiheit genießen können.
Eine Partnerschaft für Sicherheit
Handel und Investitionen stellen die eine Säule
unserer besonderen Beziehungen zu Europa dar,
Sicherheit die andere. Den Vereinigten Staaten ist in
Europa durch eine aktive Präventionspolitik eher
gedient als durch eine reaktive Politik der Unaufmerksamkeit. Mit anderen Worten - es ist letztlich
einfacher und kostengünstiger, Frieden zu sichern als
wiederherzustellen.
Unser Erfolg im Kalten Krieg ist auf diese Präventionspolitik zurückzuführen. Nachdem sich jetzt der
durch den Fall der Berliner Mauer aufgewirbelte
Staub gelegt hat, befinden wir uns nicht - wie mache
hofften - am Ende der Geschichte, sondern vielmehr
am Beginn eines neuen Zeitalters, das von uns ein

Seite 3

�erneutes Überdenken unserer Sicherheitsbeziehungen erfordert, angefangen mit der NATO.
Heute steht eine Vielzahl von Problemen, die während des Kalten Krieges schwelten, kurz vor dem
Siedepunkt - Probleme, für deren Lösung die NATO
nicht geschaffen ist. Ethnische und regionale Konflikte, die Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen, die Unterbrechung des Flusses lebenswichtiger Ressourcen, die Zerstörung der Umwelt,
Terrorismus - dies sind die größten Bedrohungen
unserer Sicherheit.
Trotz dieser neuen Herausforderungen sollte die
NATO die Grundlage unserer Partnerschaft sowie
der Sicherheit und Stabilität in Europa bleiben. Die
vor uns liegende elementare Aufgabe besteht darin,
die NATO an die veränderten Zeiten anzupassen,
sie stärker auf Krisenmanagement und Friedenssicherung zu konzentrieren und gleichzeitig ihre
Hauptfuhktion - die Verteidigung des NATO-Territoriums gegen Angriffe - beizubehalten.
Beim NATO-Gipfel im Januar trug die Führung
Präsident Clintons dazu bei, der NATO die für eine
Neudefinition ihrer Aufgaben erforderlichen Instrumente an die Hand zu geben. Wir trafen auch zwei
historische Entscheidungen zur Förderung der
Umgestaltung der NATO. Erstens hat die NATO
deutlich gemacht, daß sie die Erweiterung des
Bündnisses als Teil eines evolutionären Prozesses
begrüßt und erwartet. Zweitens ermutigte sie ihre
ehemaligen Warschauer Pakt-Gegner und andere
Staaten, unverzüglich einer Partnerschaft für den
Frieden beizutreten, um somit den praktischen
Prozeß der Erweiterung von Sicherheit in Europa zu
beginnen.
Die Partnerschaft wird den Unterzeichnerstaaten die
Möglichkeit zur Beteiligung an realer, praktischer
militärischer und verteidigungspolitischer Zusammenarbeit mit der NATO und untereinander geben sowie
die Fähigkeit zur Übernahme der aus einer NATOMitgliedschaft resultierenden Verantwortung. Sie
wird auch zur Schaffung eines wirklich integrierten
Europa beitragen, ohne neue, einige Länder ausschließende Grenzen zu ziehen und ohne die
Fähigkeiten der NATO zu schwächen oder ihre
derzeitige Aufgabe zu beeinträchtigen.
Obwohl die Teilnahme an der Partnerschaft keine
Garantie für eine NATO-Mitgliedschaft darstellt, ist
sie der beste Weg dorthin. Sie trägt dazu bei sicherzustellen, daß im Fall einer Erweiterung der NATO
ihre neuen Mitglieder den die Grundlage der NATO
bildenden politischen Grundsätzen verpflichtet und
zur Übernahme der aus der Mitgliedschaft resultierenden Pflichten bereit sind.

Seite 4

Bosnien
Von allen vor uns liegenden Herausforderungen ist
die Verhinderung oder Entschärfung ethnischer und
regionaler Konflikte vielleicht die greifbarste und
erschreckendste. Dies ist nirgends deutlicher als im
ehenaligen Jugoslawien.
Um die dortige Krise in die richtige Perspektive zu
rücken, müssen wir uns meines Erachtens zwei
Dinge vor Augen halten, die ich nicht als Entschuldigungen, sondern als einfache Tatsachen anführe.
Erstens wurde vor einigen Jahren von manchen die
Ansicht vertreten, daß sich Jugoslawien auf friedliche
Weise auflösen und eine gutes Modell für den Zerfall
der ehemaligen Sowjetunion bieten würde. Hinterher
ist man meistens klüger als vorher. Zweitens hätte
die Krise zu keinem ungüstigeren Zeitpunkt entstehen
können, denn sie ereignete sich zu bald nach dem
Ende des Kalten Krieges, um dem Westen eine
Anpassung seiner Sicherheitsinstitutionen an die
neuen Gegebenheiten zu gestatten.
Allgemein bleibt jedoch die traurige Wahrheit bestehen, daß es angesichts des fehlenden Friedenswillens unter den Kombattanten sehr schwierig, wenn
nicht unmöglich ist, einen derartigen Krieg zu beenden. Selbst die massive Entsendung von Truppen
und Ressourcen würde wohl nicht ausreichen. Im
Fall des ehemaligen Jugoslawien gab es keinen
Konsens über eine Intervention dieser Größenordnung, sei es unter den Verbündeten oder innerhalb
der Vereinigten Staaten.
Ungeachtet dieser Faktoren haben die Vereinigten
Staaten im ehemaligen Jugoslawien etwas bewirkt:
Wir haben durch den Abwurf humanitärer
Güter - der längsten Luftbrücke in der Geschichte - und die Bereitstellung von Lebensmitteln, Brennstoff, Medikamenten und anderen
Versorgungsgütem das Leiden des bosnischen
Volkes gemildert.
Im Rahmen der Vereinten Nationen haben wir
ein strenges und erfolgreiches Sanktionsregime gegen Serbien verhängt.
Wir haben uns durch die Einrichtung eines UNKriegsverbrechertribunals bemüht, diejenigen
vor Gericht zu bringen, die für das Abschlachten Unschuldiger verantwortlich sind.
Wir haben die Ausweitung des Konflikts verhindert, indem wir im Kosovo eine Grenze markierten und Bodentruppen nach Makedonien
entsandten.

AMERIKA DIENST 16

�In Abstimmung mit unseren Verbündeten werden wir
auf einem Waffenstillstand sowie dem Rückzug der
serbischen Streitkräfte aus der Schutzzone bestehen.
Um den Druck auf eine Beendigung ihrer militärischen Aggression und die Rückkehr an den Verhandlungstisch zu verstärken, werden wir die Serben auch
zum Abzug ihrer schweren Waffen aus anderen
Schutzzonen auffordern oder andernfalls mit NATOLuftangriffen drohen.

Im Rahmen der NATO setzten wir eine Flugverbotszone über Bosnien sowie Luftunterstützung für die UN-Friedenstruppen durch.
Durch das NATO-Ultimatum vom 9. Februar
werden die Granatenangriffe auf Sarajevo auch in Zukunft - verhindert.
Wir verstärkten das diplomatische Engagement der Vereinigten Staaten, was zum
Abkommen zwischen Bosnien und Kroatien
über eine Föderation führte, das am 18. März
1994 im Weißen Haus unterzeichnet wurde.
Die neuen Beziehungen zwischen Sarajevo
und Zagreb, an deren Gestaltung wir beteiligt
waren, verändern das strategische Gleichgewicht in der Region auf eine Weise, die eine
Lösung erleichtern und zu größerer Stabilität
führen kann.

Die Vereinigten Staaten haben in Bosnien bedeutende strategische und humanitäre Interessen. Diese
Interessen rechtfertigen eine aktive amerikanische
Führungsrolle bei der Erarbeitung einer politischen
Lösung des Konflikts und einer Erleichterung des
menschlichen Leidens unter der bosnischen Bevölkerung.

Wir alle sind empört über den unmenschlichen
Angriff der bosnischen Serben auf die UN-Schutzzone Gorazde. Die Serben haben erneut ihre völlige
Mißachtung der internationalen Staatengemeinschaft
und ihre mangelnde Bereitschaft zur Zusammenarbeit an einer Friedenslösung unter Beweis gestellt.
Dieses jüngste Verhalten der Serben erfordert eine
entschlossene, aber sachliche Antwort.
Diese
Reaktion muß die Integrität der von der UNO errichteten Schutzzonen bewahren und sicherstellen, daß
sich die Ereignisse von Gorazde nicht wiederholen.

*

AMERIKA DIENST 16

*

Abschließend möchte ich Ihnen allen für die von
Ihnen geleistete Arbeit bei der Gestaltung einer
harmonischeren Welt danken. Ich weiß, daß Wirtschaft die Menschen einander näher bringt, anstatt
sie auseinanderzureißen. Durch die Förderung der
Wirtschaftsverbindungen zwischen den Vereinigten
Staaten und Europa weben Sie ein starkes Netz der
Interdependenz zwischen den Völkern. In einer
zunehmend auseinanderbrechenden Welt ist diese
Arbeit unabdingbar.
Ich danke Ihnen.

*

*

Sefteö

�MENSCHENRECHTE
27. April 1994

DEMOKRATIE UND MENSCHENRECHTE SIND
SCHLÜSSELELEMENTE DER AMERIKANISCHEN
AUSSENPOLITIK
Anhörung Shattucks vor dem Kongreß
WASHINGTON - (AD) - Die Clinton-Administration strebt die "Einbeziehung von Menschenrechten und
Demokratie in den außenpolitischen EntScheidungsprozeß" an, stellte der Abteilungsleiter für Menschenrechte
und humanitäre Angelegenheiten im Außenministerium, John Shattuck, fest.
Bei einer Anhörung vor dem Bewilligungsunterausschu ß des Senats erläuterte Shattuck am 19. April 1994 neun
Wege, um dies durchzuführen, darunter die Verbindung von Handel und Wirtschaftsbeziehungen mit
Menschenrechten, die Integration der Rechte von Frauen in alle Aspekte der Menschenrechtspolitik, der Aufbau
neuer juristischer und neuer multilateraler Institutionen, die Verbesserung der Menschenrechtsmaschinerie der
Vereinten Nationen sowie die Vertiefung der Beziehungen zu nichtstaatlichen Organisationen, die in zahlreichen
Ländern auf die Förderung von Demokratie und Menschenrechten hinarbeiten.
Shattuck zufolge kann die Administration amerikanische Hilfsleistungen aussetzen und sieht sich gelegentlich
rechtlich dazu gezwungen, "um unsere Mißbilligung der Menschenrechtsverletzungen oder der Störung von
Demokratie zum Ausdruck zu bringen".
Shattuck fügte hinzu, die Vereinigten Staaten versuchten, Menschenrechte selbst in den Ländern zu fördern,
zu denen sie keine diplomatischen Beziehungen unterhalten.
Nachfolgend veröffentlichen wir Auszüge der Ausführungen Shattucks.

Wie lauten unsere strategischen Ziele für Demokratie
und die Menschenrechtspolitik der Vereinigten
Staaten? Was haben wir geleistet, und was versuchen wir zu tun?
Wir streben die Einbeziehung von Menschenrechten
und Demokratie in den außenpolitischen Entscheidungsprozeß an.
Erstens arbeiten wir mit anderen Ländern beim
Aufbau neuer juristischer Institutionen zusammen,
die Menschenrechtsverletzer zur Verantwortung
ziehen. Wir haben beispielsweise die Bestrebungen
zur Gründung eines Kriegsverbrechertribunals der
Vereinten Nationen für das ehemalige Jugoslawien
angeführt, wir waren an der Einrichtung und Verwirklichung einer Wahrheitsfindungskommission in El
Salvador beteiligt, und wir arbeiten mit anderen bei
der möglichen Gründung einer ähnlichen Institution
in Guatemala zusammen. In zahlreichen Ländern
finanzieren wir Justizverwaltungsprogramme.

AMERIKA DIENST 16

Zweitens verbinden wir Handel und Wirtschaftsbeziehungen mit Menschenrechten, einschließlich der
Bindung von Hilfe und Handel an Menschenrechtsverbesserungen - sozusagen wie Zuckerbrot und
Peitsche. Das Junktim zwischen Menschenrechten
und Handel ist nicht zufällig. Der Schutz von Menschenrechten ist unabdingbar für die Stabilität unserer Handelsbeziehungen und wirtschaftlichen Investitionen. Offene Gesellschaften sind bessere und
stabilere Handelspartner, weil sie im allgemeinen
Abkommen eher einhalten und zuverlässige Rechtssysteme haben. Im Gegensatz dazu fördern repressive Regime langfristig Instabilität und setzen
Investitionen einem hohen Risiko der Enteignung
oder des Verlusts aus.
Drittens gründet sich die Außenpolitik dieser Administration auf die Erkenntnis, daß wirtschaftliche
Entwicklung, politische Entwicklung, der Schutz von
Menschenrechten und der Schutz der Demokratie als
integriertes Ganzes gesehen werden und gesehen
werden müssen. Menschenrechte und Demokratie

Seite 1

�bilden eine der drei außenpolitischen Säulen der
Clinton-Administration, zusammen mit der Aufrechterhaltung unserer nationalen Sicherheit und der
Förderung von wirtschaftlichem Wohlstand. Unsere
Position der Verbindung von Menschenrechten,
Demokratie und Entwicklung behauptete sich bei der
Weltkonferenz über Menschenrechte in Wien im Juni
vergangenen Jahres gegen Einwände derjenigen,
die politische Entwicklung und Menschenrechte der
wirtschaftlichen Entwicklung unterordnen wollten.
Eine neue interministerielle Arbeitsgruppe für Demokratie und Menschenrechtspolitik, deren Vorsitz ich
übernehmen werde, wird unsere Arbeit ebenso wie
die Reorganisation und Erweiterung des Büros als
neues Büro für Demokratie, Menschenrechte und
Arbeitsfragen auf das Wesentliche konzentrieren und
sie besser koordinieren. Durch den interministeriellen Prozeß nehmen wir jetzt eine Bestandsaufnahme
der Demokratieprogramme der US-Regierung vor
und erarbeiten Demokratie- und Menschenrechtsstrategien, um den aufstrebenden oder im Übergang
befindlichen Demokratien behilflich zu sein.
Viertens arbeiten wir am Aufbau neuer multilateraler
Institutionen, um rassische, ethnische und religiöse
Konflikte anzusprechen - Institutionen, die zur
Entschärfung von Konflikten beitragen, bevor sie zu
gravierenden Menschenrechtsverletzungen führen.
Angesichts der zahlreichen Konflikte, von denen die
Welt heute heimgesucht wird, liegt noch ein weiter
Weg vor uns. Neben den Vereinten Nationen bieten
Organisationen wie die Konferenz über Sicherheit
und Zusammenarbeit in Europa ein vielversprechendes Modell für Konfliktlösungen, insbesondere in
Anbetracht der jüngsten, im Stillen erzielten Erfolge
der KSZE im Baltikum.
Fünftens integrieren wir zum ersten Mal die Rechte
von Frauen in alle Aspekte unserer Menschenrechtspolitik. In den vergangenen Monaten haben wir
Kinderhandel und -Prostitution in Thailand in den
Brennpunkt gerückt. Wir haben veranlaßt, daß
systematische Vergewaltigung als Instrument der
sogenannten ethnischen Säuberung im Rahmen der
Genozid-Konvention als Völkermord definiert werden
kann. Wir haben die Ratifizierung der Konvention
über die Abschaffung aller Formen der Diskriminierung von Frauen unterstützt. Wir haben zur Einrichtung eines Sonderberichterstatters der Vereinten
Nationen für Gewalt gegen Frauen beigetragen und
Frauenfragen umfassend in unsere Menschenrechtsberichte der jeweiligen Länder einbezogen.
Sechstens arbeiten wir auf die Einhaltung der
internationalen Verpflichtungen zu Menschenrechten
der Vereinigten Staaten hin, indem wir auf die
Verabschiedung eines Durchführungsgesetzes für
die Konvention über Folter drängen. Wir haben

Seite 2

ferner auf die Ratifizierung von zwei weiteren wichtigen Verträgen gedrängt - die Konvention über
rassische Diskriminierung und die Konvention über
Frauen. Darüber hinaus haben wir eine beschleunigte Überarbeitung der Rechte der Konvention über
Kinder und der amerikanischen Konvention über
Menschenrechte in die Wege geleitet. Wir werden
unsere Aufmerksamkeit in Kürze auf die internationale Konvention über wirtschaftliche, soziale und
kulturelle Rechte lenken. Konkret am wichtigsten ist
vielleicht, daß wir eine führende Rolle bei den Bestrebungen zur Erarbeitung eines internationalen Moratoriums für den Export von Landminen im Einklang mit
einer kürzlich verabschiedeten Resolution der UNGeneralversammlung und zur Einrichtung ständiger
internationaler Kontrollmechanismen übernommen
haben, um dieses verheerende globale Problem in
Angriff zu nehmen.
Siebtens arbeiten wir auf die Verbesserung der
Menschenrechtsmaschinerie der Vereinten Nationen
hin. Wir leiteten die Bestrebungen in der UN-Generalversammlung zur Einrichtung eines Hohen Kommissars für Menschenrechte der Vereinten Nationen
und des Kriegsverbrechertribunals für das ehemalige
Jugoslawien. Wir wollen mehr Ressourcen für
Aktivitäten des Menschenrechtszentrums der Vereinten Nationen einschließlich Beraterdiensten, des
Systems eines Sonderberichterstatters und des
Fonds für die Opfer von Folter freisetzen und arbeiten
mit anderen Ländern an der Modernisierung und
Verbesserung der Funktionsweise der UN-Menschenrechtskommission zusammen.
Achtens vertiefen wir unsere Beziehungen zu nichtstaatlichen Organisationen, die in zahlreichen Ländern auf die Förderung von Demokratie und Menschenrechten hinarbeiten.
Das Entstehen von
nichtstaatlichen Organisationen auf der ganzen Welt
ist eine der eindrucksvollsten und aufregendsten
Entwicklungen der Zeit nach dem Kalten Krieg. Wir
werden es uns gemeinsam mit den nichtstaatlichen
Organisationen zum Anliegen machen, Mißbrauch
aufzudecken, ihnen bei ihrer Arbeit behilflich sein und
- wo wir können - zusammen mit Basisgruppen,
Gewerkschaften, religiösen Organisationen und den
anderen sich abzeichnenden Elementen neuer
pluralistischer bürgerlicher Gesellschaften mit ihnen
zu arbeiten.
Schließlich verbessern wir die Konzentration und
Koordination unserer Programme zur Förderung von
Demokratie und Menschenrechten im Ausland. Die
interministerielle Arbeitsgruppe wird als wichtiger Ort
für den Austausch von Informationen über Programmpläne, die Beantragung amerikanischer staatlicher
Ressourcen für höchste Effizienz und die besten

AMERIKA DIENST 16

�Auswirkungen sowie zur Verhinderung von Überschneidungen dienen.
Dank der spezifischen Instrumente, mit denen wir
unsere Mißbilligung von Menschenrechtsverletzungen oder der Störung von Demokratie signalisieren
können, werden wir in extremen Fällen amerikanische Hilfsleistungen aussetzen - und sehen uns
gelegentlich rechtlich dazu gezwungen - um unsere
Mißbilligung der Menschenrechtsverletzungen oder
der Störung von Demokratie zum Ausdruck zu
bringen.
Die amerikanische Hilfe für Guatemala wurde beispielsweise unverzüglich unterbrochen, als die
demokratische Verfassung des Landes im vergangenen Jahr vom damaligen Präsidenten Serrano
aufgehoben wurde. Die Hilfe für Nigeria wurde im
Sommer letzten Jahres ausgesetzt, als die Militärregierung die Ergebnisse der Präsidentschaftswahl für
ungültig erklärte.
Gelegentlich erachten wir es als effektiver, Hilfe an
spezifische Schritte zur Verbesserung der Situation
zu binden.
So ist die Hilfe für Peru an Verbesserungen des
Rechtssystems bei der Lösung gravierender Fälle
von Menschenrechtsverletzungen und die Rückkehr
zu einer konstitutionellen Regierung gebunden.
In Nicaragua wurde die amerikanische Hilfe teilweise
an wesentliche und greifbare Fortschritte im Menschenrechtsbereich durch die Umsetzung einer
Empfehlung der von der OAS geförderten trilateralen
Kommission gebunden.
Hilfe für El Salvador ist abhängig von Fortschritten
bei der Befolgung der von den Ad-hoc- und Wahrheitsfindungsausschüssen abgegebenen Empfehlungen, der Einhaltung von Bestimmungen der Friedensvereinbarungen, einem ungestörten Wahlprozeß
sowie anderen Reformen und wurde zur Finanzierung spezifischer, im Zusammenhang mit den
Menschenrechten stehender Schritte eingesetzt, zum
Beispiel der gemeinsamen Untersuchungsgruppe zur
Ermittlung politischer Morde.
In einem ganz anderen Teil der Welt - Tadschikistan
- ist unsere Unterstützung an den Fortschritt demokratischer Reformen und eine stärkere Achtung der
Menschenrechte gebunden.
Wir machen es uns nicht leicht, Hilfe an Bedingungen zu knüpfen. Menschenrechtsverletzungen geschehen nicht in einem Vakuum, und andere treibende Kräfte unserer bilateralen Beziehungen müssen
sorgfältig erwogen werden, bevor wir Strafmaßnah-

AMERIKA DIENST 16

men wie die Aussetzung unserer Hilfe ergreifen.
Bisweilen ist Hilfe dringend erforderlich und wir
müssen nach anderen Mitteln suchen, mit denen wir
unser Engagement für Demokratie und Menschenrechte ausdrücken und fördern können.
Das Menschenrechtsbüro prüft beispielsweise Lizenzanträge für Munitionskäufe und erteilt Ratschläge. In
Indonesien entwickelten wir vor kurzem aufgrund
unserer Besorgnis wegen den Aktionen der Regierung in Osttimor und ihrer Untätigkeit bei der Lösung
der aus dem Dili-Massaker von 1991 herrührenden
Fragen Maßnahmen, um den Verkauf von Handfeuerwaffen an Sicherheitskräfte zu verbieten.
Das Büro prüft und berät auch bei Ersuchen um
Exportlizenzen für Instumente und Gerät zur Verbrechenskontrolle und -ermittlung. Als Reaktion auf den
Militärputsch und die Verschlechterung der Menschenrechtslage in Nigeria haben wir uns gegen
einen Export von Gaspistolen und Tränengas in
dieses Land ausgesprochen. Ferner empfehlen wir
keinen Export von Schrotflinten und anderen Gegenständen zur Verbrechenskontrolle nach Südafrika.
Im Hinblick auf Tunesien warnten wir vor dem Verkauf von Maschinengewehrmunition an Mitglieder der
Sicherheitsdienste, die für einen Angriff auf zivile
Demonstranten verantwortlich sind.
Allgemein wurden Ausbildung und Zusammenarbeit
im militärischen Bereich mehrmals ausgesetzt, verringert und/oder eng an den Umgang mit Menschenrechtsproblemen gebunden. Beispielsweise wurden
militärische Ausbildungprogramme für Peru als Folge
von Präsident Fujimoris Staatsstreich ausgesetzt und
für Guatemala als Konsequenz fortgesetzter Übergriffe des guatemaltekischen Militärs.
Die Vereinigten Staaten sprechen sich derzeit gegen
Darlehen internationaler Finanzinstitutionen an den
Iran, Burma, China, Mauritanien, Äquatorialguinea,
den Sudan und andere Staaten aus oder enthalten
sich der Stimme, mit Ausnahme von Darlehen, die
ausschließlich der Deckung menschlicher Grundbedürfnisse dienen.
Im Zusammenhang mit Handelsprivilegien stehende
Sanktionen können ebenfalls Wirkung zeitigen. Beispielsweise trug die unmittelbare Gefahr eines
Verlusts von Privilegien im Rahmen des Allgemeinen
Präferenzsystems in Guatemala zur Zeit des SerranoPutsches dazu bei, daß die führenden Wirtschaftsvertreter des Landes ihre Unterstützung für die
Aktionen Serranos einstellten.
Der Präsident hat in bezug auf China die Erneuerung
des Meistbegünstigungsstatus an Fortschritte bei

Seite 3

�bestimmten Menschenrechtsfragen gebunden.
Obwohl in verschiedenen Bereichen Fortschritte zu
beobachten waren, muß eindeutig noch mehr getan
werden.
Um eine Politik zu vermeiden, die unschuldige Opfer
fordern würde und um die tatsächlich für Menschenrechtsverletzungen Verantwortlichen zu erreichen,
hat der Präsident die Verweigerung von Visa für
Regierungsmitglieder und andere Vertreter bestimmter Länder angeordnet, die als persönlich verantwortlich für gravierende Menschenrechtsverletzungen
oder die Behinderung einer demokratischen Entwicklung erachtet werden. Beispielsweise haben wir
Visa von Regierungsvertretern Haitis, Nigerias oder
Zaires für ungültig erklärt oder verweigert.
Unsere Mittel gehen jedoch über Kürzungen oder
Erhöhungen amerikanischer Hilfe, handelspolitische
Maßnahmen oder die Abstimmung in internationalen
Finanzinstitutionen hinaus. Aus diesem Grund
binden wir die Menschenrechte in die derzeitige
Struktur unserer Beziehungen zu anderen Ländern
auf der ganzen Welt ein. Wir können jederzeit auf
traditionelle diplomatische Mittel wie Zusammenkünfte, Demarchen, bilateralen Austausch sowie
öffentliche Reden, Artikel und Presseerklärungen
zurückgreifen. Dies sind bedeutende Wege, um den
mit uns in Kontakt stehenden Regierungen die Ziele
amerikanischer Menschenrechtspolitik mitzuteilen.
Im vergangenen Jahr leiteten wir offizielle bilaterale
Menschenrechtskonsultationen auf Abteilungsleiterebene mit Rußland ein, was zu einer gemeinsamen
Erklärung der Präsidenten Clinton und Jelzin mit der
ersten öffentlichen Verurteilung von Antisemitismus
durch eine russische oder sowjetische Regierung
führte.

Wir weisen in öffentlichen Erklärungen auf Problemgebiete hin. Als ich im vergangenen Monat Thailand
einen Besuch abstattete, war ich der erste Vertreter
der amerikanischen Regierung, der bei der thailändischen Regierung die Frage von Kinderhandel
und -prostitution anschnitt und in nach meiner Reise
abgegebenen Erklärungen unserer Besorgnis Ausdruck gab.
Im Dezember vergangenen Jahres verlieh ich dem
ermordeten Justizminister der Regierung Präsident
Aristides, Guy Malary, postum eine Auszeichnung. In
der Öffentlichkeit und bei Pressekonferenzen in Portau-Prince verurteilte ich mehrmals die vom Militär und
der Polizei Haitis begangenen Morde und anderen
schwerwiegenden Menschenrechtsverletzungen.
Bei einer vergangenen Dezember in Kairo abgehaltenen Pressekonferenz brachte ich unsere Sorge über
den Einsatz von Folter durch die ägyptische Regierung öffentlich zum Ausdruck. Ich ermutigte die
ägyptische Regierung, auf Anfragen der ägyptischen
Menschenrechtsorganisation zu reagieren und sich
mit Vertretern dieser Gruppe zu treffen.
Um nachdrücklich die Notwendigkeit eines Kriegsverbrechertribunals für das ehemalige Jugoslawien zu
veranschaulichen, besichtigte ich Massengräber in
der Nähe des kroatischen Vukovar, in denen wahrscheinlich die Leichen mehrerer Hundert kroatischer
Krankenhauspatienten verscharrt sind, die im Rahmen der von den Serben durchgeführten "ethnischen
Säuberungen" umgebracht wurden.
Ich nehme regelmäßig an Fernsehsendungen und
-interviews des US-Informationsamts teil, die sich mit
Ländern der ganzen Welt befassen, in jüngster Zeit
mit Serbien und Montenegro.

Menschenrechte sind ein entscheidender Bestandteil
unseres neuen Ansatzes gegenüber Vietnam. Mein
Hauptstellvertreter leitete kürzlich Menschenrechtsgespräche mit der vietnamesischen Regierung durch
ihren Ständigen Vertreter in New York in die Wege.

Zusätzlich zu unseren Bestrebungen im Bereich der
Öffentlichkeitsarbeit bemühen wir uns in vielen
Staaten um die Entwicklung spezifischer Menschenrechtsmechanismen, beispielsweise Menschenrechtskommissionen.

Bisweilen rufen wir Botschafter oder Angehörige
unserer Botschaften zurück, um unsere Mißbilligung
oder Sorge zu demonstrieren. Wir haben Präsident
Mobutu von Zaire gegenüber deutlich gemacht, daß
die Vereinigten Staaten für sein Land keinen Botschafter ernennen, solange seine Regierung demokratische Reformen verhindert.

In Indien, das zwar die größte Demokratie der Welt
ist, aber mit gravierenden Menschenrechtsproblemen
zu kämpfen hat, haben wir im vergangenen Jahr auf
die Einrichtung einer nationalen Menschenrechtskommission gedrungen. Seit ihrer Gründung Anfang
dieses Jahres hat diese Kommission zur Entwicklung
einer Regierungsstruktur beigetragen, die sich mit
Menschenrechtsverletzungen in Indien befaßt.
Ferner haben wir uns erfolgreich um ungehinderten
Zugang internationaler Menschenrechts- und humanitärer Organisationen zu Kaschmir bemüht - den
Schauplatz des Konflikts, der Ursache für die akuten
Menschenrechtsprobleme Indiens ist.

In Burma dringen wir weiterhin bei der Regierung auf
zusätzliche Maßnahmen, durch die ein Wandel zum
Besseren herbeigeführt werden kann und halten die
offiziellen diplomatischen Beziehungen auf Distanz
und niedriger Ebene.

Seite 4

AMERIKA DIENST 16

�In einer Vielzahl von Ländern versuchen wir, im
Dienste von Menschenrechten und Demokratie
stehenden nichtstaatlichen Organisationen finanzielle, politische und logistische Unterstützung zu
gewähren. Neben engen Konsultationen mit amerikanischen und ausländischen nichtstaatlichen
Organisationen in Washington und andernorts
unterstützen wir öffentlich nichtstaatliche Organisationen vor Ort bei ihrer mutigen und oftmals gefährlichen Arbeit.

Selbst in Ländern, zu denen wir keine diplomatischen
Beziehungen unterhalten, bemühen wir uns um die
Förderung von Menschenrechten. Beispielsweise
erfuhren wir im Januar, daß ein Bürger des Iran in
seinem Land zum Tode verurteilt wurde, weil er zum
christlichen Glauben konvertierte, gaben daraufhin
eine aussagekräftige öffentliche Erklärung ab und
drängten über verschiedene multilaterale Kanäle auf
seine Freilassung. Nachdem diese erfolgt war,
erklärten christliche Gruppen, die Intervention westlicher Regierungen, einschließlich der Vereinigten
Staaten, sei eine große Hilfe gewesen.

* * *

AMERIKA DIENST 16

Seite 5

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Richard Nixon&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Staatstrauertag für Nixon&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Proklamation des Präsidenten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Richard Nixon - ein umstrittener aber tatkräftiger Politiker&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Zum Tode des ehemaligen Präsidenten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Bosnien&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Christopher: Angriff der bosnischen Serben erfordert entschlossene Reaktion&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eröffnungsansprache bei Anhörung vor dem Kongreß&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Bosnisches Verhalten erfordert entschlossene, sachliche Reaktion&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Thomas Weston&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Menschenrechte&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Demokratie und Menschenrechte sind Schlüsselemente der amerikanischen Außenpolitik&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Anhörung Shattucks vor dem Kongreß&lt;/em&gt;</text>
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amcrika
dienet

Herausgeben U.S. Inforsnation Service
Embassy of the United States of America

Z12462 C

4. Mal 1994

17

SÜDAFRIKA

VERSTÄRKTE AMERIKANISCHE HILFE FÜR
SÜDAFRIKA
Radioansprache des Präsidenten

UMWELT

LEITERIN DES
UMWELTSCHUTZAMTS
FORDERT MEHR "UMWELTDEMOKRATIE"
Rede von Carol Browner

AIDS

AIDS-KRISE HAT WEITREICHENDE IMPLIKATIONEN FÜR AMERIKANISCHE POLITIK
Rede von Timothy Wirth

FILM

AUSLANDISCHE FILME IN DEN USA
Marketing und Verleih

FUSSBALL

FUSSBALL IN DEN USA
von Mike Woitalla

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.:0228-339 23 72
Fax:0228-3341 02

�SU D A F R I K A
4. Mal 1994

VERSTÄRKTE AMERIKANISCHE HILFE FÜR SÜDAFRIKA
Radioansprache des Präsidenten
WASHINGTON - (AD) - US-Präsident Bill Clinton begrüßte "das Wunder der Wiedergeburt Südafrikas als
nichtrassische Demokratie" und erklärte, er werde diese Woche "eine beträchtliche Erhöhung" der
amerikanischen Hilfe bekanntgeben, die dieses Land bei der Verfolgung eines neuen Kurses für alle seine
Bürger unterstützen werde.
Diese Art von wirksamem Engagement und einer Führungsrolle der Vereinigten Staaten bleibe von
entscheidender Bedeutung, nicht nur in Südafrika, sondern in Bosnien, Nordkorea und auf der ganzen Welt,
erklärte der Präsident in seiner Radioansprache vom 30. April 1994 an die Nation.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des Präsidenten im Wortlaut.
Diese Woche waren wir alle staunende Zeugen der
Wiedergeburt Südafrikas. Junge Männer trugen ihre
alten Väter auf dem Rücken zu den Wahlurnen,
Schwarze kamen auf Krücken und in Rollstühlen,
reisten viele Kilometer und warteten stundenlang auf
diesem großartigen Marsch in die Freiheit.
Das Wunder der Wiedergeburt Südafrikas als
nichtrassische Demokratie ist ein anregender Beweis
für den Mut und die Vision der Bürger dieses Landes. Ich bin stolz auf die von den Vereinigten
Staaten gespielte Rolle, dieses Wunder wahr werden
zu lassen.
Privatpersonen, Vertreter der Religionsgemeinschaften und Kongreßabgeordnete haben jahrelang
daran gearbeitet, die Öffentlichkeit zu mobilisieren
und Wirtschaftssanktionen gegen Johannisburg zu
verhängen. Als Nelson Mandela und F.W. de Klerk
ihr Abkommen über die Beendigung der Apartheid
erzielten, waren wir eines der ersten Länder, die die
Sanktionen aufhoben, um zur Schaffung eines
neuen Südafrika beizutragen.
Im vergangenen Jahr haben wir eine einmalige
Wählererziehung und Ausbildungsprogramme für
Wahlbeobachter gefördert. Diese Woche werde ich
eine beträchtliche Erhöhung unserer Hilfe für Südafrika bekanntgeben, die dieses Land bei der Verfolgung eines neuen Kurses für alle seine Bürger
unterstützen wird.

rungsrolle der Vereinigten Staaten von entscheidender Bedeutung bleibt, nicht nur für Südafrika, sondern
weltweit. Denken Sie an das ehemalige Jugoslawien,
wo das amerikanische Engagement heute unentbehrlich ist. Der Zusammenbruch dieses Landes, der
durch serbische Aggression entfacht wurde, hat zu
einem bereits drei Jahre andauernden Blutvergießen
und ethnischen Säuberungen in Bosnien und andernorts geführt.
Wir haben ein eindeutiges Interesse an einer friedlichen Beilegung des bosnischen Konflikts, ein Interesse an der Verhinderung eines größeren Krieges in
Europa, ein Interesse an der Verhütung eines Flüchtlingsstroms, ein Interesse an der Aufrechterhaltung
der Glaubwürdigkeit und Effektivität der NATO als
Kraft für den Frieden in dem neuen Zeitalter nach
dem Kalten Krieg - und eindeutig ein Interesse an der
Beendigung des Niedermetzeins unschuldiger Zivilisten. Aus diesem Grund haben wir uns um die
Förderung von Verhandlungen zwischen den kriegführenden Parteien bemüht. Und aus diesem Grund
haben wir die Macht der NATO in den Dienst der
Diplomatie gestellt.
Im Februar hat die NATO auf Initiative der Vereinigten Staaten den bosnischen Serben ein Ultimatum
gestellt, die fortgesetzten Granatenangriffe auf die
bosnische Hauptstadt Sarajevo zu beenden. Heute
ist die Lage in Sarajevo relativ ruhig. Die Bürger der
Stadt kommen aus den Ruinen hervor und bauen ihr
Leben wieder auf.

Heute morgen möchte ich darüber sprechen, warum
diese Art von wirksamem Engagement und Füh-

AMERIKA DIENST 17

Seite 1

�In der vergangenen Woche haben wir gemeinsam
mit unseren NATO-Verbündeten ein ähnliches
Ultimatum für das belagerte Gorazde und fünf
andere, von den Vereinten Nationen zu Schutzzonen
erklärte mehrheitlich muslimische Städte gestellt.
Nach wochenlangem, ununterbrochenem Beschuß
haben die Serben eingelenkt und ihre Waffen aus
dem Gebiet um Gorazde abgezogen. Obwohl wir in
Bosnien mit neuen Herausforderungen konfrontiert
sind, hat unsere Entschlossenheit, gemeinsam mit
unseren NATO-Verbündeten die dortige UNOMission zu unterstützen, eindeutig zu neuen Fortschritten für den Frieden geführt.
Im März unterzeichneten die Führer der Bosnier und
Kroaten im Weißen Haus ein Friedensabkommen.
Seitdem haben wir unsere diplomatischen Bestrebungen verstärkt, um auch die Serben einzubeziehen. Wenn die Parteien in Bosnien eine tragfähige
Lösung aushandeln können, werde ich - wie ich
bereits sagte - mit Hilfe des Kongresses auf die
Stationierung amerikanischer Truppen im Rahmen
der NATO hinarbeiten, um diesen Frieden durchzusetzen.
Es bestehen zur Zeit auch andere Bedrohungen, die
ebenfalls unser aktives Engagement erfordern, vom
Kernwaffenprogramm Nordkoreas bis zu den Bestrebungen des Iran und anderer reaktionärer Staaten
zur Förderung des Terrorismus. Wir begegnen
diesen Gefahren mit Festigkeit und Entschlossenheit.
Gleichzeitig sind wir uns bewußt, daß wir in ein
Zeitalter historischer Chancen eingetreten sind. Die
Wahlen in Südafrika sind hierfür ein anschaulicher
Beweis. Im Nahen Osten haben sich Erzfeinde die
Hand gereicht. In der ehemaligen Sowjetunion
leisten wir Beistand beim Abbau von Atomwaffen,
die einst auf uns gerichtet waren. Und gerade am
heutigen Tag haben Rußland und Lettland ein
historisches Abkommen über den Abzug der verbleibenden russischen Streitkräfte von lettischem
Gebiet bis Ende August unterzeichnet. Diese und
andere vielversprechende Entwicklungen wurden
zum Teil durch die Unterstützung und Entschlossenheit der Vereinigten Staaten ermöglicht.

Seite 2

Ein derartiges Engagement erfordert jedoch Ressourcen, die unseren Herausforderungen entsprechen. Nach dem Ende des Kalten Krieges sind wir in
der Lage, unsere Ausgaben für Verteidigung und
auswärtige Angelegenheiten zu senken. Wir haben
diese Programme starken Kürzungen unterzogen.
Wir stehen derzeit mit unseren Ressourcen auf des
Messers Schneide. Wir können uns keine Unzulänglichkeiten bei unserer nationalen Sicherheit leisten.
Aus diesem Grund setze ich mich gegen weitere
Kürzungen unseres Verteidigungshaushalts ein, und
aus diesem Grund arbeite ich mit dem Kongreß
zusammen, um eine angemessene Finanzierung von
Friedenssicherungsoperationen und anderen internationalen Bestrebungen sicherzustellen, die Sicherheit und Wohlstand unseres Volkes fördern.
Am Vorabend des 50. Jahrestages der Invasion in
der Normandie im Juni dieses Jahres sollten wir uns
an den Opfergeist und den Einsatz für die gemeinsame Sache erinnern, die diesen großen Kreuzzug für
die Freiheit im Zweiten Weltkrieg charakterisierten.
In fünf Wochen werde ich aus Anlaß der Feierlichkeiten zum Gedenken an diesen Jahrestag und zu
Ehren derjenigen nach Europa reisen, die im Zweiten
Weltkrieg unsere demokratische Lebensweise verteidigten. Die Welt hat sich verändert - sie ist besser
geworden durch den von ihnen gezeigten Mut. Wir
schulden ihnen den Aufbau einer besseren Zukunft
für die nächste Generation.
Währen wir die Kriegsveteranen grüßen, die im Juni
zu Tausenden in der Normandie landen werden,
während wir die heutigen Wahlen in Südafrika feiern,
sollten wir daran denken, daß die Führungsrolle der
Vereinigten Staaten in einer sich wandelnden Welt
dauerhaftes Engagement verlangt. Wir wollen diese
neue Welt gemeinsam zum Nutzen aller gestalten.

AMERIKA DIENST 17

�UMWELT
4. Mal 1994

LEITERIN DES UMWELTSCHUTZAMTS
FORDERT MEHR "UMWELTDEMOKRATIE"
Rede von Carol Browner
WASHINGTON - (AD) - Der Leiterin des Umweltschutzamts (Environmental Protection Agency - EPA), Carol
Browner, zufolge möchte die Clinton-Administration, daß die von Bestimmungen zum Umweltschutz betroffenen
lokalen Interessengruppen ein größeres Mitspracherecht bei der Gestaltung und Umsetzung dieser
Maßnahmen haben.
In einer Rede vor der Liga der Umweltschützer am 22. April 1994, dem Tag, der von den Umweltschützern als
Tag der Erde gefeiert wird, verwies Browner auf eine Reihe spezifischer Vorschläge der Clinton-Administration
zur Verbesserung der Beteiligung vor Ort an Bestrebungen zur Kontrolle der Wasserverschmutzung und
Entsorgung von Giftmülldeponien.
"Jede dieser Initiativen", so Browner, "ist eine Abkehr von der Bundesbürokratie, die machtlosen Gemeinden
und nichtsahnenden Unternehmen willkürliche Einheitsvorschriften aufzwingt - die nicht die erforderlichen
Resultate erzielen."
Nachfolgend veröffentlichen wir den vorbereiteten Redetext von Carol Browner.

Der Tag der Erde ist der geeignete Zeitpunkt, um
Bilanz unserer Bestrebungen zum Schutz der
Umwelt zu ziehen. Zweifelsohne haben wir in den
vergangenen 20 Jahren viel geleistet. Praktisch aus
dem Nichts haben wir eine umweltpolitische Infrastruktur von Gesetzen, Vorschriften und Behörden
auf allen Regierungsebenen geschaffen. Flüsse
geraten nicht mehr aufgrund ihrer Verschmutzung in
Brand. Unsere Luft ist sauberer.
Aber wenn wir ehrlich sind, müssen wir zugeben,
daß die letzten 20 Jahre des Umweltschutzes auch
von ernsthaften Versäumnissen gekennzeichnet
waren. Wenn wir ehrlich sein wollen, müssen wir
zugeben, daß wir in vielfältiger Weise die Warnungen um uns herum ignoriert haben.
Dreißig Jahre nachdem Rachel Carson in Sllent
Spring warnte, unsere Abhängigkeit von Pestiziden
zu verringern, haben wir unseren Einsatz von
Schädlingsbekämpfungsmitteln verdoppelt. Unsere
Pestizid-Gesetze konzentrieren sich ausschließlich
auf Krebs und ignorieren zunehmende Beweise, daß
Chemikalien negative Auswirkungen auf Schwangerschaften haben, Geburtsfehler verursachen und
unser Immunsystem schädigen können. 25 Jahre
nachdem der mit Abfällen überhäufte Cuyahoga
plötzlich Feuer fing, eignen sich 40 Prozent unserer

AMERIKA DIENST 17

Flüsse und Seen nicht zum Fischen oder Schwimmen. Der einzige Unterschied bei der heutigen
Umweltverschmutzung besteht darin, daß wir sie nicht
sehen können. Im vergangenen Jahr wurde die
Bevölkerung von Milwaukee, New York und Washington angewiesen, ihr Wasser abzukochen. In Milwaukee wurden einige Einwohner krank, andere starben.
20 Jahre nach der Verabschiedung des Gesetzes zur
Reinhaltung der Luft lebt ein Fünftel der Amerikaner 54 Millionen Menschen - in Gegenden mit so hoher
Smogkonzentration, daß die Luft nicht die staatlichen
Qualitätsnormen erfüllt. 14 Jahre nach Love Canal
lebt ein Viertel der Amerikaner vier Meilen von einer
Giftmülldeponie entfernt.
Während meines Lebens hat sich die Weltbevölkerung fast verdoppelt. Bis zu meinem Ruhestand wird
sie von 5,5 Milliarden auf 9 Milliarden ansteigen.
Allein im vergangenen Jahr nahm die Weltbevölkerung um 87 Millionen zu - das entspricht der Gesamtbevölkerung von Mexiko. Um Lester Brown aus
State of the World 1994 zu zitieren: "Wir haben den
ökologischen Raum des Planeten erschöpft."
80 Prozent der Amerikaner bezeichnen sich als
Umweltschützer. Das amerikanische Volk hat durch
die Wahl von Präsident Clinton eine eindeutige
Botschaft pro Umweltschutz ausgesandt. Aber wie

Seite 1

�Sie alle nur zu gut wissen, beobachten wir auch eine
gut organisierte Hintertreibung des Umweltschutzes.

Ferne operierende Bürokratie.
Umweltdemokratie aufbauen.

Einige prangern "unbegründete Vorschriften" an,
andere fordern weniger umweltpolitische Bestimmungen. Aber wer kann besser als unsere Regierung
unsere Luft, unser Wasser, unser Land und die
Ressourcen schützen, die wir alle teilen müssen?
Wir haben dem Kongreß Vorschläge unterbreitet,
mehr Geld für die Gemeinden zur Verfügung zu
stellen. Wir sind zu mehr Flexibilität bereit. Aber wir
werden keine Abstriche beim Schutz der öffentlichen
Gesundheit machen.

Wir im Umweltschutzamt ändern die Art und Weise,
in der wir die Öffentlichkeit informieren und beteiligen,
um die Mitsprache der Gemeinden zu stärken und
den Menschen die Umweltpolitik näher zu bringen.

Wir hören Proteste gegen sogenannte "Eingriffe" die Macht der Regierung zu Einschränkungen, was
Eigentümer mit ihrem Land machen können. Natürlich unterstützen wir das Recht auf Privateigentum,
vertreten jedoch auch die Auffassung, daß die
Menschen das Recht auf sauberes Wasser, saubere
Luft und eine gesunde Umgebung haben. Diese
Rechte müssen wir schützen. Wir müssen das Gut
des Privateigentums schützen.
Wir vernehmen den Appell des Umweltschutzamts,
mehr "Risikoanalysen", mehr Kosten-Nutzen-Analysen vorzunehmen. Natürlich sind das wertvolle
Instrumente. Natürlich nutzen wir sie. Aber diese
Worte sind zu Codeworten für diejenigen geworden,
die den Umweltschutz schwächen wollen.
Als Antwort auf diese Kritik - und zur Lösung der
verbleibenden Umweltprobleme - benötigen wir
Veränderungen. Die Regierung muß sich verändern.
Und, offen gesagt, muß sich die Umweltbewegung
als Ganzes verändern. Wir müssen eine Umweltdemokratie aufbauen. Wir müssen sicherstellen, daß
jeder ein größeres Mitspracherecht in der Umweltpolitik hat - Gemeindemitglieder, Unternehmer und
Umweltaktivisten gleichermaßen.
Die Clinton-Administration stellt gegenüber der
vorigen Administration eine bedeutende Veränderung dar - eine neue Generation von Umweltschützern. Diese Administration setzt sich entschlossen
für die Ziele im Bereich des Umweltschutzes ein, wie
vom amerikanischen Volk gefordert. Wir sind bei
der Verfolgung dieser Ziele aber auch zu Flexibilität,
Neuerungen und gesundem Menschenverstand
verpflichtet.
Wir müssen uns von umweltpolitischen Vorschriften
auf wirklichen Umweltschutz hinbewegen, der auf
der verstärkten Beteiligung amerikanischer Bürger
an der Erhaltung unserer Erde basiert. Meines
Erachtens leistet eine informierte Gemeinde einen
größeren Beitrag zum Umweltschutz als eine in der

Seite 2

Wir müssen eine

Unsere "Initiative gesunder Menschenverstand" stellt
einen neuen Ansatz im Bereich der Vorschriften dar,
um den uns Umweltschützer und Industrielle seit
Jahren gebeten haben. Wir sehen die Industrie als
Ganzes - eine beeindruckende Verbesserung gegenüber den stückweisen Ansätzen der Vergangenheit.
Wir räumen Unternehmen und Industriezweigen ein
größeres Mitspracherecht bei der Erreichung umweltpolitischer Ziele ein.
Unsere Gesetze zielen ebenfalls auf den Aufbau
einer Umweltdemokratie ab. Wir erkennen die
Notwendigkeit, unsere Gesetze zu ändern und hohe
Umweltnormen zu setzen - und uns die Energien der
Menschen außerhalb Washingtons zunutze zu
machen, um diese Standards zu erreichen.
Wir schlagen eine Änderung des Gesetzes zur
Reinhaltung des Wassers vor, um Gemeinden vor Ort
an der Kontrolle Tausender verseuchter Abflüsse
sowie der Planung zur Verhinderung der Verschmutzung ganzer Wassereinzugsgebiete zu beteiligen.
Wir schlagen eine Änderung des Gesetzes zur
Reinhaltung des Trinkwassers vor, um Gemeinden
vor Ort nicht nur mehr Geld bereitzustellen, sondern
auch Anreize zu verhindern, daß das Trinkwasser
überhaupt verschmutzt wird. Ein neues Gesetz zur
Reinhaltung des Trinkwassers wird zur Verhütung
von Krisen - wie die Verseuchung von Milwaukees
Trinkwasser - beitragen und sicherstellen, daß der
ganzen Nation sauberes Trinkwasser zur Verfügung
steht.
Wir schlagen eine Änderung des Gesetzes über
umfassende Reaktion, Schadenersatz und Haftung
bei Umweltschäden, auch "Superfund" genannt, vor,
um die Gemeinden von Anfang an in den Entscheidungsprozeß über die Entsorgung von Giftmülldeponien einzubeziehen. Wir streben eine schnellere,
fairere und effizientere Gesetzgebung an, um verseuchte Müllhalden einer produktiven Nutzung durch
die Gemeinden zuzuführen.
Jede dieser Initiativen stellt eine Antwort auf Kritik
dar. Jede dieser Initiativen ist eine Abkehr von der
Bundesbürokratie, die machtlosen Gemeinden und
nichtsahnenden Unternehmen willkürliche Einheitsvorschriften aufzwingt - die nicht die erforderlichen
Resultate erzielen. Jede dieser Initiativen wird durch

AMERIKA DIENST 17

�stärkere Beteiligung der Bevölkerung vor Ort zu
besserem Schutz führen.
All das funktioniert jedoch nur, wenn auch die Umweitbewegung als Ganzes ihre Vorgehensweise
ändert - und dessen sind auch Sie sich bewußt. Wir
müssen die Umweitbewegung an der Basis wiederbeleben. Die Schlacht wird außerhalb Washingtons, nicht nur innerhalb der Bundeshauptstadt
geschlagen.
Wir müssen sicherstellen, daß die Mitglieder der
Administration und des Kongresses nicht nur mit
Washingtoner Lobbyisten sprechen, sondern mit
Amerikanern aus allen Lebensbereichen - der Mehrheit der Amerikaner, die sich um ihre Gemeinden
sorgen und einen starken, wirksamen Umweltschutz
wünschen. Wir müssen hart daran arbeiten, die
Kommunikationswege offenzuhalten.
*

AMERIKA DIENST 17

Die Kongreßabgeordneten müssen die Menschen in
ihren Heimatgemeinden anhören, die ihre Gesundheit
schützen und Giftmülldeponien entsorgen möchten Menschen, die Fische aus den Flüssen essen und
sichergehen wollen, daß ihre Kinder das ihnen
vorgesetzte Essen unbedenklich verzehren können.
Und diese Kongreßabgeordneten müssen auch
lernen, daß sie es bei den Wahlergebnissen spüren
werden, wenn sie sich nicht für einen starken Umweltschutz mit Bürgerbeteiligung einsetzen.
Am Tag der Erde wollen wir uns erneut einer Stärkung der Umweitbewegung verschreiben, dem
Aufbau einer neuen Generation von Umweltschützern
- einer neuen Umweltdemokratie.

