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2 4 . Januar 1973

Inhalt
INFORMATION:
Erklärung Präsident Nixons zum Waffenstillstand in Vietnam
-WortlautLyndon B. Johnson-Sein Glaube war Amerika
Minicomputer-Ausstellung im US-Handelszentrum in Frankfurt

DOKUMENTATION:
Die Antrittsrede Präsident Nixons
-WortlautAußenminister Rogers fordert neue Friedensbemühungen im Nahen Osten
-Auszüge aus seiner Anspräche vom 17. Januar-

HINTERGRUND:
Die Wahl zeigt: Die Amerikaner wollen den Wandel
Von Louis Harris

WIRTSCHAFT:
Die kommenden amerikanisch-europäischen Handels-und Währungsverhandlungen
-Rede des scheidenden US-Handelsministers Peterson in New York-

Um Übersendung v o n Belegexemplaren w i r d gebeten.

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4/1973

ERKLÄRUNG PRÄSIDENT NIXONS ZUM WAFFENSTILLSTAND IN VIETNAM
•Wort l a u t -

WASHINGTON --(AD)-- Präsident Nixon hat am Abend des 23. Januar (Washingtoner Zeit) in einer Rundfunk~und Fernsehansprache den Abschluß eines Waffenstillstandes in Vietnam bekanntgegeben, der am 27. Januar um 2400 Uhr
Greenwich Mean Time ("28. Januar 0100 Uhr MEZ) in Kraft treten wird.
Die Ansprache des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
"Guten Abend! Ich habe um diese Sendezeit im Rundfunk und Fernsehen gebeten, um bekanntzugeben, daß wir heute ein Abkommen geschlossen haben, um
den Krieg zu beenden und einen ehrenvollen Frieden in Vietnam und in Südostasien herbeizuführen. Die folgende Erklärung wird zu diesem Zeitpunkt in
Washington und Hanoi veröffentlicht:
'Heute am 23. Januar 1973 um 1230 Uhr Pariser Zeit wurde das Abkommen
über die Beendigung des Krieges und die Wiederherstellung des Friedens in
Vietnam von Dr. Henry Kissinger im Namen der Vereinigten Staaten und von
Sonderberater Le Duc Tho im Namen der Demokratischen Republik Vietnam
paraphiert.
Das

-1-

�Das Abkommen wird von den Beteiligten der Pariser Vietnam-Konferenz
am 27. Januar 1973 im Internationalen Konferenzgebäude in Paris formell unterzeichnet werden. Der Waffenstillstand wird am 27. Januar um 2400 Uhr
Greenwich Mean Time in Kraft treten.
Die Vereinigten Staaten und die Demokratische Republik Vietnam bringen
die Hoffnung zum Ausdruck, daß dieses Abkommen einen stabilen Frieden in
Vietnam garantieren und zur Erhaltung eines dauerhaften Friedens in Indochina und Südostasien führen wird.8
Soweit die formelle Erklärung.
Während all der Jahre der Verhandlungen haben wir auf einem ehrenhaften
Frieden bestanden. In meinen Ansprachen an die Nation vom 25. Januar und
8. Mai legte ich die Ziele dar, die wir als von entscheidender Bedeutung für
einen ehrenhaften Frieden erachteten. Mit der Regelung, der jetzt zugestimmt
worden ist, wurden alle von mir damals gestellten Bedingungen erfüllt.
Ein international überwachter Waffenstillstand wird am Sonnabend, dem
27. Januar um 1900 Uhr Washingtoner Zeit in Kraft treten.
Innerhalb von sechzig Tagen - von diesem Sonnabend an gerechnet - werden alle in Indochina festgehaltenen amerikanischen Kriegsgefangenen freigelassen werden. Über die im Einsatz Vermißten wird eine genauestmögliche
Auskunft erteilt.
Während dieses Zeitraums von sechzig Tagen werden alle amerikanischen
Truppen aus Südvietnam abgezogen werden.
Dem südvietnamesischen Volk ist das Recht garantiert worden, ohne Einmischung von außen selbst über seine Zukunft zu entscheiden.
Aufgrund einer gemeinsamen Absprache werden der volle Text des Abkommens sowie die Durchführungsprotokolle morgen veröffentlicht werden.
Während

�Während dieser Verhandlungen standen wir in engster Konsultation mit
Präsident Thieu sowie mit anderen Vertretern der Republik Vietnam. Diese Regelung entspricht den Zielen und hat die volle Unterstützung Präsident Thieus
und der Regierung der Republik Vietnam sowie aller unserer anderer Verbündeten, die hiervon berührt werden.
Die Vereinigten Staaten werden weiterhin die Regierung der Republik Vietnam als die einzige rechtmäßige Regierung von Südvietnam anerkennen. Wir werden Südvietnam im Rahmen des Abkommens weiterhin unterstützen, und wir werden
Bemühungen der Bevölkerung von Südvietnam unterstützen, ihre Probleme friedlich unter sich selbst zu regeln.
Wir müssen uns darüber im klaren sein, daß die Beendigung des Krieges
nur der erste Schritt zum Aufbau des Friedens ist. Alle Beteiligten müssen
jetzt dafür sorgen, daß dies ein Friede wird, der hält, und auch ein Friede,
der heilt - und ein Friede, der nicht nur den Krieg in Südostasien beendet,
sondern zu den Friedensaussichten in der ganzen Welt beiträgt. Das bedeutet,
daß die Bedingungen des Abkommens ganz genau eingehalten werden müssen. Wir
werden alles tun, was das Abkommen von uns verlangt, und wir werden von den
anderen Beteiligten erwarten, daß sie alles tun werden, was es von ihnen verlangt. Wir werden auch von anderen interessierten Nationen erwarten, daß sie
mithelfen, um sicherzustellen, daß das Abkommen eingehalten und der Frieden
aufrechterhalten wird.
Da nun dieser lange und sehr schwierige Krieg zu Ende geht, möchte ich
einige besondere Worte an all jene richten, die an dem Konflikt beteiligt gewesen sind.
Der Bevölkerung und der Regierung von Südvietnam möchte ich sagen:
Durch Ihren Mut, durch Ihre Opfer, haben Sie das kostbare Recht gewonnen, ihre
eigene Zukunft zu bestimmen. Und Sie haben die Stärke aufgebaut, dieses Recht
zu verteidigen. Wir sehen der künftigen Arbeit mit Ihnen mit Erwartung ent-

-3-

�entgegen - als Freunde im Frieden, so wie wir Verbündete im Krieg gewesen
sind.
Den Führern Nordvietnams möchte ich, wo wir jetzt den Krieg durch Verhandlungen beendet haben, sagen: Laßt uns nun einen Frieden der Versöhnung
schaffen. Wir unsererseits sind bereit, uns nachdrücklich um die Verwirklichung dieses Zieles zu bemühen. Aber wie Gegenseitigkeit nötig war, um den
Krieg zu beenden, so wird auch Gegenseitigkeit nötig sein, um den Frieden zu
schaffen und ihn zu stärken.
Den anderen großen Mächten, die engagiert waren - wenn auch indirekt möchte ich sagen, daß jetzt die Zeit beiderseitiger Zurückhaltung gekommen
ist, damit der von uns erreichte Frieden von Dauer sein kann.
Und schließlich möchte ich Ihnen allen, die mir zuhören, dem amerikanischen Volke, sagen: Die Standhaftigkeit, mit der Sie unser Beharren auf einem
ehrenhaften Frieden unterstützt haben, hat diesen ehrenhaften Frieden möglich
gemacht.
Ich weiß, Sie hätten es nicht gewünscht, daß dieser Friede gefährdet wird.
Hätte ich, als unsere Geheimverhandlungen vor kurzem in dieser heiklen Phase
waren, öffentlich über unsere Bemühungen zur Sicherung des Friedens gesprochen, dann hätte ich nicht nur unsere Absprache mit Nordvietnam verletzt, sondern dann würde dies auch die Chancen für den Frieden ernsthaft beeinträchtigt
und möglicherweise zerstört haben. Deshalb weiß ich, daß Sie jetzt verstehen
können, warum ich während dieser letzten Wochen keine öffentliche Erklärungen
über diese Bemühungen abgegeben habe.
Es war wichtig, nicht über den Frieden zu sprechen, sondern den Frieden zu
erlangen, und zwar den richtigen Frieden. Dies haben wir getan. Nachdem wir
jetzt ein ehrenhaftes Abkommen erreicht haben, können wir stolz darauf sein,
daß Amerika sich nicht auf einen Frieden einließ, der unsere Verbündeten be-

�betrogen, unsere Kriegsgefangenen aufgegeben oder den Krieg zwar für uns beendet, aber ihn für die fünfzig Millionen Menschen in Indochina fortgesetzt
hätte. Wir können stolz sein auf die zweieinhalb Millionen junger Amerikaner,
die in Vietnam gedient haben - die in Ehren und mit Auszeichnung in einem
der selbstlosesten Unternehmen in der Geschichte der Völker gedient haben.
Und wir wollen stolz sein auf die, die sich opferten, die ihr Leben
hingaben, damit das südvietnamesische Volk in Freiheit und damit die Welt in
Frieden leben kann.
Insbesondere möchte ich noch ein Wort zu jenen tapfersten Menschen, die
ich kenne, sagen - zu den Frauen, den Kindern, den Familien unserer Kriegsgefangenen und der im Kampfeinsatz Vermißten. Wenn andere uns aufforderten, wir
sollten den Konflikt unter allen Bedingungen beilegen, so hatten Sie

en Mut,

für die rechte Art eines Friedens einzutreten, damit jene,die starben und
duldeten, nicht umsonst gestorben seien und geduldet hätten, und damit dort,
wo für diese Generation Krieg geherrscht hatte, für die nächste Generation
Frieden sein sollte. Nichts bedeutet mir in diesem Augenblick mehr als die
Tatsache, daß Ihre lange Prüfung nun Ihrem Ende entgegengeht.
Eben, gestern ist ein großer Amerikaner, der einst dieses Amt bekleidete,
gestorben. In seinem Leben mußte Präsident Johnson die Schmähungen jener ertragen, die versuchten, ihn als einen Mann des Krieges zu zeichnen. Dabei gab
es nichts, was ihm so sehr am Herzen lag, als die Schaffung eines dauerhaften
Friedens in der Welt.
Ich erinnere mich an das letzte Mal, da ich mit ihm sprach - es war genau
der Tag nach Neujahr. Er sprach damals über seine Sorge um das Zustandekommen
des Friedens - wie man zu einem rechten Frieden gelangen könnte. Und ich war
dankbar, daß er mich erneut seiner Unterstützung bei meinen Bemühungen um die
Erlangung eines solchen Friedens versicherte.Niemand hätte diesen Frieden mehr

-5-

�mehr begrüßt als er. Und ich weiß, daß er mit mir zu jenen, die starben, und
zu jenen, die leben, sagen würde: Laßt uns diesem Augenblick seine Weihe
geben, indem wir zusammen fest beschließen, diesen Frieden, den wir erzielten,
zu einem Frieden von Dauer zu machen.
Ich danke Ihnen. Guten AbendJ."

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4/1973

LYNDON B.JOHNSON-SEIN GLAUBE WAR AMERIKA
--(AD)-- Lyndon Baines Johnson, der 36. Präsident der Vereinigten Staaten
von Amerika,ist am 22. Januar 1973 im Alter von 64 Jahren nach einem Herzanfall verstorben - nur 28 Tage nach einem seiner großen Amtsvorgänger,
Harry S. Truman. Wie Truman mußte Johnson nach dem Tode des gewählten Präsidenten als Vizepräsident die Geschicke seines Landes übernehmen, wie Truman
wurde Johnson dann als Präsident gewählt, und wie Truman hat sich Johnson
aus einfachen Verhältnissen mit Begabung und Fleiß zum höchsten Amt emporgearbeitet - und wie Truman glaubte Johnson zutiefst an Amerika und seine
Mission.
"Für Präsident Johnson", so heißt es in dem Nachruf von Präsident Nixon,
"war der 'amerikanische Traum1 mehr als nur ein Schlagwort - er war eine
Realität seines eigenen Lebens. Er glaubte an Amerika - an das, was Amerika
all seinen Bürgern bedeuten kann und was Amerika für die Welt bedeuten kann.
Im Dienste dieses Glaubens gab er sich ganz hin."
Als ein Attentat er am 22. November 1963 in Dallas, Texas, Präsident
John F. Kennedy niederstreckte, übernahm sein noch auf dem Flughafen vereidigter Nachfolger Lyndon B. Johnson unter dramatischen Umständen zwei gewaltige Komplexe: Die Bürgerrechtsfrage und den Vietnamkrieg.

Es ist dem

Geschick und der Beharrlichkeit des Demokraten Johnson aus dem Süden der USA

-1-

�t

l
USA zu verdanken, daß der amerikanische Kongreß wichtige Bürgerrechtsgesetze
verabschiedete, die er Kennedy verweigert hatte. Und es ist letztlich dem
dramatischen Verzicht auf Bombardierung und erneute Präsidentschaftskandidatur für 1968 zu verdanken, daß die Vietnam-Verhandlungen in Gang kamen,
die zu einer ehrenvollen Beendigung dieses Krieges führen.
Der Lebensweg von Lyndon B. Johnson ist ein Spiegelbild dessen, was
man sich unter Amerika vorstellt - oder zumindest vorstellte. Er wurde am
27. August 1908 als Sohn von Samuel Ealy und Rebekah Johnson auf einer Farm
unweit des kleinen Ortes Stonewall in Texas geboren, wo sich seine Vorfahren
in der Pionierzeit als Baumwo11farmer und Viehzüchter niedergelassen hatten.
Die Schule besuchte er in Johnson City, einer Kleinstadt, die sein Großvater
gegründet hatte. Johnson stammte "vom Lande", und daraus rührte wohl auch
seine Vorliebe für seine große Farm am Pedernales-Fluß in Texas - von Freunden
einfach "the ranch" genannt -, auf die er sich nach seinem Ausscheiden aus dem
politischen Leben zurückgezogen hatte.
Das Studium an der Pädagogischen Hochschule in Texas verdiente Johnson
v

sich selbst, um dann in Houston seine erste Lehrerstelle anzutreten. Aber sein
politischer Ehrgeiz war ebenfalls erwacht, und im Jahre 1932 nahm ihn der
texanische Kongreßabgeordnete Richard M. Kleberg als seinen Sekretär mit nach
Washington. Johnson studierte in seiner Freizeit an der Georgetown-Universität
Jura, um dann drei Jahre später von Präsident Roosevelt als Regionalleiter des
amerikanischen Jugendwerkes nach Texas entsandt zu werden. Bereits 1937 konnte er eine Nachwahl für den Kongreß für sich entscheiden, während er vier Jahre
später eine Nachwahl für den Senat nicht gewinnen konnte - übrigens die einzige verlorene Wahl in seinem Leben. Im Repräsentantenhaus, in das er von 1938
bis 1946 alle zwei Jahre regelmäßig wiedergewählt wurde, war er ein entschiedener Verfechter der "New Deal"-Politik, die Präsident Roosevelt konzipiert
hatte. Soziale Gerechtigkeit war für ihn ein echtes Anliegen, das sich in

-2-

�in seiner eigenen Konzeption von der "Großen Gesellschaft" und dem "Krieg
gegen die Armut" niederschlug, deren Ziel das war, was heute als "Qualität
des Lebens" bezeichnet wird.
Im Jahre 1948 zog Johnson dann als Senator in den Kongreß ein; 1953
wurde er Vorsitzender seiner Fraktion und hatte dieses Amt bis 1961 inne.
Maßvolle Haltung und staatspolitische Klugheit ließen ihn zu einem Politiker
werden, der Aufmerksamkeit erregte. Als er sich 1960 mit John F. Kennedy zusammen um die Präsidentschaftskandidatur der Demokratischen Partei bewarb,
hatte er einen reichen Schatz an politischer Erfahrung. Wenn auch auf dem
Parteikonvent damals Kennedy zum Präsidentschaftskandidaten gewählt wurde,
so wurde Johnson per Akklamation als Mitstreiter und Vizepräsidentschaftskandidat bestätigt.
Sein persönlicher und politischer Lebensweg ist ohne seine Familie nicht
denkbar - nicht ohne seine Frau Claudia Alta - oder besser bekannt als "Lady
Bird" - und seine beiden Töchter und seine Enkelkinder.
Johnsons persönlicher Stil war von Energie und Arbeit geprägt, und sein
Arbeitstag betrug meist 18 Stunden - was eine doppelte Besetzung der Sekretärinnenposten notwendig machte. Den Glanz und das Charisma seines Vorgängers
Kennedy mußte er durch unermüdlichen Einsatz ausgleichen. Dieser Einsatz galt
Amerika und der Gerechtigkeit und der Freiheit. Er glaubte nicht, daß einem
die Dinge einfach zufallen, und so mahnte er seine Landsleute und die Welt in
seiner letzten Botschaft über die Lage der Nation am 10. Januar 1967: "Denken wir bei allem Übel, das uns befällt, bei allen Ängsten, die wir ausstehen
müssen... daran, daß diejenigen, die die Segnungen der Freiheit ernten wollen,
sich wie Männer der Mühe unterziehen müssen, sie zu erhalten."

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MINICOMPUTER-AUSSTELLUNG IM US-HANDELSZENTRUM IN FRANKFURT

--(AD)-- Eine Ausstellung mit angeschlossener Fachtagung, die ausschließlich
dem Thema "Minicomputer und Peripheriegeräte" gewidmet ist, findet vom 12.16.Februar 1973 im US-Handelszentrum in Frankfurt am Main, Bockenheimer Landstraße 2-4 statt. Über 50 amerikanische Hersteller von EDV-Geräten werden sich
an dieser Fachausstellung beteiligen, darunter rund ein Drittel, die neu auf
dem europäischen bezw. deutschen Markt sind.
Das Programm der Ausstellung umfaßt unter anderem:
Minicomputer, Terminals mit Sichtanzeigen, Tastatureingabeeinheiten,
Streifenlocher und Leser, Belegleser, Magnetbandgeräte und Kassettenrecorder,
Magnetbandreinigungs-und Wartungsgeräte, Plattenspeicher, Interface-Bausteine,
Datendrucker, Plotter, Mikrofilm-Plotter, Sprachsimulatoren, Signalumsetzer,
Digitalisiereinrichtungen, Videosysteme, Literatur und Software.
Die angeschlossene Tagung dauert vom 13.-16.Februar und befaßt sich mit
Neuentwicklungen sowie Anwendungsmöglichkeiten von Kleinrechnern einschließlich
der dazugehörigen Peripherie.Die Referenten sind EDV-Fachleute aus Europa und
den USA.
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4/1973

DIE ANTRITTSREDE PRÄSIDENT NIXONS

gehalten in Washington am 20. Januar 1973 anläßlich
seiner zweiten Amtseinführung

�Als wir vor vier Jahren hier zusammenkamen, war die Stimmung in Amerika
düster und gedrückt ob der Aussicht auf einen anscheinend endlosen Krieg
in Übersee und einen destruktiven Streit im eigenen Lande.
Wenn wir heute hier zusammenkommen, dann stehen wir an der Schwelle
einer neuen Ära des Friedens in der Welt.

Die zentrale Frage, die sich uns stellt, lautet: Wie sollen wir diesen
Frieden nutzen?
Seien wir entschlossen, daß diese Ära, in die wir jetzt eintreten,
nicht so sein wird, wie andere Nachkriegsepochen es oft waren; eine Zeit
des Rückzuges und der Isolierung, die zu Stagnation im eigenen Lande führt
und neue Gefahren in Übersee heraufbeschwört.

Seien wir entschlossen, daß diese Ära das sein wird, was sie werden
kann: Eine Zeit großer Aufgaben, in Größe gemeistert, in der wir den
Geist und die Verheißung Amerikas erneuern, da wir in unser drittes Jahrhundert als Nation eintreten.

Das vergangene Jahr brachte weitreichende Ergebnisse unserer neuen
Politik für den Frieden.Durch die Neubelebung unserer traditionellen
Freundschaften

und durch unsere Reisen nach Peking und nach Moskau konnten

wir die Basis für ein neues und dauerhafteres System von Beziehungen
zwischen den Völkern der Welt schaffen. Aufgrund der kühnen Initiativen
Amerikas wird man sich an 1972 noch lange als an das Jahr erinnern, in dem
der größte Fortschritt seit dem zweiten Weltkrieg in Richtung auf einen
dauerhaften Frieden in der Welt gemacht wurde.

Der

�Der Friede, den wir für die Welt anstreben, ist kein oberflächlicher
Friede, der nichts weiter als ein Zwischenspiel zwischen zwei Kriegen ist,
sondern ein Friede, der für spätere Generationen Bestand haben kann.

Es ist wichtig, daß wir sowohl die Notwendigkeit als auch die Grenzen
der Rolle kennen, die Amerika bei der Erhaltung dieses Friedens spielen
kann.
Wenn wir in Amerika nicht dafür arbeiten, diesen Frieden zu erhalten,
dann wird es keinen Frieden geben.
Wenn wir in Amerika nicht dafür arbeiten, die Freiheit zu erhalten,
dann wird es keine Freiheit geben.
Wollen wir uns jedoch völlig im klaren sein über die neue Art der
Rolle, die Amerika aufgrund der neuen Politik spielt, die wir im Laufe
dieser letzten vier Jahre eingeschlagen haben.

Wir werden unsere vertraglichen Verpflichtungen respektieren.

Wir werden nachdrücklich das Prinzip unterstützen, daß kein Land das
Recht hat, einem anderen seinen Willen oder seine Herrschaft gewaltsam
aufzuzwingen.

Wir werden in dieser Ära der Verhandlungen weiter auf die Begrenzung
der Nuklearwaffen und die Verringerung der Gefahr einer Konfrontation
zwischen den Großmächten hinarbeiten.

Wir werden unseren Teil zur Verteidigung von Frieden und Freiheit auf
der Welt beitragen, aber wir werden von den anderen erwarten, daß sie das
Ihre dazu beitragen.

Die

�Die Zeit ist vorbei, da Amerika die Konflikte aller anderen Länder
zu seinen eigenen gemacht hat

oder da es sich verantwortlich fühlte für

die Zukunft jedes anderen Landes oder da es sich anmaßte, den Völkern
anderer Länder zu sagen, wie sie ihre eigenen Angelegenheiten regeln sollten.

So wie wir das Recht eines jeden Landes respektieren, über seine
eigene Zukunft zu entscheiden, so erkennen wir auch an, daß jedes Land
die Verantwortung für die Sicherung seiner eigenen Zukunft trägt.

So wie auf die Rolle Amerikas bei der Erhaltung des Weltfriedens nicht
verzichtet werden kann, genauso wenig kann auf die Rolle jedes einzelnen
Landes bei der Erhaltung seines eigenen Friedens verzichtet werden.
Seien wir entschlossen, gemeinsam mit der übrigen Welt auf den Anfängen, die wir bereits gemacht haben, weiter aufzubauen. Wollen wir fortfahren, die Mauern der Feindschaft einzureißen, die die Welt zu lange getrennt haben, und an ihrer Stelle Brücken der Verständigung errichten auf daß die Völker der Welt, trotz tiefgehender Unterschiede zwischen den
Regierungssystemen, Freunde sein können.
Wollen wir ein Gebäude des Friedens in der Welt errichten, in dem
die Schwachen genauso sicher sind wie die Starken - in dem jeder das Recht
des anderen respektiert, in einem andersgearteten System zu leben - in
dem diejenigen, die andere beeinflussen möchten, dies durch die Stärke ihrer
Ideen und nicht durch die Macht ihrer Waffen tun.

Wollen wir diese hohe Verantwortung nicht als eine Bürde, sondern
freudig auf uns nehmen - freudig, weil die Chance, einen solchen Frieden
zu schaffen, die vornehmste Aufgabe ist, die ein Land auf sich nehmen
kann; freudig auch, weil wir nur dann eine große Nation bleiben werden,
wenn wir mit Größe unseren Verpflichtungen im Ausland nachkommen. Und
nur wenn wir eine große Nation bleiben, werden wir mit Größe unseren Ver-

- 3-

�Verpflichtlingen im eigenen Lande nachkommen können.

Wir haben heute die Chance, mehr zu tun als jemals zuvor in unserer
Geschichte, um das Leben in Amerika zu verbessern - um eine bessere Schulbildung, bessere Gesundheitseinrichtungen, bessere Wohnungen, bessere
Verkehrseinrichtungen, eine sauberere Umwelt zu gewährleisten - um die
Achtung vor dem Gesetz wiederherzustellen, um unsere Gemeinden lebensfreundlicher zu gestalten - um das von Gott gegebene Recht jedes einzelnen Amerikaners auf umfassende und gleiche Chancen sicherzustellen.

Da der Rahmen dessen, was nötig ist, so weit gesteckt ist - da der
Bereich dessen, was möglich ist, so groß ist, - sollten wir kühn sein in
unserer Entschlossenheit, diese Erfordernisse auf neue Weise zu erfüllen.
So wie die Errichtung eines Gebäudes des Friedens in der Welt es
erforderte, daß wir uns von der alten Politik abwandten, die versagt hat,
so erfordert es der Aufbau einer neuen Ära des Fortschritts im eigenen
Lande, daß wir von der alten Politik ablassen, die ebenfalls versagt hat.

In der Welt bedeutete der Übergang von der alten Politik zu einer
neuen keine Abkehr von unseren Verpflichtungen, sondern vielmehr einen
besseren Weg zum Frieden.

Im eigenen Lande wird der Übergang von einer alten Politik zu einer
neuen keine Abkehr von unseren Verpflichtungen sein, sondern vielmehr
ein besserer Weg zum Fortschritt.

In der Welt wie im eigenen Lande liegt der Schlüssel zu dieser neuen
Politik in der Verteilung der Aufgaben. Wir haben zu lange mit den Folgen
des Versuches gelebt, alle Gewalt und Verantwortung in Washington zu vereinen.

In
- 4-

�In der Welt wie im eigenen Lande ist die Zeit gekommen, da wir uns
von der herablassenden Politik des Paternalismus - des "Washington weiß
es am besten" - abwenden.
Jemand kann nur verantwortungsbewußt handeln, wenn er Verantwortung
trägt. Dies liegt in der Natur des Menschen. Wir sollten die Menschen im
eigenen Lande und die anderen Völker ermutigen, selbst mehr zu tun und
selbst mehr zu entscheiden. Wollen wir das, was wir für andere tun, nach
dem bemessen, was sie selbst für sich tun.
Das ist der Grund, warum ich heute nicht verspreche, daß die Regierung
schon alle Probleme lösen wird. Wir haben zu lange mit diesem falschen
Versprechen gelebt. Indem wir zu sehr auf die Regierung bauten, haben wir
mehr von ihr gefordert, als sie geben kann. Dies führt nur zu übersteigerten Erwartungen, zu geringeren Anstrengungen des einzelnen, und zu Enttäuschung und Frustration, die das Vertrauen in das, was die Regierung
und was die Bevölkerung leisten können, untergraben.

Die Regierung muß lernen, weniger von den Menschen zu nehmen, so
daß diese mehr für sich selbst sorgen können.

Jeder von uns sollte sich daran erinnern, daß Amerika nicht von der
Regierung, sondern vom Volke geschaffen wurde - nicht durch Wohlfahrt,
sondern durch Arbeit - nicht durch Zurückschrecken vor der Verantwortung,
sondern durch Übernahme von Verantwortung.

In unserem eigenen Leben sollte sich jeder von uns fragen: Was kann
ich selbst für mich tun, und nicht, was wird die Regierung für mich tun.

Bei den Aufgaben, vor denen wir gemeinsam stehen, sollte jeder von
uns fragen: Wie kann ich helfen, und nicht, wie kann die Regierung helfen.

Unsere

�Unsere Bundesregierung hat eine große und entscheidend wichtige Rolle
zu spielen. Ich versichere Ihnen, daß diese Regierung, wo sie handeln
sollte, mutig handeln, und führen wird. Aber genauso wichtig ist die Rolle,
die jeder einzelne von uns spielen muß, als Einzelperson und als Mitglied seiner eigenen Gemeinde.
Von

dem heutigen Tage an sollte sich jeder vpn uns zutiefst in

seinem Herzen verpflichten, seiner Verantwortung nachzukommen, seinen Beitrag zu leisten, seine Ideale zu verwirklichen, so daß wir gemeinsam ein
neues Zeitalter des Fortschritts für Amerika anbrechen sehen und gemeinsam - da wir jetzt den 200. Gründungstag unserer Nation begehen werden stolz sein können auf die Erfüllung des Versprechens, das wir uns und
der Welt gegeben haben.

Wo jetzt der längste und schwierigste Krieg Amerikas seinem Ende
entgegengeht, müssen wir erneut lernen, über unsere Meinungsverschiedenheiten mit Würde und Anstand zu debattieren. Und jeder von uns sollte
sich um jenes kostbare Gut bemühen, das die Regierung einem nicht geben
kann, nämlich um ein neues Maß an Respekt vor den Rechten und Gefühlen
des anderen und um ein neues Maß an Respekt vor der Menschenwürde, die
das kostbare angeborene Recht eines jeden Amerikaners ist.

Und vor allem anderen ist jetzt die Zeit für alle Amerikaner gekommen,
den Glauben an uns selbst und an Amerika zu erneuern.

In den letzten Jahren ist dieser Glaube in Frage gestellt worden.

Unseren Kindern ist gesagt worden, sie müßten sich ihres Landes,
ihrer Eltern, der Taten Amerikas hier im eigenen Lande und seiner Rolle
in der Welt schämen.

Bei jeder Krise sind wir von denjenigen bedrängt worden, die an

- 6-

�an Amerika alles falsch und nur wenig richtig finden.

Aber ich bin zuversichtlich, daß dies nicht das Urteil der Geschichte
über diese bemerkenswerten Zeiten sein wird, in denen wir leben dürfen.

Was Amerika in diesem Jahrhundert geleistet hat, an Verantwortungsbewußtsein, an Großherzigkeit, an schöpferischer Kraft und an Fortschritt
ist ohne Parallele in der Weltgeschichte.

Wir können stolz darauf sein, daß unser System mehr Freiheit und mehr
Wohlstand hervorgebracht und gegeben hat - und zwar für mehr Menschen -,
als irgendein System in den letzten hundert Jahren der Geschichte der
Menschheit.
Wir können stolz darauf sein, daß wir in jedem der vier Kriege, in
denen wir in diesem Jahrhundert gekämpft haben - das gilt auch für denjenigen, den wir jetzt beenden - nicht für eigennützige Vorteile gefochten
haben, sondern um anderen zu helfen, einer Aggression zu widerstehen.

Wir können stolz darauf sein, daß wir mit unseren kühnen, neuen
Initiativen und mit unserem unerschütterlichen Eintreten für einen ehrenhaften Frieden einen Durchbruch erzielt haben, um in der Welt etwas zu
schaffen, was die Welt zuvor noch nie gehabt hat - ein Gebäude des Friedens
nicht nur für unsere Zeit, sondern für künftige Generationen.

Wir treten heute hier in eine Ära ein, die uns vor so gewaltige Aufgaben stellt, wie sie kein Land und keine Generation je zuvor zu bewältigen
hatte.

Wir werden Gott, der Geschichte und unserem Gewissen gegenüber dafür
verantwortlich sein, wie wir diese Jahre nutzen werden.
Wenn
- 7-

�Wenn ich jetzt hier an dieser so ehrwürdigen Stätte der Geschichte
stehe, dann denke ich an die anderen, die vor mir hier gestanden haben.
Ich denke an das, was sie sich für Amerika erträumt hatten, und ich denke
daran, wie jeder von ihnen sich darüber im klaren war, daß er Hilfe benötigte, die weit über seine eigene Kraft hinausging, um diese Träume
Wirklichkeit werden zu lassen. Heute bitte ich Sie, dafür zu beten, daß
ich in den kommenden Jahren Gottes Hilfe haben möge, um die Entscheidungen
zu treffen, die für Amerika richtig sind, und ich bitte Sie um Ihre Unterstützung, damit wir gemeinsam unserer großen Aufgabe gerecht werden können.

Wollen wir gemeinsam das feierliche Gelübde ablegen, die nächsten
vier Jahre zu den besten vier Jahren in der Geschichte Amerikas zu machen,
so daß Amerika an seinem 200. Geburtstag so jung und dynamisch sein wird
wie zu seinem Beginn und ein genauso

leuchtender Hoffnungsstrahl für

die ganze Welt.

Wollen wir von hier aus voranschreiten, zuversichtlich voll Hoffnung,
stark in unserem Glauben aneinander, gestärkt durch unseren Glauben an
Gott, der uns geschaffen hat, und in dem steten Streben, seinen Zielen zu
dienen.

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4/1973

AUSSENMINISTER ROGERS FORDERT NEUE FRIEDENSBEMÜHUNGEN IM NAHEN OSTEN

-Auszüge aus seiner Ansprache vom 17. Januar-

NEW YORK --(AD)-- Der amerikanische Außenminister William P. Rogers hat sich
am 17. Januar für neue Friedensbemühungen,vor allem auch im Nahen Osten,eingesetzt. Rogers sprach auf einem Abschiedsessen für den scheidenden israelischen Botschafter Rabin . Nach einigen einleitenden Worten, in denen er die
Verdienste Rabins würdigte, führte der amerikanische Außenminister wörtlich
aus:
"Für die Motivierung der Politik eines Landes gibt es selbstverständlich
kein höheres Ziel als das Streben nach einem gerechten und dauerhaften Frieden. Diesem Ziel hat sich die amerikanische Außenpolitik verschrieben, nämlich eine Welt zu schaffen, in der der Soldat, wie im Falle von Botschafter
Rabin, hinter den Diplomaten zurücktritt. Präsident Nixon hat dies in seiner
ersten Amtseinführungsrede so ausgedrückt: »Wir wollen dort den Frieden
willkommen machen, wo man ihn nicht kennt; wir wollen dort den Frieden stärken, wo er schwach ist; wir wollen dort den Frieden dauerhaft machen, wo er
nur vorübergehend ist.1
In

-1-

�In den letzten vier Jahren haben wir dramatische, wenn auch nicht immer
glatte Fortschritte in Richtung auf dieses Ziel gemacht. Wir werden während
der nächsten vier Jahre, wo immer dies notwendig sein wird, dieses Bemühen
mit allem Nachdruck fortsetzen.
Ohne Frage ist unser Erfolg beim drastischen Abbau der Spannungen zwischen den Großmächten - zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion
sowie zwischen den Vereinigten Staaten und der Volksrepublik China - ein wesentlicher Fortschritt in Richtung auf eine Zukunft in Frieden. Langjährige
von Zank und Streit getragene Beziehungen werden zu Beziehungen »einer gegenseitig nützlichen Zusammenarbeit*. Selbstverständlich werden fundamentale
Differenzen bleiben. Aber wir haben die feste Absicht, einen Rahmen beiderseitiger Verpflichtungen zu schaffen,durch den der natürliche Wunsch unserer
Völker nach einer von Krieg freien Welt gestärkt wird.
Für den von uns erzielten Fortschritt waren geduldige, einfallsreiche
und beharrliche Verhandlungen von entscheidender Bedeutung. Wenn wir unsere
realistische Hoffnung auf eine Generation des Friedens verwirklichen wollen,
dann sind weitere Fortschritte notwendig.
Wir werden in den kommenden Monaten jede Gelegenheit benutzen, um in
Richtung auf dieses Ziel weiterzukommen:
- Wir werden versuchen, mit der UdSSR nicht nur eine Begrenzung, sondern
eine Verringerung der strategischen Offensivwaffen zu erreichen. Wir haben bereits die Raketenabwehrsysteme (ABM) begrenzt und vereinbart, sie nicht für
eine Verteidigung unserer nationalen Hoheitsgebiete zu dislozieren. Wir müssen
jetzt danach streben, den Stand der strategischen Offensivkräfte, die die Bedrohung unserer jeweiligen Sicherheit darstellen, de facto abzubauen.
- Wir werden versuchen, eine größere Freizügigkeit von Personen und
Ideen in ganz Europa herbeizuführen. In einer Periode der Interdependenz und
der Entspannung wird ein besseres gegenseitiges Verständnis und ein verstärkter Austausch von Ideen und Menschen von entscheidender Bedeutung für einen

�einen stabilen Frieden sein. In diesem Zusammenhang ermutigt uns die kürzliche Äußerung von Parteichef Breschnew, daß 'die Möglichkeiten hier recht weitgesteckt sind', zu der Hoffnung, daß die kommende Konferenz über Sicherheit
und Zusammenarbeit in Europa einen Fortschritt in dieser Richtung bringen
wird.
- Wir werden eine beiderseitige und ausgewogene Verringerung der Streitkräfte in Mitteleuropa anstreben. Im Rahmen einer besser werdenden politischen
Atmosphäre in Europa kann eine beiderseitige Verringerung der Streitkräfte
weiter zum Abbau der Spannungen beitragen, während gleichzeitig die Sicherheit
beider Seiten gewährleistet wird. In den Vorbereitungsgesprächen, die in Kürze
beginnen, werden wir die Grundlage für ernsthafte Verhandlungen zu diesem Zweck
im kommenden Herbst schaffen.
- Wir werden versuchen, im Jahre 1973 unsere Austausch-und Besuchsprogramme mit der Volksrepublik China auszuweiten und unseren Handel mit diesem Land
mindestens zu verdoppeln. Wir haben unseren Handel mit China bereits von weniger als fünf Millionen Dollar auf über 100 Millionen Dollar gesteigert und haben das erste bedeutsame Besucheraustauschprogramm seit 25 Jahren ins Leben gerufen. Wir sind über diesen Fortschritt erfreut und rechnen damit, daß er
stetig weiter zunimmt.
Es sind nicht große Worte, sondern Leistungen dieser Art, aus denen die
Grundlagen einer friedlichen Welt gebaut werden.
So haben wir eh und je versucht, einen dauerhaften und ehrenhaften Frieden in Vietnam herbeizuführen. Wie Sie wissen, war die Entscheidung des Präsidenten, die Bombardierung, Beschießung und weitere Verminung von Nordvietnam
einzustellen, das Ergebnis eines Fortschritts bei der jüngsten Verhandlungsrunde.
Der Frieden in Vietnam ist natürlich ein Hauptanliegen;es kann jedoch
keine Garantie für eine Generation des Friedens geben, solange es keine dauerhafte Regelung im Nahen Osten gibt.
Die

3-

�Die Vereinigten Staaten haben in den letzten vier Jahren diesem Ziel
ernsthafte und eingehende Bemühungen gewidmet - einem Ziel, das die Welt ein
Viertel Jahrhundert lang nicht erreichen konnte. Die Waffenruhe von 1970 entlang des Suezkanals - das Ergebnis einer amerikanischen Initiative, bei deren
Zustandekommen Botschafter Rabin eine wichtige Rolle spielte -, war ein Vorsignal. Die Kämpfe entlang des Kanals ruhen seit fast zweieinhalb Jahren, was
weiterhin für alle Beteiligten von Vorteil ist.
Noch sind keine Verhandlungen im Gange. Wir sind der Überzeugung, daß
eine Lösung nur durch einen - direkten oder indirekten - echten und bedeutsamen Verhandlungsprozeß erreicht werden kann. Die Entscheidung, in Verhandlungen einzutreten, erfordert keine Änderung der Zielsetzungen oder der Politik.
Verhandlungen setzen nur die Bereitschaft voraus, nach Lösungen zu suchen und
ernsthaft und überlegt die Möglichkeiten einer gegenseitigen Annäherung zu
prüfen. Verhandlungen können die gegenseitige Klärung der Vorstellungen und
die Festlegung

des letztlichen nationalen Interesses bringen, aus denen ein

dauerhafter Frieden erwachsen kann.
Als Präsident Nixon vor vier Jahren die Hoffnung zum Ausdruck brachte,
daß die Welt aus einer Ära der Konfrontation heraus-und in eine Ära der Verhandlungen eintreten werde, sprach er nicht ausschließlich über die Beziehungen
zwischen Supermächten. Er sprach von dem Fortschritt und von der Hoffnung, die
ein solcher Fortschritt für die Regelung von Streitigkeiten zwischen allen Nationen bietet. So haben also ernsthafte und umfassende Verhandlungen nicht nur
zwischen uns und der Sowjetunion und der Volksrepublik China stattgefunden,
sondern auf dem ganzen .Erdball haben Gegner Verhandlungen aufgenommen: die
Ostdeutschen mit den Westdeutschen, die Pakistanis mit den Indern, die Nordkoreaner mit den Südkoreanern. Ich glaube, es liegt auf der Hand, daß die
Politik des Präsidenten zu diesen begrüßenswerten Entwicklungen und zur Verbesserung des Friedensklimas in allen Teilen der Welt beigetragen hat.
Der

-4-

�Der Nahe Osten bildet weiterhin eine Ausnahme in den Bemühungen, Differenzen durch einen aktiven Dialog beizulegen. Das Nachlassen der Spannungen
zwischen den Großmächten, verbesserte Verhältnisse in anderen Ländern des
Gebietes und die Aufrechterhaltung des militärischen Gleichgewichtes tragen
zusammen dazu bei, das Jahr 1973 zu einem günstigen Zeitpunkt für Verhandlungen zu machen. Wir sind überzeugt, daß beide Seiten - Araber und Israelis eine Lösung wünschen, die auf der Resolution des Weltsicherheitsrates vom
November 1967 beruht. Daher bleiben nach unserer Auffassung die Türen der
Diplomatie offen.
Wir sind weiterhin überzeugt, daß der realistischste Weg der wäre, mit
Verhandlungen über ein Interimsabkommen über den Suezkanal zu beginnen. Eine
solche Entwicklung würde:
- die militärischen Kräfte beider Seiten auseinanderrücken;
- die Waffenruhe festigen;
- zu einem Teilabzug der Israelis führen; und
- den Suezkanal für den Welthandel öffnen.
Der Abschluß und die Einhaltung des Interimsabkommens würde Vertrauen
schaffen und den Bemühungen um eine endgültige Regelung Auftrieb geben. Das
Zustandekommen des Interimsabkommens wäre nicht der Abschluß eines Prozesses,
sondern ein erster entscheidender Schritt, um Verhandlungen über die Durchführung der Sicherheitsratsresolution Nr. 242 in ihrer Gesamtheit zu erleichtern.
Präsident Nixon hat öffentlich erklärt, daß wir dem Nahen Osten eine
sehr hohe Priorität einräumen werden. Wir werden uns aktiv darum bemühen
festzustellen, ob und wie wir den Beteiligten helfen können, einen echten
Verhandlungsprozeß in Gang zu bringen...."

= 5-

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4/1973

DIE WAHL ZEIGT: DIE AMERIKANER WOLLEN DEN WANDEL
Von Louis Harris

&lt;

Louis Harris,der Präsident von Louis Harris
and Associates, hat sich in zwei Jahrzehnten einen Platz als einer der bekanntesten
und meist geachteten Meinungsforscher der
Welt erobert. Seine Voraussage des überwältigenden Sieges Nixons traf das Endergebnis um zwei Zehntel Prozent. Diese erfolgreiche, genaue Vorhersage ist jedoch nach
seinen eigenen Worten "nicht das, worum
es bei der Meinungsforschung geht. Der
'Existenzgrund1 für die Meinungsumfragen
ist vielmehr die Erweiterung des Verständnisses für das, was vorgeht hinsichtlich
der treibenden Kräfte bei einer bestimmten
Wahl - und was dies über die Zukunft erkennen läßt". Aus seiner Überzeugung heraus,
daß die Öffentlichkeit ein Recht hat, die
Kriterien und die Methoden zu erfahren, die
seinen Schlußfolgerungen zugrunde liegen,
hat er der amerikanischen Kongreßbibliothek
die kompletten Unterlagen seiner politischen
Meinungsumfragen zur Verfügung gestellt,die
er bei den Wahlen 1968 und 1972 durchführte.

