Eine Frau auf Alligatorenfang

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Augenkontakt mit Alligator im Sumpf in der Nähe von Lafitte, Louisiana(1)

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Mississippi-Alligator(2)

1949 Florida - eine Frau, ein Mann, ein Kanu und ein kreischendes Krokodilbaby. Mrs. Celeste Roess verdient ihren Lebensunterhalt auf unkonventionelle Weise: mit der schweißtreibenden Jagd nach Alligatoren.

Zu Beginn hörte sich alles ganz harmlos an. Eine Zeitungsannonce „Laboratorium Assistentin gesucht“. Schlangengift zu medizinischen Zwecken herstellen, in geschützten Laborwänden. Auch nicht der klassische 9 to 5 Job, aber kein Vergleich zu der „Abenteuerfilm-gleichen“ Arbeit, die Celeste fünf Jahre später als rechte Hand von Ross Allen leisten wird.

Die Sonne hängt tief. Nicht mehr lange und sie verschwindet gänzlich am Horizont. Es ist Dämmerungszeit im Norden Floridas und ein einsamer Jeep bahnt sich den Weg in Richtung Sumpfgebiet. Während für die meisten der Tag sich bereits dem Ende neigt, heißt es für die beiden Reptilienforscher Ross Allen und Celeste Roess: Arbeitsbeginn.

Die Hitze treibt einem bereits im Stehen Schweißperlen auf die Stirn. Lautlos setzen sie das Kanu ins Wasser – das Kanu – in den trüben Gewässern wird es zu einer Art heiligen Ort. Beherrbergt es die einzigen Quadratmeter geschützten Raumes, die den Forschern bei ihrer Jagd bleiben.

Bewaffnet mit einer Taschenlampe durchstreifen sie die Sümpfe, auf der Suche nach rot aufleuchtenden Alligatoraugen. Die Nacht ist nahezu geräuschlos, bis auf das beständige Kreischen des Krokodilbabys auf Mrs. Roess Handfläche - der ideale Köder um ein Erwachsenentier anzulocken.

Trifft der Lichtstrahl auf ein starr geöffnetes Auge, muss Mrs. Roess versuchen, vorsichtig der Panzerechse die weiße Schlinge, die an einem Stab befestigt ist, um den Hals zu legen. Schafft sie es, beginnt der gefährlichste Teil der Arbeit: Sie muss das Tier mit aller Kraft auf Distanz halten. So praktisch ein Kanu auch sein mag, es ist wie zum Kentern erschaffen. Erst recht, wenn ein ausgewachsener, wutentbrannter Alligator um seine Freiheit kämpfend, wild um sich schlägt.

Und in der Schwärze der Nacht, bei voller Dunkelheit in trüben Gewässern mit einem gereizten Krokodil zu schwimmen, ist kein Job für schwache Nerven.

Einige der gefangenen Tiere landen in Ross Allens Forschungsinstitut für Reptilien in Silver Springs. Andere werden geschossen, ihre Haut verkauft und der Inhalt ihrer Mägen zu wissenschaftlichen Zwecken untersucht. Und das Fleisch, das nach einer Kreuzung aus Fisch und Schwein schmeckt, landet auf dem Teller.

Diese Geschichte basiert auf einem Artikel des Amerika Dienstes aus dem Jahre 1949. Um zum Originaltext zu gelangen, klicken Sie bitte hier.

(1) Augenkontakt mit Alligator im Sumpf in der Nähe von Lafitte, Louisiana. Foto gemacht von Jan Kronsell, Juli 2004, CC BY-SA 3.0, es wurden keine Änderungen vorgenommen

(2) Mississippi-Alligator, gemeinfreies Bild vom US-amerikanischen Fisch- und Wildtierdienst

Diese Data-Story entstand 2019 im Rahmen eines Projektseminars am Institut für Bibliotheks- und Informationswissenschaft

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