* * * *

Seite 3

�AIDS
4. Mai 1994

AIDS-KRISE HAT WEITREICHENDE IMPLIKATIONEN
FÜR AMERIKANISCHE POLITIK
Rede von Timothy Wirth
WASHINGTON - (AD) - Die internationale AIDS-Epidemie - früher lediglich als Problem der öffentlichen
Gesundheit betrachtet - hat sich jetzt zu einer Krise mit tiefgreifenden Folgen für die amerikanische
Außenpolitik und die weltweite Zusammenarbeit entwickelt, warnte Timothy Wirth, hochrangiger Berater des
US-Außenministeriums.
"Bis zum Jahr 2000", erklärte er vor einem Unterausschuß des Kongresses am 28. April 1994, "werden 30 bis
40 Millionen Menschen infiziert sein, und die Krankheit wird sich mit einer Quote von zwei bis drei Millionen
neuen Fallen jährlich verbreiten, wodurch sich die Zahl der Infizierten innerhalb eines Jahrzehnts verdoppelt."
Ein Grund zur Besorgnis sei insbesondere die "immer offensichtlicher werdende" negative Auswirkung der
Krankheit auf Frauen und Kinder. In vielen Entwicklungsländern seien vor allem die Frauen für den
landwirtschaftlichen Ertrag und die Ernährung der wachsenden Bevölkerung verantwortlich.
Nachfolgend veröffentlichen wir den vorbereiteten Text der Rede Timothy Wirths vor dem Bewilligungsunterausschuß des Repräsentantenhauses für auswärtige Angelegenheiten, Exportfinanzierung und damit in
Zusammenhang stehenden Programmen.
Herr Vorsitzender, sehr geehrte Mitglieder des
Unterausschusses, ich danke Ihnen für die Einladung, heute über die besorgniserregende und
tragische Ausbreitung von HIV und AIDS zu sprechen. Präsident Clinton hat sie zu Recht als die
"Gesundheitskrise dieses Jahrhunderts" bezeichnet,
und aufgrund des uns jetzt zur Verfügung stehenden
Wissens wird sie in internationalen Angelegenheiten
auch im kommenden Jahrhundert wachsenden
Anlaß zur Sorge bereiten.
Zur Zeit sind mehr als 15 Millionen Erwachsene und
Kinder auf der ganzen Welt mit dem HI-Virus infiziert. Keine Region der Welt wurde von der stetigen, heimtückischen Ausbreitung des mit dieser
Krankheit einhergehenden menschlichen Leidens
verschont, die ärmsten Regionen der Welt waren
jedoch am stärksten betroffen. Mehr als 60 Prozent
(oder 8 Millionen) der HIV-Infektionen fanden im
Afrika südlich der Sahara statt, jeweils 1,5 Millionen
in Südamerika und Südostasien, während in Nordamerika eine Million mit dem Virus Infizierte leben.
Unglücklicherweise setzt die Krankheit ihren Vormarsch mit raschem Tempo stetig fort. Bis zum Jahr
2000 werden 30 bis 40 Millionen Menschen infiziert
sein, und die Krankheit wird sich mit einer Quote von

AMERIKA DIENST 17

zwei bis drei Millionen neuen Fällen jährlich verbreiten, wodurch sich die Zahl der Infizierten innerhalb eines Jahrzehnts verdoppelt.
Mit diesen Tendenzen gehen enorme Herausforderungen einher. Unsere erste Hürde ist das Verständnis: AIDS ist nicht länger nur eine Krise der
öffentlichen Gesundheit und des menschlichen
Leidens. Jetzt, und vor allem in der Zukunft, stellt
AIDS ein politisches, soziales, wirtschaftliches,
gesundheits- und sicherheitspolitisches Problem dar,
das tiefgreifende Auswirkungen auf die Außenpolitik
und Führungsrolle der Vereinigten Staaten sowie die
internationale Zusammenarbeit hat.
Im umfassenden Sinn macht die AIDS-Krise harterkämpfte soziale und wirtschaftliche Vorteile zunichte
und zerstört Entwicklungsmöglichkeiten gerade in den
Ländern, die es sich am wenigsten leisten können.
Ich weiß, daß Dr. Helene Gayle sich eingehend damit
befassen wird, die innerhalb und außerhalb der
Administration äußerst wichtige Arbeit bei den amerikanischen und weltweiten Bestrebungen zur Bekämpfung der Ausbreitung von AIDS leistet. Ich möchte
nur darauf hinweisen, daß AIDS die Entwicklung auf
vielen Ebenen und in vielfältiger Weise unterhöhlt von seinen nachteiligen Auswirkungen auf die Er-

Seite 1

�werbsbevölkerung bis zu vergeudeten Bildungsmöglichkeiten und Auswirkungen auf spezifische
Industriezweige wie die Tourismusbranche. In
einigen der am härtesten betroffenen Regionen
erwarten Experten Verluste des Bruttoinlandsprodukts von fünf Prozent oder mehr.
Besondere Sorge bereiten die immer offensichtlicher
werdenden Auswirkungen der Krankheit auf Frauen
und Kinder. Der Anteil der HlV-infizierten Frauen
steigt rapide an, was bedeutende Implikationen für
Entwicklungsbestrebungen auf allen Ebenen hat,
insbesondere für die Landwirtschaft, wo Frauen das
Rückgrat der Bestrebungen sind, in vielen Entwicklungsländern eine immer stärker anwachsende
Bevölkerung zu ernähren. Die Krankheit fordert
auch unter den Kindern der Welt ihren Zoll. Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO)
zufolge werden zu Beginn des 21. Jahrhunderts
zwischen 10 und 15 Millionen Kinder infolge dieser
Krankheit zu Waisen, werden entscheidender
Dienstleistungen (Bildung und Ausbildung sowie
Gesundheitsfürsorge) und der stabilen Familienstruktur beraubt, die sie für ihre Zukunft benötigen.
Für die Amerikaner bedeuten diese Tendenzen noch
mehr quälende Bilder auf den Fernsehschirmen. Die
AIDS-Krise stellt eine zunehmende Herausforderung
für unser Interesse am Aufbau einer wachsenden
Weltwirtschaft sowie für unsere Wettbewerbsfähigkeit
dar. Jeden Tag verstehen wir etwas besser, daß die
Welt unerbittlich immer interdependenter wird und
Amerikas Zukunft untrennbar verbunden ist mit der
gemeinsamen internationalen Priorität, eine Welt
wachsender Chancen und steigenden Wohlstands zu
schaffen.
Das Interesse der Vereinigten Staaten an einer
friedlicheren Welt ist ein zweiter Bereich, der durch
die Ausbreitung von HIV/AIDS beeinträchtigt wird.
Indem sie den Verlust von Entwicklungsmöglichkeiten verschärfen, wirken mit AIDS in Zusammenhang
stehende Tendenzen unserer Priorität entgegen,
demokratische Institutionen und politische Reform,
Rechststaatlichkeit und soziale Stabilität auf der
ganzen Welt zu stärken. In mehreren Ländern sind
die HlV-Infektionsraten unter den Streitkräften
beunruhigend hoch, was Anlaß zur Sorge bereitet die sich unter anderem auch auf die Durchführung
multilateraler Friedenssicherungsoperationen weltweit bezieht.
Tatsächlich bleibt kein Teil unserer Gesellschaft von
HIV/AIDS unberührt: Die Krankheit dringt in verarmte Gemeinden vor sowie in die vergleichsweise
dünne Schicht der sozialen, wirtschaftlichen und
politischen Führungsriege. Wir stellen zunehmend
fest, daß in vielen Gesellschaften die höchsten

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Risikogruppen aus den Reihen der Besten und
Klügsten stammen. Und ebenso wie sie ist auch die
Stabilität der politischen Institutionen gefährdet, von
denen Fortschritte für unsere gemeinsame Zukunft
abhängen.
Drittens bestehen, während sich die Krankheit
ausbreitet und wir ihre Verhütung anstreben, eine
ganze Reihe von Befürchtungen im Bereich der
Menschenrechte, mit denen wir uns befassen müssen. Mindestens 50 Länder verlangen von ausländischen Besuchern explizit einen AIDS-Test.
Zukünftige verstärkte Beschränkungen der Bewegungsfreiheit könnten nicht nur die grundlegenden
Menschenrechte untergraben, sondern auch den
freien Fluß von Arbeitskräften und Kapital behindern.
Wir haben bereits gesehen, wie weit Nationen, die
keine Grundsätze haben, gehen können: Kuba
machte einen äußerst beunruhigenden Vorschlag den es wieder zurückzog - alle HIV/AIDS-positiven
Personen lebenslang unter Quarantäne zu stellen.
Umgekehrt enthalten unsere Bestrebungen zur
Verhinderung weiterer Infektionen eine starke Komponente im Zusammenhang mit der Übertragung von
Rechten und Pflichten an ausgegrenzte und benachteiligte Mitglieder der menschlichen Familie - vor
allem Frauen. Es besteht eine enge Wechselbeziehung zwischen bildungspolitischen und wirtschaftlichen Chancen sowie der Realisierung von Zielen im
Bereich der Gesundheit.
Herr Vorsitzender, dies sind nur einige der bedeutsamen außenpolitischen Aspekte dieser Krankheit.
Mit der Zeit verstehen wir sie immer besser. Es
sollte festgestellt werden, daß in den zehn Jahren, in
denen AIDS sich in unser nationales Bewußtsein
katapultiert hat, die internationalen Aspekte der
Krankheit nur wenig anerkannt und behandelt wurden.
In diesem Sinne ist es auch wichtig, die Leistungen
der amerikanischen Führung auf internationaler
Ebene anzuerkennen. Mit der führenden Rolle
dieses Unterausschusses und des Senats standen
die Vereinigten Staaten an der Spitze der internationalen Bestrebungen zur Bewältigung der fortschreitenden weltweiten Krise.
Die Bemühungen der Vereinigten Staaten im In- und
Ausland werden von drei übergeordneten Zielen
geleitet: 1. Forschung, 2. Prävention und 3. mitfühlende Pflege von HlV-Infizierten. All diese Bestrebungen werden durch eine zunehmende Konzentration der Außenpolitik auf HIV/AIDS gefördert.
Unsere im Bereich der Forschung unternommenen
Anstrengungen stellen die weltweite Norm dar sowie

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�die Hoffnung auf besseres Verständnis der Krankheit
sowie die Entwicklung von Impfstoffen und Therapien zur Milderung des Leidens und Bekämpfung
des Todes aufgrund von HIV/AIDS. Unser Forschungsetat für biomedizinische und sozialwissenschaftliche Initiativen zusammengenommen beläuft
sich auf nahezu 2 Milliarden Dollar. Und obwohl ich
hier unterstreichen muß, daß wir in absehbarer
Zukunft keine dramatischen bahnbrechenden Erkenntnisse erwarten können, ist es von Bedeutung,
daß wir unsere Bestrebungen zur Verbesserung der
Behandlung und Suche nach einem Impfstoff gegen
die Krankheit fortsetzen, selbst während wir ihre
Ausweitung zu verhindern trachten.
Die Verhütung einer weltweiten Verbreitung dieser
Infektionskrankheit ist eine vordringliche Aufgabe.
Die Gefahr für die Stabilität einzelner Nationen sowie
die Sicherheit und den Wohlstand der Weltgemeinschaft ist einfach zu groß, als daß wir unsere Hoffnungen einzig und allein auf die Wunder der Wissenschaft setzen könnten.
Prävention ist keine einfache Angelegenheit - sie
umfaßt grundlegende Verhaltensänderungen, die
Bereitstellung sicherer Blutkonserven und ein weltweites Angebot von Artikeln wie Kondomen. Dennoch muß es dringende Prioritäten für alle Aspekte
der Außenpolitik geben - insbesondere den Entwicklungsbereich, der zunehmend die entscheidenden
Beziehungen zwischen Investitionen in den sozialen
Sektor (insbesondere das Gesundheitswesen) und
dem Streben nach umweltverträglicher Entwicklung
anerkennt.
Neben der Entwicklung können andere Aspekte
unserer Außenpolitik sowie der zu ihrer Umsetzung
bestimmte Apparat zur Förderung einer internationalen Reaktion auf HIV/AIDS eingesetzt werden. Vor
diesem Hintergrund haben wir im Außenministerium
umfassende, behördenübergreifende Bestrebungen
zur Entwicklung einer koordinierten internationalen
Strategie für die Bekämpfung von HIV/AIDS eingeleitet. Obwohl wir unsere Arbeit noch nicht beendet
haben, kommt eine Reihe wichtiger Themen zum
Vorschein.
Erstens die Notwendigkeit einer weiteren Verbesserung der Verbindungen zwischen unseren innenpolitischen und internationalen Bestrebungen. Im
Forschungsbereich versprechen - wie Dr. Satcher
vom Zentrum für Seuchenbekämpfung im einzelnen
darlegen wird - Informationsaustausch und internationale Zusammenarbeit eine Verbesserung des
Verständnisses des einzelnen von der Krankheit
sowie die Suche nach Impfstoffen und neuen,
verbesserten Behandlungsmethoden. Durch verstärkte internationale Zusammenarbeit an Präven-

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tionsstrategien können wir von unseren Partnern aus
der ganzen Welt mehr über erfolgreiche Strategien
lernen. Auch bleibt im Bereich der Erarbeitung von
Hilfsprogrammen für Entwicklungsländer viel Raum
für Zusammenarbeit. Die Programme des Amts für
internationale Entwicklung (Agency for International
Development - AID) sind weltweit nicht nur die
besten, sondern auch die größten. Unser Jahresetat
in Höhe von ungefähr 120 Millionen Dollar macht
mehr als 50 Prozent der gesamten Hilfe für Entwicklungsländer zur Verhütung von AIDS aus.
Um mit der Größenordnung dieser Bedrohung Schritt
halten zu können, sollten die hervorragenden AIDProgramme uneingeschränkt unterstützt werden. In
gleicher Weise können wir mehr tun, um andere zur
Übernahme ihrer Verantwortung bei der Bewältigung
dieser und anderer globaler Probleme zu ermutigen.
Anfang dieses Jahres trugen unsere Bestrebungen
zur Mobilisierung von Ressourcen Früchte, als Japan
seine Absicht zur Aufstockung der nominalen Investitionen zur Bekämpfung der Bevölkerungsexplosion und AIDS mit Aufwendungen in Höhe von 3
Milliarden Dollar über die nächsten sieben Jahre
hinweg bekanntgab. Die Mobilisierung von Ressourcen sollte unsere höchste internationale Priorität sein.
Multilateral unterstützen wir das gemeinsame und von
den Vereinten Nationen mitfinanzierte HIV/AIDSProgramm, das verspricht, als Modell dafür zu
dienen, was die Vereinten Nationen durch enge,
systematische Koordinierung ihrer Behörden erreichen können. So müssen wir auch die von der
Weltbank übernommene, zunehmend wichtige Rolle
bei der Bereitstellung von Krediten für dringend
benötigte Güter und Investitionen in das Gesundheitswesen unterstützen.
Zweitens, Herr Vorsitzender, müssen unsere diplomatischen Bestrebungen die hohe Priorität eindeutig
unterstreichen, die wir dieser Krise beimessen, sowie
unserer Erwartung, daß unsere internationalen
Partner und Verbündeten die entsprechende Entschlossenheit an den Tag legen. Es gibt keinen
Ersatz für den konkreten Ausdruck der nationalen
Verpflichtung zur Bekämpfung dieser Krankheit. Seit
einiger Zeit in Uganda und seit kurzem in Thailand in
die Wege geleitete erfolgreiche Bemühungen sprechen für die starke und ausdrückliche Unterstützung
von oberster Regierungsebene. Wir können mit den
von uns ausgesandten Signalen höchste Aufmerksamkeit für HIV/AIDS ermutigen, und das werden wir
tun.
Drittens müssen wir in Anerkennung der multisektoralen Art der Reaktionsstrategien sich gegenseitig
verstärkende Verbindungen bei der Bekämpfung der
AIDS-Krise und der Verwirklichung anderer außen-

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�politischer Ziele unterstreichen und fördern - beim
Bevölkerungswachstum, bei Menschenrechten,
Umwelt, Gleichstellung von Frauen und Bekämpfung
des Drogenmißbrauchs.
Viertens müssen wir die Achtung für die grundlegenden persönlichen und politischen Freiheiten fördern,
die durch die Ausbreitung der Epidemie gefährdet
werden könnten. Wir können nicht zulassen, daß
die Opfer zum Sündenbock dieses Problems gemacht werden. Diese Tragödie wird maßgeblich
verschärft, wenn diejenigen, die den schmerzlichen
Zoll von AIDS erleiden müssen, weiter durch ungerechte Bestrafung oder Diskriminierung schikaniert
werden.
Fünftens müssen wir die militärischen Implikationen
dieser Krankheit weiter erforschen. Als einen ersten
Schritt ist verstärkte Zusammenarbeit unter Verteidigungsexperten erforderlich, um die Auswirkungen dieser Krankheit besser zu verstehen und
Strategien zur Verhinderung ihrer Ausbreitung unter
den Soldaten zu erarbeiten. Darüber hinaus müssen
wir auch die Auswirkungen von HIV/AIDS auf internationale Friedenssicherungsoperationen sowie auf
Kampfsituationen sondieren.
Schließlich sind wir uns der Notwendigkeit von
Zusammenarbeit mit dem Privatsektor bewußt, um
die Auswirkungen von HIV/AIDS auf amerikanische
Unternehmen besser verstehen zu können und an
deren lobenswerten Bestrebungen zur Reaktion auf
die sich abzeichnende Krise mitzuwirken.

Herr Vorsitzender, HIV/AIDS ist Teil eines Korbs
globaler Probleme, die so wenig greifbar wie komplex
sind. Zusammengenommen untenminieren diese
Trends meines Erachtens die kollektiven Bestrebungen der Welt nach umweltverträglicher Entwicklung
und das öffentliche Vertrauen in die Fähigkeit der
Welt, sich mit den langfristigen Geboten der Zeit nach
dem Kalten Krieg auseinanderzusetzen. Ich bin
ferner der Ansicht, daß diese Situation sich verschlechtert, bevor sie besser wird. Man muß nur die
jüngste Titelgeschichte von Robert Kaplan im Atlantic Monthly lesen, um eine anschauliche Darstellung
dessen zu erhalten, was für eine düstere Zukunft
diese Trends prophezeien.
Unser Erfolg bei der Bewältigung dieser neuen
Bedrohungen der nationalen Sicherheit und des
globalen Wohlstands werden in nicht unerheblicher
Weise die Welt beeinflussen, die wir unseren Kindern
und Enkeln hinterlassen. Die Geschichte wird uns
nicht wohlgesonnen sein, wenn wir beim Ausmachen
dieser Probleme und der Reaktion darauf nachlässig
sind. Die HIV/AIDS-Pandemie fällt in diese Kategorie. Glücklicherweise haben wir in weniger als zehn
Jahren wichtige Strategien zur Verhinderung ihrer
Verbreitung und der Bewältigung ihrer Konsequenzen
entwickelt. Zwangsläufig müssen wir diese Bestrebungen fortsetzen und vertiefen. Die Clinton-Administration sieht der Zusammenarbeit mit Ihnen bei
unserer gemeinsamen Sache erwartungsvoll entgegen.

* * * *

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*

AMERIKA DIENST 17

�FILM
4. Mal 1994

AUSLÄNDISCHE FILME IN DEN USA
Marketing und Verleih
WASHINGTON - (AD) - Ausländische Filme waren
in den Vereinigten Staaten schon immer ein Problem
- zu esoterisch, zu wortreich, zu prosaisch, zu viele
unbekannte Schauspieler und vor allem zu ablenkend wegen dieser lästigen Untertitel oder schlechten Synchronisation, an die sich die Amerikaner nie
ganz gewöhnt haben. Ausländische Filme mögen
Campus-Intellektuellen und anderen mit einem
außergewöhnlichen Geschmack attraktiv erscheinen,
aber der durchschnittliche amerikanische Kinogänger
sagt: "Für mich nur Hollywood".
Die Kinokassen sprechen für sich. 1992 wurden
beispielsweise mit ausländischen Filmen nur 22
Millionen Dollar auf dem amerikanischen Markt
erzielt - dem Varlety Magazine zufolge nur ein
Bruchteil der Gesamteinnahmen.
Amerikanische Filmverleiher und Filmexperten
stellen jedoch fest, daß die Amerikaner ausländische
Filme in viel größerer Zahl akzeptieren würden,
wenn diese unter Berücksichtigung des amerikanischen Markts gemacht und effizient an eine Zielgruppe vermarktet werden.
Ein gutes Beispiel ist der jüngste Kinoerfolg Belle
Epoque, eine Anfang der dreißiger Jahre vor Ausbruch des Bürgerkrieges in Spanien spielende
knisternde Sexkomödie. Der Film gewann den
diesjährigen Oscar als bester ausländischer Film,
und zur Zeit sind die Kinos landesweit ausverkauft nicht nur die auf ausländische Filme spezialisierten.
"Wir stehen diese Woche an 20. Stelle im Hinblick
auf Zuschauerzahlen - und das bei 200 derzeit
laufenden Filmen", stellt Tom Bernard, Stellvertretender Vorsitzender von Sony Classics Pictures
fest, die den Film in den Vereinigten Staaten verleihen.
Auf die Frage, welchen Rat er ausländischen Produzenten erteilen würde, die einen Kassenschlager bei
den Filmpremieren landen wollen, erklärt Bernard:
"Dem Marketing und Verleih sowie der Größe und
Vielfalt dieses Landes mehr Aufmerksamkeit zu
widmen", und fügt hinzu, "ein Grund für den großen
Erfolg von Belle Epoque ist die Tatsache, daß ein

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gutes Unternehmen wie das unsere, das den Markt
gut kennt, angeheuert wurde."
"Das Geheimnis des Erfolgs eines Films besteht in
der ausgezeichneten Planung und Finanzierung Ihrer
Marketingkampagne, sie flexibel zu gestalten und
genau auf Ihr Ziel zuzuschneiden", erläutert Bernard.
Er stellt fest: "Wenn Ihr Film in einer Stadt gute
Kritiken erhält, muß man sofort daraus Kapital
schlagen, indem man Werbespots in örtlichen Rundfunksendern ausstrahlt, Zeitungsanzeigen plaziert und
so weiter. Wenn der Film von einer Oper handelt,
muß man Listen von Opernfans beschaffen, in
klassischen Musiksendungen Reklame machen etc."
Bernard zufolge ist "ein häufig begangener Fehler,
daß besonders europäische Produzenten große
Summen für Rechte in den Vereinigten Staaten
verlangen. Oft sind wir über das Potential eines
Films geteilter Meinung."
Jack Valenti, Präsident des amerikanischen Filmverbands, stellt fest, ebenso wichtig wie Vermarktung
und Verleih sei die Art des gedrehten Films. In
einem Interview mit Associated Press im vergangenen Jahr führte Valenti aus: "Die Kinos werden keine
Filme zeigen, bei denen sie denken, sie würden Geld
verlieren. Die Anziehungskraft eines Stars ist wichtig.
Jeder kennt Tom Selleck", äußert er mit dem Hinweis
auf Seilecks Rolle in Drei Männer und ein Baby,
dem amerikanischen Remake des französischen
Knüllers mit dem gleichen Titel. "Wenn ich drei
obskure internationale Schauspieler habe, von denen
noch nie jemand etwas gehört hat, ist es schwer,
diesen Film zu verkaufen", fügt er hinzu.
Robert Kolker, Professor an der University of Maryland und Autor von Bestsellern über Filme, vor allem
The Clnema of Lonellness, stimmt zu.
Kolker stellt fest, daß ausländische Produzenten im
wesentlichen zwei Wege zum Erfolg in den Vereinigten Staaten haben: "Entweder müssen sie einen
Film machen, der möglichst wie ein amerikanischer
Film aussieht, oder sie müssen einen Film machen,
der besonders ist und herausragt."

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�"Historisch gesehen war die Zielgruppe für europäische Filme in Amerika ganz anders als die für
amerikanische Filme - zum Beispiel angefangen mit
den italienischen Filmen der frühen fünfziger Jahre
über die französische nouvelle vague Ende der
fünfziger und Anfang der sechziger Jahre bis zum
Wiederauftauchen des deutschen Films Ende der
siebziger und Anfang der achtziger Jahre", erklärt
Kolker. "Aber seit Mitte der achtziger Jahre hat es
in Europa wenig phantasievolle Filme gegeben, was
auf den Rückgang an Subventionen zurückzuführen
sein mag, an die europäische Filmemacher gewöhnt
waren."
Gleichzeitig, so Kolker, sehen die in Europa gedrehten Filme für gewöhnlich "nicht genug wie amerikanische Filme aus, um hier Erfolg zu haben". Europäische Produzenten "müssen anpassungsfähiger
sein", um dies auszugleichen, stellt er fest. Kolker
zufolge haben die Produzenten des holländischen
Films Spurlos den Film praktisch völlig neu auf
englisch gedreht und einige der Darsteller durch
bekannte amerikanische Schaupieler ersetzt, um ihn
für den amerikanischen Markt attraktiv zu gestalten.
Bernard erklärt, die amerikanischen Produktionsstandards und -techniken seien wichtig, betont
jedoch, daß es nicht ein bestimmter Typ europäischer oder ausländischer Filme sei, der in den
Vereinigten Staaten Erfolg hat. "Betrachtet man sich
die Filme, die als beste ausländische Filme ausgezeichnet wurden, so sind sie inhaltlich höchst unterschiedlich."
Douglas Gomery, ein Wirtschaftsfachmann der
Filmindustrie, dessen jüngstes Buch Shared Pleasures von der Geschichte des Kinos handelt,
bemerkt, auch der Zeitpunkt sei wichtig. "Hollywood
plant seine Kassenschlager für den Sommer und
Weihnachten, also sind Frühjahr und Herbst gute
Zeiten für die Vermarktung eines ausländischen
Films in den Vereinigten Staaten."
Gomery rät ausländischen Filmproduzenten jedoch
auch, in anderen Größenordnungen zu denken. "Es
gibt sechs große Hollywood-Studios, die nicht nur in
den Vereinigten Staaten, sondern auch weltweit
Büros unterhalten. Sie verleihen und vermarkten in
allen wichtigen Ländern, nicht nur den Vereinigten
Staaten, und besitzen in vielen Ländern Theaterketten. Die größte Theaterkette in Großbritannien und
Kanada gehört einer Hollywood-Gesellschaft."
"Wenn ausländische Unternehmen und Produzenten
wirklich in den Vereinigten Staaten Erfolg haben
wollen, haben sie zwei Alternativen", erläutert Gomery. "Sie könnten ihre Kräfte bündeln, um ein siebtes

großes Hollywood-Unternehmen aufzubauen, oder sie
könnten sich in die bestehenden Hollywood-Firmen
einkaufen."
"Genau das ist übrigens geschehen", fährt er fort.
"Hollywood ist nicht mehr Hollywood. Zwei der
großen sechs - Universal und Sony, eine Tochtergesellschaft von Columbia Pictures, sind in japanischem
Besitz. Fox gehört Rupert Murdoch, einem Zeitungstycoon mit Sitz in Großbritannien und Australien",
äußert Gomery. "Disney, Time-Warner und Paramount sind in amerikanischer Hand. Zur Zeit gibt es
ein siebtes Unternehmen, MGM-UA, das im wesentlichen von einer französischen Bank finanziert wird.
Aber die Firma befindet sich am Rande des Bankrotts", erklärt Gomery.
"Die Bedeutung dieser Wirtschaftsstruktur besteht
darin, daß derzeit nur die großen sechs - drei in
amerikanischer, drei in ausländischer Hand - Ihnen
die entsprechende Publicity für Ihren ausländischen
Film in den Vereinigten Staaten garantieren können.
Wenn Erfolg beim ausländischen Verleih der Schlüssel für Hollywood im Ausland ist - und das ist der Fall
- müssen die Ausländer beim Verleih in den Vereinigten Staaten Erfolg haben, um ihren Film hier publik
zu machen", stellt er fest. "Und das heißt, hier einen
neuen Giganten zu schaffen, sich in die großen
seschs einzukaufen, oder zumindest ein gutes
Geschäft mit einem der Giganten abzuschließen, wie
es den Produzenten von Belle Epoque gelungen ist."
Auf die Frage, ob es hilft, wenn ein ausländischer
Film eine Koproduktion ist, vorzugweise mit einem
Hollywood-Studio, antwortet Gomery: "Natürlich hilft
das. Dies hat eine lange Tradition, die bis in die
zwanziger Jahre zurückreicht, als MGM in das
Koproduktionsgeschäft im Ausland einstieg. Der
Schlüssel ist jedoch Marketing und Verleih. Der
Punkt ist, daß die Koproduktion, an die Sie denken,
Ihnen Zugang zum Vertriebsnetz verschafft oder ihn
zumindest erleichtert", fügt er abschließend hinzu.
Wenn all das gesagt und getan ist, muß das Produkt
aber auch richtig für den amerikanischen Markt sein.
Alle für diesen Bericht befragten Experten stimmten
überein, daß sich die meisten Amerikaner an Actionfilme in Englisch - ohne lästige Synchronisierung - mit
bekannten Stars gewöhnt haben. Diese Gewohnheit
wird schwer zu durchbrechen sein. Ausländische
Produzenten müssen also bereit sein, die Art von
Film zu produzieren, den anzusehen die Amerikaner
bereit sind, und müssen Geschick bei der Werbekampagne und beim Verleih haben, der ihr Produkt auf
den konkurrenzfähigsten Markt der Welt bringen
kann.
* *

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*

AMERIKA DIENST 17

�FUSSBALL
4. Mai 1994

FUSSBALL IN DEN USA
von Mike Woitalla
In Anbetracht der bevorstehenden Fußball-Weltmeisterschaft 1994 in den USA planen wir in den folgenden
Ausgaben von Amerika Dienst eine Artikelserie über Fußball.
Der Verfasser ist langjähriger Redakteur von Soccer America.

Pnin entered a sport Shop in Waindell's Main
Street and asked for a football. The request was
unseasonable but he was offered one.
"No, no," said Pnin, "I do not wish an egg or, for
example, a torpedo. I want a simple football.
Round!"
And with his wrists and palms he outlined a
portable world. It was the same gesture he used
in class when speaking of the "harmonical wholeness" of Pushkin.
The salesman lifted a finger and silently fetched
a soccer ball. "Yes, this I will buy," said Pnin
with dignified satisfaction.
Aus Vladimir Nabokov's Roman Pnin, 1953.

Pnin, ein in die Vereinigten Staaten eingewandeter
russischer Professor, schenkt seinem in Amerika
geborenen Sohn den Fußball als Geburtstagsgeschenk, nur um die Abneigung seines Sohnes gegen
diesen Sport zu hören zu bekommen. Der Ball wird
aus dem Fenster geworfen und schwimmt in einem
Bach davon.
Vierzig Jahre später geben die Amerikaner rund 50
Millionen Dollar pro Jahr für Fußbälle aus, die von
ihren Kindern gerne angenommen werden, und
Fußball ist zum am schnellsten wachsenden Mannschaftssport geworden.

AMERIKA DIENST 17

Dennoch ist Fußball in den Vereinigten Staaten
irgendwie ein Paradoxon. Die Anzahl der Spieler
nimmt insbesondere unter den Jugendlichen jedes
Jahr zu, unter den älteren Durchschnittsamerikanern
herrscht jedoch eine generelle Gleichgültigkeit
gegenüber diesem Sport vor. Selbst im Jahr 1993
würde Pnins Wunsch einen verwirrten Blick hervorrufen.
Fußballfans verweisen auf den Erfolg des Sports auf
Amateurebene unter den Jugendlichen. Fußball ist
heute nach Basketball der populärste Mannschaftssport im Land. Dem Soccer Industry Council of
America zufolge spielten 1992 nahezu 15 Millionen
Amerikaner das Spiel mindestens einmal, und fünfeinhalb Millionen spielten mehr als 25 Mal.
Innerhalb einer Generation erlebte der Jugendfußball
eine dramatische Zunahme. Drei Viertel der amerikanischen Spieler sind unter 18. Im Jahr 1974 hatte die
amerikanische Fußball-Jugendliga 100.000 eingetragene Spieler. Heute zählt sie über 100.000 Mannschaften und 1,9 Millionen eingetragene Spieler - und
das beinhaltet nicht die High School- oder CollegeMannschaften.
Vertretern der Organisation zufolge hat die Anzahl
der in der Jugendliga eingetragenen Spieler seit 1974
jede Saison zugenommen. Unter den Mädchen ist
der Trend noch deutlicher, die jetzt mindestens 30
Prozent der jungen Spieler des Landes ausmachen.
In den weiterführenden Schulen zeichnet sich dasselbe Bild ab. 1972 gab es 2.290 High School-Jungenmannschaften in den Vereinigten Staaten. Heute
sind es 7.025, und die Zahl der Mädchenmannschaften beläuft sich inzwischen auf 4.665.

Seite 1

�Obwohl dies offensichtlich ein Ergebnis der von
Tausenden Kindern in der Jugendriege geschaffenen
Nachfrage ist, begrüßen auch Schulen mit finanziellen Engpässen den Sport. Für die zur Ausrüstung
eines einzigen amerikanischen Football-Spielers
erforderlichen Summe kann eine Schule eine ganze
Fußballmannschaft ausrüsten.
Auch die Eltern loben Fußball als idealen Jugendsport im Gegensatz zu Baseball und Football, bei
denen Verletzungen relativ häufig sind. Die Spieler
sind weder wie bei Football und Baseball auf bestimmte Positionen beschränkt, noch ist die Körpergröße so entscheidend wie bei Basket- und Football.
Amerikanische Mannschaften Im internationalen
Wettbewerb
Wie durch die Erfolge der amerikanischen Nationalmannschaften in jüngster Vergangenheit unter
Beweis gestellt, ist Qualität in der Tat mit Quantität
einhergegangen. Zum ersten Mal seit 40 Jahren
qualifizierte sich das amerikanische Team 1990 für
den World Cup. Bei der Juniorenweltmeisterschaft
1989 belegten die USA bei den Männern den vierten
Platz und erreichten bei der alle zwei Jahre stattfindenden Austragung im Jahr 1993 wieder die
zweite Runde.
Die Vereinigten Staaten gewannen 1991 bei der
ersten je in diesem Sport ausgetragenen FrauenWeltmeisterschaft. Während auf hoher Ebene
organisierter Frauenfußball jedoch weltweit ein
relativ neues Phänomen ist, sehen sich die amerikanischen Männer immer noch einem mühsamen
Kampf auf der internationalen Bühne ausgesetzt.
"Unser größtes Problem ist, daß wir keine Profi-Liga s
haben", erklärt Trainer Bora Milutinovic, der Serbe,
der Mexiko für die Weltmeisterschaft 1986 und Costa
Rica für 1990 trainierte, bevor er 1991 das amerikanische Team übernahm. "Unsere Spieler sehen sich
nicht mit den wöchentlichen, das ganze Jahr über
stattfindenden Wettkämpfen konfrontiert wie die
Spieler der übrigen Welt."
Kurz nach seiner Übernahme führte Milutinovic die
Vereinigten Staaten zu den regionalen Meisterschaften, dem CONCACAF (Confederation of
Central and North America and the Caribbean) Gold
Cup. Daß Milutinovic sein Team wahrscheinlich in
die zweite Runde der Weltmeisterschaft 1994
bringen wird, spricht für die großen Fortschritte, die
das amerikanische Spiel gemacht hat.
1985 wurden die Vereinigten Staaten von Costa
Rica, einem Land mit zwei Millionen Einwohnern, in
der Weltmeisterschafts-Qualif ikationsrunde aus dem

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Wettbewerb geworfen. Acht Jahre später könnten die
Vereinigten Staaten kurz davor stehen, ein legitimer
Konkurrent der führenden Fußballnationen der Welt
zu werden. Jüngste Siege über Mannschaften aus
Irland, Mexiko und Portugal sowie ein Unentschieden
gegen Italien, Rußland und Dänemark geben den
amerikanischen Fans Grund zu Optimismus, obwohl
diese Spiele reine Freundschaftsspiele waren.
Milutinovic wird sich auf amerikanische "Legionäre"
stützen wie Dänemark, als es 1992 die Europameisterschaft gewann, obwohl es keine eigene Profi-Liga
hat. Eine Reihe von Spielern in der amerikanischen
World Cup-Gruppe zeichnen sich jetzt in England
(Kasey Keller, John Harkes), Deutschland (Eric
Wynalda, Brent Goulet) und Spanien (Tab Ramos)
aus.
Der Kalifomier Wynalda wurde in Deutschland sofort
zum Star, nachdem er von den Bay Blackhawks in
San Francisco zum FC Saarbrücken gewechselt
hatte. "In San Francisco dauerte es drei Jahre, bevor
mich jemand auf der Straße erkannte", erzählt er. "In
Saarbrücken dauerte es zwei Wochen."
Den amerikanischen Hoffnungen weiteren Auftrieb
verleihen Spieler mit lockeren Verbindungen zu den
Vereinigten Staaten. Der Bundesligastar Tom Dooley
begann 1991 für die Vereinigten Staaten zu spielen,
nachdem sich herausstellte, daß sein Vater ein in
Deutschland stationierter amerikanischer Soldat war.
Dooley betrat zum ersten Mal amerikanischen Boden,
um für die Nationalmannschaft zu spielen.
Stürmer Roy Wegerle aus Coventry in Großbritannien
ist in Südafrika geboren, aber amerikanischer Staatsbürger mit einer amerikanischen Frau und kann so im
amerikanischen Team spielen. Er besuchte die
University of South Florida.
Die Mehrzahl der Spieler in Milutinovics Mannschaft
hat eine Collegeausbildung durchlaufen - ein weiterer
außergewöhnlicher Aspekt des amerikanischen
Sports. Collegesport ist in den Vereinigten Staaten
so ausgezeichnet, daß das wichtigste College-Basketballturnier - das NCAA - zu den Fernsehübertragungen mit den höchsten Einschaltquoten zählt.
Während College-Fußball äußerst sielten im Fernsehen gesendet wird und nur eine Handvoll Mannschaften regelmäßig mehr als 2.000 Zuschauer
anlocken, bietet es den Spielern Stipendien. Die
Kosten für Ausbildung, Unterkunft und Verpflegung rund 20.000 Dollar pro Jahr in einer Privatuniversität stellen einen attraktiven Anreiz für die jungen Spieler
dar.

AMERIKA DIENST 17

�Spieler, die einen Collegeabschluß anstreben,
kommen für gewöhnlich aus der Mittelschicht. Die
zahlreichen hispanischen Talente - die hispanische
Bevölkerung in den Vereinigten Staaten zählt über
20 Millionen und viele haben Wurzeln in Ländern, in
denen Fußball gespielt wird - könnten übersehen
werden, wenn die Colleges weiterhin das Hauptrekrutierungsfeld der Nationalmannschaft bleiben.

Eine Erklärung ist, daß den Zuschauern sehr wenig
Fußballspiele angeboten werden. Das von dem
amerikanischen Fernsehsender ABC am 13. Juni
1993 übertragene Spiel zwischen den Vereinigten
Staaten und Deutschland war das erste Mal seit dem
Endspiel der Weltmeisterschaft 1986, daß ein internationales Spiel von einem größeren amerikanischen
Fernsehsender ausgestrahlt wurde.

Langsam werden Schritte unternommen, um Fußball
in den Städten populär zu machen, und in der
amerikanischen Nationalmannschaft sieht man
zunehmend hispanische Spieler. 1992 könnte durch
den College-Meister, die University of Virginia, ein
Trend eingeleitet worden sein, als eine Mischung
weißer, hispanischer und schwarzer Spieler beeindruckenden Fußball bot und alle Gegner beherrschte. Die Spieler verkörperten die Vielfalt der amerikanischen Bevölkerung besser als jeder andere College-Meister je zuvor.

Der größte Test wird natürlich die Weltmeisterschaft
1994 sein, wenn den Amerikanern mehr Fußball als
je zuvor geboten wird. Die Spiele um den World Cup
werden in neun Städten ausgetragen. Zum ersten
Mal werden alle 52 Spiele live in den Vereinigten
Staaten übertragen.

Der Journalist Paul Gardner, der seit den sechziger
Jahren über amerikanischen Fußball berichtet,
vertritt die Auffassung, wenn lateinamerikanische
Talente aktiver in das Spiel integriert würden, ergäbe
sich im amerikanischen Fußball ein Stil, der dem
brasilianischen Fußballspiel ähnelt. Diese Art von
Fußball, meint er, wird die Menschen in die Stadien
locken.
"Wenn wir über die Gründung einer Profi-Liga
sprechen, müssen wir auch an das Produkt selbst
denken: den Sport", erklärt Gardner. "Denken Sie
an die Spiele: Baseball, Basketball, Football. In
diesem Land muß Fußball auf höchstem Niveau
geboten werden, um auf Profi-Ebene Erfolg zu
haben."

Skeptische Medien
Trotz der wachsenden Zahl von Spielern und der
bevorstehenden Weltmeisterschaft läßt der kommerzielle Erfolg des Fußballs in den Vereinigten
Staaten noch auf sich warten. Dies könnte auf die
demographische Zusammensetzung der amerikanischen Fernsehzuschauer zurückzuführen sein. Als
Sports lllustrated, die am meisten gelesene Sportzeitschrift Amerikas, 1991 eine Umfrage unter 2.320
Erwachsenen durchführte, äußerten nur neun
Prozent der Befragten Interesse an dem Spiel und
setzten es auf Platz 25 von 28 Angaben.
Der deutsche Fußballstar Jürgen Klinsmann, bekannt
für seine Publicityscheu, erklärt, er mache immer in
den Vereinigten Staaten Urlaub, "um dem Fußball zu
entfliehen".

AMERIKA DIENST 17

Optimisten sind der Auffassung, diese spektakuläre
Austragung werde schließlich die Amerikaner überzeugen, daß Fußballspiele es wert sind, gesehen zu
werden. Viel wird davon abhängen, wie die Vereinigten Staaten gegen die besten Spieler der Welt
abschneiden.
Ein weiterer Test besteht in der Reaktion der Medien.
Obwohl das Spiel unter Sportreportern einige Freunde gefunden hat - wie bei George Vecsey von der
New York Times - ist es für die meisten Kolumnisten
immer noch nicht der Rede wert. Als die Vereinigten
Staaten 1988 zum Gastgeber der Weltmeisterschaft
1994 nominiert wurden, brachten Massen von Reportern ihre Verachtung zum Ausdruck. Ein beliebter
Ausspruch war, bei dem Spiel gebe es so wenig
Tore, daß es "so spannend sei wie Farbe trocknen zu
sehen".
Der Sportjournalist Brian Lincicome von der Chicago
Tribüne schrieb, die Ankündigung der Weltmeisterschaft war "nicht überraschender als die Erklärung,
der nächste Weltkrieg werde ausschließlich in der
Schweiz geführt".
Massive Ausschreitungen bei Spielen im Ausland
wurden ein bevorzugtes Argument, auch wenn sie
gar nichts mit dem Sport selbst zu tun hatten. Der
Pulitzerpreis-Gewinner Mike Royko von der Chicago
Tribüne erklärte das schlechte Benehmen von Fans
folgendermaßen: "Vielleicht weil es das einzige Spiel
ist, bei dem die Spieler ihren Kopf zum Schießen des
Balles benutzen. Angenommen die Fußballfans
spielen selbst Fußball, könnten all die Kopfbälle ihr
Gehirn zermatschen."
Daß solche Gefühle nicht repräsentativ für die Nation
sind, wurde deutlich, als sich die Rekordzahl von 27
Städten als Austragungsorte von Weltmeisterschaftsspielen bewarb.

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�Darüber hinaus tritt eine neue Generation von Sportjournalisten auf. Während der Tage der Nordamerikanischen Fußball-Liga (North American Soccer
League - NASL) schickten die Zeitungen Reporter
ohne Fußballerfahrung zur Berichterstattung über die
Spiele. Heute sind in den Nachrichtenagenturen
Männer und Frauen, die an dem Mitte der siebziger
Jahre begonnenen Jugendfußballboom teilhatten. In
Städten, in denen Weltmeisterschaftsspiele ausgetragen werden, haben die dortigen Zeitungen - wie die
Chicago Sun Times, Washington Post und Dallas
Morning News - wöchentliche Fußballbeilagen
eingeführt.
Das federführenden internationale Gremium der
Spiele, die FIFA (Federation Internationale de Football Associaton), wählte die Vereinigten Staaten als
Austragungsland der Weltmeisterschaft in dem
Versuch, die letzten Schranken einzureißen. Seine
Absichten waren nicht rein altruistisch. Amerikanische Unternehmen, die als Sponsoren Millionen für
Reklame auszugeben haben, machen die Nation
attraktiv für große Sportveranstaltungen. Firmen wie
Coca-Cola, General Motors, McDonalds und Gillette
geben im Ausland als Sponsoren von Weltmeisterschaften jeweils 15 bis 20 Millionen Dollar aus.
Die Probleme der Profi-Ligen
Als die Vereinigten Staaten 1988 die Ausschreibung
gewannen, ging die FIFA davon aus, daß es bis
1992 eine Profi-Liga geben würde. Dies ist jetzt auf
1995 verschoben worden.
FIFA-Generalsekretär Joseph Blatter stellt fest: "Als
wir die Entscheidung trafen, den Vereinigten Staaten
die Ausrichtung der Spiele zu gestatten, hatten wir
zwei Ziele. Wir wollten das Spiel in diesem riesigen
Land bekannt machen, und wir wollten es in den
Vereinigten Staaten auf die Profi-Ebene bringen."
Eine Profi-Fußball-Liga wird jedoch nicht nur um die
Dollar der Fans, sondern auch um Femsehübertragungszeit mit dem amerikanischen Football,
Baseball, Basketball und Hockey konkurrieren
müssen.
Der Präsident des amerikanischen Fußballbundes
(U.S. Soccer Federation - USSF) Alan Rothenberg
erklärt: "Im Augenblick entwerfen wir einen Arbeitsplan... Die Profi-Liga ist nicht leicht zu machen - es
gibt kein Allheilmittel. Sie benötigt beträchtliches
Investitionskapital über einen langen Zeitraum
hinweg und vielleicht eine robustere Volkswirtschaft."
Der nordamerikanische Fußballbund (North American Soccer League -NASL) wurde 1968 gegründet.
Während seines 16jährigen Bestehens machte er die

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Amerikaner mit Weltklassespielern bekannt und trug
zweifelsohne zur Verbreitung der Jugend-Ligen bei.
1975 landete New York Cosmos einen Coup, indem
man Pele, den größten Spieler aller Zeiten, mit einem
Dreijahresvertrag über 4,5 Millionen Dollar aus dem
Ruhestand lockte. Die Zukunft sah vielversprechend
aus. Der hervorragende Brasilianer spielte häufig vor
über 50.000 Zuschauern. Mehrere Mannschaften
konnten Zuschauerquoten von über 30.000 pro Spiel
verzeichnen. Berauscht vom Erfolg holte Cosmos
weitere Stars wie Franz Beckenbauer im Jahr 1977.
Das Spiel Beckenbauers und von Stars wie Johan
Cruyff, Carlos Alberto und Johan Neeskens begann
die Amerikaner zu begeistern. 1977 kam der Höhepunkt, als 78.000 Fans das Entscheidungsspiel im
Giants Stadium in New Jersey sahen. Im Moment
war Fußball schick, und in den Umkleideräumen
waren nach dem Spiel Berühmtheiten wie Robert
Redford, Mick Jagger, Rod Stewart und Henry Kissinger zu finden.
Aber die NASL-Clubs wurden zu optimistisch und
kauften immer mehr Topspieler, deren Ablösesummen und Gehälter die Mannschaftskassen leerten.
Zwischen 1977 und 1978 stieg die Zahl der LigaMannschaften von 18 auf 24 - ein Zuwachs, den sie
nicht verkraften konnte.
Am Ende konnte der NASL seine Jugendsünden und
die Fehler seiner Besitzer nicht ausmerzen. Der
Cosmos-Geschäftsführer Clive Toye sagte von den
neuen Besitzern, die nach 1977 in die Liga kamen:
"Viele der neuen Clubs gehörten arroganten Männern, die sich weigerten, in Jugendzentren und der
Gemeinde zu werben - wo in der Vergangenheit die
Wurzeln unseres Erfolges lagen." Die Liga gab 1984
auf.
Aber in demselben Jahr war Fußball der größte
Magnet bei der Olympiade von Los Angeles. 1,4
Millionen Fans besuchten Fußballspiele und über
100.000 das Endspiel.
Für die Weltmeisterschaft 1994 verkaufen sich die
Eintrittskarten so schnell - 600.000 im ersten Monat daß der Ausverkauf der 3,6 Millionen Plätze möglich
erscheint. Aber wird der gleiche Enthusiasmus einer
amerikanischen Profi-Liga zuteil, die nicht von dem
Fieber einer Weltmeisterschaft begleitet wird?
Hallenspiele
Der Profi-Hallenfußball hat sich in den Vereinigten
Staaten auf einzigartige Weise entwickelt. Während
das Spiel für gewöhnlich außerhalb der Saison in der
Halle gespielt wird, damit die Spieler fit bleiben,

AMERIKA DIENST 17

�machte die führende Hallenfußball-Liga (Major
Indoor Soccer League - MISL) es zur Alternative zu
den Spielen im Freien und übernahm in den letzten
Jahren der nordamerikanischen Fußball-Liga sogar
einige NASL-Spieler.
Häufig wird gesagt, dem Fußball gelänge es nicht,
den Appetit der amerikanischen Sportfans und
Journalisten auf Statistiken zu befriedigen. Die
Architekten der amerikanischen Hallenspiele gaben
sich große Mühe, ihrem Hunger nach Statistiken
gerecht zu werden. Die Fähigkeit des Torwarts zur
Verteidigung des Tors wurde nicht nur in eintausendstel Prozentpunkten umschrieben, sondern den
Abwehrspielern, die die meisten Schüsse verhinderten, wurden auch Auszeichnungen verliehen.
Verglichen mit dem populären amerikanischen Sport
bot Fußball dem amerikanischen Publikum nicht
genügend Unterbrechungen. Einem Sportereignis
beizuwohnen und dem Feld 45 Minuten lang ununterbrochen ungeteilte Aufmerksamkeit zu widmen,
eine 10minütige Pause in der Halbzeit zu haben,
und dann weitere 45 Minuten zuzusehen, war vor
Bekanntwerden des Fußballs in der Tat unerhört.
Der amerikanische Sportfan beobachtet natürlich die
Aktionen auf dem Spielfeld, nutzt aber die Chance
der häufigen Auszeiten um zu essen, zu trinken und
sich an sonstigen Unterhaltungen wie den Einpeitschern, einer Tombola oder der Aufzeichnung des
Spielstands zu erfreuen.
Der Hallenfußball versuchte wiederum, den Sport zu
amerikanisieren. Das Spiel wurde in Viertel- statt
Halbzeiten unterteilt und Auszeiten wurden eingeführt. Tänzer, Jongleure und andere Unterhaltungskünstler übernahmen während der Pausen das
Spielfeld, und selbst im Verlauf des Spiels ertönte
Musik aus den Lautsprechern.
Während des 12jährigen Bestehens der MISL spielten zu unterschiedlichen Zeiten 32 Mannschaften,
aber als sie aufgab, waren es nur sieben. Pro Spiel
sahen durchschnittlich 8.000 Fans zu, aber durch
Fernsehübertragungen konnte kein Geld eingenommen werden.
Im Juni 1993 riefen die Besitzer der nationalen
Basketball-Liga (National Basketball League - NBA)
eine neue Hallenfußball-Liga ins Leben. Sie sehen
sie als Chance, um ihre Stadien und Mitarbeiter
außerhalb der Basketballsaison zu nutzen. Die acht
Mannschaften wollen den Spielern während der
dreimonatigen Saison zwischen 6.000 und 9.000
Dollar bezahlen.
Jerry Buss, der Besitzer des Los Angeles Lakers
Basketballteams mußte zusehen, wie seine letzte

AMERIKA DIENST 17

Hallenfußball-Mannschaft Millionen Dollar vor leeren
Rängen verlor. Er bezweifelt, daß die Amerikaner
ihre Sommerabende in der Halle verbringen wollen.
"Ich weiß nicht, ob Hallenfußball im Sommer gut
geht", stellt er fest. "Aber ich weiß, daß es im Winter
nicht funktioniert."
Die nationale Profi-Fußball-Liga (National Professional Soccer League - NPSL) mit ihren 13 Mannschaften besteht seit 1984 und führte solche Tricks ein wie
drei Punkte für ein aus über 15 Metern erzieltes Tor,
zwei Punkte für reguläre Tore und einen Punkt für ein
beim sogenannten Elfmeterschießen errungenes Tor.
Damit erhält das Spiel nicht nur mehr Statistiken,
sondern auch mehr Tore.
Trotz ihres Durchhaltevermögens hat die NPSL
mehrere Clubs, die am Rande des Konkurses operieren, und es ist keine Saison vergangen, ohne daß ein
Club schließen mußte. Ihre gewöhnlichen Spieler
erhalten kein volles Gehalt.
Was immer die Zukunft des Hallenfußball sein mag,
sein Beitrag zur Popularität des Fußball in den
Vereinigten Staaten ist fraglich. Paul Gardner, der für
die Puristen unter den Fußballfans sprach, schrieb
zum Ende der MISL: "Von Anfang an war die MISL
ein Parasit im wirklichen Fußball. Sie zog Energie,
Geld und Talent vom Fußball im Stadion ab." Obwohl der Hallenfußball dem Sport einige neue Fans
eingebracht haben mag, könnte er den Durchschnittsamerikaner über die wahre Natur des Sports verwirrt
haben.