Der entscheidende Punkt bei den amerikanischen Wahlen im Jahre 1972 war
der, daß die Vereinigten Staaten geteilt waren zwischen den Kräften, die für
den Wandel eintraten und den Kräften, die keinen Wandel wollten. Es ging

-1-

�ging nicht um einen Wettkampf zwischen einer ideologischen Rechten und einer
ideologischen Linken mit einer "ausschlaggebenden" Mehrheitsgruppe in der
Mitte.
Nach meiner Auffassung ist es unmöglich zu begreifen, was bei diesen
Wahlen vor sich ging, ohne diese grundlegenden Fakten zu erkennen. Der entscheidende Punkt bei den Wahlen im November vorigen Jahres scheint mir zu
sein, daß Richard Nixon offensichtlich diese Lehre von einer sich verändernden Wählerschaft sehr gut begriffen hat, was die zentrale Frage der Außenpolitik angeht. Und am Ende gelang es ihm, eine Mehrheit zustandezubringen,
die sich aus Anhängern der Gruppe des Wandels und der des "Nichtwandeis"
zusammensetzte.
Die Zukunft des politischen Prozesses in den Vereinigten Staaten, so
wie wir sie heute sehen, kündet mehr Wandel,mehr Unbeständigkeit seitens der
Wählerschaft an als etwa eine Festigung, eine Verhärtung oder etwa eine
neue Mehrheit um einen amorphen Mittelpunkt herum.
Bis 1976 wird sich die für den Wandel eintretende Gruppe, die sich bereits jetzt auf rund 50 Prozent der Wählerschaft vergrößert hat, wahrscheinlich auf 55 Prozent erhöhen.
Eines können wir nach der Wahl von 1972 sicherlich sagen: Die neue,
höchst unabhängige Gruppe, die den Wahlzettel nicht einfach nach der Partei
ausfüllt, sondern die genau differenziert und für den Wandel eintritt, wird
die treibende Kraft in der amerikanischen Politik sein. Und jeder Politiker,
der das ignoriert, wird das zu seinem Nachteil tun.
Lassen Sie mich mit einigen grundlegenden Fakten des politischen Lebens
beginnen, wie sie weitgehend existierten, bevor der Wahlkampf 1972 überhaupt
angefangen hatte,und wie sie sich heute,nachdem das alles vorbei ist, nicht
verändert haben.
Tatsache Nr. 1: Obwohl ein Präsident im Amt mit einem Erdrutsch wiedergewählt worden ist, fühlen sich mehr als vier von zehn Amerikanern im Alter
von 18 Jahren und darüber der Führung öffentlicher und privater amerikani-

-2-

�amerikanischer Institutionen entfremdet. Seit 1966 hat diese Entfremdung in
unserer Bevölkerung dramatisch zugenommen.
Tatsache Nr. 2: Im Brennpunkt dieser Entfremdung stehen nicht entfernt
so stark die vielbehandelten Ziele wie die protestierende Jugend, die militanten Schwarzen oder drogensüchtige Hippies oder Langhaarige, die obszöne
Worte gebrauchen, sondern das Ziel, auf das es hinausläuft, kann am besten
als das "Establishment" bezeichnet werden - die Leute, in deren Händen die
beherrschenden Institutionen in unserem Lande liegen.
Hier ein paar Beispiele dafür, wie sehr das Establishment -das öffentliche wie das private- in der Gunst der Öffentlichkeit im Verlauf der
letzten sechs Jahre gesunken ist: die Medien - Presse und Fernsehen - und
zwar, was das Vertrauen in sie anbetrifft, von 29 auf 18 Prozent; das Oberste
Bundesgericht von 51 Prozent auf 28 Prozent; die Exekutive der Bundesregierung von 41 Prozent auf 27 Prozent; der Kongreß von 41 Prozent auf 21 Prozent; die militärische Führung von 62 Prozent sogar bis auf 35 Prozent; die
Geschäftsleute und Unternehmer von 58 Prozent auf 27 Prozent.
Diese Zahlen weisen warnend darauf hin, daß die amerikanische Bevölkerung - falls sich die Qualität des Lebens in den USA nicht verbessert durchaus gewillt und bereit ist, diejenigen, die jetzt auf dem Thron der
Macht sitzen, von ihren Posten zu verdrängen und zwar sowohl im öffentlichen
wie im privaten Sektor. Und es kann kein Zweifel bestehen, daß sie im Rahmen
des politischen und wirtschaftlichen Systems der Vereinigten Staaten dazu
durchaus die Macht haben.
Tatsache Nr. 3: Aber Veränderungen noch grundlegenderer Art haben in
unserer Wählerschaft seit 1968 stattgefunden - Veränderungen, wie sie sich nie
zuvor in einem vergleichbaren Zeitabschnitt von vier Jahren in unserer modernen Geschichte vollzogen haben. Bei einer Wählergruppe, der ganz besondere
Aufmerksamkeit zuteil wurde, zeigte sich die Tendenz, sich jedem Wechsel in
wachsendem Maße zu widersetzen. Was die Gemüter der Angehörigen dieser Gruppe
erhitzt, sind Fragen wie die Bemühung um rassischen Ausgleich in den Schulen

-3-

�Schulen durch das neu eingerichtete Schulbussystem; Amnestie für landesflüchtige Wehrdienstverweigerer; Straferleichterung für den Besitz von Marihuana,
wobei die Ansicht vertreten wird, daß die Richter und andere Organe des
Rechtsvollzugs in den Vereinigten Staaten schon seit langem hier viel zu
nachsichtig gewesen seien. In dieser Gruppe finden sich unter denen, die
besonders empfindlich auf alle diese Fragen reagieren, vor allem Vertreter der
Altersgruppe über 50, Gewerkschaftsmitglieder; Leute, die überwiegend nur eine
Grundschulbildung besitzen sowie Kleinstadtbewohner und viele aus der Einkommensgruppe zwischen 5 000 und 10 000 Dollar jährlich.
Man hat diese Gruppe Amerikas Mitte - oder auch die schweigende Mehrheit genannt. Das besondere Kennzeichen der in dieser Gruppe vereinigten Wähler besteht aber darin, daß ihr zahlenmäßiger Anteil an der Gesamtheit der Wählerstimmen zurückgeht.
Insgesamt betrug der Anteil dieser Gruppen - die man vielleicht als
Koalition des Patt oder des Status quo bezeichnen könnte - an der Gesamtwählerzahl im Jahre 1968 noch etwa 55 Prozent, im Jahre 1972 aber nur noch 50 Prozent .
Eine ganz andersartige Gruppe findet man bei den Wählern unter 30 Jahren,
unter denen, die sich selbst als unabhängig bezeichnen und sich an keine politische Partei gebunden fühlen. Personen, die in den Vorstädten leben, die
ein gewisses Maß an Collegeausbildung erhalten haben und deren Einkommen in
der Größenordnung von 15 000 Dollar jährlich und darüber liegt.
Das besondere Kennzeichen dieser neuen "Koalition für Wandel und Veränderungen" besteht darin, daß die zu ihr Gehörigen von einer ganz anderen Reihe
von Problemen bewegt und bedrängt werden. Für sie ist die Qualität des Lebens
ein Anliegen besonderer Wichtigkeit, sie wünschen schärfere Maßnahmen zur Eindämmung der Luft-und Wasserverschmutzung. Sie waren bei den 1972er Wahlen führend in der Aufstellung und Propagierung von Referenden für Maßnahmen zum Umweltschutz. Sie befürworten die Legalität der Abtreibung bis zum dritten
Schwangerschaftsmonat; Zwei Drittel von ihnen haben nichts gegen lange Haare

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�Haare und die neuen Formen von Mode und Verhalten bei der Jugend. Vor allem
aber wollen sie zu einer Ära des Friedens gelangen anstelle der Konfrontation,
die die Gefahr birgt, zu einem nuklearen Krieg zu eskalieren. Die Mehrheit dieser Menschen ist prinzipiell für Veränderungen - für konkrete und pragmatische nicht ideologische - aber für reale Veränderungen. Wenn Präsident Nixon eine
"Veränderung, die sich bewährt" in Aussicht stellte, so war das eine Sprache,
die von diesem Menschen verstanden wurde, und viele fanden den Präsidenten
denn auch überzeugend.
Ohne Ausnahme hat diese Koalition, die für Veränderungen eintritt, ihren
zahlenmäßigen Anteil an der Wählerschaft verstärkt. Es ist mehr als genug
über den Einfluß der Jungwähler auf die Gesamtzahl der Wählerstimmen gesagt
worden. Tatsache ist jedenfalls, daß von den geschätzten 18 Prozent bei den
Wahlen im Jahre 1968 zu den 24 Prozent der im Jahre 1972 registrierten Stimmen
ein Zuwachs von 6 Prozent erfolgte.Dies zeigt, daß die Jungwähler keinesfalls
die Wählergruppe waren, die den rapidesten Zahlenanstieg verzeichnete. Die Zahl
der Unabhängigen ist von 16 Prozent bei den Wahlen vor vier Jahren auf 22 Prozent im Jahre 1972 - und damit ebenfalls um 6 Prozent - gestiegen. Die Zahl der
Wähler aus den Vorstädten schnellte von 27 auf 33 Prozent, ist also ebenfalls um
6 Prozent höher. Die Wähler mit Collegebildung machten im Jahre 1968 nur 27 Prozent der Gesamtwählerzahl aus und stiegen um 8 Prozent auf 35 Prozent im Wahljahr 1972. Und die Wähler aus der Gruppe mit einem Jahreseinkommen von 15 000
Dollar und darüber schnellte von 11 auf 20 Prozent und verzeichnete damit eine
Zunahme um neun Prozent.
Als Ganzes genommen stellte diese Gruppe, diese neue Koalition für den
Wandel, im Jahre 1968 rund 45 Prozent der Wählerschaft, aber im Jahre 1972 gehörten ihr schon rund 5o Prozent aller Wähler an: sie hat also mit der Gruppe,
die nicht für den Wandel ist, praktisch gleichgezogen.
In seiner langen Kampagne um die Nominierung als Präsidentschaftskandidat
der Demokraten hat Senator George McGovern von Anfang an eine zwiefältige
Strategie verfolgt: Einmal, daß er einen festen Ankerpunkt als derjenige

-5-

�derjenige Demokrat setzen würde, der für den Wandel und für die neue Politik
eintritt, und zum andern ging er davon aus, daß sich die Demokraten der Mitte
bei den Vorwahlen gegenseitig ausschalten würden. Darüberhinaus wollte er
eine Armee junger Leute mobilisieren, die bei den Vorwahlen ihre Stimme in
die Waagschale werfen konnten.
Diese Strategie hat offensichtlich bis zum Parteikonvent der Demokraten
und während des Konvents selbst funktioniert. Hubert Humphrey hat einen beträchtlichen Teil der Stimmen für Muskie auf sich gezogen, und John Lindsay
und Henry Jackson ging der Atem aus. Die große Überraschung der Vorwahlen war
jedoch die Staerke von George Wallace auch außerhalb des Südens. Das Phänomen
Wallace und das Phänomen McGovern zeigte damals eines gemeinsam, nämlich eine
grundsätzliche Anziehungskraft: Beide fanden Anklang bei den 47 Prozent der
Wählerschaft, die entfremdet waren,und beide kamen der Enttäuschung der Wähler
über das Establishment, vor allem das Big Business, und dem weitverbreiteten
Wunsch nach Steuerreform entgegen.
Trotz der übertriebenen Behauptungen der Manager von McGovern, daß dieser
eine Mehrheit unter den eingeschriebenen Demokraten habe, zeigten ihre eigenen
Meinungsumfragen in den Einzelstaaten, in denen Vorwahlen stattfanden, daß
seine Anhängerschaft im Durchschnitt kaum über die 30 Prozent-Marke hinauskam.
Unsere eigene Höchstnotierung für McGovern bei den Demokraten lag bei 27 Prozent. Für Wallace ging sie nie über 22 Prozent hinaus.
Zu Ende der Vorwahlen hatte sich die Demokratische Partei in eine Position
hineinmanövriert, in der ihr nichts anderes übrig blieb, als einen Kandidaten
unter den Minderheitsanwärtern auszusuchen.
Die Verlagerung der Stimmen, die sich von Wallace ab-und Nixon zuwandten
und zwar in einem Verhältnis von 80 zu 20, hat Anfang Juni wahrscheinlich die
Chancen von George McGovern zunichte gemacht, das Weiße Haus zu erobern. Unsere
eigenen Meinungsumfragen zeigten, daß die entscheidende Periode der Stimmenabwanderung von McGovern nicht etwa während oder nach der Eagleton-Affäre lag
(als McGovern seinen designierten Vizepräsidentschaftskandidaten aufgeben mußte,
weil sich dieser früher einer psychiatrischen Behandlung unterzogen und dies

-6-

�dies verschwiegen hatte - d.R.) und sicherlich auch nicht auf den Parteikonvent der Demokraten zurückzuführen war, der bedeutsamer, ansprechender und
interessanter war als der Konvent der Republikaner. McGovern geriet bereits
in der letzten Woche der Vorwahlen in Kalifornien Anfang Juni auf die Bahn
nach unten.. Es war nämlich in Kalifornien, als Senator Humphrey mit seinem
Angriff auf das Steuerreform-Einkommensneuverteilung-Wohlfahrtsreform-Paket
den wunden Punkt seines Rivalen fand. Dieser Vorschlag McGoverns wurde unauslöschlich von dem Versprechen geprägt, jedem Mann, jeder Frau und jedem
Kind einfach 1 000 Dollar im Jahr aus dem großen Topf der Bundesregierung zu
geben. Diese Idee wurde von den Wählern selbst rundweg abgelehnt, und zwar
mit 73 gegen 15 Prozent, und dieser Vorschlag hing McGovern bis zum Wahltag
an. Noch am Wochenende vor dem Wahltag fand eine Mehrheit von 62 gegen 24 Prozent diesen Einkommensneuverteilungsplan einfach zu "radikal".
Man hat heute bereits vergessen, daß McGovern im Mai vorigen Jahres in
unseren Umfragen nur sieben Punkte hinter Präsident Nixon zurücklag - mit
einem Verhältnis von 48 zu 41 Prozent. Er lag im Osten der USA in Führung und
kam im Mittelwesten und im Westen bis knapp an Nixon heran. Er lag in den
Großstädten klar vorn und in den entscheidend wichtigen Vororten nur um wenige
Punkte zurück. Er lag bei der Jugend an der Spitze und bei den Unabhängigen
nur um einen Punkt zurück, und bei der Einkommensgruppe um 15 000 Dollar pro
Jahr und darüber nur um sechs Punkte zurück. Er hatte eindeutig eine goldene
Chance, eine Koalition des lebendigen Wandels zustandezubringen, die ihn praktisch an den Präsidenten herangebracht hätte. Zusammen mit seiner Führung von
vier gegen eins bei den Schwarzen hätte er es im November durchaus schaffen
können.
Nach den Vorwahlen in Kalifornien im Juni fiel McGovern jedoch von sieben Punkten Rückstand auf 16 Punkte zurück. Er war auf 20 Punkte Rückstand
zurückgefallen, bevor der Parteikonvent der Demokraten noch begonnen hatte,
und kam nach der Eagleton-Affaire mit 23 Punkten Rückstand heraus. Die eigentliche Auswirkung der Eagleton-Episode bestand darin, daß er bei den jungen
Menschen unter Dreißig endgültig die Führung verlor, denn mit zwei gegen eine

-7-

�eine vertrat die Gruppe, mit der er so stark gerechnet hatte, die Auffassung,
daß

McGovern in der Frage der geistigen Gesundheit - also einer vernünfti-

gen Frage - einen unvernünftigen Standpunkt eingenommen und sich im übrigen wie
ein Politiker üblichen Stils verhalten habe.
Den letzten Anstoß gab dann das Bemühen McGoverns, die Einheit in den
demokratischen Reihen dadurch wiederherzustellen, daß er bei den Gewerkschaften und den katholischen Wählern mit den üblichen massiven Wahlversprechungen
Boden zu gewinnen versuchte, gleichzeitig gegen die Gesetze für ein Recht auf
Arbeit loszog, sich gegen Lohnkontrollen wandte und für eine Unterstützung
von Konfessionsschulen aussprach und in der Abtreibungsfrage Rückzieher machte.
Langsam aber sicher verlor er immer mehr an Boden bei seinen ursprünglichen Anhängern unter der Koalition für einen Wandel.
Mit anderen Worten, McGovern machte sich selbst zu dem eigentlichen Thema
des Wahlkampfes 1972 und verlor in diesem Prozeß seine eigene Identität.
Aber wenn auch das Problem der Person McGoverns schließlich zum zentralen
Faktor für den Ausgang der Wahlen des Jahres 1972 wurde, so bleibt immer noch
die schwierige Frage: Wie konnte Richard Nixon, der als Präsident im Weißen
Haus saß und von A3 Prozent der Wähler für einen in seiner Grundeinstellung
"Konservativen" gehalten wurde, für einen Mann, den man gleichsam als Symbol
für das Establishment und den Verteidiger des Status quo setzen konnte, wie
konnte dieser Mann die Wahl fast 22 Punkte vor George McGovern gewinnen, der
mehr als jeder andere Demokrat im Jahre 1972 von seiner der Sache des Wandels
verschriebenen Partei nominiert worden war?
Mitte des Jahres, 1971 hatte die Beliebtheit Nixons etwa ihren Tiefstpunkt
erreicht, und es sah ganz so aus, als würde er sich mit einer Amtszeit als
Präsident zufriedengeben müssen. Die günstigste Beurteilung fanden allenfalls
noch seine Bemühungen um den Frieden in der Welt, und hier lag er punktmäßig
etwa bei 48 zu 48. Was die Kriegführung in Vietnam anbetraf, so wurde sie von
61 Prozent negativ beurteilt; zur Steuer-und Ausgabenpolitik äußerten sich
75 Prozent negativ; zur Aufrechterhaltung von Gesetz und Ordnung sowie zur
Verbrechensbekämpfung 63 Prozent negativ; zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit

-8-

�1

71 Prozent negativ; zur Senkung der Lebenshaltungskosten 83 Prozent negativ;
zur wirtschaftlichen Stabilität und Gesundheit 73 Prozent negativ und zu der
Frage, ob er persönlich das Vertrauen ins Weiße Haus stärke, hatten 56 Prozent
eine negative Meinung.
Bei "Probeläufen"gegen die Demokraten lag Nixon bis zu sechs Punkten zurück,und die Demokraten hatten ihre Kampagne gegen ihn noch nicht einmal gestartet. Richard Nixon hatte in der Vietnam-Frage und bezüglich des Problems
Wirtschaft eindeutig Schwächen.
Im Sommer 1971 machte Nixon in seiner Einstellung zum Wähler eine Wendung
um 180 Grad. Er trat für den Wandel ein - nicht ideologisch,sondern sachlich,
nicht theoretisch, sondern praktisch.
In rascher Folge gab er seinen Besuch in Peking bekannt, dann verkündete
er am 15. August die Einfrierung aller Löhne und Preise. Das war der gleiche
Richard Nixon, der einmal gelobt hatte, er werde niemals zu Kontrollen Zuflucht
nehmen, um die wirtschaftlichen Übel des Landes zu beseitigen. Und schließlich
teilte er mit, daß er nach seinem Besuch in Peking auch zu einem Gipfeltreffen
in die Sowjetunion reisen werde. Mit der Präzision eines Chirurgen machte sich
Nixon daran, seine beiden offenkundigsten Angriffspunkte zu beseitigen - den
Krieg und die Rezession - und gleichzeitig erhob er den kühnen Anspruch, die
Wiederwahl als der Kandidat des Friedens zu gewinnen.
Die Ergebnisse dieser Strategie schlugen sich rasch in unseren eigenen
Umfragen nieder und sicherten ihm schließlich die Wiederwahl.
Die Gesamtbeurteilung Nixons im Amt durch die Öffentlichkeit verbesserte
sich von dem Tiefstand von 44 Prozent positiv im Juni 1971 auf 56 Prozent
positiv im Juni 1972 nach seiner Moskaureise und erreichte dann im Oktober
mit 59 bis 60 Prozent den höchsten Stand seit den glücklichen Tagen im Jahre
1969.
Was den Aspekt der Friedensarbeit anbetrifft,so stieg er von einem 48 zu
48 Gleichstand auf einen Vorsprung von 67 gegen 31 Prozent.
Was

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�Was die Wirtschaft angeht, so wandelte sich die Mehrheit von 62 gegen
24 Prozent, die der Auffassung war, das Land befinde sich in einer Rezession,
bis Oktober in eine Mehrheit von 51 gegen 34 Prozent, die glaubte, die Rezession sei endlich vorbei. Die Mehrheit von 56 gegen 29 Prozent, die sich
hinsichtlich des Vertrauens negativ ausdrückte, verwandelte sich zum Zeitpunkt
der Wahl in eine Mehrheit von 51 gegen 41 Prozent, die dem Mann im Weißen
Haus ihr Vertrauen schenkte.
Der Wandel in der Einstellung der Wähler war augenfällig. Statt sechs
Punkte hintan zu liegen, endete Nixon mit einem Vorsprung von 22 Punkten
- was einen Umschwung von 28 Punkten bedeutet. Der Nettogewinn, den der Präsident bei der

Gruppe machte, die keinen Wandel wollte, belief sich auf

rund 16 Punkte, lag also um 12 Punkte niedriger als die Gewinnmarge bei
der Gesamtwählerschaft, die Nixon in den 18 Monaten erzielte. Bei der Gruppe
der für den Wandel eintretenden Wähler - der Jugend, den Unabhängigen, den
Vorstadtbewohnern, der Einkommensgruppe von 15 000 Dollar pro Jahr und darüber und den akademisch Gebildeten - machte die Zunahme die erstaunliche
Zahl von 36 Punkten gegenüber seinem Tiefstand aus - lag also um 8 Punkte
über dem Durchschnitt.
Der entscheidende Punkt ist, daß Richard Nixon aus der Position eines
potentiellen Verlierers im Sommer 1971 die Position eines Gewinners mit überwältigendem Abstand im November 1972 machte. Das bedeutsamste Element dieser Entwicklung ist die Tatsache, daß es ihm gelang, die fast sichere Opposition der Gruppen für den Wandel fest für sich zu gewinnen. Was für einen
Mann, der nie für sich in Anspruch nehmen konnte, daß seine persönliche Wärme
oder sein Charisma besonders angekommen wären, vielleicht noch wichtiger ist,
ist die Tatsache, daß es ihm jetzt zum ersten Mal gelungen war, eine beachtliche Mehrheit zu finden, die ihm die persönliche Fähigkeit zutraute, im
Weißen Haus Vertrauen auszustrahlen.
Es wird zwar heute oft das Gegenteil behauptet, aber die Außenpolitik
- der tiefe und echte Friedenswunsch des amerikanischen Volkes - hat ohne
Frage den Wettlauf zum Weißen Haus entschieden. Den zweifellos größten Vor-

-10-

�Vorsprung vor McGovern hatte Richard Nixon durch seine Fähigkeit und Möglichkeit, mit den Russen und Chinesen zu verhandeln:70 gegen 14 Prozent. Von
Vietnam angefangen bis zu den spektakulären Durchbrüchen in Peking und Moskau
war der dominierende Punkt, von dem aus sich die Wählerschaft ihr Haupturteil
bildete, Friede und Außenpolitik.
Das Urteil des amerikanischen Volkes über Richard Nixon entstand nicht
aus innenpolitischen Fragen, sondern aus der Frage des Friedens heraus nicht aus dem, was er sagte, sondern aus dem, was er tat. Die Öffentlichkeit
sieht seine Handlungen in der Außenpolitik als eine Option für den Wandel,
ja, den radikalen Wandel.
Im Grunde tat das Land bei der Wahl nichts anderes, als daß es Präsident
Nixon ein mächtiges "Mandat für den Wandel"übertrug, was die Friedenspolitik
und die Außenpolitik angeht - aber dem Kongreß ein ebenfalls mächtiges "Mandat
für den Wandel" auf dem Gebiet der Innenpolitik gab. In beiden Fällen bedeutet
das Mandat nach meiner Auffassung einen Auftrag für einen pragmatischen Wandel,
einen "Wandel, der funktioniert", wie Nixon es selbst ausgedrückt hat, und
nicht für den Status quo.
Richard Nixon mag vielleicht keine neue und dauerhafte politische Mehrheit zusammenschweißen. Er war im Jahre 1972 eher so etwas wie eine Brücke
zwischen dem Alten und dem Neuen. George McGovern konnte am Ende weder das
Alte noch das Neue für sich gewinnen - und bisher ist es weder der einen
noch der anderen der beiden großen politischen Parteien - Demokraten und Republikaner - gelungen, sich an und mit der neuen Gestaltung der Wählerschaft
zu messen.
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4/1973

DIE KOMMENDEN AMERIKANISCH-EUROPÄISCHEN HANDELS-UND WAHRUNGSVERHANDLUNGEN
-Rede des scheidenden US-Handelsministers Peterson in New York-

NEW YORK --(AD)— Der scheidende amerikanische Handelsminister Peter G.
Peterson, dessen Nachfolge Frederick Dent antritt, hat am 18. Januar vor
dem Conference Board von New York über die kommenden Verhandlungen der USA
mit ihren westlichen Handelspartnern gesprochen. Die Rede, die den Titel
"Die Auswirkung einer sich verändernden Wirtschafts-und Währungspolitik
auf den internationalen Handel: Unsere kommenden Verhandlungen mit unseren
westlichen Partnern"trägt, hat folgenden Wortlaut:
Sie haben mich gebeten, heute abend zu Ihnen über die Frage unserer kommenden Verhandlungen mit unseren westlichen Handels-und Sicherheitspartnern
zu sprechen.
Wenn man von der außerordentlichen Bedeutung, ja dem Schwierigkeitsgrad
der Verhandlungen ausgeht; wenn man von der Tatsache ausgeht, daß noch immer
kritische Studien über alternative Verhandlungsziele und - Strategien entwickelt werden; und wenn man davon ausgeht, daß mein Status als Regierungsbediensteter nur noch auf Wochen begrenzt ist, dann glaube ich, daß ich am

-1-

�besten zwei Dinge tue: Erstens möchte ich unterstreichen, daß das, was ich
hier vortrage, meine persönlichen und vorläufigen Auffassungen sind und keine
amtlichen oder endgültigen. Zweitens möchte ich mich mehr auf die allgemeinen
umrisse einer möglichen Tagesordnung konzentrieren und nicht so sehr auf die
spezifischen amerikanischen Standpunkte, die eingenommen werden könnten.
Es liegt auf der Hand, daß diese Entscheidungen noch nicht getroffen worden
sind und in jedem Fall vom Präsidenten getroffen werden müssen.
Es ist nun einmal eine Tatsache im Leben, ob man dies wahrhaben will
oder nicht, daß jede Beziehung, sei es zwischen Einzelpersonen oder zwischen
Völkern, gepflegt werden muß und im Denken und Fühlen der jeweiligen Beteiligten nicht als zweitrangig deklassiert werden darf, wenn dies nicht zu einer
Verschlechterung führen soll.
Es gibt ernsthafte, denkfähige und besorgte Bürger auf beiden Seiten
des Atlantiks und Pazifiks, die der Überzeugung sind, daß unsere alten und
wertvollen Beziehungen zu den Ländern Westeuropas, zu Japan und Kanada in
Gefahr sind, sich auf diese Weise zu verschlechtern. Diese Leute sagen, daß
wir zu sehr mit den historischen Initiativen des Präsidenten gegenüber der
Sowjetunion und China und natürlich mit dem Vietnamproblem beschäftigt seien.
Diese Leute sagen ferner, daß die Gewinne aus den Initiativen gegenüber
Rußland und China zwar unschätzbar groß gewesen seien, daß jedoch unsere unbeabsichtigte Vernachlässigung Europas und unserer anderen wichtigen Partner das Ganze zu einem nicht ganz reinen Segen werden lassen könnte.
Diese Initiativen drängen offensichtlich vielen Europäern die Auffassung
auf, die Vereinigten Staaten hielten die zugrundeliegenden Motive oder zumindest die ursprünglichen Gründe für das Bündnis - politisch und sicherheitsmäßig gesehen - für nicht mehr so dringend und die Vereinigten Staaten
seien trotz unserer ethnischen, politischen, geistigen und wirtschaftlichen

-2-

�wirtschaftlichen Bindungen indifferent geworden . Es wäre eine Ironie des
Schicksals und ein politischer Verlust von ungeahnten Ausmaßen, wenn wir,
weil wir uns gegenüber dieser möglichen europäischen Schlußfolgerung taub
stellen, uns der Beschuldigung aussetzen würden, zwar die Sowjetunion und
China "zu gewinnen", aber Europa "zu verlieren". Der Präsident ist sich
darüber selbstverständlich völlig im klaren, und ich ganz sicher, daß er
und seine Berater den gleichen Einfallsreichtum und die gleiche Hingabe einsetzen werden, um die unerläßlichen alten Bindungen zu stärken, wie sie sie
benutzt haben, um neue Beziehungen zu China und der Sowjetunion zu schaffen.
Ich glaube, man darf in diesem Zusammenhang jedoch fairerweise auch
sagen, daß einige unserer Verbündeten sich unseren Empfindungen gegenüber
ebenso taub gestellt haben wie wir uns möglicherweise gegenüber den ihrigen.
So haben sie beispielsweise - befangen in ihrem Drang, die Europäische Gemeinschaft auszuweiten - die Ausbreitung von Präferenzabkommen bis zu einem
Ausmaß betrieben, das weit über das hinausgeht, was wir aus unserer ursprünglichen Politik der Unterstützung einer erweiterten Gemeinschaft erwarten
konnten.
Der Gemeinsame Markt, der als ein positiver Schritt zum wirtschaftlichen Wachstum konzipiert wurde, hat mehr und mehr den Charakter eines wirtschaftlichen Schutzwalles angenommen. Es ist nur ein kleiner, aber gefährlicher Schritt von der Vorstellung, daß einen gemeinsame Bande mit einem
oder mehreren Ländern verbinden, zu der leichten, aber trügerischen Fortsetzung des Gedankens, daß die Anerkennung der Bindung eine Form annehmen
kann, die in der Mißachtung der Interessen besteht, welche man mit jenen
außerhalb der Gruppe teilt.
Die Geringschätzung der legitimen Besorgnisse des anderen sowohl seitens der Europäer als der Amerikaner droht nicht nur auf Kosten der Wirtschaft beider Seiten zu gehen, sondern auch auf Kosten des Verlustes

-3-

�Verlustes unseres Gefühls der gemeinsamen Zielsetzung. Wenn diesen Entwicklungen nicht gesteuert wird, dann könnten sie leicht zu verstärkter Bitterkeit und der Forderung nach einseitigen, in wachsendem Maße isolationistischen und, wie ich meine, selbstzerstörerischen Konfrontationen führen. Es
gehört bei uns schon zu den traditionellen Formulierungen bei internationalen
Beziehungen, von unseren "besonderen Beziehungen" zu Westeuropa zu sprechen.
In früheren Zeiten war einigermaßen klar, was wir mit dieser Formulierung
meinten. Heute jedoch, angesichts der kühnen Initiative des Präsidenten gegenüber der Sowjetunion und China und angesichts des raschen Wachstums der wirtschaftlichen Macht des Gemeinsamen Marktes, müssen wir diese besondere Beziehung neu definieren und ihr eine neue praktische und auch menschliche Bedeutung geben. Darüberhinaus ist es so, daß wir, wenn wir dies erfolgreich tun
wollen, mit einigen der herkömmlichen Denkweisen über unsere Beziehungen
brechen müssen. Bisher haben wir traditionsgemäß wirtschaftliche Probleme
ausschließlich durch wirtschaftliche Mittel und Wege behandelt. Heute sprechen beide Seiten erneut von "wachsendem wirtschaftlichem Druck" gegeneinander und zwar in voller Wechselseitigkeit. Die Einstellung war: Quote für
Quote und Zollsatz um Zollsatz. In wachsendem Maße messen Handelsminister Sieg
oder Niederlage nach diesem engen Maßstab, statt von einer umfassenden Gesamtaufrechnung der allgemeinen und beiderseitigen Interessen unseres Bündnisses
auszugehen. Die gleiche Einstellung ist leider auch die Regel gewesen, wenn
es um Verteidigungs-, Währungs- und Entwicklungshilfefragen ging. Nach meiner
Überzeugung kann diese herkömmliche und vielleicht engstirnige Einstellung
in der Zukunft nur magere Ergebnisse bringen.
Ich meine, wir sollten uns überlegen, die Vorstellung von getrennten Konten und getrennten Hauptbüchern aufzugeben, und nach einer Symmetrie in unseren Gesamtbeziehungen streben, statt nach einem Ausgleich auf jedem einzelnen
Konto. Angemessener Vorteil ist die erste Regel eines effektiven Managements

-4-

�1

Managements der Mittel. Das sollte auch für die Beziehungen unter Nationen
auf den Gebieten der Politik, der Sicherheit, der Wirtschaft und des Sozialwesens gelten. Die Teilung der Lasten braucht nicht auf die einzelnen Sektoren
beschränkt zu bleiben, sondern kann über sie hinausgehen. Als Beitrag zu den
gemeinsamen Zielen des Friedens, der Prosperität und der Verbesserung der
Lebensqualität sind Handelskonzessionen, Währungsanpassungen, Militärhilfe,
Auslandshilfe und technologisches know-how in einem gewissen Sinne konvertible
Währungen.
Die Probleme,vor denen wir heute stehen, sind überall bekannte Probleme.
Einige von ihnen gehören zur Tradition: Sicherheit und das Streben nach wirtschaftlicher Prosperität; andere sind relativ neu und sind ironischerweise
aus der Art und Weise entstanden, in der wir in der Vergangenheit unsere mehr
traditionellen Probleme gelöst haben. Zu dieser Kategorie gehören der Raubbau
an natürlichen Hilfsquellen - vor allem der Energie - und die immer drängender
werdenden Probleme der "Qualität des Lebens". Die Hilfsquellen, die uns für
die Lösung dieser Probleme zur Verfügung stehen, sind endlich, aber endlich
bedeutet nicht gleichmäßig verteilt. So wie unsere gerneinsamenProbleme sich
in unterschiedlichem Grade auf eine unterschiedliche Zahl im Bündnis auswirken, so ist auch unsere Fähigkeit, mit ihnen fertig zu werden, unterschiedlich. Schon die Vernunft gebietet deshalb, bei der Aufteilung der Lasten nicht
nach einem bilateralen Ausgleich auf jedem einzelnen Konto zu suchen. Die Beziehung, die wir anstreben, ist eine totale Beziehung - eine Beziehung, bei
der die Beiträge der Partner einander ergänzen, eine Beziehung mit einer echten Aufteilung , eine Beziehung, bei der man nicht von der Frau erwartet, daß
sie die halbe Männerarbeit übernimmt, weil der Mann die halbe Frauenarbeit
übernimmt.
Die Situation, vor der wir stehen, birgt eine ungewöhnliche Herausforderung. Wenn wir sie ignorieren, könnten wir noch weiter von unseren europäischen Partnern wegtreiben. Das Tückische an dieser Art des Wegtreibens ist,
daß man es nicht bemerkt. Es ist nur zu leicht, an einem unerwünschten Ziel

-5-

�Ziel anzukommen, ohne daß man bemerkt hat, daß man an den richtigen Wegweisern
vorbeigegangen ist.
Kriege werden selten geplant, Länder treiben in sie hinein. In ähnlicher
Weise werden wirtschaftliche Konfrontationen selten mit Absicht herbeigeführt.
Niemand wollte, daß die beiden Kriege in den dreißiger Jahren stattfanden, und
doch haben sie stattgefunden, und ihre verheerenden Auswirkungen auf den Welthandel sind erst nach dem zweiten Weltkrieg korrigiert worden.
Wenn wir unseren Bindungen Stärke verleihen wollen, dann wird dies positive Schritte erfordern; es wird die Artikulierung gemeinsamer Entschlüsse, gemeinsamer Ziele, gemeinsamer Projekte und gemeinsamer Interessen erfordern. Darüberhinaus wird es erforderlich sein, daß sie ebensoweit in die Zukunft hinein
abgesteckt werden, wie der Präsident dies bei seinen Initiativen gegenüber
China und der Sowjetunion getan hat.

Mögliche Elemente einer Tagesordnung
Was könnten also die Elemente einer erfolgreichen Methode sein, um erstens
einige der großen Probleme zu lösen, vor denen die Vereinigten Staaten stehen,
und zwar ohne ein Anwachsen eines politisch-wirtschaftlichen Antagonismus gegenüber Europa, Japan und Kanada, der zu einem verstärkten Wirtschaftskrieg und
zu politischer Spaltung führen würde, und um zweitens in unseren Beziehungen
zu unseren Verbündeten wieder kooperative Verhaltensweisen zu schaffen, die
sowohl zu unserem beiderseitigen Wohlergehen als auch zu internationaler Stabilität, Sicherheit und Zusammenarbeit in der übrigen Welt beitragen werden.
Wie ich es sehe, müßte wohl eine Reihe von Bedingungen erfüllt werden.
Diese könnten eine mögliche, jedoch höchst vorläufige Tagesordnung für Verhandlungen abgeben, und ich muß immer wieder betonen, daß all dies vorläufige und
persönliche Überlegungen sind.
Das

-6-

�Das politische Wollen
Um die Lösungen für unsere vielen beiderseitigen Probleme zu finden,
muß irgendwie das politische Wollen auf den höchsten Regierungsebenen angeregt werden. Krieg ist eine viel zu bedeutsame Sache, als daß man sie den
Generalen überlassen könnte, und Handel ist eine zu wichtige Sache, als daß
man sie den Handelsministern überlassen könnte. Und so meine ich, daß die
Kombination all unserer beiderseitigen Probleme eine zu wichtige Sache ist,
als daß man sie jemand anders als den Staats-oder Regierungschefs überlassen könnte. Ich weiß, daß es Leute gibt, die sagen, die Führer Europas seien
zu sehr mit ihren eigenen Angelegenheiten beschäftigt - ob es die Inflation
im eigenen Lande ist, die Wirtschafts-und Währungsintegration der Gemeinschaft oder die "Ostpolitik" - um die Führungsrolle zu übernehmen und die
Sache der Welt oder auch nur des Atlantischen Bündnisses zu vertreten. Es
gibt viele, die behaupten, auf der "Europa-Ebene" sei eine Art politischer
Lähmung eingetreten. Und doch hat es jüngst einige ermutigende Erklärungen
von höchster Ebene in Europa gegeben, in denen die fundamentale Bedeutung
unserer totalen Beziehung unterstrichen wurde.

Eine langfristige Betrachtung
Ein zweites Element, dem mögliche Verhandlungen dienen können, könnte
eine langfristigere Betrachtung der Beziehung sein. Wir müssen dem Atlantischen Bündnis eine neue Zielsetzung geben. Aber wir müssen ihm auch ein Gefühl der Dauerhaftigkeit und Haltbarkeit verleihen.
Als amerikanischer Vorsitzender der Amerikanisch-Sowjetischen Handelskommission war ich in der glücklichen Lage, ein wichtiges Paket von grundsätzlichen und langfristigen Prinzipien für die Beziehungen zwischen den
Vereinigten Staaten und der Sowjetunion auszuhandeln, die der Präsident und

-7-

�und Parteichef Breschnew unterzeichneten. Wenn man also auf beiden Seiten
des Atlantiks bereit ist, langfristige Abkommen und Grundsatzpakete mit der
Sowjetunion ins Auge zu fassen, dann muß man sich fragen, warum keine Abkommen
mit unseren besten Freunden möglich sein sollten.
Man könnte sich vorstellen, daß beide Seiten eine neue und umfassende
Grundsatzerklärung, eine Art Grundkontrakt ins Auge fassen, der für die langfristigen Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und Westeuropa, Japan
und Kanada gelten würde - ähnlich, jedoch vielleicht noch spezifischer als
das Grundsatzpaket, das der Präsident mit der sowjetischen Führung unterzeichnete. Ich meine, daß es uns mit echter Überlegung und echtem Einfallsreichtum
gelingen könnte, ein wichtiges Grundsatzpaket zustandezubringen. Zu diesen
Grundsätzen könnte eine Definition der Art von Wirtschaftswelt gehören, die wir
wollen (wie etwa die Verpflichtung zu einer Reform des Währungssystems, die
fair ist und einen Ausgleich und ein Gleichgewicht auf beiden Seiten vorsieht);
eine Verpflichtung, Regeln und Verfahren zur Beilegung von Streitfragen im Handel zu akzeptieren. Dazu gehört die ganze Entwicklungswelt, wo es einige sehr
wichtige Gebiete der Zusammenarbeit gibt (wie etwa das ganze Gebiet der Enteignung und der Investitionen); dazu gehören Grundsätze der Sicherheit und
Lastenteilung, kooperative Unternehmen auf dem Gebiet der Energie, der Gesundheit, der Drogen, der Raumfahrt, der Umweltverschmutzung und des Verbrechens.
Alle diese Gebiete verlangen dringend nach mehr Zusammenarbeit.
Kurz gesagt - und wenn es nur darum ist, den Vereinigten Staaten zu helfen,
selbst klarere Vorstellungen zu gewinnen - sollten wir vielleicht prüfen, welche Grundsätze auch immer nach unserer Überzeugung weiterhin unsere Beziehung
zu einer "besonderen" machen sollen.

Sicherheit

-8-

�Sicherheit
In dem Prozeß der Verhandlungen über die Sektoren hinweg, aus dem heraus
ein umfassendes langfristiges Abkommen mit den Europäern entstehen könnte,
ist das vielleicht fundamentalste Element unsere gegenseitige Sicherheit
und der Beitrag, den jeder von uns zur Sicherheit Europas und der Welt leisten
kann.
Unsere militärische Präsenz in Europa ist nun schon von so langer Dauer,
daß sie manchmal als selbstverständlich betrachtet wird. Ein ander Mal mag
sie temporär und unsicher erscheinen. Auf jeden Fall wird sie wohl unterbewertet. Obwohl ich kein Experte für Verteidigungsangelegenheiten bin und auf
diesem Gebiet keinen Namen habe, möchte ich Sie doch bitten, folgende Überlegungen anzustellen:
- Es wird mir erklärt, daß die amerikanischen Verteidigungsausgaben -absolut gemessen - etwa das Dreifache derer unserer westlichen Partner betragen und prozentual zum Bruttosozialprodukt etwa doppelt so hoch sind.
- Es wird mir von einer Vielzahl von Experten erklärt, daß in Europa
Übereinstimmung darüber herrscht, daß jede bedeutsame Veränderung des gegenwärtigen Standes der dort stationierten amerikanischen Truppen jeden schlechter
stellen würde, da die Anfälligkeit der Europäer gegenüber sowjetischem Druck
wachsen würde, da das Gespenst Deutschlands als Nuklearmacht sich erheben würde und fast sicher jede westeuropäische Regierung gezwungen wäre, ihren Verteidigungshaushalt neu zu überdenken und Mittel und Wege zu suchen, um zu vermeiden, daß Gelder für vorwiegend innenpolitische Zwecke anders verwendet werden müssen.
- Es wird mir erklärt, daß die Schaffung eines voll unabhängigen europäischen Verteidigungssystems, bei dem jeder auf konventionelle Waffen begrenzt
wäre, ein Maß an politischer Einheit in Europa erfordern würde, das heute nicht
existiert. Die Kosten einer glaubwürdigen europäischen nuklearen Abschreckung

-9-

�Abschreckung und die politischen Probleme, die es zu lösen gilt (wer trifft
die Entscheidungen?) wären so gewaltig, daß diese Angelegenheit zumindest für
die nächsten Jahre eine akademische Frage ist.
- Es wird mir erklärt, daß für jene Europäer, die noch immer die strategische nukleare Abschreckung als die ultima ratio der europäischen Sicherheit
betrachten, die amerikanische militärische Präsenz von entscheidender Bedeutung ist, um die Abschreckung zu einer wirksamen Abschreckung zu machen. Für
die anderen, die nicht so recht am die Abschreckung glauben und die einen taktischen Nuklearkrieg als eine Katastrophe betrachten, sind die amerikanischen
Streitkräfte die einzige Garantie, daß ein Krieg in Europa noch vor einer totalen Katastrophe eingedämmt werden könnte.
- Es wird mir erklärt, daß die europäische Flottenkapazität im wesentlichen darin besteht, die Handelsschiffahrt zu schützen, während die amerikanische Flotte eine Angriffsstreitmacht sei, und keine von ihnen sehr leicht die
Rolle der anderen übernehmen könne.
Zusammengenommen heben alle derartigen Faktoren die Tatsache heraus, daß
die amerikanische Militärmacht für jetzt und noch für einige Zeit von entscheidender Bedeutung für die Sicherheit Europas und unsere totale Beziehung bleibt.
Wie mir scheint, müssen wir sehr vorsichtig sein, damit nicht der Eindruck entsteht, daß der Geist oder der Inhalt dieser Verhandlungen die Form von "Erpressung" annimmt, sondern daß vielmehr der Versuch gemacht wird, eine faire beiderseitige Aufteilung der totalen Lasten unserer totalen Beziehung zu erreichen.