Jetzt ein amerikanisches Spiel
Seit dem Ende der NASL sind eine Reihe von
Fußball-Ligen in der amerikanischen Sportszene
aufgetaucht, aber mit Ausnahme der führenden
Hallenfußball-Liga (MISL), die 1992 nach 12 Jahren
ein Ende nahm, waren alle bestenfalls Halbprofis.
Die amerikanische Profi-Fußball-Liga (American
Professional Soccer League - APSL) beendete die
Saison 1993 mit fünf Mannschaften, 1993 kamen drei
kanadische Teams hinzu. Durchschnittlich verdienten
die Spieler, was im amerikanischen Profisport einem
Almosen gleichkommt - rund 10.000 Dollar für die
fünfmonatige Saison. (Das Durchschnittsgehait eines
Spielers in der führenden Baseball-Liga beträgt in
den Vereinigten Staaten 1 Million Dollar).
Die APSL wird vom amerikanischen Fußballbund als
Profi-Liga angesehen, aber im Plan des Fußballbundes für eine Profi-Liga nimmt die APSL einen von
vier Zweitligistenplätzen ein. Die anderen drei

Seite 5

�Zweitligistenplätze sind ebenso wie die erste Division
unbesetzt.
Die überregionale Fußball-Liga der Vereinigten
Staaten (United States Inter-regional SoccerLeague
- USISL) ist ein landesweiter Zusammenschluß von
40 Clubs in fünf Regional-Ligen. Sie hat keinen
Ehrgeiz, eine führende Liga zu werden und beschreibt sich selbst als zwischen der zweiten und
dritten Division liegend.
Fußball hat über die Jahre Interesse bei kleineren
Ligen wie dieser erweckt, und keine ist je zur führenden Liga aufgestiegen. Wenn eine nationale ProfiLiga entsteht, kommt sie von oben wie die NASL.

Toye ist der Ansicht, daß Investoren für eine neue
Liga gefunden werden können, wenn ein solider Plan
vorgelegt wird, der erläutert, wie in der Vergangenheit
begangene Fehler nicht wiederholt werden.
"Die NASL hat ein Erbe hinterlassen", so Toye.
"Fußball ist nicht länger ein komisches, von Ausländern gespieltes Spiel. Es ist jetzt ein amerikanisches Spiel, und die Söhne und Töchter von Abteilungsleitern großer Unternehmen spielen es."
In der Tat. Und auch die Kinder von Präsident
Clinton und Vizepräsident AI Gore spielen Fußball.

* * * *

Seite 6

*

AMERIKA DIENST 17

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                <text>&lt;strong&gt;1. Südafrika&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Verstärkte amerikanische Hilfe für Südafrika&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Radioansprache des Präsidenten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Umwelt&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Leiterin des Umweltschutzamts fordert mehr "Umweltdemokratie"&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Carol Browner&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. AIDS&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;AIDS-Krise hat weitreichende Implikationen für amerikanische Politik &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Timothy Wirth&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Film&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ausländische Filme in den USA&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Marketing und Verleih&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Fußball&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Fußball in den USA&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Mike Woitalla&lt;/em&gt;</text>
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dienet

Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462 C

18

11. Mal 1994

AUSSENPOLITIK

AUSSENPOLITIK MUSS AUCH RISIKOBEREITSCHAFT ENTHALTEN
Fernsehinterview des Präsidenten

SÜDAFRIKA

AUFSTOCKUNG DER HILFE FÜR SÜDAFRIKA
Erklärungen von Clinton und Gore

NAHER OSTEN

CLINTON BEGRÜSST UNTERZEICHNUNG DES

AUTONOMIEVERTRAGS
Erklärung des Präsidenten

FULBRIGHT

LEO M. GOODMAN AWARD FÜR
SENATOR FULBRIGHT
Rede von Botschafter Holbrooke

FUSSBALL

FUSSBALLWELTMEISTERSCHAFT IN DEN
VEREINIGTEN STAATEN

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel: 0228-339 23 72
Fax:0228-3341 02

�AUSSENPOLITIK
11. Mai 1994

AUSSENPOLITIK MUSS AUCH
RISIKOBEREITSCHAFT ENTHALTEN
Fernsehinterview des Präsidenten
WASHINGTON - (AD) - Die amerikanische Außenpolitik muß dem Präsidenten zufolge die Bereitschaft zur
Übernahme von Risiken in den "Grauzonen" der Zeit nach dem Kalten Krieg enthalten.
In Rahmen der umfassendsten Verteidigung der Politik seit seiner Amtsübernahme beantwortete Clinton im
amerikanischen Fernsehsender CNN (Cable News Network) am 3. Mai 1994 Fragen aus der ganzen Welt und
räumte ein, es sei viel schwieriger, internationale Koalitionen aufzubauen, als er gedacht habe.
Clinton skizzierte die Grundprinzipien seiner taktischen außenpolitischen Entscheidungen und erklärte, die
Vereinigten Staaten würden beim Umgang mit Unruheherden in den meisten Fällen ein Vorgehen im Rahmen
multilateraler Organisationen anstreben. Sollten Washingtons wichtigste Interessen auf dem Spiel stehen,
würde jedoch kein Alleingang gescheut.
Der Präsident wies Kritik zurück, er sei bei außenpolitischen Entscheidungen, insbesondere zu Bosnien,
wankelmütig gewesen und stellte fest, es habe im Hinblick auf die Grundsätze der Politik "keine Unschlüssigkeit" gegeben.
Im weiteren Verlauf der Fernsehdiskussion beantwortete Präsident Clinton Fragen zum Handel mit China, dem
Nahostfriedensprozeß, den nuklearen Fähigkeiten Nordkoreas und der Wiederherstellung der Demokratie auf
Haiti.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Eingangserklärung des Präsidenten im Wortlaut.
Meine Damen und Herren, ich begrüße die Teilnehmer der CNN-Konferenz und die Millionen
Fernsehzuschauer aus aller Welt. Mein Dank gilt
dem Carter Center, in dem diese bahnbrechende
Diskussion über die Weltpolitik stattfindet.
Während der gesamten Geschichte der Vereinigten
Staaten, und insbesondere nach größeren Konflikten, mußte Amerika erneut prüfen, wie es seine
Sicherheit definiert, in was für einer Welt wir und
unsere Kinder leben wollen und welche Verantwortung wir für sie tragen. Nach dem Ende des Kalten
Krieges sind wir erneut an einem solchen Zeitpunkt
angekommen -einer Zeit großer Veränderungen und
Chancen. Das Gespenst der atomaren Vernichtung
verschwindet immer mehr. An die Stelle des sowjetischen Imperiums ist eine Vielzahl neuer Demokratien getreten. Aufgrund der Revolution im Kommunikationswesen, die am eindeutigsten von CNN
und unserer Tätigkeit am heutigen Abend symbolisiert wird, überwindet die Weltwirtschaft Entfernungen und eröffnet neue Möglichkeiten.

AMERIKA DIENST 18

Wir sind Augenzeugen der Geschichte. Wir beobachten die Geschehnisse. Ich erinnere mich, wie
ich als junger Mann abends die Nachrichten sah.
Dem Weltgeschehen wurde nur wenig Platz eingeräumt, und oftmals waren die Nachrichten schon
einen Tag alt. Heute werden wir schon ungehalten,
wenn die Nachrichten eine Stunde alt sind und keine
live-Berichte vorliegen.
Die Berliner Mauer ist gefallen. Ein von Hoffnungen
begleiteter Händedruck hat einen Friedensprozeß in
Gang gesetzt, der für einen dauerhaften Frieden im
krisengeschüttelten Nahen Osten erforderlich ist.
Diese Woche waren wir Zeugen ruhmreicher und
unvergeßlicher Szenen, als Millionen von Südafrikanern aller Rassen sich freudig und mutig in die
Schlangen vor den Wahllokalen einreihten, um eine
neue Demokratie für Angehörige aller Rassen ins
Leben zu rufen.
Wir alle sind uns jedoch bewußt, daß dieses Zeitalter
auch Gefahren beinhaltet. Rußland und die anderen

Seite 1

�Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion
durchlaufen eine schwierige Übergangszeit. Das
Ende der Konfrontation der beiden Supermächte
Sowjetunion und Vereinigte Staaten hat brodelnden
ethnischen Haß freigesetzt. Innerhalb der nationalen
Grenzen der Länder dieser Welt hat sich sehr viel
Aggression angestaut. Wir alle spüren die Gefahr
für die Menschheit, die mit diesen Kämpfen innerhalb und zwischen Ländern einhergeht.
Regime wie beispielsweise Irak, Iran und Nordkorea
bestehen auf der Entwicklung von Massenvernichtungswaffen. Wir sind Zeugen brutaler Menschenrechtsverletzungen von Haiti bis Ruanda sowie
schrecklicher humanitärer und Umweltprobleme von der weitreichenden AIDS-Epidemie und der
Versteppung in Afrika bis zur Rodung der Wälder in
Lateinamerika und Asien.
Angesichts so großer Versprechen und Unruheherde
haben wir die Chance, die Bedingungen für mehr
Frieden und Wohlstand zu schaffen, hoffentlich
dauerhaften Frieden und Wohlstand - vorausgesetzt,
die führenden Nationen der Welt setzen sich aktiv
dafür ein.
Nach dem Ende des Kalten Krieges wird hier in
Amerika und in anderen Ländern darauf gedrängt,
sich nach innen zu wenden und auf nationale
Erfordernisse zu konzentrieren. Bei uns bedeutet
das Schaffung von Arbeitsplätzen, Verbrechensbekämpfung und Gesundheitsfürsorge für alle
Bürger. Es ist richtig und geboten, sich diesen
Erfordernissen zu widmen.
Die Vereinigten Staaten können jedoch nicht der
Welt oder anderen Ländern den Rücken kehren. Ich
weiß, daß Engagement Geld und manchmal Menschenleben fordert. Ich bin mir wohl bewußt, daß
wir nicht jedes Problem lösen können, oder das
auch nur versuchen sollten. In einem Zeitalter des
Wandels, der Chancen und Gefahren muß Amerika
jedoch willens sein, die mit einer Führungsrolle
einhergehenden Verpflichtungen und Risiken zu
übernehmen. Und ich werde entschlossen dafür
sorgen, daß wir das tun.
Es ist von Bedeutung, daß wir in dem neuen Zeitalter eine klare Wegbeschreibung auf der Grundlage
unserer nationalen Interessen und eindeutig definierten Werte haben. Heute möchte ich vor der Beantwortung der Fragen kurz auf den von uns einzuschlagenden Weg eingehen.
Unsere oberste Priorität - und meine oberste Priorität
als Präsident - muß weiterhin eindeutig und klar der
Schutz unseres Landes, unseres Volkes und unserer
Lebensweise sein. Das ist das Kernstück unserer

Seite 2

nationalen Interessen. Wir müssen auch die Chancen ergreifen, die unsere Sicherheit und unseren
Wohlstand fördern, wenn nötig im Alleingang und
wenn möglich gemeinsam mit anderen vorgehen.
Wir haben ein Interesse daran, weiterhin als Symbol
für Stärke, Freiheit und Hoffnung zu dienen. Schließlich sind wir eine einzigartige Nation. Wir sind das
mächtigste Arsenal der Welt, ihre älteste Demokratie,
ihr gewagtestes Experiment der Verschmelzung
verschiedener Rassen, Religionen und Kulturen zu
einem Volk.
Seit meiner Amtsübernahme basierte meine Strategie
zur Förderung dieser Interessen auf drei Prioritäten:
Erstens der Entwicklung einer Politik, die den sichherheitspolitischen Herausforderungen dieses neuen
Zeitalters Rechnung trägt und dem Aufbau von zur
Umsetzung dieser Politik erforderlichen Streitkräften,
zweitens der Umwandlung unserer nationalen Wirtschaftsinteressen in einen integralen und essentiellen
Bestandteil unserer Außenpolitik und drittens der
Förderung von Demokratie im Ausland.
Ich möchte kurz auf jede dieser Prioritäten eingehen.
Erstens eine starke Politik und einsatzbereite Verteidigung für ein neues Sicherheitsumfeld. Glücklicherweise besteht nicht mehr die Aussicht auf einen
Einmarsch sowjetischer Truppen in Westeuropa. Die
Welt ist aber immer noch ein gefährlicher Ort, und
das Können, die Stärke und Einsatzbereitschaft
unserer Männer und Frauen in Uniform bleibt das
Bollwerk unserer Freiheit und der Freiheit vieler
anderer Länder.
Im vergangenen Jahr schlössen wir eine umfassende
Überprüfung unserer Streitkräfte ab, um den Bedrohungen dieses Zeitalters begegnen zu können.
Wir gelangen zu dem Schluß, daß wir Streitkräfte
benötigen, die gleichzeitig in zwei größeren regionalen Konflikten kämpfen und siegen können. Diese
Streitkräfte werden weniger Geld kosten als während
des Kalten Krieges, wir dürfen aber nicht zu viele
Kürzungen vornehmen. Ich habe gegen weitere
Kürzungen unserer Streitkräfte gekämpft, die unsere
Fähigkeit zur Verteidigung unserer Interessen beeinträchtigen könnten.
Wir unternehmen weitere Schritte, um den Gefahren
dieses neuen Zeitalters zu begegnen. Auf dem
NATO-Gipfel im vergangenen Januar haben wir
gemeinsam mit unseren NATO-Verbündeten das
Konzept der Partnerschaft für den Frieden angenommen, um die ehemals kommunistischen Staaten und
andere, derzeit nicht der NATO angehörende europäische Länder in eine engere sicherheitspolitische
Zusammenarbeit mit Westeuropa einzubinden. Wir
arbeiten an der Verbesserung der regionalen Si-

AMERIKA DIENST 18

�cherheit in Gebieten wie dem Nahen Osten und
hoffen, daß Israel und die PLO morgen das bedeutende Autonomieabkommen unterzeichnen werden,
das auf dem Versprechen eines Durchbruchs vom
vergangenen September aufbaut.
Wir bauen die nuklearen Bedrohungen der Welt
weiter ab und arbeiten auf die Einstellung von Nordkoreas gefährlichem Nuklearprogramm hin. Wir
haben Verhandlungen über ein umfassendes Atomtestverbot aufgenommen. Bei meiner Amtsübernahme waren vier ehemalige Sowjetrepubliken im
Besitz von Nuklearwaffen. Es ist uns gelungen, drei
von ihnen zur Übernahme bindender Verpflichtungen
über die Beseitigung ihres gesamten Atomwaffenarsenals zu überzeugen, und wir setzen diese
wichtige Arbeit fort. Und zum ersten Mal in der
Geschichte sind jetzt weder unsere Nuklearraketen
gegen Rußland, noch die Rußlands gegen uns
gerichtet.
Der zweite Teil unserer Strategie besteht darin,
wirtschaftlichen Fortschritt zum Kernstück unserer
Maßnahmen im Ausland zu machen. Zu viele Jahre
gab es hier in Amerika ein gefährliches Ungleichgewicht zwischen unserer internationalen Politik und
unserer Wirtschaftspolitik. Wir waren militärisch
stark, als wir wegen unserer gefährlich hohen
Defizite und niedrigen Produktivität wirtschaftlich
schwach wurden - Dinge, die zur Schwächung der
Nationen auf der ganzen Welt beigetragen haben
und einen Großteil des in weniger entwickelten
Ländern für Entwicklung und Wachstum erforderlichen Kapitals aufzehrten.
Wir befürworteten freien Handel, haben aber häufig
genau das Gegenteil praktiziert, wenn wir wegen
geringer Wirtschaftsleistung unter Druck gerieten.
Und selbst als wir auf freien Handel drängten,
ermangelte es uns hier in unserem eigenen Land oft
an den benötigten Maßnahmen um sicherzustellen,
daß der Durchschnittsamerikaner davon profitierte.
Mein Ziel bestand im Abbau unseres Defizits, der
Aufstockung unserer Investitionen, Verbesserung
unserer Wettbewerbsfähigkeit sowie der Bildung und
Ausbildung unserer Bürger, dem Drängen auf
Abkommen zur Öffnung der Weltmärkte ohne
Sonderbehandlung der Vereinigten Staaten aber mit
mehr offenen Märkten, damit wir alle zusammen
wachsen und konkurrieren können.
Im vergangenen Jahr konnten wir wichtige Fortschritte verzeichnen. Wir verabschiedeten das Nordamerikanische Freihandelsabkommen mit Kanada
und Mexiko und stellten mit den Welthandelsgesprächen des GATT das umfassendste Abkommen der
Geschichte zur Öffnung der Märkte sicher - Verein-

AMERIKA DIENST 18

barungen, die amerikanische Arbeitsplätze für uns
hier in den Vereinigten Staaten schaffen und gleichzeitig beträchtliches globales Wirtschaftswachstum
ankurbeln werden. Wir haben ein Gipfeltreffen der
Staats- und Regierungschefs aus der asiatischpazifischen Region - der am schnellsten wachsenden
Region der Erde - veranstaltet.
In diesem Jahr werden wir die Umsetzung der GATTRunde im Kongreß anstreben und das erste Gipfeltreffen unserer Nachbarn auf diesem Kontinent seit
einer Generation anberaumen. Wir arbeiten auf die
Förderung umweltverträglicher Formen von Wirtschaftsentwicklung sowohl hier als auch im Ausland
hin. Wir müssen uns vor Augen führen, daß viele der
in ganz Afrika und andernorts Gesellschaften auseinanderreißenden Bürgerkriege, die wir erlebten und
heute erleben, nicht nur durch historische Konflikte,
sondern auch durch die sträfliche und ungemein
erschreckende Verschlechterung der Volkswirtschaft
und Umwelt verursacht werden, in der diese Völker
leben.
Der dritte Schlüssel zu unserer Politik ist die Förderung von Demokratie. Die neuen Fortschritte der
Demokratie auf der ganzen Welt decken sich mit
unseren Werten und Interessen. Sie machen uns
hier in den Vereinigten Staaten sicherer. Wir wissen,
daß Demokratien weniger schnell Kriege führen,
Menschenrechte verletzen oder Verträge brechen.
Aus diesem Grund haben wir zum Schutz der Demokratien Europas in zwei Weltkriegen gekämpft, aus
diesem Grund haben wir ein halbes Jahrhundert lang
unerschütterlich den Kommunismus eingedämmt.
Die größte Chance für unsere Sicherheit besteht
heute darin, zur Erweiterung der demokratischen
Marktwirtschaften der Welt beizutragen und auf eine
Welt hinzuarbeiten, in der alle Großmächte nach
einem demokratischen Plan regieren. Wenn uns dies
gelingt, werden wir wertvollere Partner im Handel, in
der Diplomatie und bei der Sicherheit haben. Aus
diesem Grund habe ich der Förderung von demokratischen und marktwirtschaftlichen Reformen in Rußland, der Ukraine, dem Baltikum und anderen ehemals kommunistischen Staaten große Aufmerksamkeit gewidmet.
Die Früchte dieser Strategie konnten wir bereits vor
wenigen Wochen sehen, als Rußland und Lettland
ein historisches Abkommen über den Abzug des
russischen Militärs von lettischem Territorium bis
Ende August abschlössen.
Unser Ziel besteht in der Förderung des Erfolgs
neuer Demokratien wie denen in Lateinamerika und
jetzt in Südafrika sowie der Ausübung von Druck zur

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�Wiederherstellung der Demokratie in Ländern, in
denen sie abgeschafft wurde, wie auf Haiti.
Sicherheit, Wohlstand, Demokratie: Dies sind die
Pfeiler unserer Strategie in der neuen Welt. Diese
Bausteine beantworten nicht jede Frage, die sich
uns stellt. Dieses Zeitalter war von einer Epidemie
humanitärer Katastrophen gekennzeichnet, von
denen viele durch ethnische Konflikte aufgrund des
Zusammenbruchs von Regierungen verursacht
wurden. Einige, wie in Bosnien, betreffen eindeutig
unsere Interessen. Andere, wie in Ruanda, betreffen
unsere eigenen Sicherheitsinteressen weniger direkt,
verdienen jedoch dennoch unsere Sorge und Hilfe.
Amerika kann nicht jedes Problem lösen und darf
nicht der Weltpolizist werden. Aber wir haben eine
Verpflichtung, gemeinsam mit anderen alles in
unserer Macht Stehende zu tun, um das Leiden zu
mildern und den Frieden wiederherzustellen.
Die von uns eingesetzten Mittel werden und müssen
sich je nach den Umständen ändern. Wenn unsere
wichtigsten Interessen auf dem Spiel stehen, werden
wir nicht zögern, gegebenenfalls im Alleingang zu
handeln. Wo wir ein Interesse an Aktionen mit der
internationalen Staatengemeinschaft teilen, werden
wir vielleicht im Rahmen der Vereinten Nationen
tätig.
Diese Woche wird eine Reihe von Maßnahmen zur
Reform der UN-Friedenssicherungsoperationen
bekanntgegeben, um diese Operationen billiger und
effektiver zu machen. In anderen Fällen werden wir
partnerschaftlich mit anderen Nationen zusammenarbeiten. In Bosnien haben wir beispielsweise unser

*

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diplomatisches Engagement gemeinsam mit Rußland
und anderen Nationen erweitert. Wir haben die
Durchsetzungsmaßnahmen der NATO unterstützt und
uns verpflichtet, im Rahmen der Durchsetzungsmission der NATO amerikanische Streitkräfte zu
entsenden, wenn die Parteien ein umsetzbares
Friedensabkommen erzielen können.
Obwohl dieser Konflikt andauert, sollten wir nie
vergessen, daß es heute abend in Sarajevo, Tuzla
und Mostar Menschen gibt, die aufgrund der gemeinsam von der NATO und den Vereinten Nationen
unternommenen Aktionen am Leben sind. Die
Schutzzonen, die Flugverbotszone, die längste
Luftbrücke mit humanitären Hilfsgütern der Geschichte - diese und andere Bestrebungen tragen zur
Lösung eines äußerst schwierigen Problems bei.
Dies ist ein entscheidender Moment in den Angelegenheiten unserer Welt - ein Moment, in dem wir die
Grenzen der Freiheit erweitern, eine wohlhabendere
Weltwirtschaft schaffen und den Millionen Menschen
in von Kriegen erschütterten Ländern die Chance zu
einem normalen Leben bieten können; ein Moment,
in dem wir die Menschen in jedem unserer Länder
sicherer vor den todbringendsten Waffen der Welt
machen können.
Bei all dem ist meines Erachtens die Führungsrolle
der Vereinigten Staaten unerläßlich. Meine Verpflichtung besteht darin, diese Führungsrolle auszuüben, damit wir unseren Kindern eine Welt hinterlassen können, die sicherer, freier und lebenswerter
für ihre Zukunft ist.
Ich danke Ihnen.

* * * *

AMERIKA DIENST 18

�SU D A F R I K A
11. Mal 1994

AUFSTOCKUNG DER HILFE FÜR SÜDAFRIKA
Erklärungen von Clinton und Gore
WASHINGTON - (AD) - Präsident Clinton hat eine "beträchtliche Erweiterung" der amerikanischen
Bestrebungen zur Förderung von Hilfe und Investitionen für Südafrika bekanntgegeben - rund 600 Millionen
Dollar in den kommenden drei Jahren - und wird Vizepräsident Gore als Vertreter der Vereinigten Staaten zur
Amtseinführung des neuen südafrikanischen Präsidenten Nelson Mandela entsenden.
Bei einer Feier im Weißen Haus am 5. Mai 1994 erklärte Präsident Clinton, er werde an die Staats- und
Regierungschefs der anderen G-7-Länder schreiben "und sie bitten, uns bei der Erweiterung der Hilfe für
Südafrika behilflich zu sein".
Anläßlich dieser Zeremonie äußerte Vizepräsident Gore, Südafrika "sieht sich mit einer schwierigeren
Herausforderung als der Abschaffung der Apartheid konfrontiert - dem Aufbau einer nichtrassischen Demokratie
und einer Kultur der Toleranz".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärungen von Präsident Clinton und Vizepräsident Gore im Wortlaut.
Präsident Clinton: Meine Damen und Herren, ich
möchte Sie herzlich willkommen heißen. In der
vergangenen Woche beobachteten wir mit Erstaunen, wie die Brüder Südafrikas zu den Wahlurnen
gingen, wie die Wähler sich in kilometerlange
Schlangen einreihten, auf Krücken und in Rollstühlen
kamen, geduldig warteten und quer durch das
gesamte Land reisten, um ihr Wahlrecht auszuüben,
eine in Freiheit geborene neue Nation zu schaffen,
die durch die Erlösung ihres Leidens an die Macht
gelangte.

der Apartheid nicht erlöschen ließen, verhängte der
Kongreß Sanktionen, um das Apartheid-Regime
seiner Legitimität zu berauben. Die Studenten
demonstrierten in Solidarität. Die Aktionäre verpflichteten die Unternehmen zu einem höheren
ethischen Standard. Die amerikanischen Kirchen schwarze und weiße gleichermaßen - übernahmen
die Schutzrolle der moralischen Führung. Und im
gesamten Verlauf des Kampfes trugen die amerikanischen Bürgerrechtler hier dazu bei, den Weg zu
weisen.

Ich habe gerade mit dem gewählten Präsidenten
Mandela und Präsident de Klerk gesprochen. Ich
habe Mr. Mandela zu seinem Sieg gratuliert und
Präsident de Klerk versichert, daß er zweifelsohne
enormes Lob für seine Führungsrolle verdient. Ihr
Mut, ihre Staatskunst hat zusammen mit der maßgeblichen Rolle des Führers der Inkartha-Freiheitspartei Buthelezi und anderen diesen Übergang
leichter gemacht als viele für möglich hielten.

Die südafrikanische Sache war stets auch die amerikanische Sache. In der vergangenen Woche wurde
das Wunder zum Teil aufgrund der Hilfe Amerikas
Wirklichkeit. Und jetzt dürfen wir nicht den Rücken
kehren.

Südafrika ist heute frei aufgrund der Entscheidung,
die seine politisch Verantwortlichen und das Volk
getroffen haben. Ihre Aktionen dienen als Anregung.
Wir können auch auf die Rolle der Vereinigten
Staaten bei diesem großen Drama stolz sein. Weil
Sie, die heute hier Anwesenden, und viele andere
die Flamme der Freiheit während der dunklen Nacht

AMERIKA DIENST 18

Ich möchte mit der Feststellung beginnen, wir alle
wissen, daß Südafrika sich mit der Aufgabe des
Aufbaus einer toleranten Demokratie und einer
erfolgreichen Marktwirtschaft konfrontiert sieht und
daß den Bürgern Südafrikas die Möglichkeit zur
Ausschöpfung ihres wirtschaftlichen Potentials zu
geben entscheidend für den Erhalt der toleranten
Demokratie ist. Um unter Beweis zu stellen, daß
Versöhnung und Demokratie greifbare Vorteile
bringen können, müssen auch andere helfen. Ich bin
überzeugt, daß Südafrika zu einem Modell für den

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�gesamten Kontinent werden kann. Und die Vereinigten Staaten müssen ein neuer und gleichwertiger Partner dieser neuen Regierung werden, damit
sie ihr Versprechen möglichst schnell verwirklichen
kann.
Wir haben bereits einen Anfang gemacht. Im letzten
Jahr haben die Vereinigten Staaten Experten zur
Aushandlung einer neuen Verfassung nach Südafrika entsandt - oder um Südafrika dabei behilflich
zu sein. Wir haben zum Funktionieren der Wahlen
maßgeblich beigetragen. Wir haben die Sanktionen
aufgehoben. Wir haben zwei Handels- und Investitionsmissionen ins Leben gerufen, um die
Grundlage für größere wirtschaftliche Zusammenarbeit zu legen. Und eine hochrangige amerikanische Delegation von Wahlbeobachtern war während
der jüngsten Wahlen anwesend. Ich möchte besonders dem Delegationsleiter, Reverend Jesse Jackson, für seinen herausragenden Beitrag zum Erfolg
der südafrikanischen Wahlen meinen Dank aussprechen.
Heute gebe ich eine "beträchtliche Erweiterung"
unserer Bestrebungen zur Förderung von Handel,
Hilfe und Investitionen für Südafrika bekannt. In den
kommenden drei Jahren werden wir Mittel in Höhe
von ungefähr 600 Millionen Dollar für Südafrika
bereitstellen und verteilen. In diesem Haushaltsjahr
haben wir die Hilfsleistungen von 83 Millionen auf
143 Millionen Dollar aufgestockt. Zusammen mit
Bürgschaften und anderen Mitteln werden sich
unsere für das nächste Jahr mobilisierten Ressourcen auf über 200 Millionen Dollar belaufen.
Im Rahmen der Programme von 10 amerikanischen
Regierungsbehörden werden wir mit Südafrika
zusammenarbeiten, um den von diesem Land
ausgemachten Bedarf zu erfüllen - Bau von Häusern
und Kliniken, Bereitstellung besserer Bildung,
Förderung einer guten Regierungsform und wirtschaftlicher Entwicklung.
Ich werde an die Staats- und Regierungschefs der
anderen G-7-Länder schreiben und sie bitten, uns
bei der Erweiterung der Hilfe für Südafrika behilflich
zu sein. Und wir werden internationale Finanzinstitutionen wie die Weltbank auffordern, unserem
Beispiel zu folgen.
In der nächsten Woche werde ich ferner eine offizielle Delegation zu Präsident Mandelas Amtseinführung
nach Südafrika entsenden. Vizepräsident Gore wird
die Delegation zusammen mit seiner Gattin anführen. Sie werden begleitet von der First Lady,
Wirtschaftsminister Brown, Landwirtschaftsminister
Espy und vielen anderen, einschließlich einiger
heute hier Anwesenden.

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Wir unternehmen diese Schritte, weil für uns beim
Erfolg der Reise Südafrikas wichtige Interessen auf
dem Spiel stehen. Wir haben ein wirtschaftliches
Interesse an einem prosperierenden Südafrika, das
unsere Exporte aufnimmt und in der gesamten
Region größeren Wohlstand hervorbringt. Wir haben
ein Sicherheitsinteresse an einem stabilen, demokratischen Südafrika, das mit seinen Nachbarn bei der
Wiederherstellung und Sicherung des Friedens
zusammenarbeitet.
Wir haben ein eindeutiges
moralisches Interesse. Wir haben unseren eigenen
schwierigen Kampf zur Überwindung der Rassentrennung geführt und kämpfen noch immer mit der
Herausforderung, Stärke aus unserer Vielfalt zu
ziehen. Aus diesem Grund haben die beeindruckenden Bilder der südafrikanischen Wahlen ein so
großes Echo im Herzen aller Amerikaner gefunden.
Ob Südafrika oder Amerika - wir wissen, daß die
Arbeit der Demokratie niemals beendet ist. Toleranz
und Respekt zu entwickeln, Chancen für all unsere
Bürger zu schaffen - diese Arbeit ist nie ganz getan.
Wir wollen jedoch glücklich über die Tatsache sein,
daß Südafrika jetzt die Chance zum Beginn dieser
hehren und lebenswichtigen Aufgabe hat.
Vor 33 Jahren wurde Albert Luthuli als erster von vier
Südafrikanern mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Als er den Preis entgegennahm, beschrieb
er sein Volk "als lebenden Beweis für den unbeugsamen Geist der Menschheit. All die Jahre hat es
das Ziel eines erfüllteren Lebens und der Freiheit mit
unglaublicher Entschlossenheit und Stärke angestrebt".
Heute beginnen diese Entschlossenheit und das
Streben von Generationen Früchte zu tragen.
Gemeinsam müssen wir allen Südafrikanern helfen,
auf ihrer neu gefundenen Freiheit aufzubauen.
Und jetzt möchte ich den Vizepräsidenten bitten,
nach vorne zu kommen und kurz über die bevorstehende Reise der von ihm angeführten amerikanischen Delegation zu sprechen.
Vizepräsident Gore: Vielen Dank, Herr Präsident.
Ich möchte zunächst die Mitglieder der Delegation
willkommen heißen, die die First Lady, Tipper und
mich nach Südafrika begleiten werden. Wir sind
begeistert über diese Reise. Es ist ein großer
Moment der Geschichte.
Die letzten Säulen der Apartheid fallen und drei
Jahrhunderte der Ungerechtigkeit gehen zu Ende.
Viele haben diesen Augenblick herbeigeführt, und wir
sind - wie gesagt - begeistert über die Möglichkeit,
Zeuge dieser Umgestaltung zu werden.

AMERIKA DIENST 18

�Ich begrüße Landwirtschaftsminister Espy und den
Nationalen Sicherheitsberater, Tony Lake, der in den
vergangenen 16 Monaten und vor dieser Administration in anderen Funktionen unermüdlich gearbeitet
hat, um diesen Moment herbeizuführen. Botschafter
Talbott und sein Kollege George Moose vom USAußenministerium. Herr Botschafter, ich danke
Ihnen für den herausragenden Beitrag des Außenministeriums zu dieser Entwicklung.

übernommene Rolle, uns an die Schwelle eines
neuen Zeitalters in Südafrika zu bringen.

Ich möchte auch einige der anderen Anwesenden
erwähnen. Der Präsident hat bereits auf die Rolle
von Reverend Jesse Jackson als Leiter der Wahlbeobachtergruppe verwiesen. Einige von ihnen
wissen vielleicht nicht, daß er in Südafrika besondere Anerkennung und Dank für die Art und Weise
erhalten hat, in der er und die von ihm angeführte
Delegation zu diesem herausragenden Ereignis
beigetragen und eine maßgebliche und wichtige
Rolle dabei gespielt haben, diesen bedeutenden
Augenblick der Geschichte sicherzustellen und vor
Störungen zu bewahren.

Wie Präsident Clinton wiederholt klargestellt hat,
werden die Vereinigten Staaten von Amerika helfen.
Wir werden dort sein und das Unsere tun. Unsere
Arbeit ist Teil der umfassenderen Strategie von
Präsident Clinton zur Erweiterung der internationalen
Staatengemeinschaft freier marktwirtschaftlicher
Demokratien in Afrika und andernorts.

Die Direktorin des Peace Corps, Carol Bellamy, ist
anwesend; der Leiter des Amts für internationale
Entwicklung (Agency for International Development AID), Brian Atwood; Ruth Harkin, die Präsidentin der
Entwicklungsgesellschaft OPIC; Botschafter Harry
Schwarz, der in wenigen Minuten auf das Podium
kommen wird, und der ANC-Vertreter Kingsley
Makhubela, der ebenfalls in Kürze das Podium
betritt, sowie andere hochrangige Gäste wie die
Mitglieder der Präsidentendelegation, die aus herausragenden Personen besteht, die in sehr persönlicher Weise zu der wunderbaren Veränderung
beigetragen haben, die in Südafrika stattfindet.
Jeder der heute hier Anwesenden kann stolz auf die
von ihm bei der Abschaffung der Apartheid gespielte
Rolle sein. Sie haben den Weg bei einem großen
moralischen Kampf dieses Jahrhunderts gewiesen.
Sie werden heute Anrufe erhalten - wir konnten Sie
nicht früher anrufen - mit denen Sie zu einem
Treffen mit der Delegation vor ihrer Abreise nach
Südafrika in unsere Residenz am Samstag abend
eingeladen werden. Ich hoffe, Sie können alle
kommen und mit uns dieses Ereignis feiern.
Eine Reihe von Kongreßmitgliedern hat eine entscheidende Rolle dabei gespielt, das Bewußtsein in
den Vereinigten Staaten für die Schrecken der
Apartheid zu schärfen. Bedauerlicherweise können
diese Kongreßabgeordneten aufgrund einer wichtigen Abstimmung heute auf dem Capitol Hill nicht an
dieser Veranstaltung teilnehmen, sie verdienen
jedoch besondere Anerkennung für die von ihnen

AMERIKA DIENST 18

Jetzt beginnt die harte Arbeit der Förderung von
Demokratie und Stärkung der marktwirtschaftlichen
Reformen. Südafrika sieht sich mit einer schwierigeren Herausforderung als der Abschaffung der Apartheid konfrontiert - dem Aufbau einer nichtrassischen
Demokratie und einer Kultur der Toleranz.

Zusammen mit anderen Delegationsmitgliedern habe
ich die Chance, mit den Staatsoberhäuptern anderer
Nationen in Südafrika zu sprechen, die sich in
unterschiedlichen Stadien des Übergangs zu freien
Marktwirtschaften befinden. Ich werde auf dem
Rückweg von "den Amtseinführungsfeierlichkeiten
Namibia und Benin sowie Cap Verde besuchen.
Selbst während wir uns heute auf Hilfe für Südafrika
konzentrieren, sind wir uns der Bedeutung bewußt,
Entwicklung im gesamten südlichen Afrika und
darüber hinaus zu fördern. Südafrikas erfolgreiche
Umgestaltung wird diese Ziele unterstützen und allen
Hoffnung geben, die Freiheit lieben. Die von dem
gewählten Präsidenten Mandela und Präsident F.W.
de Klerk demonstrierte große Staatskunst sind ein
anschauliches Beispiel, um zur Wiederherstellung des
Friedens in Nationen wie Mosambik, Bosnien, Haiti,
Ruanda, Angola, Burundi und andernorts beizutragen.
Wie der gewählte Präsident Mandela nach den
viertägigen Wahlen erklärte, war das Volk Südafrikas
siegreich - es hat gewonnen. Er sprach auch zu all
denjenigen auf der Welt, die an den Kampf für
Gerechtigkeit, Demokratie und Selbstverwaltung
glauben. Und in eloquenten Worten äußerte er, dies
ist auch unser Sieg.
Ich möchte eine persönliche Anmerkung machen. Ich
dachte an den Sonntag morgen amerikanischer Zeit
vor nicht allzuvielen Jahren zurück, als Nelson
Mandela aus dem Gefängnis entlassen wurde. Nur
unser jüngstes Kind war damals wach, und ich sah
fern, gebannt von der sich in Südafrika abspielenden
Szene. Und als Vater kam mit in den Sinn, daß all
die Male, wenn Eltern schreckliche, ungerechte
Greueltaten und Tragödien in der Welt erklären
müssen und die vor Schreck verzerrten Gesichter der
Kinder sehen, während sie die Nachricht verdauen,
daß es schreckliche Dinge auf dieser Welt gibt, in der

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�sie aufwachsen - dies ebenso wie die Amtseinführung ein Moment ist, an dem Eltern auf der
ganzen Welt die Freude haben werden, ihren
Kindern die tiefere Bedeutung eines Ereignisses
erklären zu können, das über das Gewöhnliche
hinausgeht, den menschlichen Geist beflügelt und
uns allen die Hoffnung gibt, daß die dem menschlichen Geist innewohnenden großen Fähigkeiten in
Wegen ihren Ausdruck finden können, die unsere
Welt umgestalten, den Horizont erweitem und uns
die Chance für eine vielversprechendere Zukunft
bieten.
Was den praktischen Aspekt anbetrifft, so bildet das
von Präsident Clinton heute angekündigte Handelsund Investitionspaket in Höhe von 600 Millionen
Dollar den Höhepunkt der engen Zusammenarbeit
zwischen dem Kongreß und den 10 ausführenden
Behörden. Darüber hinaus setzt es die im Herbst
vergangenen Jahres von Wirtschaftsminister Brown
mit der von ihm äußerst erfolgreich geführten Handels- und Investitionsmission in Südafrika in die
Wege geleitete Arbeit fort und baut darauf auf.
Brian Atwood und das Amt für internationale Entwicklung verdienen ebenfalls besondere Anerkennung für die kreative Erweiterung ihres Investitionsprogramms. Zum ersten Mal wird AID mit der
südafrikanischen Regierung bei der Unterstützung
ihrer Entwicklungsprioritäten zusammenarbeiten.
In diesem Zusammenhang bin ich äußerst erfreut,
am 3. und 4. Juni bei der vom US-Informationsamt
veranstalteten Konferenz in Atlanta über die Förderung von wirtschaftlichen und akademischen Austauschprogrammen zwischen den Vereinigten
Staaten und Südafrika sprechen zu können.

Auch die OPIC-Präsidentin Ruth Harkin hat eine
wichtige Investitionsmission in Südafrika geleitet und
drei amerikanisch-südafrikanische Gemeinschaftsunternehmen angekündigt, mit denen Millionen Dollar
in die benachteiligten Gemeinden des Landes gepumpt werden könnten.
Zu den anderen Behörden, die eine führende Rolle
bei der Entwicklung unseres soliden Wirtschaftspakets für Südafrika gespielt haben, zählen das
Peace Corps - ich habe Carol Bellamy bereits willkommen geheißen - das Amt für Handel und Entwicklung, die Ex-Im Bank, der amerikanische Handelsbeauftragte sowie das Finanz- und Verteidigungsministerium.
Abschließend möchte ich nochmals unterstreichen,
daß wir in der vergangenen Woche Zeuge dieses
außergewöhnlichen historischen Ereignisses wurden,
wir sollten jedoch nicht vergessen - wie Harry Truman
einmal gesagt hat - daß die Menschen die Geschichte machen, und nicht umgekehrt.
Mutige Männer und Frauen in Afrika und Amerika von denen viele heute hier anwesend sind - haben
zur Abschaffung der Apartheid beigetragen. Die vor
uns liegenden Herausforderungen bedürfen kontinuierlicher harter Arbeit. Um Präsident Clintons
Worte zu wiederholen, wir haben versprochen, allen
Südafrikanern behilflich zu sein, auf ihrer neu gefundenen Freiheit aufzubauen.
Und jetzt ist es mir eine persönliche Ehre, Botschafter
Harry Schwarz aus Südafrika und den Stellvertretenden Repräsentanten des ANC bei den Vereinten
Nationen, Kingsley Makhubela, vorstellen zu dürfen.
Sie werden Präsident Clinton ein greifbares Symbol
der Wiedergeburt Südafrikas überreichen - ihre neue
Nationalflagge, die die multikulturelle Vielfalt wiedergibt, die heute in Südafrika gedeiht.

*

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*

AMERIKA DIENST 18

�NAHER

OSTEN
11. Mal 1994

CLINTON BEGRUSST UNTERZEICHNUNG DES
AUTONOMIEVERTRAGS
Erklärung des Präsidenten

WASHINGTON - (AD) - Präsident Clinton würdigte am 4. Mai 1994 die Unterzeichnung des Abkommens zur
Umsetzung der israelisch-palästinensischen Grundsatzerklärung in Kairo als "einen weiteren Meilenstein bei
den Fortschritten für einen dauerhaften Frieden im Nahen Osten".
Clinton erklärte, er habe die Hoffnung, daß 1994 "einen Durchbruch zu einem dauerhaften und umfassenden
Frieden für alle Völker des Nahen Ostens bringen wird".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärung Präsident Clintons im Wortlaut.

Die heute in Kairo erfolgte Unterzeichnung des
Abkommens über die Umsetzung der israelischpalästinensischen Grundsatzerklärung markiert einen
weiteren Meilenstein bei den Fortschritten für einen
dauerhaften Frieden im Nahen Osten. Ich habe
Ministerpräsident Rabin und den PLO-Vorsitzenden
Arafat angerufen und ihnen im Namen aller Amerikaner zu dieser Leistung gratuliert. Ich habe meiner
hohen Wertschätzung der von Ministerpräsident
Rabin gespielten mutigen Führungsrolle Ausdruck
verliehen und dem PLO-Vorsitzenden Arafat gegenüber auf die Bedeutung einer unverzüglichen Umsetzung des Abkommens hingewiesen. Gestern und
heute habe ich mit Präsident Mubarak telefoniert und
unsere Dankbarkeit und Anerkennung angesichts
der von ihm bei der Ermöglichung dieses historischen Schrittes gespielten Schlüsselrolle betont.

Jetzt muß die möglichst zügige und erfolgreiche
Umsetzung der Grundsatzerklärung der Schwerpunkt
sein. Der Prozeß zur Verbesserung der Situation im
Land muß in Gang gebracht werden. Das Versprechen einer neuen, hoffnungsvollen Zukunft für Israelis
und Palästinenser gleichermaßen muß jetzt realisiert
werden. Ich habe Ministerpräsident Rabin und dem
PLO-Vorsitzenden Arafat versichert, daß die Vereinigten Staaten hierzu alles in ihrer Macht Stehende
unternehmen werden.
Aufgrund der heute erzielten Fortschritte und unserer
laufenden Gespräche mit den Parteien in der Region
habe ich die Hoffnung, daß dieses Jahr einen Durchbruch zu einem dauerhaften und umfassenden
Frieden für alle Völker des Nahen Ostens bringen
wird.

* * * *

AMERIKA DIENST 18

*

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�FULBRIGHT
11. Mai 1994

LEO M. GOODMAN AWARD FÜR SENATOR FULBRIGHT
Rede von Botschafter Holbrooke
MÜNCHEN - (AD) - In diesem Jahr wurde der Goodman Award der American Chamber of Commerce in
Germany für besondere Verdienste um die Förderung der deutsch-amerikanischen Beziehungen am 29. April
1994 an Senator J. William Fulbright verliehen. Seine Ehefrau, Harriet Fulbright, nahm die Auszeichnung
stellvertretend entgegen. Präsident Clinton sandte ein Grußwort, und Walter Leisler Kiep würdigte Fulbright
in seiner Laudatio als großen Visionär, der Meilensteine im deutsch-amerikanischen Verhältnis gesetzt habe.
Aus Anlaß der Verleihung hielt der Botschafter der Vereinigten Staaten von Amerika in der Bundesrepublik
Deutschland nachfolgende Rede, die wir in wesentlichen Auszügen veröffentlichen.

Wie die meisten von Ihnen wissen, ist das FulbrightProgramm das bekannteste der Welt und ein herausragendes Symbol des internationalen Austauschs. In der 45jährigen Geschichte des Programms wurde 180.000 Menschen - darunter jeweils
24.000 Deutschen und Amerikanern - die Chance
geboten, daran teilzunehmen und klügere Weltbürger zu werden. Viele von ihnen sind Führungskräfte
in dem von ihnen gewählten Beruf, in ihren Gemeinden und ihren Nationen geworden. In Deutschland
besteht das Programm seit 1952. Es dient als
Modell für andere Austauschprogramme, auch für
das von uns im kommenden Jahr in der Amerikanischen Botschaft beabsichtigte. Senator Fulbright
selbst erklärte 1967: "Die größte Macht akademischer Austauschprogramme ist die Macht, Nationen
in Menschen umzuwandeln und Ideologien in
menschliches Streben umzusetzen."
Während wir heute im vierten Jahr der Vereinigung
Deutschlands versammelt sind, entnehmen wir
seinen Worten die tiefere Bedeutung, die er im Sinn
hatte, als er von der Umsetzung von Ideologien in
menschliches Streben sprach. Denn eben dies
geschieht zur Zeit. Wir befinden uns im postideologischen Zeitalter. Natürlich gibt es Fundamentalismus auf der Welt, nicht nur der islamischen,
sondern auch andernorts. Es gibt immer noch viele
Ideen auf der Welt, aber der eiserne Griff der
Ideologien, die einen Großteil des zwanzigsten
Jahrhunderts beherrschten und in mancher Weise
ruinierten - vor allem Faschismus und Kommunismus
- gehören der Vergangenheit an. Die Nationen der
Welt und ihre politisch Verantwortlichen müssen jetzt
das menschliche Streben ihrer Völker erfüllen, und
das heißt vornehmlich, deren wirtschaftliches Stre-

AMERIKA DIENST 18

ben, das Streben nach Glück für die größte Zahl der
Bürger zu verwirklichen.
Dies ist für die Regierungen der führenden Nationen
der Welt eine entscheidende und schwierige Aufgabe.
Und sie wird in einem unsicheren Rahmen durchgespielt. Seit Jahrzehnten dachten Deutsche und
Amerikaner, die Welt, wie wir sie während des Kalten
Krieges kannten, würde fortdauern, solange die
Vorstellung reicht. Die Menschen dachten, Deutschland bleibe auf ewig geteilt und mitten durch Europa
verliefe weiterhin eine Trennlinie. Als sie ausradiert
wurde, sahen wir uns alle mit unerwarteten und
unvorhergesehenen Konsequenzen konfrontiert. Wie
mein amerikanischer Lieblingsphilosoph, Yogi Berra,
feststellte: "Die Zukunft ist nicht mehr, was sie
einmal war."
Die unerwartete Welt schafft neue Herausforderungen. Wenn man sich beispielweise die Berichterstattung über die Vereinigung Deutschlands betrachtet, stellt man fest, daß sich praktisch nichts als
richtig erwiesen hat, was damals geschrieben wurde.
Die Wirtschaftslage in Ostdeutschland war sehr viel
schlimmer als erwartet. Was als Erwerb Ostdeutschlands durch den Westen abgehandelt wurde, erwies
sich - um eine Metapher aus dem Unternehmensbereich zu verwenden - eher als Fusion denn Erwerb.
Die beiden Kulturen haben sich schrittweise assimiliert, und das ist nicht immer leicht. Im Osten
Deutschlands hat der Zusammenbruch des sowjetischen Imperiums ein chaotisches Erbe hinterlassen,
dessen Entwirrung mindestens ein Jahrzehnt benötigt, und während dieses Jahrzehnts wird es viele
Probleme geben. Wir werden keine neuen Sarajevos
haben, denn hier geht es um eine Grausamkeit, die

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�in diesem Zeitalter kaum denkbar scheint. Aber wir
werden viele Probleme, viel Streß haben und andere
Schlachten kämpfen müssen. Vor diesem Hintergrund verändern sich die deutsch-amerikanischen
Beziehungen dramatisch, sind jedoch nicht weniger
wichtig.
Während des Kalten Krieges bestand die Rolle der
Vereinigten Staaten im Schutz Westdeutschlands
gegen den Osten. Die Trennlinie Europas verlief,
wie Sie alle wissen, mitten durch dieses Land. Und
als der Kalte Krieg endete, hatten viele Amerikaner
und Deutsche das Gefühl, das war's. Jetzt können
wir nach Hause gehen. Manche forderten sogar das
Ende der NATO, da sie ihre ursprünglichen Ziele
erfolgreich verwirklicht hatte. Dies erwies sich als
nicht richtig. Die Vereinigten Staaten und Deutschland befinden sich jetzt in dem Prozeß der Neudefinition ihrer gemeinsamen Interessen und es scheint,
daß sich unsere Interessen in der Tat stark decken.
Es gibt kein Land in Europa, mit dem uns so viele
gemeinsame strategische Ziele verbinden. Während
Deutschland die Europäische Union zur Erweiterung
ost- und nordwärts führt, während Deutschland
engere Verbindungen zu Frankreich knüpft, unterhält
es weiterhin die engsten Bande zu den Vereinigten
Staaten. Und ich möchte betonen, daß sich diese
beiden Ziele Deutschlands decken. Manche denken,
Deutschland müsse sich zwischen den Vereinigten
Staaten und Frankreich entscheiden. Ich möchte
unterstreichen, bekräftigen und offen sagen, daß
dies nicht die Meinung der US-Regierung, nicht der
Clinton-Administration, nicht die Meinung des Präsidenten, des Vizepräsidenten oder des Außenministers ist.
Unseres Erachtens liegen starke deutsch-französische Beziehungen auch im Interesse der Vereinigten
Staaten. Die gute alte Zeit, in der die Vereinigten
Staaten häufig mit der Bitte nach Bonn kamen, eine
Botschaft nach Paris zu übermitteln, ist für immer
vorüber. Je näher Frankreich und Deutschland sich
stehen, desto besser für die Stabilität in Europa und
deshalb für die Vereinigten Staaten. Wir werden
jedoch auch die stärksten und direktesten bilateralen
Beziehungen zu Deutschland unterhalten. In der
Europäischen Union und der NATO sind es Deutschland und die Vereinigten Staaten, deren Ansichten
sich im Hinblick auf die Situation in Osteuropa und
der ehemaligen Sowjetunion am stärksten decken.
Aus diesem Grund sahen wir uns zur Schaffung
eines einzigartigen Konsuttationsprozesses mit den
Deutschen im Hinblick auf die Ereignisse in der
ehemaligen Sowjetunion veranlaßt. Hierfür gibt es
drei Gründe. Den ersten habe ich gerade erwähnt die gemeinsamen strategischen Ziele unserer beiden

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Länder. Zweitens sind Deutschland und die Vereinigten Staaten direkt und indirekt die beiden größten Geberländer von Hilfe für die ehemalige Sowjetunion, und wahrscheinlich haben wir die größten
Geschäftsinteressen. Der dritte Punkt, den ich
anführen möchte, ist nicht unwichtig, und das sind die
ungewöhnlich engen persönlichen Beziehungen
zwischen Präsident Clinton und Bundeskanzler Kohl.
Sie mögen einander und verstehen sich gut. Das
war in den vergangenen Jahren nicht immer der Fall.
Die persönlichen Beziehungen von Staatsmännern
sind ein wesentlicher Faktor in der Außenpolitik, und
in diesem Fall sind sie entscheidend. Ich möchte das
jüngste und dramatischste Beispiel hierfür nennen:
Richard Nixons letzter öffentlicher Auftritt vor seinem
Tod war die Reise nach Bonn vor vier Wochen, um
auf dem Rückweg von Moskau Gespräche mit
Bundeskanzler Kohl zu führen.
Neben der neuen Partnerschaft, die das vereinigte
Deutschland und die Vereinigten Staaten schmieden,
müssen wir unsere bilateralen Beziehungen stärken,
und natürlich möchte ich heute darüber sprechen.
Ohne starke bilaterale Beziehungen kann es keine
guten internationalen Beziehungen geben, und das
heißt, persönliche Kontakte. In den vergangenen 45
Jahren wurden diese Beziehungen durch die Präsenz
der amerikanischen Truppen untermauert und vertieft.
Diese Truppen ziehen jetzt nicht ab. Ende nächsten
Jahres werden noch immer 65.000 amerikanische
Soldaten hier stationiert sein.
Wir haben nach Wegen gesucht, um die Beziehungen außerhalb des militärischen Bereichs zu stärken.
Dies ist von entscheidender Bedeutung, und wir
haben zwei Bereiche ausgemacht, auf die wir unser
Augenmerk konzentrieren: Kultur und Wirtschaft.
Diese Bereiche, für die in der US-Regierung aus
bürokratischen Gründen zwei verschiedene Behörden
zuständig sind - das US-Informationsamt und das
Wirtschaftsministerium - waren historisch stets eng
verbunden. Dies geht zurück auf die Medicis bis zum
Museum Ludwig in Köln. Stets haben große Kulturmagnaten großartige Kulturereignisse veranstaltet.
In diesen beiden Bereichen wollen wir mit der American Chamber of Commerce und mit der Kulturszene
zusammenarbeiten. In zweieinhalb Wochen werden
wir in Bonn eine einzigartige Ausstellung organisieren, bei der wir die Werke amerikanischer Künstler
nicht nur in der Botschafterresidenz, sondern auch im
Gebäude der Amerikanischen Botschaft zeigen
werden. Unseres Wissens ist dies noch nie zuvor
geschehen. Botschaften sind für gewöhnlich nicht
der Ort für Kunstwerke, und das amerikanische
Außenministerium stellt für ein solches Programm
keine Mittel zur Verfügung. Dank der großzügigen
Unterstützung einer Kunstgalerie mit Sitz in New York

AMERIKA DIENST 18

�und hier in München - der ACA-Galerie - können wir
zwei Ausstellungen gleichzeitig veranstalten.
Wir tun dies jedoch nicht nur um der Kunst willen,
sondern als Mittel zur Vertiefung der Bande zwischen unseren beiden Ländern. Deutschland und
die Vereinigten Staaten stehen sich auf dem Gebiet
der Kunst äußerst nahe. Geht man zu einem
Kunsthändler in den Vereinigten Staaten, wird er
Ihnen erzählen, daß Deutschland der beste Markt für
amerikanische Kunst ist. Und einige der berühmtesten amerikanischen Kunstwerke werden jetzt in
Deutschland gezeigt. Kunst ist also ebenso wie das
Fulbright-Programm ein wichtiges Bindeglied zwischen unseren beiden Ländern.
Im Bereich der Wirtschaft sind wir zu einer verbesserten Unterstützung unserer Aktivitäten durch die
amerikanische Regierung entschlossen. Wir haben
in den Amerika Häusern München, Frankfurt, Berlin,
Hannover und Köln Business Information Centers
gegründet und werden solche Zentren in Kürze in
Hamburg, Stuttgart und Leipzig eröffnen. In diesen
Zentren haben wir unser gesamtes Referenzmaterial
über Wirtschaftsaktivitäten zusammengestellt. In
den Amerika Häusern sind Mitarbeiter der Handelsabteilung bei Anfragen behilflich. Wir haben diese
Arbeit erst in den vergangenen drei Monaten begonnen, erhalten jedoch in jedem der Häuser bereits 50
bis 75 Anrufe pro Woche. Wir sind hier, um Ihnen
zu helfen.
Jedem Mitarbeiter der Amerikanischen Botschaft
wurde gesagt, daß die Förderung der Wirtschaft Teil
seines Verantwortungsgebietes ist. Unsere Konsularbeamten werden zu Wirtschaftsfachleuten
ausgebildet, um Probleme ausmachen zu können
und bei ihrer Lösung behilflich zu sein, von den
unvermeidlichen Visaproblemen bis zur Beratung
über die richtigen Kontakte. Wir sind hier, um Ihnen
zu helfen, weil es im nationalen amerikanischen und
gleichermaßen im deutsch-amerikanischen Interesse
liegt. Wirtschaftschancen sind von entscheidender
Bedeutung.
Im Juni werden wir das 1987 geschlossene amerikanische Generalkonsulat in Düsseldorf wiedereröffnen, das dann ein Wirtschafts- und Handelszentrum
sein wird. Dort werden keine Visaanträge bearbeitet, wir werden nur die amerikanischen und deutschen Wirtschaftsinteressen im Raum Düsseldorf
fördern. In Düsseldorf gibt es einen sehr hohen
Anteil von Japanern - an die 30.000. Ungefähr 600

AMERIKA DIENST 18

japanische Unternehmen haben ihren Sitz in Düsseldorf - damit ist dort die japanische Wirtschaftspräsenz
auf dem europäischen Kontinent in höchstem Maße
konzentriert. Wir haben nichts gegen die Japaner,
aber wir wollen den Amerikanern behilflich sein,
direkter gegen sie zu konkurrieren.
Ich bin nicht hierher gekommen, um eine lange Rede
zu halten, aber ich wollte diese Themen ansprechen
und abschließend nochmals die Verbindung zwischen
Beziehungen auf persönlicher Ebene, kulturellen und
wirtschaftlichen sowie bilateralen Beziehungen und
den nationalen amerikanischen Sicherheitsinteressen
unterstreichen. Es gibt keine Wahl. In den Vereinigten Staaten herrscht zur Zeit großes Mißverständnis hierüber. Es gibt keine Entscheidung
zwischen Außen- und Innenpolitik oder zwischen
Wirtschafts- und strategischer Politik. Die beiden
können nicht getrennt werden.
Häufig wird - auch im Kongreß - das Argument
vorgebracht, wir müßten uns auf unsere innenpolitischen Probleme konzentrieren und im gleichen
Atemzug wird gesagt, die amerikanische Wirtschaft
werde global und interdependent. Die so argumentieren, sollten sich den Widerspruch ihrer Aussage
vor Augen führen. Wenn die Wirtschaft der Vereinigten Staaten jetzt global und interdependent ist und Sie alle in diesem Raum wissen, daß dies zutrifft
- wie kann man dann gleichzeitig neoisolationistisch
werden? Das ist offenkundig falsch und meines
Erachtens eine falsche Entscheidung. Wir müssen
einen neuen Konsens für die internationale Position
der Vereinigten Staaten erarbeiten, der sich nicht auf
die nicht länger relevanten Fakten des Karten Krieges
gründet, sondern auf die Realitäten der Welt und ihre
heutige Funktionsweise.
Ich bin heute also aus zwei Gründen hier: Um
Senator Fulbright zu ehren, einen der großen Visionäre der internationalen Politik der Vereinigten
Staaten, einen Mann, der seit langem argumentierte,
die amerikanische Außenpolitik müsse über den
Karten Krieg hinausblicken, weil dieser nicht der
einzige maßgebliche Faktor zur Definition der Außenpolitik sei; und wegen der American Chamber of
Commerce, die gleichermaßen die Interessen ihrer
Mitglieder wie die nationalen amerikanischen Interessen vertritt. Dies beides - scheint mir - symbolisiert, was die Vereinigten Staaten hier in Deutschland
zu tun versuchen.
Ich danke Ihnen.

Seite 3

�Nachfolgend verö
die von Harriet

... Ich habe lange darüber nachgedacht, welche
Botschaft ich Ihnen heute übermitteln und was ich
als Entschädigung dafür sagen könnte, daß der
heute von Ihnen mit dem Leo Good*an Award
Ausgezeichnete nicht hier sein kann. Schließlich
kam mir in den Sinn, daß Sie vielleicht gerne einige
seiner von ihm selbst in Worte gefaßte Gedanken
und Geschichten aus seinem Leben hören würden,
die Ihnen eine Vorstellung davon geben, wer J.
William Fulbright wirklich ist und aufgrund welcher
Charakterzüge er so Außergewöhnliches leistete.
Bill Fulbright war immer ein praktischer, tatkräftiger
und bescheidener Mensch, der die Dinge anpackt,
ohne sich über Anerkennung oder Förmlichkeiten
Sorgen zu machen. Prunk, Pomp und Pose entsprachen nie seiner Natur... Praktisch und bescheiden bedeutet jedoch nicht durchschnittlich. Das
Wort durchschnittlich trifft auf ihn überhaupt nicht zu.
Er ist ein Mensch auf der Suche nach ungewöhnlichen Ideen, der immer nach der Überwindung des
Alltäglichen, der routinemäßigen Praktiken, der
derzeitigen Gewohnheiten und Traditionen gestrebt
hat. Diesen Charakterzug verfeinerte er immer
weiter, zuerst als Juraprofessor und danach als
Rektor der University of Arkansas. Trotz ihres
Gefahrenpotentials behielt er diese Gewohnheit auch
als Senator bei. Ein Mitglied des Ausschusses für
auswärtige Beziehungen erinnert sich, wie erstaunt
er war, als der Ausschußvorsitzende ihn während
seiner ersten Arbeitswoche anrief und fragte:
"Haben Sie irgendwelche neuen Ideen?" Der arme
Mann war vollkommen sprachlos, bis er schließlich
begriff, daß sein Vorsitzender neue Ideen wollte neue, unerhörte, unerprobte, undenkbare Ideen. In
einer am 27. März 1964 im Senat gehaltenen Rede
formulierte William Fulbright es folgendermaßen:
Wir müssen es wagen, "Undenkbares" zu denken. Wir müssen lernen, alle vor uns liegenden
Optionen und Möglichkeiten in einer komplexen,
in schnellem Wandel begriffenen Welt zu sondieren. Wir müssen lernen, die Stimmen Andersdenkender zu begrüßen und nicht zu fürchten.
Wir müssen wagen, über "Undenkbares" nachzudenken, denn wenn die Dinge undenkbar werden, hört das Denken auf und die Taten werden
gedankenlos.
Dieser konstante Strom "undenkbarer" Gedanken,
die er Kollegen entlockte und selbst hervorbrachte,
wurde keinesfalls hastig oder ohne sorgfältige Über-

Seite 4

wir unwesentlich gekürzt
gehaltene Dankesrede.

legung in die Öffentlichkeit getragen. Fulbright hatte
immer eine ausgeprägte Vorstellung von der Pflicht
gewählter Volksvertreter und der Bedeutung einer
führenden Position in einer Demokratie. Er war der
Meinung, daß das Volk gehört werden sollte, der
gewählte Politiker jedoch das aus seiner führenden
Position resultierende Urteilsvermögen, Wissen und
den Erfahrungsschatz nutzen sollte, um Politik zu
machen oder zu beeinflussen, die ihm - ungeachtet
der öffentlichen Meinung - als die beste erschien.
Nachdem er alle Seiten gehört hat, sollte er durch
Überzeugungskraft die Wähler informieren und bilden,
anstatt zu schweigen oder Meinungsunterschiede zu
verschleiern - nach Ansicht Fulbrights ein völlig
verantwortungsloses Handeln. Sein Hang zu unabhängigem Denken rief oftmals Kontroversen
hervor, insbesondere als er sich öffentlich gegen
Präsident Johnsons Vietnam-Politik aussprach. Dies
war wohl seine schwerste Zeit im öffentlichen Leben,
und es wurde gesagt, damals hätten sogar seine
Augen ihren Glanz verloren. Aber selbst in dieser
düsteren und feindlichen Umgebung fühlte er sich
verpflichtet, das seiner Meinung nach Richtige
ungeachtet der Konsequenzen in Worte zu fassen.
Viel später schrieb er:
Unsere gewählten Volksvertreter und die von
ihnen eingesetzten "Kommunikations"-Experten
untersuchen und analysieren heute die Einstellung
der Öffentlichkeit mit Hilfe neuer Umfragetechniken. Ihre Absichten haben jedoch wenig mit einer
Führungsrolle und noch weniger mit Bildung in
irgendeinem Bereich unseres nationalen Lebens
zu tun. Ihre Absichten scheinen sich darauf zu
beschränken herauszufinden, was die Menschen
wollen, fühlen und nicht mögen, um sich dann
diese Gefühle zu eigen zu machen. Sie wollen
entdecken, auf welche Fragen sie sich unbesorgt
konzentrieren können und welche besser umgangen werden. Das ist das Gegenteil von Führungsqualität - es ist Mitläufertum, das zum eigenen
Nutzen zur Wissenschaft erhoben wurde, (aus:
The Price of Empire)
Fulbright hatte das Gefühl, daß eine Führungsrolle
wiederum die Fähigkeit voraussetzt, Mittel und Wege
zu finden, um den Menschen die Augen zu öffnen
und ihren Horizont zu erweitern - die Fähigkeit, im
gesamten Volk kritisches Denken und Verantwortungsgefühl zu fördern, damit es mit dem wunderbaren, universellen, goldenen Verbindungsglied aller
Gesellschaften auf der Erde - der Freiheit - umgehen

AMERIKA DIENST 18

�und prosperieren kann. Fulbright beschrieb die
Freiheit mit folgenden Worten:
Wenn jemals ein universeller Sieg der demokratischen Werte in greifbare Nähe rückt, wird das
meines Erachtens nicht durch außenpolitische
Maßnahmen geschehen, und sicher nicht durch
Militärpolitik, sondern durch die magnetische
Anziehungskraft der Freiheit selbst. Die Aussicht
auf Freiheit hängt letztlich davon ab, welcher
Gebrauch in freien Gesellschaften von ihr gemacht wird, (aus: Prospects for the West)
Ferner erklärte Senator Fulbright immer wieder, daß
die in einer Demokratie lebenden Bürger Bildung
benötigten, damit alle Einwohner eines freien Landes
in Wohlstand leben können. Bildung war immer der
Kern seiner Worte und Taten. Er schrieb seine
Reden selbst mit der Hand und strich jeden unklaren
Satz. Er überarbeitete sie, bis jeder einzelne Satz
zu seiner Zufriedenheit nicht nur vollkommen verständlich, sondern auch bar jeder Übertreibung war.
Seine Reden sollten Dinge klarstellen und Menschen
überzeugen, mit anderen Worten bilden - die Zuhörer auf der ganzen Welt und seine Wähler. Sein
berühmtestes Gesetzeswerk hat über nationale
Grenzen hinweg mehr als 200.000 Stipendiaten aus
jedem Teil der Erde Zugang zu Bildung verschafft.
Es basierte auf der während seinerzeit als RhodesStipendiat gemachten Erfahrung und wurde - wie die
meisten von Ihnen wissen - direkt nach dem Ende
des Zweiten Weltkriegs aus einem Gefühl der
Dringlichkeit heraus konzipiert - aus dem Wissen,
daß die Erfindung der Atombombe im Falle eines
weiteren Weltkrieges das Ende der Menschheit
bedeuten würde. Dieses internationale akademische
Austauschprogramm, das nach ihm benannt wurde,
hat während seines nahezu fünfzigjährigen Bestehens weniger Geld gekostet als zwei Tage unseres
derzeitigen Verteidigungsprogramms. Trotz der
relativ geringen finanziellen Auslagen ist es als eine
der stärksten Kräfte für den Frieden auf unserem
Planeten anerkannt. Fulbright formulierte es folgendermaßen:
Bildung ist eine langsame, aber mächtige Kraft.
Sie mag nicht schnell oder stark genug sein, um
uns vor der Katastrophe zu retten, aber sie ist die
stärkste verfügbare Kraft.
Der Erfolg des Fulbright-Programms ist deutlich.
Wenn Nachahmung die ernsthafteste Form von
Schmeichelei ist, könnte sich Fulbright angesichts
des raschen Anstiegs internationaler Austauschprogramme enorm geschmeichelt fühlen, die wie
Pilze aus dem Boden schießen. Aufmerksamkeit

verlangt auch die Notwendigkeit eines öffentlichen
Bildungssystems in unseren beiden Ländern, das
lebenslanges Lernen und Gemeinschaftssinn fördert.
Es wird zunehmend deutlich, daß wir in unmittelbarer
Zukunft mit einer großen Herausforderung konfrontiert
werden. Fulbright hat oft geäußert, daß Demokratie
nur inmitten aufmerksamer, verantwortungsbewußter
und gebildeter Bürger gedeihen kann, womit er nicht
meint, Schüler und Studenten mit Informationen und
Statistiken zu überfüttern, die sie in Multiple-choiceTests wieder ausspucken. Vielmehr fordert er eine
Schulung unserer gesamten Fähigkeiten, so daß
lebenslanges Lernen zur universellen Gewohnheit
wird, eine Verfeinerung unseres kritischen Denkvermögens, um berufliche Probleme und Regierungspolitik analysieren und auswerten zu können und
somit zu besseren Wählern zu werden. Und er meint
damit die Ermutigung kreativen Denkens zur Lösung
großer Probleme wie Umweltverschmutzung und
Weltwirtschaftspolitik sowie die Förderung einer
aktiven Beteiligung an gemeinschaftlichen Angelegenheiten, damit sie für Erwachsene bereits zur Gewohnheit geworden ist. Er meint interdisziplinäre Bildung
für alle Kinder - arme und reiche, in der Stadt und auf
dem Land. Er meint die Art von Bildung, die auf der
ganzen Welt verbreitet werden muß, wenn wir über
das Ziel eines bloßen Überlebens der menschlichen
Rasse hinausgehen wollen.
All diese Ausführungen über Führungsqualitäten,
Freiheit und Bildung mögen Ihnen einfach, selbstverständlich und alltäglich erscheinen, sie wurden jedoch
früher einmal als rassistisch und sogar gefährlich
angesehen. Vor dreißig Jahren wurde Senator
Fulbright mit Worten betituliert, die ich nicht zu Papier
zu bringen wage und noch viel weniger vor einem so
hochkarätigen Publikum aussprechen möchte.
Emotional geladene Briefe voller Lob und Haß
wurden ihm zu Häuf in sein Büro geschickt - manche
waren für ihn sehr quälend. Ein Brief berührte ihn so
sehr, daß er sich in sein Büro einschloß, keine Anrufe
durchstellen ließ und handschriftlich eine Antwort
verfaßte.
Diesen Mann zeichnen Sie heute aus: Einen bescheidenen, stets suchenden und überlegten Menschen, der sich über die Natur von Freiheit und
Führung Gedanken macht, sich leidenschaftlich für
eine Ausweitung der Bildungsmöglichkeiten auf der
ganzen Welt einsetzt und Kritik nicht fürchtet. Ich
hoffe, daß es mir gelungen ist, Sie daran zu erinnern,
was er verkörpert und warum Sie ihm so große Ehre
zuteil werden lassen. Hoffentlich sind Sie heute über
Ihre Entscheidung noch stolzer und bereit, seine
Arbeit fortzusetzen.

* *

AMERIKA DIENST 18

*

Seite 5

�FUSSBALL
11. Mal 1994

FUSSBALLWELTMEISTERSCHAFT IN DEN
VEREINIGTEN STAATEN
von Timothy Carlson
Das größte Ereignis bei "König Fußball" - die fünfzehnte, alle vier Jahre veranstaltete Fußballweltmeisterschaft
- findet endlich in den Vereinigten Staaten statt. Im Sommer 1994 wird in neun amerikanischen Städten die
aus 52 Spielen bestehende Fußballweltmeisterschaft ausgetragen, bei der die 24 weltweit besten
Fußballmannschaften gegeneinander antreten und die im Endspiel im Rose-Bowl-Stadion gipfelt.
Nachfolgend beschreiben wir die Vorbereitungen vor Ort, Fernsehbelichterstattung, Kartenverkauf, Sicherheit
sowie einige der wichtigsten Spieler. Die Organisatoren hoffen, daß der mit der Fußballweltmeisterschaft
einhergehende Trubel zu einem Aufschwung für den Profi-Fußball in den Vereinigten Staaten führen wird.
Timothy Carlson ist freiberuflicher Schriftsteller aus Culver City (Kalifornien).

Es hat 64 Jahre gedauert, aber nun hat endlich das
Hauptereignis des weltweit beliebtesten Sports die
von einem internationalen Fußballvertreter sogenannte "letzte Grenze" überschritten: Im Sommer
1994 wird die Fußballweltmeisterschaft zum ersten
Mal in den Vereinigten Staaten ausgetragen.
Dieses fünfzehnte in einer Reihe von alle vier Jahre
stattfindenden Turnieren beginnt mit einer verschwenderischen Eröffnungsfeier in Chicago, derein
Spiel mit dem amtierenden Fußballweltmeister
Deutschland folgt. Wenn am 17. Juli vor 100.000
anfeuernden Fans, die sich ihre Eintrittskarte 475
Dollar kosten lassen, im Rose-Bowl-Stadion von
Pasadena (Kalifornien) das Endspiel stattfindet
(begleitet von einer Supershow im Broadway-Stil
während der Halbzeit und einer extravaganten,
futuristischen Abschlußfeier, die die jüngsten Feierlichkeiten aus Anlaß der Olympischen Spiele noch
übertreffen soll), werden einige für den Fußball in
der Welt und in Amerika entscheidenden Fragen
beantwortet sein.
Die erste Frage lautet: Kann der mit einer Fußballweltmeisterschaft einhergehende Trubel - freudige
brasilianische Fans, die sich im Tanzschritt durch die
Straßen wiegen, enthusiastische Deutsche, die sich
Gesicht und Körper in ihren Nationalfarben bemalen
und farbenfrohe fähnchenschwenkende Fans aus
Kamerun - ein Land in Begeisterung versetzen, das

AMERIKA DIENST 18

mit seinen heimischen Veranstaltungen wie Baseball
und American Football bereits mehr als saturiert ist?
Die Fußballweltmeisterschaft - die internationale, nicht
die amerikanische Variante des Fußballs - zieht
gewöhnlich zwei Milliarden Zuschauer vor die Fernsehschirme. Die meisten Zuschauer in den Vereinigten Staaten gab es beim Endspiel der Fußballweltmeisterschaft 1986, der fast sieben Millionen
Haushalte zusahen.
"Der internationale Fußballverband, die FIFA (Föderation Internationale de Football Association) sieht die
Vereinigten Staaten als eines der letzten Länder an,
das Möglichkeiten für Wachstum großen Umfangs
bietet", äußert Jim Trecker, Vizepräsident und Pressereferent von World Cup USA. Joseph Blatter,
Generalsekretär der FIFA, die ihren Sitz in der
Schweiz hat, erklärt: "Als wir die Entscheidung
trafen, den Vereinigten Staaten die Ausrichtung der
Spiele zu gestatten, hatten wir zwei Ziele. Wir
wollten das Spiel in diesem riesigen Land bekannt
machen, und wir wollten es in den Vereinigten
Staaten auf die Profi-Ebene bringen. Es ist ein
offener Markt." Obwohl die Fußballvertreter der
Vereinigten Staaten die Forderung der FIFA akzeptierten, bis zum Herbst 1994 eine aus Berufsspielern
bestehende Fußballmannschaft aufzustellen, konzentrieren sie sich hauptsächlich auf die Vorbereitung
einer erfolgreichen Fußballweltmeisterschaft und
hoffen, daß der Rest von selbst kommt.

Seite 1

�Als die FIFA bei der Vergabe der Weltmeisterschaft
den Vereinigten Staaten vor Ländern wie Brasilien
und Marokko den Vorzug gab, war sie sicher, daß
dieses Land über die für eine erfolgreiche Organisation der Spiele erforderlichen Einrichtungen verfügt.
Aber obwohl der internationale Fußballverband vom
Wachstumspotential des Fußballs in den Vereinigten
Staaten fasziniert war, fürchtete er auch, einem Land
die Ausrichtung der Weltmeisterschaft zu übertragen,
das nie eine überwältigende Begeisterung für diesen
Sport unter Beweis gestellt hatte. Trecker erinnert
sich, daß die amerikanischen Fußballvertreter hart
daran arbeiten mußten, die FIFA zu überzeugen,
den Vereinigten Staaten ihre Kronjuwelen zu überlassen.
"In den Vereinigten Staaten geht die Geschichte des
Fußballs auf die Einwanderer zurück, die seit dem
19. Jahrhundert diesen Sport ausgeübt haben", so
Trecker. "Aber erst der von 1968 bis 1984 bestehende spektakuläre nordamerikanische Fußballbund
(North American Soccer League - NASL) - mit Stars
wie Pele aus Brasilien oder Franz Beckenbauer aus
Deutschland, Giorgio Chinaglia aus Italien und
Johan Cruyff aus den Niederlanden - erweckte das
Interesse der Massen." Leider strapazierte die
Expansion des Bundes über Gebühr die zur Verfügung stehende Basis und schrumpfte gerade in
dem Moment, als seine Popularität in der Bevölkerung stieg. In den 25 Jahren seit der Gründung des
NASL wuchs die aktive Beteiligung am Fußball in
den Vereinigten Staaten auf 16 Millionen - was die
Zahl der American Football-Spieler übersteigt.
Ironischerweise handelt es sich hier um eine der
wenigen Sportarten in den Vereinigten Staaten, bei
der die Zahl der aktiven Teilnehmer die der Fernsehzuschauer bei ihrem Hauptereignis übersteigt.
Ein Anzeichen dafür, daß die Vereinigten Staaten für
die Fußballmeisterschaft bereit waren, war die
erfolgreiche Veranstaltung des Olympischen Fußballwettbewerbs 1984 in Los Angeles mit 103.000 Fans,
die dem olympischen Endspiel im Rose-Bowl-Stadion beiwohnten. Der für die olympischen Fußballspiele Verantwortliche, der Rechtsanwalt und Sportexperte Alan Rothenberg aus Los Angeles, erhielt
internationales Lob, das den Vereinigten Staaten bei
ihren Bemühungen um die Austragung der Fußballweltmeisterschaft 1994 zugute kam.
1986 bewarb sich der amerikanische Fußballbund
(U.S. Soccer Federation) um den World Cup, der
plötzlich in Reichweite rückte, als der vorgesehene
Gastgeber Kolumbien seine Kandidatur zurückzog
und die FIFA die Ausschreibung erneut öffnete. Für
die FIFA war es Trecker zufolge jedoch ziemlich klar,
"daß sie lieber ein Land wollte, das bereits einmal

Seite 2

eine Weltmeisterschaft organisiert hatte, und so
entschied sie sich für Mexiko".
Die Vereinigten Staaten bewarben sich nicht um die
Fußballweltmeisterschaft 1990, organisierten sich
jedoch neu und legten sich für 1994 kräftig ins Zeug.
"Das Schlüsselereignis, das FIFA-Präsident Joao
Havelange endgültig davon überzeugte, daß wir zur
Veranstaltung der Spiele fähig sind, war ein Besuch
bei Präsident Ronald Reagan im Frühjahr 1987 im
Weißen Haus", teilte Trecker mit. Die Zusicherung
Reagans, die US-Regierung stehe hinter der Bewerbung, und die Annahme einer Resolution durch beide
Häuser des Kongresses zu ihrer Unterstützung
sandte die eindeutige Botschaft, daß die Vereinigten
Staaten bereitstanden.
Am 4. Juli 1988 wurden die Vereinigten Staaten
aufgefordert, die Planung für 1994 zu beginnen und
Gelder für die Ausgaben in Höhe von 300 bis 400
Millionen Dollar zu sammeln. Ein Jahr vor Beginn
der Weltmeisterschaft sah die Lage bereits gut aus:
Durch Untemehmensspenden wurden bereits 276
Millionen Dollar aufgebracht. Der finanzielle Erfolg
scheint gesichert angesichts der 10 "Hauptsponsoren"
- Coca-Cola, Snickers, Gillette, Phillips, JVC, MasterCard, Canon, Fuji, General Motors und McDonald's
- die jeweils 15 bis 20 Millionen Dollar bereitstellen,
die an die FIFA gehen. Eine zweite Kategorie sind
die sogenannten "Marketing-Partner", von denen
American Airlines, adidas, Sheraton Hotels, Sprint,
Upper Deck und vier weitere jeweils 7 Millionen
Dollar für den World Cup USA bereitgestellt haben.
Die Austragungsorte sind bereit. Für die Spiele
zwischen 24 Teams hat World Cup USA '94 eine
möglichst geringe Anzahl von Veranstaltungsorten
(neun) mit der größten durchschnittlichen Zahl von
Sitzplätzen (73.809) ausgewählt. Dazu gehören der
erste völlig überdachte Veranstaltungsort der Weltmeisterschaft, der Silverdome in Pontiac (Michigan),
in dem an der Michigan State University entwickeltes,
2 Millionen Dollar teures Rispengras dem 2:1 Sieg
Deutschlands über England im Juni 1993 vor 62.126
Fans im Endspiel um den US-Cup gut standhielt.
Der aus sechs Spielen bestehende US-Cup vom
Sommer 1993 zog 286.761 Fans an, durchschnittlich
47.793 pro Match. Für die aus 52 Spielen bestehende Weltmeisterschaft werden 3,6 Millionen Eintrittskarten ausgegeben, von denen allein 2 Millionen in
den Vereinigten Staaten verkauft werden. Eine
Million werden der preisgünstigeren Kategorie 3
angehören, bei der 25 Dollar der unterste Preis sind.
Der Vorsitzende von World Cup USA, Rothenberg,
erklärte: Millionen junger Amerikaner aus der Mittelschicht spielen Fußball, und unsere Preisstruktur gibt
ihnen die Möglichkeit, der Veranstaltung zu einem

AMERIKA DIENST 18

�vernünftigen Preis live beizuwohnen."
650.000
Eintrittskarten für Spiele noch nicht spezifizierter
Mannschaften wurden bereits an Zuschauer in den
Vereinigten Staaten verkauft, die eine Verbindung
zum Fußball haben.
Auch der öffentliche Kartenverkauf läuft gut. Die
meisten Eintrittskarten sind bereits verkauft, nur für
die Spiele in Dallas, Pontiac und Palo Alto (Kalifornien) ist der Vorrat noch nicht ganz erschöpft. Die
für Europa und andere Länder vorgesehenen Zuweisungen werden sicherlich ausverkauft, und Interessenten sollten sich an die beauftragten Reisebüros
wenden.
Neben Rose Bowl und dem Silverdome werden
Spiele im Stanford Stadium in Palo Alto, im Soldier
Field in Chicago, im Cotton-Bowl-Stadion in Dallas,
dem Citrus-Bowl-Stadion in Orlando (Florida), im
Robert F. Kennedy Stadium in Washington, dem
Giants Stadium in East Rutherford (New Yersey)
sowie im Foxboro-Stadion in Massachusetts stattfinden.
Die erste Runde des World Cup besteht aus 36
zwischen dem 17. und dem 30. Juni stattfindenden
Spielen, wobei pro Tag mindestens zwei und maximal vier Spiele veranstaltet werden. Nach einem
Tag Pause am 1. Juli beginnt eine Runde mit 16
Spielen an allen Austragungsorten, mit Ausnahme
von Michigan, wo bis zum 5. Juli zwei Spiele täglich
stattfinden. Das Viertelfinale wird am 9. Juli in
Boston und Dallas und am 10. Juli in Palo Alto und
East Rutherford abgehalten. Am 13. Juli findet ein
Halbfinalspiel im Giants Stadium, das andere in
Pasadena statt. Pasadena veranstaltet dann auch
das Spiel um den dritten Platz vom 16. Juli sowie
das Endspiel am 17. Juli.
"Der Zeitplan bietet eine spannende Zusammenstellung von Spielen und soll dazu dienen, die ganze
Nation für die Fußballweltmeisterschaft zu begeistern", so Rothenberg. Dazu trägt auch die landesweite Fernsehübertragung bei, die in Amerika für
kommerzielle Sportereignisse einzigartig ist. Die
Hauptsponsoren der FIFA - Snickers, MasterCard
und Coca-Cola - finanzieren einen Plan, nach dem
die beiden beteiligten amerikanischen Fernsehgesellschaften (ABC, das 11 Spiele überträgt, einschließlich zwei Spielen amerikanischer Teams aus der
ersten Runde und das Finale sowie ESPN mit 41
Spielen) auf Werbung während der Spiele verzichten. Die beiden 45minütigen Halbzeiten aller Spiele
werden ohne Unterbrechung gesendet.
"Nie zuvor konnte die gesamte Fußballweltmeisterschaft in den Vereinigten Staaten in englischer
Sprache gesendet werden", erklärte Rothenberg.

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ABC nd ESPN, die 11 Millionen Dollar für die amerikanischen Femsehrechte bezahlen, werden ihre
Ansager in die vorwiegend neutrale Berichterstattung
der Europäischen Rundfunk- und Femsehunion
integrieren, deren Berichte über die 52 Spiele in alle
Welt gesendet werden.
Wenn sich die Fußballfans in Pasadena und dem
Umkreis von Los Angeles versammeln, werden sie
dem Organisator David Simmons zufolge von einer
Stadt und einer Region begrüßt, die bereit für den
Geist des World Cup sind. "Pasadena ist eine der
schönsten Gemeinden im Süden Kaliforniens", stellt
Simmons fest. "Es ist außergewöhnlich, daß eine
kleine Gemeinde über ein großes Stadion in landschaftlich schöner Umgebung am Fuße der San
Gabriel Mountains verfügt, in einem Tal, das von
märchenhaften Villen umgeben ist - einem Spiegelbild
hochkarätiger Architektur und des spanischen Erbes
von Kalifornien. Wir planen ein Aktivitäten-Festival im
Umkreis des Stadions - einschließlich eines Fußballfelds im Kleinformat, auf dem die Besucher ihre
Talente testen können. Pasadena, wo fünf Endspiele
um die amerikanische Football-Weltmeisterschaft, die
Fußballspiele der Olympiade von 1994, 80 Rose
Bowls (eines der wichtigsten Spiele im CollegeFootball) und die weltweit bekannte Rosenparade am
Neujahrstag stattfanden, ist auf die ungefähr 1,5
Millionen erwarteten Besucher aus aller Welt vorbereitet."
Pasadena bietet wie die anderen Veranstaltungsorte
der Weltmeisterschaft eine Vielzahl von Unterhaltungsmöglichkeiten, die eine Pause von der völligen
Versunkenheit in den Sport ermöglichen. Es verfügt
über zwei Kunstmuseen und das Pacific Asia Museum mit seinem authentischen chinesischen Garten.
Die 250 Restaurants der Stadt bieten jede Art von
Küche an. Nachts offeriert die Stadt Jazz- und
Tanzclubs, Sportbars und gemütliche Pubs in der
Nachbarschaft, um die Fans aus dem Ausland zu
unterhalten.
Diejenigen, die sich etwas weiter hinaus wagen,
können Disneyland, die Universal Studios, Malibu
Beach und berühmte Comedy Clubs in Hollywood
besuchen, sich die Femsehshows ansehen, die in
den großen Studios aufgezeichnet werden, oder zu
den einzigartigen Wüstenformationen beim Joshua
Tree National Monument fahren. Sie können Zeuge
der eindrucksvollen Mischung verschiedener Kulturen
aus der ganzen Welt werden, wegen der viele
Sozialforscher Los Angeles als eine Stadt des 21.
Jahrhunderts bezeichnen.
Sicherheitsvorkehrungen stellen in diesem Zeitalter
des Terrorismus und der weltweiten sporadischen
Krawalle bei Fußballspielen eine enorme Verantwor-

Seite 3

�tung dar. Auf den ersten Blick erscheint das unmöglich in einer demokratischen Gesellschaft, die
bei öffentlichen Veranstaltungen kein massives
Polizeiaufgebot und keine Anwesenheit des Militärs
duldet. Die Vertreter der FIFA erheben Einspruch
gegen die Zäune, Gräben und den Stacheldraht, die
bei anderen Fußballspielen verwendet wurden.
"Wenn die Menschen in Käfige gesperrt werden,
werden sie zu Tieren", erklärte der FIFA-Generalsekretär Blatter.
Trecker zufolge wird es bei der Fußballweltmeisterschaft keine Hooligans geben. "Diese Ausbrüche
waren das Ergebnis von Loyalität gegenüber örtlichen Fußballvereinen in auf die Ereignisse nicht
vorbereiteten Stadien. Diese Art von Aufruhr gab es
nicht bei Fußballweltmeisterschaften und Olympiaden, teilweise weil die Reisekosten unerschwinglich
sind und zum Teil wegen verbesserter Sicherheitsvorkehrungen. Dieses Jahr hat die Zusammenarbeit
zwischen internationalen Sicherheitsbehörden dazu
geführt, daß wegen Gewaltanwendung bei Fußballspielen Verurteilte an den Grenzen der Vereinigten
Staaten abgewiesen wurden. Wir wollen diese
Menschen fernhalten."

Trotz Warnungen vor möglichen terroristischen
Aktionen bei großen internationalen Zusammenkünften haben sich die Sicherheitskräfte bei der
jüngsten Olympiade der Herausforderung gestellt
und bereiten jetzt den World Cup vor. Trecker fügte
hinzu: "Neben den neuen Pressetribünen auf dem
Dach des Rose Bowl-Stadions wird eine Sicherheitszentrale eingerichtet."
Wenn hinter den Kulissen für die Sicherheit gesorgt
wird, kann die Veranstaltung nach außen hin einen
guten Eindruck machen. Weltberühmte Designer
entwerfen farbenprächtige Motive, um die Straßen
der nahegelegenen Stadteile und die Stadien für die
Spiele zu dekorieren und bauen in jeder der neun
Städte Themenparks.
Das mit diesem gewaltigen Ereignis einhergehende
Spektakel wäre jedoch nichts ohne den Wettbewerb.
Trotz der schauererregenden Spannung verschiedener Spiele, die 1990 durch Strafstoß entschieden
wurden, nachdem in der regulären Spielzeit keine
Entscheidung herbeigeführt werden konnte, machen
sich die Fußballvertreter Sorge, daß vorsichtige,
defensive Spiele mit wenigen Toren das Interesse
der Fans in den Vereinigten Staaten eher zunichte
machen als anheizen könnten - einem Land, das an
die vielen Tore und "Mätzchen" von Superstar
Michael Jordan und das offensive Feuerwerk seiner
eigenen Fußball-Champions - die aus dem Super-

Seite 4

Bowl siegreich hervorgegangen Dallas Cowboys gewöhnt ist.
"Am meisten spricht gegen den Fußball, daß es ein
vorwiegend defensiver Sport ist", so der stellvertretende amerikanische Nationaltrainer Timo Liekoski.
"Das Schöne am Fußball sind nicht unbedingt die
erzielten Tore, sondern vielmehr die Kämpfe um den
Ball, der Aufbau des Spiels, das Abfangen des Balls
durch einen guten Torwart und die Fehlschüsse.
Meines Erachtens ist das in den Vereinigten Staaten,
mit seinen Traditionen in anderen Sportarten, schwierig zu akzeptieren."
Das Spiel scheint sich Sportanalytikern zufolge
jedoch zu ändern. "1990 waren die FIFA und jeder
andere betroffen über die farblose Spielweise", so
Trecker. "Wenn es dieses Jahr 52 langweilige Spiele
gibt, trägt das natürlich nicht unbedingt dazu bei, hier
und andernorts die Begeisterung für den Fußball zu
wecken. Es deutet jedoch alles darauf hin, daß die
Teams für die Fußballweltmeisterschaft sich weiterentwickeln."
Beim jüngsten Spiel um den US-Cup, wo die Vereinigten Staaten, Deutschland, England und Brasilien
an sechs Spielen teilnahmen, wurden 22 Tore
geschossen. "Im Vergleich zu den Turnieren der
Vergangenheit war das ein an Toren sehr ertragreiches Spiel", äußerte Trecker. "Auch in der gerade
beendeten europäischen Saison wurden viele Tore
geschossen. Ebenso wie in den Profi-Sportarten in
Amerika scheint sich auch der defensive Fußball in
einer Umbruchphase zu befinden."
Am besten wird diese gelungene "Öffnung" des
Spiels von der argentinischen Mannschaft, einem der
diesjährigen Favoriten, veranschaulicht. "Argentinien
hat jetzt ein lebhaftes Angreiferteam, das sich stark
von der Mannschaft unterscheidet, die 1990 in Italien
nach Deutschland den zweiten Platz einnahm", so
Trecker. "Das ist vor allem das Verdienst von Alfio
Basile."
Die südamerikanischen Champions haben ihr Team
sehr vorteilhaft umorganisiert - um Diego Maradona
zu ersetzen, der sich aus dem Fußball zurückgezogen hat, einen einzigartigen, hervorragenden Spielmacher - und verfügen jetzt über drei Stars: Gabriel
Batistuta, einen großartigen Torschützen, der in der
italienischen Fußballmeisterschaft für das ausgezeichnete Team des AC-Florenz spielt, Mittelfeldstar
Fernando Redondo und Torwart Sergio Goyochea.
Seit dem Finale von 1990 hat die argentinische
Mannschaft kein Länderspiel mehr verloren.
Die deutsche Mannschaft scheint nie einen so
feurigen Superstar zu haben wie Maradona, ist

AMERIKA DIENST 18

�jedoch mit den Worten Liekoskis "eine wunderbare
Maschine". "Die Deutschen stürmen gerne, wenn es
möglich ist, und haben viele Spieler im Mittelfeld.
Dadurch erschweren sie es dem gegnerischen
Team, anzugreifen und den Ball so schnell wiemöglich auf ihr Tor zuzuspielen. Ihr jüngstes Spiel
um den US-Cup endete 3:3 gegen die Brasilianer.
Die Deutschen benötigten im Durchschnitt einen Paß
für jedes ihrer Tore, während die Brasilianer, die
absichtlich technischer und bewußter spielten, acht
Spieler für 11 Pässe einsetzten."
Auch Deutschland hat seine Stars: Die Mannschaft
wird von Lothar Matthäus angeführt, der vor kurzem
sein 100. Spiel in der Nationalmannschaft absolvierte, oder den Stürmer Jürgen Klinsmann, der mit
seinen vier Toren zum "wertvollsten Spieler" des
jüngsten Turniers um den US-Cup ernannt wurde.
Deutschland gewann das Turnier mit seinem Unentschieden gegen Brasilien und einem harterkämpften
4:3-Sieg über die Vereinigten Staaten und einem
knappen 2:1 gegen England, das über das flügge
gewordene amerikanische Team schockiert war.
"Die deutsche Mannschaft weiß genau, wie sie mit
der Belastung einer Fußballweltmeisterschaft fertig
wird - sie wird in die Endrunde kommen", erklärt
Liekoski.
Das läßt im Turnier noch Platz für eine weitere
unbekannte Größe - wie beispielsweise Kameruns
brilliante Mannschaft mit ihrem alternden Superstar
Roger Milla von der Weltmeisterschaft 1990. "Kamerun ist bei den Qualifikationsspielen führend,
seine Spieler sind technisch geschickt und können
spektakulär spielen", so Liekoski. "Wie die meisten
afrikanischen Mannschaften können sie jedoch
besser eine dramatische Show abziehen als eine
Strategie verfolgen."

t

Direkt nach der Überraschung gegen England vom
Juni 1993 - einer in den vergangenen 40 Jahren
internationaler Fußballbegegnungen des US-Teams
einzigartigen Meisterleistung - wurde man auf das
amerikanische Team aufmerksam. Nachdem die
Mannschaft in der ersten Runde der Fußballweltmei-

sterschaft von 1990 alle drei Spiele verloren hatte,
engagierte der amerikanische Fußballbund den
jugoslawischen Trainer Bora Milutinovic, der Mexiko
in das Viertelfinale der Weltmeisterschaft von 1986
und Costa Rica 1990 in die zweite Runde geführt
hatte, für 200.000 Dollar jährlich - mehr als jeder
amerikanische Fußballer erhält.
Milutinovic rechtfertigte diese Investition der Vereinigten Staaten sofort beim Sieg des amerikanischen
Teams über Uruguay im Jahr 1991. Höhepunkt 1992
war der 1:0-Sieg gegen Portugal beim Spiel um den
US-Cup, ein 3:1 gegen Irland, der 1:1 Gleichstand mit
Italien, obwohl die Vereinigten Staaten in den ersten
beiden Spielminuten im Rückstand waren. Torwart
Tony Meola verhinderte achtmal ein Tor, und schließlich schoß John Harkes den Ball am italienischen
Torhüter Luica Marchegiani vorbei ins Netz - das
erste Tor der Vereinigten Staaten gegen Italien seit
1934.
Die Aufnahme des südafrikanischen Stürmers Roy
Wegerle (der mit einer Amerikanerin verheiratet ist)
und des europäischen Fußballstars, Thomas Dooley,
(der in Deutschland geborene Sohn eines amerikanischen Soldaten) hat die Mannschaft gestärkt und
schlagkräftiger gemacht. "Obwohl wir wahrscheinlich
nicht den Cup gewinnen werden, haben wir bewiesen, daß wir jederzeit mit den besten der Welt
spielen können", so Liekoski. "Wir könnten sehr wohl
die Kameruner der Fußballweltmeisterschaft 1994
werden."
Dooley teilte einem Journalisten mit Hilfe eines
Dolmetschers mit: "Wir werden unser rot-weiß-blaues
Trikot anziehen und die Welt in Erstaunen versetzen."
In der Zwischenzeit bemüht sich World Cup USA, den
Fußball in den Vereinigten Staaten populärer zu
machen. Die Nation lädt die Welt ein, die amerikanische Tradition der Gastfreundschaft und effektvollen
Darbietung zu genießen, insbesondere da die Vereinigten Staaten sich jetzt der weltweiten Begeisterung für den Fußball anschließen.