Definition unserer wirtschaftlichen Prioritäten
Beide Seiten werden - und vielleicht zu Recht - kritisiert, daß sie sich
nicht gerade auszeichnen, was unseren Zusammenhalt und unsere Übereinstimmung
in der Definition unserer wahren Prioritäten angeht. Und mann kann uns vielleicht auch beiden zu Recht vorwerfen, das Ziel des üblichen Verhandlungsführers

-10-

�Verhandlungsführers zu verfolgen, nämlich viel zu erwarten und nichts aufzugeben. Und schließlich finde ich, daß auf beiden Seiten die Selbstgerechtigkeit
in reichem Maße vorhanden ist. So reden wir beispielsweise unentwegt von der
Agrarpolitik der Gemeinschaft. Das sollten wir auch, denn sie ist ein
Anachronismus. Aber es handelt sich hier um einen alten Anachronismus, der in
den einheimischen politischen Realitäten Europas tief verwurzelt ist, und
wir werden hier einige Zeit brauchen - was einer der Gründe dafür ist, warum
wir ein Paket von langfristigeren Abkommen erörtern sollten. Aber es ist auch
wichtig, daß wir einige unserer eigenen Anachronismen auf dem Agrarsektor
unter die Lupe nehmen - von denen ich allerdings ehrlich glaube, daß sie für
die europäischen Agrarinteressen weit weniger schädlich sind. Aber sie sind
trotzdem vorhanden. Im Grunde sind die meisten unserer echten langfristigen
Interessen tatsächlich die gleichen - nämlich niedrigere Lebensmittelpreise selbst auf dem Agrarsektor.
Wir sprechen auch beide, manchmal recht zungenfertig, von nicht-tarifären
Handelsschranken. Welche spezifischen Schranken sind die wichtigsten? Über
welche sind wir bereit zu verhandeln? Gerade hier hat der Präsident eine intensive Überprüfung angeordnet, und wir dürfen hoffen, daß unsere Handelspartner
das gleiche tun.
Viele von uns, die wir im Geschäftsleben stehen, neigen dazu, sich nur
zu leicht von der Währungsreform bange machen zu lassen, und sind trotzdem nur
zu bereit, sie den sagenhaften Heinzelmännchen zu überlassen, wo immer diese
in unseren Tagen leben mögen. Ich bin erfreut darüber, daß die Währungsreform
einen so wichtigen Platz auf Ihrer Tagesordnung einnimmt, da ich der Meinung
bin, daß die kühnen und umfassenden Vorschläge von Finanzminister Shultz für
ein Gleichgewicht in der Praxis statt einem Gleichgewicht in der Theorie von
ungeheurer Bedeutung und höchster Priorität sind.
Ich

�•'

Ich möchte noch ein weiteres Thema aufgreifen,das ich für höchst bedeutsam erachte: das Problem der Marktverzerrung. Wirtschaftliche und politische Realitäten überall machen klar, daß in einigen Fällen Importe zu stark
und zu rasch hereinkommen, als daß sie wirtschaftlich und politisch verdaut
werden könnten, und daß wir einige neue, beiderseits vereinbarte und zivilisierte Spielregeln brauchen, die den Anpassungsprozeß erleichtern, ohne der
Vorstellung vom Ablauf eines vernünftigen offenen und expandierenden Welthandels eine ständige Krücke anzulegen (oder vielleicht sollte ich besser sagen,
ihm

eine "Verrenkung" zu bringen). Auch hier hat der Präsident eine Vielzahl

von Mitteln und Wegen zur Behebung von Marktverzerrungen - Anpassungshilfen angeregt.
Wenn ich mich jetzt noch kurz einem weiteren Thema auf der wirtschaftlichen Tagesordnung - der Entwicklungshilfe - zuwende, dann möchte ich nur ein
Argument bringen und auf einen Grundsatz zurückkommen, den ich bereits vorher
angesprochen habe: nämlich eine faire Lastenteilung in den Aufgaben der totalen Beziehung. Ich weiß, daß nach den herkömmlichen Erkenntnissen jedes der
Industrieländer den gleichen Prozentsatz des Bruttosozialproduktes in die Entwicklung stecken sollte. In der neuen Welt der wirtschaftlichen Parität unserer westlichen Partner sollten wir fragen: Ist das noch immer eine gültige
Konzeption? Oder ist dies ein Gebiet, wo einige mehr dieser Lasten tragen sollten, während andere mehr die anderen Lasten tragen?

Das Energieproblem
Die zu erwartenden Energiehandelsdefizite der Vereinigten Staaten, Japans
und Europas könnten sich bis 1980 auf insgesamt 60 Milliarden Dollar belaufen, wenn die gegenwärtigen Trends nicht geändert werden. Solche massiven Defizite könnten nicht nur traumatische Auswirkungen auf das internationale
Währungssystem haben, sondern könnten dazu führen, daß die westlichen Handels-

-12-

�Handelspartner sich in einen kannibalistischen Kampf nicht nur um Energie,
sondern auch um Exporterlöse stürzen, um dafür bezahlen zu können - eine
Situation, die wohl kaum dazu angetan sein dürfte, unser westliches Bündnis
neu zu gestalten.
Nach meiner Auffassung sollte zu jeder neuen Strategie des westlichen
Bündnisses eine kühne und kooperative Strategie bezüglich unserer beiderseitigen Energieprobleme in den siebziger und achtziger Jahren gehören. Manche
Europäer mögen vielleicht noch nicht erkannt haben, was für ein kritisches
globales Problem dies werden wird. Wenn sie es nicht erkannt haben, dann ist
es unsere Aufgabe, es ihnen klar zu machen.

Andere gemeinsame Probleme
Energie ist nur eines der gemeinsamen Probleme, vor denen wir zusammen mit
unseren Partnern in den nächsten Jahrzehnten stehen werden. Es wird eine Fülle
anderer Probleme geben, einschließlich Umweltverschmutzung, anderer Umweltaufgaben, Bevölkerungskontrolle, Urbanprobleme, Verkehrsprobleme, medizinische
Probleme usw. Die Forderung nach Verbesserung der Qualität des Lebens beschäftigt in zunehmendem Maße die Aufmerksamkeit der führenden Männer in der ganzen
Welt. Führer der Europäischen Gemeinschaft sprechen heute weniger von einem
wirtschaftlichen Wachstum und mehr von dem, was sie die "Humanisierung" ihrer
wirtschaftlichen Gewinne nennen. Einige führende Leute in Japan entfernen sich
ebenfalls von einer primär wachstumsorientierten Wirtschaft und wenden sich
einer Wirtschaft zu, in der der Nachdruck stärker auf dem Verbraucher und der
Erhöhung des Lebensstandards liegt.
Was wir hier versuchen müssen, ist, solche kooperativen Gebiete mit mehr
Einfallsreichtum und Bedeutung zu erfüllen. Wenn wir Erfolg haben (in der Vergangenheit hatten wir keinen), dann könnte eine solche Zusammenarbeit unserer

-13-

�1

unserer neuen Beziehung zu Europa eine menschliche Dimension geben, die so
technischen und kalten Fragen - und mögen sie noch so fundamental sein - wie
Sicherheit und Währung fehlen.

Ost-West-Handel und Entspannung
Ein weiteres Element auf unserer Tagesordnung für den Neubau des Atlantischen Bündnisses hat weniger mit der Art und Weise zu tun, in der wir an
Europa herantreten, als vielmehr damit, wie sich die Art und Weise, in der wir
an andere herantreten, auf Europa auswirkt. Die Fortschritte, die wir auf den
Gebieten des Handels und der Sicherheit mit China und der Sowjetunion erzielt
haben, sind von historischer Bedeutung und könnten die Grundlage einer langen
und einträglichen Beziehung bilden.
Das wird jedoch nicht der Fall sein, wenn eine Nebenwirkung unserer Entspannung in einer Verschlechterung unserer Beziehungen zu unseren westlichen
Partnern besteht. Die Sicherheit, mit der wir an die ganze Frage der Aussöhnung mit dem Osten herangehen, hat die Solidarität des westlichen Bündnisses
zur Voraussetzung. Wir dürfen diese Voraussetzung nicht vergessen.
Es muß Teil unserer Gesamtstrategie sein sicherzustellen, daß die Herbeiführung der Entspannung sowohl zwischen den Vereinigten Staaten und dem Osten
als auch zwischen den Ländern des Gemeinsamen Marktes und dem Osten gegen Keile
gefeit ist, die uns spalten könnten. Dies bringt mich zu der Auffassung, daß
auf die Tagesordnung unserer Verhandlungen auch eine kooperative Einstellung
zum Ost-West-Handel gehört.

Zusammenfassung

-14-

�Zusammenfassung

Dies sind nach meiner Auffassung die Art von Fragen und die Art von
Einstellungen, über die wir sprechen müssen, wenn wir der Erosion unserer
atlantischen Bindungen Einhalt gebieten und unsere beiderseitigen Sicherheits-, Wirtschafts- und Sozialinteressen bekräftigen wollen.
Ich darf sagen, daß Akademiker und Atlantiker und jene von uns in der
Bürokratie schon sehr lange die Hände gerungen haben, wie ernst unsere europäischen Probleme geworden sind. Aber wir haben alle sehr wenig Vorschläge
gemacht, was wir zu ihrer Lösung tun sollten. In den kommenden Monaten werden wir all diese und noch mehr Probleme mit den verschiedenen Vertretern
der europäischen Regierungen erörtern. Der Präsident ist sich höchst bewußt, wie wichtig es ist, diese historischen Bindungen aufrechtzuerhalten
und zu stärken.
Zu keiner Zeit habe ich ihn je etwas anderes zum Ausdruck bringen hören
als die höchste Anerkennung der Bedeutung der totalen Beziehung. Sie können
damit rechnen, daß er mit der gleichen Kühnheit, Gesamtschau und Sensibilität
im Sinne der langfristigen Interessen und der Sicherheit der Nation handeln
wird, die er bei seinen Initiativen in der Sowjetunion und China und bei
seinem neuen Wirtschaftsprogramm vom 15. August 1971 angelegt hat.

THT

-15-

�</text>
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5/1973

DAS PROBLEIM VIETNAM (Chronologie)
Von Alexander Sullivan

WASHINGTON — ( A D ) — Das Problem Vietnam reicht - politisch gesehen - in
seinem Ursprung bis ins 19. Jahrhundert zurück. Von den sechziger Jahren
des vergangenen Jahrhunderts an bis zur Besetzung durch die Japaner im zweiten Weltkrieg war dieses Gebiet Indochinas französische Kolonie. Präsident
Roosevelt wollte nach Beendigung des zweiten Weltkrieges Indochina zu einem
internationalen Treuhandgebiet machen, um ihm schließlich die völlige Unabhängigkeit zu geben. Frankreich unter Charles de Gaulle aber wollte das Gebiet zurückhaben und sicherte ihm einen neuen politischen Status in der französischen Gemeinschaft zu.
Japan verlor den Krieg; Präsident Roosevelt starb kurz vor Kriegsende,
und die Franzosen gewannen Indochina zurück. Seither hat das vietnamesische
Volk, das seit langem eine nationale Selbständigkeit anstrebte, praktisch beständig im Krieg gestanden. Nachfolgend einige wichtige Daten aus der leidgeprüften Geschichte Vietnams seit Ende des zweiten Weltkrieges:

August 1945:

-1-

�August 1945: Mit der "August-Revolution" entsteht die Demokratische
Republik Vietnam (DRV), die sich - unter der Führung von Ho Tschi Minh in
Nordvietnam (Tongking), wo Nationalchina die Besatzungsmacht ist, fest
etabliert, dagegen in Zentralvietnam (dem ehemaligen Annam) und Südvietnam
(Kotschinchina) - das unter britischer Besatzung steht - nicht die gleiche
Macht gewinnt. Kaiser Bao Dai dankt zugunsten der neuen Republik ab.
6. März 1946: Frankreich und der Viet Minh einigen sich über die Rückkehr französischer Truppen nach Tongking. Frankreich anerkennt die Demokratische Republik Vietnam als "freien Staat mit eigener Regierung....";
ein Referendum soll darüber entscheiden, ob Teile von Annam und Kotehinchina
zur Demokratischen Republik Vietnam gehören werden. (Von diesem Augenblick
an setzt ein Guerillakrieg im Lande ein, der die Verhandlungen zwischen
dem Viet Minh und Paris wie ein Kontrapunkt begleitet).
5. Juni 1948: Mit Bao Dai an der Spitze bilden die Franzosen den Staat
Vietnam (Annam), dem später Kotehinchina zugefügt wird.
8. März 1949: Durch das Elys£e-Abkommen werden die Staaten Vietnam,
Laos und Kambodscha als unabhängige in der französischen Union assoziierte
Staaten begründet.
18. Januar 1950: Die Demokratische Republik Vietnam wird vom kommunistischen China diplomatisch anerkannt; 12 Tage später erfolgt die diplomatische
Anerkennung durch die Sowjetunion.
7. Februar 1950: Die Vereinigten Staaten und Großbritannien erkennen die
Staaten Vietnam, Laos und Kambodscha diplomatisch an.
8. Mai 1950: Die Vereinigten Staaten erklären sich bereit, Frankreich
und seinen assoziierten Staaten Militär-und Wirtschaftshilfe zu gewähren.

27.Juni 1950:

�27. Juni 1950: Im Rahmen des an die amerikanischen Truppen ergangenen
Befehls, die nordkoreanischen Invasoren aus Südkorea zurückzudrängen, gibt
Präsident Truman die Anweisung zur Entsendung einer militärischen Mission
nach Indochina und beschleunigt die Unterstützung Frankreichs und seiner
assoziierten Staaten in ihrem Kampf gegen den Druck der Kommunisten.
12. Dezember 1952: Der NATO-Rat erklärt, daß der französische Kampf
in Indochina seitens der Mitglieder der NATO"anhaltende Unterstützung
verdient".
7. Mai 1954: Mit der Eroberung des vorgeschobenen Stützpunktes Dien
Bien Phu nach einer 56-tägigen Belagerung versetzt der Viet Minh dem Selbstgefühl Frankreichs einen schweren Schlag.
20. Juli 1954: Die Genfer Konferenz führt zu einer zeitweiligen Einstellung der Kämpfe - Vietnam wird entlang des 17. Breitengrades geteilt.
21. Juli 1954: In einer gesonderten, aber nicht unterzeichneten Deklaration fordert die Genfer Konferenz die Wiedervereinigung Vietnams durch
Wahlen bis zum 20. Juli 1956. (Diese Wahlen fanden jedoch niemals statt;
Südvietnam stellt die Behauptung auf, daß "gefälschte" Wahlen im Norden
die wahrhaft freien Wahlen im Süden überspielen würden).
August 1954: Über eine Million Vietnamesen flüchten aus dem Norden
und suchen Zuflucht in Südvietnam.
24. Oktober 1954: Präsident Eisenhower ordnet eine direkte Hilfe für
Südvietnam an.
23. Oktober 1955: Bao Dai wird nach Wahlen von den Südvietnamesen als
Staatsoberhaupt abgesetzt. Drei Tage später wird die Republik Vietnam gegründet mit Ngo Dinh Diem als Präsident.
4. Juli 1956: Die im März gewählte Verfassunggebende Versammlung
beschließt eine südvietnamesische Verfassung.
2.Juni 1962:

�2. Juni 1962: Indien und Kanada als Mitglieder der Internationalen Kontrollkommission informieren die Sowjetunion und Großbritannien als die beiden Ko-Vorsitzenden der Genfer Konferenz, daß sich Nordvietnam der Subversion
und der verschleierten Aggression gegen Südvietnam im Widerspruch zu den Genfer Abkommen von 1954 schuldig gemacht habe.
2.-4.August 1964: Präsident Johnson ordnet Luftangriffe gegen Nordvietnam an, nachdem zwei amerikanische Zerstörer außerhalb der Hoheitsgewässer
vor Nordvietnam angegriffen wurden.
7. August 1964: Mit überwältigender Mehrheit beschließt der amerikanische Kongreß, Präsident Johnson freie Hand für alle seiner Ansicht nach notwendigen Maßnahmen zur Förderung des Friedens und der Sicherheit in Südostasien zu geben.
1. Januar 1965: Die Zahl der amerikanischen Militärberater in Südvietnam
ist auf schätzungsweise 23 000 Mann gestiegen.
8. März 1965: Die ersten amerikanischen Trupperiverbände treffen in Vietnam zum Schutze der amerikanischen Anlagen ein.
9. Dezember 1965: Ho Tschi Minh bezeichnet die von Präsident Johnson gemachten Friedensvorschläge als "absolut unannehmbar."
10. Juli 1966: Das amerikanische Verteidigungsministerium gibt bekannt,
daß die Zahl der amerikanischen Truppen in Südvietnam bis zum Frühjahr 1967
auf 425 000 Mann ansteigen werde. Am Ende waren über 500 000 amerikanische
Soldaten in Vietnam stationiert.
28. März 1967: Der Generalsekretär der Vereinten Nationen,U Thant, schlägt
eine Feuereinstellung vor - Washington und Saigon nehmen diesen Vorschlag an,
doch Hanoi lehnt ab.

30. Januar 1968:

�30. Januar 1968: Beginn der kommunistischen TET-Offensive, deren erste
Angriffswelle sich gegen etwa die Hälfte aller Provinzhauptstädte in Südvietnam sowie gegen 25 Flugplätze und das amerikanische Botschaftsgebäude
in Saigon richtet.
31. März 1968: Präsident Johnson ordnet die Einstellung der Luftangriffe auf Ziele nördlich des 20. Breitengrades an und verspricht die völlige
Einstellung der Bombenangriffe, wenn Hanoi die Kampftätigkeit einschränkt.
10. Mai 1968: Delegierte der Vereinigten Staaten und Nordvietnams treffen zum ersten Mal zu vorbereitenden Gesprächen über eine Beendigung des
Krieges zusammen.
20. Juli 1968: Präsident Johnson versichert, Washington werde es nicht
zulassen, daß Südvietnam gegen seinen Willen eine Koalitionsregierung unter
Beteiligung der Kommunisten aufgezwungen wird.
31. Oktober 1968: Um den Beginn produktiver Friedensgespräche zu erleichtern, ordnet Präsident Johnson die Einstellung sämtlicher amerikanischer
Luftangriffe gegen Nordvietnam an.
14. Mai 1969: Nach einem Zusammentreffen mit dem südvietnamesischen
Staatspräsidenten Thieu auf den Midway-Inseln ruft Präsident Nixon 25 000
amerikanische Soldaten aus Vietnam zurück.
4. August 1969: Der Sonderberater des Präsidenten für Fragen der
Nationalen Sicherheit, Dr. Henry Kissinger, beginnt eine Reihe von Geheimgesprächen mit dem Vertreter Hanois, dem nordvietnamesischen Politbüromitglied
Le Duc Tho,in Paris.
4. September 1969: Radio Hanoi meldet den Tod Ho Tschi Minhs.
7. Oktober 1970: Präsident Nixon umreißt die Grundzüge eines Friedensplanes, der eine politische Lösung vorsieht, die den gegebenen Verhältnissen der politischen Kräfte in Südvietnam entspricht, sowie einen Waffen-

�Waffenstillstand, einen Truppenabzug nach einem festgelegten Plan und die
Freilassung der Kriegsgefangenen.
7. April 1971: Präsident Nixon ruft weitere L00 000 amerikanische Soldaten aus Vietnam zurück.
31. Mai 1971: Bei einem Geheimgespräch zwischen Kissinger und Le Duc
Tho in Paris bietet Washington die Festlegung eines bestimmten Zeitpunktes
für den Truppenabzug an, wenn Hanoi dafür die Kriegsgefangenen freilassen
würde. Hanoi lehnt diesen Vorschlag für eine militärische Lösung ab und besteht auf einer umfassenden - politischen wie militärischen - Lösung, die
unter anderem den Sturz des südvietnamesischen Staatspräsidenten Thieu vorsieht.
25. Januar 1972: Präsident Nixon gibt die zwischen Kissinger und Le
Duc Tho geführten geheimen Gespräche bekannt und fordert gleichzeitig Hanoi
zu Verhandlungen auf. Der Präsident schlägt einen Waffenstillstand an Ort
und Stelle sowie die Freilassung aller Gefangenen und den Abzug der amerikanischen und alliierten Truppen aus Vietnam vor. Außerdem erklärt Nixon, daß
Staatspräsident Thieu einen Monat vor dem Termin für Neuwahlen von seinem Amt
zurücktreten werde.
30. März 1972: Nordvietnam beginnt mit starken militärischen Kräften
eine Invasion nach Südvietnam über die entmilitarisierte Zone hinweg.
8. Mai 1972: Präsident Nixon ordnet die Verminung der nordvietnamesischen Häfen und Luftangriffe auf militärische Depots an, um den Invasionstruppen den Nachschub abzuschneiden.
29. August 1972: Präsident Nixon kündigt an, daß die amerikanische
Truppenstärke in Südvietnam bis zum 1. Dezember auf 27 000 Mann reduziert
werden soll, versichert aber zugleich, daß einige amerikanische Truppeneinheiten solange in Vietnam bleiben würden, bis Hanoi die amerikanischen Kriegsgefangenen freigelassen hat.
8.Oktober 1972:

-6-

�8. Oktober 1972: Auf einer geheimen Konferenz Ln Paris erklärt sich
der Vertreter Nordvietnams Le Duc Tho zum ersten Mal bereit, den militärischen Aspekt einer Vietnamlösung von dem politischen zu trennen. Ein Vertragsentwurf wird aufgesetzt, der einen Waffenstillstand an Ort und Stelle
unter internationaler Überwachung, die Freilassung aller amerikanischen Gefangenen und die Schaffung eines Nationalrates der Wiederaussöhnung und Eintracht vorsieht, der unter internationaler Überwachung die Durchführung neuer Wahlen in Südvietnam in die Wege leiten soll.
26.Oktober 1972: Der Entwurf wird von Radio Hanoi bekanntgegeben, wobei
die Vereinigten Staaten gleichzeitig beschuldigt werden, sie wollten sich
an die gegebene Zusage, dieses Abkommen bis zum 31- Oktober zu unterzeichnen,
nicht halten. Dr. Kissinger erklärt, daß gewisse Unklarheiten und Nuancen
im Text des Entwurfes einer weiteren Verbesserung und Klärung bedürften. Nach
seiner Ansicht sollten diese Schwierigkeiten jedoch durch eine weitere Konferenz von drei bis vier Tagen ausgeräumt werden können.
25. November 1972: Nach sechs weiteren Konferenzsitzungen werden die
vertraulichen Gespräche zwischen Kissinger und Tho bis zum 4. Dezember vertagt.
4. Dezember 1972: Kissinger und der Vertreter Nordvietnams Le Duc
Tho kommen erneut in Paris zu vertraulichen Verhandlungen zusammen.
13. Dezember 1972: Die Gespräche zwischen Kissinger und Le Duc Tho
werden vorerst ausgesetzt; Kissinger fliegt nach Washington zurück.
14. Dezember 1972: Kissinger führt eine Reihe von Konsultationen mit
Präsident Nixon, Vizepräsident Agnew, Außenminister Rogers und Verteidigungsminister Laird.
16. Dezember 1972: Auf einer Pressekonferenz im Weißen Haus erklärt
Kissinger, daß die vertraulichen Gespräche in Paris ausgesetzt wurden, weil

-7-

�weil Nordvietnam sich weigerte, ernsthaft weiter zu verhandeln.
17. Dezember 1972: Der Stellvertreter Kissingers, General Alexander
Haig, fliegt von Washington zu einer sechstägigen Reise nach Südostasien, wobei er auch mit dem südvietnamesischen Staatspräsidenten Thieu konferiert.
18. Dezember 1972: Verstärkung des Einsatzes der amerikanischen Luftwaffe gegen strategische militärische Ziele in Nordvietnam entsprechend der von
Präsident Nixon am 8. Mai abgegebenen Erklärung.
30. Dezember 1972: Das Weiße Haus gibt bekannt, daß Kissinger am 8. Januar zur Wiederaufnahme der geheimen Gespräche mit Le Duc Tho nach Paris zurückkehren wird

und daß am 2. Januar Experten beider Seiten ebenfalls in

Paris technische Gespräche aufnehmen werden. Präsident Nixon ordnet die Einstellung der amerikanischen Luftangriffe auf militärische Ziele in Nordvietnam jenseits des 20. Breitengrades an.
2. Januar 1973: Die technischen Experten kommen in Paris zusammen.
8. Januar 1973: Kissinger und Le Duc Tho nehmen ihre vertraulichen Gespräche wieder auf.
13. Januar 1973: Kissinger fliegt nach den Vereinigten Staaten zu Konsultationen mit Präsident Nixon zurück.
14. Januar 1973: General Haig fliegt erneut nach Saigon zu Konsultationen mit dem südvietnamesischen Staatspräsidenten Thieu.
15. Januar 1973: Präsident Nixon ordnet die einseitige Einstellung der
amerikanischen Luftangriffe, der Beschießung und der Verminung der Häfen Nordvietnams an.
18. Januar 1973: Washington und Hanoi geben gemeinsam bekannt, daß
Kissinger und Le Duc Tho am 23. Januar erneut in Paris zusammenkommen werden, um dem Wortlaut des Abkommens seine endgültige Gestaltung zu geben.

23. Januar 1973:

�23. Januar 1973: Präsident Nixon gibt bekannt, daß an diesem Tage um
12:30 Uhr Pariser Zeit das Abkommen über die Beendigung des Krieges und
die Wiederherstellung des Friedens in Vietnam von Kissinger und Le Duc Tho
paraphiert worden ist.
27. Januar 1973: Das Abkommen wird von den Außenministern der an der
Pariser Vietnam-Konferenz Beteiligten im internationalen Konferenzgebäude
in Paris formell unterzeichnet.

-9-

�</text>
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5/1973

PROTOKOLL ÜBER DIE KONTROLL- UND ÜBERWACHUNGSKOMMISSION

WASHINGTON — (AD) -- Das am 24. Januar vom Weißen Haus in Washington
veröffentlichte Protokoll über die Internationalt

Kontroll- und Über-

wachungskommission hat folgenden Wortlaut:
Die an der Pariser Vietnam-Konferenz beteiligten Parteien haben zur
Durchführung von Artikel 18 des an diesem Tage unterzeichneten Abkommens über die Beendigung des Krieges und die Wiederherstellung
des Friedens in Vietnam, der die Schaffung einer Internationalen Kontroll- und Überwachungskommission vorsieht, folgendes vereinbart:

Artikel 1

Für die Durchführung des Abkommens sind die Parteien verantwortlich, die das Abkommen unterzeichnet haben.
Die Funktionen der Internationalen Kommission bestehen darin,
die Durchführung der in Artikel 18 des Abkommens erwähnten Bedingungen
zu kontrollieren und zu überwachen. In Ausübung dieser Funktionen soll
die Internationale Kommission:
a)

die Durchführung der oben erwähnten Bestimmungen des Abkommens
- 1 -

�Abkommens durch Kommunikation mit den Parteien sowie durch direkte Beobachtung an den Plätzen verfolgen, wo dies erforderlich wird;
b)

solche Verletzungen der Bestimmungen untersuchen, die unter die

Kontrolle und Überwachung der Kommission fallen;
c)

wenn notwendig mit den Gemeinsamen Militärkonimissionen zusammen-

arbeiten, um Verletzungen der oben erwähnten Bestimmungen zu verhindern
und festzustellen.

Artikel 2
Die Internationale Kommission soll Verletzungen der in Artikel 18
des Abkommens dargelegten Bestimmungen nachprüfen und zwar auf Ersuchen
der Gemeinsamen Vierer-Militärkommission oder der Gemeinsamen ZweierMilitärkommission oder irgendeiner der Parteien oder im Hinblick auf
Artikel 9 b des Abkommens über allgemeine Wahlen auf Ersuchen des Nationalrates der Nationalen Wiederaussöhnung und Eintracht oder in jedem Fall,
wo die Internationale Kommission andere ausreichende Gründe für die Annahme hat, daß eine Verletzung dieser Bestimmungen stattgefunden hat.
Dabei wird davon ausgegangen, daß die Internationale Kontrollkommission
bei der Durchführung dieser Aufgaben mit der Unterstützung und der Zusammenarbeit der betroffenen Parteien, wenn dies erforderlich ist,
arbeiten wird.

Artikel 3
a)

Wenn die Internationale Kommission eine ernsthafte Verletzung bei

der Durchführung des Abkommens oder eine Bedrohung für den Frieden feststellt, gegen die die Kommission keine angemessene Maßnahme treffen kann,
dann soll die Kommission dies den vier Parteien des Abkommens melden,
damit diese Konsultationen wegen einer Lösung abhalten können.
b)

�I

b)

Gemäß Artikel 18 f des Abkommens sollen die Berichte der Inter-

nationalen Kommission seitens der Vertreter aller vier Mitglieder einstimmig unterbreitet werden. Falls keine Einstimmigkeit erreicht wird,
soll die Kommission gemäß Artikel 18 b des Abkommens die von einander
abweichenden Ansichten den vier Parteien oder gemäß Artikel 18 c des
Abkommens den beiden südvietnamesischen Parteien zuleiten; diese werden
nicht als Berichte der Kommission angesehen.
Artikel 4
a)

Das Hauptquartier der Internationalen Kommission soll in Saigon sein.

b)

Es soll 7 regionale Gruppen geben, die in den auf der beigefügten

Karte aufgezeigten Regionen eingesetzt werden und an den folgenden Orten
stationiert sind:
Regionen:

Orte:

I

Hue

II

Danang

III

Pleiku

IV

Phan Thiet

V

Bien Hoa

VI

My Tho

VII

Can Tho

Die Internationale Kontrollkommission soll 3 Gruppen für die Region
Saigon-Gia Dinh abstellen.
c)

Es soll 26 Gruppen geben, die in den auf der beigefügten Karte auf-

gezeigten Gebieten tätig und an den folgenden Orten in Südvietnam stationiert
sind:
Region I:

- 3 -

�Region I;

Region II:

Region III;

Region IV;

Quang Tri

Hoi An

Kontum

Da Lat

Phu Bai

Tarn Ky

Hau Bon

Bao Loc

Chu Lai

Phu Can

Phan Rang

Tuy An
Ninh Hoa
Ban Me Thuot
Region V;

Region Vi;

Region VII;

An Loc

Moc Hoa

Tri Ton

Xuan Loc

Giong Trom

Vinh Long

Ben Cat

Vi Thanh
Khanh Hung
Quan Long

d)

Es soll 12 Gruppen geben, die - wie auf der beigefügten Karte ge-

zeigt - eingesetzt und an den folgenden Orten stationiert sind:
Gio Linh (zur Erfassung des Gebietes südlich der provisorischen militärischen Demarkationslinie)
Lao Bao
Ben Het
Duc Co
Chu Lai
Qui Nhon
Nha Trang
Vung Tau
Xa Mat
Bien Hoa (Flugstützpunkt)
Hong Ngu
Can Tho
e)
- 4-

�e)

Es soll 7 Gruppen geben, von denen 6 zur Verfügung stehen, um für

die Übergangsstellen abgestellt zu werden, die nicht unter obigem Paragraph
d angeführt sind und die die beiden südvietnamesischen Parteien im Zuge der
nach Artikel 7 des Abkommens gestatteten Ersatzbeschaffung von Waffen, Munition und Kriegsmaterial als legitime Übergangspunkte auswählen. Jede Gruppe
oder Anzahl von Gruppen, die für die oben erwähnte Aufgabe nicht benötigt
werden, sollen in Übereinstimmung mit der Verantwortlichkeit der Kommission für Kontrolle und Überwachung für andere Aufgaben zur Verfügung
stehen.
f)

Es soll 7 Gruppen geben, die die Rückführung des von den Parteien ge-

fangengehaltenen und internierten Personals kontrollieren und überwachen.

Artikel 5
a)

Zur Durchführung der Aufgaben bezüglich der Rückführung der von den

Parteien gefangengehaltenen Militärpersonen und ausländischen Zivilisten,
wie dies in Artikel 8 a des Abkommens vereinbart worden ist, soll die
Internationale Kommission während des Zeitraums der Rückführung eine
Kontroll- und Überwachungsgruppe zu jeder Stelle in Vietnam entsenden,
an der die Rückführung der gefangengehaltenen Personen erfolgt sowie zu
den letzten Internierungslagern, von denen aus diese Personen an die
Rückführungsstellen gebracht werden.
b)

Zur Durchführung der Aufgaben bezüglich der Rückführung der in Süd-

vietnam gefangengehaltenen und internierten vietnamesischen Zivilisten,
wie dies in Artikel 8 c des Abkommens ausgeführt ist, soll die Internationale Kommission während des Zeitraums der Rückführung eine Kontrollund Überwachungsgruppe zu jeder Stelle in Südvietnam entsenden, an der die
Rückführung der oben erwähnten gefangengehaltenen und internierten Personen
erfolgt sowie zu den letzten Internierungslagern, von denen aus diese

- 5-

�diese Personen an die Rückführungsstellen gebracht werden.

Artikel 6

Zur Durchführung der Aufgaben bezüglich Artikel 9 b des Abkommens
über freie und demokratische allgemeine Wahlen in Südvietnam soll die
Internationale Kommission - wenn notwendig - weitere Gruppen bilden.
Die Internationale Kommission soll diese Frage im voraus mit dem Nationalrat der Nationalen Wiederaussöhnung und Eintracht erörtern. Sollten
weitere Gruppen für diesen Zweck erforderlich werden, sollen sie 30 Tage
vor Abhaltung der allgemeinen Wahlen gebildet werden.

Artikel 7
Die Internationale Kommission soll ihre Größe kontinuierlich überprüfen und die Zahl ihrer Gruppen, ihrer Vertreter oder ihres anderen
Personals (oder der beiden) reduzieren, wenn diese Gruppen, diese Vertreter oder dieses Personal die ihnen zugeteilten Aufgaben erfüllt haben
und nicht mehr für andere Aufgaben erforderlich sind. Gleichzeitig sollen
die Ausgaben der Internationalen Kommission entsprechend verringert werden.

Artikel 8
Jedes Mitglied der Internationalen Kommission soll jederzeit die
folgende Anzahl qualifizierten Personals verfügbar machen:
a)

einen leitenden Vertreter und 26 andere für den Stab des Hauptquartiers;

b)

5 Vertreter für jede der sieben regionalen Gruppen;

c)

zwei für jede der anderen internationalen Kontrollgruppen mit Ausnahme

der in Gio Linh und Vung Tau stationierten Gruppen, die jeweils drei Ver-

- 6-

�Vertreter haben werden;
d)

116 Personen, die das Hauptquartier der Kommission sowie ihre

Gruppen unterstützen sollen.

Artikel 9
a)

Die Internationale Kommission und jede ihrer Gruppen soll als

einzelnes Gremium handeln, das sich aus Vertretern aller vier Mitglieder
zusammensetzt.
b)

Jedes Mitglied ist dafür verantwortlich, daß die Präsenz seiner Ver-

treter auf allen Ebenen der Internationalen Kommission sichergestellt ist.
Falls ein Vertreter nicht anwesend ist, soll das betroffene Mitglied unverzüglich einen Ersatzmann bestimmen.

Artikel 10

a)

Die Parteien sollen der Internationalen Kommission volle Zusammen-

arbeit, Unterstützung und Schutz gewähren.
b)

Die Parteien sollen zu jeder Zeit eine reguläre und kontinuierliche

Verbindung zur Internationalen Kommission unterhalten. Solange die Gemeinsame Vierer-Militärkommission besteht, sollen die Delegationen der
Parteien bei dieser Kommission ebenfalls Verbindungsfunktionen zur Internationalen Kommission ausüben. Nachdem die Gemeinsame Vierer-Militärkommission ihre Tätigkeit beendet hat, soll eine derartige Verbindung durch
die Gemeinsame Zweier-Militärkommission, durch Verbindungsmissionen oder
durch andere angemessene Mittel aufrechterhalten werden.
c)

Die Internationale Kommission und die Gemeinsamen Militärkommissionen

sollen eng miteinander zusammenarbeiten und sich gegenseitig bei der Durch-

- 7-

�Durchführung ihrer jeweiligen Funktionen unterstützen.
d)

Wo immer eine Gruppe stationiert oder tätig ist, soll die betrof-

fene Partei einen Verbindungsoffizier für diese Gruppe abstellen, um mit
ihr zusammenzuarbeiten und sie bei der störungsfreien Durchführung ihrer
Kontroll- und Überwachungsaufgaben zu unterstützen. Wenn eine Gruppe eine
Untersuchung durchführt, soll ein Verbindungsoffizier von jeder betroffenen Partei die Möglichkeit haben, sie zu begleiten, vorausgesetzt, daß
die Untersuchung dadurch nicht verzögert wird.
e)

Jede Partei soll der Internationalen Kommission in einem angemessenen

Zeitraum im voraus Mitteilung über alle beabsichtigten Maßnahmen bezüglich
jener Bestimmungen des Abkommens machen, die von seiten der Internationalen
Kontrollkommission kontrolliert und überwacht werden sollen.

f)

Der Internationalen Kommission einschließlich ihrer Gruppen sind

zum Zwecke der Beobachtung solche Bewegungen gestattet, die vernünftigerweise für die genaue Ausübung ihrer Funktionen, wie dies in dem Abkommen
vereinbart wurde, erforderlich sind. Bei der Ausübung dieser Funktionen
soll der Internationalen Kommission einschließlich ihrer Gruppen jede notwendige Unterstützung und Zusammenarbeit seitens der betroffenen Parteien
gewährt werden.

Artikel 11
Bei der Überwachung der Abhaltung der freien und demokratischen
allgemeinen Wahlen, wie dies in Artikel 9 b und 12 b des Abkommens in
Übereinstimmung mit den Modalitäten, die zwischen dem Nationalrat der
Nationalen Wiederaussöhnung und Eintracht und der Internationalen Kommission vereinbart werden sollen, beschrieben wird, soll die letztere
volle Zusammenarbeit und Unterstützung seitens des Nationalrates erhalten.
Artikel 12

�Artikel 12
Die Internationale Kommission und ihr Personal, das die Nationalität
eines Mitgliedsstaates hat, soll sich bei der Ausübung ihrer Aufgaben der
Privilegien und der Immunität erfreuen, wie sie den diplomatischen Missionen
und den diplomatischen Vertretern gewährt werden.

Artikel 13
Die Internationale Kommission kann sich der Kommunikations- und der
Transportmittel bedienen, die zur Durchführung ihrer Funktionen notwendig
sind. Jede südvietnamesische Partei soll der Internationalen Kommission
auf Mietbasis geeignete Büro- und Wohnmöglichkeiten zur Verfügung stellen
und sie bei der Anmietung dieser Einrichtungen unterstützen. Die Internationale Kommission kann von den Parteien - nach beiderseitig vereinbarten Bedingungen - die erforderlichen Kommunikations- und Transportmittel erhalten und kann von jeder anderen Stelle die erforderliche Ausrüstung und die Dienstleistungen erwerben, die von den Parteien nicht
erlangt werden konnten. Die Internationale Kommission soll diese Mittel
in Besitz haben.

Artikel 14
Die Kosten für die Tätigkeit der Internationalen Kommission sollen
von den Parteien und den Mitgliedern der Internationalen Kommission gemäß
den Bestimmungen dieses Artikels getragen werden:
a)

Jedes Mitgliedsland der Internationalen Kommission soll die Gehälter

und Aufwandsentschädigungen seines Personals bezahlen;
b)

alle weiteren Ausgaben, die durch die Internationale Kommission ent-

stehen, sollen aus einem Fonds beglichen werden, zu dem jede der vier
Parteien 23 Prozent und jedes Mitglied der Internationalen Kommission zwei
- 9-

�zwei Prozent beitragen;
c)

innerhalb von 30 Tagen nach Inkrafttreten dieses Protokolls soll jede

der vier Parteien der Internationalen Kommission eine erste Zahlung von
umgerechnet 4,5 Millionen französischen Francs in konvertierbarer Währung
leisten; diese Summe soll gegen den von jeder Partei im Rahmen des ersten
Budgets zu entrichtenden Betrag aufgerechnet werden.
d)

Die Internationale Kommission soll ihre eigenen Budgets aufstellen.

Nachdem die Internationale Kommission ein Budget gebilligt hat, soll sie
es allen Parteien, die das Abkommen unterzeichnet haben, zur Zustimmung
vorlegen. Erst wenn die vier Parteien des Abkommens die Budgets gebilligt
haben, werden sie verpflichtet sein, ihre Beiträge zu leisten. Falls die
Parteien des Abkommens sich nicht über ein neues Budget einigen können,
soll die Internationale Kommission ihre Ausgaben vorübergehend auf das
vorherige Budget stützen, mit Ausnahme der außergewöhnlichen einmaligen
Ausgaben für ihre Einrichtung oder für den Erwerb von Ausrüstung, und die
Parteien sollen dann ihre Beiträge auf dieser Basis solange entrichten,
bis ein neues Budget gebilligt worden ist.

Artikel 15
a)

Das Hauptquartier soll innerhalb von 24 Stunden nach dem Waffenstill-

stand einsatzfähig und eingerichtet sein.
b)

Die regionalen Gruppen sollen innerhalb von 48 Stunden nach dem Waffen-

stillstand einsatzfähig und an Ort und Stelle sein, und drei Gruppen, die
die Rückführung des gefangengehaltenen und internierten Personals überwachen und kontrollieren sollen, sollen ebenfalls binnen 48 Stunden einsatzbereit sein.

£2
- 10 -

�c)

Andere Gruppen sollen innerhalb von 15 bis 30 Tagen einsatzfähig

und an Ort und Stelle sein.

Artikel 16

Zusammenkünfte sollen auf Einladung des Vorsitzenden stattfinden.
Die Internationale Kommission soll weitere Arbeitsverfahren aufstellen,
die der wirksamen Ausübung ihrer Funktionen angemessen sind und in Übereinstimmung mit der Respektierung der Souveränität Südvietnams stehen.

Artikel 17
Die Mitglieder der Internationalen Kommission akzeptieren die Verpflichtungen dieses Protokolls, indem sie den vier Parteien, die das
Abkommen unterzeichnet haben, Noten der Zustimmung übermitteln. Sollte
ein Mitglied der Internationalen Kommission sich entscheiden, sich aus
der Internationalen Kommission zurückzuziehen, dann kann dies geschehen,
indem das Mitglied drei Monate im voraus den vier Parteien des Abkommens
durch Noten davon Kenntnis gibt; in einem solchen Falle sollen die vier
Parteien untereinander Konsultationen führen, mit dem Ziel, sich über ein
Ersatzmitglied zu einigen.
Artikel 18
Dieses Protokoll soll nach Unterzeichnung durch die bevollmächtigten
Vertreter aller an der Pariser Vietnam-Konferen beteiligten Parteien in
Kraft treten. Es soll von allen betroffenen Parteien strikt durchgeführt
werden.
Ausgefertigt in Paris am 27. Tage des Januar Eintausendneunhundertunddreiundsiebzig in vietnamesischer und englischer Sprache. Die vietnamesischen
und englischen Texte sind offiziell und gleichermaßen authentisch.
Für

- 11 -

�Für die Regierung der

Für die Regierung der

Vereinigten Staaten von Amerika

Republik Vietnam

William P. Rogers

Tran van Lam

Außenminister

Außenminister

- 12 -

�Für die Regierung der

Für die provisorische Revolutions-

Demokratischen Republik Vietnam

regierung der Republik Südvietnam

Nguyen Duy Trinh

Nguyen Thi Binh

Außenminister

Außenminister

- 13 -

�Zu unterzeichnen im internationalen
Konferenzzentrum, Paris,
Sonnabend Nachmittag, Pariser Zeit,
27. Januar 1973

PROTOKOLL ZUM ABKOMMEN ÜBER DIE BEENDIGUNG DES KRIEGES
UND DIE WIEDERHERSTELLUNG DES FRIEDENS IN VIETNAM
BEZÜGLICH DER INTERNATIONALEN KONTROLL- UND ÜBERWACHUNGSKOMMISSION

Die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika
in Übereinstimmung mit der Regierung der Republik Vietnam,
Die Regierung der Demokratischen Republik Vietnam in Übereinstimmung mit der provisorischen Revolutionsregierung der
Republik Südvietnam,

haben zur Durchführung von Artikel 18 des an diesem Tage unterzeichneten
Abkommens über die Beendigung des Krieges und die Wiederherstellung des
Friedens in Vietnam, der die Schaffung einer Internationalen Kontrollund Überwachungskommission vorsieht, folgendes vereinbart:
(Artikel 1-17 des Protokolls sind identisch mit obigen Artikeln)

Artikel 18
Das Protokoll zu dem Pariser Abkommen über die Beendigung des Krieges
und die Wiederherstellung des Friedens in Vietnam bezüglich der Internationalen Kontroll- und Überwachungskommission soll mit Unterzeichnung
dieses Dokumentes durch den Außenminister der Regierung der Vereinigten
Staaten von Amerika und den Außenminister der Regierung der Demokratischen
- 14 -

�Demokratischen Republik Vietnam und mit Unterzeichnung eines Dokumentes
gleichen Inhalts durch den Außenminister der Regierung der Vereinigten
Staaten von Amerika, den Außenminister der Regierung der Republik Vietnam,
den Außenminister der Demokratischen Republik Vietnam und den Außenminister
der provisorischen Revolutionsregierung der Republik Südvietnam in Kraft
treten. Das Protokoll soll von allen betroffenen Parteien strikt ausgeführt werden.

Ausgefertigt in Paris am 27. Tage des Januar Eintausendneunhundertunddreiundsiebzig in vietnamesischer und englischer Sprache. Die vietnamesischen
und englischen Texte sind offiziell und gleichermaßen authentisch.

Für die Regierung der

Für die Regierung der

Vereinigten Staaten von Amerika

Demokratischen Republik Vietnam

William P. Rogers

Nguyen Duy Trinh

Außenminister

Außenminister

+++

- 15 -

�</text>
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amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

T e l :

Information

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Service

Dokumentation

Postfach 300

T e I e x : 0 8 - 8 54 3 2

5/1973

PROTOKOLL ÜBER DIE KRIEGSGEFANGENEN
-Wortlaut-

WASHINGTON _-(AD)-- Das am 24. Januar vom Weißen Haus in Washington veröffentlichte Protokoll über die Rückführung der gefangengehaltenen Militärpersonen und ausländischen Zivilisten sowie der gefangengehaltenen und
internierten vietnamesischen Zivilisten hat folgenden Wortlaut:
Die an der Pariser Vietnam-Konferenz beteiligten Parteien haben zur
Durchführung von Artikel 8 des an diesem Tage unterzeichneten Abkommens
über die Beendigung des Krieges und die Wiederherstellung des Friedens in
Vietnam, der die Rückführung der gefangengehaltenen Militärpersonen und ausländischen Zivilisten sowie der gefangengehaltenen und internierten vietnamesischen Zivilisten vorsieht, folgendes vereinbart:

Die Rückführung der gefangengehaltenen Militärpersonen
und der ausländischen Zivilisten

Artikel 1
Die Parteien, die das Abkommen unterzeichnet haben, sollen die von den
Parteien gefangengehaltenen Militärpersonen gemäß Artikel 8 a wie folgt zurückführen:
-- alle

�-- alle gefangengehaltenen Militärpersonen der Vereinigten Staaten und
die der anderen in Artikel 3 a des Abkommens erwähnten Länder sollen amerikanischen Stellen übergeben werden;
-- alle gefangengehaltenen vietnamesischen Militärpersonen, ob sie regulären oder irregulären Streitkräften angehören, sollen den beiden südvietnamesischen Parteien übergeben werden; sie sollen derjenigen südvietnamesischen Partei übergeben werden, unter deren Kommando sie gedient haben.