* *

AMERIKA DIENST 18

*

Seite 5

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Außenpolitik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Außenpolitik muss auch Risikobereitschaft enthalten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Fernsehinterview des Präsidenten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Südafrika&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Aufstockung der Hilfe für Südafrika&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärungen von Clinton und Gore&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Naher Osten&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Clinton begrüßt Unterzeichnung des Autonomievertrags&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung des Präsidenten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Fulbright&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Leo M. Goodman Award für Senator Fulbright&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Botschafter Holbrooke&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Fußball&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Fußballweltmeisterschaft in den Vereinigten Staaten</text>
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dienet

Herausgeben U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462 C

19

18. Mai 1994

FRIEDENSOPERATIONEN

POLITIK DER CLINTON-ADMINISTRATION ZUR
REFORM VON FRIEDENSOPERATIONEN
Bericht der US-Regierung

RASSENDISKRIMINIERUNG

SENAT SOLL KONVENTION ÜBER RASSENDISKRIMINIERUNG UNTERSTÜTZEN
Ansprache von John Shattuck

VERBRECHENSBEKÄMPFUNG

NACHRICHTENDIENSTE
UND
VERFOLGUNG
Rede von CIA-Direktor Woolsey

TERRORISMUS

TERRORISMUS WEITERHIN
GLOBALES
PROBLEM
Jahresbericht des Außenministeriums

PORTRÄT

DESIGNIERTER OBERSTER RICHTER IST
PRAGMATISCHER
ARCHITEKT
DES
KONSENSES
Porträt von Stephen Breyer

UMWELT

UMWELTVERTRÄGLICHE ENTWICKLUNG
EINE ILLUSION
von Thomas J. DiLorenzo

FUSSBALL

DIE AUSTRAGUNGSORTE DES
WORLD CUP 1994
Neun amerikanische Städte im Porträt (I)

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

STRAF-

Tel.:0228-339 23 72
Fax:0228-33 4102

�FRIEDENSOPERATIONEN
18. Mal 1994

POLITIK DER CLINTON-ADMINISTRATION ZUR
REFORM VON FRIEDENSOPERATIONEN
Bericht der US-Regierung
WASHINGTON - (AD) - Am 5. Mai 1994 gab die US-Regierung den Bericht Die Politik der ClintonAdministration zur Reform von multilateralen Friedensoperationen (The Clinton-Administration's Policy
on Reforming Multilateral Peace Operations) heraus. Nachfolgend veröffentlichen wir Auszüge über die neuen
Richtlinien zur Unterstützung von Friedensoperationen der Vereinten Nationen und anderer Organisationen
durch die Vereinigten Staaten und deren Beteiligung daran.
Notwendigkeit der Reformen
Obwohl UN-Friedensoperationen den Interessen der
Vereinigten Staaten dienen, bedürfen sie weiterhin
der Verbesserung und Reform. Zur Zeit wird jede
Operation getrennt eingeleitet und verwaltet, wodurch knappe Ressourcen verloren gehen. Weitere
organisatorische Veränderungen im UN-Hauptquartier würden entsprechend Effizienz und Effektivität
verbessern. Ein völlig unabhängiges Büro eines
Generalinspekteurs sollte unverzüglich eingerichtet
werden. Der Beitragssatz der Vereinigten Staaten
sollte auf 25 Prozent gesenkt werden.
Da die Unterstützung von UN-Friedensoperationen
gelegentlich in unserem Interesse liegt, ist es für uns
auch von Interesse, die Fähigkeiten der Vereinten
Nationen zur Friedenssicherung zu stärken, die
Operationen billiger zu machen und die Verwaltung
der Friedenssicherung offenzulegen.
Rolle der amerikanischen Außenpolitik
Die UN- und anderen multilateralen Friedensoperationen sind manchmal der beste Weg zur Verhinderung, Eindämmung oder Lösung von Konflikten, die
ansonsten kostenintensiver und todbringender
wären. In solchen Fällen ziehen die Vereinigten
Staaten einen Nutzen daraus, nur einen Teil der
Last tragen zu müssen. Wir profitieren auch davon,
um die Stimme der internationalen Staatengemeinschaft zugunsten der von uns unterstützten Sache
bitten zu können. So ist die Schaffung einer Fähigkeit zur Durchführung multilateraler Friedensoperationen Teil unserer nationalen Sicherheitsstrategie
und unserer nationalen Militärstrategie.

AMERIKA DIENST 19

Obwohl der Präsident den Oberbefehl über die
amerikanischen Streitkräfte nie abgibt, kann die
Beteiligung amerikanischen Militärs an UN-Operationen unter bestimmten Umständen amerikanischen
Interessen dienen. Erstens kann die amerikanische
militärische Beteiligung gelegentlich notwendig sein,
um andere von der Teilnahme an Operationen zu
überzeugen, die amerikanischen Interessen dienen.
Zweitens könnte die amerikanische Beteiligung ein
Weg zur Ausübung des Einflusses der Vereinigten

Staaten für eine wichtige UN-Mission sein, ohne
unilateral die Last zu tragen. Drittens könnten die
Vereinigten Staaten gebeten werden, einzigartige
Fähigkeiten für wichtige Operationen zur Verfügung
zu stellen, die andere Länder nicht bieten können,
und sich zu deren Bereitstellung entscheiden.
Mit der Verbesserung unserer Fähigkeiten für Friedensoperationen werden andere Instrumente zur
Erlangung von Zielen der Vereinigten Staaten nicht
außer acht gelassen oder geschwächt. Die Vereinigten Staaten werden die Fähigkeit beibehalten, im
Alleingang oder im Rahmen von Koalitionen zu
handeln, wenn unsere wichtigsten Interessen oder die
unserer Freunde und Verbündeten auf dem Spiel
stehen.
Die Vereinigten Staaten unterstützen weder ein
stehendes Heer der Vereinten Nationen noch werden
wir spezifische amerikanische Militäreinheiten zur
Beteiligung an UN-Operationen zuweisen.
Es ist nicht die Politik der Vereinigten Staaten, die
Zahl von UN-Friedensoperationen oder die amerikanische Teilnahme an solchen Operationen zu erweitern.

Seite 1

�Unterstützung der richtigen Friedensoperationen
Entscheidung für Friedensoperationen
Die Vereinigten Staaten werden gut definierte Friedensoperationen im allgemeinen als Instrument zur
Schaffung fest umgrenzter Möglichkeiten unterstützen, damit die Kombattanten ihre Differenzen beilegen und gescheiterte Gesellschaften mit ihrem
Wiederaufbau beginnen können. Friedensoperationen sollten keine Verpflichtungen mit offenem Ende,
sondern vielmehr an konkrete politische Lösungen
gebunden sein, ansonsten sollten sie nicht unternommen werden. Jede UN-Friedensoperation sollte
in möglichst hohem Maße einen an unmittelbare
oder endgültige Ziele gebundenen festgelegten
Zeitrahmen, eine mit anderen humanitären Hilfsbestrebungen gut koordinierte integrierte politischmilitärische Strategie, spezifische Truppenstärken
und eine fest umrissene Budgetkalkulation haben.
Die Vereinigten Staaten werden das UN-Sekretariat
und die Mitglieder des Sicherheitsrats weiterhin zur
Verpflichtung zurigorosen,regelmäßigen Auswertungen aller vorgeschlagenen neuen Friedensoperationen auffordern.
Die Administration wird die nachfolgend genannten
Faktoren bei der Entscheidung in Erwägung ziehen,
ob sie für eine vorgeschlagene neue UN-Friedensoperation stimmen (Kapitel VI oder Kapitel VII) oder
eine regional geförderte Friedensoperation unterstützen:

Bei traditionellen Friedensoperationen (Kapitel VI)
sollte ein Waffenstillstand verhängt worden sein
und vor der Entsendung der Streitmacht die
Zustimmung der Parteien eingeholt werden.
Zur Friedensschaffung (Kapitel VII) wird die
Bedrohung des internationalen Friedens und der
Sicherheit als wesentlich angesehen.
Die Mittel zur Erfüllung der Mission stehen zur
Verfügung, einschließlich der Streitkräfte, Finanzierung und eines für die Mission geeigneten
Mandats.
Die politischen, wirtschaftlichen und humanitären
Konsequenzen der Untätigkeit seitens der internationalen Staatengemeinschaft wurden abgewogen und werden als inakzeptabel erachtet.
Die vorraussichtliche Dauer der Operation ist an
klare Ziele und realistische Kriterien für die Beendigung der Operation gebunden.
Diese Faktoren sind eine Hilfe bei der Entscheidungsfindung, sie sind nicht per se ein Patentrezept.
Entscheidungen wurden und werden vom Gesamtgewicht der Faktoren abhängen und ein Einzelfaktor
ist nicht zwangsläufig die absolute Determinante.

a.

Internationale Aggression oder

Bei der Berücksichtigung der oben genannten Faktoren werden die Vereinigten Staaten darüber hinaus
weiterhin alle bestehenden Friedensoperationen
genau prüfen, wenn sie dem Sicherheitsrat zur
regulären Verlängerung vorgetragen werden, um den
Sinn ihrer Fortsetzung zu prüfen. In geeigneten
Fällen werden die Vereinigten Staaten um freiwillige
Beiträge der Nutznießer oder größere Unterstützung
des Gastlandes zur Verringerung oder zumindest
teilweisen Deckung der Kosten bestimmter UNOperationen ersuchen. Die Vereinigten Staaten
werden auch in Betracht ziehen, gegen die Verlängerung bestimmter, seit langem bestehender,
konkrete Ziele nicht erfüllender Friedensoperationen
zu stimmen, um militärische und finanzielle Ressourcen für dringendere UN-Missionen freizusetzen.

b.

eine dringende humanitäre Katastrophe
gekoppelt mit Gewalt,

Beteiligung an UN- und anderen Friedensoperationen

c.

eine plötzliche Störung der bestehenden
Demokratie oder gravierende Verletzung von
Menschenrechten verbunden mit Gewalt
oder der Androhung von Gewalt.

Die Administration wird auch weiterhin noch strengere
Normen bei der Beurteilung anwenden, ob dem
Präsidenten die Beteiligung amerikanischen Personals an einer Friedensoperation empfohlen werden
soll. Neben den oben genannten werden wir folgende Faktoren in Betracht ziehen:

Das UN-Engagement fördert die Interessen der
Vereinigten Staaten und es gibt eine internationale Interessengemeinschaft zur Bewältigung des
Problems auf multilateraler Ebene.
Es gibt eine Bedrohung oder einen Bruch des
internationalen Friedens und der Sicherheit,
häufig mit regionalem Charakter, die als ein
Aspekt oder eine Kombination folgender Punkte
angesehen werden:

Es gibt klar umrissene Ziele und das Wissen, wie
sich die Mission in das Spektrum zwischen
traditioneller Friedensschaffung und Friedenssicherung fügt.

Seite 2

Die Beteiligung fördert die Interessen der Vereinigten Staaten, und das alleinige sowie das

AMERIKA DIENST 19

�generelle Risiko für amerikanisches Personal
wurden abgewogen und als akzeptabel eingestuft.
Personal, Mittel und andere Ressourcen stehen
zur Verfügung.
Die Beteiligung der Vereinigten Staaten ist für
den Erfolg der Operation notwendig.
Die Rolle der amerikanischen Streitkräfte ist an
klar umrissene Ziele gebunden, und ein Endpunkt
für die amerikanische Beteiligung kann ausgemacht werden.
Die Unterstützung der Bevölkerung und des
Kongresses ist vorhanden oder kann mobilisiert
werden.
Die Führungsarrangements sind annehmbar.
Darüber hinaus werden noch strengere Faktoren
angewandt, wenn die Möglichkeit maßgeblicher
Beteiligung der Vereinigten Staaten an Kapitel VIIOperationen wahrscheinlich
Kampfhandlungen
beinhaltet:
Man ist entschlossen, zur Erlangung klar umrissener Ziele eine ausreichende Anzahl von Streitkräften zu entsenden.
Es gibt einen Plan zur uneingeschränkten Erlangung dieser Ziele.
Es besteht die Verpflichtung, zur Erreichung
unserer Ziele Umfang, Zusammensetzung und
Disposition unserer Streitkräfte gegebenenfalls zu
überprüfen und anzupassen.
Jede Empfehlung an den Präsidenten wird sich auf
das Gesamtgewicht der oben genannten Faktoren
gründen und ein Einzelfaktor wird nicht zwangsläufig
die absolute Determinante sein.

cherheitsrats bewirken wollen, hängt die Unterstützung der Vereinigten Staaten von der Einhaltung der
Prinzipien der Charta der Vereinten Nationen und der
Erfüllung gültiger Kriterien des UN-Sicherheitsrats ab,
einschließlich Neutralität, Einwilligung der Konfliktparteien, offizielle Aufsicht der Vereinten Nationen und
endgültige, erneuerbare Mandate.
Im Hinblick auf die Frage der Friedenssicherung auf
dem Territorium der ehemaligen Sowjetunion werden
Anträge für die "traditionellen" UN-Blauhelmoperationen auf der gleichen Grundlage wie andere Anträge
unter Anwendung der vorher dargelegten Faktoren in
Betracht gezogen (beispielsweise eine Bedrohung
des internationalen Friedens und der Sicherheit, klare
Ziele und so weiter). Die Unterstützung der Vereinigten Staaten für diese Operationen wird wie bei
anderen derartigen Anträgen von der Einhaltung der
Prinzipien der UN-Charta und gültiger Kriterien des
UN-Sicherheitsrats abhängig gemacht.
Kostensenkung
Die Administration verpflichtet sich zur Reduzierung
des amerikanischen Anteils der Kosten für Friedenssicherung auf 25 Prozent bis zum 1. Januar 1996,
verglichen mit der derzeitigen Rate von 31,7 Prozent.
Wir werden darüber hinaus die Vereinten Nationen
von der voraussichtlichen Weigerung des Kongresses
in Kenntnis setzen, den amerikanischen Beitrag zur
Friedenssicherung nach dem Haushaltsjahr 1995 auf
mehr als 25 Prozent anzusetzen.
Die Administration ist weiterhin besorgt, daß die
Vereinten Nationen die Managementmängel nicht
behoben haben, die zu übermäßigen Kosten sowie
gelegentlich Betrug und Mißbrauch führen. Als eine
Priorität werden die Vereinigten Staaten auch in
Zukunft auf drastische Verbesserungen bei Verwaltung und Management des UN-Systems drängen.
Die Vereinigten Staaten arbeiten besonders hart an
der Gewährleistung, daß neue und andauernde
Friedensoperationen kosteneffektiv sind und entsprechend verwaltet werden.

Die Rolle regionaler Organisationen
Führung der amerikanischen Streitkräfte
In einigen Fällen werden bei der sachgerechten
Durchführung von Friedensoperationen regionale
Organisationen einbezogen. Die Vereinigten Staaten sehen weiterhin die Vereinten Nationen als
vorrangiges internationales Gremium mit der Befugnis zur Durchführung von Friedensoperationen an.
Gleichzeitig werden die Vereinigten Staaten Bestrebungen zur Verbesserung der Fähigkeiten regionaler
Organisationen für Friedenssicherung unterstützen.
Wenn regionale Organisationen oder Gruppierungen
Friedenssicherung mit Zustimmung des UN-Si-

AMERIKA DIENST 19

Die Politik der Vereinigten Staaten lautet: Der
Präsident behält das Kommando über die amerikanischen Streitkräfte und wird es niemals abgeben. Von
Fall zu Fall wird der Präsident die Unterstellung
geeigneter amerikanischer Streitkräfte unter die
operative Kontrolle eines kompetenten UN-Kommandeurs für spezifische, vom Sicherheitsrat angeordnete UN-Operationen in Erwägung ziehen. Je
größer die militärische Rolle der Vereinigten Staaten,
desto weniger wahrscheinlich werden die Vereinigten
Staaten zustimmen, daß ein UN-Kommandeur die

Seite 3

�operative Gesamtkontrolle über die amerikanischen
Streitkräfte ausübt. Jede umfassende Beteiligung
amerikanischer Streitkräfte an einer größeren Friedensschaffungsmission, die wahrscheinlich Kampfhandlungen beinhaltet, sollte für gewöhnlich unter

amerikanischem Kommando und operativer Kontrolle
oder durch kompetente regionale Organisationen wie
die NATO oder Ad-hoc-Koalitionen durchgeführt
werden,

* * * * *

Seite 4

AMERIKA DIENST 19

�RASSENDISKRIMINIERUNG
18. Mal 1994

SENAT SOLL KONVENTION ÜBER
RASSENDISKRIMINIERUNG UNTERSTÜTZEN
Ansprache von John Shattuck
WASHINGTON - (AD) - Der Balkan ist "das gravierendste Beispiel dafür, was geschehen kann, wenn
rassischer und ethnischer Antagonismus zur Entfachung von Gewalt ausgenutzt wird", erklärte John Shattuck,
Abteilungsleiter für Menschenrechte und humanitäre Angelegenheiten im US-Außenministerium.
In seiner am 11. Mai 1994 vor dem Senatsausschuß für auswärtige Beziehungen gehaltenen Ansprache zur
Unterstützung der internationalen Konvention über die Abschaffung aller Formen von Rassendiskriminierung
äußerte Shattuck, eine solche Diskriminierung stehe in direktem Gegensatz zu den grundlegenden Zielen der
amerikanischen Demokratie.
Die Ratifizierung der vor 28 Jahren konzipierten Konvention ist ihm zufolge seit langem überfällig. Sie werde
"ein wertvolles Instrument für unseren Kurs in der uns jetzt konfrontierenden neuen internationalen, von großen
Herausforderungen gekennzeichneten Szene sein".
Herr Vorsitzender, meine sehr verehrten Damen und
Herren, es ist mir eine Ehre, mich heute bei Ihnen
für die Unterstützung der internationalen Konvention
über die Abschaffung aller Formen von Rassendiskriminierung verwenden zu dürfen.

Herr Vorsitzender, aus diesem Grund ist es so
wichtig, daß die Vereinigten Staaten sich entschlossen hinter diese Bestrebungen stellen, jegliche
rassische und ethnische Diskriminierung in Gesetz
und Politik abzuschaffen.

Herr Vorsitzender, es ist eine Binsenwahrheit, daß
wir nach dem Ende des Kalten Krieges und den für
dieses Jahrhundert charakteristischen großen
ideologischen Kämpfen an der Schwelle zu einer
neuen, unbekannten Welt stehen. In dieser Zeit
sollten die in diesem schmerzlichen Kampf erprobten
Grundsätze uns leiten, darunter Demokratie, Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit. Diese Grundsätze sind in der amerikanischen Geschichte tief
verwurzelt und repräsentieren die Bestrebungen von
Männern und Frauen auf der ganzen Welt. Unter
der Führung Präsident Clintons verwandeln die
Vereinigten Staaten sie in die Bausteine der neuen
Welt nach dem Kalten Krieg.

Wir in den Vereinigten Staaten wissen allzu gut, wie
selbst die mit den besten Absichten durchgeführten
demokratischen Experimente durch Rassendiskriminierung vergiftet und im Keim erstickt werden können.
Rassendiskriminierung steht in direktem Gegensatz
zu den grundlegenden Zielen der amerikanischen
Demokratie. Wir haben durch harte Kämpfe viel
erreicht, damit das Ideal der Gleichheit vor dem
Gesetz anerkannt wird. Durch die Ratifizierung der
Ihnen vorliegenden Rassenkonvention wollen wir das
Gelernte in die entstehende Welt nach dem Kalten
Krieg einbinden.

Heute werden wir auf internationaler Ebene mit
schwierigen und äußerst beunruhigenden Problemen
konfrontiert, von denen vielleicht keines so verhängnisvoll ist wie rassische und ethnische Konflikte.
Einige ethnische Konflikte bestehen bereits seit
langer Zeit, andere sind erst kürzlich entstanden.
Heute sehen wir, wie ethnische und rassische
Spannungen für politische Ziele ausgenutzt werden,
gewaltige Feuersbrünste schüren oder in Gesellschaften schleichend am Werk sind.

AMERIKA DIENST 19

Der Konvention zufolge sollen die Vertragsparteien
spezifische Schritte unternehmen, um Rassendiskriminierung abzuschaffen, Rassentrennung und
Apartheid zu verbieten, rassistische Propaganda und
entsprechende Organisationen zu verurteilen, Gleichheit vor dem Gesetz, politische und Menschenrechte
für alle ungeachtet ihrer Rasse, Nationalität oder
ethnischen Herkunft zu garantieren, wirksame Mittel
gegen Verletzungen dieser Bestimmungen zu ergreifen, Vorurteile zu bekämpfen und Toleranz in
Bildung und Kultur zu fördern. Die Konvention ruft
auch einen unabhängigen Ausschuß für die Abschaffung von Rassendiskriminierung ins Leben, der

Seite 1

�'1

die von den Vertragsparteien vorgelegten obligatorischen Berichte prüfen und der Generalversammlung
einen Jahresbericht vorlegen soll.
Die Geschichte zeigt, daß solche Konventionen und
Überprüfungsprozesse bei der Förderung von Zielen
im Bereich der Menschenrechte Wirkung zeitigen.
Das von der Internationalen Arbeitsorganisation
(IAO), der KSZE und dem Helsinki-Komitee Erreichte
sind Beispiele dafür, wie der Schutz der Menschenrechte durch Instrumente wie die Ihnen heute vorgelegten ermutigt werden kann.
Meine Kollegen konzentrieren ihre heutigen Ausführungen auf die rechtlichen Implikationen der
Konvention und auf die Auslegung und Einwände
der US-Regierung. Wenn die Vereinigten Staaten
die Konvention ratifizieren, werden wir auf der
internationalen Bühne unser Engagement für die
Abschaffung von Rassendiskriminierung unter
Beweis stellen und auch die mit Rassendiskriminierung einhergehende schreiende Ungerechtigkeit
sowie sozialen und politischen Erschütterungen.
Natürlich stellt sich die Frage, warum wir diese
Konvention jetzt ratifizieren wollen - 28 Jahre nach
ihrer Abfassung und ungefähr 16 Jahre nach ihrer
ersten Vorlage im Senat.
Die Antwort lautet, daß die Ratifizierung seit langem
überfällig ist und die Konvention ein wertvolles
Instrument für unseren Kurs in der uns jetzt konfrontierenden neuen internationalen, von großen
Herausforderungen gekennzeichneten Szene sein
wird.
Wie Sie alle wissen, wurde die Menschenrechtstagesordnung einschließlich des Kampfes gegen
Rassendiskriminierung während des Kalten Krieges
zu einem politischen Fußball. Dies trifft nicht länger
zu. Wir beobachten jetzt echte, greifbare Fortschritte
beim Kampf gegen rassische und ethnische Diskriminierung.
In Südafrika schließen die mutige Führungsrolle von
Nelson Mandela und F.W. de Klerk sowie die
heroischen Bestrebungen von Millionen Menschen
guten Willens das Kapitel der Apartheid und der
Bewegung zu Demokratie für alle Menschen in
Südafrika ab.
Bei der jüngsten Sitzung der UN-Menschenrechtskommission in Genf konnten wir zum ersten Mal in
der Geschichte der UNO erfolgreich die offene
Verurteilung von Antisemitismus sicherstellen.
Bedauerlicherweise ist das Bild jedoch nicht ausschließlich von Fortschritten gekennzeichnet. Man

Seite 2

kann fairerweise sagen, daß eine der vorrangigen
Herausforderungen für die Vereinigten Staaten und
unsere Verbündeten in den kommenden Jahren darin
besteht, die Entschärfung und Handhabung bitterer
Konfrontationen über rassische und ethnische Differenzen zu erlernen. Der Balkan ist nicht nur das
gravierendste Beispiel dafür, was geschehen kann,
wenn rassischer und ethnischer Antagonismus zur
Entfachung von Gewalt ausgenutzt wird, wenn
Minderheiten unter neuen Regierungsformen Diskriminierung fürchten oder zu Aggression gegen
andere Gruppen verleitet werden.
Es erübrigt sich zu sagen, daß rassische und ethnische Diskriminierung für politische Entscheidungsträger äußerst komplexe Probleme darstellen, und die
Ratifizierung der Rassenkonvention durch uns ist kein
Allheilmittel. Die Ratifizierung ist jedoch aus mehreren Gründen unerläßlich.
Erstens können wir durch die Ratifizierung der
Konvention andere Signatarstaaten besser zur
Einhaltung ihrer Verpflichtungen anhalten. Wir
müssen nicht länger fürchten, dadurch geopolitischen
Gegnern in die Hände zu spielen. Statt dessen
können wir die Konvention als Referenz bei unseren
bilateralen Verhandlungen mit den Staaten verwenden und werden unsere Position in multilateralen
Zusammenkünften stärken.
Zweitens könnten wir uns effektiver an der zur Zeit
stattfindenden Diskussion über sich abzeichnende
internationale Normen in der Welt beteiligen. Wenn
wir uns nicht uneingeschränkt und aktiv in dieser
Debatte engagieren, werden andere die Tagesordnung der internationalen Staatengemeinschaft zu
Rassendiskriminierung festsetzen. Ein Diskussionsforum ist das Komitee für Rassendiskriminierung, an
dem wir uns derzeit nicht beteiligen können, weil wir
die Konvention nicht ratifiziert haben.
Drittens wäre dies Bestandteil unserer Bestrebungen,
neue amerikanische Energien und Zielsetzungen in
das UN-Menschenrechtssystem einzubringen, das bis
jetzt - offen gesagt - nicht so konsequent und effektiv
war wie wir erhofft hatten. Eine Lehre der Weltkonferenz über Menschenrechte vom vergangenen Jahr
in Wien war, daß multilaterale Gremien und nichtstaatliche Organisationen eine zunehmend weitreichende Rolle bei der Gestaltung der Welt nach den
Kalten Krieg spielen. Wir sind erfreut, daß unsere
Bestrebungen zur Einrichtung eines UN-Hochkommissars für Menschenrechte Erfolg hatten. Durch die
Tätigkeit im Rahmen von multilateralen sowie nichtstaatlichen Organisationen und die Zusammenarbeit
mit ihnen können wir unsere Effektivität auf der
internationalen Bühne verbessern.

AMERIKA DIENST 19

�n
Sobald wir die Konvention ratifiziert haben, wird uns
unsere Beteiligung an der Arbeit des Komitees
bessere Chancen zur Vermittlung unserer hart
erarbeiteten und historisch fundierten Erfahrungen
bei der Förderung von Toleranz und der Beendigung
von Diskriminierung zusammen mit anderen Ländern, vor allem den neuen demokratischen Nationen
der Welt, einräumen.

Herr Vorsitzender, abschließend möchte ich nochmals betonen, daß wir durch die Ratifizierung dieser
Konvention viel zu gewinnen haben. Obwohl sie die
rassischen und ethnischen Spannungen der Welt
nicht auf magische Weise löst, wird sie uns eine
konstruktivere Inangriffnahme dieser Probleme
gestatten.
Aus diesen Gründen bitte ich Sie, die Ratifizierung
der Konvention zu empfehlen und stehe Ihnen für
weitere Fragen gerne zur Verfügung.

*

AMERIKA DIENST 19

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�VERBRECHENSBEKÄMPFUNG
18. Mal 1994

NACHRICHTENDIENSTE UND STRAFVERFOLGUNG
Rede von CIA-Direktor Woolsey
WASHINGTON - (AD) - Am 29. April 1994 hielt R. James Woolsey, der Direktor des amerikanischen
Nachrichtendienstes CIA, vor der American Bar Association eine Rede, die wir nachfolgend veröffentlichen.
40 Jahre lang war ein Hauptmerkmal der amerikanischen Außenpolitik die Eindämmung der Sowjetunion und ihrer Verbündeten, wobei die Nachrichtendienste den Präsidenten und den Kongreß bei der
Bewältigung der Herausforderung des Kalten Krieges unterstützten. Einer der vielfältigen Aspekte
dieser Zeit war, daß sich abgesehen von der Aufgabe der Spionageabwehr die Welten der Strafverfolgung und der Nachrichtendienste selten überschnitten. Jede Welt hatte unterschiedliche - gesetzlich verankerte - Mandate und unterschiedliche
Aufgaben.

internationale Geldwäsche erreichten ein solches
Maß, daß sie die nationalen amerikanischen Sicherheitsinteressen bedrohten. Ich stimmte voll und
ganz überein. Diese und die anderen von mir
genannten Bedrohungen sind nicht länger ausschließlich die Domäne von Nachrichtendiensten oder
Strafverfolgung. Wie ich Anfang dieses Monats vor
dem Senat festgestellt habe, ist die Kooperation
zwischen der Welt der Nachrichtendienste und der
Strafverfolgung keine Wahl, sondern eine Notwendigkeit. Dies ist nicht nur meine Sichtweise, sie wird
auch von der Justizministerin, dem FBI-Direktor Louis
Freeh und den Leitern der anderen Behörden geteilt.

Dies ändert sich jetzt.
Natürlich haben die beiden Welten noch immer
unterschiedliche Aufgaben. Wir bei den Nachrichtendiensten Tätigen müssen den politischen Entscheidungsträgern behilflich sein, die auf den Schutz
der möglichen Gewinne der vergangenen fünf
revolutionären Jahre hinarbeiten, und wir müssen
dem Präsidenten und seinen Beratern die entscheidende Vorwarnzeit für regionale Bedrohungen von
Nationen wie Nordkorea und Irak einräumen, die
eine völlig andere Konzeption der Ära nach dem
Kalten Krieg haben als wir und unsere Freunde und
Verbündeten.
Wir müssen jedoch auch neue und wachsende
Bedrohungen in Angriff nehmen, die Grenzen
überschreiten können: Die Weiterverbreitung von
Massenvernichtungswaffen, Terrorismus, international organisiertes Verbrechen und Drogenhandel
einer Größenordnung, bei der allein die Profite das
Bruttosozialprodukt der meisten Länder weltweit
übertreffen. Im Gegensatz zu den Herausforderungen des Kalten Krieges bringen diese Herausforderungen die Welt der Nachrichtendienste und der
Strafverfolgung zusammen.
Im Herbst vergangenen Jahres erklärte die Justizministerin Janet Reno, Terrorismus, Drogenhandel und

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Ich möchte kurz einige der unsere Welten einander
näherbringenden Bedrohungen beschreiben, angefangen mit der Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen.
Weiterverbreitung ist kein neues Problem, aber ein
wachsendes. Heute entwickeln 25 - viele unseren
Interessen feindlich gesinnte - Länder nukleare,
chemische und biologische Waffen. Einige dieser
Länder sind am Kauf ballistischer Raketen interessiert, mit denen sie bisher außerhalb ihrer Reichweite liegende Länderund Nachbarstaaten bedrohen.
Die Eindämmung der Weiterverbreitung besteht nicht
nur in der Inspektion von Material an Flughäfen oder
der Öffnung von Kisten in Häfen. Unsere Arbeit
beinhaltet die Aufdeckung der Versuche von Ländern,
Technologie, Entwürfe, Komponenten und sogar
vollständige militärische Systeme zu beschaffen.
Dazu zählt das Durchdringen von Transfernetzen, die
Käufer und Verkäufer, Beschaffungsagenten, Makler,
Banken, Hersteller, Frachtuntemehmen, Spediteure
und falsche Endverbraucher aufzubauen versuchen.
Zur Bekämpfung dieses Problems setzen wir politische, militärische, Wirtschafts- und Finanzanalysten,
Ingenieure und Wissenschaftler ein, um die Technologie, das Fachwissen und häufig das zum Aufbau und
zur Unterhaltung verdeckter Käufemetze verwendete

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�Geld aufzuspüren. Diese wurden von Ländern wie
dem Irak eingerichtet, um illegal Material zu kaufen.
Wir arbeiten eng mit dem Außenministerium und
ausländischen Nachrichtendiensten bei der Durchbrechung dieser Netze zusammen. Und wir unterstützen das FBI und die Zollbehörde bei ihren
Bestrebungen, Umleitungen aufzudecken, Lieferungen abzufangen und herauszufinden, ob amerikanische Unternehmen in solche Transaktionen verwickelt sind.
Wir befassen uns ferner intensiv mit der Bekämpfung
von Terrorismus, der, wie wir wissen, mit dem
Bombenanschlag auf das World Trade Center in
New York vom vergangenen Jahr und der Ermordung von zwei CIA-Mitarbeitern vor unserem Hauptquartier in Virginia im Januar letzten Jahres seinen
Weg in die Vereinigten Staaten gefunden hat.
1986 gründete Bill Webster das Terrorismusbekämpfungszentrum des CIA, um die operativen, technologischen und analytischen Fähigkeiten der Nachrichtendienste den Strafverfolgungsbeamten zugänglich
zu machen. Wir haben gemeinsam die unerläßlichen nachrichtendienstlichen Informationen zusammengetragen, die zur Verurteilung der des
Bombenanschlags auf das World Trade Center
Angeklagten führten. Im vergangenen Jahr benutzte
der CIA in Zusammenarbeit mit dem FBI und dem
Justizministerium seine analytischen Fähigkeiten und
technischen Analysen um zu beweisen, daß der Irak
hinter dem Komplott zur Ermordung des früheren
Präsidenten Bush stand.
Das internationale organisierte Verbrechen und
seine Hauptertragsquelle - der internationale Drogenhandel - ist eine weitere große Herausforderung
der nationalen Sicherheit. Der Drogenhandel ist
eine den gesamten Globus umspannende Krise:
Lateinamerikanische Drogenhändler, chinesische
organisierte Verbrecherbanden, italienisches organisiertes Verbrechen und nigerianische kriminelle
Unternehmen - das Außenministerium berichtete
Anfang dieses Monats, 35 bis 40 Prozent des
gesamten Heroins werde von Nigerianern in die
Vereinigten Staaten gebracht. Aufgrund der enorm
hohen Profite - 200 bis 300 Milliarden Dollar pro
Jahr - gehen Drogenhandel und Geldwäsche darüber hinaus Hand in Hand und bringen eine riesige
Industrie zur Erfüllung der Bedürfnisse der Drogenbarone hervor, um den illegalen Ursprung ihres
Geldes zu verschleiern.
Organisierte Verbrecherbanden sind nicht nur
mächtig und gewalttätig, sie sind auch technisch
immer versierter, greifen auf modernste Technologie
und internationale Unternehmenstechniken zurück,
um ihre Operationen durchzuführen und sowohl die

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Sammlung nachrichtendienstlicher Erkenntnisse als
auch die Strafverfolgungsbestrebungen zu vereiteln.
Das organisierte Verbrechen ist auch für die Zukunft
Rußlands zu einem entscheidenden Thema geworden. In seiner Rede im Februar stellte Präsident
Jelzin fest, organisiertes Verbrechen sei das Problem
Nummer eins, mit dem sich sein Land konfrontiert
sehe. Dem russischen Innenministerium zufolge gibt
es rund 5.700 organisierte Verbrecherbanden in
Rußland, von denen 200 große, moderne kriminelle
Organisationen sind. Sie sind nicht nur in der ehemaligen Sowjetunion, sondern in 21 anderen Ländern
aktiv. In dieser Woche wurde ein für die Verfolgung
des organisierten Verbrechens bekanntes Mitglied
des russischen Parlaments, Andreji Aysderdsis, bei
einem Anschlag im Stil der Mafia niedergestreckt.
Obwohl die russischen kriminellen Banden sich mit
einer Vielzahl illegaler Aktivitäten wie Drogenhandel
befassen, widmen wir dem potentiellen illegalen
Verkauf von spaltbarem Atommaterial besondere
Aufmerksamkeit.
Wir konnten nicht beobachten, daß beträchtliche
Mengen waffenfähigen Materials oder nukleare
Gefechtsköpfe aus der ehemaligen Sowjetunion
geschmuggelt wurden, haben jedoch mehrere Berichte über den Diebstahl von minderwertigem Nuklearmaterial erhalten. In vielen Fällen wurden die Diebe
oder Schmuggler verhaftet. Es gab auch Berichte
über Verkaufsangebote für solches Material auf dem
schwarzen Markt, sie waren in der Regel aber falsch.
Wir sind jedoch weiterhin besorgt über das potentielle
Engagement organisierter Verbrecherbanden in
diesem Bereich, weil ihnen sowohl die Ressourcen,
mit denen sie die Nuklearwaffenhändler oder Wachleute bestechen, als auch die Schmuggelnetze zur
Verfügung stehen, die zum Transport dieses Materials aus der ehemaligen Sowjetunion benutzt werden
könnten.
In Rußland ist das Problem des organisierten Verbrechens derart verbreitet, daß einer im März dieses
Jahres in russischen Städten durchgeführten Umfrage
zufolge 23 Prozent der Bevölkerung der Ansicht sind,
das Land werde vom organisierten Verbrechen
beherrscht. 22 Prozent meinten, daß niemand das
Land regiere, 19 Prozent wußten nicht wer und nur
14 Prozent hielten Präsident Jelzin für den Machthaber.
Diese Liste der Bedrohungen ist keineswegs erschöpfend, und Sie werden mehr über die Zusammenarbeit von Nachrichtendiensten und der Strafverfolgung hören, während wir die Gefahren gemeinsam
bekämpfen.

AMERIKA DIENST 19

�Zusammenarbeit und Spionageabwehr
Wir haben in vielerlei Hinsicht einen Vorsprung bei
der Ausarbeitung unserer von Zusammenarbeit
geprägten Beziehung zu den Strafverfolgungsbehörden aufgrund der Rolle, die jeder von uns in den
Bereichen Nachrichtendienste und Strafverfolgung
seit Jahren bei der Spionageabwehr gespielt hat.
Historisch gesehen sammeln wir im Nachrichtendienst Hinweise zur Spionageabwehr von unseren
zuständigen Beamten und ihren Agenten in Übersee,
unseren Ermittlern sowie die von Nachrichtendiensten befreundeter Länder zur Verfügung gestellten
Informationen. Wie ich bereits erwähnte, konnten
wir nach dem Ende des Kalten Krieges eine beträchtliche Anzahl derartiger Hinweise an unsere
Verbündeten und die Ermittlungsbehörden in den
Vereinigten Staaten weiterleiten.
Generell möchte ich vorschlagen, daß jede Weitergabe von Informationen zwischen den Nachrichtendiensten und den Strafverfolgungsbehörden in
diesem Land - sei es bei Spionageabwehr, Drogenhandel, Weiterverbreitung oder auf einem anderen
Gebiet - die nachrichtendienstlichen Quellen und
Methoden schützen, alle gesetzlichen Bestimmungen
sowohl im nachrichtendienstlichen und Strafverfolgungsbereich erfüllen und die einzigartigen
Erfordernisse dieser beiden Bereiche in Betracht
ziehen sollte. Beispielsweise können von uns dem
FBI zur Verfügung gestellte Informationen zur
Festnahme von Verbrechern beitragen; das darf
jedoch nicht dazu führen, daß als Teil des juristischen Verfahrens Quellen und Methoden offengelegt
werden. Die uns vom FBI übermittelten Daten
ermöglichen eine zielgerichtetere Sammlung nachrichtendienstlicher Informationen in Übersee. Wir
müssen jedoch darauf achten, uns auf Nachrichtendienste im Ausland zu konzentrieren und in Übersee
nicht wie eine Strafverfolgungsbehörde zu handeln.
Im vergangenen Jahr haben die Justizministerin und
ich eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen, um die
effektivsten Wege zur Verbesserung der Zusammenarbeit zu prüfen, die für im Nachrichtendienst und in
der Strafverfolgung Tätige von Nutzen ist und
Terroristen, Drogenhändlern und Schmugglern
schadet.
Dieser Bericht ist nahezu abgeschlossen. Eine
seiner Schlußfolgerungen lautet, daß wir keine
zusätzlichen Gesetze über die Verbesserung der
Zusammenarbeit zwischen Strafverfolgungsbehörden
und Nachrichtendiensten benötigen.
Vielmehr
können wir unser Ziel einer verstärkten Kooperation
durch eine Reihe von Initiativen erreichen, beispielsweise gemeinsame Ausbildung von Vertretern der
Strafverfolgungsbehörden und der Nachrichtendien-

AMERIKA DIENST 19

ste. Obwohl die Strafverfolgungsbehörden einerseits
und der Nachrichtendienst andererseits verschiedene
Mandate, Perspektiven und Kulturen haben, kann die
Zusammenarbeit meines Erachtens durch ein Programm praktischer Schritte verbessert werden.
Die von Justizministerin Reno und mir zu Beginn
vergangenen Jahres eingeleiteten Bestrebungen,
Nachrichtendienste und Strafverfolgungsbehörden
aneinander anzunähern, fanden lange vor der Festnahme von Aldrich Arnes statt. Unsere Arbeit wird
fortgesetzt, wobei wir Lehren aus dem Fall Arnes und
anderen Beispielen für Zusammenarbeit zwischen
Nachrichtendiensten und Strafverfolgungsbehörden
ziehen. Nach Ansicht des Präsidenten, der Justizministerin, von FBI-Direktor Freeh und meiner Meinung
nach war der Fall Arnes ein Beispiel für eine solche
Zusammenarbeit. Direktor Freeh formulierte es
kürzlich folgendermaßen: "Der Fall Arnes ... war
meines Erachtens mustergültige Zusammenarbeit."
Zur besseren Umsetzung der Lektionen positiver
Zusammenarbeit und Vermeidung unnötiger Reibungen in den wenigen Fällen, in denen sie stattfinden,
und zusätzlich zu den bereits unternommenen
Anstrengungen werden einige organisatorische
Änderungen in den dem Nationalen Sicherheitsrat
unterstehenden Strukturen durchgeführt, um die
Zusammenarbeit zwischen allen an der Spionageabwehr beteiligten Regierungsbehörden zu verbessern.
Unter der Leitung des Sicherheitsrats werden Vertreter verschiedener Behörden oder Büros zusammenarbeiten, um einen zügigen, effektiven und
angemessenen Umgang mit Fragen der Koordination
und Rechtsprechung sicherzustellen. Vertreter des
Justizministeriums und ich werden in der kommenden
Woche vor den nachrichtendienstlichen Sonderausschüssen des Senats und des Repräsentantenhauses
zu diesen vorgeschlagenen Änderungen aussagen.
Nachdem sich Aldrich Arnes schuldig bekannt hat
und verurteilt wurde, kann ich auch über die Arbeit
des CIA im Hinblick auf die Folgen seiner Verbrechen
sprechen. Ich bin mir bewußt, daß der Kongreß ebenso wie die Mitarbeiter des CIA und ich - frustriert
war, weil bis gestern das Gremium zur Einschätzung
des Schadens und der Generaldirektor nur erste
Schritte unternehmen konnten. Sie werden verstehen, warum das Justizministerium darum gebeten
hat, daß wir uns auf diese vorläufigen Schritte
beschränken, um die strafrechtliche Verfolgung von
Arnes nicht zu erschweren. Jetzt können wir diese
Überprüfung ungehindert fortsetzen.
Wenn die Untersuchung des Generalinspekteurs
abgeschlossen ist, werde ich die Verantwortlichen zur
Rechenschaft ziehen und entsprechende Maßnahmen ergreifen. Ich habe bereits die Beförderung und

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�Auszeichnung bestimmter Personen eingefroren und
vom Ergebnis unserer Überprüfungen abhängig
gemacht. Ich werde mich jedoch nicht der juristischen Philosophie der Red Queen aus Alice im
Wunderland anschließen, bei der die Verurteilung
dem Urteil vorangeht. Das von uns begonnene
Verfahren ist gründlich, aber fair. Unsere Mitarbeiter
leisten harte Arbeit und riskieren ihr Leben für ihr
Land. Sie verdienen ein fundiertes Urteil, keine
Schnellverfahren.
Wir planen bereits eine Änderung der Sicherheitsverfahren, beispielsweise eine Überprüfung der Datenbankverwartung und der Nutzung des Lügendetektors.
Andere Schritte erfordern entsprechende Gesetze insbesondere bei der Verbesserung des Zugangs zu
den Daten über die Finanzsituation einiger Angestellter.
Die Finanzfrage ist nichts Neues. 1990 gab das
Jacobs-Gremium, in dem ich kurze Zeit zusammen
mit Lloyd Cutler und Warren Christopher tätig war,
eine Reihe von Empfehlungen zur Verbesserung der
Spionageabwehr an die Senatoren Boren und Cohen
ab, die damals Vorsitzender beziehungsweise Mitglied des Sonderausschusses des Senats für Nachrichtendienste waren. Dazu gehörte auch verbesserter Zugang zu Informationen über die finanzielle
Situation der Mitarbeiter. Diesen Empfehlungen
wurde damals jedoch keine Gesetzeskraft verliehen.
Die Empfehlungen wurden nicht leichtfertig abgegeben. Obwohl bei vielen die irrtümliche Meinung

*

Seite 4

vorherrscht, daß der CIA oder das FBI jederzeit
Informationen über die Finanzlage jedes Mitarbeiters
der Regierung erhalten können, entspricht das nicht
der Realität. Es entspricht nicht einmal annähernd
der Wahrheit. Ein derartig ungehinderter Zugang
widerspricht den vom Kongreß erlassenen Gesetzen
über Datenschutz der Finanzlage des einzelnen. Das
Jacobs-Gremium empfahl 1990 den Senatoren Boren
und Cohen keine umfassenden, in die Privatsphäre
einbrechenden Gesetzesänderungen, die Änderungen
waren jedoch nützlich und wichtig. Ich vertraue
darauf, daß jetzt, nach der Auswertung der von der
Administration auf diesem wichtigen Gebiet abgegebenen Empfehlungen sowie anderer vorgelegter
Gesetzentwürfe der Kongreß handeln und kluge
Maßnahmen ergreifen wird, um den Zugang der
Regierung zu den finanziellen Daten einiger ihrer
Mitarbeiter zu verbessern und dies auf ausgewogene
und angemessene Weise geschehen wird.
Als Präsident Truman die nationale Sicherheitsstruktur modernisierte, und unter anderem den CIA
gründete, bereitete er die Nation auf das vor, was
Präsident Kennedy als den langen Kampf im Zwielicht bezeichnete - den Kalten Krieg. Heute werden
wir mit neuen Herausforderungen konfrontiert, die
neue Ansätze erfordern. Sie setzen aber auch
dieselbe Mischung von Engagement, Beständigkeit,
Weitblick und harter Arbeit voraus, die Präsident
Truman von seinen Mitarbeitern erwartete. Wir im
Nachrichtendienst werden aus unseren früheren
Fehlern und Erfolgen lernen. Wir werden uns ändern
und gemeinsam mit unseren Kollegen bei der Strafverfolgung dem Präsidenten, dem Kongreß und dem
amerikanischen Volk dienen.

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AMERIKA DIENST 19

�TERRORISMUS
18. Mai 1994

TERRORISMUS WEITERHIN GLOBALES PROBLEM
Jahresbericht des Außenministeriums
WASHINGTON - (AD) - Dem Jahresbericht des USAußenministeriums zufolge "ist es eindeutig, daß
Terrorismus für uns noch einige Zeit ein Thema sein
wird".
"Die Clinton-Administration richtet ihr Hauptaugenmerk auf globale Fragen, und internationaler Terrorismus gehört zu den todbringendsten und andauerndsten", erklärte Barbara Bodine, amtierende
Koordinatorin für die Terrorismusbekämpfung, in der
Einleitung des Berichts.
Das Dokument - Muster des globalen Terrorismus
1993 (Patterns of Global Terrorism 1993) - wurde
am 9. Mai 1994 freigegeben. Der dem Kongreß
übermittelte Bericht enthält detaillierte Analysen der
Länder, in denen Terroranschläge verübt wurden
und macht Nationen aus, die internationalen Terrorismus wiederholt staatlich unterstützt haben.

pagne gegen türkische Interessen", stellt der Bericht
fest.
Die meisten der 150 Anschläge der Gruppe fanden
an zwei Tagen statt - am 24. Juni und 4. November und waren auf ganz Westeuropa verteilt. "Hätte es
diese beiden Tage koordinierter Anschläge nicht
gegeben, hätte sich der Abwärtstrend bei Terroranschlägen der letzten Jahre fortgesetzt".
Im vergangenen Jahr kamen 109 Menschen bei
Terroranschlägen ums Leben und 1.393 wurden
verletzt - die höchste Anzahl von Opfern in den
vergangenen fünf Jahren.
Westeuropa hatte 1993 mehr internationale Terrorakte zu verzeichnen - insgesamt 180 - als jede andere
Region, vor allem wegen der Gewalttaten der PKK.
Der Nahe Osten folgte an zweiter Stelle mit 101

Anschlägen, gefolgt von Lateinamerika mit 97.
Auf der Liste der internationalen Terrorismus fördernden Staaten stehen immer noch Kuba, Iran,
Irak, Libyen, Nordkorea und Syrien. Im August 1993
wurde zusätzlich der Sudan auf die Liste gesetzt.
"Der Iran ist nach wie vor der aktivste und gefährlichste Terrorismus fördernde Staat der Welt, mit
eigenen Agenten und den von ihm unterstützten
radikalen Gruppen", so der Bericht.
Mit der Feststellung, daß auch der Irak weiterhin
internationalen Terrorismus unterstützt, verweist der
Bericht auf die Tatsache, daß "der Irak die Ermordung des früheren Präsidenten Bush während
seines (privaten) Besuchs in Kuwait im April 1993
plante und seine Agenten für zahlreiche Anschläge
auf internationale humanitäre Einrichtungen und
Hilfspersonal im Irak verantwortlich waren".
1993 waren 427 internationale Terroranschläge zu
verzeichnen - verglichen mit den 364 im Jahr 1992
festgestellten Vorfällen eine Zunahme.
"Der Hauptgrund für die Zunahme war eine von der
kurdischen Arbeiterpartei (PKK) geführte Terrorkam

AMERIKA DIENST 19

Als gravierendste Terrorakte des Jahres 1993 führte
Bodine den Bombenanschlag auf das World Trade
Center, das vereitelte irakische Komplott zur Ermordung Präsident Bushs und die Anschläge der PKK
an.
Der Bericht erachtet den Bombenanschlag auf das
World Trade Center als Akt des internationalen
Terrorismus aufgrund der dem Anschlag zugrundeliegenden politischen Motivation und der Tatsache, daß
die Mehrzahl der festgenommenen Verdächtigen
Ausländer waren. Der Bericht betont, das FBI habe
"keine Beweise, daß eine ausländische Regierung für
den Bombenanschlag verantwortlich war".
Die Politik der Vereinigten Staaten zur Terrorismusbekämpfung und die damit einhergehenden erfolgreichen internationalen
Kooperationsbestrebungen
gründen sich dem Bericht zufolge auf drei Prinzipien:
keine Konzessionen,
Anwendung der Rechtsstaatlichkeit und Verbesserung der Fähigkeiten freundlich gesinnter

Seite 1

�Regierungen zur Bekämpfung der sie konfrontie-1
renden Bedrohung und
Ausübung von Druck auf Terrorismus fördernde
Staaten.
Zur Erläuterung dieser Prinzipien führte Bodine aus,
als die Verantwortung der irakischen Regierung für
das vereitelte Komplott zur Ermordung von Präsident
Bush klar wurde, "setzten die Vereinigten Staaten
militärische Gewalt ein, um Saddam Hussein zu
demonstrieren, daß ein solches Verhalten nicht
toleriert wird". Die Vereinigten Staaten schössen
einen seegestützten Marschflugkörper auf ein Führungszentrum terroristischer Aktivitäten des Irak ab.
Die Vereinigten Staaten ermutigten darüber hinaus
die andauernde internationale Unterstützung der UNSanktionen gegen Libyen und deren Einhaltung, "die
zwingend sind und den ersten Schritt der von den
Vereinten Nationen gegen einen Staat nur wegen
dessen Unterstützung des Terrorismus verhängten
Sanktionen darstellen", äußerte Bodine.
"Der internationale Terrorismus hätte ohne die
Terroristen durch souveräne Staaten gewährte
Finanzierung, Ausbildung, Zuflucht, Waffen und
logistische Unterstützung nicht wie in den vergangenen Jahrzehnten gedeihen können", so der Bericht.
Zu den als Förderer des internationalen Terrorismus
ausgemachten sieben Staaten stellt der Bericht
folgendes fest:
Kuba unterstützt seit langem internationalen
Terrorismus.
Aufgrund der wirtschaftlichen
Schwierigkeiten Kubas kann das Land keinen
maßgeblichen Beitrag leisten. Dennoch bietet es
einigen Terrorgruppen Zuflucht und gewährt
weiterhin Gruppen politische Unterstützung, die
sich mit terroristischen Aktivitäten befassen.