Artikel 2
Alle gefangengehaltenen Zivilisten, die Staatsangehörige der Vereinigten Staaten oder eines der anderen in Artikel 3 a des Abkommens erwähnten
Länder sind, sollen amerikanischen Stellen übergeben werden. Alle anderen
gefangengehaltenen ausländischen Zivilisten sollen den Stellen ihres Heimatlandes durch eine der Parteien, die dazu bereit und in der Lage ist, übergeben werden.
Artikel 3
Die Parteien sollen heute vollständige Listen der in Artikel 1 und 2
dieses Protokolls erwähnten gefangengehaltenen Personen austauschen.

Artikel 4
a)

Die Rückführung aller in Artikel 1 und 2 dieses Protokolls erwähnten ge-

fangengehaltenen Personen soll innerhalb von sechzig Tagen nach Unterzeichnung des Abkommens beendet sein und zwar in einem Tempo, das nicht geringer
ist als das des Abzuges der Streitkräfte der Vereinigten Staaten und der
anderen in Artikel 5 des Abkommens erwähnten Länder aus Südvietnam.
b)

Personen, die schwer krank, verwundet oder verstümmelt sind, alte Per-

sonen sowie Frauen sollen als erste zurückgeführt werden. Die Übrigen sollen
entweder durch völlige Räumung eines Internierungslagers nach dem anderen

�anderen oder nach den Daten ihrer Gefangennahme zurückgeführt werden, wobei
mit denen begonnen wird, die am längsten gefangengehalten sind.

Artikel 5
Die Rückführung und die Aufnahme der in Artikel 1 und 2 dieses Protokolls erwähnten Personen soll an Orten erfolgen, die den betroffenen Parteien
genehm sind. Über den Ort der Rückführung soll sich die Gemeinsame ViererMilitärkommission einigen. Die Parteien sollen die Sicherheit des mit der
Rückführung und Aufnahme dieser Personen befaßten Personals gewährleisten.
Artikel 6
Jede Partei soll die Rückführung aller in Artikel 1 und 2 dieses Protokolls erwähnten Personen ohne Verzögerung vornehmen und deren Rückführung
und Aufnahme erleichtern. Die Internierungsparteien sollen die Rückführung
aus keinem Grunde verweigern oder verzögern, auch nicht in dem Falle, daß
gefangengehaltene Personen aus irgendwelchen Gründen angeklagt oder verurteilt worden sind.

Rückführung von gefangengehaltenen und internierten vietnamesischen Zivilisten
Artikel 7
a)

Die Frage der Rückführung der vietnamesischen Zivilisten, die in Süd-

vietnam gefangengehalten werden und interniert sind, wird durch die beiden
südvietnamesischen Parteien auf der Grundlage der Prinzipien von Artikel 21 b
des Abkommens über die Beendigung der Feindseligkeiten in Vietnam vom 20. Juli
1954 geregelt, der wie folgt lautet:
"Der Begriff »zivile Internierte1 ist so zu verstehen, daß damit alle
Personen gemeint sind, die - indem sie in irgendeiner Weise zu der politischen und bewaffneten Auseinandersetzung zwischen den beiden Parteien
beigetragen haben - aus diesem Grunde festgenommen und von der einen

3-

�einen oder der anderen Partei während des Zeitraums der Feindseligkeiten interniert wurden."

b)

Die beiden südvietnantesischen Parteien werden dies im Geiste der natio-

nalen Wiederaussöhnung und Eintracht tun mit der Absicht, Haß und Feindschaft
zu beenden, damit das Leiden gelindert und die Familien wiedervereint werden.
Die beiden südvietnamesischen Parteien werden alles in ihren Kräften stehende
tun, um diese Frage innerhalb von neunzig Tagen nach Inkrafttreten des Waffenstillstandes zu lösen.
c)

Die beiden südvietnamesischen Parteien werden innerhalb von fünfzehn

Tagen nach Inkrafttreten des Waffenstillstandes Listen mit den Namen der von
beiden Parteien gefangengehaltenen und internierten Zivilisten sowie Listen
mit den Namen der Lager, in denen sie festgehalten werden, austauschen. .

Behandlung der gefangengehaltenen Personen während der Internierung

Artikel 8
a)

Alle von den Parteien gefangengehaltenen Militärpersonen und alle gefan-

gengehaltenen ausländischen Zivilisten sollen zu jeder Zeit human und in Übereinstimmung mit den internationalen Praktiken behandelt werden. Sie sollen
vor jeder Gefährdung von Leben und Person geschützt werden, insbesondere vor
Mord in jeder Form, vor Verstümmelung, Folterung und grausamer Behandlung
sowie vor jeder Verletzung der persönlichen Würde. Diese Personen sollen nicht
gezwungen werden, in die Streitkräfte der Internierungspartei einzutreten.
Sie sollen ausreichende Nahrungsmittel, Bekleidung, Unterkunft und die
für die Erhaltung ihrer Gesundheit erforderliche medizinische Betreuung bekommen. Es soll ihnen gestattet sein, Postkarten und Briefe mit ihren Familien auszutauschen und Pakete zu erhalten.
b)

-4-

�b)

Alle in Südvietnam gefangengehaltenen und internierten vietnamesischen

Zivilisten sollen zu jeder Zeit human und in Übereinstimmung mit den inter nationalen Praktiken behandelt werden. Sie sollen vor jeder Gefährdung von
Leben und Person geschützt werden, insbesondere vor Mord in jeder Form, vor
Verstümmelung, Folterung und grausamer Behandlung sowie vor jeder Verletzung
der persönlichen Würde. Die Internierungsparteien sollen die Rückführung aus
keinem Grunde verweigern oder verzögern, auch nicht in dem Falle, daß gefangengehaltene Personen aus irgendwelchen Gründen angeklagt oder verurteilt
worden sind. Diese Personen sollen nicht gezwungen werden, in die Streitkräfte der Internierungsparteien einzutreten.
Sie sollen ausreichende Nahrungsmittel, Bekleidung, Unterkunft und
die für die Erhaltung ihrer Gesundheit erforderliche medizinische Betreuung
bekommen. Es soll ihnen gestattet sein, Postkarten und Briefe mit ihren Familien auszutauschen und Pakete zu erhalten.

Artikel 9
a)

Um zu einer Verbesserung der Lebensbedingungen der von den Parteien

gefangengehaltenen Militärpersonen und ausländischen Zivilisten beizutragen,
sollen sich die Parteien innerhalb von fünfzehn Tagen nach Inkrafttreten
des Waffenstillstandes über die Benennung von zwei oder mehr nationalen Rotkreuzgesellschaften einigen, die alle Lager besuchen sollen, in denen gefangengenommenes Militärpersonal und ausländische Zivilisten festgehalten werden.
b)

Um zu einer Verbesserung der Lebensbedingungen der gefangengehaltenen

und internierten vietnamesischen Zivilisten beizutragen, sollen sich die beiden südvietnamesischen Parteien innerhalb von fünfzehn Tagen nach Inkrafttreten des Waffenstillstandes über die Benennung von zwei oder mehr nationalen
Rotkreuzgesellschaften einigen, die alle Lager besuchen sollen, in denen die
gefangengenommenen und internierten vietnamesischen Zivilisten festgehalten
werden.
Tote
-5-

�Tote und vermißte Personen
Artikel 10
a)

Die Gemeinsame Vierer-Militärkommission soll die Durchführung von Ar-

tikel 8 b des Abkommens aufgrund gemeinsamer Maßnahmen der Parteien sicherstellen. Wenn die Gemeinsame Vierer-Militärkommission ihre Tätigkeit beendet
hat, soll eine Gemeinsame Vierer-Militärgruppe beibehalten werden, um diese
Aufgabe fortzuführen.
b)

Hinsichtlich der toten oder vermißten vietnamesischen Zivilisten in

Südvietnam sollen die beiden südvietnamesischen Parteien einander bei der Beschaffung von Informationen

über die vermißten Personen unterstützen, die

Lage der Gräber feststellen und für ihre Erhaltung sorgen und zwar im Geiste
der nationalen Wiederaussöhnung und Eintracht entsprechend den Erwartungen
der Bevölkerung.

Andere Bestimmungen
Artikel 11
a)

Die Gemeinsame Vierer-Militärkommission und die Gemeinsame Zweier-Mi-

litärkommission sind dafür verantwortlich, unverzüglich die Modalitäten
der Durchführung der Bestimmungen dieses Protokolls festzulegen in Übereinstimmung mit ihren jeweiligen Verantwortungen unter Artikel 16 a und 17 a
des Abkommens. Falls die Gemeinsamen Militär-Kommissionen bei der Durchführung ihrer Aufgaben keine Einigung über Angelegenheiten im Zusammenhang mit
der Rückführung der gefangengehaltenen Personen erzielen können, sollen sie
sich an die Internationale Kommission um Unterstützung wenden.
b)

Die Gemeinsame Vierer-Militärkommission soll zusätzlich zu den auf

Grund des Protokolls über die Waffenruhe in Vietnam und die Gemeinsamen Militär-Kommissionen geschaffenen Gruppen eine Unter-Kommission für gefangengehaltene Personen und, falls erforderlich, Gemeinsame Militärgruppen für gefangengehaltene Personen bilden, die die Kommission bei ihren Aufgaben unterstützen sollen.

sl
-6-

�c)

Vom Zeitpunkt des Inkrafttretens des Waffenstillstandes an bis zu dem

Zeitpunkt, da die Gemeinsame Zweier-Militärkommission ihre Tätigkeit aufnimmt, sollen die Delegationen der beiden südvietnamesischen Parteien bei
der Geraeinsamen Vierer-Militärkommission eine provisorische Unter-Kommission
sowie provisorische Gemeinsame Militärgruppen bilden, um ihre Aufgaben bezüglich der gefangengehaltenen und internierten vietnamesischen Zivilisten
auszuführen.
d)

Die Gemeinsame Vierer-Militärkommission soll Gemeinsame Militärgruppen

zur Beobachtung der Rückführung der in Artikel 1 und 2 dieses Protokolls
erwähnten Personen an jeden Ort in Vietnam entsenden, an dem solche Personen
rückgeführt werden, sowie an die letzten Internierungslager, von wo aus diese Personen an die Rückführungsorte gebracht werden. Die Gemeinsame ZweierMilitärkommission soll Gemeinsame Militärgruppen zur Beobachtung der Rückführung der gefangengehaltenen und internierten vietnamesischen Zivilisten an
jeden Ort in Südvietnam entsenden, an dem solche Personen rückgeführt werden
sowie an die letzten Internierungslager, von wo aus diese Personen an die
Rückführungsorte gebracht werden.

Artikel 12
Im Zuge der Durchführung der Artikel 18 b und 18 c des Abkommens soll di
Internationale Kontroll-und Überwachungskommission dafür verantwortlich sein,
die Beachtung der Artikel 1 bis 7 dieses Protokolls zu kontrollieren und zu
überwachen und zwar durch Beobachtung der Rückführung der gefangengehaltenen
Militärpersonen, der ausländischen Zivilisten und der gefangengehaltenen und
internierten vietnamesischen Zivilisten an jedem Ort in Vietnam, an dem diese Personen rückgeführt werden, sowie an den letzten Internierungslagern,
von wo aus diese Personen an die Rückführungsorte gebracht werden, sowie
durch Überprüfung der Listen, und durch die Untersuchung von Verletzungen
der Bestimmungen der oben erwähnten Artikel.
Artikel 13

�Artikel 13

Jede Partei soll innerhalb von fünf Tagen nach Unterzeichnung dieses Protokolls den Text des Protokolls veröffentlichen und ihn an alle gefangenengehaltenen Personen weiterleiten, auf die das Protokoll zutrifft und die
von der jeweiligen Partei interniert sind.

Artikel 14
Dieses Protokoll soll mit Unterzeichnung durch die bevollmächtigten Vertreter aller an der Pariser Vietnam-Konferenz beteiligten Parteien in Kraft
treten. Es soll von allen betroffenen Parteien strikt durchgeführt werden.

Ausgefertigt in Paris am 27. Tage des Januar Eintausendneunhundertunddreiund'
siebzig in vietnamesischer und englischer Sprache. Die vietnamesischen und
englischen Texte sind offiziell und gleichermaßen authentisch.

Für

-8-

�Für die Regierung der

Für die Regierung der Republik

Vereinigten Staaten von Amerika

Vietnam

William P. Rogers

Tran van Lam

Außenminister

Außenminister

Für

• 9-

�Für die Regierung der

Für die provisorische Revolutions-

Demokratischen Republik Vietnam

regierung der Republik Südvietnam

Nguyen Thi Binh

Nguyen Duy Trinh
Außenminister

Außenminister

Zu

-10-

�Zu unterzeichnen im internationalen
Konferenzzentrum, Paris
Sonnabend nachmittag, Pariser Zeit
27. Januar 1973

Protokoll
zum Abkommen über die Beendigung des Krieges und die Wiederherstellung
des Friedens in Vietnam
über
die Rückführung der gefangengehaltenen Militärpersonen und der ausländischen Zivilisten sowie der gefangengehaltenen und internierten
vietnamesischen Zivilisten

Die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika in Übereinstimmung
mit der Regierung der Republik Vietnam,
Die Regierung der Demokratischen Republik Vietnam in Übereinstimmung
mit der provisorischen Revolutionsregierung der Republik Südvietnam,

haben zur Durchführung von Artikel 8 des an diesem Tage unterzeichneten Abkommens über die Beendigung des Krieges und die Wiederherstellung des Friedens in
Vietnam, der die Rückführung der gefangengehaltenen Militärpersonen und der
ausländischen Zivilisten sowie der gefangengehaltenen und internierten vietnamesischen Zivilisten vorsieht, folgendes vereinbart:
(Artikel 1-13 des Protokolls sind identisch mit obigen Artikeln)

Artikel 14

�Artikel 14
Das Protokoll zu dem Pariser Abkommen über die Beendigung des Krieges
und die Wiederherstellung des Friedens in Vietnam über die Rückführung der
gefangengehaltenen Militärpersonen und der ausländischen Zivilisten sowie
der gefangengehaltenen und internierten vietnamesischen Zivilisten soll
mit Unterzeichnung dieses Dokumentes durch den Außenminister der Regierung
der Vereinigten Staaten von Amerika und den Außenminister der Regierung der
Demokratischen Republik Vietnam und mit Unterzeichnung eines Dokumentes
gleichen Inhalts durch den Außenminister der Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika, den Außenminister der Regierung der Republik Vietnam, den
Außenminister der Demokratischen Republik Vietnam und den Außenminister
der provisorischen Revolutionsregierung der Republik Südvietnam in Kraft
treten. Das Protokoll soll von allen betroffenen Parteien strikt ausgeführt
werden.

Ausgefertigt in Paris am 27. Tage des Januar Eintausendneunhundertunddreiundsiebzig in vietnamesischer und englischer Sprache. Die vietnamesischen
und englischen Texte sind offiziell und gleichermaßen authentisch.

Für die Regierung der

Für die Regierung der Demokrati-

Vereinigten Staaten von Amerika

sehen Republik Vietnam

William P. Rogers

Nguyen Duy Trinh

Außenminister

Außenminister

-12-

�</text>
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T e I e x : 08 - 8 5 4 3 2

5/1973

PROTOKOLL ÜBER DIE RÄUMUNG DER MINEN
-Wortlaut-

WASHINGTON --(AD)— Das am 24. Januar vom Weißen Haus in Washington veröffentlichte Protokoll über die Räumung, Entschärfung oder Zerstörung der
Minen in den Territorialgewässern, den Kriegs-und Handelshäfen sowie den
Wasserstraßen der Demokratischen Republik Vietnam hat folgenden Wortlaut:
Die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika,
Die Regierung der Demokratischen Republik Vietnam,
haben zur Durchführung von Paragraph zwei Artikel 2 des an diesem Tage unterzeichneten Abkommens über die Beendigung des Krieges und die Wiederherstellung des Friedens in Vietnam folgendes vereinbart:
Artikel 1
Die Vereinigten Staaten werden alle Minen, die sie in den Territorialgewässern, den Kriegs-und Handelshäfen sowie den Wasserstraßen der Demokratischen Republik Vietnam gelegt haben, räumen. Diese Minenräumoperation soll
so erfolgen, daß die Minen durch Räumung, dauerhafte Entschärfung oder Zerstörung unschädlich gemacht werden.

Artikel 2

�»

Artikel 2
Zur Gewährleistung dauernder Sicherheit für den Verkehr von Menschen
und Wasserfahrzeugen und zum Schutze wichtiger Einrichtungen sollen die Minen
auf Ersuchen der Demokratischen Republik Vietnam in den bezeichneten Gebieten
geräumt oder zerstört werden; und wo ihre Räumung oder Zerstörung nicht möglich ist, sollen die Minen dauerhaft entschärft und ihre Lage eindeutig markiert werden.
Artikel 3
Die Minenräumoperation soll am 27. Januar 1973 um 2400 Uhr GMT beginnen.
Die Vertreter der beiden Parteien sollen sich umgehend über die relevanten
Faktoren konsultieren und sich über/frühestmöglichen Zeitpunkt für die Beendigung der Arbeit einigen.
Artikel 4
Die Minenräumoperation soll entsprechend den Prioritäten und dem Zeitplan durchgeführt werden, der von den beiden Parteien vereinbart worden ist.
Daher sollen Vertreter der beiden Parteien zu einem baldigen Zeitpunkt zusammenkommen, um eine Vereinbarung über ein Programm und einen Durchführungsplan
zu treffen. Hierzu werden:
a)

Die Vereinigten Staaten ihren Plan für die Minenräumoperationen zur Ver-

fügung stellen, einschließlich der Lagepläne der Minenfelder und der Informationen über Art, Zahl und Ausstattung der Minen;
b)

die Demokratische Republik Vietnam alle verfügbaren Karten und hydro-

graphischen Pläne zur Verfügung stellen und die verminten Stellen sowie alle
sonstigen potentiellen Gefahren für die Minenräumoperationen angeben, die der
Demokratischen Republik Vietnam bekannt sind;
c)

-2-

�.

c)

die beiden Parteien eine Vereinbarung über die zeitliche Durchführung

jedes einzelnen Teiles des Planes treffen und die Öffentlichkeit rechtzeitig,
zumindest 48 Stunden vor Beginn der Minenräumoperationen in diesem Teile,
unterrichten.

Artikel 5
Die Vereinigten Staaten werden verantwortlich für die Minenräumung auf
den Binnenwasserstraßen der Demokratischen Republik Vietnam sein. Die Demokratische Republik Vietnam wird sich mit aller Kraft aktiv in die Minenräumung einschalten und zwar durch Vermessung, Räumung und Zerstörung sowie mit
Hilfe technischer Beratung durch die Vereinigten Staaten.

Artikel 6
Zur Gewährleistung eines sicheren Verkehrs von Personen und Wasserfahrzeugen auf den Wasserstraßen und zur See werden die Vereinigten Staaten bei
dem Minenräumverfahren rechtzeitig Informationen über den Fortschritt der
Minenräumung in jedem Gebiet sowie bezüglich der restlichen, noch zu zerstörenden Minen geben. Die Vereinigten Staaten werden ein Kommunique herausgeben, wenn die Operationen abgeschlossen sind.

Artikel 7
Bei der Durchführung der Minenräumoperationen soll das an diesen Operationen beteiligte amerikanische Personal die Souveränität der Demokratischen
Republik Vietnam respektieren und sich in keinerlei Tätigkeiten einlassen,
die mit dem Abkommen über die Beendigung des Krieges und die Wiederherstellung des Friedens in Vietnam sowie mit diesem Protokoll nicht zu vereinbaren
sind. Das an den Minenräumoperationen beteiligte amerikanische Personal soll
für die Dauer der Minenräumoperationen Immunität gegenüber der Gerichtsbarkeit der Demokratischen Republik Vietnam haben.

Die
-3-

�Die Demokratische Republik Vietnam soll die Sicherheit des amerikanischen Personals für die Dauer ihrer Minenräumtätigkeit auf dem Territorium der
Demokratischen Republik Vietnam gewährleisten und diesem Personal jede mögliche Hilfe sowie die in der Demokratischen Republik Vietnam benötigten Mittel
zur Verfügung stellen, wie dies von den beiden Parteien vereinbart worden ist.

Artikel 8
Dieses Protokoll zu dem Pariser Abkommen über die Beendigung des Krieges
und die Wiederherstellung des Friedens in Vietnam soll mit der Unterzeichnung
durch den Außenminister der Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika und
den Außenminister der Regierung der Demokratischen Republik Vietnam in Kraft
treten. Es soll von den beiden Parteien strikt durchgeführt werden.

Ausgefertigt in Paris am 27. Tage des Januar Eintausendneunhundertunddreiundr.
siebzig in vietnamesischer und englischer Sprache. Die vietnamesischen und di e
englischen Texte sind offiziell und gleichermaßen authentisch.

Für die Regierung der

Für die Regierung der

Vereinigten Staaten von Amerika

Demokratischen Republik Vietnam

William P. Rogers

Nguyen Duy Trinh

Außenminister

Außenminister

-4-

�</text>
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T e I e x : 0 8 - 8 54 3 2

5/1973

PROTOKOLL ÜBER DEN WAFFENSTILLSTAND UND DIE MILITÄRKOMMISSIONEN
-Wortlaut-

WASHINGTON --(AD)-- Das am 24. Januar in Washington vom Weißen Haus veröffentlichte Protokoll über den Waffenstillstand in Südvietnam und die Gemeinsamen Militärkommissionen hat folgenden Wortlaut:
Die an der Pariser Vietnam-Konferenz beteiligten Parteien haben zur
Durchführung von Paragraph eins des Artikels 2, von Artikel 3, Artikel 5,
Artikel 6, Artikel 16 und Artikel 17 des an diesem Tage unterzeichneten Abkommens über die Beendigung des Krieges und die Wiederherstellung des Friedens in Vietnam, die den Waffenstillstand in Südvietnam und die Schaffung
einer Gemeinsamen Vierer-Militärkommission und einer Gemeinsamen Zweier-Militärkommission vorsehen, folgendes vereinbart:

Waffenstillstand in Südvietnam
Artikel 1
Die Oberkommandos der Parteien in Südvietnam sollen umgehend und rechtzeitig an alle ihrem Befehl unterstehenden regulären und irregulären Truppen
und bewaffneten Polizeiverbände Befehl erteilen, die Feindseligkeiten in ganz

�ganz Südvietnam zu dem genauen, in Artikel 2 des Abkommens genannten Zeitpunkt
völlig einzustellen, und gewährleisten, daß diese Truppen und bewaffneten Polizeiverbände diesen Befehlen nachkommen und den Waffenstillstand einhalten.

Artikel 2
a)

Sobald der Waffenstillstand in Kraft getreten ist und bis von den Ge-

meinsamen Militärkommissionen Bestimmungen erlassen worden sind, sollen alle
Land-, Fluß-, See-und Luftverbände der Parteien in Südvietnam an ihrem Standort verbleiben; das heißt, um die Einhaltung eines stabilen Waffenstillstandes zu gewährleisten, darf es keine größeren Redislozierungen oder Truppenbewegungen geben, durch die das von jeder Partei kontrollierte Gebiet ausgedehnt würde, oder die zu Berührungen zwischen den gegnerischen Truppen und
etwa erfolgenden Zusammenstößen führen würden.
b)

Alle regulären und irregulären Truppen und bewaffneten Polizeiverbände

der Parteien in Südvietnam sollen sich an das Verbot

der folgenden Betäti-

gungen halten:
1) Entsendung von bewaffneten Patrouillen in von gegnerischen Truppen
kontrollierte Gebiete und Flüge von Bomben-und Kampfflugzeugen
aller Typen, ausgenommen unbewaffnete Flüge für Schulungs-und Wartungszwecke;
2) bewaffnete Angriffe gegen irgendwelche Militär-oder Zivilpersonen
unter Einsatz welcher Mittel auch immer; darunter fallen auch der
Einsatz von Handfeuerwaffen, Granatwerfer und Artillerie, Bombardierung und Beschuß durch Flugzeuge sowie der Einsatz aller anderen
Arten von Waffen oder Sprengstoffen;
3) alle Kampfoperationen zu Lande, auf Flüssen, zur See und in der
Luft;
4) alle feindseligen Handlungen, Terror und Vergeltungjund
5) alle Handlungen, die Menschenleben oder öffentliches oder privates
Eigentum in Gefahr bringen.
Artikel 3

�Artikel 3
a)

Die oben erwähnten Verbote dürfen nicht zu einer Behinderung oder

Einschränkung führen:
1) Des zivilen Nachschubs, der Bewegungsfreiheit, der freien Wahl des
Arbeitsplatzes, der Freiheit der Bevölkerung, Handel zu treiben, sowie des zivilen Nachrichten-und Transportwesens zwischen allen und
innerhalb aller Gebiete in Südvietnam;
2) des Einsatzes militärischer Nachschubverbände, zum Beispiel Pionierund Transporteinheiten durch jede Partei in den von ihr kontrollierten Gebieten zwecks Wiederinstandsetzung und Errichtung öffentlicher
Einrichtungen und für den Transport und die Versorgung der Bevölkerung;
3) der normalen militärischen Ausbildung, die von den Parteien in den
unter ihrer jeweiligen Kontrolle stehenden Gebieten bei angemessener Beachtung der öffentlichen Sicherheit durchgeführt wird.

b)

Die Gemeinsamen Militärkommissionen sollen umgehend Vereinbarungen

treffen über Korridore, Routen und sonstige Bestimmungen für Flüge militärischer Transportmaschinen sowie für Fahrten militärischer Transportfahrzeuge
und militärischer Transportschiffe der einen Partei durch von den anderen Parteien kontrollierte Gebiete.

Artikel 4
Zur Vermeidung von Konflikten und zur Gewährleistung normaler Bedingungen
für die Truppen, die direkt in Berührung miteinander stehen, sollen - bis zu
einer Regelung durch die Gemeinsamen Militärkommissionen - die Kommandeure
der an diesen Stellen eines direkten Kontakts sich gegenüberstehenden Truppen
zusammenkommen,sobald der Waffenstillstand in Kraft getreten ist, um zu

einer

Vereinbarung über vorübergehende Maßnahmen zur Vermeidung eines Konfliktes
und zur Sicherstellung von Versorgung und ärztlicher Betreuung dieser Truppen
zu gelangen.

Artikel 5

�Artikel 5
a)

Jede Partei soll ihr Äußerstes tun, um innerhalb von 15 Tagen nach In-

krafttreten des Waffenstillstandes die Beseitigung oder Entschärfung aller
Sprengsätze, Minenfelder, Fallen, Hindernisse oder sonstigen gefährlichen
Objekte, die früher gelegt oder errichtet worden waren, zum Abschluß zu bringen, damit Freizügigkeit und Arbeit der Bevölkerung nicht beeinträchtigt werden; dies gilt in erster Linie für Wasserstraßen, Landstraßen und Eisenbahnen
in Südvietnam. Die Minen, die innerhalb dieser Zeit nicht geräumt oder entschärft werden können, sollen eindeutig markiert werden und müssen so bald
wie möglich geräumt oder entschärft werden.
b)

Das Legen von Minen ist verboten, ausgenommen als Verteidigungsmaßnah-

me am Rande militärischer Einrichtungen, an Stellen, wo sie Freizügigkeit und
Arbeit der Bevölkerung sowie den Verkehr auf den Wasserstraßen, den LandStraßen und den Eisenbahnen nicht beeinträchtigen. Bereits gelegte Minen und
sonstige Hindernisse am Rande militärischer Einrichtungen können dort verbleiben, wenn sie sich an Stellen befinden, wo sie Freizügigkeit und Arbeit
der Bevölkerung sowie den Verkehr auf den Wasserstraßen, den Landstraßen und
den Eisenbahnen nicht behindern.

Artikel 6
Ziviles Polizei-und ziviles Sicherheitspersonal der Parteien in Südvietnam, das für die Aufrechterhaltung von Recht und Ordnung verantwortlich
ist, soll die in Artikel 2 dieses Protokolls aufgeführten Bestimmungen strikt
einhalten. Bedingt durch ihre Aufgaben, sind sie normalerweise berechtigt,
Pistolen zu tragen. Wenn aber ungewöhnliche Umstände dies erfordern, kann
ihnen erlaubt werden, auch andere Handfeuerwaffen zu tragen.

Artikel 7

�Artikel 7

a)

Die Einbringung von Ersatzwaffen, Munition und Kriegsmaterial, wie

sie in Artikel 7 des Abkommens zugelassen ist, soll unter Überwachung und
Kontrolle der Gemeinsamen Zweier-Militärkommission und der Internationalen
Kontroll-und Überwachungskommission und an solchen Übergangsstellen erfolgen,
die ausschließlich von den beiden südvietnamesischen Parteien vereinbart werden. Die beiden südvietnamesischen Parteien sollen innerhalb von 15 Tagen
nach Inkrafttreten des Waffenstillstandes solche Übergangsstellen vereinbaren. Die beiden südvietnamesischen Parteien dürfen bis zu sechs Übergangsstellen auswählen, die nicht in der Liste der Orte angeführt sind, an denen
Gruppen der Internationalen Kontroll-und Überwachungäkommission nach Artikel
4 d des Protokolls über die Internationale Kommission stationiert werden
sollen. Gleichzeitig können die beiden südvietnamesischen Parteien auch
Übergangsstellen aus der Liste der Orte auswählen, die in Artikel 4 d dieses
Protokolls angeführt sind.

b)

Jede der so bezeichneten Übergangsstellen soll nur derjenigen südviet-

namesischen Partei zur Verfügung stehen, die die Kontrolle über diese Stelle
ausübt. Die beiden südvietnamesischen Parteien werden eine gleiche Zahl von
Übergangsstellen haben.
Artikel 8
a)

Bei Durchführung von Artikel 5 des Abkommens sollen die Vereinigten

Staaten und die anderen in Artikel 5 des Abkommens genannten Länder alle ihre
Waffen, ihre Munitionsbestände und ihr Kriegsmaterial mitnehmen. Ein Transfer solcher Gegenstände, bei dem diese in Südvietnam verbleiben würden, darf
nach Inkrafttreten des Abkommens nicht mehr erfolgen, ausgenommen der Transfer von Nachrichten-und Transport- sowie anderem
wendbarem

nicht für Kämpfe ver-

Material an die Gemeinsame Vierer-Militärkommission der Inter-

nationalen Kontroll-und Überwachungskommission.

b)
-5-

�b)

Die Vereinigten Staaten werden die Gemeinsame Vierer-Militärkommission

und die Internationale Kontroll-und Überwachungskommission innerhalb von fünf
Tagen nach Inkrafttreten des Waffenstillstandes über die allgemeinen Zeitpläne für den vollständigen Truppenabzug unterrichten, der in vier Phasen von
je 15 Tagen erfolgen soll. Es wird erwartet, daß die Zahl der in jeder Phase
abgezogenen Truppen wahrscheinlich nicht sehr unterschiedlich sein wird,
wenngleich es nicht möglich ist, gleiche Zahlen zu gewährleisten. Die ungefähre Zahl der in jeder Phase abgezogenen Truppen soll der Gemeinsamen Vierer-Militärkommission und der Internationalen Kontroll-und Überwachungskommission rechtzeitig vor dem tatsächlich Abzug angegeben werden, so daß diese
ordnungsgemäß ihre Aufgaben in diesem Zusammenhang wahrnehmen können.

Artikel 9
a)

Bei Durchführung von Artikel 6 des Abkommens sollen die Vereinigten

Staaten und die anderen in diesem Artikel genannten Länder alle militärischen
Stützpunkte der Vereinigten Staaten und der anderen in diesem Artikel genannten Länder in Südvietnam, einschließlich der Waffen, Minen und sonstigen militärischen Ausrüstungen in diesen Stützpunkten, demontieren und aus Südvietnam entfernen oder zerstören, so daß sie für militärische Zwecke unbrauchbar
gemacht werden.
b)

Die Vereinigten Staaten sollen der Gemeinsamen Vierer-Militärkommission

und der Internationalen Kontroll-und Überwachungskommission die erforderlichen Informationen über Pläne für die Demontage der Stützpunkte geben, so
daß diese Kommissionen ordnungsgemäß ihre Aufgaben in diesem Zusammenhang
wahrnehmen können.

Die

-6-

�DIE GEMEINSAMEN MILITARKOMMISSIONEN

Artikel 10
a)

Die Durchführung des Abkommens ist Aufgabe der Parteien, die das Ab-

kommen unterzeichnet haben.
Die Gemeinsame Vierer-Militärkommission hat die Aufgabe, ein gemeinsames
Vorgehen der Parteien bei der Durchführung des Abkommens zu gewährleisten, indem sie als Kommunikationsbrücke zwischen den Parteien dient, indem sie die
Pläne entwirft und die Modalitäten festlegt, um die in Artikel 16 des Abkommens
genannten Bestimmungen zur Durchführung zu bringen, den Ablauf zu koordinieren, zu verfolgen und zu inspizieren, und indem sie Verhandlungen über alle
die Durchführung dieser Bestimmungen betreffenden Fragen führt und diese regelt.
b)

Die konkreten Aufgaben der Gemeinsamen Vierer-Militärkommission sind:
1) Die Durchführung der oben erwähnten Bestimmungen des Abkommens durch
die vier Parteien zu koordinieren, zu verfolgen und zu inspizieren;
2) Verletzungen zu verhindern und festzustellen, sich mit den Fällen
solcher Verletzung zu befassen, Konflikte und Streitfälle zwischen
den Parteien in bezug auf die oben genannten Bestimmungen beizulegen;
3) je nach Erfordernis eine

oder mehrere gemeinsamen Gruppen umgehend

in jeden Teil Südvietnams zu entsenden, um angebliche Verletzungen
des Abkommens zu untersuchen und den Parteien dabei zu helfen, Maßnahmen zu finden, damit das Wiederauftreten ähnlicher Fälle verhindert wird;
4) Beobachtungsaufgaben an Orten zu übernehmen, wo dies für die Ausübung
ihrer Funktionen notwendig ist;
5) Zusätzlich sich stellende Aufgaben, die durch einstimmigen Beschluß
festgelegt werden, auszuführen.
Artikel 11

�Artikel 11
a)

Es soll eine Zentrale Gemeinsame Militärkommission mit Sitz in

Saigon geben. Jede Partei soll umgehend eine militärische Delegation von
59 Personen benennen, die sie in der Zentralen Kommission vertritt. Der
von jeder Partei benannte vorgesetzte Offizier soll im Generals- oder
entsprechenden Rang stehen.
b)

Es soll sieben regionale Gemeinsame Militärkommissionen mit Sitz

in den Regionen geben, die auf der beigefügten Karte gezeigt werden und
die an den folgenden Orten stationiert sind:
Region:

Ort:

I

Hue

II

Danang

III

Pleiku

IV

Phan Thiet

V

Bien Hoa

VI

My Tho

VII

Can Tho

Jede Partei soll eine militärische Delegation von 16 Personen benennen, die sie in jeder der regionalen Kommissionen vertritt. Der von
jeder Partei benannte vorgesetzte Offizier soll jeweils im Rang eines
Oberstleutnants oder Obersten oder einem entsprechenden Rang stehen.
c)

Es soll eine Gemeinsame Militärgruppe für jedes der auf der beigegeben
fügten Karte angegebenen Gebiete/mit Stationierung an folgenden Orten in
Südvietnam:

Region I:

- 8-

�Region I:

Region II:

Region III:

Region: IV:

Quang Tri

Hoi An

Kontum

Da Lat

Phu Bai

Tarn Ky

Hau Bon

Bao Loc

Chu Lai

Phu Cat

Phan Rang

Tuy An
Ninh Hoa
Ban Me Thuot
Region V:

Region VI:

Region VII:

An Loc

Moc Hoa

Tri Ton

Xuan Loc

Giong Trom

Vinh Long

Ben Cat

Vi Thanh

Cu Chi

Knanh Hung

Tan An

Quan Long

Jede Partei soll vier qualifizierte Persönlichkeiten für jede
Geraeinsame Militärgruppe benennen. Die von jeder Partei als Vorgesetzter
benannte Persönlichkeit soll ein Offizier im Rang eines Majors oder Oberstleutnants oder einem entsprechenden Rang sein.
d)

Die Regionalen Gemeinsamen Militärkommissionen sollen die Zentrale

Gemeinsame Militärkommission bei der Durchführung ihrer Aufgaben unterstützen und die Arbeit der Gemeinsamen Militärgruppen überwachen. Die
Region Saigon-Cia Dinh ist der Aufsicht der Zentralen Kommission unterstellt, die Gemeinsame Militärgruppen benennen wird, die in dieser
Region tätig sein sollen.
e)

Jeder Partei soll ermächtigt werden, für ihre Delegationen bei der

Zentralen Gemeinsamen Militärkommission und den Regionalen Gemeinsamen
Militärkommissionen sowie für ihre Mitglieder bei den Gemeinsamen
Militärgruppen Hilfs- und Wachpersonal zu stellen. Die Gesamtzahl des
Hilfs- und Wachpersonals soll für jede Partei 550 nicht übersteigen.

- 9-

�f)

Die Zentrale Gemeinsame Militärkommission kar^n entsprechend den

jeweiligen Erfordernissen Gemeinsame Unterausschüsse, Gemeinsame Stäbe
und Gemeinsame Militärgruppen einsetzen. Die Zentrale Kommission soll
die Zahl des benötigten Personals für die von ihr eingesetzten zusätzlichen Unterausschüsse, Stäbe oder Gruppen festlegen unter der
Voraussetzung, daß jede Partei einviertel der Zahl des benötigten
Personals stellt und daß die Gesamtzahl des Personals der gemeinsamen
Vierer-Militärkommissionen, einschließlich ihrer Stäbe, Gruppen und des
Hilfspersonals 3.300 nicht übersteigt.
g)

Die Delegationen der beiden südvietnamesischen Parteien können

durch Vereinbarung provisorische Unterkommissionen und Gemeinsame
Militärgruppen zur Durchführung der ihnen in Artikel 17 des Abkommens
speziell übertragenen Aufgaben einsetzen. Was Artikel 7 des Abkommens
anbetrifft, so können die Delegationen der beiden südvietnamesischen
Parteien bei der Gemeinsamen Vierer-MilitärkommissLon Gemeinsame Militärgruppen an Übergangsstellen nach Südvietnam einsetzen, die für die
Ersatzbeschaffung von Waffen, Munition und Kriegsmaterial gemäß
Artikel 7 dieses Protokolls bezeichnet werden. Für die Zeit vom Inkrafttreten
meinsame

des Waffenstillstandes bis zu dem Zeitpunkt:, an dem die GeZweier-Militärkommission ihre Funktion übernimmt, sollen die

Delegationen der beiden südvietnamesischen Parteien bei der Gemeinsamen
Vierer-Militärkommission eine provisorische Unterkommission und provisorische Gemeinsame Militärgruppe bilden, die deren Aufgaben bezüglich der
gefangen gehaltenen und internierten vietnamesischen Zivilisten wahrnehmen sollen. Soweit es zu dem obenerwähnten Zweck notwendig ist, können
die beiden Parteien vereinbaren, den beiden südvietnamesischen Delegationen
bei der Gemeinsamen Vierer-Militärkommission zusätzliches Personal zuzuteilen.

Artikel 12

- 10 -

�Artikel 12
a)

Im Einklang mit Artikel 17 des Abkommens, der festlegt, daß die

beiden südvietnamesischen Parteien umgehend ihre jeweiligen Vertreter für
die Bildung der Gemeinsamen Zweier-Militärkommission benennen, sollen die
beiden designierten Delegationen der südvietnamesischen Parteien bei der
Gemeinsamen Zweier-Militärkommission innerhalb von 24 Stunden nach Inkrafttreten des Waffenstillands in Saigon zusammenkommen, um so bald wie
möglich eine Vereinbarung über die Organisation und Tätigkeit der Gemeinsamen Zweier-Militärkommission sowie über Maßnahmen und Struktur zu
treffen, die dem Ziele dienen, den Waffenstillstand durchzusetzen sowie
den Frieden in Südvietnam zu wahren.
b)

Für die Zeit vom Inkrafttreten des Waffenstillstandsbis zu dem

Zeitpunkt, an dem die Gemeinsame Zweier-Militärkommission ihre Funktion
übernimmt, sollen auf allen Ebenen die Delegationen der beiden südvietnamesischen Parteien bei der Gemeinsamen Vierer-Militärkommission
gleichzeitig auf allen Ebenen die Aufgaben der Gemeinsamen ZweierMilitärkommission zusätzlich zu ihren Funktionen als Delegationen bei
der Gemeinsamen Vierer-Militärkommission übernehmen.
c)

Wenn zu dem Zeitpunkt, an dem die Gemeinsame Vierer-Militärkom-

mission gemäß Artikel 16 des Abkommens ihre Arbeit einstellt, noch keine
Vereinbarung über die Organisation der Gemeinsamen Zweier-Militärkommission erreicht ist, sollen die Delegationen der beiden südvietnamesischen
Parteien die auf allen Ebenen bei der Gemeinsamen Vierer-Militärkommission
arbeiten, weiter vorübergehend als provisorische Gemeinsame ZweierMilitärkommission zusammenarbeiten und die Aufgaben der Gemeinsamen ZweierMilitärkommission auf allen Ebenen übernehmen, bis die Gemeinsame ZweierMilitärkommission ihre Funktion übernimmt.

Artikel 13

�Artikel 13
Entsprechend dem Prinzip der Einstimmigkeit sollen die Gemeinsamen
Militärkommissionen keine Vorsitzenden haben, und Sitzungen sollen auf
Antrag jedes Vertreters einberufen werden. Die Gemeinsamen Militärkommissionen sollen Arbeitsverfahren einschlagen, wie sie für die wirksame
Erledigung ihrer Funktionen und Aufgaben geeignet sind.

Artikel 14
Die Gemeinsamen Militärkommissionen und die Internationale Kontrollund Überwachungskommission sollen miteinander eng zusammenarbeiten und
sich gegenseitig bei der Durchführung ihrer jeweiligen Funktionen unterstützen. Jede Gemeinsame Militärkommission soll die Internationale Kommission über die Durchführung der Bestimmungen des Abkommens unterrichten,
für die diese Gemeinsame Militärkommission verantwortlich ist und die im
Rahmen der Zuständigkeit der Internationalen Kommission liegen. Jede
Gemeinsame Militärkommission kann die Internationale Kommission ersuchen,
spezifische Beobachtungsaufgaben durchzuführen.

Artikel 15
Die Zentrale Gemeinsame Vierer-Militärkommission soll ihre Arbeit 24
Stunden nach Inkrafttreten des Waffenstillstandes aufnehmen. Die Regionalen
Gemeinsamen Vierer-Militärkommissionen sollen die Arbeit 48 Stunden nach
Inkrafttreten des Waffenstillstands aufnehmen. Die Gemeinsamen Militärgruppen, die an den in Artikel 11 c dieses Protokolls aufgeführten Orten
stationiert sind, sollen die Arbeit nicht später als 15 Tage nach dem
Inkrafttreten des Waffenstillstandes aufnehmen. Die Delegationen der beiden
südvietnamesischen Parteien sollen gleichzeitig die Aufgaben der Gemeinsamen
Zweier-Militärkommission, wie in Artikel 12 dieses Protokolls vorgesehen,
aufnehmen.
Artikel 16
- 12 -

�Artikel 16
a)

Den Gemeinsamen Militärkommissionen auf allen Ebenen soll von

den Parteien voller Schutz und alle erforderliche Hilfe bei der Durchführung ihrer Aufgaben gewährt werden.
b)

Die Gemeinsamen Militärkommissionen und ihr Personal sollen bei

der Durchführung ihrer Aufgaben die gleichen Privilegien und die gleiche
Immunität wie die diplomatischen Missionen und die Diplomaten genießen.
c)

Das Personal der Gemeinsamen Militärkommission darf Pistolen und

besondere Abzeichen tragen, über die von jeder Zentralen Gemeinsamen
Militärkommission entschieden wird. Das Personal jeder Partei kann für
die Bewachung von Einrichtungen oder Ausrüstungen der Kommission ermächtigt werden, andere individuelle Handfeuerwaffen zu tragen, so wie
dies von jeder Zentralen Gemeinsamen Militärkommission festgelegt wird.

Artikel 17

a)

Die Delegation jeder Partei bei der Gemeinsamen Vierer-Militär-

kommission und der Gemeinsamen Zweier-Militärkommission soll ihre eigenen
Büroräume, Nachrichtenverbindungen sowie Versorgungs- und Transporteinrichtungen, einschließlich Flugzeuge, falls erforderlich, haben.
b)

Der Gemeinsamen Vierer-Militärkommission und der Gemeinsamen

Zweier-Militärkommission soll auf allen Ebenen angemessene Büro- und
Wohnräume von jeder der Parteien in den von ihr kontrollierten Gebieten
zur Verfügung gestellt werden.
c)

Die Parteien sollen sich darum bemühen, der Gemeinsamen Vierer-

Militärkommission und der Gemeinsamen Zweier-Militärkommission mietoder leihweise oder als Schenkung die üblichen Arbeitsmittel, einschließlich der Einrichtungen für Nachrichtenverbindungen, Versorgung
und Transport und auch, falls erforderlich, Flugzeuge zur Verfügung zu
stellen. Die Gemeinsamen Militärkommissionen können die erforderlichen
- 13 -

�erforderlichen Einrichtungen, Ausrüstungen und Dienstleistungen, die
nicht von den Parteien gestellt werden, von jeder anderen Stelle
käuflich erwerben. Die Gemeinsamen Militärkommissionen sollen diese
Einrichtungen und Ausrüstungen in Besitz haben und nutzen.
d)

Die oben erwähnten Einrichtungen und Ausrüstungen für den

gemeinsamen Verbrauch sollen an die Parteien zurückgegeben werden,
wenn die Gemeinsamen Militärkommissionen ihre Arbeit beendet haben.

Artikel 18
Die gemeinsamen Ausgaben der Gemeinsamen Vierer-Militärkommission
sollen in gleicher Höhe von den vier Parteien getragen werden und die
gemeinsamen Ausgaben der Gemeinsamen Zweier-Militärkommission in Südvietnam sollen in gleicher Höhe von diesen beiden Parteien getragen
werden.

Artikel 19

Diese Protokoll soll mit der Unterzeichnung durch die bevollmächtigten Vertreter aller an der Pariser Vietnam-Konferenz beteiligten
Parteien in Kraft treten. Es soll von allen betroffenen Parteien strikt
ausgeführt werden.

Ausgefertigt in Paris am 27. Tage des Januar Eintausendneunhundertunddreiundsiebzig in vietnamesischer und englischer Sprache. Die vietnamesischen und englischen Texte sind offiziell und gleichermaßen
authentisch.

Für

- 14 -

�Für die Regierung der

Für die Regierung der

Vereinigten Staaten von Amerika

Republik Vietnam

William P. Rogers

Tran van Lam

Außenminister

Außenminister

- 15 -

�Für die Regierung der

Für die provisorische Revolutions-

Demokratischen Republik Vietnam

regierung der Republik Südvietnam

Nguyen Thi Binh

Nguyen Duy Trinh

Außenminister

Außenminister

- 16 -

�Zu unterzeichnen im internationalen
Konferenzzentrum, Paris,
Sonnabend Nachmittag, Pariser Zeit,
27. Januar 1973

PROTOKOLL ZUM ABKOMMEN ÜBER DIE BEENDIGUNG DES KRIEGES
UND DIE WIEDERHERSTELLUNG DES FRIEDENS IN VIETNAM
BEZÜGLICH DES WAFFENSTILLSTANDS IN SÜDVIETNAM UND
DER GEMEINSAMEN MILITÄRKOMMISSION

Die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika in Übereinstimmung mit der Regierung der Republik Vietnam,
Die Regierung der Demokratischen Republik Vietnam in Übereinstimmung mit der provisorischen Revolutionsregierung der
Republik Südvietnam,
haben zur Durchführung von Paragraph eins des Artikels 2, von Artikel 3,
Artikel 5, Artikel 6, Artikel 16 und Artikel 17 des an diesem Tage unterzeichneten Abkommens über die Beendigung des Krieges und die Wiederherstellung des Friedens in Vietnam, die den Waffenstillstand in Südvietnam
und die Schaffung einer Gemeinsamen Vierer-Militärkommission und einer
Gemeinsamen Zweier-Militärkommission vorsehen, folgendes vereinbart:
(Artikel 1-18 des Protokolls sind identisch mit obigen Artikeln)

Artikel 19
Das Protokoll zu dem Pariser Abkommen über die Beendigung des Krieges
und die Wiederherstellung des Friedens in Vietnam bezüglich des Waffenstillstands in Südvietnam und der Gemeinsamen Militärkommissionen soll mit
Unterzeichnung dieses Dokuments durch den Außenminister der Regierung der

- 17 -

�der Vereinigten Staaten von Amerika und den Außenminister der Regierung
der Demokratischen Republik Vietnam und mit Unterzeichnung eines Dokuments gleichen Inhalts durch den Außenminister der Regierung der
Vereinigten Staaten von Amerika, den Außenminister der Regierung der
Republik Vietnam, den Außenminister der Demokratischen Republik Vietnam
und den Außenminister der provisorischen Revolutionsregierung der
Republik

Südvietnam in Kraft treten. Das Protokoll soll von allen

betroffenen Parteien strikt ausgeführt werden.
Ausgefertigt in Paris am 27. Tage des Januar Eintausendneunhundertunddreiundsiebzig in vietnamesischer und englischer Sprache. Die vietnamesischen und englischen Texte sind offiziell und gleichermaßen
authentisch.

Für die Regierung der

Für die Regierung der

Vereinigten Staaten von Amerika

Demokratischen Republik Vietnam

William P. Rogers

Nguyen Duy Trinh

Außenminister

Außenminister

i l i

- 18 -

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United
53

States

Bonn-Bad

T e l :

Information

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Wirtschaft

Service
300

08-85432

5/1973

PRÄSIDENT NIXON LEGT NEUEN AMERIKANISCHEN HAUSHALT VOR
- Auszüge aus der Haushaltsbotschaft -

WASHINGTON --(AD)-- Präsident Nixon hat dem amerikanischen Kongreß am
29. Januar den neuen Haushalt für das am 1. Juli beginnende US-Finanzjahr
1973/74 vorgelegt, der bei Einnahmen von 256 Milliarden Dollar und Ausgaben
von 268,7 Milliarden Dollar ein Defizit von 12,7 Milliarden Dollar ausweist.
Die wesentlichen Teile der Einleitung zur Haushaltsbotschaft des Präsidenten haben folgenden Wortlaut:
" Mit dem Haushalt für das Finanzjahr 1973/74 wird mein Versprechen erfüllt, die Bundesausgaben niedrig zu halten, so daß sich keine Notwendigkeit
für eine Erhöhung der Steuern ergibt.
Dieser Haushalt wird die Wirtschaft unseres Landes weiter einem Ziel
näher bringen, das sie in fast zwei Jahrzehnten nicht erreicht hat: Hoher
Beschäftigtenstand und hoher Wohlstand für die Bürger Amerikas ohne Inflation
und ohne Krieg....

Seit

-1-

�Seit Mitte der fünfziger Jahre ist der Anteil am Bruttosozialprodukt
des Landes, den die öffentlichen

Verwaltungen in den Vereinigten Staaten

- die Bundesregierung, die Regierungen der Einzelstaaten und die Kommunen für sich in Anspruch genommen haben, von einem Viertel auf ein Drittel gestiegen. Er muß nicht und sollte nicht weiter steigen.
Die höheren Forderungen, die die Regierung an die Steuerzahler stellte,
waren nicht für Verteidigungsprogramme bestimmt. Tatsächlich ist der Anteil
der Verteidigungsausgaben am Bruttosozialprodukt um ein Viertel zurückgegangen, während der Anteil der zivilen Programme aller Verwaltungen um 75 Prozent stieg, nämlich von 14 Prozent des Bruttosozialproduktes im Jahre 1955
auf rund 25 Prozent im Jahre 1972. Die zivilen Programme der Bundesregierung
sind also keineswegs verkümmert....
In den letzten zwei Jahren, in denen die Kapazitäten der Wirtschaft zu
gering ausgenutzt waren und die Inflationsgefahr nachließ, gingen die Auftriebskräfte, die die Wirtschaft Fortschritte in Richtung auf eine Vollbeschäftigung machen ließen, vom Bundeshaushalt aus. Der Haushalt für das Finanzjahr 1973/74 trägt der fortdauernden Verpflichtung der Bundesregierung
Rechnung, durch eine gesunde Währungs-und Haushaltspolitik zur Schaffung der
Bedingungen beizutragen, unter denen die Volkswirtschaft aufblühen wird und
neue Arbeitsmöglichkeiten geschaffen werden. Der Haushalt muß jetzt jedoch,
statt in erster Linie nur Auftrieb zu sein, auch vor einer Inflation schützen.
Der sicherste Weg, Inflation oder höhere Steuern oder beides zu vermeiden, ist, daß der Kongreß sich mit mir zu gemeinsamen Bemühungen um eine
Kontrolle der Bundesausgaben zusammentut. Ich schlage daher vor, daß der Kongreß, bevor er irgend welche gesetzlichen Ausgaben billigt, ein starres Ausgabenlimit festlegt, durch das die Gesamtausgaben für das Finanzjahr 1973/74
auf die von mir im Haushalt empfohlenen 268,7 Milliarden Dollar begrenzt
werden.
Ich

�Ich glaube nicht, daß das amerikanische Volk höhere Steuern wünscht,
genauso wenig, wie es Inflation wünscht. Um sowohl höhere Steuern wie auch
Inflation zu vermeiden, schlage ich vor, daß die Ausgaben im Finanzjahr 1973/
74 und im Finanzjahr 1974/75 nicht höher sein sollen als die Einnahmen, die
sich bei einer Vollbeschäftigung ergeben würden.

Zusammenfassung des Haushalts 1973/74
Der Haushalt für das Finanzjahr 1973/74 bringt - bei Zugrundelegung
einer Vollbeschäftigung - in etwa einen Ausgleich und tatsächlich ein Defizit,
das nur halb so groß wie das Defizit im Finanzjahr 1972/73 ist. Der Gesamthaushalt, den ich hier für das Finanzjahr 1974/75 vorschlage, wird ebenfalls
- bei Zugrundelegung von Vollbeschäftigung - ausgeglichen sein. Ein Haushalt
im Finanzjahr 1973/74, der bei Vollbeschäftigung ausgeglichen wäre, unterstützt den anhaltenden Wirtschaftsaufschwung, ohne daß es zu einem Wiederaufleben der Inflation kommt. Ein stärkerer Auftrieb im Finanzjahr 1973/74 wäre
gefährlich und würde für künftige Haushalte nicht mehr tragbare Belastungen
bringen.
Die Haushaltseinnahmen im Finanzjahr 1973/74 werden auf 256 Milliarden
Dollar veranschlagt. Dies bedeutet gegenüber dem Finanzjahr 1972/73 eine Zunahme um 31 Milliarden Dollar, der den wachsenden Wohlstand, das höhere Persona leinkommen und die steigenden Gesellschaftsgewinne widerspiegelt. Bei den
Einkommenschätzungen wirken sich auch die Steuersenkungen aufgrund des Steuerreformgesetzes von 1969, die neue Wirtschaftspolitik, das Abgabengesetz von
1971 sowie die höheren Abgaben auf Löhne und Gehälter aus, um die gestiegenen
Sozialversicherungsleistungen zu finanzieren.
Die

�Die Haushaltsausgaben im Finanzjahr 1973/74 werden auf 268,7 Milliarden
Dollar veranschlagt. Der Gesamtbetrag wäre ganz erheblich höher gewesen
- wahrscheinlich bei 288 Milliarden Dollar -,wenn meine Regierung nicht
außergewöhnliche Anstrengungen unternommen hätte, um die Haushaltsleitzahl
im Finanzjahr 1972/73 bei einem Maximum von 250 Milliarden Dollar statt, was
sonst der Fall gewesen wäre, bei 261 Milliarden Dollar zu halten und für das
Finanzjahr 1973/74 bei Zugrundelegung von Vollbeschäftigung in etwa auszugleichen.
Aber auch so bringt dieser Haushalt zwangsläufig ein Ansteigen der Ausgaben um 19 Milliarden Dollar gegenüber dem Finanzjahr 1972/73 oder fast
8 Prozent gegenüber dem letzten Haushaltsjahr. Der Haushalt ist ausreichend
für die Gewährleistung von Sicherheit und Wohlstand in Amerika im kommenden
Jahr.
Das Haushaitsprogramm für das Finanzjahr 1973/74 sieht Ausgaben im
Finanzjahr 1974/75 - bei Zugrundelegung von Vollbeschäftigung - von 288 Milliarden Dollar vor, was zusammen mit den Einnahmen nach den gegenwärtigen Gesetzen
Vollbeschäftigung und einen ausgeglichenen Haushalt bedeuten würde....

Die Schaffung eines dauerhaften Friedens
Die Schaffung eines dauerhaften Friedens erfordert mehr als Wunschdenken.
Er kann nur durch geduldige Diplomatie und Verhandlungen, gestützt auf militärische Stärke,erreicht und erhalten werden. Um von Dauer zu sein, muß der
Friede auf einer Grundlage gegenseitiger Interessen und gegenseitiger Achtung
unter den Völkern basieren. Er muß so beschaffen sein, daß diejenigen, die
sonst versucht sein könnten, ihn zu zerstören, einen Anreiz haben, ihn zu erhalten.
Der

�Der Haushalt für das Finanzjahr 1973/74 unterstützt die Bemühungen
Amerikas um die Schaffung eines solchen Friedens auf zwei wichtigen Wegen.
Einmal wird die militärische Stärke aufrechterhalten, die wir zur Unterstützung
unserer Verhandlungen und unserer Diplomatie benötigen. Zum anderen bringt er
eine gesunde Haushaltspolitik, die, von einer ergänzenden monetären Politik
unterstützt, zu Wohlstand und wirtschaftlicher Stabilität hier und im Ausland
beitragen wird.
Unsere Stärke

zusammen mit unserer Bereitschaft zu Verhandlungen hat es

uns bereits ermöglicht, mit der Errichtung eines Gebäudes für einen dauerhaften Weltfrieden zu beginnen und zu einer allgemeinen Verminderung der Spannungen auf der Welt beizutragen.
-- Wir haben wesentlichen Fortschritt in Richtung auf eine Beendigung
unseres Engagements in dem schwierigen Krieg in Südostasien gemacht.
-- In den letzten vier Jahren haben wir mehr bedeutsame Abkommen mit
der Sowjetunion abgeschlossen als in all den vorangegangenen Jahren
seit dem zweiten Weltkrieg, darunter auch das historische Abkommen
über die Begrenzung der strategischen Nuklearwaffen.
-- Wir haben eine nahezu ein ViertelJahrhundert dauernde beiderseitige
Isolierung zwischen den Vereinigten Staaten und der Volksrepublik China
beendet und können der Entwicklung einer friedlichen Zusammenarbeit
auf Gebieten von beiderseitigem Interesse entgegensehen.
In dieser Atmosphäre haben andere Länder ebenfalls damit begonnen, in
Richtung auf eine friedliche Beilegung ihrer Meinungsverschiedenheiten voranzuschreiten.
Eines der Ergebnisse unserer Verhandlungen - zusammen mit dem Erfolg der
Nixon-Doktrin, unserem beträchtlichen Disengagement in Vietnam und der höheren Wirksamkeit neuerer Waffensysteme - war eine wesentliche, aber kluge

�kluge Verringerung unserer Streitkräfte. Die Gesamttruppenstärke ist seit
1968 um etwa ein Drittel verringert worden und wird weiter verringert werden,
wenn wir die Wehrpflicht aufheben und reine Freiwilligen-Streitkräfte haben
werden. Gleichzeitig übernehmen unsere Verbündeten einen wachsenden Anteil
der Lasten ihrer eigenen Verteidigung.
Als Folge hiervon sind die Verteidigungsausgaben etwa gleich geblieben.
Im Finanzjahr 1973/74 werden sie im wesentlichen die gleichen wie 1967/68
sein. In dieser Zeit ist der Gesamthaushalt um 50 Prozent gewachsen und haben die nicht für die Verteidigung bestimmten Ausgaben um 91 Prozent oder
90 Milliarden Dollar zugenommen. Bei Ausschaltung von Lohn-und Preiserhöhungen werden die Verteidigungsausgaben im Finanzjahr 1973/74 etwa die gleichen
wie im Finanzjahr 1972/73 sein und etwa ein Drittel unter denen des Finanzjahres 1967/68 liegen.
Wenn es dieser Regierung auch gelungen ist, die unnötigen Verteidigungsausgaben auszumerzen, so ist sie jedoch genau so entschlossen, die für die
nationale Verteidigung erforderlichen Ausgaben zu machen. Unser Haushalt
für das Finanzjahr 1973/74 entspricht diesem Ziel. Er garantiert uns eine
ausreichende Stärke, um unsere Sicherheit zu erhalten und weiterhin als wichtige Kraft für den Frieden zu wirken.
Ein wichtiger Teil unserer Bemühungen um den Frieden ist ein Rahmen für
den internationalen wirtschaftlichen Fortschritt. Ein solider Anfang bei einer
Reform des internationalen Währungssystems ist durch unsere Teilnahme an den
fortdauernden Gesprächen des Zwanziger-Ausschusses gemacht worden. Wir werden
diese Bemühungen im kommenden Jahr mit Nachdruck fortsetzen.
Unsere Auslandshilfeprogramme spiegeln ebenfalls unsere Absicht wider,
ein dauerhaftes Gebäude des Friedens durch gemeinsame Aufteilung von Lasten
und Vorteilen zu schaffen. Amerika wird weiterhin fest zu seiner Unterstützung
befreundeter Nationen stehen, die wirtschaftlichen Fortschritt und eine sichere Verteidigung anstreben. Wir erwarten jedoch, daß die anderen Länder ebenso

�ebenso ihren Teil hierzu beitragen, und das Auslandshilfebudget für das
Finanzjahr 1973/74 basiert auf dieser Erwartung.
Unser Ziel ist ein dauerhafter Friede, der von dem Selbstinteresse aller
Nationen getragen ist, ihn zu wahren. Unsere anhaltende militärische Stärke
und unsere Programme für einen internationalen wirtschaftlichen Fortschritt,
wie sie in diesem Haushalt vorgesehen sind, werden uns diesem für uns und
unsere Nachkommen angestrebten Ziel näherbringen.

Erfüllung menschlicher Erfordernisse
Die Programme für menschliche Aufgaben in dem Haushalt für das Finanzjahr
1973/74 spiegeln - wie die drei ihm unter meiner Regierung vorangegangenen meine Überzeugung wider, daß soziales Mitgefühl nicht lediglich durch Zuweisung öffentlicher Gelder bewiesen werden kann in der Hoffnung, so einen NotStand zu beheben, sondern nur dadurch, daß solche Gelder greifbare Verbesserungen für das Leben unserer Bevölkerung bringen. Meine Bemühungen um grundlegende Reformen, durch die die Leistungen der Bundesregierung verbessert werden, sollen in dem kommenden Finanzjahr fortgesetzt werden.
Gegenüber dem Finanzjahr 1968/69 sind die Ausgaben für Bundesprogramme
für menschliche Aufgaben im Finanzjahr 1973/74 um 97 Prozent gestiegen,während die Gesamthaushaltsausgaben lediglich um 46 Prozent gewachsen sind. Infolgedessen machen die Dollar-Ausgaben für menschliche Aufgaben heute fast
die Hälfte des Haushaltes aus, verglichen mit etwas über einem Drittel der
Gesamthaushaltssumme zur Zeit meines Amtsantrittes.
Wir konnten zahlreiche solide Erfolge verbuchen.... Wir können und werden
noch bessere Wege finden, um aus unseren Programmen für menschliche Aufgaben
das beste herauszuholen - durch Partnerschaft zwischen einer umstrukturierten
Bundesregierung und starken bundesstaatlichen Regierungen und Kommunalverwal-

�Kommunalverwaltungen sowie mit Hilfe einer sozial eingestellten Privatwirtschaft, gestärkt durch eine Wiederbelebung der individuellen Initiative und
des Selbstvertrauens der Menschen. Aber nur, wenn wir hier und jetzt unproduktive Programme einstellen, können wir die Mittel erhalten, die wir zur
Durchführung solcher Ergebnisse zeitigenden Programme benötigen."

Internationale Angelegenheiten und Finanzen
Die wichtigsten Teile des Kapitels "Internationale Angelegenheiten und
Finanzen" haben folgenden Wortlaut:
"Mit den Reisen des Präsidenten nach Moskau und Peking, den Abkommen
über die Begrenzung der strategischen Rüstungen, dem Berlin-Abkommen und dem
Abbau des militärischen Engagements der USA in Vietnam haben die Vereinigten
Staaten entscheidende Schritte getan, um die Nachkriegsära der Konfrontation
zu beenden und ein dauerhaftes Gebäude des Friedens zu errichten, Unser Ziel
ist ein Netz von Beziehungen und Interdependenz, das jedem Land ein Interesse am Frieden gibt.
Unsere Werkzeuge hierzu sind Diplomatie und Verhandlungen, Auslandshilfe,
Reform des internationalen Währungssystems und Ausweitung des Handels sowie
der Austausch von Personen und Ideen.
Das Budget für internationale Programme im Finanzjahr 1973/74 stellt die
Mittel bereit, um dieses Ziel - den Frieden - im Einklang mit unseren Möglichkeiten und mit dem Minimum an erforderlichen Hilfsquellen anzustreben ...
Wirtschafts- und Finanzhilfe. Die Auslandshilfeprogramme spiegeln unsere Absicht wider, ein dauerhaftes Gebäude des Friedens zu errichten, wobei Lasten
und Vorteile sich auf alle verteilen. Die Vereinigten Staaten werden weiterhin
fest zu ihrer Unterstützung befreundeter Länder stehen, die wirtschaftlichen
Fortschritt und eine sichere Verteidigung anstreben; aber wir erwarten auch
von den anderen Ländern, daß sie ihren Teil hierzu beitragen ...
Internationale Sicherheitshilfe. Durch Gewährung von Hilfe an Länder, deren
Volkswirtschaften die Sicherheitserfordernisse noch nicht ausreichend tragen

�tragen können, unterstützen diese Programme befreundete Länder bei der Entwicklung und Erhaltung des Potentials, sich selbst zu verteidigen. Die gesamten Bundesausgaben (in diesem Bereich) im Finanzjahr 1973/74 werden auf
rund 1,5 Milliarden Dollar veranschlagt.
Die Militärhilfe, die vom Verteidigungsministerium verwaltet und unter
nationale Verteidigung eingestuft ist, schließt nicht-rückzahlbare Zuwendungen
für Ausrüstungen und Ausbildung wie auch Kreditverkäufe von militärischen Ausrüstungen ein. (Die Militärhilfe an Laos und Südvietnam fällt ebenfalls unter
die Kassenzuweisungen des Verteidigungsministeriums..)
In dem Maße, in dem sich die Volkswirtschaften der Empfängerländer und
die internationale politische Lage bessern, kann auch die Militärhilfe
schrittweise von nicht-rückzahlbaren Zuwendungen auf Kredit- und Barverkäufe
umgestellt werden. Daher wird für das Finanzjahr 1973/74 mit vermehrten

Kre-

ditverkäufen gerechnet. Die gesamten Bundesausgaben für die Militärhilfe,
einschließlich der Kreditverkäufe an Israel, werden sich im Finanzjahr
1973/74 auf 791 Millionen Dollar belaufen.
Die ergänzende Wirtschaftshilfe, die vom Amt für

Internationale Entwick-

lung (AID) verwaltet wird, soll die politische und wirtschaftliche Stabilität
in Ländern fördern, die außenpolitisch für die Vereinigten Staaten von Bedeutung sind. Die Ausgaben sind im Finanzjahr 1973/74 auf 708 Millionen Dollar
veranschlagt worden ...

Internationale Entwicklungshilfe. Diese Programme fördern das langfristige
wirtschaftliche Wachstum der Entwicklungsländer sowohl über multilaterale wie
auch über bilaterale Kanäle. Die Ausgaben werden im Finanzjahr 1973/74 auf
rund 1,5 Milliarden Dollar veranschlagt ...
Zur Bereitstellung des amerikanischen Beitrages zu international vereinbarten Kapitalaufstockungen werden für das Finanzjahr 1973/74 folgende Haushaltsermächtigungen beantragt:
— 320
- 9-

�-- 320 Millionen Dollar für die Internationale Entwicklungsgesellschaft
(IDA);
—

193 Millionen Dollar für das Stammkapital der Interamerikanischen
Entwicklungsbank und zusätzlich eine Zahlung von 500 Millionen Dollar an deren Sonderfonds; und

---100 Millionen Dollar an den Sonderfonds der Asiatischen Entwicklungsbank sowie weitere 109 Millionen Dollar für das Stammkapital der
Bank nach Verabschiedung des Rahmengesetzes.
Der größte freiwillige Beitrag an Internationale Organisationen wird an
das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen gehen, das technische Hilfsprogramme sowie Erhebungen über Investitionsvorhaben finanziert. Für das
Finanzjahr 1973/74 wird ein Beitrag von 90 Millionen Dollar vorgeschlagen.
Ferner wird ein Beitrag von 10 Millionen Dollar zu dem neuen Umweltfonds
der Vereinten Nationen vorgeschlagen.
Die bilaterale Hilfe wird in erster Linie vom Amt für Internationale
Entwicklung (AID) verwaltet. Die Ausgaben werden für das Finanzjahr 1973/74
auf 871 Millionen Dollar veranschlagt. Der Personalstand des AID wird im
Finanzjahr 1973/74 weiter verringert werden, so daß der Personalabbau seit
dem Finanzjahr 1967/68 insgesamt 44 Prozent ausmachen wird.
Die Interamerikanische Stiftung mit einem Ausgabenansatz im Finanzjahr
1973/74 von 8 Millionen Dollar gewährt in erster Linie gemeinnützigen Privatorganisationen nicht-rückzahlbare Zuwendungen für neue Entwicklungsvorhaben
in Lateinamerika.
Die internationale humanitäre Hilfe, die vom Außenministerium und dem
AID verwaltet wird, gewährt Flüchtlingen und Opfern von Naturkatastrophen
Unterstützung. Sie wird weitgehend aus dem Lebensmittel-für-den-Frieden^Programm, dem Sonderfonds des Präsidenten für Auslandshilfe und aus Sonderbe-

-10-

�Sonderbewilligungen für Unterstützung finanziert. Die Vereinigten Staaten haben erst kürzlich zu der dringend notwendigen Hilfe für Südasien,die Philippinen, Zentralafrika und Nicaragua beigetragen.

Friedenskorps. Der Haushaltsansatz von 78 Millionen Dollar an Ermächtigungen
für die Arbeit des Friedenskorps im Finanzjahr 1973/74, wozu noch wachsende
Beiträge der Gastländer kommen, wird es gestatten, den gegenwärtigen Stand
an Freiwilligen aufrechtzuerhalten.

Lebensmittel-für-den-FrJeden. Durch Verkauf und Schenkung von Agrarerzeugnissen an andere Länder will das Lebensmittel-für-den-Frieden-Programm Hunger
und Unterernährung bekämpfen, das wirtschaftliche Wachstum in den Entwicklungsländern fördern und die Exportmärkte für amerikanische Agrarerzeugnisse erweitern. Die Ausgaben werden für das Finanzjahr 1973/74 auf 766 Millionen Dollar
veranschlagt, wovon 500 Millionen Dollar auf Nettoverkäufe und 266 Millionen
Dollar auf Schenkungen entfallen."

Haushaltsübersicht

�•

Haushaltsübersicht
(in Milliarden Dollar)

Haushaltsjahr

1971/72
tatsächlich

1972/73
geschätzt

1973/74
geschätzt

Haushaltseinnahmen

208,6

225,0

256,0

Haushaltsausgaben

231,9

249,8

268,7

Haushaltsdefizit

-

23,2

-12-

-

24,8

-

12,7

�Haushaltsausgaben
(in Milliarden Dollar)

Haushaltsjahr

1971/72
tatsächlich

Nationale Verteidigung

78,3

1972/73
geschätzt

1973/74
geschätzt

76,4

81,1

Internationale Angelegenheiten und
Finanzen

3,7'

3,3

3,8

Weltraumforschung und Technologie

3,4

3,1

3,1

Landwirtschaft

7,1

6,1

5,6

Natürliche Hilfsquellen u. Umwelt

3,8

0,9

3,7

11,2

12,5

11,6

Städteentwicklung u.Wohnungsbau

4,3

4,0

4,9

Ausbildung und Arbeitskräfte

9,8

10,5

10,1

Gesundheitswesen

17,1

18,0

21,7

Sicherung der Einkommen

64,9

75,9

82,0

Kriegsveteranen

10,7

11,8

U,7

Zinsendienst

20,6

22,8

24,7

4,9

5,6

6,0

6,8

6,0

—

0,5

1,8

Handel und Verkehr

Allgemeine Verwaltung
Finanzausgleich
Zusätzliche Ausgaben
Interne Transaktionen

-

2,8

3,0

-

3,2

Zinseinnahmen aus Treuhandfonds

-

5,1

5,4

-

6,0

231,9

249,8

-13-

268,7

�</text>
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                    <text>a m e r i k a dienst
United
53

States

Bonn-Bad

T e l :

Information

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Service

Postfach

300

Information
und
Dokumentation

T e I e x : 08 - 8 54 32

Nummer

31. Januar 1973

Inhalt
DOKUMENTATION:
Abkommen über die Beendigung des Krieges und die Wiederherstellung
des Friedens in Vietnam
-WortlautProtokoll über den Waffenstillstand und die Militärkontmissionen
-WortlautProtokoll über die Kontroll-und Überwachungskommission
-WortlautProtokoll über die Kriegsgefangenen
-WortlautProtokoll über die Räumung der Minen
-WortlautDas Problem Vietnam (Chronologie)
Von Alexander Sullivan

WIRTSCHAFT:
Präsident Nixon legt neuen amerikanischen Haushalt vor
«Auszüge aus der Haushaltsbotschaft-

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

�amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

T e l :

I n f o r m a t i o n

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Service

Postfach

Dokumentation

300

Telex:08-85432

5/1973
ABKOMMEN ÜBER DIE BEENDIGUNG DES KRIEGES UND DIE WIEDERHERSTELLUNG
DES FRIEDENS IN VIETNAM
-Wortlaut-

WASHINGTON --(AD)-- Das am 24. Januar in Washington vom Weißen Haus veröffentlichte Vietnam-Abkommen hat folgenden Wortlaut:
Abkommen über die Beendigung des Krieges und die Wiederherstellung
des Friedens in Vietnam
Die an der Pariser Vietnam-Konferenz beteiligten Parteien haben im Hin-

»

blick auf die Beendigung des Krieges und die Wiederherstellung des Friedens
in Vietnam auf der Basis der Respektierung der grundlegenden nationalen Rechte des vietnamesischen Volkes und des Rechtes des südvietnamesischen Volkes
auf Selbstbestimmung sowie als Beitrag zur Konsolidierung des Friedens in
Asien und in der Welt die folgenden Bestimmungen vereinbart und verpflichten
sich, diese einzuhalten und durchzuführen:
Kapitel I
Die grundlegenden nationalen Rechte des vietnamesischen Volkes
Artikel 1
Die Vereinigten Staaten und alle anderen Länder respektieren die Unabhängigkeit, die Souveränität, die Einheit und die territoriale Integrität
Vietnams, wie sie in den Genfer Vietnam-Abkommen von 1954 anerkannt worden
sind.
Kapitel II

-1-

�Kapitel II
Einstellung der Feindseligkeiten - Abzug der Truppen
Artikel 2
Ein Waffenstillstand wird in ganz Südvietnam am 27. Januar 1973
um 2400 Uhr GMT in Kraft treten.
Zur gleichen Stunde werden die Vereinigten Staaten ihre gesamten
militärischen Aktionen gegen das Territorium der Demokratischen Republik
Vietnam durch Land-, See- und Luftstreitkräfte, gleichgültig, wo diese
ihre Stützpunkte haben, einstellen und die Verminung der Territorialgewässer, der Kriegs- und Handelshäfen sowie der Wasserstraßen der Demokratischen Republik Vietnam beenden. Die Vereinigten Staaten werden alle
Minen in den Territorialgewässern, den Kriegs- und Handelshäfen sowie
den Wasserstraßen Nordvietnams entschärfen oder zerstören, sobald dieses
Abkommen in Kraft tritt. Die völlige Einstellung der in diesem Artikel er
wähnten Feindseligkeiten soll von Dauer und ohne jede zeitliche Begrenzung sein.
Artikel 3
Die Parteien verpflichten sich, den Waffenstillstand einzuhalten und
einen dauerhaften und stabilen Frieden sicherzustellen.
Sobald der Waffenstillstand in Kraft tritt, werden:
a)

die Streitkräfte der Vereinigten Staaten und die der anderen mit den

Vereinigten Staaten und der Republik Vietnam verbündeten Länder bis zur
Durchführung des Truppenabzugsplanes an ihren jeweiligen Standorten verbleiben.
b)

die Streitkräfte der beiden südvietnamesischen Parteien an ihren je-

weiligen Standorten verbleiben. Die in Artikel 17 erwähnte Gemeinsame
Zweier-Militärkommission wird die von jeder der beiden Parteien kontrollierten Gebiete festlegen und die Modalitäten der Stationierung
bestimmen.

£2
- 2-

�c)

die regulären Streitkräfte aller Waffengattungen und die irregulären

Verbände der Parteien in Südvietnam alle offensiven Aktionen gegeneinander
einstellen und sich strikt an die folgenden Abmachungen halten:
- Alle gewaltsamen Handlungen zu Lande, in der Luft und zur See sind
verboten;
- alle feindseligen Handlungen, Terrorakte und Repressalien beider
Seiten sind verboten.

Artikel 4
Die Vereinigten Staaten werden ihr militärisches Engagement nicht fortsetzen und sie werden sich auch nicht in die inneren Angelegenheiten Südvietnams einmischen.

Artikel 5
Innerhalb von 60 Tagen nach Unterzeichnung dieses Abkommens werden alle
Truppen, alle Militärberater und das gesamte militärische Personal, darunter
auch technische Militärberater und mit dem Pazifizierungsprogramm in Verbindung stehendes Militärpersonal, alle Waffen, Munitionsbestände und Kriegsmaterialien der Vereinigten Staaten und der anderen in Artikel 3 a erwähnten
Länder aus Südvietnam abgezogen werden. Die Berater der oben genannten Länder
bei allen paramilitärischen Organisationen und den Polizeiverbänden werden
ebenfalls in der gleichen Zeit abgezogen werden.

Artikel 6
Der Abbau aller militärischen Stützpunkte der Vereinigten Staaten und
der anderen in Artikel 3 a erwähnten Länder in Südvietnam soll innerhalb von
60 Tagen nach der Unterzeichnung dieses Abkommens abgeschlossen sein.

Artikel 7

�Artikel 7
In der Zeit vom Inkrafttreten des Waffenstillstandes bis zur Bildung
der in den Artikel 9 b und 14 dieses Abkommens vorgesehenen Regierung sollen
die beiden südvietnamesischen Parteien es nicht zulassen, daß Truppen,
Militärberater und militärisches Personal, einschließlich technisches
militärisches Personal, sowie Waffen, Munition und Kriegsmaterial nach Südvietnam gebracht werden.
Den beiden südvietnamesischen Parteien soll es gestattet sein, in
periodischen Zeitabständen Waffen, Munition und Kriegsmaterial, das nach
dem Waffenstillstand zerstört, beschädigt, unbrauchbar geworden oder verbraucht worden ist, auf einer Stück-für-Stück-Basis, bei gleicher Art und
Beschaffenheit, unter der Aufsicht der Gemeinsamen Militärkommission der
beiden südvietnamesischen Parteien und der Internationalen Kontroll- und
Überwachungskommission zu ersetzen.
Kapitel III
Die Rückkehr des gefangengehaltenen Militärpersonals, der gefangenen ausländischen Zivilisten sowie der gefangenen und internierten
vietnamesischen Zivilsten
Artikel 8
a)

Die Rückkehr des von den Parteien gefangen gehaltenen Militärpersonals

und der ausländischen Zivilisten soll gleichzeitig durchgeführt werden und
nicht später als an dem gleichen Tage beendet sein, an dem auch der in Artikel
5 erwähnte Truppenabzug abgeschlossen ist. Die Parteien sollen am Tage der
Unterzeichnung dieses Abkommens vollständige Listen der oben genannten, gefangen gehaltenen Militärpersonen und ausländischen Zivilisten austauschen.

Ol
- 4-

�b)

Die Parteien sollen einander dabei helfen, Informationen über die im

Kampf vermißten Militärpersonen und ausländischen Zivilisten der Parteien zu
erhalten, den Ort der Gräber festzustellen, diese zu pflegen, Exhumierungen
und die Rückführung der sterblichen Überreste zu ermöglichen und alle sonstigen, etwa erforderlich werdenden Maßnahmen zu ergreifen, um Nachrichten über
die dann noch als vermißt Geltenden zu erhalten.

c)

Die Frage der Rückkehr der vietnamesischen Zivilisten, die in Südvietnam

gefangen und interniert gehalten werden, soll von den beiden südvietnamesischen
Parteien auf der Basis der Grundsätze des Artikels 21 b des Abkommens über die
Einstellung der Feindseligkeiten in Vietnam vom 20. Juli 1954 geregelt werden.
Die beiden südvietnamesischen Parteien werden dies in einem Geist der nationalen Wiederaussöhnung und der Eintracht mit dem Ziel tun, Haß und Feindschaft
zu beenden, um so das Leid zu mildern und die Familien wieder zusammenzuführen. Die beiden südvietnamesischen Parteien werden ihr Äußerstes tun, um diese
Frage innerhalb von 90 Tagen nach Inkrafttreten des Waffenstillstands zu lösen.

Kapitel IV
Die Ausübung des Rechtes auf Selbstbestimmung durch das südvietnamesische Volk

Artikel 9
Die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika und die Regierung der
Demokratischen Republik Vietnam verpflichten sich,die folgenden Prinzipien für
die Ausübung des Rechtes auf Selbstbestimmung durch das südvietnamesische Volk
zu respektieren:
a)

-5-

�a)

Das Recht des südvietnamesischen Volkes auf Selbstbestimmung ist heilig,

unveräußerlich und soll von allen Ländern respektiert werden.
b)

Das südvietnamesische Volk soll selbst über die politische Zukunft Südviet-

nams in wirklich freien und demokratischen, allgemeinen Wahlen entscheiden, die
unter internationaler Überwachung durchgeführt werden.
c)

Andere Länder sollen dem südvietnamesischen Volk keine politische Richtung

oder politische Persönlichkeit aufzwingen.

Artikel 10
Die beiden südvietnamesischen Parteien verpflichten sich, den Waffenstillstand zu respektieren und den Frieden in Südvietnam zu wahren, alle strittigen
Fragen auf dem Verhandlungswege zu lösen und jeden bewaffneten Konflikt zu vermeiden.

Artikel 11
Unmittelbar nach dem Waffenstillstand werden die beiden südvietnamesischen
Parteien:
- nach nationaler Wiederaussöhnung und Eintracht streben, Haß und Feindschaft beenden, alle Vergeltungsakte und Diskriminierungen gegen Personen oder Organisationen verbieten, die mit der einen oder anderen Seite kollaboriert haben;
- die demokratischen Freiheiten des Volkes gewährleisten: persönliche Freiheit,
Redefreit, Pressefreiheit, Versammlungsfreiheit, Organisationsfreiheit, Freiheit der politischen Betätigung, Glaubensfreiheit, freier Reiseverkehr, freie
Wahl des Wohnsitzes, freie Wahl des Arbeitsplatzes, Recht auf Eigentum und Recht
auf freie Berufsausübung.
Artikel 12

�Artikel 12
a)

Unmittelbar nach dem Waffenstillstand sollen die beiden südvietnamesi-

schen Parteien in einem Geiste der nationalen Wiederaussöhnung und Eintracht,
der gegenseitigen Achtung und der Vermeidung jeglicher gegenseitigen Behinderung Konsultationen miteinander führen, um einen Nationalrat der Nationalen
Wiederaussöhnung und Eintracht zu errichten, der aus drei gleichberechtigten
Gremien besteht. Der Rat soll nach dem Prinzip der Einstimmigkeit verfahren.
Nachdem der Nationalrat der Nationalen Wiederaussöhnung und Eintracht seine
Arbeit aufgenommen hat, werden sich die beiden südvietnamesischen Parteien
über die Bildung von Räten auf niedrigeren Ebenen konsultieren. Die beiden
südvietnamesischen Parteien werden so bald wie möglich ein Abkommen über die
Regelung der inneren Angelegenheiten Südvietnams unterzeichnen und ihr Äußerstes tun, um dies innerhalb von 90 Tagen nach Inkrafttreten des Waffenstillstandes im Einklang mit dem Streben des südvietnamesischen Volkes nach Frieden,
Unabhängigkeit und Demokratie zu erreichen.

b)

Der Nationalrat der Nationalen Wiederaussöhnung und Eintracht soll die

Aufgabe haben, die Durchführung dieses Abkommens durch die beiden südvietnamesischen Parteien, die Verwirklichung der nationalen Wiederaussöhnung und Eintracht und die Gewährleistung demokratischer Freiheiten zu fördern. Der Nationale Rat der Nationalen Wiederaussöhnung und Eintracht wird freie und demokratische allgemeine Wahlen, wie sie in Artikel 9 b vorgesehen sind, organisieren
sowie Verfahren und Modalitäten dieser allgemeinen Wahlen festlegen. Über die
Institutionen, für die allgemeine Wahlen abgehalten werden sollen, werden sich
die beiden südvietnamesischen Parteien in Konsultationen einigen. Der Nationalrat für Nationale Wiederaussöhnung und Eintracht wird ferner die Verfahren und
Modalitäten für solche örtlichen Wahlen festlegen, die die beiden südvietnamesischen Parteien vereinbart haben.
Artikel 13

-7-

�Artikel 13
Die Frage der vietnamesischen Streitkräfte in Südvietnam soll von den
beiden südvietnamesischen Parteien in einem Geist der nationalen Wiederaussöhnung und Eintracht, der Gleichberechtigung und der gegenseitigen Achtung
ohne jede ausländische Einmischung und im Einklang mit der Nachkriegssituation
geregelt werden. Zu den von den beiden südvietnamesischen Parteien zu erörternden Fragen gehören Schritte zur Verminderung ihrer militärischen Schlagkraft
und zur Demobilisierung der zu verringernden Truppen, Die beiden südvietnamesischen Parteien werden diese so bald wie möglich durchführen.

Artikel 14
Südvietnam wird eine Außenpolitik des Friedens und der Unabhängigkeit
verfolgen. Es wird bereit sein, mit allen Ländern ohne Rücksicht auf ihre politischen und sozialen Systeme auf der Basis der gegenseitigen Respektierung
von Unabhängigkeit und Souveränität Beziehungen aufzunehmen und von allen
Ländern wirtschaftliche und technische Hilfe anzunehmen, sofern keine politischen Bedingungen daran geknüpft sind. Die Annahme militärischer Hilfe durch
Südvietnam wird künftig der Entscheidung der Regierung obliegen, die nach den
in Artikel 9 b vorgesehenen allgemeinen Wahlen in Südvietnam gebildet wird.

Kapitel V
Die Wiedervereinigung Vietnams und d i e Beziehungen zwischen Nord-und
Südvietnam
A r t i k e l 15
Die Wiedervereinigung Vietnams soll Schritt für Schritt mit friedlichen
Mitteln auf der Basis von Gesprächen und Vereinbarungen zwischen Nord-und Südvietnam, ohne Zwang oder Annektion seitens der einen oder der anderen Partei

-8-

�Partei und ohne ausländische Einmischung erfolgen. Der Zeitpunkt der Wiedervereinigung soll von Nord-und Südvietnam vereinbart werden.
Bis zur Wiedervereinigung sollen:
a)

die militärische Demarkationslinie zwischen den beiden Zonen am 17. Brei-

tengrad nur als provisorische und nicht als politische oder territoriale
Grenze gelten, wie dies auch in Paragraph 6 der Abschlußerklärung der Genfer
Konferenz von 1954 vorgesehen ist.
b) Nord-und Südvietnam die entmilitarisierte Zone zu beiden Seiten der provisorischen militärischen Demarkationslinie respektieren.
c) Nord-und Südvietnam umgehend Verhandlungen mit dem Ziele aufnehmen,wieder
normale Beziehungen auf den verschiedenen Gebieten herzustellen. Zu den Fragen, über die verhandelt werden muß, gehören auch die Modalitäten des zivilen
Reiseverkehrs über die provisorische militärische Demarkationslinie.
d) Nord-und Südvietnam sich keinem militärischen Bündnis oder Militärblock anschließen und es keiner ausländischen Macht gestatten, militärische Stützpunkte, Truppen, Militärberater sowie Militärpersonal auf ihren jeweiligen
Territorien zu unterhalten, wie dies in den Genfer Vietnam-Abkommen von 1954
gefordert worden ist.