*

Seite 2

Der Iran ist nach wie vor der "gefährlichste" Förderer
und bietet den amerikanischen Politikern den größten
Anlaß zur Sorge. Die iranische Regierung ermordet
weiterhin Dissidenten und andere "Feinde" und
finanziert und bildet Extremisten aus, die freundlich
gesinnte Regierungen wie Ägypten und Tunesien
stürzen wollen.
Trotz der Anforderungen der maßgeblichen
Resolutionen des UN-Sicherheitsrats hat der Irak
die Förderung von Terrorismus wieder aufgenommen. Der Irak war "eindeutig verantwortlich" für
das vereitelte Komplott zur Ermordung von Präsident Bush.
Die Unterstützung Libyens für Terrorismus besteht
"seit langem und ist offenkundig". Obwohl Libyen
eine Reihe rein kosmetischer und leicht rückgängig zu machender Schritte zur Verringerung seiner
Unterstützung des internationalen Terrorismus
unternommen hat, erfüllt das Land die Forderungen des Sicherheitsrats nicht uneingeschränkt.
Unseres Wissens hat Nordkorea seit 1987, als ein
Flugzeug der Korean Airlines im Flug explodierte,
keine Terroranschläge mehr unterstützt. Nordkorea unterhält angeblich Kontakte zu Terrorismus
praktizierenden Gruppen.
Der Sudan wurde im August letzten Jahres auf die
amerikanische Liste der Terrorismus fördernden
Staaten gesetzt, weil die sudanesische Regierung
trotz mehrerer Warnungen zur Einstellung der
Unterstützung radikaler Extremisten internationalen Terrorgruppen Zuflucht gewährte.
Syrien bietet mehreren Gruppen weiterhin Unterstützung und Zuflucht, die sich mit internationalem
Terrorismus befassen. Es gibt keine Beweise,
daß syrische Regierungsvertreter seit 1986 direkt
in die Planung oder Ausführung von Terroranschlägen einbezogen waren.

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�PORTRAT
18. Mai 1994

DESIGNIERTER OBERSTER RICHTER IST
PRAGMATISCHER ARCHITEKT DES KONSENSES
Porträt von Stephen Breyer
WASHINGTON - (AD) - Die Amerikaner glauben an
das Gesetz, die Rechte des einzelnen und die
Verfassung, erklärte Stephen Breyer, designierter
Richter am neunköpfigen Obersten Bundesgericht
der Vereinigten Staaten, und sie tun gut daran, denn
das ist für ihr Leben äußerst wichtig.
Bei einer Feierstunde im Rosengarten des Weißen
Hauses am 16. Mai 1994 stellte Breyer fest, die
Verfassung und das Gesetz müßten mehr sein als
nur Worte und sollten für den Menschen eine
praktische Realität darstellen.
Er versprach, sich dafür einzusetzen, daß die
amerikanischen Gesetze "in Wort und Geist" dem
Volk dienen.
Breyer ist seit 1990 als Oberster Richter am Appellationsgericht in Boston tätig, wozu er ursprünglich
1981 nominiert wurde. Im Falle seiner Bestätigung
durch den Senat wird er Nachfolger von Richter
Harry Blackmun, der für das liberalste Mitglied des
Obersten Bundesgerichts gehalten wird.
Der 55jährige Breyer hat etwa 600 Gutachten
erstellt, die von Juristen als politisch neutral bezeichnet werden und Entscheidungen gefällt, die von
gemäßigt bis liberal einzustufen sind.
Präsident Clinton erklärte, Breyer, der bereits im
vergangenen Jahr für die Besetzung dieses Amtes
in Betracht gezogen wurde - die Entscheidung fiel
jedoch zugunsten von Ruth Bader Ginsberg verfüge über "das erforderliche politische Urteilsvermögen". Neben Breyers politischen Fähigkeiten
führte der Präsident dessen "Begabung als Architekt
des Konsenses" an und würdigte ihn als "einen der
herausragenden Juristen unserer Zeit".
Dem Präsidenten zufolge wird Breyer seine Fähigkeit
einbringen, im Obersten Gerichtshof Amerikas
"Brücken der Fairness und Gerechtigkeit" zu bauen.
Er erwarte von seinem Kandidaten, "dem Gericht
Größe zu verleihen".

AMERIKA DIENST 19

Breyer bezeichnete seine juristische Philosophie als
"eher pragmatisch denn theoretisch" und schrieb, das
Gesetz sei "eine Einrichtung des Menschen, die den
grundlegenden Erfordernissen des Menschen und der
Gesellschaft diene". Der designierte Oberste Richter
äußerte, rechtliche Instrumente wie die Verfassung,
die Bill of Rights, Gesetzesbestimmungen und
Vorschriften sollten den Menschen das Zusammenleben in einer Gesellschaft ermöglichen, in der es
eine Vielzahl unterschiedlicher Ansichten und Bedürfnisse gebe.
Breyer möchte als ein Mitglied des öffentlichen
Dienstes bekannt werden, das allen drei Zweigen der
US-Regierung diente: dem Justizministerium, dem
Kongreß und dem Gericht.
In den sechziger Jahren arbeitete er im Bereich des
Kartellrechts für das Justizministerium und war 1973
Mitglied der Sonderuntersuchungsgruppe der Watergate-Affaire. Kurz darauf wurde er Sonderberater
des Justizausschusses des Senats und wirkte an der
Formulierung der Richtlinien fürdie Deregulierung der
Luftfahrtindustrie mit.
Später arbeitete Breyer als Juraprofessor in Salzburg.
Vor seiner Tätigkeit als Richter praktizierte er als
freiberuflicher Anwalt. Ferner gehörte er dem Bundesstrafausschuß an, der erstmals Richtlinien für die
Verurteilung von Verbrechern aufstellte.
Der Verwaltungsrechtsexperte David Bickert äußerte
der Washington Post gegenüber, Breyer verfüge über
"ein außergewöhnlich feines Gespür dafür, welche
Auswirkungen Vorschriften auf den einzelnen haben,
wer schutzbedürftig ist und welche Belastung daraus
für ein Unternehmen entsteht".
Breyer ist unter anderem Verfasser eines Buches mit
dem Titel Breaking the Viclous Circle: Toward
Effectlve Rlsk Regulation. Ferner veröffentlichte er
eine Vielzahl von Fachartikeln und wirkte in Havard
an der Law Review mit.

Seite 1

�Breyers Frau Joanna ist als Psychologin am Krankenhaus tätig, ihr Vater, Lord John Blankenham, war
früher Vorsitzender der Konservativen Partei Großbritanniens. Die Breyers haben drei Kinder - Michael, Neil und Chloe. Der energiegeladene Richter
joggt und fährt Fahrrad.

Seine juristische Laufbahn ist auch für Umweltschützer ansprechend. Er arbeitete an Fällen im Zusammenhang mit Strandbuggys am Küstenstreifen
von Cape Cod, der Säuberung des Bostoner Hafens
und Bedrohungen der gefährdeten Flora und Fauna
von Maine.

Der Kandidat für das Richteramt hat einen trockenen
Humor. Er wuchs in Kalifornien auf, besuchte die
Lowell High School in San Francisco und machte
1959 an der Stanford University seinen Abschluß mit
Auszeichnung. Während seiner Zeit in Stanford war
er auch als Generalsekretär bei einem Modellversuch "Vereinte Nationen" tätig.

Angesichts der starken Unterstützung Breyers durch
beide Parteien erwartet man aus dem Kapitol keinen
Widerstand gegen seine Nominierung. Der Minderheitsführer im Senat, Robert Dole, beschrieb den
Kandidaten als Persönlichkeit mit "hohem Intellekt"
und Integrität. Orrin Hatch, Mitglied im Justizausschuß des Senats und Angehöriger der Republikanischen Partei, äußerte, Breyer werde eine Bereicherung des Obersten Gerichts sein. Der Demokratische
Senator Patrick Leahy erwartet eine problemlose
Bestätigung Breyers vor der im August beginnenden
Sommerpause des Kongresses.

Breyer, der Französisch spricht, studierte als Marshall-Stipendiat Politik und Ökonomie an der Oxford
University und machte 1964 an der juristischen
Fakultät von Harvard sein Examen magna cum
laude.
Mitte der sechziger Jahre war er Assistent von
Richter Arthur Goldberg am Obersten Bundesgericht.
In den siebziger Jahren kehrte Breyer nach Harvard
zurück, wo er Kartell- und Wirtschaftsrecht lehrte.

Die Anhörung zur Bestätigung Breyers vor dem
Justizausschuß des Senats soll im Sommer stattfinden. Bis zu diesem Zeitpunkt will Breyer keine
Antwort auf wesentliche Fragen geben. Er wird
wahrscheinlich zu Bürgerrechten, der Todesstrafe,
Schwangerschaftsabbruch, dem Schulgebet und dem
Recht auf Privatsphäre befragt.

* * * *

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AMERIKA DIENST 19

�UMWELT
18. Mal 1994

UMWELTVERTRÄGLICHE ENTWICKLUNG EINE ILLUSION
von Thomas J. DiLorenzo
Umweltverträgliche Entwicklung - staatliche Kontrolle der Ressourcen im Namen des Umweltschutzes funktioniert nicht, argumentiert der Verfasser und führt die ehemals kommunistischen Länder als Beispiel an.
DiLorenzo zufolge ist die Ursache der Umweltverschmutzung in der bisher kommunistischen Welt und weltweit
"das Fehlen von Eigentumsrechten und Haftungsgesetzen, die Umweltverschmutzer für ihr Handeln zur
Rechenschaft ziehen... Wenn man das Recht auf Eigentum an Ressourcen hat, besteht ein stärkerer Anreiz
zum Schutz dieser Ressourcen."
Der Autor ist Ökonomieprofessor an der Sellinger School of Business and Management am Loyola College in
Baltimore (Maryland). Er hat zahlreiche Artikel über öffentliches Finanzwesen und politische Themen verfaßt
und Vorlesungen darüber gehalten. Er ist ferner redaktioneller Sachverständiger für 15 wissenschaftliche
Zeitschriften.
Veröffentlichung und Übersetzung mit freundlicher Genehmigung von The Futurist, Ausgabe SeptemberOktober 1993, herausgegeben von World Future Society, 7910 Woodmont Ave., Suite 450, Bethesda MD
20814. Copyright (c) 1993 World Future Society.
Es gibt keine genaue Definition von umweltverträglicher Entwicklung. Für einige bedeutet sie nur
das Abwägen zwischen Wirtschaftswachstum und
den Zielen des Umweltschutzes - eine relativ unumstrittene Position. Für andere bedeutet sie jedoch
etwas anderes: Eine dramatische Verringerung des
Wirtschaftswachstums in den Industrienationen
gekoppelt mit einer massiven Umverteilung des
internationalen Sozialprodukts.
Den Verfechtern der letzteren Sichtweise zufolge gibt
es weltweit nicht mehr genug Ressourcen zur
Aufrechterhaltung der derzeitigen Wirtschaftswachstumsraten, und diese Wachstumsraten sind außerdem zu schädlich für die Umwelt. Infolgedessen
argumentieren diese Befürworter zugunsten von
staatlicher Regulierung praktisch des gesamten
menschlichen Verhaltens auf nationaler und internationaler Ebene sowie für staatliche Kontrolle von
in Privatbesitz befindlichen Ressourcen weltweit.
Solche Kontrollen könnten durch nationale Regierungen oder internationale Bürokratien wie die Vereinten Nationen durchgeführt werden. Die aus dem
tragischen Scheitern des Sozialismus zur ziehende
"Lehre" - so glauben die Verfechter der umweltverträglichen Entwicklung anscheinend - lautet, daß die
Welt mehr Sozialismus braucht.

AMERIKA DIENST 19

Solche Ansichten würden als bizarr und irrational
abgetan, wenn sie nicht von einer so einflußreichen
Persönlichkeit wie der norwegischen Ministerpräsidentin Gro Hartem Brundtland vertreten würden, die
auch den Vorsitz der Weltkommission für Umwelt und
Entwicklung der Vereinten Nationen führt. Diese
Kommission veröffentlichte ihre Ansichten 1987 in
dem Buch Our Common Future, das den Grundstein
für den im Juni 1992 in Rio de Janeiro abgehaltenen
Erdgipfel legte.
Die in Our Common Future und beim Erdgipfel
befürworteten politischen Vorschläge trugen jedoch
den inhärenten Mängeln staatlicher Planung und
Regulierung nicht Rechnung und ignorieren die
wichtige Rolle des Rechts auf Privateigentum, der
Technologie und des Marktsystems bei der Milderung
von Umweltproblemen.
Der endgültige Zusammenbruch des Kommunismus
im Jahr 1989 enthüllte ein schmutziges Geheimnis:
In der kommunistischen Welt war die Verschmutzung
sehr viel schlimmer als an irgendeinem anderen Ort
des Planeten. Theoretisch hätte dies nicht der Fall
sein dürfen, denn seit langem wurde argumentiert,
das Profitdenken und das Versagen unregulierter
Märkte, Anreize zur Deckung externer Kosten im
Inland zu bieten, seien die Hauptursachen der

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�Verschmutzung gewesen. Staatliche Regulierung
oder staatlicher Besitz von Ressourcen wurden als
notwendige Voraussetzung für Umweltschutz angesehen.
Aber das war nur Theorie. Realität ist, daß in den
Ländern, in denen Profitstreben seit Jahrzehnten
verpönt war und die Regierung den Besitz praktisch
aller Ressourcen beanspruchte, die Verschmutzung
und andere Formen von Umweltzerstörung verheerend waren. Dem globalen Umwelt-Überwachungsprogramm der Vereinten Nationen zufolge zählt die
Verschmutzung in Mittel- und Osteuropa zu der
"schlimmsten auf der Erdoberfläche".
In Polen hat der saure Regen beispielsweise die
Eisenbahnschienen so korrodiert, daß die Züge nicht
schneller als 38,4 km pro Stunde fahren dürfen. 95
Prozent des Wassers sind für menschlichen Verbrauch und der Großteil sogar für industrielle Zwekke ungeeignet und so vergiftet, daß es Schwermetalle auflösen würde. Der Industriestaub regnet auf
Städte und lädt Kadmium, Blei, Zink und Eisen ab.
Die Hälfte der polnischen Städte entsorgt nicht
einmal die Abfälle, und die Lebenserwartung der
Männer ist niedriger als vor 20 Jahren.
Ein ähnliches Bild bietet sich in anderen Teilen
Mittel- und Osteuropas, der ehemaligen Sowjetunion
und China. 80 Prozent der Gewässer im früheren
Ostdeutschland sind als ungeeignet zum Fischen,
Trinken oder für sportliche Aktivitäten eingestuft. Ein
Drittel der Seen wurde für biologisch tot erklärt, weil
jahrzehntelang unbehandelte chemische Abfälle dort
abgeladen wurden. Einige Städte haben eine so
hohe Luftverschmutzung, daß die Autos am Tag mit
Licht fahren müssen. Bulgarien, Ungarn, Rumänien,
das ehemalige Jugoslawien und die frühere Tschechoslowakei erlitten während der Jahrzehnte des
Kommunismus ähnliche Umweltschäden.
Diese traurigen Tatsachen lehren die wichtige
Lektion, daß die Theoretiker der umweltverträglichen
Entwicklung nichts gelernt haben. Die Ursache der
Umweltverschmutzung in der bisher kommunistischen Welt und weltweit sind nicht das Profitstreben
und unregulierte Märkte, sondern das Fehlen von
Eigentumsrechten und Haftungsgesetzen, die
Umweltverschmutzer für ihr Handeln zur Rechenschaft ziehen. Die Zerstörung der Umwelt in der
ehemals kommunistischen Welt ist ein Beispiel für
die riesige 'Tragödie der Menschheit", um die von
dem Biologen Garrett Hardin geprägte Formulierung
zu entlehnen. Wo Eigentum in kommunalem oder
staatlichem Besitz ist und als freie Ressource
behandelt wird, werden Ressourcen unweigerlich
unter geringer Berücksichtigung zukünftiger Konsequenzen erschöpft.

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Wenn man jedoch das Recht auf Eigentum an
Ressourcen hat, besteht ein stärkerer Anreiz zum
Schutz dieser Ressourcen. Wenn der einzelne ferner
nicht für anderen zugefügte Schäden - einschließlich
der Umweltschäden - verantwortlich gemacht wird,
besteht wenig Hoffnung, daß verantwortungsbewußtes Verhatten die Folge sein wird. Es erübrigt sich zu
sagen, daß der Staat sich nicht für die von ihm in den
ehemals kommunistischen Ländern verursachten
Umweltschäden verantwortlich fühlte. Weit davon
entfernt, eine Antwort auf Umweltprobleme zu sein,
war daher überall vorhandene staatliche Kontrolle der
Rohstoffe die Ursache.
Our Common Future vernachlässigt die Rolle der
Eigentumsrechte und vertraut daher viel zu stark auf
die Wirksamkeit stärkerer staatlicher Kontrolle und
Regulierung als Lösung für Umweltprobleme. Einige
Beispiele ragen heraus.
Rodung der Wälder. Internationale Wirtschaftsbeziehungen "stellen ein besonderes Problem für
arme Länder dar, die ihre Umweltprobleme in den
Griff zu bekommen versuchen", stellt Our Common
Future fest. Beispielsweise ist "der Handel mit
Tropenhölzern... ein Faktor für die Rodung tropischer
Regenwälder. Der Bedarf an Devisen ermutigt viele
Entwicklungsländer zum schnelleren Abholzen der
Wälder als diese sich regenerieren können."
Der Devisenbedarf besteht jedoch nicht nur in den
Entwicklungsländern. Jeder hat lieber mehr als
weniger, aber nicht alle fällen Bäume und verkaufen
sie für einen wirtschaftlichen Profit. Die Rodung der
Wälder war auch in den ehemals kommunistischen
Ländern ein massives Problem, aber der Hauptgrund
war, daß die Wälder sich in kommunalem Besitz
befanden. Infolgedessen konnte jeder sie abholzen
und in Ermangelung von Eigentumsrechten gab es
praktisch keinerlei Anreiz, neue zu pflanzen.
Auch in demokratischen Ländern wurde abgeholzt,
vor allem in an Holzfällereien verpachteten staatlichen Wäldern, die - da das Land nicht ihr Privatbesitz
ist - wenig an der Wiederaufforstung und dem Schutz
ihres künftigen Werts interessiert sind. Einige dieser
holzverarbeitenden Unternehmen tragen in der Tat
Sorge, nicht zu stark zu roden oder ihren eigenen
privaten Waldvorrat wiederaufzuforsten. Sie tun dies
nicht so sehr in dem Wunsch, die Umwelt zu schützen, als vielmehr für den Schutz ihrer Vermögenswerte. Gut umgesetzte Eigentumsrechte und die
Existenz eines Markts für Holzprodukte werden
gewährleisten, daß wahrscheinlich eine kluge Nutzung der Wälder und kein Raubbau betrieben wird.
Versteppung. Die Theoretiker der umweltverträglichen Entwicklung stellen auch eine Fehldiagnose

AMERIKA DIENST 19

�beim Problem der Versteppung - dem Prozeß, durch
den "produktives und teilweise unfruchtbares Land
wirtschaftlich unproduktiv wird", wie Our Common
Future es definiert. Sie machen den Kapitalismus
für die Versteppung verantwortlich, insbesondere
"den Druck auf unabhängige Nahrungsmittelproduktion, kommerziellen Anbau und Fleischproduktion in
fruchtbaren und halbfruchtbaren Gebieten". Ihre
"Lösung" lautet stärkere staatliche Kontrolle bei der
Landwirtschaft.
Die Versteppung ist zweifelsohne ein weltweites
Problem, das auch Teile der Vereinigten Staaten
betrifft. Die Hauptursache ist jedoch nicht die kommerzielle Landwirtschaft, sondern die Tragödie der
Bevölkerung.
Ein besonders anschauliches Beispiel der Bedeutung von Privateigentum für die Versteppung wurde
1974 in einem Artikel der Zeitschrift Science über
die Versteppung der Sahelzone in Afrika geschildert.
Zu dieser Zeit litt die Region unter einer fünfjährigen
Dürreperiode. Die Satellitenfotos der NASA zeigten
ein merkwürdig grünes Fünfeck, das in scharfem
Gegensatz zur übrigen afrikanischen Wüste stand.
Bei Nachforschungen entdeckten die Wissenschaftler, daß der grüne Klecks eine 10.000 Hektar große,
mit Stacheldraht umzäunte, in fünf Sektoren unterteilte Ranch war, und das Vieh pro Jahr nur in einem
Sektor weiden durfte. Die Ranch wurde zu der Zeit
in Betrieb genommen, als die Dürre begann, aber
der dem Land gebotene Schutz reichte aus, um den
Unterschied zwischen Weideland und Wüste zu
bewirken.
Flora und Fauna. Beim Erdgipfel wurde ein "Vertrag über Artenvielfalt" befürwortet, mit dem die
nationalen Regierungen Maßnahmen für eine
Verlangsamung des Verlusts von Pflanzen und
Tieren ergreifen sollten. Die von den Verfechtern
einer umweltverträglichen Entwicklung bevorzugte
Maßnahme umfaßt das Verbot der kommerziellen
Nutzung bestimmter Pflanzen und Tiere, wie etwa
das Verbot der Ausfuhr von Elefantenzähnen aus
Afrika und die Auflistung weiterer "gefährdeter
Arten", die dann von Regierungen in Naturschutzreservaten oder andernorts "geschützt" werden
könnten.
Es gibt jedoch zunehmende Beweise, daß der beste
Weg zur Rettung wirklich gefährdeter Arten nicht in
ihrer Sozialisierung sondern darin besteht, den
Menschen deren Besitz zu gestatten. Um den
Naturschützer Ike Sugg zu zitieren:
"Wenn Regierungen dem einzelnen erlauben,
die Früchte der Erhaltung und des Schutzes
ihrer Flora und Fauna zu ernten, werden

AMERIKA DIENST 19

diese gedeihen. Wenn dem einzelnen die
Chance verwehrt wird, legal von Flora und
Fauna zu profitieren, wird er dies illegal und
ohne das Verantwortungsgefühl tun, das mit
der Verwaltung der Ressourcen einhergeht."
Ein besonders anschauliches Beispiel für Suggs
Argument ist der afrikanische Elefant. Kenia verhängte in den siebziger Jahren das Verbot der
Elefantenjagd, woraufhin sich die Zahl der Elefanten
aufgrund der Wilderei von 140.000 im Jahr 1970
rasch auf heute 16.000 verringerte.
Im Gegensatz dazu hatte Simbabwe 1979 nur 30.000
Elefanten, zählt heute jedoch über 65.000. Der
Hauptgrund für diesen Unterschied ist Sugg zufolge,
daß die Regierung von Simbabwe 1984 den Einwohnern den Besitz von Elefanten auf kommunalem
Gelände gestattete - ein großer Schritt in Richtung
auf die Definition von Eigentumsrechten. Ein Stammeschef, der den Wert von Eigentumsrechten und
der Kommerzialisierung von Elefanten verstand,
drückte es folgendermaßen aus:
"Lange Zeit erklärte uns die Regierung, Flora
und Fauna seien ihre Ressource. Aber ich
sehe, wie lebende Tiere unsere Ressource
sein können. Unser Wohlstand. Unser Weg
zur Verbesserung des Lebensstandards ohne
auf eine Entscheidung der Regierung zu
warten. Ein Wilderer stiehlt nur von uns."
Auch in einigen Gebieten der Vereinigten Staaten
werden gefährdete Arten durch private Eigentumsrechte und freie Märkte in Form von Wildgehegen
geschützt, in denen typischerweise "exotische" oder
nichteinheimische Tiere gehalten werden.
Der
Rancher David Bamberger aus Texas hat beispielsweise 29 der 31 verbliebenen Arten der Oryx-Antilope
erhalten - einer seltenen Antilope, die in ihrem
Herkunftsland Afrika praktisch ausgestorben ist.
Trotz solcher Erfolge haben mehrere Bundesstaaten
Wildgehege aufgrund der Argumentation verboten,
sie seien Blasphemie für die "Religion" der Umweltschützer (ganz zu schweigen von "Tierrechten"), die
lautet, Märkte und Eigentumsrechte dezimierten die
Arten.
Das Prinzip der Nutzung von Eigentumsrechten und
Marktanreizen zum Schutz globaler Ressourcen und
der Umwelt findet auf ein breites Spektrum von
Problemen Anwendung, einschließlich der Ausbeutung von Wasserressourcen im amerikanischen
Westen, dem Mismanagement staatlicher Wälder, der
Überfischung öffentlicher Seen und Flüsse und sogar
der Ozeane. Das Seerechtsgesetz, dessen Unterzeichnung die Vereinigten Staaten bisher verweigert
haben, würde die Ozeane als größtes Gut - und

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�unweigerlich als größte Tragödie - der Erde in
staatlichem Besitz und unter staatlicher Verwaltung
definieren.
Dieses elementare Prinzip wird jedoch noch nicht
einmal von den Theoretikern der umweltverträglichen
Entwicklung bei den Vereinten Nationen anerkannt.
Auf die Frage: "Wie können Einzelpersonen ...
überzeugt oder veranlaßt werden, im Interesse des
Allgemeinwohls zu handeln?", antwortete die Brundtland-Kommission mit "Bildung", Undefinierter "Strafverfolgung" und Beseitigung "des Gefälles bei wirtschaftlicher und politischer Macht". Die Rolle der
Eigentumsrechte bei der Formulierung von Anreizen
wurde nicht erwähnt.
Umweltverträgliche Entwicklung - wie von der
Brundtland-Kommission und den Planern des
Erdgipfels definiert - kann bestenfalls als Euphemismus für umweltpolitischen Sozialismus verstanden
werden, der den Regierungen immer mehr Kontrolle
über die Zuweisung von Ressourcen im Namen des
Umweltschutzes einräumt. Wenn jedoch aus dem
Zusammenbruch des Sozialismus in den ehemals
kommunistischen Ländern überhaupt eine Lektion zu
lernen ist, dann, daß der staatliche Besitz und die
staatliche Kontrolle von Ressourcen ein Rezept für
wirtschaftlichen Zusammenbruch und Verschlechterung der Umwelt sind. Sozialismus ist beim Schutz
der Umwelt genausowenig effektiv wie bei der
Schaffung von Wohlstand.
Der staatliche Besitz von Rohstoffen führt unweigerlich zu der Tragödie der Menschheit, dies ist jedoch
allzuhäufig die von der Brundtland-Kommission
angebotene "Lösung". Die Kommission empfiehlt
staatliche Kontrolle für alles vom Weltall bis zur
Energie, die angeblich "zu wichtig für die Entwicklung ist, als daß sie in solcher Weise fortgeführt
werden könnte", wie es der freie Markt gestattet.
Die oberste Priorität der Verfechter von umweltverträglicher Entwicklung ist vielleicht, den internationalen Wohlstandsstaat durch die Verlagerung von
Wohlstand aus "den reichen" Ländern in die Entwicklungsländer zu erweitern. Die gesamte Geschichte
der Entwicklungshilfe vollzieht sich jedoch zwischen
den Regierungen - der Großteil wird für gewöhnlich
zur Finanzierung der Erweiterung von Regierungsbürokratien in den Empfängerländern verwendet was der wirtschaftlichen Entwicklung abträglich sein
kann. Selbst wenn der größte Teil der Hilfe in die
Hände der Einwohner der Empfängerländer gelangen würde, erläutern die Theoretiker der umweltverträglichen Entwicklung nicht, wie dies in Ersparnisse,
Investitionen, Kapitalbildung und Unternehmenstätigkeit umgesetzt werden soll - die Bestandteile der
Wirtschaftsentwicklung.

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Und schließlich begeht die Theorie umweltverträglicher Entwicklung den großen Fehler "der Vortäuschung von Wissen", wie es der Nobelpreisträger
Friedrich von Hayek bezeichnete. Die zur effizienten
Herstellung selbst der einfachsten Produkte erforderlichen detaillierten und sich ständig verändernden
"Informationen über Zeit und Ort" sind so enorm und
weitverzweigt, daß kein menschliches Gehirn oder
eine Denkfabrik mit dem größten Computer der Welt
die Effizienz eines dezentralisierten Marktsystems
imitieren könnte. Dies ist letztlich die Hauptlektion,
die aus dem weltweiten Zusammenbruch des Sozialismus zu lernen ist.
Je größer und komplexer die Wirtschaft darüber
hinaus wird, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit,
daß staatliche Planung irgend etwas anderes als ein
bloßes Herumgerate sein könnte. Wie Hayek in
seinen 1988 erschienenen Buch The Fatal Conceit
feststellt:
"Indem wir den der wettbewerbsorientierten
Marktordnung zugrundeliegenden spontan
geschaffenen moralischen Traditionen folgen...
schaffen und speichern wir größeres Wissen
und Wohlstand als je in einer zentral gelenkten
Wirtschaft gewonnen und genutzt werden
könnte... Daher sind sozialistische Ziele und
Programme faktisch unmöglich zu erlangen
oder durchzuführen."
Die Theorie umweltverträglicher Entwicklung fordert
vielfältige Varianten internationaler zentraler Planung
der Wirtschaftsaktivität. Wenn das "vorgetäuschte
Wissen" fatal für Versuche staatlicher Planung auf
nationaler Ebene ist, so ist die Überzeugung unhaltbar, daß internationale oder globale Planung möglicherweise Erfolg haben könnten.
Die Empfehlung der Brundtland-Kommission, daß
jede Regierungsbehörde der Welt sich mit wirtschaftlicher Planung und Regulierung im Namen des Umweltschutzes befassen sollte, würde zu einer massiven Bürokratisierung der Gesellschaft und konsequenterweise einer drastischen Verschlechterung des
Lebensstandards führen. Die Vorstellung von Millionen "grüner" Bürokraten, die in jeden Aspekt unseres
gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens
eingreifen, ist erschreckend.
Die Ironie des Schicksals ist, daß die wohlhabenderen Volkswirtschaften typischerweise gesünder und
sauberer sind als die ärmeren. Durch die Verarmung
der Weltwirtschaft würde "umweltverträgliche Entwicklung" tatsächlich auch schädlich für die Umwelt sein.
Privateigentum, freie Märkte und gute Haftungs-

AMERIKA DIENST 19

�gesetze - Anatheme der Theorie von umweltverträglicher Entwicklung - sind unabdingbar für eine

saubere Umwelt und Wirtschaftswachstum,

* * * *

AMERIKA DIENST 19

*

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�FUSSBALL
18. Mal 1994

DIE AUSTRAGUNGSORTE DES WORLD CUP 1994
Neun amerikanische Städte im Porträt (I)

WASHINGTON - (AD) - Die Fußballweltmeisterschaft 1994 in den USA wird in neun Städten veranstaltet.
Beginnend mit Boston, Chicago, Dallas, Detroit und Los Angeles, veröffentlichen wir in den nächsten beiden
Ausgaben des Amerika Dienst kurze Porträts dieser Austragungsorte von Weltmeisterschaftsspielen.

BOSTON
Boston, auch "Beantown" oder "the Hub" genannt,
war eine der ersten europäischen Ansiedlungen in
den Vereinigten Staaten. Die Stadt wurde 1630 von
englischen Puritanern auf der Suche nach Religionsfreiheit gegründet und ist seither die bedeutendste
Stadt von Neu-England. Heute zählt Boston mit
seinen Vororten mehr als vier Millionen Einwohner.
Die Bewohner der Stadt haben seit ihrer Gründung
eine wichtige Rolle bei der Entwicklung des Landes
gespielt. Im nahegelegenen Concord und in Lexington wurde "der Schuß, den die ganze Welt hörte",
abgefeuert. Er markierte den Beginn des Amerikanischen Unabhängigkeitskrieges im April 1775. Am
gegenüberliegenden Ufer des Charles River in
Cambridge übernahm im folgenden Jahr George
Washington den Oberbefehl über das Revolutionsheer. Die Region ist ferner der Geburtsort solch
historisch bedeutender Persönlichkeiten wie Benjamin Franklin, John Adams, John Quincy Adams und
John F. Kennedy.
Die Geschichte der Stadt ist im großen und ganzen
erhalten geblieben und kann im Verlauf des 2,4 km
langen "Freedom Trail" besichtigt werden. Er
beginnt am Boston Common, dem ältesten Park der
Vereinigten Staaten. An dem historischen Weg
liegen ferner das Old State House, das als Sitz der
Kolonialregierung diente, die King's Chapel, Standort
der ersten öffentlichen Schule, der Globe Corner
Book Store, der einst von so berühmten Gelehrten
und Schriftstellern wie Ralph Waldo Emerson, Henry

AMERIKA DIENST 19

Wadsworth Longfellow und Nathaniel Hawthome
besucht wurde, das Old South Meeting House, wo im
Jahr 1773 die Boston Tea Party ihren Ausgang
nahm, und Faneuil Hall, seit 1742 Versammlungsort
von Bürgern, die dort über Politik und Wirtschaft
diskutieren.
Boston setzt sich aus vielen unterschiedlichen
Stadtvierteln zusammen. In der Nähe des Boston
Common befindet sich Beacon Hill, ein Viertel mit
engen Straßen und gut erhaltenen Stadthäusern aus
der Kolonialzeit. Nahe bei Faneuil Hall liegt das
North End, das zahlreiche historische Gebäude
beherbergt, wie etwa die Old North (Christ) Church,
Bostons älteste erhaltene Kirche, und das Paul
Revere House, das Heim des Patrioten aus der
Revolutionszeit. Heute wird das North End hauptsächlich von italienischen Einwanderern bewohnt,
und die zahlreichen Märkte und Restaurants verleihen dem Viertel ein besonderes Flair.
Die Wirtschaftskraft der Stadt gründet sich auf
Finanz- und Versicherungswesen, Niederlassungen
von Unternehmen, Universitäten, medizinische
Einrichtungen, Freizeit und Tourismus, Einzelhandel
und Industrie.
Boston besitzt einen der größten und meistfrequentierten Häfen der Welt. Er ist ferner ein wichtiger
Fischereihafen, und seine Fischrestaurants zählen zu
den besten des Landes.
Über 50 Colleges und Universitäten, darunter einige
der renommiertesten Bildungsstätten des Landes,
sind in Boston und seinen Vororten beheimatet. Dazu

Seite 1

�gehören: Die Harvard University (das älteste College des Landes), das Massachusetts Institute of
Technology (MIT), das Boston College, die Tufts
University, die Northeastem University, die University
of Massachusetts at Boston und das New England
Conservatory of Music.
Die Region von Boston ist auch als Standort zahlreicher High-Tech-Firmen bekannt, die in Cambridge
und entlang von Route 128, einer Ringautobahn um
Boston herum, angesiedelt sind. Ihre Wirtschaftstätigkeit konzentriert sich auf die Bereiche Elektronik,
Computer, Ingenieurwesen und Raumfahrt, und ihre
Mitarbeiter rekrutieren sich in großem Maß aus dem
Talentreservoir der umliegenden Universitäten.
Die Stadt besitzt darüber hinaus ein blühendes
Kulturleben. Die Symphony Hall, eine Konzerthalle
mit weltweit einzigartiger Akustik, ist die Heimat des
Boston Symphony Orchestra und der Boston Pops.
Das American Repertory Theater in Cambridge wird
landesweit für seine avantgardistischen Produktionen
gerühmt.
Natürlich sind die Einwohner Bostons auch begeisterte Sportfans. Im alten Boston Garden spielen
die Basketballmannschaft der Boston Celtics, die
bereits zahlreiche nationale Meisterschaften gewinnen konnte, und das Hockeyteam der Boston Bruins.
Beide Mannschaften werden seit langem von einer
großen Schar loyaler Anhänger unterstützt. Das
beliebte Baseball-Team der Stadt, die Red Sox,
absolviert seine Heimspiele von April bis Oktober im
Fenway Park nahe dem Kenmore Square. Die
Football-Mannschaft der New England Patriots spielt
im Sullivan Stadium von Foxboro (Massachusetts)
südwestlich von Boston.
Boston ist eine Stadt der Fußgänger, denn viele
seiner Attraktionen sind von bekannten Hotels und
vom Stadtzentrum aus zu Fuß zu erreichen. Wanderer werden darüber hinaus den 24 Kilometer
langen Weg am Charles River entlang, vorbei am
MIT, der Boston University und Harvard zu schätzen
wissen.
Für Tages- oder Wochenendausflüge in die nähere
Umgebung bieten die Küsten von North Shore und
South Shore sowie Cape Cod lohnende Ziele. In
North Shore befinden sich Rockport, eine Künstlerkolonie mit Geschäften, Galerien und Kunsthandwerkstudios, Gloucester, einst einer der größten
Fischereihäfen des Landes und heute ein Ort mit
exzellenten Fischrestaurants sowie Salem mit seinen
herrschaftlichen Häusern, die sich Clipperkapitäne
dort bauen ließen. Im Süden liegt Plymouth, wo die
Rekonstruktion der ersten europäischen Siedlung
besucht werden kann. Noch weiter südlich befindet

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sich Cape Cod, eine schmale Halbinsel, die für ihre
Fischspezialitäten und sauberen Strände bekannt ist.
Weitere Informationen über Boston und Umgebung
können angefordert werden bei: Greater Boston
Convention &amp; Visitors Bureau, Prudential Tower,
Suite 400, P.O. Box 490, Boston, Massachusetts
02199; Telefon: 617-536-4100.

CHICAGO
Lange bevor die Europäer nach Nordamerika gelangten, kannten die Indianer Chicago als den Ort, an
dem eine niedrige Wasserscheide den Michigan-See
und die anderen Großen Seen von den Gewässern
trennte, die zum Mississippi und dem Golf von
Mexiko fließen. Als erste Europäer erforschten
Franzosen dieses Gebiet; ein schwarzer Trapper mit
dem Namen Jean-Baptiste Point du Sable gründete
die erste Siedlung an dem Ort, der von den Indianern
"Chicagou" genannt wurde, was starker oder mächtiger Ort heißt.
Von Beginn an erkannten die Vereinigten Staaten die
Bedeutung Chicagos; 1803 wurde dort das Fort
Dearborn errichtet. Das 1833 urkundlich als Dorf
eingetragene Chicago verzeichnete seit seiner
Gründung ein enormes Wachstum. Damals wie
heute war der Grund dafür seine Lage. Um die Mitte
des 19. Jahrhunderts bildete die Stadt bereits einen
wichtigen Eisenbahnknotenpunkt und Seehafen, das
Tor zum oberen Mittelwesten und seinen landwirtschaftlichen Reichtümern.
Angeführt von Menschen wie Cyrus McCormick, dem
Erfinder der Mähmaschine, entwickelte sich Chicago
zu einem Zentrum der Produktion; in seinen Silos
wurde ein Großteil des Getreides aus dem mittleren
Westen gelagert und in seinen Schlachthöfen das
Fleisch verarbeitet, das in Haushalten des ganzen
Landes auf den Tisch kam. Heute ist die Stadt die
wichtigste Verkehrsdrehscheibe des Landes, das
Zentrum eines riesigen Netzes von Lastwagen- und
Bahnrouten in das ganze Land sowie von weltweiten
Flugverbindungen.
Chicago vermittelt ein Bild der Stärke und Härte. Der
Dichter Carl Sandberg rühmte sie als die "Stadt der
breiten Schultern". Es ist die Art von schnörkelloser
Stadt, in der Mannschaften wie die Chicago Bulls
dreimal hintereinander Landesmeister im Basketball
werden oder die Chicago Bears, die oft auch die
"Monsters of Midway" genannt werden, in einem
Footballspiel gegen Ende der Saison ihre Gegner
inmitten eines heulenden Schneesturms überrennen.

AMERIKA DIENST 19

�Die Chicago Cubs und die Chicago White Sox
spielen in der "Windy City" bereits nahezu seit der
Jahrhundertwende Baseball. Die Stadt hat ferner
das Profi-Eishockeyteam der Black Hawks sowie den
Meister der North American Soccer League von
1991, Chicago Sting, aufzuweisen.
Die Weltmeisterschaftsspiele werden im SoldierField-Stadion ausgetragen, das nahe am MichiganSee und im Herzen der Stadt gelegen ist. Chicago
ist darüber hinaus der Sitz von U.S. Soccer, dem
Dachverband dieses Sports in den USA.
Im Einklang mit seinem Image der breiten Schultern
hat Chicago drei der fünf höchsten Gebäude der
Welt vorzuweisen: Der 110stöckige Sears Tower,
der Amco Tower und das John Hancock Building.
Die Chicago Symphony, das Field Museum of
Natural History, das Chicago Art Institute und die
Lyric Opera Company tragen zu Chicagos Stellung
als bedeutendem Zentrum des Kulturlebens bei, und
dasselbe gilt für die Präsenz der University of
Chicago, der Northwestern University, Loyola University und DePaul University. Das Daley Center mit
seiner berühmten Plastik von Picasso ist eines der
bekanntesten Freigelände der Stadt, wo häufig
Konzerte oder Demonstrationen stattfinden.
Auch für die Liebhaber des Blues ist Chicago vielleicht einer der attraktivsten Orte auf der Welt.
Jahrzehntelang sind legendäre Sänger, Gitarristen
und Harmonikaspieler vom Delta des Mississippi und
den Baumwollfeldern in Ost-Texas nach Norden
gezogen, um in den Clubs der Southside zu spielen.
Zusätzliche Informationen sind erhältlich bei: Chicago Convention and Tourism Bureau, 2301 South
Lake Shore Drive, McCormick Place on the Lake,
Chicago, Illinois 60616; Telefon: 312-567-8500.
DALLAS
Dallas, auch "Big D" genannt, ist die zweitgrößte
Stadt von Texas, dem zweitgrößten Staat der USA.
Wenn man Texas erwähnt, denken die Menschen an
Ölquellen und Cowboys mit breitkrempigen Hüten,
die über weite Ebenen reiten und Vieherden treiben.
Obwohl Rodeos und Ölarbeiter auch heute noch
häufig anzutreffen sind, ist Texas wesentlich vielfältiger und kosmopolitischer als dieses Image vermuten
läßt.
Dallas wurde 1841 als Handelsstation gegründet.
Zu jener Zeit war Texas eine unabhängige Republik,
die zwar ihre Freiheit von Mexiko errungen hatte,
aber noch nicht Teil der Vereinigten Staaten geworden war. Nachdem die Stadt eine Generation später

AMERIKA DIENST 19

durch zwei Eisenbahnlinien erschlossen wurde,
wuchs die Bevölkerung sprunghaft an.
Um die Jahrhundertwende war Dallas einer der
weltweit bedeutendsten Binnenmärkte für Baumwolle
geworden.
Es war jedoch die überraschende
Entdeckung von Ölvorkommen, die der Stadt seit
Beginn der dreißiger Jahre unverhofften Reichtum
bescherte. Heute haben zahlreiche ölfirmen ihre
Zentrale in Dallas.
Etwa ein Viertel der Bürger ist im Produktionssektor
beschäftigt, und Dallas ist ein bedeutendes Zentrum
der amerikanischen Elektronik- und Elektroindustrie,
des Flugzeugbaus sowie der Herstellung von ölfördergerät und Damenbekleidung. Darüber hinaus gilt
die Stadt als Finanzzentrum für den Südwesten der
Vereinigten Staaten.
In Dallas befinden sich die Southern Methodist
University sowie eine Reihe renommierter Priesterseminare und medizinischer Fakultäten. Darüber
hinaus besitzt die Stadt eine erstklassige Oper und
hervorragende Theaterensembles sowie bodenständige Country &amp; Western-Tanzschuppen, in denen
der "Texas Two Step" der bevorzugte Tanz ist. Jazz,
Rock sowie Rhythm and Blues sind in der Dallas
Alley im historischen West End zu Hause. Der große
Bevölkerungsanteil mexikanischer Einwanderer
verleiht der Stadt ihr charakteristisches texanischmexikanisches Flair, das sich auch in Speisen und
Musik niederschlägt.
Dallas ist eine der fußballfreudigsten Städte in den
Vereinigten Staaten. Vor zwanzig Jahren wurden die
Kinder der Stadt - und deren Eltern, die die zahlreichen Jugendligen von Dallas organisieren - vom
Fußballfieber erfaßt, und dieser Boom hatte wahrhaft
texanische Ausmaße. Die Zahl der Mannschaften hat
sich seit den siebziger Jahren verzehnfacht, und an
der Zahl der aktiven Jugendmannschaften gemessen
liegt Texas an zweiter Stelle hinter Kalifornien. Die
meisten Amerikaner würde diese Tatsache vermutlich
überraschen, da Dallas in den USA hauptsächlich für
American Football steht, nicht für Fußball.
In Big D wird der American Airlines Dallas Cup
ausgetragen, eines der angesehensten Jugendfußballturniere der Welt, und die Stadt ist auch im
Profifußball bereits in Erscheinung getreten: Gemeinsam mit Mexiko-Stadt war sie 1993 Veranstaltungsort
der Meisterschaft für Nord- und Mittelamerika und die
Karibik (CONCACAF). Im Finale schlug Mexiko die
USA mit 4:0.
Die Weltmeisterschaftsspiele werden im Cotton-BowlStadion mit 72.000 Sitzplätzen stattfinden, wo an

Seite 3

�jedem Neujahrstag zwei der besten College-Footballmannschaften des Landes aufeinandertreffen.
Im Sommer strömen die Besucher nicht nur um des
dort stattfindenden Jahrmarkts willen in den State
Fair Park, sondern auch um die Spitzenaufführungen
von Broadway-Musicals zu erleben, die zu einem
Markenzeichen der Stadt geworden sind. Das
Gebäude des Dallas Theater Center ist einzigartig:
Es ist das einzige Theater, das je von dem berühmten amerikanischen Architekten Frank Lloyd Wright
entworfen wurde.
An Einkaufsmöglichkeiten bietet Dallas unter anderem Nieman-Marcus, das legendäre Kaufhaus der
Stadt, sowie den weitläufigen Market Center-Komplex, in dem sich verschiedene Geschäfte für Damen- und Herrenbekleidung sowie Möbel befinden.
Politisch ist Dallas auf tragische Weise mit einem der
erschütterndsten Momente der amerikanischen
Geschichte verbunden - der Ermordung von Präsident John F. Kennedy während einer Fahrt durch die
Stadt am 22. November 1963. Kennedys Nachfolger
Lyndon B. Johnson bot als Texaner vom Scheitel bis
zur Fußsohle - groß und überwältigend - einen kaum
zu überbietenden Kontrast zu seinem Vorgänger.
Mit einem Besuch der Daley Plaza, dem Ort des
Attentats, und im Gedenkmuseum wenige Häuser
weiter kann der Besucher die Wirrungen des Schicksals nachvollziehen, die der Stadt ihren notorischen
Ruf und dem berühmtesten Politiker aus Texas das
Präsidentenamt einbrachten.

Weitere Informationen über Dallas sind erhältlich bei:
Dallas Convention and Visitors Bureau, Suite 2000,
1201 Elm Street, Dallas, TX 75270; Telefon: 214746-6677.

DETROIT
Detroit - Motown - ist zu Recht stolz auf die Tatsache, daß es Fußballgeschichte machen wird. Im
Silverdome bei Pontiac werden zum ersten Mal
Weltmeisterschaftsspiele in einem völlig überdachten
Stadion ausgetragen. Die Mannschaften werden auf
einer von der University of Michigan entwickelten
besonderen Art von Rasen (Rispengras) spielen, der
in 1.800 sechseckigen Behältern angebaut wurde.
Der Rasen hat sich beim 2:1 Sieg Deutschlands
über England beim US-Cup von 1993 bewährt - so
stellte der deutsche Star Jürgen Klinsmann fest, er
habe noch nie auf einem Platz mit solch perfekten
Verhältnissen gespielt - und die Offiziellen vom
Silverdome sind sich sicher, daß er den harten
Weltmeisterschaftsspielen standhalten wird.

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Detroit besitzt renommierte Profimannschaften im
Baseball, Basketball und Eishockey. Im Silverdome
mit seinen 76.000 Zuschauerplätzen wurden bereits
zahlreiche Fußballspiele ausgetragen, bis zurück zu
den Zeiten als dort die Heimspiele von Detroit Express in der North American Soccer League stattfanden.
Die Stadt wurde 1701 von einem Händler names
Cadillac gegründet, der den französischen Pelzhandel
schützen wollte. Der von ihm gewählte Ort lag am
Detroit River, an der wichtigen Wasserstraße zwischen den Großen Seen, die drei Jahrhunderte lang
die wichtigste Verbindung zwischen dem Zentrum des
Landes und dem Atlantik bildete. Vor dem Bürgerkrieg (1861-1865) war die Stadt eine wichtige Station
der "Underground Railroad": Über diesen Weg
gelang es Hunderten von Sklaven, in die Freiheit des
nahen Kanada zu entkommen.
Die Stadt wurde durch die Eisen- und Stahlindustrie
sowie andere Industriezweige rasch industrialisiert
und erlebte ihre erste Blütezeit um die Jahrhundertwende. Dann fuhr im Jahr 1896 Charles B. King in
einer Kutsche ohne Pferde durch Detroit, und die
Stadt machte Geschichte. Die drei großen Automobilhersteller - General Motors, Chrysler und Ford haben ihren Sitz im Einzugsgebiet von Detroit. Die
Region gehört femer zu den führenden Produzenten
von Büromaschinen, chemischen Erzeugnissen,
Eisenwaren, Werkzeugmaschinen und Sanitärausrüstung.
Kanada ist von Detroit aus leicht zu erreichen: die
Stadt ist durch eine Brücke und einen Tunnel mit der
kanadischen Stadt Windsor (Ontario) verbunden.
In den sechziger Jahren entwickelte eine Gruppe von
Musikern aus Detroit den charakteristischen MotownSound (abgeleitet von dem Begriff "Motor Town"), der
von Gruppen und Interpreten wie den Temptations,
Smokey Robinson and the Miracles, Marvin Gaye,
Aretha Franklin und den Jackson Five weltweit
berühmt gemacht wurde. Darüber hinaus ist Detroit
Sitz solch renommierter Institutionen wie des Detroit
Institute of Arts, der Detroit Symphony und der
Cranbook Academy of Art.
Für Freizeitaktivitäten bietet sich der 400 Hektar
große Belle Isle Park an, der mit seinen schönen
Stränden, dem Jachthafen, einem Zoo, Aquarium und
Botanischen Garten sowie Sommerkonzerten Tausende von Besuchern anzieht. Der Detroit River wird
von Vergnügungsdampfern und Frachtschiffen, die
zwischen den Großen Seen fahren, stark frequentiert;
durch die Öffnung des St.-Lorenz-Kanals im Jahr
1959 wurde Detroit zum internationalen Seehafen.