Kapitel VI
Die Gemeinsamen Militärkommissionen, die Internationale Kontrollund Überwachungskommission, die Internationale Konferenz
Artikel 16
a)

Die an der Pariser Vietnam-Konferenz beteiligten Parteien werden umgehend

Vertreter für die Bildung einer Gemeinsamen Vierer-Militärkommission benennen,
die die Aufgabe hat, ein gemeinsames Handeln der Parteien bei der Durchführung
der folgenden Bestimmungen dieses Abkommens zu gewährleisten:

-Paragraph

-9-

�- Paragraph eins des Artikels 2 über die Durchführung des Waffenstillstandes in ganz Südvietnam;
- Artikel 3 a über den Waffenstillstand der amerikanischen Streitkräfte
und der Streitkräfte der anderen Länder, auf die in diesem Artikel Bezug genommen wird;
- Artikel 3 c über den Waffenstillstand zwischen allen Parteien in Südvietnam;
- Artikel 5 über den Abzug der amerikanischen Truppen und der Truppen der
anderen Länder, die in Artikel 3 a genannt worden sind, aus Südvietnam;
- Artikel 6 über die Räumung der militärischen Stützpunkte der Vereinigten Staaten und der anderen Länder, die in Artikel 3 a genannt worden
sind, in Südvietnam;
- Artikel 8 a über die Rückkehr der von den Parteien gefangen gehaltenen
Militärpersonen und ausländischen Zivilisten;
- Artikel 8 b über die gegenseitige Hilfeleistung der Parteien bei der
Beschaffung von Informationen über solche Militärpersonen und ausländische Zivilisten der Parteien, die in den Kämpfen vermißt worden
sind.

b)

Die Gemeinsame Vierer-Militärkommission soll nach dem Prinzip der

Konsultationen und der Einstimmigkeit arbeiten. Unstimmigkeiten sollen der Internationalen Kontroll-und Überwachungskommission unterbreitet werden.
c)

Die Gemeinsame Vierer-Militärkommission soll umgehend nach der Unter-

zeichnung dieses Abkommens ihre Arbeit aufnehmen und ihre Tätigkeit innerhalb
von 60 Tagen nach Abschluß des Abzuges der amerikanischen Truppen sowie der
der
Truppen/anderen Länder, die in Artikel 3 a genannt worden sind, und nach Abschluß der Rückführung der von den Parteien gefangen gehaltenen Militärpersonen und ausländischen Zivilisten, beenden.
d)

-10-

�d)

Die vier Parteien sollen umgehend Vereinbarungen über die Organisation,

das Arbeitsverfahren, die Arbeitsmittel und die Ausgaben der Gemeinsamen
Vierer-Militärkommissionen treffen.

Artikel 17
a)

Die beiden südvietnamesischen Parteien sollen umgehend Vertreter für die

Bildung einer Gemeinsamen Zweier-Militärkommission benennen, die die Aufgabe
hat, ein gemeinsames Handeln der beiden südvietnamesischen Parteien bei der
Durchführung der folgenden Bestimmungen dieses Abkommens zu gewährleisten:
Paragraph eines des Artikels 2 über die Durchführung des Waffenstillstandes
in ganz Südvietnam, wenn die Gemeinsame Vierer-Militärkommission ihre Tätigkeit beendet hat;
Artikel 3 b über den Waffenstillstand zwischen den beiden südvietnamesischen
Parteien;
Artikel 3 c über den Waffenstillstand zwischen allen Parteien in Südvietnam,
wenn die Gemeinsame Vierer-Militärkommission ihre Tätigkeit beendet hat;
-

Artikel 7 über das Verbot der Einbringung von Truppen nach Südvietnam und
alle übrigen Bestimmungen dieses Artikels;
Artikel 8 c zur Frage der Rückführung der vietnamesischen Zivilisten, die
in Südvietnam gefangen gehalten werden und interniert sind;

-

Artikel 13 über die Verminderung der militärischen Schlagkraft beider südvietnamesischer Parteien und die Demobilisierung der zu verringernden Truppen.

b) Unstimmigkeiten sollen der Internationalen Kontroll-und Überwachungskommission unterbreitet werden.

c)

-11-

�c)

Nach Unterzeichnung dieses Abkommens soll die Gemeinsame Zweier-Militär-

kommission Vereinbarungen über die Maßnahmen und die Organisation zur Durchführung des Waffenstillstandes und zur Erhaltung des Friedens in Südvietnam
treffen.

Artikel 18
a)

Nach Unterzeichnung dieses Abkommens wird umgehend eine Internationale

Kontroll-und Überwachungskommission geschaffen.
b)

Bis die in Artikel 19 vorgesehene Internationale Konferenz endgültige

Vorkehrungen trifft, wird die Internationale Kontroll-und Überwachungskommission
den vier Parteien über alle Fragen berichten, die die Kontrolle und Überwachung
der Durchführung der folgenden Bestimmungen dieses Abkommens betreffen:
- Paragraph eins des Artikels 2 über die Durchführung des Waffenstillstandes
in ganz Südvietnam;
- Artikel 3 a über den Waffenstillstand der amerikanischen Streitkräfte
und der Streitkräfte der anderen Länder, auf die in diesem Artikel Bezug
genommen wird;
- Artikel 3 c über den Waffenstillstand zwischen allen Parteien in Südvietnam;
- Artikel 5 über den Abzug der amerikanischen Truppen und der Truppen der
anderen Länder, die in Artikel 3 a genannt worden sind, aus Südvietnam;
- Artikel 6 über die Räumung der militärischen Stützpunkte der Vereinigten
Staaten und der anderen Länder, die in Artikel 3 a genannt worden sind,
in Südvietnam;
- Artikel 8 a über die Rückkehr der von den Parteien gefangen gehaltenen
Militärpersonen und ausländischen Zivilisten.

Die Internationale Kontroll-und Überwachungskommission soll zur Durchführung
ihrer Aufgaben Kontrollgruppen bilden. Die vier Parteien sollen umgehend Verein-

-12-

�Vereinbarungen über den Standort und die Arbeitsweise dieser Gruppen treffen.
Die Parteien werden ihnen ihre Arbeit erleichtern.
c)

Bis die Internationale Konferenz endgültige Vorkehrungen trifft, wird

die Internationale Kontroll-und Überwachungskommission den beiden südvietnamesischen Parteien über alle Fragen berichten, die die Kontrolle und Überwachung der Durchführung der folgenden Bestimmungen dieses Abkommens betreffen:
- Paragraph eins des Artikels 2 über die Durchführung des Waffenstillstandes in ganz Südvietnam, wenn die Gemeinsame Vierer-Militärkommission
ihre Tätigkeit beendet hat;
- Artikel 3 b über den Waffenstillstand zwischen den beiden südvietnamesischen Parteien;
- Artikel 3 c über den Waffenstillstand zwischen allen Parteien in Südvietnam, wenn die Gemeinsame Vierer-Militärkommission ihre Tätigkeit beendet hat;
- Artikel 7 über das Verbot der Einbringung von Truppen nach Südvietnam
und alle übrigen Bestimmungen dieses Artikels;
- Artikel 8 c zur Frage der Rückführung der vietnamesischen Zivilisten,
die in Südvietnam gefangen gehalten werden und interniert sind;
- Artikel 9 b über freie und demokratische allgemeine Wahlen in Südvietnam;
- Artikel 13 über die Verminderung der militärischen Schlagkraft beider
südvietnamesischer Parteien und die Demobilisierung der zu verringernden
Truppen.
Die Internationale Kontroll-und Überwachungskonimission soll zur Durchführung ihrer Aufgaben Kontrollgruppen bilden. Die beiden südvietnamesischen
Parteien sollen umgehend Vereinbarungen über den Standort und die Arbeitsweise dieser Gruppen treffen. Die beiden südvietnamesischen Parteien werden
sie in ihrer Arbeit unterstützen.

dl
-13-

�d)

Die Internationale Kontroll-und Überwachungskommission soll sich aus

Vertretern von vier Ländern zusammensetzen: Kanada, Ungarn, Indonesien und Polen. Der Vorsitz in dieser Kommission wird von den Mitgliedern für bestimmte,
von der Kommission festzulegende Zeiträume der Reihe nach abwechselnd eingenommen .
e)

Die Internationale Kontroll-und Überwachungskommission soll ihre Aufga-

ben im Einklang mit dem Prinzip der Respektierung der Souveränität Südvietnams durchführen.

f)

Die Internationale Kontroll-und Überwachungskommission soll nach dem

Prinzip der Konsultationen und der Einstimmigkeit arbeiten.
g)

Die Internationale Kontroll-und Überwachungskommission soll ihre Ar-

beit aufnehmen, sobald in Vietnam der Waffenstillstand in Kraft tritt. Was
die Bestimmungen von Artikel 18 b über die vier Parteien betrifft, so wird die
Internationale Kontroll-und Überwachungskommission ihre Tätigkeit einstellen,
wenn die Kontroll-und Überwachungsaufgaben der Kommission in bezug auf diese
Bestimmungen erfüllt sind. Was die Bestimmungen des Artikels 18 c über die
beiden südvietnamesischen Parteien betrifft, so wird die Internationale Kontroll-und Überwachungskommission ihre Tätigkeit auf Ersuchen der Regierung
einstellen, die nach den in Artikel 9 b vorgesehenen allgemeinen Wahlen in
Südvietnam gebildet worden ist.
h)

Die vier Parteien werden umgehend Vereinbarungen über die Organisation,

die Arbeitsmittel und die Ausgaben der Internationalen Kontroll-und Überwachungskommission treffen. Die Beziehungen zwischen der Internationalen Kommission und der Internationalen Konferenz werden von der Internationalen Kommission und der Internationalen Konferenz vereinbart werden.

Artikel 19

-14-

�Artikel 19
Die Parteien stimmen der Einberufung einer internationalen Konferenz
innerhalb von 30 Tagen nach Unterzeichnung dieses Abkommens zu, die die unterzeichneten Vereinbarungen bestätigen, das Ende des Krieges, die Wahrung
des Friedens, die Respektierung der grundlegenden nationalen Rechte des vietnamesischen Volkes und das Recht des südvietnamesischen Volkes auf Selbstbestimmung garantieren sowie einen Beitrag zum Frieden in Indochina leisten
und diesen sichern soll.
Die Vereinigten Staaten und die Demokratische Republik Vietnam werden
namens der an der Pariser Vietnam-Konferenz beteiligten Parteien den folgenden
Parteien vorschlagen, sich an dieser internationalen Konferenz zu beteiligen:
die Volksrepublik China, die Republik Frankreich, die Union der

Sozialisti-

schen Sowjetrepubliken, Großbritannien, die vier Länder der Internationalen
Kontroll-und Überwachungskommission und der Generalsekretär der Vereinten
Nationen sowie die an der Pariser Vietnam-Konferenz beteiligten Parteien.

Kapitel VII
bezüglich Kambodscha und Laos

Artikel 20
a)

Die an der Pariser Vietnam-Konferenz beteiligten Parteien sollen die

Genfer Abkommen aus dem Jahre 1954 über Kambodscha sowie die Genfer Abkommen
aus dem Jahre 1962 über Laos, in denen die grundlegenden nationalen Rechte
der Völker von Kambodscha und Laos anerkannt wurden, das heißt die Unabhängigkeit, Souveränität, Einheit und territoriale Integrität dieser Länder, strikt
respektieren. Die Parteien werden die Neutralität von Kambodscha und Laos
respektieren.
Die

-15-

�Die an der Pariser Konferenz beteiligten Parteien verpflichten sich,
das Territorium von Kambodscha und das Territorium von Laos nicht zu benutzen,
um Souveränität und Sicherheit des anderen sowie die anderer Länder zu beeinträchtigen.
b)

Ausländische Staaten sollen jede militärische Aktivität in Kambodscha

und Laos beenden, alle Truppen, Militärberater und militärisches Personal sowie Waffen, Munition und Kriegsmaterial aus diesen beiden Ländern abziehen
und es unterlassen, diese wieder dorthin zu entsenden.
c)

Die inneren Angelegenheiten von Kambodscha und Laos sollen durch das

Volk jedes dieser beiden Länder ohne ausländische Einmischung geregelt werden.
d)

Die zwischen den indochinesischen Ländern bestehenden Probleme sollen

durch die indonesischen Parteien geregelt werden und zwar auf der Basis der
Respektierung der gegenseitigen Unabhängigkeit, Souveränität und territorialen Integrität und der Nicht-Einmischung in die inneren Angelegenheiten des
anderen.

Kapitel VIII
Die Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und der Demokratischen
Republik Vietnam

Artikel 21
Die Vereinigten Staaten erwarten, daß dieses Abkommen eine Ära der Aussöhnung mit der Demokratischen Republik von Vietnam sowie mit allen Völkern
Indochinas einleiten wird. In Verfolgung ihrer traditionellen Politik werden
die Vereinigten Staaten ihren Beitrag zur Heilung der Wunden des Krieges und
zum Wiederaufbau der Demokratischen Republik Vietnam sowie ganz Indochinas
leisten.
Artikel 22

-16-

�Artikel 22
Die Beendigung des Krieges, die Wiederherstellung des Friedens in Vietnam sowie die strikte Einhaltung dieses Abkommens werden die Bedingungen für
die Herstellung einer neuen, gleichberechtigten und beiderseitigen nützlichen Beziehung zwischen den Vereinigten Staaten und der Demokratischen Republik Vietnam auf der Grundlage der Respektierung der Unabhängigkeit und
Souveränität sowie der Nicht-Einmischung in die inneren Angelegenheiten des
anderen schaffen. Gleichzeitig wird dadurch ein stabiler Friede in Vietnam
gesichert und ein Beitrag zur Wahrung eines dauerhaften Friedens in Indochina und Südasien geleistet.
Kapitel IX
Andere Bestimmungen

Artikel 23
Dieses Abkommen soll mit Unterzeichnung durch die bevollmächtigten Vertreter der an der Pariser Vietnam-Konferenz beteiligten Parteien in Kraft
treten. Alle betroffenen Parteien sollen dieses Abkommen und seine Protokolle
strikt durchführen.

Ausgefertigt in Paris am 27. Tage des Januar Eintausendneunhundertunddreiundsiebzig in vietnamesischer und englischer Sprache. Die vietnamesischenund
englischen Texte sind offiziell und gleichermaßen authentisch.

Für

-17-

�Für die Regierung der Vereinigten

Für die Regierung der Republik

Staaten von Amerika

Vietnam

William P. Rogers

Tran van Lam

Außenminister

Außenminister

-18-

�Für die Regierung der

Für die provisorische Revolutions-

Demokratischen Republik Vietnam

regierung der Republik Südvietnam

Nguyen Thi Binh

Nguyen Duy Trinh
Außenminister

Außenminister

Zu

-19

�Zu unterzeichnen im internationalen
Konferenzzentrum, Paris,
Sonnabend Nachmittag, Pariser Zeit,
27. Januar 1973

ABKOMMEN ÜBER DIE BEENDIGUNG DES KRIEGES UND DIE WIEDERHERSTELLUNG
DES FRIEDENS IN VIETNAM
Die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika

in Übereinstimmung

mit der Regierung der Republik Vietnam,
Die Regierung der Demokratischen Republik Vietnam in Übereinstimmung
mit der provisorischen Revolutionsregierung der Republik Südvietnam,

haben im Hinblick auf die Beendigung des Krieges und die Wiederherstellung
des Friedens in Vietnam auf der Basis der Respektierung der grundlegenden nationalen Rechte des vietnamesischen Volkes und des Rechtes des südvietnamesischen Volkes auf Selbstbestimmung sowie als Beitrag zur Konsolidierung des
Friedens in Asien und in der Welt die folgenden Bestimmungen vereinbart und
verpflichten sich, dieses einzuhalten und durchzuführen:

(Kapitel I bis VIII sind identisch mit obigen Kapiteln)

Kapitel IX
Andere Bestimmungen
Artikel 23
Das Pariser Abkommen über die Beendigung des Krieges und die Wiederherstellung des Friedens in Vietnam soll mit Unterzeichnung dieses Dokumentes
durch den Außenminister der Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika und

-20-

�und den Außenminister der Regierung der Demokratischen Republik
Vietnam und mit Unterzeichnung eines Dokumentes gLeichen Inhalts
durch den Außenminister der Regierung der Vereinigten Staaten von
Amerika, durch den Außenminister der Regierung der Republik Vietnam,
den Außenminister der Regierung der Demokratischen Republik Vietnam
und den Außenminister der provisorischen Revolutionsregierung von
Südvietnam in Kraft treten. Das Abkommen und seine Protokolle sollen
von allen betroffenen Parteien strikt ausgeführt werden.

Ausgefertigt in Paris am 27. Tage des Januar Eintausendneunhundertunddreiundsiebzig in vietnamesischer und englischer Sprache. Die
vietnamesischen und englischen Texte sind offiziell

und gleicher-

maßen authentisch.

Für die Regierung der

Für die Regierung der Demokratischen

Vereinigten Staaten von Amerika

Republik Vietnam

William P. Rogers
Außenminister

Nguyen Duy Trinh
Außenminister

I I "I •

- 21 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Abkommen über die Beendigung des Krieges und die Wiederherstellung des Friedens in Vietnam&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Protokoll über den Waffenstillstand und die Militärkommission&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Protokoll über die Kontroll- und Überwachungskommission&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Protokoll über die Kriegsgefangenen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Protokoll über die Räumung der Minen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Problem Vietnam (Chronologie)&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Alexander Sullivan&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Nixon legt neuen amerikanischen Haushalt vor&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge aus der Haushaltsbotschaft -&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>a m e r i k a dienst
United

States

53 B o n n - B o d
Tel:

Information

Godesbergl,

89-3240

Service

Postfach

300

Information
und
Dokumentation

T e I e x : 08 - 8 54 32

Nummer

7. Februar 1973

Inhalt

DOKUMENTATION:
Die Botschaft über die Lage der Nation (Teil I)
«WortlautKissinger will Dialog mit Hanoi in Gang bringen
-Auszüge aus dem Fernsehinterview vom 1. Februar\
WIRTSCHAFT:

I
Präsident Nixon legt Wirtschaftsbericht vor
-Wortlaut des Begleitschreibens des PräsidentenUS-Wirtschaftsbeirat fordert weitere Liberalisierung des Welthandels
Von John Holway
USA legen der Weltöffentlichkeit Vorschläge zur Reform des Internationalen Währungssystems vor
USA setzen neuen Präzedenzfall für Ausgleichszölle
Von John H. Harter

WISSENSCHAFT UND TECHNIK:
US-Raumfahrt mit Kürzungen
Vitamin B 12 synthetisch dargestellt

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

�a m e r i k a dienst
United
53

States

Bonn-Bad

T e l :

I n f o r m a t i o n

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Service

Dokumentation

Postfach 300

Telex:

08-85432

6/1973

DIE BOTSCHAFT ÜBER DIE LAGE DER NATION (Teil I)
-Wortlaut-

WASHINGTON — ( A D ) — Präsident Nixon hat dem amerikanischen Kongreß am
2. Februar den ersten Teil seiner Botschaft über die Lage der Nation
- State of the Union Message - 1973 zugesandt, in der er einen Überblick
über sein künftiges Regierungsprogramm gibt. Nixon hat in diesem Jahr
einen völlig neuen Weg eingeschlagen und angekündigt, daß er den traditionellen Bericht in mehrere Fachgebiete - Innenpolitik, Wirtschaft, Außenpolitik usw.- aufgliedern und jeweils getrennt an den Kongreß geben werde.
Teil I der Botschaft über die Lage der Nation - Überblick - hat folgenden Wortlaut:
"An den Kongreß der Vereinigten Staaten:
Die traditionelle Form des jährlichen Berichtes des Präsidenten, mit dem
er den Kongreß über die Lage der Nation informiert, ist eine Einzelbotschaft
oder Ansprache. Da sich jedoch im Laufe der Jahre die Angelegenheiten und Anliegen unserer Nation vervielfacht haben, haben sich auch die Themen vervielfacht, die in Botschaften über die Lage der Nation behandelt werden müssen.
Vor

�Vor allem in diesem Jahr, da so viele Veränderungen in Regierungsprogrammen erwogen werden und da unsere Grundvorstellungen von der Beziehung
zwischen dem Einzelnen und dem Staat an einem historischen Kreuzweg angekommen sind, hätte eine einzelne, alles umfassende Botschaft über die Lage
der Nation unzureichend erscheinen müssen.
Ich habe mich daher entschlossen, meinen Bericht über die Lage der Nation 1973 in Form einer Reihe von Botschaften während der ersten Wochen des
93. Kongresses abzugeben. Der Zweck dieser ersten Botschaft einer ganzen
Reihe besteht darin, einen kurzen und bündigen Überblick zu geben, wo wir
als Volk heute stehen, und einige der allgemeinen Ziele zu umreißen, die
wir nach meiner Auffassung im Laufe dieses Jahres und darüberhinaus anstreben sollten. Ich werde dem Kongreß in den kommenden Wochen weitere Botschaften über die Lage der Nation in bezug auf bestimmte Gebiete der Politik
zuleiten, einschließlich Wirtschaft, natürliche Ressourcen,menschliche Ressourcen, Gemeindeförderung, Außenpolitik und Verteidigungspolitik.
Der neue Kurs, den diese Botschaften aufzeigen werden, stellt eine neue
Einstellung der Regierung und zur Regierung dar - eine Einstellung, die sich
den Realitäten der siebziger Jahre zuwendet und nicht der dreißiger oder
sechziger. Wenn wir uns jetzt dem dritten Jahrhundert unserer Unabhängigkeit
nähern, dann sollte die Rolle der Regierung nicht darin bestehen, irgendeinen
Bereich des amerikanischen Lebens beherrschen zu wollen, sondern vielmehr darin, die Menschen, Gemeinden und Institutionen zu unterstützen und zu ermutigen, selbst mit möglichst vielen ihrer Schwierigkeiten und Aufgaben fertig
zu werden und dafür zu sorgen, daß jeder Amerikaner und jede Amerikanerin
die volle und gleiche Chance haben, seine oder ihre Möglichkeiten zu verwirklichen.
Wenn wir die Bundesregierung in dem Tempo der letzten Jahrzehnte weiter
vergrößern wollten, dann würde sie uns bald gänzlich verschlingen. Es ist
jetzt an der Zeit, daß wir eine klare Wahl treffen - Entscheidungen zwischen

-2-

�zwischen alten Programmen, die zwar erstrebenswerte Ziele setzten, sie aber
nicht erreichten, und neuen Programmen, die einen besseren Weg aufzeigen,
um diese Ziele zu erreichen; und natürlich Entscheidungen zwischen konkurrierenden Programmen - die zwar alle an sich wünschenswert sein mögen, von denen
wir uns jedoch mit den begrenzten Mitteln, die uns zur Verfügung stehen, nur
einige leisten können.
Da unsere Mittel nicht unbegrenzt sind, stehen wir 1973 auch vor einer
wichtigen Entscheidung, ob wir nämlich die Regierungsausgaben in Grenzen halten oder kostspielige Programme einführen wollen, die garantiert zu einer Erhöhung der Steuern und einer Neubelebung der Inflation führen würden.
Und schließlich ist es jetzt von größter Wichtigkeit, daß auf der Ebene
der einzelstaatlichen und kommunalen Verwaltung und bei jedem einzelnen Amerikaner wieder ein größeres Verantwortungsgefühl geweckt wird.
Der Grundzustand unserer Nation ist heute gesund und vielversprechend.
Wir treten in das Jahr 1973 ein - wirtschaftlich stark, militärisch gesichert
und - was am wichtigsten von allem ist - in Frieden nach einem langen und
harten Krieg.
Auch weiterhin wird Amerika einem immer größeren Teil seiner Bevölkerung ein besseres und erfüllteres Leben bieten als irgendein anderes Land
auf der Welt.
Wir haben eine der schwierigsten Zeiten unserer Geschichte durchschritten, ohne der Verzweiflung anheimzufallen und ohne unsere Ideale als Volk
aufzugeben.
Wenn wir zurückblicken, so können wir alle hieraus eine Lehre ziehen.
Dies ist eine Lehre, die wir in den letzten Jahren manchmal auf harte Weise
erfahren mußten. Aber wir haben sie begriffen. Diese Lehre besagt, daß sogar
potentiell destruktive Kräfte in positive Kräfte umgewandelt werden können,
wenn wir wissen, wie sie zu leiten sind, und wenn wir Vernunft und Anstand

-3-

�Anstand walten lassen, um ein Klima gegenseitiger Achtung und beiderseitigen guten Willens zu schaffen.
Durch Zusammenarbeit und Bändigung der Naturgewalten haben Amerikaner
einige der großen Geheimnisse des Universums enthüllt. Menschen haben die
Oberfläche des Mondes betreten und den Entdeckungen neue Perspektiven eröffnet. Der gleiche Entdeckergeist hilft uns, Krankheiten und Leiden zu
überwinden, die unseren Planeten seit Menschengedenken heimgesucht haben.
Durch Zusammenarbeit mit den führenden Staatsmännern anderer Länder
konnten wir neue Hoffnung auf einen dauerhaften Frieden schaffen - auf eine
Weltordnung, in der das gemeinsame Interesse alte Feindschaften zurückdrängt und in der eine neue Generation von Menschen in Frieden in einer
sich wandelnden Welt heranwachsen kann.
Im eigenen Lande haben wir gelernt, daß wir durch Zusammenarbeit Wohlstand schaffen können,ohne Inflation zu entfachen; wir können die Ordnung
wiederherstellen, ohne die Freiheit zu schwächen.

Die vor uns liegenden Aufgaben
Diese ersten siebziger Jahre waren gute Jahre für Amerika.

Unsere Auf-

gabe - für alle von uns - ist es, 1973 und die folgenden Jahre zu noch besse
ren zu machen. Ich glaube, daß wir das schaffen können. Ich glaube, daß wir
die Jahre bis zu unserer 200-Jahrfeier zu den besten vier Jahren in der amerikanischen Geschichte machen können.
Aber wir dürfen niemals vergessen,daß nichts Wertvolles geschaffen werden kann, wenn nicht der Wille zum Erfolg und die Stärke, Opfer zu bringen,
vorhanden sind.
Harte Entscheidungen müssen getroffen werden, und wir müssen zu ihnen
stehen.
Auf

�t

Auf außenpolitischem Gebiet müssen wir bedenken, daß ein starkes Amerika
- ein Amerika, auf dessen Wort man vertraut und dessen Stärke respektiert
wird - unerläßlich ist, wenn Frieden und Verständigung auf der Welt fortdauern sollen. Der von uns in Vietnam erreichte ehrenvolle Friede hat diese
grundlegende amerikanische Glaubwürdigkeit gestärkt. Wir müssen in den kommenden Jahrpn so handeln, daß diese Glaubwürdigkeit,

und damit auch die Sta-

bilität der Welt - ein untrennbarer Bestandteil hiervon - unversehrt bleibt.
Im eigenen Land müssen wir die irrige Vorstellung zurückweisen, die
einen zu großen Teil des öffentlichen Dialogs viel zu lange beherrscht hat,
daß eine immer größer werdende Regierung die Lösung für jedes Problem sei.
Wir haben nur zu gut erfahren, daß hohe Steuern und zu hohe Regierungsausgaben kein Allheilmittel sind

In zu vielen Fällen haben sie, statt die

Probleme zu lösen, die sie lösen sollten, lediglich noch schwerere Lasten auf
die Schulterndes amerikanischen Steuerzahlers geladen - in Form höherer
Steuern und höherer Lebenshaltungskosten. Gleichzeitig haben sie unsere Bürger getäuscht, weil viele der angesprochenen Begünstigten weit weniger erhielten als versprochen worden war, so daß das Vertrauen der Öffentlichkeit
in die Wirksamkeit der Regierung als Ganzes untergraben wurde.
Für uns ist jetzt die Zeit gekommen, einen Schlußstrich zu ziehen. Es
ist jetzt die Zeit gekommen, daß die verantwortlichen Führer beider politischer Parteien Stellung beziehen gegen eine zu aufgeblähte Regierung und für
den amerikanischen Steuerzahler. Wir geben nicht das Geld der Bundesregierung aus; es ist vielmehr das Geld des Steuerzahlers, und es muß so ausgegeben werden, daß der volle Gegenwert garantiert und der größtmögliche Nutzen
für die Menschen erreicht wird, denen geholfen werden soll.
Die Lösung für zahlreiche der innenpolitischen Probleme, vor denen wir
stehen, sind nicht Steuererhöhungen und höhere Ausgaben. Sie lautet: Weniger
Verschwendung, mehr Ergebnisse und mehr Freiheit, für den einzelnen Amerikaner,

-5-

�Amerikaner, damit er sich den ihm zustehenden Platz in seiner Gemeinde erarbeiten kann - und für die Staaten und Kommunen: Die eigenen Probleme auf
eigene Weise nach eigenen Prioritäten anzugehen.
Dadurch,daß wir den Menschen und ihren auf kommunaler Ebene gewählten
Führern durch Änderung des Steuerausgleichs und durch ein "Nein" zu überhöhten Bundesausgaben und Steuererhöhungen ein größeres Mitspracherecht geben, können wir zur Verwirklichung dieses Zieles beitragen.

Die kommenden Botschaften
Die Politik, die ich dem Kongreß in den kommenden Wochen darlegen werde, ist eine Bekräftigung der Verantwortung der Bundesregierung und nicht
ein Zurückweichen. Sie ist eine erneute pragmatische Verpflichtung zu sozialem Mitempfinden und zu nationalen Leistungen statt guter Absichten und deren unklarer Durchführung, die zu oft in der Vergangenheit als ausreichend
erachtet worden sind.
Auf wirtschaftlichem Gebiet wird es unser Ziel sein, die Steuern niedrig
zu halten, die Inflation einzudämmen, das wirtschaftliche Wachstum zu fördern, die Produktivität zu steigern, den Außenhandel anzuheben, das Agrareinkommen hochzuhalten, die Kleinbetriebe zu stärken und bessere ArbeitgeberArbeitnehmerbeziehungen zu unterstützen.
Auf dem Gebiet der natürlichen Ressourcen werden meine Empfehlungen Programme zur Erhaltung und Verbesserung der Umwelt, zur Förderung von Wissenschaft und Technologie und zur Gewährleistung einer ausgewogenen Nutzung unserer
unersetzbaren natürlichen Hilfsquellen einschließen.
Zur Förderung der menschlichenResscurcen werde ich Empfehlungen vorlegen, um das amerikanische Gesundheits-und Erziehungswesen zu stärken, um die
Lebensbedingungen der in Not Befindlichen zu verbessern, um unser immer immer

�I

immer erfolgreicheres Vorgehen gegen Kriminalität, Rauschgiftmißbrauch und
Ungerechtigkeit fortzusetzen und um so wichtige Probleme wie Verbraucherfragen, die ein besonderes Anliegen sind,anzupacken. Wir werden die Bemühungen
unseres Landes, denjenigen, die in den Streitkräften in Vietnam gedient haben, durch bessere Arbeits-und Ausbildungsmöglichkeiten zu helfen, fortsetzen
und intensivieren.
Wir müssen Besseres bei der Gemeindeförderung leisten, um wirklich lebensfreundliche Gemeinden zu schaffen, in denen unsere Kinder mit größeren
Chancen heranwachsen können und in denen sie stärker immun sind gegen die
sozialen Mißstände und schädlichen Einflüsse, unter denen jetzt so viele
unserer Gemeinden und Städte zu leiden haben. Ich werde Vorschläge unterbreiten, die zur Verwirklichung dieser Ziele beitragen werden.
Ich werde mich ferner mit unserer Verteidigungs-und Außenpolitik befassen sowie mit unserer neuen Auffassung von der Rolle und Struktur der Regierung selbst.
Als Ganzes betrachtet wird diese Reihe von Botschaften einen Entwurf für
die Modernisierung der Konzeption und der Funktionen der amerikanischen Regierung darstellen, um den Erfordernissen unserer Bevölkerung zu entsprechen.
Um dies zu verwirklichen, wird es eines Geistes der Zusammenarbeit und
des gemeinsamen Einsatzes aller Teile der Regierung bedürfen, denn die von
uns angestrebten Ziele sind nicht die irgendeiner einzelnen Partei oder
Gruppe, sondern es sind Ziele, die für alle Amerikaner Verbesserungen bringen
sollen. Ich weiß, daß ich als Präsident diese Aufgabe nicht alleine bewältigen kann. Der Kongreß muß helfen, und ich verpflichte mich feierlich, meinen
Teil dazu beizutragen, um ein konstruktives Arbeitsverhältnis mit dem Kongreß
herzustellen. Meine aufrichtige Hoffnung ist, daß Exekutive und Legislative
bei dieser großen Aufgabe in einem positiven Geist gegenseitiger Achtung und
Kooperation zusammenarbeiten können.
Wenn

-7-

�I

Wenn wir zusammenarbeiten - der Kongreß, der Präsident und die Bevölkerung - so bin ich sicher, daß wir diese Vorschläge in ein Aktionsprogramm
umsetzen können, das die amerikanische Regierung reformieren und dynamisieren kann und das, was noch wichtiger ist, ein besseres Leben für alle Amerikaner schaffen kann.

-8-

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6/1973

KISSINGER WILL DIALOG MIT HANOI IN GANG BRINGEN
-Auszüge aus dem Fernsehinterview vom l.FebruarWASHINGTON --(AD)-- Der Berater des Präsidenten für Fragen der Nationalen
Sicherheit, Dr. Henry A. Kissinger, will bei seinem Besuch in der nordvietnamesischen Hauptstadt Hanoi vom 10. bis 13. Februar Mittel und Wege
sondieren, um das Verhältnis zwischen den Vereinigten Staaten und Nordvietnam, das bisher von "Feindseligkeit" gekennzeichnet war, einer "Normalisierung" näher zu bringen. Kissinger legte am 1. Februar in einem einstündigen Fernsehinterview mit dem diplomatischen Korrespondenten der Rundfunkund Fernsehgesellschaft Columbia Broadcasting System (CBS), Marvin Kalb,
die Ziele der amerikanischen Politik gegenüber Nordvietnam dar.
Auf die Frage nach der Möglichkeit der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen den USA und Nordvietnam erklärte Kissinger, das liege noch
in weiter Ferne. "Im Prinzip", so sagte er, "sind wir bereit, dies zu sondieren, aber nicht als ersten Schritt."
Auf das Friedensabkommen in Vietnam eingehend betonte Kissinger:
"Die größte Aufgabe besteht jetzt darin, von einer Generation, die
nichts als Krieg gekannt hat, zu einer friedlichen Einstellung zu gelangen."

-1-

�gelangen." Er wies darauf hin, daß die vietnamesischen Beteiligten noch eine
politische Regelung erreichen müssen. "Mit gutem Willen aller Beteiligten,
einiger Geduld und einiger Klugheit", so fügte er hinzu,"können wir diese
Übergangsperiode bewältigen." Dr. Kissinger erklärte weiter: "Viel hängt von
den Handlungen der Sowjetunion und der Volksrepublik China sowie von der Art
des Verhältnisses ab, das wir mit Nordvietnam herstellen können."
Kissinger wurde im Verlauf des Interviews auch nach den Bombardierungen
Nordvietnams und den Gründen dafür gefragt. Die Fragen und Antworten hierzu

haben folgenden Wortlaut:
"Frage:.... Lassen Sie mich die Uhr einmal um etwa einen Monat zurückdrehen in die Zeit, als die Vereinigten Staaten ein sehr ausgedehntes Bombardierungsprogramm im Gebiet Hanoi-Haiphong durchführten. Wir haben niemals etwas
darüber erfahren, warum das wirklich notwendig war. Könnten Sie uns aus Ihrer
eigenen Sicht etwas dazu sagen?

Antwort: Die Entscheidung Mitte Dezember, die Bombardierung wieder aufzunehmen, war vielleicht die schmerzlichste, schwierigste und sicherlich die
einsamste Entscheidung, die der Präsident seit seinem Amtsantritt zu fällen
hatte. Es war sehr schmerzlich, dies zu diesem besonderen Zeitpunkt zu tun,
da die Friedenserwartungen so hoch waren, und nur sechs Wochen vor seinem
(zweiten) Amtsantritt. Es war sehr schwierig, es unter Umständen zu tun, unter
denen der Erfolg nicht beweisbar war.
Es ging hier eigentlich um drei Dinge. Erstens, sollten wir die Bombardierung wieder aufnehmen? Zweitens, wenn wir die Bombardierung wieder aufnahmen, mit welchen Waffen? Dies berührte die Frage der B 52(-Bomber). Und
drittens, sollten wir zum amerikanischen Volk darüber sprechen? Es klang doch
aus Ihrer Frage heraus, daß es niemals eine Erklärung gegeben hat.

Was

�Was den ersten Bereich angeht - warum der Präsident entschieden hat,
die Bombardierung wieder aufzunehmen - so waren wir zu dem Schluß gekommen,
daß die Verhandlungen, wie sie damals geführt wurden, nicht ernsthaft waren;
daß die Nordvietnamesen, aus welchen Gründen auch immer, zu dem damaligen
Zeitpunkt zu dem Schluß gekommen waren, daß ein Hinausziehen der Verhandlungen
mehr in ihrem Interesse lag, als sie zum Abschluß zu bringen. Es handelte
sich nicht darum, daß wir bestimmte Forderungen stellten, die sie abgelehnt
hätten. Es handelte sich vielmehr darum, daß, sobald eine Frage geregelt war,
drei neue auftauchten, und sobald eine Lösung nahe war, wieder weitere vorgebracht wurden.
Gleichzeitig war es so, daß je schwieriger Hanoi wurde, Saigon immer
starrer wurde. Und wir konnten daher einen Zeitpunkt kommen sehen, an dem wir
zwischen den beiden streitenden vietnamesischen Parteien gefangen sein würden
- ohne daß ein Element ins Spiel kam, das ihre Meinung hätte ändern können wobei die vertraulichen Gespräche zwischen Le Duc Tho und mir allmählich in
die gleiche Art von Propaganda abgleiten würden, die die öffentlichen Verhandlungen im Hotel Majestic erreicht hatten. Es wurde daher beschlossen, den Versuch zu machen, beiden vietnamesischen Parteien wirklich klar zu machen, daß
die Fortsetzung des Krieges ihren Preis hatte. Und es ist weitgehend unbeachtet geblieben, daß wir zur gleichen Zeit, da wir die Bombardierung Nordvietnams wieder aufnahmen, General Haig nach Saigon entsandten, um ganz klar zu
machen, daß dies nicht bedeutete, daß wir keine Regelung zu den Bedingungen
wollten, die wir als vernünftig definiert hatten.
So gingen wir wirklich gleichzeitig in beiden Richtungen vor. Sobald die
Entscheidung über die Wiederaufnahme der Bombardierung getroffen war, standen
wir vor der Tatsache, daß Regenzeit herrschte und daß das einzige Flugzeug,
das entsprechend eingesetzt werden konnte, die B-52 war, die eine Allwettermaschine ist. Sie erwähnten das Gebiet Hanoi-Haiphong. Es wurden jedoch große
Anstrengungen unternommen, um Wohngebiete zu meiden. Und die von den Nord-

3-

�Nordvietnamesen bekanntgegebenen Verlustzahlen von etwa einem Tausend dürften
die Annahme untermauern, daß dies geschah, denn viele der Verluste müssen in
den Zielgebieten und nicht in zivilen Wohngebieten aufgetreten sein.
Frage: Und doch wurde allem Anschein nach eine ganze Menge ziviler Wohngebiete getroffen. Es gab entsprechende Bilder.
Antwort: Sehen Sie, man kann bei einem solchen Bild niemals sagen, wie
groß das um es herumliegende Gebiet der Zerstörung ist. Sicherlich aber müssen
auch einige zivile Wohngebiete getroffen worden sein. Und ich möchte keinesfalls sagen, daß es nicht etwas sehr Schmerzliches war, was man tun mußte.
Warum entschloß sich nun der Präsident, nicht zum amerikanischen Volk zu
sprechen? Der Präsident kann dann äußerst wirksam sprechen, wenn er einen neuen
Kurs in der Politik ankündigt und aufweist, was getan werden kann, um diesen
speziellen Kurs zu Ende zu führen. Er hätte mit einer solchen Rede, die auch
in Erwägung gezogen wurde, nur zweierlei tun können. Das eine war, zu erklären,
warum die Verhandlungen zum Stillstand gekommen waren. Das andere war, zu erklären, unter welchen Umständen er_die Bombenangriffe einstellen würde. Das
erste hätte die Vertraulichkeit der Verhandlungen gebrochen und zwar noch
stärker, als dies ohnehin durch den Meinungsaustausch in der Öffentlichkeit
schon der Fall war, und das zweite hätte die Wiederaufnahme der Gespräche zu
einer Prestigefrage gemacht und womöglich noch länger hinausgezögert. Aus diesem Grunde kam der Präsident zu dem Entschluß, daß - wenn die Aktion Erfolg
haben würde - die Resultate in Form einer Lösung des Konfliktes für sich selbst
sprechen würden. Wenn es aber zu keiner Lösung kommen sollte, dann würde er
dem amerikanischen Volk Rechenschaft über alle Maßnahmen abzulegen haben, die
zu dem anhaltenden Stillstand (der Verhandlungen) führten.

Welches

�Welches nun auch immer der Grund war, es kam verhältnismäßig rasch zu
einer Lösung, nachdem die Gespräche erst einmal wieder aufgenommen waren. Wi
haben niemals eine Behauptung darüber aufgestellt, was zu dieser Lösung führ
te. Aber Sie fragten, warum der Entschluß gefaßt, wurde, die Bombenangriffe
wieder aufzunehmen, und dies waren die Überlegungen, die dazu führten."

-5-

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6/1973

PRÄSIDENT NIXON LEGT WIRTSCHAFTS BERICHT VOR
-Wortlaut des Begleitschreibens des Präsidenten-

WASHINGTON --«(AD)--- Präsident Nixon hat dem amerikanischen Kongreß am
31- Januar den von seinem Wirtschaftsbeirat ausgearbeiteten Wirtschaftsbericht vorgelegt, der - untermauert durch zahlreiche Tabellen und Statistikenein umfassendes Bild über den gegenwärtigen Stand der amerikanischen Wirtschaft gibt.
Das Begleitschreiben des Präsidenten zu diesem Bericht hat folgenden
Wortlaut:
"An den Kongreß der Vereinigten Staaten:
Wie bereits vorausgesagt, war 1972 ein sehr gutes Jahr für die amerikanische Wirtschaft.
Von Ende 1971 bis Ende 1972 ist die Gesamtgütererzeugung um 7,5 Prozent gestiegen

Dies ist eine der größten jährlichen

/''nahmen in den letzten

2.5 Jahren. Dieses Wachstum fand in einer - nahezu ausscül ießl ichen - Friedenswirtschaft statt; es wurde nicht durch einen durch Krieg angeheizten
inflationistischen Boom erreicht. Tatsächlich gingen die realen Verteidigungsausgaben im Laufe des Jahres um fünf Prozent zurück.

Wichtiger ist

�ist noch die Tatsache, daß die große Produktionszunahme in dem soeben beendeten Jahr von einer niedrigeren Inflationsrate begleitet war. Die Verbraucherpreise stiegen von 1971 bis 1972 um etwas mehr als 3 Prozent an
-was weit entfernt von der davonlaufenden Inflationsrate des Jahres 1969
ist.
Als ich vor 12 Monaten auf das bevorstehende Jahr 1972 blickte, erklärte ich, daß es das große Problem sei, die Arbeitslosenrate von dem Stand
von 6 Prozent, auf dem sie sich 1971 gehalten hatte, herunterzubekommen.
Im Laufe des Jahres 1972 konnte die Arbeitslosenrate auf etwas über 5 Prozent gesenkt werden. Wir sollten sie weiter herunterdrücken, und wir werden dies tun, aber das, was wir erreicht haben, ist erfreulich. Es ist be«sonders bedeutsam, daß die Gesamtzahl der in Arbeit Stehenden von 1971 bis
1972 um 2,3 Millionen gestiegen ist - was die größte Zunahme in 25 Jahren bedeutet.
Aber es war auch nicht alles ideal im Jahre 1972 - in der Wirtschaft
und mehr noch in anderen Bereichen unseres nationalen Lebens. Die steigenden
Lebensmittelpreise bereiteten große Sorge. Die amerikanische Handelsbilanz
gegenüber den übrigen Ländern hat sich nicht, wie wir dies erhofft hatten,
gebessert. Doch alles in allem war es ein sehr gutes Jahr.
Die Leistungen der Wirtschaft im Jahre 1972 sind zu einem großen Teil
auf eine gesunde und kraftvolle Politik der Regierung zurückzuführen. Die
Anfänge dieser Politik liegen noch vor dem Jahre 1972 und noch vor den dramatischen Maßnahmen, die am 15. August 1971 ergriffen worden sind. Sie gehen
zurück auf die im Jahre 1969 getroffene Entscheidung, der gefährlichen Inflation ein Ende zu setzen, die Mitte der sechziger Jahre begonnen hat, Diese Entscheidung wurde durch eine langsamere Steigerung der Bundesausgaben,
durch Beibehalten der vorübergehenden Steuererhöhung, die 1968 verabschiedet worden war, sowie durch Verschärfung der Geldmarktbedingungen verwirklicht. So konnte ein großer Teil der Ursachen der Inflation beseitigt und

-2-

�und der Anstieg der Lebenshaltungskosten gemildert werden. Ohne diese Schritte wäre der sich darauf aufbauende Erfolg der Lohn-und Preiskontrollen
nicht möglich gewesen.
Die Eindämmung der Inflation und die Einschränkung der Verteidigungsproduktion führten zwangsläufig zu einem Rückgang in der Wirtschaft und einem
Anstieg der Arbeitslosenzahl. Um zu verhindern, daß diese Entwicklung zu weit
ging, schwenkten die Haushalts-und die monetäre Politik 1971 in eine expansive Richtung um. Und um sowohl den Rückgang der Inflation wie auch die Wiedererholung der Wirtschaft zu beschleunigen, habe ich am 15. August 1971
eine neue Wirtschaftspolitik verkündet. Für Preise, Renten und Löhne wurden
temporäre Kontrollen verfügt™ Steuern wurden gesenkt. Etwas später gingen
wir dazu über, der Wirtschaft einen weiteren Auftrieb zu geben, indem wir
im ersten Halbjahr 1972 die Regierungsausgaben ausweiteten, in erster Linie
durch Vorziehen von Ausgaben, die erst zu einem späteren Zeitpunkt vorgenommen worden wären.
Die Politik, die 1969 begann, hat zu dem so deutlich sichtbaren wirtschaftlichen Fortschritt im Jahre 1972 beigetragen. Aber die Politik der
Regierung hat dies alles nicht alleine erreicht. Dies ist zu einem großen
Teil einer starken Privatwirtschaft wie auch den privaten Bürgern zu verdanken, die bei der Steigerung der Produktivität mitgearbeitet haben - durch
Erhaltung des Friedens in der Industrie und durch Einhaltung der Normen des
Kontrollsystems. Die Regierung hat dazu beigetragen, Bedingungen zu schaffen,
unter denen die privaten Bürger sich auf eine expandierende Wirtschaft umstellen konnten, die weit weniger verteidigungsorientiert und viel weniger
inflationistisch war. Es war also der einzelne Amerikaner, der diese Anpassungen durchgeführt hat.
Die unmittelbaren wirtschaftlichen Zielsetzungen für die Binnenwirtschaft im Jahre 1973 sind klar. Gütererzeugung und Einkommen sollten expandieren. Sowohl die Arbeitslosenrate wie auch die Inflationsrate sollten wei-

3-

�weiter gesenkt werden, und es muß ein echtes Vertrauen geschaffen werden,
daß keine von beiden erneut steigen wird.
Die Aussichten, diese Ziele im Jahre 1973 zu verwirklichen, sind gut
- wenn wir Vernunft, Klugheit und Weitblick walten lassen. All diesen Anzeichen zufolge ist eine nachhaltige wirtschaftliche Expansion im Gange, und
sie wird auch während des Jahres anhalten. So werden Gütererzeugung und Beschäftigtenstand steigen und die Arbeitslosigkeit zurückgehen. Das Problem,
so weit es sich jetzt voraussehen läßt, wird darin bestehen, zu verhindern,
daß diese Expansion in einen inflationistischen Boom ausartet.
Dies ist der Grund, warum ich eine Einschränkung der Bundesausgaben
an die Spitze der der wirtschaftspolitischen Maßnahmen für 1973 gesetzt habe.
Nichts ist einfacher oder angenehmer, zumindest für eine Bürokratie, als Geld
auszugeben. Aber über einen gewissen Punkt hinaus, den unsere Haushaltspläne
bereits erreicht haben, muß alles, was die Regierung mit einer Hand ausgibt,
mit der anderen Hand wieder eingenommen werden - durch höhere Steuern oder
mehr Inflation oder durch beides. Die Ausgabenansätze müssen in diesem Sinne
gesehen werden; sie müssen daran gemessen werden, ob sie einen solchen Preis
wert sind. Bei zu hohen Regierungsausgaben wird diese Bewährungsprobe nicht
bestanden.
Ich schlage einen Haushalt mit Ausgaben von 250 Milliarden Dollar für
das laufende Finanzjahr vor - eine Zunahme von 18 Milliarden Dollar gegenüber
dem vorangegangenen Finanzjahr. Ich schlage eine Ausgabensteigerung um 19
Milliarden Dollar auf 269 Milliarden Dollar für das kommende Finanzjahr vor.
Obwohl dies große Beträge und große Steigerungen sind - so spiegeln sie
doch Verantwortungsbewußtsein und Disziplin wider. Ich ersuche dringend um
die Mitarbeit des Landes und des Kongresses, damit wir im Rahmen meiner Haushaltsansätze bleiben.
Nur

-4

�Nur wenn wir uns an die Ausgabenansätze halten, werden wir die Inflationsrate 1973 weiter senken können. Die Produktivität sollte weiter erheblich steigen. Die inflationistischen Erwartungen sollten unterdrückt werden. Die Arbeitnehmer hatten große Steigerungen ihrer Realeinkommen zu ver~
zeichnen, und daher wird der Druck, aufholen zu müssen, weit geringer als
früher sein. Anti-inflationistische Kräfte sind zwar am Werk, aber es wird
notwendig sein, dafür zu sorgen, daß unsere gesunde Expansion nicht in einen
überhitzten Boom ausartet.
Das im Jahre 1972 gültige System der Lohn-und Preiskontrollen hat dazu
beigetragen, beides - weniger Inflation und mehr Gütererzeugung - zu erreichen. Aber für 1973 ist es nicht das beste System. Nach eingehenden Konsultationen mit allen Teilen der amerikanischen Öffentlichkeit sind wir zu
dem Schluß gekommen, daß die Kontrollen wesentlich modifiziert werden sollen.
Es gibt mehrere Problemgebiete - Nahrungsmittel, Bausektor und die Kosten
der ärztlichen Betreuung » die besondere Anstrengungen zur Zurückhaltung
erfordern, in einigen

Fällen sogar stärkere als irr vergangenen Jahr.

Für die Wirtschaft als Ganzes besteht die Notwendigkeit, entschiedener
eine Verhaltensform zu finden, die im Einklang mit einer vernünftigen Preisstabilität steht. Gleichzeitig zeigen unsere eigenen Erfahrungen und die Erfahrungen anderer Länder, daß bei einem Beibehalten von Kontrollen, sofern
sie nicht ausreichend modifiziert werden, der Bürokratismus sich ausbreitet,
die Ungerechtigkeiten zunehmen, die Eingriffe in Produktion und Produktivität immer schwerwiegender werden und die Möglichkeit steigt, daß die Preise
nach einem Aufheben der Kontrollen explodieren werden. Daher modifizieren wir
das Kontrollsystem in verschiedener Hinsicht.
Wir setzen eine Norm für ein vernünftiges Preis~und Lohnverhalten und
wir fordern Wirtschaft und Arbeitnehmer auf, ihr zu entsprechen. Die privaten
Wirtschaftsbetriebe werden selbst entscheiden können, ob Preis-oder Lohnerhöhungen innerhalb der Norm liegen oder nicht. Preis-und Lohnerhöhungen

-5-

�Lohnerhöhungen werden nicht im voraus die Billigung seitens der Regierung erfordern, aber die Regierung wird weiterhin gesetzlich ermächtigt,, und praktisch in der Lage und auch gewillt sein, notfalls zu intervenieren, um Maßnahmen zu stoppen, die unvernünftig und mit der Norm nicht zu vereinbaren
sind. Ich ersuche den Kongreß um eine Verlängerung des Gesetzes zur Stabilisierung der Wirtschaft um ein Jahr bis zum 30. April 1974, um diese Ermächtigung beizubehalten. Es sollte kein Zweifel bezüglich der Tatsache bestehen, daß von dieser Ermächtigung notfalls auch Gebrauch gemacht wird.
Die Steigerung des Lebensmittelangebotes, um Preiserhöhungen bei Lebensmitteln einzudämmen und, wo möglich, Preissenkungen nerbeizuführen, muß einen
unerläßlichen Bestandteil unseres Anti-Inflationsprogrammes bilden. Das Zusammenfallen von Naturereignissen, die die Lebensmittelerzeugung in den Vereinigten Staaten und im Ausland auf einem niedrigen Stand hielten mit steigenden Verbrauchereinkommen im Inland haben ein scharfes Ansteigen der Lebensmittelpreise im letzten Jahr bewirkt. Diese gleichen Kräfte werden sich
auch im ersten Teil dieses Jahres auswirken. Aber wir haben Schritte zur Vergrößerung des Lebensmittelangebotes ergriffen. Die Quoten, die bisher den
Fleischimport einschränkten, sind ausgesetzt worden. Beschränkungen für die
zu bestellenden Anbauflächen sind bei wichtigen Agrarerzeugnissen gelockert
worden. Größere Mengen Trockenmilch dürfen in das Land eingeführt werden.
Subventionen für Agrarexporte sind aufgehoben worden. Das Weiden von Rindern
auf Land, das aus der Landbestellung herausgenommen wurde, ist gestattet worden. Wir haben innerhalb der Bundesregierung neue Einrichtungen geschaffen,um
sicherzustellen, daß der Aufgabe, die Lebensmittelpreise niedrig zu halten,
hohe Priorität eingeräumt wird.
Zurückhaltung in der Haushaltspolitik, das neue System kooperativer
Preis- und Lohnkontrollen sowie besondere Anstrengungen zur Steigerung des Lebensmittelangebotes sollten zusammen mit der Produktivität und Dynamik der

-6-

�der Privatwirtschaft 1973 zu einem weiteren Jahr machen, in dem Inflation
und Arbeitslosigkeit zurückgehen und die Gütererzeugung ansteigt. Aber bei
der Politik des Jahres 1973 geht es um mehr als nur um wirtschaftliche
Leistungen. Es geht darum, ob wir das Jahr 1973 zum Beginn einer andauernden Periode des Wachstums und der Stabilität in einer freien Wirtschaft
machen können. Seit 1968 haben Regierung und Wirtschaft die negative Aufgabe weitgehend gelöst, die der Stabilität entgegenwirkenden Folgen der
Finanzierung des Vietnam-Krieges zu korrigieren. Diese Periode ist so gut

wie vorüber. Jetzt können wir damit aufhören, Feuer zu löschen, und uns
stattdessen der Errichtung einer besseren Wirtschaftsordnung zuwenden.
Wir müssen eine zuverlässige und verantwortungsbewußte Einstellung
dem Bundeshaushalt gegenüber einnehmen sowie zuverlässigere und verantwor tungsbewußtere Methoden zu seiner Handhabung entwickeln, so daß dieser
nicht ständig am Rande einer inflationistischen Explosion steht. Wir müssen
uns auf das Ende der Lohn-und Preiskontrollen vorbereiten und bereit sein,
den gleichen Mut bei ihrer Aufhebung wie seinerzeit bei ihrer Einführung
zu zeigen. Wir werden die restriktiven Auswirkungen der großen Zahl anderer
von der Bundesregierung ausgeübter wirtschaftlicher Kontrollen beseitigen,
von denen die meisten ihren Ursprung vor Jahrzehnten hatten,und von denen
viele Produktivität und Produktion beeinträchtigen. Und wir müssen die Wettbewerbskräfte in einer dynamischen freien Unternehmerwirtschaft stärken.
Nirgendwo ist die Notwendigkeit, 1973 zu einem Jahr der wirtschaftlichen Reformen zu machen , offensichtlicher als in unseren internationalen Beziehungen. Unsere Maßnahmen vom 15. August 1971 haben die Welt auf den Weg
zu Verhandlungen über eine Verbesserung der Weltwirtschaft gebracht. Letztes
Jahr haben wir Vorschläge für die Reform des internationalen Finanzsystems
gemacht, und diese Vorschläge sind jetzt Gegenstand von Erörterungen auf
hoher Ebene zwischen Beamten der Mitgliedsstaaten des Internationalen

-7-

�1

Internationalen Währungsfonds (IWF). Dieses Jahr rechnen wir mit der Auf»
nähme von Verhandlungen auf dem Gebiet des Handels.
Wir möchten, daß die Amerikaner die ausländischen Güter und Dienstleistungen kaufen können, die besser, billiger oder interessanter als unsere
eigenen sind. Das hebt den amerikanischen Lebensstandard. Wir wollen,daß
die Amerikaner im Ausland investieren können, wenn dies für sie am meisten
Gewinn bringt. Wir wollen, daß die Amerikaner für diese Käufe und Investition
nen auf die für uns günstigste Weise bezahlen können. Dies bedeutet erstens,
daß wir, um bezahlen zu.können, die Dinge, die wir am besten produzieren, im
Ausland verkaufen und zwar zu den besten Bedingungen, die wir freiwillig erreichen können. Zweitens bedeutet dies, daß wir in einer Weise bezahlen dürfen, die tragbar ist, so daß wir nicht mit der Notwendigkeit plötzlicher und
möglicherweise schmerzlicher Anpassungen konfrontiert werden.
Die bestehenden Vereinbarungen sind in keiner Weise günstig für uns.
Wir haben vom Ausland in schnell wachsenden Größenordnungen gekauft, und das
hat dem amerikanischen Volke geholfen. Aber unsere Exporte, mit denen wir
für diese Importe bezahlen wollen, unterliegen zu hohen Beschränkungen;
dies trifft vor allem für unsere Agrarerzeugnisse zu. Wir konnten nicht ge~
nug verkaufen, um unsere Ausgaben im Ausland zu bezahlen, und so mußten wir
sie durch Aufnehmen von immer mehr kurzfristigen Schulden im Ausland begleichen. Diese Situation kann nicht unbegrenzt andauern; ihr plötzliches Ende
könnte verheerende Folgen haben. Daher möchten wir diese Reformen herbeiführen, die es uns gestatten werden, selbst für uns aufkommen zu können.
Unsere Vorschläge sind in der Vergangenheit im nationalen Interesse der
USA vorgelegt worden, und dies wird auch künftig so sein. Aber dies widerspricht nicht den Interessen der anderen Länder. Der internationale Wettstreit verlagert sich von der militärischen und der politischen Ebene auf die
wirtschaftliche. Dies ist ein großer Vorteil, denn beim wirtschaftlichen
Wettbewerb kann jeder Beteiligte gewinnen - es muß keine Verlierer geben.

-8-

�geben. Die Bemühungen jedes Landes, zu produzieren und zu verkaufen, was
es kann, werden den anderen auf das Wirksamste nützen. Dies ist die Grundauffassung unserer Vorschläge für Reformen und der Hauptgrund, warum wir
glauben, daß ein zufriedenstellendes Abkommen erreicht werden kann.
Die allgemeine Voraussage lautet, daß 1973 ein weiteres sehr gutes
Jahr für die amerikanische Wirtschaft sein wird. Ich glaube, daß es ein
großes Jahr sein kann. Es kann ein Jahr sein, in dem wir Arbeitslosigkeit
und Inflation weiter senken und in eine andauernde Periode starken Wachstums,
der Vollbeschäftigung und der Preisstabilität eintreten. Aber 1973 wird nur
dann ein großes Jahr sein, wenn wir unsere Haushaltsprobleme klug meistern
und die von mir vorgeschlagene Zunahme der Bundesausgaben nicht überschreiten. Dies ist die praktische Lehre aus den Erfahrungen der Jahre 1965 bis
1968, als eine zu lockere Haushaltspolitik eine gesunde Expansion in einen
fieberhaften Boom ausgleiten ließ, dem dann eine Rezession folgte. Ich bin
entschlossen, diese Lehre zu beherzigen. Und ich appelliere dringend an den
Kongreß, dies ebenso zu tun.

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6/1973

US-WIRTSCHAFTSBEIRAT FORDERT WEITERE LIBERALISIERUNG DES
WELTHANDELS

Von John Holway

WASHINGTON --(AD)— Mit der Warnung, daß Handelsungleichgewichte nicht nur
der amerikanischen, sondern gleichzeitig auch der Weltwirtschaft schaden,
haben die Vereinigten Staaten in diesen Tagen erneut für 1973 eine stärkere
Öffnung der Grenzen für einen liberalen Handel gefordert.
In seinem Bericht zur Lage der amerikanischen Wirtschaft, der am 31.
Januar veröffentlicht worden war, betont der Wirtschaftsbeirat Präsident
Nixons, daß eine Korrektur der Zahlungsbilanzungleichgewichte zu einem Teil
durch Änderung der Wechselkurse sowie eine wirksamere Anti-Inflationspolitik
in den Vereinigten Staaten erreicht werden kann. Gerade; auf letzterem Gebiet
seien in den letzten 18 Monaten bedeutende Fortschritte erzielt worden.
Aber, so stellt der Wirtschaftsbeirat weiter fest, auch ein Abbau der Handelsschranken könne beträchtlich zur Korrektur der Zahlungsbilanzungleichgewichte beitragen. Bereits 1972 hätten eine Reihe von Ländern, vor allem Japan,
Liberalisierungsmaßnahmen durchgeführt, um die Situation zu entschärfen, und

-1-

�und es stehe zu hoffen, daß 1973 weitere Maßnahmen in diesem Anpassungsprozeß
folgen werden.
Der Bericht weist darauf hin, daß die Errichtung des Gemeinsamen Europäischen Marktes dazu geführt hat, Warenlieferungen von Firmen aus Drittländern
auf Firmen der Mitgliedsstaaten zu verlagern. Und er folgert hieraus, daß "nur
eine ausgehandelte Senkung des allgemeinen Niveaus von tarifären und nicht-tarifären Handelsschranken diese Diskriminierung wirksam beseitigen kann."

In

diesem Zusammenhang warnt der Beirat auch, daß die Präferenz-Handelsabkommen der
EWG mit afrikanischen und anderen Ländern das Meistbegünstigungsprinzip auszuhöhlen drohen. Es sei daher wichtig, daß in den bevorstehenden weltweiten Handelsgesprächen die von den Mitgliedsstaaten des Allgemeinen Zoll-und Handelsabkommens (GATT) in bezug auf das Meistbegünstigungsprinzip übernommenen Pflichten klargestellt werden, nämlich daß eineeinem Gatt-Mitglied eingeräumte Konzession auch allen übrigen Mitgliedern gewährt werden muß.
Die für den Herbst in Genf anberaumten Gespräche sollen sich nach Auffassung des Beirates mit allen Formen von Handelsschranken - den tarifären wie auch
den nicht-tarifären - befassen. Es soll sowohl über den Handel mit industriellen
Erzeugnissen wie auch über den Agrarhandel gesprochen werden, bei dem die Vereinigten Staaten sich benachteiligt fühlen.
Aber der Beirat Präsident Nixons geht noch weiter und fordert eine Reform
des GATT, um diesem eine stärkere Position, vor allem bei Streitigkeiten zwischen
einzelnen Ländern, zu geben. Denn unbereinigte Streitfälle könnten sich leicht
auf die politischen wie auch die Sicherheitsbeziehungen auswirken. In diesem
Zusammenhang wird besonders auf die Bestimmungen des GATT verwiesen, die Ländern eine temporäre Einschränkung der Importe gestatten, sofern sie entsprechende Senkungen bei anderen Handelsschranken vornehmen. Diese Bestimmung hat sich
nach Ansicht der amerikanischen Wirtschaftsberater in der Praxis als nicht
praktikabel erwiesen, und die Regierungen suchten sie zu umgehen. Dem werden die

-2-

�die Vorschläge Präsident Nixons gegenübergestellt, die ein neues System von
Sicherheiten für solche Länder vorsehen, deren Industrie durch den Import
geschädigt wird. Sofern solche Sicherheiten multilateral ausgehandelt sind,
so betont der Beirat, bildeten sie eine versteckte Form des Schutzes. Derartige Sicherheiten brauchten auch nicht kompensierende Konzessionen einzuschließen; aber sie sollten wirksame binnenwirtschaftliche Anpassungen aufweisen, um die Wettbewerbsfähigkeit nicht mehr wettbewerbsfähiger Industrien
wiederherzustellen.
Der amerikanische Bericht impliziert somit, daß die Vereinigten Staaten
die Mitarbeit im GATT weiterhin fortsetzen werden. Die neuen Bestimmungen
über eine Reform des GATT brauchten den substantiellen Verhandlungen nicht
vorauszugehen. Denn jede neu ausgehandelte Vereinbarung würde gleichzeitig
auch zu einer Modifizierung der GATT-Bestimmungen führen. Auf diese Weise
würde eine Reform Hand in Hand mit diesen Verhandlungen erfolgen.
Der Bericht des Beirates widmet drei wichtigen Gebieten besondere Aufmerksamkeit: Dies sind der Handel zwischen Industriestaaten mit einer freien
Wirtschaft, der Handel mit Entwicklungsländern und der Handel mit kommunistischen Ländern. Was den ersten Punkt, den Handel zwischen Industrieländern,
anbetrifft, so verweist der Beirat auf die von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) geleistete Arbeit, die Studien
über Probleme wie Investitionen, Subventionen, tarifäre und nicht-tarifäre
Handelsschranken durchgeführt hat. Der in einer der OECD-Studien gezogene
Vergleich über die Wirkung von Subventionen und Zöllen als Schutz für die
einheimische Industrie veranlaßt den Beirat zu der Feststellung, daß Zölle
vorzuziehen seien, da sie zu Nettoeinnahmen für das; betroffene Land führten,
während aus dem Staatshaushalt gezahlte Subventionen Nettokosten bedeuteten.
Über

-3-

�.

Über die Beziehungen zu den Entwicklungsländern heißt es in dem Bericht, daß beide, die Industriestaaten und die Entwicklungsländer, nur Nutzen
daraus ziehen könnten, wenn das Maß der Willkür bei Handel, Hilfe und Investitionen betreffenden nationalen Entscheidungen eingeengt werde. Die Vereinigten Staaten, so stellt der Beirat fest, unterstützten eine allgemeine
Zollsenkung für Erzeugnisse aus den Entwicklungsländern. Dies sei eine bessere Alternative als Präferenzabkommen, die zahlreiche Entwicklungsländer
mit dem Gemeinsamen Europäischen Markt haben.
Der Beirat Präsident Nixons appelliert schließlich an alle Länder, die
noch nicht Mitglied im GATT sind, die Pflichten einer solchen Mitgliedschaft
auf sich zu nehmen und sich an den bevorstehenden Verhandlungen voll zu beteiligen. Im Gegensatz zu früheren GATT-Abkommen werde es sich, wie der
Beirat betont, bei allen in diesen Gesprächen getroffenen Vereinbarungen um
in sich geschlossene Abkommen handeln. Dies bedeute, daß sie nur für die
Unterzeichnerstaaten gültig sind. Nicht-Mitgliedsstaaten könnten an diesen
Verhandlungen teilnehmen, doch würden sie weniger Einfluß als Vollmitglieder
haben. Und als GATT-Mitglieder würden sie aufgrund des Meistbegünstigtenprinzips automatisch an allen ausgehandelten Zollsenkungen teilhaben.
Zum Handel mit "zentral gelenkten Volkswirtschaften" bemerkt der Bericht,
daß sich der Güteraustausch zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion besonders schnell ausweiten dürfte. Da die kommunistischen Länder jedoch nicht dem GATT angehörten, müßten besondere Bestimmungen über die Errichtung eines multilateralen Systems für einen Zahlungsausgleich ausgearbeitet werden.
Zusammenfassend stellt der Beirat in seinem Bericht fest, wenn alle
Länder sich weiterhin fest zu einem freieren Handel und freieren Investitionen bekennen würden, dann hätten sie aufgrund der internationalen Bestimmungen
zwangsläufig auch die Chance, an den Segnungen einer solchen Liberalisierung

-4-

�Liberalisierung von Handel und Investitionen teilzuhaben,, Allerdings sollten die internationalen Bestimmungen künftig die internationalen Verhaltensnormen genauer definieren und mehr Flexibilität hinsichtlich des Rahmens
bieten, in dem solchen Verantwortungen nachgekommen werden kann. Ein starkes internationales System, und das wird nachdrücklich unterstrichen, müsse
auf einer gesunden Politik der einzelnen Länder zur Förderung des binnenwirtschaftlichen Wachstums und der Preisstabilität basieren.

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6/1973

USA LEGEN DER WELTÖFFENTLICHKEIT VORSCHLÄGE ZUR REFORM DES INTERNATIONALEN WÄHRUNGSSYSTEMS VOR

WASHINGTON —(AD)-- Die jetzt erfolgte Veröffentlichung der amerikanischen
Vorschläge für eine Reform des internationalen Wahrungssystems beantwortet
zahlreiche Fragen, die aufgeworfen worden waren, als der amerikanische
Finanz minister George P. Shultz im September letzten Jahres den amerikanischen Plan in groben Umrissen skiziierte. Mit seinen Ausführungen wollte
Shultz damals die Aufmerksamkeit der Welt auf die Vorschläge der USA richten, in denen der Stand der Währungsreserven eines Landes als bester Indikator dafür bezeichnet worden war, wann von einer Regierung eine Korrektur
eines Zahlungsbilanzüberschusses oder Defizits erwartet werden müsse.
Die jetzt - in Form eines dem Jahresbericht des Wirtschaftsbeirates
des Präsidenten beigefügten Memorandums - veröffentlichten Einzelheiten
der amerikanischen Vorschläge zeigen, daß der US-Plan nicht so stark und
automatisch sein würde, als die ersten Andeutungen dies seinerzeit erwarten
ließen. Der US-Plan würde nicht verlangen, daß eine Regierung - unabhängig
von den anderen Gegebenheiten - einen bereits im voraus festgelegten Schritt
- zum Beispiel eine Änderung ihres Wechselkurses - vornimmt, sobald der

-1-

�der Stand der Währungsreserven einen gewissen Punkt überschreitet. Vielmehr
schlagen die Vereinigten Staaten vor, eine Reihe von Punkten über und unter
einer vereinbarten Zahl, die als normaler Stand der Währungsreserven eines
bestimmten Landes betrachtet würde, festzulegen. Von den Regierungen würde
erwartet werden, auf ihre eigene Weise und nach ihren eigenen Zeitplänen zu
handeln, um internationale Ungleichgewichte zu korrigieren, noch bevor der
"obere" oder der "untere Punkt" zu diesem Basisstand erreicht ist.
Internationale Sanktionen würden zur Verfügung stehen, um Druck auf
eine Regierung auszuüben, die zögert, wirksame Anpassungsmaßnahmen zu ergreifen. Sie würden jedoch nur in dem extremen und unwahrscheinlichen Fall angewandt werden, daß eine Regierung sich weigern sollte, selbst zuerst zu handeln
Außerdem könnte die internationale Völkergemeinschaft - im Internationalen
Währungsfonds (IWF) - für eine Aussetzung des durch die Veränderung der Währungsreserven gegebenen Signals

stimmen, falls ihrer Auffassung nach auch

andere Faktoren berücksichtigt werden sollten oder falls sie der Ansicht ist,
daß die betreffende Regierung bereits wirksame Maßnahmen zur Korrektur der
Situation unternimmt.
Bei Ländern, deren Währungsreserven unter den "unteren Punkt" absinken
und bei denen dieser Zustand längere Zeit anhält, könnten die Sanktionen darin bestehen, daß sie die Kreditprivilegien beim IWF verlieren oder daß ihr
Anteil an der nächsten Zuteilung von Sonderziehungsrechten einbehalten würde.
Eine Regierung, deren Währungsreserven zu schnell ansteigen, könnte zunächst
den Anspruch auf Umwechslung von weiteren, durch Interventionen auf den Devisenmärkten erworbenen zusätzlichen Devisen verlieren. Das heißt, diese Regierung könnte solche Devisenbeträge den betreffenden Ländern nicht mehr vorlegen und ihre Einlösung in Reserveguthaben wie Sonderziehungsrechte oder
Gold fordern. Weiter könnte ein solches Land von der nächsten Zuteilung an
Sonderziehungsrechten ausgeschlossen werden.
Wenn

-2-

�Wenn ein Land weiter Devisenreserven - in Form von nicht-konvertierbaren Währungen - erwirbt, bis seine Gesamtreserven den oberen Punkt erreicht
haben, und wenn dieser Zustand dann eine bestimmte Zeit andauert, so könnten
andere Sanktionen zum Tragen kommen. Zum Beispiel könnte der IWF dritte
Länder ermächtigen, allgemeine Importzölle oder zusätzliche Abgaben auf
Waren des betreffenden Landes zu erheben. Ein solches Land könnte von einer
Zuteilung an Sonderziehungsrechten ausgeschlossen werden, oder es könnte
eine Steuer auf die überhöhten Reservebestände eines solchen Landes erhoben
werdenderen Erträge der Entwicklungshilfe zugutekämen. Derartige Sanktionen
könnten nur vermieden oder hinausgeschoben werden, falls der IWF feststellt,
daß sie nicht gerechtfertigt seien,oder auf der Basis eines vereinbarten Anpassungsprogramms, das zum Beispiel wesentliche Schritte in Richtung auf
Liberalisierung von Importbeschränkungen, die Aufhebung von Kontrollen für
Kapitalabflüsse, die Gewährung ungebundener Hilfe oder eine Aufwertung einschließe .
Es würde jedoch selten, wenn überhaupt jemals, notwendig werden, zu der
artigen internationalen Sanktionen zu greifen. Allein schon die Tatsache ihr
Bestehens und die allgemeine Übereinstimmung, daß die Länder auf einen Ausgleich ihrer internationalen Transaktionen hinarbeiten sollten, würden genügen, um die einzelnen Regierungen zu Maßnahmen zu veranlassen, bevor der
"obere Punkt" erreicht wäre.
Alle «liese Punkte -

der "untere Punkt", der "untere Gefahrenpunkt",

der "Basisstand", der "obere Gefahrenpunkt", der "Konvertibilitätspunkt"
und der "obere Punkt"- würden im Laufe der Zeit in dem Maße heraufgesetzt
werden, wie die gesamten Währungsreserven der Welt infolge der Ausgabe von
Sonderziehungsrechten steigen.
Kleinere Anpassungen der Wechselkurse - Abwertungen für Länder mit Zahlungsbilanzdefiziten, Aufwertungen für Länder mit Zahlungsbilanzüberschüssen - wären ein Weg, wie Regierungen ihre internationalen Zahlungskonten

-3-

�Zahlungskonten ausgeglichen halten könnten. Aber es würde ihnen auch freistehen, andere Anpassungsmethoden zu wählen - solange derartige Methoden
mit den Marktmechanismen, einem liberalen Welthandel und den Bestimmungen
für den Zahlungsverkehr zu vereinbaren wären.
Die neuen amerikanischen Vorschläge gehen davon aus, daß das neue internationale WährungsSystem, wenn es wirksam sein soll, Möglichkeiten einschließen muß, die sicherstellen, daß Ungleichgewichte im internationalen
Zahlungsverkehr angepaßt werden. Nach dem alten System würden Länder mit
Zahlungsbilanzdefiziten stets unter Druck geraten, früher oder später, wenn
ihre Reserven zu Ende gehen, Anpassungen vorzunehmen. Die amerikanischen
Vorschläge zielen darauf ab, einen gleichen Druck auch auf Überschußländer
auszuüben, damit diese aufwerten oder andere Anpassungsmaßnahmen vornehmen.
Und sie sollen beide, Defizit-wie auch Überschußländer, ermutigen, früher
zu handeln, bevor die Ungleichgewichte zu einer ernsthaften Bedrohung der
Stabilität des Systems werden.
Die Notwendigkeit objektiver Indikatoren als Maßstab für das Ergreifen
von Maßnahmen

wird in den amerikanischen Vorschlägen wie folgt erläutert:

"Entscheidungen über Anpassungen sind für jede Regierung häufig schwierig,
und es besteht eine Tendenz, derartige Entscheidungen hinauszuzögern und
ganz zu vermeiden,obwohl schon längst der Zeitpunkt erreicht ist, an dem
eine Anpassungspolitik hätte aufgenommen werden sollen. In gleicher Weise
zögern internationale Gruppen, sich umgehend mit den schwierigen und politisch delikaten Anpassungsfragen zu befassen. Ohne objektive Indikatoren
besteht Gefahr, daß die erforderlichen Maßnahmen nicht ergriffen werden."

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6/1973

USA SETZEN NEUEN PRÄZEDENZFALL FÜR AUSGLEICHSZÖLLE
Von John H.Harter

WASHINGTON —(AD)--Die Vereinigten Staaten haben ein neues Kriterium
für die Erhöhung von Zöllen für Importe geschaffen, die von Subventionen
seitens der Regierungen der Herstellerländer profitieren. Am 8. Januar
führten sie eine zusätzliche Abgabe - einen sogenannten Ausgleichszoll für bestimmte Michelin-Reifen aus Kanada ein, die in etwa wertmäßig der
Subvention entsprechen, die Michelin von der kanadischen Regierung erhalten hat.
Hier handelte es sich nur um eine Maßnahme in einer ganzen Reihe von
Schritten, die eine härtere Haltung der Vereinigten Staaten gegenüber subventionierten Importen erkennen lassen. Andere solche Entscheidungen betrafen Italien, Griechenland und Frankreich, während weitere Fälle
- Mexiko, Südkorea und Japan betreffend - noch geprüft werden.
Die Entscheidung im Falle der Michelin-Reifen ist jedoch die erste,
die gegen eine besondere Art der Subvention, nämlich Zuwendungen für die
Regionalentwicklung, zielt. Durch solche Subventionen soll ein Anreiz für
die Ansiedlung von Industrie in Notstandsgebieten geschaffen werden. Der
scheidende Unterstaatssekretär im amerikanischen Finanzministerium,
Eugene T. Rossides, begründete diese Maßnahme für Fälle, bei denen solche

�solche Subventionen Teil eines starken Exportförderungsprogramms sind, wie
im Falle Michelin.
Rossides betonte in diesem Zusammenhang, daß die Frage zunehmender Regierungssubventionen,die den internationalen Handel verzerren, reif für multilaterale Verhandlungen sei. Alle Regierungen, so führte er aus, unterliegen
einem wachsenden Druck, Produktion und Exporte zu subventionieren - und
zwar nicht nur direkt, sondern beispielsweise auch durch Investitionsanreize
und Rückerstattung indirekter Steuern. Mit der Verschärfung des internationalen Wettbewerbs können solche Subventionen zu einer wachsenden Verzerrung
des Handels führen.
Von amtlicher amerikanischer Seite hofft man, daß in den nächsten Jahren
ein internationales Abkommen erreicht werden kann, das klarere, präzisere
und harmonischere Definitionen und Regeln bezüglich der den Export berührenden Regierungssubventionen enthält.
In Washington wird ferner betont, daß sich die Ausgleichsabgabe für
diese Reifen weder gegen Kanada noch gegen Michel in richtet. Nach einem aus
dem Jahre 1930 stammenden Gesetz ist der Finanzminister gezwungen, eine solche Maßnahme zu treffen, wenn eine Beschwerde eingeht und die Tatsachen erhärtet sind. Rossides wies in diesem Zusammenhang darauf hin, daß auch amerikanische Tochterfirmen im Ausland von einem solchen Schritt betroffen werden
können. Das amerikanische Finanzministerium ist einfach gezwungen, eine solche
Abgabe zu erheben, wenn entsprechende Fakten vorliegen. Mit wachsender Produktion wird dei Ausgleichszoll natürlich entsprechend geringer.
Im vorliegenden Fall beträgt der normale Einfuhrzoll für Reifen in den
USA vier Prozent; die Ausgleichsabgabe ist laut Amtsblatt des Finanzministeriums auf 6,6 Prozent fob (free on board) des Reifenwertes festgelegt worden. Der Einfuhrzoll für Reifen beträgt in Kanada übrigens generell 17 Pro-

-2-

�I

Wie Rossides betonte, hat die Firma Michelin selbstverständlich das
Recht, den Fall vor das Amerikanische Zollgericht und im Falle eines Einspruches vor das Amerikanische Zoll-und Patent-Appellationsgericht zu bringen.
Während die meisten Länder in ihren Gesetzen über Ausgleichsabgaben
sogenannte "Schadensklauseln" haben - gemäß Artikel VI des Allgemeinen Zollund Handelsabkommens (GATT) - sind die Vereinigten Staaten von dieser Klausel
befreit, da sie das entsprechende Gesetz bereits vor ihrem Beitritt zum GATT
verabschiedet hatten. Das amerikanische Gesetz verlangt keinen Nachweis eines
Schadens für die einheimische Wirtschaft. Dies hat in anderen Handelsnationen
Besorgnis erregt.
Die Vereinigten Staaten haben zu erkennen gegeben, daß sie bereit wären,
im Zuge ernsthafter Verhandlungen über feste Regeln für Exportsubventionen
eine solche "Schadensklausel" zu erwägen. Bisher haben andere Regierungen jedoch noch wenig Interesse an diesem Vorschlag gezeigt.

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US-RAUMFAHRT MIT KURZUNGEN
--(AD)-- Wenn der Kongreß zustimmt, werden 3,136 Milliarden Dollar der
Rahmen sein, in dem das US-Amt für Luft-und Raumfahrt (NASA) im Haushaltsjahr 1974 tätig sein kann. Das Budget ist zwar um 74 Millionen Dollar gegenüber 1973 erhöht, jedoch entspricht dies angesichts des allgemeinen
Kostenanstiegs von ca. 5 Prozent einer Reduzierung der Geldmittel um etwa
400 Millionen Dollar.
Die NASA bemüht sich, alle wesentlichen Elemente eines ausgewogenen
und produktiven Luft-und Raumfahrtprogramms zu erhalten. Das bedeutet, daß
es bei der experimentellen Raumstation SKYLAB, dem wiederverwendbaren Raumtransporter, dem amerikanisch-sowjetischen Gemeinschaftsprojekt AP0LL0SOJUS, dem Unternehmen VIK1NG (weiche Landung einer unbemannten Sonde auf
dem Mars), dem MARINER-Flug zu den Großplaneten Jupiter und Saturn, verschiedenenAnwendungssatelliten und bestimmten aeronautischen Entwicklungsprojekten keine Streichungen, allenfalls eine zeitliche Streckung geben
wird.
Ein Drittel der für 1974 verfügbaren Gelder ist für bemannte Unternehmen bestimmt. So werden die Vorbereitungen für den APOLLO-SOJUS-Flug zügig
weitergeführt. Dagegen dürften die Arbeiten am Raumtransporter eine gewisse

-1-

�I
gewisse Verzögerung erfahren. Der erste "Space Shuttle"-Flug wird deshalb
kaum vor 1980 zu erwarten sein.
Die zusammen mit der AEC durchgeführten Entwicklungsarbeiten an
Nukleartriebwerken werden vorläufig eingestellt, da ein Einsatz von Raketen
mit nuklearem Antrieb frühestens in den achtziger Jahren in Frage käme.
Auch das HEAO-Projekt fällt dem Rotstift zum Opfer. HEAO, ein tonnenschwerer
Astronomie-Forschungssatellit»sollte u. a. Detailbeobachtungen im Bereich
hochenergetischer Strahlen und die Untersuchung höchst komplizierter kosmischer Prozesse ermöglichen. Man hofft aber, einen Teil seiner Aufgaben von
kleineren Forschungssatelliten ausführen zu lassen.
Völlig aufgegeben werden die längerfristigen Projekte auf dem Gebiet
der Nachrichtensatelliten, da die Industrie jetzt in der Lage ist, diese
in eigene Regie zu übernehmen. Der Anwendungssatellit ATS-F, der 1974 gestartet werden soll, wird das letzte NASA-Gerät aus dieser Satellitengruppe
sein.
Der ursprünglich für Ende 1973 vorgesehene Start des zweiten Erdbeobachtungssatelliten (ERTS-B) wird auf 1976 verschoben, damit alle Möglichkeiten für Verbesserungen gegenüber dem ersten Gerät (ERTS-A/1) ausgeschöpft
werden können. Dieses umkreist seit Sommer 1972 die Erde täglich 14 Mal,
funktioniert ausgezeichnet und wird eine sehr viel längere Lebensdauer haben
als ursprünglich erwartet. Durch seine Aufnahmen liefert es eine Flut von
Meßdaten und Hinweisen, von denen Land-, Forst-und Wasserwirtschaft,
Schiffahrt und Hochseefischerei, Geologie, Geographie und Kartographie,
Raumplanung und Umweltschutz profitieren können - um nur die wichtigsten
Sektoren zu nennen. Von der Raumstation SKYLAB aus (Starttermin: 30. April
1973) sollen die Beobachtungen noch ergänzt und vertieft werden. Die drei
SKYLAB-Astronautenteams arbeiten dabei im Auftrag amerikanischer und ausländischer - auch deutscher - Institute.
Zwei

-2-

�Zwei Satellitenprojekte werden in das NASA-Programm neu aufgenommen.
Bei dem einen handelt es sich um eine spezielle Ausführung des bewährten
NIMBUS-Wettersatelliten, durch den nicht nur Wolkenfelder, Wasser-und Bodentemperaturen, sondern auch Luft-und Meeresverschmutzung überwacht werden
sollen. Das zweite ist ein neuartiges Gerät für die Landvermessung
("Terrestrial Reference Satellite"). Dieser Satellit, der 1976 auf eine
Erdumlaufbahn gebracht wird, soll in Verbindung mit Laser-Meßverfahren helfen, die Abstände zwischen den Kontinenten der Erde auf wenige Zentimeter
genau zu bestimmen.
Auch auf dem Sektor Luftfahrt, wo in den NASA-Instituten Grundlagenund angewandte Forschung für die Weiterentwicklung ziviler und militärischer
Fluggeräte betrieben wird, gibt es Kürzungen. So wird das Projekt QUESTOL
(geräuscharmer Steigflug von Kurzstartflugzeugen) vorläufig eingestellt, da
kommerzielle Fluggeräte dieses Typs erst in den achtziger Jahren eingesetzt
werden dürften. Die Arbeiten zur Entwicklung geräuscharmer Motoren gehen
jedoch weiter.
Die vorgesehenen Einsparungen werden dazu führen, daß einige NASA-Laboratorien verkleinert oder, wie die Station Plum Brook (Ohio), wo nukleare
Triebwerke getestet wurden, geschlossen werden. Von den Maßnahmen sind
1 880 Angestellte der US-Weltraumbehörde betroffen.

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VITAMIN B 12 SYNTHETISCH DARGESTELLT

- (AD) - Der "Nachbau" des ungemein komplizierten Moleküls von Vitamin
B 12 ist einer amerikanisch-schweizerischen Forschergruppe unter der Leitung
von Dr. Robert B. Woodward (Harvard-Universität in Cambridge, Mass.) und
Dr. Albert Eschenmoser (Eidgenössische Technische Hochschule Zürich) gelungen.
Da das natürliche Vitamin, eines der wichtigsten der Vitamin-B-Gruppe, relativ
billig und leicht zu gewinnen ist, kommt der Synthese vorerst keine besondere
Bedeutung für die klinische Anwendung zu. Nach Meinung Dr. Woodwards, dem
1965 der Chemie-Nobelpreis für seine außergewöhnlichen Leistungen auf dem Gebiet der organischen Synthese (u.a. von Chinin, Cortison, Reserpin und einigen
Antibiotika) zuerkannt wurde, könnte sie jedoch den Weg zur Produktion zahlreicher neuer Arzneimittel auf der Grundlage der chemischen Synthese und nicht
zuletzt von Präparaten mit einem synthetischen Wirkstoff weisen, der dem natürlichen Vitamin vielleicht sogar überlegen ist.

Vitamin B 12 ist vor allem zur Behandlung von perniziöser Anämie von
Bedeutung. Ein Mangel an diesem Vitamin, das heute zu den biologisch aktivsten
überhaupt gerechnet wird, mindert z.B. die Bildung von Aminosäuren und Proteinen und blockiert die Bildung von Ribonukleinsäure. Störungen dieser Art
wirken sich vor allem auf das Nervengewebe und das Knochenmark als blutbildendes Organ aus.

Elf

�Elf Jahre arbeiteten die Forscher an der B12-Synthese. Im Gegensatz
zu den kettenförmigen Proteinen und Nukleinsäuren mit sich wiederholenden
"Blöcken" im Aufbau ist das kleine B 12-Molekül von anderer Struktur;
Woodward bezeichnet es als "das komplizierteste nichtmakromolekulare Naturprodukt". Im Verlauf der langwierigen theoretischen Vorarbeiten und Versuche
entdeckte Woodward gemeinsam mit Prof. Ronald Hoffman von der Cornell-Universität neue, bisher nicht bekannte Gesetzmäßigkeiten in der organischen
Chemie, die "orbitale Symmetrie". Diese Regeln bestimmen bis zu einem gewissen Grade die Art und Weise, wie sich z.B. Atome von Wasserstoff, Kohlenstoff, Stickstoff, Phosphor und Sauerstoff zu den Bausteinen der lebenden
Materie arrangieren und Atome sogenannter Spurenelemente für wichtige Reaktionen nutzen.