AMERIKA DIENST 19

�Weitere interessante Stätten sind das Henry and
Edsel Ford Auditorium, wo das Detroit Symphony
Orchestra spielt, das Kongreß- und Ausstellungsgebäude Cobo Hall sowie ein 73stöckiges Hotel, das
im Renaissance Center am Flußufer integriert ist.
Für Autoliebhaber ist das Henry Ford Museum
sicherlich einen Besuch wert, während das angrenzende Greenfield Village Rekonstruktionen amerikanischer Häuser und alter Handwerkskünste beherbergt.
In Detroit befinden sich die Wayne State University,
die University of Detroit und das Detroit College of
Law. Das unweit von Detroit gelegene Ann Arbor
beherbergt die renommierte University of Michigan.
Weitere Informationen über die Region Detroit
können angefordert werden bei: Metropolitan Detroit
Convention and Visitors Bureau, 100 Renaissance
Center, Suite 1900, Detroit, MI 48243-1056; Telefon:
313-259-4333.
LOS

ANGELES

Los Angeles, LA, Stadt der Engel - sie ist eine der
bekanntesten, am wenigsten verstandenen und
ethnisch vielfältigsten Städte der Welt. Als Unterhaltungshauptstadt Amerikas bietet diese Stadt rund um
die Uhr einen Cocktail aus Fakten und Fiktionen und
verbindet die Realität so nahtlos mit der Illusion, daß
der Unterschied zwischen beiden nicht immer eindeutig zu klären ist.
Eines steht jedoch fest: Im Sommer 1994 wird die
Stadt Gastgeber der Fußballweltmeisterschaft sein.
Es werden Vorrundenspiele, ein Halbfinalspiel sowie,
am 16. und 17. Juli 1994, die beiden Finalspiele dort
stattfinden. Sie werden im Rose-Bowl-Stadion mit
seinen 102.000 Sitzplätzen ausgetragen, das rund
16 Kilometer nördlich vom Stadtzentrum liegt.

den Städten der Vereinigten Staaten weist Los
Angeles heute die zweithöchste Bevölkerungszahl auf
- in ihrem Einzugsgebiet leben nahezu 15 Millionen
Menschen.
Das milde Wetter Südkaliforniens und die spektakuläre Lage zwischen den San-Gabriel-Bergen und dem
Pazifik verleihen Los Angeles bereits seit langem
große touristische Bedeutung. Sonne und Sand
laden den Besucher ein - mit Santa Monica, Malibu
und Venice als populären Stränden zum Schwimmen,
Surfen, Volleyballspielen, zum Rollerbladefahren, um
Menschen bei ihren Aktivitäten zuzusehen oder
einfach die entspannte und freundliche Atmosphäre
Südkalifomiens auf sich wirken zu lassen.
Pasadena, der Vorort, in dem sich das Rose-BowlStadion befindet, ist auch der Sitz des weltberühmten
California Institute of Technology (Caltech). Andere
renommierte Universitäten der Umgebung sind
beispielsweise die University of California at Los
Angeles (UCLA), das Claremont College, das Occidental College und die University of Southern California. An jedem Neujahrstag wird in Pasadena die
Tournament of Roses Parade abgehalten, deren
Festwagen vollständig aus Blumen gefertigt sind.
Nach der Parade findet im Stadion ein landesweit im
Fernsehen übertragenes Endspiel zweier CollegeFootballmannschaften (das Rose-Bowl-Spiel) statt.
Die Region von Los Angeles hat bereits eine stolze
Tradition als Ausrichter von Sportveranstaltungen
vorzuweisen, darunter die Olympischen Spiele von
1932 und 1984. Gemäß ihrem Image als Mekka von
Aktivitäten im Freien nimmt der Sport einen wichtigen
Stellenwert im Leben der Stadt ein. Zu den Profimannschaften gehören die Lakers und die Clippers
(Basketball), die Dodgers und die Angels (Baseball),
die Rams und die Raiders (American Football) und
die Kings (Eishockey).
Auch Fußball ist sehr populär. Mehrere Spieler der
amerikanischen Nationalmannschaft stammen aus
Kalifornien, und die unlängst eröffnete nationale
Fußballeinrichtung befindet sich im nahegelegenen
Mission Viejo.

Los Angeles wurde im Jahr 1771 von spanischen
Missionaren gegründet, die ihre Gemeinde Stadt der
Engel nannten. Sie war mehrmals Hauptstadt der
mexikanischen Provinz Atta California, bis die
Region in den vierziger Jahren des 19. Jahrhunderts
Teil der Vereinigten Staaten wurde. Ein halbes
Jahrhundert später gewann die Stadt durch die
Entdeckung von Ölvorkommen an Bedeutung. Es
war jedoch der Einzug der Filmindustrie in Hollywood in den zwanziger Jahren dieses Jahrhunderts,
der Los Angeles weltweit bekannt machte.

Los Angeles ist eine Stadt mit zahlreichen charakteristischen Stadtvierteln, darunter das East Los
Angeles der Latinos, Chinatown und Little Tokyo. In
der Innenstadt befinden sich ferner die historische
Old Plaza und die Olvera Street, wo noch das Flair
der alten Siedlung aus der Kolonialzeit zu spüren ist.

Die Stadt ist seit 1950 stark gewachsen, als sich
Amerikaner und Einwanderer aus der ganzen Welt
vom LA-"Lifestyle" - jenem Inbegriff kalifornischer
Lebensart - wie magisch angezogen fühlten. Unter

Ein Besuch in Los Angeles wäre nicht vollständig
ohne einen Abstecher ins nahegelegene Hollywood.
Touristen gehen gerne den Walk of Farne entlang,
wo die Fußabdrücke von Unterhaltungsstars in Beton

AMERIKA DIENST 19

Seite 5

�verewigt sind oder bronzene Sterne auf dem Bürgersteig des Hollywood Boulevard und anliegender
Straßen die Namen von Größen des Showbusiness
tragen. In der Nähe befindet sich Mann's (früher
Graumann's) Chinese Theater, dessen verblaßte
Eleganz von den Weltpremieren kündet, die einst
hier stattfanden.
Um Filmgeschichte bei ihrer Entstehung zu erleben,
kann der Besucher sich die Kulissen der im Norden
von Hollywood gelegenen Universal oder WarnerBrothers-Studios ansehen. Alle drei großen amerikanischen Fernsehstationen haben ebenfalls Studios
in Los Angeles und bieten freie Eintrittskarten zu
Game Shows, Talkshows mit berühmten Persönlichkeiten oder Comedy-Serien, die vor einem Studiopublikum aufgezeichnet werden.
Bei einer Bustour zu den Villen von Beverly Hills und
Bei Air westlich von Hollywood kann man vielleicht
einen Blick auf einen der berühmten Stars der Stadt
werfen. Im Herzen von Beverly Hills liegt die exklusive Einkaufsgegend des Rodeo Drive. Andere
Viertel mit Kunstgalerien, Boutiquen und eleganten
Restaurants befinden sich am Wilshire-, Santa
Monica- und La Cienega-Boulevard, alles liegt in
Hollywood und vor der dorfähnlichen Kulisse von
Westwood nahe beieinander.
Los Angeles hat außerdem ein eindrucksvolles
kulturelles Spektrum zu bieten. In der Nähe des
Finanzviertels liegt das Los Angeles County Music
Center for the Performing Arts mit dem Dorothy
Chandler Pavilion - dort findet jedes Jahr die Verleihung der Oscars statt. Das Mark Taper Forum, in

dem Dutzende von Theatertruppen auftreten, ist das
größte Theater der Stadt.
Das neueste kulturelle Juwel von Los Angeles, das
Museum of Contemporary Art, befindet sich in der
Innenstadt, während der größte Kunstausstellungskomplex der Stadt, das Los Angeles County Museum
of Art, am exklusiven Wilshire Boulevard liegt. Das
Museum besteht aus vier Gebäuden mit umfangreichen Sammlungen, die von Kunstschätzen der Antike
bis zu zeitgenössischen Werken reichen. Neben dem
Museum kann man die La Brea Tar Pits besuchen,
wo prähistorische Säugetiere, die sich das falsche
Wasserloch ausgesucht hatten, seither als Fossilien
ruhen.
Die ausgedehnteste Attraktion der Stadt und zugleich
der größte städtische Park der Vereinigten Staaten ist
der Griffith Park, der sich über zerklüftetes, gebirgiges Gelände ausbreitet. Ein weiterer malerischer
Aussichtspunkt ist der Mulholland Drive auf dem
Scheitelpunkt der Hollywood Hills, der besonders bei
Nacht spektakuläre Ausblicke auf die Stadt ermöglicht. Im südlich der Stadt gelegenen Anaheim
befindet sich die populärste Attraktion Kaliforniens,
Disneyland, wo sich riesige Menschenmassen an den
Themenparks Magic Kingdom, Adventureland,
Frontiertand, Fantasyland und Tomorrowland erfreuen.
Weitere Informationen sind beim Greater Los Angeles
Convention and Visitors Bureau, 633 W. 5th St., Suite
6000, Los Angeles, CA, 90071, Telefon: 800-2282452, erhältlich.

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Seite 6

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AMERIKA DIENST 19

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                <text>&lt;strong&gt;1. Friedensoperationen&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Politik der Clinton-Administration zur Reform von Friedensoperationen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Bericht der US-Regierung&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Rassendiskriminierung&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Senat soll Konvention über Rassendiskriminierung unterstützen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ansprache von John Shattuck&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Verbrechensbekämpfung&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nachrichtendienste und Strafverfolgung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von CIA-Direktor Woolsey&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Terrorismus&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Terrorismus weiterhin globales Problem&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Jahresbericht des Außenministeriums&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Porträt&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Designierter oberster Richter ist pragmatischer Architekt des Konsenses&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Porträt von Stephen Breyer&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;strong&gt;6. Umwelt&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Umweltverträgliche Entwicklung - eine Illusion&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Thomas J. DiLorenzo&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;7. Fußball&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Austragungsorte des World Cup 1994&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Neun amerikanische Städte im Porträt (I)&lt;/em&gt;</text>
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dienet

Herausgeben U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z 12462 C

25. Mai 1994

20

HANDEL

CLINTON UNTERSTREICHT BEDEUTUNG DES
HANDELS
FÜR
AMERIKANISCHE
WIRTSCHAFT
Proklamation des Präsidenten

NAHER OSTEN

NArfER OSTEN FÜR USA WEITERHIN VON
VITALEM INTERESSE
Rede von Anthony Lake

WAFFEN

USA ÄNDERN HALTUNG GEGENÜBER
WAFFEN
Amerikaner für strengere Waffenkontrollen

LANDMINEN

USA PLANEN MULTILATERALES REGIME ZUR
KONTROLLE VON LANDMINEN
Anhörung McNamaras im Kongreß

USIA

FULTON WIRD DIREKTOR DES NEUEN
INFORMATIONSBÜROS
IM
USINFORMATIONSAMT
Ankündigung des Weißen Hauses

JACQUELINE KENNEDY ONASSIS

ZUM TODE DER PRASIDENTENWITWE
Ein Porträt

FUSSBALL

DIE AUSTRAGUNGSORTE DES
WORLD CUP 1994
Neun amerikanische Städte im Porträt (II)

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.:0228-339 23 72
Fax:0228-334102

�HANDEL
25. Mai 1994

CLINTON UNTERSTREICHT BEDEUTUNG DES HANDELS
FÜR AMERIKANISCHE WIRTSCHAFT
Proklamation des Präsidenten
WASHINGTON - (AD) - In einer aus Anlaß der Welthandelswoche 1994 am 18. Mai herausgegebenen
Proklamation unterstrich US-Präsident Bill Clinton die Bedeutung von Exporten für die amerikanische Wirtschaft
und erklärte, seine Administration sei der Schaffung eines für den Privatsektor günstigen Klimas verpflichtet.
Der Präsident wies darauf hin, daß Exporte "ein entscheidender Motor" des wirtschaftlichen Fortschritts
geworden seien. Seit fünf Jahren gehen mehr als 40 Prozent des Wachstums in den Vereinigten Staaten auf
Exporte von Waren und Dienstleistungen zurück und sichern damit 20 Prozent der Arbeitsplätze im
Fertigungsgewerbe.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Proklamation des Präsidenten im Wortlaut.
Während wir die Welthandelswoche 1994 begehen,
ist unsere Nation durchaus für den Konkurrenzkampf
der neunziger Jahre gerüstet. Unsere Wirtschaft ist
die stärkste in der industrialisierten Welt. Unsere
Erwerbsbevölkerung steht keiner anderen nach.
Unser höheres Bildungswesen sucht seinesgleichen. Und unser Volk ist optimistischer - und hat
dazu allen Grund.
Dennoch kommt der Erfolg auf dem Weltmarkt nicht
automatisch - er setzt Planung und Anstrengungen
voraus.
"Amerikanische Exporte bedeuten amerikanische
Arbeitsplätze" - das Thema der Welthandelswoche
illustriert, warum die Vereinigten Staaten sich bemühen müssen, das Engagement amerikanischer
Unternehmen auf dem Weltmarkt zu erhöhen.
Exporte sind ein entscheidender Motor des wirtschaftlichen Fortschritts unserer Nation geworden.
Seit fünf Jahren gehen mehr als 40 Prozent des
Wachstums in den Vereinigten Staaten auf Exporte
von Waren und Dienstleistungen zurück.
Heute steht jeder fünfte Arbeitsplatz im Fertigungsgewerbe mit Exporten in Verbindung. Exporte von
Gütern und Dienstleistungen sichern ungefähr 10,5
Millionen Arbeitsplätze. Exporte schaffen besser
bezahlte Arbeitsplätze.
In der Exportindustrie
beschäftigte amerikanische Arbeitnehmer verdienen
17 Prozent mehr als der Durchschnitt.

Angesichts der engen Verbindung zwischen Binnenund Weltwirtschaft ist es wichtiger denn je, Gewicht
auf die Faktoren zu legen, die Amerika wettbewerbsfähig machen. Umweltverträgliches Wachstum ist nur
zu erzielen, wenn wir die Probleme unserer Gesellschaft lösen, die unsere Bürger hindern, ihr Bestes zu
geben.
Der erste Punkt auf der Tagesordnung dieser Administration war die Verbesserung des Wirtschaftsklimas
in unserem Land, und das ist auch in Zukunft meine
Priorität. Wir haben beim Abbau unseres Haushaltsdefizits große Fortschritte gemacht. Steuerliche
Anreize haben einen starken Anstieg von Investitionen ausgelöst. Derzeit verfolgen wir eine Politik zur
Ermutigung von Partnerschaften zwischen Regierung
und Privatwirtschaft. Wir haben die schwierige
Aufgabe in Angriff genommen, der Rüstungsindustrie
bei der Konversion der Produktion zu friedlichen
Zwecken behilflich zu sein. Und wir widmen der
weiterführenden Bildung sowie der Ausbildung und
Umschulung unserer erwerbstätigen Bevölkerung
mehr Aufmerksamkeit.
Diese Administration setzt sich entschieden für eine
sichere Gesundheitsfürsorge für alle Amerikaner ein,
und wir haben einen Vorschlag zur Reform unseres
Sozialversorgungsnetzes vorgelegt.
Wir haben
wichtige Initiativen zur Bekämpfung von Verbrechen
und Drogenhandel ergriffen.
Diese Schritte zur Förderung von gesundem Wirtschaftswachstum und mehr Sicherheit für die Gesell-

AMERIKA DIENST 20

Seite 1

�schaff stellen die Grundlage für die Konkurrenzfähigkeit Amerikas in der Weltwirtschaft dar.
Amerikanischen Unternehmen muß jedoch ein fairer
Zugang zu internationalen Märkten gewährt werden.
Wir haben viel Gewicht auf den Abbau von Handelshemmnissen im Ausland gelegt und machen Fortschritte. Das Nordamerikanische Freihandelsabkommen schafft einen pulsierenden, integrierten Markt
auf unserem Kontinent und eröffnet für die Zukunft
gute Chancen auf eine noch größere Freihandelszone. Der erfolgreiche Abschluß der UruguayRunde des GATT nach siebenjähriger harter Verhandlungsarbeit sollte jetzt zu einer beträchtlichen
Ausweitung des Welthandels führen.
Die Partnerschaft zwischen der US-Regierung und
dem Privatsektor ist erforderlich, wenn wir die zu
Beginn der Amtszeit meiner Administration umrissenen wirtschaftlichen Ziele erreichen wollen. Die
Bundesregierung will für die Privatindustrie ein
konstruktiver Partner sein, indem sie sich für die
Schaffung eines günstigen Wirtschaftsklimas im Inund Ausland einsetzt. Die Hauptverantwortung für
die Entwicklung überseeischer Märkte liegt jedoch
beim Privatsektor. Die Unternehmen müssen das
Risiko tragen, was auch das Recht mit sich bringt,
die Früchte zu ernten.

*

Seite 2

*

Unsere Arbeitnehmer werden die Früchte in Form
vieler neuer Arbeitsplätze ernten, denn Exporte
können unsere Methode Nummer eins für die Schaffung hochbezahlter Arbeitsplätze darstellen.
Das alles läßt nur eine Schlußfolgerung zu: Wir
müssen uns weltweit entwickeln, um eine gesundere
Wirtschaft zu sichern, und es liegt im Interesse der
Unternehmen, Arbeitnehmer und der gesamten
Bevölkerung, daß dies geschieht. Wir müssen auf
dem Weltmarkt mehr verkaufen - und tun weiterhin
unser Bestes, um den Zugang amerikanischer Waren
zu diesem Markt zu erweitern. Ferner müssen wir
den Handel auf eine Art und Weise fördern, die für
die Arbeitnehmer von Vorteil ist und umweltverträgliche Entwicklung ermutigt.
Aufgrund dessen erkläre ich, William J. Clinton,
Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, kraft
der mir von der Verfassung und den Gesetzen der
Vereinigten Staaten übertragenen Vollmachten die
am 22. Mai 1994 beginnende Woche zur Welthandelswoche. Ich rufe das Volk der Vereinigten Staaten
dazu auf, sich an entsprechenden Vorhaben zu
beteiligen, um das Potential des Welthandels zur
Schaffung von Wohlstand für alle zu unterstreichen.

*

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AMERIKA DIENST 20

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�NAHER

OSTEN
25. Mal 1994

NAHER OSTEN FÜR USA WEITERHIN
VON VITALEM INTERESSE
Rede von Anthony Lake
WASHINGTON - (AD) - Der Nahe Osten bleibt Präsident Clintons Nationalem Sicherheitsberater Anthony Lake
zufolge trotz der Beendigung der Rivalität zwischen den Supermächten für die Vereinigten Staaten von "vitalem
Interesse".
Der Nahe Osten kann ein "Paradigma für die Haltung unserer Nation gegenüber der Welt nach dem Kalten
Krieg" sein, erklärte Lake am 16. Mai 1994 vor dem Washington Institute for Near East Policy.
Die Interessen der Vereinigten Staaten in der Region umfassen ihm zufolge den ungehinderten Fluß von Erdöl,
die Stabilität befreundeter arabischer Nationen, einen sicheren und dauerhaften Frieden zwischen Israel und
seinen Nachbarn sowie die Eindämmung der Ablehnungsfront - Irak, Iran und Libyen.
"Unser Feind", so Lake, "sind Unterdrückung und Extremismus, sei es unter religiösem oder weltlichem
Deckmantel". Washington grenze sich von jenen ab, "die ihre Ziele mit Hilfe von Terror, Intoleranz oder Zwang
fördern wollen". Er wies jedoch die Ansicht zurück, "eine erneute Betonung der traditionellen Werte der
islamischen Welt müßte zwangsläufig zu einem Konflikt mit dem Westen führen".
Nachfolgend veröffentlichen wir den vorbereiteten Redetext.
Ich freue mich über die Einladung, vor dem SorefSymposium des Washington Institute sprechen zu
dürfen. Ich weiß, daß Sie alle großes Interesse am
Nahem Osten haben und viel darüber wissen.
Folglich geht es mir wie dem Professor, der eine
Vorlesung über die Flut halten soll und genau weiß,
daß Noah unter den Zuhörern ist.
Da Außenminister Christopher derzeit intensive
Gespräche führt, werde ich heute nicht über den
Stand der Verhandlungen sprechen, sondern mich
auf unseren konzeptuellen Ansatz gegenüber dem
Nahen Osten konzentrieren. Der Nahe Osten ist in
vielerlei Hinsicht ein Paradigma für die Haltung
unserer Nation gegenüber der Welt nach dem Kalten
Krieg. Und es ist für uns eine Herausforderung und
eine Verantwortung, ein regionales Umfeld zu
schaffen, in dem das Versprechen einer Zukunft
voller Frieden und Hoffnung realisiert werden kann.
Der Nahe Osten sieht sich im wesentlichen mit einer
Entscheidung zwischen zwei verschiedenen Zukunftsmöglichkeiten konfrontiert. Ein Weg führt in
eine Zukunft, in der im Besitz von Massenvernichtungswaffen befindliche Extremisten eine Region
beherrschen, die von Konflikten zwischen Gemein-

AMERIKA DIENST 20

den und Staaten zerrissen ist. Die Alternative bringt
demokratischen Fortschritt, freien Verkehr von
Menschen und Waren und zu regionaler Sicherheit
führenden Dialog hervor. Gewalt oder Frieden,
Unterdrückung oder Freiheit, Isolation oder Dialog das sind die Alternativen.
Wir können jeden Tag Beispiele für diese Zukunftsmöglichkeiten sehen. Denken Sie an die Ereignisse
der vergangenen Tage. Bestrebungen zur Einigung
und Demokratisierung Jemens scheiterten, als der
Norden und der Süden des Landes das Schlachtfeld
dem Verhandlungstisch vorzogen. Gleichzeitig wurde
ein für die Beendigung eines anscheinend unlösbaren
Konflikts entscheidender Schritt unternommen, als
israelische Soldaten die Kontrolle über den Gazastreifen und Jericho friedlich an die palästinensischen
Behörden übergaben.
Inmitten dieses von Unruhen und Hoffnung gekennzeichneten Zeitalters können die Vereinigten Staaten
es sich nicht leisten, untätiger Zuschauer zu sein.
Obwohl die Rivalität zwischen den Supermächten
nicht mehr besteht, bleibt die Region für unsere
Nation von vitalem Interesse. Der freie Fluß von
Erdöl aus der Golfregion zu vernünftigen Preisen, die

Seite 1

�Sicherheit und das Wohlergehen Israels, ein sicherer
und dauerhafter arabisch-israelischer Frieden, die
Stabilität befreundeter arabischer Staaten, die Notwendigkeit der Eindämmung Iraks, Irans und Libyens
- der Ablehnungsfront gegen Frieden im Nahen
Osten, Bestrebungen zur Verhinderung der Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen - aus
diesen Gründen hat unsere Nation ein wirkliches
Interesse an einer demokratischen Zukunft mit mehr
Frieden und Wohlstand.
Wir wollen jedoch nicht die Zukunft des Nahen
Ostens beherrschen. Die bewegte Geschichte der
Region war zu stark auf den Kampf um Beherrschung ausgerichtet und es wurden zu wenige
kooperative Anstrengungen unternommen, um
gemeinsame Interessen und Werte für eine bessere
Zukunft aller Völker der Region zu fördern.
Wir betrachten diesen Kampf um die Zukunft des
Nahen Ostens auch nicht als einen "Zusammenprall
der Zivilisationen". Ich möchte diesen Punkt besonders hervorheben. Es wurde von manchen angedeutet, daß es in der Welt nach dem Kalten Krieg
eine grundlegende Kluft gebe, welche die liberaldemokratischen Traditionen des Westens scheinbar
gegnerischen, auf dem Islam und anderen Religionen basierenden "Zivilisationen" gegenüberstelle.
Diese Theoretiker sind der Ansicht, daß es keine
gemeinsame Basis für eine Verständigung zwischen
"dem Westen und dem Rest" gebe, sondern nur die
Aussicht auf Konfrontation und Konflikt. Sie behaupten, die Vereinigten Staaten als einzige verbleibende
Supermacht auf der Suche nach einer neuen zu
bekämpfenden Ideologie sollten sich einem neuen
Kreuzzug gegen den Islam widmen. Bei der Suche
nach einer neuen feindlichen Ideologie würde der
Fundamentalismus den Kommunismus als Gefahr für
den Westen ablösen.
Wir lehnen das entschieden ab. Im Nahen Osten
gibt es, ebenso wie auf der ganzen Welt, eine
grundlegende Spaltung. Die Trennlinie zwischen
Gut und Böse verläuft jedoch nicht zwischen "Zivilisationen" oder Religionen, sondern zwischen Unterdrückung und verantwortungsbewußter Regierungsführung, zwischen Isolation und Offenheit und
zwischen Mäßigung und Extremismus. Sie macht
keine Unterschiede zwischen Rasse oder Glauben.
In Südafrika und in China, in Burma und in Rußland,
im Gazastreifen und im Norden des Irak sprechen
mutige Männer und Frauen, die für Menschenrechte
und Demokratie streiten, die universelle Sprache der
persönlichen und politischen Freiheit. Die dramatischen weltweiten Veränderungen der vergangenen
vier Jahre haben gezeigt, daß diese Sprache die
Vergangenheit überwinden und die Zukunft umgestalten kann.

Seite 2

Dies gilt im Nahen Osten und der muslimischen Welt
ebenso wie andernorts. Unser Feind sind Unterdrückung und Extremismus, sei es unter religiösem
oder weltlichem Deckmantel. Wir grenzen uns von
jenen ab, die ihre Ziele mit Hilfe von Terror, Intoleranz und Zwang fördern wollen. Ich versichere
Ihnen, daß Präsident Clinton sich weiterhin unerschütterlich gegen Terrorakte wenden wird, die den
Friedensprozeß behindern oder den Völkern des
Nahen Ostens eine hoffnungsvolle Zukunft verweigern. Die Feinde des Friedens zögern nicht, zur
Förderung ihres Ziels Gewalt einzusetzen. Der
Präsident hat jedoch bekräftigt, er werde nicht
zulassen, daß sie Erfolg haben.
Wir weisen auch die Vorstellung zurück, daß eine
erneute Betonung traditioneller Werte in der islamischen Welt unweigerlich zu einem Konflikt mit dem
Westen oder mit demokratischen Grundsätzen führen
muß. Diese Werte - die Hingabe an Familie und
Gesellschaft, Glauben und gute Taten - sind uns
nicht fremd. Es ist nicht überraschend, daß die
Menschen im Nahen Osten und Nordafrika die Rolle
dieser Werte in Gesellschaft und Regierung testen
und debattieren. Die Menschen in der Region - wie
auf der ganzen Welt - suchen nach Mitteln und
Wegen, eine dem Volk verantwortliche Regierung zu
bilden, die fundamentalen Menschenrechte zu
garantieren und ihrem Leben einen Sinn zu geben.
Es ist weder ungewöhnlich noch einzigartig, daß viele
von ihnen auf den Islam schauen. Dies ist eine
universelle Suche. Es geht nicht um den Islam.
Heute sind die wirklichen Konflikte, die eine Beleidigung für das Gewissen der Menschheit darstellen,
keine "Konflikte der Zivilisationen". In Bosnien
widersetzen wir uns dem Haß und der Gewalt. Unser
Feind sind Selbstgerechtigkeit und skrupelloser
Nationalismus. Die Führer der Serben wollen ihre
Eroberungen durch Behauptungen legitimieren, sie
wehrten eine muslimische Bedrohung des Westens
ab. Die Welt sollte solche falschen Vorgaben jedoch
nicht akzeptieren. Zweifelsohne werden wir sie nicht
akzeptieren. Wir setzen uns für einen demokratischen bosnischen Staat ein, in dem Muslime und
Christen in Frieden miteinander leben. Unseres
Erachtens hat der Westen ein Interesse daran zu
demonstrieren, daß ein solcher Staat im Herzen
Europas willkommen ist, überleben und prosperieren
kann.
Die von Saddam Hussein abgegebene Erklärung für
seine Invasion in Kuwait - die Verteidigung der
islamischen Welt gegen einen westlichen Eindringling
- war ebenso fadenscheinig wie heute das Gerede
Slobodan Milosevics von einer Schlacht der Zivilisationen. Niemand läßt sich davon täuschen. Der
Golfkrieg wurde als das angesehen, was er war - ein

AMERIKA DIENST 20

�Versuch zur Eroberung und regionalen Vorherrschaft, den eine aus islamischen und nichtislamischen Nationen bestehende Koalition vereitelte.
Nach diesem Krieg sahen sich die Vereinigten
Staaten gezwungen, sich mit zwei feindlichen Regimen in der Region auseinanderzusetzen - dem
weltlichen Irak und dem fundamentalistischen Iran.
Andernorts in der Region widersetzen wir uns der
extremistischen Politik des weltlichen Libyen und des
fundamentalistischen Sudan. Und wir sind wachsam
von Algerien bis zum Südlibanon, vom Westjordanland und dem Gazastreifen bis Ägypten und
Jordanien, wo Extremisten die Region zu spalten
und auf den alten Pfad der Gewalt zurückzubringen
drohen.
Es sollte keinen Zweifel geben. Der islamische
Extremismus stellt eine Gefahr für die Interessen
unserer Nation dar. Es gibt Kräfte, die unter dem
Deckmantel des wiederauflebenden Islam die
Freiheit unterdrücken, sich von der Welt zurückziehen und Feindseligkeiten rechtfertigen.
Diese
Bewegungen stellen eine Bedrohung für die Vereinigten Staaten und die internationale Staatengemeinschaft dar, da sie sich einer mächtigen und
allzuhäufig verführerischen Sprache bedienen - der
jahrhundertealten Leier von Haß, Furcht und Vorurteilen. Vor allem aber stellen sie - wie wir wissen eine Gefahr für die Zukunft des Nahen Ostens dar.
Obwohl sich die Umstände ändern, hat das Phänomen des Extremismus weltweit eines gemeinsam:
Ernüchterung, Unfähigkeit zur Deckung der Grundbedürfnisse des Menschen sowie vereitelte Hoffnungen auf politisches Mitspracherecht und soziale
Gerechtigkeit. Weitverbreitete Desillusionierung ist
eine Brutstätte für einen von Haß und Gewalt
gekennzeichneten Extremismus - der keineswegs
nur dem Nahen Osten oder der muslimischen Welt
vorbehalten ist. Kennzeichnend für den islamischen
Extremismus ist, daß er die Religion zur Tarnung
seiner wahren Absichten nutzt - dem puren Streben
nach politischer Macht.
Angesichts dieser Herausforderung müssen die
Vereinigten Staaten gemeinsam mit anderen dazu
bereiten Nationen regionale Bollwerke gegen den
Extremismus errichten. In Zentralasien pflegen wir
Beziehungen zu den neuen unabhängigen islamischen Staaten, beispielsweise Kasachstan. Andernorts - von der Türkei bis Saudi-Arabien, von Pakistan
bis Indonesien - halten wir alte Bündnisse und
Freundschaften mit weltlichen und fundamentalistischen Staaten aufrecht, die eine muslimische
Bevölkerung haben. Im Nahen Osten haben wir
dieselbe Aufgabe.

AMERIKA DIENST 20

Bei der Bewältigung der vor uns liegenden Herausforderungen müssen wir energisch den arabischisraelischen Frieden anstreben, die religiösen und
weltlichen Extremismus fördernden oder unterstützenden Staaten und Organisationen eindämmen und
eine Gemeinschaft gleichgesinnter Staaten im Nahen
Osten bilden, die dieselben Ziele verfolgen wie wir:
freie Märkte, Ausweitung von Demokratie sowie
Kontrolle der Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ihrer Trägersysteme.
Diese Elemente ergänzen und verstärken sich
gegenseitig. Fortschritte beim arabisch-israelischen
Friedensprozeß drängen die Extremisten in die
Defensive und verstärken ihre Isolation. Die Unterminierung extremistischer Kräfte erleichtert Fortschritte bei dem Friedensprozeß. Wenn Friedensschaffung und Eindämmung Wirkung zeitigen, ist es
für gemäßigte Regierungen einfacher, ihre Legitimierung zu erhöhen und Extremisten in ihrer Mitte in
Schach zu halten. Diese Mäßigung ist gegenseitig
verstärkend und führt zum Aufbau von Beziehungen,
die das Versprechen größerer regionaler Stabilität
beinhalten.
Das aktive Streben nach Frieden im Nahen Osten ist
eine der höchsten außenpolitischen Prioritäten der
Clinton-Administration.
Es bildet den Eckpfeiler
unserer Bemühungen zur Umgestaltung der Region.
Wenn Araber und Juden nach soviel Haß und Konflikten in Frieden im Heiligen Land leben, können sie
ihre enormen Talente und Ressourcen für die Aufgaben des Fortschritts ausschöpfen. Und sie können
ein Beispiel geben - eine Friedensschaffungsdynamik
entwickeln - die alle anderen Konflikte in der Region
positiv beeinflussen kann.
Was in der vergangenen Woche in Gaza und Jericho
geschah, ist daher sowohl einfach als auch tiefgreifend. Im wahrsten Sinne des Wortes hat die
palästinensische Polizei die Verantwortung für die
Aufrechterhaltung der Ordnung vom israelischen Heer
übernommen. Diese einfache Übergabe der Machtbefugnis symbolisierte jedoch auch die Veränderung
der Beziehungen zwischen Palästinensern und
Israelis. Zum ersten Mal in ihrer Geschichte haben
die Palästinenser das Recht - und die Verantwortung
- erhalten, sich selbst zu regieren. Zum ersten Mal in
der Geschichte des israelisch-arabischen Konflikts
haben sich Israelis und Palästinenser auf praktische
Wege für eine friedliche Koexistenz im Heiligen Land
geeinigt.
Wir sind uns alle der mit diesem Prozeß einhergehenden Schwierigkeiten und Gefahren äußerst
bewußt. Zwischen dem historischen Händedruck vor
dem Weißen Haus im September vergangenen
Jahres und der Unterzeichnung von Kairo neun

Seite 3

�Monate später wurden wir konstant daran erinnert,
daß die Kräfte des Extremismus und der Reaktion
entschlossen sind, die Hoffnung auf Frieden zu
ersticken. Wir können - und dürfen - ihren Erfolg
nicht zulassen.
Einige mögen die Klugheit und Tragfähigkeit des von
Yitzhak Rabin und Jassir Arafat eingeschlagenen
Kurses in Frage stellen. Aber dies ist nicht der
Augenblick für Vorhersagen. Die Israelis und
Palästinenser haben erkannt, daß der Status quo
nicht tolerierbar und eine friedliche Versöhnung
endlosem Konflikt und Gewalt vorzuziehen ist. Wir
schulden ihnen mehr als nur im Zweifelsfall zu ihren
Gunsten zu entscheiden, wir schulden ihnen unsere
Unterstützung und Ermutigung. Wenn sie scheitern wenn wir ihnen erlauben zu scheitern - werden die
Hoffnungen für einen friedlichen Nahen Osten
zerschlagen. Und wer kann sagen, wieviele weitere
Menschenleben es kostet, wieviele Familien zerrissen oder Schlachten geschlagen werden, bevor ihre
mutigen Anführer wieder den Aufbau des Friedens
versuchen können.
Genausowenig können wir es uns leisten, die Hände
in den Schoß zu legen und der Geschichte in Gaza
und Jericho ihren Lauf zu lassen. Die Komplexität
des Friedensprozesses beginnt sich erst abzuzeichnen. Die israelisch-palästinensische Grundsatzerklärung fordert die Ausweitung entscheidender
Elemente der palästinensischen Selbstverwaltung
auf das Westjordanland. Die Wahlen im Westjordanland und im Gazastreifen sollten in diesem Jahr
stattfinden. Und binnen zwei Jahren werden Israel
und die PLO Verhandlungen über den endgültigen
Status aufnehmen.
In jeder Phase der israelisch-palästinensischen
Verhandlungen werden Schwierigkeiten auftreten.
Schwierigkeiten bei der Friedensschaffung zwischen
einem Staat und einer Organisation, die aus höchst
unterschiedlichen Elementen zusammengesetzt sind.
Sie beinhalten die Lösung äußerst komplizierter
Konflikte, die schnell wieder zunichte gemacht
werden kann. Ein dauerhafter regionaler Frieden
kann nicht auf dieser instabilen Grundlage allein
aufgebaut werden.
Aufgrund eben dieser Israelis und Palästinenser jetzt
konfrontierenden Schwierigkeiten hat der Präsident
Außenminister Christopher und seine Mitarbeiter
zurück in die Region entsandt, um bei den Verhandlungen zwischen Israel und Syrien mitzuwirken.
Ein syrisch-israelisches Abkommen wäre jedoch eine
entscheidende Lösung zwischen zwei starken Staaten, die gemeinsam in einen "Frieden der Mutigen"
eintreten. Es würde den Konflikt zwischen Israel und

Seite 4

den arabischen Staaten beenden. Jordanien und der
Libanon könnten ihre Differenzen mit Israel binnen
Kürze beilegen. Die vollständige Normalisierung der
Beziehungen zwischen Israel und den arabischen
Maghreb- und Golfstaaten würde rasch folgen. Mit
anderen Worten, die Pattsituation wäre durchbrochen.
Ein israelisch-syrischer Frieden würde mehr bewirken
als nur das Abkommen zwischen Israel und der PLO
zu stützen und eine Veränderung der Beziehungen
zwischen Israel und der arabischen Welt sicherstellen. Dieser Frieden würde auch viel zur Förderung unserer Bestrebungen um die Erweiterung des
Kreises von Friedensstiftern beitragen, die Mäßigung
im Nahen Osten fördern und eine Bastion gegen
reaktionäre Staaten errichten.
Im größeren Kontext des regionalen Friedens spielt
Syrien eine entscheidende Rolle. Historisch gesehen
haben Syriens Bündnis mit dem Iran und die Unterstützung von Gruppen der Ablehnungsfront den
Kräften des Extremismus im Nahen Osten eine
lebenswichtige Basis geschaffen. Durch das Schüren
von arabischem Nationalismus hat Syrien diesen
Kräften eine wichtige Quelle der Legitimität geboten.
Syrien hat diese Legitimität durch die Ablehnung von
Sadats Frieden mit Israel schlecht und durch den
Beitritt von Damaskus zur Koalition im Golfkrieg
gegen Saddam Hussein und die Aufnahme direkter
bilateraler Verhandlungen mit Israel gut genutzt.
Als Präsident Assad den entscheidenden Schritt
unternahm und in Genf bekanntgab, daß Syrien eine
strategische Entscheidung für Frieden mit Israel
getroffen habe, wurden die bisherigen extremistischen Verbündeten des Landes daher nervös.
Hisbollah-Anführer argumentierten, wie ein extremistisches Programm in einem Zeitalter des Friedens
zwischen Israel und dem Libanon am besten verfolgt
werden könnte. Die Anführer der palästinesischen
Ablehnungsfront gegen einen Friedensschluß gingen
aus Angst vor dem Verlust ihrer Basis im Libanon
und in Syrien auf der Suche nach neuen Zufluchtsorten nach Libyen. Iranische Regierungsvertreter
besuchten eilig Damaskus, das sie offensichtlich mit
leeren Händen wieder verließen. Als sie nach Hause
zurückkehrten, begann der iranische Klerus die
Führung zu kritisieren, die sich abzeichnende Isolation ihrer Nation nicht verhindert zu haben.
Trotz dieser ermutigenden Anzeichen unterschätzen
wir die Risiken und Kosten bei der Erlangung eines
israelisch-syrischen Friedens nicht. Wie Ministerpräsident Rabin feststellte, wird die heftige interne
Debatte in Israel den Preis für Frieden mit Syrien in
der Tat schmerzhaft machen. Obwohl es für die
Vereinigten Staaten schwierig sein wird, diesen
Schmerz zu mildern, können und wollen wir - wie

AMERIKA DIENST 20

�Präsident Clinton wiederholt klargestellt hat - Israel
bei der Minimierung der bevorstehenden Risiken
behilflich sein.
Erstens werden wir darauf bestehen, daß der
Frieden ein echter Frieden ist - nicht nur die bloße
Tatsache, daß kein Krieg herrscht - sondern eine
qualitative Veränderung der Beziehungen zwischen
Israel und Syrien. Volle diplomatische Beziehungen,
ein Ende des Boykotts, die Öffnung der Grenzen für
Menschen und Handel, die Förderung gemeinsamer
Wirtschaftsprojekte. Wie Präsident Clinton in Genf
feststellte, haben wir bereits guten Grund zu der
Annahme, daß Syrien sich jetzt zu echtem Frieden
verpflichtet hat in der Art, wie Israel und die anderen
ihn definieren.
Zweitens werden wir darauf bestehen, daß der
Frieden gesichert ist - die Vereinigten Staaten sind
bereit, sich an den von den Parteien ausgehandelten
Sicherheitsarrangements zu beteiligen. Spezifische
Gespräche über die Form der Beteiligung haben
noch nicht begonnen, aber unsere Verpflichtung ist
fest. Und ebenso wie wir in diesem vergangenen
Jahr gehandelt haben, um das Versprechen des
Präsidenten zur Aufrechterhaltung und Erweiterung
des qualitativen Vorsprungs von Israel einzulösen,
werden wir handeln, um Israels Frühwarnfähigkeiten
und seine Fähigkeit zur Bewältigung von Bedrohungen größerer Reichweite zu stärken, um einen
Ausgleich für die strategischen Vorteile zu schaffen,
die es für den Frieden aufzugeben bereit sein
könnte.
Schließlich werden wir darauf bestehen, daß der
Frieden umfassend ist. Wir werden mit Jordanien
und dem Libanon beharrlich zusammenarbeiten um
sicherzustellen, daß ihre Verhandlungen mit Israel
zu Friedensabkommen führen. Und wir werden
darauf bestehen, daß die anderen arabischen und
muslimischen Staaten ihren Boykott beenden und
ihre Beziehungen zu Israel vollständig normalisieren.
Doppelte Eindämmung
Stellen Sie sich die strategischen Auswirkungen
eines solchen Friedens auf den Nahen Osten
insgesamt vor. Wir werden unsere Bestrebungen
zur Eindämmung der vom Iran und Irak ausgehenden Bedrohungen drastisch verstärken. Dem Iran
würden die Mittel verwehrt, im Kernland des Nahen
Ostens Probleme zu schüren. Seine Botschaft des
Hasses, sein Ruf nach der Zerstörung der "zionistischen Einheit" werden der Welt als leere, anachronistische Drohung erscheinen. In gleicher Weise
werden Saddam Husseins Hoffnungen zur Mobilisierung der arabischen Welt hinter einem antiisraelischen Banner zerschlagen.

AMERIKA DIENST 20

Wir werden diese beiden reaktionären Staaten und
die sie unterstützenden Gruppen zunehmend isolieren können. Durch den Friedensprozeß wird ein
neues regionales Umfeld geschaffen, das bereits
Gestalt anzunehmen beginnt. Darin werden gemäßigte islamische Staaten von der Türkei im Norden
bis zu Saudi-Arabien im Süden, von Ägypten im
Westen bis zu Pakistan im Osten die Fähigkeiten
dieser verbrecherischen Staaten und Organisationen
zur Erweiterung ihres Einflusses sowie zur Verbreitung ihrer Botschaft des Hasses und der Gewalt
einschränken. Mit Syrien und den anderen Staaten
in diesem Lager, das mit Israel in Frieden lebt, wird
sich das Kräftegleichgewicht im Nahen Osten entschieden zugunsten der Mäßigung verlagern. Den
Extremisten wird der Anspruch verwehrt, daß ihnen
die Zukunft gehört - sie werden sich mit der Realität
des Scheiterns auseinandersetzen müssen.
Die Erweiterung des Friedens wird auch die Förderer
des Friedens in ihrem Kampf gegen Extremismus im
Inland unterstützen. Den Regierungen wird die
Chance geboten, Desillusionierung wegen gescheiterter Ideologien und unerfüllter Erwartungen mit den
greifbaren Ergebnissen der Friedensschaffung zu
begegnen. Ressourcen werden freigesetzt, um die
Grundbedürfnisse der Menschen zu erfüllen statt die
destruktiven Erfordernisse des Krieges. Regionale
Wirtschaftsentwicklung unter Einsatz der bisher
aufgrund von Boykotten und Konflikten verweigerten
Technologien und Gelder wird den Geschmack auf
ein besseres Leben bieten. Und wenn die Regierungen einmal in der Lage sind, für das wirtschaftliche
Wohlergehen ihrer Bevölkerung zu sorgen, werden
sie sich bei der Erfüllung des Wunsches ihrer Bürger
nach größerer politischer Beteiligung und Rechenschaftspflicht sicherer fühlen. Ein Friedensschluß
vermittelt den Regierungen die Stärke, Extremismus
im In- und Ausland zu bekämpfen.
Wir wissen, daß die Realitäten im Nahen Osten
unweigerlich diese Vision beeinträchtigen werden.
Wir unterschätzen die Schwierigkeiten nicht, die mit
Friedensschaffung oder dem Widerstand extremistischer Kräfte einhergehen, die in der Region auf
Beute lauern. In unserem Gedächtnis ist jedoch
Raum für mehr als nur das Massaker von Hebron,
die Autobombe in Alufa, die Invasion von Kuwait und
die Revolution im Iran. Wir sind bereits Zeuge von
zwei Unterzeichnungszeremonien auf dem Rasen vor
dem Weißen Haus geworden: Des Abkommens von
Camp David und der israelisch-palästinensischen
Grundsatzerklärung. Wir wissen jetzt, daß eine
Zukunft mit Frieden und Wohlstand für alle Menschen
im Nahen Osten mehr als eine bloße Illusion ist.
Abschließend möchte ich aus dem ersten Buch des
Talmud zitieren:

Seite 5

�Der Tag ist kurz,
die Aufgabe ist groß,
es ist nicht an Euch,
die Arbeit zu beenden.
Aber es steht Euch nicht frei,
Euch ihr zu entziehen.

Die Clinton-Administration ist sich der mit der Umgestaltung des Nahen Ostens einhergehenden schwierigen Aufgabe wohl bewußt. Aber wir werden diese
Herausforderung annehmen. Und ich weiß, daß Sie
uns dabei zur Seite stehen werden.

* * * *

Seite 6

*

AMERIKA DIENST 20

�WAFFEN
25. Mal 1994

USA ÄNDERN HALTUNG GEGENÜBER WAFFEN
Amerikaner für strengere Waffenkontrollen
WASHINGTON - (AD) - Am 15. Mai 1994 berichtete
das US-Justizministerium, daß Verbrechen mit
Handfeuerwaffen in den Vereinigten Staaten nach
den letzten vorliegenden Zahlen aus dem Jahr 1992
stark angestiegen sind. Bei einer Gedenkfeier für
ermordete Strafverfolgungsbeamte am 16. Mai 1994
bedauerte Präsident Clinton das Ausmaß von
Verbrechen mit Waffengewalt, verwies jedoch auf
Veränderungen im Gesetz und der öffentlichen
Meinung, die auf eine Inangriffnahme des Problems
schließen lassen. "Amerika wird sich des Problems
bewußt", stellte Clinton fest. "Wir haben eine Wende
bewirkt. Jetzt müssen wir die Arbeit zu Ende
bringen."
Obwohl die Verbrechensrate in den Vereinigten
Staaten insgesamt niedriger ist als in vielen anderen
Ländern - einem kürzlichen Artikel im Wall Street
Journal zufolge wird in London doppelt so oft
eingebrochen wie in New York - belegen die Statistiken, daß Verbrechen mit Waffengewalt in Amerika
sehr viel häufiger sind als in jeder anderen modernen Industriegesellschaft. Die weithin in die Schlagzeilen geratenen Morde an ausländischen Touristen
-einschließlich der Erschießung einer Deutschen und
Verwundung ihres Ehemanns am 16. Mai in Kalifornien - bereiten weltweit Anlaß zu der besorgten
Frage, warum Waffen in den Vereinigten Staaten so
leicht erhältlich sind, und was die US-Regierung
dagegen unternimmt.
Nirgendwo ist die Sorge über den Waffenbesitz
jedoch größer als in den Vereinigten Staaten - unter
den Amerikanern - selbst, stellen Experten fest. Da
die Amerikaner sehr viel wahrscheinlicher Opfer von
mit Waffen ausgerüsteten Verbrechern werden als
ausländische Besucher, hat ihnen zufolge der Ruf
der Öffentlichkeit nach einer Änderung der amerikanischen Gesetze über Waffenbesitz bereits zu zwei
wichtigen Gesetzen geführt, die den Besitz von
Waffen einschränken.
Das erste Gesetz - nach Präsident Reagans Pressereferent Brady benannt, der 1981 bei dem Anschlag
auf Präsident Reagan angeschossen wurde - gelangte im Herbst zur Verabschiedung und schreibt

AMERIKA DIENST 20

eine fünftägige Wartezeit beim Kauf einer Waffe vor.
Damit wird den Strafverfolgungsbeamten Zeit eingeräumt, Nachforschungen über den möglichen Käufer
anzustellen.
Das zweite Gesetz wurde Anfang dieses Monats vom
Repräsentantenhaus verabschiedet.
Mit diesem
Gesetz werden 19 halbautomatische Waffentypen
verboten, mit denen kein anderer Zweck verfolgt
würde, als Menschen umzubringen. Der Senat
stimmte im Rahmen eines umfassenden Gesetzes
zur Verbrechensbekämpfung einer ähnlichen Maßnahme zu. Die Maßnahmen müssen bei einer
Konferenz von Repräsentantenhaus und Senat vor
der erwarteten Unterschrift des Präsidenten abgestimmt werden.
Präsident Clinton, der stark für das Verbot von
halbautomatischen Waffen eintrat, erklärte, die für die
Maßnahme stimmenden
Kongreßabgeordneten
"haben sich für das nationale Interesse eingesetzt".
"Wir sind begeistert über das Verbot halbautomatischer Waffen. Unsere harte Arbeit hat sich bezahlt
gemacht", äußerte Cheryl Brolin, Sprecherin der
Handgun Control Incorporated, einer Organisation,
die für stärkere Waffenkontrolle kämpft. In einem
Interview erklärte sie: "Das zeigt in der Tat, daß die
Amerikaner der Lobbyisten müde werden, die einer
vernünftigen Waffenkontrolle entgegenarbeiten."
Eine dieser Interessengruppen ist die National Rifle
Association (NRA), die seit Jahren äußerst effektiv
die Maßnahmen zur Waffenkontrolle im Kapitol
vereitelt hat. Die amerikanische Presse sieht das
Brady-Gesetz und das Gesetz über halbautomatische
Waffen als wichtige Niederlage für die NRA und
verweist darauf, daß sich Meinungsumfragen zufolge
bis zu 80 Prozent der Bevölkerung für Einschränkungen ausgesprochen haben.
Die NRA verweigerte jeden Kommentar zu diesem
Artikel, hat sich jedoch häufig für strengere Gesetze
zur Bestrafung Krimineller statt für härtere Kontrollen
des Waffenbesitzes ausgesprochen und oft auf den
Zweiten Zusatzartikel zur amerikanischen Verfassung

Seite 1

�verwiesen, der das Recht der Amerikaner auf
Waffenbesitz schützt. Der Zusatzartikel, der Bestandteil der Bill of Rights ist, lautet folgendermaßen:
"Da eine gut ausgebildete Miliz für die Sicherheit
eines freien Staates erforderlich ist, darf das Recht
des Volkes, Waffen zu besitzen und zu tragen, nicht
beeinträchtigt werden."
Brolin erklärt, die Interpretation des Zweiten Zusatzartikels durch die NRA "ist schlichtweg falsch. Die
Gerichte vertreten die Auffassung, daß der Zweite
Zusatzartikel nicht das Recht des einzelnen auf
Waffenbesitz schützt", erläuterte sie. "Kein Gesetz
zur Waffenkontrolle wurde je aufgrund des Zweiten
Zusatzartikels abgelehnt", fügte sie hinzu.
Auf die Frage, ob sie optimistisch bezüglich zusätzlicher Gesetze zur weiteren Einschränkung des
Waffenverkaufs in den Vereinigten Staaten sei,
antwortete Brolin, ihre Organisation sei bereits für
ein dem Repräsentantenhaus am 28. Februar
vorgelegtes, gemeinhin als Brady II bekanntes
Gesetz aktiv.
Im Fall ihrer Annahme würden zu den von diesen
Gesetzen verordneten Einschränkungen eine weitere
Verschärfung der Bestimmungen über den Waffenhandel, die Einführung von Waffenscheinen sowie
eine Sicherheitsausbildung für die Benutzung von
Schußwaffen gehören, erklärte sie. Ihre Organisation werde "unsere 400.000 Mitglieder im ganzen
Land zur Unterstützung von Brady II mobilisieren."
Einige Kongreßabgeordnete wollen jedoch weiter
gehen als Handgun Control Incorporated. Der
republikanische Senator John Chafee aus Rhode
Island hat beispielsweise einen Gesetzesvorschlag
über das Verbot sämtlicher Handfeuerwaffen in den
Vereinigten Staaten eingebracht mit dem Argument,
daß "82 Prozent aller Morde in den Vereinigten
Staaten mit Schußwaffen begangen werden".
Senator Pat Moynihan (Demokrat aus New York)
wiederum möchte das Problem durch eine starke
Steuererhöhung auf Munitionsverkäufe lösen, da
eine Beseitigung der schätzungsweise 214 Millionen
Waffen schwierig sei, während eine starke Verteuerung der Munition viel effektiver wäre.
Senator Bill Bradley (Demokrat aus New Jersey)
machte vergangene Woche den Vorschlag, sämtliche Waffenbesitzer sollten einen Ausweis mit Foto
mitführen müssen, wodurch bei einem Verbrechen
verwendete Waffen viel schneller aufgespürt werden
könnten als bisher.
Mittlerweile wurden vielerorts die Bestimmungen zur
Waffenkontrolle verschärft, ohne Maßnahmen der

Seite 2

Bundesregierung abzuwarten. In der Bundeshauptstadt Washington beispielsweise ist Privatpersonen
der Besitz von Schußwaffen verboten.
Diese Schritte bedeuten dem konservativen Kommentator Charles Krauthammer zufolge, daß die
Amerikaner im Hinblick auf Schußwaffen Taten
wünschen. Im Zusammenhang mit der Annahme des
Gesetzes über halbautomatische Waffen im Repräsentantenhaus wies Krauthammer darauf hin, daß
eine ähnliche Aktion vor einiger Zeit wegen 70
fehlender Stimmen scheiterte.
Dieses Mal, erklärte er, stimmten sogar überzeugte
Konservative wie der republikanische Kongreßabgeordnete aus Illinois, Henry Hyde, für diese Maßnahme. Mehrere Abgeordnete aus ländlichen Gebieten,
die aufgrund der niedrigen Verbrechensrate in ihren
Wahlkreisen eine Schußwaffenkontrolle ablehnten,
gaben jetzt angesichts des Schußwaffenproblems in
den Städten ihre Stimme für diese Maßnahme ab.
"Das ist das beginnende Ende der Waffenmanie",
stellte Krauthammer in seiner Kolumne fest.
Richard Kohn, Historiker und Experte für den Zweiten
Zusatzartikel der amerikanischen Verfassung an der
University of North California, verweist darauf, daß
die Haltung der USA gegenüber Waffen im Unabhängigkeitskrieg und dem Geist der Westbewegung
verwurzelt ist. In einem Interview äußerte er: "Die
Vereinigten Staaten entstanden als eine revolutionäre
Gesellschaft, die eine übermächtige Regierung
fürchtete. Die Amerikaner hegten Mißtrauen gegenüber einer Gesellschaft, in der Waffenbesitz dem
Staat vorbehalten war."
"Der Zweite Zusatzartikel der Verfassung sollte
verhindern, daß die Zentralregierung die Macht zur
Zerstörung der Bürgerwehr der Bundesstaaten
erhält", fuhr Kohn fort. "Die Interpretation der Gerichte geht in diese Richtung, besagt jedoch nicht, daß
alle Bürger das Recht auf unkontrollierten Waffenbesitz haben", stellte er fest.
Das kulturelle Erbe des Landes ist ebenfalls ein die
Haltung gegenüber Waffen beeinflussender Faktor.
Während der Zeit der Siedler waren Waffen aufgrund
derweiten Entfernung von den Sicherheitskräften und
ihrer unregelmäßigen Verteilung im Land sowie für
die Jagd erforderlich.
Jack Greene, Historiker an der Johns Hopkins
University in Baltimore (Maryland) weist jedoch darauf
hin, daß die weitverbreitete Verfügbarkeit von Waffen
ein nach dem Zweiten Weltkrieg entstandenes
Phänomen und nicht tief in der amerikanischen
Psyche verwurzelt ist.

AMERIKA DIENST 20

�In einem Interview äußerte er: "Während des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges waren die meisten Bürger nicht im Besitz von Waffen, obwohl sich
die Situation im 19. Jahrhundert durch die Ausdehnung des Landes nach Westen hin etwas veränderte. Der Süden hatte von jeher eine tolerantere
Haltung gegenüber dem Waffenbesitz. In den
dreißiger Jahren, als ich aufwuchs, besaßen vergleichsweise wenige Menschen Schußwaffen."
Kohn und Greene stimmen jedoch darin überein,
daß sich im stark verstädterten Amerika Ende des
*

AMERIKA DIENST 20

20. Jahrhunderts und angesichts einer im Vergleich
zu früheren Zeiten stark erhöhten Verbrechensrate
selbst die Einstellung derjenigen wandelt, die sich in
der Vergangenheit für einen einfachen Zugang zu
Waffen aussprachen - eine Entwicklung, mit der sich
Administration und Kongreß befassen.
Zusammenfassend stellte Kohn fest, daß die Amerikaner "sich große Sorgen über die Eskalation von
Waffen in unserer Gesellschaft machen und eine
Veränderung fordern".

* * * *

Seite 3

�LANDMINEN
25. Mai 1994

USA PLANEN MULTILATERALES REGIME
ZUR KONTROLLE VON LANDMINEN
Anhörung McNamaras im Kongreß
WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten haben eine "beschleunigte Überprüfung der Politik" zur
Entwicklung eines Vorschlags für ein multilaterales Regime zur Kontrolle von gegen lebende Ziele gerichteten
Landminen eingeleitet, erklärte Thomas McNamara, Stellvertretender Abteilungsleiter im Außenministerium für
politische und militärische Angelegenheiten.
Millionen bereits gelegter Landminen stellen "eine große Gefahr für die Zivilbevölkerung" dar, insbesondere
in den Entwicklungsländern, teilte McNamara dem Bewilligungsunterausschuß des Senats für auswärtige
Operationen am 13. Mai 1994 mit.
"Neben diesem tragischen, in Menschenleben zu zahlenden Preis verhindern nicht entschärfte Landminen die
Rückführung von Flüchtlingen sowie die wirtschaftliche Entwicklung und stellen eine andauernde Gefahr für
die politische Stabilität dar."
Nachfolgend veröffentlichen wir den vorbereiteten Text der Eingangserklärung McNamaras vor dem
Unterausschuß.

*

Herr Vorsitzender, zunächst einmal möchte ich Ihnen
für die Gelegenheit danken, über die Bestrebungen
der Administration zur Lösung des Problems zu
sprechen, das unter unschuldigen Zivilisten einen
schrecklichen Tribut fordert: Der unverantwortliche
Einsatz von gegen lebende Ziele gerichteten Landminen. Ich weiß, Herr Vorsitzender, daß Sie sich für
diese Sache stark engagieren. Obwohl wir bereits
in den achtziger Jahren diesbezügliche Anstrengungen unternommen haben, waren Ihr Weitblick und
Ihre Führungsqualitäten unerläßlich, um dieser
Angelegenheit die ihr zukommende Aufmerksamkeit
zu widmen. Die Administration ist ebenso engagiert
wie Sie, und wir bemühen uns energisch um eine
Beendigung dieser menschlichen Tragödie.

Unser Ansatz zur Lösung des Problems von Landminen basiert auf zwei grundlegenden Tatsachen.
Erstens der Unmittelbarkeit des Problems. Landminen fordern jede Woche Hunderte von Todesopfern.
Aus diesem Grund wollen wir dringend Lösungen
finden, die in naher Zukunft Wirkung zeitigen.
Zweitens der Komplexität des Problems. Sie führt
dazu, daß ein einziger Ansatz zu seiner Lösung nicht
ausreicht. Folglich haben wir eine umfassende,
vierteilige Strategie entwickelt, um die vielfältigen
Facetten des Problems anzusprechen. Ich möchte
unseren Ansatz vorstellen.

Es gibt mehrere Millionen noch gelegter, gegen
lebende Ziele gerichteter Landminen. Sie werden
noch jahrelang eine große Gefahr für die Zivilbevölkerung darstellen, vor allem in den Entwicklungsländern, in denen die Zivilbevölkerung besonders
verletzlich ist. Neben diesem tragischen, in Menschenleben zu zahlenden Preis verhindern nicht
entschärfte Landminen die Rückführung von Flüchtlingen sowie die wirtschaftliche Entwicklung und
stellen eine andauernde Gefahr für die politische
Stabilität dar. Somit sind Landminen in vielen

Der erste Teil umfaßt unsere Initiativen zur Entschärfung der Minen. Er richtet sich auf die Landminen, die bereits gelegt wurden und jeden Tag unschuldige Zivilisten gefährden. Wir nehmen zur Zeit
an laufenden Hilfsprogrammen zur Entschärfung von
Minen in Kambodscha, Afghanistan, Nicaragua und
Mosambik teil und unterstützen entsprechende
Bestrebungen in Eritrea, Äthiopien, Honduras und
Costa Rica. In Angola, Somalia, Ruanda und Liberia
bestehen ebenfalls bedeutende Probleme, die fortdauernden Unruhen in diesen Ländern haben aber

AMERIKA DIENST 20

Regionen der Welt ein bedeutendes Hindernis bei der
Erreichung unserer außenpolitischen Ziele.

Seite 1

�bisher eine detaillierte Planung und Umsetzung
unserer Hilfsprogramme verhindert. Wir hoffen, bis
Ende 1994 in mindestens sechs weiteren Ländern
unsere Beurteilungen darüber abgeschlossen zu
haben, wo Landminen ein ernstes Problem darstellen. Ich möchte darauf hinweisen, daß diese
Staaten zusammengenommen einen großen Prozentsatz der Länder ausmachen, die Schätzungen
über die Verbreitung von Landminen zufolge diese
Krise herbeiführten. Ich versichere Ihnen, daß wir
uns um die Lösung der schwierigsten Fälle bemühen.
Diese Aktivitäten kommen uns bei unseren Bestrebungen zu Hilfe, die örtliche Bevölkerung über den
optimalen Umgang mit Landminen bis zu ihrer
endgültigen Beseitigung zu unterrichten. Ferner
fördern sie in den betroffenen Ländern die Ausbildung in effektiven, sicheren Techniken zur Entschärfung. In diesem Zusammenhang, Herr Vorsitzender, möchte ich darauf verweisen, daß unsere
diesjährigen Leistungen auf diesem Gebiet direkt auf
Ihre Unterstützung in Form einer Zuweisung von 10
Millionen Dollar im Finanzjahr 1994 an das Verteidigungsministerium zurückzuführen sind.
Das Programm "Ausbildung der Ausbilder" soll von
Landminen geplagten Ländern die Fähigkeit zur
Lösung des Problems aus eigener Kraft vermitteln.
Angesichts moderner Technologie ist das der
kostengünstigste Weg zur Lösung des Problems und
für diese Länder die einzige Möglichkeit, die zur
Entschärfung der Minen erforderliche Zahl von
Menschen einzusetzen.
Herr Senator, ich freue mich, Ihnen heute mitteilen
zu können, daß die Vereinigten Staaten für Ende
dieses Jahres oder Anfang des kommenden die
Veranstaltung einer Konferenz möglicher Geberländer planen - ein Beweis dafür, welch große Bedeutung unsere Regierung dem Problem der Landminen
beimißt. Unseres Erachtens wird eine solche
Konferenz die Aufmerksamkeit der Welt verschärft
auf das Problem lenken und eine Vielzahl von
Staaten - und ihre zusätzlichen Ressourcen - in die
weltweiten Bestrebungen zur Beseitigung von
Landminen einbringen.
Dies ist zwar ein Anfang, reicht aber nicht aus.
Angesichts der derzeitigen Technologie und Ressourcen schätzen wir, daß es mehrere Jahrzehnte
dauern wird, alle derzeit verlegten Minen zu entsorgen. Aus diesem Grund schließen das Außen- und
das Verteidigungsministerium einen Forschungsplan
zur Entwicklung von Technologien ab, die den
betroffenen Nationen beim Aufspüren und der
Beseitigung von Landminen behilflich sind. Um

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unsere Minenentschärfungsprogramme fortzusetzen,
haben wir für das Haushaltsjahr 1995 zusätzliche
Hilfsgelder beantragt.
Der zweite Teil unserer Gesamtstrategie besteht in
der Stärkung der Konvention über konventionelle
Waffen (Convention on Conventional Weapons CCW), insbesondere von Protokoll II, das den Einsatz
von Landminen regelt. Der Präsident hat die Konvention gestern dem Senat zur Beratung und Zustimmung zur Ratifizierung übermittelt. Dank dessen
können wir Druck auf maßgebliche Verbesserungen
des Protokolls über Landminen ausüben, damit es bei
internationalen Konflikten Anwendung findet, die
Forderung enthält, daß alle Minen einen beträchtlichen metallischen Anteil haben und bestimmte
Minen sich selbst entschärfen.
Der dritte Teil unserer Strategie ist der Appell an alle
Länder, die Landminen herstellen und/oder exportieren, Moratorien für den Transfer von Landminen zu
verhängen. Im Dezember vergangenen Jahres
verabschiedete die UN-Generalversammlung die von
Ihnen im Namen der Vereinigten Staaten vorgelegte
Resolution einstimmig, die ein Moratorium für den
Export von ein gravierendes Risiko für Zivilisten
darstellenden Landminen fordert. Wie haben ernsthafte Bestrebungen in die Wege geleitet, die betreffenden Länder zur Unterstützung der UN-Resolution
mit konkreten Maßnahmen zu veranlassen. Acht
weitere Länder haben ihrerseits bereits Moratorien
verhängt, und mehrere andere haben uns erklärt, sie
hätten Kontrollsysteme eingeführt, die Moratorien
gleichbedeutend sind. Obwohl wir der Ansicht sind,
daß noch weitere Länder Moratorien verhängen
werden, reicht dies nicht aus. Wir werden die anderen weiterhin auf eine Reaktion drängen.
Unilaterale Exportmoratorien sind eine nützliche
Maßnahme. Sie sind jedoch nur zeitlich befristet.
Wir sehen sie als Bindeglied zum vierten Teil unserer
Strategie:
Der Schaffung eines dauerhafteren
internationalen Kontrollmechanismus. Die Leichtigkeit, mit der Landminen verlegt werden können und
die damit einhergehenden außerordentlich niedrigen
Kosten gebieten zusammen mit der Schwierigkeit und
den enormen Kosten der Aufspürung und Entfernung
der Minen verstärkte Präventivmaßnahmen als hohe
Priorität unseres Gesamtansatzes. Aus diesem
Grund hat die Administration eine beschleunigte
Überprüfung der Politik eingeleitet, um den Vorschlag
für ein multilaterales Kontrollregime für gegen lebende Ziele gerichtete Landminen zu erarbeiten. Wir
überprüfen rigoros und systematisch ein breites
Spektrum von Optionen. Obwohl wir noch keine
Entscheidungen getroffen haben, ist unser Ansatz
von mehreren Grundprinzipien geleitet.

AMERIKA DIENST 20

�Erstens ist die Crux des Problems das Fehlverhalten
der Zivilisten in der Dritten Welt. Landminen sind
zur Waffe der Wahl vieler Entwicklungsländer
geworden, wo sie bei Unruhen häufig gegen Zivilisten eingesetzt werden.
Zweitens müssen wir eine Reihe von Faktoren
abwägen, um ein Regime zu erzielen, das tatsächlich Leben und Gliedmaßen rettet. Zweifelsohne
wollen wir keine Gefahren hinterlassen, die eine
andauernde Bedrohung für Zivilisten darstellen,
wenn die Kampfhandlungen eingestellt wurden.
Gleichzeitig würde es keinen Sinn ergeben, eine
Lösung zum Landminenproblem zu verfolgen, die
das Risiko für unsere Männer und Frauen in Uniform
erhöht. Zur Zeit müssen sie auf Landminen als
Schutz und zur Verwirklichung der nationalen
Sicherheitsziele in unterschiedlichen Kampfsituationen zurückgreifen, wie etwa der entmilitarisierten
Zone zwischen Nord- und Südkorea.
Drittens könnten einige wünschenswerte Aspekte
des Regimes nicht verhandelbar sein. Da ein
Großteil des Problems aus dem unverantwortlichen
Einsatz der Minen durch diejenigen herrührt, die
keine Rücksicht auf die Sicherheit der Nichtkombattanten nehmen, wollen wir den Ländern, deren
Verhalten wir einzudämmen versuchen, keine
Entschuldigung geben, dem Regime nicht beizutreten. Wir wollen auch einen Verhandlungsprozeß
verhindern, der Jahre benötigt, um Ergebnisse
hervorzubringen. Je länger die Erlangung eines
Abkommens dauert, das etwas bewirkt, desto mehr
unschuldige Zivilisten werden leiden.
Wir wollen, daß unsere Vorschläge von praktischen
Gesichtspunkten geleitet sind. Dies ist der klassische Fall, bei dem das Beste der Feind des Guten
sein könnte. Wir sollten nicht von Anfang an die
Schaffung eines Regimes erwarten, das nicht mit der

*

AMERIKA DIENST 20

*

Zeit zu Verbesserungen und Verfeinerungen fähig ist.
Von höchster Bedeutung ist jetzt, das Regime zu
formulieren und umzusetzen. In diesem Zusammenhang sind unsere Erfahrungen mit dem Raketentechnologie-Kontrollregime (Missile Technology
Control Regime - MTCR) nützlich. Die heute durchgeführten Kontrollen sind sehr viel schärfer als bei
der Einführung des MTCR.
Mit anderen Worten, ein internationales Kontrollregime kann unseres Erachtens bei der Milderung
des durch Landminen verursachten menschlichen
Leidens äußerst nützlich sein. Die Administration hat
sich der Erlangung des erforderlichen internationalen
Konsenses in möglichst kurzer Zeit verschrieben. Wir
legen bereits den Grundstock bei unseren Gesprächen mit den wichtigsten Ländern.
Abschließend möchte ich feststellen, daß seit Beginn
dieser Anhörung aufgrund von Landminen zwei
weitere Opfer zu beklagen waren. Dies unterstreicht
nicht nur den Ernst des Problems, sondern auch
seine Dringlichkeit. Ich möchte das Engagement der
Administration zur Bewältigung dieses Problems in
einem Zeitrahmen unterstreichen, der für die Millionen von Bedeutung ist, die jeden Tag mit diesem
Problem leben und sterben.
Herr Vorsitzender, in diesem Zusammenhang möchte
ich die von Ihnen in den vergangenen fünf Jahren
übernommene Führungsrolle bei der Schaffung und
Finanzierung des Fonds für Kriegsopfer würdigen.
Dieser zur Unterstützung von zivilen Opfern von
Konflikten - vornehmlich Opfern von Landminen verwendete Fonds hat in Afrika, Asien und Lateinamerika viel Gutes getan. In gewisser Weise könnte
er als fünfter Teil einer umfassenden amerikanischen
Strategie zur Reaktion auf diese menschliche Tragödie bezeichnet werden, die durch den willkürlichen
Einsatz von gegen lebende Ziele gerichteten Landminen verursacht wurde.

*

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�USI A
25. Mai 1994

FULTON WIRD DIREKTOR DES NEUEN
INFORMATIONSBÜROS IM US-INFORMATIONSAMT
Ankündigung des Weißen Hauses
WASHINGTON - (AD) - Das Pressebüro des Weißen Hauses gab ab 19. Mai 1994 die Ernennung von Barry
Fulton zum Direktor des neuen Informationsbüros im US-Informationsamt (United States Information Agency USIA) durch Präsident Clinton bekannt.
Nachfolgend veröffentlichen wir den Text der Ankündigung.

Der Präsident gab heute seine Absicht bekannt,
Barry Fulton zum Direktor des neuen Informationsbüros im US-Informationsamt zu ernennen.

Fulton ist seit 1968 im Auswärtigen Dienst des USInformationsamts tätig und hat den Rang GesandterBotschaftsrat. Seit Dezember 1991 war er Stellvertretender Direktor des Büros für Bildung und Kultur

"Ich freue mich, Barry Fulton zum ersten Direktor
dieses neuen Büros ernennen zu können", äußerte
der Präsident. "Er wirkte entscheidend an der
Entwicklung des neuen Informationsbüros mit und
verfügt über ausgezeichnete Qualifikationen, um in
einer sich wandelnden Welt neue Wege für die
Informationsprogramme von USIA zu weisen."

und seit August 1992 sein amtierender Direktor. Zu

Fulton wird für die Leitung und Verwaltung des
neuen Informationsbüros verantwortlich sein, das
verschiedene, bereits bestehende Elemente des
Büros für Politik und Programme sowie des Büros
für Bildung und Kultur miteinander verbindet. Das
Informationsbüro verbreitet Informationen über die
Vereinigten Staaten - ihre Bürger, Institutionen,
Werte und Regierung.

seinen Posten in Übersee zählen Islamabad und
Karatschi, Tokio, Rom und Brüssel. Seine letzte
Position im Ausland war die eines Beraters für
Öffentlichkeitsarbeit in der NATO-Mission der Vereinigten Staaten. Davor war er als Chef für Ressourcen und Operationsanalysen sowie als Personalchef der Angehörigen des Auswärtigen Dienstes
für USIA in Washington tätig.
Fulton unterrichtete zeitweise an der American
University, der Pennsylvania State University, der
University of Illinois, der University of Maryland und
dem San Antonio College. Vor Aufnahme seiner
Tätigkeit für USIA war er Direktor der Rundfunk- und
Fernsehanstalt für die in der Türkei stationierten
amerikanischen Streitkräfte. Fulton erwarb an der
Pennsylvania State University den Grad eines Bachelor of Science sowie eines Master of Arts und promovierte an der University of Illinois.

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AMERIKA DIENST 20

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�JACQUELINE

KENNEDY

ONASSIS
25. Mai 1994

ZUM TODE DER PRÄSIDENTENWITWE
Ein Porträt
WASHINGTON - (AD) - Wir wußten, daß selbst
Jacqueline Kennedy Onassis eines Tages alt werden
und wie wir alle aus diesem Leben scheiden würde.
Aber in unserem Herzen weigerten wir uns, es zu
glauben.
Für eine ganze Generation, die John Kennedys
Camelot - Jackie, wie sie Millionen bekannt war nicht vergessen können und wollen, wird sie für
immer jung und ein ewiges Symbol einer besonderen Zeit im Leben dieser Nation sein, als alles
möglich schien und die Hoffnung grenzenlos war.
Für diejenigen unter uns, die die Kennedy-Jahre
miterlebten, brachte die Nachricht von ihrem Tod am
19. Mai 1994 alle Erinnerungen zurück - Jackie mit
ihrer Familie und Freunden beim Segeln vor Cape
Cod und beim Tennis in Hyannis Port, ihre blendenden Auftritte im Weißen Haus bei Staatsempfängen,
ihre stille Würde am Arlington National Cemetery mit
John Jr. und Caroline an ihrer Seite, als die Nation
ihrem jüngsten Präsidenten Lebewohl sagte.
Das Fernsehen wurde während der Kennedy-Präsidentschaft populär. Zum ersten Mal in der Geschichte sah die Nation das Präsidentenpaar aus der
Nähe - sowohl bei offiziellen als auch inoffiziellen
Anlässen - für alle Zeiten festgehalten, zumeist auf
körnigem Schwarzweißfilm. Dies macht die Erinnerung unweigerlich noch lebhafter - die Ereignisse
scheinen soviel realistischer.
Aber das Gefühl des Verlusts bei der Nachricht vom
Tode dieser bemerkenswerten Frau ging noch tiefer.
Die Anziehungskraft von Jacqueline Kennedy
Onassis und John Kennedy war sehr viel stärker als
die Schaffung eines Images durch die Macht des
Fernsehens, ging weit über Zauber und Stil hinaus,
war im wesentlichen losgelöst von unserer Trauer
bei der Tragödie einer Amtszeit, die durch einen
Mord frühzeitig beendet wurde.
Jacqueline Kennedy Onassis und John Kennedy
schienen etwas im tiefstem Inneren von uns allen
anzurühren - Amerikanern und Nichtamerikanern
gleichermaßen. Sie stellten einen Bruch mit dem

AMERIKA DIENST 20

Bedauern der Vergangenheit dar, sie schienen die
Unruhe und Rastlosigkeit einer Nachkriegsgeneration
zu verkörpern, die nach der tieferen Bedeutung des
Lebens und höherer Leistung in der Staatskunst
strebte. Sie steckten ihre Ziele so hoch. Die Enttäuschungen, die sie im privaten wie im öffentlichen
Bereich erlitten, schienen die von uns allen gefühlte
Frustration widerzuspiegeln, wenn wir unsere Fähigkeiten erweitern und unsere Besorgnis vertiefen.
Niemand war sich ihrer Anziehungskraft besser
bewußt als John Kennedy. Überall auf der Welt
wollten die Menschen etwas über Jackie und John
wissen. Bei einem Staatsbesuch in Frankreich sagte
der Präsident geistreich: "Ich bin der Mann, der
Jacqueline Kennedy nach Paris begleitet hat." Aber
auch Jackie besaß Humor, wenn auch etwas tiefgründiger. Auf die Frage, welche Art von Musik ihr
Mann gerne hörte, erwiderte sie: "Spielen Sie nur
immer wieder 'Hail to the Chief."
Sie war eine leidenschaftliche Anhängerin der Kunst
und des Denkmalschutzes. Das Weiße Haus veränderte sein Gesicht nach ihrem Einzug, und Washington wurde eine andere Stadt. Bald waren
Dichter wie Carl Sandburg und Komponisten wie Igor
Strawinsky ebenso willkommen wie die herausragendsten ausländischen Staatsoberhäupter und die
wichtigsten Kongreßabgeordneten. Die Amerikaner
gewannen nicht nur durch ihre Regierung, sondern
auch durch das Engagement ihrer Nation für Kultur
an Stolz.
Obwohl unsere Erinnerung an sie immer mit den drei
unglaublichen Jahren verbunden sein wird, in denen
sie die First Lady war, blieb Jacqueline Kennedy
Onassis auch in den Jahren nach Dallas in unserem
Gedächtnis haften. Die Öffentlichkeit war in gewisser
Weise enttäuscht, als sie 1968 den griechischen
Schiffsmagnaten Aristoteles Onassis heiratete, zeigte
jedoch auch Verständnis, daß diese Frau viel durchlitten hatte und ihren eigenen persönlichen Frieden
suchte.
Als sie Mitte der siebziger Jahre in die Vereinigten
Staaten zurückkehrte, wurde sie Lektorin bei einem

Seite 1

�Verlag und zog sich in New York in das Leben einer
Berufstätigen und Mutter zurück. Ihre Aufopferung
für ihre Kinder - und deren Privatsphäre - war legendär. Sie sagte einmal: "Wenn man die Erziehung
seiner Kinder verpfuscht, zählt alles andere, was
man tut, nicht mehr viel." Ein Freund stellte fest:
"Ihre Kinder waren immer der Mittelpunkt ihrer Welt."
In den Jahren nach Washington äußerte sie sich
selten in der Öffentlichkeit. Sie behielt ihre Gefühle
für die Menschen und Ereignisse in ihrem Leben für
sich und vertraute sich vielleicht ein paar engen
Freunden an. Wir wissen wenig von ihrem persönlichen Leid oder der Grundlage ihrer inneren Stärke.
Im Januar wurde bei Jacqueline Kennedy Onassis
Krebs diagnostiziert. In den vergangen Wochen
wurde die Prognose düster. Einen letzten Blick von
ihr erheischten wir am vergangenen Wochenende,

*

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als sie zum letzten Mal durch ihren geliebten Central
Park spazierte. Als sie in der vergangenen Nacht
verstarb, waren ihre beiden Kinder bei ihr. Draußen
fiel ein leichter Regen als sich die Menschen versammelten, um ihr die letzte Ehre zu erweisen.
Ihr Schwager, Senator Edward Kennedy, sagte:
"Jackie war 40 wundervolle und unvergeßliche Jahre
lang ein Teil unserer Familie und unseres Lebens,
und sie wird uns nie verlassen."
Ohne Zweifel kann man hinzufügen, daß sie auch
stets in der Erinnerung unserer Nation lebendig sein
wird. Amerika trauert nicht nur um eine starke und
mutige Frau, sondern auch um ein lebenswichtiges
Bindeglied zur Vergangenheit, das niemals verloren
sein wird. Henry Allen von der Washington Post
schrieb: "Sie war still. Sie war schön. Sie war
unser, und sie war wir."

* * *

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�FUSSBALL
25. Mai 1994

DIE AUSTRAGUNGSORTE DES WORLD CUP 1994
Neun amerikanische Städte im Porträt (II)
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend setzen wir die Porträts der Austragungsorte der Fußballweltmeisterschaft 1994 mit den Städten New York/New Jersey, Orlando, San Francisco und Washington fort.

NEW

YORK/NEW

JERSEY

New York City, auch "Big Apple" genannt, ist als
Veranstaltungsort für Spiele der Fußballweltmeisterschaft geradezu prädestiniert. Schließlich war es
hier, wo die berühmteste Mannschaft der Vereinigten
Staaten, Cosmos, hochklassigen Profifußball in den
Vereinigten Staaten salonfähig machte und bei der
amerikanischen Jugend das Interesse für diesen
Sport weckte.
Die Weltmeisterschaftsspiele werden im 76.000
Sitzplätze bietenden Giants Stadium in East Rutherford (New Jersey), rund 15 Kilometer westlich
von Mannhattan stattfinden. Das Stadion ist die
Heimat von zwei American Football-Profiteams, den
Giants und den Jets, und gehört zu einem riesigen
Sportkomplex, in dem auch die New Jersey Devils
(Eishockey) und die New Jersey Nets (Basketball)
ihre Heimspiele absolvieren.
Das Gebiet von New York City wurde Anfang des
17. Jahrhunderts zunächst von Holländern besiedelt.
Der Legende nach erwarben holländische Kaufleute
Mannhattan im Jahr 1624 von dem örtlichen Indianerstamm für Tand im Wert von 24 Dollar. Ob
zutreffend oder nicht, seither wird auf der Insel mit
Geld, Land oder wertlosem Plunder gehandelt.
Als England das Gebiet 1664 in Besitz nahm, war
New York bereits ein pulsierender Handelshafen.
Heute ist es das Finanzzentrum und die größte Stadt
der Vereinigten Staaten. Die Bevölkerungszahl von
New York/New Jersey mit ihren Vororten erreicht 18
Millionen.
Aufgrund von Größe, Einfluß und Geschichte besitzt
New York in der Psyche Amerikas einen einzigartigen Stellenwert. Keine andere Stadt kann es an
Vielfalt, Kulturleben, Wohlstand oder Schamlosigkeit
mit ihr aufnehmen. Nirgends sonst stößt man auf
soviele Widersprüche, eine solch einmalig gemischte

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Gesellschaft, soviel Humor, Hybris und Egozentrik.
Es wird als ehernes Gesetz hingenommen, was
Frank Sinatra in seinem berühmten Lied über New
York zum Ausdruck brachte, als er sang: "If I can
make it there, I can make it anywhere. It's up to you.
New York, New York."
New York ist zu Recht stolz auf seine großen Kulturinstitutionen: Der Broadway - das bedeutendste
Theaterviertel des Landes -, das Metropolitan Museum of Art, das Museum of Modern Art, das Natural
History Museum, die Carnegie Hall, das Lincoln
Center for the Performing Arts und viele andere
exzellente Museen, Theater und Galerien.
New York ist darüber hinaus eine Stadt der Parks
und charakteristischen Stadtviertel. Der 340 Hektar
große Central Park trennt die Upper East von der
Upper West Side Manhattans.
Er beherbergt
Sportplätze, angelegte Gärten, einen See, Spielplätze, einen Zoo, Waldwege, ein Karussel und eine
Schiittschubahn. Die Freiheitsstatue, ein Geschenk
des französischen Volkes zur Erinnerung an die
Erringung der Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten, ist ebenso wie Ellis Island, das für viele Einwanderer zum Tor nach Amerika wurde, nach einer
kurzen Fahrt mit der Fähre zu erreichen.
Wer Manhattan erforschen möchte, sollte vielleicht
Greenwich Village ins Auge fassen, ein Viertel mit
interessanten Geschäften und Cafös, in dem die
Beat-Generation ihre Blütezeit erlebte und wo Jazz-,
Dichter- und Schachclubs auch heute noch ihr
Publikum finden. Soho ist eine schicke und arrivierte
Künstlergemeinde, die Radio City Music Hall ist
berühmt wegen ihrer Live-Shows mit den langbeinigen Rockettes. Einen Besuch wert sind auch Chinatown und das benachbarte Little Italy, Viertel, die für
ihr besonderes Ambiente und die zahlreichen Restaurants bekannt sind. Am nördlichen Ende des Central
Park liegt Hartem, das berühmteste afroamerikani-

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�sehe Stadtviertel der Vereinigten Staaten und Zentrum schwarzen Wirtschafts- und Kulturlebens.
Die Metropole New York erstreckt sich bis weit nach
New Jersey hinein, das wiederum seinen eigenen
Charakter besitzt. Sein Rückgrat bilden eine Reihe
von ethnisch gemischten Industriestädten. Es ist
vielleicht kein Zufall, daß eine dieser Städte, Kearny,
die Heimat von drei der besten Spieler im amerikanischen Fußballteam ist: Torwart Tony Meola und der
Mittelfeldspieler John Harkes und Tab Ramos.
New Jersey ist auch für seine Seebäder bekannt.
Praktisch die gesamte Küste besteht aus Sandstränden, von denen jeder ein etwas anderes Publikum anzieht. Etwa zwei Drittel des Weges an der
Küste entlang liegt Atlantic City, die glitzernde Metropole des Glücksspiels, die lediglich von Las Vegas
übertroffen wird.
Weitere Informationen können angefordert werden
bei: New York Convention and Visitor's Bureau, 2
Columbus Circle, New York, New York, 10019;
Telefon: 212-484-1244.
ORLANDO
Es ist historisch überliefert, daß der spanische
Forschungsreisende Ponce de Leon, der 1513 als
erster Europäer Florida erkundete, einen sagenhaften "Jungbrunnen" zu finden hoffte. Heute
strömen Jahr für Jahr Millionen Besucher auf der
Suche nach anderen Phantasiegebilden in den
Staat, und keine andere Stadt wird dabei mehr
frequentiert als Orlando, der Standort des berühmtesten Vergnügungsparks der Welt - Walt Disney
World.
Orlando liegt etwa 170 Kilometer östlich des Golfs
von Mexiko, 90 Kilometer westlich vom Kennedy
Space Center und Cape Canaveral, wo die NASA
ihre Raumfähren startet, und 380 Kilometer nördlich
von Miami, Floridas größter Stadt.
Obwohl die Vereinigten Staaten bereits 1821 die
Kontrolle über Florida erlangten, dauerte es noch 20
weitere Jahre, bis Siedler zu dem ursprünglich
Jernigan genannten Ort vordrangen. Im Jahr 1857
wurde die Stadt zu Ehren des Soldaten Orlando
Reeves umbenannt, der in den Kriegen gegen den
Indianerstamm der Seminolen gefallen war. Bis
1880 war die Eisenbahnlinie der South Florida
Railroad über Orlando nach Tampa an Floridas
Westküste vorgedrungen.
Als die Bundesregierung in den fünfziger Jahren
ihren Raumfahrtkomplex in Cape Canaveral grün-

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dete, war Orlando immer noch eine schläfrige, von
Orangen- und Grapefruitplantagen umgebene Stadt.
Das veränderte sich schlagartig, als die Walt Disney
Company 1971 einen Themenpark dort eröffnete.
Orlando ist heute eine der am schnellsten wachsenden Städte in den Vereinigten Staaten. Mit
Vororten zählt Orlando über eine Million Einwohner,
und allein im Jahr 1992 kamen über 15 Millionen
Besucher dorthin. Obwohl der Tourismus der
Haupterwerbszweig der Region ist, haben auch
Unternehmen wie der Rüstungskonzern Martin
Marietta, der amerikanische Automobilclub American
Automobile Association, AT&amp;T, Westinghouse und
Alfa Romeo dort ihren Sitz. Darüber hinaus ist
Orlando nach wie vor das Zentrum für Anbau und
Verarbeitung von Zitrusfrüchten in Mittelflorida.
Neben dem 11.300 Hektar großen Vergnügungspark
von Walt Disney World befinden sich im Raum von
Orlando noch der Themenpark der Universal Studios,
die Sea World of Florida, mehrere Wassersportparks,
der Einkaufs- und Unterhaltungskomplex Church
Street Station sowie Gatorland, die größte Alligatorenfarm Floridas. Orlando bietet darüber hinaus ein
Symphonieorchester, Oper- und Ballettruppen,
Kunstgalerien und Museen. In den zahlreichen
botanischen Gärten blühen das ganze Jahr über
Blumen und tropische Pflanzen.
Weniger als einen Kilometer vom Stadtzentrum
entfernt befindet sich das 70.000 Sitzplätze bietende
Citrus-Bowl-Stadion, in dem Spiele der Fußballweltmeisterschaft ausgetragen werden. Obwohl
Orlando im internationalen Fußball noch ein weitgehend unbeschriebenes Blatt ist, hat die Stadt in der
Vergangenheit bereits amerikanische Collegefußballspiele ausgerichtet, und ein nationales Trainingszentrum für amerikanische Nationalmannschaften befindet sich im nahegelegenen Seminole
County.
Orlando ist die Heimat des Profibasketballteams
"Magic". An weiteren Sportarten sind unter anderem
Angeln, Bootssport, Tennis und sogar Eishockey
vertreten.
Sollte ein Besucher auf die Idee kommen, es gebe in
Orlando immer noch zuwenig Abwechslung, so findet
er eine Autostunde entfernt Silver Springs, das
berühmt ist für seine Fahrten mit dem Glasbodenboot
und "Dschungel"-kreuzfahrten, Weeki Wachee, wo
"echte" Meerjungfrauen Unterwassershows vorführen
oder das Kennedy Space Center mit seinem Raumfahrtmuseum.
Weitere Informationen über Orlando sind erhältlich
bei: Orlando/Orange County Convention &amp; Visitors

AMERIKA DIENST 20

�Bureau, Inc., 7208 Sand Lake Road, Suite 300,
Orlando, Florida 32819; Telefon: 407-363-5800;
Telefax: 407-363-5899; Telex: 4977247.

SAN

San Francisco ist überraschend kompakt. Viele
seiner Hauptattraktionen befinden sich nur einen
Spaziergang voneinander entfernt. Das preisgünstige
und bequeme öffentliche Nahverkehrsnetz umfaßt
Cable Cars, Busse und Straßenbahnen.

FRANCISCO

"I left my heart in San Francisco", schmachtet der
Sänger Tony Bennett in einer bekannten Ode an
diese Stadt an der Bucht. Jeder, der San Francisco
schon einmal besucht hat, kann nachfühlen, warum.
Auf einer vom Pazifik und der San Francisco Bay
umspülten Halbinsel gelegen, nimmt die Stadt einen
der lanschafllich malerischsten Plätze des ganzen
Landes ein.
Die berühmteste Attraktion der Stadt ist die Golden
Gate Bridge, von wo man beobachten kann, wie der
Nebel vom Pazifik in die San Francisco Bay hineinströmt. Fast ebenso berühmt sind die Cable Cars,
die die steilen Hügel von San Francisco herauf- und
hinunterfahren. Aufgrund der kühlen Sommer und
milden Winter blühen das ganze Jahr über Blumen.
Gärten - von traditionellen englischen bis zu strengen japanischen - sind überall anzutreffen.
Seit Jahren besitzt San Francisco mit den "FortyNiners" - so benannt nach dem Jahr 1849, als durch
den Goldrausch angezogene Siedler nach San
Francisco kamen - eine der besten Profi-Footballmannschaften der USA. Darüber hinaus ist die
Stadt Heimat des Baseballteams der Giants und der
Basketballmannschaft Golden State Warriors. Im
nahegelegenen Oakland ist ein weiteres Baseballteam, die Athletics, vertreten; im südlich nahe dem
Silicon Valley (dem Zentrum der amerikanischen
Computerindustrie) gelegenen San Jose spielt die
Profi-Eishockeymannschaft der Sharks.

Der zum Gedenken an Mitglieder der freiwilligen
Feuerwehr des 19. Jahrhunderts errichtete 64 Meter
hohe Coit Memorial Tower auf dem Telegraph Hill
bietet den besten Überblick über die verschiedenen
Stadtviertel. Zu den meistbesuchten Orten gehört
Fisherman's Wharf, wo Fischerboote vor den zahlreichen Restaurants festmachen, die ihre Spezialitäten
aus der Überfülle des Pazifiks beziehen. Von dort
kann man sich zur Insel Alcatraz übersetzen lassen
und das berühmte - und ausbruchssichere - ehemalige Bundesgefängnis besuchen, wo einst Gangster
wie AI Capone und "Machine Gun" Kelly einsaßen.
In der Nähe der Whart befinden sich die Cannery und
der Ghirardelli Square, beides pittoreske Komplexe
mit Galerien, Geschäften und Restaurants, die in
einer alten Obstpackerei bzw. einer ehemaligen
Schokoladenfabrik untergebracht sind.
Die berühmteste Grünanlage San Franciscos ist der
Golden Gate Park, ein bewaldetes Gelände mit Seen,
Gärten und malerischen Fahrwegen, der sich vom
Pazifik sechs Kilometer landeinwärts erstreckt. Der
Park, in dem seit den sechziger Jahren viele Rockkonzerte stattfanden, bietet ferner ein Kunstmuseum,
Aquarium, Planetarium, Promenadenkonzerte und
einen japanischen Teegarten. Der Presidio, ein
ehemaliges Militärgelände und heute ein hoch über
dem Ozean nahe der Golden Gate Bridge gelegener
Park, eröffnet auf malerischen Nebenstraßen Aussichten auf den Ozean und die Bucht.

Der Fußball besitzt in der Region, wie in ganz
Kalifornien, eine starke Anhängerschaft. Die Weltmeisterschaftsspiele werden an der Stanford University im 40 Kilometer südlich gelegenen Palo Alto
stattfinden.

San Francisco ist seit langem das Finanz-, Wirtschafts- und Kulturzentrum Nordkaliforniens. Die
darstellenden Künste werden angeführt vom Symphonieorchester der Stadt und einer Oper von
Weltformat.
Darüber hinaus gibt es zahlreiche
Theater und eine sehr aktive Musikszene.

San Francisco wurde 1776 von den Spaniern
gegründet. Bekannt wurde die Stadt jedoch, als
1848 in der Nähe Gold gefunden wurde. Schiffe
voller Abenteurer aus jedem Winkel der Welt gaben
der Ansiedlung bereits in ihrer Frühzeit ein kosmopolitisches Flair, das sie nie mehr verlor. Chinesen,
Italiener, Russen, Japaner, Mexikaner - sie alle
tragen ihren Teil zu dem Völkergemisch dieser Stadt
bei. Das bekannteste Stadtviertel ist heute Chinatown, die größte Konzentration von chinesischen
Geschäften, Restaurants, Märkten, Wohnhäusern
und Tempeln außerhalb Asiens.

Bei Ausflügen in den Norden der Stadt sollte man
Sausalito oder Tiberon besuchen, die sich durch ihre
Geschäfte und Restaurants sowie die Aussicht auf
die Bucht auszeichnen. Ebenso zu empfehlen sind
eine Wanderung durch die 220 Hektar großen Muir
Woods mit ihren beeindruckenden riesigen Mammutbäumen oder ein Besuch bei einigen der über 200
Weingüter zwischen den sanften Hügeln der Täler
von Napa und Sonoma, wo einige der besten Weine
des Landes gekeltert werden. Eine der malerischsten
Fahrten in Amerika führt von San Francisco am
Pazifik entlang nach Süden, nach Monterey Bay,

AMERIKA DIENST 20

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�Pebble Beach, Carmel und Big Sur - hoch auf den
Cliffs über dem Pazifik gelegen.
Die Region von San Francisco ist darüber hinaus
stolz auf ihre akademische Tradition mit nahegelegenen Universitäten wie Stanford und der University
of California at Berkeley, die zu den führenden der
USA gehören.
Weitere Informationen über San Francisco können
vom San Francisco Convention &amp; Visitors Bureau,
Visitor Information Center, P.O. Box 429097, San
Francisco, CA 94142-9097, Telefon: 415-391-2000,
angefordert werden.
WASHINGTON
Spiele der Fußballweltmeisterschaft '94 werden auch
in der Bundeshauptstadt Washington, D.C., ausgetragen, dem politischen Zentrum der Vereinigten
Staaten - und Schwerpunkt des Fußballsports in den
USA.
Jahr für Jahr kommen Millionen Besucher aus der
ganzen Welt, um Washington zu sehen, insbesondere die Gebäude an beiden Enden der Pennsylvania Avenue: das US-Kapitol, in dem der Kongreß
zusammentritt, und das Weiße Haus, Residenz und
Arbeitsort des Präsidenten. Als einzige Stadt der
USA, die nicht einem der 50 Bundesstaaten angehört, wurde Washington 1790 aus Teilen der Staaten
Maryland und Virginia gebildet, um als Bundeshauptstadt der neuen Republik der Vereinigten Staaten zu
dienen. Washington ist jedoch mehr als der Sitz der
Regierung. Die Stadt und ihr Einzugsgebiet sind
eine der am schnellsten wachsenden Regionen des
Landes. Die Stadt an sich hat rund 600.000 Einwohner, während die Bevölkerung der Hauptstadtregion insgesamt etwa 3,9 Millionen beträgt.
Washington ist eine Stadt berühmter Museen, von
denen viele entlang der National Mall liegen, einem
Parkstreifen, der sich vom Kapitol über das Washington Monument bis über das Lincoln Memorial
hinaus erstreckt. An der Mall liegen das Nationale
Museum für Luft- und Raumfahrt (National Air and
Space Museum), das Naturkundemuseum (Museum
of Natural History), das Museum für amerikanische
Geschichte (Museum of American History), die
Arthur M. Sackler Gallery (asiatische Kunst), das
Museum für afrikanische Kunst (Museum of African
Art), das Nationalarchiv (in dem die Unabhängigkeitserklärung und die amerikanische Verfassung
aufbewahrt werden) sowie die Nationale Kunstgalerie (National Gallery of Art).

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Eines der größten Feste, die auf der Mall veranstaltet
werden, ist das jährlich stattfindende Festival of
American Folklife, das diesmal am 24. Juni 1994
eröffnet wird. Als Teil des Festivals ist während der
Fußballweltmeisterschaft eine World Cup Night
geplant, mit amerikanischer Musik, Kunsthandwerk,
Spezialitäten der verschiedenen Bevölkerungsgruppen und anderen kulturellen Veranstaltungen.
Washington hat ebenfalls zahlreiche charakteristische
Stadtviertel. Im Norden liegen das Geschäftsviertel
und Adams-Morgan, ein Bezirk mit einem bunten
Völkergemisch, zahlreichen Restaurants und Nachtclubs, die vor allem Studenten und Akademiker
anziehen. Das Viertel geht nach und nach in eine
Reihe von Bezirken mit vornehmlich afroamerikanischer Bevölkerung über, in die sich um das Gelände
der Howard University gruppieren, eine der renommiertesten Universitäten für Schwarze in den Vereinigten Staaten.
Weiter im Westen teilen sich die Kanzleien diplomatischer Vertretungen die Massachusetts Avenue
mit den Büros wichtiger Wirtschaftsverbände und
berufsständischer Organisationen. In einem etwas
abgelegenen Winkel der Stadt befindet sich
Georgetown, das im 18. Jahrhundert ursprünglich ein
Hafen am Potomac-Fluß war. Heute ist dieses Viertel
ein Zentrum des Nachtlebens und der Gastronomie,
und in seinen Nebenstraßen sind viele historische
Gebäude erhalten geblieben.
Washingtons erste Kontakte mit dem Fußball ergaben
sich durch Botschaftsmannschaften, die zu Beginn
des Jahrhunderts das Spiel dort einführten. Heute ist
Fußball in der ganzen Region ein Sport für Angehörige aller Schichten; zur amerikanischen Nationalmannschaft gehören eine Reihe von Spielern aus Vororten
Washingtons oder von nahegelegenen Universitäten.
Die Weltcupspiele werden im 56.500 Sitzplätze
fassenden Robert F. Kennedy-Stadion ausgetragen,
das etwa 20 Häuserblocks vom US-Kapitol entfernt
liegt. Im RFK wurde bereits früher Fußball gespielt:
zu Zeiten der North American Soccer League war
das Stadion die Heimat der Washington Diplomats,
für die kurzzeitig auch der holländische Fußballstar
Johan Cruyff spielte. In den letzten Jahren wurden
auch mehrere Spiele der Nationalmannschaft und im
Rahmen des US-Cups dort ausgetragen.
Am bekanntesten ist das RFK jedoch wegen der
Washington Redskins, der Footballmannschaft, die in
der ganzen Region viele leidenschaftliche Anhänger
hat. Darüber hinaus hat die Stadt Profimannschaften
im Basketball und Eishockey aufzuweisen. Für
Baseballfans liegt das wunderschöne neue Camden-

AMERIKA DIENST 20

�Yards-Stadion der Baltimore Orioles weniger als eine
Autostunde entfernt.
In Zusammenhang mit den Wettmeisterschaftsspielen wird die Stadt Washington 1994 eine Reihe von
Veranstaltungen durchführen, darunter eine von der
Corcoran Gallery ausgerichtete Kunstausstellung
sowie Ausstellungen mit Gemälden und Photographien von Künstlern aus allen 24 Teilnehmerstaaten.
Das 1994 Gospel Project plant einen Wettmeisterschaftsabend als Teil des zweimonatigen Festivals
der Gospelmusik, und bei einer Weltcup-Modenschau wird je ein Modeschöpfer aus allen 24 Teilnehmerstaaten vorgestellt. Schließlich wird die
französische Botschaft am Abend des 14. Juli, dem
französischen Nationalfeiertag, eine Feier veranstalten, um die Weltmeisterschaft 1994 ausklingen zu
lassen und die Wettmeisterschaft 1998 anzukündigen, die in Frankreich stattfinden wird.
In Washington befinden sich darüber hinaus das
John F. Kennedy Center for the Performing Arts, in

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dem die National Symphony und Solisten aus der
ganzen Welt auftreten, sechs Universitäten und
Colleges, 43 öffentliche Bibliotheken und die Library
of Congress sowie zahllose Restaurants und Cates,
in denen amerikanische Gerichte und Spezialitäten
aus aller Herren Länder geboten werden.
Für eine Großstadt ist Washington mit großen
Grünflächen gesegnet, von denen die bedeutendsten
am Potomac-Fluß und am Rock Creek liegen.
Tretboote schwimmen auf dem Tidal Basin am
Jefferson Memorial, während am anderen Ufer des
Potomacs in Virginia der Nationalfriedhof von Arlington liegt, auf dem Präsident John F. Kennedy
beigesetzt ist.
Weitere Informationen sind erhältlich bei: Washington, D.C. Convention and Visitors Association, 1212
New York Avenue, N.W., Washington, D.C. 20005,
oder beim International Visitors Information Service,
733 15th Street, N.W., Suite 300, Washington, D.C.
20005; Telefon: 202-789-7000.

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