+ + + ++

�</text>
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und
Dokumentation

08-85432

14. Februar 1973

Nummer

Inhalt

WIRTSCHAFT:
Erklärung von US-Finanzminister Shultz vom 12. Februar 1973 zur
Abwertung des Dollar
-Wortlaut-

INFORMATION:
i

Das neue amerikanische Kabinett

HINTERGRUNDMATERIAL:
Das neue Bevölkerungsportrait der Vereinigten Staaten
-Bericht des Statistischen Bundesamtes-

WISSENSCHAFT UND TECHNIK:
ERTS -Augen sehen mehr
Ermutigender Auftakt für Erderkundung mit Satelliten
Von G.Weiss
u^

Nationale Maßnahmen sind nicht genug
v&gt;j-JUS-Rauschgiftkommission fordert weltweite Aktionen gegen DrogenmißbrauchKrebstierschalen als chemischer Rohstoff
-Modellanlage koppelt Chemikaliengewinnung mit Produktion von Protein- Konzentrat-

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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7/1973

ERKLÄRUNG VON US-FINANZMINISTER SHULTZ VOM 12. FEBRUAR 1973
ZUR ABWERTUNG DES DOLLAR
-Wortlaut -

WASHINGTON --(AD)— Der amerikanische Finanzminister George P. Shultz
hat am Abend des 12. Februar (Washingtoner Zeit) eine längere Erklärung
abgegeben, in der er bekanntgab, daß Präsident Nixon den Kongreß um eine
Abwertung des US-Dollar um 10 Prozent von einer Parität von 0,92106 SDR
(Sonderziehungsrechte) auf 0,82895 SDR ersucht hat.
Die Erklärung des amerikanischen Finanzministers hat folgenden Wortlaut:
"Die Vereinigten Staaten erkennen, wie andere Länder, die Notwendigkeit einer Reform und Stärkung des Rahmens für den internationalen Handel
und für internationale Investitionen an. Dieser Rahmen muß unser Grundziel,
nämlich die Steigerung des Lebensstandards aller Nationen, stützen. Er muß
den friedlichen Wettbewerb ermutigen, der dem wirtschaftlichen Fortschritt
und der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit zugrundeliegt. Er muß für jede
Nation Raum lassen, bei einer Beteiligung an den gegenseitigen Vorteilen
des Handels ihre eigenen Institutionen und ihre eigenen besonderen Ansprüche zu respektieren. Er muß die fundamentale Wahrheit in sich enthalten,
daß die Prosperität eines Landes nicht auf Kosten eines anderen angestrebt
werden darf.
Diese

�Diese große Reformaufgabe ist nicht nur einem Lande allein gestellt,
noch kann sie mit einem einzigen Schritt gelöst werden. Wir können mit Befriedigung auf das zurückblicken, was auf kooperativer Basis erreicht worden ist, seit die am 15. August 1971 verkündeten Maßnahmen eindeutig unsere
Erkenntnis der Notwendigkeit einer entscheidenden Änderung signalisiert
haben.
-- Intensive Verhandlungen schufen im Dezember 1971 eine wichtige
Tatsache: Über Veränderungen in dem System der Wechselkurse der
Welt, einschließlich der Parität des US-Dollar, kann beiderseitiges Übereinkommen erreicht werden, um das anerkannte Ziel eines
besseren Ausgleichs in der internationalen Handels-und Zahlungsbilanz zu fördern.
-- Im "Zwanziger-Ausschuß1 sind Währungsverhandlungen unter der Prämisse eingeleitet worden, daß bessere Mittel und Wege gefunden
werden müssen, um große Zahlungsbilanz-Ungleichgewichte zu verhindern, die die Volkswirtschaften verzerren, die Geldmärkte beunruhigen und den freien Fluß des Handels bedrohen. Die Vereinigten Staaten haben praktische und spezifische Vorschläge für eine internationale Währungsreform vorgelegt.
-- Für umfassende Handelsverhandlungen werden die Grundlagen gelegt.
Diese Verhandlungen sollten über Industriezölle hinausgehen und
auch andere Hindernisse für den freien Warenfluß einschließen.
Sie sollten für die Erzeugnisse aller Länder eine faire Behandlung
im Wettbewerb sicherstellen. Sie sollten auch vereinbarte Mittel
und Wege suchen, um abrupte Dislokationen von Arbeitern und Unternehmen zu vermeiden.
Im September 1972 erklärte der Präsident den führenden Vertretern der
Finanzwelt: »Es ist nunmehr die Zeit des Handelns an der gesamten Front der
internationalen Wirtschaftsprobleme gekommen. Immer wiederkehrende Währungs-

-2-

�'

Währungskrisen, wie wir sie alle während des letzten Jahrzehnts nur zu oft
erlebt haben; unfaire Wechselkursfestsetzungen und Handelsvereinbarungen,
die die Arbeiter eines Landes gegenüber denen eines anderen Landes benachteiligen; große Unterschiede im Grad der wirtschaftlichen Entwicklung, die
die Ursache von Verstimmungen sind; ein Währungssystem, das keine Bestimmungen für die Realitäten der Gegenwart und die künftigen Erfordernisse enthält ••- dies alles schädigt nicht nur unsere Volkswirtschaften, sondern
schafft politische Spannungen, die die Sache des Friedens untergraben.*
Auf derselben Tagung habe ich die Prinzipien eines Währungssystems umrissen, das alle Nationen, einschließlich der Vereinigten Staaten, in die
Lage versetzen würde, ein Gesamtgleichgewicht in ihren internationalen Zahlungsbilanzen zu erreichen und aufrechtzuerhalten. Diese Prinzipien würden
eine prompte Anpassung fördern und würden eine gerechte Behandlung aller
Nationen - groß und klein, reich und arm - bieten.
In den letzten Monaten haben wir jedoch beunruhigende Anzeichen erlebt.
Unser eigener Handel blieb weiterhin in einem ernsten Defizit, was unsere
Finanzposition nach außen schwächte. Andere Länder waren bei der Beseitigung
ihrer exzessiven Überschüsse langsam und trugen damit zur Unsicherheit und
Instabilität bei. In den letzten Tagen haben Währungsstörungen die Devisenmärkte der Welt erschüttert. Unter dem Druck der Ereignisse haben einige
Länder mit zusätzlichen Restriktionen reagiert und haben sich damit gefährlich von den von uns angestrebten Grundzielen entfernt.
Die Fortschritte bei der Arbeit des Zwanziger-Ausschusses waren zu
langsam und sollten mit einem größeren Sinn für Dringlichkeit betrieben werden. Die Zeit ist jetzt gekommen, da unsere Bemühungen um eine stärkere internationale Wirtschaftsordnung einen erneuten Anstoß erfahren sollten.
Zu diesem Zweck ergreifen wir in Konsultationen mit unseren Handelspartnern und unter Wahrung der grundlegenden Prinzipien unserer Vorschläge für
eine Währungsreform eine Reihe von Maßnahmen, mit deren Hilfe drei miteinander zusammenhängende Zielsetzungen erreicht werden sollen:
a)

-3-

�a) eine beschleunigte Verbesserung unserer Handels-und Zahlungsposition
und zwar in einer Weise, die unsere Bemühungen um eine konstruktive
Reform des Währungssystems unterstützt;
b) die Schaffung der legislativen Grundlage für umfassende und nach
außen orientierte Handelsverhandlungen, die parallel zu unseren Bemühungen um eine Stärkung des Währungssyst ans laufen, und
c) die Garantie, daß die amerikanischen Arbeiter und Geschäftsleute
in unseren Handelsbeziehungen gerecht behandelt werden.
Deshalb ersucht der Präsident den Kongreß, eine weitere Anpassung
der Wechselkurse zu billigen. Dieses Ziel wird durch eine formelle Abwertung
des Dollar um 10 Prozent von einer Parität von 0,92106 SDR auf 0,82895 SDR
angestrebt.
Obwohl diese Maßnahme gemäß den bestehenden Artikeln des Abkommens über
den Internationalen Währungsfonds (IWF) zu einer Änderung der offiziellen
Relation des Dollar zum Gold führen wird,möchte ich betonen, daß diese technische Änderung keine praktische Bedeutung hat. Der Marktpreis des Goldes
wich in den letzten Jahren schon stark von dem offiziellen Goldpreis ab,
und unter diesen Bedingungen wurde Gold in keinem nennenswerten Ausmaß mehr
zwischen internationalen Währungsstellen transferiert. Wir sind weiterhin mit
allem Nachdruck der Ansicht, daß ordnungsgemäße Abmachungen ausgehandelt werden müssen, um einen kontinuierlichen Abbau der Rolle des Goldes in internationalen Währungsangelegenheiten zu fördern.
Konsultationen mit unseren führenden Handelspartnern in Europa geben mir
Gewißheit,daß die vorgeschlagene Änderung in der Parität des Dollar für sie
akzeptabel ist und daher für die Wechselkurse des Dollar auf den internationalen Märkten sofort wirksam werden wird. Der Dollar wird gegenüber jenen
Währungen, für die es eine effektive Parität gibt, wie beispielsweise die
Deutsche Mark und der französische Franc, im Wert um etwa 10 Prozent sinken.
Zuständige

�Zuständige japanische Behörden haben angedeutet, daß dem Yen erlaubt
wird, zu floaten. Wir hegen die feste Erwartung, daß der Yen in ein Verhältnis gegenüber anderen Währungen floaten wird, das mit dem Ziel vereinbar
ist, ein Zahlungsbilanzgleichgewicht zu erreichen, das nicht von wesentlichen Regierungsinterventionen abhängig ist.
Diese Veränderungen sollen die im Smithsonian-Abkommen vom Dezember
1971 erreichten Veränderungen ergänzen und in der gleichen Richtung wirken.
Sie stellen jüngste Entwicklungen in Rechnung und sollen die Verbesserung
unserer Handels-und Zahlungsposition beschleunigen. Sie sind vor allem darauf abgestellt, zusammen mit einer angemessenen Liberalisierung des Handels
das große ZahlungsbilanziUngleichgewicht zwischen Japan und den Vereinigten
Staaten zu korrigieren, das im vorigen Jahr angehalten hat.
Andere Länder mögen ebenfalls Veränderungen ihrer Paritäten oder
Mittelkurse gegenüber dem Internationalen Währungsfonds vorschlagen. Wir
werden alle Änderungen unterstützen, die auf der Basis der gegenwärtigen und
voraussichtlichen Zahlungsbilanz-Ungleichgewichte angebracht erscheinen;
wir werden jedoch gegen alle Veränderungen stimmen, die unangemessen sind.
Wir haben gelernt, daß es Zeit braucht, bevor neue Wechselkursrelationen eingefahrene Wege des Handels-und Kapitalflusses ändern. Es kann jedoch
kein Zweifel bestehen, daß wir eine große Verbesserung der Wettbewerbsposition des amerikanischen Arbeiters und der amerikanischen Unternehmen erreicht haben.
Die zu diesem Zeitpunkt festgelegten neuen Wechselkurse stellen eine
vernünftige Abschätzung der Beziehungen dar, die - zusammen mit geeigneten
Maßnahmen zur Beseitigung bestehender Handels-und Investitionsbeschränkungen mit der Zeit die internationalen Wirtschaftsbeziehungen in ein dauerhaftes
Gleichgewicht führen werden. Wir haben jedoch für die amerikanische Regierung keine Verpflichtungen übernommen, auf ausländischen Devisenmärkten
zu intervenieren.
Zweitens,

-5-

�Zweitens, der Präsident hat beschlossen, dem Kongreß in Kürze Vorschläge für eine umfassende Handelsgesetzgebung vorzulegen. Vor der Unterbreitung
dieser Gesetzesvorlagen werden intensive Konsultationen mit Vertretern des
Kongresses, der Gewerkschaften, der Landwirtschaft und der Unternehmer abgehalten werden, um sicherzustellen, daß die Gesetzgebung unseren Erfordernissen soweit wie möglich entspricht.
Diese Gesetzgebung sollte uns unter anderem die Werkzeuge an die Hand
geben, die wir brauchen, um
I. tarifäre und nicht-tarifäre Handelsschranken abzubauen, wobei wir
von der Annahme ausgehen, daß unsere Handelspartner bereit sind, mit
uns zusammen voll an diesem Prozeß mitzuwirken;
II. Zölle zu erhöhen, wenn solche Maßnahmen zu Vorkehrungen beitragen,
die sicherstellen, daß amerikanische Exporte einen fairen Zugang zu
ausländischen Märkten haben;
III. Sicherheitsmaßnahmen gegen die Störung bestimmter Märkte und Produktionen durch rasche Veränderungen im Außenhandel vorzunehmen; und
IV. unsere Außenposition gegen große und anhaltende Defizite zu schützen.
Bei der Vorbereitung dieser Vorlage ist es ein besonderes Anliegen des
Präsidenten, daß - so tüchtig unsere Arbeiter und Geschäftsleute auch sein
und wie immer Wechselkurse auch geändert werden mögen - die amerikanischen
Produzenten fair behandelt werden und einen fairen Zugang zu ausländischen
Märkten haben. Zu oft sind wir durch ein Netz administrativer Schranken und
Kontrollen ausgeschlossen worden. Darüberhinaus sind die für Handelsbeziehungen geltenden Regeln in vielen Fällen veraltet und bewürfen wie unsere internationalen Währungsregeln einer umfassenden Reform.
Man kann uns nicht vor unüberwindliche Schranken für unsere Exporte stellen und gleichzeitig von uns erwarten, unser Defizit abzubauen.
Gleichzeitig

-6-

�Gleichzeitig müssen wir jedoch einsehen, daß auch die Vereinigten Staaten auf manchen Gebieten der Handelsschranken bezichtigt werden können. Der
beste Weg, um mit diesen Hindernissen auf beiden Seiten fertig zu werden,
ist der, sie zu beseitigen. Wir werden hart verhandeln, um dieses Ziel zu
erreichen. Ich bin überzeugt, daß die amerikanischen Arbeiter und die amerikanischen Verbraucher die Nutznießer sein werden.
Wenn der Präsident jetzt dieses Gesetz vorschlägt, so tut er dies in
der Erkenntnis, daß die Entscheidung, vor der wir stehen, nicht lautet, mehr
Freiheit oder Status Quo. Es geht darum, unsere Außenhandelsposition zu verbessern. Wenn wir dieses Ziel nicht im Rahmen eines freieren und faireren
Handels erreichen können, so wird sich ein starker Druck in Richtung auf eine
Wendung nach innen herausbilden.
Wir müssen dieses Risiko vermeiden, weil dieser Weg zu gegenseitigen
internationalen Beschuldigungen, zu Isolierung und zu Autarkie führen würde.
Drittens werden wir nach Koordinierung mit dem Handelsminister die Zinsausgleichsteuer und die Kontrollen des Amtes für Direktinvestitionen im
Ausland auslaufen lassen. Beide Kontrollmaßnahmen werden spätestens bis zum
31. Dezember 1974 aufgehoben werden.
Wie mir mitgeteilt wurde, wird auch der Federal Reserve Board entsprechende Maßnahmen bei seinem freiwilligen Programm zur Beschränkung von Auslandskrediten in Erwägung ziehen.
Der schrittweise Abbau dieser Beschränkungen ist angebracht angesichts
der Verbesserungen unserer grundlegenden Zahlungsbilanzposition, die durch
die kumulative Wirkung der Veränderungen der Wechselkurse, den anhaltenden
Erfolg bei der Eindämmung der inflationistischen Tendenzen und die Anziehungskraft der amerikanischen Wirtschaft auf ausländische Investoren erreicht
werden wird. Die Beendigung der Beschränkungen für die Kapital ströme ist angesichts unseres großen Zieles angebracht, die staatlichen Kontrollen privater Transaktionen abzubauen.
Die

-7-

�Die Maßnahmen, die ich heute verkündet habe - die Neufestsetzung der
Wechselkurse, das vorgeschlagene neue Außenhandelsgesetz und die Einstellung
der amerikanischen Kontrollen für den Kapitalverkehr - werden mit dazu beitragen, unsere Volkswirtschaft und die Weltwirtschaft dem Zustand eines internationalen Gleichgewichtes bei gleichzeitiger wettbewerbsorientierter
Freiheit näherzubringen. Sie werden das Tempo einer erfolgreichen internationalen Währungs-und Handelsreform beschleunigen.
Sie wollen und können aber kein Ersatz für ein wirksames Management
unserer Binnenwirtschaft sein. Was die Einschränkungen im Staatshaushalt und
auf monetärem Gebiet sowie die wirksamen Maßnahmen zur Lohn-und Preisstabilisierung angeht, so muß und wird die Disziplin mit allem Nachdruck aufrechterhalten werden. Wir haben einen Staatshaushalt vorgeschlagen, der ein Wiederaufleben des inflationistischen Drucks in den Vereinigten Staaten verhindern wird. Wir fordern den Kongreß erneut auf, angesichts unserer internationalen Finanzerfordernisse wie auch um der wirtschaftlichen Stabilität im
Inland willen seinen Teil dazu beizutragen, die Bundesausgaben im Rahmen der
vom Haushalt des Präsidenten gesteckten Grenzen zu halten. Das wirksame
System zur Kontrolle von Preisen und Löhnen bleibt weiter bestehen, Die
jüngsten internationalen wirtschaftlichen Entwicklungen unterstreichen die
Notwendigkeit, diese Kontrollen so zu handhaben, daß die Inflationsrate
weiter gesenkt wird. Wir sind entschlossen, dies zu tun.
Die Mitarbeit unserer wichtigsten Handels-und Finanzpartner bei der Entwicklung einer gemeinsamen Lösung für die akuten Schwierigkeiten der letzten
Tage war ermutigend. Wir fordern sie nunmehr auf, sich uns in dem Bemühen anzuschließen, möglichst rasch ein wirksameres internationales Währungssystem
und ein gerechteres und freieres Welthandelssystem zu schaffen, damit wir
künftig Anpassungen ohne Krisen vornehmen können und damit alle Menschen
aus Handel und Wandel den größten Nutzen ziehen.
+-H-

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DAS NEUE AMERIKANISCHE KABINETT

WASHINGTON --(AD)-- Nachdem der amerikanische Senat den Ministerernennungen
Präsident Nixons zugestimmt hat, hat das neue Kabinett der USA jetzt
folgende Zusammensetzung:
Vizepräsident:

Spiro T. Agnew

Außenminister:

William P. Rogers

Stellvertretender Außenminister:

Kenneth Rush

Staatssekretär für Politische Angelegenheiten:

William J. Porter

Staatssekretär für Wirtschaftliche Angelegenheiten:

William J. Casey

Staatssekretär für die Koordinierung der
S icherheitshilfeprogramme:

Curtis W. Tarr

Verteidigungsminister:

Elliot Richardson

Stellvertretender Verteidigungsminister:

William P. Clements jr,

Finanz-

�Finanzminister:

George P. Shultz

Stellvertretender Finanzminister:

William E. Simon

Staatssekretär für Monetäre Angelegenheiten:

Paul A. Volcker

Handelsminister:

Frederick Dent

Innenminister:

Rogers C. B. Morton

Justizminister:

Richard Kleindienst

Stellvertretender Justizminister:

Joseph P. Sneed

Generalanwalt:

Robert H. Bork

Landwirtschaftsminister:

Earl Butz

Gesundheits-, Erziehungs-und Sozialminister:

Caspar W. Weinberger

Arbeitsminister:

Peter J. Brennan

Minister für Wohnungsbau-und Städteplanung:

James F. Lynn

Verkehrsminister:

Claude S. Brinegar.

Die Leiter der wichtigsten Bundesbehörden und Beiräte sind:
Generalpostmeister:

Eimer T. Klassen

Atomenergiekommission:

Dr. Dixy Lee Ray
Zentral-

-2-

�Zentralamt für Nachrichten und Abwehr (CIA):

James R. Schlesinger

Wirtschaftsbeirat des Präsidenten:

Herbert Stein

Beirat für Wirtschaftspolitik:

Finanzminister
George P. Shultz

Lebenshaitungskostenrat:

Donald S. Perkins

Bundesamt für Umweltschutz:

William D. Ruckeishaus

Bundeshandelskommission:

Lewis A. Engman

Bundesamt für die Seeschiffahrt:

Helen Bentley

Bundesluftfahrtsamt:

Alexander P.Butterfield

Bundesamt für Planung und Haushalt:

Roy L. Ash

US-Informationsamt:

James Keogh

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7/1973

DAS NEUE BEVÖLKERUNGSPORTRAIT DER VEREINIGTEN STAATEN
-Bericht des Statistischen Bundesamtes-

Das Statistische Bundesamt der USA hat zu
Ende vorigen Jahres unter dem Titel "General
Social and Economic Characteristics: U.S.
Summary" in einem umfangreichen Band die
Ergebnisse der großen Volkszählung aus dem
Jahre 1970 veröffentlicht und Vergleiche mit
vorherigen Volkszählungen seit 1900 angestellt. Das amerikanische Handelsministerium
hat in seiner Publikation "Commerce Today"
vom 13. November 1972 eine Zusammenfassung
des Berichtes hinsichtlich der heutigen
Bevölkerungsstruktur vorgenommen, die wir
hier im wesentlichen wiedergeben.
Der vorgenannte Bericht des Statistischen
Bundesamtes der USA ist zum Preise von
2,25 Dollar erhältlich beim:
Superintendent of Documents, Government Printing Office, Washington, D.C. 20402

Wo der Amerikaner und die Amerikanerin heute leben und arbeiten, wie
es um ihre Familie und ihren Lebensstil bestellt ist und vor allem, welche
Veränderungen und Verlagerungen seit den vorangegangenen Jahrzehnten aufgetreten sind, das alles geht aus dem reich und bunt illustrierten umfassenden
Bericht des Statistischen Bundesamtes über die Volkszählung 1970 hervor.

�hervor. Besonders hervorstechende Merkmale sind, daß heute fast ebenso viele
Personen ihren Arbeitsplatz in den Vororten haben wie in den Stadtkernen und
daß gegenüber 1940 mit 20 Prozent heute fast 50 Prozent der amerikanischen
Frauen zwischen 45 und 64 Jahren berufstätig sind. Aber auch der Status der
Schwarzen und der anderen Minderheiten und die Rolle der jungen und der alten
Menschen wird eingehend untersucht.
Im einzelnen zeigt der Bericht auf:
-- Im Jahre 1970 waren 40 Prozent der amerikanischen Frauen über 14
Jahre berufstätig - gegenüber 25 Prozent im Jahre 1940.
-- Die Zahl der Männer in akademischen und technischen Berufen nimmt
rascher zu als die Zahl der Frauen, und die Zahl der farbigen Frauen nimmt
rascher zu als die Zahl der weißen Frauen.
-- Im Jahre 1970 wurden insgesamt 28,1 Millionen Kriegsteilnehmer gezählt, davon fast die Hälfte aus dem Zweiten Weltkrieg.
-- Die Zahl der Kinder unter 18 Jahren, die mit beiden Elternteilen leben, ging von 1960 bis 1970 von 86,8 Prozent von insgesamt 64,3 Millionen um
4,1 Prozent auf 82,7 Prozent von insgesamt 69,9 Millionen zurück.
-•&gt; Insgesamt 2 685 144 beschäftigte Amerikaner hatten 1970 ihren Arbeitsplatz im Hause, die meisten davon Farmer.
-- Von den Jugendlichen zwischen 16 und 21 Jahren verlassen 15,2 Prozent
die Schule vorzeitig, davon mehr auf dem Lande als in der Stadt.
-- Die Zahl der amerikanischen Regierungsbediensteten auf Bundes-,
einzelstaatlicher und kommunaler Ebene hat sich von 1960 bis 1970 um fabt
4,5 Millionen auf 12 320 637 oder 14 Prozent der männlichen und 19,5 Prozent
der weiblichen Arbeitnehmer insgesamt erhöht.
-- Im Jahre 1969 hatten siebenmal mehr Frauen und viermal mehr Männer
ein Einkommen über 10 000 Dollar jährlich als 1959.
--Über

-2-

�•• Über 25 Prozent der im Nordosten der USA und 20 Prozent der im Westen
der USA lebenden Personen sind ausländischer Herkunft oder stammen von im
Ausland geborenen Eltern.
-- Die Amerikaner sind etwas seßhafter geworden. Am 1. April 1970
wohnten 53 Prozent der Bevölkerung im Alter über fünf Jahre am selben Wohnort wie vor fünf Jahren - die Vergleichszahl 1960 war 50 Prozent, wobei kaum
ein Unterschied zwischen Weißen und Schwarzen zu verzeichnen war.
-- Rund 20 Prozent der Familien in den USA hatten 1970 ein Einkommen
von 5 000 Dollar jährlich oder darunter, 20 Prozent hatten ein Einkommen
von 15 000 Dollar und darüber, und nur 5 Prozent oder 2,4 Millionen Familien hatten ein Einkommen von 25 000 Dollar jährlich und darüber. Rund 10
Prozent aller Familien hatten eine Frau als Haushalt.svorstand.

Die Vororte
Am 1. April 1970 hatten 52 Prozent der in den städtischen Ballungsgebieten beschäftigten Amerikaner - 11 224 000 - ihren Arbeitsplatz im
Stadtkern und 48 Prozent - 10 158 000 - in den Vororten. Im Gebiet von
Groß-New York liegen noch immer zwei Drittel der Arbeitsplätze im Stadtkern.
Die Volkszählung ergab ferner, daß 4, 2 Millionen Beschäftigte mit
Bus oder Straßenbahn, 1,8 Millionen mit U-Bahn oder Hochbahn, 500 000 mit
der Eisenbahn und 300 000 mit dem Taxi zur Arbeit kommen. Immerhin 5,7
Millionen gehen zu Fuß, aber 59,7 Millionen kommen als Fahrer oder Mitfahrer mit dem Automobil zur Arbeit.

Die Frau

�Die Frau
Auf 95 Amerikaner männlichen Geschlechtes kommen 100 weiblichen Geschlechtes. Die zunehmende Beteiligung der Frauen am Arbeitsleben wird in
allen Altersgruppen deutlich: in der Altersgruppe zwischen 45 und 64 stieg
der Anteil von 20,2 Prozent im Jahre 1940 auf 47,8 Prozent im Jahre 1970;
zwischen 35 und 44 von 27,2 Prozent auf 50,3 Prozent;

zwischen 25 und 34

von 33,3 Prozent auf 44,9 Prozent; während beispielsweise in der Altersgruppe von 20 bis 24 der Prozentsatz von 45,6 auf 56,1 und bei den 18 und ^jährigen von 40,1 auf 47,4 nur geringer anstieg.
Der Prozentsatz der arbeitenden weißen Frauen lag in den jüngeren Altersgruppen höher als bei Schwarzen und anderen Minderheiten, während in den
Altersgruppen über 25 das Verhältnis umgekehrt ist. So waren beispielsweise
junge weiße Frauen im Alter von 18 und 19 Jahren zu 48,9 Prozent berufstätig, jedoch nur 38,1 Prozent der farbigen Frauen. In der Altersgruppe von
25 bis 34 Jahren ist das Verhältnis umgekehrt 42,9 Prozent zu 57,6 Prozent.
Im Jahre 1969 gab es 1,6 Millionen berufstätiger Frauen, die 10 000
Dollar oder mehr im Jahr verdienten - verglichen mit.216 000 im Jahre 1955 und fast 3,4 Millionen Frauen hatten ein Einkommen zwischen 7 000 Dollar
und 9 999 Dollar jährlich - verglichen mit 429 000 Dollar im Jahre 1959.
Das Einkommen farbiger Frauen stieg im Verhältnis wesentlich stärker als
das der weißen.
Rund 50 Millionen Frauen hatten 1969 ein Einkommen, das im Gesamtdurchschnitt 2 330 Dollar jährlich betrug - verglichen mit 1 415 Dollar
jährlich zehn Jahre zuvor. Aus der Statistik geht weiter hervor, daß Kleinkinder und Schulkinder gegenüber früher kein wesentlicher Hinderungsgrund
mehr für die Mütter sind, einen Beruf auszuüben. Interessant ist auch, daß
bei älteren Frauen die Arbeitstätigkeit, d.h.die Zahl der gearbeiteten
Wochen pro Jahr größer ist als bei den jüngeren.

+++

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7/1973

ERTS-AUGEN SEHEN MEHR
Ermutigender Auftakt für Erderkundung mit Satelliten
Von G.Weiss

--(AD)--"Kleine Orte sind auf den Landkarten oft an falscher Stelle eingezeichnet. Die Ausdehnung von Lagunen ist unrichtig angegeben, manche
sind um ein Mehrfaches größer. Einige Nebenflüsse des Amazonas verlaufen
ganz anders als in den Karten verzeichnet - mit Richtungsunterschieden
bis zu 90 Grad. Wir haben Inseln ausfindig gemacht, die auf den Karten
nicht existieren."
Dieser Auszug aus einem Bericht von Dr. Fernando de Mendonca, des
Generaldirektors der brasilianischen Raumfahrtbehörde, an die NASA in
Washington ist typisch für Beobachtungen, die jetzt in zahlreichen Ländern
mit Hilfe des ersten Erderkundungssatelliten gemacht werden. Sie helfen,
Programme zu entwickeln, wie und für welche Zwecke unbemannte Geräte wie
der von den USA im Juli 1972 gestartete ERTS A-Satellit am besten eingesetzt werden sollen und wie die Daten zu interpretieren sind, die sie
zur Erde übermitteln.
-Fotogrammetrie--

-l-

�-FotogrammetrieAngesichts der Schwierigkeiten detaillierter Analysen unter den Gesichtspunkten der vielen verschiedenen Interessengebiete - u.a.Geologie, Mineralogie, Kartographie, Wasserwirtschaft, Land-und Forstwirtschaft, Schiffahrt
und Hochseefischerei, Raumplanung, Überwachung von Luft-und Wasserverschmutzung - steht in der Praxis zunächst einmal die Meßbildtechnik im Vordergrund. Vor allem in weniger genau vermessenen Regionen wie Südamerika,
Afrika oder im Mittleren Osten sind Wissenschaftler dabei, durch Vergleiche
mit den Geländeaufnahmen aus dem Weltraum Kartenwerke zu vervollständigen
oder zu korrigieren.
Im Iran entdeckte ein Wissenschaftler z.B. an Hand der ERTS-Aufnahmen
mehrere Seen sowie vulkanische Formationen, die in den Landschaftskarten
nicht aufgeführt sind. Auch entsprechen die Konturen der Bandar-Schah-Halbinsel auf der Karte nicht mehr den Konturen, die auf den ERTS-Bildern erscheinen. Die Veränderungen sind wahrscheinlich auf das Absinken des Wasserspiegels des Kaspischen Meeres zurückzuführen.
Die Republik Mali will aufgrund der ERTS-Aufnahmen genaue Karten vom
Gebiet dieses westafrikanischen Staates anfertigen lassen, was nach brasilianischer Erfahrung erheblich billiger kommt als unter Verwendung von Luftaufnahmen. Außerdem wird jetzt mit Hilfe der Weltraumbilder gezielt nach Wasser
gesucht und die günstigste Linienführung für Fernstraßen ermittelt. Ghana berichtet von einem Experiment, bei dem man der Heuschreckenplage dadurch Herr
zu werden hofft, daß die Insekten an ihren Brutstätten bekämpft werden. Sie
bevorzugen für die Eiablage Vegetationsränder von Wüstenland. Gewisse Farbveränderungen auf ERTS-Bildern in diesen Regionen &lt;;ind ein Alarmsignal und
ermöglichen wirksame Gegenmaßnahmen für weniger Geld.

-Die Kunst,

-2-

�-Die Kunst,Weltraumfotos zu interpretierenUra die Entwicklung brauchbarer Methoden zur Interpretation von Erdaufnahmen aus dem Weltraum bemühen sich amerikanische Wissenschaftler schon
seit Jahren. Dabei leisteten Fotoexperimente, die von Flugzeugen und APOLL0Raumschiffen aus gemacht wurden, wertvolle Hilfe- Das überflogene Gelände
wurde sowohl in den natürlichen Farben als auch in ausgesuchten Wellenlängenbereichen wie Grün, Rot oder Infrarot aufgenommen. Und da zeigte sich
beim Vergleich der "Falschfarben-Bilder", daß auf diesen gewisse Merkmale
-z.B.trockener oder sumpfiger Boden, gesunder oder kranker Baumbestand- in
Erscheinung treten, die auf dem "Normalfoto" überhaupt nicht auffallen.
Die gleiche Technik wird beim ERTS-Satelliten angewandt. Er übermittelt
aus ca.900 km Höhe Aufnahmen zur Erde, die in drei bezw. vier verschiedenen
Spektralbereichen erfaßt worden sind und erst im Labor wieder zum Normalbild zusammengesetzt werden. Sie stammen von einer Drei-Farben-Fernsehkamera und einem sogenannten Scanner, der die Erdoberfläche in vier verschiedenen Spektralbereichen nach Strahlungen abtastet. Während die -wegen mangelhafter Stromversorgung nur über den USA eingeschaltete- Fernsehkamera Fotos
vom jeweiligen Flächenausschnitt in Grün, Rot und Dunkelrot liefert, macht
der Scanner die Aufnahme vom gleichen Objekt in Grün, Rot, Dunkel-und Infrarot. Er arbeitet nach Aussage der Fachleute so gut, daß der Ausfall der Fernsehkamera gar keine Rolle mehr spielt. Die auf Magnetband gespeicherten
Erdbilder werden von drei amerikanischen und einer kanadischen Station abgerufen - pro Woche sind es ca. 750 Aufnahmen.
Nach dem Aufbereiten gehen diese zur Auswertung an 330 Wissenschaftler
in den USA und in mehr als 30 anderen Ländern, auch in der Bundesrepublik.
Die deutschen "Principal Investigators"sind an den Universitäten München,
Heidelberg, Frankfurt, der FU Berlin und an der Bundesanstalt für Bodenforschung in Hannover tätig und vertreten die Fachgebiete Geologie,Mineralogie,

3-

�Mineralogie, Hydrologie und Geodäsie. Einige von ihnen befassen sich nicht
nur mit der Analyse der ERTS-Aufnahmen von Mitteleuropa, sondern - im Auftrag der zuständigen Regierungen - auch mit der Auswertung der Fotos von
bestimmten Regionen in Südamerika und Afrika.
Wissenschaftler der Universität Kalifornien in Berkeley berichteten
kürzlich, daß sie bei 83 Prozent der ERTS-Aufnahmen von landwirtschaftlichen
Nutzflächen den Feldfruchttyp identifizieren konnten, sofern die Anbaufläche eine Ausdehnung von mindestens 8 Hektar hatte. Für kanadische Experten der Forstwirtschaft war die Feststellung äußerst eindrucksvoll, daß sie
Flächen mit Fichtenwaldungen, Pappelbestand, Weidenstrauchwerk und Schachtelhalm sowie nicht kultivierter Tundra gut voneinander unterscheiden konnten. Obstbaumkulturen, Felder, Weideland und Wald, Teiche und kleine Seen
waren zu identifizieren. Die Lichtabstrahlung von der Erde in den verschiedenen Spektralbändern, in denen der Scanner die Erdoberfläche abtastet, erlaubt bei wolkenfreiem Himmel auch Aussagen darüber, ob Gewässer klar oder
trübe sind.
Auf einer Anzahl von Aufnahmen der amerikanischen Atlantikküste, insbesondere von Gebieten der Bundesstaaten Massachusetts, New York, New Jersey
und Maryland mit der Bundeshauptstadt Washington , konnten bei den Städten
u.a. Industrie-, Geschäfts-und Wohnviertel ausgemacht werden. Gelegentlich
war sogar zu erkennen, ob es sich um Bezirke mit Ein-oder Mehrfamilienhäusern oder mit gemischter Bebauung handelte.

-Fischschwärme werden aufgespürtEine seltsame "Schlierenbildung" auf ERTS-Aufnahmen vom Golf von Mexiko
ließ vermuten, daß man zum ersten Mal einem großen Fischschwarm auf der
Spur war. Ein Forschungsschiff des US-Amtes für Meeres-und Atmosphärenforschung (NOAA), das sich zufällig in dem Seegebiet aufhielt, machte die

-4-

�t

die Probe aufs Exempel: Innerhalb von zwei Stunden waren die Netze übervoll.
Allerdings sind es nicht die Fische selbst, die durch die Fotos aus dem Weltraum entdeckt werden. Vielmehr registrieren die Sensoren des Scanners an
Bord des ERTS-Satelliten den hauchdünnen Ölfilm an der Wasseroberfläche, der
sich von den Überresten jener kleineren Tiere bildet, von denen die größeren
leben. Und da diese dünne Schicht eine für die Substanz typische Reflexionsstrahlung abgibt und man andererseits bei den Mearesbewohnern recht gut weiß,
wer auf wessen Kosten lebt, ist es somit auf indirektem Wege sogar möglich,
Aussagen darüber zu machen, um welche Fischart es sich bei dem Schwärm handelt.
Angesichts solcher ersten Erfolge darf man allerdings nicht vergessen,
daß sich die Fernüberwachung des menschlichen Lebensraumes und die Bestandsaufnahme von unveränderlichen und veränderlichen Gegebenheiten auf der Erdoberfläche

ebenso wie die Nutzung der Daten, noch im Anfangsstadium befin-

den. Durch das ERTS-Programm werden zunächst einmal Modelle und Normen geschaffen, um künftig die Flut von Daten aus dem Weltraum von besonders ausgebildeten Fachkräften routinemäßig auswerten zu lassen. Diese neue Technik
könnte aber in absehbarer Zeit dazu beitragen, die Lebensbedingungen allgemein zu verbessern und die Hilfsquellen und Rohstoffe, die der Menschheit zur
Verfügung stehen, ökonomischer zu nutzen.

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7/1973

NATIONALE MASSNAHMEN SIND NICHT GENUG
UN

-Uf&gt;-Rauschgiftkommission fordert weltweite Aktionen gegen Drogenmißbrauch--(AD)-- Ohne die aktive Unterstützung "aller Menschen dieser Erde" wird
dem immer weiter anwachsenden Drogenproblem nicht beizukommen sein. Nach
Ansicht von John E. Ingersoll, Direktor der amerikanischen Zentralstelle
für Narkotika und gefährliche Drogen (BNND) und seit kurzem Vorsitzender
der UN-Rauschgiftkommissioit, vermögen weder Regierungs-und Justizbehörden noch
nationale oder internationale Kommissionen und ebensowenig die Vereinten
Nationen als Organisation dieses schwerwiegende Problem zu lösen, solange
es Menschen gibt, die den Drogenmißbrauch tolerieren oder gar unterstützen.
Am letzten Tag der diesjährigen Konferenz der UN-Rauschgiftkommission,
die vom 22. Januar bis 9. Februar 1973 in Genf ihre 25. Tagung abgehalten
hatte, erläuterte John Ingersoll vor Pressevertretern die gegenwärtige
Situation. Zwar seien vereinzelt ermutigende Entwicklungen in Richtung auf
eine wirksame Bekämpfung zu verzeichnen. Insgesamt gesehen habe sich jedoch
der Drogenmißbrauch ausgeweitet und viele verschiedene Formen angenommen.

In

-l-

�In einigen Ländern ist, wie Ingersoll erklärte, Cannabis in allen seinen
Varianten der gängige Stoff. In höchstem Maße alarmierend sei dort der ständig steigende Gebrauch des Cannabis-Extrakts Tetrahydrocannabinol(THC), der
besonders massiv wirke. In anderen Ländern ist der Gebrauch von Opiumderivaten besorgniserregend - in Nordamerika und Westeuropa von Heroin, in Skandinavien von Morphin, in Asien und vor allem Südostasien von Opium und Rohmorphin. Außerdem sind jetzt in einigen westeuropäischen Ländern sowie in
verschiedenen Entwicklungsländern synthetische und psychotrope Substanzen erschreckend weit verbreitet - eine Entwicklung, die sich auch in Skandinavien
und in Nord-und Südamerika abzeichnet. Immer mehr Drogenabhängige konzentrieren sich nicht mehr auf ein Mittel, sondern nehmen verschiedenartige Suchtstoffe. Das erschwert sowohl die Bekämpfung des Rauschgiftproblems als auch
die Behandlung der Süchtigen außerordentlich.
Um den illegalen Versorgungsquellen besser auf die Spur zu kommen, will
die UN-Rauschgiftkommission künftig regional stärker aktiv werden. So soll
eine Unterkommission für den Nahen und Mittleren Osten aus Vertretern
Afghanistans, Irans, Pakistans, der Türkei und Schwedens gebildet werden, die
zur Unterbindung des illegalen Handels in diesem Raum mit den zuständigen
Regierungen zusammenarbeitet. Ein ad-hoc-Komitee der Kommission wird in
16 asiatische Staaten reisen, um mit den Behörden die Situation zu erörtern
und künftige Maßnahmen vorzubereiten. In Südamerika sind Konsultationen
über ähnliche Aktionen bereits im Gang.
Ingersoll hofft, daß über den UN-Wirtschafts-und Sozialrat (ECOSOC)
und die Vollversammlung der Vereinten Nationen weltweit Interesse an gemeinsamen und wirksamen Aktionen gegen Rauschgifthandel und Drogenmißbrauch geweckt wird. Nationale oder bilaterale Aktionen, wie sie z.B. von den USA

-2-

�USA und einigen westeuropäischen Ländern praktiziert werden, können nur
einen ermutigenden Anfang darstellen, reichen aber für eine Bewältigung
des Problems niemals aus
Wie Ingersoll vor den Vertretern der 30 Mitgliedstaaten der UN-Rauschgif tkommission erklärte, ist die Existenzsicherung für die Landbevölkerung
von Staaten des Mittleren und Fernen Ostens, die bisher aus dem Anbau von
Hanf und Mohn ihren Unterhalt bestritt,

mit Hilfe von Umstellungsprogram-

men für die Landwirtschaft eine vordringliche Aufgabe. In Thailand ist bereits ein großangelegtes Projekt im Gang, mit Burma und Afghanistan wird
darüber noch verhandelt. Derartige Vorhaben, die sich auch auf die soziale
und wirtschaftliche Struktur der betreffenden Länder auswirken, sollen weitgehend aus dem UN-Fonds zur Bekämpfung des Drogenmißbrauchs finanziert werden. Die von 20 Ländern bisher dafür eingezahlten Beiträge belaufen sich
jetzt auf mehr als 4,5 Millionen Dollar - drei Millionen steuerten allein
die USA bei. Die Mittel reichen bei weitem noch nicht aus, um die Verhältnisse vor allem im Orient so zu verändern, daß der illegalen Drogenproduktion und dem Rauschgifthandel nicht mehr Vorschub geleistet wird.
Auch die großen Lücken in bezug auf exakte und neueste Informationen
zur Drogensituation behindern den Kampf an der Rauschgiftfront. Dieses
Problem müsse,wie Ingersoll forderte, auf breitester internationaler Basis
angegangen werden, wobei auch größerer Wert auf die wissenschaftliche Forschung und den Austausch von Ergebnissen zu legen sei.
Wie Präsident Nixon in der kürzlich dem US-Kongreß zugeleiteten Haushaltsbotschaft für 1974 erklärte, werden die Vereinigten Staaten den Kampf
gegen den Drogenmißbrauch weiter intensivieren. Für Maßnahmen zur Unterbindung des Rauschgifthandels und für die Behandlung und Rehabilitation von
Drogenabhängigen sind 719 Millionen Dollar bereitgestellt.

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7/1973

KREBSTIERSCHALEN ALS CHEMISCHER ROHSTOFF
Modellanlage koppelt Chemikalien-Gewinnung mit Produktion von
Protein-Kon?, snt rat
--(AD)-- Die Schalen von Krebsen, großen Garneelen und anderem Meeresgetier, die bisher als Abfall ins Meer gekippt wurden und ein höchst unangenehmes Verschmutzungsproblem heraufzubeschwören drohen, dürften in absehbarer Zeit für eine Vielzahl von Industriezweigen interessant werden. Ein
privates Forschungslabor in Seattle (US-Bundesstaat Washington), das mit
Unterstützung des US-Amtes für Meeres-und Atmosphärenforschung (NOAA) entsprechende Untersuchungen durchführte, entwickelte Verfahren zur Extraktion
von Chitin und zur Gewinnung von Chitosen aus der Schalenmasse. Chitin,
allgemein der Hauptbestandteil des Panzers von GLiederfüßlern, ist ein
stickstoffhaltiges Polysaccharid, das sich für die verschiedensten Verwendungszwecke eignet, z.B.:
-- als Zusatzstoff bei der Herstellung von Zeitungspapier zur Erhöhung der Naßfestigkeit;
— als Zusatzstoff zur Babynahrung;
- - als Koagulierungsmitttel bei der Behandlung von Frischwasser, Abwasser und von Kanalisationsabwässern;
als

-1-

�-- als Zusatzstoff zu Präparaten gegen Magenübersäuerung;
-- in der Wundbehandlung;
—

für langsame, gesteuerte Freisetzung von Herbiziden und Insektiziden;

-- für finish-Verfahren der Textilindustrie;
-- in Wasserfarben-Emulsionen;
-- als neue synthetische Faser;
-- als Verdickungsstoff für bestimmte Nahrungsmittel;
-- in der Filmfabrikation und bei der Herstellung von Spezialklebern.
Die "Food, Chemical and Research Laboratories, Inc." in Seattle
verarbeiteten in erster Linie die Beinschalen von Königskrabben, wobei das
Verfahren mit der Gewinnung von Eiweißkonzentrat aus Meerestieren gekoppelt
wurde. Bei voller Ausnutzung ihrer Kapazität kann die vorerst nur als
Modellbetrieb unterhaltene Anlage pro Monat ca. eine Tonne Chitin produzieren. Die Errichtung einer zweiten, größeren Anlage wird zur Zeit erwogen. In der Praxis zeigte sich, daß mit den neuen Verfahren 75 bis 83 Prozent; der Abfälle der wichtigsten Schalentierarten nutz-und gewinnbringend
zu verwenden sind.

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                <text>&lt;strong&gt;1. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erklärung von US-Finanzminister Shultz vom 12. Februar 1973 zur Abwertung des Dollar&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Das neue amerikanische Kabinett&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Das neue Bevölkerungsporträt der Vereinigten Staaten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Bericht des Statistischen Bundesamtes -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;ERTS-Augen sehen mehr&lt;br /&gt;Ermutigender Auftakt für Erderkung mit Satelliten&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von G. Weiss&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nationale Maßnahmen sind nicht genug&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- US-Rauschgiftkommission fordert weltweite Aktionen gegen Drogenmissbrauch -&lt;/em&gt;</text>
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